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Juni 2021 · B 1309 | € 8,00 Schweiz CHF 12,30 | Österreich € 8,90 | Be/Ne/Lux € 9,00

SAMMLER JOURNAL

JUNI 2021

KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN

GEMI

KUNSTMARKT • AUKTIONEN • HAMMERPREISE

SCHÄTZE

Mathilde Tardif • Die wilden Siebziger • Schaudepot


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www.auktionshaus-wendl.de


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SAMMLER-SERVICE

Monate bis ein Jahr nach dem Tod des Gatten. Auffällig ist der modische Zwicker auf der Nase, ein Detail, welches man eher selten auf Damenporträts findet. Das Porträt der jungen Witwe wurde im Jahre 1902 von der Berliner Malerin Margarete Auguste Fritze gemalt. Margarete Auguste Fritze wuchs auf dem Rittergut Dreilinden bei Magdeburg auf, lernte zunächst in Bremen und studierte ab 1873 in München bei Eduard von Grützner und Alexander von Liezen-Mayer und in Wien bei Hans Canon. Die Künstlerin spezialisierte sich auf Porträts und Genrebilder, meist signierte sie „M. Fritze“. Wie so viele Künstlerinnen dieser Zeit schrieb sie den Vornamen nicht voll aus, da den Werken von Malerinnen, despektierlich „Malweiber“ genannt, geringere Qualität unterstellt wurde. Die Kunstakademien waren den Malerinnen meist verschlossen, eine Ausbildung war daher nur an privaten Malschulen möglich. Auch in München scheint Margarete Fritze nur privat studiert zu haben, denn ihr Name ist im Matrikelbuch der Akademie nicht zu finden. Von 1890 bis 1908 stellt sie regelmäßig auf den Ausstellungen des Vereins Berliner Künstlerinnen aus. Ein Hinweis auf die Identität der Dargestellten könnte das Exlibris „Amor hält der Venus den Spiegel“ auf dem Keilrahmen geben, leider wurde der Teil mit dem Namen abgerissen. Der kaum lesbare Stempel verweist vermutlich auf die Filiale eines Geschäfts für Malmaterialien in Berlin. Gemälde dieser Zeit sind nicht sonderlich gefragt, ein Betrag unter 800 Euro scheint angemessen. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Jagdschloss Göhrde

Porträts und Genrebilder Gemälde von Margarete Auguste Fritze

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Ich habe ein Gemälde, das – wie ich meine – Königin Victoria darstellt. Ich habe das Bild bei der Haushaltsauflösung in den Siebzigerjahren von einem älteren adeligen Herrn in Darmstadt gekauft. Gerne wüsste ich zu dem Bild Näheres wie Alter, Herkunft, Maler. Anbei einige Fotos mit entsprechenden Daten. Wolfgang Buch, o. O.

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Die dargestellte junge Dame im schwarzen Abendkleid schmückt sich nur durch ein Samthalsband und eine große, sternförmige Brillantbrosche (vermutlich inspiriert von den Sisi-Sternen, dem legendären Haarschmuck der österreichischen Kaiserin). Möglicherweise ist hier eine junge Witwe in Halbtrauer dargestellt, sechs


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Mit auskragender Mündung Vase, vermutlich von Lötz Witwe, Klostermühle

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Ich wende mich an Sie mit der Bitte, eine Expertise über die kleine Vase zu erhalten, die ich vor einigen Jahren auf einem Flohmarkt zusammen mit einem älteren böhmischen Glasbecher erstanden habe. Die Vase ist mundgeblasen (abgeschliffener Abriss), circa 12 cm hoch und 12 cm breit. Es scheint, dass auf das grüne Glas an vier Seiten braunes Glas aufgelegt und verwischt wurde. Leider ist auf dem Foto die schöne helle Maserung im Braunbereich nicht zu sehen. Eine Signatur fehlt. Die Vase ist unbeschädigt. Die irisierenden Farben erinnern an Produkte der Glasmanufaktur Loetz. Ich konnte aber in den Büchern von Waltraud Neuwirth über Loetz nichts direkt Vergleichbares finden. Hersteller, Alter und heutiger Wert würden mich interessieren. Klaus U. Nitsche, Kürten

