Bassenge Kunstauktion 119: Moderne Kunst Teil I

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BASSENGE AUKTION 119 MODER N E U N D Z EI TGENÖS SISCHE KU NST I 4. Juni 2022

Galerie Bassenge . Erdener Straße 5a . 14193 Berlin Telefon: 030-893 80 29-0 . E-Mail: modernart@bassenge.com . www.bassenge.com


IH R E A N SP RECH PARTNER FÜR D IE SE N KATA LOG E XP ERT S FO R T H I S C ATALO GU E

Barbara Bögner Leitung Telefon: +49 (0)30-88 62 43 13 E-Mail: b.boegner@bassenge.com

Katharina Fünfgeld Telefon: +49 (0)30-88 91 07 90 E-Mail: k.fuenfgeld@bassenge.com

Simone Herrmann Telefon: +49 (0)30-88 91 07 93 E-Mail: s.herrmann@bassenge.com

Miriam Klug Telefon: +49 (0)30-88 91 07 92 E-Mail: m.klug@bassenge.com

Sonja von Oertzen Telefon: +49 (0)30-88 91 07 91 E-Mail: s.von.oertzen@bassenge.com

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den gewünschten Losnummern zu erfragen, da Angaben zum Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog notiert sind.

Die Galerie Bassenge ist Mitglied bei

Eindeutig identifizierbare Werke mit einem Schätzpreis von mindestens 2500 Euro werden vor der Auktion mit dem Art Loss Register abgeglichen.


T ER M I N Ü BER SICH T

AU KT ION 119

MITTWOCH, 1. Juni 2022 Vormittag 10.00 Uhr Low Countries – Niederländische Druckgraphik Nr. Druckgraphik des 15. bis 17. Jahrhunderts Nr. Druckgraphik des 18. Jahrhunderts und Papierantiquitäten Nr. Nachmittag 15.00 Uhr Druckgraphik des 19. Jahrhunderts und des Fin de Siècle Nr. Miscellaneen und Trouvaillen der Druckgraphik Nr. des 15. bis 18. Jahrhunderts

5000-5049 5050-5233 5234-5304 5305-5411 5412-5593

DONNERSTAG, 2. Juni 2022 Vormittag

Gemälde Alter und Neuerer Meister

Nr.

6000-6220

11.00 Uhr

Discoveries (Katalog nur online verfügbar)

Nr.

6250-6278

Nachmittag

Delikatessen

Nr.

6300-6440

Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts

Nr.

6500-6777

Nachmittag 14.00 Uhr

Alexander Rothaug – Mythos und Eros

Nr.

6900-6993

16.00 Uhr

Moderne und Zeitgenössische Kunst II

Nr.

7000-7365

(Katalog nur online verfügbar)

Nr.

8000-8320

16.00 Uhr

FREITAG, 3. Juni 2022 Vormittag

10.00 Uhr

Die Sammlung des Wiener Phantasten Ernst Fuchs

SONNABEND, 4. Juni 2022 Nachmittag

14.00 Uhr

Moderne und Zeitgenössische Kunst I

VORBESICHTIGUNGEN Um einen reibungslosen Ablauf der Vorbesichtigung aufgrund der aktuellen Einschränkungen gewährleisten zu können, bitten wir Sie um eine vorherige Anmeldung per Telefon oder E-Mail. Druckgraphik, Gemälde, Zeichnungen des 15. bis 19. Jahrhunderts, Alexander Rothaug, Delikatessen Erdener Straße 5A, 14193 Berlin Montag, 23. Mai bis Montag, 30. Mai, 10.00–18.00 Uhr, Dienstag, 31. Mai 10.00–15.00 Uhr Moderne und Zeitgenössische Kunst I und II Rankestraße 24, 10789 Berlin Montag, 23. Mai bis Donnerstag, 2. Juni, 10.00–18.00 Uhr Schutzgebühr Katalog: 15 € Umschlag: Los 8201, Herbert Strässer, Innenseite links: 8150, Jeanne Mammen, Innenseite rechts: 8058, César Klein Seite 6 und 7: Los 8191, Carla Accardi


E XP ERTEN | SPECIAL IST S Geschäftsführung | Management David Bassenge +49 (0)30-893 80 29-17 david@bassenge.com Graphik, Zeichnungen und Gemälde des 15.–19. Jahrhunderts Dr. Ruth Baljöhr – Leitung +49 (0)30-893 80 29-22 15th to 19th Century Prints, Drawings and Paintings r.baljoehr@bassenge.com David Bassenge +49 (0)30-893 80 29-17 david@bassenge.com Eva Dalvai +49 (0)30-893 80 29-80 e.dalvai@bassenge.com Lea Kellhuber +49 (0)30-893 80 29-20 l.kellhuber@bassenge.com Nadine Keul +49 (0)30-893 80 29-21 n.keul@bassenge.com Harald Weinhold +49 (0)30-893 80 29-13 h.weinhold@bassenge.com Moderne und Zeitgenössische Kunst Barbara Bögner – Leitung +49 (0)30-88 62 43 13 Modern and Contemporary Art b.boegner@bassenge.com Katharina Fünfgeld +49 (0)30-88 91 07 90 k.fuenfgeld@bassenge.com Simone Herrmann +49 (0)30-88 91 07 93 s.herrmann@bassenge.com Miriam Klug +49 (0)30-88 91 07 92 m.klug@bassenge.com Sonja von Oertzen +49 (0)30-88 91 07 91 s.von.oertzen@bassenge.com Laetitia Weisser +49 (0)30-88 91 07 94 l.weisser@bassenge.com Photographie Jennifer Augustyniak – Leitung +49 (0)30-21 99 72 77 Photography jennifer@bassenge.com Elmar F. Heddergott +49 (0)30-21 99 72 77 e.heddergott@bassenge.com Wertvolle Bücher und Handschriften Dr. Markus Brandis – Leitung +49 (0)30-893 80 29-27 Rare Books and Manuscripts m.brandis@bassenge.com Harald Damaschke +49 (0)30-893 80 29-24 h.damaschke@bassenge.com Dr. Cosima Kristahn +49 (0)30-893 80 29-48 c.kristahn@bassenge.com Stephan Schurr +49 (0)30-893 80 29-15 s.schurr@bassenge.com Autographen | Autograph Letters Dr. Rainer Theobald +49 (0)30-4 06 17 42 r.theobald@bassenge.com Logistik Management | Logistics Ralph Schulz +49 (0)30-893 80 29-16 r.schulz@bassenge.com Verwaltung | Office Anja Breitenbach +49 (0)30-893 80 29-12 a.breitenbach@bassenge.com Ellen Rusczyk +49 (0)30-893 80 29-33 e.rusczyk@bassenge.com Repräsentanzen | Representatives Rheinland Dr. Mayme Francis Neher +49 (0)175 - 204 63 23 info@mayme-neher.de Dänemark Peter Titelbech + 45 (0)2383 - 2448 p.titelbech@bassenge.com Italien Dr. Chiara Erika Marzi + 39 333 9924 868 c.marzi@bassenge.com


AUKTION MODERNE UND ZEITGENÖSSISCHE KUNST I Erdener Straße 5a, 14193 Berlin

Vorbesichtigung Rankestraße 24, 10789 Berlin Montag, 23. Mai bis Donnerstag, 2. Juni 2022

Der Katalog Moderne und Zeitgenössische Kunst II erscheint nur online, die Auktion findet als Präsenzveranstaltung statt




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8000

franz skarbina (1849–1910, Berlin)

8000 Der Opernhausball Pinsel in Schwarz über Bleistift auf Malkarton. 1875. 24,7 x 17,7 cm. Oben links mit Bleistift signiert „F. Skarbina“ und datiert. 800€

In Vorbereitung für das Gemälde „Opernhausball“ im Von-derHeydt-Museum in Wuppertal entstand unsere Zeichnung als Studie. Dargestellt ist der mittlere Ausschnitt der Komposition. Interes-

santerweise plante Skarbina in diesem Stadium wohl noch eine andere Gestaltung der zentralen Personengruppe: Bei vorliegender Zeichnung ist eine höfliche Begrüßungsszene dargestellt, in der endgültigen Gemäldefassung erscheinen die Paare beim Tanz. Provenienz: Galerie Westphal Berlin Privatbesitz Berlin 9


8001

franz skarbina

8001 Pariserin Öl auf Pappe. 1885. 23,9 x 21,1 cm. Oben rechts mit Bleistift signiert „F. Skarbina“, datiert und mit der Ortsangabe „Paris“. 5.000€

Eindrucksvolle Doppelstudie einer eleganten jungen Dame in der Pariser Mode des ausgehenden 19. Jahrhunderts entstanden während Skarbinas Studienaufenthalt in Paris von 1885 bis 1886. Scheinbar in einem flüchtigen Augenblick, ähnlich einer zufälligen Momentaufnahme etwa im Durchstreifen eines Pariser Parks, hat

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Skarbina das Modell schnappschussartig in raschem lockeren Pinselstrich skizziert, zugleich jedoch jede einzelne Falte ihres opulenten Kleides mit dem üppigen Cul de Paris sorgfältig ausgearbeitet. Sehr reizvoll ist auch die Mehransichtigkeit der Dame: einmal stehend im Halbprofil, den Betrachter mit einem verstohlenen Blick bedenkend und zum anderen in Rückenansicht im verlorenen Profil auf einer Bank sitzend. Die Arbeit ist Dr. Miriam-Esther Owesle, Berlin, bekannt. Provenienz: Villa Grisebach, Berlin, Auktion 297, 25.10.2018, Lot 453 Privatsammlung Berlin


8002

franz skarbina

8002 Flusslandschaft Öl auf Leinwand, doubliert. Um 1890. 66 x 44,5 cm. Unten rechts mit der gestempelten Signatur „F. Skarbina“. 5.000€

Skarbina hielt sich Ende der 1880er Jahre mehrfach zu Studien in Paris und Nordfrankreich auf. Unser wunderbar atmosphärisches

Gemälde, eine Plein-Air-Studie, entstanden in der freien Natur, zeigt deutliche Einflüsse des französischen Impressionismus. Die Arbeit ist Dr. Miriam-Esther Owesle, Berlin, bekannt. Provenienz: Galerie Gerda Bassenge, Berlin, Auktion 110, 2.12.2017, Los 8320 Privatsammlung Berlin 11


8003

odilon redon

(1840 Bordeaux – 1916 Paris)

8003* Vieux chevalier Lithographie auf gewalztem China. 1896. 29,8 x 23,4 cm (57,1 x 43,1 cm). Monogrammiert „Od. R.“. Mellerio 158. 6.000€ Der Ritter in Redons „Vieux chevalier“ ist eine äußerst romantische und idealisierte Vorstellung des einsamen Suchenden nach

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Licht und Wahrheit. Seine mittelalterlichen Konnotationen und spirituelle Aura stehen eng in Verbindung mit Redons Sujets der 1890er Jahre. Hervorragender, kreidiger und kräftiger Zustandsdruck auf chine collé, außerhalb der Auflage von 100 Exemplaren. Selten. Provenienz: Claude Roger-Marx, verso mit dessen Sammlerstempel (nicht bei Lugt)


8004

henri de toulouse-lautrec (1864 Albi – 1901 Schloss Malromé)

8004 Le Petit Trottin Farblithographie auf Velin. 1893. 28 x 19 cm (35,5 x 37 cm). Wittrock 14 III. 1.200€

Exemplar der dritten Auflage, erschienen nach 1901, mit dem Pochoirkolorit. Ausgezeichneter, wenngleich in den Farben etwas verblasster Druck in Olivgrün, mit dem vollen Rand. 13


8005

camille pissarro

(1830 Saint-Thomas-des-Antilles – 1903 Paris)

8005 Pont Corneille à Rouen Lithographie auf gewalztem bräunlichen Bütten. 1896. 22 x 30,2 cm (31 x 40,2 cm). Auf dem Unterlagepapier (von Tailliardat?) bezeichnet „Epreuve d‘Essai“. Delteil 170. 1.200€

Probedruck außerhalb der geplanten Auflage von 12 Exemplaren. Immer wieder beschäftigte sich Pissarro zwischen 1883 und 1898 künstlerisch mit der Brücke in Rouen. Gedruckt bei Tailliardat, mit dessen Stempel unten rechts. Prachtvoller, wunderbar kreidiger Druck mit Rand.

Druck außerhalb der Auflage, erschienen bei H.M. Petiet, Paris, in einer Höhe von 60 Exemplaren. Geprägt wurde Maillol durch Pierre Puvis de Chavannes und Paul Gauguin, mit dem ihn eine persönliche Bekanntschaft verband. 1892 schloss er sich der Künstlergruppe Nabis an, deren dekorative und flächenbetonte Kunst seiner Gestaltungsweise zu dieser Zeit entsprach. Ganz in diesem Sinne gestaltete er bereits einige Jahre zuvor „La Vague“, der weibliche Akt - das Hauptthema seines Schaffens - mit sparsamen Konturen umrissen, umgeben von ornamental umgesetzten Wellenmustern. Prachtvoller, klarer Druck mit Rand. Selten.

pierre bonnard

(1867 Fontenay-aux-Roses – 1947 Le Cannet)

aristide maillol

(1861 Banyuls-sur-Mer – 1944 Marly-le-Roi)

8006 La Vague Holzschnitt auf Chinabütten. 1898. 17 x 19,7 cm (25,6 x 23,7 cm). Monogrammiert „M“ im Kreis. Guérin 8. 7.000€ 14

8007^ Kleines Schiff im Hafen Aquarell über Bleistift auf dünnem Velin. 13,2 x 21,6 cm. 4.500€

Mit schnellem, sicherem Strich eingefangene Hafenszene in Frankreich. Vom Steg aus blickt man auf ein kleines vertäutes Segelboot. Die bewegten Wolken und das Wasser verraten einen windigen Tag am Meer. Farbliche Akzente in Gelb und Blau unterstreichen den maritimen Charakter dieser kleinen Skizze.


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8008

max liebermann (1847–1935, Berlin)

8008 Frau mit Kind Kreide auf gräulichem Velin. Um 1890. 13,3 x 17,9 cm. 1.200€

Spontan skizzierte, familiäre Alltagsszene. Das Gesicht der Mutter, vermutlich Liebermanns Frau Martha, ist nur vage angedeutet, die Physiognomie des Kindes dagegen mit wenigen pointierten Strichen zauberhaft eingefangen.

Provenienz: Kunstkreis Berlin Ausstellung: Max Liebermann, Stationen eines Malerlebens, Opel-Villen Rüsselsheim 1999 Max Liebermann, Orangerie des Georgiums, Dessau 2000 Licht, Phantasie und Charakter - Max Liebermann, Schloss Wernigerode 2001

8009 Wärterin mit Kind auf einer Gartenbank Kaltnadel auf hauchdünnem Japanbütten. 1923. 15,3 x 21 cm (25,4 x 29,6 cm). Signiert „MLiebermann“ und bezeichnet „von der unverstählten Platte“. Achenbach 58. 1.000€

Der Probeabzug vor der Auflage von 90 Exemplaren auf J.W. Zanders Bütten von der überarbeiteten aber noch unverstählten Platte, in einem kräftigen, gratigen Druck mit tollen Hell-DunkelKontrasten, fein schimmerndem Plattenton und breitem Rand. Zusätzlich zu Achenbach unterscheidet Florian Karsch auf einem dem Werk beiliegenden Beschreibungsblatt drei verschiedene Druckzustände, unser Exemplar der von ihm beschriebene Druck Achenbach 58 III a.

