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Ihre Familienzeitschrift für die Region

Sommer 2011

Viel unterwegs:

Der Sommer kommt – und mit ihm die Ferien. Freizeittipps für die ganze Familie

KULTUR

ERZIEHUNG

HAUSTIERE

REPORTAGE

Das Leben führt Regie: Zwei Filmemacher verarbeiten ihre ungewöhnlichen Familiengeschichten.

Liebe & Hiebe: Mit einem Bruder oder einer Schwester macht alles doppelt Spaß – auch streiten.

Spuren hinterlassen: Tiere gehören zur Familie. Entsprechend schwer fällt der Abschied.

Der Weg ist das Ziel: Eine sechsköpfige Familie fuhr 1.401 km in den Urlaub – mit dem Fahrrad.


editorial

Wer gehört eigentlich zur Familie? Wer gehört eigentlich zur Familie? Diese Frage stellt sich in der zweiten Ausgabe unserer FamilienPackung. Sie wird nicht erst dann interessant, wenn es darum geht, ein Erbe zu verteilen. Immer schon war sie aktuell, in Zeiten von Patchwork-Familien hat sie eine neue Wendung bekommen. Zwei junge Filmemacher haben diese Frage zum Anlass genommen, die Geschichten ihrer Familien und ihres bisherigen Lebens aufzuarbeiten. Den einen führt die Route seiner Spurensuche bis in die Berge des Himalajas – er ist Sohn eines indischen Gurus und einer schwäbischen Hippiebraut. Für den anderen hat die Beschäftigung mit seiner Familiengeschichte während der Dreharbeiten ganz existenzielle Formen angenommen. Völlig unerwartet erfährt er, dass es noch einen dritten Vater in seinem Leben gibt. Gehören Haustiere zur Familie? Nicht nur Kinder, auch viele Erwachsene beantworten diese Frage mit einem klaren „Ja“. Dies gilt auch über den Tod des treuen Familienhundes oder der geliebten Hauskatze hinaus. Wie in manchen Familien heute Abschied vom Haustier genommen wird – darüber lesen Sie in der neuen Ausgabe der FamilienPackung. Manche mögen es abstreiten – zumindest wenn Ärger und Wut über den Streit noch schwelen: Auch die nervige kleine Schwester oder der doofe große Bruder gehören zur Familie. Ein Trost für die geplagten Eltern: Dass sich Geschwister mitunter oft und sehr lautstark streiten, ist ganz natürlich. Wir haben Experten dennoch um Rat gefragt, wie man Zeter und Mordio aus dem Kinderzimmer ein bisschen eindämmen kann. Und weil es jetzt auch endlich Sommer wird, haben wir Tipps zusammengestellt, wie man mit der ganzen Familie – mit Kind und Kegel, Hund und Katze, Nachbarn und Freunden – schöne Ausflüge in die Region unternehmen kann. Museum, Freizeitpark, Wanderung oder Schifffahrt? Es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Ihre „FamilienPackung“-Redaktion EDITORIAL | 03


Titelthema aUSFLUGSZIELE FÜR DIE FAMILIE Achterbahn, Kutsche, Draisine, Schiff oder Fahrrad: Es gibt viele Dinge, mit denen man im Urlaub auf große Fahrt gehen kann. In der Sommer-Ausgabe der FamilienPackung stellen wir Ihnen Ausflugsziele für die ganze Familie vor.

Familiengeschichten 08 Ein Kind? Natürlich, welche Frage! Persönliche Einblicke in das Leben einer Frau, die erst mit 40 Mutter wurde. – Teil 2

10 Wie im Film? Nein. alles echt. Die Regisseure Jan Raiber und Krishna Saraswati dokumentierten die ungewöhnlichen Geschichten ihrer Familien.

14 Nicht einfach verschwinden. Spuren hinterlassen. Haustiere gehören zur Familie. Entsprechend schwer fällt der Abschied.

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Erziehung

Viel unterwegs

24

38

Man muss einen langsamen Übergang schaffen Warum Kinder eine richtige Eingewöhnung in die Kita brauchen, erklärt Professorin Nina Kölsch-Bunzen.

Wie der Weg das Ziel sein Kann Kathrin und Harald Bosch aus Reutlingen haben vier Kinder, fünf Fahrräder und jede Menge Abenteuerlust.

27 Liebe & Hiebe Warum müssen Geschwister um alles streiten?

28 Wohin mit den unter Dreijährigen?

41 Ausflugsziele Freizeit-Tipps für die Sommerferien

60 Lesesommer Bücher für die ganze Familie

Der Bedarf ist hoch und das Angebot begrenzt: wie eine junge Familie nach einem Betreuungsplatz für ihr Kind sucht.

32 erfolgsprämie Sollen Eltern gute schulische Leistungen ihrer Kinder mit Geld belohnen? Ein Gespräch mit Erziehungswissenschaftlern.

Ihre Meinung ist uns wichtig: Was hat Ihnen in der FamilienPackung

34 Willkommene Hilfe Beim Wellcome-Projekt helfen Ehrenamtliche

so richtig gut gefallen und was können wir besser machen? Schreiben Sie uns Ihr Feedback: familienpackung@geapublishing.de

jungen Familien in der Anfangszeit.

INHALT | 05


FAMILIENGESCHICHTEN

08

Ein Kind? Natürlich, welche Frage! – Teil 2

10

Wie im Film? Nein. Alles echt.

14

Nicht einfach verschwinden. Spuren hinterlassen.


Ein Kind? Natürlich, welche Frage! text Iris Goldack foto Fotolia

TEIL ZWEI – DIAGNOSE SCHWANGER

W

ann kommt sie denn, die nächste Menstruation? Nun, nicht zum ersten Mal wartete ich darauf. Ich gestand mir keinesfalls zu, schon mal gedanklich

schwanger zu sein – einmal mehr wartete ich auf eine täglich lauernde Enttäuschung, die den Einsatz von Hygieneartikel erfordert. Aber nach 44 Tagen wurde es langsam seltsam. Schritt eins: Einen Schwangerschaftstest kaufen. Das bringt Aufschluss. Fix den angeblichen Marktführer ausgewählt, nur keine unnötige Irritation riskieren. Mein Mann fragte: „Und?“, dann rätselten wir beide angesichts der langsam erscheinenden Anzeige. Im Falle einer Schwangerschaft sollte ein + erscheinen, nicht schwanger von einem – signalisiert werden, bei mir aber erschien ein I , was sollte das bedeuten? Der Apotheker meines Vertrauens aus der Nachbarschaft war zum Glück daheim, als ich nach Testdurchführung konsterniert bei ihm klingelte. Etwas verschämt fragte ich nach, ob er kurz draufschauen würde, sein Blick wechselte zwischen Packungsbeilage und Anzeige hin und her, schweigendes Grübeln auch bei ihm. Irgendwann lachte er und meinte: „Vielleicht bist du ein bisschen schwanger.“ Ah ja, das gab es entgegen gängiger Meinung doch, aber musste sich dieses

Die Gnade der späten Geburt – Persönliche Einblicke in das Leben einer Frau, die erst mit 40 Mutter wurde. Ein Kind stellt das ganze Leben auf den Kopf – und zwar nicht erst wenn es da ist. Auf humorvolle Art sollen die Leser dieser Kolumne nach und nach auf diese spannende Reise mitgenommen werden. In der zweiten Folge unserer Serie geht es um die aufregende Feststellung der Schwangerschaft …

08 | FAMILIENgeschichten

biologische Wunder ausgerechnet bei mir manifestieren?

Wir schauen gleich an meinem Porsche nach Eine sichere Diagnose war alles was wir wollten, doch für einen Arztbesuch war es an diesem Abend zu spät und ein medizinischer Notfall lag nicht vor – ein emotionaler schon. So vereinbarte ich Tags drauf frühmorgens einen Termin beim Frauenarzt. Unausgeschlafen und begleitet von meinem Mann saßen wir meinem neuen Frauenarzt gegenüber. Er hatte die Praxis


frisch übernommen – als unregelmäßige Arztgängerin war ich

Sie mit 39 Jahren erstmals schwanger sind, zählen Sie zu den

über diesen Wechsel per Brief informiert – doch dies war die

Spätgebärenden und gewisse Risiken erhöhen sich dadurch.

erste Begegnung Aug in Aug. Ich fühlte mich sehr wohl bei

Auch wenn Ihre Freude groß ist und es Ihnen sichtlich gut geht,

ihm, er hörte unser Anliegen, nahm den Schwangerschaftstest

warten Sie noch ein wenig, bevor Sie Ihre Schwangerschaft

vom Vortag in Augenschein und meinte: „Also wenn das so ist,

publik machen.“ Wäre ich meinem Impuls gefolgt, hätten es

schauen wir uns das gleich an meinem Porsche an“ – damit

bereits vor der Tür arglose, wildfremde Passanten erfahren und

meinte er sein neu angeschafftes High-End-Ultraschallgerät,

mir wär’s egal gewesen, ob sie das hören wollten – so blieb

welches preislich einer Stuttgarter Sportwagenkarosse in nichts

es bis auf eine Hand voll Menschen unser süßes Geheimnis.

nachstand.

Unseren Apotheker musste ich dahingehend erlösen, dass ich doch richtig schwanger war. Außerdem erfuhren meine bes-

Mit dem hätte man vermutlich in einer Müsli-Mischung im Ma-

te Freundin, meine Schwiegermutter und natürlich die beiden

gen jede Getreideflocke identifizieren können. Mein Mann

Mädchen aus der ersten Ehe meines Mannes vom anderen

war begeistert, auch wenn kein Motorengeräusch hörbar

Umstand. Aber davor hatten wir auch ganz schön Bammel.

war. Den Bauch mit Gel bestrichen, glitt mein Arzt zielstrebig

Was, wenn sie sich erkennbar gar nicht freuen, die Kleinere gar

mit dem Handgerät darüber, bevor er die magischen Worte

zu weinen anfängt?

sprach: „Eindeutig, hier ist eine befruchtete Eizelle, herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger.“ In dem Moment hatte ich

Du bist schwanger!

das, was manche Menschen mit einer außerkörperlichen Erfahrung beschreiben. Ich stand neben mir und beobachtete

Beim Lieblings-Italiener eröffneten wir den beiden, es gäbe et-

uns drei, insbesondere meinen Mann und mich und versuchte

was zu feiern. Die große Tochter, gerade 14 Jahre alt, und die

zu erfassen, was diese lebensverändernde Erkenntnis mit uns

kleine Tochter mit 12, bohrten und fingen an zu raten: „Ihr habt

macht. An das Gefühl von damals erinnere ich mich ganz klar:

im Lotto gewonnen, wir verreisen, du hast einen anderen Job,

Ich fühlte mich, als hätten sich die letzten Teile meines ganz

Penny gehört jetzt dir (Anmerkung: Penny war das Pferd, das

persönlichen Frauenpuzzles angefügt, in diesem Augenblick

ich damals ritt).“ Auf alles kam von uns ein „Nein“; plötzlich, kurz

war ich komplettiert. Wieder zurück im Hier, erhielt ich einen

vor der Aufgabe stützte die Kleine ihren Kopf auf die Hand, sah

Mutterpass, ein nächster Termin wurde vereinbart und mein

mich von schräg unten an und platzte in tiefster Überzeugung

Frauenarzt mahnte, auch wenn es ihm sichtlich schwer fiel: „Da

heraus: „Jetzt weiß ich’s, du bist schwanger!“ Bingo.

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Kino-Vertrieb? TV-Ausstrahlung? Nein. Die Regisseure Krishna Saraswati und Jan Raiber reisen lieber dahin, wo ihr Publikum ist.

Wie im Film?

Nein. Alles echt.


egal.“ Die Welt ist nicht eingestürzt. Sie hat die Wahrheit vertragen. Jan

Jan Raiber aus Leipzig hat drei Väter.

glaubt: „Meine Mutter hätte es mir erst

Krishna Saraswati ist der Sohn eines schwäbischen Hip-

nach dem Tod ihrer Eltern erzählt. Die Angst vor deren Reaktion war immer

pie-Mädchens und eines indischen Gurus.

ein großes Hindernis.“ Sein Halbbruder

Die beiden jungen Regisseure drehten jeweils ihren ei-

an der richtigen Stelle, wie bei einem

genen Film. Über sich selbst. Und über ihre Familien, die

Jetzt ist alles an der richtigen Stelle.“

nicht ins Mama-Papa-Kind-Familienklischee passen.

formulierte es so: „Vorher war nichts falsch

zusammengesetzten

Puzzle.

Zur Premiere von Jans Films haben sie sich alle getroffen. „Man gewinnt und verliert etwas, wenn man einem sol-

text Marion Schrade fotos PR

chen Geheimnis nachgeht“, sagt Jan. „Aber es war gut, dass es so gelaufen

ALLE MEINE VÄTER

heiratet, aber vermeintlich kinderlos

Wenn Jan von seinem Papa spricht,

sen Mutter bekommt, fällt er aus allen

ist gar nichts klar. Papa? Wer ist das? Genau genommen hat Jan drei Väter. Jürgen, Uwe und Harald. Jürgen ist der zweite Mann seiner Mutter, Uwe der erste. Mit Jürgen hat Jan fast sein ganzes Familien-Leben verbracht. Uwe, angeblich der leibliche Vater, hat 18 Jahre lang brav seine Alimente gezahlt. Ihn will Jan nach fast 30 Jahren kennenlernen. So beginnt der Dokumentarfilm

– plötzlich Besuch von Jan und desWolken. Jans Kamera fängt diesen Moment ein. Unmittelbar berührend, aber ohne jemanden bloß zu stellen. Vielleicht besteht die Anziehungskraft von Jans Dokumentarfilm, der mit mehreren Preisen und Nominierungen ausgezeichnet wurde, gerade darin: Er erzeugt Nähe und überschreitet intime Grenzen – behutsam und ohne Voyeurismus. Ohne moralisches Urteil.

des jungen Regisseurs.

„Dabei ging es fast 30 Jahre lang um

Mit seiner Kamera macht sich Jan auf

Leute sagen?“, sagt Jan. Seine Mut-

die Suche – und erzählt damit eine Geschichte, die kein Drehbuchautor so erfinden könnte. Jans Geschichte ist echt, seine Darsteller sind es auch:

die eine Frage: Was werden wohl die ter stellte sie sich selbst immer wieder. Und zog ihre Konsequenz daraus: das Schweigen, aus dem schließlich ein Familiengeheimnis wurde.

Seine Mutter, die anfangs nur bruchstückhaft und widerwillig von Jans Vater – welchem? – erzählen möchte.

sitzen, während ihr moralisches Welt-

„Vorher war nichts an der

nur ein Halbbruder ist und ständig

richtigen Stelle, wie bei

meinsam mit dem Zuschauer erken-

eines Kindes geworden.

SHIVA UND PARVATI Jans Freund Krishna ging es nie darum, ein Familiengeheimnis aufzudecken. Die ungewöhnliche Liebesgeschichte seiner Eltern kannte er lange bevor er sich entschloss, einen Film darüber zu drehen. Schließlich ist es auch seine Geschichte: Krishna wurde in einem Dorf irgendwo im Himalaja-Gebirge als Sohn eines indischen Gurus und eines Hippie-Mädchens aus Schwäbisch Gmünd geboren. Dort lebte er, bis seine Mutter Renate mit ihm nach Deutschland zurückkehrte. In den Bergen des Himalaja beginnt Krishnas sich auf der Suche nach seinem Geburtshaus, findet eine verfallene RuBegegnungen und Gespräche dominieren den Film, keine auswendig gelernten Dialoge und Szenen aus dem

einem falsch zusammen-

das eine Wort wiederholt: „krass, krass“. Und seine drei Väter, die ge-

men – und ist inzwischen selbst Vater

ine. Und jede Menge Geschichten.

bild gewaltig ins Wanken gerät. Sein Bruder, der plötzlich erfährt, dass er

Jan hat zwei neue Väter dazubekom-

Reise in die Vergangenheit. Er macht

Seine Großeltern, die auf dem Sofa in ihrem aufgeräumten Wohnzimmer

ist. Meine Familie ist größer geworden.“

Drehbuch. Krishna stellt kurze Fragen aus dem Off, das Sprechen, das Erzählen überlässt er anderen. Freun-

gesetzten Puzzle“

nen, dass „Vaterschaft“ mehr ist als

den seiner Eltern in Indien, Althippies und Aussteigern, seiner Schwester, seinem Onkel.

biologische Abstammung. Im Film sind es vor allem seine Großel-

„Die schönsten Antworten bei den

Bald schon kommt ans Licht, dass Uwe

tern, die Eltern seiner Mutter, die die-

Dreharbeiten waren für mich diejeni-

nicht der leibliche Vater von Jan ist,

se Frage immer wieder in den Raum

gen, die ich nicht erwartet habe. Zum

sondern Harald. Eine Sommerliebe. Als

stellen. Jans Antwort nach all den Er-

Beispiel als mir plötzlich ein indischer

Harald – selbst seit vielen Jahren ver-

fahrungen: „Was die Leute sagen, ist

Yogi erzählt hat, dass er furchtbare FAMILIENgeschichten | 11


lin, Shiva und Parvati. Die Anhänger des ungleichen Paares zogen diese Parallele zu einer indischen Legende, der Regisseur und Sohn greift sie auf: Teile der Sage von Shiva und Parvati ziehen sich wie ein roter Faden durch den Film und charakterisieren die Eltern mit klug ausgewählten Passagen. Shiva, so heißt es, sei der Gott „frei von Regeln und Moral“. Und: „Wenn Shiva und Parvati tanzten, zerstörten sie die Welt, die sie vorher errichtet hatten.“ Die Geschichte von Shiva und Parvati böte genügend Stoff für das Drehbuch einer

großen

Hollywood-Romanze.

Dennoch: Krishna hat sich für das echte Leben entschieden und es in einem Dokumentarfilm festgehalten. Fiilmplakat von Jan Raibers Dokumentarfilms „Alle meine Väter".

„Wenn Shiva und Parvati tanzten, zerstörten sie die Welt, die sie vorher errichtet hatten“ Es gibt keine rosarote Brille, nicht mal ein wirkliches Happy-End. Die mythische Beziehung von Krishnas Eltern scheitert letztendlich an der Realität: Streit, Misstrauen, Betrug, Gewalt, Geld. Die Mutter kehrt nach Deutschland zurück, der Vater bleibt in Indien – von gelegentlichen Besuchen abgesehen. Das Hippie-Mädchen aus Schwäbisch Gmünd und der Guru aus dem Himalaja: Krishna Saraswati erzählt die ungewöhnliche Liebesgeschichte seiner Eltern in einem Film.

Inzwischen sind beide gestorben. Krishna und seiner Schwester bleiben starke Erinnerungen und Fotos einer Familie, die sich jenseits aller Konvention eine

Angst vor Frauen hat und gerettet

ten, trotz ihrer Verschiedenheit ein

eigene Welt auf Zeit schuf. „Für mich

wurde, weil seine Frau mit seinem

Ganzes wurden. „Am schönsten finde

hat die Geschichte weder ein gutes

Freund durchgebrannt ist“, sagt Krish-

ich die Momente im Leben meiner El-

noch ein schlechtes Ende, sie ist auch

na. Zu erzählen haben die Menschen

tern, in denen sie Strahlkraft hatten,

nicht traurig, denn schließlich geht es

in Krishnas Film viel. Von echter Hinga-

wo sie ganz bei sich waren, klar und

ja weiter: Es gibt meine Schwester und

be und Schlägen, die Krishnas Vater

leuchtend“, sagt Krishna. So wie auf

mich und die vielen vielen Menschen,

seiner Mutter immer wieder versetzte.

dem Foto: in sich selbst versunken, der

die nach der Begegnung mit meinen

Von der Heiligkeit des Gurus und sei-

Welt entrückt.

Eltern ihr Leben verändert haben. Ich

ner Geldnot. Von schönen und we-

bin froh und dankbar, dass meine El-

niger schönen Dingen in zwei völlig

Das Bild seiner Eltern, die meditierend

tern ein Leben geführt haben, das

unterschiedlichen Welten, die sich für

nebeneinander sitzen, hat etwas My-

einen solchen Film möglich gemacht

eine bestimmte Zeit lang überlager-

thisches. Der Guru und seine Gemah-

hat“, sagt Krishna.

12 | FAMILIENgeschichten


KINO? DANN DOCH LIEBER INS GEFÄNGNIS.

Publikum sitzen. „Wir wollen eine Brü-

zu dumm, keine zu direkt, keine ver-

cke zum Zuschauer schlagen“, sagt

boten. Krishna sagt: „Auch aus einer

Krishna: „Wir erzählen euch von uns

Frage erfährt man etwas über den

Jan Raiber und Krishna Saraswati ha-

und ihr von euch.“ Jan findet dafür

Menschen, mit dem man redet.“ Und

ben mit ihren außergewöhnlichen Do-

ein treffendes Bild: „Wir betrachten

darum geht es schließlich. Oft ist die

kumentarfilmen viele Preise gewon-

unsere Filme als Dosenöffner, um an

erste Frage, die den Filmemachern

nen. Aber darum geht’s den beiden

das Innere der Menschen heranzu-

gestellt wird, ist diese hier: „Wovon

Studenten der Ludwigsburger Filma-

kommen.“

lebt ihr, wie viel verdient ihr?“ Das will

kademie gar nicht. Genauso wenig wie ums Geld. Von Kino-Kommerz und TV-Blockbustern wollen sie nichts wissen. Stattdessen reisen Jan und Krishna gemeinsam mit einer weiteren Regie-Kollegin, Andrea Roggon, dahin, wo ihr Publikum ist. Sie zeigen ihre Filme, die während ihres Studiums

jeder wissen. Sogar schon 14-Jähri-

Alter? Sozialer Status? Bildungsgrad? Vollkommen egal.

an der Ludwigsburger Filmakademie

ge. Jan denkt über das Warum nach: „Das sind wahrscheinlich Fragen, die sie selbst gestellt bekommen, wenn sie Ideen äußern, was sie später mal machen wollen.“ Krishna fügt hinzu: „Die merken dann nach unseren Filmen und den Gesprächen plötzlich: Es gibt ja doch mehr …“ Jan fällt ihm ins

entstanden sind, Philosophie-Studen-

Alter? Sozialer Status? Bildungsgrad?

Wort und bringt den Satz zu Ende: „…

ten in Paris und Hauptschulklassen

Vollkommen egal. Die Regisseure

als den tabellarischen Lebenslauf.“

in Mannheim, in deutschen Gefäng-

wollen mit möglichst unterschiedli-

nissen und Techno-Clubs in Bombay.

chen Leuten in Berührung kommen

Die DVDs der Filme und mehr zu den

Immer mit einem Ziel: Menschen zu

– im wörtlichen Sinne. Etwas in ihnen

drei Filmemachern im Internet unter:

berühren, mit ihnen

ins Gespräch

auslösen, etwas in Gang bringen.

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kommen. Im Kino stehen normaler-

Gedanken und Erinnerungen, die

weise alle auf und verlassen den

sie in Worte fassen, um sie mit Jan,

Saal, wenn der Abspann läuft. Bei

Krishna, Andrea und den anderen

Krishna, Jan und Andrea bleibt das

im Publikum zu teilen. Keine Frage ist


Nicht einfach verschwinden.

Spuren hinterlassen.


Menschen, die ihre Tiere trotzdem

Die halbe Kindheit hat man mit ihm geteilt. Und plötzlich ist es nicht mehr da. Wenn das geliebte Haustier stirbt, ist das oft die erste Begegnung von Kindern mit dem Tod.

auf den Friedhof bringen, tun das nicht aus hygienischen, sondern aus emotionalen mentalen

Gründen.

