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oKToBer 2017

Oktober 2017 · B 1309 | € 7,50 Schweiz CHF 11,50 | Österreich € 8,00 | Be/ne/lux € 8,50

Sammler Journal

KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN

GEMI

Über 2.000 Termine

Schätzungen Auktionen Ausstellungen

DAS FUTURO Matti Suuronens berühmtes Ufo-Haus ist gelandet De Stijl Der 100. Geburtstag, Teil II: Gerrit Rietveld Schaugerichte Das Auge isst mit


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11.09.2017

19:58 Uhr

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Vier Crooke‘sche Demonstrations-Röhren, um 1915 Schätzpreis: € 300 – 500

Rechenmaschine ‚The Millionaire‘ , um1893 Frühes Modell, mit vierseitiger Verglasung zur Demonstration der mechanischen Rechenvorgänge! Schätzpreis: € 1.800 – 2.500

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Rechenmaschine »Mercedes (Gauss)«, 1905 Sensationell seltene Staffelscheiben-Vierspeziesmaschine von Christel Hamann, Berlin. – Schätzpreis: € 7.000–10.000 Lioret »Le Merveilleux« Phonograph, um 1898 Model 1, Nr. 3817, von Henri Lioret, Paris Schätzpreis: € 2.000 – 3.000

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Münzautomat ‚Der Elektrische Matrose‘, um 1910 Von Polyphon Musikwerke, Leipzig Schätzpreis: € 5.000 – 8.000

Die Spezialisten in »Technischen Antiquitäten«

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INHALT

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DAS FUTURO von Dr. Wolfgang Hornik

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SCHAUGERICHTE von Sabine Spindler Titelfoto: Das Futuro vor der Alten Pinakothek in München Foto: Wolfgang Hornik

SAMMLER-SERVICE

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DIE KÜNSTLERIN MARGIT GRÜNER von F. X. Hitzler

MAGAZIN

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MESSETERMINE

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KUNSTMARKT

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FOTOKUNST

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AUKTIONSTERMINE

49

INSERENTENVERZEICHNIS

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DE STIJL

AUKTIONSNOTIZEN

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von Ina Knekties

AUSSTELLUNGSTERMINE

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AUSSTELLUNGEN

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LITERATURTIPP

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VORSCHAU | IMPRESSUM

TEIL II

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SCHIMMERNDE SCHÖNHEITEN von Heidrun Th. Grigoleit

AUKTIONSPREISE Deckenleuchten & Gablonzer Glas

68 76 92 100

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MAGAZIN

Alte Meister und wilde Pferde Kunst & Antiquitäten im Postpalast München Bereits zum 96. Mal findet vom 21. bis 29. Oktober 2017 die traditionsreiche Kunst & Antiquitäten München statt. Dabei laden zum dritten Mal die Veranstalter in ihre neue Heimat im Postpalast ein. Ein Ort, der bei den Besucherinnen und Besuchern hervorragend ankommt und der Messe viele neue Aussteller beschert: Schon drei Monate vor Beginn der Messe waren die Standplätze komplett ausgebucht. Mit einer Vielzahl außergewöhnlicher Exponate und insbesondere einer so noch nie gesehenen Vielfalt an Ausstellungsstücken lädt die Kunst & Antiquitäten München neben Kunstsammlern und Experten auch alle Kunstinteressierten ein, die einfach mal in Ruhe in die Welt der Kunstkammerobjekte eintauchen möchten. Auch diesmal versammelt die Messe renommierte Händler aus Deutschland und dem benachbarten Ausland. Insgesamt 65 Aussteller, darunter auch erstmalig Teilnehmende wie Altmeister-Galeristin Dr. Maria Galen, Silberspezialist Dr. Schepers und die moderne Galerie Augustin, bieten dabei Seltenes, Begehrtes und Stücke von oft musealer Qualität. Das Spektrum der Exponate reicht von der Antike bis in die Moderne, versammelt Asiatika, Wiener Kunsthandwerk und englisches Mobiliar sowie eine opulente Auswahl an Gemälden, Schmuck, Silber, Skulpturen und alpenländischer Volkskunst. Über die Jahre hinweg hat sich die Messe so als Institution innerhalb der Kunstwelt und feste Größe im Kunsthandelskalender weit über München hinaus etabliert. Ein neues Highlight stellt in diesem Jahr die breite Auswahl alter Meister dar – hervorstechend „Blumenkranz mit Büste" von Jan Pieter Brueghel aus der Galen Galerie, Greven. Ungewöhnlich groß ist dieses Mal auch das Angebot aus späteren Epochen bis in die Neuzeit. Für Objekte aus der Moderne sorgt in diesem Jahr die Galerie Augustin aus Inns-

Alex Crieger, Wild Horses, Galerie Augustin Innsbruck; Kunst & Antiquitäten im Postpalast München

bruck/Wien, die mit dem Münchner Fotografen Alex Crieger Digital Art auf Leinwand präsentiert und erstmals einen Fotografie-Schwerpunkt auf der Kunst & Antiquitäten zu setzen vermag. Nach wie vor im Fokus vieler Besucher sind Schmuckstücke, beispielsweise bei Händlerin Sabine Füchter aus München, oder exklusive Raritäten wie der „Tigerteppich", der das derzeit einzig bekannte Exemplar am Markt ist und am Stand von Max Lerch ausgerollt wird. Der Herbst in München verspricht wieder ein wahrer KunstHochkaräter zu werden – parallel zur 96. Kunst & Antiquitäten findet mit den Highlights internationale Kunstmesse vom 25. bis 29. Oktober 2017 zum achten Mal in der Münchner Residenz statt. Beide Messen kooperieren mit einer gemeinsamen Ermäßigungs-Eintrittskarte, die in diesem Jahr erstmals auch für „The Munich Show” Gültigkeit besitzt. TELEFON | 0172 7533184 INTERNET | www.kunst-antiquitaeten.de

Konzentriert auf Qualität 8. Highlights München

Otto Dill, Heimkehr vom Pferderennen, Kunsthaus Bühler Stuttgart; Kunst & Antiquitäten im Postpalast München

Zum achten Mal bringt die Highlights Internationale Kunstmesse München einen Reigen international renommierter Kunst- und Antiquitätenhändler in die bayerische Landeshauptstadt und macht den Standort zum Hot-Spot der Branche. Sammler und Händler verbindet eine einzigartige Leidenschaft: Die Faszination Kunst. Sie öffnet Horizonte, sie schärft das Auge und sie bereitet sinnliches wie intellektuelles Vergnügen. Dieser wunderbaren Seite des Lebens eine Bühne zu bieten – das strebt die Highlights Internationale Kunstmesse München auch in diesem Jahr wieder an.


013_Siebers

11.09.2017

20:00 Uhr

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Lot 147, Kuniyoshi. Schätzpreis 400,- €

15. Auktion Asiatische Kunst, Stammeskunst, Varia

Sa. 30. Sept. 2017 ab 14 Uhr Vorbesichtigung 23.–29. Sept., 14–18 Uhr Samstag 30. Sept., 10–13 Uhr Auktion und Vorbesichtigung: Riehler Str. 77, 50668 Köln, Germany Tel. +49 (0)221 16899440 oder +49 (0)221 16898431 weissenberg-deville@signens.com • www.signens.com

