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AuGuST 2017

August 2017 · B 1309 | € 6,50 Schweiz CHF 11,50 | Österreich € 7,00 | Be/Ne/Lux € 7,50

SAMMLer JourNAL

KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN

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PRAGER KUBISMUS Kunstbewegung

PORZELLAN Die Farben Chinas

GEMI

MAX PECHSTEIN Künstler der Moderne


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10.07.2017

17:59 Uhr

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03_Inhalt.qxp_SJ Inhalt 10.07.17 18:08 Seite 1

INHALT

KUNSTMARKT Francis Picabia

FOTOKUNST Vom Suchen und Finden

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Titelfoto: Max Pechstein, Go ̈ tze, 1917, Sprengel Museum Hannover, Leihgabe aus Privatbesitz © 2017 Pechstein Hamburg/Tökendorf

PRAGER KUBISMUS von Bettina Krogemann SAMMLER-SERVICE

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MAGAZIN

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MESSETERMINE

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AUKTIONSTERMINE

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INSERENTENVERZEICHNIS

37

AUKTIONSNOTIZEN

38

AUSSTELLUNGSTERMINE

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AUSSTELLUNGEN

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LITERATURTIPP

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VORSCHAU | IMPRESSUM

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MAX PECHSTEIN von Anja Iwa

DIE FARBEN CHINAS von Heidrun Grigoleit

AUKTIONSPREISE Künstlerobjekte Rosenthal

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10.07.2017

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MAGAZIN

U-Bahn zum Berg 10. St. Moritz Art Masters Am 25. August eröffnet die 10. Ausgabe der St. Moritz Art Masters. Einmal mehr wird der Anlass das Highlight im Sommerprogramm von St. Moritz sein, bietet er doch nicht nur ein umfangreiches künstlerisches Programm, sondern verwandelt das gesamte Dorf in einen Ort der Begegnungen. Der beschauliche Ort im Engadin war von Beginn an prädestiniert für das Projekt: Im geografischen Zentrum des dynamischen Wirtschaftsraums zwischen Zürich, München und Mailand gelegen, lockte er mit seiner atemberaubenden Naturkulisse seit jeher Künstler und Intellektuelle, Wirtschaftslenker und Spitzensportler, Unternehmer und Kreative aus aller Welt an. Der gemütliche und rustikale Charme des Engadin ließ die verschiedensten Vordenker und Charaktere von Nitzsche und Segantini bis Chaplin und Churchill zusammenkommen und ermöglichte unverhoffte Begegnungen und einen ungezwungenen Ideenaustausch. Für Monty Shadow, Gründer und Spiritus Rector der St. Moritz Art Masters, war das berühmteste Dorf des Oberengadins deshalb von Anfang an der einzig richtige Ort für sein Ansinnen, eine Plattform zu schaffen, die genau das ermöglichen sollte: Begegnungen – inspirierend, bereichernd und nicht selten unverhofft. „St. Moritz ist ein einzigartiger Ort – für mich ist es kein Zufall, dass es bereits so viele Künstler hierher zog. Sie bereichern das Engadin zusätzlich fortlaufend mit ihrem künstlerischen Schaffen“. Diesen Reichtum an Inspiration, an weitblickender Vision und künstlerischem Blick auf das Weltgeschehen zum Rahmen von Begegnungen zu machen war von Beginn an die Zielsetzung der St. Moritz Art Masters. So erklärt sich auch das stets sehr international besetzte Programm der Ausstellungen, welches über die letzten neun Jahre gezeigt wurde. Nachdem der amerikanische Fotograf Albert Watson im

Jani Leinonen, the Most Terrible Things 2016; Art Masters St. Moritz copyright and courtesy Galerie Gmurzynska

