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Juni 2018 · B 1309 | € 7,50 Schweiz CHF 11,50 | Österreich € 8,00 | Be/Ne/Lux € 8,50

SAMMLer JourNAL

JuNI 2018

KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN

Über 2.000 Termine Schätzungen Auktionen Ausstellungen

Cutting Edge Design GEMI

Zwischen Design und Kunst

Erasmus Grasser

Prag um 1900

Neuvermessung des spätgotischen Meisters

Aufbruch in die Moderne


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15.05.2018

16:45 Uhr

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www.doebritz.de


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INHALT

KUNSTMARKT Claude Viallat

FOTOKUNST Global Culture, Japan und Robert Lebeck Titelbild: Johannes Hemann, „Fridjof“, Tisch aus der Serie „Storm“. Foto: © & Courtesy Studio Johannes Hemann

SAMMLER-SERVICE

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MAGAZIN

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MESSETERMINE

12

AUKTIONSNOTIZEN

40

AUKTIONSTERMINE

53

INSERENTENVERZEICHNIS

59

AUSSTELLUNGSTERMINE

68

AUSSTELLUNGEN

73

LITERATURTIPP

88

AUKTIONSPREISE

90

VORSCHAU | IMPRESSUM

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PRAG UM 1900 von Dr. Harald Tesan

CUTTING EDGE DESIGN von Dr. Bettina Krogemann

ERASMUS GRASSER von Sabine Spindler

HANS CHRISTIANSEN von Karl-Wilhelm Warthorst

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SAMMLER-SERVICE

Silberfiligran mit Schlaufenmotiv Deckelbecher aus Silber

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In meinem Fundus habe ich eine Dose, vermutlich aus Silber mit Halbedelsteinen. Sie ist circa 10 cm hoch. Könnte sie aus Marokko stammen? Das ist reine Spekulation. Vielleicht können Sie mir Näheres dazu sagen? Andrea Klein, München

!

Der zylindrische Deckelbecher ist mit Halbedelsteinen, die in Form von Cabochons geschliffen sind, und plastischen Fischen geschmückt. Die Zwischenräume füllt reiches Silberfiligran aus. Als Ornamentform wurde ein einfaches Schlaufenmotiv gewählt. Die Verwendung von Halbedelsteinen in Zargenfassungen in Verbindung mit üppigem Silberfiligran deutet auf eine Herkunft aus den Ländern des Balkans, bevorzugt Kroatien, oder aus einem der arabischen Mittelmeerländer hin. Dort werden solche Becher heute noch in traditioneller Silberschmiedetechnik hergestellt. Der Wiederbeschaffungswert beläuft sich auf Sabine von Poschinger, Expertin etwa 250 bis 400 Euro.

Ägyptomanie Kaffeeservice aus Tettau

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Ich besitze dieses vollständige Kaffeeservice für sechs Personen. Da ich keine Informationen dazu gefunden habe, bitte ich Sie, mir dabei zu helfen. Regina Brecht, Bad Honnef 

!

Ein wirklich ansprechendes Service im „ägyptischen" Stil dekoriert. Man könnte zunächst vermuten, dass es während einer der Ägypten-Moden entstanden sein könnte. Insbesondere die zweite Ägyptomanie in den 1920er-Jahren hatte einen starken Einfluss auf Schmuckgestaltung und Kunstgewerbe. Ein Blick auf die Porzellanmarke zeigt, dass es sich um Tettau-Porzellan mit der Löwenmarke handelt. Diese Bodenmarke fand Verwendung nach 1968. Das Porzellan aus Tettau wurde zu dieser Zeit nicht mehr durch reine Handmalerei dekoriert. Laut freundlicher Auskunft von Herrn Constantin von Schierholz, ist es üblich, dass selbstständige Porzellanmaler Weißporzellan bei Königlich Tettau kaufen. Leider lässt sich das Monogramm nicht auflösen. Der unbekannte sehr talentierte Porzellanmaler war also definitiv nach 1968 tätig, ähnliche Beispiele seiner oder ihrer Arbeit sind bisher nicht in Auktionen angeboten worden. Als Schätzpreis würde ich 400 bis 600 Euro ansetzen. Der ursprüngliche Preis war vermutlich viel höher. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg


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www.auktionshaus-wendl.de


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MAGAZIN

Perfekt in Plastik Eunique und Loft in Karlsruhe Kaum ein anderes Material – und dabei erst seit knapp 100 Jahren auf dem Markt – beherrscht unseren Alltag so sehr, wie Kunststoff. Jedes Jahr beschäftigt sich die Sonderschau der „Eunique – Messe für Designunikate” mit einem spannenden Material der Handwerkskunst. Nach den erfolgreichen Präsentationen der vergangenen Jahre, die sich unter anderem Werkstoffen wie Papier, Holz oder Leder widmeten, steht dieses Jahr Plastik im Mittelpunkt. Die Sonderschau zeigt unter dem Titel „Just Plastics... new uses”, welche gestalterischen Möglichkeiten Kunststoff bietet. Auf der zehnten Jubiläumsausgabe der Eunique vom 8. bis 10. Juni trifft handwerkliches Geschick auf Materialvielfalt. Die Aussteller zeigen Objekte, die mit der Spannung zwischen freier Kunst und Gebrauchsgegenständen spielen und durch ihre Einmaligkeit faszinieren – von fein gearbeitetem Schmuck über individuell geschneiderter Mode bis hin zu liebevoll gestalteten Möbeln und Wohnaccessoires. Kunststoff gilt als das Material der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, lässt es sich doch in nahezu jede Form brin-

