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aPrIL 2018

April 2018 · B 1309 | € 7,50 Schweiz CHF 11,50 | Österreich € 8,00 | Be/Ne/Lux € 8,50

SaMMLEr JourNaL

KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN

Über 2.000 Termine

Schätzungen Auktionen Ausstellungen

Glasuren von

Gerda Conitz GEMI

Meisterin der Farben

Karl Schmidt-Rottluff Wegbreiter des deutschen Expressionismus

Peter Behrens

Zum 150. Geburtstag des großen Industriedesigners


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12.03.2018

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03_Inhalt.qxp_SJ Inhalt 12.03.18 16:53 Seite 1

INHALT

RADICAL CHIC von Theresia Peters

PETER BEHRENS von Hans-Jürgen Flamm Titelbild: Verschiedene Vasen mit Glasuren von Gerda Conitz; Fotos: H.-J. Theis

SAMMLER-SERVICE

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MAGAZIN

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MESSETERMINE

16

KARL SCHMIDT-ROTTLUFF

KUNSTMARKT

20

von Anja Iwa

FOTOKUNST

24

AUKTIONSNOTIZEN

38

AUKTIONSTERMINE

54

INSERENTENVERZEICHNIS

58

AUSSTELLUNGSTERMINE

66

GERDA CONITZ

AUSSTELLUNGEN

71

von Dr. Mayako Forchert

LITERATURTIPP

90

VORSCHAU | IMPRESSUM

98

OLAF HOLZAPFEL von Arlett Seidel

AUKTIONSPREISE Distler und Muller Frères

28 30 60 76 82 92

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SAMMLER-SERVICE

Eisvergnügen Gemälde, Ende 19. Jahrhundert

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Das Bild in dem schönen 55 x 45 cm großen Empire-Rahmen ist auf Eichenplatte gemalt. Die Signatur ist trotz langer Suche für mich nicht lesbar. Nach der Reinigung des stark verschmutzten Gemäldes wurde im rechten Hintergrund die französische Flagge sichtbar. Deutet das eventuell auf einen französischen Maler hin? Handelt es sich um eine Winterszene an einem Fluss oder am Meer, und was zieht das Pferd in dem Schlitten vom Eis? Ich hoffe, die Signatur ist von Ihrem Experten lesbar. Dankbar wäre ich auch Franziska Plischka, o. O. für eine Werteinschätzung.

weite Eisfläche eines zugefrorenen Gewässers erstreckt. Das Hauptmotiv des Bildes ist ein von einem Pferd gezogener Lastschlitten, dessen Ladung nicht klar zu erkennen ist. Neben dem Schlitten läuft der Fuhrmann mit einer einfachen Reitertasche. Das Gespann bewegt sich auf die Stadtarchitektur im linken Hintergrund des Bildes zu. Auf der Eisfläche, die sich in der rechten Bildhälfte bis zum Horizont erstreckt, ist ein Zelt, hinter dem sich weitere Figuren, eventuell Schlittschuhfahrer, befinden. Die Flagge am Mast des Zeltes ist eindeutig als niederländisches Hoheitszeichen zu identifizieren und ist nebenbei bemerkt die älteste Trikolore und seit dem niederländischen Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien in Gebrauch. Die Fassaden des Hauses mit gestuftem Giebel, Backsteintechnik und den in hellerem Stein abgesetzten Fensterrahmungen ist ebenfalls typisch für die Niederlande. Es gibt zwei Möglichkeiten im Rahmen einer Schätzung auf Grundlage eines Fotos: Die eine Möglichkeit ist, dass dieses Gemälde Ende des 19. Jahrhunderts entstanden ist. In dieser Zeit waren Motive der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts als vorbildlich für die Kunst empfunden worden und wieder aufgegriffen. Zu diesen Motiven gehört das sogenannte Eisvergnügen, was mit den Schlittschuhläufern aufgegriffen sein könnte und das einfache ländliche Leben. Die zweite Möglichkeit ist, dass es ein dekoratives Gemälde aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist. Hier muss insbesondere die Malplatte untersucht werden, ob sie nachträglich eingefärbt ist oder

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Gemälde Winterszene, wohl Öl auf Platte, Maße 55 x 45 cm, wohl Ende 19. Jahrhundert: Das hier eingesandte Gemälde zeigt eine niederländische Winterszene. Zu sehen ist eine schneebedeckte Uferlandschaft, vor der sich eine

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SAMMLER-SERVICE

andere moderne Verarbeitungsspuren beziehungsweise künstliche Alterungsspuren zeigt. Die Signatur ist auch für mich nicht klar und sinnvoll zu entziffern. Am Wahrscheinlichsten scheint die Leseweise „M. de Caty“ zu sein. Jedoch lässt die künstlerische Qualität auf einen geübten, aber nicht hochklassigen Künstler schließen. Es sind Vereinfachungen und perspektivische Fehler bei den Figuren und der Landschaft festzustellen. Ein solch dekoratives Gemälde ist mit 150 bis 300 Euro für den deutschen Markt zu bewerten. In den Niederlanden ist ein leicht höherer Preis zu erzielen. Sollte es eine moderne Kopie sein, läge der Wert unter 100 Euro.