letzten Jahr gefeiert und gekürt wurde, halten die diesjährigen St. Moritz Art Masters einen weiteren BlockbusterKünstler bereit: Peter Lindbergh. Der in Deutschland geborene, jedoch international gefeierte Modefotograf wird eine Reihe von Fotografien, die in den letzten drei Jahren in Kooperation mit Pirelli entstanden sind, ausstellen. Als Ort wird erneut das Hotel Kempinski Grand Hotel Les Bains fungieren, welches über die Jahre als Fotografie-Hochburg etabliert worden ist. Zeitgleich wartet die Galerie Karsten Greve mit den unheimlich-genialen Fotografien des in Südafrika ansässigen Künstlers Roger Ballen auf. Mit seiner eindringlichen Bildsprache und metaphorisch-aufgeladenen S/W Fotografien gehört er mittlerweile zur Top-Riege der internationalen Fotogrößen. Als weiteres Highlight wäre die Einzelausstellung des britischen Malers David Hockney in der renommierten Galerie Robilant + Voena anzukündigen. Abgerundet werden die Galerie-Ausstellungen durch die Soloshow des finnischen Künstlers Jani Leinonen, der im Namen der Galerie Gmurzynska die Fußgängerzone von St. Moritz mit seinen ironisch-spielerischen Werken der Serie „The Most Terrible Things” bestücken und somit den diesjährigen Walk of Art bestimmen wird. (Bis 3. September) TELEFON | 030/39887411 INTERNET | www.stmoritzartmasters.com

Tüftler ticken anders Furtwanger Uhrenbörse

Martin Kippenberger, Transportabler U-Bahn-Eingang, 1997, seit 2004 in Zouz; Art Masters St. Moritz © Estate of Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Cologne und Walter A. Bechtler Stifung

Im südlichen Schwarzwald auf einer Höhe von knapp 850 Metern liegt das Schwarzwaldstädtchen Furtwangen umgeben von Hügeln, die dicht bewaldet sind und dem Hausberg Brend, der mit rund 1100 Meter einen großartigen Blick über die Schwarzwaldlandschaft bis hin zu den Alpen bietet. Einst war Furtwangen eines der Zentren der Schwarzwälder Uhrmacherindustrie mit Firmen wie BADUF, LFS oder Union


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MAGAZIN

Alle Tassen Fest der Porzelliner in Selb

Uhrenbörse Furtwangen

Clock, um nur einige zu nennen. Und vor dieser Zeit waren viele Tüftler in ihren Werkstätten und Schwarzwaldhöfen zugange, um die weltbekannten Schwarzwälder Schilderuhren, Flötenuhren oder Kuckucksuhren anzufertigen. Heute zeugt Deutschlands größtes Uhrenmuseum mit vielen Exponaten von dieser einstmals glanzvollen Zeit. Doch einmal im Jahr erwacht die einstige Uhrenmetropole wieder zu neuem Leben. Denn regelmäßig am letzten August-Wochenende öffnet die Internationale AntikUhrenbörse in Furtwangen ihre Pforten – und wie könnte es anders sein an historischem Ort, direkt neben dem deutschen Uhrenmuseum in den Räumen der Hochschule Furtwangen. Das Angebot ist wahrhaftig riesig. Nicht umsonst ist die Furtwanger Antik-Uhrenbörse die größte ihrer Art in Europa. Wer aber meint, dass hier nur Schwarzwälder Uhren gezeigt werden, täuscht sich. Die angebotenen antiken Uhren umfassen die ganze Bandbreite an Zeitmessern aus vielen Epochen, Ländern und in allen Erhaltungsgraden. Hier kommen nicht nur die Tüftler und Bastler, sondern auch Sammler hochwertigster Uhren auf ihre Kosten. Auch die Armband- und Taschenuhrenfreunde finden ebenfalls ein reichhaltiges Sortiment, denn in diesem Bereich hat sich das Angebot seit Jahren kontinuierlich erweitert. Händler und Sammler aus vielen europäischen Ländern bieten auf dieser internationalen Börse ihre antiken Stücke an. Dementsprechend hört man in den Gängen und Sälen der Hochschule die verschiedensten Sprachen. Groß ist der Andrang besonders am Samstag, denn da findet traditionell noch einer der größten Flohmärkte in Südbaden mit mehr als 300 Ständen statt. Damit aber noch nicht genug, gleichzeitig ist auch noch Stadtfest mit jeder Menge Unterhaltung. Der Freitag ist traditionell der Aufbautag für die Händler. Trotzdem wird die Börse bereits ab 12 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Um die Besucherzahl jedoch in Grenzen zu halten, ist der Eintrittspreis an diesem Fachbesuchertag hoch angesetzt. Die Karte gilt allerdings für alle drei Tage. Alle Eintrittskarten berechtigen auch zum kostenlosen Eintritt in das Deutsche Uhrenmuseum. (25. bis 27. August) TELEFON | 07723/7556 INTERNET | www.antik-uhrenboerse.eu

