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Ein Service des Gazette Verbrauchermagazins

Juni / Juli · Nr. 3/2017

Lichterfelde West xtra Journal für Lichterfelde West und Umgebung

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Letzte Ruhe in Lichterfelde Auf dem Parkfriedhof liegen viele Prominente

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Die Kapelle wurde von Ernst Petersen entworfen.

Letzte Ruhe in Lichterfelde

Auf dem Parkfriedhof liegen viele Prominente

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ögel zwitschern und hohe Bäume werfen ihre Schatten auf gepflegte Wege. Bis auf den fernen Straßenverkehr und den Gesang der Vögel ist es ruhig auf dem Parkfriedhof Lichterfelde, der zwischen 1908 und 1911 für

die Bewohner der wachsenden Villenkolonie Groß-Lichterfelde angelegt wurde. Die Pläne für den Friedhof, der sich anfangs über eine Fläche von 8,5 Hektar erstreckte, stammten von dem Gartenarchitekten Friedrich Bauer. Für die Umsetzung war

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der damalige Garteninspektor der Landgemeinde, Paul Eschenbach, verantwortlich. Das Herzstück des Friedhofs ist damals wie heute die Talwiese, deren Kern frei von Grabstätten ist. Die geschlängelten Wege durch den Baumbestand erinnern an

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Lichterfelde West extra 3 einen Waldspaziergang. Nach 1920, als Lichterfelde zum Teil Berlins wurde, stieg die Nachfrage nach Begräbnisstätten auf dem großzügig angelegten Friedhof. Sie wurde so groß, dass die Fläche nicht mehr ausreichte und erweitert werden musste. Die erste Erweiterung erfolgte in den Jahren 1927 und 1928 nach Plänen von Erwin Barth, die zweite im Jahr 1938. Auf den Flächen der letzten Erweiterung liegen die geschlossenen Begräbnisstätten der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Ein Blickfang ist der sechssäulige Brunnentempel am Ende der Hauptachse, aber auch die Friedhofskapelle, die 1910 erbaut wurde, ist sehenswert. Der Architekt Ernst Petersen hatte das Gebäude geplant, das sich als massiver Steinbau mit dreibogiger Vorhalle und Turmfront präsentiert. Auf dem Parkfriedhof fanden viele Prominente ihre letzte Ruhestätte, darunter Armand Léon von Ardenne. Er selbst ist allerdings nicht so prominent wie die Romanfigur, für die er Vorbild war. Sein Duell mit dem Liebhaber seiner Ehefrau

Impressum

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4. Jahrgang

Verlag Gazette Verbrauchermagazin GmbH, Badensche Str. 44, 10715 Berlin ☎ 030 / 844 933-0 Redaktion Karl-Heinz Christ extra@gazette-berlin.de Anzeigen Daniel Gottschalk, ☎ 030 / 323 38 54 d.gottschalk@gazette-berlin.de © Gazette Verbrauchermagazin GmbH Lichterfelde West extra erscheint alle zwei Monate am 1.2., 1.4., 1.6., 1.8., 1.10. und 1.12. eines Jahres. Nächste Ausgabe August/September Nr. 4/2017 Anzeigen-/Redaktionsschluss: 04.07.2017 Erscheinung: 01.08.2017 Liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie Themen­wünsche oder -vorschläge haben oder selbst etwas aus dem Ortsteil beitragen möchten, freuen wir uns auf Ihre Anregungen.

Gedenkstein für Gräfin Hedwig Rittberg, die den Hilfsschwesternverein gründete, der nach ihrem Tod dem Roten Kreuz angehörte. Ihr Grab liegt in KleinGlienicke.

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Die letzte Ruhestätte des Botanikers Paul Ascherson mit rekonstruierter Büste. Das Original wurde 2012 gestohlen.

Elisabeth von Plotho und die anschließende Ehescheidung inspirierte den Schriftsteller Theodor Fontane zu seinem Roman „Effi Briest“, in dem Ardenne als Baron Geert von Instetten bekannt wurde. Außerdem ist er der Groß-

vater des Physikers Manfred von Ardenne. Auch Rudolf Beyendorff, der als „Vater von Lankwitz“ in die Geschichte einging sowie die Bakteriologin Lydia Rabinowitsch-Kemper, wurden hier begraben.

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Die Grabstätten von Architekt und Erfinder Gustav Lilienthal, Reichskanzler Kurt von Schleicher und Otto Dibelius sind als Ehrengräber der Stadt Berlin bis heute erhalten. ◾


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Stramm stehen in Lichterfelde Kadetten, Schüler, Hitlers Leibstandarte – Ausstellung in der Schwartzschen Villa

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rnst blicken die Augen des jungen Kadetten in die Kamera. Felix von Eckardt besuchte von 1916 bis 1918 – im zarten Alter von 13 bis 15 Jahren – die Preußische Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde und wurde auf eine Zukunft als Soldat vorbereitet. Die Ausstellung „Stramm stehen in Lichterfelde“ beleuchtet die Zeit der Hauptkadettenanstalt, aber auch die spätere Nutzung des Areals, das während der Weimarer Republik als staatliche Bildungsanstalt diente. 1933 wurde die sogenannte Polizeigruppe Wecke z.b.V. an der Finckensteinallee stationiert, die anfangs aus 418 Angehörigen der Schutzpolizei bestand. Nach ihrem Auszug zog die Leibstandarte SS „Adolf Hitler“ in die Kasernen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden hier zunächst Soldaten der Roten Armee untergebracht, auf sie folgte die US-Army, die hier ihre Andrew-Barracks einrichtete.

