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Mai 2017 · B 1309 | € 6,50 Schweiz CHF 11,50 | Österreich € 7,00 | Be/ne/lux € 7,50

Sammler Journal

maI 2017

KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN

GEMI

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DIE KREATIVEN 68ER veränderten die Welt Gemälde emil Holzhauer Französische Druckgrafik

Im Zeichen der lilie


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IN EIGENER SACHE

Veränderungen „Es muss sich alles ändern, damit alles so bleibt wie es ist.“ Giuseppe Tomasi di Lampedusa in „Der Leopard“

Für manchen ein Gräuel, für den anderen Lebensphilosophie: Veränderungen. Sie gehören zum Alltag, ob bewusst oder unbewusst, ob geplant oder zufällig. Ohne die Veränderung würde nichts so bleiben wie es ist. Um den Wandel, um Wechsel und Umschwünge geht es auch in dieser Ausgabe des SAMMLER Journals. Die Kunsthistorikerin Dr. Bettina Krogemann hat sich mit der Auf- und Umbruchszeit Ende der Sechzigerjahre des 20. Jahrhunderts und ihren kreativen Protagonisten beschäftigt. Wie deren Freiheitsdrang und Einfallsreichtum, deren Fantasien und Utopien das Design, die Mode, die Architektur, den Einrichtungsstil, die Musik, ja, den ganzen Lifestyle veränderten, darüber lesen Sie in „Die kreativen 68er“ und wie sie die Welt veränderten. In den 1968ern verlangte man genauso wie zu Zeiten der Französischen Revolution nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Bis es aber in Frankreich Mitte des 18. Jahrhunderts den revolutionären Umbruch geben konnte, regierten die Könige des Hauses Bourbon mit absolutistischer Macht. Alle waren dem König unterworfen – vom einfachen Volk bis zum Hochadel. Dafür sorgte schon Anfang des 17. Jahrhunderts Kardinal Richelieu. Bis heute gilt als der Inbegriff des absolutistischen Herrschers der Bourbone Ludwig XIV. Der Sonnenkönig, der sich als ein Vorbild für alle sah, als das Zentralgestirn, um das die anderen kreisen sollten. Als probates Mittel, diesen Herrschaftsanspruch und seine Autorität zu festigen, stellte auch er die Kunst in den Dienst der Macht. Wie schon etliche Gebieter vor ihm, wusste auch Ludwig XIV. um die Kraft von Bildern und deren Wirkung über eine schnelle Verbreitung. Die Aufgabe, die heute den sozialen Medien und Netzwerken zukommt, hatte damals die Druckgrafik inne – eine Technik, die es erlaubte, Bilder in hoher Auflage und kurzer Zeit herzustellen. Die Entwicklungen auf diesem Gebiet beobachtete der absolutistische Herrscher genau, um sie in seinem Sinne einsetzen zu können. Wie, das beschreibt unsere Autorin Heidrun Th.

Grigoleit in ihrem trefflichen Ausstellungsbericht zur Schau „Im Zeichen der Lilie. Französische Druckgraphik zur Zeit Ludwig XIV.“, die gerade in der Kunsthalle Bremen läuft. Den Mut zur räumlichen Veränderung, mit der sich der Lebenstraum verwirklichen lässt, haben unsere Autorin Anja Iwa und der Maler Emil Holzhauer, über dessen spannenden Werdegang die Kunsthistorikerin in dieser Ausgabe berichtet, gemeinsam: Emil Holzhauer hat Anfang des 20. Jahrhunderts ohne Geld und Englischkenntnisse seine Koffer gepackt und die große Reise über den Atlantik angetreten. Weg von der schwäbischen Heimat, konnte er in den USA den Traum von einem erfolgreichen Künstlerleben verwirklichen. Mit dagegen hervorragenden Englischkenntnissen, jedoch mit dem gleichen Wunsch nach Veränderung, verließ Anja Iwa vor einigen Jahren ihren damaligen Wohnort München und lebt seitdem glücklich in Südafrika. Eine Veränderung hat sich mit dieser Ausgabe des SAMMLER Journals auch in einer Personalie ergeben. Karl Ruisinger verabschiedete sich mit dem vergangenen Heft von uns als Chefredakteur, übergab die Leitung der Redaktion mit dieser Ausgabe an mich, bleibt aber den weiteren Publikationen des GEMI Verlags erhalten. Für die kommende Zeit freuen wir uns, liebe Leserin, lieber Leser, wenn Sie das, was Sie beschäftigt, auch weiterhin auf unseren Seiten wiederfinden. Genauso wie wenn das, was uns beschäftigt, Ihr Interesse weckt. Auf eine gute gemeinsame Zeit

Karin Probst


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INHALT

Mai 2017 · B 1309 | € 6,50 Schweiz CHF 11,50 | Österreich € 7,00 | Be/Ne/Lux € 7,50

KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN

Über 2.000 Termine

Schätzungen Auktionen Ausstellungen

KUNSTMARKT Karel Appel

DIE KREATIVEN 68er DIE KREATIVEN 68ER veränderten die Welt Gemälde Emil Holzhauer Französische Druckgrafik

von Bettina Krogemann

20 26

Im Zeichen der Lilie

Titelfoto © Ed. Elizabeth E. Guffey,

Posters – A global history, London 2005

FRANZÖSISCHE DRUCKGRAFIK von Heidrun Th. Grigoleit SAMMLER-SERVICE

34

6

MAGAZIN

10

MESSETERMINE

18

FOTOKUNST

22

AUKTIONSTERMINE

42

INSERENTENVERZEICHNIS

50

AUKTIONSNOTIZEN

52

AUSSTELLUNGSTERMINE

70

AUSSTELLUNGEN

77

LITERATURTIPP

90

VORSCHAU | IMPRESSUM

98

GEMÄLDE – EMIL HOLZHAUER von Anja Iwa

RETRO CHIC von Dr. Wolfgang Hornik

AUKTIONSPREISE Lötz-Glas

64 82 92

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MAGAZI N

Plattform Praterinsel Artmuc auf der Praterinsel in München Ende Mai ist es endlich wieder soweit und die Artmuc, Münchens größte Plattform für professionelle Positionen zeitgenössischer Kunst eröffnet auf der Praterinsel die Kunstsaison 2017. Mit mehr als 90 Einzelkünstlern und (neu in diesem Jahr) knapp 20 Galerien und Plattformen zeigt die Kunstmesse vom 25. bis 28. Mai erneut, dass auch in München eine große Nachfrage für Kunstschaffende und Kunstliebhaber besteht. Seit der ersten Ausgabe 2014 positioniert sich die Artmuc Kunstmesse vor allem als Plattform für professionelle Künstler. Juriert von einer prominent besetzten Jury, haben sich in diesem Jahr erneut knapp 500 Kunstschaffende auf die rund 90 zur Verfügung stehenden Standflächen beworben. Dabei wird die steigende Relevanz dieser von Raiko Schwalbe initiierten Produzentenmesse vor allem durch das immer größer werdende Einzugsgebiet der Bewerber unterstrichen. Zu den Ausstellerinnen und Austellern gehören nicht nur Akteure der lokalen Szene. Längst haben sich Flair und Netzwerkcharakter dieser Veranstaltung herumgesprochen und locken Teilnehmer aus ganz Deutschland, Österreich, Frankreich, England, Luxemburg, Belgien und der Schweiz an. In jedem Jahr präsentieren zusätzlich auch Plattformen, Kunstprojekte, Kollektive und Galerien interessante junge, aufstrebende Künstler. „In diesem Jahr hatten wir einen richtigen Boom bei den Anfragen von Plattformen und Galerien mit sogenannten ‘emerging artists’ bei uns“ freut sich Raiko Schwalbe. Deshalb präsentieren im Mai zusätzlich mehr als 20 Plattformen und Projekte aus Deutschland, Österreich, England und

Lukas Frese, Station at nightfall, 2016; Artmuc auf der Praterinsel in München Foto: Artmuc

