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Miteinander

D a s M a g a z i n v o n Ge m e i n s a m l e b e n u n d l e r n e n i n E u r o p a e . V .

G e m e i n sa m Gemeinsam leben & lernen in Europa erhält Niederbayerischen Integrationspreis

fü r I n teg ra ti on Aktionstag für Jungs

Grundtvig Empower-engaged migrants

Impulse aus der Region für Europa

Weihnachtsbasar der Kulturen am ASG Filmfestival "überall dabei"

Tammy Hendrickx blickt zurück


Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis Editorial

Projekte Filmfestival „überall dabei“ Interkulturelle Filmreihe „Starke Frauen“ Integration hilft! Netzwerktreffen Integration des AK Vielfalt und Toleranz Integrationspreis für GLL Weihnachtsbasar der Kulturen am ASG Grundtvig Lernpartnerschaft „EmPower-Engaged migrants“ Ein Blick zurück – Tammy Hendrickx Ein Austauschstudent in Passau Aktionstag für Jungs 2013 Volunteer for families Europäische Partner informieren sich über ehrenamtliches Engagement für Familien

Ausgabe 1 / 2013

Gemeinsam stark für Integration Unter diesem Motto hat der Arbeitskreis „Vielfalt & Toleranz“ unseres Vereins GLL die verschiedensten Institutionen und Vereine Passaus mobilisiert und zu einem Vernetzungstreffen eingeladen. Gemeinsames werden so vorhandene Synergien genutzt und zusammen neue Ideen geformt.

Aktionstag für Jungs: Chance für die Zukunft „Gemeinsam leben und lernen in Europa e.V.“ setzt sich für Chancengleichheit ein. Das betrifft auch Jungs: Ihr Lebensweg sieht es oft nicht vor, dass sie Kontakt zu Berufen in sozialen Bereichen finden. Der Aktionstag für Jungs unter der Federführung unseres Vereins setzt sich dafür ein, dass Jugendliche eine weitere Berufsperspektive haben, bevor sie sich entscheiden müssen.

Weihnachtsbasar der Kulturen Diesen Weihnachtsbasar der besonderen Art organisierten die Schüler des Adalbert-StifterGymnasiums, bei dem die verschiedenen Herkunftsländer der Schüler vorgestellt wurden. Mit großem Eifer und Interesse erkundeten die Teilnehmer die kulturellen Besonderheiten und bestaunten den Basar, der durch verschiedene Dekorationen, Speisen und Selbstgebasteltes zu einem farbenfrohen Erlebnis wurde.

überall dabei – Das inklusive Filmfestival Unter diesem Motto wurden in sechs Dokumentarfilmen Menschen mit Behinderung und dessen Inklusion in die Gesellschaft selbst zum Thema. Verschiedene Organisationen als Filmpaten versuchten in den anschließenden Diskussionen die Auseinandersetzung noch zu intensivieren und so aktiv Barrieren für Behinderte abzubauen, wodurch es zu „magischen Momenten“ kam.

Impressum: Miteinander – das Vereinsmagazin von Gemeinsam leben und lernen in Europa e.V. Herausgeber: Gemeinsam leben und lernen in Europa e.V. , Leopoldstraße 9, 94032 Passau; Telefon: 0851 – 213 2739; Fax: 0851-213 27 39; Mail: sekretariat@gemeinsam-in-europa.de Chefredaktion: Perdita Wingerter; Redaktion: Anastasia Stokes; Grafik: Katharina Grimbs, Franz Szabo; V.i.S.d.P.: Perdita Wingerter, Geschäftsführerin GLL; Miteinander erscheint unregelmäßig. Text- und Bildkopien nur mit Genehmigung. Miteinander ­ das Magazin von


Liebe Leser und Leserinnen,

5 Jahre gibt es unseren Verein „Gemeinsam leben & lernen in Europa“ nun schon. Wir sind unter dem Motto „Gemeinsam mehr erreichen" angetreten, um durch unsere Aktivitäten und Projekte Diskriminierung und Ungleichheiten in Gesellschaft, Bildung und Arbeitswelt zu beseitigen und die Chancengleichheit für alle zu erreichen. Unser Verein engagiert sich für Vielfalt und Toleranz, um Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Rechtsradikalismus keinen Raum zu geben. Darüber hinaus möchten wir das gegenseitige Verstehen und Lernen zwischen den Menschen in Europa fördern. Als wir uns vor 5 Jahren gründeten, konnten sich viele nicht vorstellen, was wir nun wirklich machen – zu theoretisch und verwirrend klingen diese Ziele. Verwirrend sind wir vielen bis heute geblieben – weil wir wirklich alle Themen angehen und ganz praktisch und lebensnah Projekte und Aktionen organisieren. Und der Erfolg gibt uns recht: diese vielfältige Engagement lohnt sich! Gerade wurden wir von der nationalen Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ im bundesweiten Wettbewerb „Ideen für die Bildungsrepublik“ als Preisträger ausgezeichnet – und zwar für unser Projekt „Kinder – Erleben – Kulturen“. Das passt wunderbar zu dem Themenschwerpunkt unserer neuen Mitgliedszeitschrift, der dieses Mal „Integration“ im Fokus hat. Wir bemühen uns, dass Vorurteile gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund abgebaut werden, und fangen da schon im Grundschulalter an, um frühzeitig das Entstehen von Vorurteilen und Stereotypen zu verhindern. Durch

„Kinder – Erleben – Kulturen“ erleben Kinder mit allen 5 Sinnen eine neue Kultur, lernen ein neues Land kennen und begegnen auf spielerische Art einem Menschen anderer Herkunft. Es ist ein gutes Beispiel, wie man Menschen für Toleranz und Vielfalt ganz praktisch sensibilisieren kann. Neben dem Bemühen um eine gesellschaftliche Atmosphäre der gegenseitigen Toleranz und Wertschätzung, liegt uns aber auch die aktive Integration und das „Empowerment“ von Menschen mit Migrationshintergrund uns am Herzen. Wir wollen nicht „für“ Migranten arbeiten (im Sinne: ich helfe dir, du brauchst meine Hilfe – darin ist ja letztendlich auch ein Hierarchiedenken enthalten), sondern „MIT“ Migranten! D.h. wir konzentrieren uns nicht auf scheinbare Defizite und Probleme, sondern machen die Ressourcen, Talente und Potentiale von Menschen anderer Herkunft sichtbar und schaffen neue Möglichkeiten, wie diese sich entfalten können. Migrantinnen und Migranten erhalten durch die Mitarbeit in unseren Projekten die Möglichkeit, sich aktiv gesellschaftlich einzubringen. Wir schaffen Gelegenheiten, wo sie mit anderen ins Gespräch kommen können, über ihre Erfahrungen sprechen und ihr Wissen weitergeben können. Auch ermutigen wir sie, sich selbst ehrenamtlich zu engagieren, z.B. als interkulturelle Trainer für Kinder, als Sprachpate, im interkulturellen Frauentreff, als „Lebendiges Buch“, als Mitglieder oder im Vorstand unseres Vereins und in der Organisation von Projekten zur Förderung von Vielfalt und Toleranz. In diesem Heft finden Sie ei-

Gemeinsam leben und lernen in Europa e. V.

nige konkrete Beispiele unserer vielfältigen Aktivitäten. Integration und „Empowerment“ von Menschen mit Migrationshintergrund ist also nichts Abgehobenes, um das sich nur Politiker/innen kümmern sollten. Jeder kann zum Gelingen von Integration beitragen: •indem wir einschreiten, wenn rassistische Aussagen – und seien sie noch so „harmlos“ fallen, •indem wir ihnen helfen, so schnell wie möglich Deutsch zu lernen und richtig – und nicht in einem grammatikalisch falschen Deutsch mit ihnen reden •indem wir ihnen mit Respekt begegnen und sie z.B. nicht einfach ohne konkreten Anlass duzen •indem wir den Mut haben, Menschen aus anderen Kulturen einfach anzusprechen, Interesse an ihnen zeigen und uns mit ihnen austauschen •indem wir ihnen Brücken in unsere Gesellschaft bauen, z.B. indem ich sie zu einem Vereinstreffen, Konzert, eine Veranstaltung oder ähnliches einlade Es gäbe noch so viel mehr, was jeder Einzelne von uns machen kann – oft sind es nur kleine Schritte. Aber wenn wir uns alle Schritt für Schritt aufeinander zu bewegen, dann braucht es keine Integrationsbemühungen mehr, weil dann ein selbstverständliches Miteinander gelebte Realität ist. Das ist unsere Version und daran arbeiten wir weiter! Perdita Wingerter

Editorial

Editorial


Die Filmpaten 2013:

Rachels Weg

Deaf Jam

Zwillingsbrüder

überall dabei Das inklusive Filmfestival

Schirmherr Konrad Lorenz

Bereits zum vierten Mal organisierte unser Verein zusammen mit den Kinobetreibern Vesper das bundesweite Filmfestival der „Aktion Mensch“ in Passau. Insgesamt waren sechs ausgewählte Spiel- und Dokumentarfilme zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen zu sehen gewesen. Die sechs Filme von „überall dabei“ machen Menschen mit Behinderungen selbst zum Thema: Wie kommunizieren sie, wie nehmen sie die Welt wahr, wie überwinden sie die oftmals gleichen Hürden mit unterschiedlichen Fähigkei-

ten? Aber die Filme stellen auch die Frage: Wie entwickeln wir uns weiter, wie

"Wir haben magische Momente in diesem Filmfestival erlebt"

