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Yves Ingrid Helga Mirjam Gisela

Ker Ambrun, Thomas Degen, Theodor Fontane, Aline Ganguin, Liane Ganguin, Huch-Hallwachs, Ullrich Jackus, Erich K채stner, John Lennon, Rainer Maier, Margarete Mattes, Meyer, Peter Moody Meyer, Hans Pfitzinger, Claus Pfitzner, Birgit Piontek, Pressler, Renate Schirmann, Anja Semling, Lucius Annaeus Seneca, Alexander von Spreti, Stallmann, Martin Stallmann, Marcel Vollmar, Elli Zimmer, Martin Zimmer


GLÜCK ist loslassen können und akzeptieren, was ist GLÜCK ist nichteinmalmehr glücklich sein zu wollen Claus Pfitzner, Grafiker

„All the Sisters of Mercy they are not departed or gone...“ Love & peace Hans Pfitzinger, Autor


Ob eine schwarze Katze Glück oder Unglück bringt, hängt davon ab, ob man ein Mensch oder eine Maus ist.

„Zum Glück, bin ich eine Prinzessin geworden.“ Aline Ganguin, Kindergartenkind

Erich Kästner, Schriftsteller


Glücklich ist also ein Leben, das mit der Natur in Einlang steht, wozu nötig ist, dass der Geist gesund, kräftig und entschlossen ist, zudem rein und gelassen, sich in die Umstände fügend, auf seinen Körper und dessen Bedürfnisse sehend, jedoch ohne ängstliche Sorge, auch die übrigen zum Leben gehörenden Dinge nicht vernachlässigend, ohne auf irgendeines großen Wert zu legen, bereit die Gaben des Glücks zu nützen, ohne ihr Sklave zu werden.

Lucius Annaeus Seneca, Philosoph, Staatsmann und Schriftsteller

Alexander von Spreti, Fotograf


John Lennon, Musiker

She's not a girl who misses much Do do do do do do oh, yeah She's well acquainted with the touch of the velvet hand Like a lizard on a window pain The man in the crowd with the multicolored mirror on his hobnail boots Lying with his eyes while his hands are busy working overtime A soap impression of his wife which he ate and donated to the National Trust

Wenn das Gl端ck kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen.

I need a fix cause I'm going down Down to the bits that I left uptown I need a fix cause I'm going down Mother Superior jump the gun Mother Superior jump the gun Mother Superior jump the gun Mother Superior jump the gun Mother Superior jump the gun Mother Superior jump the gun Happiness is a warm gun Happiness is a warm gun mama When I hold you in my arms and I feel my finger on you trigger I know nobody can do no harm Because Happiness is a warm gun mama Happiness is a warm gun, yes it is Happiness is a warm, yes it is, gun Ah, don't you know that Happiness is a warm gun mama

Mirjam Pressler, Autorin


Peter Moody Meyer, Fotograf Helga Meyer, Hausfrau

Ein Glück meiner Kindertage wohnte in den Erdschollen frisch umgepflügter Felder. Die Kids aus meiner Siedlung trafen sich meistens gegen Abend, wenn die Sonne schon tief stand am Rande eines dieser speckig glänzenden Felder, um den legendären barfüssigen Wettkampf auszutragen. Es ging darum, wer das riesige wie ein Meer aus Erde aussehende Feld ohne Schuhe als Erster überqueren konnte. Der Reiz daran war , dass in dieser Disziplin auch kleine Gören gegen rotzfreche Jungs gewinnen konnten – denn das Springen von Erdscholle zu Erdscholle erforderte leicht, flink und vorrausschauend zu springen. So manches Mal zogen wir kleinen Gören lachend den hinter uns herfluchenden Jungs davon. Meistens glühten mir noch beim Abendessen die Backen vor Gewinnerstolz und träumend hing ich über meinem Butterbrot heimlich mein „Erdschollenglück“ genießend.

Birgit Piontek, Erzieherin


Also, mich macht es glücklich, meine Lieblingsfarbe im Leben draussen zu finden. Margarete Mattes, Grafikerin

...und so lebten sie glücklich und zufrieden. Glück ist das Ende der Märchen. Haben deshalb so viele Menschen Angst vor Glück? Weil es am Ende keine Ziele mehr gibt? Nichts mehr zu erzählen, zu erleben, zu erhoffen? Schluss mit den Illusionen, die alle Abenteurer mit einem märchenhaften Ende locken? Oder macht es diesen Abenteurern einfach Spaß, das Leben als Märchen zu erleben – aber ohne Ende – ein Märchen jagt das nächste. Denn vielleicht ist dieses glückliche Ende wirklich das Ende. Das Ende von was? Vom Leben? War das jetzt das Leben oder war es nur Märchen? Was ist, wenn diese Märchen wahr sind und das Glück erst am Ende anfängt? Nach dem Märchen. Wenn es nichts mehr zu erzählen, zu erleben, zu erhoffen gibt. Nur noch Glück im Sein.