Sebastian Wandl, untitled, 2017; Artmuc auf der Praterinsel in München Foto: Artmuc

der Schweiz ihre Auswahl an jungen Künstlern auf der Praterinsel in München. Auch in diesem Jahr gibt es wieder Kooperationen und Sonderprojekte mit wichtigen Institutionen der Münchner Kunstlandschaft. Die Präsenz von berufsständischen Organisationen und Förderern der Szene eröffnet vielfältige Optionen für Netzwerkerweiterungen, Kooperationen und neue Perspektiven. Dazu zählen unter anderem Förderkojen des Kulturreferats der Landeshauptstadt München, wie das „Städtische Atelierhaus am Domagkpark“. „Zwei:Eins“ ist ein neuer, hoch-dotierter von Soziales Netzwerk München e. V. gestifteter Münchner Kunstpreis, der Ideen für ein Kunst-Kooperationsprojekt auszeichnet. Ferner gibt es ein Sonderprojekt Videoinstallation von Studierenden der HFF München. Bei der Sonderausstellung „Artmuc Digital“ setzen die Münchner Videokünstlerinnen Betty Mü und Cendra Polsner mit Videoarbeiten, Lichtinstallationen und Medienkunst einen besonderen Akzent. Der Kunstmarkt ändert sich rasant, Künstler müssen selbst aktiv werden und neue Präsentationskanäle erschließen. Gerade das Internet und die sozialen Medien eröffnen dabei viele Chancen. Die Artmuc kooperiert in diesem Jahr mit dem Portal „Glarify“ – einer personalisierten Kunstplattform für Kunstliebhaber und Kunstschaffende (www.glarify.com). Ein neues Förderprojekt für junge Künstler ist das „Viertelquartier“ auf der Artmuc. Im letzten Jahr machte dieses neue Projekt Station im Glockenbachviertel und bot jungen Künstlern die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Zuletzt stellt die Ausstellung „Director‘s Choice“ zwölf Künstler aus dem Pool der Bewerbungen vor, die der Artmuc eine persönliche Note geben sollen. TELEFON I 089/46089357 INTERNET I www.artmuc/info


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10.04.2017

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MAGAZI N

Paula Müller in Comics umgesetzt wurden. Darunter sind viele Highlightexponate von internationalem Rang wie die berühmten Stader Bronzeräder (größter Bronzefund in Norddeutschland), der jungsteinzeitliche Goldarmring von Himmelpforten (ältester Goldfund aus Niedersachsen) oder der Flintdolch von Wiepenkathen (besterhaltener Feuersteindolch der Welt).

Schwedenspeicher © Museen Stade, Foto: Ken Schluchtmann, Berlin

wahl zur Teilnahme an der Zeughausmesse erfolgt durch eine Fachjury. Auf der Zeughausmesse werden vier Preise für Angewandte Kunst vergeben. Eine Fachjury wählt die Preisträger unter allen Teilnehmern der 21. Zeughausmesse aus. ADRESSE I Berufsverband Angewandte Kunst Berlin-Brandenburg e. V., c/o Rainer Wiencke, Am Friedrichshain 10, 10407 Berlin, r-wiencke@zeughausmesse.de TELEFON I 030/42804235

Preissammlung IF Award 2017 für Museum Schwedenspeicher in Stade Große Freude bei den Ausstellungsgestaltern, Kuratoren und der Museumsleitung – wieder einmal wurde das Museum mit einem begehrten internationalen Preis für seine herausragende Gestaltung ausgezeichnet. Schon nach dem ersten Umbau 2009-2011 gab es einen red dot, eine Aufnahme in die Auswahl des AIT Awards, eine Nominierung für den German Design Award und den Museumspreis der Niedersächsischen Sparkassenstiftung für die gelungene Gestaltung und Vermittlung in den neuen Dauerausstellungen zur Hansezeit und Stadtgeschichte. Vor Kurzem wurden in der BMW Welt München die Gewinner des IF AWARDS 2017 bekanntgegeben. Insgesamt gab es 5.575 Bewerber aus 59 Ländern. 58 Jurymitglieder bewerteten die Einreichungen zuvor im Schuppen 52 in Hamburg. Die von neo.studio Berlin gestaltete Dauerausstellung im zweiten Obergeschoss des Museums führt in sechs Zeitinseln durch die Ur- und Frühgeschichte der Region rund um Stade. Eine aufwändig gestaltete Videoanimation führt in die Entstehung der Landschaft im Elbe-Weser-Dreieck ein. Sie zeigt, wie Marsch, Moor und Geest entstanden sind und welche Bedeutung der Verlauf der Elbe für die Besiedlungsgeschichte der Region hat. Unterirdische Höhlen führen Kinder in eine ganz eigene vorgeschichtliche Erlebniswelt. Computerterminals ermöglichen eine Hintergrundrecherche zu den Exponaten, verweisen auf touristische Ziele und ein Blog berichtet über aktuelle Ausgrabungen in der Region. Die Spanne der Exponate reicht vom Faustkeil des Neandertalers bis zu sächsischen Funden aus dem Frühmittelalter. Viele Altfunde aus der Sammlung haben kuriose Auffindungsgeschichten, die von der Berliner Künstlerin

TELEFON I 04141/7077314 INTERNET I www.museen-stade.de

Stücke mit Schicksal Expertisentag im Porzellanikon Hohenberg a. d. Eger Am 18. Mai 2017 ist es wieder soweit. Von 10 bis 17 Uhr öffnet das Porzellanikon – Staatliches Museum für Porzellan, Hohenberg an der Eger, zum dritten Mal in diesem Jahr seine Pforten für den weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Expertisentag. Wie immer steht das Kuratorenteam des Porzellanikons, Petra Werner und Thomas Miltschus, für alle Besucher und ihre Fragen rund um die mitgebrachten Porzellanexponate (bis zu drei Stück pro Besucher) aus dem deutschsprachigen Raum bereit und freut sich darauf, die Stücke unter die Lupe zu nehmen. Aber nicht nur die Begutachtung hat einen besonderen Reiz, auch die Erzählungen der Besitzer sind spannend. Ob der Fund vom Speicher oder das Porzellan aus der Vitrine, so manches Stück birgt eine rührende Geschichte oder auch ein Schicksal. Die Experten verstehen es, ihr Wissen auf verständliche, spontane und unterhaltsame Weise weiterzugeben und sorgen so für manche Überraschung. Um die Wartezeiten etwas zu versüßen, verkauft der Förderverein Porzellanikon e. V. wieder Kaffee und Kuchen. Weitere Expertisentage finden am 03.08., 28.09. und 23.11.2017 statt. TELEFON I 09287/9180041 INTERNET I www.porzellanikon.de

Petra Werner und Thomas Miltschus bei der Begutachtung zerbrechlicher Preziosen; Porzellanikon Hohenberg a. d. Eger Foto: Porzellanikon


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KUNSTMARKT

Karel Appel und Paris Nur zwei Jahre nach einer Ausstellung seiner Zeichnungen im Centre Pompidou in Paris widmet das Musée d'Art Moderne der französischen Hauptstadt Karel Appel eine große Ausstellung: L'art est une fête! – Die Kunst ist ein Fest! Die Kunst ist ein Fest! Damit öffnet und schließt die Pariser Retrospektive von Karel Appel. Diese große Premiere in Frankreich basiert auf einer besonders großen Spende der Karel-Appel-Stiftung in Amsterdam (17 Gemälde und vier Skulpturen) und zielt nach den Worten des Kurators der Ausstellung, Choghakate Kazarian, darauf ab, eine große Künstlerkarriere von 1940 bis 2006, dem Todesjahr des Künstlers, zu verfolgen. Man lernt Appels frühes Interesse an psychopathologischer Kunst, seine stilistischen Erfahrungen und seine sehr persönliche – manchmal abstrakte – Interpretation traditioneller Motive kennen, etwa Akte, Porträts und städtische oder ländliche Landschaften. Man taucht in die Intensität des Ausdrucks eines Künstlers ein, der gegen bildliche Konventionen rebellierte und als einer der Gründer und herausragenden Agitatoren der CoBrA-Bewegung bekannt ist, dessen Geist der Unabhängigkeit, der ihn dazu brachte, die Welt zu erkunden, aber immer noch weitgehend unbekannt ist.