Spielereien

Mit

senti-

superreicher

Handtaschen - Hund - Besit zer innen

Natürlich muss der beste Freund beerdigt werden. Er hat

hat die Tierbestattung nichts zu tun.

es verdient. Nur wo? Wer keinen eigenen Garten hat,

Kunden gehört auch eine Millionä-

Sicher: Zu Maximilian Rothenbachers

findet auf dem Tierfriedhof eine Alternative. Zum Beispiel

rin. Aber auch weniger Betuchte und

in Stuttgart-Fasanenhof.

einen würdevollen Abschied von ihren Haustieren. Wer beispielsweise text Marion Schrade fotos Fotolia/Marion Schrade

S

Hartz-IV-Empfänger wünschen sich

seine Katze hier begraben möchte, zahlt 375 Euro Grabpacht. Zunächst einmal für fünf Jahre. Die meisten

ophie wurde geliebt. Ihr Name

hof am Rande des Stuttgarter Stadt-

verlängern danach. Hinzu kommen

steht auf einem Stück Holz, das

teils Fasanenhof. Mit einem kleinen

35,70 Euro für die Bestattung und eine

langsam grau wird und verwit-

Bagger heben Maximilian Rothenba-

Namenstafel. Wenn das Geld knapp

tert. Davor liegt ein blauer Gummi-

cher und sein Mitarbeiter eine Grube

ist, entscheiden sich manche für die

knochen. Vermutlich ihr Lieblingsspiel-

aus – je nach Tier mehr oder weniger

anonyme Einzelbestattung (350 Euro).

zeug. Als Sophie noch am Leben war.

lang und breit, aber immer einen Me-

Am günstigsten ist ein Plätzchen im

ter tief. Laut Gesetz würden 50 Zenti-

anonymen Doppelgrab (190 Euro).

Die Hündin ist eines von vielen Tie-

meter reichen. Maximilian Rothenba-

ren, die hier auf dem Tierfriedhof am

cher aber geht bewusst tiefer: „Damit

Rande Stuttgarts begraben sind. Wie

auch noch ein zweites Tier darüber

viele genau? Das weiß Maximilian Ro-

Platz hat.“ Viele seiner Kunden schaf-

thenbacher aus dem Stegreif nicht,

fen sich nach dem Tod ihres Haustiers

er müsste erst in den Büchern nach-

einen neuen Gefährten an – der Jah-

sehen. Eigentlich ist es auch nicht so

re später ebenfalls auf dem Friedhof

wichtig. Liebe braucht keine Statisti-

begraben wird. Über die vergange-

ken. Aber einen Ort. „Ich bin für alle

nen 14 Jahre hinweg sind so schon

da, die bei dem Gedanken, ihr totes

richtige Familiengräber entstanden.

Haustier in der Tonne entsorgen zu müssen, verrückt werden“, sagt Maximilian Rothenbacher. Wer auf dem

Emotional, aber nicht sentimental

Land lebt, kann sein Haustier im Garten begraben. Was aber tun Men-

Der älteste Tierfriedhof ist in Paris. Im

schen, die mitten in der Stadt woh-

Bezirk Asnières sur Seine wurde 1899

nen? Der Tierfriedhof ist ein urbanes

der erste Grabstein aufgestellt. Da-

Phänomen – und oft die einzige Al-

mals ging es vor allem um die Hygi-

Im

ternative zur Tierkadaverbeseitigung

ene: Verwesende Körper waren ein

schaftsgebäudes bietet der Tierbe-

über den Tierarzt.

großes Risiko, die Menschen hatten

statter auch Särge an. Ein Schreiner

Angst vor Krankheiten und Seuchen.

fertigt sie in allen möglichen Größen.

Als Tierbestatter ist Maximilian Ro-

Heutzutage kümmern sich Tierärzte

Laut Gesetz darf Maximilian Rothen-

thenbacher

und

bacher auf seinem Friedhof alle Tiere

auch

Trauerbegleiter:

„Wenn ich eine Grube aushebe, fühle

Tierkadaverbeseitigungen

solche Belange.

um

Ausstellungsraum

seines

Wirt-

begraben, die im Zoohandel zu ha-

ich mit.“ Der Tod trifft alle. Alte Men-

ben sind. Viele Hunde und Katzen,

schen, die den einzigen verbliebe-

aber auch Meerschweinchen, Rat-

nen Gefährten verlieren. Und Kinder, für die der Tod des Hamsters oder Kaninchens oft die erste Begegnung mit dem Tod überhaupt ist. Auch die Bestattung auf dem Tierfriedhof ist ein Ritual. Möglichst noch am Tag des Todes kommt der Besitzer auf den Fried-

„Die Bestattung auf dem Tierfriedhof ist ein Ritual.“

ten, Kaninchen, Papageien und sogar Schildkröten werden von ihren Besitzern hergebracht. Selbst die Überreste eines Pferds liegen hier. Allerdings musste es erst im Tierkrematorium eingeäschert werden, bevor es in Fasanenhof begraben werden durfte. FAMILIENgeschichten | 15


Mit Dusty auf dem Balkon sitzen Für viele Menschen ist der Tierfriedhof ein Ort der Erinnerung. Die Gräberreihen erstrecken sich in bogenförmigen Schwüngen über das 6.500 Quadratmeter große Gelände. Auf den kleinen Grabsteinen stehen die Namen der Tiere, oft ist ein Foto dabei. Viele Gräber sind mit Kerzen, kleinen Statuen und persönlichen Gegenständen geschmückt.

Rothenbacher, habe sich seine Frau der Vergessenen angenommen. Unkraut gezupft, ein paar Blümchen gepflanzt. Inzwischen schafft sie das gesundheitlich

nicht

mehr.

Auch

der Bereich, in dem die anonymen Gräber liegen, ist nicht anonym im eigentlichen Sinne: in den Fächern einer Erinnerungswand und auf dem Boden dürfen die Besitzer Spuren hinterlassen – Spielzeuge, Steine, auf denen der Name ihres Tiers steht, ein Foto, Blumen. Das Tor des Friedhofs steht Besuchern zu jeder Tag- und Nachtzeit offen. Maximilian Rothen-

Ort der Lebenden

bacher liegt nichts an starren Friedhofsordnungen.

Sein

Friedhof

soll

nicht nur ein Ort der Toten, sondern Frische bunte Frühlingsblumen zei-

vor allem auch ein Ort der Lebenden

auf dem Balkon. Jetzt sieht sie, wenn

gen, dass viele Besitzer regelmäßig

sein. Viele Menschen kommen in Be-

sie dort sitzt, nur noch die Autos, die

vorbeikommen. Auf einzelnen Grä-

gleitung eines neuen Tiers zum Grab.

vorüberfahren. Lieber nimmt sie fünf

bern haben sich Löwenzahn und

Der Bestatter erzählt von einer al-

Stunden Bus- und Bahnfahrt auf sich.

Disteln breit gemacht: Der Tod der

leinstehenden Dame, die den Fried-

So ist sie Dusty näher. Manchmal

Tiere ist Jahre her. Auch Trauer und

hof fast täglich besucht. Dusty, der

bringt sie Pflanzen für die Nachbar-

Erinnerung haben offenbar ein Ver-

Zwergpudel, war ihr Lebensinhalt. Mit

gräber mit.

fallsdatum. Früher, sagt Maximilian

ihm verbrachte sie die Nachmittage

38 | Themen-Special Haustiere


Tierbestatter

Maximilian Rothenbacher Er ist für die Tiere da – für seine eigenen vor, für hunderte andere aber erst nach deren Tod. Wer einen besonderen Platz für sein verstorbenes Haustier sucht, für den ist Maximilian Rothenbacher ein Ansprechpartner. Seit 14 Jahren führt er den Tierfriedhof in Stuttgart-Fasanenhof.

Tierfreund über den Tod hinaus

text Barbara Forro foto Marion Schrade

S

olch eine Kleidung hätte man bei einem Bestatter wohl

Rothenbacher machte sich auf den Weg dorthin. „Es war ein

nicht erwartet. Von schwarzer Trauerkleidung ist nichts

sonniger Tag damals“, erinnert er sich, „auf dem Friedhof wa-

zu sehen. Stattdessen: Latzhosen-Blaumann, rot-weiß ka-

ren einige junge Familien unterwegs, ältere Leute waren ins Ge-

riertes Flanellhemd, derbe Arbeiterschuhe, auf dem Kopf eine

spräch vertieft.“ Beeindruckt von der Atmosphäre auf dem Tier-

dunkelblaue Schirmmütze. Aber Maximilian Rothenbacher ist

friedhof fuhr Rothenbacher wieder zurück. „Auf dem Heimweg,

ja auch kein Bestatter im herkömmlichen Sinne: Ihm gehört der

da dachte ich mir: Die Leute müssen ja verrückt werden, wenn

Tierfriedhof in Stuttgart-Fasanenhof. Eine 6.500 Quadratmeter

sie ihre Tiere in die Tonne werfen müssen.“ Da stand für ihn fest:

sorgfältig gepflegte Trauerstätte, wo Tierbesitzer die Möglichkeit

Auch die baden-württembergische Landeshauptstadt soll einen

haben, ihren Liebling begraben zu lassen, ihn weiterhin zu besu-

Tierfriedhof bekommen. Und er selbst will ihn aufbauen. Doch

chen und Zwiesprache mit ihm zu halten.

bis er seine Idee umsetzen konnte, dauerte es seine Zeit: Zwei

„Die Leute müssen ja verrückt werden, wenn sie ihre Tiere in die Tonne werfen müssen“

Jahre brauchte der Genehmigungsprozess, „ich habe elf Dezernate der Stadt Stuttgart durchlaufen“, erzählt er. Seine Sturheit zahlt sich erst nach zwei Jahren aus: Dann hat er alle nötigen Genehmigungen zusammen, auch das passende Grundstück

Doch eigentlich ist Tierbestattung nur das dritte Standbein von

war gefunden: Es liegt versteckt in einer Sackgasse, hinter den

Maximilian Rothenbacher. „Wenn ich gefragt werde, was ich

hohen Bäumen ist das gleichförmige Rauschen der naheliegen-

beruflich mache, dann sage ich: Maler und Bildhauer“, erzählt

den Autobahn zu hören. Zahllose, meist tadellose gepflegte und

der 77-Jährige. Und warum? „Unter Tierbestatter verstehen die

oft liebevoll verzierte Gräber sind über den akkurat geschnitte-

meisten nix.“ Zu exotisch klingt der Beruf. Auch wenn es mitt-

nen Rasen verteilt. Der Friedhof hat keine Öffnungszeiten: „Ich

lerweile im Großraum Stuttgart wie in Fellbach oder Leonberg

schließe nicht ab“, betont Rothenbacher, „die Leute sollen zu

einige Tierfriedhöfe gibt: Tierbestatter zu sein, ist eher ein Ni-

jeder Zeit kommen dürfen, wann immer sie wollen.“ Trauer hält

schenberuf. Rothenbacher selbst kam eher zufällig dazu. Ein

sich nicht an feste Zeiten. Obwohl Rothenbacher schon über

Kunde, so erzählt der Bildhauer, wollte bei ihm eine Skulptur für

das Rentenalter hinaus ist, kümmert sich das Allround-Talent im-

seinen verstorbenen Schäferhund in Auftrag geben. Rothenba-

mer noch um (fast) alles selbst. Bei einem nackten Grab alleine

cher wurde neugierig: „Ich dachte, da kann ich mir vielleicht

muss es nicht bleiben, wenn der Tierbesitzer das nicht möchte:

ein neues Geschäftsfeld schaffen“, auch für andere Tierbesit-

Rothenbacher fertigt auch Grabplatten oder Grabsteine an,

zer Skulpturen anfertigen. Er forschte nach. Aber Tierfriedhöfe

auch Porzellanschilder – mit Bild des verstorbenen Tieres und ein

waren damals selten – der nächstgelegene war in Nürnberg.

paar Textzeilen – gestaltet er selbst. Daneben hat er auch archiFAMILIENgeschichten | 17


tektonische Talente: Den Pavillon, in dem die Tierbesitzer eine

ner Bekannten für 14 Tage versorgen. So bin ich selbst zu den

kleine Trauerfeier abhalten können, hat er selbst entworfen. Hell

Katzen gekommen.“ Im Lauf der Jahre wohnten einige davon

und luftig wirkt dieser, die unsymmetrischen, markanten Kanten

beim Ehepaar Rothenbacher. Dazu zählte etwa das Katzen-

zeichnen ihn als Unikat aus. Allein die Umsetzung hat ein Archi-

pärchen Milo und Mona, an das sich Rothenbacher gern erin-

tekt übernommen. Wenn Tierbesitzer einige letzte Sätze zu ihren

nert. Als Milo plötzlich verschwand, „hat Mona noch über ein

Tieren sagen wollen, ihnen aber die Worte fehlen, können sie auf

Jahr lang nach ihm gesucht und nach ihm gemaunzt“, erzählt

Rothenbachers vorgeschriebene Abschiedsworte zurückgreifen:

er. Tiere sind eben auch nur Menschen.

„Die habe ich mir natürlich auch selbst überlegt“, erzählt er stolz.

„Ich schließe nicht ab. Die Leute sollen zu jeder Zeit kommen dürfen.“

„Seit vierzig Jahren leben meine Frau und ich mit Katzen“ Immer wieder sind ihm und seiner Frau auch Katzen zugelaufen.

Auch vor seinem „Fuhrpark“ hat er nicht Halt gemacht. Einen

Der Kater Bruno etwa: Eines Tages lag er in einer Ecke in der

kleinen Bagger und einen kleinen Radlader braucht er für sei-

Werkstatt, die der Bildhauer Rothenbacher in seinem Wohnhaus

ne Arbeit – und ein Kippfahrzeug, um die ausgehobene Erde

im Stuttgarter Westen eingerichtet hatte. Über Jahre hinweg

zu besorgen. Letzteres hat er selbst umgebaut. „Das war vor-

gehörte der Kater zur Familie. Bis er so plötzlich verschwand, wie

her mein alter Suzuki“, erklärt er. Dem Vier-Rad-Antriebler hat

er aufgetaucht war. Rothenbacher suchte zwei Wochen nach

er eine neue Ladefläche mitsamt Kippmechanismus verpasst.

ihm. Vergeblich. Eher zufällig sah er dann in der Ecke nach, in

Ursprünglich hatte er auch einen Schneepflug. „Aber dann

der Bruno bei ihrer ersten Begegnung lag. Dort lag er auch –

habe ich gemerkt: Wenn Schnee liegt, kommen auch keine

tot. Als Rothenbacher das erzählt, kommen ihm Tränen, seine

Besucher.“ Also hat er gebastelt: Der Schneeschieber ver-

Stimme stockt. Er senkt den Kopf, versteckt das Gesicht hinter

schwand, stattdessen bekam das Fahrzeug ein Kreisel mäh-

seiner Schirmmütze. Einige Menschen hätten Tiere als Kinderer-

werk – fertig war der große Rasenmäher.

satz, sagt er. „Aber was ist schon dabei?“ Kinder haben er und

Daneben kümmert sich Rothenbacher natürlich auch um die

seine Frau nicht. Deshalb ist auch die Nachfolge des 77-Jähri-

Beerdigungen selbst. Rund 1.300 Tiere hat er den vergange-

gen offen. Seine Frau ist bereits körperlich schwer eingeschränkt

nen 14 Jahren bestattet, so schätzt er, vom Spatz über das

und kann ihm nicht mehr bei der Arbeit helfen, sich nicht mehr

Zwergkaninchen bis hin zu Hund und Katze. Auch drei seiner

um die Grabpflege kümmern. Rothenbacher hat zwar einen

eigenen Katzen liegen auf dem Tierfriedhof. „Seit vierzig Jah-

jungen Mann als Angestellten, aber es ist offen, ob dieser den

ren leben meine Frau und ich mit Katzen“, erzählt er mit leucht-

Tierfriedhof übernehmen wird, sagt er. Dann würde nicht nur ein

enden Augen. Angefangen hat die Liebe zu den Samtpfoten

Ort wegfallen, an dem Tiere würdig bestattet werden können.

ursprünglich mit einer „Ferienpflege“: „Ich sollte die Katze ei-

Es würde auch für viele Menschen ein Ort der Trauer fehlen.

Was ist erlaubt, wenn das geliebte Haustier gestorben ist? text Barbara Forro

Abschied nehmen von einem geliebten Tier fällt schwer. Für

► Es besteht auch die Möglichkeit, das verstorbene Tier auf

manche ist es leichter, wenn sie – wie bei einem geliebten

einem Tierfriedhof zu bestatten. Vom klassischen Grab über Ur-

Menschen – einen Ort der Trauer haben. Für Tierbesitzer gibt es

nenbestattung bis hin zum anonymen Grab: Hier gibt es zahl-

diese Möglichkeiten:

reiche Auswahlmöglichkeiten.

► Das verstorbene Tier kann im eigenen Garten begraben wer den. Allerdings gibt es in Baden-Württemberg das „Tierische Nebenprodukt Beseitigungsgesetz“, das diese Bestattung

► In einem Tierkrematorium wird das Tier eingeäschert. Die Asche kann der Besitzer in einer Urne mit nach Hause nehmen oder auf einem Friedhof beisetzen.

regelt. Das Gesetz schreibt vor, dass das Grundstück nicht in

► Wer sich gar nicht von seinem Tier trennen mag, für den gibt

Wasserschutzgebieten und nicht in unmittelbarer Nähe öffent-

es die Möglichkeit einer Tierpräparation. Die Haut des verstor-

licher Wege liegen darf. Und das Tier muss von einer mindes-

benen Tieres wird dabei auf einen Kunstkörper gezogen.

tens 50 Zentimeter starken Erdschicht bedeckt sein. Die Bestattung außerhalb des eigenen Gartens – zum Beispiel im Wald – ist strikt verboten. Im Ernstfall werden Bußgelder verhängt. 18 | FAMILIENgeschichten


Lesetipp

Kommt der Hamster in den Himmel?

Text: Ulf Nilsson Illustrationen: Eva Eriksson Die besten Beerdigungen der Welt. Ab fünf Jahre. Moritz Verlag, 40 Seiten. 12,80 Euro.

text Marion Schrade foto PR

Mit einer Hummel fängt alles an. Sie ist tot – aber was ist das überhaupt? Das fragen sich alle – Ärzte, Philosophen, Pfarrer. Und drei Kinder in Schweden, die ein außergewöhnliches Projekt planen: Sie gründen eine „Beerdigungen AG“ und sammeln sie alle toten Tiere in der Natur ein und begraben sie. Zuerst die Hummel. Dann die Spitzmaus, den Hamster, einen Hahn, Heringe und Mäuse – bis aus der Lichtung ein richtiger Tierfriedhof wird. „Wir wollten nämlich die besten Beerdigungen auf der ganzen Welt machen und allen armen Tieren helfen, die auf der Erde herumlagen“, erklärt der Ich-Erzähler voll kindlichem Stolz. Die Aufgabenverteilung ist klar: Einer gräbt, einer schreibt Gedichte, und einer weint. Es ist ein Spiel – und doch begreifen die drei Kinder am Ende, was „tot“ ist und Trauer. Die Tiere werden in Zigarrenkisten-Särge gebettet, ihre Gräber mit Blumen und Holzkreuzen geschmückt – Beerdigungsrituale wie im „echten Leben“. Jedes Tier bekommt zum Abschied sein eigenes kleines Gedicht. Direkt und unverblümt, wie Kinder nun mal sind, hört sich beispielsweise die Grabrede auf den überfahrenen Igel so an: „Hier unten bist du pieksig und platt. Im Himmel bist du rund und satt.“ Darüber kann man als Erwachsener nachsichtig schmunzeln, manche mögen sich über die vermeintliche Respektlosigkeit empören. Dennoch: Das Buch zeigt – nicht zuletzt dank der hintersinnigen Illustrationen von Eva Eriksson – sehr treffend, wie Kinder mit dem Tod umgehen. Mal mit selbstverständlicher Leichtigkeit, dann wieder mit einem ganz dicken Kloß im Hals. In einem anderen Gedicht stellt der kleine Ich-Erzähler ganz zentrale Fragen: „Viele tausend Jahre ist man

...mit persönlicher Note

tot. Ob es weh tut? Ist man einsam? Hat man Angst?“ „Die besten Beerdigungen der Welt“ ist ein anrührendes Buch, das den Tod nicht als düsteres, angsteinflößendes Monstrum, sondern als unabwendbaren, selbstverständlichen Teil des Lebens zeigt. Eltern sollten es gemeinsam mit ihren Kindern lesen, um danach in Ruhe darüber zu sprechen. Ist tot sein wie schlafen, weil der Hamster die Augen zu hat? Kommt er in den Himmel? Und wenn ja, wie sieht’s im Himmel überhaupt aus? Darf man irgendwann aufhören zu weinen oder muss man ewig traurig sein? Wer über solche Fragen sprechen möchte, findet in dem Buch einen guten Ausgangspunkt, um sich mit seinen Kindern über religiöse

www.trinkhaus-foto.de

Ziegelweg 1/1 72764 Reutlingen 07121/17386

Vorstellungen auseinanderzusetzen und Ängste abzubauen. FAMILIENgeschichten | 19


Rund 23 Millionen Heimtiere leben in Deutschland text Barbara Forro foto Fotolia

Es bellt, miaut und zwitschert in deutschen Haushalten – und das nicht wenig: Auf rund 22,6 Millionen Tiere schätzt der Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) in einer Untersuchung

Seit Tausenden Jahren der beste Freund des Menschen

aus dem Jahr 2009 die tierische Population in deutschen Häusern und Wohnungen. Auf Platz Eins liegen unangefoch-

Der Hund ist wohl das älteste Haustier. Schon vor rund 12.000

ten die Samtpfoten: Etwa 8,2 Millionen Katzen schnurren auf

bis 15.000 Jahren wurden wohl die ersten Nachfahren des

den Sofas. Mit weitem Abstand folgen dann mit rund 5,6 Mil-

Wolfs als Haustier gehalten, in erster Linie vermutlich als

lionen Kleintiere; dazu zählen beispielsweise Hamster, Kanin-

Wachhunde. Im Lauf der Zeit haben sich unterschiedliche

chen, Meerschweinchen und Co. Knapp dahinter haben sich

Hundetypen herausgebildet, die sich oftmals an ihrem Einsatz

die Hunde platziert. Gut 5,4 Millionen bellen in deutschen

orientieren: Hirtenhunde wie die Sennerhunde, Hütehunde

Haushalten. Auf Rang vier zwitschert es: Etwa 3,4 Millionen

wie Border Collies oder Jagdhunde wie Retriever. Heute gibt

Ziervögel werden in Deutschland gehalten. Auf den hinteren

es schätzungsweise mehr als 300 verschiedene Hunderassen

Rängen gibt es wohl rein zahlenmäßig die meisten Tiere: Rund

– vom kleinen Chihuahua bis zur großen Dogge. Katzen wer-

2,1 Millionen Gartenteiche und etwa 2,0 Millionen Aquarien

den etwa seit 9.500 Jahren im Haus gehalten. Vor allem in

gibt es in Deutschland, dazu kommen ungefähr 400.000 Ter-

Ägypten nahm die Verehrung der maunzenden Vierbeiner

rarien. Allerdings gilt es bei den Zahlen zu bedenken, dass die

einen hohen Status ein: Der Katzengöttin Bastet etwa sagte

Gesamtzahl der Haustiere nur schwer zu schätzen ist: Mal ge-

man Einfluss auf Schönheit, Fruchtbarkeit und Liebe nach.

hen Statistiken von rund 23 Millionen Heimtieren aus, mal von

Im Mittelalter war es mit der Vergötterung allerdings vorbei:

27 Millionen. Hunde müssen zwar offiziell gemeldet werden,

Katzen wurden zum unglückbringenden Wesen, das häufig

aber auch hier gibt es sicherlich eine große Dunkelziffer an

mit Hexen in Verbindung gebracht wurde. Heute sind etwa 30

„schwarz laufenden“ Vierbeinern.