Ingrid Huch-Hallwachs, Wirtin


Yves Ker Ambrun, Comiczeichner

gl端ck

Thomas Degen, Fotograf


Eine kleine Analyse des Glücklichseins Glücklichsein hat viele Namen: „Wolfgang“, „Susi“, „ich“ und „du“. Glücklichsein kennt kein Erbarmen, wenn es zuschlägt, schlägt es zu. Glücklichsein hat viele Silben: „Glück“ und „lich“ und „sein“. Und Schluss! Glücklichsein kann auch vergilben, ja, das tut es, wenn es muss. Klüggligsain hat viele Fehler: Da! Und da! Und da! Und da! Glücklichsein, jetzt sieht es jeder: keine Fehler, wunderbar! Glücklichsein hat viel drin stecken: „Lück“ und „ich“ und „sein“ und „Ei“... Glücklichsein will dich nur necken, du sollst denken: „Ich bin frei!“ Glücklichsein hat viele Lettern: „G“, „l“, „ü“, „c“, „k“ und mehr. Glücklichsein wär’ noch viel netter, wenn das Unglück bloß nicht wär’.

Ullrich Jackus, Journalist

Martin Stallmann, Grafiker


Theodor Fontane, Dichter

Gott, was ist Glück! Eine Grießsuppe, eine Schlafstelle und keine körperlichen Schmerzen, das ist schon viel.

Anja Semling, Grafikerin


Marcel Vollmar, Telefonist

Auf der ersten Stufe stelle ich mir unter Glück ganz einfach die Abwesenheit von Un-Glück in meinem Leben vor. Wenn alles in seinen Bahnen ist und Gesundheit sowie angenehme Grundstimmung herrschen, sehne ich mich höchstens nach positiven Einschnitten, wie Liebesglück, Erfolgsglück, Finanzglück. Außerdem fällt mir noch das kurz andauernde, durch Einnahme einer bestimmten Dosis hervorgerufene Rauschglück ein. Die höchste Stufe meines Glücks verdanke ich der unvergessenen Susi Niegel (1964-1986), die mich nach Ihrem Hinscheiden in die Mystik des „Nichts ist unmöglich“ einweihte und an deren Grab und anderswo ich in meinem Glauben an Gott so bestärkt wurde, dass ich jetzt von einem Wissen von Gott durch Susi Niegel zu sprechen wage. So wie ich Susi getroffen habe, ist es Glück, Menschen, Tiere, Pflanzen und Dinge zur rechten Zeit zu treffen.

Glück ist, wenn man eine schöne Wohnung mit Blick auf den Wörthsee hat – und das mit dem Mann den man liebt...