Das Fest der Porzelliner mit dem größten Porzellanflohmarkt Europas findet vom 3. bis 7. August statt. In dieser Zeit dreht sich in Selb alles um das Weiße Gold. In enger Zusammenarbeit der Stadt Selb mit dem Forum Selb erleben e.V., dem Rosenthal Outlet Center, dem Factory In Outlet Center, der Firma BHS tabletop AG, Barbara Flügel sowie dem Porzellanikon entstanden zahlreiche Veranstaltungen und Sonderaktionen, die sowohl Einheimischen als auch Besuchern ein interessantes Programm bieten. Höhepunkt ist natürlich Europas größter Porzellanflohmarkt am Samstag, dem 5. August mit 400 Anbietern, bei dem die Schnäppchenjäger voll auf ihre Kosten kommen. An diesem Tag haben die Besucher an verschiedenen Ständen und in Schauzelten die Möglichkeit, sich zu informieren, Vorführungen zu verfolgen oder beim Bemalen einer Kunstfigur selbst Hand anzulegen. Doch auch den Porzellanflohmarkt am darauf folgenden verkaufsoffenen Sonntag (6. August) mit 100 Anbietern wissen die Sammler und Liebhaber des Weißen Goldes durchaus zu schätzen. Absolut sehenswert ist die Ausstellung „Weißes Gold – Porzellan erleben" im Rosenthal-Theater der Stadt. Dort zeigen die regionalen Porzellanfirmen und -manufakturen wieder ihre neuesten Produkte.

Gefäße von Christine Rathmann beim Fest der Porzelliner in Selb Foto: Stadt Selb


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KUNSTMARKT

Francis Picabia Funny Guy Das geheimnisvolle, widersprüchliche und unklassifizierbare Werk von Picabia entsprach dem Bedürfnis nach Erneuerung und Modernität, das Anfang des 20. Jahrhunderts zu verspüren war, insbesondere hinsichtlich des Dadaismus. Obwohl dieser Künstler eher unauffällig war, ist er derzeit einer der begehrtesten auf dem westlichen Markt. Der 1879 in Paris geborene Francis Picabia startete seine Karriere mit dem Kopieren der Werke, die im Besitz seines Vaters waren (insbesondere Gemälde von Ziem, Checa…). Er behauptete „die Originalgemälde verkauft und durch die Kopien ausgetauscht” zu haben. „Es ist niemandem aufgefallen. Ich hatte meine Berufung gefunden.“ Ob dies nun stimmt oder nicht – diese Anekdote zeigt, dass der Künstler zu Scherzen aufgelegt und ein Provokateur war. Zum Zeitpunkt dieser Erklärung, die angeblich der Ursprung seiner Berufung zum Maler gewesen sein soll, ist es 1923 und der Geist des Dadaismus belebt weiterhin die Pariser Künstlerszene. Hinter der infantilen Lautmalerei „Dada“ steckt vor allem eine Geisteshaltung, die zu einer Bewegung ohne Theorie wird. Der Dadaismus (der infolge der Absurdität und der Gräueltaten des ersten Weltkriegs entstanden war) hatte sich zum Ziel gesetzt, das Leben wieder in den Mittelpunkt der Kunst zu stellen, mit der Vergangenheit abzuschließen und die Kunst, wie sie zu dem Zeitpunkt existierte, durch neue künstlerische Lösungsvorschläge auszutauschen. Das Leitmotto von Marcel Duchamp – dem Vater dieses berühmten dadaistischen Geistes – bestand darin, mit den Konventionen zu brechen, und zwar auf die respektloseste Art und Weise, die möglich war, um mit dem Mythos des Künstlers als Schöpfer aufzuräumen und klarzustellen, dass es „der Betrachter ist, der das Kunstwerk macht“. Eben dieser Duchamp hatte einen starken Einfluss auf die Karriere von Picabia. Der Austausch zwischen den beiden Künstlern begann im Jahre 1911, und 1915 traf Picabia in New York auf Man Ray. Diese drei legendären Künstler des 20. Jahrhunderts teilten eine ausgeprägte Vor-