Karel Appel, Untitled (Bruun Rasmussen, Kopenhagen, 3/2017; Zuschlagspreis 12.768 Euro) © VG-Bildkunst Bonn Foto: Bruun Rasmussen

Karel Appel, Red head, 1975 (Bruun Rasmussen, Kopenhagen, 3/2017; Zuschlagspreis 16.127 Euro) © VG-Bildkunst Bonn Foto: Bruun Rasmussen

Amsterdam – Paris – New York Geboren in Amsterdam, geht Appel zum ersten Mal im Jahr 1947 zusammen mit dem Künstler Corneille nach Paris. Er besucht dort in der Galerie René Drouin eine Ausstellung von Jean Dubuffet, einem Anhänger der Art Brut, einer freien Kunst, die sich aller kulturellen Vorgaben entledigt hat. Dubuffet wird dadurch für Appel zum wichtigen Orientierungs- und Bezugspunkt. Im folgenden Jahr, 1948 besucht er wiederum Paris, diesmal zu einer Konferenz, die von revolutionären Surrealisten organisiert wurde. Ihre Anregung veranlasst Appel, völlig neue Wege zu gehen: Mit Christian Dotremont, Asger Jorn, Constant, Corneille und Noiret verlässt er die Konferenz und improvisiert ein Treffen im Café Notre Dame, wo er mit seinen anwesenden Freunden die Gruppe CoBrA gründet, eine Anspielung auf die Hauptstädte der Herkunftsländer der Freunde (CoBrA ist ein Akronym für Kopenhagen, Brüssel und Amsterdam). Nach seinem Umzug nach Paris im Jahr 1950 intensiviert sich sein künstlerisches Schaffen. Es lässt auch nach der Auflösung von CoBrA 1951 nicht nach und erweckt die Aufmerksamkeit des einflussreichen Kunstkritikers Michel Tapié. Dieser glühende Verfechter einer „anderen Kunst“, ein Förderer von Dubuffet und Fautrier beim Galeristen René Drouin, war auch ein großer Vorreiter für die kulturellen Brücken zwischen New York und Paris. Tapié ist derjenige, dem Karel Appel seine amerikanische Karriere verdankt. Tapié stellt den Künstler Martha Jackson vor, einer einflussreichen New Yorker Galeristin, die sehr empfänglich für das Werk von Germaine Richier und das der japanischen Gutai-Avantgarde ist. Von da an reiht sich Erfolg an Erfolg, und seine Bekanntheit wächst. 1954 erhält Appel bei der Biennale in Venedig den UNESCO-Preis, drei Jahre später zieht er in die Vereinigten Staaten. Der Empfang in Amerika ist triumphal. Große Kunsthändler und Museumsdirektoren besuchen ihn, und die Zeit, die er nicht in seinem New Yorker Atelier verbringt, gehört seinen neuen Freunden: Sam Francis, Jackson Pollock, Willem DeKooning, Franz Kline und andere Vertreter des amerikanischen Expressionismus, die von der emotionalen Wucht seiner Malerei beeindruckt sind. In den folgenden


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KUNSTMARKT

Karel Appel, Two birds and a Flower, 1951 (Christie’s, Paris, 12/2012; Zuschlagspreis 700.000 Euro) © VG-Bildkunst Bonn Foto © 2012 Christie’s Images Limited

50 Jahren führt er sein Leben zwischen den USA und der übrigen Welt, mit mehreren Reisen nach Mexiko, Italien, Südamerika, Indien und Nepal in den 1960ern und 1970ern. Berühmtheit eines überwiegend bezahlbaren Werks Die Berühmtheit und die Bedeutung Appels für die Geschichte der westlichen Kunst haben natürlich die Nachfrage nach seinen Bildern stark ausgedehnt – vor allem in die Vereinigten Staaten. In der Tat werden für die wichtigsten Gemälde in London, New York und Amsterdam, wo der Künstler geboren wurde, mehrere hunderttausend Dollar geboten. Aber der absolute Rekord für Appel wurde in Paris aufgestellt, wo im Dezember 2012 sein einziges Ergebnis in Millionenhöhe für ein Gemälde von 1951 erzielt wurde: „Two birds and a Flower“ (1,09 Mio. Dollar, Christie's Paris, 3. Dezember 2012). In Paris wird er verehrt wie nirgendwo sonst: in den Auktionshäusern wie in den Museen. Er ist das Symbol einer Avantgarde, der es gelungen war, die Regeln zu erschüttern, um der Kunst neue Freiräume zu verschaffen. Appels Werk ist somit anti-elitär durch und durch. Der Künstler hat auch zahlreiche Druckgrafiken geschaffen, um sein Werk möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Dieser umfangreiche Kunstdruckmarkt repräsentiert mehr als 60 Prozent seiner Werke, die in den letzten zwei Jahren auf Auktionen verkauft wurden. Aufgrund der Druckgrafiken ist ein Appel heute auch für nur wenige hundert Dollar zu haben. Es ist sogar möglich, auf Auktionen Zeichnungen zu erwerben, die in Linie und Farbgestaltung ihren spontanen Charakter zeigen, und dies für weniger als 3.000 Dollar, wie etwa das Bild eines „Nu couché“ (liegender Akt) aus dem Jahr 1967, das auf einer französischen Provinzauktion im November 2016 versteigert wurde (bei Encheres Pays de Loire in Angers am 29. November 2016). Das gleiche gilt für einige Skulpturen, die der Künstler in den

1970er-Jahren in ordentlich durchnummerierten Serien schuf. Da die Knappheit den Preis bestimmt, werden diese Arbeiten durchschnittlich zwischen 4.000 und 10.000 Dollar gehandelt, je nach Höhe der Auflage, die in der Regel zwischen acht und 50 Exemplaren liegt. Wer einige seiner Skulpturen im Original sehen möchte, kann dies bis zum 20. August 2017 im Pariser Musée d'Art Moderne tun. QUELLE | artprice.com

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Kreative 68er Die kreativen 68er Bettina Krogemann

Die Sechzigerjahre des 20. Jahrhunderts veränderten die Welt. In kürzester Zeit stellten sie die geltende Ästhetik auf den Kopf wie keine andere Zeit es zuvor getan hatte. Den Höhepunkt dieser Umwälzungen auf gesellschaftlichem und kulturellem Parkett markieren die späten 1960er-Jahre, vor allem das Jahr 1968.

Die 1960er: Junge Menschen lehnten sich vehement gegen tradierte Lebensformen auf, die noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg stammten. Die Bewegung hatte ein politisches Fundament und 1968 ist das Jahr, in dem linksgerichtete Studenten- und Bürgerrechtsbewegungen bereits eine weltweite Verbreitung gefunden hatte. Zentren des neuen Zeitstils lagen in Europa und in den USA, dort vor allem an der kalifornischen Westküste. In den USA richtete er sich, getragen von Studenten und Hippies, mit Protestaktionen gegen den aktuellen Vietnamkrieg und, im Fahrwasser von Martin Luther King, für eine Gleichberechtigung von Schwarz und Weiß, zudem natürlich auch von Mann und Frau. Vergleichbare Ziele verfolgten die Politaktivisten und Studenten in Europa, vor allem in Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland, aber auch in Ungarn und der CSSR. Eine gesellschaftspolitische Aufbruchsstimmung mit teils utopischem, experimentellem Gedankengut prägte das Klima. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wurden zentrale Begriffe einer Idee des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Zwar waren diese Schlagwörter schon seit der Französischen Revolution bekannt, in dem weltbe-

Birgitta Bjerkes „Woman’s hand dress“ ist aus gehäkelter Wolle. Ihre Werke sind rar und nicht in Online-Auktionen zu finden (Foto: The Summer of Love) Betsey Johnsons wollenes Strickkleid mit abstraktem Landschaftsmotiv von 1970/72 ist in der Sammlung des Fine Arts Museum San Francisco. Von Johnson, die bis heute als Modedesignerin tätig ist, können viele Vintage-Objekte in Online-Auktionen erworben werden. Die Preise beginnen schon bei 50 USDollar und können bis in den vierstelligen US-Dollar-Bereich reichen (Foto: The Summer of Love)


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rühmten Musical „Hair“ kamen sie nun großartig inszeniert wieder zu Wort und prägten damit nicht nur musikalisch und tänzerisch eine ganze Generation. Hatte sich die Pop Art seit den frühen 1960er-Jahren in der Bildenden Kunst etabliert, so kam auch dieser eine immer größere Bedeutung im kulturellen Erscheinungsbild der 1968er-Generation zu. All diese Tendenzen bestimmten die neuen Architektur- und Designkonzeptionen, die Kunst, die Mode und die Musik der 68er.