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Provenienz: Privatsammlung Berlin


8010

max liebermann

8010 Weideland mit Gebüsch und Bäumen Kreide in Schwarz, stellenweise weiß gehöht, auf grünbräunlichem Velin. 1894. 32,8 x 48 cm. Unten links mit Kreide in Schwarz signiert „MLiebermann“ und datiert. 4.000€

Ab 1871 reiste Max Liebermann fast jedes Jahr nach Holland, wo auch diese zauberhafte, atmosphärische Landschaftsstudie entstand. Mit fast malerischer Wirkung hält Liebermann einen Moment auf einem Spaziergang fest. Ein leichter Wind weht von rechts kommend über das flache Land. Dichtes Gebüsch mit Bäumen führt von rechts schräg in die Komposition ein, während der Blick nach links in die Weite gelenkt wird. Die horizontalen Ausläufer von Vegetation im Mittelgrund verleihen Stabilität und erwecken den Eindruck von Ruhe und Einsamkeit. Nur eine kleine dunkle Gestalt sitzt versunken auf einem Baumstumpf. Die leicht

melancholische Schwere der Szenerie ist typisch für Liebermanns Werke dieser Zeit. Mit einer schriftlichen Bestätigung von Prof. Dr. Hans-Jürgen Imiela vom 09.05.1992 (in Kopie). Provenienz: Kunstkreis Berlin Ausstellung: Centre d‘Art La Malmaison, Cannes 1996 (Ausst.-Kat. S. 34, mit Abb.) Cranach-Galerie, Wittenberg 1996 (Ausst.-Kat. S. 34, mit Abb.) Max Liebermann, Stationen eines Malerlebens, Opel-Villen Rüsselsheim 1999 (Ausst.-Kat. S. 18, mit Abb.) Licht, Phantasie und Charakter - Max Liebermann, Schloss Wer­nigerode 2001 (Ausst.-Kat. S. 42) Reiselust und Sinnenfreude: Corinth, Liebermann, Slevogt, Kunsthaus Apolda Avantgarde, Kunsthalle Jesuitenkirche, Aschaffenburg 2011/2012 (Ausst.-Kat. S. 92) 17


8011

max liebermann

8011 Die Handzeichnungen Max Liebermanns 2 Radierungen auf Bütten, 21 Seiten sowie 93 Tafeln. In Orig.-Halblederband. 1922. 42,5 x 37 cm. Die Radierungen signiert „M. Liebermann“. Auflage 480 num. Ex. Schiefler 330 IV c und 331 II d. 1.200€

Erschienen bei Paul Cassirer, Berlin, ausgewählt und mit einer Einleitung von Julius Elias. Die beiden prachtvollen Radierungen „Selbstbildnis zeichnend“ und „Wärterin mit Kind und Hund“ mit dem vollen Rand. Provenienz: Privatsammlung Berlin

8012 Vorzeichnung zu „Badende“ Bleistift auf leicht grünlichem Römerturm Sack LinenPapier. Um 1926. 28,1 x 22 cm. 1.000€

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In dieser rasch zu Papier gebrachten Skizze suchte Liebermann jene Pose einer badenden Frau, für die er in seiner Lithographie „Badende“ von 1926 (Achenbach L 116) Verwendung fand. Verso mit einer weiteren Skizze zum selben Motiv.


Provenienz: Kunstkreis Berlin Ausstellung: Max Liebermann, Stationen eines Malerlebens, Opel-Villen, Rüsselsheim 1999 Max Liebermann, Orangerie des Georgiums, Dessau 2000 Licht, Phantasie und Charakter - Max Liebermann, Schloss Wernigerode 2001, (Ausst.- Kat. S. 46)

max liebermann

8013 Selbstporträt Kaltnadel auf festem Van Gelder Zonen-Bütten. 1913. 23 x 17 cm (45,8 x 32,4 cm). Signiert „MLiebermann“. Auflage 30 num. Ex. Schiefler 150 III b. 1.200€

Erschienen im Verlag Bruno Cassirer, Berlin, mit dessen Blindstempel unten links. Prachtvoller, gratiger Druck mit dem wohl vollen Rand.

8013

lesser ury

(1861 Birnbaum – 1931 Berlin)

8014 Leipzigerstraße im Regen Radierung auf Velinkarton. Um 1920. 11,7 x 8,5 cm (25,9 x 20,1 cm). Signiert „L. Ury“ und gewidmet. Auflage 30 Ex. Rosenbach 55. 900€

8014

Blatt der Werkgruppe III - Berliner Straßenszenen, verlegt bei Fritz Gurlitt, Berlin. Ganz hervorragender, klarer und differenzierter Druck mit tief eingeprägter Plattenkante, seidig schimmerndem Plattenton und breitem Rand. 19


8015

lesser ury 8015 Havellandschaft bei Mondschein Pastell und Deckweiß Karton. 1896. 35,7 x 48,2 cm. Unten links mit Kreide in Schwarz signiert „L.Ury“ und datiert. 8.000€ „Das Pastell gehörte einst dem Ehepaar Sally und Rosa Tannenberg, das 1939 in die Vereinigten Staaten auswanderte und in New York in einem Apartment in der 601 West 160 Street wohnte. In den Aufzeichnungen des Kunsthistorikers Konrad Kaiser, der seit Beginn der 1960er Jahre bis zu seinem Tod als Fachmann für das Œuvre Lesser Urys galt, findet sich eine kleine Abbildung des

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Pastells. (...) Das Pastell ähnelt einer Grisaillemalerei. Nur der von letzten Strahlen der bereits untergegangenen Sonne bläulich erleuchtete Himmel und das sandige, ockerfarbene Ufer lockern die strenge, dunkle Farbpalette auf.“ (Dr. Sibylle Groß, in der beiliegenden Expertise vom 19. April 2022). Das Werk wird aufgenommen in das Verzeichnis der Werke Lesser Urys. Provenienz: Sammlung Sally und Rosa Tannenberg, Hessen/New York Sotheby‘s, New York, 12.6.1982, Lot 217 (mit Abb.) Sotheby‘s, New York, 23.2.2001, Lot 110 (mit Abb.) Hauswedell & Nolte, Hamburg, Auktion 359, 9.6.2001, Lot 1726 (mit Abb.) Privatsammlung Norddeutschland


8016

lesser ury

8016 Am Grunewaldsee, Berlin Kohle, gewischt, auf festem Velin. 1910-1915. 48,2 x 31,2 cm. Unten links mit Kohle signiert „L. Ury.“.

wischt diese stellenweise zart mit dem Finger zur Andeutung des sommerlich-warmen Flirrens in der Luft. Die Zeichnung gehört in eine Reihe von insgesamt vier Arbeiten mit dem Motiv „Blick auf den Grunewaldsee“ von 1910-1915. Mit einer Expertise von Dr. Sibylle Groß, Berlin, vom 19. April 2022.

Still, einsam und verlassen liegt das baumbestandene Ufer des Berliner Grunewaldsees da. Die hochgewachsenen Bäume korrespondieren mit dem hochformatigen Bildmotiv. Zur Darstellung der atmosphärischen Wirkung von Licht und Schatten speziell in den Baumkronen verwendet Ury breite Kreideschattierungen und

Provenienz: Privatbesitz Berlin Galerie Gerda Bassenge, Berlin, Auktion 29/1, 26. - 30.4.1977, Lot 1640 (mit Abb.) Privatbesitz Berlin

4.000€

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8017

emil orlik

(1870 Prag – 1932 Berlin)

8017 Kleiner Bonsai Aquarell und Feder in Schwarz über Bleistift auf Bütten. 1901. 20,4 x 16,5 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „emil Orlik“, datiert und mit der Ortsangabe „Tokio“. 1.200€

Auf seiner ersten Japanreise 1900 bis 1901 schuf Orlik diese kleine, in feinen Federstrichen gefasste, zart aquarellierte Zeichnung eines kleinen Bonsai-Bäumchens. Die feinen Ästchen lassen an die japanischen Holzschnitte dieser Zeit denken.

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8018

emil orlik

8018 Frauenportrait Öl auf Leinwand, doubliert. 80 x 60 cm. Unten rechts mit Pinsel in Braun signiert „Orlik“. 1.800€ Beeinflusst von Jugendstil und seinen zahlreichen Reisen, setzt Orlik das Brustbild einer jungen Frau im Halbprofil vor eine imposante Baumkulisse. Farblich eingebettet in den fast skizzenhaft wirkenden Hintergrund, steht sie in konzentrierter Haltung, ledig-

lich in ein rosafarbenes Tuch gehüllt, ihre linke Schulter entblößt, das braune Haar lang und offen. Ihr schüchterner, unsicherer Blick weist links aus dem Bild. Orlik hat dieses Portrait vermutlich als eine der Auftragsarbeiten gestaltet, von denen er als gefragter Portraitist seiner Zeit einige anfertigte. Stellenweise überarbeitet, bitte Zustandsbericht anfragen. Provenienz: Privatbesitz Brasilien Privatbesitz Portugal 23


8019

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emil orlik

8019 Kleine Holzschnitte 34 (16 farbige) Holzschnitte auf verschiedenen Papieren. 1896-99. Bis 16,5 x 21 cm (Blattgröße). Jeweils signiert „Orlik“. Glöckner 2007, 41. 4.000€

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Die komplette Folge der 34 Holzschnitte, entstanden zwischen 1896 und 1899. 1896 ging Orlik von Prag zurück nach München, zog mit seinem Künstlerfreund Bernhard Pankok (1872-1943) zusammen und setzte sich in dieser Zeit intensiv mit der Technik des Farbholzschnitts auseinander. Die vorliegende Folge entstand in künstlerisch engem Kontakt Orliks mit Pankok, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband, nach Anregungen durch Felix Vallottons und William Nicholsons Drucke und vor allem aus der Faszination für die japanische Holzschneidekunst. „Das neue graphische Problem und die Lust an dem schönen Material haben mir so viel Freude gemacht, dass ich in den nächsten Jahren, 1896-1899, eine größere Anzahl von Holzschnitten anfertigte. (...) So sind diese Arbeiten (...) die Ergebnisse meiner Versuche, eine verloren gegangene Kunstübung neu zu beleben“ (Emil Orlik, Textblatt zur Mappe). Die Gesamtauflage betrug 115 Exemplare, 1920 herausgegeben vom Verlag Neue Kunsthandlung, Berlin. Sämtliche Holzschnitte wurden durch Julius Ruckenbrod per Hand auf der Pan-Presse/ Otto v. Holten, Berlin, gedruckt. Prachtvolle bzw. ausgezeichnete Drucke mit Rand. Die komplette Folge ist selten im Auktionshandel zu finden.


emil orlik

8020 Taschenspieler (Japanischer Zauberer auf der Bühne) Farbholzschnitt auf Japanbütten. 1900. 18,5 x 15,3 cm (20 x 17,2 cm). Glöckner 1982, 20. 900€

Glöckner zufolge wurde das Blatt nie in einer Auflage gedruckt. Ganz ausgezeichneter Handdruck, rechts und unten mit schmalem Rand, oben und links mit der vollen Darstellung.

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8021 Die Courtisane (auch: Mädchen aus Niingata) Radierung mit Roulette und Aquatinta auf JWZandersBütten. 1901. 19,4 x 13,3 cm (31 x 23,9 cm). Signiert „Orlik“. Glöckner 2008, 82a. 1.200€

Erschienen als Blatt 11 der Mappe „Aus Japan“. Prachtvoller Druck mit Rand. Selten.

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emil orlik

8022 Ein Windstoß Farbholzschnitt auf Japan. 1901. 33,2 x 23,8 cm (36,2 x 26,2 cm). Signiert „Emil Orlik“, datiert und (von fremder Hand?) betitelt. Glöckner 2007, 79. 8.000€

Emil Orlik war einer der wenigen europäischen Künstler des Jugendstils, denen das Studium der exotischen Werke auf den Weltausstellungen und den Galerien sowie der Bücher zu Hause nicht genug war. Direkt im Anschluss an seine Ostasienreise 1901 schuf Orlik dieses graphische Meisterblatt mit seinen feingliedrigen Baumästen, die wie netzartig im Wind bewegt werden. Von diesem äußerst seltenen Farbholzschnitt, von dem Orlik der Galerie Glöckner zufolge nur wenige Abzüge druckte, ließen sich in den letzten 25 Jahren lediglich drei weitere Exemplare im Auktionshandel nachweisen. Prachtvoller, sehr schön nuancierter Druck mit dem vollen, kleinen Rand. Sehr selten. Provenienz: Sammlung C. O. Beyer, Leipzig, mit dessen Sammlerstempel unten links (Lugt 495a) Sammlung Heinrich Neuerburg, Köln, mit dessen Blindstempel unten links (Lugt 1344a), dort handschriftlich bezeichnet „867“

8023 Japanisches Mädchen unterm Weidenbaum Farbholzschnitt auf Bütten. 1901. 18,5 x 36 cm (19,3 x 37 cm). Signiert „Orlik“ und datiert. Glöckner 1980, 98, Salzmann 218. 4.500€

Orlik reiste 1900/01 für zehn Monate nach Japan – allein die Anreise per Schiff dauerte damals noch fünf Wochen, um die japanische Farbholzschnittkunst, die in Europa seit der Öffnung Japans nach Westen immer beliebter wurde, zu erlernen. Das vorliegende, wunderbar filigrane Blatt spiegelt Orliks Vorliebe für die tradi­tio­ nellen Arbeiten dieser japanischen Kunst wider. Prachtvoller, klarer Druck mit feinem Kolorit und dem vollen, wenngleich kleinen Rand. Selten. Provenienz: Sammlung C. O. Beyer, Leipzig, mit dessen Sammlerstempel unten rechts (Lugt 495a) Sammlung Heinrich Neuerburg, Köln, mit dessen Blindstempel unten links (Lugt 1344a), dort handschriftlich bezeichnet „868“

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emil orlik

8024 Am Meer Farbradierung auf Kupferdruckpapier. Um 1920/22. 32,5 x 27,5 cm (47,6 x 34,7 cm). Signiert „Emil Orlik“ und bezeichnet „Probedruck“. Glöckner 2007, 56, Salzmann 356. 4.500€

Glöckner verzeichnet 2007 lediglich die in Schwarz gedruckte Radierung, nennt keine Auflagenhöhe und korrigiert das Entste-

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hungsdatum von „vor 1910“ zu „um 1920/22“. Prachtvoller, kräftiger und wunderbar differenzierter Probedruck mit tief eingeprägter Plattenkante und breitem Rand. Selten. Provenienz: Sammlung C. O. Beyer, Leipzig, mit dessen Sammlerstempel unten rechts (Lugt 495a) Sammlung Heinrich Neuerburg, Köln, mit dessen Blindstempel unten links (Lugt 1344a), dort handschriftlich bezeichnet „866“


8025

emil orlik

8025 „Hamtree - The Plantation“ Kohle und Farbstift auf Velin. 1924. 27,8 x 21,3 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Orlik“ und betitelt. 1.800€

James Carl „Hamtree“ Harrington war ein sehr prominenter dunkelhäutiger Tänzer und Komiker, den Orlik vermutlich auf seiner einzigen Reise in die USA im Jahr 1924 bei einer Varietéaufführung oder Broadwayshow gesehen hatte und porträtierte. 1936, wäh-

rend der Weltwirtschaftskrise und dem Höhepunkt der Harlem Renaissance in New York City, war Harrington beteiligt an der Gründung der „Negro Actors‘ Guild of America“. Diese Schauspielergewerkschaft entstand mit dem Ziel, dem Rassismus der Actors‘ Equity Association entgegenzutreten, die schwarzen Schauspielern die Mitgliedschaft verweigerte. Die NAG trat ein für realistischere Rollen für People of Color, trug dazu bei, die Fähigkeiten afroamerikanischer Schauspieler zu fördern, und arbeitete daran, mehr Schauspielmöglichkeiten für die schwarze Gemeinschaft in der Branche zu schaffen. 29


8026

maximilian kurzweil (1867 Bisenz – 1916 Wien)

8026 Der Polster (Martha Kurzweil, die Frau des Künstlers, auf dem Diwan sitzend) Farbholzschnitt auf weichem Japan. Um 1903. 29,2 x 26,2 cm (55,7 x 45,3 cm). Signiert „Max Kurzweil“. Novotny/Adolph 428. 1.600€

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Das ikonische Bild des Wiener Farbholzschnitts in leuchtender Farbigkeit. Max Kurzweil war 1897 eines der Gründungsmitglieder der Wiener Sezession. Seine dekorativen Drucke zeigen einen deutlichen Einfluss impressionistischer Künstler wie Edouard Vuillard und Pierre Bonnard, hier sichtbar in den eleganten Konturen und der lebendigen Kombination von Mustern. Der Polster ist Kurzweils bekanntestes Werk; es zeigt seine Frau Martha auf dem Diwan, das Gesicht verborgen und die Hand in einer angestrengten Geste erhoben. Exemplar der Luxusausgabe auf weichem Japan, hergestellt für die „Jahresmappe der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, Wien“, 1903. Prachtvoller in seiner nuancierten Farbgebung kräftiger Abzug mit sehr breitem Rand.