Katzenrassen bekannt.

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20 | FAMILIENgeschichten


Lesetipp

Herr Muffin nimmt Abschied

Mit Adler Friedrich durch die Geschichte der Stadt Esslingen am Neckar Anna und Paul erkunden zusammen mit dem Adler Friedrich die Geschichte der Stadt Esslingen am Neckar.

Text: Ulf Nilsson Illustrationen: Anna-Clara Tidholm Adieu, Herr Muffin. Ab fünf Jahre. Moritz Verlag, 40 Seiten. 12,80 Euro.

text Marion Schrade foto PR

Herr Muffin wohnt in einem umgedrehten blauen Karton. Er bekommt gerne Post. Auch wenn er seine Briefe meistens aufisst. Schließlich ist er ein Meerschweinchen! An einem Mittwochmorgen erwacht Herr Muffin. Alles tut ihm weh. Die Beine. Und der Bauch auch. Die Tierärztin schüttelt den Kopf. Herr Muffin wird sterben. Er ist schon ziemlich alt – zumindest für ein Meerschweinchen. In seinem kleinen blauen Haus denkt er über sein Leben nach. Viele schöne Dinge sind da passiert. Er hatte eine kluge, freundliche Frau und sechs kuschelige Kinder. Drei

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Mal am Tag ist er gestreichelt worden. Das ergibt 7 665 mal im Leben. Insgesamt hat er 728 Gurken aufgegessen. Herr Muffin hatte ein schönes Leben. Jemand hat ihn lieb gehabt. Und als er eines Nachts schließlich stirbt, bekommt er eine richtige Beerdigung. Mit Kränzen aus Löwenzahn und einem Sarg, in dem neben ihm die Sachen liegen, die er am liebsten hatte. Die

Starke Kinder

Familie, bei der er gewohnt hat, ist traurig und weint am Grab im Garten. Dann singen die Kinder ein Lied zum Abschied. Ulf Nilssons (Text) und Anna-Clara Tidholms (Illustrationen) Bilderbuch ist berührend, traurig und wunderschön zugleich. Wahrscheinlich bringt es nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene beim Lesen zum Weinen. Aber Weinen ist ja nichts Schlimmes – Trauer, Alter und Tod gehören zum Leben. Das macht die Geschichte von Herrn Muffin auf tröstliche Weise klar. Wie soll man sich mit dem Sterben auseinandersetzen? Eine Möglichkeit zeigt Ulf Nilsson: Ein Kind schreibt Briefe an seinen sterbenden Freund Herrn Muffin, um seine Liebe, seine Traurigkeit und seine Ängste auszudrücken. Der letzte Brief steckt voller philosophischer und theologischer Grundfragen – und ist trotzdem so einfach formuliert, dass ihn auch kleine Kinder verstehen: „Jetzt weißt du mehr als wir, Herr Muffin. Jetzt weißt du, was passiert, wenn man stirbt. Der Tod ist doch ein Ausruhen, oder? Und dann ist der Tod nichts, wovor man Angst haben muss. Oder man kommt irgendwohin, zu einem ewigen Leben, und da ist man glücklich. Und dann ist der Tod etwas, worauf man sich freut. Warum sollte man vor dem Tod Angst ha-

brauchen kindgerechten Raum, zum Entdecken, zum Klettern, zum Toben, zum Spielen, zum Träumen, zum Faulenzen, um Kind zu sein. Unsere Architekten schaffen Räume, in denen sich Eltern und Kinder gleichermaßen wohlfühlen. Testen Sie uns!

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ben? So ist es doch, Herr Muffin, oder? Du weißt es doch?“ FAMILIENgeschichten | 21


erziehung

24

Man muss einen langsamen Übergang schaffen

27

Liebe & Hiebe

28

Wohin mit den unter Dreijährigen?

32

Erfolgsprämie

34

Willkommene Hilfe


Man muss einen langsamen

Ăœbergang schaffen


der sicheren und ruhigen Seite zu sein,

Nina Kölsch-Bunzen, Professorin für Frühkindliche Bildung, erklärt, warum Kinder eine richtige Eingewöhnung in Kita oder Kindergarten brauchen.

sollte man für das ganze Prozedere ruhig circa ein Vierteljahr einplanen. Die Transition kann schneller erfolgen, aber es gibt auch Unvorhergesehenes, etwa wenn das Kind krank wird. Es sollte nicht zum Leistungssport werden, dass das Kind sich möglichst schnell eingewöhnt. Denn das Tempo sagt nichts darüber aus, wie gut die Kinder in der Kita später zurechtkommen und wie groß die Lernerfolge sein werden. FamilienPackung: Wie muss Ihrer Ansicht

text Petra Pauli

fotos Fotolia/Roberto Bulgrin

nach eine Eingewöhnung ablaufen, damit sich am Ende alle wohlfühlen?

enn Kinder in die Kita oder

W

Nina Kölsch-Nunzen: Aus der Forschung

Nina Kölsch-Nunzen: Der idealtypische

in den Kindergarten kom-

weiß man, dass Kinder, die den Transi-

Ablauf nach dem so genannten „Berli-

men, sind sie oft das erste

tionsprozess nicht durchmachen kön-

ner Modell“ ist der, dass es nach dem

Mal in ihrem Leben längere Zeit von

nen und stattdessen, wie es früher oft

Vorgespräch eine dreitägige Grund-

ihren Eltern getrennt. Der neue Le-

der Fall war, schnell an der Krippentü-

phase gibt. Mutter oder Vater sind die

bensabschnitt verunsichert nicht nur

re abgegeben wurden, später in der

ganze Zeit als sichere Basis für das Kind

die Kleinen, sondern oft auch Mütter

Kindergartenzeit viel größere Probleme

da. Die Erzieherin gesellt sich dazu, ver-

und Väter. Wie muss eine Eingewöh-

haben, sich zurechtzufinden und sich

hält sich anfangs aber noch eher pas-

nung ablaufen, damit am Ende alle

gebunden zu fühlen. Es ist deshalb ganz

siv. Am vierten Tag wird dann eine erste

Beteiligten zufrieden sind? Wie können

wichtig, dass es ein Verständnis für Ein-

kleine Trennung versucht. Die Transition

Eltern ihre Kinder unterstützen? Das er-

gewöhnung gibt, das gilt für die Krippe

geht also in die zweite Phase. Wenn das

klärt Nina Kölsch-Bunzen, Professorin mit

wie für den Kindergarten, aber auch für

Kind einen ersten Kontakt mit der Erzie-

dem Schwerpunkt Bildung und Erzie-

eine Tagesmutter.

herin aufgebaut hat, wird es sich sehr

hung in der Kindheit an der Hochschule Esslingen, im Gespräch mit Petra Pauli.

FamilienPackung: Viele Eltern haben den Termin vor Augen, wann beide

FamilienPackung: Was muss man sich

wieder arbeiten. Wie viel Zeit sollte man

unter Eingewöhnung vorstellen?

mindestens für eine Eingewöhnung ein-

Nina Kölsch-Nunzen: Wir sprechen in

planen, um Stress zu vermeiden?

sitionen beziehungsweise Übergänge, und zwar von Anfang an. Die erste Transition ist die Geburt. Menschen erleben formale Übergänge, etwa in die Schule oder ins Berufsleben, aber auch informelle, etwa durch die Geburt eines Geschwisterkindes, später durch das Zusammenziehen mit einem Partner oder durch Trennung. Der Übergang in Kita oder Kindergarten sollte deshalb keine

„Wichtig ist, dass man mit dem Kind offen umgeht und sich nicht hinausschleicht.“

Frage danach sein, ob ich das dem Kind zumuten sollte. Die Herausforderung ist vielmehr, wie Transition gestaltet wird und ob die Eltern und das Kind Transitionskompetenz entwickeln können.

nutenlanges Weinen ist nicht zu tolerieren. Ist das Kind noch nicht so weit, beginnt man wieder mit der Grundphase. FamilienPackung: Und wenn der Trennungsversuch geklappt hat ...

der Wissenschaft von Transition. Jeder Mensch erfährt in seinem Leben Tran-

schnell wieder beruhigen lassen. Ein mi-

Nina Kölsch-Nunzen: ...ist die dritte Phase erreicht, die Stabilisierungsphase. Das Kind wird gebracht, die Eltern sagen dem Kind noch, dass sie jetzt gehen, ziehen den Abschied aber nicht in die Länge. Wichtig ist, dass man mit dem Kind offen umgeht und sich nicht hinausschleicht. Denn wie soll das Kind etwas lernen und Vertrauen aufbauen, wenn es ausgetrickst wird? Die Zeit, bis die Eltern wiederkommen, wird fortan langsam gesteigert. Anfangs wird es

Nina Kölsch-Nunzen: Die Transition des Kindes sollte innerhalb der Familie einen hohen Stellenwert haben. Wenn etwa die Mutter wieder in den Beruf

FamilienPackung: Geht es nicht auch

einsteigt, sollte das nicht parallel ab-

ohne Eingewöhnung nach dem Motto

laufen, weil die Familie eine doppelte

„Augen zu und durch“?

Transition zu verkraften hätte. Um auf

nur eine halbe bis eine Stunde sein. So eine Transition kann nach einer Woche abgeschlossen sein, sie kann aber auch durchaus zwei bis drei Wochen dauern. Im Krankheitsfall auch länger, weil wieder von neuem angesetzt werden muss. FamilienPackung: Welche Rolle haben Erziehung | 25


Eingewöhnung sollte nicht zum Leistungssport werden, warnt die Professorin Nina KölschBunzen. Denn das Tempo sagt nichts darüber aus, wie gut die Kinder später in der Kita zurechtkommen.

die Eltern? Vor allem den Müttern fällt

eine Bindung aufbaut, diese aber nicht

legen – gut mit dem Kind kooperieren

es ja oft nicht leicht, ihr Kind abzugeben

die bestehende negiert.

können, kann man sagen, dass die Ein-

und es vielleicht durch die Türe herzzerreißend schreien zu hören? Nina Kölsch-Nunzen: Soll die Transition gelingen, wird man das Kind nicht so schreien lassen, sondern warten, bis die Bindung zur Bezugserzieherin belastbar genug ist, sodass das Kind sich von ihr recht schnell auch trösten lässt. Eltern fällt bei der Transition eine sehr wichtige Rolle zu. Ich denke, das Wichtigste ist, dass die Eltern sich selbst klarmachen, dass eine qualitativ hochwertige Krippe und ein qualitativ hochwertiger Kindergarten in jedem Fall etwas Positives für das Kind sind. Eltern sollten überzeugt sein und nicht noch im Innersten mit

FamilienPackung: Brauchen nicht auch die Eltern oft so eine Art Eingewöhnung

FamilienPackung: Die Kinder haben sich

in die neue Situation?

eingelebt und scheinen sich wohlzufüh-

Nina Kölsch-Nunzen: Man sollte dem Kind und auch sich selbst zugestehen, dass es Unsicherheiten in dem Übergangsprozess

gibt

und

über

diese

auch reden: mit dem Partner, mit den Bezugserziehern und durchaus auch kindgerecht mit dem Kind selbst. Weder übertriebene Munterkeit („Alles halb so schlimm“) noch ein ewiges In-denArm-nehmen („Ach, mein armes, armes Kind“) helfen weiter. Die Lösung liegt darin, sich sehr ehrlich und offen mit ei-

sich ringen, ob die Entscheidung rich-

ner für alle Beteiligten nicht leichten Si-

tig war oder man nicht doch eher zur

tuation auseinanderzusetzen, um daran

Spezies der Rabeneltern gehört. Den

zu lernen und wachsen zu können.

Selbsterklärungsprozess und auch eine positive Haltung zur Berufstätigkeit halte ich für ganz wichtig.

gewöhnung erfolgreich gelaufen ist.

FamilienPackung: Wann kann man sagen,

dass die Eingewöhnung geklappt hat?

len. Und von einem Tag auf den anderen wollen sich nicht mehr in die Einrichtung gehen und weinen heftig. Sind solche Krisen typisch und wie viel Bedeutung sollte man ihnen beimessen?

„Man muss einen langsamen Übergang schaffen. Das gilt für das Kind, aber auch für die Eltern, die Zeit brauchen.“ Nina Kölsch-Nunzen: Das kann verschiedene Gründe haben. Möglicherweise

Nina Kölsch-Nunzen: Eine gelungene

hat sich in der Familie oder im Kinder-

Transition kann man daran erkennen,

garten eine Veränderung ergeben, die

dass das Kind eine positive Bindung

das Kind beschäftigt und verunsichert.

zum Bezugserzieher aufbaut. Die neue

Dem müsste man nachgehen, um da-

Nina Kölsch-Nunzen: Man muss einen

Bezugsperson wird zu einer Basis für

rauf gezielt mit Unterstützung reagieren

langsamen Übergang schaffen. Das gilt

das Kind, von der aus es anfängt, sich

zu können. Wenn das alles nicht der Fall

für das Kind, aber auch für die Eltern, die

auf andere einzulassen, zu spielen und

ist, kann es eventuell so sein, dass das

Zeit brauchen, sich gefühlsmäßig auf die

sich im Raum zu bewegen. Man sollte

Kind seinen Kummer über die Transition

neue Situation einzustellen. So muss etwa

die Kinder beobachten, wie sie konkret

doch noch nicht genügend zum Aus-

die Mutter, sofern sie bisher die Hauptbe-

handeln. Daran kann man recht genau

druck gebracht hat. Dies ist nicht häufig

zugsperson war, damit zurechtkommen,

erkennen, ob sie sich wohlfühlen. Wenn

der Fall, kann aber durchaus vorkom-

dass jetzt eine andere Person auch eine

die Bezugserzieher im Grunde in allen

men. Dann kann es von Vorteil sein,

wichtige Rolle im Leben des Kindes spielt.

wichtigen pflegerischen und pädago-

wenn die Hauptbezugsperson das Kind

Die Bindungsforschung sagt hier eindeu-

gischen Aufgaben – vom Spielen übers

begleitet und sich nochmals ein wenig

tig, dass das Kind zu den Erziehern zwar

Füttern und Wickeln bis zum Schlafen

Zeit nimmt, um in der Einrichtung zu sein.

FamilienPackung: Was können Eltern dazu beitragen, dass dem Kind das Loslassen leichter fällt?

26 | Erziehung


die Kartoffeln abzählt, wenn sie ihren Kindern beim Mittagessen die Teller füllt.

Liebe & hiebe Warum müssen Geschwister um alles streiten? Eigentlich ist das Stofftier ziemlich unbeliebt, liegt in der Ecke neben den Brettspielen und wird nur selten beachtet – es sei denn, die Schwester hat es gerade.

Vom Tisch ist drohende Ungerechtigkeit damit aber noch lange nicht. Bei uns gab es früher regelmäßig Streit wegen der Dessertlöffelchen. Ein Mitbringsel aus dem Urlaub, jeder Löffel hatte ein anderes Motiv: Bär, Windmühle, Schiff und so weiter. Irgendwer kam auf die Idee, die Bildchen in eine Reihenfolge zu bringen. Wer die Windmühle nehmen musste, war der absolute Verlierer und das Eis war einem dermaßen versauert, dass man am liebsten sofort auf sein

text Petra Pauli foto DPA

Zimmer gegangen wäre – hätte man nicht befürchten müssen, dass die Geschwister dann in den Genuss einer Extraportion gekommen wären. Undenkbar! Eltern versuchen ja immer Anlässe für Streit auszudiskutieren oder aus dem Weg zu räumen. Da kann man aber auch danebenliegen oder wie im Fall einer Bekannten daneben sitzen. Ihre Kinder stritten sich immer um das Kinderstühlchen zum Schuhe anziehen. Kein Problem, dachte sie sich und bestellte eine Kinderbank, auf der beide gleichzeitig sitzen konnten. Allerdings war das Bänkchen mit bunten Tieren bemalt und jetzt musste vor dem Anziehen jedes Mal diskutiert werden, wer bei welchem Tier Platz nehmen darf. Ich erinnere mich, dass mein eigener Bruder irgendwann feststellte, dass er mit Reden bei mir wohl

W

nicht weiterkommen würde. Als ich mir

ir hatten uns das so schön

der robben lernte und die aufregende

ausgemalt. Allein sollte die

Welt um ihn herum in sich aufsaugte,

erstgeborene Tochter nicht

was leider manchmal wörtlich zu neh-

aufwachsen. Mit einem Bruder oder

men war. „Der macht alles nass und

einer Schwester macht doch alles dop-

das darf der nicht!“, schrie unsere Toch-

pelt so viel Spaß, dachten wir. Und ein

ter empört, wenn wieder Schleichtiere,

bisschen würden wohl auch wir davon

Bilderbücher oder Puppenhaare in dem

und stattdessen nach den tieferen Ur-

profitieren, wenn die beiden Kleinen

sabbernden Babymund verschwanden.

sachen forschen sollen: Ist es Eifersucht?

miteinander spielen und Mama und

Alles konnte fortan Anlass für Streit sein:

Aufmerksamkeit auf sich ziehen? Aber

Papa als Animateure mal eine Pause

Karottenstückchen, die sonst eigentlich

auch mit Sachlichkeit sind wir der Sa-

einlegen können. Anfangs sah auch

keiner mag, oder wer der Erste beim

che nicht auf den Grund gekommen.

noch alles nach dem Beginn einer har-

verhassten Zähneputzen ist. Im Grunde

Dagegen hat mir eine Mutter jetzt er-

monischen Geschwisterliebe aus. Denn

will jeder immer genau das, was gerade

zählt, dass sie völlig entnervt ihre Kinder

ein Schicksal wie bei Freunden blieb

der andere hat. Und zwar nicht später,

anschrie: „Warum müsst ihr eigentlich

uns erspart. Deren Sohn fragte ungläu-

sondern jetzt, sofort, in diesem Moment.

immer streiten?“ Und ihre Tochter ver-

big „Bleibt die etwa über Nacht?“ und

Da darf man sich auch nicht wundern,

söhnlich antwortete: „Sonst wäre es

machte damit eindeutig klar, was er

wenn der kleine Bruder („auch haben

doch viel zu langweilig.“ So ist das also.

vom Einzug des frisch geborenen Ge-

will“) rosa Spangen in den Haarstoppeln

Mit Geschwistern ist es doch viel schö-

schwisterchens hielt. Aber auch bei uns

trägt und Handtäschchen mitschleppt.

ner. Nur hatten wir Eltern uns das ein

begann es zu kriseln, als der kleine Bru-

Ich habe von einer Mutter gehört, die

bisschen anders ausgemalt.

mal wieder verbotenerweise seine Hörspiel-Kassetten ausgeliehen habe, flatterte ein Drohbrief aus der Hülle: „Noch einmal! Das gibt!“ In Ratgeberbüchern steht häufig, dass Eltern sich aus Streitereien raushalten

Erziehung | 27


Wohin mit den unter Dreij채hrigen? Ab 1. August 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz


werden, weiß Kariane Höhn nicht. „Es

Ein Jahr lang war für die Familie Shelkunov die Welt in Ordnung. Mit sechs Monaten kommt ihr kleiner Sohn Mark in die Kindertagesstätte auf dem Campus der Hochschule Reutlingen, die Eltern können weiter-

ist schwierig für Kinder zu planen, die noch nicht einmal geträumt sind.“

Kraftakt für Gemeinden

studieren. Im November vergangenen Jahres muss Mark dann einem

Es sei Kraftakt für die Gemeinden –

Kind einer Hochschulangestellten Platz machen, denn die Campus-Kita

„aber ohne Alternative“, bringt es der

kann nur dann Kinder von Studierenden aufnehmen, wenn freie Plätze vorhanden sind. Familie Shelkunov macht sich also auf die Suche nach einer neuen Kleinkindbetreuung – wie viele andere Familien auch. text Monika Toman-Banke fotos fotolia

R

Esslinger Bürgermeister, Markus Raab, auf einer Gemeinderatsitzung im November 2010 auf den Punkt. „Es kann nicht sein, dass wir im Verdichtungsraum mit hohem Arbeitsplatzpotential mit einer Versorgungsquote von derzeit 18,24 Prozent nur im Landesdurchschnitt liegen.“ 340 neue U3-Plätze

und 900 Kinder unter drei Jahren

2013 an ändern. Nach dem neuen Kin-

sollen hier in den kommenden zwei

stehen derzeit auf der Wartelis-

dertagesbetreuungsgesetz haben alle

Jahren geschaffen werden. Von 4,1

te für die 694 Kleinkinderbetreu-

Kinder von einem bis drei Jahre einen

Millionen Euro jährlichen Folgekosten

ungsplätze der Stadt Reutlingen. „Seit

Rechtsanspruch auf einen Platz in einer

wird in Esslingen geredet. In Reutlin-

den 90er Jahren hat sich das Nachfra-

Tageseinrichtung oder in der Kinderta-

gen sieht es ein wenig besser aus. 207

geverhalten der Eltern geändert“, er-

gespflege. Dabei sieht das Gesetz einen

Plätze müssen hier hinzu kommen, um

läutert Kariane Höhn, Leiterin der Ab-

Betreuungsplatz und nicht – wie vor al-

den Bedarfsdeckung von derzeit 24,60

teilung Tagesbetreuung für Kinder im

lem von Grünen-Politikern gefordert –

Prozent auf 33,75 Prozent zu erhöhen.

Sozialamt, die Situation. Zum einen sei

einen Ganztagsbetreuungsplatz vor.

Die Kosten für 117 Plätze wurden im

die gesellschaftliche Akzeptanz außer-

Nachtragshaushalt 2010 schon verab-

häuslicher Betreuung von Kleinkindern

schiedet. Dauerhafte Mehrkosten in

gestiegen, zum anderen wollen die Eltern nach dem Auslaufen des Eltern-

340 neue U3-Plätze

geldes nach dem ersten Lebensjahr

Höhe von 718.000 Euro für weitere 90 Plätze hat der Reutlinger Gemeinderat für den Doppelhaushalt 2011/2012

wieder in den Beruf einsteigen.

beschlossen. Insgesamt sieht dieser ein

Anna Shelkunov hat bei jeder einzel-

Das Gesetz kommt nicht von ungefähr.

Ausgabenvolumen von 35,1 Millionen

nen Kita der Stadt nachgefragt, sie

Vorausgegangen waren der öffentli-

Euro vor. Im April vergangenen Jahres

angeschrieben und angerufen. In der

che Aufschrei nach dem PISA-Desas-

wurde

Kindertagesstätte in der Planie 32 steht

ter, die Klagen der Wirtschaft über die

Besuchsgeld für die Eltern erhöht. Da-

Mark zunächst auf der Warteliste – an

Abwanderung von Fachkräften, po-

nach reicht die monatliche Beitrags-

56. Stelle. Dann bekommt er doch

litische Diskussionen über die Verein-

spanne für einen Ganztagsbetreu-

einen Platz. Den Eltern fällt ein Stein

barkeit von Familie und Beruf und die

ungsplatz mit 8 Stunden von 68 Euro

vom Herzen, nun können sie sich auf

Chancengleichheit von Frauen. Auf

bei einer Einkommensgrenze bis 15.000

ihre Abschlussprüfungen vorbereiten.

dem sogenannte Krippengipfel im Ap-

Euro und 249 Euro für ein Einkommen

„Wahrscheinlich haben wir nur deswe-

ril 2007 hatten sich Bund, Länder und

über 45.000 Euro. Hinzu kommt ein Ver-

gen den Platz bekommen“, vermutet

Kommunen darauf verständigt, bis zum

pflegungsgeld von 70 Euro. Und doch

Marks Mutter.