Eunique in Karlsruhe

gen und dann wieder durch Upcycling und Recycling neuen Verwendungen zuführen. Längst befasst sich eine große Anzahl von Gestaltern mit diesem vielseitigen Material. Im Fokus stehen neue Anwendungsformen und Verarbeitungsmethoden sowie Arbeiten aus traditionellen Materialien in Kombination mit Kunststoffen. Kuratiert wird die Sonderschau von Andrea Basse. Die Diplom-Designerin lebt in Hannover und realisiert freiberuflich Projekte für den Bereich Angewandte Kunst und Design. „Natürlich wollte ich eine große Vielfalt zeigen, denn mit dem Werkstoff Plastik entsteht auch eine neue Ästhetik. Diese spiegelt die Sonderschau mit exemplarischen Objekten wider, die vollständig oder zum großen Teil aus Plastik bestehen“, erläutert die Kuratorin. Zeitgleich zur Eunique findet die „Loft – Das Designkaufhaus” in der Messe Karlsruhe statt. Design-Professionals, Labels, Newcomer und Hochschulen präsentieren auf der Loft neue Produkte aus den Bereichen Möbel, Dekoration, Mode und Schmuck für ein designaffines Publikum. TELEFON | 0721/3720-2304 WEBSEITE | www.eunique.eu www.loft-designkaufhaus.de

Forum für Sammler RHY ART in Basel

Thorsten Franck, Hocker aus dem 3D-Drucker; Sonderschau Just plastics auf der Eunique in Karlsruhe

Die junge internationale Kunstmesse RHY ART präsentiert vom 14. bis 17. Juni Werke von Newcomern sowie etablierten Künstlern: Bilder, Skulpturen, künstlerische Fotografie, limitierte Drucke, digitale Kunst, Objektkunst und vieles mehr. Der Rhypark wird dabei auch im Juni 2018 wieder zum Begegnungsraum für Kunstliebhaber. Für leidenschaftliche Kunstsammler und Kunstinteressierte bildet RHY ART die perfekte Ergänzung zu den zeitgleich stattfindenden großen Kunstmessen und Events in Basel. Die Messe bietet ein attraktives Forum für Kunsthändler und Sammler.


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MAGAZIN

Richtung noch mehr Qualität: Die Abläufe werden somit vereinfacht, Wartezeiten verkürzt und mehr Platz im Rallyezentrum am Hahnenkammparkplatz wird für Teilnehmer und Zuschauer geschaffen. TELEFON | +43/(0)5356/72901 WEBSEITE | www.alpenrallye.at

Alpenrallye Kitzbühel

In Kontakt mit dem Künstler Foto: Austro Classic

art’pu:l in Emmerich im PAN kunstforum Niederrhein

Seit ihrer Gründung im Jahr 2015 hat sich die RHY ART zum zuverlässigen Sprungbrett für Künstler entwickelt. Bisher zeigten Künstler aus 25 Ländern ihre Werke im Rhypark Basel. Zahlreiche Verkäufe und gute Kontakte sorgten für gute Stimmung bei den Ausstellern. Viele konnten auch von Nachgeschäften zur Vorjahresmesse profitieren. Messebesucher sind mehrheitlich internationale Sammler, Galeristen und Kuratoren, welche die positiv frische Atmosphäre und großartige Kunstwerke nahe der Innenstadt direkt am Rhein genießen konnten. WEBSEITE | www.rhy-art.com

Porsche, Bentley und Bugatti Alpenrallye Kitzbühel Die Kitzbüheler Alpenrallye ist eine der führenden österreichischen Veranstaltungen für klassische Automobile. Vom 6. bis 9. Juni 2018 gehen Automobilklassiker aus sechs Jahrzehnten wieder auf große Fahrt über die schönsten Alpenrouten und natürlich stehen wieder neue Routen auf dem Alpenrallye-Streckenplan: Wilder Kaiser, Loferer Steinberge, Hochkönig und Hohe Tauern bieten den Rallyeteams eindrucksvolle Blicke auf die atemberaubende Bergwelt der Alpen. In Summe sind fast 600 Kilometer zu bewältigen – je nach Anspruch sportlich (Sport Trophy) oder ganz entspannt (Classic Trophy). Die Baujahrgrenze 1972 (1975 für ausgewählte Fahrzeuge) sorgt für Exklusivität im Starterfeld: ein Querschnitt der schönsten Klassiker aus Vor- und Nachkriegszeiten, darunter Raritäten großer Marken wie Bentley, Bugatti, Lamborghini, Porsche, Ferrari, Jaguar, Mercedes-Benz oder Aston Martin. Die Kitzbüheler Alpenrallye wird noch exklusiver: Waren bisher jährlich bis zu 200 Fahrzeuge am Start, so werden künftig nur noch 160 Teilnehmer zugelassen. Ein Schritt in

Die art’pu:l Emmerich 2018, die Messe für aktuelle Kunst, findet vom 15. bis 17. Juni 2018 im PAN kunstforum Niederrhein in Emmerich am Rhein statt. Nach zwei interessanten und erfolgreichen Jahren „Pilotphase" möchten die Veranstalter die Kunstmesse in ihrem dritten Jahr in Folge jetzt fest im Kulturspektrum der Stadt Emmerich und des PAN Museum verankern. Gemeinsam mit ihrem lokalen Partner, dem PAN Kunstforum Niederrhein präsentiert die Kunstfirma a2b die art’pu:l Emmerich in den beeindruckenden Ausstellungsräumen des PAN Museums. Von Freitag bis Sonntag bietet die Messe den Besuchern die Vielfalt zeitgenössischer, aktueller Kunst und die Möglichkeit, unmittelbar in Kontakt mit den Künstlern und ihren Werken zu treten. Rund 50 ausgewählte internationale Künstler und Künstlerinnen zeigen beeindruckende Werke aus Malerei, Zeichnung, Plastik, Fotografie, Installation und Video im attraktiven Ambiente des PAN Museums. Zur Tradition geworden sind die beliebten und außergewöhnlichen Messeführungen von Jo Pellenz (Mitglied der Kunstfirma a2b), der auch im diesem Jahr wieder als Reiseleiter die Besucher auf spannende Entdeckungstour durch die Welt der Kunst führen wird. Auf unterhaltsame Weise, gepaart mit großem Sachverstand, Esprit, Humor und Hintergrundwissen vermittelt Jo Pellenz einen besonders einfühlsamen Blick auf Künstler und Werk. Seit 2011 hat sich die etwas andere Kunstmesse zu einem festen Bestandteil im rheinischen und grenznahem, europäischen Kunstgeschehen etabliert. Erfolgreiche Messen in