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021_Ramer

11.09.2017

20:02 Uhr

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KUNSTMARKT

Wassily Kandinsky Der Rausch der Abstraktion Ob er nun der Erfinder der abstrakten Malerei ist oder nicht, eins steht fest: Wassily Kandinsky hat sie wie kein anderer Künstler vor ihm geprägt. Er ignorierte jede Art der Imitation und prägte einen Umschwung in der Ästhetik, der in der Kunst Geschichte schrieb. Seine Schaffenskraft hat über ein Jahrhundert überdauert, ohne an Lebendigkeit zu verlieren, und die neuesten Spitzenbeträge, die bei Auktionen für seine Werke erzielt wurden, bezeugen dies. Kandinsky wurde 1866 in Moskau als Sohn einer wohlhabenden und kultivierten Familie geboren und verbrachte seine Kindheit in Odessa, bevor er in der russischen Hauptstadt Jura und Wirtschaft studiert. Er beginnt erst zu einem späteren Zeitpunkt – im Alter von 30 Jahren – sein Malereistudium an der Akademie der Bildenden Künste in München. Obwohl er in dieser Zeit produktiv gewesen sein soll, sind nur wenige Werke aus seiner Studienzeit erhalten. Zwischen 1903 und 1908 reist er durch Europa und verbringt auch eine für seine Arbeit entscheidende Periode in Paris (1906-1907). Hier entdeckt er die Künstler der Avantgarde wie Paul Cézanne, Pablo Picasso und Henri Matisse. Drei Namen, die ihn inspirieren und die er in seiner berühmten Schrift „Über das Geistige in der Kunst“ aus dem Jahr 1910 häufig zitiert. In diesem Jahr schafft Kandinsky auch das Aquarell, das lange Zeit als das erste abstrakte Kunstwerk angesehen wurde. Kunsthistoriker und Kritiker haben den Verdacht, dass Kandinsky es rückdatiert hat, um sicherzustellen, dass er als Vater der Abstraktion in die Geschichtsbücher eingeht – derzeit wird dieser Titel allerdings Frantisek Kupka zugeschrieben. Im Jahr 1918 wagt Kandinsky nach der russischen Revolution eine kurze Rückkehr nach Moskau. Er steht im Widerspruch zu den offiziellen Kunsttheorien und er geht 1921 nach Deutschland zurück. Dort unterrichtet er von 1922 bis zur Schließung der Schule durch die Nazis im Jahre 1933 am Bauhaus. Er wandert nach Frankreich aus und nimmt 1939 die französische Staatsbürgerschaft an, bevor er 1944 in Neuilly-sur-Seine verstirbt.

Wassily Kandinsky, Rigide et courbé, 1935 (Christie's, New York, November 2016, Zuschlagspreis 19.160.060 Euro) Foto © 2016 Christie’s Images Limited

Viele seiner zwischen 1903 und 1907 geschaffenen Werke stellen größtenteils Landschaften und Städte dar, die er mit breiten Pinselstricken in identifizierbaren Formen auf die Leinwand bringt. Der Mensch ist seit Anbeginn seiner Arbeiten quasi nicht vorhanden oder spielt lediglich eine Nebenrolle. Auch wenn diese seltenen Landschaften weniger repräsentativ für den Beitrag Kandinskys zur Kunstgeschichte sind, haben sie einen Wert von mehreren hunderttausenden Dollar, sofern sie fertiggestellt sind und sich in einem guten Zustand befinden. In den letzten 20 Jahren wurden circa 50 Gemälde und ein Dutzend Zeichnungen aus dieser Schaffensphase versteigert. In Richtung Abstraktion Ab 1908 beginnt Kandinsky, immer phantasievollere Szenen zusammenzusetzen und entfernt sich von der Malerei nach Motiv. Er bannt Eindrücke seiner Reisen durch Europa auf die Leinwand und interpretiert mentale Landschaften neu. Nach Goethes Farbenlehre veröffentlicht Kandinsky „Über das Geistige in der Kunst“ (1910). In dieser ersten konzeptuellen Schrift über abstrakte Kunst geht es um Malerei als eine nur mittels Ausdruckskraft der Farben metaphysische Reise. In der gleichen Zeit entdeckt er die sogenannte atonale abstrakte Musik von Arnold Schönberg, die seinen Bezug zur Kunst wesentlich beeinflusst. Diese neue Inspiration führt zu Werken mit suggestiven Titeln wie „Komposition“, „Improvisation“, „Fuge“, in denen die Bewegung und der Rhythmus der Komposition eine bestimmte Musikalität atmen. Wie die Musik muss das Gemälde sich seiner Theorie nach vor allem an die Seele richten. Diese Schaffensperiode vor dem Bauhaus wird von Sammlern am meisten geschätzt und begehrt. Die Preise für die Serie „Improvisation“ aus dem Jahr 1909, die nur aus acht Gemälden besteht, erleben einen Höhenrausch. Ein vielsagendes Beispiel ist der Verkauf einer Studie zu „Improvisation 3“, die 2008 für etwas weniger als 17 Millionen Dollar und 2013 dann für 21,2 Millionen Dollar versteigert wurde. Das Werk war nach fünf Jahren demnach vier Millionen Dollar mehr wert – eine gute Rendite.

Wassily Kandinsky, Murnau – Landschaft mit grünem Haus (Murnau – landscape with green house), 1909 (Sotheby's, London, Juni 2017, Zuschlagspreis 21.101.100 Euro)


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KUNSTMARKT

Wassily Kandinsky, Studie für Improvisation 8, 1909 (Christie's, New York, November 2012, Zuschlagspreis 16.018.700 Euro) Foto © 2012 Christie’s Images Limited

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KUNSTMARKT

Wassily Kandinsky, Bild mit weißen Linien (Painting with white lines), 1913 (Sotheby's, London, Juni 2017, Zuschlagspreis 33.305.520 Euro)

Rekordbeschleunigung Das vielsagendste Beispiel der starken Preisentwicklung für seine Arbeiten spiegelt sich in drei Auktionspreisen wider, die vor Kurzem erzielt wurden. Am 21. Juni 2017 verzeichnete Sotheby's einen neuen Rekord für Kandinsky in Höhe von 42,26 Millionen. Dollar für „Bild mit weißen Linien“. Dieses Gemälde aus dem Jahre 1913 spielt mit der Beziehung zwischen Tönen und Farben. Es wurde von den Erben des Sammlers William Hack weiterverkauft, der das Werk bei der Tretjakow Galerie in Moskau gekauft hatte. Das bedeutende Gemälde „Bild mit weißen Linien“ hat einen historischen Rekord für diesen Künstler erzielt, der einer der wichtigsten in der Geschichte der Kunst des 20. Jahrhunderts ist. Nur wenige Minuten vor diesem Verkauf war ein weiterer absoluter Rekord erzielt worden, und zwar für ein Gemälde mit fauvistischen Einflüssen mit dem Titel „Murnau“. „Landschaft mit grünem Haus“ (1909) wechselte für 26,8 Millionen Dollar den Besitzer. „Murnau“ übertraf bereits die 23,3 Millionen Dollar, die für „Rigide et Courbé“ (1935) bei der Versteigerung bei Christie's New York am 16.

November 2016 erzielt wurden. Der Doppelrekord vom 21. Juni bestätigt die Preissteigerung für Kandinsky. Diese ist umso offenkundiger, da die Mehrzahl seiner Werke im Besitz von Museen ist, was zum Teil dem berühmten Vermächtnis von Nina Kandinsky, der Frau des Malers, an das Centre Pompidou in Paris zu verdanken ist. QUELLE | artprice.com


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Schaug erichte Schaugerichte und Trompe l‘oeil Von Sabine Spindler

Das Auge isst mit, sagen nicht nur Feinschmecker. Europas Fayence-Manufakturen des 18. Jahrhunderts und einige Porzellanmanufakturen lieferten mit Truthahnterrinen, Apfeldosen und verwirrend echt aussehenden OlivenPlatten jene Zutaten eines Festmahls, die die Genussfreude noch einmal steigerten. Der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt.

Üppiges Tafeln, rauschende Feste und nicht zu vergessen die Jagd als privilegiertes Amüsement des Adels – das gehörte in Barock und Rokoko zur Lebensart der höheren Gesellschaftskreise. Man kann sich bestens vorstellen, wie die Einladung zum Wildbret nicht nur zu einem kulinarischen Versprechen, sondern zu einem Augenschmaus wurde, wenn auf dem Tisch der derbe zottelige Kopf eines Ebers thront, als FayenceTerrine für Pastete lebensecht und mit wachem Blick gestaltet. Der Spargel, das königliche Gemüse schlechthin, kam in doppeltem Sinne auf den Tisch – als Gemüse und als Trompe l’oeil-Dose in Fayence. Das 18. Jahrhundert war die Blütezeit der Schaugerichte und Trompel’oeil-Fayencen. „Sie galten als Clou auf den opulenten Festtafeln der adligen Herrschaften“, meint der Kunsthändler Heinz Esch, einer der profundesten Kenner dieser Spezies. In ganz Europa legten die Manufakturen Pasteten- und Ragoutterrinen, Butter- und Konfitürendosen in Form von Hühnern, Fischen und Pfirsichen, Schüsseln vom Aussehen eines Kohlkopfes sowie Weintrauben oder Möpsen nachempfundene Deckeldosen auf. Auf den Tafeln fürstlicher Diners waren diese Augentäuscher weitaus mehr als das Zeichen einer überbordenden Dekorationssucht. Sie waren Teil einer opulenten, auf die Spitze getriebenen Geschmacks- und Tischkultur und stimmten wie ein visueller Appetitanreger auf die Speisenfolge ein. Die Kunst des Kochens und der Luxus feinster Speisen wurden gepaart mit der Raffinesse des Geschirrs. Dahinter verbarg sich ebenso die Lust am Spaß und Scherzhaften. Es war ein Spiel, das seinen Esprit aus dem Widerspruch von Sein und Schein bezog und vielleicht auch manchen zum Narren machte, der im schummrigen Kerzenlicht mit der Gabel in ein halbiertes Ei aus Keramik stechen wollte.


