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«Haben auch zwischen Weihnachten und Neujahr am Bundeshaus gerüttelt» GastroSuisse befindet sich wie die Branche in der grössten Krise der Geschichte. Mit welchen Szenarien rechnet Direktor Daniel Borner 2021? Was empfiehlt er den Mitgliedern? Wie gesund ist der Verband? Das Interview zum Jahresauftakt.

TEXT RETO E. WILD — FOTOS DANIEL WINKLER

Daniel Borner, Sie starten in Ihr fünftes Jahr als Direktor von GastroSuisse. Welche Vorsätze nehmen Sie sich für 2021 vor, geschäftlich und privat?

Für die Branche braucht es jetzt dringend eine Lösung mit schnellen Zahlungen für die Betriebe. Wie hoch schätzen Sie diese Chance ein?

Daniel Borner: Mit zunehmendem Alter habe ich aufgehört, Vorsätze zu fassen. Aber selbstverständlich habe ich Zielsetzungen formuliert: Mir ist es wichtig, die Leistungsfähigkeit und den Zusammenhalt unter den GastroSuisseMitarbeitenden auch in der Krise aufrechtzuerhalten. Das ist einfacher gesagt als getan, denn die Pandemie nagt an uns allen. Sie führt zu Verschleisserscheinungen. Doch trotz Corona möchte ich die Digitalisierung verbessern und unsere Projekte weiter vorantreiben. Dazu gehört, das CRM und unsere weiteren Leistungen stärker auf unsere Mitgliederbedürfnisse auszurichten.

Es ist ein ewiges Hin und Her. In der Wintersession gab es zuerst Anzeichen für eine Branchenlösung. Dann wurde diese wieder versenkt und die Aufgabe an die Kantone delegiert. Aber wir haben nicht locker gelassen und bis an Heiligabend und auch zwischen Weihnachten und Neujahr an den Türen des Bundeshaus aber auch an den Regierungsgebäuden der Kantone gerüttelt. Ich hoffe immer noch, dass wir eine rasche Auszahlung von A-fonds-perdu-Beiträgen erreichen. Die Verbandsverantwortlichen sind sich der dramatischen Lage sehr wohl bewusst und manifestieren dies auch immer wieder gegenüber allen Ansprechpartnern.

Und privat?

Ausgerechnet die bürgerlichen Parteien stimmten gegen

Mich persönlich fit halten. Das ist nicht immer so einfach, das Covid-19-Geschäftsmietegesetz. Wie überrascht oder denn gerade wenn es am meisten brennt, habe ich wenig Zeit enttäuscht sind Sie als FDP-Mitglied? für mich. Dennoch ist es mein Ziel, die Via Alpina, welche die Überrascht war ich nicht. Leider wurde meine Vermutung be14 schönsten Alpenpässe überquert, weiterzugehen. Bis jetzt stätigt. Ich sagte immer, der Weg durch das Parlament wird habe ich erst die beiden ersten Etappen absolviert. Ich brauche lang, steinig und im Nichts enden. Meine Enttäuschung ist diesen Ausgleich. Im Frühling 2020 spürte mein Körper den sehr gross, weil sich trotz vieler Lippenbekenntnisse von Parlamentariern zum Gastgewerbe letztlich die Gegner durchBewegungsmangel als Folge des langen Büroalltags. gesetzt haben. Nachdem nun das Gesetz bachab ist, müssen Seit dem Ausbruch der Coronakrise standen Sie unter individuelle Lösungen gefunden werden. Dauerstress. Wie haben Sie diesen verdaut?

Eigentlich ganz gut. Ich glaube, um diese zu bewältigen, be- GastroSuisse befindet sich aufgrund der behördlichen dingt es eine gewisse körperliche und geistige Fitness. Doch Massnahmen gegen das Coronavirus in der schlimmsten es gab schon Phasen, da waren die Belastungen sehr hoch. Ge- Krise der Geschichte. Wo orten Sie den grössten Handlungsnau dann blieb praktisch keine Zeit für Sport. Ich versuchte, spielraum für den Verband? möglichst genügend zu schlafen und wenigstens zu Fuss zum Derzeit konzentrieren wir unsere Kräfte darauf, dass die Betriebe von den Kantonen wie erwähnt möglichst rasch Geld Bahnhof zu gehen.

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T I T E LG E S C H I C H T E

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GastroJournal 1/2/3 2021  

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