!

Solch eine Vase sieht man hierzulande nicht so oft. Die ausgefallene Keramikvase wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Japan in der Region Kyoto hergestellt. Auf der Unterseite liest man 仁 清 御 印 „Ninsei ehrenwertes Siegel“ und verweist damit auf den Stil des Ninsei Nonomura, den Begründer dieser Keramik-Stilrichtung, welche allgemein

Georg Ottomeyer, Experte Berlin

Ausgefallenes Stück Keramikvase aus Japan

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Ich würde mich freuen, wenn Sie mir bei der Bestimmung der abgebildeten asiatischen Vase weiterhelfen könnten. Sie ist aus Keramik gefertigt, dürfte wohl über 100 Jahre alt und handbemalt sein, hat eine Beschriftung/Firmensignatur im Boden und ist circa 29 cm hoch Michael Dauner, Aachen und relativ schwer.

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SAMMLER-SERVICE

als Kyo-Yaki oder Kiyomizu-Keramik bezeichnet wird. Die Region rund um die damalige Hauptstadt Kyoto zog talentierte Handwerker an, welche Ware für den Hof, also den Chrysanthementhron anfertigten. Die Chrysantheme hat in Japan eine Vielzahl von Bedeutungen, u. a. Vollkommenheit und Unsterblichkeit und ist ein Nationalsymbol des Landes. Die Vase in Ihrem Besitz ist eher dem japanischen Geschmack verpflichtet, dafür spricht der sparsame Dekor welcher auch unbemalte Flächen zulässt. Die Verarbeitung ist eher nachlässig und die Bemalung flüchtig, das wäre typisch für die Zeit um 1880. Als Wert würde ich etwa 150 bis 300 Euro ansetzen. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg

Unbekannter Entwurf Jugendstil-Bierkrug

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Leider ist es mir bisher nicht gelungen, den Hersteller dieses Kruges zu ermitteln. Auch das Internet war mir keine große Hilfe. Vielleicht haben Sie ja die Möglichkeit, die gewünschten Informationen herauszufinden. Meine diesbezüglichen Fragen sind: Wer war der Hersteller des

Kruges? Wer war der Künstler des Entwurfs? Die Formnummer 114 befindet sich nicht nur am Boden des Kruges, sondern auch noch statt zwischen den Henkelansätzen neben dem oberen Henkelansatz rechts. Vielleicht hilft das bei der Georg Sterkenburgh, Dinslaken Identifizierung des Kruges.

!

Aufgrund des Materials kann man den schönen Jugendstil-Bierkrug sicher einem Hersteller in Höhr-Grenzhausen zuordnen. Eine intensive Recherche in umfangreichen Sammlungen in den USA und Europa blieb leider ohne Erfolg. Es wird sicher einer der üblichen Verdächtigen  im Westerwald sein. Ich vermute Merkelbach & Wick um 1910. Ein bekannter Jugendstil-Entwerfer steht sicher nicht hinter dem Entwurf, dazu ist der Dekor zu uneinheitlich.  Als Schätzpreis kann man 100 bis 150 Euro ansetzen.  Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lündeburg

Schöner Fund Zwei Art Déco-Tassen

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Im Anhang sende ich Ihnen Fotos von zwei von einigen auf einem Flohmarkt erworbenen Mokkatassen. Die ungemarkten weißen Tassen sind m. E. im Art-Déco-Stil handbemalt, zuzüglich Spritzdekor  und mit „FM”, eingebunden in eine Umrahmung, signiert. Da alle Tassen und Untertassen unterschiedlich sind, scheint es sich um Unikate zu handeln. Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, für welche  Künstlerperson  die Signatur steht. Daher meine Fragen: Ist Art-Déco-Handbemalung mit Spritzdekor eine richtige Einschätzung und können Sie die Signatur zuordnen? Und natürlich bin ich auch neugierig, wie hoch der Wert einer dieser Tassen einzuschätzen ist. Monika Heller, o. O.

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Welch schöner Fund! Die beiden Tassen wurden tatsächlich im Stil des Art Déco und auch in der Zeit hergestellt.