Jahr 2013 das Betreuungsangebot suk-

decken die Elternbeiträge nur 14 Pro-

zessive auszubauen und 750.000 neue

zent der anfallenden Kosten. An der

Krippenplätze zu schaffen, um min-

Staffelung nach dem Einkommen will

destens europäisches Durchschnittsni-

Reutlingen festhalten, „um auch Kin-

In der Tat berücksichtigen die derzeit

veau zu erreichen. Konkret heißt dies,

dern aus sozial schwachen Familien

geltenden Aufnahmekriterien besonde-

die Gemeinden müssen durchschnitt-

den Krippenbesuch zu ermöglichen.“

re familiäre Situationen. Vorrangig wer-

lich 35 Prozent des Bedarfs decken,

den zum Beispiel Kinder von Alleiner-

für jedes dritte Kind also einen Betreu-

ziehenden, aus Familien in schwierigen

ungsplatz zur Verfügung stellen. Exper-

Lebenslagen, bei denen beide Eltern

ten aus kommunalen Spitzenverbän-

zur Existenzsicherung berufstätig sein

den sehen den Bedarf weitaus höher,

Die neuen Kleinkindbetreuungsplätze

müssen, und von Eltern, die in der Aus-

vor allem in Städten wird die Bedarfs-

sollen größtenteils durch die Umwand-

bildung sind oder studieren, aufgenom-

deckung mit 50 Prozent prognostiziert.

lung

men. Doch das wird sich vom 1. August

Ob 35 Prozent in Reutlingen ausreichen

für Drei- bis Sechsjährige entstehen,

Rechtsanspruch ab 2013

das

einkommensabhängige

Veränderung der Betreuungslandschaft

von

Regelkindergartenplätzen

Erziehung | 29


der Bedarf sei hier rückläufig, erläutert

ropäischen Sozialfond gefördert und

munen in Nordrhein-Westfalen nicht

Kariane Höhn und verweist darauf, wie

erfolgt in enger Kooperation mit der

für den Ausbau der Kita-Plätze auf-

sich die Kinderbetreuungslandschaft

Agentur für Arbeit, um arbeitsuchen-

kommen müssen, sondern das Land

verändert hat und verändern wird: wa-

den pädagogischen Fachkräften, Be-

die Kosten tragen muss. Das Urteil gilt

ren es 2007 noch 52 reine Kindergärten

rufseinsteiger/innen oder –rückkehrer/

als Präzedenzentscheidung für andere

in Reutlingen, werden es 2013 nur noch

innen neue berufliche Perspektiven zu

Länder. Die frisch gekürte Präsidentin

12 sein. Neben den reinen Krippenplät-

geben.

des baden-württembergischen Städ-

zen mit Betreuungszeiten zwischen 30 und 50 Wochenstunden, spielen die rund 30 Kleinkindergruppen in Trä-

Kommunen contra Länder und Bund

gerschaft von Eltern-Kind-Initiativen,

tetages, Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch, schließt eine Klage nicht aus, wenn Gespräche mit der Landesregierung ohne Erfolg verliefen.

die knapp 300 Betreuungsplätze mit

Doch die Maßnahme scheint nicht

wöchentlichen Betreuungszeiten bis

aufzugehen,

zu 25 Stunden anbieten, und die Ta-

des Deutschen Städte- und Gemein-

gespflege mit teilweise individuellen

debundes im Oktober 2010 vermuten

Wie immer, wenn es in der Politik um

Betreuungszeiten eine große Rolle im

lassen. „Es wird immer schwieriger,

Zahlen

Reutlinger Betreuungsangebot. „Wir

geeignete Tagesmütter zu finden, und

droht

haben einen ganzen Strauß voller un-

viele Eltern bevorzugen die Betreuung

Kleinkinderbetreuung

terschiedlicher Konzepte, um auf die

in einer Kita“, heißt es da. Der Bedarf

det zu werden. Aber gerade die

Wünsche der Eltern einzugehen“, sagt

an Kita-Plätzen sei daher wesentlich

frühkindliche Förderung gilt als eine

Kariane Höhn.

höher. Eine Flut von Klagen der Eltern

Möglichkeit, die in der Pisa-Studie

sei absehbar.

aufgezeigten Defizite des deutschen

wie

Verlautbarungen

Ausbau der Tagespflege

Wichtiger als jede Elite-Uni und der

Finanzierungen

qualitative

Aspekt

geht, der

ausgeblen-

Bildungssystems ein Stück weit auszugleichen. So schreibt Claudia Hupp,

Anna Shelkunov hat überlegt, ob sie ih-

Chefredakteurin des Fachblatts „Pra-

ren Sohn einer Tagesmutter anvertrau-

xisgestaltung in Kindergarten & Hort“

en sollte. Ein „Bauchgefühl“ hat sie da-

in der Februar-Ausgabe: „Ich sehe

von abgehalten. Kariane Höhn kennt

den Ausbau von Kitas für Kinder unter

diese Vorbehalte. Dabei sprängen

drei unter gesicherten Bildungsstan-

gerade hier viele gute Projekte an.

dards als zentrale Aufgabe der Bil-

Der Aufbau sogenannter Pflegenes-

dungspolitik – wichtiger noch als jede

ter für je fünf Kleinkinder im Haushalt

Elite-Uni. Jeder Euro, der in die früh-

der Tagesmutter und die Ausweitung

kindliche Förderung gesteckt wird, ist

der „TigeR-Projekte" (Tagespflege in

besser angelegt als das Geld für teure

geeigneten Räumen), in denen bis zu

Förderprogramme von Jugendlichen,

neun Kleinkinder von einer Fachkraft

die am Rand der Gesellschaft ste-

und einer Tagesmutter betreut wer-

hen.“ 2008 ergab eine Studie der Ber-

den, sollen vorangetrieben werden,

telsmann Stiftung, dass gut die Hälfte

zumal sie das Land bezuschusst.

der ehemaligen Krippenkinder den Sprung aufs Gymnasium schaffen, bei

ganzheitliche Förderung

Nicht-Krippenkinder waren es nur etDie Folge: Der Finanzbedarf für das

was mehr als ein Drittel.

Ausbauziel des Krippengipfels wird teurer. Statt der vom Bund geschätzten zwölf Milliarden Euro gehen die kommunalen Spitzenverbände von 18

Verbindliche Bildungspläne fehlen

Milliarden aus. Sie fordern einen neuen

Dass Kinder von Geburt an neugierig,

Für die Kommunen ist die Tagespfle-

„Krippengipfel“, der bislang von Bun-

wiss- und lernbegierig sind, ist mitt-

ge eine unverzichtbare – günstigere

desfamilienministerin Kristina Schröder

lerweile wissenschaftlich mehrfach

– dritte Säule im Betreuungsangebot.

abgelehnt wird. Auch über die Auftei-

belegt worden. Sie wollen sich und

Im Oktober 2008 wurde bundesweit

lung der Kosten wird heftig gestritten.

ihre Umwelt entdecken, kennen- und

ein „Aktionsprogramm Tagespflege“

Ein Urteil vom Oktober 2010 sorgt in

verstehen lernen. Hier setzt das päda-

gestartet, um das Berufsbild der Ta-

den Beziehungen zwischen Kommu-

gogische Konzept der frühkindlichen

gesmütter und –väter weiterzuentwi-

nen und Ländern für zusätzliche Bri-

Bildungsarbeit in der „Villa Kunter-

ckeln. Das Qualifizierungsprogramm

sanz. Der Verwaltungsgerichtshof in

bunt“ an, die 2003 als eine der ers-

wird mit 20 Millionen Euro aus dem Eu-

Münster hatte geurteilt, dass die Kom-

ten Krippen in Reutlingen ins Leben

30 | Erziehung


gerufen wurden und eine Einrichtung

gibt es keine verbindlichen Bildungs-

„die gesellschaftliche Wertschätzung

der gemeinnützigen Jugendhilfege-

pläne für Kinder unter drei Jahren in

für frühkindliche Bildungsinstitutionen

sellschaft pro juventa ist. Besonderes

Baden-Württemberg.

zu erhöhen und die Attraktivität des

Anliegen ist es, auch Kindern aus sogenannten bildungsfernen Familien

Keine Bildung ohne Bindung

einen guten Start in die Bildungskarri-

Arbeitsfeldes insgesamt zu verbessern – explizit auch für Männer“, heißt es in einer Presseerklärung des Ministeriums.

ere zu ermöglichen. „Unser Ziel ist die

„Die Grundlage für sämtliche Lern- und

ganzheitliche Förderung des Kindes“,

Bildungsprozesse des Kindes ist eine

Für andere wäre eine angemessene

sagt Andrea Baumgart, Sozialpäda-

stabile und vertrauensvolle Beziehung

Honorierung der verantwortungsvollen

gogin und Mitbegründerin der Villa

zu seinen Bezugspersonen. Dies sind in

Aufgabe des Fachpersonals schon ein

Kunterbunt.

erster Linie die Eltern und in der Tages-

Schritt in die richtige Richtung. Nach

einrichtung die pädagogischen Fach-

dem

kräfte“ erläutert Andrea Baumgart

Dienstes für Beschäftigte im Sozial- und

und stellt klar: „Ohne Bindung keine

Erziehungsbereich in Kommunen ver-

Bildung.“ Und genau an diesem seide-

dienen Vollzeit-Erzieherinnen zwischen

nen Faden hängt der Erfolg der früh-

2.064 Euro zu Beginn ihrer Laufbahn

kindlichen Bildung. Der Reutlinger Per-

und 2.898 Euro nach 17 Jahren Berufs-

sonalschlüssel von 1,75 Fachkräften für

erfahrung. Auf Bundes- und Landes-

eine Gruppe von zehn Kleinkindern, mit

ebene noch weniger. „Viele geeig-

dem auch noch die Krankheitsvertre-

nete Schulabgänger werden sich bei

tungen bestritten werden müssen, liegt

diesen Verdienstaussichten nicht für

unter dem europäischen Standard von

den anspruchsvollen Beruf der (Krip-

2,0 Fachkräften. Für die weitere perso-

pen-) Erzieher/in entscheiden“, be-

nelle Aufstockung fehlen nicht nur das

fürchtet Andrea Baumgart.

Geld, sondern auch qualifizierte Erzie-

Marks Eltern haben es geschafft. Der

„So wie in jedem Kind vielfältige Anla-

herinnen im frühkindlichen Bereich und

Vater hat seinen Bachelor-Abschluss

gen und Interessen verborgen liegen,

vor allem Erzieher. Gerade mal 2,4 Pro-

für Wirtschaftsinformatik, die Mutter

braucht es auch vielfältige Ansätze,

zent männliche Fachkräfte arbeiten in

den Master-Abschluss im Studiengang

Methoden und Impulse, um diese zu

Deutschland in Kindertagesstätten.

„International Accounting und Taxation“

„Es wird immer schwieriger, geeignete Tagesmütter zu finden“

wecken und sich entwickeln zu lassen.“ Bewegung und Musik, kreatives

Mehr Männer in Kitas

Tarifvertrag

des

öffentlichen

an der ESB Business School erfolgreich bestanden. Wenn sie entsprechende Arbeitsstellen gefunden haben, werden sie

Tun, die Erfahrung der Sinne, Sprachförderung und Naturerleben – die pä-

Auch hier hat das Familienministerium

vermutlich umziehen. Und dann geht

dagogischen

sind

aus Mitteln des Europäischen Sozial-

die Suche nach einem Ganztagesbe-

multidisziplinär geschult. Doch dies

fonds ein Programm gestartet und eine

treuungsplatz wieder von vorne los.

ist nicht überall der Fall, denn bislang

Koordinierungsstelle eingerichtet, um

Mitarbeiterinnen

Erziehung | 31


Erfolgsprämie auch für Kinder? text Annegret Jacobs fotos Fotolia/PR

Prämie für gute Noten Sollen gute Schulleistungen mit Geld belohnt werden? In vielen Familien ist der Zeugnistag auch zugleich Zahltag. Das Entlohnungssystem scheint logisch und gerecht zugleich: Für jede Note gibt es einen vorher festgelegten Betrag. Brigitte Vollmann von der Schulpsychologischen Beratungsstelle des Staatlichen Schulamtes Nürtingen in Esslingen rät jedoch davon ab: „Die Bezahlung für die Note kann das Gegenteil von dem bewirken, was die Eltern bezwecken wollen.“

FamilienPackung: In vielen Familien ist am Schuljahresende Zahltag: Als Belohnung für gute Noten gibt es Geld. Wie bewerten sie dies? Brigitte Vollmann: Ich halte es grundsätzlich nicht für richtig, Schüler für ihre Leistungen in der Schule zu bezahlen. Besonders jüngere Schüler wissen noch nicht, was Geld bedeutet. Sie können in der Regel nicht einschätzen, wie viel ein bestimmter Betrag wert ist. FamilienPackung: Das könnten sie durch die Bezahlung ja lernen: Wer gut arbeitet, bekommt mehr Geld als derjenige, der schlechte Leistung bringt – so wie später im Arbeitsleben auch. Brigitte Vollmann: Ist das im Arbeitsleben wirklich so? Ich denke, dass dieser Vergleich nicht stimmt. Wenn man die Freiberufler außen vor lässt, werden die wenigsten Berufstätigen für eine konkrete Leistung bezahlt. Vielmehr gibt es das Gehalt dafür, dass ein vertraglich festgesetztes Stundenpensum abgeleistet wird. Außerdem halte ich es für falsch, sich auf das Resultat, also die Note, zu fixieren.   FamilienPackung: Warum? Brigitte Vollmann: Eine Note sagt nicht viel über die Leistung eines Schülers aus. Für den einen Schüler kann ein „Befriedigend“ in Mathe eine Bombenleistung sein, für die er das ganze Jahr hart gearbeitet hat. Ein anderer Schüler hat überhaupt nichts getan und die „Drei“ im selben Fach aus dem Ärmel geschüttelt. Eltern sollten ihr Kind immer in seiner Eigenheit und Leistungsfähigkeit sehen.   FamilienPackung: Raten Sie generell von der Belohnung guter schulischer Leistungen ab? Brigitte Vollmann: Nein, ganz und gar nicht. Aber es ist wichtig,

32 | ERZIEHUNG


nicht nur das Ergebnis, also die Note, sondern auch den Weg

spielt gerne Geige. Seine Oma freut sich daran, will diesen Eifer

dahin, die Anstrengung, zu sehen – und zu wissen, wie man Auf-

unterstützen und gibt dem Kind fünf Euro, damit es regelmäßig

merksamkeit und Anerkennung dafür ausdrückt. Schüler freuen

übt. Was passiert aber, wenn die Oma diese fünf Euro nicht mehr

sich sehr darüber, wenn die Eltern Anteil an ihrem Schulleben

bezahlt? Wird das Kind dann noch so regelmäßig üben? Die ex-

nehmen. Wenn ein Schüler, der bislang nicht so gut in Englisch

terne Belohnung, also die fünf Euro, können bei Kindern den Ein-

war, nun einen richtig guten Vokabeltest schreibt, dann kann

druck erwecken, dass das Geigespielen an sich nichts wert ist.

man mit ihm gemeinsam noch einmal so richtig darin schwel-

Genauso ist es mit den Schulnoten. Ein Schüler soll lernen, dass

gen. Man kann ihn erzählen lassen, wie es zu dieser Leistung

Wissen ein Wert an sich ist. Ich kann mir selbst Fähigkeiten und

kam, sich daran erinnern, wie er sich hingesetzt und gelernt hat.

Kenntnisse durch Lernen erobern – das ist doch eine wunderba-

FamilienPackung: Das wird der Schüler im Moment des Schwelgens – und vermutlich langfristig, wenn er älter ist – zu schätzen

re Erfahrung. Ich rate Eltern dazu, Kinder dabei zu unterstützen, Dinge aus eigenem Antrieb anzugehen.

wissen. Nicht aber in dem Moment, in dem seine Klassenkame-

FamilienPackung:

raden für ihre tolle Leistung ins Kino gehen oder sich ein Compu-

denn tatsächlich vor allem aus eigenem Antrieb – oder nicht

terspiel aussuchen dürfen – und er selbst leer ausgeht. Was tun,

doch auch für die Mama, den Papa oder die nette Lehrerin?

wenn der Großteil der Schüler Geld fürs Zeugnis bekommt?

Lernen Schüler, besonders junge Schüler,

Brigitte Vollmann: Natürlich arbeiten alle Menschen nach einem

Brigitte Vollmann: Dass das Leben ungerecht ist, werden Kinder

Belohnungssystem. Keine Handlung wird ohne eine Motivation da-

ihren Eltern ständig nach Hause tragen. Immer bekommen an-

hinter ausgeführt. Aber wie gesagt, diese Motivation muss nicht

dere zum Geburtstag das größere Geschenk oder von ihren El-

Geld sein. Ein Lob der Eltern oder der Lehrerin ist eine tolle Beloh-

tern den Führerschein bezahlt. Das ist kein spezielles Problem der

nung. Es ist diese Art von Belohnung, die sich zudem am langfristigs-

Zeugnisse. Es ist tatsächlich ein hartes Training, aber das müssen

ten auf das Arbeitsverhalten von Schülern auswirkt. Deswegen ist es

Eltern durchstehen und ihre Haltung erklären können. Außerdem:

wichtig, loben zu können. Nicht mit einem „Na also, warum nicht

Es spricht nichts dagegen, zum Ende des Schuljahres als Beloh-

gleich so?“ den Erfolg relativieren, sondern ihn als solchen auch so

nung mit der ganzen Familie einmal in den Freizeitpark zu fah-

stehen lassen. Aber es sind nicht Lob und Anerkennung allein. Es

ren. Nur sollte die Belohnung nicht unangemessen groß ausfallen

motiviert Schüler sehr, wenn sie merken, dass sie durch Lernen Kom-

und nicht direkt mit einer konkreten Leistung verknüpft sein. Denn

petenzen hinzugewinnen, wenn sie merken, dass sie etwas können.

sonst erzeugt dies Druck: Was, wenn ich die Leistung nicht bringe – bin ich dann schuld, dass wir nicht in den Freizeitpark fahren?

„Man sollte bedenken, dass Zeit für Schüler – anders als für Erwachsene – eine ganz Brigitte Vollmann

andere Dimension hat.“

FamilienPackung: Gibt es nicht auch Schüler, die es lieben, sich mit anderen zu messen? Die es lieben, auf ein Ziel einschließlich einer fest vereinbarten Belohnung für dessen Erreichen hinzuarbeiten? Brigitte Vollmann: Die gibt es sicher. Aber man sollte bedenken, dass Zeit für Schüler – anders als für Erwachsene – eine ganz andere Dimension hat. Besonders für junge Schüler. Für sie ist am Morgen der Abend noch nicht so ganz abzusehen. Eine Woche ist lang und ein Schuljahr ewig.  Man kann sie kaum damit locken, jetzt zu lernen, um viele Monate später dafür eine Belohnung zu erhalten. Außerdem: Gute Noten sind ja an sich bereits eine Belohnung für Leistung. Und warum muss Geld eine Belohnung sein, wenn es auch so geht? Zudem kann die Bezahlung schulischer Leistung sogar das Gegenteil dessen bewirken, was die Eltern bezwecken wollten.   FamilienPackung: Inwiefern? Brigitte Vollmann: Ich will es an einem Beispiel erklären: Ein Kind ERZIEHUNG | 33


Willkommene hilfe

text Petra Pauli foto Robin Rudel

Das Wellcome-Projekt Beim Wellcome-Projekt helfen Ehrenamtliche jungen Familien in der turbulenten Anfangszeit.

D

ie Mutter sitzt im Straßencafé und versonnen betrachtet sie ihr friedlich im Kinderwagen schlafendes Kind. Oder das Kleine liegt zu Hause auf der Krab-

beldecke, brabbelt vor sich hin, während der Rest der Familie gemütlich zu Abend isst. So rosig, wie man es sich vor der Geburt ausgemalt hat, sieht der Alltag mit Baby aber leider nicht immer aus. Oft sehen junge Mütter einfach nur rot. So erging es auch Rose Volz-Schmidt, der Gründerin von Wellcome. Die Idee zu Wellcome – der Name steht für Wellness und Welcome – kam ihr nach der Geburt der ersten Tochter. Die Mutter von mittlerweile drei Kindern, die 15 Jahre lang zwei Familienbildungsstätten in Hamburg und Norderstedt leitete, glaubte sich perfekt auf die Mutterschaft vorbereitet, war sie doch beruflich ständig mit jungen Familien in Kontakt. Sie entwickelte Kursprogramme für junge Familien, baute die Väterarbeit in Norderstedt auf und war auf dem neuestem erziehungswissenschaftlichen Stand. Doch dann erlebte sie, wie weit Theorie und Praxis voneinander entfernt sein können: Schwierige Geburt, Ehemann aus beruflichen Gründen abwesend, neu in einem Stadtteil, Freunde und Familie weit weg in Süddeutschland – kurz gesagt: keine Unterstützung in Sicht.

Seit 2002 gründet die Hamburger Wellcome-Zentrale bundesAylin Neumann aus Esslingen (links) ist froh über die Hilfe von Sandra Bukschat. Die ehrenamtliche Wellcome-Helferin besucht die Familie regelmäßig und kümmert sich um die einjährige Ena, während die junge Mutter die Zeit für sich nutzen kann.

34 | ERZIEHUNG

weit nach einem social-franchising-Prinzip weitere WellcomeTeams, neue entstehen im März in Filderstadt und Holzgerlingen. Der Träger wird in beiden Fällen das Familienzentrum sein. Seit 2009 gibt es ein Wellcome-Team auch in Esslingen,


das bei der Ökumenischen Familienbildungsstätte angesiedelt ist. Auf elf Ehrenamtliche kann Koordinatorin Christel Ruof derzeit zurückgreifen. Um Wellcome in Anspruch zu nehmen, muss man übrigens keine Bedürftigkeit oder eine besondere Problemlage nachweisen. „Jeder, der sich Hilfe wünscht, ist willkommen“, sagt Christel Ruof. Die Wellcome-Helferinnen sollen im ersten Lebensjahr des Kindes vor allem die Mütter entlasten. Wie diese die Zeit nutzen – in der Regel kommen die Helferinnen ein bis zwei Mal in der Woche für zwei Stunden – ist ihnen überlassen. Irmela Theurer-Weigele, WellcomeKoordinatorin im Reutlinger Haus der Familie, ermutigt die jungen Mütter stets, auch an sich selbst zu denken, sich etwas gönnen. Also ins Café zu gehen statt Küche putzen. „Die meisten sagen im Vorgespräch, dass sie das nicht brauchen“, hat Theurer-Weigele die Erfahrung gemacht, „und hinterher sind sie froh, wenn sie es doch gemacht haben“. Im April 2010 ging eine Wellcome-Team mit neun Ehrenamtlichen in Reutlingen an den Start. „Unser Angebot spricht sich herum“, sagt Theurer-Weigele und inzwischen stehen Familien sogar schon auf der Warteliste. Die Koordinator ist deshalb auf der Suche nach weiteren Helferinnen. Interessierten Familien rät sie, sich möglichst frühzeitig zu melden: „Bei Notrufen ist es manchmal etwas schwierig, sofort jemand für den Einsatz zu finden.“ Die Helferinnen kommen normalerweise drei Monate lang in eine Familie. Ein Ersatz für eine Hebamme oder für professionelle Hilfe von Familien in schwierigen Lebenslagen kann und will Wellcome nicht sein. Irmela Theurer-Weigele möchte das Angebot lieber als „moderne und organisierte Form der Nachbarschaft“ verstanden wissen.

Wellness und Wellcome Die Helferinnen sind dabei aber keine Putzfrauen oder Haushaltshilfen. Ihre Aufgabe soll es sein, sich um den Nachwuchs, um das Neugeborene oder auch größere Geschwister, zu kümmern. Die meisten Eltern wünschen sich Hilfe durch eine Wellcome-Mitarbeiterin, wenn das Baby schon einige Monate alt ist. Dann nämlich stehen Freunde und Bekannte nicht mehr wie in der Anfangszeit neugierig parat und auch der frischgebackene Papa muss in der Regel wieder zur Arbeit.