Perdita Wingerter

verändern wir uns und unsere Gesellschaft? Und zu solchen Diskussionen kam es immer nach den Filmen. Wir hatten zu jedem Film Organisationen als Filmpaten Miteinander ­ das Magazin von


Blind

gewinnen können, die sich für Menschen mit Behinderungen einsetzen und die bei jedem Film anschließend als Diskussionspartner zur Verfügung standen und berichtete wie es Betroffenen hier vor Ort geht und welche Beeinträchtigungen sie erleben. Zugleich wollte das Filmfestival Barrieren für Behinderte abbauen: Durch die weitgehend barrierefreie Organisation konnten auch blinde und gehörlose Menschen per Audiodeskription und Untertitel die Filme genießen. Die jeweils anschließenden Diskussionen wurden zusätzlich von der Gebärdensprachdolmetscherin Sabine Schwarzberg und einem Schriftdolmetscher synchron übersetzt. Und für Rollstuhlfahrer stellte die Lebenshilfe ihre Auffahrrampen zur Verfügung. So konnten auch Blinde, Taubstumme, Rollstuhlfahrer etc. am Filmfestival teilnehmen und sich aktiv an den Diskussionen beteiligen. „Wir haben magische Momente in diesem Filmfestival erlebt: Gebärdende, Blinde, Schwerhörige und NichtBehinderte diskutierten intensiv miteinander – seltene Momente, wo ein Miteinander möglich wurde“, erklärt Perdita Wingerter, Leiterin des Filmfestivals. „Es war eine ganz neue Erfahrung für mich so viele unterschiedliche Möglichkeiten der Kommunikation gleichzeitig zu erleben. Das hat mich sehr beeindruckt,“ resümiert Mitorganisatorin Katharina Grimbs vom Verein GLL. Sie hat auch die begleitende Fotoausstellung „Überall dabei“, die behinderte Menschen aus unserer Region im

Die Kunst sich die Schuhe zu binden

Forum des Cineplex-Forums zeigte, organisiert. Diese gesamte Ausstellung „Überall dabei“ ist bei der nun abschließenden Finissage mit einem interkulturellem Adventskonzert der Linzer Kappelle Franck am 8.12.2012 in der Alten Apotheke in der Löwengrube 1 in Passau zu sehen.

Mit einem begeisternden Auftritt von G-Schülern vor den Besuchern des ausverkauften Scharfrichterkinos endet erfolgreich das inklusive Filmfestival „Überall dabei“. Und als dann noch Judith, eine junge Schülerin mit Downsyndrom, enthusiastisch zu der Musik ihrer Mitschüler tanzte, war die Stimmung auf dem Höhepunkt. Anschließend wurde weitergefeiert und diskutiert. Markus Schedina, ein junger Musiker mit Downsydrom, bezauberte die Zuhörer mit seiner Musik auf dem Keybord.

Gemeinsam leben und lernen in Europa e. V.

Insgesamt war das Filmfestival eine Gelegenheit Inklusion nicht nur theoretisch zu thematisieren, sondern Inklusion unmittelbar und praktisch mitzuerleben. „Dies passiert leider viel zu selten und ich wünsche mir viel mehr Veranstaltungen dieser Art in unserer Region, damit mehr Menschen an solchen Veranstaltungen teilnehmen können!“ erklärte Konrad Lorenz, 1. Vorsitzender des Gehörlosenvereins „Dreiflüsse“ Passau, der als Schirmherr des Filmfestivals an jedem Spieltag mit Begeisterung dabei war. Auch die 8 Filmpaten, Organisationen und Vereine aus der Region und Österreich, zeigten sich sehr zufrieden mit dem gelungenen Festival. „Wir sind natürlich auch gerne beim nächsten Filmfestival wieder dabei“, kündigte Sissi Geyer, 2. Vorsitzende der Lebenshilfe an. „Es war ein schönes Gefühl, auch mal von unser Arbeit und unseren Angeboten sprechen zu können und wahrhaftes Interesse daran zu verspüren“, betonte Josef Wenk, Leiter der Passauer DonauhofWerkstätten. „In Niederbayern gibt es nichts Vergleichbares. Wir können wirklich auch stolz sein, dass es so eine Veranstaltung bei uns gibt,“ betonte Gottfrieda Kues, Fachbereichsleiterin für Wohnen und Tagesstätten im Caritasverband Passau. Mehr Infos zu den Filmbeiträgen: www.passauer-filmfestival.de

Passauer Filmfestival

Mensch 2.0


Es ist nicht immer leicht, sich in einem fremden Land zurecht zu finden: die Sprache an sich, die Kommunikation, das Verhalten, der Umgang miteinander, das Essen - einfach alles ist anders und fremd. Es fällt schwer, sich zurechtzufinden, Freundschaften zu schließen und Menschen zu finden, mit denen man reden kann. In den ersten Jahren ist man viel allein, redet wenig und kommt selten raus. Tammy Hendrickx hat dies selber erlebt, als sie vor einigen Jahren aus Kanada nach Deutschland kam. Sie gründete daher einen Stammtisch für Frauen aus aller Welt. Dort sollen Frauen die Möglichkeit haben, über ihre Erfahrungen und Erlebnisse zu reden - und zwar in einem Kreis von Frauen, die verstehen, wovon man redet. Außerdem kann man anderen von seiner Kultur, seiner Heimat und Familie erzählen bzw. von anderen Ländern und Kulturen etwas lernen. Aber der Stammtisch ist vor allem dazu da, dass man nette Frauen kennenlernt, sich gut unterhält, sich austauscht, lacht, gemeinsam Spass hat und nette Dinge unternimmt.

Starke Frauen

Interkulturelle Filmreihe von „Gemeinsam leben & lernen in Europa“

Der Internationale Frauentreff "Frauen ­ Erleben ­ Kulturen"

Was wahre Stärke eigentlich ausmacht, sind nicht immer nur Muskeln, sondern Taten: Neubeginne und unbekannte Situationen meistern, aus eingefahrenen Konventionen und Traditionen herausbrechen, schwierige Ziele verfolgen und erreichen, mit unerwarteten Schwierigkeiten fertig werden – das ist für die meisten Frauen weltweit Alltag. Der Verein „Gemeinsam leben & lernen in Europa e.V.“ organisiert mit dem Scharfrichterhaus die Filmreihe „Starke Frauen“, um zu zeigen, welche Kraft in Frauen aus aller Welt steckt.

schon seit Jahren einen interkulturellen Frauentreff. „In unserer interkulturellen Filmreihe „Starke Frauen“ zeigen wir Frauen aus unterschiedlichen Ländern, die auf verschiedene Art Stärke beweisen. erklärt Ramona Schreiner, die zusammen mit Perdita Wingerter, der ehrenamtlichen Geschäftsführerin unter Mitwirkung der Frauen vom internationalen Frauentreff die Filmreihe organisiert hat.

Der Verein setzt sich mit vielen unterschiedlichen Aktionen und Projekten für die Chancengleichheit von Frauen und Männern ein. So organisiert der Verein

Die Reihe beginnt mit dem Film „Die Wüstenblume“, der auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman und Weltbestseller von Waris Dirie basiert,

"Starke Frauen machen Mut" Perdita Wingerter

Miteinander ­ das Magazin von


lon arbeiten, haben nur allzu menschliche Probleme zu bewältigen: die aussichtslose Liebe zu einem verheirateten Mann, das Hadern mit dem Älterwerden, die Fürsorge für kranke Verwandte und der Wunsch nach dem eigenem Glück. Die Reihe endet mit dem Drama „Die Fremde“. Der Film handelt von Umay, die aus einem unglücklichen Eheleben in Istanbul ausgebrochen ist und mit ihrem Sohn zurück in Berlin ein selbstbestimmtes Leben führen will. Sie bricht alle Brücken zu ihrer Familie ab, verliebt sich in einen Deutschen und baut für sich und ihren Sohn ein neues Leben auf. Als sie versucht, sich wieder mit ihrer Familie zu versöhnen, erkennt sie nicht, dass es bereits zu spät dafür ist.

Gemeinsam leben und lernen in Europa e. V.

„Wir wollen die Besucher zum Nachdenken anregen und auch zeigen, was Frauen tagtäglich weltweit leisten. Denn „Starke Frauen“ machen Mut!“ ist Perdita Wingerter überzeugt.

Der vom Verein organisierte internationale Frauentreff „Frauen – Erleben – Kulturen“ trifft sich übrigens immer am ersten Freitag im Monat ab 9.30 Uhr im Café Bortolazzi (Passau, Grabengasse 25).

