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dürfte es Herbst werden, bis es für die Branche merklich besser wird, bis sich eine gewisse Normalität einstellt. Wie sollen die Mitglieder mit den ständig wechselnden Massnahmen umgehen?

bezahlen muss. Wir haben entsprechend positive Reaktionen erhalten. Einzelne sagen, sie hätten noch nie so gerne wie jetzt die Rechnung bezahlt. Aber klar, es gibt auch solche, die sich beschweren, es sei wenig empathisch, ausgerechnet jetzt Rechnungen zu verschicken. Wir profitieren übrigens auch von zwei namhaften Neuzugängen.

Wichtig ist, das Kostenmanagement mit aller Konsequenz weiterzuführen, Ferien für Mitarbeitende zu gewähren, weiterhin Kurzarbeit zu beantragen Wer ist das? und sich zu überlegen, welche VorEs sind zwei Gruppenunternehmen, bereitungen es braucht, um eine alldie wegen der Krise den Kontakt mit fällige Wiedereröffnung des Betriebs uns suchten. Wir konnten die Grupschnell einzuleiten. Es ist davon ausDaniel Borner: «Wir rechnen pierungen akquirieren, was den Verzugehen, dass die Restaurants nicht mit einem Fehlbetrag von rund band stärkt. Wir haben jedoch auch von 0 auf 100 öffnen dürfen. Wir wer600 000 Franken.» Vorsicht gegenüber Trittbrettfahrern den uns allerdings gegen Einschränwalten lassen. Wenn jemand am Telekungen wie eine Sperrstunde um 19 Uhr wehren. Wir stellen übrigens fest, dass die Betriebe nicht fon sagt, er möchte Mitglied werden und sich dann beinahe im nur unter den Massnahmen leiden. Nur schon die Art, wie Poli- gleichen Atemzug mit dem Rechtsdienst verbinden lassen will, tik und Task Force kommunizieren, führt zu einer Verunsiche- geht das natürlich nicht. rung in der Bevölkerung. Viele Konsumenten buchen deshalb nur kurzfristig. Auch darauf müssen sich die Betriebe einstellen. Vor Wochen hat sich die Präsidentenkonferenz mit den Vor einem Monat hat GastroSuisse die Rechnungen an die Mitglieder verschickt – mit Ausnahme jener Kantone, die einen Mini-Lockdown hatten. Wie sieht der erste Trend aus?

Wir müssen leider mit einem Rückgang bei der Mitgliederzahl rechnen. Unsere aktuelle Mitgliederumfrage zeigt, dass fast die Hälfte aller Betriebe bis Ende März 2021 eingehen wird, wenn sie nicht sofort finanzielle Entschädigungen erhalten. Ich will mich nicht zum Totengräber machen. Aber die Situation ist dramatisch. Die Zahl der Briefe, in denen Mitglieder die Schliessung ihres Lokals bekanntgeben, hat bereits in den letzten Wochen zugenommen. Und schuld sind die Coronamassnahmen?

Leider ja. Im Budget gehen wir bei der Mitgliederzahl deshalb von einem Minus von mindestens zehn Prozent aus. Ist das nicht zu optimistisch?

Kantonalpräsidenten und den Fachgruppen als Teilnehmern auch deshalb für Sparmassnahmen entschieden. Worauf wurde verzichtet, was verschoben oder reduziert?

Wir wollten auf möglichst wenig verzichten, denn wenn wir Projekte nicht realisieren, wirkt sich das auch auf die Branche aus. Diese Signalwirkung möchten wir vermeiden. Alle hoffen auf eine mittelfristige Erholung, und dann wollen wir bereit sein. Deshalb haben wir Projekte nicht gestrichen, sondern einzig etwas im Tempo gedrosselt und die Investitionen damit gestreckt. Der Vorstand hat auch entschieden, die Delegiertenversammlung 2021 in reduziertem Rahmen an einem einzigen Tag durchzuführen. Alle weiteren Veranstaltungen wie etwa der Hochgenuss oder der Hotel-Innovationstag beurteilen wir laufend – aufgrund der pandemischen und finanziellen Situation. Rücken die beiden grossen Verbände GastroSuisse und HotellerieSuisse in der Krise näher zusammen?

Angesichts der ständig ändernden Massnahmen ist es echt In den letzten vier Jahren führten wir regelmässige Spitzenschwierig, das einzuschätzen. Sicher aber rechnen wir damit, gespräche zwischen den Präsidenten und Direktoren der Verdass die Einbusse bei den lohnsummenabhängigen Beiträgen bände. Auch treffen sich die beiden Vorstände seit drei Jahren noch grösser ist, also minus 15 Prozent. Wir mussten diese An- jeweils zu Jahresbeginn für einen Austausch. Das gab es vorher nahmen allerdings bereits Mitte Oktober treffen. Seither hat jahrzehntelang nicht. In der aktuellen Lage tauschen sich die sich die Lage massiv verschlechtert. Verantwortlichen selbst an Wochenenden aus. Zudem sind die beiden grössten Branchenverbände Mitglied der TourismusMit welchem Fehlbetrag rechnen Sie in der Kasse von allianz. Es kann durchaus sein, dass sich diese im ersten QuarGastroSuisse? tal dieses Jahres zu einem weiteren Gipfel mit dem Bundesrat Mit rund 600 000 Franken. Dank der gesunden Kapitalisierung treffen wird. des Verbands lässt sich das für ein Jahr einmalig verkraften. Wenn wir Personal abbauen müssten, müssten wir auch Leis- Sie waren Offizier in der Schweizer Armee. Welche Rezepte tungen reduzieren, denn wir sind bei GastroSuisse auf allen lassen sich für die Privatwirtschaft anwenden? Positionen sehr knapp besetzt. Darauf wollen wir so lange wie Als ehemaliger Nachrichtenoffizier habe ich gelernt, eine Lage möglich verzichten und hoffen, dass es bis zur Erholung nicht zu antizipieren und in der Folge in Szenarien zu denken. Almehr zu lange dauert. Erfolgen im Frühling lockerere Mass- lerdings dauerten die Übungen im Militär drei bis fünf Tage. nahmen und bildet sich bei den Konsumenten rasch das Ver- Wir kämpfen nun schon seit elf Monaten mit dieser Pandemie. trauen, dann hoffen wir auf einen Umsatzrückgang von nicht Da ist viel Durchhaltewillen gefragt und die richtige Einstellung. Wenn man sich täglich über Dinge aufregt, die man nicht mehr als zehn Prozent. ändern kann, zerfleischt das einen. Wichtig ist, sich mit der Immerhin dürfte die Krise das Image des Verbands aufgeSituation in aller Ernsthaftigkeit auseinanderzusetzen – auch wertet haben. wenn sie sehr schwierig und mit vielen Verzichten verbunden Tatsächlich hat sich die Wahrnehmung verbessert. Das ein- ist. Gerade in chaotischen Zeiten wie diesen sind Führung und zelne Mitglied ist sich bewusst, wofür es den Jahresbeitrag die richtigen Führungsprozesse gefragt.

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T I T E LG E S C H I C H T E

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GastroJournal 1/2/3 2021  

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