Portrait des Kadetten Felix von Eckardt. Foto: Konrad-Adenauer-Stiftung, Medienarchiv

Blockade der Andrew-Barracks durch Demonstranten im Jahr 1983.  Foto: Kristina Eriksson

Die Ausstellung informiert über die Baugeschichte der Hauptkadettenanstalt, die eng mit dem Schicksal des „Vaters“ von GroßLichterfelde, Johann Anton von Carstenn verknüpft ist. Zudem werden die Lebensläufe der Kadetten Felix von Eckardt und Ernst von Salomon dargestellt. Der Bogen spannt sich über die unterschiedlichen Nutzungen bis in die heutige Zeit, in der sich das Bundesarchiv auf dem früher militärisch genutzten Gelände befindet.

Am Sonntag, den 2. Juli um 11  Uhr wird eine Führung mit Armin Woy angeboten, in der die verschiedenen Themenbereiche erläutert werden. Die Ausstellung „Stramm stehen in Lichterfelde“ wird noch bis zum 3.  September gezeigt. Ort: Schwartzsche Villa, Galerie, Grunewaldstraße 55, 12165 Berlin. Öffnungszeiten: Di – So 10 – 18 Uhr. Veranstalter ist das Kulturamt Steglitz-Zehlendorf. Der Eintritt ist frei.  ◾

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Steglitz-Zehlendorf auf gutem Weg Erfolgreicher Aufbruch Richtung Fairtrade Town

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ie Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf hatte bereits im Oktober 2015 dem Bezirksamt vorgeschlagen, sich an der Kampagne für fairen Handel „Fairtrade Town“ zu beteiligen. Am 25. April 2017 kamen nun auf Einladung des Bezirksamtes im Rathaus Zehlendorf rund 30 interessierte Vertreter aus Bürgerschaft, Kirche und Politik zur Auftaktveranstaltung Richtung Fairtrade Town zusammen, wo zu Beginn die Inhalte der Kampagne vorgestellt wurden.

Wie kann der Bezirk Fairtrade Town werden? Um sich für diese besondere, erst einmal auf zwei Jahre angelegte Auszeichnung bewerben zu können, muss der Bezirk Steglitz-Zehlendorf fünf Kri-

terien erfüllen: • Zu Beginn muss ein Ratsbeschluss zur Unterstützung des fairen Handels verabschiedet werden. Begleitend werden in allen öffentlichen Sitzungen – und natürlich auch im Büro der Bürgermeisterin – Kaffee und ein weiteres Produkt aus fairem Handel angeboten. • Eine lokal gebildete Steuerungsgruppe mit mindestens drei Vertretern der Bereiche Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft übernimmt dann auf dem Weg zur Fairtrade Town die Koordination von Aktivitäten im Bezirk. • Abgestimmt auf die Bezirks-Einwohnerzahl werden Fairtrade-Produkte im Sortiment von Einzelhandel, Gastronomie und Floristik angeboten. • Im Bereich Zivilgesellschaft – also in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und

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Reges Interesse an der Kampagne Fairtrade Town herrschte im Rathaus Zehlendorf. 

Kirchen – werden ebenfalls Produkte aus fairem Handel angeboten, außerdem werden im Rahmen weiterer Kampagnen Bildungsaktivitäten zu diesem Thema umgesetzt. • Aktive Öffentlichkeitsarbeit der Steuerungsgruppe sorgt für eine sinnvolle Außendarstellung der Kampagne. Über lokale Printmedien, aber auch durch die regelmäßige Veröffentlichung von Online-

Artikeln, erfahren die Bewohner des Bezirks von den jeweiligen themenbezogenen Aktivitäten und Ereignissen vor Ort.

Faire Unterstützer Im Rahmen der Auftaktveranstaltung stellten sich zahlreiche Teilnehmer mit ihrem jeweiligen Engagement zum Thema Fairer Handel vor. So vertrat Frank Zelazny die ge-

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nossenschaftliche Schülerfirma FairWear. Mithilfe der bezirklichen Partnerschulen Rudolf Steiner & Emil Molt werden die nachhaltig produzierten und fair gehandelten Textilprodukte – nach Wunsch bedruckte Taschen, T-Shirts und Hoodies – an Schulund Aktionsständen in Berlin zu ebenfalls fairem Preis verkauft. Seine Hoffnung an die Kampagne erklärt Frank Zelazny so: „Wir erhoffen uns von der Kampagne einen signifikanten Beitrag zu

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Lichterfelde West extra 9 einem wirklichen Umdenken in der Gesellschaft. Aber der klassische „Bewusstseinswandel“ reicht anscheinend nicht: Laut einer Studie von 2015 sind sich 96 Prozent der Jugendlichen durchaus darüber im Klaren, dass es bei der Modeproduktion nicht fair zugeht. 80 Prozent der Jugendlichen kaufen dennoch bei den großen konventionellen Marken. Unsere Schülerfirma setzt bei dieser Zielgruppe in der Weise an, dass sie selbst zum Teil des Modegeschäfts werden. So wird früh Eigenverantwortung simuliert und durch den persönlichen Bezug zum Herstellerland praktisch gegen Verdrängungsprozesse gearbeitet. Warum den Umweg über den Bewusstseinswandel gehen, wenn man gleich direkt selbst etwas verändern kann? Genau diesen praktischen Bezug wünschen sich viele Jugendliche.“ Als Gast konnte im ehemaligen BVV-Saal des Rathauses von Bezirksstadträtin Maren Schellenberg ein Vertreter der indischen Organisation „fair&organic“ begrüßt werden, die vor Ort in Indien als Kooperationspartner von FairWear agiert.