Starke Frauen

die als Nomadenmädchen in der Wüste Somalias aufwuchs, im Alter von 13 Jahren vor einer Zwangsheirat mit einem wesentlich älteren Mann nach Mogadischu floh, Jahre später in einem Londoner Schnellimbiss von einem Starfotografen entdeckt und zu einem der erfolgreichsten Models der Welt wurde. Der zweite Film „Tuyas Hochzeit“ erzählt vom schweren Leben der mongolischen Hirtin Tuya, die alleine eine Schafherde, ihre zwei Kinder und ihren durch einen Unfall behinderten Mann Bater versorgen muss. Im libanesischen Kinohit „Caramel“ beweisen fünf Frauen, dass ein von Krieg zerrüttetes Land ein bisschen Kosmetik gut gebrauchen kann. Die fünf Frauen, die im Layales Schönheitssa-


„Gib es weiter! Integration Integration ist Brückenbauen zwischen Einheimischen und Zuwanderern. Für beide Seiten bieten Integrationsprojekte und Organisationen Hilfe an. Aber oft wissen die einen nicht, wo sie Hilfe bekommen, und die anderen wissen nicht, wie sie helfen können. Das will unser Verein gemeinsam mit der Regierung von Niederbayern ändern und Informationen geben über die Möglichkeiten zur Hilfe und zum Helfen. Beispiele sind ein Sprachpatenprojekt in Straubing, Integrationskurse in Passau und die Migrationsberatungsstelle in Pocking.

Bei dem Aktionsabend unter dem Motto „Gib es weiter!“ stellten sich zudem unter der Moderation von Perdita Wingerter drei außergewöhnliche Menschen vor, die Integration geschafft haben – durch ihren eigenen Einsatz und die Hilfe Anderer. Der Deutsche Kurt Hafen, Can Arslan, dessen alleinerziehende Mutter aus der Türkei kommt, und die ebenfalls aus der Türkei stammende Meral Tekin teilten ihre unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen. In einer anschließenden Diskussion zur Integration, an der sich auch der Regierungspräsident Heinz Grundwald beteiligte, konnten sich Interessierte mit Zuwanderern und Integrationshelfern austauschen und an Informationsständen über die verschiedenen Organisationen mit Hilfen zur Integration beraten lassen.

Regierung von Niederbayern

Kurt Hafen (67 Jahre, Krankenpfleger konnte, gab sie Herrn Hafen im Alter von 6 /- Lehrer für Pflegeberufe in Rente, Wochen in Pflege zur Deutscher) Familie Moser, die ein Fuhrunternehmen in Er wurde als eines von 1500 farbigen Besatzungskindern des Geburtsjahrgangs 1946 in Augsburg geboren. Die Mutter entschied sich gegen alle Widerstände für die Geburt, obwohl sie Alleinerziehende von 2 Kindern war. Weil sie diese nicht alleine nach dem Krieg großziehen

Pichl bei Augsburg hatten. Die Mutter blieb immer in Kontakt, wobei er erst im Alter von 9 erfuhr, dass seine Pflegemutter nicht seine leibliche Mutter ist. Er entschied sich, bei der Pflegefamilie zu bleiben. 1960 begann er 14jährig als erstes farbiges Miteinander ­ das Magazin von


hilft – Hilfen zur Integration!“ 1974 ging er dann nach Freiburg auf das kath. Fortbildungsinstitut für Krankenpflege, um sich 1 Jahr lang zum Lehrer für Pflegeberufe weiterzubilden. Dort lernte er auch seine Frau kennen. 1975 bekam er dann eine Stelle an der Berufsfachschule für Krankenpflege in Passau, wo er bis 2011 als Lehrer und davon ab 1989 als stellv. Schulleiter arbeitete. Mit seiner Frau bekam er 4 Kinder. Von 1970 an, engagierte sich Herr Hafen vor allem im Bereich der Resozialisierung von (ehemaligen) Strafgefangenen. Nach der Geburt der Kinder reduzierte er das Engagement in diesem Bereich und engagierte sich zusammen mit der ganzen Familie für

Can Arslan

von Teppich Domäne. Dort wurde sie vor 18 Jahren in die Filiale nach Neufahrn versetzt und arbeitete dort noch einige Zeit. Dann arbeitete sie bei der Post am Flughafen und bei einer Telekommunikationsfirma in Halbermos. 1997 und 1999 bekam sie ihre beiden Kinder und zog wegen ihres damaligen Lebenspartners nach Passau und war dann erst mal einige Jahre in Erziehungsurlaub. Anschließend besuchte sie einige Kurse der Arbeitsagentur und machte eine Umschulung zur Steuerfachangestellten, jedoch ohne Abschluss. Seitdem versucht sie eine Arbeit zu finden, scheitert aber an ihrem türkischen Pass. Einen deutschen kann sie noch nicht beantragen, da sie von Hartz 4 lebt. 2010 bekam sie in unserem Verein eine

Seine Mutter kam aus der Türkei, ist alleinerziehend. Can hat die Wirtschaftsschule hier in Passau beendet und hat gerade seine Ausbildung zum Industriekaufmann bei Eterna-Hemden begonnen. Er spielt seit Jahren im Fußballverein in Schalding, hat viele Deutsche in seinem Freundeskreis, ist ehrgeizig.

Meral Tekin (45 Jahre, arbeitssuchend, Türkei)

Frau Tekin wurde in Kandira in der Türkei geboren. Mit 9 kam sie mit ihren Eltern nach Hamburg, wo sie erfolgreich die Realschule abschloss. Sie machte eine Ausbildung zur Arzthelferin und arbeitete auch 2 Jahre in dem Beruf. Anschließend arbeitete sie als Sachbearbeiterin bei der LVA Krankenkasse und in einem Reisebüro und am Ende im Verkauf

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Asylbewerber. Er leitete einige Jahre einen kirchlichen Jugendchor, singt seit über einem Jahrzehnt beim Gospelchor der katholischen Studentengemeinde Passau. Er gibt Konzerte und singt auch auf Hochzeiten, Taufen, Vernissagen und ähnlichen Feierlichkeiten. Herr Hafen hat in seinem Leben viele Menschen gefunden, die ihn unterstützt, gestärkt, bestätigt und gefördert haben, war im Alltag aber immer wieder auch rassistischen Angriffen ausgesetzt, hatte aber immer die innere Stärke, sich dadurch in seinem positiven Denken nicht beeinflussen zu lassen.

Arbeitsgelegenheit für 6 Monate. Sie arbeitete 2011 als „Freiwilligendienstlerin aller Generationen“ und seit diesem Jahr als Bundesfreiwilligendienstlerin in unserem Verein weiter. Sie macht Engagementberatungen für interessierte Bürger und Eurodesk-Beratung für junge Menschen. Außerdem bietet sie ab und zu interkulturelle Schulungen für Kinder an und begleitet unseren interkulturellen Frauentreff.

I n teg rati on s veran s tal tu n g

Besatzungskind, die Lehre als Maschinenschlosser bei MAN in Augsburg. Dort arbeitete er nach der Lehre 2 Jahre. Er musste dann 1966 zur Bundeswehr und konnte nicht verweigern und wollte daher die Ausbildung zum Sanitäter machen. Trotz einiger interner Widerstände konnte er dort in Donauwörth die Ausbildung zum Sanitäts-Unteroffizier machen, nachdem er sich auf 4 Jahre verpflichtet hatte. Ab 1970 arbeitete er im Kreiskrankenhaus Donauwörth, nach dem er dort ohne Problem als Krankenpfleger eine Stelle zur Weiterbildung zum OP-Pfleger und -Instrumenteur bekommen hatte.


Gemeinsam stark

Der Arbeitskreis „Viel Vernetzungstreffen Über 30 Personen drängten sich an diesem Abend Ende Januar in den Workshop-Raum. Sie alle waren mit einem gemeinsamen Ziel gekommen: Vorhandene Synergien zu nutzen und zusammen neue Ideen zu generieren. Unter diesem Motto hat der Arbeitskreis „Vielfalt & Toleranz“ unseres Vereins die verschiedensten Institutionen und Vereine Passaus mobilisiert und zu einem Vernetzungstreffen eingeladen. Ob VHS, die Agentur für Arbeit, das Asylcafé oder etwa Vertreter des Landkreises Passau – sie kamen alle. „Das Interesse an dem Workshop war überwältigend!“, meint Julia Bindrich, die gemeinsam mit Johanna Niederhofer den Workshop organisiert und moderiert hatte. Beide arbeiten ehrenamtlich im Verein. Insgesamt brachte das Vernetzungstreffen eine Vielzahl an neuen kreativen Projektideen zustande und sowohl Teilnehmer als auch Organisatoren waren mit den Ergebnissen mehr als zufrieden. Rund vier Monate nach dem Vernetzungstreffen können wir bereits erste Ergebnisse bestaunen: alle beteiligten Flüchtlingsorganisationen haben beispielsweise die Veranstaltung zum Anlass genommen, zu einem eigenen Vernetzungstreffen einzuladen, um die Zusammenarbeit und die Kommunikation

untereinander zu intensivieren. Zudem gab das Treffen den Anstoß zu einem interkulturellen Frauentreff, der seit April 2012 wöchentlich in den Räumen der Katholischen Studentengemeinde unter dem Dach des Asylcafes e.V. stattfindet. Das Treffen soll insbesondere Asylbewerberinnen mit oder ohne Kindern die Möglichkeit geben, mit deutschen Frauen ins Gespräch zu kommen, gemeinsam zu kochen und Deutsch zu lernen. Des weiteren sind die Planungen für Schulungen gegen All-