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Bei der Technik handelt es sich wohl um Pochoir Malerei, d. h. die Farbe wurde mit dem Pinsel aufgetupft und die entsprechenden Randbereiche durch eine Schablone abgedeckt. In der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre war der ArtDéco-Stil durch Werbung in Zeitschriften, Modejournalen usw. schon international verbreitet, so dass sich eine lokale Zuordnung schwer treffen lässt. Ich vermute, es handelt sich bei „FM" um einen deutschen Porzellanmaler oder Porzellanmalerin, die/der sich etwas durch Hausmalerei dazuverdienen wollte oder arbeitslos geworden war. Die Gestaltung der Tassen ist absolut stilsicher, was auf eine gute Ausbildung schließen lässt. Intuitiv – und das ist reine Vermutung – würde ich im Umkreis von Fraureuth suchen. Die Manufaktur ging 1926 in Konkurs. Als Schätzpreis für die beiden Tassen würde ich zusammen 80 bis 120 Euro ansetzen. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg

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MAGAZIN

Berlinerlebnis Gallery Weekend Berlin Vom 27. bis 29. April präsentiert das 14. Gallery Weekend Berlin Ausstellungen von neu zu entdeckenden sowie etablierten Künstlerinnen und Künstlern in 46 Berliner Galerien. Das Wochenende ist ein Fest der Galerien, bei dem zeitgenössische Kunst an den Orten gefeiert wird, wo sich das Engagement der Galeristen manifestiert: in den Galerien selbst. Die Entdeckung von Künstlern, die nachhaltige Zusammenarbeit und kontinuierliche, weltweite Vermittlung macht die Galerien zu der Anlaufstelle für Kuratoren, Kritiker und Sammler. Diese ganzjährige Arbeit findet ihren Höhepunkt mit dem Gallery Weekend Berlin und seiner einmaligen Verbindung von Kunstausstellungen, Berlinerlebnis und gesellschaftlichem Ereignis. Mehr als 70 Galerien geben Einblick in das aktuelle Kunstgeschehen der Stadt. TELEFON | 030/62736104 INTERNET | www.gallery-weekend-berlin.de

Neues Format

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Deutsche Telekom Hauptstadtrepräsentanz, Jägerstraße 42-44/Ecke Oberwallstraße. (26. bis 29. April) Die nächste „paper positons” findet in München in der Alten Bayerischen Staatsbank, Kardinal-Faulhaber-Str. 1 vom 18. bis 21. Oktober 2018 statt. INTERNET | www.paperpositions.com

paper positions in Berlin Nach dem großen Erfolg von „paper positions” im Mai 2016 im Bikini Berlin wurde die kuratierte Ausstellung 2017 zu einem eigenständigen und neuen Messeformat für Berlin ausgebaut. Während des Gallery Weekend Berlin lädt die „paper positions berlin” internationale Galerien ein, ihre aktuell prägnantesten Positionen aus zeitgenössischer und moderner Kunst mit Fokus auf Zeichnungen und dem Material Papier zu präsentieren. Gezeigt werden Zeichnungen, Kollagen, Scherenschnitte, Texte, Fotografien, Künstlerbücher und Objekte in einem offenen Ausstellungsformat, ohne abgrenzende Kojen. Veranstaltungsort ist die

Gerhard Kassner, 2017, Galerie Nordenhake beim Gallery Weekend Berlin © Spencer Finch, Courtesy the Artist and Galerie Nordenhake Berlin/Stockholm, Foto: Gerhard Kassner

Liebe zur Kunst Art&Antique in der Residenz Salzburg Vissi d’arte, vissi d’amore – „Ich lebte für die Kunst, lebte für die Liebe“, lautet das berühmte Credo von Giacomo Puccinis tragischer Heldin Floria Tosca. Die temperamentvolle Römerin ist Sängerin. Sie liebt Mario Cavaradossi, einen Maler, und das leidenschaftlich. Die ganze Geschichte dazu gibt es heuer zu Ostern im Großen Festspielhaus. Aber auch für die Art&Antique in der Residenz gilt: Ein Leben für die Liebe zur Kunst. Tosca endet bekanntlich tragisch. Die Sache für Kunstliebhaber in der Residenz sieht dagegen viel glücklicher aus. Hier sind es die schönsten Meisterwerke aus Kunst, Antiquitäten und Design, die zum 43. Mal die Gäste der Festspielstadt begeistern. Vom alten Ägypten und der Antike bis hin zur Kunst unserer Tage reicht das breite Spektrum. Hoch im Kurs steht natürlich die Kunst der Wiener Moderne um 1900, als die Metropole ein weltoffenes Epizentrum für Zeitgenossen war. Schiele, Klimt oder Kolo Moser sind nur ein paar dieser großen Namen. Alle drei sind vor hundert Jahren gestorben, was Anlass zur Rückschau gibt, gerade auch in Salzburg, das sich zu den Festspieltagen in einen einzigartigen, weltläufigen Treffpunkt für Kunst und Musik verwandelt. Hier ein Auszug aus der Ausstellerliste: Neben den Stammausstellern sind heuer Dr. Christian Steeb, Smolka Contemporary, Neue Kunst Gallery – Michael Oess, Knauf Jewels und Kunsthandel Hieke neu in Salzburg. Eine Hyazinthe, eine Schüssel, einen blauen Becher und eine kleine Skulptur hat Albert Paris Gütersloh für sein