WOHNEN IM WELTRAUM-LOOK Das Haus als Großstruktur neu zu organisieren gehörte zu den umfassenderen Aufgaben für die junge Generation. Die Ideen dafür waren verschiedenen ästhetischen Eindrücken geschuldet, die die mediale Welt dieser Zeit in Umlauf brachte. Eine sehr große Bedeutung als Impuls-Geber kam dabei der Raumfahrt zu: 1968 wurde mit der Apollo 8 der erste bemannte Flug zum Mond unternommen. Im gleichen Jahr kam Stanley Kubricks Science-Fiktion, oder besser, seine imposante utopische Weltraumoper „2001 – Odyssee im Weltraum“ in die Kinos. Die Weltraum-Ästhetik hat sowohl in der Architektur der 1960er-Jahre als auch in der Mode dieser Zeit gut lesbare Spuren hinterlassen. Ein klassisches Beispiel für eine Art Weltraum-Architektur schuf der finnische Architekt Matti Suuronen im Jahr 1968. Sein Rundhaus trägt den program matischen Namen „Futuro“. Ellipsoid im Grundriss, bestand es zu großen Teilen aus Kunststoff und ruhte auf einem hohen Metallgerüst. In der Höhe maß es vier, im Durchmesser acht Meter und wog mit kompletter Einrichtung rund vier Tonnen. Insgesamt hatte es eine Nutzfläche von sechsunddreißig Quadratmeter, konnte elektrisch beheizt und unterschiedlich genutzt werden, etwa als Berghütte, da es leicht in schwieriges Gelände zu transpor-

tieren war, als Wochenendhaus, als Unterrichtsraum oder als Arztpraxis. Wieviele Exemplare von „Futuro“ tatsächlich von der finnischen Firma Polykem ausgeführt wurden, ist heute nicht bekannt. In Deutschland hatte der Aktionskünstler Charles Wilp zu Beginn der 1970er-Jahre eines auf dem Dach seines Düsseldorfer Hauses installiert, das 1973 wieder demontiert werden musste. Behörden hatten Wilp mitgeteilt, er verschandele mit seinem „Futuro“ das Stadtbild. Anders als die Düsseldorfer Obrigkeit reagierten internationale Stars auf Wilps Rundhaus. Andy Warhol und Christo kamen extra nach Düsseldorf, um es aufzusuchen und Christo verpackte es sogar. Charles Wilp bekannte sich nicht nur mit seinem Rundhaus zum

Zeitgeist der Avantgarde. Als Künstler prägte er wie kaum ein anderer die 1960er-Jahre in Deutschland mit ganz Ungewohntem, so zum Beispiel mit seinen leicht frivolen Plakaten im Rahmen der großen Werbekampagne für Afri Cola.

COCKPIT FÜR DEN KOCH Eine Amour-fou für das Experiment, das zukunftsträchtige Design in aerodynamischer Formgebung hat der Designer Luigi Colani bis zum heutigen Tag. Mit seiner „Kugelküche“, die aussah wie ein kleines Raumschiff, stand er ganz im Zeichen des Futurismus in Architektur und Design der späten 1960er-Jahre. Im Jahr 1968 entwickelte Colani die Rundküche im Kapselformat für den

Blick in die Spiegelkantine, die Verner Panton im Spiegel Verlagshaus in Hamburg 1968 entworfen hat (Foto: Verner Panton, Die Spiegelkantine, Hamburg 2012)

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1968 kostete das Rundhaus Futuro von Matti Suuronen aus Kunststoff (glasfaserverstärktes Polyester mit Polyurethan-Isolation) 12.000 USD. Die genaue Auflage ist unbekannt. Momentan liegt der Preis bei rund 100.000 US-Dollar

Küchenhersteller Poggenpohl, 1970 präsentierte er sie zum ersten Mal auf der Kölner Möbelmesse der breiten Öffentlichkeit. Die „Kugelküche“ sollte aber nicht fliegen oder sich bewegen, sondern Teil eines Hauses sein, das aus vielen kugelförmigen Körpern besteht, die Bäder, Arbeitsräume, Schlafbereiche und vieles mehr aufnehmen. Der Küchennutzer konnte die mit einer orangefarbenen Plastikverkleidung ausstaffierte Küche über einen Laufsteg oder durch eine Luke betreten und war durch Funk mit den übrigen Zellen des Hauses verbunden. Von außen sah die Kugelküche aus wie eine Raumkapsel, im Inneren wie ein Cockpit: In der Mitte der 2,4 Me ter im Durchmesser großen Kugel befand sich ein Drehstuhl um den herum bunte, glänzende Plastikoberflächen High-Tech-Küchengeräte aufnahmen. Colanis Design-

ansatz folgte auch bei der Kugelküche ergonomischen Grundsätzen, denn alle Geräte befanden sich in optimaler Reichweite des zentral positionierten Küchennutzers. Lange Wege, die eine Hausfrau hatte zurücklegen müssen, wurden so vermieden. Die Kugelküche machte sich in ihrer Rezeptionsgeschichte nicht nur Freunde. Als Gefängniszelle bezeichnete sie die Kritik, in der der Koch zu einem integrierten Teil einer Superküchenmaschine degradiert würde. Kugelformen an sich erfreuten sich Ende der 1960er-Jahre generell enormer Beliebtheit. Gleiches galt für das Material Kunststoff. In der Bundesrepublik Deutschland erreichte die Kunststoffproduktion im Jahr 1968 die Rekordmenge von 3 Millionen Tonnen! Erst durch die Ölkrise 1973 und ein verändertes Umweltbewusstsein kamen Kunststoffe mehr und mehr in Misskredit.

SITZEN „You say you want a revolution“, mit diesem Slogan gaben die Gebrüder Beltzig 1968 eine Stellenanzeige auf, als sie Mitarbeiter suchten, die sie bei der Produktion ihres auf der Kölner Möbelmesse vorgestellten Stuhls „Floris“ unterstützen sollten. Der Ausschreibungstext liest sich heute wie ein Stimmungsbarometer dieser Zeit, denn das Möbeldesign der späten 1960er-Jahre wehrte sich natürlich gegen die gewohnten bürgerlichen Wohnformen. Es war eine von Sozialutopien geprägte Zeit, in der neuartig formbare Kunststoffe und intensive Farben auf den Plan traten. Der rationale Ton des Bauhaus, fortgeführt durch das Design der Ulmer Hochschule für Gestaltung, fand von den Gestaltungs-Revolutionären der 1960er-Jahre wenig Beifall. Zu viele rechte Winkel, zu


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Helmut Bätzner, vier stapelbare Bofinger-Stühle, Modellnummer BA 1171, 1964, glasfaserverstärktes Polyester, cremeweiß und blau. Bei dem Bofinger-Stuhl handelt es sich um den ersten aus einem Stück aus Kunststoff hergestellten Stuhl für die Massenfertigung. Seine Herstellung dauerte rund 5 Minuten und es bedurfte abschließend kaum Nachbesserungen. Taxe für alle vier Stühle 500-600 Euro bei Quittenbaum Kunstauktionen München (Foto: Quittenbaum)

viele Geraden, zu wenig Farbe, zu viel Sachlichkeit, meinten die jungen unabhängigen Entwerfer zum Design ihrer Vorgänger. Sie forderten ein emotionales Design. Besonders stark war der Protest gegen die konventionellen Sitzmöbel. Das disziplinierte Sitzen auf Stühlen galt nun als spießig, alternative Einrichtungsgegenstände für individuelle und unförmliche Haltungen wurden entwickelt. Das aufrechte Sitzen wich nun freien Bewegungen im Raum und dem formlosen Lagern auf Matratzen, Teppichen, Kissen und Kisten. Meist waren die Sitzmöbel niedrig und ruhten nicht auf vier Beinen. Abgeleitet von der Pop Art, die sich nicht nur in den USA und in Großbritannien, sondern ebenso auf dem Kontinent durchgesetzt hatte, waren die neuen Möbel zudem extrem bunt. 1966 kam der erste