Francis Picabia, Les arbres en fleurs à Villeneuve-sur-Yonne, 1906 (Bonhams, London, März 2017, Zuschlagspreis inklusive Aufgeld 705.974 Euro) © VG-Bildkunst Bonn

liebe für Kalauer, Wort- und Gedankenspiele, und es entstand eine enge Freundschaft zwischen ihnen. Vor seinem Abenteuer inmitten der Avantgarde hatte Picabia ein eher sensibles beziehungsweise emotionales Verhältnis zur Malerei. In jungen Jahren entdeckte er Alfred Sisley und Pissaro und schuf Hunderte von impressionistischen Werken in ihrem Stil. Diese sind relativ häufig auf dem Markt zu finden, insbesondere in London und Paris. Diese spätimpressionistischen Werke sind mit einem Budget unter 100.000 Dollar immer schwieriger zu erwerben. Sie haben jedoch einen geringeren Marktwert als die Werke seiner dadaistischen Periode, welche die Signatur Picabias besonders wertvoll machen. Vor ein paar Monaten wurde im Auktionshaus Christie's in New York die dadaistische Zeichnung „Phmarcie Duchamps“, eine Arbeit auf Papier mit einem Format von circa 30 Zentimetern, für 403.500 Dollar versteigert. Ein Budget in dieser Größenordnung ermöglicht übrigens auch den Erwerb eines relativ großen Gemäldes auf Leinwand aus seiner impressionistischen Periode. Der Marktwert von Picabia ähnelt seiner Persönlichkeit: Er ist nicht in sich geschlossen und die starken Preisschwankungen spiegeln die Vielfalt der verschiedenen Stile wider, die er sich im Laufe seines Lebens angeeignet hat. Paris – New York

Francis Picabia, Le torrent, um 1911 (Sotheby's, New York, Mai 2017, Zuschlagspreis 337.144 Euro) © VG-Bildkunst Bonn

Das künstlerische Leben Picabias ist tatsächlich alles andere als ein langer, ruhiger Fluss. Er suchte ständig nach Erneuerung und selbst nach Zäsuren. Impressionismus, Fauvismus, Kubismus, Orphismus, Mitglied der Section d'Or, Verfechter des Dadaismus, surrealistische Anwandlungen mit seinen Transparences, realistische figurative Darstellung während der Kriegsjahre, Urheber geschriebener und gezeichneter Skandale und schließlich wieder Anknüpfung an die Abstraktion. Er reiste auch viel, vor allem nach New York. Seine Energie und Kraft der Erneuerung fand in den 1910er-Jahren auf Anhieb großen Anklang bei den Amerikanern – noch bevor er die französischen Liebhaber eroberte. Picabia wurde von den kulturellen Akteuren in New York zuerst als Wortführer der europäischen Avantgarde gefeiert. Auf der anderen Seite des Atlantiks wird ihm auch heute noch große Ehre zuteil, wie die leidenschaftliche Retrospektive bezeugt, die vor Kurzem im MoMA in New York stattfand (21. November 2016 bis 19. März 2017), deren Werke größtenteils aus amerikanischen


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KUNSTMARKT

Francis Picabia, Phmarcie Duchamps, um 1920 (Christie's New York, November 2016, Zuschlagspreis 307.923 Euro)

gen in Millionenhöhe auch die oberen Marktsegmente erobert. Obgleich Picabia eine weniger Aufsehen erregende Persönlichkeit als ein Salvador Dali oder ein Fernando Botero ist, sind seine neuesten Leistungen besser: Picabia ist mit einem jährlichen Auktionsergebnis von 25,28 Millionen Dollar für 73 zugeschlagene Lose 2016 in die Top 100 der Künstler aufgestiegen. Mit über 11 Millionen Dollar Auktionsumsatz seit Anfang Januar 2017 wurde für den Künstler eines der besten halbjährlichen Ergebnisse in der Auktionsgeschichte erzielt. Die Sammler und Museen scheinen aktuell seiner surrealistischen Vision zu folgen, laut der „unsere Köpfe rund sind, damit unsere Gedanken die Richtung wechseln können.“