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für Integration

tagsrassismus sind in vollem Gange. Auch die online gestützte Datenbank für Migranten wird sehr wahrscheinlich für die VHS Passau und Freyung-Grafenau erstellt. Wir freuen uns über den Erfolg des Vernetzungstreffens und wollen auch in Zukunft als Plattform fungieren, um kreative und fördernde Projekte für die Integration von Migranten in unserer Region zu unterstützen. Insgesamt brachte das Vernetzungstreffen eine Vielzahl an neuen kreativen Projektideen zustande und sowohl Teilnehmer als auch Organisatoren waren mit den Ergebnissen mehr als zufrie-

den. Rund vier Monate nach dem Vernetzungstreffen können wir bereits erste Ergebnisse bestaunen: alle beteiligten Flüchtlingsorganisationen haben beispielsweise die Veranstaltung zum Anlass genommen, zu einem eigenen Vernetzungstreffen einzuladen, um die Zusammenarbeit und die Kommunikation untereinander zu intensivieren. Zudem gab das Treffen den Anstoß zu einem interkulturellen Frauentreff, der seit April 2012 wöchentlich in den Räumen der Katholischen Studentengemeinde unter dem Dach des Asylcafes e.V. stattfindet. Das Treffen soll insbesondere Asylbewerberinnen mit oder

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ohne Kindern die Möglichkeit geben, mit deutschen Frauen ins Gespräch zu kommen, gemeinsam zu kochen und Deutsch zu lernen. Des weiteren sind die Planungen für Schulungen gegen Alltagsrassismus sind in vollem Gange. Auch die online gestützte Datenbank für Migranten wird sehr wahrscheinlich für die VHS Passau und Freyung-Grafenau erstellt. Wir freuen uns über den Erfolg des Vernetzungstreffens und wollen auch in Zukunft als Plattform fungieren, um kreative und fördernde Projekte für die Integration von Migranten in unserer Region zu unterstützen.

Netzwerktreffen 201 2

falt & Toleranz“ hat zum eingeladen (von Julia Bindrich)


Was ist der Niederbayerische Integrationspreis? Der Integrationspreis der Regierung von Niederbayern zeichnet Personen, Gruppen, Vereine, Initiativen und Projekte aus, die einen nachhaltigen Beitrag zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund leisten. Die Ausschreibung findet jährlich unter einem anderen Motto statt. Unser Verein GLL erhielt den Integrationspreis unter dem Motto „Gemeinsam mehr erreichen“. In diesem Jahr wurden die besten Brückenbauer Niederbayerns ausgezeichnet. Mit verschiedenen Aktionen und Projekten versucht unser Verein Menschen mit ausländischen Wurzeln und Einheimische so zusammen zu bringen, dass beide Parteien bestmöglich davon profitieren. GLL wurde dabei als einer der fünf besten Vereine gewählt, die sich besonders erfolgreich dafür einsetzen Migranten das Leben in der Region zu vereinfachen und Unterstützung in allen Bereichen zu bieten sowie Einheimische mit den fremden Kulturen vertraut zu machen. Die Vereinsmitglieder setzen sich mit Angeboten wie dem internationalen Frauentreff oder Projekten wie „Kinder – Erleben – Kulturen“ erfolgreich dafür ein Chancengleichheit für alle Menschen zu fördern.

Gemeinsam leben & lernen in Europa erhält Niederbayerischen Integrationspreis Einen internationalen Frauentreff, monatliche Freizeitaktivitäten für Migrantinnen und ihre Familien, eine Online-Informationsplattform für Migranten, interkulturelle Workshops für Kinder, grenzüberschreitende Projekte, interkulturelle Filmreihen und –festivals, einen Handywettbewerb zum Thema Toleranz, Vermittlung und Qualifizierung von Migranten ins bzw. fürs ehrenamtliche Engagement, einen Handyfilmwettbewerb – das sind einige der Projekte, die der Verein „Gemeinsam leben und lernen in Europa“ in den letzten drei Jahren durchgeführt hat.

v. l. n. r. : Ankie Visschers, Toni Fischer, Perdita Wingerter, Reg.­Präs. Heinz Grunwald

„Integration ist eines unserer zentralen Anliegen“, erklärt Toni Fischer, Vorsitzender des Vereins. „Wir sind stolz auf unsere Projekte, aber auch darauf, dass Migranten selbstverständlich auch bei uns im Verein als Mitglieder, aber auch im Vorstand aktiv sind.“ Miteinander ­ das Magazin von


ren vertraut gemacht haben. „Ich freue mich, dass das Engagement von Frau Wingerter und das besondere Engagement des Vereins auf diesem Gebiet mit einem niederbayerischen Integrationspreis ausgezeichnet werden kann“, verkündete der niederbayerische Regierungspräsident Heinz Grunwald. Weiterhin wurden aus Passau „Akademigra“, ein Theaterprojekt des bfz Passau sowie die Deutsch-Türkische-Gesellschaft ausgezeichnet. Die Auszeichnung und das damit verbundene Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro freut natürlich Perdita Wingerter. „Das Geld können wir gut gebrauchen, um unsere Miete zu zahlen, aber auch für unsere

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N i ed erbayeri s ch er I n teg rati on s prei s

Dieses Engagement hält auch MdL Bernhard Roos für unterstützenswert. Er ist daher nicht nur Mitglied geworden, sondern hat den Verein und die ehrenamtliche Geschäftsführerin Perdita Wingerter auch für den Integrationspreis Niederbayern vorgeschlagen. „Ich habe Frau Wingerter aufgrund ihres herausragenden Engagements für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in der Region Niederbayern vorgeschlagen. Der Verein kämpft unter der Leitung von Frau Wingerter gegen alltägliche Diskriminierungen, indem er ein lebenslanges Lernen fördert und begleitet, aber auch Opfern von Diskriminierungen aktiv zur Seite steht und diese Erfahrungen in hervorragenden Sensibilisierungs- und Aufklärungsmaßnahmen verarbeitet und zur Bekämpfung diskriminierender Tendenzen in unserer Gesellschaft ganz gezielt nach außen trägt.“ Das überzeugte auch die Regierung von Niederbayern, die mit dem Integrationspreis örtliche und regionale Initiativen honorieren und anerkennen möchte, die sich erfolgreich dafür einsetzen, dass Menschen mit ausländischen Wurzeln in der Region Fuß fassen und Einheimische mit fremden Kultu-

Integrationsprojekte. Es ist ein tolles Gefühl, dass anerkannt wird, was wir vor Ort leisten.“ Wie wichtig diese Art von Arbeit aber auch für die Migranten selbst ist, wurde ihr bei einem Treffen vor zwei Wochen bewusst. „Wir redeten allgemein darüber, was man tun kann, damit sich Migranten aktiver in die Gesellschaft einbringen können. Varsha, eine Inderin, erklärte uns, dass all die Bemühungen von Migranten, die fremde Sprache zu lernen, sich vor Ort zu engagieren, sich zu integrieren, ins Leere laufen, wenn die ansässigen Menschen sie nicht willkommen heißen und nicht bereit sind, sie wirklich aufzunehmen.“ Sie hat daher eine Botschaft an alle: „Integration kann nicht verordnet oder per Gesetz beschlossen werden. Integration lebt davon, dass wir als Menschen im Alltag ganz selbstverständlich mit Migranten arbeiten, lernen und leben. Und wenn Sie Ihr Herz öffnen und Begegnungen zulassen, werden Sie ganz phantastische Menschen kennenlernen, mit denen Sie mehr gemeinsam haben, als Sie vielleicht vermuten!“


„Es ist ein tolles Gefühl, dass unter unserer Verantwortung so etwas Großartiges entsteht, an dem sich alle Altersstufen beteiligen.“ Manuel Kreis, Max Schmeller und Lukas Mautner

Jeder hat super mitgemacht, war interessiert. Das hatten wir gar nicht erwartet. Und das fast ohne Hilfe der Lehrer!“ Thomas Fritsch