Renate Schirmann, Grafikerin


Glück ist eine Lady. Wenn der Nebel mal wieder weich über den Häusern liegt und das Blaue über mir und das Blaue um mich verhüllt, dann ist es Zeit für die Tauben, eine kleine Pause einzulegen vom ewigen Picken und Kacken und Von-Autos-über-den-Haufen-gefahren-werden. Dann setzen sie sich bei mir auf den Fenstersims und sagen „Ugur, ugur, ugur“. Ugur ist türkisch und heißt Glück. Neben türkischsprechenden Tauben habe ich eine Katze namens Rossini zu Hause. Sie hat goldene Augen und ein weiches, graues Fell und schnurrt, wenn ich sie kraule. Wenn sie nicht gekrault werden will, was sehr häufig vorkommt, eigentlich immer, dann schleicht sie sich, und zeigt mir, wie mühelos es für sie ist, was uns Menschen versagt bleibt: durchs Leben zu gehen, ohne Lärm zu machen. Ansonsten spricht sie selten und schaut lieber wie ich den Tauben auf meinem Fenstersims zu. „Ugur“, sagen die Tauben, „ugur“. Die größte Offenbarung ist die Stille, und in solchen Momenten bin ich mit Vergnügen traurig. Mögen Tauben den Nebel? Oder schätzen sie eher die Sonne? Wie fühlt es sich an, zu fliegen? Ist es Ugur, Glück? Doch weshalb ugurren die Tauben niemals, während sie fliegen? Sondern ausschließlich, wenn sie festen Boden unter den Zehen haben? Weil sie sich freuen, heil wieder runter gekommen zu sein? Und während ich noch überlege, ob es eigentlich auch Vögel mit Flugangst gibt, erklingen die Gläser im Regal, und es bebt plötzlich das Parkett, und ich weiß dann, dass meine minderjährige Tochter im Nebenzimmer Musik hört. Das Glück. Die Stille. Fort. Es ist das Lied aus diesem „Titanic“-Film. „And I believe“, singt sie lauthals, „and I believe that the hot dogs go on.“ Ich gehe ins Kinderzimmer und schreie zu der Anna: „Mein Schatz! Erstens ist die Musik nicht nur zu laut, sondern viel zu laut. Und zweitens“, sage ich dann in normaler Phonzahl, nachdem sie den Lärm gedimmt hat, „und zweitens heißt diese Zeile nicht ´that the hot dogs go on`, sondern ´that the heart does go on`.“ Als ich klein war, habe ich oft das sehr bekannte und damals tatsächlich neue Lied von John Lennon gehört, „Give peace a chance“. Lauthals sang ich dann den Refrain, und es zitterten die Gläser im Regal und es wackelten die Kronleuchter im Stockwerk unter mir, von wo auch gleich entweder mein Vater oder meine Mutter hinaufgeeilt kamen und mir zuriefen: „Mein Schatz! Die Musik ist nicht nur zu laut! Sondern viel zu laut!“ Doch nie, wirklich nie hat mich einer dieser beiden Erziehungsverpflichteten darüber aufgeklärt, dass der Refrain dieses Songs lautet „All we are saying is give peace a chance“. Und nicht etwa „All we are saying is kids need a dad“. Wie ich ihn sang. Zum Eklat kam es dann ausgerechnet in einer Eisdiele meiner Heimatstadt, als ein Mitschüler das Lennon-Lied in der Jukebox drückte und ich mit meinen Klassenkameraden den Refrain grölte. Ich als einziger natürlich „...kids need a dad“. Hämisches Gelächter der Jungs, verächtliche Blicke der Mädchen, brennende Magenta-Ohren bei mir, was auch damals schon, bevor die Telekom diesen Farbton für ihre Telefonzellen entdeckte, ein knalliges rosa-rot war. Klar, dass ich nach diesem Vorfall mein Kino-Date mit Beatrix vergessen konnte. Ich sollte noch lange solo bleiben. „Müssen wir nicht ohnehin noch Englisch lernen“, frage ich meine Tochter Anna. „Oh no“, sagt sie. „Oh yes“, sage ich. Lehren ist die Kunst, entdecken zu helfen. „Zeig mir doch mal das Booklet von der CD“, sage ich, „da steht der Text drin.“ Meist ist das so, hätte ich hinzufügen sollen. Hier gab es keine Handzettel mit der Lyrik. Es war so ein Sampler, in dem Hits versammelt sind, also diese Stücke, die ein Jahr im Radio durchgenudelt werden und die man jetzt ein weiteres Jahr zu Hause hören kann. Oder muss, wenn man einen Teenager zu Hause hat. „Pass auf, wir gucken mal im Internet nach“, sage ich. „Im Internet“, sagt Anna. „Ja, im Internet, dort steht alles drin, schau!“ „Titanic“ gebe ich in die Suchmaschine ein und „Song“ und „Text“ und der Bildschirm zeigt den Titanic Songtext. „Siehst du“, sage ich, „´that my heart does go on` muss es heißen und nicht ´that the hot dogs go on´“. „Aha“, sagt die Anna. „Ja“, sage ich, „so was weiß das Internet. Alles kannst Du hier eingeben, auch - nur so als Beispiel - dieses Lied von dieser Frau, wie heißt die noch, die du immer so gerne hörst, die, die immer singt `Let´s go back to bed, boy` oder so ähnlich...“ „Sarah Connor?“, fragt die Anna. „Ja, Sarah Connor“, sage ich, „so heißt die dann wohl. Du kannst Dir aber auch die Texte von Van Morrison anzeigen lassen, wenn du sie nicht weißt oder die von Jackson Browne.