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GEFRAGTE FAYENCEN Erstaunlich ist, dass sich das Phänomen Trompe l’oeil in den Manufakturen quer durch ganz Europa ausgebreitet hat. Von Neapel im tiefsten Süden bis Rörstrand in Schweden, von Marseille über Brüssel bis hin nach Schlesien gehörten diese Augentäuscher zum Programm. Was auf den Tisch kam, spiegelte sich in den Geschirren wieder: Wild, Geflügel, Zitrusfrüchte, Fische und für die Butter – wie ein Beispiel aus der Bayreuther Manufaktur – darf es auch eine liegende Kuh sein. Es konnte nicht groß und nicht faszinierend genug sein – schließlich wetteiferten auch die verschiedensten Höfe Europas miteinander um den besten Ruf in punkto Glanz und Repräsentation. Die Fayence hatte sich gerade ihren Weg auf die fürstliche Tafel erobert. Mit ihren üblicherweise weißen, deckenden Glasuren kam sie dem gerade in Europa noch einmal entdeckten Porzellan in Aussehen und Feinheit am nahesten. Mit den Trompe l’oeil-Geschirren und Schaugerichten eröffnete sich ihnen ein neues Feld nicht nur unter künstlerischem Gesichtspunkt, auch ökonomisch. Wer kein Porzellan herstellen konnte, oder in diesem Markt noch nicht Fuß gefasst hatte, verlegte sich auf den Tonscherben. In vielen deutschen Regionen wurden zwischen

Große Deckelterrine in Form eines Fisches, Brüssel, Manufaktur Philippe Mombaers, Mitte 18. Jahrhundert, Fayence, farbig staffiert in Braunschattierungen, L 54 cm, ehemals Sammlung Schmitz-Eichhoff, Auktionspreis bei Koller für 1.875 Schweizer FranFoto: Auktionshaus Koller ken (inkl. Aufgeld) versteigert Oben: Kleine Deckelterrine in Form einer Ente, auf ovaler Platte, Köln, Ende 18. Jahrhundert, Fayence, numeriert „1“ und „2“, Foto: Esch Kunsthandel polychrome Bemalung mit Aufglasurfarben, H 20 cm, L 25,5 cm Ganz oben: Trompe-l’oeil-Teller mit halbierten Eiern, Fahnenrand mit stilisiertem Muster bemalt, Nordfrankreich, Mitte 18. Jahrhundert, Fayence, D 22,5 cm, ehemals Sammlung Schmitz-Eichhoff, bei Koller für 9.375 Schweizer Franken (inkl. Aufgeld) Foto: Auktionshaus Koller versteigert Links: Lebensgroße, imposante Eberkopfterrine mit Eckzähnen, halbgeöffnetem Maul und den stierendem Blick, Manufaktur St. Omer, Frankreich, zwischen 1751 und 1788, Fayence, bemalt in „gran feu“-Farben Mangan, Rot und Dunkelbraun, H 25,5 cm, Foto: Brian Haughton Gallery L 43 cm


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1710 und 1750 Manufakturen gegründet, oft gefördert von den jeweiligen Landesherren. Denn die Keramikindustrie war ein einträglicher Wirtschaftszweig, zudem schufen die Fabriken vor der Haustür Unabhängigkeit von Importen aus anderen Ländern und sicherte die Belieferung des eigenen Hofes.

REIZ DER IMITATION Worin der Reiz der Trompe l’oeil-Fayencen lag, verkörpert am deutlichsten das Paar Kohlköpfe aus der Straßburger Manufaktur von Paul Hannong von circa 1750. Sie waren begehrt, weil sie mit ihrem bezaubernden Naturalismus lebensechte Kunst verkörperten und zugleich eine schöne Illusion vorgaukelten. Auf eine spezielle Weise setzen sie die bereits untergegangene StilllebenKunst fort. Ein Großteil der Terrinen wurde für Jagdservice geliefert. Kohlköpfe wie diese gehörten zum Beispiel zum Service der Markgräfin von Baden. Auf diesen Tafeln durfte es ruhig etwas rustikaler zugehen. Große Truthahnterrinen, die für Hersteller oft eine technische Herausforderung waren, Teller mit überreifen Birnen und Zitronen steigerte nur den Augenschmaus. Zwei der bedeutendsten Manufakturen auf dem Gebiet der Trompe l’oeil-Fayencen waren die Unternehmen in Straßburg und Höchst. Angeblich war die Straßburger Manufaktur, in die 1748 der außergewöhnlich talentierte Modelleur Johann Wilhelm Lanz eingetreten war, die erste Fay-

Set von Dosen in Form von Zitronen auf einem großen gemuldeten Weinblatt, Königlich Preussische Porzellanmanufaktur, Berlin, um 1765, Porzellan, Zitronen ausgestattet mit weißen Blüten als Handhabe für den Deckel, B 20 cm, im Auktionshaus Foto: Lempertz Lempertz versteigert für 2.100 Euro (inkl. Aufgeld) Oben: Trompe-l’oeil-Teller mit gelb gereiften Birnen, Italien um 1800, Fayence, Tellerrand mit Blumendekor verziert, D 22,7 cm, Foto: Auktionshaus Koller ehemals Sammlung Schmitz-Eichhoff, bei Koller für 8.125 Schweizer Franken (inkl. Aufgeld) verkauft Ganz oben: Paar Kohlkopf-Terrinen, Manufaktur Paul Hannong, Straßburg, Fayence, um 1750, Modelleur wahrscheinlich Foto: Langeloh Porcelaine Johann Wilhelm Lanz, außergewöhnliche Trompe-l’oeil-Arbeit, D ca. 34 und 37 cm, H 21 und 25 cm


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PORZELLAN/FAYENCEN

ence-Werkstatt, die eine Kohlkopfterrine herausbrachte. Das Gemüse scheint die Gemüter bewegt zu haben. Laut Archiv der Meißner Porzellanmanufaktur hat sich zu dieser Zeit auch der Modelleur Johann Gottlieb Ehder mit derselben Sorte beschäftigt. 1746 modellierte er eine Saucière und eine Butterdose in Form eines Krautkopfes. Die Manufaktur in Höchst hingegen soll den Anstoß gegeben haben, Terrinen in Tierform zu kreieren. Eine klare Linie zwischen den Produktionen der einen und der anderen Manufaktur lässt sich allerdings nur schwer ziehen. Aber: dass Auftraggeber die verschiedenen fürstlichen Jagdreviere und regionalen Landwirtschaftserzeugnisse ihren Niederschlag in den Produktpaletten fanden, ist unübersehbar. Höchst zum Beispiel bevorzugte für seine Terrinen Landvögel wie Rebhühner, Schnepfen und Auerhähne. Denn sie waren die gängigen Wildvögel, die im kurmainzischen Gebiet geschossen und aufgetischt wurden und die auch in den Jagdservicen zum Ausdruck kommen sollten. Straßburg hingegen legte den Fokus auf Wasservögel. Die Manufaktur Sceaux, südlich von Paris, perfektionierte unter Leitung von Jacque Chapelle die Darstellung von Gemüsesorten, Eiern und Rüben. Mit der hauseigenen Feinheit der Formen und mit leuchtenden Farben setzte man sich von anderen Konkurrenten ab. Ein virtuoses Beispiel für die künstlerische Verve in Sceaux, deren Markenzeichen die Bourbonische Lilie ist, ist eine Terrine in

Paar Melonenterrinen, Delft, ca. 1760, Fayence, naturalistische Formgebung, leuchtend maisgelbe Oberfläche, am Deckel grüner Foto: Aronson Delftware Stengel mit Ranken, die samt Blättern und Ackerwindenblüte den Deckel überziehen, H ca. 15 cm Oben: Bunter Gemüseteller im Trompe-l’oeil-Stil mit Bohnen, Rettich und Rüben, Tellerfond mit Blumendekor bemalt, Frankreich um 1770, Fayence, D 21,5 cm, ehemals Sammlung Schmitz-Eichhoff, bei Koller für 4.750 Schweizer Franken (inkl. Aufgeld) Foto: Auktionshaus Koller versteigert Ganz oben: Paar naturalistisch gestaltete Apfeldosen, Manufaktur Straßburg, Fayence, ca. 1754, sehr lebensnah geformt mit Foto: Brian Haughton Gallery Blattwerk, Bemalung in Rot und Grün, wohl eine bestimmte Sorte darstellend, L 10 cm

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Form eines Kopfsalates. Eine Referenz an den Bourbonenkönig Ludwig XIV. Der Gartenlattich wurde in den Gewächshäusern Versailles gezogen, denn er durfte auch im Winter auf den Tafeln des Sonnenkönigs nicht fehlen.