Wellcome in Ihrer Nähe: Familien und interessierte Freiwillige aus Reutlingen und Umgebung melden sich beim Wellcome-Team unter Telefon 07121 / 92 96 17, Fax: 07121 - 92 96 23 oder per Mail: reutlingen@wellcome-online.de. Sprechzeiten: Donnerstag von 9 bis 12 Uhr . In Esslingen ist das Wellcome-Team zu erreichen unter Telefon 0711 / 39 69 98 15, Fax: 0711 - 35 00 43 oder per Mail: esslingen@ wellcome-online.de. Sprechzeiten: Donnerstag von 10 bis 12 Uhr. Pro Stunde kostet die Hilfe maximal fünf Euro, eine Ermäßigung ist unter Umständen möglich. „Die Hilfe soll nicht am Geld scheitern“, betont Christel Ruof. www. wellcome-online.de

ERZIEHUNG | 35


viel unterwegs

38

Wie der Weg das Ziel sein kann

41

Ausflugsziele

60

Lesesommer


Wie der Weg

Das Ziel sein kann Einmal nach Sarajevo und zur端ck: Harald und Kathrin Bosch aus Reutlingen legten 1.401 Kilometer mit dem Rad zur端ck. Im Gep辰ck: ihre vier Kinder, f端nf Drahtesel und jede Menge Risikofreude.


„Aber dann hatte man das Gefühl, bis ans Ende der Welt fahren zu können.“ text Carina Stefak fotos PR/Carina Stefak

immer dabei. In den Städten ging’s in die Jugendherberge. Wasser hatte die Familie stets an Bord, eingekauft hat sie jeden zweiten Tag. „Obst gab’s überall in Mengen – und dazu noch meist sehr billig. Oft gekauft haben wir auch Fladenbrot.“ Gekocht wurden fast immer einfache Sachen, wie Gemüsesuppe, Nudeln oder Griesbrei. „Und fast überall gab’s eine Bäckerei.“ Auch gesundheitlich ging es allen bestens. Nur Kathrin Bosch klagte anfangs über Knieschmerzen, die sich aber bald dünne

machten.

Schmerztabletten,

Salben und Pflaster hatte sie ja mitgeWenn Familie Bosch vom letzten Som-

Harald Bosch hinzu. „Ansonsten woll-

nommen. Für den Fall der geschlosse-

merurlaub erzählt, glaubt der Zuhörer,

ten wir ganz frei sein und einfach gu-

nen Apotheken. Und krassere Unfälle?

sich verhört zu haben. Was Harald und

cken wie es wird.“ Der 35-Jährige und

„Durft’s nicht geben“, sagt die Vier-

Kathrin Bosch mit ihren vier Kindern er-

seine Frau sitzen an ihrem heimischen

fachmutter rückblickend. 50 Kilometer

lebt, ja regelrecht geschafft haben,

Küchentisch, auf der Eckbank drängen

fuhren die Boschs im Schnitt pro Tag. Für

klingt einfach unglaublich. Mit dem

sich ihre vier Sprösslinge. Sie wollen na-

Untrainierte keine Kleinigkeit. Und gera-

Fahrrad in den Urlaub fahren, das ma-

türlich auch mit dabei sein, wenn über

de für Kinder eine ganz schöne Strecke.

chen nicht wenige. Auf dem Fahrrad

ihren Urlaub geschrieben wird. Auf dem

Woher nehmen die kleinen Boschs die-

in den Urlaub fahren, ist dagegen eher

Tisch stehen Kaffee und Kekse – man

se Ausdauer? Kadvan, Silga, Jorun und

eine Seltenheit. 38 Tage, 1.401 Kilometer,

lehnt sich zurück und dann wird erzählt.

Riwalenn lächeln schüchtern. Für sie ist

vier Kinder, fünf Räder und Null Angst,

das Fahrrad kein entfernter Bekannter.

dass was schiefgehen könnte – das sind

Im Vorgarten ihres Reutlinger Hauses

die Eckdaten für diesen verrückten Trip. Ihren Urlaub haben Harald und Kathrin Bosch schon immer am liebsten reisend verbracht. Dann ging’s beispielsweise nicht nur in die Bretagne, auch dort zog’s sie von Ort zu Ort. Jugendherberge und Zeltplatz waren nicht selten der

„Da lernt man, zu schätzen, was

stehen die Drahtesel bereit – und kommen jeden Tag zum Einsatz. „Wir fahren jeden Tag damit. Kaufen ein, besuchen Freunde, die Kinder fahren auf diese Weise in die Schule. Außerdem wan-

man hat.“

dern wir viel zusammen. Die Kinder kennen Disziplin und somit sind sie sehr fit“,

Ort für ein Nachtlager. Die Boschs lieben

erklärt Kathrin Bosch und lacht. Zwin-

das Einfache. „Nicht unbedingt schnell

Was

ziemlich

gen muss man sie also nicht. Dennoch:

vorankommen, dafür aber ganz nah

durchgeknallten Idee und jeder Men-

Manchmal ist es auch anstrengend ge-

dran sein“, beschreibt Harald Bosch den

ge Risiko klang, nimmt sehr schnell kon-

wesen. „Am ersten Tag, die Alb hochzu-

Reiz daran, vorwiegend mit dem Rad

krete Formen an. Die Boschs hatten

fahren, das war echt nicht ohne“, räumt

und zu Fuß unterwegs zu sein – ganz

zwar keine genaue Vorstellung davon,

die gebürtige Pariserin ein. „Aber dann

ohne sportlichen Ehrgeiz. So handha-

was alles auf sie zukommt, aber sie

hatte man das Gefühl, bis ans Ende der

ben sie es jahrelang. Bis vergangenes

wussten, sie können sich aufeinander

Welt fahren zu können.“ Das klingt nach

Jahr schon deutlich größere Pläne rei-

verlassen. Grobe Planungen gab es

Erholung pur. Und genau das war es für

fen. Von Reutlingen nach Bosnien soll’s

natürlich schon, niemand fährt wohl

die junge Familie auch. Und das wollte

gehen, 1.401 Kilometer weit, die mit

einfach ins Blaue. Strikte Vorgaben

sie voll und ganz auskosten. „Während

dem Rad zurückgelegt werden. Darü-

haben sich die sechs aber keine ge-

des Urlaubs waren wir nicht erreichbar.“

ber hinaus geht’s mit Zug und Schiff.

macht. „Damit es locker bleibt, haben

Selbst, wenn sich die Familie Sorgen ge-

wir uns keine festen Ziele vorgegeben“,

macht hat – „wenn wir weg sind, sind

Wo fängt man da mit dem Planen an?

erklärt Harald Bosch. „Vorreservierun-

wir weg“.

Und was nimmt man alles mit? „So we-

gen bedeuten nur Stress, denn dann

nig wie möglich“, sagt Kathrin Bosch

gerät man schnell unter Druck.“ Und

Bis Bayern klappte alles reibungslos. Am

und grinst. „Zwei Hosen, zwei Hemden,

auch sonst sollte alles möglichst zwang-

Ammersee wartete eine Überraschung

ein Paar Schuh‘ – das war’s.“ Vielleicht

los sein. Geschlafen wurde im Zelt, in

auf die Abenteurer aus der Achalm-

noch

Unterwegs

der Scheune, in einem Maisfeld oder

stadt. Mitten im Wald wollte die Familie

„kann man ja auch einkaufen“, fügt

am Straßenrand – der Schlafsack ist ja

Pause machen. Eine Försterin wurde auf

eine

Regenjacke.

anfangs

nach

einer

viel unterwegs | 39


Sechs, die immer zusammenhalten: Kathrin und Harald Bosch mit ihren vier Kindern Kadvan, Silga, Riwalenn und Jorun.

sie aufmerksam und bot ihnen einen

nicht geholfen. Doch meistens spielte

spricht selbst die Minenfelder an. „Aber

Schlafplatz an. „Das war toll, die hatte

das Wetter mit und zeigte den Radlern

auch die waren immer mit Warnungen

ganz viele Tiere“, erinnert sich der elf-

wunderschöne Bergpanoramen.

gekennzeichnet.“ Dennoch: Die guten

weiß noch, dass „sie uns Popcorn und

Gipfel, Flachland, Metropolen – man

Lagerfeuer zu sitzen, gemeinsam auf

Semmeln gebracht hat – und jeder hat

kriegt schon eine Menge zu sehen, in

Gitarre und Blockflöte zu musizieren, ein-

ein Tier aus Stein bekommen.“ So viel

knapp vierzig Tagen Fahrradtour. Die

fach die Natur zu genießen – das macht

Gastfreundschaft? Bestimmt nicht all-

Eindrücke waren überwältigend und

wirklich Lust auf mehr. Doch für Familie

täglich. Kam so etwas denn öfter vor?

regen, auch nach dem Urlaub, immer

Bosch zählt nicht nur das Vergnügen. Sie

„Ja, wir wurden ständig eingeladen,

noch zum Nachdenken an. Während in

will ihren Kindern die Welt näher bringen,

von den Leuten, an denen wir vorbei

Städten wie Sarajevo das Leben blüht

will ihnen fremde Länder und andere

kamen“, lacht Harald Bosch. „Meistens

und jede Menge geboten ist, sind die

Kulturen hautnah und ganz echt näher

auf einen Kaffee oder einen Schnaps.“

Menschen in den Bergen oft bettelarm.

bringen. Will sie in Kontakt bringen, mit

Eindrücke überwiegen. Gemütlich am

jährige Kadvan. Seine Schwester Silga

Oder aber fotografiert – zu sechst auf

dem echten Leben und nicht mit einer

Rädern und auf großer Reise ist die mu-

präparierten Kulisse. Der sorgsame Um-

tige Familie für viele doch eine Attraktion. Auch die Verständigung klappte problemlos. „In Kroatien und Bosnien kommt man mit Englisch gut durch“, sagt Harald Bosch. Ansonsten gibt’s ja

„Überwältigende Eindrücke“

gang mit der Natur liegt ihr dabei sehr am Herzen. Sie sauber zu halten, ein Feuer auch zu löschen, nachdem man es entzündet hat, den Müll wieder mitzunehmen, nachdem die Verpackungen geleert worden sind – „das bringen wir

noch Hände und Füße. „Dort oben, bei den Köhlern hat man

unseren Kindern schon bei“, betont Ka-

Klingt mitunter ganz schön anstrengend.

wirklich das Gefühl, das ist das Ende

thrin Bosch. Würde die Familie so etwas

Faul auf einem Strandtuch liegen, die

der Welt“, sagt Harald Bosch mit ruhiger

nochmal machen? Alle sechs nicken

Nase in ein Buch gesteckt und die Son-

Stimme. „Und egal, wie arm die Leute

heftig. Das würden sie. Die nächste

ne auf der Haut spüren, das kühle Meer

sind, sie waren immer hilfsbereit“, fügt

Reise steht schon in den Köpfen der

in direkter Nachbarschaft – wäre das

seine Frau hinzu. „In ihren Augen waren

Boschs. Die Zielgerade der letzten Rei-

nicht sehr viel entspannter, als stram-

wir noch ärmer als sie.“ Da lernt man, zu

se wird Startpunkt der Kommenden

pelnd und schwitzend auf einem Fahr-

schätzen, was man hat. „Uns geht’s gut

sein. Und die Planungen sind schon im

radsattel zu hocken? Noch dazu, ohne

– wir haben Fenster.“ Für das Ehepaar

Gange: Mit dem Flieger geht‘s bis nach

eine Sekunde für sich? Kathrin Bosch ist

Bosch hatte diese Art zu Reisen einen

Bosnien, die Tickets sind bereits gekauft.

nicht überzeugt. „Auch in fünf Wochen

wichtigen Bildungseffekt. „Wir möch-

Auch die Räder sind wieder an Bord.

Strandhotel-Ferien gibt’s mal Zoff“, ist sie

ten nicht Urlaub machen in einer vor-

Und von Sarajevo zieht‘s die Reutlinger

sicher. Die Laune betrübte den Boschs

gefertigten Welt für Touristen.“ Deshalb

weiter, weiter in den Osten. Wenn alles

höchstens der Regen. In Innsbruck wur-

haben sie auch die Küsten eher ausge-

gutgeht, bis nach Istanbul.

den Freunde besucht. „Da kamen wir

spart und sind bald ins Landesinnere

wirklich pitschnass an“, erinnert sich Ka-

abgebogen. Das kann mitunter ganz

thrin Bosch. Selbst die Regenjacke hat

schön gefährlich werden. Harald Bosch

40 | viel unterwegs


Freizeit-Tipps für die Sommerferien

Sensapolis

42

Komm mit mir ins Abenteuerland Steiff-Museum

44

Zum Knuddeln Schwaben Park

46

Für Kleine und auch Große Neckar-Käpt´n

48

Mit dem Neckar-Käpt`n auf große Fahrt Draisinenfahrt

50

Verfahren kann sich keiner Hofgut Hopfenburg

52

Nomadenleben auf Zeit Legoland

54

Heldenhaft und galaktisch Haupt- und Landgestüt Marbach

56

Immer einen Besuch wert


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Komm mit mir ins Abenteuerland

text und fotos Barbara Forro

Indoor-Abenteuerspielplatz Sensapolis

Für ein paar Stunden im Schloss residieren, auf einem Piratenschiff segeln oder mit einem Raumschiff das Universum erkunden: Im Indoor-Freizeitpark Sensapolis gibt es haufenweise Möglichkeiten zum Spielen, Toben und Erkunden.

I

n einem normalen Kinderzimmer ist der Platz beschränkt. Zwischen Bett, Schrank und Schreibtisch kann man kein Schloss bauen. Kein Piratenschiff segeln lassen. Da muss

man sich auf die eigene Fantasie verlassen und sich, wie es die Pop-Gruppe Pur schon besang, ins eigene „Abenteuerland“ hineinträumen – dafür dann mit unendlich viel Platz zum Toben und Spielen und voller Erlebnisse. „Unendlich“ viel Platz bietet das Sensapolis zwar nicht, aber weit mehr als genug: Auf über 10.000 Quadratmetern werden im IndoorFreizeitpark in Böblingen so manche Kinderträume wahr.

Der große Spielplatz ist in mehrere Themenwelten gegliedert. Allein im Märchenschloss gibt es auf 800 Quadratmetern zahllose Räume und Geheimnisse zu erkunden. Lena will heute Prinzessin sein. Die Fünfjährige nimmt erst einmal auf „ihrem“ Thron Platz. Aber wohin führt der geheime Gang hinter dem Thron? Direkt in den Gruselkeller: Dort werden Drachen gezüchtet, und allerhand kuriose Erfindungen 42 | viel unterwegs


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gibt es zu bestaunen. Im königlichen Ballsaal dreht Lena ein

nach dem Unglück in Japan alle sprachen? Und warum

paar Pirouetten und verfolgt aufmerksam den animierten

fliegt eigentlich ein Heißluftballon? Auf spielerische Weise

Tanzlehrer, um sich höfische Tänze beibringen zu lassen.

werden solche Naturphänomene und kleine Fragen des All-

Einmal Weltraum und zurück

tags erklärt. Mitunter auch sehr praktisch: Der Heißluftballon etwa kann mit heißer Luft befüllt werden, bis er an die Decke hochsteigt. Nur mitfliegen kann man leider nicht.

Keine Lust auf so einen Prinzessinnenquatsch hat ihr zwölfjähriger Bruder Sven. „Echte Jungs“ kommen natürlich auf ihre Kosten. Das Raumschiff „Second Solar“ ist genauso groß wie das Schloss. Aliens gilt es zu erforschen, und das Schiff muss außerdem aus einem Asteroidenschwarm herausgeleitet werden. „Oh, Alarm im Labor!“, ruft Sven. Kleine fiese Aliens sind ausgebrochen. Sven legt mit der Laserpistole an, zielt – und schon sind die Aliens lahm gelegt. Wer genug vom Weltall hat, der ist über eine der steilen Rutschen ruckzuck wieder zurück auf der Erde. Und dort ist Action geboten: Im Klettergarten etwa sind Geschicklichkeit und Mut gefragt. Über Hängebrücken, Leitern und Hindernisse wie wacklige Baumstämme kommt man von einem Turm zum nächsten – die 100 Meter sind kein Zuckerschlecken. Wem das noch nicht reicht, der steht beim Hochseilgarten vor einer richtigen Herausforderung. Natürlich ist jeder Kletterer ausreichend gesichert: Aber beim Blick auf den fast 50 Meter langen, kniffligen Parcours in einer Höhe von 15 Metern schlottern vielleicht doch dem ein oder anderen die Knie.

Spielerisch dazulernen Das Sensapolis bietet aber auch eine Erfahrung der beson-

Im Rolli-Parcours können Kinder erfahren, wie es ist, mit Handicap zu leben.

Das Sensapolis liegt in der Melli-Beese-Straße in Böblingen, Autobahnausfahrt (A81) Böblingen-Hulb. Da das Gebiet

deren Art. Ein kleiner Parcours ist nur für Rollstühle aufge-

noch bebaut wird: alternativ Calwer Straße ins Navigations-

baut – mit kleinen Steigungen, engen Kurven und unter-

system eingeben. Geöffnet ist der Freizeitpark Montag bis

schiedlichen Belägen. So kann sich jeder selbst in die Lage

Freitag von 12 bis 20 Uhr; am Samstag und Sonntag, in den

versetzen, wie schwierig es sein kann, einen Rollstuhl berg-

Ferien (Baden-Württemberg) und an Feiertagen von 10 bis

auf und um enge Biegungen zu lenken. „Das ist gar nicht

20 Uhr. Kinder ab 4 Jahre und Erwachsene zahlen 15 Euro für

so leicht“, findet Lena. Auch kleine Forscher und Entdecker

ein Ticket, ein Familienticket (2 Erwachsene, 2 Kinder) gibt es

können dazu lernen. Wie entsteht ein Tsunami, von dem

für 48 Euro. Weitere Informationen unter www.sensapolis.de.

viel unterwegs | 43


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ZUM KNUDDELN

text Marion Schrade foto PR/Marion Schrade

Steiff-Museum Giengen 3.000 Teddybären auf einem Schiff – und alle sind verschwunden. Fast so wie damals bei der Titanic. Gemeinsam mit der Puppe Frieda und dem Teddybären Knopf machen sich kleine und große Besucher daran, dass Geheimnis der verlorenen Bären zu lüften. Mit der Reise auf den Planeten Plüsch beginnt das Ausflugsabenteuer im SteiffMuseum in Giengen an der Brenz, der Hauptstadt der Kuscheltiere.

D

ie 22-minütige interaktive Tour führt zunächst auf den Grund des Meeres: Sind die 3.000 Stoffbären, die ein Amerikaner im Jahr 1902 bei der Firma Steiff bestellte,

mit ihrer „Teddytanic“ hier gesunken? Frieda und Knopf treffen im Ozean auf kleine Fische und große Haie („koi Angscht, der will bloß spiela“). Alle sind aus Plüsch. Sogar die Muscheln. Aber Bären gibt’s hier keine. Ebenso wenig wie in der Eiswelt, in der sich plüschige Pinguine in schwarz-weißen Rennanzügen rasante Skirennen liefern. Ob Frieda und Knopf die Bären jemals finden werden?

Mit dieser spannenden Suche gelingt dem Steiff Museum, das anlässlich des 125. Firmenjubiläums im Jahr 2005 eröffnet wurde, ein märchenhafter Einstieg in die Geschichte des schwäbischen Unternehmens. Der Rundgang durch die 2.400 Quadratmeter große Ausstellung führt auf drei Etagen an über 2.000 Steiff-Tieren vorbei. Im „Streichelzoo“ ist Anfassen ausdrücklich erlaubt: hier gibt es riesige Plüschtiere, die dank einer besonderen Metallkonstruktion bis zu 200 Kilo Gewicht aushalten. Dementsprechend nutzen nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene gerne die Gelegenheit, einmal auf Plüsch-Eseln, Kühen, Kamelen, Bären, Büffeln oder Raubkatzen zu reiten. Herzstück des Streichelzoos ist der riesige Elefant, der etwa so groß ist wie ein echtes Pferd.

44 | viel unterwegs


Plüschige Schlangen-Rutsche

Gewinnspiel

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Zur nächsten Station in der darunterliegenden Etage gelangen Besucher auf ungewöhnlichem Wege: Vor wenigen Wochen wurde die 15 Meter lange und mit 60 Quadratmetern grünem Plüsch verkleidete Schlangen-Rutsche aufgebaut. Sie führt auf direktem Wege in den ersten Stock. Weniger abenteuerlustige Besucher können natürlich auch ganz konventionell die Treppe benutzen. Der klassische Ausstellungsbereich vertieft mit historischen Dokumenten und Steiff-Raritäten aus früheren Zeiten die Geschichte des Unternehmens. Sie beginnt in einem „FilzKonfektionsgeschäft“, in dem Margarete Steiff gemeinsam mit ihren Schwestern Kleider für Damen und Kinder näht. 1880 entdeckt sie in einem Modejournal ein Schnittmuster für ein Nadelkissen. Margarete macht sich an die Arbeit. Es soll ein Geschenk für ihre Schwägerin Anna werden. Doch alle Kinder, die ins Geschäft kommen und das „Elefäntle“ sehen, sind hin und weg: So wird aus dem Nadelkissen das erste Stofftier – und aus Margaretes Konfektionsschneiderei schon bald ein Unternehmen,

Lust auf einen Sommerferien-Ausflug? Wie wär’s zum Beispiel mit Giengen an der Brenz, der Hauptstadt der Plüschtiere? Die FamilienPackung und das Steiff-Museum verlosen 100 Familien-Freikarten (gültig für jeweils zwei Erwachsene und deren Kinder unter 18 Jahren). Außerdem gibt es einen ganz besonderen Hauptpreis: eine kuschelige Steiff-Schlange im Wert von 109 Euro.

Schreiben Sie uns eine Postkarte an FamilienPackung, GEA Publishing und Media Services GmbH, Burgplatz 5, 72764 Reutlingen oder eine E-Mail an familienpackung@geapublishing.de

Die

Karten werden unter allen Einsendungen verlost, die bis zum 22.

der dem Städtchen Giengen zu weltweiter Bekanntheit verhilft.

Juli 2011 eingegangen sind. Die

Die Mitglieder der Familie Steiff sind erfinderisch. Margaretes

nachrichtigt. Vergessen Sie des-

Neffe Richard ist ein echter Tüftler. Er erfindet Lenkdrachen, Feuerzeuge, Autovergaser, Fahrradventile und ein Jackett, das man ohne Krawatte tragen kann. Richard hasst Krawat-

Gewinner werden schriftlich behalb bitte nicht, uns Ihre Post- und E-Mail-Adresse

mitzuteilen.