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Anhand der gescannten Reproduktion des Fotos ist das wirklich schwer zu entscheiden. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um den Dekor Titania Gre 6388 aus dem Jahre 1909, hergestellt von Loetz Witwe, Klostermühle. Sowohl die Größe als auch die Form mit der vierfach auskragenden Mündung scheint übereinzustimmen, ebenso die maigrüne Farbe mit dem vom Boden ausgehenden gekämmten violett-braunen Überfang. Als Wert würde ich heute 2.500 bis 3.500 Euro annehmen. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Jagdschloss Göhrde

www.plueckbaum.de


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MAGAZIN

Himmelsleiter

Jubiläum

Kunst am Stephansdom in Wien

20 Jahre Delcampe

Seit Anfang April erhebt sich Billi Thanners „Himmelsleiter“ erstmals neongoldleuchtend am Südturm des Stephansdoms in den Wiener Himmel. Die „Himmelsleiter“ ist das aktuelle Werk der Wiener Künstlerin. Die Kunstinstallation, die auf Einladung von Dompfarrer Toni Faber für das Osterfest konzipiert wurde, besteht aus einer Neonleiter, die im Inneren des Stephansdoms, bei der Taufkapelle beginnt, das Gewölbe durchstößt und dann bis auf die Spitze des Südturms führt. Die Himmelsleiter erstrahlt in den Wiener Nächten bis 30. September 2021. Billi Thanner hat sich in den künstlerischen Arbeiten der Schönheit verschrieben. Seit den frühen 1990er-Jahren ist sie als bildende Künstlerin tätig. Ihr Werk umfasst eine Bandbreite von Genres wie Malerei, Skulptur, plastische Intervention, Rauminstallation, Aktion und Performance und widmet sich dem Verhältnis zwischen Mensch, Natur, Kunst und Gesellschaft. Für ihre Aktionen und Performances, die interdisziplinär konzipiert sind, lädt die Künstlerin regelmäßig Kulturschaffende und Kreative aus verschiedenen Sparten – Theater, Musik, Tanz, Mode und Design –, aber auch Freundinnen und Freunde zum Mitwirken ein.

Am 1. Oktober 2000 gründete Sébastien Delcampe www.delcampe.net, den Online-Marktplatz für Sammler. Der auf Briefmarken und Ansichtskarten spezialisierte OnlineMarktplatz ist seitdem sehr schnell gewachsen: Inzwischen stehen mehr als einer Million Mitgliedern mehr als 25.000 Kategorien Sébastien Delcampe mit Gezur Verfügung. Dank Del- burtstagstorte zum 20-jährigen campe wechseln täglich Jubiläum seines Online-Marktmehr als 10.000 Artikel den platzes delcampe.net Besitzer. Heute, 20 Jahre später, feiert das Unternehmen, das rund 30 Mitarbeiter beschäftigt, seinen Einzug in die Top 30 der größten Online-Marktplätze, laut Cross-Border Commerce Europe, die eine Bestenliste der Top-100-Marktplätze weltweit erstellt haben. Delcampe ist auf Platz 29 der einzige belgische Online-Marktplatz, der in dieser Rangliste zu finden ist. An der Spitze: Amazon, eBay und AliExpress. Noch besser: In seiner Kategorie „Sammlungen und Antiquitäten" ist Delcampe der erste Marktplatz weltweit. „Wir sind sehr stolz, mit diesen Giganten auf einer Stufe zu stehen!“ erklärt Sébastien Delcampe. „Und Erster in unserer Zielgruppe zu sein, ist das Sahnehäubchen auf der Torte zu unserem 20-jährigen Jubiläum!“ Sébastien Delcampe wollte diesen Kuchen mit seinen Mitarbeitern teilen. „Was Delcampe stark macht, ist unser dynamisches Team, das unseren Kunden wirklich zuhört", fügt der CEO und Gründer hinzu. Noch bis zum 1. Oktober 2021 feiert Delcampe sein 20-jähriges Bestehen anhand mehrerer Sonderaktionen. In den kommenden Wochen werden einige glückliche Gewinner unter den Mitgliedern ausgelost, die sich über ganz spezielle Sammlerstücke freuen dürfen.

TELEFON | +43 1 5249632 WEBSEITE | www.dompfarre.info

E-MAIL | sales@delcampe.com WEBSEITE | www.delcampe.net

Billy Thanner, Himmelsleiter

Foto: Jenni Koller, © Bildrechte Wien 2021


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www.auktionshaus-stuttgart.de