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12.03.2018

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MAGAZIN

„Stillleben“, arrangiert, das Kolhammer & Mahringer von diesem Vielseitigen und Schillernden der österreichischen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts ausstellen. 1887 in Wien geboren, war er zunächst auch Schauspieler. Max Reinhardt engagierte ihn etwa ans Deutsche Theater nach Berlin. 1909 stellte er dann erstmals Zeichnungen aus, ging als Kunstberichterstatter nach Paris, kam wieder nach Wien zurück, wo er bald zum Kreis um Gustav Klimt, Josef Hoffmann und Egon Schiele zählte. Letzterer hat ihn 1918 auf einem Gemälde verewigt, das heute im Minneapolis Institute of Art hängt. Kurz darauf, im Oktober 1918, raffte dann die Spanische Grippe den erst 28-jährigen Schiele dahin. Ein Sterbedatum, das sich heuer zum 100. Mal jährt und das seine ganze Tragik zeigt, wenn man ein Blatt wie die „Sitzende Frau“, aus dem Jahr 1916 sieht. Es ist eines der Highlights der Messe bei W & K – Wienerroither & Kohlbacher. Im Jahr nach Schieles Tod wurde Paris-Gütersloh erneut porträtiert. Diesmal von Bohuslav Kokoschka. Das war der kleine Bruder des berühmten Oskar, dem anderen großen österreichischen Expressionisten der Epoche. Mit seinem „Blumenstillleben mit Tulpe“ aus dem Jahr 1961, ein Aquarell, ist Oskar Kokoschka in Salzburg, wo er 1953 die „Schule des Sehens“ ins Leben rief, bei Kunsthandel Giese & Schweiger vertreten. Ohne Wasser würden keine Blumen wachsen. Das weiß auch Arik Brauer. „Wasser ist Leben“ heißt sein Ölgemälde auf Holzplatte, das die Galerie Weihergut anbie-

Oskar Mulley, Berggehöft; Art&Antique in der Residenz Salzburg Foto: Kunst und Antiquitäten Wimberger

tet. Brauer zählt zu den zentralen Figuren der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, als dessen Urvater übrigens Paris Gütersloh gilt. Die Natur spielt selbstverständlich vor allem bei Friedensreich Hundertwasser, diesem Einzigartigen der österreichischen Kunst, eine Rolle: 1975 ließ er sich auf ein „Gespräch mit einem Baum“ ein. Was gesprochen wurde, verrät womöglich das 60 mal 70 Zentimeter große Gemälde bei Schütz Fine Art. Vermutlich war Hundertwassers Baum gesprächiger als die schweigende, streng in sich gekehrte „Bäuerin mit Kopftuch“, die ein anderer Kunst-Solitär, Werner Berg, 1947 im Aquarell verewigte (Kunsthandel Kraut). Oskar Mulley musste sich bereits zu Lebzeiten gegen Fälscher wehren. So gefragt waren und sind die Werke des ebenfalls 1891 in Klagenfurt geborenen Malers. Einen großen Teil seines Lebens verbrachte er in Kufstein, gestorben ist er 1949 dann in Garmisch-Partenkirchen. Prachtvoll liegt jedenfalls sein „Berggehöft“, mit dem Kunst & Antiquitäten Wimberger in der Residenz hochalpin aufzeigt. Den anderen großen Meister des Tiroler Berglebens hat Antiquitäten Kunsthandel Freller im Gepäck: Alfons Walde, der nicht nur im gleißenden Schnee spazierende „Bergbauern“ 1936 gemalt, sondern mit „Sonne über Sorasass“ auch eine Skisport-Szene samt lächelnder Schönheit für den Einband von Luis Trenkers gleichnamigem Buch 1953 geschaffen hat. Ebenfalls in der Natur, allerdings in sich gekehrt, sitzt ein „Mädchen im Gras“ bei Kunsthandel Strassner Markus, das Edward Cucuel stimmig verewigt hat. (24. März bis 2. April) Dagobert Peche, Vase, Entwurf 1923 Wiener Werkstätte, H 12 cm; Art&Antique in der Residenz Salzburg. Foto: Galerie Susanne Bauer

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20_23_KM_Fautier.qxp_SJ Redaktion 12.03.18 16:59 Seite 2