Der

Rechtsweg ist ausgeschlossen. SFF_5919_90x135_AZ_Museum.qxd:Layout 1

20.04.2011

10:47 Uh

ten. Und er liebt Tiere – echte und aus Plüsch. Zu den schönsten Ausstellungsstücken des Museums zählen Richards Skizzen, die ihn als begnadeten Zeichner ausweisen. Er studiert Haltung und Bewegung der Tiere genau und entwirft schließlich die ersten beweglichen Stofftiere der Firma Steiff. Generationen von Näherinnen fertigten die Plüsch-Spielsachen in Giengen. Bis heute werden die Tiere mit dem Knopf im Ohr in Handarbeit hergestellt. Einen Eindruck davon bekommen Besucher in der Schaufertigung des Museums: Hier darf man den Teddy-Experten über die Schulter und auf die geschickten Finger schauen. Auf Anmeldung können Kinder und Erwachsene selbst einen Plüschtierkopf ausstopfen und mit nach Hause nehmen. Dieses besondere Erinnerungsstück macht den Museums-Besuch unvergesslich – vor allem dann, wenn die außergewöhnliche Bastelstunde auch noch an einem besonderen Tag war: im Steiff-Museum kann man unvergessliche Kindergeburtstage mit seinen Freunden und Verwandten feiern. Das Steiff Museum in Giengen an der Brenz ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, im Sommer sogar von 9.30 bis 19 Uhr. Am 1. November, 25. Und 26. Dezember, an Karfreitag und am 1. Januar ist geschlossen. Das Museum ist barrierefrei ausgestattet. Die Hauptstadt der Kuscheltiere hat durchaus Programm für einen ganzen Ausflugstag zu bieten: Auf Anmeldung ist auch ein Besuch im Geburtshaus von Margarete Steiff möglich. In der näheren Umgebung gibt es die Burg Katzenstein und die

HIGHLIGHTS

Steiff - NEU! Die größte der Welt he tsc nru Schlange eichelzoo - Größter Steiff Str Steiff Produkten - Schaufertigung von Erlebnismuseum es ert imi an - 2.400 m² Bistro Knopf und op - Größter Steiff Sh ilie tionen für die Fam Ak e toll ag nnt So - Jeden olleyballturnier chv Bea p Cu LBS 26.- 29. Mai Sommer 1.- 3. Juli 6. Steiff arkt Steiff Weihnachtsm 4. r be zem 1.- 4. De nen unter

Charlottenhöhle, eine der längsten begehbaren Tropfstein-

Mehr Informatio

höhlen Süddeutschlands, zu entdecken. In der Alten Mühle

rga Steiff Museum, Ma der Brenz 89537 Giengen an

aus dem Jahr 1344 im Giengener Stadtteil Burgberg wird die

M WWW.STEIFF.CO rete -Steiff-Platz 1,

Handwerkskunst vergangener Zeiten wieder lebendig. viel unterwegs | 45


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Für Kleine und auch GroSSe text Annegret Jacobs fotos Ramón Seage

Schwaben park

J

ohn Lukas gibt sich unbeeindruckt. „Cool“, sei es auf der Wildwasserbahn gewesen, kräht der Sechsjährige. Sein TShirt ist mit Wasserspritzern gesprenkelt, in seinen Haaren

glitzern die Tropfen. Er würde sofort wieder auf die Bahn gehen – wenn nur nicht noch so viele andere Vergnügen warteten, das Bob-Kart etwa. „Eine kleine Erfrischung tut jetzt ganz gut, es ist ja schon recht warm“, sagt Kristin Lukas, Johns Mutter, und wischt sich die Wasserspritzer von der Brille. Nicht nur John, der ganzen Familie Lukas hat die Fahrt auf der Wildwasserbahn gefallen. Johns Eltern und seine Tante und sein Onkel samt ihren Kindern haben sich an diesem Morgen von Bad Cannstatt aus in Richtung Welzheimer Wald aufgemacht. „Eine Strecke sind nur 50 Kilometer, das ist doch keine Entfernung“, freut sich Johns Vater, dass er nicht so weit fahren musste. „Der Schwaben Park ist echt ein Park für die ganze Familie“, freut sich Johns Mutter Kristin. Denn es werde für alle etwas geboten. „Unser Johnny findet es hier super, aber wir können auch unsere ganz Kleine mitnehmen“, sagt Kristin Lukas und deutet auf ihre kleine Tochter, die selig im Kinderwagen schlummert. Außerdem: Auch sie und ihr Mann haben etwas von den Attraktionen. „Die Wasserrutsche fand auch ich prima.“ Dass alle ihre Freude an den Fahrgeschäften im Schwaben Park haben – und dass ihnen dabei nichts passiert – dafür ist unter anderem Mario Schitko zuständig. Seit 14 Jahren arbeitet er bereits in dem Familienunternehmen bei Welzheim. „Ich habe alles

Der Schwaben Park bei Welzheim bietet etwas für die ganze Familie. Die Attraktion ist die vor einem Jahr eingeweihte Achterbahn „Force One“, die Spitzengeschwindigkeiten von 65 Stundenkilometern erreicht.

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schon erlebt“, schmunzelt er. „Mich kann nichts mehr überraschen.“ Etwa, dass einmal ein Wagen ankam, in dem nur noch zwei Jugendliche saßen – und nicht mehr drei. „Wo habt ihr denn den Dritten gelassen?“, fragte Schitko alarmiert. Der habe es mit der Angst zu tun bekommen und sei während der Fahrt ausgestiegen, erfuhr er. „Da habe ich den Jungen sofort herun-


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tergeholt“, schildert Schitko. Ohne Schimpfen, ohne Vorwürfe. „Was passiert ist, ist passiert.“ Manchmal, wenn Kinder mit ihren Großeltern kommen, die sich nicht so recht trauen, dann fährt Schitko einfach selbst eine Runde mit. „Die Großeltern können dann in aller Ruhe draußen warten und die Kinder kommen zu ihrem Vergnügen.“ Für junge Eltern mit ganz kleinen Kindern spielt Schitko auch immer wieder den Babysitter und passt auf die Kleinen auf, während sich die Eltern auf der Wasserbahn vergnügen. „Die Leute sollen ihren Spaß haben“, sagt Schitko und lacht sein offenes Lachen.

Seit Mai 2010 ist die große Achterbahn die neue Attraktion im Schwaben Park Welzheim.

Die Schimpansenshow ist eines der Kennzeichen des Schwaben Parks.

mas Hudelmaier, einer der Geschäftsführer des Familienunternehmens, ist sehr zufrieden. „Es war gut, in die neue Achterbahn zu investieren.“ Immer wieder hatten Kunden in den vergangenen Jahren nach einer derartigen Attraktion gefragt.

Richtig gute Nerven müssen die haben, die sich auf die Achter-

Aber was wäre der Schwaben Park ohne seine Tierattraktionen?

bahn Force One trauen, so wie Carlos Irrizare, der zusammen mit

Jeden Tag um die Mittagszeit zeigen Thomas Hudelmaier und

seinen Eltern und Großeltern in den Schwaben Park gekommen

seine Crew die populäre Schimpansen-Show. Darin zeigen die

ist. Die Wasserbahn verursacht dem 15-Jährigen kein besonde-

dressierten Affen Kunststücke, kommen mit dem Auto in die Ma-

res Magenkitzeln mehr – Force One hingegen schon. Seit Mai

nege gefahren, putzen sich vor den Augen des Publikums die

2010 ist die große Achterbahn die neue Attraktion im Schwaben

Zähne und reiten auf Zwergponys. „Es gibt meines Wissens eu-

Park Welzheim. „Mann sollte besser nichts vorher gegessen ha-

ropaweit keinen Park, der so eine Show zeigt“, sagt Hudelmaier.

ben“, rät Carlos, der aus Erfahrung spricht. Zwar hat sie keinen Looping, sorgt aber durch ihre Schnelligkeit dafür, dass einem

Achterbahn, Schimpansen: Dafür hat Leon noch keine Augen.

der Magen während der Fahrt gleich mehrfach in die Hose

Konzentriert sitzt der Zweieinhalbjährige aus Fellbach auf dem

rutscht: Mit bis zu 65 Stundenkilometern fährt man in die Tiefe.

Schoß seines Vaters Stefan Schmid auf einem Bagger und schau-

Ende Mai ist sie deswegen mit dem begehrten Preis des Freun-

felt Kies. Kein Geschwindigkeitsrausch – das Knirschen des Kieses

deskreises Kirmes und Freizeitparks (FKF), dem FKF-Award-2010,

ist für das Kleinkind bereits Attraktion genug. Nadine Döhring, Le-

ausgezeichnet worden. „Unsere Mitglieder sind der Meinung,

ons Mutter, schießt Fotos. „Ich war schon als Kind öfter im Schwa-

dass die Bahn mit ihrem abwechslungsreichen Layout sehr viel

ben Park. Jetzt kommen wir mit unserem Kind hierher“, sagt sie.

Spaß für die ganze Familie bietet und eine echte Bereicherung

Das Angebot überzeugt die junge Familie: „Es ist nicht zu teuer

für Ihren Park darstellt“, so die Begründung der Jury. Auch Tho-

und hier kann Leon mit allem fahren, so oft er will.“

Tel.07182/93 61 00

n e b a w Sch

Schwaben Park -Hofwiesen 11-73667 Kaisersbach www.schwabenpark.de viel unterwegs | 47


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Mit dem Neckar-Käpt’n auf groSSe Fahrt

text Petra Pauli fotos Kornelius Fritz

Schifffahrt auf dem Neckar

D

ie Musik aus den Schiffslautsprechern, mit der der Neckar-Käpt’n die Gäste an Bord begrüßt, klingt wie aus einem betagten Grammophon, altmodisch

schön. Dann heißt es „Leinen los“ und das Schiff legt von der Anlagestelle Wilhelma zur Mühlhausen-Schleusenrundfahrt ab. Mit rund zwölf Stundenkilometern schippert die „Liberty“ entspannt in Richtung Max-Eyth-See. Wer einen Platz auf dem oberen Deck ergattert hat, genießt die Sonne und eine laue Neckar-Brise. Unterwegs gibt es nicht nur für kleine Matrosen und Möchtegern-Kapitäne viel zu beobachten: Entenfamilien beim Sonntagsausflug und Schwäne, die sich mit ihrem grauflauschigen Nachwuchs von den Wellen des Schiffs schaukeln lassen. Es gibt wohl selten so viele Anlässe zum Winken wie bei einer Schifffahrt. Am Ufer wird eifrig gegrillt, Fahrradfahrer, Spaziergänger, sogar einige Angler sind zu sehen – und alle wollen gegrüßt sein.

Besonders aufregend ist es, wenn einem unterwegs ein

Eine Schifffahrt auf dem Neckar bei Stuttgart ist eine aufregende Sache. Vor allem wenn man zentimetergenau in eine Schleuse fährt.

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großes Binnenschiff begegnet, sonntags sorgen auch die Ausflügler auf ihren Motoryachten oder Kajakfahrer für Abwechslung. Außerdem kann man an Bord einiges über Industrie, Geschichte, Weinanbau und Umweltschutz lernen. Wissbegierige Fahrgäste nehmen am besten unter Deck


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Platz, denn dort versteht man die Lautsprecheransagen deutlich und hat gleichzeitig einen guten Rundum-Blick. An der Anlegestelle Wilhelma in Stuttgart-Bad Cannstatt starten einige Rundfahrten mit unterschiedlichem Programm. Bei der Hafenrundfahrt erfährt man beispielsweise viel über den Betrieb des Stuttgarter Binnenhafens mit seinen riesigen Containerverladeanlagen. Wer nicht zu viel Zeit an Bord verbringen möchte, bucht entweder eine Teilstrecke oder entscheidet sich zum Beispiel für die Neckarpark-Runde, die nur zirka eine Stunde dauert und vorbei am Wasen durch die Cannstatter Schleuse führt.

Familie an Bord Außerdem bietet der Neckar-Käpt’n zahlreiche Erlebnisfahrten an, von der „Musik und Wein an Bord“-Tour bis zur Ü27-Disko auf dem Partyfloß „König Ludwig“. Auch den Kindergeburtstag kann man an Bord feiern. Den NeckarKäpt’n gibt es übrigens wirklich, auch wenn er nicht immer selbst am Steuerrad stehen kann. Er heißt Wolfgang Thie, ist Diplom-Wirtschaftsingenieur und hat als Kapitän die halbe Welt bereist. 1997 hat er mit seiner Frau die Neckar-Perso-

Für Verpflegung an Bord ist gesorgt, und mit einem Eis in der Hand macht der Ausflug nochmal so viel Spaß.

nen-Schifffahrt Berta Epple übernommen. Unser Schiff nähert sich dem Höhepunkt der Fahrt: der Schleuse in Hofen. Hinter uns schließen sich die mächtigen Tore. In der Schleusenkammer ist es so eng, das man die glitschigen und moosigen Seitenwände problemlos mit der Hand berühren kann. Während der Matrose das Schiff fest vertäut, stellen die kleinen Fahrgäste neugierige Fragen: Macht der Beruf Spaß? Geht der Knoten auch wieder auf? Wie zum Beweis löst der junge Mann flugs den Knoten, um ihn weiter unter wieder fest zu machen. Sanft gleitet das Schiff in die Tiefe, bis sich die Tore schließlich wieder öffnen. Auf der Rückfahrt wird das Schiff dann wie von Geisterhand nach oben geschoben. Warum es Schleusen gibt und wie sie funktionieren, können sich die Kleinen übrigens von Fridolin Forelle und Karl Karpfen erklären lassen. Die beiden sind die Hauptfiguren in einer Geschichte, die es zusammen mit Rätseln und Ausmalbildern als kleine Broschüre an der Kasse gibt. Nach knapp zwei Stunden kommt die Anlegestelle wieder in Sicht. Wer jetzt noch Zeit und Lust hat, kann seinen Ausflug an Land fortsetzen. In unmittelbarer Nähe sind die Wilhelma oder das Rosensteinmuseum. Auf der gegenüberliegenden Uferseite locken im Sommer der Stuttgarter Stadtstrand und ein toller Wasserspielplatz.

Mit dem Schiff zu den schönsten Ausflugszielen Ein Ausflug auf dem Neckar bietet Spaß und Erleben für die ganze Familie. • Lernen Sie den Stuttgarter Hafen kennen oder zeigen Sie den Kindern wie eine Schleuse funktioniert. • Wählen Sie zwischen 15 Anlegestellen. • Genießen Sie rustikalen Grillspaß an Bord des Partyfloß‘ „König Ludwig“ oder spannende Spritztouren mit dem FunBoat NeckarSeals.

Die Schleusenrunde kostet pro Person 15 Euro, Kinder bis drei Jahre sind frei. Für Familien gibt es besondere Angebote, freitags ist Familientag, bis zu vier eigene Kinder fahren dann kostenlos mit. Telefon 0711 / 54 99 70 60 www.neckar-kaeptn.de

Neckar-Käpt’n · Anlegestelle Wilhelma · 70376 Stuttgart Telefon 0711 54 9970 60 · Fax 0711 54 9970 80 www.neckar-kaeptn.de · www.partyfloss.com

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Verfahren kann sich keiner

text und foto Monika Toman-Banke

Draisinenfahrt in der Pfalz

E

s ist immer das Gleiche: Am Anfang wollen alle an die Pedale. Vor allem die Jüngsten sind von den Tretplätzen nicht wegzukriegen. Zum Glück haben die

Fahrraddraisinen für vier Personen zwei Pedal- und zwei Sitzplätze. Für Eltern mit drei Kindern gibt es sogenannte Konferenz-Draisinen mit sieben Sitzplätzen, auf denen man zu dritt strampeln kann. „Drähsine fahre“ heißt es im Glantal in der Nähe der Kreisstadt Kusel und mitten in der Pfalz. Eine stillgelegte Bahnstrecke wurde hier zur 40 Kilometer langen – und inzwischen sehr beliebten – Touristenattraktion umgebaut. Eine Reservierung im Voraus ist daher zu empfehlen. „Tree---ten------Tree---ten“. Die erste Viertelstunde vergeht zögerlich im Zeitlupentempo. Danach haben die jüngsten Draisinenführer erst einmal genug. Familienväter und – mütter oder hochmotivierte jugendliche Geschwister übernehmen ehrgeizig den Antrieb. Und schon weht den Mitreisenden der Fahrtwind um die Nase. Gegenverkehr ist ausgeschlossen: An geraden Tagen fahren die Draisinen von Staudernheim nach Altenglan, an ungeraden Tagen in umgekehrte Richtung – und dann immer leicht bergab.

„Tre-ten, tre-ten, tre-ten“. Üppige Flora und Fauna erwarten

Pedale, Schienen und Muskelkraft: Im idyllischen Glantal in der Pfalz wurde eine stillgelegte Bahnstrecke zur Touristenattraktion umgebaut. Mit der Draisine können Jung und Alt durch die Landschaft strampeln.

die Passagiere der zweispurigen Schienenfahrzeuge rechts und links der Schienen: Ziegen, Kühe, Damwild, Schafe, Pferde, Lamas (Lamas? – das ist bei den Mitreisenden umstritten). Mit oder ohne Lamas gibt es genügend zu gucken und zu schauen. Und dafür hat man auch Zeit. Lenken braucht niemand, verfahren ist ausgeschlossen. Schnurgerade oder in großen Bogen führen die Gleise durch die Landschaft, über

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Brücken und durch Tunnel. An Kreuzungen muss gehalten

ren Kinder sind müde, die größeren wollen lieber chillen, die

werden, schon allein deshalb, weil einer der Mitfahrer aus-

Eltern müssen zum Endspurt ran, auch wenn’s schwerer wird:

steigen und die Schranken öffnen und wieder schließen muss.

„treeee-ten, treeee- ten, treeee-ten". Die letzten fünf Kilo-

„Tre-ten, tre-ten, tre-ten“. Vorbei an aufgegebenen und jetzt

meter sind die längsten. An der Endstation in Staudernheim

privat genutzten, hübsch zurechtgemachten Bahnwärter-

werden die Gefährte zurückgegeben. Von dort fährt der Bus

häuschen und alten Bahnhöfen, vorbei an gepflegten Schre-

wieder zum Ausgangspunkt.

bergärten, bunten Blumenrabatten, Feldern und Wiesen und immer entlang dem Glan rattern die Draisinen, die übrigens 1837 in Wien als „schienengebundenes Hilfsfahrzeuge“ erfunden worden sind. Den Draisine-Stramplern wird es allmählich warm und sie haben Durst. Die Kinder haben Hunger. Zeit für ein Picknick. Für Körbe, Kühltaschen, Decken und Spielsachen ist reichlich Platz auf dem Schienengefährt und schöne Plätze und Haltepunkte, um Pause zu machen, gibt es genügend an der Strecke. Um die Draisinen aus den Schienen zu heben, braucht es allerdings schon etwas Kraft. In Lauterecken wird es städtischer. Direkt neben den echten Zügen fahren auf dem Bahnhof die Draisinen ein, vorsichtshalber getrennt durch einen Schutzzaun. Halbzeit. Wer schwächelt, kann hier seine Draisine abgeben und den Heimweg antreten. Die meisten fahren weiter. Schließlich müssen die Draisinen erst um 19 Uhr am Zielbahnhof sein. „Tre-ten, tre-ten, Bereit für die Landpartie auf Schienen?

tre-ten“. Die Ausflügler passieren schmucke Dörfer mit freundlichen Kirchtürmen und Namen, die sie vorher nie gehört haben: Erdesbach, Ulmet, Niederalben-Rathsweiler, Glan-

Auch der Personennahverkehr hat sich im Glantal längst auf

brücken, Medard. Ein Stopp lohnt sich auf jeden Fall in Mei-

die Draisinenfahrer eingestellt. Auf der Rückfahrt erleben

senheim: hübsche Fachwerkhäuser, wehrhafte Stadtmauern,

diese die Strecke noch einmal aus einer anderen Perspek-

ein mittelalterliches Stadtbild und – eine Eisdiele erwarten Drai-

tive: „Das alles haben wir geschafft.“ Die Kinder sind beein-

sinen-, Rad- und Motorradfahrer. Wer noch einen Tag länger

druckt, die Eltern ebenfalls.

Zeit hat, kann hier zu einer Kanufahrt auf dem Glan starten:

www.draisinentour.de

„pad-deln, pad-deln, pad-deln“. Und auch das ist immer das Gleiche: Am Ende der Tour will keiner mehr treten. Die kleine-

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Nomadenleben auf Zeit text Marion Schrade fotos PR

M

an muss nicht unbedingt in ein Flugzeug steigen, um

Ausflug zur Hopfenburg

etwas zu erleben. Vor der eigenen Haustüre liegen mindestens 1.000 kleine Dinge, die den Urlaub un-

vergesslich machen. Michael Zöller und Andreas Hartmaier, die hinter dem Projekt Hopfenburg stehen, wollen den Blick dafür schärfen. Gemeinsam mit vielen Mitstreitern haben sie es geschafft, den alten Bauernhof mitten auf der grünen Wiese nicht einfach nur zu restaurieren, sondern mit neuem Leben zu erfüllen: Auf dem rund zehn Hektar großen Gelände – das entspricht etwa 20 Fußballfeldern – ist eine kleine Welt entstanden, die ihre Besucher in andere Zeiten und Kulturen entführt. Die Gäste dürfen natürlich ihren eigenen Wohnwagen oder ihr Zelt hier aufstellen. Die Alternativen dazu sind allerdings viel spannender: Auf den weitläufigen Obstwiesen stehen Behausungen auf Zeit, in denen Urlauber für ein Wochenende oder die ganzen Sommerferien über nach anderen Regeln wohnen und leben können. Zum Beispiel in einem der sechs Indianer-Tipis. Sind die wirklich echt? Michael Zöller nickt. „Die Zelte werden traditionell nach Art der Sioux-Indianer in Nordamerika herge-

Einmal in einem echten Indianerzelt wohnen, abends am Lagerfeuer sitzen und in die Sterne schauen. Ein Kindheitstraum. Auf dem Hofgut Hopfenburg kann er in Erfüllung gehen. Die Ferienanlage in Münsingen auf der Schwäbischen Alb zeigt Menschen mit und ohne Familie, dass man nie aus den Augen verlieren sollte, worum es in den freien Sommerwochen eigentlich geht. Nicht um Luxus oder Action. Sondern darum, sich Zeit zu nehmen. Für sich und andere.

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stellt“, sagt er. Die Tipis aus dem Film „Der mit dem Wolf tanzt“ stammen aus derselben Produktion wie die, die jetzt auf der Alb stehen. Was für die Indianer ihre Tipis sind, sind für die Nomadenvölker in der Mongolei und in Kirgistan ihre Jurten. In den runden, im Durchmesser sechs Meter messenden Zelten kann man es sich dank der dicken Zeltplanen aus Filz auch bei Wind und Wetter schön gemütlich machen. Das gilt auch für die mobilen Behausungen der schwäbischen Nomaden: die teils historischen, teils nach originalgetreuen Vorlagen gebauten Schäfer- und Zirkuswagen sind liebevoll eingerichtet. Die wenigen Quadratmeter werden optimal genutzt. Neben den Betten bleibt sogar noch Platz für einen Schrank, eine Essecke und eine kleine Küche.