Piero Gatti, Cesare Paolini und Franco Teodoro, Sacco, 1968, Sack aus Kunstleder, Füllung aus Polystyrol-Kugeln, Hersteller Zanotta, Mailand von 1968 bis heute (Foto: Charlotte & Peter Fiell, 1000 Chairs, Köln 1997)

stapelbare, in einem Stück gefertigte Kunststoffstuhl auf den Markt, der „Bofingerstuhl“ des deutschen Designers Helmut Bätzner. Ein Jahr später, 1967, schaffte es das erste aufblasbare Wohnraum-Möbel in die Serie, der aus transparenter PVCFolie kalandrierte und elektronisch mit Hochfrequenz geschweißte Sessel „Blow“ nach Entwürfen der Architekten Jonathan de Pas, Donato D’Urbino, Paolo Lomazzi und Carla Scolari. Hier ist der Luft und dem PVC das Material gewichen. Leichtigkeit, Transparenz, Mobilität und geringe Herstellungskosten standen im Zentrum der planerischen Überlegungen für diesen Sessel. „Blow“ erfreute sich guter Resonanz und wurde in zweiter Produktionsphase noch bis 1992 hergestellt. Kunststoff stand auch bei dem dänischen De signer Verner Panton ganz oben auf der Lis te der Materialwahl. Seit 1960 arbeitete er an der Entwick lung seines Freischwingers, den so genannten PantonChair, den er schließlich

im Jahr 1967 vollendet vorlegen konnte. Die Produktion des PantonChair läuft bis heute und er wird nach wie vor gerne für die Möblierung von Wohnungen und ShowRooms, Boutiquen oder Geschäftsräume genutzt. 1968 trat der „Sacco“, der Knautschsack auf den Markt. Das mit kleinen Poly styrol-

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Oben links: Paco Rabanne, Minikleid, Sommer 1968, quadatrische und längsrechteckige, versilberte, abwechselnd gehämmerte und geglättete Aluminium-Blättchen. Dieses Minikleid mit langen Armen wurde zur Kampagne des Parfüms „Calandre“ 1970 gezeigt. Vergleichbare Kleider werden in Spezialauktionen mit über 20.000 Britischen Pfund bewertet (Foto: Paco Rabanne, Marseille 1995) Unten links: Donyale Luna, das erste schwarze Supermodell, in der PacoRabanne-Schau im März 1968 in Paris 33, Rue Bergère. Das Model trägt ein Minikleid und einen Mantel aus Aluminium-Blättchen (Foto: Paco Rabanne, Marseille 1995)

es schon andeutet, einfach in einer sich nach unten erweiterten Sackform gehalten. So ungewöhnlich sich die neuen Sitzmöbel in ihrer Formgebung ausnahmen, so phantasiereich traten auch die Stoffe auf. Großflächige, der Op-Art entlehnte Muster aus Kreisen und Quadraten prägten ihre Muster. Die Kolorite waren ebenfalls ungewöhnlich und zeigten Farbkombinationen aus Orange-Braun, Gelb-Orange, BlauGrün und Pink-Lila.

WOHNLANDSCHAFT

Kugeln gefüllte beutelartige Gebilde passte sich den Formen und Bewegungen der Menschen einfach an. Seine Form hatte weder etwas mit einem Stuhl noch mit einem Sessel zu tun, sondern war, wie der Name

Geradezu ein Symbol für das neue Wohngefühl der ausgehenden 1960er-Jahre war die Wohnlandschaft aus weichen, niedrigen Polsterelementen, die zu bequemen Liegeflächen mit kleinen Binnenräumen arrangiert werden konnten. Mit ihrer kantenlosen Harmonie verbreiteten sie eine Art Nestwärme, in der sich ihre Nutzer wohl fühlen und von der Außenwelt zurückziehen sollten. Hier konnten sie menschliche Nähe und Vertrauen spüren, intensive Kommunikation erfahren. Eine solche Wohnlandschaft mit futuristischer Attitüde entwickelte der däni-

sche Designer Verner Panton 1968 für den Kaufhof-Konzern. Zielgruppe des Designers und seines Auftraggebers war eine breite Käuferschicht, die er mit der Präsentation „Visiona“ auf der Kölner Möbelmesse 1970 erreichen wollte. Panton gestaltete die Innenräume nach einem durchgängigen Prinzip mit aufeinander bezogenen Möbelstoffen, Tapeten, Teppichen und Vorhängen. Seine Farbgestaltung folgte einem selbst entwickelten Farbkreis mit zwölf bis sechsundachtzig Farben, der auf dem Regenbogenspektrum basierte. 1968 erreichte den Raumkünstler Verner Panton ein epochemachender Großauftrag, die Ausstattung des neuen Spiegel Verlagshauses in Hamburg. Hier konnte er seine Farbideen und Ton-in-Ton-Kompositionen in Kantinenräumen, auf den Verkehrswegen und in einer Schwimmhalle für die Angestellten anwenden. Einen weiteren Akzent setzte in dieser Epoche das AntiDesign, das, weil es so kostengünstig war, oft in studentischen Wohngemeinschaften zu finden war. Individuell zusammen getragene oder selbst gebaute Möbel, SperrmüllFunde und Kistenregale gehörten hier zum Möbelrepertoire. In den Zimmern lag meist eine Matratze auf dem Boden, das Zentrum des Raumes war einer Stereo-Anlage mit verhältnismäßig riesigen Boxen vorbehalten, die Wände zierten nicht etwa Ölgemälde, sondern Poster mit Che Guevara, den Beatles, den Rolling Stones oder psychedelischen Hippie-Motiven.

METALL UND ASTRONAUTENLOOK Es waren vor allem die Städte London und San Francisco, die die Mode der 1960er auf neuen Kurs brachten. Paris, einst das Fashion-Mekka, verlor zunehmend an Bedeutung im Bereich Mode und Trend. Die Seine-Metropole zeigte sich konservativ und zu stark vom übereleganten Geschmack der 1950er-Jahre überschattet. Es


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waren dort nun eher Ausnahmeerscheinungen wie André Courrèges und Paco Rabanne, die internationale Beachtung fanden. 1966 stellte Paco Rabanne erstmals Kleider aus Teilen gepressten Kunststoffs her, folgend aus Aluminium. Schon wegen seiner außergewöhnlichen Materialwahl verspottete Coco Chanel ihn als Metallarbeiter, andere Kollegen nannten Rabanne sogar Modeklempner. In der Tat ist überliefert, dass er für die Produktion bestimmter Kleider mit Lötkolben und Sägen arbeitete. Paco Rabanne war Esoteriker und beschäftigte sich in seiner Freizeit mit außerirdischem Leben. Vielleicht mag ihn auch dies zu seinen extraordinären Schöpfungen inspiriert ha ben. In ähnlichem Fahrwasser wie Paco Rabanne stand André Courrèges mit seinem in Weiß und Silber gehaltenen Weltraumlook, wie die Architektur und das Design inspiriert von den derzeitigen sensationellen Mondexpeditionen. Für seine Mode bürgerte sich in den 1960er-Jahren der Begriff Courrèges-Stil ein, der den Beinamen harter Schick hatte. Harter Schick wurde sein Stil deshalb getauft, weil sich seine Kreationen durch strikt abgrenzende Farben, in der Op-Art-Manier betonte schwarzweiß-Effekte und geometrische Schnitt-Saum- und Nahtlinien mit eckigen Kragenformen auszeichneten. Statt mit Kleidern staffierte er die Mädchen mit Hosenanzügen, flachen Stiefeletten aus Plastik und Knautschlack und den dazu passenden Regenmänteln aus. Ihre Kopfbedeckungen muteten an wie Helme, die Augen der Modelle blitzten durch schmale Schlitze hervor.

SWINGING LONDON Schon das Jahr 1965 hatte in London eine wahre Sensation gebracht. Die britische Modedesignerin Mary Quant, deren Motto ganz einfach lautete: Good Taste is death, vulgarity is life (Guter Geschmack ist der Tod, Geschmacklosigkeit ist das Leben),

Der polnische Grafiker Roman Cieslewisz, der in Paris lebte, entwarf das Poster „Che Si“ 1968, während Che Guevara im bolivianischen Dschungel kämpfte. Es ist das einzige bekannte Poster von Che, das zu seinen Lebzeiten hergestellt wurde. 1968 hing es in zahlreichen Fenstern in Paris. Je nach Zustand kostet es heute zwischen 900 und 1.800 Euro (Foto: Ed. Elizabeth E. Guffey, Posters – A global history, London 2005)

erfand den extrem kurzen Minirock. Während dieser bei der britischen Jugend einschlug wie eine Bombe, versetzte er das in Großbritannien breit aufgestellte konservative Lager in einen Schockzustand. Auch die weiblichen Schönheitsideale der Nachkriegsdekade hatten sich überlebt. Nicht mehr die kurvenreichen Schönheiten wie Gina Lollobrigida

oder Sophia Loren waren gefragt. An ihre Stelle war eine magere Kindfrau namens Twiggy getreten, die mit einer betont androgynen Figur neue Maßstäbe setzte. Anstatt aufregender Dekolletés trugen die Mädchen nun enge Pullover zum Minirock, statt glänzender Seidenstrümpfe farbige, groß gemusterte Strumpfhosen. Ihre Füße steckten in bunten

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Schuhen mit abgerundeten Spitzen, der Pfennigabsatz war einer flachen Sohle gewichen. Zum Trägerrock, zum Hängekleid aus bunten Synthetikgarnen passten nun Stiefel aus Kunststoff und Lackleder mit hohem Schaft. Hosen und Hosenanzüge gab es in allen Variationen für die Frau, sogar mit Hotpants kombiniert wurden die Blazer getragen. Die Haarmode wurde legerer, die Schminke passend zur Kleidung viel bunter. Phantasievolle große Umhängetaschen und auffällige Schmuckstücke aus Kunststoff rundeten das Styling ab. Und der Mann? Er kleidete sich nun mit taillierten, gemusterten Sakkos mit großen Pattentaschen und breiten Revers. Samthosen kombinierte er mit weiten Seidenhemden, im Sommer ersetzte ein flottes Halstuch die Krawatte. Die junge Modeszene ließ sich in London an der Carnaby Street nieder und kreierte damit einen neuen Fashion-Distrikt, in dem sich Boutique an Boutique reihte.