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KUNSTMARKT

Jean Fautrier Der Vater der informellen Kunst – Ausstellung in Paris Jean Fautrier wird 1898 als uneheliches Kind geboren. Bis zu seinem zehnten Lebensjahr wird er von seiner Großmutter erzogen, bevor er zu seiner Mutter nach London zieht. Drei Jahre später tritt er in die Royal Academy ein, um dort Malerei zu studieren, dann in die Slade School of Fine Art. Der Drang zu malen ist bei ihm früh ausgeprägt. Nach einer Phase bildlicher Darstellung und ein paar Jahren, die er weitab der Pariser Kreativszene in den Alpen verbringt, kehrt Jean Fautrier im Jahre 1940 nach Paris zurück. Er nähert sich André Malraux, Francis Ponge, Paul Éluard, Georges Bataille und vor allem Jean Paulhan an, der ein wichtiger Verbündeter wird. Aber wenn er auch mit den großen Intellektuellen und Künstlern seiner Zeit verkehrt, hält Fautrier sich doch immer abseits der etablierten Kunstszene. Geburt einer neuen Malerei Während des Krieges beginnt er seine Serie „Otages“ (Geiseln 1943-1945), die er mit einer Kleisterfarbe malt, zu der er Farben und Pigmente mischt. Am Rande der Abstraktion erfindet Fautrier eine neue Form der Darstellung, in der krampfende Körper sich materialisieren. Eine innere Qual erschüttert seine ersten Geiseln, die im Jahr 1945 in der Galerie Drouin in Paris ausgestellt werden: Diese Gemälde zeigen die Exekution von Widerstandskämpfern durch die Nazis. Diese neue Malerei ist

Hans Hartung, T1956-13, 1956 (Sotheby's, Paris, Dezember 2017, Zuschlagspreis 2.250.000 Euro) © VG-Bildkunst Bonn

Jean Fautrier, Untitled (Sotheby's, Paris, Dezember 2017, Zuschlagspreis 108.750 Euro) © VG-Bildkunst Bonn

ebenso faszinierend wie ambivalent: Die scheinbare Weichheit der Farben und Lichter der Leinwand trifft auf die reale Grausamkeit der Welt. Diese und die folgenden Werke (einschließlich der Serie „Partisanen“ aus dem Jahr 1957 als Reaktion auf die Invasion Budapests durch die Sowjets) machen aus dem Künstler einen der Pioniere jener Kunst, die man bald „informell“ nennt. Eine Kunstströmung, die aus der lyrischen Abstraktion stammt und im Jahr 1951 von dem Kunstkritiker Michel Tapié auf den Begriff gebracht wird. Tatsächlich fühlt Fautrier sich zutiefst unabhängig und gibt nicht viel auf die Formel „informelle Kunst“, die man mit seinem Werk in Verbindung bringt. Im Jahr 1950 entwickelt er das Verfahren der „Originaux Multiples“, das ihm ermöglicht, seine Werke in Serie zu produzieren, wobei er die Drucke mit Pastell und Gouache veredelt. Eine avantgardistische Idee, die danach bei vielen Künstlern Anklang findet. Im Jahr 1960 teilt er sich den großen Preis für Malerei der Biennale in Venedig mit Hans Hartung. Vier Jahre später widmet das Musée d'art moderne de la Ville de Paris ihm kurz vor seinem Tod seine erste Retrospektive.

Jean Fautrier, Lignes colorées – tableau à 4 côtés, 1958 (Christie's, Paris, Dezember 2017, Zuschlagspreis 130.000 Euro) © VG-Bildkunst Bonn; Foto © 2017 Christie’s Images Limited


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20_23_KM_Fautier.qxp_SJ Redaktion 12.03.18 16:59 Seite 3

KUNSTMARKT

Hommage Heute wird das kraftvolle Werk Fautriers in Paris mit einer großen Retrospektive von 200 Werken gefeiert. Die Ausstellung des Musée d'art moderne de la Ville de Paris (bis 20. Mai 2018) greift die Retrospektive Jean Fautrier auf, die letzten Sommer im Kunstmuseum Winterthur in der Schweiz stattfand, und erweitert sie. Sie umfasst mehrere Werke des Musée d'art moderne de Paris (das Museum hat eine umfangreiche Fautrier-Sammlung von über 60 Werken), aber auch mehrerer französischer Museen und privater Sammlungen. Fabrice Hergott, Direktor des Musée d'art moderne de la Ville de Paris, nennt Fautrier einen „bedeutenden Maler, der in verschiedenen Epochen Erfolg hatte. Allerdings waren seine Beziehungen zu Händlern unstet, und sein Werkverzeichnis wurde noch immer nicht veröffentlicht. Es wird gerade von Marie-José Lefort vorbereitet.“ Wird diese neue Ausstellung einen Einfluss auf seinen Marktwert haben? Obwohl er einer der höchstbewerteten Künstler der sogenannten Pariser Schule ist, liegt sein Auktionsrekord schon sieben Jahre zurück, und der Markt für seine Werke ist reif für mehr Dynamik. In London wurde in jüngster