Weihnachtsbasar der Kulturen am ASG

Zu einem Weihnachtsbasar der besonderen Art luden die Schüler des Adalbert-Stifter-Gymnasiums am letzten Schultag vor den Ferien. Unter dem Motto „Wir sind bunt“ hatten die Arbeitsgruppe SOR-SMC (Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage), die Tutoren und die SMV über zwei Monate hinweg Hand in Hand gearbeitet und zusammen mit den Schülern der 5. bis 7. Jahrgangsstufe das gelungene Projekt auf die Beine gestellt. Ziel war es, die verschiedenen Herkunftsländer der Schüler, die sich nahezu über den gesamten Globus verteilen, vorzustellen und diese Vielfalt an Kulturen der Schulfamilie bewusst zu machen. Das Engagement und das Talent der Schüler, die unermüdlich planten, organisierten, Rezepte austauschten und natürlich auch nachkochten, mündeten in einen Vormittag voller überwältigender Eindrücke, was sich im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt machte: 1700 Euro gehen an den Verein „Gemeinsam leben und lernen in Europa“, der sich für Chancengleichheit, Toleranz und Integration in Gesellschaft, Bildung und Arbeitswelt einsetzt. Das Geld wird in die zahlreichen Projekte des Vereins fließen, eins davon ist auch in Zusammenarbeit mit dem ASG geplant. „Wir möchten Integrationskurse für Kinder anbieten“, erklärt die Geschäftsführerin, Frau Perdita Wingerter. „Dazu sollen Schüler die Patenschaft für Kinder mit Migrationshintergrund übernehmen und ihnen helfen, sich in der Schule zurecht zu finden.“ Im Frühjahr 2013 beginnt die Planungsphase, in der an den verschiedenen Bildungseinrichtungen nach vorhandenen Möglichkeiten, bereits laufenden Aktionen

etc. Ausschau gehalten wird. Für den Verein sei es ganz besonders wichtig, Gegebenheiten zu nutzen und auf die individuellen Bedürfnisse aller Beteiligten einzugehen. Nur so könne wirklich jeder etwas dazu beitragen, allen Menschen eine Chance zu geben. Dass sich die Schüler dies bereits zu Herzen genommen hatten, bewiesen sie mit der Energie, der Kreativität und der Sorgfalt, mit der sie die Klassenzimmer und Flure dekorierten, lautstark ihre Backwaren, Tortillas, Frühlingsrollen und Crepes anpriesen, deren köstlich-appetitlicher Geruch nach kürzester Zeit durch die Gänge und Stockwerke waberte und einem das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Dazwischen verkauften die Kinder selbst Gebasteltes: internationale Weihnachtskarten, mexikanische Pinata – mit Süßigkeiten gefüllte Pappmaché-Kugeln, die mit geschlossenen Augen zerschlagen werden mussten, australische Briefbeschwerer und und und. Spitzenverdiener der zwölf Klassen war die 7c, die mit 340 Euro 20% des Gesamtgewinns erwirtschaftete. Hoch zufrieden zeigten sich auch AG-Leiterin Dr. Nadiane Kreipl und das jugendliche Organisatoren-Team. Den ganzen Donnerstag hatten die Tutoren Manuel Kreis, Max Schmeller und Lukas Mautner aus der 9c bei „ihren“ Klassen verbracht, Plakate gestaltet, Stände aufgebaut und Lospreise gebastelt und sie waren von ihren Schützlingen sehr angetan. Für Thomas Fritsch von SOR-SMC aus der 10b war besonders faszinierend, „dass die Kleinen sich so für das Projekt begeistern! Und er lässt keinen Zweifel daran, nächstes Jahr gibt es eine Neuauflage. Miteinander ­ das Magazin von


„Als ich heute aufgeräumt habe, habe ich den Sticker „Passau ist bunt“ gefunden. Ich erinnerte mich: damals, am 3.1.2009, habe ich mit Perdita in der Nibelungenstraße, etwas unterhalb des Büros gestanden und überall die Schilder „Passau ist bunt“ gesehen. Und ich fragte mich, wo ist Passau bunt? Ich sehe nur lauter weiße Leute.“ Zur Erläuterung: Zwischen 200-300 Rechtsextremisten hatten an dem Tag eine Demonstration in Passau unter dem Motto „Gegen polizeiliche Willkür und Medienhetze“ im Fall Mannichl angemeldet und zogen durch die Innenstadt. Tammy Hendrickx und Perdita Wingerter befanden sich bei den ca. 1.000 Gegendemonstranten, um gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren. „Für mich hat so ein Satz „Passau ist bunt“ die Bedeutung, dass es verschiedene Kulturen und Menschen verschiedener Hautfarbe gibt zu tun.“ Und mitten in dieser Gegendemonstration entstand die Idee, in unserem Verein etwas anzubieten, dass verschiedene Kulturen zusammenbringt, wo Menschen mit verschiedener Hautfarbe und Herkunft sich begegnen und wo Passau ein bisschen sichtbar bunter wird.“ Und aus dieser Idee wurde Realität. Noch im gleichen Monat wurde der internationale Frauentreff „Frauen – Erleben – Kulturen“ gegründet, wo sich einmal im Monat Frauen aus aller Welt begegnen und auch gemeinsame Aktivitäten, wie z.B. Ausflüge, Kinobesuche, Teilnahme an Veranstaltungen etc. unternommen wurden. Highlight war sicher auch die gute Zusammenarbeit mit dem Internationalen Frauentreff aus Linz. Gegenseitige Besuche vertiefte die Freundschaft auch über Grenzen hinweg. Sogar ein Benefizkonzert der Tammy beim internationalen Linzer Franckkapelle konnte zustande kommen. Aber Tammy HenFrauentreff drickx war auch noch anderweitig aktiv: neben der Arbeit im Vorstand half sie bei den zahlreichen Veranstaltungen, v. a. den interkulturellen Filmreihen und –festivals mit. „Mittlerweile ist Passau bunter für mich“, erzählt Tammy. „Und da ich jetzt weggehe, habe ich noch mal einen anderen Blick für die Stadt und die Menschen bekommen und sie neu für mich positiv entdecken können.“ Und was war für sie das Wichtigste in unserem Verein? „Gerade Migranten brauchen jemanden, der ihnen sagt: Mach mit! Wir brauchen jemanden, der von hier kommt, der dich an die Hand nimmt und dir Mut macht, mitzumachen. Und genau diese Erfahrung habe ich im Verein gemacht.“

Gemeinsam leben und lernen in Europa e. V.

Tammy Hendrickx blickt zurück

Tammy Hendrickx blickt zurück


Lernpartnerschaft EmPower-Engaged

Integration und Engagement für

„Es war wirklich eine tolle Erfahrung all diese unterschiedlichen Menschen kennen gelernt zu haben, die alle spannende Geschichten aus ihren Ländern und Leben erzählen konnten. Ich bin sicher, dass so Ergebnisse entstehen werden, mit denen man in Zukunft arbeiten kann.“ Krisztina Lantos

Migranten nehmen ihre persönlichen Erfahrungen, ihr Wissen und ihre besonderen Begabungen mit in ihre neue Heimat. Allerdings werden diese Fähigkeiten nicht immer anerkannt oder genutzt. Um diese Problematik zu diskutieren und gute Projektbeispiele für das aktive Engagement von Migranten in der Gesellschaft aufzuzeigen, haben sich die drei Partner aus Deutschland, Österreich und Finnland im Rahmen der Grundtvig Lernpartnerschaft „EmPower-Engaged migrants“ zusammengefunden. Vom 15. Bis 16. November 2012 fand die erste gemeinsame Study Visit der Teilnehmer in der österreichischen Kulturmetropole Linz statt. Projektkoordinator ist unser Verein Gemeinsam leben und lernen in Europa (GLL) unter der Leitung von Perdita Wingerter, weitere Teilnehmer sind die finnischen Partner der Organisation „Kuopion Setlementti Puijola ry Monikulttuurikeskus Kompassi“ sowie Vertreter des Berufsförderungsinstituts Oberösterreich. Im Fokus stehen Projekte, die Migranten aktiv beteiligen, zur Mitwirkung sowie zu aktivem Engagement in der Gesellschaft auffordern und damit zur sozialen Integration von Migranten beitragen. „Gemeinsam wollen wir die Situation der

Migranten in den unterschiedlichen Ländern diskutieren und die jeweiligen Projekte für aktives Engagement für und mit Migranten als ‚best practices‘ des eigenen Landes vorstellen“, erklärt Perdita Wingerter. Die Österreichischen Partner zeigten verschiedene Beispiele für gelungene interkulturelle Gespräche und Begegnungen zwischen Migranten und der örtlichen Bevölkerung auf. Zunächst wurde jedoch der „country report“ der BBRZ-Gruppe, der die typische Situation für Migranten in Österreich sowie deren Aufenthalts- und Arbeitssituation im Land beinhaltet, vorgestellt und diskutiert. Hier wurde deutlich, wie wichtig es ist, Projekte für Migranten in ihren Alltag zu integrieren und Vorurteile ihnen gegenüber abzubauen. Krisztina Lantos, Ehrenamtliche im Verein GLL, war von dem aktiven Austausch der drei Länder sehr beeindruckt: „Es war wirklich interessant zu sehen, wie sich die Mitglieder aus drei verschiedenen Organisationen und Ländern ausgetauscht haben. Die Diskussionen waren sehr lebhaft und jeder konnte seine Meinung vertreten.“ Sie war zudem überrascht, wie viele Themen in so kurzer Zeit diskutiert wurden und freut sich über die weitere Miteinander ­ das Magazin von


migrants

Planung und gute Zusammenarbeit für den weiteren Verlauf der Grundtvig-Lernpartnerschaft. Um einen aktiven Einblick in die Projekte in Österreich zu erhalten, besuchten die Partner einige dieser direkt vor Ort. Als „best practice“-Beispiele wurde dabei zunächst das Angebot des bfi Oberösterreich vorgestellt, der kostenlose Lehrgänge in Form des Hauptschulexternistenkurses HEX zum Nachholen des Pflichtschulabschlusses anbietet. Dabei durften sich die Lernpartner bei dem Besuch einer Klasse direkt mit den Schülern und Mitarbeitern austauschen. Zudem wurde die Produktionsschule Leonding besucht, welche arbeitslosen Jugendlichen die Möglichkeit zur Arbeit in ihren Werkstätten ermöglicht, sowie das Migrare Kompetenzzentrum erkundet, zu dessen Angeboten unter anderem ein Beratungszentrum und verschiedene Projekt- und Kompetenzangebote zählen. Am zweiten Tag des Treffens wurde das Projekt „Haus der Begegnung“ beschrieben, das ein sehr

gutes regionales Projekt in einer ländlichen Gegend Österreichs darstellt. Die beiden Initiatorinnen Mirjami Ledermüller und Gerlinde Freller-Steindl präsentierten den Partnern ihr Konzept: Das Haus dient als kreativer Treffpunkt im Ort für Migranten oder jeden Anderen, der sich aus irgendeinem Grund isoliert fühlt. Das Haus bietet die Möglichkeit zum Basteln und kreativ werden, zudem kann es als Ausstellungsort und zum Abhalten verschiedener Seminare und Workshops genutzt werden und soll allgemein zu einem positiven Austausch der Mitbürger beitragen. Als weiteres spannendes „best practice“ Modell wurde das Projekt „Kulturlotsinnen Linz09“ detailliert vorgestellt und diskutiert. Zwölf Frauen mit migrantischem Hintergrund haben im Jahr 2009 die Ausbildung zur Kulturlotsin gemacht. Sie führen nun Einheimische und Touristen durch zwei Stadtteile rund um die von Migranten bewohnte Wienerstraße und zeigen ihnen dabei diese faszinierende Stadt aus ihrer persön-