Ein Blick in die RHY ART Basel 2017


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www.spielzeugauktion.de


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MAGAZIN

Pulheim bei Köln, im belgischen Eupen und im niederrheinischen Emmerich sprechen für sich. Längst haben sich die art’pu:l Kunstmessen zum Geheimtipp für alle Kunstinteressierten entwickelt, die neue, aufstrebende, künstlerische Positionen zu bezahlbaren Preisen entdecken wollen. TELEFON | 0221/729139 WEBSEITE | www.artpul.de

lungs- und Brenntechniken wie Raku oder Salzbrand sind vertreten. Auch vergibt der Keramikmarkt wieder einen Preis der Galerie terra rossa e.V. für die drei besten Einreichnungen zum Thema „In Hülle und Fülle”. Und wer selbst einmal an der Töpferscheibe sitzen oder sich beim freien Gestalten in Ton ausprobieren möchte, hat an diesem Wochenende gute Gelegenheit. TELEFON | 0341/2229100

Preiskampf Ausschreibung zum 25. Antiquaria-Preis 2019

Art‘pu:l in Emmerich

Gut geformt Keramikmarkt im Grassi Leipzig Am 9. und 10. Juni findet in den begrünten Innenhöfen des Grassimuseums Leipzig zum fünften Mal in Folge der „Keramikmarkt Leipzig im Grassi” statt. Insgesamt 55 von einer Jury ausgewählte Keramiker aus dem deutschsprachigen Raum und Großbritannien verkaufen aktuelle Arbeiten. Gut gestaltete Gebrauchskeramik steht neben zarten Porzellanschalen, freien künstlerischen Objekten und kraftvollen Gefäßen aus dem Holzbrand. Die verschiedensten Herstel-

Keramik von Karl-Heinz Till; Keramikmarkt Leipzig im Grassi

Seit 1995 wird jährlich der Antiquaria-Preis während der „Antiquaria – Antiquariatsmesse Ludwigsburg” vergeben. Stifter ist der „Verein der Freunde antiquarischer Bücher“, den die ausstellenden Antiquarinnen und Antiquare der Messe gründeten. Sie wollen neben dem Handel mit antiquarischen Büchern, Autografen und Grafiken ihren kulturpolitischen Auftrag wahrnehmen und das Umfassende der Buchkultur bewusst machen. Seit 1997 ist die Stadt Ludwigsburg Mitstifterin des Preises, ab 2017 die Wiedeking Stiftung Stuttgart. Ausgezeichnet werden besondere Leistungen zur Förderung und Pflege der Buchkultur, beispielsweise aus den Bereichen Buchrestaurierung, Buchkunst, Buch- und Schriftgrafik, Buchgeschichte und buchgeschichtliche Forschungen, wissenschaftliche Arbeiten zur Buchgeschichte, Verlagswesen, Ausstellungen, Pflege von Sammlungen sowie Projekte und Aktionen, die das Buch fördern. Preisträger können natürliche und juristische Personen sein, wobei der Rechtsweg ausgeschlossen ist. Bisherige Preisträger waren u.a.: Albert Kapr; Büchergilde Gutenberg; Eckehart Schumacher-Gebler; Herbert Jacob; Josua Reichert; Faber & Faber; Wulf D. von Lucius; Katharina Wagenbach-Wolff; Reinhard Öhlberger; Bernhard Fischer; Jürgen Holstein; Hans Ries; D.E. Sattler und KD Wolff; Gangolf Ulbricht; Ines Geipel und Joachim Walther; Clemens-Tobias Lange; Lothar Müller; Friedrich Forssman; Verlag Hermann Schmidt, Mainz; Das Autorenteam des Kataloges „Geraubte Bücher. Die Österreichische Nationalbibliothek stellt sich ihrer NS-Vergangenheit"; Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum Leipzig für die Dauerausstellung: „Zeichen – Bücher – Netze. Von der Keilschrift zum Binärcode". Der Preis wird mit 10.000 Euro dotiert. Vorschläge sind an den Verein für Buchkultur e.V. bis 30. Juli 2018 möglichst per E-Mail an petrabewer@t-online.de zu senden. Eingereicht werden können Vorschläge zum gesamten Spektrum Buchkultur. Angaben zu weiterführenden Links im Internet, über die ausführliche Informationen eingeholt werden können, sind hilfreich. Die Preisverleihung findet am 24. Januar 2019 in der Musikhalle Ludwigsburg statt. TELEFON | 0711/2348526 WEBSEITE | www.antiquaria-preis.de


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www.auktionshaus-loesch.de www.lot-tissimo.de

www.dawo.de

D R . RO L F T H E U R E R Samstag , den 09. Juni 2018 Kofferraummarkt

Tübingen

vor dem Boxenstop, Brunnenstraße

Sonntag , den 09. September 2018

Bürgerzentrum Bruchsal Sonntag , den 28. Oktober 2018

Kursaal Bad Cannstatt Sonntag , den 16. Dezember 2018

Kursaal Bad Cannstatt

SEAS

Eisenbahn-, Puppen- und Spielzeugmarkt, 8–14 Uhr Süddt. Europatauschbörse für altes Spielzeug, 10.30–15.30 Uhr Eisenbahn-, Puppen- und Spielzeugmarkt, 11–15.30 Uhr Eisenbahn-, Puppen- und Spielzeugmarkt, 11–15.30 Uhr

Dr. R. Theurer, Kolpingstraße 2, D-70736 Fellbach, Tel. (0711) 5 59 00 44, Fax (0711) 5 59 00 54 Mail: info@theurers.de • www.theurers.de


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Stuhl skulp turen Auf der Schwelle Cutting Edge Design Von Dr. Bettina Krogemann

Was sehen wir? Einen Sessel, einen Tisch? Eine Lampe, eine Skulptur oder eine Installation? Das Design der Jahrtausendwende stellt uns oft vor solch interessante Fragen. Haben wir es bei dem Objekt mit einem Nutzgegenstand, einer Inneneinrichtung zu tun oder sehen wir ein autonomes Kunstwerk, das eine Skulptur oder eine raumgreifende Installation ist? Das zeitgenössische Design bewegt sich, was seine Klassifizierung betrifft, oftmals auf einem schmalen Grat, steht auf einer Kante, daher ist auch die englische Bezeichnung „cutting edge design“ ein so schöner, treffender Name für Objekte und Raumgestaltungen, die sich zwischen den Welten Design und Kunst bewegen.