© VG-Bildkunst Bonn. Foto © 2016 Christie’s Images Limited

QUELLE | artprice.com

Sammlungen stammten. Zu der Zeit, in der Picabia in New York gefeiert wurde, konnte er den französischen Markt mit seinen Highlights nicht erobern – zum Beispiel als er „L’œil cacodylate“ im Salon des Indépendants von 1921 ausstellte. Die Jury lehnte das Werk ab, weil dieses Kondensat aus Signaturen und diversen Kommentaren nicht als Gemälde angesehen wurde. Tristan Tzara, Jean Cocteau, Marcel Duchamp, Man Ray und ungefähr fünfzig weitere Personen haben auf dieser Leinwand unterschrieben. Auf die Kritik, dass dieses Gemälde keines sei, antwortete Picabia: „Mein Gemälde, das umrahmt ist und dafür gemacht, an der Wand aufgehängt und betrachtet zu werden, kann nichts anderes sein, als ein Gemälde.“ Hat „L’œil cacodylate“ auch nicht auf Anhieb überzeugt, so hängt es heutzutage doch an der Wand eines renommierten Gebäudes – denn es ist eines der Prunkstücke der Dauerausstellungen des Centre Pompidou. Beim aktuellen Streit um die besten Werke zwischen New York und Paris gewinnt New York nach und nach an Boden. Im Jahre 2000 lieferten sich diese beiden Märkte ein Kopf-an-Kopf-Rennen für den Verkauf von Werken von Picabia in Auktionen – er nahm jeweils ein Drittel des Umsatzes ein. Aber zwischen 2010 und 2017 haben die Vereinigten Staaten fast 39 Prozent des Umsatzes generiert und den Anteil des französischen Marktes stückchenweise abgebaut (20 Prozent). New York bringt zwar wichtige Werke ein, in Frankreich ist mit 20 Werken von Picabia bei Auktionen seit Anfang 2007 allerdings auch ein dichtes Angebot vorhanden. Zeichnungen finden auf Auktionen schneller Abnehmer als Gemälde auf Leinwand. So manche Zeichnung kann für junge Sammler einen schönen Einstieg in das Geschäft bieten – es sind Originalzeichnungen für unter 3.000 Dollar zu haben. Andere hingegen liegen bei 20.000 Dollar, insbesondere wenn es sich um ein Porträt Francis Picabia, Transparence einer Spanierin oder eine (maternité), um 1931/32 Transparence handelt. Das (Sotheby's, New York, Mai vielgestaltige Werk von Pica2017, Zuschlagspreis 109.344 bia hat darüber hinaus mit Euro) © VG-Bildkunst Bonn ungefähr 40 Versteigerun-

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Farben Chinas Die Farben Chinas Von Heidrun Th. Grigoleit

Das perfekte harmonische Zusammenspiel von Form, Farbe und Glasur: In der Kabinettausstellung „Die Farben Chinas“ präsentiert das Linden-Museum Stuttgart monochrome chinesische Porzellane erstmals aus der Sammlung Dr. Georg Büchner.

Porzellan gehört zu den wichtigen chinesischen Erfindungen. Die Schönheit von Töpferarbeiten beruht in erster Linie auf einem harmonischen Zusammenspiel von Form, Farbe, Glasur und Dekor. Wenn auf Dekore verzichtet wird, liegt das Augenmerk ganz auf der schlichten Eleganz des farbigen Überzugs.

BREITES FARBSPEKTRUM Es gelang chinesischen Töpfern mit ihrem umfassenden Wissen über Ton, Glasuren und Farbkörper sowie durch die meisterhafte Kontrolle der Brennbedingungen bis zum Ende der Kaiserzeit ein breites Spektrum an herrlichen Farbentönen zu erzeugen: strahlend dunkles oder helles Blau, das an die Farbe des unbewölk-


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PORZELLAN

ten Himmels erinnert, ein zartes Rosa, das einem Pfirsichfarbton entspricht, helle Gelbtöne oder ungewöhnliche Farbnuancen, die man mit roten, zart gesprenkelten Bohnenkernen oder den glänzend polierten Oberflächen von Bronzespiegeln assoziieren könnte. Auch zarte Grüntöne mit krakelierter Glasur üben eine besondere optische Faszination aus. Ein Pinselwascher erstrahlt in einer hellen weißlichen „claire de lune“-Glasur.

hochstehenden Kunden und deren höchst anspruchsvollen Wünschen gerecht zu werden. Die faszinierend abwechslungsreiche Farbpalette und die große Formenvielfalt dieser späten monochromen Porzellane werden beispielhaft in der bemerkenswerten Sammlung Dr. Georg Büchner dokumentiert. Erstmals ist nun eine repräsentative Auswahl seiner Stücke im Linden-Museum Stuttgart zu sehen.