Als ebenfalls partnerschaftliche Unterstützer der Kampagne vertraten die Pädagogen Elke Anders und Peter Heinrichs die Botanikschule und das BNEZentrum (Bildung für nachhalti-

ge Entwicklung) am Botanischen Garten. Elke Anders erklärte: „Unser kooperierender Part ist es, über das globale Thema Fairer Handel durch Angebote an Schulen zu informieren und unser Wissen an Projekttagen den Kindern und Jugendlichen, aber auch den Lehrern über Weiterbildungsangebote näherzubringen.“ Zu den Unterstützern der angelaufenen Kampagne Fairtrade Town gehört auch der bezirkliche Kirchenkreis, der mit seinen Initiativen fair gehandelte Lebensmittel aus Afrika und Südamerika verkauft.

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Nächste Schritte Durch die Auftaktveranstaltung konnten Interessenten für die Steuerungsgruppe gefunden werden, die es nun aufzustellen gilt. Daran werden auch Vertreter der jeweiligen Fraktionen teilnehmen. Ein Jahr lang wird diese für weitere Aktivitätsplanungen zuständige Gruppe von drei Master-Studierenden der Hochschule für Wirtschaft und Recht unterstützend begleitet. Für die Teilnahme der in diesem Jahr vom 15. – 29. September stattfindenden Woche des Fairen Handels sind in Steglitz-Zehlendorf gemeinsame Aktivitäten vorgesehen. So freut sich Umweltstadträtin Maren Schellenberg, „dass unsere Auftaktveranstaltung auf reges Interesse gestoßen ist. Ich bin begeistert, wie viel Engagement schon jetzt in unserem Bezirk vorhanden ist.“ Man darf also gespannt sein, wann Steglitz-Zehlendorf den Titel Fairtrade Town als fünfter Bezirk neben CharlottenburgWilmersdorf, Mitte, Pankow und Tempelhof-Schöneberg tragen darf. ◾  Jacqueline Lorenz


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Seniorenchor Steglitz e. V.



Foto: Seniorenchor Steglitz e. V.

Ein Sängerkreis, der sich hören lassen kann

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ie 65 singenden Damen und Herren des Seniorenchor Steglitz beweisen an diesem Freitagvormittag einmal mehr, dass reifere Stimmen mindestens genauso viel Klangkraft besitzen können wie jüngere. Im vom Bezirk gestellten Probenraum im Club Steglitz am Selerweg 18-22 sind die Hobbysänger – eine bunte Mischung aus ehemaligen Musiklehrern, Hobbymusikern und begeisterten Gesangsliebhabern – wie jede Woche zur gemeinsamen Chorprobe zusammengekommen, um zwischen 10 und 12 Uhr mit viel Freude und Konzentration an der Vervollkommnung ihres Gesangsprogrammes zu arbeiten. Vierstimmig, mit Sopran, Alt, Tenor

und Bass tönt da Mendelssohns „Frühlingslied“ hell in den trüben Vormittag und vertreibt den Winterblues. Mit jedem Ton des stimmstarken Chores wird deutlicher, wie viel Spaß die zwischen 63 und 87 Lebensjahre zählenden Mitglieder am Singen und Erarbeiten alter und neuer Volkslieder, romantischer Chorsätze, geistlicher Werke, aber auch Musical- und Operettenmelodien haben. Auch der ein oder andere Popsong und Evergreen hat dabei seinen festen Platz im rund 220 Titel umfassenden Repertoire gefunden, von „A la Nanita Nana“ bis „Zur Feier“. Bei dieser Bandbreite ist es kaum verwunderlich, dass um die 18 öffentliche Auftritte pro Jahr keine Seltenheit sind.

Gerne und richtig singen Zum Einsingen klang es im Kanon durch den Raum: „Chorsingen ist Diktatur, da ist von Demokratie keine Spur, die Sänger singen immer nur, was der Chorleiter will, ganz stur, ganz stur.“ Doch ganz so streng nimmt es Chorleiterin Maria Grimm dann doch nicht, die Vorschläge neuer Gesangsstücke gerne von den Chormitgliedern annimmt, auch wenn sie dann letztendlich die Entscheidung über die Aufnahme ins Programm trifft. Die Professionalität des HobbyChores ist nicht zuletzt ihr zu verdanken, die sie seit 2008 auf einer durch ihren Vorgänger Peter Augst geschaffenen


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Singen macht Spaß – besonders wenn es gut klingt.

soliden Grundlage aufbauen kann. Die Korrepetitorin, die u. a. durch ihre Assistenz der Leitung des Studiochor Berlin und des Rundfunk-Kinderchor Berlin sowie als Dozentin für Musik an der Berliner Schule

für Schauspiel reichlich Erfahrung besitzt, widmet sich mit viel Einfühlungsvermögen den reiferen Stimmen des Seniorenchores, so dass der Spaß neben dem notwendigen Probenernst nicht zu kurz kommt und gute

Stimmung garantiert ist. Sie erklärt: „Auch wenn die Mitglieder hobbymäßig singen, etwas Stimmtechnik muss sein und tut den Stimmen im Alter gut. Sie sollen gerne, aber auch richtig singen.“ Maria Grimm bietet den Sängerinnen und Sängern manche Herausforderung, die diese motiviert annehmen: Beispielsweise, wenn es darum geht, spanisch, französisch, englisch, lateinisch oder russisch zu singen und anspruchsvollere Stücke einzustudieren. Auf der alljährlichen Chorfahrt nach Zinnowitz steht daher das intensive Einstudieren neuer Werke für die Sommer- und Weihnachtskonzerte an erster Stelle, etwa acht Titel kommen pro Jahr zum Repertoire dazu, sogar sechs- und acht-stimmig gesungene waren