EIGENHEITEN – UNTERSCHIEDE Musterschutz und Copyright gab es im 18. Jahrhundert nicht. Auf den ersten Blick scheint der gegenseitige

Einfluss der Manufakturen groß, erst auf den zweiten Blick machen sich feine Unterschiede aus. Offensichtlich wird dies im Vergleich verschiedener Entenmodelle. Während das hier abgebildete Paar aus Delft durch eine lockere, duftige Bemalung charakterisiert ist, verfolgt die Gestaltung einer Stockente aus der Straßburger Manufaktur ein exaktes, wirklichkeitsgetreues Abbild der Vogelart. Die Bemalung der Brust ist der natürlichen Fleckigkeit des Gefieders angepasst, die Federn der Flügel sind plastisch modelliert und folgen in ihrer Farbigkeit den Vögeln in freier Wildbahn. Wie weit sich die Hersteller vom Naturvorbild entfernten oder ihm folgten – einer der wichtigsten Merkmale aller Schaugerichte ist ihr Changieren zwischen Naturalismus und Imagination. Hasen, Wachteln, Tulpen, Pfirsiche – was in den heimischen Gemüsegärten, Stallungen und Wäldern, in den Volieren und Bestiarien der Fürsten existierte und einen gewissen Witz hatte, wurde umgesetzt. Was man dort nicht fand, entnahm man den botanischen und zoologischen Lehrbüchern der Zeit. Singvögel hatte beispielsweise die um 1745 gegründete Manufaktur Künersberg bei Memmingen im Programm. Bekannt sind zwei Deckeldosen: eine Meise auf einem Ast sitzend und ein auf dem Waldboden sitzender Star. Die schlesische Manufaktur Glinitz hingegen spielte die exotische Karte aus. Die hier abgebildeten als Papageien ausgeformten Kannen sind

Terrine in Form eines Feldhasen, Nove Bassano, Manufaktur Pasquale Antonibon, Gastione Baccin, um 1780, Fayence, polyFoto: Privatsammlung Abbate chrome Bemalung, L 40 cm Oben: Paar Ententerrinen, Delft, um 1750, Fayence, eine mit Nummer „25“ im Deckel und im Korpus versehen, naturalistische Modellierung, feine, etwas stilisierte Bemalung in Mangan, Grün, Blau und Eisenrot für Gefieder und Schnabel, H ca. 8 cm, Foto: Aronson Delftware L ca. 12 cm Ganz oben: Kannen in Form von Papageien, Manufaktur Glinitz, Schlesien, um 1770, Fayence, phantasievolle, teils stilisierte Bemalung in Grün- und Gelbtönen, sehr originelle Henkel- und Standlösung durch Integration eines Astes, H 23,5 cm Foto: Esch Kunsthandel


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PORZELLAN/FAYENCEN

nicht die einzigen Beispiele für die Vorliebe fremder Vogelarten dieses Herstellers.

STILWANDEL Der Mensch lässt sich gern verführen. In der Kunst hat die Augentäuscherei bekanntlich eine lange Geschichte, schon in den pompejanischen Villen haben auf die Wand gemalte Loggien für die imaginäre Erweiterung des Raumes gesorgt. Bei den Fayencen ist es unbestreitbar die perfekte Nachahmung von Realität, die in die Irre führt. Die detailgenau nachgestaltete Oberfläche wie etwa bei den hier abgebildeten Walnüssen verblüfft ebenso wie die prallen Erbsen auf einem anderen Teller. Doch nicht alle Hersteller unterwarfen sich einem strikten Naturalismus. Wer sich die sonnengelben Melonen aus Delft, die hier abgebildet sind, oder die Spargeldosen aus Sceaux anschaut, erkennt einen spielerischpoetischen Zug in der Gestaltung. Weiche Blätter und Blüten, an anderen Exemplaren auch das Hinzufügen von kleinen Insekten und Vögelchen als Knauf eines Deckels verraten den Einzug eines neuen Stilverständnisses. Das Rokoko mit seiner Galanterie und seiner Vorliebe fürs Ornamentale ging über die exakte Naturdarstellung hinaus und gestattete pittoreske Momente. Zum Ende des 18. Jahrhunderts hin bildete sich ein weicherer, so genannter impressionistischer Stil heraus, der von einer individuelleren, freieren Umsetzung der Vorlagen zeugt.

Trompe l'oeil-Teller mit grünen Oliven, Fahne des Tellers mit einfachem Muster dekoriert, Frankreich, Mitte 18. Jahrhundert, Fayence, D 22,5 cm, ehemals Sammlung Schmitz-Eichhoff, bei Koller für 3.250 Schweizer Franken (inkl. Aufgeld) versteigert Oben: Paar Terrinen in Form liegender Möpse, Thüringen, um 1770, gelb und schwarz staffiert, mit X gemarkt, L 15 und 17 cm, ehemals Sammlung Schmitz-Eichhoff, war einem Liebhaber bei Koller 5.750 Schweizer Franken (inkl. Aufgeld) wert Ganz oben: Trompe-l'oeil-Teller mit ganzen Walnüssen, Südfrankreich, um 1800, Fayence, braun staffiert, Teller mit Blumenranke dekoriert, D 21 cm, ehemals Sammlung Schmitz-Eichhoff, bei Koller für einen Erlös von 5.375 Schweizer Franken (inkl. AufAlle Fotos: Auktionshaus Koller geld) versteigert

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Schauteller mit Blütenbukett, Porzellanmanufaktur Meißen, 1746, Porzellan, Modell Johann Friedrich Eberlein, aus dem Service „Brühl’sches Allerlei“, D 26 cm Foto: Langeloh Porcelaine

Oben: Teller im Palissy-Stil, Keramik, Frankreich, Ende 19. Jahrhundert, plastisch belegt mit Fischen, Schlange, Eidechse und Käfern, farbig staffiert, D 27 cm Foto: Dorotheum

TROMPE-L’OEIL-PORZELLAN Dass die Fayencemanufakturen sich ab etwa 1740 den realistisch nachgestalteten Melonendosen, Ententerrinen und Schaugerichten zugewandt haben, steht in engem Zu-

sammenhang mit der Entwicklung in den Porzellanmanufakturen. Nachdem sich diese nach einer Phase des Imitierens von chinesischem Porzellan ein größeres Interesse an eigenen Modellen und Kreationen zeigten, entwickelte man ein

Gespür für die gute Modellierbarkeit des relativ festen Materials. Blüten, kleine Früchte, Insekten, die als Knauf oder Handhabe dienten, konnten wunderbar naturalistisch ausgeformt werden. Als Schaugericht wurden die kunstvoll gestalteten Blüten beispielsweise auf einem Teller im Service für Graf Brühl 1746 verwendet, genannt „Brühlsches Allerlei“. In diesem Jahr entstanden in Meißen auch Melonendosen und Konfitüren-Gefäße in Form von Zitronen. Viel früher schon experimentierte man auch mit Trompe l’oeilGefäßen. Johann Joachim Kaendler beispielsweise, Meißens führender Entwerfer, Modelleur und kreativer Kopf, kreierte schon 1734 eine TeeKanne in Form eines Hahns. Nicht unbedingt ein eleganter Entwurf. Geduckt liegt der Hahn, um der Kanne Standfestigkeit zu geben, auf seinen großen Krallenfüßen. Die Flügel sind reliefartig am runden Korpus der Kanne angedeutet, der Hals des Vogels ist dick, der Schwanz läuft sich als Kringel zu einem nur schematisch dekorierten Griff aus. Kaendler wurde zu diesem Modell inspiriert von einer Hahnenkanne aus China. Entwürfe wie diese bleiben nicht ohne Folgen. Seine Version inspirierte wiederum eine formal ähnliche Entenkanne aus der k.k. Majolika-Geschirrfabrik Holitsch aus dem Jahr 1780. Knapp 50 Jahre vorher hatte Kaendler noch ein anderes Modell entworfen, das Vorbild für viele Fayence-Manufakturen wurde: eine Kanne in Form einer Henne, aus deren Gefieder mehrere Küken ihre Köpfe strecken. Ein weiteres Küken sitzt als Handhabe auf dem Deckel, der aufgefächerte Schwanz der Henne dient als Kannengriff. Dass diese possierliche Idee Verbreitung fand, sieht man an einer ähnlichen Hennen-Terrine mit Küken, die um 1760 beispielsweise in HannoverschMünden produziert wurde. Auch die Königlich Preussische Porzellanmanufaktur ist auf den Trompe l’oeilZug aufgesprungen. Zum Dessert-