SUMMER OF LOVE

Die Anzeige in der französichen Marie Claire von 1967 zeigt Models im Schick von André Courrèges, La rue Courrèges (Foto: Erik Orsenna, André Courrèges, Paris 2008) Oben: Das Cover der Beatles-Platte „Sgt. Pepper’s Loneley Hearts Club Band“ von 1967 von Peter Blake und Jann Harworth (Foto: Swinging London, The Sixties, Leben & Kultur 1956-1970, London 2006)

Neben London kam San Francisco an der Westküste der USA durch die Hippie-Bewegung und ihren revolutionären, romantisch-ethnischen Kleidungsstil zum zweiten neuen Modezentrum empor. Wie in London, so leitete auch dort die strikte Abkehr von der guten Form und deren Geschmacksdogmen die neue Ära ein. Diesem Thema widmet im Moment das Fine Arts Museum in San Francisco die Sonderausstellung „Summer of Love – Art, Fashion and Rock & Roll“, die die Hippie-Kultur im Haight-Ashbury-District der Stadt beleuchtet. Dort hatten sich 1967 Künstler, Designer, Grafiker, Musiker und ihre Anhänger niedergelassen und damit eine Art Kommune gebildet. Die Hippie-Mädchen favorisierten einen Kleidungsstil mit Blumen- und wilden Girlanden-Mustern. Oftmals nähten sie sich ihre Kleider selbst, um ihrer Unabhängigkeit von der Industrie Ausdruck zu verleihen.


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Aber es wurde nicht nur genäht, sondern auch gehäkelt oder Kleidung aus verschiedenen bunten Stoffteilen in Patchwork-Techniken gefertigt. Die Mode war außergewöhnlich auffällig. Aus der Hippie-Kommune in San Francisco und ihrem Umfeld gingen berühmte amerikanische Modeschöpferinnen hervor, die sich nicht auf herkömmliche Produktionen von Prêt-à-Porter-Kollektionen konzentrierten, sondern Einzelstücke und besondere Outfits für Mitglieder von Rock- und Beatbands anfertigten. Da ist zum Beispiel Jeanne Rose, zu deren Kunden der Pianist Keith Jarrett, der Drummer der Steve-MillerBand Tim Davis oder der Gitarrist Donovan zählte, der im Jahr 1968 zusammen mit den Beatles eine Indienreise unternahm. Fest verankert in der trendigen Szene war seit den 1960er-Jahren auch Betsey Johnson, die, ab 1978 in New York ansässig, sich bis heute auf ihr eigenes Label konzentriert. Die Entwürfe der ausgebildeten Tänzerin, die auf ihren Modeschauen gerne vor Publikum in den Spagat rutscht, spiegeln stets zeitgemäße Kultur- und Subkulturtrends wider, vom blumigen Hippiemuster in den 1960er-Jahren über die Discotrends der 1980er bis hin zum heutigen Alles-ist-erlaubt-Stil. Sehr individuelle Kleidungsstücke schuf Birgitta Bjerke in Häkeltechnik. Kleider, Mäntel, sogar Bikinis häkelte sie für ihre Kunden, darunter der LeadSänger der Gruppe The Who, Roger Daltrey, und Eric Clapton. Der JazzIkone Joni Mitchell brachte sie sogar das Häkeln bei. Birgitta Bjerke liebte runde und gekurvte Formen mit feinen, komplexen Linienführungen.

sensuppen-Etiketten ein Papierkleid im Warhol-Stil zu kaufen. Das war das sogenannte „Souper Dress“ aus bedrucktem Papier mit der berühmten Campbell Soup Dose als serielles Motiv. Die Kundinnen sollten das Kleid eigentlich nach einmaligem Tragen wegwerfen, was sie aber offensichtlich nicht taten. Wie viele dieser Kleider überlebt haben, ist nicht bekannt, jedoch sind es einige, denn heute findet man das „Souper Dress“ in öffentlichen Kunstsammlungen und regelmäßig in Auktionen. Je nach Erhaltungszustand und Größe sind sie im Handel für einige tausend Euro zu erwerben.

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Literatur: Peter Dunas, Luigi Colani und die organisch-dynamische Form seit dem Jugendstil, Prestel, München 1993 Experiment 70: Designvisionen von Luigi Colani und Günter Belzig, Ingolstadt, 2002 Werner Faulstich (Hrsg.), Die Kultur der sechziger Jahre, Fink München 2003 „The Summer of Love: Experience: Art, Fashion and Rock & Roll“, de Young Museum, San Francisco, bis 20. August Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiger Katalog in englischer Sprache, 272 Seiten, 49,98 $

POP ART Auch die Pop Art setzte Akzente im Bereich Fashion, so zum Beispiel mit der Werbekampagne der Campbell Soup Company in den Jahren von 1966 bis 1968. Das Unternehmen lud seine Kundinnen ein, für einen US-Dollar und zwei Campbell-Do -

Links: Das „Souper Dress“ (Papierkleid) nach Andy Warhol von 1966-68 kann oft in Auktionen erworben werden. Die Taxen liegen zwischen 2.000-4.500 US-Dollar Rechts: Ein weiterer Künstler, der ein Minikleid aus Papier geschaffen hat, ist Harry Gordon. Als Motiv für sein „Mystic Eye“ wählte er 1967 ein Auge von Audrey Hepburn. Die Taxe für das Kleid liegt in Auktionen bei rund 1.400 US-Dollar


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Emil Holz hauer Emil Holzhauer Anja Iwa

Ohne Geld und Englischkenntnisse verließ Emil Holzhauer 1906 seine schwäbische Heimat und ging nach New York. In den USA konnte der Maler seinen Traum von einem erfolgreichen Künstlerleben verwirklichen. Nun sind seine Werke erstmals außerhalb der Vereinigten Staaten in Schwäbisch Gmünd zu sehen.

AUF NACH AMERIKA „Ich bin glücklich einen Beruf zu haben, der es mir ermöglicht, unabhängig und ohne Kompromisse der Kunst zu leben.“ Das konnte Emil Holzhauer (1887-1986) Mitte der 1920er-Jahre wirklich mit Stolz vermerken. Ohne Englischkenntnisse und ohne Geld verließ er mit neunzehn Jahren seine Heimat Schwäbisch Gmünd und ging nach New York, um sein Glück in der Kunst zu suchen – und er fand es tatsächlich. Als der Maler 1986 im Alter von fast 100 Jahren im amerikanischen Niceville in Florida starb, endete ein reiches und von beachtlichen Erfolgen gekröntes künstlerisches Leben.