Die Frage ist eigentlich, ist dies ein neuer Trend? Wohin steuert dieser Kurs? Nicht alles kann es schon gegeben haben, bestimmt nicht. So ist bei allen innovativen, zeitgenössischen Objekten und Gestaltungen eines sehr augenfällig: Mittlerweile haben sie fast immer ein „Large Scale“-Format. Ambitionierte Gestalter geben sich heute nicht mit Entwürfen für kleine, niedliche Beistellmöbel zufrieden oder mit Objekten, die man einfach einer herkömmlichen Ausstattung oder Einrichtung angliedert, weil man meint, sie passe dazu. Die Arbeit der aktuellen Design-Szene mit oftmals architektonischem Hintergrund ist anspruchsvoller geworden. Sie verwendet neben traditionellen Werkstoffen neuartige Materialien, deren Handhabung und Weiterverarbeitung sehr hohe technische Facilities voraussetzen. Verwenden sie traditionelle Materialien, so setzen sie diese oft in einen für uns ungewohnten Kontext. Arbeiten von Designern füllen nun mitunter ganze Räume, definieren Architekturen. Damit gipfelt ihre Arbeit nicht mehr in kleinen pointiert gesetzten Blickfängen, sie bestimmt das große Ganze. Ein Blick auf aktuelle ausgesuchte Tendenzen des 21. Jahrhunderts, das nun auch nicht mehr in den Kinderschuhen steckt, mag einen ersten Eindruck dieser Situation geben.

GEORDNETE KOMPLEXITÄT: ZAHA HADID Lebt in ihren Raumstrukturen das Gesamtkunstwerk des alles einem Schwung einpassenden Rokoko wieder auf? Es mag sein, dass diese höfische Kunst Maßstäbe setzte, aber hunderte von Stuckateuren, Malern und Bildhauern, die mit Innenraumgestaltungen in dieser feinsinnigen Epoche beschäftigt waren, ersetzen heute Architekten mit ihren HighTech-Ingenieuren und Kunststoffexperten bei weniger Personaleinsatz. Und etwas schneller ist der Weg der


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DESIGN/ARCHITEKTUR

Vollendung auch geworden. Die Grande Dame der skulpturalen Raumgestaltung der Jahrtausendwende war die 1950 in Bagdad geborene und 2016 sehr überraschend in Miami verstorbene irakische Architektin und Designerin Zaha Hadid. Für ihren auf Bewegungen basierenden Baustil und das Design von Hadid prägte sich der Begriff „genetisch“ ein, sie selbst sprach einfach von „fließend“. Patrik Schumacher, Hadids Geschäftspartner, beschrieb ihren Stil 2009 in einem Interview als „Eleganz geordneter Komplexität mit einem Eindruck nahtloser Solidität“. In ihrer Wahlheimat London gründete sie nach ihrem Studium und einer kurzen Tätigkeit für Rem Koolhaas im Jahr 1980 ihr eigenes Architekturbüro. Mit ihrer Arbeit kreierte sie eine neue Formensprache der Moderne, die Post-Moderne lehnte sie strikt ab. Inspirationen für ihr Schaffen fand sie in den Schöpfungen des russischen Konstruktivismus und Suprematismus. Um die Jahrtausendwende wurde ihr Stil organischer und fließender, archaisch und futuristisch zugleich. „Das wichtigste ist die Bewegung, der Fluß der Dinge, eine nicht-euklidische Geometrie, in der sich nichts wiederholt: eine Neuordnung des Raumes“, so ihr Credo.

WOHNEN IN HADID Als Architektin in erster Linie mit berühmten internationalen Großprojekten beschäftigt, galt ihr Interesse dennoch auch Designprozessen und der Gestaltung von Objekten. Sie schätzte diese Arbeit, weil man hier die Ergebnisse schneller sieht als in der Architektur, meinte sie selbst, doch ihr fehlte die Zeit, sich allein auf dieses Thema zu konzentrieren. Dennoch war Hadid in den Jahren von 2003 bis 2005 für das große Madrider Hotel „Puerta America“ mit dem Entwurf und der Realisierung einer ganzen Etage beschäftigt, auf der 30 Zimmer untergebracht wur-

Zaha Hadid, Blick in den „Junior Space Club“ im Hotel „Puerta America“ in Madrid Oben und Mitte: Zaha Hadid, Hotelzimmer für das Madrider „Puerta America“ Fotos: © & Courtesy Hotel „Puerta America“

Links: Johannes Hemann, „Kirsten“, Lampe aus der Serie „Storm“ Foto: © & Courtesy Studio Johannes Hemann

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DESIGN/ARCHITEKTUR

den. Die Gestaltung des gesamtem Stockwerks folgt dabei der für sie typischen Idee, Zimmer, Verkehrsflächen aller Art wie Flure und Lounges ohne Raumgrenzen in fließenden dynamischen Formen entstehen zu lassen. Die Etage, die Hadid für dieses Hotel ausarbeitete, ist die schönste des gesamten Hauses, auch wenn so klingende Namen wir Jean Nouvel, Baron Norman Foster, Arata Isozaki und andere prominente Architekten an der Innenraumgestaltung des Hotels mitwirkten. Ein Highlight der Hadid-Räume ist der sogenannte „Junior Suites Space Club“, den man von vier Außenaufzügen aus betreten kann. In seiner

Mitte hängt der berühmte „VorteXX Chandelier“, den sie 2005 zusammen mit Patrik Schuhmacher entwarf. Die Idee für den Chandelier geht auf die Vorstellung eines endlosen Lichtbandes zurück. Seine geschwungene Kontur erscheint als ewig fließende, schwerelose Form. Sachte kann sich die Farbe des Chandeliers ändern, von Rot über Gelb bis hin zu Blau. Die den Leuchtkörper umgebende Möblierung und die Wandungen sind wie aus einem Guss. Zusammen bilden der Chandelier und sie eine perfekte Symbiose aus überraschende Linienführung und erstaunlich dynamischer Lichtfarbenmodulation.