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Noten geben Sicherheit.

schon darunter. Daraus resultiert das für einen Hobby-Chor recht hohe Niveau des Sängerkreises. Und so korrigiert die Chorleiterin auch an diesem Vormittag beim „Frühlingslied“, aufmerksam, ohne dabei aber das Loben zu vergessen. „Schöne Linien singen, fließen lassen! Ihr Lieben, die Schöpfung nicht runtersacken lassen! Breite Vokale – ja, so ist es ein schöner Klang. Wie schreibt

man „will“ ? – Mit „ü“? “ Alle lachen, finden aber schnell wieder zur konzentrierten Probenarbeit zurück. „Unsere Chorleiterin hebt auch den ältesten Jahrgang aufs Fahrrad und ist ein Musterbeispiel an Geduld“, betont schmunzelnd Hansjörg Gärtner, Bass sowie langjähriges Chor- und Gründungsmitglied. Als ehemaliger Handelsvertreter unterstützt er mit viel Geschick den Vereinsvorstand in der Akquise, wenn es darum geht, neue Auftritte zu organisieren, Interessierte ins Chor-Boot zu holen und den Seniorenchor in der Öffentlichkeit noch bekannter zu machen. Den Vorstand weiß er mit seinem ehrenamtlichen Vorsitzenden Peter Bubolz und der 2. Vorsitzenden Ruth Radtke engagiert hinter sich. „Es bedarf einer umfangreichen und durchdachten Logistik, um alle Chortermine und –Mitglieder unter einen Hut zu bringen“, erklärt Bubolz, tiefer Bass, der seit acht Jahren dabei ist, die Gemeinschaft und als Betriebswirt auch die Vereinsfinanzen im Auge behält. Aus den Vereinsbeiträgen – der Mitgliedsbeitrag pro Monat liegt bei 10.- Euro – und aus


14 Lichterfelde West extra Chanson „La Mer“ weckt Sommergefühle und begleitet die Chorsängerinnen und –Sänger noch ein gutes Stück auf ihrem Nachhauseweg.

Mitsingen erwünscht

Chorleiterin Maria Grimm hört jeden Fehler und korrigiert geduldig.

Auftritts-Gagen werden das Honorar für die Chorleiterin, die Zinnowitz-Busanreise und gesponserte Auftritte bestritten. In Berliner Senioreneinrichtungen, Nachbarschaftstreffs, Zoo, Tierpark, und Britzer Garten hat der Seniorenchor Steglitz seine Stammhörer, und die Sommer- und Weihnachtskonzerte mit ihrem vielseitigen Programm sind inzwischen ein Muss für das musikbegeisterte Publikum. Der trübe Probenvormittag endet für die Chormitglieder schließlich mit Meeresrauschen: das

Auf seinem Weg zu weiteren erfolgreichen Auftritten und hin zu noch größerer Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit sind dem Seniorenchor Steglitz neue Mitglieder herzlich willkommen. Besonders die Männerstimmen und der Alt freuen sich auf Verstärkung. Wer Freude am Singen hat und den richtigen Ton trifft, ist zur freitäglichen Chorprobe um 10 Uhr im Selerweg 18-22 eingeladen. Es erwartet ihn kein strenges Vorsingen, sondern Gleichgesinnte freuen sich auf ein potentielles neues Chormitglied. Wer den Chor aber „in Aktion“ erleben möchte, kann dies am 14. Juni 2017 im Britzer Garten sowie am 16. Juli 2017 um 11 Uhr auf der IGA in den „Gärten der Welt“ in Marzahn. Weitere Termine und Informationen unter www.­ seniorenchorsteglitz.com. ◾  Jacqueline Lorenz

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Netzwerkverein „Goerzallee e. V.“

Auf gemeinsamem Weg zum attraktiven Gewerbegebiet

Für einen Industrie- und Gewerbepark Goerzallee: Dr. R. Baumgarten, S. Schobinger, C. Richter-Kotowski, Thomas Herrmann (v.l.n.r.).

A

ls Silvio Schobinger im Jahr 2015 zusammen mit seinem Bruder Mario das betagte Goerzwerk an der Goerzallee 299 erwarb, hatte er sich viel vorgenommen. Nach behutsamer Gebäude­ sanierung ist es ihm in relativ kurzer Zeit gelungen, auf rund 80 Prozent der Gebäudefläche zahlreiche Gewerbetreibende von der Eis-Manufactur bis zum Software-Entwickler anzusiedeln, die die Lebens- und Arbeitsqualität und den gemeinschaftlichen Austausch inmitten der wiederbelebten Industrieanlage zu schätzen wissen und den derzeit größten produzierend-

gewerblichen Standort im Berliner Südwesten etabliert haben. Mit der Idee, diese Strahlkraft gemeinsam über die Geländegrenze des Goerzwerkes hinauszutragen und das Gewerbegebiet am Zehlendorfer Stichkanal insgesamt neu zu beleben, setzte sich Silvio Schobinger für den Aufbau eines aktiven Netzwerkes ein. Diese Idee wurde mit der Gründung des Netzwerk-Vereins Goerzallee e. V. im Februar 2017 besiegelt und hat bereits viele Befürworter aus dem Bezirk gefunden. Anlässlich der feierlichen Vereinsgründung zeigt sich der frischgebackene Vorstandsvor-

sitzende Silvio Schobinger zuversichtlich: „Ein wesentliches Ziel unseres Vereins ist es, sich für die Umsetzung der Interessen aller hier ansässigen Unternehmen einzusetzen – sowohl auf wirtschaftlicher Ebene als auch in Form konkreter Nachbarschaftshilfe. Wir sind sicher, dass wir mit Ihnen ein starkes Team bilden werden, in dessen Gemeinschaft wir unsere Potentiale fördern, als Dienstleister füreinander da sind und bestenfalls Freunde werden“, appellierte er an die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter aus Bezirksamt, Politik und Wirtschaft.