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MAGAZIN

Jakob und Katharina „Stiften gehen” in Augsburg 2021 feiert die älteste erhaltene Wohnsiedlung der Welt, die Augsburger Fuggerei, ihr 500-jähriges Bestehen. Anlässlich des Stiftungsjubiläums hat der Augsburger Stadtrat die Kunstsammlungen und Museen beauftragt, eine Sonderausstellung zu entwickeln. „Stiften gehen! Wie man aus der Not eine Tugend macht“ startet am 28. August 2021 im Maximilianmuseum. Sie zeigt anschaulich auf, wie die Gesellschaft des 16. Jahrhunderts auf Krisen reagierte und wieso Stiftungen urmenschliche Phänomene sind. Das Besondere: Elemente der Ausstellung entstehen zusammen mit Akteuren der Stadtgesellschaft sowie lokalen Kunstschaffenden. Auf der Webseite können Interessierte miterleben, wie sich die Ausstellung bis zur Eröffnung entwickelt. Das Museum nimmt die Besucher bis zur Eröffnung Schritt für Schritt mit und gibt Einblicke auch hinter die Kulissen. Parallel dazu entstand eine Graphic Novel. Darin geht es um Jakob, der in Augsburg eine Lehre antreten will, und die Ordensfrau Katharina, die sich mit neuen Glaubensfragen und der Pest konfrontiert sieht. Sie sind die Hauptfiguren dieser Graphic Novel, die den Alltag 1521 lebendig werden lässt. Es ist ein Experiment. Kann man wissenschaftliche Erkenntnisse zum Leben und Arbeiten in der „Fuggerzeit“ unterhaltsam ins Bild bringen? Wann begann man zu arbeiten? Was bedeutete es, Bürger einer Freien Reichsstadt zu sein? Wie ist ein Tag strukturiert? Der Zeichner Paul Rietzl, die beiden Historiker Florian Dorn und Florian Dörschel, die Ordensschwester Hannah Rita Laue OP sowie die Kuratorin Heidrun Lange-Krach erarbeiten gemeinsam mit den Studierenden Christoph Hauptmann und Corinna Dewor eine fiktive Geschichte über das Leben in der Reichsstadt. TELEFON | 0821 3244106 WEBSEITE | www.kmaugsburg.de/stiften-entsteht

Eine Seite aus der Graphic Novel, gezeichnet von Paul Rietzl

Das Museum, das nachhause kommt Mobiles Reklamemuseum Das mobile Reklamemuseum von Dr. Kathrin Bonacker, Kulturwissenschaftlerin aus Marburg und Autorin des Gemiverlags, beinhaltet etwa 150 Objekte aus 125 Jahren Reklamegeschichte. In einem Youtube-Clip stellt sie ihr mobiles Museum vor. Hierzu gehören zum Beispiel eine Verpackung in Form einer kleinen Litfaßsäule, Reklamemarken, Liebigbildchen oder ein Stollwerck-Sammelalbum, Pappplakate oder Kofferaufkleber, ferner die Werbekampagne der Firma Pril, die fast ein ganzes Jahrzehnt geprägt hat. Neben dem Historischen liegt der Fokus auch auf exemplarischen Marken, die einen Wiedererkennungswert transportieren, wie Dr. Oetker, Salamander mit dem Lurchi, das Nivea-Blau oder die lila Kühe von Milka, der Schriftzug von Bahlsen oder die Firma Lagnese mit der rot-weiß gestreiften Markise, die bis in die 1990er-Jahre benutzt worden ist. Dann gibt es da auch noch die politische Werbung für Parteien jeglicher Couleur oder Werbung mit Prominenz wie Uwe Seeler, der einst für Sprengel-Schokolade posierte oder die Lux-Seifenflocken, die sich zur Reinigung von SportlerTrikots besonders gut eignet. Wer sich für Werbung und Reklame interessiert, kann das neuartige Museum für eine Anreise buchen. Ein kleiner Teil der Ausstellungsstücke wird hier vorgestellt. Man kann es beispielsweise als Teil eines Unterrichtskonzeptes nutzen, es zum Firmenjubiläum zeigen oder zum Element eines Betriebsausfluges machen. Thematische Ergänzungen oder ein besonderer Fokus sind ganz unkompliziert möglich. Vorbereitetes Material kann von der Initiatorin gestellt werden, wie zu den Themen Grafikdesign in der Entwicklung, Logos, Werbung für den Umweltschutz und vieles mehr. E-MAIL | www.mobilesreklamemuseum@web.de WEBSEITE | https://mobilesreklamemuseum. wordpress.com


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www.leo-spik.de

Antikes & Kurioses - Auktion Mittwoch 09. Juni 2021 Antik-Kunst-Varia-Schmuck - Auktion Donnerstag 17. Juni 2021

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www.auktion-ruetten.de Einlieferungen erbeten für die 174. Auktion am 05. Juni 2021