Gemeinsam leben und lernen in Europa e. V.

lichen, individuellen Perspektive. Dadurch können die Interessierten direkte und unkonventionelle Einblicke in das Leben, die Wahrnehmungen, Sichtweisen und Erfahrungen von Migrantinnen erhalten. So kann es zu einem besonderen interkulturellen Dialog zwischen Kulturlotsinnen und den Besuchern kommen, der dem „Nebeneinander“ der Menschen verschiedener kultureller Hintergründe aktiv entgegenwirkt. Das Projekt wurde bereits mit der Auszeichnung „Austrian Edult Education“ gekürt und wird momentan bereits auf Italien, Spanien, Frankreich und Portugal übertragen. Um diese Erfahrung direkt zu erleben, wurden die Projektteilnehmer daher selbst Teil einer solchen etwa 90-minütigen Stadtführung, die inzwischen vom Verein für interkulturelle Begegnung und Kulturvermittlung (ibuk) organisiert wird. Von den Kulturlotsinnen Bogdana Florescu und Andrea Grgic wurden sie durch Linz geführt und erhielten so den direkten Einblick in das Projekt.

EmPower-Engaged migrants

aktives und mit Migranten


PASSAU:

Ein Bericht von Xavier Larue

Meine Entscheidung nach Passau zu gehen lag auch daran, dass ich mich schon seit Langem sehr dafür interessiere Bayern näher kennenzulernen.

„Die bayerischen Menschen haben mich vor allem durch ihre vielfältigen Aktivitäten und ihre Lebensfreude beeindruckt. “

Der 22-Jährige Xavier Larue aus der Hafenstadt Rouen in der Normandie Frankreichs hat sein Erasmus-Jahr in der bunten Drei-Flüsse-Stadt Passau verbracht. Im Rahmen seines Praktikums bei dem gemeinnützigen Verein „Gemeinsam leben und lernen in Europa“ erzählt er von seinen vielfältigen Eindrücken über sein Studium an der Universität Passau, das Passauer Leben, die bayerische Kultur und die Offenheit der bayerischen Leute.

Letztes Jahr habe ich mich dazu entschieden während meines Studiums im Rahmen des Erasmus-Programms ein Jahr in Deutschland zu verbringen. Ich hatte zunächst die Wahl an der Universität in Gießen, Bochum, Graz oder Passau zu studieren. Da ich die anderen Regionen aber bereits kannte und mir Passau interessanter erschien, entschied ich mich mein Studium der „European Studies“ in der kleinen Drei-Flüsse-Stadt an der Grenze zu Österreich zu absolvieren. Meine Entscheidung nach Passau zu gehen lag auch daran, dass ich mich schon seit Langem sehr dafür interessiere Bayern näher kennenzulernen. Vor allem die ansprechende Lage Passaus, inmitten von bekannten Städten wie München, Regensburg, Nürnberg, Prag, Salzburg, Linz, Wien und Budapest im Umkreis von ca. 500 km hat mich gereizt. Passau bietet einen guten Anschluss an viele schöne bayerische Städte, aber auch an den Rest Deutschlands und darüber hinaus die Möglichkeit schnell und einfach einen Besuch im deutschen Ausland zu machen. Schon seit langer Zeit wollte ich also das

bayerische Land und die bayerische Kultur erfahren. Dank des Erasmus-Programms hatte ich nun endlich die Gelegenheit Bayern persönlich zu entdecken. Als ich in Passau ankam wurde ich sehr herzlich empfangen und schon nach kurzer Zeit habe mich gut integriert gefühlt, u.a. dank der Leistungen der Universität und der studentischen Vereinigungen. Schnell habe ich die Stadt und das bayerische Umland für dessen Kultur, Architektur, die leckere Küche und den sehr herzlichen Empfang schätzen gelernt. Besonders aufregend finde ich die Region des Alpenvorlands mit seinen schönen Seen, Wäldern und Flüssen. Vor allem das Schloss Neuschwanstein und das Oktoberfest haben mir sehr gut gefallen. Auch die Kostüme und die bayerische Küche haben es mir sehr angetan. Darüber hinaus ist Passau eine malerische Stadt mit Architektur im italienischen Barockstil, wie etwa der Passauer Dom, oder die „Veste Oberhaus“, die die Stadt und das DreiFlüsse-Eck dominiert, und Klöstern in anderen schönen Baustilen. Es ist daher auch sehr angenehm mit Familie oder Miteinander ­ das Magazin von


eine einladende und sympathische Stadt Ein weiterer Aspekt, weshalb ich Deutschland als mein Reiseziel ausgewählt habe, ist, weil mir dieses Land auf wirtschaftlicher, aber vor allem auf universitärer Ebene sehr ansprechend erscheint. Bezüglich der Universität Passau denke ich, dass der Campus wirklich modern ist: Die Dienstleistungen sind von guter Qualität, es gibt viele Arbeitsräume, PC-Pools, Studenten-Verbände, ein Sportzentrum mit einem breit gefächerten Angebot und eine Mensa mit gutem Essen. Die Universität Passau ist modern und einladend, sie bietet diverse Dienstleistungen und ist effektiver gegenüber meiner Universität in Rouen. Hier in Passau werden darüber hinaus mehr und vielfältigere Aktivitäten angeboten und es gibt außerdem viel mehr Vereine für Studenten am Campus Passau als in Rouen. Ich finde diese Angebote sehr interessant, da man durch sie eine Menge anderer unterschiedlicher Kulturen kennenlernen kann. Zudem liegt die Universität direkt neben dem Inn und ist von einen wunderschönen Landschaft umgeben, weshalb dort immer eine gute Stimmung herrscht.

Sehr gut finde ich auch die Einführung des Semestertickets durch die Kooperation der Universität mit den regionalen Bussen der Stadtwerke Passau. Von diesem Angebot profitieren die Studenten wirklich sehr. So etwas gibt es bei uns in Rouen leider nicht, jedoch sind Züge und Busse im Allgemeinen in Deutschland auch teurer als in Frankreich. Passau bietet darüber hinaus die Möglichkeit vielfältige Praktika zu absolvieren. Ich wollte dieses praktische Angebot nutzen und habe schließlich im Laufe meines

mich vor allem durch ihre vielfältigen Aktivitäten und ihre Lebensfreude beeindruckt. Wenn ich Fragen hatte oder Hilfe benötigte, wurde mir sofort geantwortet und mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Die Menschen in Passau empfand ich als aktiv, fröhlich und sympathisch und auch fleißiger als an meiner Universität. Sie erscheinen mir außerdem offener und hilfsbereiter als die Leute in Rouen, die eher reserviert sind. Abschließend kann ich nur sagen, dass ich mich hier in Passau sehr wohl gefühlt habe. Passau ist für

Auslandsjahres ein ehrenamtli- mich eine Stadt mit hoher Leches Praktikum im gemeinnützi- bensqualität, in die ich sehr gerne gen Verein „Gemeinsam leben zurückkehren will. und lernen in Europa“ absolviert. Während diesem konnte ich so Erfahrungen aus Frankreich weitergeben und habe wiederum viel wertvolles Wissen sammeln und neues Lernen können sowie meine Deutschkenntnisse verbessert. Die bayerischen Menschen haben

Gemeinsam leben und lernen in Europa e. V.

Xavier Larue

Freunden einfach in Passau spazieren zu gehen. Passau ist zu jeder Jahreszeit schön und idyllisch. Es gibt in der DreiFlüsse-Stadt außerdem drei örtliche Brauereien, deren Biere relativ lecker sind. Dieses wird in den vielen gut besuchten Kneipen serviert, die mit ihrer positiven Atmosphäre einladen.