Zeit kein bedeutendes Werk bei einer Auktion angeboten, und dies trotz großen Bedarfs. In der Tat wurde der absolute Rekordpreis für den Künstler im Jahr 2011 mit vier Millionen Dollar in London für das große Gemälde „Corps d'otage“ erzielt, ein Werk an der Grenze zwischen Abstraktion und Figuration, das in dem für diese Serie charakteristischen cremigen Rosa gehalten ist (Sotheby's London, 10. Februar 2011). Die Arbeit wurde auf rund eine Million Dollar geschätzt, hat die Prognosen aber um das Vierfache übertroffen, was beweist, wie sehr diese Werke für ihre entscheidende Rolle in der Geschichte der modernen Kunst bekannt sind. Der Markt für Fautrier profitiert von echten Liebhabern, die bereit sind, den Preis für die besten Werke zu bezahlen, aber sich nur ungern Meisterwerke der eigenen Kollektionen abkaufen lassen. Neue Werke vom Format des Corps d'otage wären auf diesem seltenen und schläfrigen Markt zweifellos willkommen. Sie würden dafür sorgen, dass die Preise für Fautrier an der Dynamik teilhätten, die andere Künstler der Schule von Paris derzeit genießen. Nicht zu vergessen ist, dass der Rekord von Hans Hartung im Jahr 2017 mit der großen Abstraktion „T1956-13“ auf mehr als 3,1 Millionen Dollar stieg (06.12.2017, Sotheby's, Paris), und der von Pierre Soulages im Juni 2017 (Sotheby's, Paris) 6,8 Millionen überschritt. Wenn nicht London, dann hat unter dem Eindruck der laufenden Ausstellung vielleicht Paris die Kraft, den Marktwert dieses großen Künstlers zu beleben. QUELLE | artprice.com

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28_29_Radical_Chic.qxp_SJ Redaktion 12.03.18 17:02 Seite 2

Foto kunst Radical chic

Modefotografie von Bourdin, Newton, Marino Von Theresia Peters

Die Helmut Newton Stiftung präsentiert mit der Schau „Guy Bourdin. Image Maker/Helmut Newton. A Gun for Hire/Angelo Marino. Another Story“ in Berlin Arbeiten von zwei der berühmtesten Modefotografen Guy Bourdin und Helmut Newton sowie Aufnahmen von Newtons Assistenten Angelo Marino.

In den 1960er- und 1970er-Jahren revolutionierte Guy Bourdin die Modefotografie ähnlich wie Helmut Newton. Beide arbeiteten für dieselben renommierten Modemagazine, entwickelten neben zeitloser Eleganz in ihren Arbeiten, unabhängig voneinander, auch die Idee des „radical chic“. Während Bourdin ab 1967 in dem französischen Designer Charles Jourdan einen Hauptauftraggeber fand, fotografierte Newton die Kollektionen unterschiedlicher Designer und großer Häuser wie Chanel, Yves Saint Laurent, Thierry Mugler, Mario Valentino oder Blumarine. Dabei gab es in ihrer, dem Zeitgeist verpflichteten Fotografie spannende und überraschende Geschichten zu erzählen. Bourdin und Newton beherrschten dies perfekt. Die Berliner Ausstellung stellt die beiden nun gegenüber.

GUY BOURDIN Unter dem Titel „Image Maker“ sind Aufnahmen von Guy Bourdin zu sehen – insbesondere Werbebilder für Schuhe von Charles Jourdan. Bourdins avantgardistische Fotografien wurden in ganzseitigen Anzeigen veröffentlicht und zählen zu den ikonischen Bildern der 1970er-Jahre: Er präsentierte die Damenschuhe an unüblichen Orten und in formal und inhaltlich überraschenden Kontexten. Mal marginalisierte er seine weiblichen Modelle, um die Schuhe zu exponieren, oder radikalisierte das Frauenbild in makabrer Inszenierung. Dafür nutzte er Überblendungen, Figurenanschnitte, ungewöhnliche Körperhaltungen und vermeintliche Gewaltdarstellungen. All dies erinnert den Betrachter an experimentelle und teils verstörende Darstellungsformen von Surrealisten, die Bourdin ins Zeitgenössische übertrug.

HELMUT NEWTON In Helmut Newtons „A Gun for Hire“ werden vor allem Auftragsarbeiten für Designer präsentiert, die zu-


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nächst in Modebüchern veröffentlicht wurden. Im Mittelpunkt stand selten ein bloßer Modeentwurf, sondern meist auch eine überraschende Parallelgeschichte. Newton realisierte in seinen Mode- und Produktaufträgen häufig Sequenzen. Etwa als Bildgeschichte in Schwarzweiß für Villeroy & Boch (1985), als Farbserie, in der er die italienische Schauspielerin Monica Bellucci in Kleidern von Blumarine ablichtete (1998), oder als Motivreihe für einen Sportmagazinkalender mit Bademodenmodels (2002). Die Models präsentieren sich darin in knappen Bikinis – Newton zeigte sie allerdings nicht am Strand, sondern in der Wüste.