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service von Katharina II. von Russland etwa, das um 1770 nach St. Petersburg geliefert wurde, gehörten große Terrinen in Form von Netzmelonen und auch der Plat de Menage des 2. Potsdamschen Services für Preußenkönig Friedrich den Großen umfasste verschiedene Schaugerichte. Bemerkenswert ist, dass Friedrich der Große 1762 aus Meißen Konfektschalen in Form von Weinblättern erhielt, die dem Unterteller der drei Zitronen-Dosen der KPM von 1765 nicht unähnlich gewesen sein dürften. Von Meißen ließ sich nicht nur Friedrich der Große beeindrucken. Für die erst 1755 gegründete Fayencemanufaktur in Stralsund war das Nacheifern der sächsichen Porzellankunst Qualitätsmaßstab. Die Formen sind auch bei den Trompe l’oeil-Modellen stark plastisch und bewegt, die Bemalung ist phantasievoll. Ziemlich unverblümt hat man an der Ostsee das Meißner Modell jener Anbietschale übernommen, die auch dem Preußenkönig gefallen hat. Nur hat man auf das Weinblatt mit dem frei gestalteten Blattstiel auch noch eine Rosenknospe platziert. Der Wettkampf zwischen Porzellan und Fayence ist Ende des 18. Jahrhunderts zugunsten des Weißen Goldes entschieden worden. Doch, so Heinz Esch, haben die Schaugerichte in Porzellan nie die Suggestivität wie die aus Fayence erreicht. Der Kunsthändler sieht als Grund die größere Härte des Porzellans. Die Weichheit des Gefieders oder des Tierfells, die haptische Nachgiebigkeit jeder Frucht konnte mit Fayence besser suggeriert werden.

VATER DER SCHAUGERICHTE Bereits vor der großen Zeit der Trompe l’oeil-Fayencen hat man in den europäischen Keramikwerkstätten plastisch gearbeitet. In Südtirol etwa entstand um 1540 ein Entenkrug, der durchaus der gleichen Idee entsprungen ist wie später die Papa-

geienkannen aus Glinitz. In Jever brannte man im 17. Jahrhundert freiplastische Heiligen-Figuren in der Art des della Robbia, der im Florenz des 15. Jahrhunderts aus Terrakotta Figuren und plastischen Architekturschmuck fertigte. Aber als Vater der Schaugerichte darf wohl der französische Wissenschaftler, Religionstheoretiker und Kunsthandwerker Bernard Palissy gelten. Mitte des 16. Jahrhunderts beschäftigte er sich auch mit Keramiken und entwickelte eine besondere Art von Tierund Pflanzentellern, die weniger der Vortäuschung von Speisen dienten, aber in überhöhter und verdichteter Form Flora und Fauna von naturkundlicher Präzision wiedergab. Dennoch sind seine „Plats“ Phantasieprodukte. Der Untergrund seiner Kompositionen wirkt wie die Nahaufnahme eines Waldbodens mit Moosen, von exakt gestalteten Pflanzenteilen und von Blättern bedeckt, auf dem sich Schlangen, Eidechsen, Krebse, Fische, Frösche und Muscheln zu einem Naturstück arrangieren. In der Keramik des 18. Jahrhunderts spielte diese surrealnaturphilosophische Komponente keine Rolle. Erst im 19. Jahrhundert wurde dieser Stil in Frankreich und Portugal – auch von einigen Fayence-Manufakturen – wieder aufgelegt. Berühmte Künstler der sogenannten Palissy Art waren in Frankreich Charles Jean Avisseau und George Pull, Joseph Landais und in Portugal Alvaro Jose Caldas.

NATURALISMEN Ende des 18. Jahrhunderts bereiteten Steingut-Manufakturen und das sich mehr und mehr ausbreitende und erschwinglicher werdende Porzellan den Fayenciers zunehmend Absatzschwierigkeiten. In der Keramikindustrie spielten sie bald keine Rolle mehr. Was blieb, war die Lust am Spiel mit Naturalismen. Nach den eher akademisch-strengen, antikischen Formen des Klassi-

Deckeldosen in Form von Spargelbündeln mit Blättern als Handhabe, Sceaux, 1755-60, Periode Jacques Chapelle, Fayence, naturalistische Bemalung mit Aufglasurfarben, gemarkt mit bourbonischer Lilie in Schwarz, H ca. 10 cm, Foto: Esch Kunsthandel L 17,5 cm

zismus knüpften die Entwerfer ab ca. 1850 wieder an die irritierenden bis erheiternden Gefäße in Form von Äpfeln und Trauben an. Wedgwood in England hatte ja schon im 18. Jahrhundert gezeigt, wie Kaffeekannen den Look eines Blumenkohls und ein Teepot die Form einer Artischocke annehmen können. Und Meißen führte um 1760 vor, dass man einer Tasse das Aussehen einer Rosenknospe geben kann. Hundert Jahre später formte man selbst im entfernten Sankt Petersburg in der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur Kännchen in Form von Birnen und Zuckerdosen, die eine Ananas imitieren. Allerdings war die Zeit der feinen Ironie, der doppelbödigen Augentäuscherei vorbei. Die Keramiken und Porzellane waren zu einem Massenprodukt geworden, denen der geistreiche Schliff fehlte. Populär blieben diese Trompe l’oeil -Geschirre aber bis heute. Und es ist verständlich, dass ein Designer wie Piero Fornasetti, der das Metaphysische und die optische Verwirrung in vielen seiner Entwürfe durchexerzierte, an diesem Kapitel der Kunstgeschichte nicht vorbeikam. Um 1960 herum entwarf er die Terrine „Zucca“ und bewies einmal mehr, dass die Vergangenheit ein unerschöpflicher Pool für die Moderne ist. y


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Von Ina Knekties

Teil 1I

Neben Piet Mondrian zählt Gerrit Thomas Rietveld zu den bekanntesten und einflussreichsten Protagonisten der Künstlergruppe „De Stijl“. Anlässlich des 100. Geburtstages der „De Stijl“-Bewegung in diesem Jahr würdigt die Kunsthistorikerin Ina Knekties den Architekten und Designer im zweiten und letzten Teil ihrer „De Stijl“Reihe.

Gerrit Rietveld, Pavillon in Sonsbeek, 1955

Foto: Jan Versnel, © Jan Versnel/MA


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KUNSTBEWEGUNG

Bis heute gilt Gerrit Thomas Rietveld (1888-1964) als einer der wichtigsten Architekten und Designer des 20. Jahrhunderts. Der gelernte Tischler schuf zwei der weltberühmten Ikonen der De Stijl-Ära: den „rot-blauen Stuhl“ und das Rietveld-SchröderHaus in Utrecht aus dem Jahr 1924. Wie bei Piet Mondrian sind auch hier die charakteristischen Primärfarben stilprägend. Den 100. Geburtstag von „De Stijl“ zelebrieren die Niederlande mit zahlreichen Ausstellungen. Wurde das Werk Piet Mondrians bereits eingehend in der Septemberausgabe des „SAMMLER Journal“ gewürdigt (siehe SJ 9/2017), liegt nun der Fokus auf Gerrit Rietveld und der Region um Utrecht und Amersfoort. Insbesondere in Rietvelds Geburtsstadt Utrecht und dem nahe gelegenen Amersfoort kann sich der Besucher auf die Spuren des großen Architekten und Gestalters begeben. Zwei weitere einflussreiche Figuren der Künstlerbewegung, Theo van Doesburg und Bart van der Leck, stammen ebenfalls aus Utrecht. In Amersfoort wurde Piet Mondrian geboren: Im wiedereröffneten Mondrianhuis, dem zum Museum umgebauten Elternhaus des Künstlers, lassen sich seine frühen Werke und die originalgetreue Rekonstruktion seines legendären Pariser Ateliers bewundern. So ist keine eingehende Beschäftigung mit „De Stijl“ ohne den Besuch dieser beiden Orte vollständig, in denen das Erbe der avantgardistischen Künstler in diversen Gebäuden und Museen fortlebt. Das Centraal Museum in Utrecht besitzt die weltweit größte Sammlung an Möbeln und Architekturmodellen von Gerrit Rietveld, darunter Berühmtheiten wie den „rotblauen Stuhl“, den „Zickzack-Stuhl“ und das wohl signifikanteste Sammlungsobjekt des Museums, das Rietveld-Schröder-Haus. Im Jahr 2000 wurde das architektonische Meisterwerk in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen und steht neben den Ausstellungen zu „De Stijl“

im Mittelpunkt der Feierlichkeiten, die zum 100-jährigen Bestehen der Künstlergruppe stattfinden.