8027

carl moser

(1873–1939, Bozen)

8027 „Weißgefleckter Pfau“, erste Fassung Farbholzschnitt auf hauchfeinem Japan. 1905/06. 31 x 31,6 cm. Signiert „MOSER“, datiert, betitelt und bezeichnet „No. 4– 21“, „Paris Jardin des Plantes“ sowie „Orig. Farbholzschnitt“. Kirschl HS 22. 5.000€

sind, deutlich von den anderen unterscheidet. Es handelt sich um eine in den Farben der Beine und Schwanzfedern leicht abweichende Variante zur Abbildung von HS 22 im Werkverzeichnis; Kirschl war nur ein einziges Exemplar dieser ersten Fassung mit den Maiskörnern bekannt. Moser bezeichnete alle seine Schnitte als „Farbholzschnitt“, obwohl er für die mittel- und großformatigen Drucke wohl meist Linolplatten verwendete. Prachtvoller Druck, bis in die Einfassungslinie geschnitten. Rarissimum, im Auktionshandel ist kein weiteres Exemplar dieser ersten Fassung nachweisbar.

Moser schuf insgesamt drei Fassungen des Weißgefleckten Pfaus, von denen unsere die früheste ist und sich darin, dass hier der Pfau Maiskörner vom Boden pickt, während es später Kirschen

Provenienz: Privatbesitz Norddeutschland 31


8029

paula modersohn-becker (1876 Dresden – 1907 Worpswede)

8028 Die Frau mit der Gans Radierung mit Aquatinta und Roulette in Dunkelgrün auf China. 1902. 12,8 x 17,8 cm (20,2 x 27,2 cm). Von Otto Modersohn zweifach signiert „O. Modersohn“ (auf dem Blatt sowie auf dem Unterlagekarton) und bezeichnet „f. P. Modersohn-Becker“ und „No 3“ sowie vom Drucker Otto Felsing signiert. Werner 5 IV a (von b). 2.500€

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Die einzige sicher datierte Radierung von Paula Modersohn-Becker. Die Platte wurde während des Zweiten Weltkrieges in Felsings Berliner Werkstatt zerstört. Brillanter Druck mit dem vollen Rand, selten.


arthur illies

(1870 Hamburg – 1953 Lüneburg)

8029 Sommertag am Ufer der Alster nahe dem Landhaus der Familie Illies Öl auf Leinwand. 1903. 60,5 x 80,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Rotbraun signiert „A. ILLIES“ und datiert. 4.000€

Verso auf der Leinwand abermals mit Pinsel bezeichnet und betitelt „A. Illies/ Sommertag“, sowie weitere, teils verblasste Bezeichnungen. Auf dem Keilrahmen mit verschiedenen alten Etiketten, eines bezeichnet „A(bend?)sonne M.../ Arthur Illies ...“ (nur teilweise lesbar), sowie ein Etikett des Kunstvereins Hamburg „K.V.H. 2136“ und auf dem Keilrahmen mit Bleistift bezeichnet „Alsterlandschaft“. In seinem eigenhändigen Werkverzeichnis betitelte der Künstler das Werk „Flusslandschaft“ und gab ihm die Werknummer 523. Daneben vermerkte er „Juni / Kleinborstel“. Offenbar entstand das Gemälde im Sommer 1903 an der Alster in unmittelbarer Nähe des Landhauses der Familie Illies in Klein Borstel, wo der Künstler nach dem Tod seiner ersten Frau im Jahre 1901 einige Zeit bei seiner Mutter wohnte. Zwei sommerlich gekleidete Frauen und ein junges Mädchen mit eleganten Strohhüten haben auf einem Spaziergang Halt gemacht und ruhen sich auf einer Lichtung am Ufer der Alster aus. Sie stehen im Kontrast zu einer Gruppe von drei Badenden, die dort unbekleidet in den Fluß gesprungen sind. Meisterhaft erfasst Illies die flirrende Wärme eines Sommer­ tages in bester impressionistischer Manier mit breiter, gezielter Strichführung und einer Vielzahl von sommerlichen Farbtönen, von sattem Grün bis zu einem zarten Violett in den Schattenpartien des baumbestandenen Ufers. Eindrucksvoll gibt er auch die Spiegelung der Bäume im klaren Wasser der behäbig dahinfließenden Oberalster wieder und lässt den Berachter so die friedliche Stimmung dieses sonnigen Sommertages nachempfinden. Wir danken Herrn Hans-Christian Schimmelpfennig, Lüneburg, für die hilfreichen Informationen. Provenienz: Privatsammlung Hessen Literatur: In Arthur Illies eigenhändig angelegtem Werkverzeichnis aus den 1920er Jahren (IWV) aufgeführt als Nummer 523 Kurt Illies, Aus Tagebuch und Werk: 1870-1952, Hamburg 1981, Nr. 520, dort als „Flußlandschaft“

8030

otto illies

(1881 Yokohama – 1959 Wernigerode)

8030 Blick auf die Elbe Öl auf Malpappe. 1919. 49 x 39 cm. Unten links mit Pinsel in Orange signiert „Otto Illies“, verso mit Bleistift nochmals signiert und datiert. 1.200€

Mit großer Lebendigkeit im Kolorit schildert Illies die abendliche Szenerie. Sensibel erfasst er die verschiedenen Farbnuancen des Sonnenuntergangs und das Spiel von Licht auf dem Wasser. Unser Bild ist durch seinen lockeren, tupfenähnlichen Duktus dem Neoimpressionismus verbunden. Otto Illies, ein Vetter von Arthur Illies, reüssierte vor allem als Landschaftsmaler. Er wurde als Sohn eines Überseekaufmanns in Japan geboren und verbrachte dort einen Teil seiner Kindheit. Nach dem Besuch der Aktklasse von Heinrich Knirr in München studierte er gemeinsam mit Ivo Haupt­mann bei Ludwig von Hofmann in Weimar. Dort setzte sich Illies intensiv mit dem Neoimpressionismus auseinander. Von 1908 bis 1911 teilte er in Berlin ein Atelier mit Hans Delbrück und beteiligte sich 1908 an der Ausstellung der Berliner Sezession. Illies wohnte ab 1911 auf dem Falkenstein in Hamburg-Blankenese und schuf zahlreiche Ansichten der Elbe und Umgebung. Verso eine weitere Landschaftskomposition des Künstlers.

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8031

paul baum

ernst oppler

8031* Küstenlandschaft bei Capri Aquarell, Bleistift und Kreide in Schwarz auf Bütten, auf Japan kaschiert. Um 1900. 19 x 30,8 cm. Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „P.B.“.

8032 Der Hausgang Öl auf Leinwand. Wohl 1902/1903. 92 x 70 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „E. Oppler“. Wohl Bruns G 036.

(1859 Meissen – 1932 San Gimignano)

2.000€

In ihrem filigranen Lineament und der kleinteiligen Gestaltung, die doch stets dem großen Zusammenhang dient, ist Baums Küstenlandschaft bei Capri charakteristisch für seine Schaffensperiode um 1900. Zu dieser Zeit bereist der Künstler in den Wintermonaten den Mittelmeerraum, unter anderem Neapel, Capri und Sizilien und zeigt sich als reiner Landschaftsmaler früh vom französischen Impressionismus inspiriert. Angeregt durch die Begegnung mit Théo van Rysselberghe, entwickelt Paul Baum um 1900 seine ganz eigene Variante des Neoimpressionismus und prägt diese Stilrichtung in Deutschland entscheidend mit. Große Erfolge feiert er mit Ausstellungen bei Paul Cassirer in Hamburg und Berlin, gemeinsam mit französischen Neoimpressionisten, und bei Harry Graf Kessler im Großherzoglichen Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Dass Baum der Zeichnung große Bedeutung beimaß, zeigt ihre Anzahl innerhalb seines Œuvres nach den Ölgemälden die größte Werkgruppe. Feine, charakteristische Zeichnung des Künstlers.

(1867 Hannover – 1929 Berlin)

7.000€

1901 ließ sich Ernst Oppler in dem kleinen Ort Sluis im Süden Hollands nieder, wo er insbesondere Genrebilder, ähnlich denen Max Liebermanns, schuf. Auch nach seiner Übersiedlung nach Berlin im Jahr 1905 reiste er regelmäßig nach Holland und Belgien und malte dort holländische Mädchen in historischer Tracht, Näherinnen, Netzflickerinnen. „Er zeigte seine Leute stets in einem indi­ viduell gehaltenen Raum, umflossen von einer Atmosphäre der Wohnlichkeit, des häuslichen Behagens, der Salonstimmung (...).“ (Max Osborn, Ein Maler der Nordseebäder, 1911, in: Frank-Manuel Peter, Der Maler Ernst Oppler. Berliner Secession & Russisches Ballett, Köln 2017, S. 163). Unser Genrebild zeigt die Ansicht eines Interieurs mit Blick in den Laubengarten und dort zwei holländisch gekleidete Damen vertieft in die Arbeit. Mit seinem impressionistischen Malduktus vieler kurzer Pinselstriche und seiner meisterhaften Lichtdramatik betont Oppler den Gegensatz von Drinnen und Draußen und erzielt zudem den Eindruck von Intimität und Harmonie. Provenienz: Privatbesitz Berlin

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8032

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8033

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käthe kollwitz

(1867 Königsberg – 1945 Moritzburg)

8033 Schlachtfeld Strichätzung, Kaltnadel, Aquatinta, Schmirgel sowie Vernis mou in Grünschwarz auf Kupferdruckpapier. 1907. 40,5 x 53 cm (55,8 x 71,8 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“. Knesebeck 100 XI b (von XV b). 1.200€

Blatt 6 aus dem Zyklus „Bauernkrieg“. Mit der gestochenen Jahreszahl „1921“ in der rechten unteren Darstellungsecke. Erschienen in einer Gesamtauflage von 200 Drucken in Grünschwarz bei Richter 1921. Ausgezeichneter Druck mit Rand.

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8034 Die Gefangenen Strichätzung, Kaltnadel, Schmirgel sowie Vernis mou in Braun auf Kupferdruckpapier. 1908. 32,6 x 42,8 cm (45 x 62,8 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“. Knesebeck 102 V b (von X b). 2.500€

Blatt 7 aus dem Zyklus „Bauernkrieg“. Eines von circa 300 signierten Exemplaren in Braun auf Kupferdruckpapier, aus der Auflage von 1908, ohne Felsings Signatur, davon etwa 200 für die „Verbindung für historische Kunst“ und vermutlich 100 für die Kunsthandlung Emil Richter zum freien Verkauf. Ausgezeichneter, wunderbar gratiger Druck mit leicht eingeprägter Plattenkante und mit breitem Rand.


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käthe kollwitz 8035 Heimarbeit Kreide- und Pinsellithographie auf weichem rauen Velinkarton. 1925. 34,5 x 43,5 cm (53,7 x 64 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“. Knesebeck 217 A III b (von B II). 1.200€

Eines der Exemplare aus der Auflage für die Mitglieder der „Deutschen Kunstgemeinschaft“, gedruckt nicht vor 1927. Mit den beiden bei von dem Knesebeck beschriebenen ovalen Ausbrüchen am linken Steinrand und vor dem Plakatdruck mit Schrift. Prachtvolles Exemplar mit dem vollen Schöpfrand.

8036 Helft Russland Kreidelithographie auf geripptem Bütten. 1921. 40,5 x 48 cm (47,9 x 64,6 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“. Auflage 300 Ex. Knesebeck 170 A III (von B). 1.200€

Der Gewandzipfel links verkürzt. Ohne die Schrift und die lithographierte Signatur. Aus der Auflage von 300 Exemplaren, herausgegeben vom Komitee „Künstlerhilfe“ der IAH, vertrieben vom Verlag Paul Cassirer. Ganz prachtvoller, kräftiger Druck mit breitem Rand, an drei Seiten mit dem Schöpfrand. Beigegeben: Eine weitere Kreidelithographie der Künstlerin: „Ruf des Todes“, 1937 (Nachlassdruck, Knesebeck 269 c).