VOM WINDE VERWEHT: HADIDS „ZEPHYR“ Zu den späten Arbeiten von Hadid gehört die Sofakombination „Zephyr“, benannt nach der griechischen Windgottheit, die den milden Westwind benennt und früher als Frühlingsbote verehrt wurde. Entworfen wurde „Zephyr“ für den Mailänder Möbelhersteller Cassina und auf eine Auflage von zwölf Exemplaren limitiert, wobei die Bestellung direkt an Hadid Architekten gerichtet werden kann. Die „Zephyr“-Form wirkt futuristisch, ihre Inspirationsquelle ist die Erosion von Gesteinsformationen, wie sie der Wind prägt, der dieser Möbelskulptur ja auch den Namen gab. „Zephyr“ wird mit modernsten Produktionstechniken aus Fieberglas geformt. Die tief ausgeformte Rückenlehne und die geschwungene Linienführung des Sitzmöbels ermöglichen unterschiedliche Arrangements, wobei sich die Polsterung dem organischen Gerüst ohne Ecken und Kanten einfach einfügt. Im Raum platziert, wirkt „Zephyr“ wie eine Bildhauerarbeit, im Verein mit weiteren Exemplaren wie eine Wohnlandschaft oder ein skulpturaler Artefakt. Für das „Zephyr“Projekt gab es einen sehr detaillierten Entwicklungsprozess, der es schließlich ermöglichte, das Fieberglas in dieser komplexen Geometrie auszuformen.

GLAS MONUMENTAL: DANNY LANE „Threshold“ heißt die über acht Meter in der Länge messende gläserne Installation, die der amerikanische Künstler und Designer Danny Lane 2010 für das Mint Museum Uptown in der Großstadt Charlotte in North Carolina ausführte. „Threshold‘“

Zaha Hadid, „Zephyr“ Fotos: © & Courtesy Jacopo Spilimbergo


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DESIGN/ARCHITEKTUR

bedeutet so viel wie Schwelle, Reizschwelle, Grenzbereich. Die vom Licht optisch belebte Glas-Skulptur steht als exemplarisches Meisterstück für ein Werk auf der Nahtstelle zwischen Kunst, Objekt und Design, nicht nur wegen ihres programmatischen Namens, der ihrer Stellung noch einmal nachdrücklich in Worten Ausdruck verleiht. Das tut diese Arbeit auch an sich. „Threshold“ wurde als Installation für ein Museum geschaffen, in dem viele Besucher verkehren, junge und alte Menschen, Kinder, Experten, Laien, die Interesse an Kultur und Kunst haben. Seine lyrische Ausdruckskraft zielt nicht auf bestimmte Betrachter, sondern fasziniert sie alle. Die komplexe und genau austarierte Komposition von „Threshold“ besteht aus einer geschwungenen, fast transparenten, aus 800 gestapelten Glasscheiben aufgebauten Curtain-Wall. Ein vielschichtiges Beleuchtungskonzept macht das, was hinter der geschwungenen Glasfront liegt, für den Betrachter davor sichtbar, nicht in aller Schärfe, sondern gedämpft, aber gut zu erahnen. Es sind farbige Glas- und Holzskulpturen, die die Komposition von „Threshold“ aus dem Hintergrund heraus ausmachen. Schreitet der Betrachter entlang der ausgedehnten Front, so verändert sich mit der Perspektive seiner Wahrnehmung für ihn auch das Arrangement von „Threshold“, dem damit eine Eigendynamik und ein Innenleben zu Eigen wird. „Threshold“ schwebt zwischen Skulptur und einem Lichtgebilde, tendiert aber mehr zur Skulptur.

GLÄSERNES WASSER Der 1955 in Illinois geborene Künstlers Danny Lane studierte zunächst Malerei in London, erst allmählich

Danny Lane, „Threshold“, 2010 Fotos: © Peter Wood

näherte er sich dem von ihm favorisierten Medium Glas, dann auch Metall an. Beides verbindet er gerne miteinander. In den 1980er- und 1990er-Jahren gelang ihm sein internationaler Durchbruch mit Stühlen, Tischen, Regalen in Glas- und Stahl-

konstruktionen. Aus zerschlagenen oder angeschlagenen, natürlich an den Kanten auf Sicherheit polierten, geschichteten Glasscheiben baute er sein expressives Mobiliar auf. „Form follows crash“ nannten Volker Albus und Volker Fischer sein Gestaltungs-

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DESIGN/ARCHITEKTUR

prinzip in ihrer Buchpublikation „13 nach Memphis“ im Jahr 1980. Vom Malen ist bei Lane bis heute das sichere Zeichnen übrig geblieben, denn für jede komplexere Komposition fertigt er Ideenskizzen an. Treu geblieben ist er auch der handwerklichen Fertigung seiner Arbeiten in seinem Studio, egal, wie groß sie sind. Auch gehören Möbel neben

Skulpturen immer noch zu Lanes Repertoire, aber sie sind anders als die aus seinem Frühwerk. Wie ein Bildhauer arbeitete er bei der Formung von „Still Water Rising‘“ im Jahr 2014, der als Stand oder Unterbau für einen großen imposanten Konferenztisch dienen kann, aber nicht dienen muss. Die Struktur von „Still Water Rising“ offenbart sich be-

sonders gut, wenn die Tischplatte nicht aufliegt mit freier Sicht auf das bewegte Innenleben. Nach dieser Struktur schuf er zwei Tisch-Exemplare als Auftragswerke. Einer von diesen Tischen blieb in London, den zweiten gab ein Kunde in Moskau in Auftrag – er steht heute im Vorstandszimmer eines großen Unternehmens. „Still Water Rising“ ist der Bewegung von Wasser gewidmet. Mit ihm zeigt Lane die subtile Bewegung des Wassers auf, das leise steigt und in feinen Kaskaden mit leicht blau-grüner Färbung fällt. Es wird so zu einem Bild vom steten Wandel des urelementaren Wassers. Bis zum heutigen Tag ist Glas Lanes großes Thema. Gerade schafft er in seinem Londoner Studio großformatige Hochreliefs, die nach den Methoden der französischen Art-DécoKünstler mit Schnitttechniken gestaltet und veredelt werden.