Expertenberatung und Übernahme zur Auktion für: Antiquitäten • Gemälde (Alte und Neue Meister) • Uhren, Schmuck Silber • Glas des Art Nouveau und Art Déco • Porzellan / -Figuren Ikonen und Sakrales • Asiatika • Skulpturen, Plastiken • Kleinmöbel Terminvereinbarung erbeten: 089 / 12 71 51 00 Montag bis Freitag 10.00 – 18.00 Uhr

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KUNSTMARKT

Joan Mitchell First Lady des Kunstmarktes Auf Platz 17 der bestgehandelten Künstler und Künstlerinnen bei Auktionen im Jahr 2020 weltweit ist Joan Mitchell vor allem die erste Frau im Ranking – nach 16 Männern. Ihre Kunstmarktpräsenz übersteigt jene von so angesagten Künstlern wie Yoshitomo Nara, Yayoi Kusama oder Banksy, einem der begehrten und gefragten Künstler der Zeit. Der Name Joan Mitchell hat sich in den Pandemiezeiten als sicherer Hafen erwiesen. So hat der Verkauf von 50 ihrer Werke im Laufe des Vorjahres knapp 71 Millionen Dollar generiert. Das zweitbeste Resultat, das für Werke dieser so für die amerikanische Kunst wichtigen Persönlichkeit erzielt wurde. Ein lebhafter Markt Die abstrakten Expressionisten haben sich in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg dank der Unterstützung der Institutionen und der amerikanischen Regierung, vor allem der CIA, international etabliert. Die Central Intelligence Agency hat Ende der 1940er-Jahre teilweise Ausstellungen in der Bundesrepublik Deutschland und in Italien finanziert. Ziel war es, im Rahmen der Kulturpolitik des Kalten Krieges, die Kunst der amerikanischen Avantgarde als freiheitliches Pendent entgegen des stalinistischen Dogmas zu fördern. New York wurde daraufhin Mitte des 20. Jahrhunderts zum Zentrum der westlichen Kunstwelt. Doch der damalige Triumph der amerikanischen Kunst war männlich, und die Künstlerinnen des abstrakten Expressionismus, zu der auch Joan Mitchell gehört, sind erst vor kurzem in den Vordergrund

gerückt. Heute entscheiden sich Sammler ganz bewusst für den Kauf von Werken dieser großen Künstlerinnen, deren Werke zumal auch günstiger zu haben sind, als die ihrer männlichen Kollegen wie Pollock, Rothko oder Motherwell. Die Leiter der Abteilungen von Christie’s, Sotheby’s und Phillips bemerken, dass die Nachfragen, die gezielt auf Werke von Frauen gerichtet sind, steigt. Die Zeit für eine Neubewertung und Aufwertung von Kunst von Frauen ist da. Bereits 2018 erklärte Alexander Rotter, Präsident der Abteilung „Nachkriegszeit und Zeitgenössische Kunst“ von Christie’s in New York, dass die Preisentwicklung für Künstlerinnen wie Joan Mitchell und Helen Frankenthaler „eine Marktanpassung darstellte, die schon seit langem hätte stattfinden sollen“. Seit 2018 wird Joan Mitchell von David Zwirner, einem der einflussreichsten Kunsthändler der Welt, unterstützt. Sie etablierte sich parallel dazu als beliebteste Künstlerin des abstrakten Expressionismus. Ihr Bild „Blueberry“ von 1969

Joan Mitchell, Trees, 1990-1991, (Christie's, New York, Dezember 2020, Zuschlagspreis 2.894.202 Euro)

© 2020 Christie’s Images Limited


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KUNSTMARKT

Joan Mitchell, La Grande Vallée VII, 1983 (Christie's, United States, Juli 2020, Zuschlagspreis 11.062.812 Euro)

wechselt um fast zehn Millionen Dollar mehr als der eigentlich schon hohe Schätzwert von Christie’s den Besitzer. Mit 16,6 Millionen Dollar, die für „Blueberry“ gewährt wurden, wurde ein Rekordpreis für Mitchell aufgestellt. Zum Vergleich: Der absolute Auktionsrekord von Jackson Pollock ist dreieinhalb Mal höher. Für einen Pollock wurde ein Höchstwert von 58,4 Millionen Dollar bezahlt (Number 19, 1948, Christie’s, 15. Mai 2013). Seit dem Verkauf von „Blueberry“ haben sechs Werke von Mitchell erneut die Zehn-Millionen-Dollar-Marke bei Auktionen überschritten, mit sehr signifikanten Aufwertungen. Der Preis für ihr Diptychon „La Grande Vallée VII“ von 1983 ist beispielsweise von 330.000 Dollar auf 14,5 Millionen Dollar gestiegen, das ist eine Vervierundvierzigfachung zwischen 1989 und 2020. Joan Mitchell hatte zwar sehr früh