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hans hartig

(1873 Karvin/Pommern – 1936 Berlin)

8037 „Jahrmarkt vor‘m Thor“ Öl auf Leinwand. Um 1907. 110 x 98,5 cm. Verso mit Ölkreide in Schwarz signiert „Hans Hartig“, betitelt und mit Berliner Künstleradresse. 1.200€

Mit breitem, pastosem Farbauftrag und erdigen Farbtönen zeigt Hartig eine Jahrmarktszene, fast nebensächlich, inszeniert vor dem sich dramatisch aufbäumenden Wolkenhimmel. Das Motiv „Jahrmarkt vor‘m Thor“ soll der Künstler laut Wieland Barthelmess in mindestens 13 Versionen geschaffen haben (vgl. Wieland Barthelmess, in: Hans Hartig, Ein Malerleben 1873-1936, Fischerhude 1998, S. 66 ff.). Das große Interesse an dem Motiv lässt sich auf den beachtlichen Erfolg einer vergleichbaren Jahrmarktszene, zurückführen, welche auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1907 gezeigt wurde. Die dafür ausgewählte Arbeit und wohl ein Vorgänger unseres Werkes, wurde von der zeitgenössischen Jury, der Presse und der Öffentlichkeit gefeiert. Der Erlös aus den Reproduktionsrechten verschaffte dem Künstler ein gutes Auskommen und verhalf zu weiteren Auftragsarbeiten des erfolg­ reichen Sujets. 8037

ludwig von hofmann

(1861 Darmstadt – 1945 Pillnitz b. Dresden)

8038* Badende am Gebirgssee Farbige Kreiden auf Bütten. Um 1910-20. 28,3 x 43,5 cm. Unten rechts mit Kreide in Schwarz mit dem Künstler­ signet „LvH“. 3.200€

Hell leuchten die Körper und bunt die Gewänder der Figuren, die sich rund um den stillen Gebirgssee vergnügen. Die Elemente der Natur, Felsen, Bäume und Gebüsch, sind als große Flächen in dunkel-kräftigen Farben aufgefasst, die vage angedeutete gebirgige Umgebung verschwimmt in Blau- und Brauntönen. Die reduzierte und doch feine Ausformulierung der unbekleideten jungen Körper beschränkt sich auf weiche, rhythmische Konturlinien und sparsame Schatten für die Binnenmodellierung. Wie ein roter Faden zieht sich die Sehnsucht nach Arkadien durch das Werk Ludwig von Hofmanns. In seiner Jugend beeinflusst von Puvis de Chavannes und den Deutsch-Römern, malt er immer wieder jugendliche Figuren in idealer Landschaft. Die vorliegende Komposition zeigt ihn jedoch auch als subtilen Koloristen und Meister einer dekorativen, ornamental stilisierenden Linie.

ludwig von hofmann

8039 Dionysische Szene Pastellkreiden auf bräunlichem Velin. Vor 1909. 20,8 x 32,8 cm (Passepartoutausschnitt). Oben links mit Bleistift signiert „L v Hofmann“, verso zudem von Edwin Redslob monogrammiert, datiert und bezeichnet. 800€

Dunkel-muskulöse Faune tragen zartweiße Frauen davon - dass es sich entgegen dem ersten Eindruck bei der Zeichnung nicht um die Darstellung eines Frauenraubs handelt, wird daran deutlich, dass die Frau im linken Bildrand nicht etwa zu Hilfe eilt, sondern den beiden „Entführten“ Trauben oder Blumenkränze nachreichen möchte. Im Hintergrund am Fluss, vor zart gefärbten Hügeln, tanzen Frauen mit schwingenden Röcken und verstärken den idyllischen Charakter der Szenerie. Damit entspricht die Themenwahl ganz der von Hofmann gestalteten Welt voller Harmonie und Frieden, in der Emotionen meist in antiker Verkleidung auftauchen (vgl. Anne Peters, in: Ludwig von Hofmann, Ausst.-Kat. Städt. Galerie Albstadt 1995, S. 31). Mit seiner im Sinne des Jugendstils teils auf die Umrisse reduzierten, ornamentalen Formensprache und der klaren Komposition zeigt der Künstler seine gestalterischen Fähigkeiten. Die charakteristische Zeichnung ist von hervorragender Provenienz: Das Ehepaar Redslob erhielt die Zeichnung vom Künstler 1909 als Hochzeitsgeschenk, nach den eigenhändigen Notizen Edwin Redslobs verso „gerahmt in der Schule van de Veldes, der die Ecken des Passepartouts rundete“. Provenienz: Nachlass Charlotte und Edwin Redslob, Weimar

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8038

8039

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8040

martin stekker

(1878 Norden – 1962 Berlin)

8040 Malergruppe im Park Öl auf Leinwand, auf Hartfaserplatte aufgezogen. Um 1908. 30,5 x 36,5 cm (Rahmenausschnitt). Auf der Rahmenrückwand mit dem Nachlaßstempel, dort signiert „Ruth Kretschmer für Stekker“. 2.400€

zuletzt durch die Bemühungen seiner Familie und angesehener Kunsthistoriker, die verdiente Anerkennung fand. Grob klassifizierbar als Impressionist, genoss er seine Ausbildung in der Malereiklasse von Claus Meyer an der Düsseldorfer Kunstakademie und im Meisteratelier von Arthur Kampf in Berlin. Die Akademie gewährte ihm aufgrund seines Talents 1908 und 1909 Reisestipendien nach Belgien und Italien. In diesem Zusammenhang entstand möglicherweise das vorliegende Gemälde.

Stimmungsvolles Beispiel für Stekkers impressionistische Malweise, bestimmt von einer lichtdurchfluteten Atmosphäre und einer deutlichen Dominanz der Fläche gegenüber der Linie. Martin Stekker war ein zu Unrecht vergessener Künstler, der erst posthum, nicht

Ausstellung: Poesie im Alltäglichen. Der Zeichner und Maler Martin Stekker, Museum Reinickendorf, Berlin 2015 (Kat.-Nr. 88, dort betitelt „Festgesellschaft in arkadischer Landschaft“)

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8041

martin stekker

8041 Frau am Waldrand Öl auf Leinwand. Um 1913. 37 x 45,5 cm. Verso mit dem Nachlaßstempel, dort signiert „Ruth Kretschmer, geb. Stekker“. 1.900€

Der unbeobachtete Mensch: ein Thema, das Stekker besonders interessierte. So zeigt er auch hier die junge Frau in einem ganz privaten Moment, von Ruhe erfüllt, träumend, alleine vor sich hin sinnend. Das orangefarbene Tuch, an der Böschung ausgebreitet, schafft um sie herum einen Raum von Privatheit inmitten der Natur. Stekkers Pinselduktus zeigt sich hier ganz dem Impressionismus verpflichtet, und die Flächigkeit der breiten Pinselzüge lässt das Antlitz der ruhenden Frau ins Undeutliche verschwimmen – ein Phänomen, das häufig im Stekkers Gemälden zu beobachten ist. Das frühe Gemälde entstand noch in Stekkers Düsseldorfer Zeit. 41


8042

lyonel feininger (1871–1956, New York)

8042 „Schöneberg. (Coby + Leo.)“ Bleistift, weiß gehöht und mit Bronzefarbe, auf hell­ grünem Papier. 1892. 9,9 x 15,5 cm. Im unteren Rand mit Bleistift datiert und betitelt. 6.000€

Die reizende Skizze des erst 21-jährigen Studenten Lyonel Feininger zeigt anschaulich dessen frühe Experimente mit unterschiedlich farbigen Papieren und die damit verbundene Wirkung von Weißhöhung und anderen Farben auf dem Weg zum reifen Stil des bedeutenden Künstlers der Bauhaus-Jahre. Architektonische Kompositionen alter Dorfhäuser blieben für Feininger zeitlebens eines seiner wichtigsten Bildthemen. Coby war der Spitzname seines kanadischen Studienfreundes Frederick Simpson Coburn (1871-1960). Achim Moeller, Direktor des Lyonel Feininger Project LLC, New York Berlin, hat die Echtheit dieses Werkes, das im Archiv des Lyonel Feininger Project unter der Nummer 1741-02-10-22 registriert ist, bestätigt. Ein Zertifikat vom 10.02.2022 liegt der Arbeit bei.

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Provenienz: Alois J. Schardt, Halle, Berlin, Los Angeles Privatsammlung Reston, VA (durch Erbschaft) Privatsammlung New York Ausstellung: Lyonel Feininger: The Early Years, 1890-1906, Moeller Fine Art, New York 2015 (Ausst.-Kat. S. 26 f., mit Abb.) Lyonel Feininger (1871-1956) in Berlin mit einem Exkurs zu Heinrich Zille (1858-1929), Galerie Parterre Berlin, Berlin 2021 (Ausst.-Kat. S. 23, mit Abb.) Literatur: Florens Deuchler, Lyonel Feininger. Sein Weg zum Bauhaus-Meister, Leipzig 1996, S. 80 (Abb. Nr. 91), S. 228


8043

lyonel feininger

8043 Torweg am Krögel Bleistift auf gelochtem Skizzenpapier. 1894. 16,5 x 10,4 cm. Oben rechts mit Bleistift datiert und bezeichnet „Thorweg “am Krögel“. 4.000€

Der Krögel war eine der ältesten Gassen des mittelalterlichen Stadtkerns Berlins. Die Straße, ein zugeschütteter Verbindungs­ kanal von Spree zu Moltkekanal, bestand bis in die 1930er Jahre. Von Fremden als malerisch empfunden, lebten die Menschen dort in teils ärmlichen Verhältnissen. Nach und nach kristallisiert sich Feiningers ganz eigene, unverwechselbare Handschrift heraus, und der spätere Stil des Künstlers, der Graphiken wie „The Gate“ (1912) und andere bestimmen soll, lässt sich in dieser prachtvollen, frühen Berliner Skizze bereits erahnen.

Achim Moeller, Direktor des Lyonel Feininger Project LLC, New York Berlin, hat die Echtheit dieses Werkes, das im Archiv des Lyonel Feininger Project unter der Nummer 1742-02-10-22 registriert ist, bestätigt. Ein Zertifikat vom 10.02.2022 liegt der Arbeit bei. Provenienz: Alois J. Schardt, Halle, Berlin, Los Angeles Privatsammlung Reston, VA (durch Erbschaft) Privatsammlung New York Ausstellung: Lyonel Feininger: The Early Years, 1890-1906, Moeller Fine Art, New York 2015 (Ausst.-Kat. S. 38 f., mit Abb.) Lyonel Feininger (1871-1956) in Berlin mit einem Exkurs zu Heinrich Zille (1858-1929), Galerie Parterre Berlin, Berlin 2021 (Ausst.-Kat. S. 25, mit Abb.) 43


8044

lyonel feininger

8044 Heinersdorf (Dorfkirche) Kreide in Schwarz auf dünnem Velin. 1911. 7,9 x 13,5 cm. Oben rechts mit Kreide in Blau datiert und bezeichnet „Heinersdorf“. 6.000€

Die typische Skizze Feiningers von 1911 in seiner unverwechselbaren Handschrift ist eine seiner zahlreichen Natur-Skizzen, die er in Vorbereitung für die Arbeit im Atelier in Sekundenschnelle fertigte. Das zentrale Thema ist, wie so oft, eine Dorfkirche, hier im heutigen Berliner Ortsteil Heinersdorf im Bezirk Pankow. Achim Moeller, Direktor des Lyonel Feininger Project LLC, New York Berlin, hat die Echtheit dieses Werkes, das im Archiv des Lyonel Feininger Project unter der Nummer 1743-02-10-22 registriert ist, bestätigt. Ein Zertifikat vom 10.02.2022 liegt der Arbeit bei.

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Provenienz: Alois J. Schardt, Halle, Berlin, Los Angeles Privatsammlung Reston, VA (durch Erbschaft) Privatsammlung New York Ausstellung: Lyonel Feininger (1871-1956) in Berlin mit einem Exkurs zu Heinrich Zille (1858-1929), Galerie Parterre Berlin, Berlin 2021 (Ausst.-Kat. S. 89, mit Abb.)


8045

hermann max pechstein (1881 Zwickau – 1955 Berlin)

8045 „Die Vase“ Holzschnitt in Dunkelgrün auf Bütten. 1908. 10 x 10 cm (14,5 x 16,7 cm). Signiert „M. Pechstein“, datiert und betitelt. Krüger H 76. 3.000€

Die ganz frühe Phase, in der Pechstein seine Holzschnitte noch in der Holzstich-Manier anfertigte, hatte er 1908 hinter sich gelassen, schnitt dann zuerst mit einem Rundeisen flächige Kompositionen nach Vorzeichnungen in Langholz und bald mit dem kurzen Schustermesser direkt ins Holz, frei und spontan, wie beim Zeichnen mit dem Stift auf Papier, seinem lebhaften Ausdrucks-

wollen Form gebend. Der lebendig komponierte Holzschnitt „Die Vase“ wurde benutzt für die Passiv-Mitgliedskarte der „Brücke“, 1909. Krüger kennt zudem ein Einzelstück auf Japanbütten, bei dem es sich möglicherweise um unser Exemplar handelt; eine Auflage nennt er nicht. Ganz prachtvoller Druck mit Rand, unten und rechts mit dem Schöpfrand. In dieser Druckqualität, vorderund rückseitig unverpresst und mit herrlichem Relief der Druckfarbe, von höchster Seltenheit. Provenienz: Sammlung Heinrich Neuerburg, Köln, mit dessen Blindstempel unten links (Lugt 1344a), dort handschriftlich bezeichnet „1108“ 45


8046

emil nolde

(1867 Nolde/Schleswig – 1956 Seebüll)

8046 Alice Farblithographie auf glattem Velin. 1907. 33,5 x 21,5 cm (48,2 x 32 cm). Signiert „Emil Nolde.“, von Ada Nolde betitelt und bezeichnet „Aufl. Nr. 14“. Schiefler/Mosel 7 II. 5.000€

Nolde zeichnet Alice Clausen aus Kopenhagen, die in den Sommer­ monaten 1906 und 1907 Hausmädchen bei Noldes in Fischerhaus und Alsen war, im Profil nach rechts. Mit spätimpressionistischer Lockerheit bannt er ihre Erscheinung meisterlich auf den Stein und entwickelt die 1907 einfarbig angelegte Lithographie 1915 weiter, zu einem farbigen Druck. Schubweise in größeren Gruppen entstanden Noldes Druckgraphiken, und so auch seine Lithographien.

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Die ersten schuf er mit großer Intensität im Jahr 1907, mit breitem Pinsel und schwarzer Tusche gezeichnet und im Umdruckverfahren hergestellt. Neben „Alice“ gestaltet der Künstler auch andere, ebenfalls bereits 1907 geschaffene Lithographien acht Jahre später zu Farblithographien um. Schiefler/Mosel zufolge existieren nach Noldes Aufzeichnungen lediglich 19 farbige Exemplare in verschiedenen Farben, darunter auch dreifarbige. Druck bei Westphalen 1915. Die inspirierende Zusammenarbeit mit der Druckerei Westphalen in Flensburg führte Nolde zum Schaffen eines der bedeutendsten druckgraphischen Oeuvre des Expressionismus. Prachtvoller Druck in Schwarz und Blaugrün, mit breitem Rand. Sehr selten. Provenienz: Privatsammlung Hamburg Privatbesitz Berlin


emil nolde

8047 „Musikant u. Kinder“ (Straßenmusikant und Kinder) Radierung auf Velin. 1909. 11 x 8 cm (52,3 x 34,8 cm). Signiert „Emil Nolde“ und betitelt. Schiefler/Mosel 127 I (von II). 1.000€

Die breite Strichätzung auf körnigem Plattenton entstand in Anlehnung Noldes an sein (verbranntes) Gemälde „Dudelsackpfeifer und Kinder“, 1904 (Urban 150). Im Frühjahr 1908 im Dorf Weißig bei Jena entstanden Noldes Feder- und Bleistiftzeichnungen von Straßenkindern; in diesem Zusammenhang ist wohl auch die vorliegende Radierung mit ihrer lebendigen, fast kalligraphischen Linienführung zu sehen. Die unregelmäßig verteilten Pünktchen verleihen der Darstellung zusätzlich ein lebhaftes Flirren. Schiefler/ Mosel kennen in diesem ersten Zustand, vor den Aufhellungen, lediglich fünf Exemplare, zudem im zweiten, aufgehellten Zustand zwölf weitere Drucke, entstanden bei Felsing bzw. Sabo. Prachtvoller, tiefdunkler Druck mit sehr breitem Rand. Äußerst selten.

8047

heinrich zille

(1858 Radeburg bei Dresden – 1929 Berlin)

8048 Mutter mit Kind Farbige Kreiden auf dünnem Velin. Ca. 19,6 cm x 12,5 cm. 1.400€

Mit gekonnten Strichen, Schraffierungen und zurückhaltenden Farbakzenten formuliert Zille diese hervorragende kleine Zeichnung einer Mutter, die mit beschützender, liebevoller Geste den Arm um ihr schüchternes Kind legt, das sprichwörtlich am Rockzipfel der Mutter hängt.