16 Lichterfelde West extra

Vereinsziel Industrieund Gewerbepark Goerzallee Das historische Gewerbeareal Beeskowdamm, Goerzallee, Lichterfelder Weg und Stichkanal ist mit seiner Größe von rund 85 Hektar das einzig große und zusammenhängende Gewerbegelände des Bezirks SteglitzZehlendorf. Ein eher unübersichtlicher Gewerbe-Mix mit nur wenig moderner Dienstleistung und Industrie hatte sich hier im Laufe der Jahre niedergelassen. Dabei besitzt das Gebiet ein ansehnliches Nutzungspotential, sowohl an Platz als auch an Gebäuden und seiner attraktiven Lage auf halber Strecke zwischen Potsdam Sanssouci und Berlin-Alexanderplatz. Dieses

Silvio Schobinger, Eigentümer des Goerzwerks und Vorstandsvorsitzender des Goerzallee e. V. Fotos: Goerzallee e. V.

Gebiet zu einem inhaltlich und optisch reizvollen Industrie- und Gewerbepark mit zu entwickeln, hat sie der Goerzallee e. V. auf die Fahne geschrieben und dafür anerkennende Worte von Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-

Kotowski bekommen. „Ich sage Ihnen unsere Unterstützung zu und hoffe auf einen intensiven Informations- und regelmäßigen Gedankenaustausch“, erklärte sie, die für einen Gewerbepark in spe den Namen der in der Öffentlichkeit bekannteren „Goerzallee“ passender fände als den Namen „Stichkanal“. Mit im Vereinsboot weiß Silvio Schobinger neben der Wirtschaftsförderung auch das Regionalmanagement Berlin SÜDWEST (RMSW), das aktuell die Auswertung einer Untersuchung des Gewerbegebietes an der Goerzallee erwartet: Das RMSW hatte dazu im Vorfeld eine Datenerhebung von zwei Bachelor-Absolventen der TU Berlin, Bereich Stadt- und Regionalplanung, durchführen lassen.

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Lichterfelde West extra 17 Es glaubt an hilfreiche Ergebnisse für die Entwicklung des Gesamtgeländes, um langfristig daraus einen attraktiven Industrie- und Gewerbepark entwickeln zu können. Dr. Reinhard Baumgarten, Leiter des RMSW, gibt schon jetzt zu bedenken: „Von allen Firmen auf dem Gelände sind anzahlund flächenmäßig weniger als 50 Prozent dem Industriesektor und damit produktionsgeprägten Bereich zuzurechnen. D.h. hier hat bereits ein elementarer Wandel stattgefunden, der in Richtung „Zukunftsunternehmen und Industrie 4.0“ bewusst weiter gestaltet werden muss.“ Die Gründung des Goerzallee e. V. begrüßt auch er und macht, an Silvio Schobinger gewandt, deutlich: „Damit ist ein unternehmerisches Netzwerk entstanden, das

in dem Gewerbegebiet bisher fehlte. Gerne werden wir mit Ihnen und dem Verein zusammenarbeiten.“ Unterstützung für seine VereinsRealisierung fand Silvio Schobinger bereits durch den Berlin. Südwest e. V., den er als „große Schwester“ des Goerzallee e. V. bezeichnet, und der bereits im vergangenen Jahr einige Workshops für die Unternehmer der Goerzallee durchgeführt hatte. – Mit der Intention, mehr Gemeinsamkeit zu erzeugen, um die Potentiale des Standortes besser entwickeln zu können, wie Thomas Herrmann, Vorsitzender, für den Berlin.Südwest e. V. erklärt und hinzufügt: „Von daher freuen wir uns besonders, dass dies nun in die Gründung einer Standortgemeinschaft mündete.“

Schritt für Schritt in Zielrichtung Viel Kernarbeit wartet indessen auf Silvio Schobinger und sein Team, um den frischgegründeten Goerzallee e. V. seiner eigentlichen Aufgabe zuzuführen und in seine Entwicklung zum eigenen Profil zu begleiten. Dabei setzt Schobinger auf nachbarschaftliche Gespräche und das Miteinander Gleichgesinnter, die der Club Goerzwerk in seiner besonderen Atmosphäre für Treffen und Gespräche einlädt. Und er setzt auf die ihm eigene Herzlichkeit und Offenheit, beides Eigenschaften, die ihm bereits bei der Belebung des Goerzwerkes wertvolle Dienste leisteten. Auch in der Vereinsstruktur bleibt er seinem Motto treu „Qualität geht

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18 Lichterfelde West extra vor Masse“. Er will jedem neuen Mitglied mit gleichem herzlichem Ansatz begegnen. Kreative, Handwerker, Unternehmer und Privatperson erwartet im Verein ein vertrauensvoller und wertschätzender Umgang. Der Vorsitzende betont: „Der Verein ist eine hochdemokratische Sache.“ Den Goerzallee e. V. entspannt kennenzulernen, gibt es Gelegenheit beim Hoffest am 14. Juli 2017 ab 14 Uhr auf dem Gelände des Goerzwerk-Industriedenkmals, das sich 100-jährig mit LifeMusic und vielen Überraschungen an diesem „Tag der offenen Tür“ Jung und Alt schwungvoll und dynamisch präsentiert. Dass diese Eigenschaften bald auch auf das übrige Gewerbegebiet an der Goerzallee über-