RIETVELD – VOM TISCHLER ZUM DESIGNER Rietveld wurde 1888 als Sohn eines Möbeltischlers in Utrecht geboren. Bereits als 12-Jähriger trat er in die Werkstatt seines Vaters ein, um dort das Tischlerhandwerk zu erlernen. Von 1904 bis 1908 besuchte er die Abendkurse der Utrechter Kunstgewerbeschule und nahm zeitweise an den Kursen des Architekten P.J.C. (Piet) Klaarhamer, einem Mitglied der Amsterdamer Schule, teil. Die ersten Möbelentwürfe entstanden, so beispielweise ein Stuhl für das Schloss Zuylen, den Rietveld 1906 in der Werkstatt seines Vaters ausführte, oder ein gerader Lehnstuhl von 1908. Gerade bei Letzterem konzentrierte er sich erstmals auf das Wesentliche eines Sitzmöbels: die Stuhlbeine, den Sitz und die Rückenlehne, die er aus geometrischen Formen konstruierte und so seinen späteren Entwürfen vorgriff. Im Jahr

1918 eröffnete Rietveld seine eigene Tischlerwerkstatt. Auf einer historischen Fotografie aus demselben Jahr präsentiert sich der Künstler unprätentiös inmitten seiner Angestellten sitzend auf einem der Prototypen des „rot-blauen Stuhls“. Ein äußerst eindrucksvolles wie rares Möbel ist sicherlich das Sideboard aus dem Jahr 1919. Es gehörte neben zwei Stühlen zu der Einrichtung einer Musterwohnung für die Siedlung Spangen in Rotterdam, die Rietveld gemeinsam mit J. J. Oud und Theo van Doesburg gemäß den Idealen von „De Stijl“ entwickelte. Nur wenige Exemplare des unglaublich modern anmutenden Möbelstücks wurden gefertigt, unter anderem der Prototyp aus Eichenholz für den Architekten J. P. Elling. Unglücklicherweise verbrannte dieses Original und erst rund dreißig Jahre später kam es zu einer Neuauflage des begehrten „Elling-Sideboards“: Unter der Aufsicht von Rietveld rekonstruierte Gerard van de Groenekan im Jahr 1951 ein Exemplar für das Stedelijk-Museum in Amsterdam. Nur weitere zehn Sideboards sollten in

Gerrit Rietveld, Sideboard, 1919 (Version von 1972), ausgeführt von Gerard van de © Gemeentemuseum Den Haag Groenekan

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der Werkstatt des Tischlermeisters, einem langjährigen Mitarbeiter des Architekten, gefertigt werden. Im Gegensatz zum „rot-blauen Stuhl“, der bis heute produziert wird, erwies sich das eindrucksvolle Möbel als viel zu kostspielig für die Serienfertigung. So verwundert es nicht, dass 2015 eines dieser seltenen Exemplare bei Christie‘s in London für rund 200.000 Euro veräußert wurde. Seit 1923 verwendete Rietveld in Anklang an die „De Stijl“-Bewegung für seine Möbelentwürfe die Primärfarben Rot, Gelb und Blau und kombinierte sie mit Schwarz, Weiß und Grau, angelehnt an die malerischen Kompositionen seines Künstlerkollegen Mondrian. Gerne akzentuierte Rietveld an den Möbeln nur die schmalen Holzkanten mit einer auffälligen Farbe, so zum Beispiel beim „rot-blauen Stuhl“ und bei einem wunderbaren Beistelltisch von 1923, den er aus verschiedenen geometrischen Formen, wie einem Quadrat, zwei Rechtecken und einem Kreis sowie in unterschiedlichen Farben konstruierte. Jedes Element des Tisches hat eine andere Form und Farbe: der runde Fuß, das aus zwei Rechtecken geformte Tischbein und die kreisförmige Platte. Ist die Farbgebung in Grau, Schwarz und Weiß eher dezent, setzen der rote Fuß und der gelbe Träger an der Tischplatte auffallende Akzente. Zudem betonen die schwarz und weiß gefärbten Kanten und die Asymmetrien die räumliche Wirkung des Möbels zusätzlich. Für die „Juryfreie Kunstschau“ in Berlin im Jahr 1923 entwickelte Rietveld gemeinsam mit Vil-

Oben: Gerrit Rietveld, Beistelltisch, 1923, ausgeführt von Gerard A. van de © Gemeentemuseum Den Haag Groenekan Unten: Gerrit Rietveld, Berliner Stuhl, 1923, ausgeführt von Gerard van de Groenekan Image & copyright CMU / Ernst Moritz / Pictoright


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KUNSTBEWEGUNG

mos Huszár eine dreidimensionale Darstellung der Prinzipien der Künstlerbewegung „De Stijl“. Für diese sogenannte „Raum-Farbe-Komposition“, die den Besucher mit geometrischen Formen in den charakteristischen Primärfarben an den Wänden empfing, schuf Rietveld zwei Möbel, darunter den bis heute gefertigten „Berliner Stuhl“. Auffällig sind die abgetönten Farben, wie Grau und Schwarz, die sich allerdings trefflich in das Farbkonzept der von „De Stijl“ verwendeten Primärfarben einfügte. Der Stuhl beweist erneut eindrucksvoll, wie innovativ der Niederländer eine raumgreifende Form mittels Asymmetrie und Komposition der Flächen bildet. Ein populäres und vielfach kopiertes Sitzmöbel von Gerrit Rietveld ist der sogenannte „Zickzack-Stuhl“ von 1932. „Dies ist kein Stuhl, sondern der Scherz eines Designers, ich nenne ihn den Zig-Zag“, umschrieb Rietveld schelmisch das perfekte Zusammenspiel von Form, Funktion und Konstruktion. Für den markanten Stuhl verwendete Rietveld ein einziges Stück Material, um daraus einen Freischwinger zu konzipieren. So experimentierte er mit den verschiedensten Werkstoffen, die durch dreimaliges Falten einen funktionierenden Stuhl bilden sollten. Reduziert auf eine dynamische Linie, wirkt der „Zickzack-Stuhl“ auf den ersten Blick etwas instabil, dabei ist er aufgrund seines ausgeklügelten Designs äußerst standfest. Die Entwicklung des Stuhls erwies sich als recht langwierig. So experimentierte Rietveld unter anderem mit Fiberglas, Spanplatten, Stahlrohr und Metallrahmen. Letztendlich brachten Holzplatten mit Zinken, Schrauben und Muttern die perfekte Lösung. Zweifelsohne ließ sich Verner Panton bei dem Entwurf des „Panton Chair“ – einem der Möbelklassiker der 1960er-Jahre – von diesem nur aus Diagonalen bestehenden Stuhl inspirieren. Für Gerrit Rietvield ging es bei seinem Sitzmöbel nie in erster

Linie um die Bequemlichkeit des Sitzenden, sondern um das Ausloten von Raum und Körper. „Wenn ich sitze, will ich nicht sitzen, wie mein Sitz-Fleisch möchte, sondern wie mein Sitz-Geist sich, säße er, den Stuhl sich flöchte“ – mit diesem Zitat aus einem Gedicht von Christian Morgenstern umschreibt Rietveld die Herausforderung für ihn, einen Stuhl zu entwerfen. Als eine logische Konsequenz übertrug Rietveld den Rhythmus der Linie und die Asymmetrie des Möbeldesigns in die Architektur: Truus Schröder, eine vermögende Anwaltswitwe aus Utrecht, für die er bereits einen Innenraum ausgestattet hatte, bat ihn um den Entwurf eines Wohnhauses für sich und ihre drei Kinder. Nach ihrer Vorstellung sollte es einfach, hell und transparent sein. „Als ich die Chance hatte, ein ganzes Haus nach denselben Prinzipien zu bauen wie den rot-blauen Stuhl, packte ich die Gelegenheit am Schopfe“, erklärte Gerrit Rietveld und so entstand 1924