Der „Aktionstag für Jungs“ in Stadt und

Soziale Jobs sind Mädchenberufe Ron Stephan in der Caritas Tagesbetreuung für Senioren in Hauzenberg

„Es gehört zum Teil auch viel Mut dazu, am Aktionstag für Jungs allein teilzunehmen. Ich habe z.B. ungeheuren Respekt vor Manuel Klein. Er war der einzige Junge am Leopoldium, der am Aktionstag teilgenommen hat. Aber er wollte einfach mal den Alltag in einem Kindergarten erleben.“ Perdita Wingerter

Am 25. April 2013 fand parallel zum Girls' Day bereits zum dritten Mal bundesweit der Boys' Day statt. Ziel der Initiative ist es, Jungen neue Wege und vielfältige Perspektiven für ihre individuelle Berufs- und Lebensplanung aufzuzeigen. Der Aktionstag für Jungs in Stadt und Landkreis Passau hingegen feiert bereits sein siebenjähriges Bestehen. Jungen aus der Stadt und dem gesamten Landkreis Passau erkundeten Einrichtungen wie Kindergärten, und Seniorenheime oder auch Berufsschulen für pflegerische Berufe. Einen Tag lang begleiteten sie die Mitarbeiter und gingen ihnen zur Hand. Kfz-Mechaniker, Elektroniker, Anlagenmechaniker, Maler und Lackierer – die Liste der Wunschberufe von Jungs ist lang. Dagegen tauchen Berufe wie Kindergärtner oder Altenpfleger in ihr so gut wie nie auf. Statistiken zeigen, dass Jungen ihren Beruf aus einem begrenzten Spektrum wählen – Neigungen und Chancen werden oftmals vernachlässigt. „Das sind doch Mädchenberufe und nichts für Männer!“ ist die gängige Fehleinschätzung der Jungen. Um den Jungen einige neue Perspektiven

für ihre Berufswahl zu eröffnen, organisierte der gemeinnützige Verein Gemeinsam leben und lernen in Europa e.V zum 7. Mal den „Aktionstag für Jungs“ für Stadt- und Landkreis Passau. Parallel zum dritten bundesweiten Boys’ Day hatten Jungen so die Möglichkeit, im Zuge eines Tagespraktikums Berufe aus dem sozialen, pflegerischen oder erzieherischen Bereich hautnah kennen zu lernen. Die praktischen Erfahrungen der Arbeit in regionalen Kindergärten, Altenheimen, sozialen und pflegerischen Einrichtungen sowie Hilfsdiensten sind besonders wertvoll für die zukünftige Berufs- und Lebensplanung der Jungs. „In Krippen, Kindergärten und Grundschulen fehlen vielen Kindern männliche Bezugspersonen. Kinder sind überwiegend nur von Frauen umgeben, daher müssen wir aktiv werben, um dem Erziehermangel entgegenzuwirken“ so Frau Knoth, die Leiterin des Innstadt Kindergartens. „Erzieher ist ein Beruf, der einem zufliegt. Das ist kein Job, sondern eine Berufung!“ ist Claudia Roth, Leiterin des Altstadtkindergartens überzeugt. „Nur gibt es leider viel zu wenige Erzieher, dabei gehört auch ein Miteinander ­ das Magazin von


Landkreis Passau ging in die siebte Runde

KEINE reinen

ten ganz zu schweigen. Der vielzitierte Fachkräftemangel verheißt glänzende Zukunftsaussichten für junge Männer. Daher sind Aktionen und Projekte wie der „Aktionstag für Jungs“ wichtig, um diesem Ungleichgewicht entgegen zu wirken und den Jungen neue Zukunftsperspektiven zu bieten. Die Chance am Aktionstag teilzunehmen hat auch Daniel L. aus Neustift genutzt. „Ich wollte mal einen anderen Beruf ausprobieren, nicht nur Handwerk und so“, erzählt er. Und als seine Lehrerin vom Aktionstag berichtete, wollte er mit anderen vier Mitschülern dabei sein. „Ich wollte in den Kindergarten, hier gefällt mir vor allem das Spielen mit den Kindern. Am Anfang war ich etwas nervös, aber als ich mich hinsetzte, spielte schon gleich das erste Kind mit mir.“ Und seitdem klebten Trauben an kleinen Kindern an ihm.

Gemeinsam leben und lernen in Europa e. V.

Ähnliche Erfahrungen machte auch Andreas im Kindergarten St. Josef. Auch er wurde von den kleinen Kindern umlagert: „Das ist ganz schön anstrengend, wenn die Kinder so anhänglich sind. Aber es macht auch viel Spaß. Ich könnte mir schon ganz gut vorstellen mal in einem solchen Beruf zu arbeiten!“ Auch Lukas und Maximillian von der Mittelschule Hauzenberg wollten mal was Anderes ausprobieren und einen nicht typischen Männerberuf kennenlernen. Bei pro familia erfuhren sie viel über den Beruf eines Sozialpädagogen und über den Alltag in der Beratung und in der sexualpädagogischen Arbeit. In der Altenpflegeschule der BAP hingegen konnten Christoph und Dominik aus Hauzenberg z.B. vier Männer kennen lernen,

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"Volunteer to learn"

männlicher Part in den Kindergarten. Sie können genauso gut wie Frauen eine wichtige Rolle bei der Hege, Pflege und der Bildung von Kindern haben. Dabei haben Männer einfach eine andere Position und finden andere Zugänge zu Kindern.“ Auch im Bereich der Altenpflege werden dringend Männer gebraucht, zumal hier hohe physische Belastbarkeit gefragt ist. Ein Leiter eines Seniorenheims merkt hierzu an: „Wir haben bei unseren Bewohnern einen hohen Männeranteil. Diese wünschen sich mehr Betreuung durch männliche Mitarbeiter.“ Die Arbeit in sozialen Einrichtungen gilt nach wie vor als Frauendomäne. Dabei wird oft vergessen, welche Chancen hier auch Jungen geboten werden. Die körperliche und physische Belastung in der Pflege beispielsweise erfordert durchaus "echte Männer", von den Anforderungen in einem Kindergar-

Daniel Bailey im Rosenium in Grubweg

Grundtvig Lernpartnerschaft Aktionstag für Jungs

Tom Moser im Rosenium in Grubweg


Jonas Sexlinger im Kindergarten Oberdiendorf

Grundtvig Lernpartnerschaft

"Volunteer to learn"

„Das ist ganz schön anstrengend, wenn die Kinder so anhänglich sind. Aber es macht auch viel Spaß. Ich könnte mir schon ganz gut vorstellen mal in einem solchen Beruf zu arbeiten!“ Andreas

Seit zwei Jahren ist der Boy´s day auch Bundesweit aktiv. Weitere Informationen finden Sie unter:

www.boys-day.de

die die Ausbildung zum Altenpfleger machten. Altenpflegeschüler Andreas hat den Beruf über Sozialstunden kennengelernt. „Von dem Beruf hatte ich vorher keine Vorstellung gehabt. In einem Altenheim leistete ich meine Sozialstunden ab. Das hat mir wirklich gefallen und dann habe ich ein Jahr den Bundesfreiwilligendienst in einem Altenheim gemacht und danach einen Altenpflegekurs besucht. Das wurde mir alles angerechnet und ich konnte im 2. Lehrjahr beginnen.“ Auch Matthias war über Umwege in den Beruf gelandet. „Vorher habe ich als Baumaschinenmechaniker gearbeitet, das hat mir gar nicht gefallen. Man steht die meiste Zeit dann doch nur an einer Maschine und die Arbeit ist recht eintönig.“ Matthias wollte nicht zur Bundeswehr und machte stattdessen den Zivildienst in einem Altenheim. Und der Umgang mit den alten Menschen machte ihm viel Freude. „Man fühlt, dass sie einen brauchen und ich will schließlich im Alter auch mal gut versorgt werden.“ Da seine Chefin sehr zufrieden mit ihm war, schlug sie ihm vor, doch eine Ausbildung in dem Beruf zu machen. Dass man in dem Beruf auch gute Karrierechancen haben kann, erfuhren die Jungen

von Herrn Gottfried Rauch, Pflegedienstleiter am Malteserstift: „In der Altenpflege hat man gute Berufs- und Karriereaussichten, da der Bedarf nach qualifizierten Pflegekräften steigt. Und gerade Männer haben gute Chancen, weil es einfach so wenige gibt. Außerdem ist der Verdienst im Vergleich mit vielen Berufen wie z.B. Koch auch nicht so schlecht. Und über die Karrieremöglichkeiten wissen auch die wenigsten Bescheid.“ „Mit dem Aktionstag bekommen die teilnehmenden Jungen die Möglichkeit, Vorurteile gegenüber ihnen unbekannten Berufen abzubauen, Erfahrungen in sozialen Berufsfeldern zu sammeln und damit neue Wege und vielfältige Perspektiven für ihre individuelle Berufs- und Lebensplanung zu gewinnen“, erklärt Perdita Wingerter, die den Aktionstag initiiert hat. Doch dieses Vorhaben umzusetzen und Jungen diese Chance zu ermöglichen, ist gar nicht so einfach. Allein 800 Stunden Arbeit stecken in der Organisation des Aktionstags. „Dieses Jahr haben 135 interessierte Jungen zwischen 12 und 17 Jahren teilgenommen. Dafür haben wir 95 Betriebe gesucht, um den Interessierten