Teilbereiche Gewerbegelände Beeskowdamm, Goerzallee, Lichterfelder Weg, Stichkanal.  Quelle: ALB d. Senatsverw. f. Stadtentw. u. Umwelt

springen, dafür macht sich der Goerzallee e. V. stark, „um im erfolgreichen Zusammenspiel einen weiteren Baustein für die Beflügelung Berlins vom Südwesten aus setzen zu können“,

ergänzt Silvio Schobinger. Weitere Informationen zum Goerzallee e. V. sowie Satzung und Beitrittserklärung unter www. goerzallee.berlin ◾  Jacqueline Lorenz

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Es darf wieder getobt werden Neue Spielplätze in Lichterfelde

Der neu gestaltete Spielplatz an der Curtiusstraße 14.

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m April wurde der neu gestaltete Spielplatz an der Curtiusstraße 14 nach einer halbjährigen Bauzeit eröffnet. Die Eingrenzung der Spielbereiche ermöglicht ein differenziertes Angebot für alle Altersgruppen vom Kleinkindspiel mit Häuschen und Sandbackstelle, bis hin zur Kletterstrecke, Schaukeln und der wiederaufgebauten Seilbahn. Die Spielangebote sind wie in einem Parcour in einer großen Sandspielfläche verbunden. Auf der „Sonnenseite“ laden Sitzbänke zum Verweilen ein. Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, Fachbereich Grünflächen, leitete als Bauherr und Eigentümer der 1920 m² großen Fläche die Umbaumaßnahme. Im Entwurf wurden die Ergebnisse

aus einem stark frequentierten Beteiligungsverfahren mit Kindern der Brentano-Grundschule, sowie Anwohnerinnen und Anwohnern umgesetzt. Die Baukosten betragen 253.000 Euro. Im April wurde auch der Spielplatz an der Goerzallee / Ecke Altdorfer Straße, der lange

gesperrt war, nach der Umgestaltung wieder eröffnet. Die Umbaumaßnahmen kosten ca. 300.000 Euro. Beide Spielplätze wurden mit Senatsgeldern aus dem Sondervermögen der Infrastruktur der wachsenden Stadt (SIWA) finanziert.  ◾

Spielplatz an der Goerzallee / Ecke Altdorfer Straße.


20 Lichterfelde West extra

Die Treidel­ lokomotive am Teltowkanal Lastschiffe wurden von Lokomotiven gezogen

G

leisreste gibt es kaum noch – nur am Brückenkopf nahe der ehemaligen Teltowwerft in Zehlendorf sind letzte Spuren der Gleise zu finden, auf denen die Treidellok den Teltowkanal entlangfuhr. Treideln war über Jahrhunderte eine Möglichkeit, Lastschiffe flussaufwärts zu bewegen. Bereits die Römer treidelten ihre Lastschiffe auf Rhein und Lippe. Mit aufkommender Motorkraft wurde das

Bug eines alten Kahns an der Emil-Schulz-Brücke.

Treideln zwar auf vielen Flüssen oder Kanälen nicht mehr notwendig, aber es gab Ausnahmen. Der Teltowkanal war schon bei seinem Bau als Wasserstraße unterdimensioniert. Zur Schonung der Ufer wurden deshalb Treidelloks eingesetzt,

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Elektrische Treide

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die die Schiffe zu ihrem Bestimmungsort zogen. Hersteller der Treidelloks war die Firma Siemens. Die Züge verkehrten zwischen Kleinglienicke und Grünau. Sie wurden elektrisch betrieben. Eigens für diesen Zweck entstand ein Kraftwerk

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am Werkshafen in Schönow. Die Züge benötigten eine Gleichspannung von 500 Volt, die in Schönow erzeugt wurden. Umliegende Industriebetriebe konnten ebenfalls vom Kraftwerk versorgt werden. Diese moderne Form des Treidelns wurde weltweit erstmals am Teltowkanal angewandt. Später wurde sie selbst am Panamakanal übernommen. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Treidelanlagen zerstört und nach Kriegsende von den Siegermächten zum Teil demontiert. Da auch der Schiffsverkehr unterbrochen war, kam ein Wiederaufbau nicht infrage. Die Zeit des Treidelns am Kanal endete damit. Von den ursprünglich 20 Lokomotiven sind nur noch zwei übrig. Sie wurden sorgfältig restauriert und können besichtigt werden. Eine Lokomotive steht im Technikmuseum in Berlin und die andere befindet sich unter Glas an der Emil-Schulz-Brücke, nahe Hindenburgdamm/ Ecke Königsberger Straße, ganz nah an ihrem früheren Einsatzgebiet, dem Teltowkanal.  ◾

Reste der Treidelbahn-Gleise am Teltowkanal an der Sachtlebenstraße in Zehlendorf Süd.