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Romantisch bis geräumig Je nach Bauart ist ein solcher Wagen der perfekte Ort für romantische Zweisamkeit oder für die ganze Familie. Der große Zirkuswagen zum Beispiel misst stattliche 8 auf 2,5 Meter. Platz genug für eine sechsköpfige Familie – vorausgesetzt man ist bereit, ein bisschen zusammenzurücken. Im Grunde geht es auf der Hopfenburg genau darum: Zusammensein, gemeinsam etwas erleben. Ohne Freizeit-Stress und ohne übertriebenen Luxus. Wie schön das Einfache sein kann, zeigt sich in Details. Ein gutes Beispiel dafür ist die Essensklappe im Schäferwagen. Auf Wunsch werden hier Frühstücksbrötchen oder eine Flasche Sekt deponiert. Dieses hübsche Extra haben sich die Hopfenburg-Macher allerdings nicht in edlen Hotelzimmern mit Mini-Bar und Zimmerservice abgeschaut, sondern im Schäfer-Alltag. „Die Schäfer, die damals durchs Land zogen, wurden mit Essen entlohnt“, erklärt Michael Zöller. Ihren Wagen stellten sie auf dem Gelände

Urlaub auf dem Bauernhof mal anders.

eines Bauernhofs für die Nacht ab. Die Bäuerin oder die Magd war dafür zuständig, dem Schäfer sein Abendessen zu servieren. Damit sie den Karren nicht betreten musste – das wäre unschick-

zu Pferd, mit dem Fahrrad oder zu Fuß ist die Landschaft rund um

lich gewesen – stellte sie die Schüssel einfach in die dafür vorge-

das Hofgut wie gemacht. Das Große Lautertal, in dessen Hän-

sehene Klappe. Wo ein Schäferwagen ist, sind natürlich auch

ge sich die Überreste mittelalterlicher Ritterburgen schmiegen,

die Schafe nicht weit. Die Hopfenburg hält nach dem Vorbild

beflügelt die Fantasie. Das berühmte Haupt- und Landgestüt in

eines Archehofs alte und seltene Haustierrassen. Waldschafe

Marbach ist nur wenige Kilometer entfernt und auch zum Ulmer

mit imposanten gezwirbelten Hörnern und typische Alb-Merinos,

Münster ist es kaum mehr als einen Katzensprung. Nicht zu ver-

Kühe, eine Katzenfamilie und zwei ganz besonders hübsche

gessen die jahrhundertealte Kulturlandschaft, in die das Hofgut

Kerle: Beppo und Robin, die beiden großen Poitou-Esel, sind die

eingebettet ist: das Biosphärengebiet Schwäbische Alb, das sich

absoluten Publikumslieblinge und lieben es, sich das plüschige

auf dem nahen Truppenübungsplatz und im Biosphärenzentrum

braune Fell von Besuchern kraulen zu lassen. Einen Teil der ehe-

im Alten Lager erkunden lässt. Auf der Hopfenburg und drumhe-

maligen Stallungen hat das Hopfenburg-Team zu Werkstätten,

rum ist alles echt. Kein Disney-Land, kein Rummelplatz. Das war

Seminar- und Festräumen umgebaut. Hier können die Urlauber

den Machern wichtig. Schließlich sind Michael Zöller, Andreas

unter fachkundiger Anleitung Bekanntschaft mit alten Hand-

Hartmaier und ihr Team echte Überzeugungstäter. Ihr oberstes

werkstraditionen machen. Filzen, Bogenbauen oder Korbflech-

Ziel: die Ferienanlage soll zur Landschaft passen. Und zu den

ten – jeder darf sein Meisterstück als selbstgemachte Urlaubser-

Menschen, die hier leben – für immer, oder zumindest ein paar

innerung mit nach Hause nehmen. Für ausgedehnte Streifzüge

schöne Sommertage lang.

*Einfach mal abhängen!

Hopfenburg www.hofgut-hopfenburg.de

Urlaub im Schäferwagen, Jurte und Zirkuswagen, viel Zeit um „einfach einmal abzuhängen“. Kein Lärm stört, nur das „Iiiaahh“ von Beppo erinnert Sie daran, dem freundlichen Poitou-Esel mal wieder eine Streicheleinheit zukommen zu lassen. Mitten im Herzen des Biosphärengebiets liegt das in jeder Weise einmalige Hofgut Hopfenburg. Das neue Ferienidyll der Schwäbischen Alb, mit seinen ungewöhnlichen Unterkünften, seinem außergewöhnlichen Freizeit- und Seminarangebot bietet alle Möglichkeiten, dem Alltag zu entfliehen.

Hofgut Hopfenburg • Hopfenburg 12 • 72525 Münsingen / Schwäbischen Alb www.hofgut-hopfenburg.de • Telefon 07381 931193-11

Auch für Familien- und Geburtstagsfeiern bieten wir den richtigen Rahmen. Ein Fest in unserer Allwetterscheune, grillen am großen Lagerfeuer oder ein leckeres Menü sind immer ein ganz besonderes Ereignis.

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heldenhaft und galaktisch text & fotos PR

N

ur eine Stunde liegt das Legoland von Stuttgart ent-

Legoland Deutschland

fernt, in dem Kinder genau das tun können, wovon sie immer träumen: Ein echter Held sein und in die

Rolle von Ritter und Pirat, Erfinder, Forscher und Entdecker schlüpfen. Große Abenteuer sind in den acht verschiedenen Themenwelten mit über 50 außergewöhnlichen Attraktionen, nervenkitzelnden Achterbahnen und Wasserfahrten, Live-Shows, Lego-Workshops und Modellen aus mehr als 50 Millionen Lego-Steinen garantiert. In diesem Jahr warten außerdem heldenhafte Fahrattraktionen, farbenfrohe Fische, eine galaktische Miniland-Welt und geheimnisvolle Übernachtungsmöglichkeiten auf die Besucher.

Parkneuheit 2011:

Das Star-Wars-Universum Seit Juni können Familien in die Sphären des Star-Wars-Universums eintauchen und im Themenbereich Miniland ein komplett neues Star-Wars-Areal entdecken. Auf 140 Quadratmetern sind die bekanntesten Szenen aller Star-WarsFilme und der Animations-Serie „Star Wars: The Clone Wars“ zu bewundern – alle detailgetreu nachgebaut aus rund 1,5 Millionen handelsüblichen Lego-Steinen im Maßstab 1:20. Einige der etwa 2.000 Lego-Modelle sind über zwei Meter hoch und schon von weitem im Miniland zu sehen.

„Helden gesucht“ lautet das Motto des Familienparks Legoland Deutschland in Günzburg, der in diesem Jahr mit dem Parkscout-Award 2010/2011 als „kinderfreundlichster Freizeitpark in Deutschland“ ausgezeichnet wurde.

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Per Knopfdruck kann sogar jeder selbst ins Geschehen eingreifen. Ebenfalls neu sind geheimnisvolle Geistermuränen und Rotfeuerfische in der Unterwasser-Attraktion Legoland Atlantis by Sea Life. Die „gefährlichen Schönheiten“ sind neben Haien und Rochen aus direkter Nähe in der beeindruckenden, tropischen Meereswelt zu bestaunen. Im Parkbereich Lego-City hat die turbulente Roboter-Achterbahn


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Der neue Star Wars Bereich im Miniland.

ein neues „Outfit“ bekommen: In der Hero Factory, benannt nach der gleichnamigen Lego-Produktlinie, unternehmen

Über 50 attraktionen

Kinder eine Fahrt mit dem Passagierroboter durch die „Helden-Fabrik“ und werden bei 360 Grad-Drehungen in alle

Übernachten im Ägypten-Stil Noch mehr Spaß für Kinder und Erholung für Eltern bietet das Legoland-Feriendorf. Direkt neben dem Freizeitpark können sie in Familienzimmern im bunten Lego-Piraten-, Ritter- und Rennfahrer-Look oder in Ritterzelten auf dem Campingplatz übernachten. Seit diesem Jahr entführen 24 neue Ferienhäuser in das Reich der Pharaonen und verzaubern im geheimnisvollen Ägypten-Stil. Großer Beliebtheit erfreuen sich die zahlreichen Parkveranstaltungen, wie beispielsweise die „Langen Nächte“ mit Live-Shows bekannter Musical-Stars und gigantischem Feuerwerk am 23. und 30. Juli sowie 6. und 13. August. Von 2. Juli bis 11. September begeistern die Artisten des weltberühmten Chinesischen Nationalcircus das Parkpublikum in der Lego-Arena, bevor vom 25. bis 29. August der 60. Geburtstag des Micky Maus-Magazins in Deutschland gefeiert wird. Mit Hilfe der Parkgäste soll aus über 600.000 Lego-Steinen das größte Micky Maus Mosaik der Welt im Legoland entstehen. Das Legoland Deutschland liegt verkehrsgünstig direkt an der A8 Stuttgart - München, Ausfahrt Günzburg, und zählt zu den vier meist besuchten Freizeitparks in Deutschland. Alle Termine sowie weitere Informationen, Eintrittspreise und spezielle Angebote sind unter www.legoland.de zu finden.

LEGO, das LEGO Logo, die Konfigurationen des Steines und der Noppen und LEGOLAND sind Marken der LEGO Gruppe. ©2011, The LEGO Group

Himmelsrichtungen durch die Luft gewirbelt.

Acht Themenbereiche mit über 50 Attraktionen, Shows, Workshops und Modellen aus über 50 Millionen LEGO® Steinen machen das LEGOLAND® Deutschland zu einem perfekten Ausflugsziel für Jung und Alt. Hier können die Kleinen in die Rolle ihrer Lieblingshelden schlüpfen und einmal Pirat, Prinzessin oder Entdecker sein. Abends geht das LEGO Abenteuer für echte Helden im weltweit ersten LEGOLAND Feriendorf weiter.

Saison 2011: 09.04. – 06.11. Bitte genaue Öffnungstage und -zeiten beachten

www.LEGOLAND.de

viel unterwegs | 55


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Immer einen Besuch wert

text & fotos PR

Zuchthengste der Rassen Deutschen Reitpferd, Schwarzwälder

Das Haupt- und Landgestüt Marbach

Kaltblut, Altwürttemberger und Vollblutaraber stehen in den Beschälerboxen. Als Hauptgestüt besitzt Marbach zwei eigene Stutenherden mit 40 Warmblut- und 20 Vollblutaraberstuten. Rund eintausend Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche sind Grundlage für die Futterversorgung der insgesamt rund 550 Pferde. Marbach bietet ideale Aufzuchtbedingungen für Pensionsfohlen und gestütseigene Fohlen, die gemeinsam im Herdenverband aufwachsen. Im Frühjahr tummeln sich rund 30 Stuten mit ihren Fohlen auf den Koppeln des Gestüts und lassen die Besucherherzen höher schlagen. Auch Seniorenpferde können im Hauptund Landgestüt – entweder in Einzelboxen oder Gruppenhaltung – ihren wohlverdienten Lebensabend mit ausgiebigem Koppelgang genießen. Das Gestüt hat seine Tore das ganze Jahr über geöffnet – der Eintritt ist frei. Führungen für Laien- und Fachgruppen sowie Kutschfahrten können Besuchern das ganze Jahr über buchen. Die Gestütsführer berichten von Pferden und Menschen, von berühmten Hengsten und ihren Nachkommen und nehmen zusammen mit den Gästen das Gestüt unter die Lupe. Bei einer

Das Haupt- und Landgestüt Marbach mit seinen Gestütshöfen in Marbach, Offenhausen und St. Johann liegt idyllisch auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb, inmitten des UNESCO-Biosphärengebietes. Mit fast 500 Jahren Geschichte ist es das älteste staatliche Gestüt Deutschlands.

Fahrt im historischen Jagdwagen oder Landauer fühlen sich die Besucher in eine andere Zeit versetzt. Auch mit Marathon- oder Planwagen können sie das herrliche Lautertal erkunden. Ein Besuch im Gestütsmuseum rundet den Gestütsaufenthalt stimmungsvoll ab: Ausstellungen im einmaligen Ambiente der ehemaligen Klosterkirche im Gestütshof Offenhausen, direkt neben der Lauterquelle, dokumentieren anschaulich die Geschichte des ehemaligen württembergischen Hofgestüts und seine Be-

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deutung für die Landespferdezucht. Auf dem Veranstaltungskalender des Gestüts stehen jedes Jahr hochkarätige Pferdezuchtund Pferdesportveranstaltungen. Zu den Attraktionen zählen die Reitpferdeauktion und die zentrale Hengstvorstellung im Frühjahr sowie die Araberschau „Bairactar Memorial“ und die Abendveranstaltung „Marbach Classics“ im Sommer. Höhepunkt des Veranstaltungsjahres sind die Hengstparaden mit 30.000 Besuchern im Herbst: Das abwechslungsreiche, dreieinhalbstündige Programm, in dem die Besucher die vielseitige Verwendung der Pferde in anschaulichen und unterhaltenden Schaubildern bestaunen können, ist für Zehntausende ein Erlebnis, an das sie sich immer gerne erinnern. Attraktive, rasante und stimmungsvolle Schaubilder ziehen Züchter, Reiter und Pferdebegeisterte in ihren Bann. In diesem Jahr finden die Hengstparaden am 25. September sowie am 2. und 3. Oktober statt. Karten dazu sind bereits erhältlich.

Fahrt im historischen Jagdwagen Natürlich kommt im Haupt- und Landgestüt Marbach die Ausbildung im Reit- und Fahrsport nicht zu kurz. Rund 700 Reit- und Fahrschüler besuchen jedes Jahr die Landesreit- und Landesfahrschule in Marbach, um das vielfältige Kursangebot Anfänger und Fortgeschrittene, Turniereinsteiger und Trainer zu nützen.

Weltmeister Michael Jung mit Sam bei der Marbacher Vielseitigkeit.

Auch für die ganz jungen Marbach-Fans steht im Haupt- und Landgestüt so einiges auf dem Programm. Für Mitglieder im

unter www.julmonds-marbach.de die interessantesten Neu-

Kinderclub „Julmonds Marbach“ gibt es viele Veranstaltun-

igkeiten rund ums Gestüt zuerst und wissen so immer, was in

gen, extra für die Jüngsten. Spezielle Kinderführungen, eine

Marbach los ist. Ob klein, ob groß – das Haupt- und Landge-

Fotopirsch über das Gestütsgelände oder die Taufe des Club-

stüt Marbach hat für jeden etwas zu bieten. Alle Informationen

Patenfohlens finden bei den Kindern großen Gefallen und ge-

rund um das Gestüt gibt es unter www.gestuet-marbach.de

währt ihnen Einblick hinter die Kulissen. Als Mitglied erfahren sie

oder der Telefonnummer (0 73 85) - 96 95-0.

Erlebnis Marbach 210x95q.qxd

12.05.2011

06:52

Seite 1

Erlebnis Marbach.

Das Gestüt ist ganzjährig für Besucher geöffnet. Führungen und Schauprogramme zu festen Terminen. Informationen unter www.gestuet-marbach.de

Hengstparaden 2011: 25. September, 2. und 3. Oktober Kartenreservierung unter Tel. (0 73 85) 96 95 - 45

Haupt- und Landgestüt Marbach mit Landesreit- und Landesfahrschule – das älteste staatliche Gestüt Deutschlands 72532 Gomadingen-Marbach | Tel (0 73 85) 96 95-0 | www.gestuet-marbach.de

viel unterwegs | 57


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Museen & mehr Die Region Neckar-Alb hat im Bereich Museen einiges zu bieten – für Kunstbegeisterte, Technikfans, Abenteuerhungrige und Feinschmecker.

Museen Märklin erlebniswelt Göppingen

Öffnungszeiten Mo. – Sa. 10 – 19 Uhr So. 11 - 18 Uhr

Über 1.000 qm Faszination Modelleisenbahn für Jung und Alt

Die Märklin Erlebniswelt ist an wenigen Sonn-

machen einen Besuch der Märklin Erlebniswelt zum einmaligen

tagen und an Feiertagen geschlossen.

Erlebnis für alle Freunde der Modelleisenbahn. Betrachten Sie zahlreiche noch nie gezeigte Märklin Modelle. Lassen Sie sich begeistern von großen Modellbahnanlagen und historischen Exponaten. Auch für unsere kleinen Besucher ist einiges geboten: Einmal selbst Lokführer sein in einem original Lokführerstand, in der großzügigen Kinderspielecke alles anfassen und ausprobieren.

Burg Hohenzollern Hechingen

In ihrem Jahresprogramm führt die Burg u.a. am 19.06.2011 den Schlössererlebnistag und am 26.06.2011 den Tag des Siebenschläfers, bei denen v.a. Kinder und Familien bei Spiel und Spaß auf ihre Kosten kommen. Natürlich gibt es auch wieder

Anschrift Reutlinger Str. 2 73037 Göppingen Telefon 07161 608-289 Internet www.maerklin.de E-Mail museum@maerklin.de

Öffnungszeiten Täglich von 9.00 – 17.30 Uhr Anschrift Information 72379 Burg Hohenzollern Telefon 07471 2428 Internet www.burg-hohenzollern.com E-Mail info@burg-hohenzollern.com

das Open Air-Kino im Burghof am 1. & 2.07.2011 und die Sternschnuppen-Nächte am 12. & 13.08.2011.

Staatsgalerie Stuttgart

Die Staatsgalerie gehört mit ihrem reichen Bestand an Gemälden und Plastiken vom 14. Jahrhundert bis heute zu den meistbesuchten Museen Deutschlands. Zu sehen sind herausragende Werke von Monet, Picasso, Oskar Schlemmer, Max Beckmann, sowie zeitgenössische Arbeiten von internationalem Rang. Mittwochs und samstags ist der Eintritt in die Samm-

Öffnungszeiten Mi., Fr., Sa. und So. 10 – 18 Uhr Di. und Do. 10 – 20 Uhr Montags geschlossen Anschrift Konrad-Adenauer-Str. 30-32, 70173 Stuttgart Telefon 0711 470400 Internet www.staatsgalerie.de E-Mail info@staatsgalerie.de

lung frei!

Hohenzollern-Schloss SigmaringEN Sigmaringen

Öffnungszeiten

(November – Februar)

10.00 – 15.30 Uhr

(März – April)

In der Residenz des Fürsten von Hohenzollern gibt es viel zu entdecken: die Geschichte des Schlosses, prächtige Räume und die eindrucksvolle Waffenhalle. Günstige Familienkarten, spannende Themenführungen und ein gut sortierter Shop machen den Besuch zum Erlebnis für die Familie. 950 Jahre Hohenzollern werden in 2011 mit diversen Veranstaltungen, speziellen Führungen und einer Sonderausstellung im Museum gefeiert.

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09.30 – 16.30 Uhr

(Mai – Oktober)

09.00 – 17.00 Uhr Anschrift 72488 Sigmaringen Telefon 07571 729230 Internet www.schloss-sigmaringen.de E-Mail schloss@hohenzollern.de


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Besucherbergwerk „Hella-Glück-Stollen“ Neubulach Das Mittelalter hautnah erleben können Sie in unseren Besucherbergwerken und Sie erhalten viele Informationen über die Geschichte, Land und Leute, alte Bergwergstechniken und natürlich wunderschöne Mineralien. Dazu Natur pur erleben Sie auf unserem wildromantischen Fledermauspfad entlang dem Ziegelbach. Auf diesem Lehrpfad erfahren Sie nicht etwas über Fledermäuse, sondern die Technikbegeisterten sehen den Nachbau eines mittelalterlichen Pochwerkes mit Wasserrad sowie eine Widderpumpe.

Pfahlbaumuseum unteruhldingen Uhldingen-Mühlhofen Direkt am Bodenseeufer zwischen Überlingen und Meersburg gelegen, gehört das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen zu den kulturellen Höhepunkten am Schwäbischen Meer. Auf Stegen werden die Besucher über den See in die Welt der Steinzeit und der Bronzezeit geführt. Das Jahr 2011 steht ganz unter dem Zeichen „Steinzeit mobil“. Im neu angelegten Steinzeitparcours können die Besucher Experimente selbst ausprobieren.

Museum Schloss Neuenbürg Neuenbürg 2011 feiert unser Museum den 10. Geburtstag. Wir bieten für unsere jungen Besucher auch viele tolle Workshops an. Herzstück unserer einzigartigen Ausstellung ist das mit eindrucksvollen Licht-, Farb- und Klangeffekten sowie „belebten“ Holzfiguren inszenierte Märchen „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff. Hier ist der Zuschauer mitten drin im Geschehen. Wir laden Sie herzlich zum Schlosserlebnistag am 19. Juni und zu unserem

Öffnungszeiten 1. April – 1. November Di. – Fr. täglich eine Führung um 14 Uhr, Montag: Ruhetag Samstag, Sonntag, Feiertag, im Juli und in den Pfings- und Sommerferien: Di. – Fr. von 11 – 16 Uhr geöffnet. Anschrift Neubulach, Ziegelbach Telefon 07053 7346 Internet www.bergwerk-neubulach.de

Öffnungszeiten (April – September) Täglich 9 – 19 Uhr (Oktober) Täglich 9 – 17 Uhr Pfingstferienprogramm „Steinzeit mobil" vom 12. – 22. Juni Anschrift Strandpromenade 6, 88690 Uhldingen-Mühlhofen Telefon 07556 928900 Internet www.pfahlbauten.de E-Mail mail@pfahlbauten.de Öffnungszeiten Di. – Fr. 13 - 18 Uhr Sonn- und Feiertage 10 -18 Uhr Montags geschlossen Anschrift Hintere Schlosssteige / Schloss 1 75305 Neuenbürg Telefon 07082 792860 Internet www.schloss-neuenbuerg.de E-Mail info@schloss-neuenbuerg.de

Festwochenende vom 1. bis 3. Juli ein.

Gastronomie Biosphärenhotel Graf Eberhard Bad Urach Bei den AlbThermen Regionale- kreative Gerichte prägen unsere Küche. Ermstal’s schönstes Vorspeisen- und Salatbuffet. Wir kochen für Sie ganztägig. Große mediterrane Terrasse und Biergarten

Öffnungszeiten täglich von 7 – 23 Uhr kein Ruhetag Anschrift Bei den Thermen 2 72574 Bad Urach Telefon 07125 148-500 Internet www.hotel-graf-eberhard.de

Jazz – Brunch – Catering in Top-Locations “Große Tagungsmöglichkeiten” 84 Wohlfühlzimmer

Ausflugs-Tipp märchenhafte Blautopfstadt Blaubeuren

Anmutig entsteigt die Wassernixe „Schöne Lau“ den Tiefen des Blautopfs. Im benachbarten Kloster präsentieren sich der weltberühmte Hochaltar und das Badhaus der Mönche. Das Urgeschichtliche Museum zeigt in der Sonderausstellung „Klangraum“ die ältesten Musikinstrumente der Welt. Eine Fahrt mit dem Blautopfbähnle begeistert Jung und Alt genauso wie die

Anschrift Stadt Blaubeuren Touristinformation Karlstraße 2 89143 Blaubeuren Telefon 07344 96690 Internet www.blaubeuren.de E-Mail touristinformation@blaubeuren.de

Filmvorführung „Mythos Blautopf“ mit einmaligen Aufnahmen aus der Unterwasserwelt des Blauhöhlensystems.

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Lesesommer

Streifen sind schön B ü c her

K ids

text Cornelia Freidel

für

Fiete Anders ist ein Schaf und hat rot-weiße Streifen. Er sieht anders aus als die anderen Schafe auf der Wiese und er ist einsam. So macht er sich auf, einen Ort zu suchen, wo anders zu sein auch schön sein kann. An dem er akzeptiert wird so wie er ist, eben mit rot-weißen Streifen. Er folgt einem Ballon, der ähnlich aussieht wie er, verliert ihn aber aus den Augen. Auf seinem Weg trifft er noch auf viele andere Dinge die ihm ähnlich sind. Aber erst als er einen großen rot-weiß gestreiften Leuchtturm und andere Schafe entdeckt, weiß er, dass er angekommen ist. Hier ist er glücklich, obwohl er immer noch anders ist. Diese ausgesprochen nette Geschichte erzählt das wundervoll illustrierte Pop-up-Buch „Fiete Anders“ aus dem Gerstenberg Verlag. Miriam Koch

Mit zahlreichen Klappen und Pop-up-Effekten wird die Geschichte

Fiete Anders. Das Pop-up-Buch.

von Fiete lebendig gemacht. Kinder und Erwachsene können an

Gerstenberg-Verlag. 19,95 Euro.

vielen Stellen zupfen und ziehen, alles bewegt sich und immer wieder entdeckt man etwas Neues. Dreht man an einem Rädchen, wackelt Fiete hin und her. Beim Aufklappen fallen einem Kartons fast entgegen, oder Fiete springt auf einen Zug. Man kann mit der Klappe die Sonne untergehen lassen und zum Schluss lässt man das Leuchtturmlicht auf Fiete strahlen. Das Buch wird ab vier Jahren empfohlen und da es doch etwas filigran verarbeitet ist, sollte man es mit Umsicht behandeln. In einer Bibliothek würde dieses Buch wahrscheinlich nicht sehr lange in voller Funktion im Regal stehen. Allerdings ist es gerade durch diese feine Verarbeitung wunderschön anzusehen. Auch farblich ist es toll gemacht. Es ist nicht so grell, sondern eher etwas dezent in Beige- und Grautönen gehalten, so dass Fiete mit seinen rot-weißen Streifen und die anderen ihm ähnlichen Dinge aus dem Rahmen fallen und sich abheben. Fazit: „Fiete Anders“ ist ein tolles, ausgefallenes, schön gestaltetes Kinder-Pop-up-Buch mit einer netten Geschichte, an dem auch Eltern beim Vorlesen und Anschauen ihre wahre Freude dran haben werden. Und für 19,95 Euro auch noch ein echtes Schnäppchen. Der kleinen „Test-Leserin“ Marla hat es jedenfalls sehr gefallen.