BIOGRAFIE Emil Holzhauer wurde am 21. Januar 1887 in Schwäbisch Gmünd geboren. Von 1901 bis 1906 machte er eine Ausbildung als Stahlgraveur und Zeichner bei der Silberwarenfabrik Erhard & Söhne, übte sich jedoch schon zu dieser Zeit in jeder freien Minute leidenschaftlich im Zeichnen und Malen. Sonntags erhielt er zudem Malunterricht an der Fachschule für Edelmetallindustrie. Mit neunzehn machte er sich auf nach New York, wo er am 15. Juli 1906 ankam und direkt in der Schmuckmanufaktur George Keppler eine Stelle als Zeichner und Graveur erhielt. Die Beweggründe für die Auswanderung schilderte er in einem späteren Aufsatz: „Die Firma Julius Feuerle am Markt, wo mein Vater dreißig Jahre als Kabinettmeister gewirkt hatte, schloss ihre Tore für immer, und dem damals 68-jährigen war es unmöglich, wieder eine passende Stellung zu finden. Mein Bruder war in dieser Zeit beim Militär, und so lag die ganze Sorge um den Lebensunterhalt der Familie auf meinen jungen Schultern. […] Alfred Sponey, der Bruder meiner beiden Freunde Emil und Fritz, kam auf einige Tage zu Besuch nach Gmünd. Er war


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Zeichner bei einer New Yorker Firma, die ihn neuer Ideen wegen nach Europa geschickt hatte. Natürlich glaubte ihm kein Mensch, als er den Gmündern von seinem Leben, seiner Arbeit und seinem Verdienst erzählte. Man hielt ihn für einen Aufschneider. Ich aber war von der Wahrheit seiner Worte überzeugt, und es war mir klar, dass Amerika auch die Lösung meines Problems bringen würde. Drei Monate später war ich, noch keine zwanzig Jahre alt, in New York und fand alles bestätigt. Das war im Juli 1906, und noch heute bin ich Alfred Sponey für diesen mein Leben bestimmenden Fingerzeig dankbar.“ Holzhauer hatte viel Glück, dass er gleich auf seine erste Anfrage eine Anstellung in New York bekam. Seine Kunststudien führte er neben dem Beruf weiter. Über Philadelphia, wo er ebenfalls in seinem erlernten Beruf tätig war, ging er Ende 1908 nach Newark, New Jersey. Hier arbeitete er in Ju welierfabriken und schrieb sich an der Newark Art School ein, um seine Kunststudien fortzusetzen. Er besuchte Abendkurse und zeichnete nach Modell, war jedoch unzufrieden, da der Unterricht nicht seinen Vorstellungen entsprach. Eine wichtige Erfahrung während seines künstlerischen Werdegangs war von 1909 bis 1912 das Studium an der Kunstschule des sozial-realistischen Malers Robert Henri (1865-1929), einem der einflussreichsten Kunstpädagogen in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die dortige Ausbildung beinhaltete Porträt-, Akt- und Landschaftsmalerei sowie Komposition, und Holzhauer sollte diese Schule später einmal als „Ort meiner zukünftigen Kreativität“ bezeichnen. Da er tagsüber seinem Beruf als Zeichner und Graveur nachgehen musste, hatte er nur abends die Gelegenheit zum Studium. So fuhr er fünfmal pro Woche nach über acht Stunden Arbeit mit dem Zug und mit der Fähre von Newark nach New York, aß hastig unterwegs, rannte

fast zur Schule und kam nach drei Stunden Unterricht nie vor Mitternacht zurück nach Hause. Von 1911 bis 1913 studierte er Bildhauerei an der Beaux Arts School in New York bevor er sich 1913 an der Independent School of Art von Homer Boss (1882-1956) einschrieb. Boss, der bei Robert Henri an der New York School of Art studiert hatte, vertrat einen modernen künstlerischen Stil und ermutigte seine Studenten, eigene bildnerische Ausdrucksformen zu finden. 1914 heiratete Holzhauer die Klavierlehrerin Henrietta Micha elson und erhielt die amerikanische Staatsbürgerschaft, die Ehe mit Henrietta endete jedoch bereits sieben Jahre später. 1915 fand eine erste Einzelausstellung in der Hanfstaengl Gallery in New York mit 22 Ölgemälden statt und von diesem Zeitpunkt an folgten zahlreiche nationale sowie internationale Ausstellungen, Ehrungen und Auszeichnungen. Mittlerweile hatte sich der Künstler sein Leben so eingeteilt, dass er den Winter über in seinem Beruf arbeitete und den Sommer zum Malen frei hatte. Reich ist er dadurch nicht geworden, aber für seinen Lebensunterhalt schien er genug verdient zu haben. Im Sommer hielt er sich gerne auf Monhegan Island auf, das ihm mit seinen entzückenden Fischerdörfchen, der Küste und Wäldern als Erholungsort zum Malen diente. Dort sammelte er neue Eindrücke und traf auch auf andere Künstler, die diese hübsche Insel zum Malen entdeckt hatten. 1918 wurde Holzhauer in die U.S. Armee eingezogen und diente im Camp Meade in Maryland. Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte in New York eine besondere Stimmung und die Stadt war offen für Neues, der Künstler selbst beschrieb es folgendermaßen: „Kleine Theater öffneten ihre Pforten, das Neue und Moderne in der Dichtung, in Musik und Tanz trat immer stärker in Erscheinung. Es brodelte und gärte. Man kam kaum zum eigenen Schaf-

Links: Mildred Weiss, 1928, Öl auf Leinwand, 73,3 x 58 cm Ganz oben: Selbstporträt, 1933, Öl auf Leinwand, 91,4 x 71,1 cm Oben: Brooklyn-Brücke/Brooklyn Bridge, 1960, Öl auf Leinwand, 105 x 75,3 cm

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Links oben: Der Bootsmacher/The Boatmaker, 1951, Kaseinfarben, 54,5 x 72 cm Links unten: New Yorker Brücken im Winter/New York Bridges in Winter, undatiert (1926-30?), Öl auf Leinwand, 51 x 76 cm Rechts unten: Sägemühle in Adirondack /Adirondack Saw Mill, 1934, Öl auf Leinwand, 59,3 x 74,3 cm

fen, so viel gab es zu schauen und zu hören. Nur der Sommer auf Monhegan Island gehörte der Ausspannung und dem ruhigen Schaffen.“ 1925 reiste Holzhauer dann zurück in seine schwäbische Heimat, der er sein ganzes Leben lang verbunden blieb. Danach begab er sich weiter nach Frankreich, Italien und Österreich. In Paris heiratete er seine zweite Frau Mildred Weiss. Diese Ehe en dete 1934. Als er nach über einem Jahr zurück nach New York kam, war er „erfüllt von neuen Ideen durch all das Geschaute und Gehörte“, malte weiter in jeder freien Minute, stellte seine Bilder aus und wurde langsam bekannter. 1930 erhielt er erstmals eine bedeutende Auszeichnung auf der zehnten internationalen Aquarell-Ausstellung des Art Institute of Chicago. Er gewann die Logan-Me daille und bekam einen Geldpreis

von 500 Dollar für sein Bild „Patricia“, das von allen 450 Exponaten das einzige Aquarell war. Künstler

aus der ganzen Welt hatten hier ihre besten Arbeiten eingereicht und nur drei bekamen eine Medaille. Diese Würdigung machte Holzhauer über Nacht berühmt und öffnete ihm im Folgenden die Tür für umfangreichere Aufträge und bedeutende Einzelausstellungen. Ab 1932 lehrte er neun Jahre lang am Sommer-ArtCamp Wah-Na-Gi in Lake George in New York. Dies war der Beginn einer langen und glänzenden Lehrtätigkeit, an der der Künstler „riesigen Gefallen“ fand. Sechs Jahre später erhielt er einen Lehrstuhl für Zeichnen und Malen am Bennett Junior College in Millbrook in New York, 1940 wurde er Kunstdozent an der Asheville School for Boys in Asheville, North Carolina, und 1942 bekam


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er eine Professur für Kunst am Wesleyan College in Macon, Georgia, wo er elf Jahre unterrichtete. 1947 und 1949 erhielt Holzhauer von der Carnegie-Stiftung ein Stipendium für eine Studienreise nach Mexiko und 1952 wurde er in die Jury der „National Watercolor Exhibition“ des Metropolitan Museum of Art in New York gewählt. Im April 1952 heiratete er seine dritte Frau, Marion Scofield, die er bei Freunden in Valparaiso-Niceville kennen gelernt hatte. Ein Jahr später wurde der Künstler pensioniert und machte zusammen mit seiner Frau eine Hochzeitsreise nach Mexiko. Nach ihrer Rückkehr bezog das Paar ihr neuerbautes Haus in Niceville, im Nordwesten Floridas. Das hektische Leben in New York war Holzhauer zu viel geworden und er fand nicht mehr genug Zeit zum Malen. Der Künstler beschrieb seinen neuen Wohnort folgendermaßen: „Es ist einfach, aber bequem, und liegt am Ufer des Boggy Bayon, einer kleinen Bucht am Golf von Mexiko. Das Klima ist angenehm, die Winter sind mild und die Sommerhitze infolge der beständigen Brise leicht zu ertragen: Niceville war damals ein kleines, malerisches Fischerdorf. Unserer Bucht gegenüber liegt Valparaiso mit seiner großen Werft. Erwähnen muss ich noch das rund 30 km entfernte Destin, ‘das glücklichste Fischerdorf der Welt’ – so steht es wenigstens im Prospekt. Mit seinem weißen Sandstrand und seinen Dünen, mit dem unglaublichen Blau, Grün und Violett des Wassers, wie ich es noch nirgends gesehen habe, ist es ein Paradies für Maler, das jeden Sommer viele Tausende von Besuchern anzieht.“ 1957 kehrte Holzhauer nochmals zum Malen nach Mexiko zu rück und 1959 zog es ihn erneut nach Europa. Hier besuchte er seine Heimatstadt Gmünd und machte Station in den Niederlanden, der Schweiz, Frankreich und Spanien. Zwischen 1963 und 1966 unternahm er vier weitere Reisen nach