LEUCHTEN? NEIN – WEIT MEHR ALS DAS! PPP? Was das bedeutet? Aufgelöst heiß dieses Kürzel „Paula’s Paper Process“ und benennt eine Reihe von Installationen und Lichter der niederländischen Künstlerin und Designerin Paula Arntzen. Die Werkstoffe? Papier oder verwandte Materialien und natürlich der Rohstoff Licht in allen seinen Facetten. Bekannt wurde Paula Arntzen 2010 für ihren großen tropfenförmigen Kronleuchter „Grand Trianon“ aus Tyvek, einem strapazierbaren papierähnlichen Stoff mit isolierenden Wirkungen. „Grand Trianon“ ist, wie der Name es schon andeutet, groß und misst in der Höhe knapp über 70, im Durchmesser etwas über 50 Zentimeter. Er entstand im Rahmen der Serie „Nouveaux Royal“, deren Produkte die amerikanische Firma

Danny Lane, „Still Water Rising“, 2014 Fotos: © Peter Wood


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DESIGN/ARCHITEKTUR

Artecnica vertreibt. Royal an „Gran Trianon“ ist nicht nur die Namensgebung, die sich von dem kleinen Versailler Schloss herleitet, sondern auch seine monumentale, feierliche, elegante Wirkung. Ist „Grand Trianon“ beleuchtet, so strahlt durch die vielen gefalteten Schlitze eine Art Schachbrettmuster durch den Raum, die an die Dekore der berühmten französischen Ebenisten des Ancien Régime erinnert. Paula Arntzen eröffnete 2009 ihr Studio in Rotterdam nachdem sie traditionellen Möbelbau und Produkt-Design in den Niederlanden studiert hatte. Nach vier Jahren der Selbständigkeit absolvierte sie bis 2015 noch ihren Master in „Design Products“ am Royal College of Art in London. Ihr Unternehmen ist auf Lichtdesign für private und öffentliche Räume spezialisiert, dabei verbindet sie Handwerk und Design und bedient sich neuer Technologien für die Umsetzung ihrer Ideen, auch wenn diese nicht sehr laut zutage treten. Bei Arntzen stehen stilistische Forschungen im Vordergrund, das Experiment mit Materialien und Techniken, für ihre Ergebnisse schafft sie oft einen theatralischen Rahmen, eine besondere Bühne, in der ihre Lichter fast wie Lebewesen wirken. Ihre Projekte sind zum Teil farbbasiert, tiefes Wissen und Verständnis eignete sie sich über den Werkstoff Papier an und oft findet sich auch ihr berühmter Leuchter „Grand Trianon“ wie ein Leitmotiv in einer raumgreifenden Installation wieder. Im Rahmen der „Arnheim Fashion Biennale“ schuf sie für einen kargen weißen Kirchenraum eine Installation aus vier großen handgefertigten Kronleuchtern in Kombination mit Girlanden, um für den Event eine besonders festliche At-

Paula Arntzen, Installationen, 2009 (mit farblich unterschiedlichen Lichtquellen) Fotos: © & Courtesy Studio Paula Arntzen

mosphäre zu erzeugen. Partiell mit Rot illuminiert, trat so das räumliche Volumen der Kirche in den Vordergrund. Für eine Künstler-SylvesterParty kreierte sie eine Lichtinstalla-

tion, die von Feuerwerken inspiriert war. Dafür legte sie den PapierLeuchten fluoreszierende Farben im Siebdruckverfahren auf. In dem Schwarzlicht, in das sie gehängt

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DESIGN/ARCHITEKTUR

wurden, leuchteten sie wie bunte Sterne am dunklen Firmament.

HOHES LEVEL „Level II“ ist der Titel der kinetischen Lichtinstallation des Wiener Design-

Studios mischer’traxler, die 2016 auf der Londoner Design Biennale im Somersethouse zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Die Installation sieht aus wie ein riesiges Mobile, die Maße sind stattliche 680 auf 380 auf 350 Zentimeter. Das Stu-

dio entwickelte das Stück für den in Brüssel beheimateten Design-Galeristen Victor Hunt. Der Untertitel von „Level II“ lautet „Fragile Balance of Utopia“, und in der Tat kann die Balance von „Level II“ ganz schnell zerrüttet werden. „Level II“ ist ein interaktives Objekt, das den Betrachter einlädt, vorsichtig durch seine Struktur zu gehen. Wie ein klassisches Mobile ist es ein frei hängendes ausbalanciertes Gebilde, doch schon ein Lufthauch oder die Bewegung eines Menschen in der Nähe zersetzen sein Gleichgewicht und verändern die Intensität seiner Leuchtwirkung. Das Material, aus dem mischer‘ traxler diese Installation aufgebaut haben, ist leicht. Es sind Kohlefaserstäbe, Kupfer, Edelstahl, Stahl, Polyoxymethylen, Kabel, japanisches Siebdruckpapier und elektrische Komponenten. Gehängt in einem abgedunkelten Raum, scheint „Level II“ fast zu schweben. Die Enden der feinen Gestänge tragen die Leuchtmittel, die ballonartigen weißen Schirme darüber sind aus Japanpapier geformt. Lässt man „Level II“ ganz in Ruhe, das heißt, in einem Raum ohne Luftzirkulation und ohne Menschen und ihre Bewegung, so findet das Mobile von selbst sein perfektes Gleichgewicht. Gleichzeitig erreichen die Leuchten dabei ihr höchstes Maß an Helligkeit. Sind diese optimalen, fast klinischen Bedingungen für „Level II“ nicht gegeben, so fehlt diese Ausgewogenheit und abhängig von der Neigung der Stangen senkt sich das Licht, die Leuchten werden so gedimmt.