8048

Provenienz: Galerie Pels-Leusden, Berlin Privatbesitz Berlin 47


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ernst ludwig kirchner

(1880 Aschaffenburg – 1938 Frauenkirch bei Davos)

8049 Berglandschaft mit weidenden Kälbern Bleistift auf Velin. 1919. 26,7 x 35,3 cm. Verso von Florian Karsch mit Bleistift signiert, datiert, beti­telt und mit der Bestandsnummer der Galerie Nierendorf. 4.000€

Im Oktober 1918 zieht Kirchner, nach der Entlassung aus dem Nervensanatorium in Kreuzlingen, in das Haus „In den Lärchen“, einem Bauernhof auf der „Längmatte“ bei Frauenkirch. Der ländliche Vorort von Davos wird Kirchner bis zu seinem Selbstmord im Jahr 1938 eine neue Heimat bleiben. Die Zeichnungen aus dieser Zeit zeigen die ländliche Umgebung, mit einer immer größeren Vereinfachung der Form. Unsere Zeichnung wird im steilen Gelände oberhalb des Bauernhauses entstanden sein. Wir danken Prof. Dr. Dr. Gerd Presler, Hamburg, für wissenschaftliche Hinweise. Provenienz: Ehemals Sammlung Lise Gujer, Davos Galerie Nierendorf, Berlin Privatbesitz Berlin Literatur: Kunstblätter der Galerie Nierendorf 27/28, Berlin 1972/73, 8051

8050 Steiniges Tal mit Bergwald Bleistift auf Velin. 1919. 26,7 x 33,5 cm. Verso von Florian Karsch mit Bleistift signiert, datiert, betitelt, mit der Bestandsnummer und mit dem Stempel der Galerie Nierendorf (verblichen). 4.000€

Auch diese Zeichnung entstand wohl im Gelände oberhalb des Bauernhofs, welchen Kirchner im Landwassertal bei Frauenkirch 1919 bewohnte. In ekstatischen, schwungvollen Linien erfasst der Künstler Gestein und Gewächs der ihn umgebenden Landschaft in immer neuen Skizzen. Wir danken Prof. Dr. Dr. Gerd Presler, Hamburg, für wissenschaftliche Hinweise. Provenienz: Ehemals Sammlung Lise Gujer, Davos Galerie Nierendorf, Berlin Privatbesitz Berlin Literatur: Kunstblätter der Galerie Nierendorf 27/28, Berlin 1972/73,

8051 Sängerin im Eldorado Kreide in Schwarz auf Skizzenpapier. 1910. 21 x 16,8 cm. Verso von Florian Karsch signiert, datiert, betitelt, mit der Bestandsnummer und mit dem Stempel der Galerie Nierendorf (leicht verblasst). Presler Skb 22. 4.000€

Reizvolle Skizze aus der besten Brücke-Zeit, in der für Kirchner so typischen Manier der Jahre um 1910. Kirchner besuchte in dieser Zeit häufig das Ball- und Gesellschaftshaus „Eldorado“ in der Dresdener Steinstraße 15, um dem „Studium der Bewegung“ nachzugehen. Hier verfolgt er den Auftritt einer Sängerin. Im Hintergrund eine männliche Figur mit Frack und Zylinder, wohl der Conférencier: eine Hieroglyphe in äußerster linearer Konzentration. Aus dem Skizzenbuch 22 mit dem typischen Rotschnitt entlang der Kanten. Wir danken Prof. Dr. Dr. Gerd Presler, Hamburg, für wissenschaft­ liche Hinweise. Provenienz: Ehemals Sammlung Lise Gujer, Davos Auktion 142, Kornfeld und Klipstein, Bern, 10. Juni 1971, Lot 541-545 Galerie Nierendorf, Berlin Privatbesitz Berlin Literatur: Kunstblätter der Galerie Nierendorf 27/28, Berlin 1972/73, S. 19, Nr. 90 Galerie Nierendorf „Herbst 87“, Nr. 168 49


8052

karl schmidt-rottluff

(1884 Rottluff bei Chemnitz – 1976 Berlin)

8052 Weißes Mädchen Kreidelithographie auf Velin. 1911. 40 x 34 cm (50 x 42,6 cm). Signiert „S.Rottluff“ und datiert. Schapire L 77. 14.000€ Die reizvolle Lithographie aus der reifen Brücke-Zeit widmet sich einem der bevorzugten Themen der Künstlergruppe dieser Jahre: dem weiblichen Akt. Mit dem bewussten Verzicht auf Genauigkeit fängt Schmidt-Rottluff gemäß der Maxime der Brücke-Künstler die

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Körperformen des auf einem Sofa sitzenden Mädchens mit nur wenigen Umrisslinien ein. Eine gewöhnliche Alltagssituation rasch erfasst, wie in den so berühmten Viertelstundenakten der Brücke. Kein Detail oder gar eine Hell-Dunkel-Modellierung lenkt von der entschlossen gezogenen, flächenbildenden Linie ab. Einer von maximal 12 Handabzügen, der Stein danach abgeschliffen. Brillanter, differenzierter Abzug mit fein zeichnender Steinkante, in dieser Druckqualität von allergrößter Seltenheit, im internationalen Auktionsmarkt bisher nur einmal nachweisbar. Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland


8053

karl schmidt-rottluff

8053 Köpfe II Holzschnitt auf Velin. 1911. 50,2 x 39,3 cm (60,3 x 50 cm). Signiert „S. Rottluff“ und datiert. Schapire H 67. 10.000€

Für Schmidt-Rottluff war der Holzschnitt die entscheidende druckgraphische Technik zur Wiedergabe seiner expressionistischen Motive. Bevorzugt benutzt er gemasertes Fichtenholz, weiche Zitterpappel oder Lindenholz, da sich diese Hölzer leicht bearbeiten lassen. In unserem Blatt „Köpfe II“ zeigt sich Schmidt-Rottluffs expressive und auf das Wesentliche reduzierte Formensprache

durch eine klare Trennung der weißen Figuren vor schwarzem Hintergrund. Die beiden Gesichter stehen im Kontrast zum Schwarz der Haare, die teils nahtlos in den Hintergrund übergehen. Bei der Herstellung seiner Drucke an der eigenen Handpresse druckte er bis 1912 selten mehr als zehn Exemplare, in denen die Holzstruktur sich in den schwarzen Partien sehr schön abzeichnet. Die durch die energische Bearbeitung des Druckstocks aufgeschrammten Konturen lassen den Druck besonders lebendig erscheinen. Brillanter, differenzierter Druck mit dem vollen Rand, die Maserung des Holzstockes zauberhaft mitdruckend. Äußerst selten. Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland 51


karl schmidt-rottluff

8054 Dangast Dorf Holzschnitt auf Velin. 1911. 39,5 x 50 cm (48,5 x 38,7 cm). Signiert „S. Rottluff“ und datiert. Schapire H 58. 12.000€

Die Suche nach dem Ursprünglichen und Unverfälschten prägte die Jahre 1907 bis 1912, die Schmidt-Rottluff regelmäßig im Sommer zusammen mit Heckel in Dangast, nördlich von Oldenburg, verbrachte. Rosa Schapire, Schmidt-Rottluffs engagierte Werkverzeichnisautorin und Förderin, beschreibt die vom Hell-DunkelKontrast geprägten Charakteristika und den energisch-gestischen, ausdrucksstarken Gestaltungswillen, die den vorliegenden Holzschnitt prägen: „wie der weiße Weg im ‚Dorf Dangast‘ die Fläche aufteilt (...) - dies alles ist durchpulst mit eigenem Blut, ist Trieb und Spannung des Willens.“ (Schapire S. 4). Der äußerst seltene Holzschnitt steht in seiner Monumentalität exemplarisch für Schmidt-Rottluffs meisterhaftes druckgraphisches Werk des Jahres 1911. Vorzüglicher, differenzierter Handabzug mit glanzvollen Schwärzen und lebhaft mitdruckendem Stockgrund und dem vollen Rand. Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland

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karl schmidt-rottluff

8055 Segler auf der Elbe bei Hamburg I Holzschnitt auf Velin. 1911. 39,5 x 50 cm (50 x 60,2 cm). Signiert „S. Rottluff“ und datiert. Schapire H 60. 12.000€

Ab 1910 bezog Karl Schmidt-Rottluff ein eigenes Atelier in der kleinen Johannisstr. 6 in Hamburg, wo er während der Wintermonate, die er nicht in Dangast verbrachte, arbeiten konnte. Hier entstand auch diese seltene Graphik des Seglers auf der Elbe. Ohne Vorzeichnung hat Schmidt-Rottluff die groben Formen direkt in das rohe Material des Holzes geschnitten. Flächigkeit und Einfachheit sowie die Kontrastierung von Schwarz und Weiß sind die so typischen Merkmale des expressionistischen Holzschnittes, die sich in diesen Jahren ausbildeten. Im Werkverzeichnis der Druckgraphik von Schmidt-Rottluff vermerkt Rosa Schapire bei den frühen Holzschnitten vor 1912 eine Auflage von selten mehr als 10 Eigendrucken. Der hier vorliegende, kräftige und lebendige Handabzug des großformatigen Holzschnittes in ausgezeichneter Druckqualität, mit dem vollen Rand, ist eine Rarität und bisher auf dem internationalen Auktionsmarkt nicht nachweisbar. Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland

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8056

karl schmidt-rottluff

8056 Haus hinter Bäumen Holzschnitt auf Similijapan. 1911. 20,5 x 26,2 cm (35,4 x 45,4 cm). Signiert „S. Rottluff“ und datiert. Schapire H 54. 10.000€

Ruhe und Kontemplation, fernab von Zivilisation, fand SchmidtRottluff während seiner Sommeraufenthalte der Jahre 1907 bis 1912 an der Oldenburgischen Nordsee in Dangast. Hier entstanden, in der Zurückgezogenheit der unberührten Landschaften, viele seiner bedeutenden Bildmotive, prägend für diese Brücke-Jahre. Im Zentrum seines graphischen Schaffens steht seit 1909 der Holzschnitt, der seiner auf das Wesentliche reduzierten Formensprache und Flächengestaltung, in ausdrucksstarkem SchwarzWeiß-Kontrast, am besten entspricht. Unser extrem seltener Holzschnitt stellt ein wunderbares Beispiel für das so bedeutende Jahr 1911 innerhalb von Schmidt-Rottluffs druckgraphischem Werk dar. Vorzüglicher, tiefschwarzer Druck mit dem vollen Rand, die Holzmaserung effektvoll mitdruckend. Von allergrößter Seltenheit, im internationalen Auktionshandel bisher nicht nachweisbar. Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland

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8057

karl schmidt-rottluff

8057 Tanne Holzschnitt auf SLG-Bütten. 1914. 40,1 x 50 cm (67,3 x 45,4 cm). Signiert „S. Rottluff“ und datiert. Schapire H 145. 5.000€

1914 stellt für Schmidt-Rottluffs malerisches und graphisches Schaffen einen neuen Höhepunkt dar. Die monumentale Flächengestaltung des Jahres 1911 ist nun einer in kristalline Formen aufgebrochenen Flächigkeit gewichen. In dem Holzschnitt „Tanne“ sind aus den dunklen Partien strahlenförmig die Äste angedeutet und die einzelnen Tannen durch das Licht dahinter detailliert getrennt. „In kühner Diagonale stehen die Arme der ‚Tanne‘ gegen die schlanken Stämme im Hintergrund“ (Schapire, S. 5). Vorzüglicher, tiefschwarzer Druck mit dem vollen Rand. Sehr selten. Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland 57


césar klein

(1876 Hamburg – 1954 Pansdorf bei Lübeck)

8058 Stilleben mit Flasche und Krügen Öl auf Leinwand. 1911. 65 x 50 cm. Oben links mit Pinsel in Schwarz signiert „CESAR KLEIN“, verso nochmals signiert und datiert sowie auf dem Keilrahmen bezeichnet „21,25“. Nicht bei Pfefferkorn. 12.000€

Harmonisch gestaltetes Stilleben aus César Kleins früher Schaffensphase. Der Künstler erreicht in dem Stilleben kompositorisch und mit der ausgefeilten Bildorganisation eine erstaunliche perspektivische Tiefe. Die leuchtkräftige Palette mit gegeneinandergesetzten Primärfarben ist charakteristisch für seine frühen Arbeiten. Mit seinen spitzwinklig abstrahierten, vom Expressionismus inspirierten Formen und den kraftvollen Konturen lässt das Stilleben andererseits bereits ahnen, wie sich die stilistische Entwicklung des Künstlers um 1920 weiter vollziehen wird. César Klein, der von 1897 bis 1900 an der Düsseldorfer Akademie und der Berliner Kunstgewerbeschule bei Max Seliger studiert hatte, war sowohl Mitbegründer der Neuen Sezession 1910, gemeinsam mit Nolde, Pechstein, Heckel, Kirchner u.a., als auch der Novembergruppe 1918. Von 1919 bis 1937 lehrte er an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin. Kleins frühe Gemälde sind von Cézanne und den französischen Impressionisten inspiriert. Bald findet der Künstler zu einem eigenen expressionistischen Stil. Er setzt sich intensiv mit dem Kubismus auseinander und studiert das Werk Picassos in all seinen Stilphasen. Wir danken Dr. Matthias Esche, Freundeskreis César Klein, Mölln, für wertvolle Hinweise und die mündliche Echtheitsbestätigung. Provenienz: Privatbesitz Berlin

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césar klein

8059 Stilleben mit Pfauenfedern und Blumen Öl auf Leinwand. Um 1927. 91 x 75 cm. Nicht bei Pfefferkorn. 10.000€

Pfauenfedern und Blumen korrespondieren in ihrem schillernden Kolorit miteinander, ebenso die tiefgrünen Äpfel und der ebenso leuchtende runde Reflex in der Kristallkaraffe. Die kontrastierenden Nuancen von Rosa und Grün finden ihren Gegenpart im orange-gelblichen, warmen Hintergrund. Die markant geformte Flasche findet sich wieder in Kleins „Stilleben in Rosa“ (Pfefferkorn 138), entstanden 1927, das im souveränen Einsatz der malerischen Mittel unserem Gemälde nahesteht. Die im pastosen, stellenweise etwas trockenen Farbauftrag immer wieder durchscheinende Leinwandstruktur verleiht den verschiedenartig spiegelnden und schimmernden Oberflächen einen fast luftig-transparenten Charakter. Schwarze Pinselschwünge akzentuieren den schwingenden Rhythmus der Konturen und verstärken die lebendige Wirkung der differenzierten Farbigkeit. Wir danken Dr. Matthias Esche, Freundeskreis César Klein, Mölln, für wertvolle Hinweise und die mündliche Echtheitsbestätigung. Provenienz: Privatbesitz Berlin

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8059

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bruno krauskopf

(1892 Marienburg – 1960 Berlin)

8060 Stilleben mit Tonkrügen Öl auf Malpappe. 1915. 77 x 64 cm. Unten rechts mit Pinsel in Blau datiert, verso von fremder Hand bezeichnet. 2.000€ Vehement setzt Krauskopf mit kraftvollem und immer treffendem Duktus parallele Linienbündel nebeneinander, lässt sie im flachen Winkel auf die nächste Farbnuance treffen und formt so runde Volumina, durch dicke schwarze Konturen vom dicht gestalteten

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Hintergrund getrennt und im sanften Licht schimmernd. Erst 1914 feiert die Berliner Kunstwelt das erste Auftreten des jungen Bruno Krauskopf auf der Großen Berliner Kunstausstellung. Curt Bauer schreibt dazu 1923 in „Der Cicerone“: „Als Bruno Krauskopf im Jahre 1914 die Aufmerksamkeit weiter Kreise erregte, war er schon ein Eigener. Zwar hatte er sich äußerlich dem damals in Deutschland in Mode gekommenen Kubismus angeschlossen, der seine Gestaltungen auf der Bildfläche gliedern half. Aber aus diesen welligen Stereotomien brach eine Urkraft, die der Beachtung nicht entgehen konnte (...). Es war ein volles Schöpfen aus chaotischen Urzuständen, deren Gebilde durch das Licht in leidenschaftliche Bewegung versetzt wurden.“ (zit. nach Margareta Friesen, Bruno Krauskopf, Ausst.-Kat. Kunsthalle Darmstadt 1992, S. 16).