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22 Lichterfelde West extra

Caesar Salad und seine Geschicht(e)n Mehr als nur ultimative Anti-Kater-Kost



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ach einer dieser Orgien, wie sie dem alten Rom nachgesagt werden („Sitten wie im alten Rom“), erwachte Caesar eines Morgens mit einem veritablen Kater. Da der Imperator jedoch gleich wieder zum nächsten Feldzug zur Vergrößerung des Ruhms des Römischen Reichs aufbrechen musste, zauberte ihm sein Leibkoch eine Speise, die den Kaiser wieder „fit for fighting“ machte. Entstand so der Caesar Salad? Nein, das nicht, aber die viel plausiblere Geschichte der

Foto: Karepa / Fotolia

Entstehung dieses typisch amerikanischen Gerichts klingt nicht minder interessant. Auch wenn sie ebenfalls nicht zweifelsfrei verbürgt ist. Es soll das Jahr 1924 gewesen sein, als ein italienischer US-Einwanderer die Not zur Tugend machte, indem er aus vergleichsweise einfachen Zutaten einen Salat für die Schönen und Reichen kreierte. In den USA schränkte zu jener Zeit die Prohibition die Möglichkeiten, sich zu amüsieren, drastisch ein. Deshalb nutzten die Einwohner

Süd-Kaliforniens die Nähe zu Mexiko, um jenseits der Grenze das US-Alkoholverbot zu umgehen. Diese Option soll auch von den Stars und Sternchen der neuen Weltmetropole des Films, Hollywood, genutzt worden sein, um in Mexiko „einen drauf zu machen“. Infolgedessen entstand etwa im mexikanischen Tijuana, rund 25 Kilometer vom kalifornischen San Diego entfernt, damals die „längste Theke der Welt“: mit hunderten von Bars, Nachtklubs und Spielsalons. In diesem Umfeld ließ sich


Lichterfelde West extra 23 auch Caesar Cardini mit seinem kleinen „Hotel Caesar“ nebst dazugehörendem Restaurant nieder. Um seinen trinkfreudigen USamerikanischen Gästen zum Nationalfeiertag am 4. Juli 1924 neben Hochprozentigem auch etwas Besonderes zu essen bieten zu können, soll sich Caesar mangels anderer Zutaten einen grünen Salat geschnappt und diesen mit einer Art Aioli-Sauce nach einem Rezept seiner Mamma kombiniert haben. Heraus kam der Caesar-Salat, der bei den Gästen bestens ankam, sich immer mehr Freunde nicht nur unter den „celebrities“ aus Hollywood machte und schnell zu einer internationalen Spezialität der US-amerikanischen Küche aufstieg.

Wie so häufig, reklamierten im Laufe der Zeit noch Andere die Urheberschaft an dem inzwischen höchst erfolgreichen Gericht für sich: So unter anderem Cardinis Bruder Alex, der den Salat als Frühstück für verkaterte Piloten der Air Force erdacht haben will und ihn deshalb „Aviator‘s Salad“ nannte. Es meldeten sich noch weitere angebliche Erfinder des berühmten Salats zu Wort, unter ihnen auch ein Küchenjunge der Cardinis. Seitdem wurde das „Ur-Rezept“ des Caesar Salad um zahlreiche Varianten erweitert: Es gibt ihn mit Geflügelbrustfleisch, Fisch, Shrimps, mit Avocados und verfeinerten Dressings. Doch der Klassiker setzt sich weiterhin im Wesentlichen aus fingerbreiten Römersalat-Streifen, einer Sa-

Steifer

latsauce aus Knoblauch, rohem Ei, zerdrückten Anchovis oder Worcestersauce, Olivenöl, einem Spritzer Zitrone, Salz und Pfeffer zusammen. Das Ganze wird mit Parmesanspänen und/oder gerösteten Brotwürfeln bzw. Croutinos garniert – und fertig ist ein frischer Salat, der nicht nur nach einer durchzechten Nacht Wunder für das Wohlbefinden bewirken kann. Wer jedoch einmal zu tief ins Glas geschaut hat, dürfte sich am nächsten Tag gefreut haben, wenn es am Abend vorher Caesar Salat gab: Denn die Zusammensetzung der Salatsauce gilt als verlässlicher Kater-Killer, vermutlich, weil sie bewirkt, dass die vom Alkohol aus dem Körper geschwemmten Elektrolyte wieder nachgefüllt werden. ◾

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24 Lichterfelde Gesundheit West extra

WeinSommer im Botanischen Garten Rheinland-Pfälzisches Weinfest für Genießer

G

uten Wein genießen, Musik von Pop bis Swing hören und zwischendurch einen Spaziergang zwischen Bäumen und Blumen aus aller Welt unternehmen – der Botanische Garten empfängt die Besucher vom 22. bis 25. Juli zum WeinSommer.

probieren, informieren und genießen. Der WeinSommer kann an folgenden Tagen besucht werden: Donnerstag, 22.6., 16 – 22 Uhr; Freitag, 23.6., 14 – 24 Uhr; Samstag, 24.6., 13 – 24 Uhr, Sonntag, 25.6., 12 – 20 Uhr Der Botanische Garten ist an allen Tagen regulär ab 9 Uhr geöffnet. Eintritt: 6 Euro. Kassenschluss und letzter Einlass am Donnerstag bis 20.30 Uhr, am Freitag/Samstag bis 22 Uhr und Sonntag bis 20.30 Uhr.

Großes Tropenhaus bei Nacht

Rheinland-Pfälzisches Weinfest. 

Foto: I. Haas / BGBM

Der Botanische Garten und Winzer aus RheinlandPfalz laden zum geselligen Beisammensein mit musikalischer Begleitung ein – getreu dem Motto:

In der Nacht vom 22.07. – 17 Uhr bis zum 23.07. um 2 Uhr kann sich der Besucher im Botanischen Garten in eine Zauberwelt entführen lassen. In der Dunkelheit der diesjährigen Botanischen Nacht warten Zauberwesen wie Drachen, Märchenfiguren, Flüsternde Bäume, aber auch Zen-Meister und viele andere auf viele Gäste. Natürlich ist für das leibliche Wohl bestens gesorgt. Karten ab 35 Euro, weitere Informationen unter www.botanischenacht.de.  ◾ Feiern im Schatten des Großen Tropenhauses. Der Botanische Garten lädt im Sommer zu mehreren Festen ein.