ANGELO MARINO Der kleine, intime „June’s Room“ der Helmut Newton Stiftung ist Freunden und Wegbegleitern vorbehalten – diesmal sind hier Arbeiten von Helmut Newtons ehemaligem Assistenten Angelo Marino zu sehen. Ergänzend zu Bourdin und Newton stellt dieser unter dem Titel „Another Story“ einen individuellen Blick auf seine unmittelbare Umwelt vor. Marino fotografierte auf dem Weg von seinem Wohnort Cannes zu seinem Arbeitsort Monte Carlo, den er mit der Bahn zurücklegt, schnappschussartig mit seinem iPhone: Mitreisende, das Meer, die vorbeirau-

Katalog: „Guy Bourdin. Image Maker“, mit Texten von Shelly Verthime, Matthias Harder, Verlag Assouline, Paris/New York Ausstellung: „Guy Bourdin. Image Maker/Helmut Newton. A Gun for Hire/Angelo Marino. Another Story“. Museum für Fotografie, Berlin. Bis 13. Mai 2018

Von links nach rechts unten: Guy Bourdin, Charles Jourdan, Spring 1976 © Guy Bourdin Estate, 2017; Courtesy Louise Alexander Gallery, Guy Bourdin

Guy Bourdin, Charles Jourdan, 1978 © Guy Bourdin Estate, 2017; Courtesy Louise Alexander Gallery, Helmut Newton

Helmut Newton, Thierry Mugler, Milan, 1998 © Helmut Newton Estate, Helmut Newton

Helmut Newton, Mario Valentino, Monaco, 1998 © Helmut Newton Estate, Helmut Newton

Helmut Newton, Blumarine, Monaco, 1995 © Helmut Newton Estate

Angelo Marino, Another Story, Week 44, Cagnes, 2014 © Angelo Marino

schenden Ansichten aus dem Zugfenster. Es sind amüsante, skurrile und alltägliche Situationen in surrealer Farbigkeit. Chronologisch zu einem Tableau angeordnet sind fünf Bilder, die jeweils eine Arbeitswoche repräsentieren. Insgesamt 52 Panels mit 260 Einzelbildern. Jedes Einzelbild charakterisiert das Unterwegssein an einem Tag in flüchtigen Realitätsschnipseln. Als langjähriger Assistent von Helmut Newton zeigt sich Angelo Marino dabei als genauer Beobachter seiner Umgebung und ergänzt mit dieser aktuellen Werkgruppe aus Mobilphonebildern die Ausstellung um einen ganz neuen Aspekt.


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Ins Glas geschaut Glas Landeshauptstadt Potsdam, Der Bürgermeister/Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte (Hg.): Gläserne Welten – Potsdamer Glasmacher schneiden Geschichte, 182 Seiten, Broschur, zahlreiche Abbildungen in Farbe, Michael Imhof Verlag, Petersberg, 2017, Preis: € 24,95. Der Stein der Weisen wartet zwar noch immer beharrlich darauf, entdeckt zu werden, aber immerhin bescherte die jahrhundertelange Suche danach der Menschheit etliche schöne und nützliche Kollateralprodukte, wie man heute weiß. So landete beispielsweise der Alchemist und Glasmacher Joachim Kunckel (um 1635-1703), nachdem er den säch-

Jagd- und Militärmotive schmücken andere Exemplare oder es zieren sie filigrane Ornamente. Der Katalogteil in dieser Publikation beeindruckt mit zahlreichen Beispielen aus all diesen Kategorien und mehr, nicht zuletzt dank der Qualität der Abbildungen. Die Geschichte der Potsdamer Glashütte erschließt sich aus informativen Beiträgen, die dem Bildteil vorangestellt sind. ISBN 978-3-7319-0572-1

Kommerz Niederländsiche Kunst

sischen Hof in Sachen Goldherstellung unverrichteter Dinge verlassen hatte müssen, bei seinem neuen Auftraggeber den großen Coup. Gold wurde zwar auch am Hof des preußischen Kurfürsten keines produziert, aber Kunckel sollte schließlich die Glasproduktion entscheidend vorantreiben, ganz im Sinne des Landesherrn. Tatsächlich erlebte die Potsdamer Glashütte zu seinen Zeiten ihre Blüte. Insbesondere was die Entwicklung farbigen Glases anbelangte, Goldrubin und Kobaltblau im speziellen, setzte Kunckel Meilensteine. Entscheidenden Anteil an diesem großen Erfolg hatten aber ebenso die dort tätigen Glasschneider, allen voran der Schlesier Gottfried Spiller sowie der vergleichsweise unbekannte Martin Winter. Mithilfe ihrer überragenden Kunstfertigkeiten veredelten sie Pokale, Krüge, Kelche und Gläser und schufen damit beredte Zeugnisse der Vergangenheit. Viele dieser Luxusartikel tragen auf ihren Wandungen Wappen und Herrscherbildnisse, von den Regenten anlässlich großer Feierlichkeiten als Erinnerungs- und Repräsentationsstücke in Auftrag gegeben,