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An der Arche um Acht

Der Sommer, als wir reich wurden

Text: Ulrich Hub Illustrationen: Jörg Mühle

Martina Baumbach

An der Arche um Acht.

Der Sommer, als wir reich wurden.

ab 7 Jahre, dtv Junior. 6, 95 Euro.

ab 9 Jahre, dtv junior. 12,95 Euro. text Marion Schrade

text Mirjam Sperlich

„An der Arche um Acht“ – das klingt nach einer netten Verab-

Pim und ihr Vater leben seit dem Tod der Mutter in trauter Zweisam-

redung. Wäre da nicht die Sintflut, die gerade dabei ist, die Erde

keit. Gesellschaft leistet ihnen manchmal Frau Dentelly, Pims imagi-

unter Wasser zu setzen. Höchste Zeit für Noah, mit seiner Arche ab-

näre Freundin, die mitunter ganz schön eigensinnig ist. Eines Tages

zulegen. Spätestens um Acht. Fast alle Tiere sind schon da. Zwei

steht Pims abgedrehte Tante Affrica vor der Tür. Mit Gepäck, ihrem

Schlangen, zwei Giraffen, zwei Elefanten, zwei Waschbären, zwei

Patenkind Frida aus Schanghai und einer Botschaft: „Ihr Lieben, wir

Krokodile, zwei Rehe, zwei Ameisen. Und drei Pinguine. Genau darin

haben eine Erbschaft gemacht!" Die Aussicht auf eine Finanzspritze

liegt das Problem: die Pinguine kommen nicht nur in letzter Minute,

und eine Fahrt ins Blaue überzeugen Pims chronisch an Geldman-

sondern auch mit einem Pinguin zu viel im Gepäck. Damit beginnt

gel leidenden Papa. Denn einen Haken hat die Sache: Affrica hat

eine spannende Reise. In seiner einfachen, aber dichten Sprache

die Erbschaft im Internet ersteigert. Um an das Erbe zu kommen,

erzählt Ulrich Hub die biblische Geschichte ganz neu. Mal komisch,

muss die Asche des verstorbenen Hanno bei Vollmond und von ei-

mal tiefsinnig blickt er aus der Pinguin-Perspektive auf Gott und die

ner ganz bestimmten Stelle ins Meer geschüttet werden. „Der Som-

Welt. Aus diesem Blickwinkel stellt er Glaubens- und Lebensfragen

mer, als wir reich wurden“ hat alles, was ein schönes Ferienbuch

in den Raum: Ist der liebe Gott wirklich lieb? Sieht er wirklich alles?

braucht. Es steckt voller Abenteuer, Witz und Überraschungen. Al-

Was ist Heimat? Und darf sich ein überzähliger Pinguin auch in eine

lerhand Probleme, die am Rande gestreift werden – Geldmangel,

allein reisende Taube auf der Arche Noah verlieben?

Eifersucht, Alleinsein – lösen sich netterweise in Wohlgefallen auf.

Samstag, 23. Juli 2011:

Änderungen vorbehalten

*außer Museumswagen

Großes Sommerfest in der Märklin Erlebniswelt • Hüpfburg • Radfahren mit einer LGB Fahrradanlage • Rote und Getränke • Vorführung: Faller Car System • Puppentheater für unsere kleinen Besucher • Waggons bemalen • 5% auf alles* Märklin Erlebniswelt Reutlinger Str. 2, 73037 Göppingen, Tel. 07161/608-289 E-Mail: museum@maerklin.de, Web: www.maerklin.de

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Montag bis Samstag von 10.00 bis 19.00 Uhr Sonntag** von 11.00 bis 18.00 Uhr **Die Märklin Erlebniswelt ist an wenigen Sonntagen und an Feiertagen geschlossen. Infos: www.maerklin.de

23.05.2011 14:01:04 Uhr

Lesesommer | 61


Lesesommer

Düsteres Gedankenexperiment B ü c her

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ür J ugendli

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ne Tellers Gedankenexperiment seinen Lauf. „Das Leben ist die Mühe überhaupt nicht wert“, sagt Pierre Anthon. „Das Ganze ist nichts weiter als ein Spiel, das nur darauf hinausläuft, so zu tun, als ob – und eben genau dabei der Beste zu sein.“ Lernen. Arbeiten. Sterben. Unzählige Runden im Hamsterrad. Die anderen Kinder bekämpfen ihn – und damit auch den Pierre Anthon in ihren eigenen Köpfen. Die Angst davor, dass er Recht haben könnte. Die Angst vor dem Nichts. Um diesem „Nichts“ ein „Etwas“ entgegenzusetzen, beginnen sie, Pierre Anthon Opfer zu bringen, die sie im verlassenen Sägewerk zu einem „Berg aus Bedeutung“ aufschichten. Was zunächst harmlos mit den hübschen grünen Sandalen und einem Fahrrad beginnt, überJanne Teller

schreitet bald schon Grenzen, als ein Mädchen seinen Hamster

Nichts. Was im Leben wichtig ist.

opfern muss. Je schmerzhafter der Verlust, desto größer die Be-

Ab 14 Jahre. Hanser Literaturverlage. 12,90 Euro.

deutung. Sofie opfert ihre Unschuld, Hussein seinen Gebetsteppich und Elise ihren toten kleinen Bruder, dessen Sarg die Kinder bei Nacht und Nebel auf dem Friedhof ausgraben. Mit diesen immateriellen Opfern bricht die Schulklasse endgültig sämtliche

text Marion Schrade

Tabus von Moral, Religion, Leben und Tod. Die Schilderung eines fanatischen gruppendynamischen Prozesses, der schließlich eskaliert, erinnert an Morton Rhues Jugendbuch-Klassiker „Die

Ein Junge klettert auf einen Baum und bleibt dort sitzen, weil er

Welle“. Janne Tellers Blick auf die Opferrituale ist schonungslos

im Leben keinen Sinn mehr sieht. So beginnt Janne Tellers Ro-

und brutal – und in seiner drastischen Darstellungsweise, die

man „Nichts. Was im Leben wichtig ist“. Von seinem Baum aus

schließlich bewusst über die Grenzen des Realistischen hinaus-

bewirft Pierre Anthon seine Mitschüler mit sauren Pflaumen und

geht, als Parabel zu verstehen. Deren Kern ist letzten Endes die

düsteren philosophischen Thesen. Pierre Anthon ist Nihilist: Nichts

Unzufriedenheit mit gesellschaftlichen Ordnungen: Pierre An-

bedeutet etwas. Davon ist er überzeugt. Also lohnt es sich auch

thon tut nichts mehr oder weniger, als sinnlose Konventionen

nicht, irgendwas zu machen. Natürlich geht es in Janne Tellers

der Leistungsgesellschaft in Frage zu stellen. Genau das sollten

Roman nicht etwa um „nichts“, sondern um nichts weniger als

wir vielleicht auch mal tun. Der Verlag empfiehlt die Lektüre

den Sinn des Lebens. Pierre Anthon zweifelt ihn an – und die

etwa ab 14 Jahren – ohne Grenzen nach oben. „Nichts“ ist

anderen Kinder versuchen mit allen Mitteln, ihn davon zu über-

weit mehr als ein Jugendbuch. Es ist die Schilderung einer Welt,

zeugen, dass es doch etwas gibt, das im Leben wichtig ist. Die

in der die Sehnsucht nach Bedeutung und zugleich der Zwei-

graue, seelenlose, wenn auch einigermaßen wohlhabende

fel daran, dass überhaupt irgendetwas bedeutsam ist, immer

Neubau-Gegend in einer dänischen Kleinstadt könnte überall

größer werden. Zugegeben: Keine schöne Welt. Auch Literatur

auf der Welt sein. Vor dieser austauschbaren Kulisse nimmt Jan-

muss nicht immer schön sein. Sondern vor allem eins: wahr.

62 | Lesesommer


Mächtig viel PS

Die Sache mit dem lieben Gott

Ute Wegmann

Kevin Brooks

Sommer war gestern.

Killing God.

Roman, dtv. 8,95 Euro.

Roman, dtv. 8,95 Euro. text Elke Dekanski

text Elke Dekanski

Autofahren ist Freiheit und Unabhängigkeit. Autotechnik ist

Jesus und Mary sind wirklich ungewöhnliche Namen für Rauhaar-

faszinierend und spannend. Das weiß Ela schon lange, denn

dackel, aber ein Supertrick, um arrogant-fromme Nachbarn zu

ihre Eltern haben eine Spedition und schon als Kind hat sie

ärgern. Das hat sich die 15-jährige Dawn Bundy ausgedacht.

dem alten Schoner, der schon ein Leben lang dort arbeitet,

Da ihr dennoch sehr daran gelegen ist, der Sache mit Gott auf

Löcher in den Bauch gefragt. Jetzt kennt sie sich ziemlich

den Grund zu gehen, hat sie sich illustrierte Kinderbibeln gekauft.

gut aus und macht hin und wieder nächtliche Spritztouren.

Aber eigentlich hasst sie Gott und würde ihn in ihrer Mordswut

Heimlich natürlich, denn sie ist erst sechzehn. Gleichalt wie

am liebsten umbringen. Denn nachdem ihr Dad religiös wurde,

ihre Freundin Kati, mit der sie sich aus dem langweiligen Kaff,

hatte er sich auf befremdliche Art verändert. Obwohl sie ihn nur

in dem beide leben, davonträumt. Der Plan ist, mit Acht-

als Junkie und Alkoholiker kennt, war er immer ihr liebevoller Va-

zehn in einer riesigen Stadt zusammenzuziehen, die Nächte

ter und hatte wirklich – wie sie es nennt – immer etwas „Dadhaf-

durchzutanzen und von Modedesign zu leben. Ganz klar,

tes“, was er aber in seiner frommen Phase vollkommen verlor. Er

dass sie sich darauf vorbereiten. Die Mädchen schmökern

war sogar in der Lage, ihre Mutter und sie einfach sitzen zu las-

in Modejournalen und entwerfen Stoffe und Taschenkollek-

sen. Seit zwei Jahren ist er einfach von der Bildfläche verschwun-

tionen, von denen die Welt noch nichts weiß. Aber das Le-

den und kein Mensch weiß, wo er steckt. Jetzt lebt sie mit ihrer

ben ist nicht statisch. Und trotz fester Planungen sind nicht

liebevollen, aber ziemlich versoffenen Mutter und den beiden

alle Entwicklungen vorhersehbar. Als Anouk in das Dorf zieht

Hunden alleine. Wenigstens hat der Vater ihnen eine Tasche mit

und sich mit Ela anfreundet, kommt es zu Eifersüchteleien

Geldscheinen hinterlassen und sie müssen keine Not leiden. Das

und Kati fühlt sich schmerzlich verraten. Die Idylle der dicken

ist kein leichtes Schicksal. Was spielt es da noch eine große Rol-

Auf-ewig-Freundschaft gerät durch viele Faktoren ins Wan-

le, dass Dawn sich total unattraktiv und plump findet – was ihr

ken. Es kommen natürlich Jungs ins Spiel, die Herzklopfen

angeblich „scheißegal“ ist. Dann ist es auch echt sinnlos, sich

auslösen und die Sinne verwirren. Auch erste unangeneh-

aufzumotzen wie andere Mädchen in ihrem Alter. Ihr Leben ist

me Erfahrungen mit Männern sind Thema, die zunächst ein

kein Spaziergang – erst Recht keiner auf der Sonnenseite. Doch

verschrecktes Mädchen hinterlassen. Allerdings lässt die Au-

sie beweist, dass es möglich ist, trotz zerrütteter Verhältnisse in ei-

torin Ute Wegmann ihre Heldinnen einen abenteuerlichen

nem Sumpf aus Drogen und Verletzungen nicht unterzugehen.

Racheplan schmieden.

Ihr geht es wie vielen Jugendlichen. Sie haben nur eine Chance, sie müssen sich selber helfen.

Die Pubertät ist eine wirklich schwierige Lebensphase, die zu allem Überfluss noch durch doofe Eltern, die keinen Durch-

Der Jugendbuchautor Kevin Brooks schreibt in schnoddriger

blick haben, auch nicht einfacher wird. Ständige Verbote,

Jugendsprache aus der Sicht eines unglücklichen jungen Men-

lästige Pflichten und ewige Kämpfe stehen dem wahren Le-

schen, der alle Schotten dicht macht, den Weg in sein eigenes

ben im Weg. Ein Buch über die Mühen des Erwachsenwer-

karstiges Inneres scheut, um sich von einem schrecklichen Erleb-

dens. Und die Erkenntnis, dass Träume der erste Schritt in die

nis zu distanzieren. Schnörkellos und authentisch lässt er die trü-

Freiheit sind. Ute Wegmann hat ein untypisches Starke-Mäd-

gerische Fassade von Dawns Coolness im Laufe der Geschichte

chen-Buch geschrieben, in dem es nur indirekt um Pferde

immer mehr bröckeln, bis der Leser schließlich schon längst ah-

geht. Nämlich um mächtig viel PS.

nend erfährt, welches Unglück dem Mädchen widerfahren ist. Lesesommer | 63


Lesesommer

Erfrischend anders B ü c her

E rwa

text Marion Schrade

für

c hsene

Wie einfach es ist, Erdbeermarmelade zu kochen und wie welcher Schmetterling heißt – das haben viele Menschen schon vergessen. Constanze Guhr regt mit ihrem „wunderbaren Gartenbuch“ dazu an, Omas Rezepte, altes Kräuterhexen-Wissen, Volkslieder, Kinderspiele und Handwerker-Tricks wiederzuentdecken. In ihrem Lese- und Bilderbuch für die ganze Familie hat sie über 100 Ideen zusammengetragen, was man im Garten alles tun kann. Kirschkernweitspucken, eine Vogelscheuche bauen, ein Schneckenwettrennen veranstalten oder den Zaun bunt anstreichen zum Beispiel. Anregungen zum Zeitvertreib unter freiem Himmel finden sich im Gartenbuch genauso Constanze Guhr: Mein wunderbares Gartenbuch. Über 100 Ideen für mehr Gartengenuss. Gerstenberg-Verlag. 19,95 Euro.

wie praktische Tipps zu Gartengestaltung und –pflege. Wie sich die eigene Ernte in der Küche veredeln lässt, verrät Constanze Guhr in vielen Rezepten, die sich wie ein roter Faden durchs ganze Buch ziehen: Man könnte zum Beispiel mal sein eigenes Kräuteröl oder Pesto herstellen, rote Grütze einkochen und Erdbeerbowle ansetzen. Wer nicht wegen jedem Wehwehchen in die Apotheke laufen will, kann im Garten nachsehen: gegen alltägliche Beschwerden wächst dort fast immer das richtige Kraut. Für handwerklich begabte Gärtner gibt die Autorin und Illustratorin Tipps, wie man aus alten Fenstern ein Gewächshaus baut, einen Kompost anlegt oder einen alten Zinkeimer spontan zum Grill umfunktionieren kann. Wer auf die Schnelle bestimmte Informationen und knapp gehaltene Fakten sucht, kommt mit dem Gartenbuch wahrscheinlich nicht so gut zurecht: Es ist weder Nachschlagewerk noch gartenbauliches Fachbuch. Mit seinen wunderschönen Fotos, Illustrationen und leicht lesbaren, sehr persönlichen und heiteren Texten ist das Buch aber genau das Richtige für große und kleine Leser, die gerne blättern und sich an der künstlerischen Gestaltung erfreuen können. Das Gartenbuch beflügelt die eigene Fantasie. Es macht Lust darauf, gleich rauszugehen und selbst im Grünen zu werkeln. Wie heißt es so schön in einem persischen Sprichwort: „Man muss nicht erst sterben, um ins Paradies zu kommen, solange man einen Garten hat.“

64 | Lesesommer


Freizeitführer für eltern

Carl Morcks zweiter fall

Ursula Taschner

Jussi Adler Olsen

Schwäbische Alb mit Kindern

Schändung.

Pmv Peter Meyer Verlag. 14,95 Euro.

Thriller, dtv. 14,95 Euro. text Christine Knauer

text Barbara Forro

„Was unternehmen wir heute?“ ist ein Satz, der vielen Eltern

Wie die Akte auf den Schreibtisch von Carl Morck gelangte,

vertraut vorkommen dürfte. Am Wochenende wollen die Kids

weiß keiner. Denn der Fall scheint doch gelöst: Vor Jahren wur-

von drei bis dreizehn Jahren etwas erleben – und da schauen

de ein Geschwisterpaar brutal ermordet. Im Verdacht ist eine

die meisten Ausflügler erst einmal, was es im Umfeld für Mög-

Clique von jugendlichen, reichen Internatsschülern. Doch erst

lichkeiten gibt. Der Freizeitführer „Schwäbische Alb mit Kin-

neun Jahre nach dem Verbrechen stellt sich einer der Clique

dern“ bietet mehr als 500 Ausflugsideen. In dem handlichen

als alleiniger Täter. Was soll also Carl Morck, der Leiter des Son-

Taschenbuch wird die Alb in sieben Gebiete aufgeteilt: Die

derdezernats Q von der Kopenhagener Kriminalpolizei, mit

Ostalb, Stauferland, Alb-Donau-Kreis, Teck & Neuffen, Mittlere

diesem Fall? Morck packt trotz der anscheinenden Lösung des

Alb, Zollern-Alb sowie Donau und Heuberg. Die kurz gefassten

Falls die Neugier. Gemeinsam mit seinem Assistenten Hafez el-

Texte konzentrieren sich darauf, die wichtigsten Stichworte zu

Assad und seiner neuen, zänkischen Sekretärin Rose versucht er,

einem Ausflugsziel sowie Adressen und Anlaufstellen zu nen-

mehr über die ehemaligen Cliquenmitglieder herauszufinden,

nen. Daraus darf man den Autoren allerdings keinen Vorwurf

die mittlerweile zur angesehenen Gesellschaftsspitze gehören.

machen, denn mehr kann ein Reiseführer, der einen möglichst

Und wo ist die einzige Frau dieser Clique, Kimmie, geblieben?

lückenlosen Überblick über eine ganze Region bieten möch-

Je tiefer Morck in dem Fall ermittelt, desto näher kommt er den

te, nicht leisten. Gezeichnete Tierfiguren oder Maskottchen

Tätern aus der Oberschicht. Doch die wissen sich zu wehren…

begleiten den Leser durch das Buch, allerdings richten sich

Jussi Adler Olsen legt mit „Schändung“ den zweiten Teil seiner

die Texte sprachlich nicht primär an Kinder, sondern eher an

Morck-Reihe vor. Und der Nachfolger ist besser als sein Erstlings-

deren Eltern. Diese werden das Werk dann letzten Endes auch

thriller: Das kauzige Ermittlungsteam wird durch die launische

am häufigsten in der Hand halten, wenn wieder die Frage im

Sekretärin Rose ergänzt, die Morck an den Rand des Wahnsinns

Raum steht: „Was unternehmen wir heute?“

treibt. Ein furioser Krimi.

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Lesesommer | 65


Impressum Herausgeber GEA Publishing und Media Services GmbH & Co. KG (1) und Bechtle, Graphische Betriebe und Verlagsgesellschaft (Bechtle Verlag und Esslinger Zeitung) GmbH & Co. KG (2)

Themen der nächsten ausgabe

Persönlich Haftende Gesellschafterin GEA Publishing und Media Services Verwaltungs GmbH Burgplatz 5, 72764 Reutlingen (1) und Bechtle Beteiligungs-GmbH

Geld und/oder Liebe

So viel Zeit muss sein – wie viel Zeit muss sein?

Früher war es klar: Ein Ehepaar hatte

Sie springen ein und entlasten die jungen

ein gemeinsames Konto. Oft verdien-

Eltern: Trotz Kita, Kinderfrau und Kinder-

te der Mann alleine, die Frau bekam

garten kümmern sich auch immer wieder

Haushaltsgeld ausgezahlt. Diese Zeiten

die Großeltern um die Kleinen. Doch wie

sind vorbei. Wie Paare heute ihre Finan-

viel Unterstützung geht und wann wird es

zen regeln.

zu viel? Zwei Großmütter berichten.

Zeppelinstr. 116, 73730 Esslingen (2)

Geschäftsführer Michael Eyckeler, Stephan Körting (1); Dr. Werner Schumacher (2)

Koordination und Konzeption Marion Schrade (Leitung), Christine Knauer, Petra Pauli, Annegret Jacobs

Redaktion Marion Schrade (Leitung), Elke Dekanski, Barbara Forro, Cornelia Freidel, Iris Goldack, Annegret Jacobs, Christine Knauer, Petra Pauli, Mirjam Sperlich, Carina Stefak, Monika Toman-Banke

Anzeigen Stephan Körting (verantwortl.), Natalie Bankston

Layout, Satz und Gestaltung baa.san Kommunikation / Tübingen

Druck Bechtle Druck & Service / Esslingen

Fotos Roberto Bulgrin, Kornelius Fritz, Robin Rudel, Marion Schrade, Ramón Seage, Carina Stefak Für den Inhalt der Anzeigen sind die Auftraggeber verantwortlich. Auflage: 30.000 Exemplare Falls Sie Interesse an einer Anzeigenschaltung haben, setzen Sie sich mit uns in Verbindung:

Aufruf für den enkel-wettbewerb

Büro Reutlingen, Tübingen, Neckar-Alb: Sabrina Glück, Tel. 07121 302-539, Stephan Schweikert, Tel. 07121 302-538,

Sie sind mächtig stolz auf Ihre pfiffige

Email: familienpackung@geapublishing.de

Enkelin oder ihren frechen Enkel? Die

Büro Esslingen, Stuttgart: Natalie Bankston, Tel. 0711 9310-224,

Familienbande zwischen Großeltern

Email: natalie.bankston@ez-online.de

und den Kleinen sind bei Ihnen ganz

Haben Sie Fragen oder Anregungen zum Inhalt?

eng? Dann zeigen Sie es:

Dann freuen wir uns auf Ihr Feedback unter

Ob auf der Kirmes oder zuhause im

familienpackung@geapublishing.de DIE NÄCHSTE AUSGABE DER „FAMILIENPACKUNG“ ERSCHEINT AM 21. OKTOBER 2011

Garten beim Toben. Ob an der Werkbank im Keller oder im gemeinsamen Urlaub - wir suchen die schönsten Fotos von Enkeln und ihren Großeltern aus der Region.

Die schönsten Einsendungen werden von der Redaktion prämiert und in der nächsten Ausgabe von der FamilienPackung im Oktober veröffentlicht.

15. September 2011 können Fotos (bitte Auflösung von mindestens 250 dpi) per E-Mail an familienpackung@geapublishing.de an die Bis zum

Redaktion geschickt werden. 66 | VORSCHAU


Familie Reichert

www.MeinANTENNE1.de

Wir hören…


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Jurastr. 2 路 72770 RT-Betzingen Tel. 07121 513975

Wilhelmstr. 109 路 72764 Reutlingen Tel. 07121 3811454

Steinachstr. 15 路 72770 RT-Betzingen Tel. 07121 57224

FamilienPackung  

Die Familienzeitschrift für die Region Neckar-Alb - ein Gemeinschaftsprojekt des Reutlinger General-Anzeigers und der Eßlinger Zeitung.

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