Gesundheit 25

Gesunde Ernährung Unverschämt einfach

D

ie Ureinwohner Boliviens haben die gesündesten Herzen aller bisher untersuchten Populationen. Das ist das Ergebnis einer vielbeachteten Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet erschien. Warum ist diese Studie so aufsehenerregend? Zum einen sicherlich wegen des enormen Aufwands und der daraus resultierenden Aussagekraft der Studie: 85 Eingeborenen-Dörfer im Amazonasgebiet wurden von den Forschern besucht. Die Wissenschaftler erstellten 705 Herz-Computertomogra-



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26 Gesundheit phien, um das Herz-Kreislaufrisiko abschätzen zu können, sie bestimmten Puls, Blutdruck, Cholesterin- und Blutzuckerspiegel und Entzündungsmarker. Das Ergebnis ist frappierend, es zeigt Schwarz auf Weiß: Ein 80-jähriger Tsimané am Amazonas hat in etwa das gleiche Gefäßalter wie ein Mitte50-jähriger US-Amerikaner! So weit so gut. Weniger spektakulär sind die Gründe für die beneidenswerte Gesundheit der Ureinwohner. Sie beruht, so die Forscher, auf ihrem Lebensstil: Angehörige der Tsimané nehmen viele natürliche, ballaststoffreiche Kohlenhydrate aus Früchten und Gemüse zu sich, wenig ungesättigte Fettsäuren und keinen raffinierten Zucker, dafür aber auch Wild und Fisch. Sie bewegen sich den Tag hindurch und sie rauchen nicht. Das alles ist nichts Neues. Dass Rauchen und körperliche Passivität unserer Gesundheit schadet, ist (fast) allen bekannt, wie wichtig eine gesunde Ernährung ist, ebenfalls. Umso erstaunlicher scheint es manchmal, mit wieviel Aufwand immer feinere Details untersucht, und mit welcher

Raffinesse immer wieder neue Trends, z. B. im Hinblick auf die Ernährung, etabliert werden. Die Tsimané wissen von all dem nichts und leben dennoch gesund.

Weniger ist mehr Interessant sind auch die Kosten und Mühen, die Menschen in unserer Gesellschaft aufbringen, um sich gesund zu erhalten. Ist das wirklich nötig? Die Wahrheit ist einfach, heißt es oftmals. Im Fall der Ernährung trifft das zu. Drei Beispiele sollen das verdeutlichen. Muße statt Mühe: Wer sich ständig fragt, ob er über seine Nahrung alle benötigten Vitamine erhält, wer ständig neue Informationen dazu sammelt, immer neuen Ernährungstrends hinterher hechtet, Kalorien zählt usw., der hat viel Mühe. Die Grundregeln sind ganz einfach, sie haben sich seit Jahren kaum verändert: Der Speisezettel sollte viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukte enthalten, Milchprodukte und Fisch sollten nicht fehlen, und Fleisch nur in Maßen genossen

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Gesundheit 27 werden. Salz, Zucker und Fette, vor allem aus gesättigten Fettsäuren, sollten sparsam verwendet werden – so einfach ist es. Wer seine Kapazitäten dazu nutzt, die Speisen in Ruhe zuzubereiten und mit Genuss zu essen, der tut auch noch Gutes für seine seelische Verfassung. Natürlich statt stark verarbeitet: industriell verarbeitete Lebensmittel enthalten tendenziell mehr Fett, mehr Zucker, mehr Salz, mehr unerwünschte produktionsbedingte Inhaltsstoffe, wie beispielsweise Acrylamid, und weniger Ballaststoffe. Wer Haferflocken statt „Frühstückscerealien“ verspeist, Pellkartoffeln mit Kräuterquark statt eines Fertiggerichts, weil es mal schnell gehen muss, der ernährt sich gesünder. Günstig statt teuer: Smoothies, exotische Beeren, Treibhaus-Erdbeeren im Winter – das alles ist meist überflüssig. Normales Obst und Gemüse reichen aus, um alle benötigten pflanzlichen Nährstoffe zu erhalten. Teure Spezialprodukte ohne Laktose oder Gluten brauchen die meisten Konsumenten nicht, wie Studien zeigen, es sei denn, sie haben erwiesenermaßen eine HOF FM A NN · DR . S T UHT · WA RNECK Hausärztlich-internistische Gemeinschaftspraxis in Lichterfelde-West

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Unverträglichkeit. Auch probiotische Getränke mit zweifelhafter Wirkung und hohem Preis sind völlig überflüssig für Menschen, die ihre Darmflora mit Ballaststoffen aus Gemüse, Obst und Vollkornprodukten verwöhnen.

Zeit, aus Wissen Taten werden zu lassen Wir haben das Wissen, das wir brauchen, und wir haben, geschichtlich gesehen, die einmalige Gelegenheit, uns das ganz Jahr hindurch mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen. Unverschämt einfach haben wir es eigentlich. Warum fällt es dann so schwer? Stress wird nicht selten eine Rolle spielen, berufliche Auslastung, und die ständige Verfügbarkeit von Leckereien, deren Verlockung wir uns nicht entziehen können. Die Erforschung weiterer Details zu Lebensstilfaktoren, wie beispielsweise der Ernährung, ist weniger wichtig, als die Bemühung, Menschen dabei zu unterstützen, bereits bekannte gesundheitsfördernde Maßnahmen in die Tat umzusetzen. ◾

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