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bruno krauskopf

8061 Frühlingsbeet Öl auf Leinwand. Vor 1920. 70 x 90 cm. Verso mit Pinsel in Schwarz signiert „Krauskopf, Bruno“, bezeichnet „Berlin“ und „9.2.92 in Marienburg/Westpr.“. 4.000€

Mensch und Natur in stiller Harmonie miteinander zeigt Krauskopfs frühe, frühlingshafte Gartenszene in reduzierter Formensprache, dynamischer Komposition und harmonischem Kolorit. Die Gärtner bei der Arbeit am Frühbeet sind zwar noch erkennbar, verschmelzen optisch jedoch mit der lebendigen Gestaltung ihrer Umgebung. Die Fragmentierung, zu der Krauskopf in seinen frühen Gemälden dieser Zeit neigt, findet hier in gemäßigter Weise auf allen Bildebenen statt. Eine lebhafte Rhythmisierung durchzieht

die gesamte Darstellung, wird zugleich aber jedem der Bildobjekte mit einer ganz eigenen Gestaltungsweise gerecht. Krauskopf scheint damit die Darstellung in Schwingungen zu versetzen. „Bruno Krauskopf gehört zu den wenigen selbständigen und zielbewussten Künstlern unserer Zeit, die unbeeinflusst von den markt­schreierischen Launen der Mode einsam ihrer Wege gehn – eine Künstlernatur voll spielerischer Phantasien, mit einer Märchenseele begabt (...) Landschaften, reich an geheimnisvollen Farben und von einem mystischen Strahlenglanz übergossen, erstehen vor unseren Augen.“ (Joachim Kirchner, Ausst.-Kat. Kestner-Gesellschaft Hannover, 1919). Seit 1916 ist Krauskopf Mitglied der Berliner Sezession, u. a. gemeinsam mit Franz Heckendorf, Karl Hagemeister, Willy Jaeckel, Christian Rohlfs und Lesser Ury; 1918 wird er in den Vorstand gewählt und ist zudem an der Gründung der Novembergruppe beteiligt. Die Nähe zu seinem Freund Wilhelm Kohlhoff wird auch in diesem expressionistischen Gemälde spürbar. 63


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max beckmann

(1884 Leipzig – 1950 New York)

8062 Die Nacht Kaltnadel auf Japan. 1914. 22,5 x 27,5 cm (26 x 33 cm). Signiert „Beckmann“. Auflage 50 Ex. Hofmaier 77 III (von IV). 3.500€

Aus der kleinen, auf Japan gedruckten Auflage des endgültigen Zustandes, von der noch unverstählten Platte und noch vor der Signatur in der Platte unten links. Entstanden direkt vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, konnte die Kaltnadel erst nach dessen Ende erscheinen, nämlich 1918 als Blatt 31 der Luxusausgabe des Mappenwerkes „Shakespeare-Visionen“ bei der Marées-Gesellschaft, Verlag R. Piper & Co., München, mit deren Blindstempel unten rechts. Gedruckt bei Carl Sabo, Berlin. Ganz prachtvoller, fein differenzierter Druck mit dem vollen Rand, unten und links mit dem Schöpfrand.

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max beckmann

8063 Die Fürstin. Erste Illustration zu Kapitel 1 Kaltnadel auf Velin. 1917. 18,1 x 13,3 cm (31,3 x 23,3 cm). Signiert „Beckmann“. Auflage 95 Ex. Hofmaier 111 B. 1.000€

Eine von sechs Illustrationen Beckmanns zu Kasimir Edschmids Novelle „Die Fürstin“, herausgegeben vom Verlag Gustav Kiepenheuer, Weimar 1918, gedruckt bei Carl Sabo, Berlin. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand.

8063

max beckmann

8064 Die Fürstin. Illustration zu Kapitel 5 Kaltnadel auf Velin. 1917. 18,3 x 14,2 cm (31,3 x 23,3 cm). Signiert „Beckmann“. Auflage 95 Ex. Hofmaier 116 B. 1.000€

8064

Eine von sechs Illustrationen Beckmanns zu Kasimir Edschmids Novelle „Die Fürstin“, herausgegeben vom Verlag Gustav Kiepenheuer, Weimar 1918, gedruckt bei Carl Sabo, Berlin. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand. 65


8065

max beckmann

8065 Frauenkopf mit Halskette (Frau Parcus) Lithographie auf Bütten. 1921. 35,7 x 28 cm (70,7 x 53,2 cm). Signiert „Beckmann“. Auflage 100 Ex. Hofmaier 206 B c (von d). 800€

Aus der Auflage von 100 teils von Günther Franke numerierten Exemplaren auf Bütten, erschienen im Verlag R. Piper & Co., München. Prachtvoller, kräftiger Druck mit dem vollen Rand, links und unten mit dem Schöpfrand.

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8066

max beckmann

8066 Selbstbildnis 1918 Kaltnadel auf Velin. 1918. 27,7 x 25,5 cm (45 x 37,5 cm). Signiert „Beckmann“. Auflage 60 Ex. Hofmaier 137 II B b (von C b). 4.000€

Blatt 1 der 19 Arbeiten umfassenden Folge „Gesichter“. Druck von der verstählten Platte, herausgegeben von der Marées-Gesellschaft, Verlag R. Piper & Co., München 1919, mit deren Blindstempel unten links. Die 19 Arbeiten der Folge bilden keine narrative Sequenz, sondern Momentaufnahmen des Lebens. Beckmanns eigenes Gesicht erscheint darin leitmotivisch in mehreren Por-

traits, das hier vorliegende zu Beginn, mit dem er in den Zyklus einführt, und eines als Schlussbild. Das vorliegende einführende Blatt zeigt den Künstler, am Ende des Ersten Weltkrieges, in skeptischer, beinahe abweisender Haltung. Max Beckmann zeichnete, malte, radierte und lithographierte so zahlreiche Selbstportraits wie kaum ein anderer Künstler der Moderne. Das „Selbstbildnis 1918“ ist ein hervorragendes Beispiel für seine künstlerische Selbstbefragung, für die energische Auseinandersetzung mit dem eigenen Angesicht, seine Suche nach dem „wahren“ Selbst hinter der äußeren Erscheinung, und zugleich zeigt es den Künstler im Zusammenhang der „Gesichter“ aufmerksam gegenüber den alptraumhaften Verwerfungen des Ersten Weltkrieges. Gedruckt bei Franz Hanfstaengl, München. Prachtvoller, klarer Druck mit dem vollen Rand, oben und links mit dem Schöpfrand. 67


8067

hugó scheiber

(1873–1950, Budapest)

8067 Im Café Kohle auf bräunlichem Velin. 43,2 x 30,5 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Scheiber H“. 9.000€

Durch ihre schwungvolle Komposition und ein Wechselspiel konvexer und konkaver Formen fängt die Zeichnung die Atmosphäre eines Cafés ein. Dabei deuten Thematik und stilistische Umsetzung des Bildes Einflüsse an, die sich zwischen Expressionismus und Futurismus bewegen. Ausgebildet in Budapest, begann Scheiber sich nach 1900 für den deutschen Expressionismus sowie den Futurismus zu interessieren, was ihn 1915 in Kontakt mit Marinetti brachte. Über die unga-

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rische Künstlerschaft in Wien, zu der unter anderem der befreundete Schriftsteller und Maler Lajos Kassák zählte, etablierte sich Scheiber zunehmend in avantgardistischen Künstlerkreisen. Eine Gemeinschaftsausstellung mit Béla Kádár 1919 in Wien verschaffte ihm einen ersten großen Erfolg, ab 1921 würdigte ihn Herwarth Walden in Berlin in seiner Zeitschrift „Der Sturm“. Scheiber hatte von 1924 bis 1930 neun Ausstellungen in der Sturm-Galerie, u. a. mit Kádár, Adolf Küthe, László Moholy-Nagy, Oskar Nerlinger, Boriska Polgar, Kurt Schwitters und Arnold Topp. Durch Waldens Förderung gewann Scheiber auch im Ausland an Popularität, und stellte unter anderem im Brooklyn Museum, beim Wiener Hagenbund und auf der Mostra Nazionale d’Arte in Rom aus. Provenienz: Privatsammlung Europa


8068

mappenwerke

8068* Die Kunst der Gegenwart 3 Kaltnadelarbeiten und 2 Holzschnitte auf Velin, 39 Bl. Faksimiles und 8 Bl. Titel, Einleitung, Inhaltsverzeichnis und Druckvermerk. In Orig.-Passepartouts, lose in Orig.Halbleinenportfolio. 1923. 64 x 48,4 cm. Die Druckgraphiken jeweils signiert. Auflage 500 Ex.

8068

4.200€

Die originalgraphischen Arbeiten von: Max Beckmann, „Bildnis Frau H. M. (Naila)“ (Holzschnitt, Hofmaier 282 IV B b); Lovis Corinth, „Der Heilige Michael“ (Kaltnadel, Müller 672); Rudolf Grossmann, „Der Tanz“ (Kaltnadel); Erich Heckel, „Am Strand“ (Holzschnitt, Dube H 336/III/B); Felix Meseck, „Landschaft“ (Kaltnadel). Es fehlt die Lithographie von Paul Klee. Dazu 39 (statt 42) Faksi­miles in 37 Orig.-Passepartouts, „nach Aquarellen und Zeichnungen zeitgenössischer Künstler Deutschlands, Frankreichs, Oesterreichs, Englands, der Schweiz, Italiens, Norwegens und der Vereinigten Staaten“, darunter u.a. Barlach, Beckmann, Bonnard, Braque, Chagall, Derain, Gauguin, Grossmann, Heckel, Hodler, Hofer, Klee, Kokoschka, Lehmbruck, Maillol, Manguin, Marc, Matisse, Munch, Pascin, Pechstein, Picasso, Rouault, Dunoyer de Segonzac, Val­lotton, Vlaminck. Mit einer Einleitung von Julius Meier-Graefe; erschienen als 42. Druck der Marées-Gesellschaft, München, R. Piper & Co., 1923. Unten rechts jeweils mit dem Blindstempel der Marées-Gesellschaft. Ausgezeichnete Drucke mit dem vollen Rand.

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8069

erich heckel

christian rohlfs

8069 Zwei am Meer (Schreitendes Paar) Holzschnitt auf Japan. 1920. 17,7 x 13,5 cm (24,7 x 18,5 cm). Signiert „Erich Heckel“ und datiert. Auflage 100 Ex. Ebner/Gabelmann 759 H B, Dube H 326 B.

8070 Weiblicher Kopf Linolschnitt in Schwarz auf dünnem Japan. Um 1915. 39,4 x 27,8 cm. Signiert „Chr Rohlfs“. Vogt 90 II, vgl. Utermann 122.

Gedruckt für die Vorzugsausgabe der Publikation „Das Holzschnittbuch“ von Paul Westheim, Potsdam 1921. Das Motiv zu diesem Holzschnitt stammt aus dem Sommeraufenthalt in Osterholz, den Heckel auf einer Postkarte an Siddi in Berlin vom 26.7.1920 erwähnte. Ausgezeichneter Druck mit Rand, rechts mit dem Schöpfrand.

Verhältnismäßig klein und übersichtlich ist Rohlfs graphisches Œuvre, da er sich dem Medium Druckgraphik erst im reifen Alter, unter dem Einfluss seiner expressionistischen Kollegen, zuwandte. Dabei blieb er stets Maler und verzichtete auf so wesentliche Charakteristika wie Wiederholbarkeit und Vervielfältigung in Auflagen. Wunderbarer Handdruck dieses seltenen Linolschnitts in der zweiten Fassung. Von dem mit dem Pinsel individuell eingefärbten Druckstock mit schwarzer Einfassung und wie so typisch bei Rohlfs, monotypieartig bis zum Rand gedruckt und mit deutlich unikatärem Charakter.

(1883 Döbeln – 1970 Radolfzell)

1.200€

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(1849 Niendorf/Holstein – 1938 Hagen/Westfalen)

6.000€


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christian rohlfs

8071 Alter Mann und junges Mädchen Öl und Tempera auf Leinwand. Um 1917. 51 x 51 cm. Unten rechts mit Pinsel in Rot monogrammiert „CR“, verso auf dem Keilrahmen signiert „Chr. Rohlfs“ und unleserlich mit der Adressangabe des Künstlers. Vogt 599. 30.000€

Die beeindruckend vereinfachte Komposition in kraftvoller Farbigkeit entspringt wohl Rohlfs‘ Konzentration auf seine eigene Vorstellungswelt, ein Verinnerlichungsprozess, den der Ausbruch des Ersten Weltkrieges in Gang setzt. Nach einer pointillistisch geprägten Phase verfestigt sich Rohlfs‘ Malstil zunehmend. Die expressiven Elemente, die im Spätwerk des Künstlers eine so bedeutende Rolle spielen, kündigen sich im vorliegenden Werk bereits deutlich an. Die Formen werden einfacher und sind hier vor einen einheitlichen roten Hintergrund gestellt, der ihre Wirkung steigert und die Präsenz der beiden Figuren deutlich vergrößert. Christian Rohlfs baut jene Arbeitsweise in der folgenden Zeit aus und hält an dieser Malweise bis zu seinem Lebensende konsequent fest. Immer wieder finden sich in seinem Schaffen Darstellungen von Figurenpaaren. „Bei den Gestalten dominiert nicht mehr die Körperlichkeit, der Akzent liegt auf Haltung und Gebärde. Große Gesten bestimmen die stark vereinfachten Formen, ohne dass dadurch Sparsamkeit der Mittel zum Prinzip erhoben worden

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wäre.“ (Paul Vogt, Christian Rohlfs, Recklinghausen 1978, S. 19). Reste einer alten figurativen Komposition sind verso noch schwach zu erkennen. Provenienz: Stuttgarter Kunstkabinett R. N. Ketterer, Stuttgart, Auktion 26.11.1948, Lot 1379 (auf dem Keilrahmen mit der Losnummer, dort betitelt „Zwei Köpfe“) D. Frey, Travemünde Galerie Koch, Hannover (dort 1968 erworben) Privatsammlung Nordrhein-Westfalen Ketterer, Hamburg, Auktion 04.04.2008, Lot 430 Privatsammlung Europa Ausstellung: Deutsche Malerei des 20. Jahrhunderts, Kunsthalle zu Kiel, 1951 (auf dem Keilrahmen mit deren Klebeetikett)


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george grosz

rudolf schlichter

8072 Menschen in der Straße Umdrucklithographie auf schwerem Similijapan. 1915/16. 27,6 x 21,7 cm (50,1 x 39 cm). Signiert „Grosz“. Auflage 120 Ex. Dückers M I,5.

8073 Saloon Rohrfeder in Schwarz und Aquarell auf Bütten. Um 1917. 41,5 x 27,5 cm. Unten links mit Bleistift signiert „R. Schlichter“.