Perlenzählerin/Counting beads, 1931, Öl auf Leinwand, 91,5 x 76 cm Dampflöffelbagger in Cold Spring/Cold Spring Steamshovel, undatiert (1936?), Aquarell, 55,9 x 36,6 cm

Mexiko und 1967 wurde er beim jährlichen „American Art Festival of Shows“ vom Okaloosa-Walton Juni or College in Niceville, Florida, zum Ehrenpräsidenten ernannt. Ab 1968 begann sich Holzhauers Augenlicht zu verschlechtern und eines Morgens im Jahr 1972 musste der Künstler feststellen, dass er die Buchstaben in der Zeitung nicht mehr erkennen konnte. Die Ärzte diagnostizierten eine Ablösung der Netzhaut, rieten aber aufgrund seines Alters von einer Operation ab. Er selbst schrieb folgendes über diese schwere Zeit und die Jahre danach: „Ihre Versicherung, dass ich nie völlig erblinden würde, war nur ein schwacher Trost, bedeutete es doch für mich, nie mehr malen, nie mehr unterrichten, nie mehr Autofahren zu können; auch lange Autoreisen waren mir verboten. Der Schock war groß – aber es ist seltsam, wie rasch man sich zwingenden Lebensumständen, mögen sie auch noch so widrig sein, anpassen kann. Ich stelle immer noch viel aus, natürlich nichts Neues mehr. Aber ich habe genügend ältere Bilder, die ich noch nie gezeigt habe. Auch verkaufe ich noch gut an verschiedene Galerien. Selbst Ehrungen werden mir jetzt noch zuteil. Zurzeit (Mitte Juli 1976) bin ich damit beschäftigt, eine große Ausstellung von Aquarellen und Ölbildern für das Museum der Künste und Wissenschaften in Macon (Georgia) zusammenzustellen. Ich bin darüber sehr glücklich, habe ich in dieser Stadt doch elf Jahre lang unterrichtet. Damit hat sich in gewissem Sinne hier ein Kreis geschlossen. Was ich vor zwanzig Jahren am Schluss meines damaligen Berichtes

geschrieben habe, gilt auch heute noch. Deshalb möchte ich es wiederholen: Reich bin ich nicht geworden, wenigstens nicht reich an irdischen Gütern und nach amerikanischem Maßstab, dafür aber reich an innerer Befriedigung. Was ich mir vom Leben erhofft hatte, habe ich er-

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Brücke, New York (Manhattan-Brücke, N.Y.)/Bridge, New York (Manhattan Bridge, N.Y.), undatiert (1926-1930?), 55,3 x 38 cm

reicht. Ehrgeiz und Neid habe ich schon früh aus meinem Leben verbannt, und nie steckte ich mein Ziel zu weit über die mir gegebenen Möglichkeiten hinaus. Die Einsicht dieser natürlichen Beschränkungen ersparte mir viele Enttäuschungen.“ Als Emil Holzhauer im August 1986 in Niceville starb, hatte sich sein Lebenstraum einer herausragenden künstlerischen Karriere erfüllt. „Holzhauers Courage und Entschlossenheit“, schreibt seine Biografin Audrey Edwards, „hat viele Menschen inspiriert, besonders seine Studenten. Seine Passion für künstlerische Expressionen und seine stets positive Gesinnung reflektieren in all seinen Schöpfungen.“ Einen Großteil seines Werkes – rund 400 Arbeiten und historische Dokumente – vermachte der Künstler dem OkaloosaWalton Junior College, dem heutigen Northwest Florida State College.

Emil Holzhauer nahm in seiner Malerei noch die künstlerische Ästhetik des 19. Jahrhunderts, vor allem die von Van Gogh (1853-90) und Cézanne (1839-1906) mit auf, deren künstlerische Werke er 1913 auf der häufig genannten „Armory Show“ in New York kennen gelernt hatte. Zugleich stand er auch in der Tradition des ersten eigenen nationalen Kunststils der USA: dem Amerikanischen Realismus. Sein Lehrer Robert Henri war einer der Protagonisten und Mentoren dieser Stilrichtung. Er hielt seine Studenten an, sich mit der amerikanischen Lebenswirklichkeit und einer realitätsbezogenen Malerei auseinander zu setzen. Mit eigener Ausdruckskraft und stilistischer Eigenständigkeit folgte Holzhauer dem Realismus Robert Henris. Darüber hinaus zeigt sein Stil Einflüsse des Expressionismus und des Fauvismus. Er malte vorzugsweise Landschaften und Porträts, aber auch Stilleben in Aquarell-, Öl- und Kaseinfarben. Vor allem seine Darstellungen ganz banaler Themen, die ihre Spannung aus dem Zauber des Alltäglichen erhalten, verleihen seiner Kunst Vitalität und Gültigkeit: die Stadtlandschaft New Yorks mit ihren Straßenschluchten, Brücken und Hafenanlagen; das Alltagsleben der einfachen Arbeiter, von Bootsmachern, Fischern oder Sägewerkern, die ihrer Beschäftigung nach gehen; die Häuser und Viertel der Arbeiterklasse; die Hinterhöfe der Schwarzen; die Nüchternheit von Steinbrüchen, Fabrik- und Gleisanlagen. Diese Werke bringen einen zu rückhaltenden und respektvollen Blick ehrlicher Anteilnahme zum Ausdruck, ohne dabei zu romantisieren oder gar zu idealisieren. Durch den Verzicht auf sämtliche anekdotische Züge erscheinen die von Holzhauer dargestellten Szenen zeitlos und universell. Die anfangs noch recht gedeckte Farbpalette des Ma lers wich Ende der 1940er- und zu

Beginn der 1950er-Jahre ausdrucksstärkeren Farben. Sein Stil wurde gleichzeitig weniger realistisch.

AUSSTELLUNG In der ersten Ausstellung außerhalb der Vereinigten Staaten ist Holzhauers Werk nun erstmalig und umfassend im Museum seiner Geburtsstadt zu erleben und stellt den in Europa bislang zu Unrecht wenig bekannten Künstler einer breiten Öf fentlichkeit vor. Mit der Schau „Emil Holzhauer. Amerika – der Traum vom Künstlerleben“ zeigt das Museum im Prediger in Schwäbisch Gmünd bis 11. Juni insgesamt 56 Arbeiten aus allen Schaffensphasen des Malers. Ausgangspunkt bilden ein kleiner Werkbestand aus den Sammlungen des Museums und einige Leihgaben aus Privatbesitz. Ermöglicht wird diese einmalige Begegnung mit dem Œuvre Emil Holzhauers durch die Kooperation mit dem Northwest Florida State College in Niceville, Florida. Das Gros der Werkschau stellen Gemälde und Aquarelle aus deren Besitz. Als Schenkung des Künstlers besitzt das College über 400 Gemälde, Zeichnungen und historische Dokumente Emil Holzhauers und bewahrt dessen künstlerisches Erbe. Der Katalog zur Ausstellung in Schwäbisch Gmünd ist reich bebildert. Literatur: Emil Holzhauer (18871986). Amerika – der Traum vom Künstlerleben, Hrsg.: Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd, 2017 Ausstellung: „Emil Holzhauer. Amerika – der Traum vom Künstlerleben“. Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd, bis 11. Juni 2017 www.schwaebisch-gmuend.de

Fotovermerk: Alle Abbildungen © Estate Northwest Florida State College Permanent Collection, Niceville, Florida


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