“ „Van Morrison“, sagt die Anna, „soso.“ Sie zieht eine Augenbraue hoch. „Ja, Van Morrison“, sage ich, „oder von wem auch immer.“ „Frank Sinatra?“, fragt die Anna. „Auch Frank Sinatra?“ „Na klar“, sage ich, „auch Frank Sinatra.“ „Sinatra“ und „Songbook“ drücke ich, und der Computerbildschirm zeigt die Titel aller Sinatra-Songs. „Welchen nehmen wir, Anna?“ „Hm“, sagt meine Tochter, „lass mal gucken.“ Sie scrollt mit dem Mauszeiger durch die Seite. „´Luck be a lady?`“ „´Luck be a lady`, warum nicht?“ Ich lasse uns den Text anzeigen. „They call you lady luck/ But there is room for doubt/ At times you have a very un-lady-like way/ Of running out/ And so the best that I can do is pray/ Luck be a lady tonight...“ „Hast Du eine Ahnung, was das heißen könnte?“, frage ich. „Lass es uns gemeinsam übersetzen.“ „Wieso? Lass das doch den Computer übersetzen“, sagt die Anna und klickt den Link „Übersetzen“. Ich wußte nicht, dass Computer übersetzen, selbst wenn man sich gar keinen Übersetzungs-Computer gekauft hat. Warum gewinnt man nicht im Lotto, trotzdem man keinen Spielschein gelöst hat? Der Computer übersetzt: „Sie anrufen Sie Dame Glück aber dort sein Raum für Zweifel manchmal Sie haben ein sehr un-Dame-wie Weise von laufen lassen aus ihr und so d gut dass ich können tun sein beten Glück sein ein Dame heute abend...“ „Glück sein ein Dame“, lacht die Anna, „Glück sein ein Dame heute abend.“ „An dies Datum mit mir d pickin´s haben sein lush“, lese ich. „Und doch vor d Abend sein rüber Sie können mir geben d Bürste“, liest die Anna und fällt vor Lachen vom Stuhl. „Sie können vergessen Ihr Weise Sie können ablehnen zu bleiben Sie“. Anna und ich kugeln uns auf dem Boden, und wir halten uns die Bäuche vor Lachen und wir kichern und gibbeln und gicksen. Und wir hören nicht dass es an der Tür geläutet hat und sehen die Frau, mit der ich dieses Kind zeugte, erst, als sie im Arbeitszimmer steht. „Oh“, strahlt die Anna auf dem Fußboden, „Glück sein ein Dame.“ - „Ja“, kringle ich mich, „Glück sein ein Dame heute abend. D pickin´s haben sein lush.“ - „Sie können mir geben d Bürste“, brüllt Anna. – „Sie können ablehnen zu bleiben Sie“, pruste ich. Zum Glück gibt es Mütter, die spüren, wenn Sie der Unterhaltung zwischen Vater und Tochter nicht folgen müssen. Sie läßt uns und den Laptop allein. „Drück doch mal www.kissthisguy.com“, sagt die Anna. Eine Freudenträne tropft ihr auf den Tisch, und sie trocknet sie mit dem Saum ihres T-Shirts. „Oder www.amiright.com.“ Auch rücksichtsvolle Kinder kommen nicht darum herum, ihren Eltern eines Tages mitteilen zu müssen, was im Leben gespielt wird. Es kommen viele Seiten, auf denen es ausschließlich um falsch verstandene Songs geht. Der Titel „Chiquitita“ von Abba wurde zum Beispiel von irgendwem gehört als Chicken Tikka. „Can´t buy me love“ von den Beatles als Can´t Bobby love, Get Babylon, Li´l puppy love oder auch Camp by me, love. „Beast of Burden“ von den Rolling Stones wurde so mißverstanden: Beastly virgin, Easter bunny, Big Suburban, Pizza´s burning. Und bei John Lennon entdeckte ich den Eintrag „...kids need a dad“. Es war einer aus der Untertertia, der mich verpfiffen hat. Ich bin sicher. Wenn ich mich im Sommer mühe, der Sonne Strahlen so zu erleben, dass sie mir hoffentlich noch den Winter wärmen, dann sitzen bei mir keine Tauben auf dem Sims. Dann öffne ich nämlich das Fenster, und unsere Katze Rossini schaut dort nach dem Ugurren und nach dem Glück. Dabei hat sie einmal Sansizlik, Pech, gehabt und fiel vom vierten Stock direkt auf den Bürgersteig. Sie brach sich den Kiefer, den der Tierarzt ihr nähte und das linke Vorderbein, das er ihr schiente. Nur Brei konnte sie in der ersten Zeit futtern, und das feuchtwarme Klima unter dem Gips machte ihr zu Martin Zimmer, Autor

Gisela Stallmann, Grafikerin


...unter Palmen zu tr채umen... Liane Ganguin, Hausfrau

Elli Zimmer, Angestellte


Verfasser unbekannt

Die Freude war allerdings kurz, weil der Beni bei der Aktion was von dem Staub der Königskerzen in die Augen gebracht hat, was sehr juckt. Rainer Maier, Landschaftsgärtner

Vielleicht ist es nur ganz wenig was einen Menschen glücklich macht; Nur ein Augenaufschlag, ein Blick oder ein Lächeln; Nur ein Wort, eine Frage oder ein Gespräch; Nur eine Kleinigkeit, eine Entdeckung oder was Gemeinsames; Nur ein Antippen, eine Berührung oder ein Streicheln; Nur eine Geste, ein Verstehen oder sonst was, irgendwas.


Willst Du gl端cklich sein im Leben, trage bei zu andrer Gl端ck, denn die Freude die wir geben, kehrt ins eigne Herz zur端ck.

Vera Heubel, Dipl.-Betriebswirtin Thomas Heubel, Dipl.-Bauingenieur


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