Gerrit Rietveld, Entwurf des Interieurs der Fokker F.27, auf dem Pariser Salon von 1956 gezeigt © Aviodrome Oben: Gerrit Rietveld, Zickzack-Stuhl, ca. 1932

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Rietveld, Pavillon, Amersfoort, 1957, Außenansicht Oben: Rietveld-Schröder-Haus, 1924

Foto: Jan Versnel, © Jan Versnel/MA

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bewände bieten die Möglichkeit, je nach Bedarf Räume für die temporäre Zurückgezogenheit oder durch Zusammenklappen beliebige Raumkonstellationen zu schaffen. Die Inneneinrichtung besteht aus klappbaren Betten, Tischen, Regalen und Schränken in Weiß, Schwarz, Grau und Rot. Zu bestaunen sind aber auch bewegliche Möbel, wie der legendäre „rot-blaue Stuhl“, der Beistelltisch von 1923 und weitere Designklassiker aus der Hand des Architekten. Im Erdgeschoß befinden sich die Funktionsräume, Arbeitszimmer, Küche und Bad. Die Zimmer im Erdgeschoß sind jeweils separat von außen zu betreten und jedes hat einen Wasseranschluss, was die Flexibilität der Räume unterstreicht. Ein weiteres architektonisches Kleinod und zugleich ein Meilenstein in der modernen niederländischen Architektur findet sich ebenfalls in Utrecht: die Chauffeurswohnung von 1927, die noch im selben Jahr in der Zeitschrift „De Stijl“ vorgestellt wurde. In nur drei Wochen baute Rietveld das quadratische Bauensemble, mit einem auf einer Garage aufgesetzten Wohnbereich. Dieses „Experiment für die Industrialisierung des Baus“, so Rietveld, gelang dem Architekten nur mit Hilfe von vorgefertigten Elementen. Der erste Schritt in die Fertigbauweise gestaltete sich allerdings noch etwas holperig, so war das Dach undicht und an den stählernen Fensterrahmen zog es.

RIETVELD-PAVILLON das weltberühmte Rietveld-Schröder-Haus als eine in Stein gefertigte Hommage an die Prinzipien von „De Stij“ und 125 Quadratmeter Architekturgeschichte. Das Haus rief unmittelbar nach der Fertigstellung lokale Empörung und internationale Bewunderung hervor und begeistert mit seiner radikalen Bauweise bis heute. Von außen wähnt sich der Besucher vor einer dreidimensionalen, asymmetrischen Variation eines Ge-

mäldes von Piet Mondrian mit der ebenso prägnanten, wie charakteristischen Farbpalette aus Primärfarben. Im Inneren frappiert das Gebäude durch den flexiblen Grundriss: Durch wenige Handgriffe mittels verschiebbarer und auf Schienen laufender Wände und Falttüren lassen sich in der ersten Etage des Wohnhauses ein Wohnraum und die drei Schlafzimmer in einen einzigen großen Raum verwandeln. Die Schie-

Zehn Jahre war der Rietveld-Pavillon in Amersfoort geschlossen. Im Jubiläumsjahr von „De Stijl“ öffnet er mit einer Ausstellung über seinen Erbauer „De Stijl voorbij. Gerrit Rietveld en de jaren vijtig“ („Nach De Stijl. Gerrit Rietveld in den 1950er-Jahren“) wieder seine Türen für Besucher. Der Ausstellungspavillon von 1959 war die erste Kunsthalle für moderne Kunst, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Niederlanden gebaut


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wurde. In den 1950er-Jahren erlebte die Kunstbewegung um „De Stijl“ eine Renaissance, nachdem sie einige Zeit etwas in den Hintergrund getreten war. In dieser Dekade erreichte Gerrit Rietveld den Zenit seines Schaffens als Architekt und besann sich nun verstärkt wieder auf die Gestaltungsprinzipien von „De Stijl“. Die neuerliche Popularität resultierte zweifelsohne aus der großen „DeStijl“-Retrospektive im Jahr 1951 im Stedelijk-Museum in Amsterdam, bei der Rietveld das Ausstellungsdesign kreierte. Die überaus erfolgreiche Ausstellung wanderte danach nach New York und Venedig, was für die internationalen Bekanntheit Rietvelds äußerst förderlich war. Unzählige Aufträge für den niederländischen Architekten folgten, so zum Beispiel die Entwürfe für den niederländischen Länderpavillon in den Giardini der Biennale in Venedig von 1954 und für den Pavillon im Park Sonsbeck von 1955. Weitere große Aufträge für Wohnungsbauprojekte in Utrecht, die Kunstakademien in Arnheim und Amsterdam oder für die Textilfabrik De Ploeg folgten. Hier setzt die Ausstellung im RietveldPavillon an und präsentiert den Architekten im Umfeld der 1950erJahre. Neben den beiden erwähnten Ausstellungsgebäuden in Venedig und Sonsbeck, steht insbesondere der Pavillon in Amersfoort im Fokus der Ausstellung: Anhand von Modellen, Möbeln, Objekten, historischen Fotografien und Entwurfszeichnungen wird die Geschichte dieses besonderen Ausstellungsraums als ein ausgezeichnetes Beispiel für den funktionalen und sachlichen Baustil der Nachkriegszeit eindrucksvoll vor Augen geführt. Der Rietfeld-Pavillon ist in seiner Einfachheit und in seinen geometrischen Formen mit puristischen, nahezu spartanischen, aber lichten Räumen unglaublich zeitlos und wirkt bis heute ungemein modern. Typische Möbel dieser Zeit werden ebenfalls gezeigt, so zum Beispiel der Stuhl Amersfoort von 1949,

Modell, Rietveld-Schröder-Haus, ca. 1951

den Rietveld für die von ihm kuratierte Ausstellung „Schönheit in Haus und Hof“ im Jahr 1950 in Amersfoort entwarf. Der Rahmen aus gehärtetem Stahlrohr und die Polsterung entsprachen der originalen Polsterung der Sitze der Jeep-Geländewagen. Auch ihr Maß von 45 mal 45 Zentimeter bestimmte die Breite und Tiefe des Stuhls. Bereits ab den 1930er-Jahren begann Rietveld mit der Entwicklung von Serienmöbel im Modulsystem und ersann Ideen für die maschinelle Fertigung von Sitzmöbeln aus neuartigen Materialen. Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür ist sicherlich der Amersfoorter Stuhl, der ab 1954 in kleiner Auflage von mehreren hundert Exemplaren in einer Metallwerkstatt angefertigt wurde. Auch weniger bekannte Projekte, wie die nicht realisierte Innenausstattung eines Flugzeugs, der „Fokker F.27“, ausgestellt auf dem Pariser Salon von 1956, werden in der Amersfoorter Ausstellung präsentiert. An das Design der Flugzeugkabine knüpfte Rietveld sicherlich zwei Jahre später bei seinem Entwurf für das Interieur des Presseraums im Pariser UNESCO-Gebäude im Auftrag der niederländischen Regierung 1958 an. Insbesondere die verschiedenfarbigen Muster des Linoleumbodens, der Wände und der Tischplatten erinnern an die Farb- und Formgebung des Flugzeuginneren. Die Ausstellung und der zentrale Aus-

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stellungsort, der Rietveld-Pavillon, zollen nicht nur den künstlerischen Facetten von „De Stijl“ Respekt; auch die permanente Weiterentwicklung in Rietvelds Werk in den 1950er- und 1960er-Jahren wird in Amersfoort eindrucksvoll vor Augen geführt. Zudem wird der bis heute währende Einfluss von Gerrit Rietveld auf das zeitgenössische holländische Design, besser bekannt als „Dutch Design“, aber auch auf internationale Designergrößen wie Verner Panton bis zu Konstantin Grcic aufgezeigt. Nicht nur in Den Haag, Amersfoort oder Utrecht lässt sich im Jubiläumsjahr auf den Spuren der Künstler der De-Stijl-Bewegung wandeln. In den gesamten Niederlanden gibt es unzählige Bauwerke, Museen und Objekte der Avantgardisten zu entdecken. Ausstellung: De Stijl voorbij. Gerrit Rietveld en de jaren vijftig (Nach De Stijl. Gerrit Rietveld und die 1950erJahre). Rietveld Pavillon, Amersfoort, Niederlande, bis 8. Januar 2018. Der Besuch des RietveldSchröder-Hauses ist nur nach vorheriger Reservierung möglich. Literatur: „The 100 best places to visit. De Stijl in the Netherlands“, Hrsg. nai010 publishers, Rotterdam; „Gerrit Rietveld – Die Revolution des Raums“, Ida van Zijl, Vitra Design Museum, Weil, 2012