(1892–1959, Berlin)

1.200€

Blatt 5 aus „Erste George Grosz-Mappe“, herausgegeben vom Verlag Neue Jugend/Der Malik-Verlag, Berlin, 1917. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Mappenausgaben gehen aus dem Werkverzeichnis nicht klar hervor. Im Titelblatt der Mappe wird erwähnt, dass die Exemplare 1-5 und wohl auch 6-20 auf Kaiserlich Japan gedruckt und signiert erscheinen, der Malik-Verlag gab außerdem an, dass die Exemplare 21-120 auf Bütten gedruckt wurden, wobei sich zumeist Exemplare auf imitiertem Japan nachweisen lassen. Unser Exemplar in einem prachtvollen Druck mit dem vollen Rand.

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(1890 Calw – 1955 München)

4.000€

Mitten im Ersten Weltkrieg und unter den Eindrücken, die damit verbunden waren, besann sich Rudolf Schlichter auf die Helden seiner Jugendjahre aus den Erzählungen von James Fenimore Cooper und später Karl May. Wie viele seiner Künstlerkollegen dieser Zeit, darunter George Grosz und auch Otto Dix, flüchtete sich Schlichter in diesen jungen Jahren in die Bilderwelten eines romantisch erträumten, abenteuerlichen Wilden Westen. Das Aquarell „Saloon“ aus dem Frühwerk des Künstlers zeigt eine typische Szene einer Wild-West-Darstellung, wie man sie auch in zahlreichen Filmen der Jahre vor dem Ersten Weltkrieg sehen konnte: ein auf einem Bartisch tanzender Desperado, ein Cowboy neben einer Frau in Westernkleidung, ein Pferd und andere typische Figuren, virtuos skizziert und farblich grob überarbeitet. Verso mit einer Lithographie des Künstlers.


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8074

hermann sauter

( 1891 Germersheim – 1981 Landau)

8074 Stilleben mit Kamelie Öl auf Harfaserplatte. 72,2 x 44,3 cm. Verso mit Pinsel in Braun signiert „H.SAUTER“ und bezeichnet „Landau, PF“, darüber mit Pinsel in Schwarz „II. 34“. 1.000€ 76

Hermann Sauter galt als Maler der Blumenstilleben. Seine bevorzugten Motive waren die Blumen der Felder und der Bauerngärten rund um Landau, wo er ab 1918 ein eher zurückgezogenes, der Malerei gewidmetes Leben führte. Eine Parisreise im Jahr 1913 offenbarte ihm den französischen Impressionismus, der sein Schaffen maßgeblich beeinflusste. Aber auch ein Hauch deutscher Strenge und Nüchternheit findet Einzug in sein Werk und verleiht den leuchtenden Blumenbildern einen eigenen Charakter.


august gaul

(1869 Großauheim – 1921 Berlin)

8075 Liegender junger Löwe Böttgersteinzeug auf Plinthe. Um 1916/1924-25. Ca. 27,5 x 38,5 x 31 cm. Vorne auf der Plinthe signiert „A. GAUL“, verso bezeichnet „Nachlass Gaul M.E.“ und mit der Meissener Schwertermarke, auf der Unterseite erneut mit der Schwertermarke, der geprägten Bezeichnung „BÖTTGER STEINZEUG“ und der Modellnummer „A 1050“ sowie den Nummern „124“ und „L230“. Auflage ca. 11 num. Exemplare. Gabler 236-2.

Posthume Ausführung nach einem Entwurf von ca. 1916 durch Max Esser, der 1920 bis 1931 in der Porzellanmanufaktur Meissen beschäftigt war. Der „Liegende junge Löwe“ gehörte wohl zu der geplanten Figurengruppe für den Industriellen und Kunstsammler Max Meirowsky, kam jedoch offensichtlich über ein Modellstadium nicht hinaus. Sehr schöner Guss dieses seltenen Sujets. Exemplare des „Liegenden jungen Löwen“ in Böttgersteinzeug sind auf dem Auktionsmarkt kaum zu finden. Provenienz: Privatbesitz Niedersachsen

3.000€

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jan stursa

(1880 Nové Mesto na Morave/Neustadt – 1925 Prag)

8076 Der Verwundete Bronze mit dunkelbrauner Patina auf Bronzeplinthe, auf rötlichen Marmorsockel montiert. Um 1916. 50,5 x 11 x 26 cm. Vorne auf der Plinthe signiert „STURSA“. 1.800€

Es ist kein Soldat, sondern ein Männerakt, der sich hier taumelnd zu retten versucht. Schützend hat der junge Mann beide Hände erhoben, den Kopf weit zur Seite geneigt und ihn damit halb hinter dem linken Oberarm verborgen. Stursas Teilnahme am Ersten Weltkrieg beeinflusst seine Arbeit immens. Das bekannteste Werk aus dieser Zeit heißt „Die Verletzten“, und auch in vorliegender Bronze verarbeitet er die Kriegserfahrungen. Die labile Haltung des Verwundeten verdeutlicht nicht nur die Schwere seiner körperlichen Erschütterung, sondern sie symbolisiert auch die Verletzlichkeit des Menschen im Allgemeinen. Prachtvoller Guss mit ausdrucksvoll changierender Patina.

andreas gering (1892–1957, Nürnberg)

8077 Der Friedenbringer Lithographie auf JWZanders-Bütten. 1917. 22,5 x 27,5 cm (43 x 57,5 cm). Signiert „A. Gering“, datiert und bezeichnet „Orig. Lithographie“. Auflage 40 num. Ex. 800€

Zahlreiche von Gerings Blättern bezeugen den immensen Einfluss, den die Kriegsgräuel auf seine Seele nahmen. Immer wieder thematisieren sie das Waffengeschehen und zeigen Gering als einen sicheren Beobachter und Zeichner. Ganz prachtvoller, wunderbar differenzierter Druck, mit sehr breitem Rand.

8078 Allerseelen Lithographie auf Velin. 1917. 20,8 x 26 cm (39 x 56,8 cm). Signiert „A. Gering“ und datiert. 800€

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Die Grausamkeiten, mit denen Gering während des Ersten Weltkrieges konfrontiert war, prägten sein bildnerisches Schaffen dieser Zeit. Er selber wurde nach einem Bombenangriff verschüttet und schwer verletzt geborgen. Hier gedenkt er bildnerisch der Verstorbenen und ihrer Seelen, die dicht beieinander aus dem Schlachtfeld gen Himmel aufsteigen. Eine Auflage des Blattes ist nicht nachweisbar. Ausgezeichneter Druck mit dem wohl vollen Rand. Sehr selten.


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andreas gering

8079 „Der Krieg“ Feder in Schwarz, Gouache, Bleistift und farbige Kreiden auf JWZanders-Velin. 1916. 41 x 56,5 cm. Unten links mit Bleistift signiert „A. Gering“ und datiert, unten mittig betitelt. 1.200€

Andreas Gering studierte an der Kunstgewerbeschule in Nürnberg und wechselte dann nach München an die Akademie der Bilden-

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den Künste zu Carl Johann Becker-Gundahl, Vertreter des Jugendstils und Impressionismus und Mitglied der Münchner Sezession. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 wurde auch Gering zum Militärdienst eingezogen. Ein traumatisches Erlebnis prägte die Kriegserfahrung des Künstlers: Verschüttet und verletzt, brauchte er Jahre, um sich von den Folgeschäden zu erholen. Das vorliegende Werk, noch in den Kriegsjahren entstanden, bezeugt die Auseinandersetzung des gerade 24-jährigen Künstlers mit dem Tod: Über das Schlachtfeld und die Soldaten hinweg stürmen am Himmel dunkel und bedrohlich die Kriegsrosse.


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andreas gering

8080 Im Schützengraben Mischtechnik auf Velin. Um 1916/17. 50 x 63,3 cm. Verso mit dem Nachlaßstempel, dort mit Bleistift numeriert „2911“. 1.500€

Einer hat es geschafft, einer nicht. Neben seinem toten Kameraden kauert der Soldat im Schützengraben und zündet sich eine Zigarette an. Das Dämmerlicht egalisiert Farben und Formen, Qualm und Rauchschwaden schlucken den letzten Rest des Tageslichts. So sind Tornister und Körper, lebende und tote Soldaten kaum zu unterscheiden. Was aber deutlich wird, das ist die Stille des Momentes, und der winzige Funke Hoffnung, der in der Flamme eines Streichholzes liegen kann. Verso eine Skizze Gerings, „Rauchender Soldat“.

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kurt schwitters

(1887 Hannover – 1948 Ambleside)

8081 Anna Blume. Dichtungen 37 S. und 5 Bl. Anzeigen. In lithographisch illustrierter Orig.-Broschur. 1919. 21,9 x 14,5 cm. Auf dem Titelblatt signiert „Kurt Schwitters“, datiert „29.4.21“ und gewidmet „für Clara Dancker“. 2.500€

Erste Ausgabe seines literarischen Erstlingswerks, herausgegeben vom Paul Steegemann Verlag, Hannover. Clara Dancker (1898-1985) entstammte einer reichen hannoverschen Familie und studierte zwischen den Weltkriegen an der Kunstakademie in Dresden. Wann genau sie Kurt Schwitters kennenlernte ist unbekannt, spätestens jedoch mit der Arbeit Schwitters an einem Portrait der jungen Frau (Wvz. Orchard/Schulz 491). Schwitters und Dancker, die spätere Ehefrau des berühmten Urologen Georg Praetorius (Chefarzt der ersten urologischen Abteilung Deutschlands am heutigen KRH Klinikum Siloah, Hannover), verband eine lebenslange Freundschaft. Der Entwurf für die Lithographie des Einbandes befindet sich heute als Leihgabe in der Public Library, New York (vgl. Wvz. Orchard/Schulz 547). 81


ludwig meidner

(1884 Bernstadt – 1966 Darmstadt)

8082 Bärtiger Männerkopf im Profil nach links Feder in Schwarz auf Velin. 1918. 49,5 x 45 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „LMeidner“, datiert und bezeichnet, verso mit dem Nachlaßstempel, dort handschriftlich bezeichnet „II/175“. 3.200€

Mit souveräner Sicherheit modelliert Meidner die Züge des bärtigen Mannes in einem sensiblen, expressiven Strich, der in der variierenden Stärke wunderbar differenziert und im Duktus ebenso elegant wie energisch ist. In verschiedenen Winkeln treffen Federkringel und Bündel und Felder von geraden und geschwungenen, meist schräg nach rechts oben laufenden Parallelschraffuren aufeinander, so dass ein hochdifferenziertes, sensibel erfasstes Bildnis von ausdrucksvoller Plastizität entsteht. Der Künstler schafft in seiner intensiven Auseinandersetzung mit dem Gegenüber nicht nur eine eindringliche Darstellung der prägnanten Physiognomie, sondern auch ein beeindruckendes Beispiel seiner Portraitkunst.

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oskar kokoschka

(1886 Pöchlarn – 1980 Montreux)

8083 Max Reinhardt (Brustbild) Lithographie auf Velin. 1919. 62,5 x 47,5 cm (83 x 57 cm). Signiert „OKokoschka“. Auflage 125 num. Ex. Wingler-Welz 136. 1.500€

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Das sensibel aufgefasste Brustbild zeigt den großen Regisseur frontal, den Kopf leicht nach rechts gewandt, mit zerzausten Haaren und in die Ferne gerichtetem Blick. Im Jahr 1919 schuf Kokoschka zwei lithographische Porträts von Max Reinhardt: das vorliegende Brustbild und den Kopf (Wingler-Welz 135), beide verlegt von Paul Cassirer, Berlin, und gedruckt bei der Pan-Presse, Berlin. Beide Bildnisse entstanden wohl in Berlin im Frühjahr 1919, wo Kokoschka zwei seiner Bühnenstücke in Reinhardts Kammerspielen inszenierte. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand.


8084

moriz melzer

(1877 Albendorf/Riesengebirge – 1966 Berlin)

8084 Ruhende Frau in Landschaft Monotypie auf dünnem Japan. Um 1917/18. 55 x 45 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Melzer“. Nicht bei Leistner. 1.800€

Der aus Böhmen stammende Melzer siedelte 1909 nach Berlin über. Hier wirkte er bei der Berliner Sezession mit und war neben Pechstein, Tappert und anderen Mitbegründer der revolutionären Novembergruppe. Seine expressive Bildsprache vereint naiv poetische Elemente, die an Arbeiten des Blauen Reiters denken lassen, mit konstruktivistischen und kubistischen Einflüssen. Er arbeitete bevorzugt mit der Technik der Monotypie. Durch Georg Tappert

war er mit dem farbigen Linolschnitt in Berührung gekommen, den er selbst als „indirektes Malverfahren“ bezeichnete. Melzer malte nun mit Ölfarbe auf den Grund der Platte, die dann meist auf Japanpapier übertragen wurde. Das darauffolgende, oft mehrfache Überarbeiten der gedruckten Malschicht - ganzer Flächen sowohl wie auch einzelner Konturen - verleiht seinen Monotypien Gemäldecharakter. Der weibliche Halbakt in sommerlicher Landschaft strahlt in leuchtendem Kolorit, vielfach liegen die Pigmente pastos auf der Papieroberfläche. „Moriz Melzers Akte behalten bei all ihrer summarischen Behandlung und generalisierenden Einfachheit dennoch die prickelnde Mannigfaltigkeit des Naturerlebnisses. Die herbe Knappheit seiner Vokabeln hat einen besonderen Reiz, da man ihr das Primäre ihrer Erfindung anmerkt.“ (Rolf Roeingh, in: Moriz Melzer, Ausst.-Kat. Galerie Archivarion, Berlin 1949, S. 8-10). Prachtvoller Druck in ausgesprochen frischer Farbigkeit, mit kleinem Rand. Extrem selten. 83


8085

lovis corinth

(1858 Tapiau – 1925 Zandvoort)

8085 „Friedericus Rex“ (Vorzeichnung zum Titelblatt) Kohle auf Velin. 1920. 32,6 x 25,6 cm. Unten mit Bleistift signiert „Lovis Corinth“, datiert und betitelt, verso Annotationen in Kohle und Bleistift. 1.000€

Ein Besuch im Berliner Zeughaus im Herbst 1920 hinterließ Corinth tief beeindruckt: Da stand im Saal die originale Uniform des preußischen Königs Friedrich II., komplett mit Dreispitz und Krückstock. „Ich war ordentlich erschrocken vor Ehrfurcht“, schrieb er Paul Eipper, dem Redaktionsleiter des Gurlitt-Verlages. (Norbert Eisold, Lovis Corinth. Fridericus Rex. Ein lithographischer Zyklus, Bonn 2008, S. 9). Dieser Respekt vor der Authentizität des gesehenen und vor der Präsenz der Geschichte inspirierte und berührte Corinth zutiefst, und so entstand eine in Volumen und Intensität

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herausragende graphische Folge. Noch 1920 schuf der Künstler die vorliegende Vorzeichnung zum Titelblatt der zweiten Mappe „König Friedrich und sein Kreis“ der Folge „Fridericus Rex“ (Müller 621) von 47 Lithographien über das Leben des preußischen Königs Friederich des Großen, herausgegeben 1921 von Fritz Gurlitt. Die (teils schwer lesbaren) Anmerkungen Corinths auf der Rückseite verdeutlichen, dass der Künstler die Ausgabe der von ihm selbst als „Colossal-Werk“ bezeichneten Folge nicht nur mit künstlerischer Verve, sondern auch mit rechnerischer Sorgfalt plante: „Ein Titelblatt aus 8 Zeichnungen (...) größe 31 ½ : 50 cm 97000 / Je neue Composition 7000 M. / 63,000 zu 100 Signierungen jede Signierung mehr 30 Mark. farbige (...) mit 3 Steinen: Blau roth & gelb. Drucker/n: (...) folg Bild für Chemnitz / Transport auf d. Käufer“. Weil die Auflage der Lithographiefolge fast vollständig verbrannte, gelten auch die gedruckten Blätter heute auf dem Kunstmarkt als Raritäten. Provenienz: Privatsammlung Süddeutschland