Miteinander ­ das Magazin von


einen schul- oder wohnortnahen Praktikumsplatz zu organisieren“, erläutert Verena Hosbach vom Verein. Vor allem die Zusammenarbeit mit den Schulen will gut koordiniert sein. Dieses Jahr haben die Mittelschulen aus Fürstenzell, Hauzenberg, Passau-Neustift, Pocking, Salzweg und Tittling mitgemacht sowie die Realschule in Hauzenberg und das Gymnasium Leopoldium. Vor allem die höheren Schulen sehen oft keinen Bedarf, ihren Schülern die Chance zu geben, am Boys’ Day teilzunehmen. „So meinte ein Schulleiter, dass die Mädchen ja schon am Girls’ Day teilnehmen, das sei ja wohl genug“, berichtet Ramona Scharl vom Organisationsteam. Vor allem viele Gymnasien sind der Meinung, dass diese Berufe für ihre Schüler nicht interessant seien. Doch da ist Perdita Wingerter anderer Meinung: „Es geht um Chancengleichheit. Es gibt viele

Manuel Klein im Kindergarten Thyrnau

interessante Berufe im sozialen, pflegerischen und erzieherischen Bereich – auch mit Studium. Und Jungen sollten die Chance bekommen, diese für sich zu entdecken, denn schließlich gibt es kaum Männer, die ihnen das vorleben. Doch Männer als Altenpfleger, Kindergärtner, Grundschullehrer und Sozialpädagogen sollten keine Ausnahme, sondern selbstverständlich im Alltag der Kinder, Jugendlichen und älteren Menschen sein!“ Seit einigen Jahren wird der Aktionstag auch von Heinz Fuchs, Leiter des staatlichen Schulamts Passaus unterstützt: „Das Besondere am Boys Day ist, dass dieser eine Tag bei den Jungs meist einen großen Eindruck hinterlässt. Neben der Achtung vor der verantwortungsvollen und oft auch körperlich schweren Arbeit in sozialen und pflegerischen Berufen wächst auch der Respekt vor dem Alter und

Gemeinsam leben und lernen in Europa e. V.

alten Menschen im Allgemeinen, wenn sie nur ein paar Stunden persönlichen Kontakt zu Ihnen hatten.“ Unterstützt wurden die Organisatoren zudem unter anderem von der Stadt und dem Landkreis Passau, der Sparkasse Passau, den Rotariern, der Abteilung Arbeit und Qualifizierung der Stadt Passau, der Agentur für Arbeit Passau und dem Regionalmanagement des Wirtschaftsforums der Region Passau. Die Jungen freuten sich nicht nur über einen Tag außerhalb des normalen Schulalltags, viele machten am Aktionstag ihre ersten praktischen Erfahrungen im sozialen Bereich und waren anschließend positiv überrascht. Sie erlebten den Umgang mit kleinen Kindern, Senioren oder Behinderten hautnah. So interessant und anspruchsvoll hatten sie sich die „Frauenberufe“ nicht vorgestellt. Eben auch etwas für „echte Männer“.

Aktionstag für Jungs

Simon Lehfeldt im Katholischen Kindergarten Wegscheid


Impulse aus der Europäische Partner informieren sich Die Parnter aus Portugal, Italien und der Türkei sind sehr interessiert an den vielfältigen Angeboten des Kinderschutzbundes Passau, wie etwa dem Familienpaten-Projekt, der Familienhilfe oder dem Angebot der Kinderstube.

Brigitte Pollok-Will informiert die interessierten Gäste über die Arbeit des FamilienLeben im Familienzentrum Vilshofen. In den gemütlichen Räumen des FamilienTreff erfahren sie über deren vielfältiges Angebot für Familien.

Wie kann ehrenamtliches Engagement Familien in Not unterstützen? Mit dieser Frage beschäftigen sich seit knapp zwei Jahren die Partner aus Lissabon, Istanbul, Mailand und Passau in der europäischen Lernpartnerschaft „Volunteers for families“. Ziel der Partnerschaft ist es, sich europaweit über nachhaltige Projekte und Initiativen auszutauschen, in denen das Ehrenamt Familien unterstützt. Zu einem weiteren Treffen hat die ehrenamtliche Geschäftsführerin unseres Vereins, Perdita Wingerter, ihre Kooperationspartner aus den drei Ländern nach München und Passau eingeladen, um ihnen einige effektive Praxisbeispiele aus der Region zu präsentieren. Am ersten Tag wurden die 15 Gäste im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen von den Referatsleitern Herr Höcherl vom Referat Familienförderung und von Dr. Franke vom Referat Bürgerschaftliches Engagement empfangen. Diese präsentierten wie die Staatsregierung Familien und das ehrenamtliche Engagement in Bayern fördert. Die Gäste waren überrascht zu hören, dass z.B. nächstes Jahr ein Zusatz in der bayerischen Verfassung aufgenommen wird, nach dem der Staat und die Gemeinden verpflichtet werden, den ehrenamtlichen Einsatz für das Gemeinwohl zu unterstützen. Aber auch bayerische Initiativen wie die

Ehrenamtscard, der Ehrenamtsnachweis oder die Ausbildung von Familienpaten stießen bei den Teilnehmern auf großes Interesse. „Wie läuft denn so eine Ausbildung eines Familienpaten praktisch ab und welche Aufgaben übernehmen die Ehrenamtlichen in den Familien?“ wollte Catherina Sousa von der nationalen portugiesischen Familienorganisation ANJAF wissen. Diese Fragen beantworteten ihr schließlich in Passau Evi Buhmann und Andrea Kreuzpaintner vom Kinderschutzbund Passau, der Familienpaten ausbildet und diese dann an Familien in Not vermittelt. Der Verein hatte die vielfältigen Angebote des Kinderschutzbundes bereits als gutes Beispiel für Miteinander ­ das Magazin von


Region für Europa ehrenamtliches Engagement für Familien eingebracht und die Partner wollten sich nun auch vor Ort ein Bild machen. „Ich bin wirklich überrascht, wie vielfältig das Angebot von Ehrenamtlichen für Familien ist“, erklärte Fatma Genc Ünay, von der türkischen „International Women and Family Association“. Sie geht inspiriert nach Istanbul zurück und möchte dort ähnliche Angebote starten. Als erstes möchte sie mit der Ausbildung von Babysittern anfangen – die entsprechenden Infomaterialien wird sie sich übersetzen lassen. Die europäischen Partner wollten darüber hinaus vor allem auch das Netzwerk FamilienLeben und das Familienzentrum in Vilshofen kennenlernen, da Perdita Wingerter diese Initiative schon letztes Jahr bei einer europäischen Freiwilligenkonferenz in Florenz als gutes und nachahmenswertes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement vorgestellt hat. Die Gäste machten also einen Abstecher nach Vilshofen, um sich über diese Initiative zu informieren und das dortige Familienzentrum zu besichtigen. Im FamilienTreff

wurden sie herzlichst von Brigitte Pollok-Will empfangen und mit einem leckeren Büffet überrascht, das die Abteilung Ernährung und Versorgung der Berufsschule liebevoll hergerichtet hatten. Die Besucher erfuhren über die Entstehung des Netzwerkes FamilienLeben und die vielfältigen Angebote für Familien. Zudem

„Ich bin wirklich überrascht, wie vielfältig das Angebot von Ehrenamtlichen für Familien ist“

Fatma Genc Ünay

wurden viele Fragen der interessierten Gäste beantwortet. Aber auch von den vielfältigen ehrenamtlichen Projekten des Vereins „Gemeinsam leben & lernen in Europa“, wie z.B. der Ehrenamtsplattform Tatennetz, der ehrenamtlich organisierten Engagementberatung oder dem neu gestarteten Sprachpatenprojekt, und den Gesprächen mit Freiwilligen des Vereins waren die Partner angetan. „Die Projekte und Freiwilligenarbeit sind sehr gut und interessant. Ich bin wirk-

Gemeinsam leben und lernen in Europa e. V.

lich sehr beeindruckt wie engagiert die Deutschen sind und wie viele Ehrenamtliche es hier gibt“, erklärte Sofia Silva von ANJAF. „Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man das auf Portugal übertragen kann. Die Kultur der Ehrenamtlichenarbeit ist ganz anders: es gibt kaum Ehrenamtliche, da die Leute stetig auf der Suche nach Arbeit sind und hoffen bald anfangen zu können, weshalb sie dann lieber gar nichts machen.“ Pina Madami, Präsidentin von Pari & Dispari aus Mailand war zudem positiv überrascht, mit welcher Professionalität Ehrenamtsprojekte in Deutschland umgesetzt werden. Aber auch von der Region und den Menschen waren die Gäste begeistert. „Die Leute in Bayern sind anders als der Rest von Deutschland“, findet Marina Cavallini aus Mailand. „Sie sind hier sehr freundlich und haben als einzige in Deutschland ein eher mediterranes Gemüt.“ Und Fatma Ünay ist so angetan von der Stadt und der Sympathie der Leute, dass sie sich ernsthaft überlegt, ob sie ihre Promotion vielleicht in Passau machen soll.

Volunteers for Families in Passau

über ehrenamtliches Engagement für Familien

Miteinander Ausgabe 6 (Juni 2013)  

Das Magazin von Gemeinsam leben und lernen in Europa e.V.

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