Oben und Mitte: Paula Arntzen, „Paula’s Paper Process Shape“ für die Arnhem Fashion Biennale, 2009 Fotos: © & Courtesy Studio Paula Arntzen

Unten: Studio mischer’traxler, „Level II“, Foto: © & Courtesy Studio mischer’traxler 2016


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MISCHER’TRAXLER Katharina Mischer und Thomas Traxler haben sich während des Studiums kennengelernt. Sie absolvierten ihr BA-Studium in Produkt- und Möbeldesign am NDC St. Pölten und an der Kingston University London, studierten dann im IM-Masters-Programm an der Design Academy Eindhoven. Nach ihrem Abschluss im Juni 2008 und mehreren Jahren der Zusammenarbeit bei verschiedenen Projekten gründeten Katharina und Thomas 2009 in Wien das Studio mischer'traxler. Sie entwickeln und konstruieren Objekte, Möbel, Prozesse, Installationen mit Fokus auf Experimente und konzeptionelles Denken in einem gegebenen Kontext. Zwischen Handwerk und Technologie angesiedelt, stellen sie sich ganze Systeme, neue Produktionsmethoden und kinetische oder interaktive Installationen vor, die Themen in Frage stellen, Geschichten erzählen oder neue Wege eröffnen, Dinge zu tun. Heute sind ihre Arbeiten und Projekte in Museen, auf Festivals und Messen vertreten, dazu erreichte das Studio schon eine Vielzahl internationaler Auszeichnungen.

STURM: JOHANNES HEMANN Johannes Hemann gehört zu den Künstlern, die ebenfalls im Programm des Design-Galeristen Victor Hunt vertreten sind. Skulpturale Lampen und Möbel hat Hemann mit seiner Serie „Storm“ geschaffen, deren Formen in einem von ihm konstruierten Sturmkasten entstehen. Darin simuliert er die Situation eines Sturms mit Hilfe von Druckluft, Klebstoffen, Wärme. Auf die Gestaltung aller Details kann Hemann als Designer so nur indirekt Einfluss nehmen, indem er das Material und die Klebstoffart bestimmt, die Wärme reguliert, die Windrichtung vorgibt oder die Kastengröße ändert. Am Ende des Designprozesses ist auf jeden Fall eine Form aus dem Material und den Ele-

menten entstanden, die den Sturm überstanden haben. Anstatt, dass der künstliche Sturm wie Winde Substanzen abgetragen hat, legt er durch dieses Verfahren der Form des Objektes Materialschichten auf, überlagert damit die Konstruktion und schafft reliefartige Strukturen, neuartige, auch haptisch reizvolle skulpturale Umrisse. Das Verfahren steht den präzise vorgegebenen Designprozessen, wie wir sie aus der Industrie kennen, diametral gegenüber, denn so lassen sich keine gestalterischen Details vorprogrammieren. Dennoch, auch Stürme haben ihre Gesetze und folgen Abläufen und werden so zu einem wesentlichen Mit-Urheber der „Storm“Objekte. Johannes Hemann studierte Produkt-Design an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main, ein Gastsemester führte ihn an die Kingston University in London. 2011 eröffnete er sein eigenes Studio und wurde für seine innovativen und spielerisch gestalteten Produkte, zu denen auch die Arbeiten aus der Serie „Storm“ zählen, schnell bekannt in der Design-Szene. Neben zahlreichen internationalen Ausstellungen wurde er 2012 im Rahmen des German Design Award zum „Young Designer of the Year“ nominiert. Alle bislang genannten Positionen kamen aus der Design- oder Architektur-Disziplin und bewegten sich auf den Bereich Skulptur zu. Aber gibt es auch den umgekehrten Weg? Widmet sich ein klassisch ausgebildeter Bildhauer auch einmal dem Design? Ja. Da ist zum Beispiel Ralf Brög, der eigentlich von der bildenden Kunst kommt und an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Anthony Cragg und Gerhard Merz studiert hat. Zu seinem breiten Portfolio zählen Ausstattungen für Stationen und Räume des öffentlichen Nahverkehrs, öffentliche und private Räume, Objekte, Möbel und natürlich die bildende Kunst. Mit dem poetischen Namen „Melancholia“ ist sein Coffee-Table betitelt. Er hat eine spannende, schöne bildhauerische Silhouette, ist wandelbar wie ein

Ralf Brög, „Melancholia“, 2010. Coffee Foto: © & Courtesy Ralf Brög RBS Table Oben: Johannes Hemann, „Fridjof“, Tisch aus der Serie „Storm“ Foto: © & Courtesy Studio Johannes Hemann

Roentgen-Möbel und erinnert an eine Hochphase der Architektur und des Designs, an den Konstruktivismus. Zugleich ist er ein Nutzgegenstand, den ein Künstler, der bei einem Bildhauer ausgebildet wurde, geschaffen hat. Hier schließt sich der Kreis. y


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Nicht für Kinderhände Blechspielzeug Schweizer, Ulrich: Distler – Die Spielzeuge von 1903 bis 1967, 176 Seiten, durchgehend bebildert in Farbe und Schwarzweiß, Text in Deutsch und Englisch, Tin-and-Toys Verlag, Ulrich Schweizer, 2017, Preis: € 59,90. „Porsche“ – nicht nur ausgemachte Autofans bekommen beim Klang dieses Namens glänzende Augen, selbst für, sagen wir einmal, schlichte und beileibe nicht nur männliche Autofahrer, sind diese Sportwagen aus dem Musterländle Objekte der Begierde. Als Verkaufsschlager behauptet sich seit vielen Jahren der 911er, der Nachfolger des legendären 356er. Tatsächlich sind es nur Wenige, die sich ein solches Gefährt, sei es nun eines aus der aktuellen Serie

lich – vollständigen Katalog zur Gesamtproduktion aller Blechspielwaren erarbeitet, die in der Zeit von 1903 bis zum endgültigen Ende 1967, hergestellt wurden, systhematisch nach Produktgruppen geordnet. ISBN 978-3-00-058080-2