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Messing objekte MessingObjekte

des Jugendstil und Art Déco Von Heidrun Th. Grigoleit

Die Kupfer-Zink-Legierung „Messing“ findet man in jedem Lebensbereich und in fast jeder Anwendung, denn in den letzten 500 Jahren kam kein Bereich ohne diesen Werkstoff aus: Messing fand Anwendung im Haushalt, in der Medizin, in der Seefahrt, in der Astrologie, im Maschinenbau oder im Krieg. Unzählige Töpfe und Pfannen, Heiz- und Wärmegeräte, Geschirr, Spucknäpfe und Nachttöpfe wurden aus Messing hergestellt. Mit Geräten aus Messing knackte man Nüsse oder öffnete Flaschen und es wurde damit geschrieben oder genäht. Als Zierapplikation konnte man damit sogar protzig repräsentieren. Die Objekte des täglichen Gebrauchs und für Spezialgebiete veränderten sich über die Jahrhunderte. So wurde aus der Kunst der Handwerker die Handwerkskunst und das, was man heute etwas hochstilisiert als „Kunstobjekte aus Messing“ bezeichnen kann.

FACHBUCHREIHE Mit den Fachbüchern „Schimmernde Schönheiten“ Band 1 und 2 gibt der Autor Knud Schöber erstmals einen umfassenden Überblick zur Entwicklung von Messingobjekten aus Jugendstil und Art Déco mit dem Schwerpunkt Deutschland. In der Reihe werden die Messingobjekte auf jeweils über 300 Seiten beschrieben und spezifische Angaben über deren Herkunft, Alter, Maße und Gewichte exakt dokumentiert. Der Jugendstil um 1900 markiert einen Wendepunkt in die Moderne, sowohl in den darstellenden Künsten als auch im Produktdesign. Er lässt sich in mehrere Stilphasen untergliedern – vom floralen Frühstil zum linear bewegten, abstrakten und geometrisch reduzierten Hochstil, der mit harten Kontrasten mit dem Bauhaus und dem Art Déco zur klassischen Form gelangte. Designer des Jugendstils schätzten zwar ganz besonders den Werkstoff Zinn, weil sich damit der Ausdruck vieler Entwürfe am besten umsetzen ließ. Trotzdem waren wohl die warmleuchtenden Farbtöne von Messing für sie ebenfalls reizvoll, dessen Glanz sich durch eine elegant-reduzierte Formensprache besonders steigern ließ. Denn je nach dem Mischungsverhältnis von Kupfer und Zink schimmert Messing in changierenden Farbnuancen von hellgelb, weißgelb bis hin zu bräunlich oder rötlich-bräunlich. Das unedle Metall Messing, das wegen seiner goldglänzenden Farbe schon immer als „Gold des kleinen Mannes“ bezeichnet wird, strahlt auf jeden Fall eine ganz eigene Faszination zusammen mit der stilistischen Bandbreite und Vielzahl gestalterischer Möglichkeiten in Jugendstil und Art Déco aus. So finden sich neben Messingentwürfen mit plastischen Elementen aus Flora und Fauna auch geometrisch strenge Designs mit abstrakten Ornamenten oder Faltungen. Interessant dazu


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sind im Vergleich solche Stücke, die historisierende Stilelemente des Klassizismus und Biedermeier aufweisen. In den beiden Fachbüchern sind Hunderte solcher bezaubernder Messingobjekte zu bewundern, viele davon nach Entwürfen namhafter Künstler wie Peter Behrens, Friedrich Adler, Bruno Paul, Heinrich Lauterbach, Albin Müller, Richard Riemerschmid oder Jan Eisenloeffel. Aber auch Stücke von unbekannten Entwerfern werden vorgestellt.

THEMENGRUPPEN Nach Einführungen des Autors Knud Schöber zu den Themenbereichen „Messingobjekte sammeln, bewahren, präsentieren“ und detaillierten Beiträgen der Fachautoren Dr. Gloria Ehret, Prof. Dr. Martin Ebele, Dr. Claus Pese, Sabine Spindler und Dr. Dieter Weidmann sind die Bücher nach einzelnen Themengruppen gegliedert, in denen die Objekte anhand großformatiger, farbiger Bilder optisch vorgestellt und mit Textbeiträgen ausführlich beschrieben werden: Die Themen von Band 1 sind Stövchen und Wärmeplatten, Lampen, Leuchter und Öllampen, Kaffeekannen und -maschinen, Teekessel, -gläser bzw. -maschinen sowie Stövchenkannen und Garnituren für Tee und Kaffee. In Band 2 werden Bowlen, Sektkühler und Weinkannen, Kaffeeschoßmühlen und Tischkehrsets, Tabletts, Übertöpfe und Vasen, Dosen und Behälter, Schreibzeuge und Schreibgarnituren sowie Objekte des Rauchens und Rauchgarnituren präsentiert. Eingegangen wird auch auf die Hersteller und deren Firmengeschichten wie WMF, Geislingen, J.P. Kayser, Krefeld oder Hagenauer Werkstätten, Wien. Die Objekte sind im Anhang zudem nach Sachgruppen und Inventarnummern geordnet. Messingobjekte setzen mit der Zeit Patina an: Dabei handelt es sich um eine sehr dünne Schicht, die sich auf die glänzende Oberfläche legt. Bei

Kupfergegenständen ist die Patina grün, bei Messing hat sie eine bräunlich-gelblich stumpfe Farbe. Echte Patina kann Aufschluss über Alter und Echtheit antiker Bronzen geben. Aber auch anhand der Fertigungstechniken und insbesondere mittels der Formgebung kann man Objekte zeitlich ziemlich genau einordnen. Um den ursprünglichen Glanz zu erhalten, mussten sich früher Hausfrauen, Küchenpersonal, Dienstboten und Mägde mit leidigem Polieren der Messingstücke abplagen, denn nur intensives Putzen verhindert, dass sich auf der Oberfläche von Metallgegenständen eine solche Oxidations- bzw. Korrosionsschicht bildet. Auch heute kann man Messingobjekte nicht einfach in die Spülmaschine stecken. Das ist wohl auch ein Grund dafür, warum die sogenannten unedlen Metalle weitgehend aus modernen Haushalten verbannt wurden. Die traurige Folge ist, dass sowohl Messing-, aber auch Zinn- und Kupfergeräte heutzutage aus dem Blickfeld verschwunden sind und ein vergessenes Dasein in Depots und Sammlungen fristen. In den beiden bemerkenswert ausführlichen Fachbüchern „Schimmernde Schönheiten“ werden die wunderschönen Messingobjekte aus Jugendstil und Art Déco nun wieder ins Blickfeld gerückt. Die in den großformatigen Bänden präsentierten Stücke erstrahlen übrigens nach einer Restaurierung alle wieder in schimmernder Schönheit in ihrem ursprünglichen herrlichen Glanz. Einen ausführlichen Artikel von Heidrun Th. Grigoleit zu Band I „Schimmernde Schönheiten: Messingobjekte des Jugendstil und Art Déco“ gibt es in der aktuellen Oktober-Ausgabe des Magazins „Trödler“ zu lesen.

Literatur: Schimmernde Schönheiten: Messingobjekte des Jugendstil und Art Déco, Band 1 und 2, Knud Schöber, jeweils über 300 Seiten, reich bebildert, 2016, Edition des Brass Collectors Club Germany (BCCG)

Von oben nach unten: Elektrischer Teekessel mit Hammerschlagdekor, oktogonale Teemaschine mit vier Kränen, Aschenbecher aus einem sechsteiligenRauchset aus dem Art Déco, Löschwiege aus dem Jugendstil; links: Paar dreiflammiger Jugendstil-Kerzenleuchter


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SAMMLER JOURNAL 11/2017

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MARIA SIBYLLA MERIAN Tradition des Blumenbildes

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11.09.2017

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Sammler journal 1017  
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