Kaiser, Franz Wilhelm/North, Michael/Baumstark, Kathrin (Hg.): Die Geburt des Kunstmarktes. Rembrandt, Ruisdael, von Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters, 208 Seiten, 150 Abbildungen in Farbe, Hirmer Verlag, München, 2017, Preis: € 39,90. Mitte des 16. Jahrhunderts zählte Antwerpen rund 100.000 Einwohner und war damit die bevölkerungsreichste Stadt Nordeuropas. Schätzungsweise fristeten 300 Einwohner ihr Dasein als Künstler, im Vergleich dazu war das Gewerbe der Bäcker oder Metzger weniger stark vertreten in der Stadt. Strenggenommen existierte der Begriff des Künstlers und was wir heute darunter verstehen damals im hohen Norden jedoch noch gar nicht. Maler, Stecher, Holzschneider etc. waren traditionell noch als Handwerksberufe eingestuft – entsprechend war die Herstellung von Kunst- oder besser gesagt Luxusgütern harter Broterwerb; insbesondere wenn die klassischen Auftraggeber und Mäzene, Kirche und Aristokratie, ausfielen, wie eben dort, musste man neue Wege ersinnen, um die Kunst an den Mann, in diesem Fall den wohlhabenden Bürger, zu bringen. Der bereits erwähnte flo-


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rierende Kunsthandel Antwerpens fand im 17. Jahrhundert, politisch bedingt, in den protestantischen nördlichen Provinzen der Niederlanden seine Fortsetzung und Verfeinerung. Dass gerade diese Ära als das Goldene Zeitalter der Niederlande betrachtet wird, daran haben herausragenden Meister wie Rembrandt, Frans Hals oder van Goyen ganz zweifelsohne entschiedenen Anteil, einen gewissen und nicht ganz unerheblichen Einfluss auf diese immens produktive Phase in der holländischen Kunstgeschichte übte indirekt aber mit Sicherheit auch diese spezifische sozialund wirtschaftsgeschichtliche Konstellation aus, was hier erstmals erforscht wird. ISBN 978-3-7774-2907-6

Hure und Heilige Grafik Kunstmuseum Basel, Mensger, Ariane (Hg.): Weibsbilder – Eros, Macht und Tod um 1500, Klappenbroschur, 232 Seiten, Abbildungen in Farbe und Schwarzweiss, Deutscher Kunstverlag, Berlin, München, 2017, Preis: € 39,90.

Das im Zusammenhang mit Frauen und Kunst gerne bemühte Bonmot, Frauen kämen nur nackt ins Museum – abgesehen natürlich von den vielen, kunstsinnigen Museumsbesucherinnen, die allein in der schieren Anzahl ihren männlichen Artgenossen ganz deutlich überlegen sind – hier trifft es den Nagel auf den Kopf. Den Ausstellungsmachern des Basler Kunstmuseums war die Brisanz dieses Themas sebstverständlich keineswegs fremd, ganz im Gegenteil: Sie hofften, die lebhafte Diskussion, die bereits im Vorfeld teamintern über Inhalt und Titel des Pro-

jekts entbrannte, möge in der breiten Öffentlichkeit eine Fortsetzung finden. Die gezeigten Bilder sowie die Katalogtexte sollten also gleichermaßen Aufklärung und Zündstoff liefern, in diesem Sinne hat sich auch der bewusst provokante sowie zweideutige Titel durchgesetzt. Der Beginn der Sexualisierung, ja nachgerade Dämonisierung der Frau, so ist den Ausführungen zu entnehmen, lässt sich de facto in die Zeit um 1500 datieren. Die Renaissance, eine Ära des gewaltigen Umbruchs in der bildenden Kunst, hatte nicht nur die Zentralperspektive hervorgebracht. Der Akt, männlich oder weiblich, etablierte sich nach den vormals rein religiösen Bildmotiven als neue künstlerische Form. Die von jeher frauenfeindliche Haltung der katholischen Kirche erfuhr neuerdings Unterstützung durch die abstrusen Auslegungen der Hl. Schrift und die kruden Theorien des Dominikanermönchs Heinrich Institutoris, die er im Hexenhammer niedergelegt hat. Wie diese ganz neue Sicht auf die Frau, als Verführerin, die auch nicht davor zurückschreckt den Bund mit dem Teufel einzugehen, um Macht über Männer zu erlangen, wird mit den hier dargebotenen „Weibsbildern“ aus unterschiedlichsten Blickwinkel beleuchtet und dargestellt. ISBN 978-3-422-07430-9

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SAMMLER JOURNAL 05/2018

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Es gilt die Anzeigenpreisliste 1/08 vom 01.11.2008 Bildnachweise links: Thomas Gainsborough, Die Marsham-Kinder © bpk/Gemäldegalerie, SMB/Jörg P. Anders Fürstenberg, Teller und Cloche aus der Gourmetserie Blanc von Mikaela Dörfel


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