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THEMA

Wenn die vorgeschriebenen Abgaben abgeliefert werden, können die neuen Vermietungsmodelle eine sinnvolle Möglichkeit sein, neue Gäste anzusprechen.“ Christine Holzweber, Bürgermeisterin von Eisenerz

mus auf die Sprünge zu helfen und vielleicht sogar leerstehenden Gebäuden wieder neues Leben einzuhauchen? „Wir wollen, dass Airbnb-Gäste die positiven und authentischen Erfahrungen vor Ort erhalten, die sie von einer Buchung bei einem Gastgeber über Airbnb auch erwarten, unabhängig davon ob sie in einer Großstadt oder einer ländlichen Region Zeit verbringen“, meint man bei Airbnb. Und: „Viele traditionelle Übernachtungsbetriebe wie Ferienwohnungen oder Bed & Breakfasts in strukturschwachen Regionen nutzen Airbnb als Vertriebsweg, um eine jüngere, digitale und internationale Zielgruppe zu erreichen und auch in der Nebensaison eine hohe Auslastung zu erzielen.“ Christine Holzweber, Bürgermeisterin von Eisenerz, eine der am stärksten schrumpfenden Gemeinden Österreichs, ist da deutlich skeptischer. „Wenn die vorgeschriebenen Abgaben abgeliefert werden, können die neuen Vermietungsmodelle eine sinnvolle Möglichkeit sein, neue Gäste anzusprechen. Wenn das aber nicht der Fall ist, halte ich solche Plattformen nicht für unterstützenswert.“ Auch sie kritisiert, dass Infrastruktur genutzt wird, aber vielfach keine Abgaben entrichtet werden. Wenn leerstehende Wohnungen für touristische Nutzung umgebaut werden, könne das eine gute Chance sein – „Aber es muss korrekt ablaufen. Es kann nicht sein, dass Zweitwohnsitze regelmäßig für einige Tage vermietet werden, ohne dass die Gäste gemeldet werden.“ Tourismus als Mittel, um verwaiste Gebäude neu zu nutzen, hat man in Eisenerz bereits entdeckt. Das sogenannte „Erzberg Alpin Resort“ entstand aus einer früheren Wohnsiedlung. „Von den Betreibern werden alle Abgaben bezahlt. Ob sie auch eine Buchungsplattform nutzen, weiß ich nicht“, Bürgermeisterin Holzweber. (Ein Blick auf die Airbnb-Website zeigt: Ja).

Zentrale Anlaufstelle für die Gäste ist die DorfRezeption. Dort erfolgt dann neben der Buchung, auch Check-in und Check-out sowie die gesamte Gästebetreuung.

Dezentrales Hotel als Alternative

E

in Modell, um den Entzug von Tourismusabgaben einen Riegel vorzuschieben, hat man im niederösterreichischen Mitterbach gefunden. In der im südlichen Mostviertel gelegenen Gemeinde war man mit Privatzimmern gut bestückt, viele Vermieter waren aber bereits in die Jahre gekommen und wollten sich den Arbeitsaufwand mit Gästen nicht mehr antun. Als Lösung fand man das „DorfResort“, ein „dezentrales Hotel“ nach italienischem Vorbild. Bei dem aus den 1980er-Jahren stammenden Konzept „Albergo diffuso“ werden Unterkünfte zentral verwaltet, vermarktet und betreut, es gibt eine gemeinsame Rezeption in zentraler Lage. „Die Vermieter können entscheiden, ob sie nur mehr den Wohnraum zur Verfügung stellen oder eben auch noch andere Tätigkeiten, wie eben das Reinigen, übernehmen“, erklärt Bürgermeister Alfred Hinterecker. Zusatznutzen: „Das Modell dämmt den Pfusch ein.“ Zentrale Anlaufstelle für die Gäste ist die DorfRezeption. Vier Betriebe haben sich entschlossen, komplett an das DorfResort auszulagern: Dort erfolgt dann neben der Buchung, auch Checkin und Check-out sowie die gesamte Gästebetreuung. Derzeit hat man rund 160 Betten zur Verfügung. Die Nächtigungszahlen steigen ständig: Während es in der Sommersaison 2016 nur 280 Nächtigungen gab, waren es 2017 bereits 1031.

Die Vermieter können entscheiden, ob sie nur mehr den Wohnraum zur Verfügung stellen oder eben auch noch andere Tätigkeiten.“ Alfred Hinterecker, Bürgermeister von Mitterbach und Initiator des „dezentralen Hotels“ KOMMUNAL 03/2018 // 11

Kommunal 3/2018  
Kommunal 3/2018  
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