© 2020 Christie’s Images Limited

Erfolge bei Kritikern und der Öffentlichkeit. Aber von der Beschleunigung des Kunstmarkts hatte sie vor dem Verkauf von „Blueberry“ nur am Rande profitiert. Unter Berücksichtigung aller bei Auktionen verkauften und weiterverkauften Werke schätzt Artprice die Preiszunahme ihrer Werke für das Jahr 2020 auf 15 Prozent. Dieser Wertzuwachs gesellt sich zu dem nach derselben Methode berechneten Anstieg von 2.000 Prozent für ihr Gesamtwerk zwischen 2000 und 2019. Eine Brücke zwischen den USA und Frankreich Geboren in Chicago im Jahre 1926 übersiedelt Joan Mitchell mit 23 Jahren nach New York und etabliert sich dort rasch als zentrale Figur der zweiten Generation der abstrakten

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KUNSTMARKT

Expressionisten. Zu einer Zeit, als Frauen in der künstlerischen Sphäre noch eine Randerscheinung waren, wird sie eines der wenigen weiblichen Mitglieder im „The Club“, dem Hotspot aller Protagonisten der Bewegung um Willem De Kooning und Franz Kline. Im Laufe der 1950erJahre entwickelt sie einen eigenständigen abstrakten Stil aus rhythmischen Linien und überlagerten Farbfeldern und lässt sich von erlebten Emotionen und einzigartigen Landschaften inspirieren. „Das Wort ‚sky‘ bedeutet Himmel. Aber ich sehe zuerst S-K-Y. S ist eher weiß, K ist rot, Y ist ockergelb. Der Himmel ist für mich die Mischung aus diesen Farben. A ist grün, B ist blaugrau, C ist gelb und so weiter. Auf diese Weise habe ich mir als Kind beim Lernen das Alphabet vorgestellt. Ich stellte mir alles in Farben vor. Deshalb mag ich das Französische nicht so gern. Der französische Himmel CIEL ähnelt sicher keinem meiner SKY mit ihrem Rot, Blaugrau und Gelb", so Joan Mitchell über ihre Arbeit. Mitchells erste Einzelausstellung findet 1952 in der New Gallery in New York statt. Im Jahr darauf stellt sie in der Stable Gallery aus. 1955 verbringt sie viel Zeit in Frankreich, wo sie mehrere junge Künstler kennenlernt, darunter Sam Francis, und vor allem den Kanadier Jean-Paul Riopelle, mit dem sie bis 1979 liiert ist. Entschlossen in Frankreich zu bleiben, kauft sie 1967 ein Anwesen in Vétheuil mit einem wunderbaren Blick auf die Joan Mitchell, Untitled, um 1953 (Phillips, New York, Dezember 2020, Seine, in der Nähe eines Hauses, in dem Claude Zuschlagspreis 7.830.213 Euro) Foto: mit freundlicher Genehmigung von Phillips Monet gelebt hatte. Die Werke aus dieser Zeit zeugen von ihrer Begeisterung für die Landschaft der Île-de-France. Als ihre lange Zusammenarbeit mit dem Pariser Galeristen Jean Fournier beginnt, ist ihre York gegründet, um ihr Werk zu fördern und das Schaffen von Künstlern zu ihren Lebzeiten zu unterstützen. Die Pariser Stifinternationale Karriere schon in vollem Gange. 1958 hat sie tung Louis Vuitton plant für 2022 eine große Joan-Mitchellauf der Biennale in Venedig, 1959 auf der documenta II in Kassel 1959 ausgestellt und an mehreren Sammelausstellungen, Ausstellung im Dialog mit Claude Monet. Die Veranstaltung wird eine adaptierte Version der amerikanischen Retrospektivor allem im Guggenheim-Museum und im Stedelijk Van ve sein, die bald im Baltimore Museum of Art und anschlieAbbemuseum in Eindhoven teilgenommen. 1974 bietet man ßend im SFMOMA in San Francisco stattfinden soll. ihr eine große Retrospektive im Whitney Museum an, wo sie auch fast zwanzig Jahre später, 1992 erneut ihre Werke zeigt – dem Jahr, als sie in Paris an den Folgen einer KrebserkranQUELLE | artprice.com kung stirbt. 1993 wird die Joan Mitchell Foundation in New

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Sammler Journal 06/2021  

Sammler Journal 06/2021  

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