„GU“ MONOCHROME GLASUREN Den Töpfermeistern der Qing-Zeit (1644-1911) dienten dabei die klassischen Keramiken der Song-Zeit (960-1279) oder die monochrom glasierten Porzellane der Ming-Zeit (1368-1644) als Vorbilder. Daneben entwickelten sie jedoch auch ganz neue und ungewöhnliche Farbnuancen, um dem Kaiserhof und anderen

Das Weingefäß „gu“ diente in der chinesischen Frühgeschichte dem Darbringen von Trankopfern. Die rostfarbene Glasur wurde ganz bewusst gewählt, um das aus dem wertvolleren Material Bronze gefertigte Vorbild bestmöglich nachzuahmen. Die Gliederung des Gefäßkörpers in drei Abschnitte – Fuß, Mittelteil und Hals – ist gut nachvollziehbar.

Pinselwascher, Porzellan mit „claire de lune“-Glasur, China, Marke der Kangxi-Ära (1662-1722) Oben rechts: Vase in Form des Weingefäßes „gu“, Porzellan mit rostfarbener Glasur, China, 18. Jahrhundert Links: Monochrome Porzellane aus der Sammlung Dr. Georg Büchner

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PORZELLAN

Links oben: Rouleau-Vase, Porzellan mit puderblauer Glasur, China, Kangxi-Ära (1662-1722) Links unten: Hochrechteckige Vase, Porzellan mit bläulich-grauer, krakelierter Glasur, China, 18./19. Jahrhundert Rechts oben: Spucknapf, Porzellan mit hellgelber Glasur, China, eingeritzte Marke „Tihedian zhi“, Guangxu-Ära (1875-1908)

BLAUE KOBALTGLASUR Blaue Glasuren, die durch den Zusatz von Kobalt erzielt werden, gehen auf die Yuan-Zeit (1271-1368) zurück. Für die sogenannte puderblaue Glasur wird fein zerriebenes Kobaltpigment mit einem gazebespannten Bambusrohr auf den rohen Scherben geblasen. Die Farboberfläche erhält so ihre charakteristische Sprenkelung. Die für den hier gezeigten Vasentyp übliche französische Bezeichnung „rouleau“ spielt auf den walzenförmigen Gefäßkörper an.

JADERÖHRE Mit einem quadratischen Körper und einer runden Mündung bildet die Vase eine Jaderöhre („cong“) nach, die im alten China ein Statussymbol und vermutlich rituell bedeutsam war. Das zweifarbige Krakelee wird im Chinesischen treffend als „jinsi tiexian“ (Goldfäden und Eisendraht) beschrieben. Die bei hohen Temperaturen gebrannte hellblaue Glasur, die in China als „tianlan“ (Himmelblau) bezeichnet wird, kam in der Regierungszeit des Kangxi-Kaisers (1662-1722) in Gebrauch. Der hellblaue Farbton ist auf die sparsame Verwendung von Kobalt zurückzuführen. Für das Himmelblau wurde gerade mal ein Prozent des Pigments der Glasurmasse beigemischt.

GELB FÜR DIE KAISERWITWE Eine auf dem Boden eingravierte Marke „tihedian zhi“, gefertigt für die Halle der offenkundigen Harmonie, bezeichnet Porzellane, die für den persönlichen Gebrauch der Kaiserinwitwe Cixi (1835-1908) bestimmt waren. Die Außenwandung eines Porzellans mit hellgelber Glasur trägt einen fein gravierten glückverheißenden Dekor aus zerklüfteten Felsen, früchtetragenden Pfirsichbäumen sowie Fledermäusen mit Swastika-Motiven. Wie bei Palastwaren üblich, die für den Gebrauch des Kaisers, seiner Mutter oder seiner Gattin bestimmt waren, wurde auch dieses Gefäß nicht nur auf der Außenseite, sondern auch auf der Innenseite gelb glasiert.