Spitzenmäßig Kunsthandwerk Thun-Hohenstein, Christoph / Völker, Angela (Hg.): Die Unbekannte Wiener Werkstätte – Stickereien und Spitzen 1906 bis 1930, 144 Seiten, Text in Deutsch und Englisch, Abbildungen in Farbe und Schwarzweiß, Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart, 2017, Preis: € 34,-.

oder einen Oldtimer in Originalgröße in die Garage stellen können. Ein paar Nummern kleiner, passgenau fürs Regalbrett oder als Schreibtischdekoration, ist er jedoch für die Meisten erschwinglich – außer vielleicht, man versteift sich allzu sehr auf ein ganz bestimmtes Miniaturmodell aus dem Hause Distler. Für den Electromatic 7500 Porsche Cabrio, der 1953 auf den Markt kam, muss man je nach Ausführung und Farbe, heute schon einen vierstelligen Betrag investieren. Anhand dieses Buches können sich potentielle Käufer sowie Sammler über das aktuelle Preisgefüge der begehrten Artikel informieren, ganz egal für welche Produkte aus dem Hause des bekannten Spielwarenherstellers sie sich letztendlich interessieren. Der Buchautor und Sammler Ulrich Schweizer hat, wie er eingangs schreibt, viele Monate lang aufwändige Recherchen angestellt und hier nicht allein die wichtigsten Daten und Fakten zur Firmengeschichte auf das Wesentliche zusammengefasst, sondern vor allen Dingen einen – soweit überhaupt mög-

Produkte des täglichen Lebens herzustellen, die sich sowohl von der massenhaft und billig hergestellten Fabrikware der damaligen Zeit als auch den gängigen, hochwertigen Objekten des Kunsthandwerks abheben sollten, war das Ziel des Trios Hoffmann, Moser und Wärndorfer. Zu diesem Zwecke gründeten der Architekt, der Maler und der Textilfabrikant 1903 die heute noch bestens bekannte Wiener Werk-


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stätte, wo Künstler und profilierte Handwerker Hand in Hand zusammenarbeiten sollten. Architektur sowie das passende Interieur, Möbel und sämtliche Gebrauchsgegenstände wurden im Sinne des Gesamtkunstwerks konzipiert und ausgeführt. So konnte es auf längere Sicht nicht ausbleiben, dass schließlich eigene Abteilungen für Mode und Textilien eingerichtet wurden. Dass in diesen Sparten außer vielen Stoffmustern zahlreiche Entwürfe für Stickereien und Spitzen, insbesondere sogenannter Tüllspitzen und außergewöhnlicher Klöppelspitzen erarbeitet wurden, ist trotz deren hoher Produktivität bislang nur unzureichend thematisiert worden. Ausgeführte Artefakte sind, wie so oft, auch in diesem Falle leider nur wenige erhalten geblieben, umso reichhaltiger präsentiert sich jedoch das ursprüngliche Skizzen- und Entwurfsmaterial. Das ehemalige Archiv der Wiener Werkstätte befindet sich heute im MAK, Österreichs Museum für angewandte Kunst, das mit dieser Publikation der Öffentlichkeit ausführliche Einblicke gewährt und diese bislang eher stiefmütterlich behandelte Seite wissenschaftlich aufarbeitet. ISBN 978-3-8970-511-5

Pferdestärken Malerei Bernard, Margit / Richenhagen Martin (Hg.): Pferde in der Kunst, 240 Seiten, Text in Deutsch und Englisch, 132 farbige und sechs Schwarzweiß-Abbildungen, Wienand Verlag, Köln, 2017, Preis: € 49,80.

Der Mensch und das Pferd – jüngeren Forschungen zufolge erkannte die Menschheit den Nutzen dieses Tieres bereits im dritten Jahrtausend vor Christus, die Beziehung währt also schon seit geraumer Zeit. Spätestens seit im 20. Jahrhundert durch die zunehmende Motorisierung das Pferd als Transport- und Arbeitstier ausgedient hatte und der Reitsport überwiegend in die Hände weiblicher Teenager gelangte, entwickelte sich häufig eine sehr innige Beziehung zwischen Ross und Reiter(in). Die Frage um den Verzehr des nämlichen Fleisches löst von daher, in Deutschland jedenfalls, stets heftige und leidenschaftlich geführte Kontroversen aus. So gesehen ist es also nicht verwunderlich, dass dieser Vierbeiner als beliebtes Motiv in der Bildenden Kunst stets ganz weit oben rangierte. Der Kontext der Darstellungen ist, das macht die bunte Auswahl in diesem Band deutlich, ja auch verlockend variantenreich. Ob als Schlachtross, bei der Jagd bzw. bei Sport und Spiel im Allgemeinen, als unverzichtbarer Bestandteil majestätischer Herrscherposen oder ganz Solo, aus Bronze, Terrakotta, Marmor, naturalistisch oder expressionistisch dargestellt, ob in Farbe – gerne auch mal in Blau – oder Schwarzweiß, das Pferd macht immer eine gute Figur. ISBN 978-3-86832-400-6

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VORSCHAU/IMPRESSUM SAMMLER JOURNAL

SAMMLER JOURNAL 07/2018

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DER HANG ZUR EXOTIK Europäische Seiden des 18. Jahrhunderts

GESCHÄFTSFÜHRER

VINTAGE GUIDE Von Art Deco bis Flower Power

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Es gilt die Anzeigenpreisliste 1/08 vom 01.11.2008 Bildnachweise links: Seidengewebe mit rotem Damastgrund, Frankreich oder Italien, 1700/10, © Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Vira ̀g); Verner Pantons Heart-Sessel, 1959, in farbigem Umfeld. Andrew Boyd/© Jacqui Small LLP


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