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72_77_Olga_Wisinger.qxp_SJ Redaktion 12.08.19 16:29 Seite 6

Joseph und Erzherzogin Clotilde. Ende 1895 fand eine Kollektivausstellung im Wiener Künstlerhaus statt. Als man 1898 ein schweres Herzleiden bei ihr feststellte, hielt sie sich ab 1899 regelmäßig in der Kaltwasserheilanstalt von Dr. Otto Pospischil auf Burg Hartenstein in Niederösterreich auf. Im Jahr 1900 folgte eine Einzelausstellung im Kunstsalon Pisko in Wien, die Beteiligung an der Weltausstellung in Paris, wo sie eine Goldene Medaille erhielt und eine Einzelausstellung im Kunstsalon Hermes in Frankfurt am Main. Gemeinsam mit Marie Egner und der Porträtmalerin Marianne von Eschenburg entwickelte die begabte Netzwerkerin die Gruppenausstellungen der acht Künstlerinnen, die zwischen 1901 und 1912 jährlich in der Wiener Galerie Salon Pisko mit wechselnder Besetzung stattfanden. 1902 nahm sie als Delegierte am Internationalen Friedenskongress in Monaco teil und 1904 erfolgte ein weiterer Besuch auf Schloss Alcsuth. 1905 wurde Wisinger-Florian von Albert und Margarethe, Fürst und Fürstin Thurn und Taxis, auf das Schloss Emmeram in Regensburg eingeladen. Ab dieser Zeit hielt sie sich regelmäßig im Sommer in Grafenegg in Niederösterrreich auf. Im Februar 1906 besuchte sie die Erzherzogin Clotilde in Menton bei Nizza und von Mai bis Juni fand ein erster Besuch der Künstlerin auf Schloss Euxinograd in Varna in Bulgarien, der Sommerresidenz des Fürsten Ferdinand I. von Bulgarien, statt. Im Jahr darauf war sie erneut zu Besuch auf Schloss Emmeram in Regensburg. Es heißt, dass auf Olga Wisinger-Florians Anregung hin im Jahr 1910 die AusVon oben nach unten: Olga Wisinger-Florian, Feldblumen, 1885, Öl auf Holz, 92,2 × 66,3 cm. Leopold Privatsammlung, Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger Olga Wisinger-Florian, Alter Friedhof in Goisern, 1884, Öl auf Holz, 72 × 54,5 cm. Privatsammlung, Wien, Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger Olga Wisinger-Florian, Herbstblumen am Fenster, 1887, Öl auf Holz, 101 × 72 cm. Privatsammlung, Wien, Foto: Graphisches Atelier Neumann, Wien

stellung Kunst der Frau in der Wiener Secession von der neu gegründeten Vereinigung der bildenden Künstlerinnen Österreichs stattgefunden hat. Zu Lebzeiten staunte man über die „männliche Energie“ der Malerin, man wunderte sich über die Fähigkeit einer Frau, „so malen zu können“, und lobte ihr „wahrhaft künstlerisches Naturell“. Losgelöst von diesen geschlechtsspezifischen Definitionen und im historischen Überblick stellt Wisinger-Florian heute eine der auch international bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten an der Schwelle zur Moderne dar. 1912 wurde ein Hirntumor samt einer fortschreitenden Erblindung bei ihr diagnostiziert. Ihre letzten Werke entstanden um diese Zeit, und ab 1914 siedelte sie schließlich nach Grafenegg über, wo ihr Herzog von Ratibor eine Villa in seinem Park von Schloss Grafenegg zur Verfügung stellte. Olga WisingerFlorian starb dort am 27. Februar 1926 im Alter von 82 Jahren und wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof im Grab der Familie Wisinger beigesetzt. Im Jahr darauf erfolgte eine Gedächtnisausstellung im Wiener Künstlerhaus und die Versteigerung ihres Nachlasses im Kunsthandel Albert Kende in Wien.

DIE BLUME Zwischen 1890 und 1892 setzte sich Olga Wisinger-Florian intensiv mit dem umfangreichen Bildprojekt „Die zwölf Monate“ auseinander – auf Holz gemalte Ölbilder, welche die Natur im Wandel der Jahreszeiten abbilden. Der Zyklus markiert einen Höhe- und zugleich Wendepunkt am Ende ihrer ersten, vom Poetischen Realismus Schindlers geprägten Stilphase und wurde 1893 in Wien, München und Berlin ausgestellt. Nachdem sie diese Monatsbilder abgeschlossen hatte, wandte sich die Künstlerin von der Ateliermalerei ab und ging stattdessen in die freie Natur, die sie von nun an beharrlich als einzig gültiges Vorbild für ihre Arbeit

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Sammler Journal 09/2019  

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