PFIRSICHBLÜTENGLASUR Porzellane mit sogenannter „peach bloom“ oder Pfirsichblüten-Glasur erinnern in ihrer Farbgebung an die Haut reifender Pfirsiche. In China ist


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die Farbgebung dagegen unter der Bezeichnung „jiangdou hong“ (Augenbohnenrot) bekannt. Die kupferbasierte Glasur verwandelt sich im Brand in ein zartes Rosa mit grünen und braunen Flecken, die sehr markant zu sehen sind. Das stellt eine Neuerung der in Jingdezhen ansässigen Manufakturen der Kangxi-Ära (1662-1722) dar. Die Schwierigkeiten beim Brennen der Glasur waren mit ein Grund, weshalb man sie besonders oft auf kleinformatigen Objekten, die für das Studierzimmer des Gelehrten bestimmt waren, findet, wie auf einem kleinen Pinselwascher.

Kangxi-Ära (1662-1722). Vasen wie diese, aber aus dem 19. Jahrhundert, wurden 1889 anlässlich der Hochzeit des damals siebzehnjährigen Guangxu-Kaisers (reg. 1875-1908) als Geschenk gereicht. Der Fuß der Vase ist unglasiert, da die Keramik in einem hölzernen Standfuß präsentiert werden sollte. Ihrer eleganten Form wegen wird der Vasentyp im Chinesischen als „liuye ping“ (Weidenblatt-Vase) bezeichnet.

KRAKELIERTE GRÜNE GLASUR

Ausstellung: „Die Farben Chinas. Monochrome Porzellane aus der Sammlung Dr. Georg Büchner“. Linden-Museum Stuttgart, bis 3. September 2017

Eine kleine Vase mit „peach-bloom“Glasur hat die Form einer Amphore. Eine Marke datiert das Stück in die

Fotovermerk: Alle Abbildungen © Linden-Museum Stuttgart Foto: A. Dreyer

Rechts oben: Eiförmige Vase, Porzellan mit grüner, krakelierter Glasur, China, 19. Jahrhundert Rechts: Kleine Vase in Amphorenform, Porzellan mit „peach bloom“-Glasur, China, Marke der Kangxi-Ära (1662-1722), Ausführung 19. Jahrhundert Unten: Pinselwascher, Porzellan mit „peach bloom“-Glasur, China, Marke der Kangxi-Ära (1662-1722), aber wohl 19. Jahrhundert


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VORSCHAU/IMPRESSUM

SAMMLER JOURNAL 09/2017

SAMMLER JOURNAL

ISSN 1863-0332

VERLAG

GEMI Verlags GmbH Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen Tel. 08441 / 4022-0 Fax 08441 / 71846 Internet: www.gemiverlag.de E-Mail: info@gemiverlag.de

GESCHÄFTSFÜHRER

Gerd Reddersen Rudolf Neumeier

100 JAHRE DE STIJL Die Kunstbewegung feiert Geburtstag

VON HOPPER BIS ROTHKO Amerikas Weg in die Moderne

ASSISTENZ DER GESCHÄFTSFÜHRUNG

Karin Teichmann

CHEFREDAKTEURIN

Karin Probst

REDAKTEURE

Nicola Fritzsch Heidrun Th. Grigoleit Helene Stümpfle-Wolf Anja Iwa Joscha Eberhardt

AUTOREN DIESER AUSGABE

Heidrun Th. Grigoleit Anja Iwa Dr. Bettina Krogemann

REDAKTIONSASSISTENZ

Heike Genz

TERMINE

Anette Wagner, Tel. 08441/4022-35 Hans Neumeier, Tel. 08441/4022-34 E-Mail: termine@gemiverlag.de

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Heike Genz, Tel. 08441/4022-18 Marlene Westner, Tel. 08441/4022-12

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Kössinger AG Schierling

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Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages vervielfältigt oder verbreitet werden. Unter dieses Verbot fallen die gewerbliche Vervielfältigung per Kopie, die Aufnahme in elektronische Datenbanken und die Vervielfältigung auf CD-ROM.

Es gilt die Anzeigenpreisliste 1/08 vom 01.11.2008

Erscheinungstermin Abonnenten-Versand: 28.8.17 Erstverkaufstag Handel: 30.8.17

Dieser Ausgabe liegt ein Prospekt vom Auktionshaus Metz bei. Wir bitten um Beachtung.


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