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lovis corinth

8086 Im Lager von Liegnitz Kohle, weiß gehöht, auf Velin. Um 1920. 32,4 x 25 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Lovis Corinth“. 1.000€

Der konzentriert planende Intellekt des einsam auf der Trommel sitzenden Königs steht im Zentrum der Darstellung, der legendäre Stock in seiner Hand scheint hier „gleichsam zur Verlängerung der Gedanken benutzt“ (Norbert Eisold, Lovis Corinth Fridericus Rex. Ein lithographischer Zyklus, Bonn 2008, S. 59). Die Zeichnung kon-

zentriert sich stärker auf die Figur des Königs als die schließlich ausgeführte Lithographie „Im Lager von Liegnitz“ (Müller 608) aus Mappe 1 der Folge „Fridericus Rex“ von 1921. „Der in der Nacht vor der Schlacht bei Liegnitz symbolträchtig auf einer Trommel sitzende Friedrich ist oft dargestellt worden, einsam oder im Kreis seiner Soldaten, vor einem Feuer, ruhend oder im Nachdenken, seine Pläne mit dem Stock auf der Erde noch einmal rekapitulierend.“ (Norbert Eisold, a.a.O., S. 59). Verso mit einer unvollendeten Zeichnung, eventuell zu „Die Wachtparade“ (Müller 619). Provenienz: Privatsammlung Süddeutschland

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lovis corinth

8087 Der König bei Leuthen Kohle und Graphit auf Velin. Um 1920. 32,4 x 25 cm. Unten mittig mit Bleistift signiert „Lovis Corinth“. 1.000€

Die mustergültige, schiefe Schlachtordnung der Preußen gegen die Habsburger bei Leuthen inspiriert Corinth zu einer auf Geometrien gegründeten Komposition. Der König im Zentrum scheint getragen von der Flut der Dreiecksmützen seiner Soldaten, die sich im Vordergrund nach vorne drängen. „Der Sieg bei Leuthen gehört

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zu den Ereignissen der friderizianischen Ära, die sich sowohl Zeitgenossen als auch Nachgeborene im Grunde nicht mehr rational zu erklären vermochten und die den preußischen König nach und nach in den Rang eines Genies beförderten.“ (Norbert Eisold, Lovis Corinth Fridericus Rex. Ein lithographischer Zyklus, Bonn 2008, S. 65). Das Blatt ist eine Vorzeichung zu der Lithographie „Der König bei Leuten“ der Folge „Friedericus Rex“ (Müller 611). Verso mit einer nicht vollendeten Skizze. Provenienz: Privatsammlung Süddeutschland


lovis corinth

8088 Der Alte Fritz und der alte Zieten Kohle und Graphit auf Velin. Um 1920. 32,5 x 24,8 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Lovis Corinth“. 1.000€

Eine berühmte, rührende Geste menschlicher Anteilnahme: Der alte König Friedrich nötigt den hochbetagten Reitergeneral Hans Joachim von Zieten, entgegen dem höfischen Protokoll sitzen zu bleiben, muss sich dabei allerdings selber auf die Schulter des Generals stützen. „Mit einem sicheren Gespür für die Doppelbödigkeit und die Komik dieser Szene stellt sie Corinth als Treffen zweier alter Männer dar, die beide an der Schwelle des Todes stehen.“ (Norbert Eisold, Lovis Corinth. Friedericus Rex. Ein lithographischer Zyklus, Bonn 2008, S. 59). Corinths Vorzeichnung zu „Der Alte Fritz und der alte Zieten, ‚bleibe er nur ruhig sitzen‘“ gilt einem der letzten Blätter der ersten Folge des Zyklus „Aus dem Leben Friedrichs des Großen“ (Müller 616). Provenienz: Privatsammlung Süddeutschland

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lovis corinth

8089 Aus: Fridericus Rex 4 Lithographien auf Maschinenpapier. 1921. Bis 45 x 35 cm. Alle Blätter signiert „Lovis Corinth“. 600€

Enthalten sind die folgenden Blätter: „Barberina“ (Müller 604), „Fridericus bei Kolin“ (Müller 607) und „Die Wachtparade“ (Müller 619) aus der ersten Mappe „Aus dem Leben Friedrichs des Großen“ sowie „Sanssouci. Der Mittelbau des Schlosses mit der Kuppel“ (Müller 630) aus der zweiten Mappe „König Friedrich und sein Kreis“. Beide Mappen gehören zu der 1921 von Fritz Gurlitt veröffentlichten Folge „Fridericus Rex“. Gute Drucke mit Rand.

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Provenienz: Privatsammlung Süddeutschland 87


franz heckendorf

(1888 Berlin – 1962 München)

8090 Hafenansicht von Istanbul Pastell auf Velin. Wohl um 1917. 32,2 x 22,5 cm. Unten links mit Kreide in Schwarz signiert „F. Heckendorf“. 900€

Stimmungsvolle, atmosphärische Ansicht des Hafens von Istanbul. Der warme Gelbton der untergehenden Abendsonne bildet einen schönen Kontrast zu dem Blau und Grün des Hafens und der angedeuteten Hügellandschaft davor. Wir danken Trautl Jährling, Pfungstadt für die mündliche Bestätigung der Authentizität des Werkes, am 4.4.2022.

curt herrmann

(1854 Merseburg – 1929 Erlangen)

8091 Landschaft bei Pretzfeld Aquarell und Deckweiß über Bleistift auf Velin. 1918. 31,2 x 47 cm. Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „C.H.“ und datiert. 1.200€

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dirk filarski

(1885 Amsterdam – 1964 Zeist) Immer wieder hielt sich Curt Herrmann in der Fränkischen Schweiz, auf dem Schloßgut Pretzfeld bei Forchheim auf. Die reizvolle Landschaft gestaltet er mit farbenfrohen, frühlingshaften, locker getupften Farbflecken, die ganz seinem Malstil kurz vor 1920 entsprechen. Die Konturen sind komplett aufgelöst, die Farben mit leichter Hand nebeneinander gesetzt. Charakteristisch ist, dass die Farbnuancen in der Ferne intensiver werden als die hingehauchten, leichten Töne im Vordergrund. Abstrakter noch als in den pointillistischen Gemälden seines früheren Schaffens erfasst er die Naturszenerie. Im Frühjahr 1918 zog Herrmann sich aus der Berliner Freien Secession zurück und gab den Vorsitz an Theo von Brockhusen ab. Kurz darauf entstand das vorliegende Aquarell. Erst im Spätwerk Herrmanns spielt diese Technik eine größere Rolle. In der Öffentlichkeit fanden die alsbald ausgestellten Aquarelle besonderen Anklang.

8092* „Prats de Mollo“ Öl auf Leinwand. Um 1920. 66,5 x 83,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Rotbraun signiert „D.H.W. Filarski.“ verso betitelt und auf dem Keilrahmen bezeichnet (von fremder Hand?). 3.000€

Der niederländische Maler Dirk Filarski gilt als einer der Pioniere der Bergen School, die sich 1915 um den Maler Henri Le Fauconnier gründete und vom Impressionismus beeinflusst ist. Als wichtiger Mäzen der Schule galt Piet Boendermaker, der auch Dirk Filarski finanziell unterstützte und dem Künstler ermöglichte, Europa zu bereisen. So reiste der Künstler in den 1920er Jahren für einen längeren Aufenthalt durch Frankreich, wo die Ansicht des Ortes Prats-deMollo-la-Preste in den Pyrénées-Orientales entstanden sein wird. 89


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conrad felixmüller (1897 Dresden – 1977 Berlin)

8093 „Geliebte Frau“ Stahlstich in Rotbraun auf festem, weichem Velin. 1921. 25 x 19,8 cm (32,6 x 24,8/25,3 cm). Signiert „Felixmüller“, datiert, betitelt und bezeichnet „Probedruck Stahlstich ohne Signum i d Platte“. Söhn 252 a (von b). 3.000€ 90

Der prachtvolle, seltene Probedruck in Rotbraun noch ohne das Monogramm in der Platte. Vor der späteren Auflage in Schwarz von 25 numerierten Exemplaren auf Bütten, für das Mappenwerk „6 Stahlstiche“, Galerie Arnold Dresden 1921. Kräftiger, klarer Druck mit tief eingeprägter Plattenkante, nuanciertem Plattenton und mit breitem Rand.


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conrad felixmüller

8094 Der alte Kohlenarbeiter Stahlstich auf dünnem Bütten. 1921. 21,2 x 15 cm (28,7 x 20,8 cm). Signiert „Felixmüller“, datiert und bezeichnet „Stahlstich Probedruck vor der Auflage ohne Signum etc.“ Söhn 257 a (von b). 3.000€

Söhn nennt ca. 10 Handabzüge auf unterschiedlichen Papieren neben der Auflage von 100 Exemplaren auf Kupferdruckpapier, gedruckt bei Walter Künzel für das „Jahrbuch der Jungen Kunst“, Dresden 1921. Abweichend zu diesen Angaben numeriert Felixmüller unser Exemplar mit einer Auflage von 8 Probedrucken. Der seltene Probeabzug noch ohne das Monogramm, in einem prachtvollen, sehr ausgewogenen Druck mit tiefen Schwärzen, deutlichem Grat und wunderbar glänzendem Plattenton sowie mit breitem Rand. 91


georg kolbe

(1877 Waldheim/Sachsen – 1947 Berlin)

8095 Weiblicher Portraitkopf Gips mit grauer Patina auf ovaler Kupferplinthe. Um 1920. Ca. 36 x 15 x 22 cm. Verso hinten links monogrammiert „GK“, am Hals hinten rechts von fremder Hand mit Bleistift bezeichnet „Hettner“. 5.000€

Der Kopf der Portraitierten scheint in seiner frontalen, lebensgroßen Anlage und dem symmetrisch gestalteten Gesicht einem antiken Porträtkopf nachempfunden. Dank des gut formbaren Materials des Gipses konnte Kolbe die Gesichtszüge, den Haaransatz und sowie die markante Augenpartie weich ausmodellieren. Gipsplastiken waren für Kolbe nachweislich keine finalen Arbeiten, sie wurden für den Bronzeguss oder für Vergrößerungen herangezogen. Von unserer Plastik ist zwar keine Bronzefassung

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bekannt, sie kann aber als ein Modell angesehen werden. Ein Vergleich mit Fotos der Dargestellten und die von fremder Hand hinzugefügte Bezeichnung „Hettner“ geben Hinweise darauf, dass es sich bei der Porträtierten um die Malerin Sabine Hettner, die Tochter Otto Hettners, handeln könnte. Otto Hettner war u.a. Professor an der Akademie der bildenden Künste in Dresden und hatte zu Kolbe eine kollegiale Verbindung, die durch Briefe des Georg Kolbe Museum Berlin belegt werden kann. Unser Kopf ist vergleichbar mit Porträts der 1910er und 1920er Jahre, z.B. Annette Kolb, 1916, Marguerite von Kühlmann, 1916, Eva Dieckhoff, 1917/18, und Hilda von Dirksen, 1923. Mit einer schriftlichen Bestätigung von Dr. Julia Wallner, Berlin vom 7.6.2019 (in Kopie). Provenienz: In den 1950er Jahren im Kunsthandel erworben, seitdem in Berliner Privatbesitz


8096

alexej von jawlensky

(1864 Torschk – 1941 Wiesbaden)

8096 Liegender weiblicher Akt I Lithographie auf Bütten, Wz. „H. Antique“. Um 1920. 27,4 x 45,4 cm (34,3 x 51,5 cm). Signiert „ajawlensky.“ (ligiert). Auflage 50 Ex. Rosenbach 9 B. 6.000€

Blatt 6 der Mappe „Weibliche Akte“, einer Folge von acht Lithographien. Die Lithographie entstand nach einer um 1912 entstandenen Kreidezeichnung, welche 1967 unter der Nr. 143 und der Bezeichnung „Liegender weiblicher Akt“ in der Jawlensky-Ausstellung des Frankfurter Kunstvereins aus der Sammlung Helmut Goedeckemeyer gezeigt wurde. Herausgegeben vom Verlag Gurlitt, Berlin. Die Gesamtauflage betrug 75 Exemplare, da weitere 25 Exemplare auf Japan gedruckt wurden. Selten. 93


8097

ulrich hübner

(1872 Berlin – 1932 Neubabelsberg)

8097 Havel vor Potsdam (Heiliggeistkirche) Öl auf Leinwand, auf Hartfaser aufgezogen. Um 1920. 72 x 52 cm. Unten links mit Feder in Blau signiert „Ulrich Hübner“. Westerhausen 252. 1.800€

Ulrich Hübner, der aus einer Familie von Künstlern und Wissenschaftlern stammte, begann seine akademische Ausbildung in Karlsruhe, kehrte dann nach Berlin zurück und beendete sein Studium an der privaten Malschule von Conrad Fehrs. Mitglied der Berliner Sezession wurde Hübner 1899 und gehörte schon 1906 und 1907 deren Vorstand an. Zwischen 1909 und 1912 lebte er in Trave-

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münde, wohin er in den folgenden Jahren oft zurückkam, um zahl­ reiche Hafenbilder aus Hamburg, Lübeck, Warnemünde und Travemünde zu malen. Hübner kehrte 1914 nach Berlin zurück und zog nach Potsdam-Babelsberg. Laut Simone Westerhausen zeigte Hübner bereits 1905 in der Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes die erste Ansicht von Potsdam bzw. der Potsdamer Heiliggeistkirche (Westerhausen 44). In diesem Gemälde ist bereits seine Perspektive von Potsdam zu erkennen, die er auch nach seinem Umzug 1914 wiederholt so darstellen sollte: Potsdam als Stadt am Wasser. Ausstellung: Berliner Sezession. Neuer Berliner Kunstverein, Berlin, 1981, Kat.Nr. 172, mit Abb.


8098

alfred pfitzner (1875–1949, Berlin)

8098 Blick auf den Landwehrkanal in Berlin Öl auf Malpappe. 1922. 49 x 70 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „(A. P)fitzner“ (anfangs mit kleinem Farbverlust) und datiert sowie mit der Ortsbezeichnung „Berlin“, verso bezeichnet „Nr. 421“. 2.000€

Winterliche Szene am städtischen Berliner Kanal, die Promenade am Wasser belebt von einigen wenigen Flaneuren. Die erste künstliche Wasserstraße von Berlin fließt quer durch die Stadtteile Treptow, Kreuzberg, Neukölln, Tiergarten und Charlottenburg, wo sie in die Spree mündet. 95


anton emanuel peschka (1885–1940, Wien)

8099 Stehender weiblicher Akt mit Strümpfen, ein Bein angewinkelt Öl über Kreide in Schwarz auf glattem Velin. Wohl 1920/30er Jahre. 46,1 x 29,7 cm. Unten rechts mit Kreide in Schwarz signiert „A. Peschka“. 1.200€

Zauberhafte Ölstudie, noch unter dem Einfluss seines Freundes und Studienkollegen Egon Schiele entstanden. 1910 reiste Peschka mit Schiele nach Krumau und lernte im selben Jahr dessen Schwester Gertrude kennen, die er 1914 heiratete. Seine bevorzugten Motive waren Landschaften und Akte. Gerade die Kombination aus dem sicheren Strich der Konturlinien mit dem farbigen Pinsel zeigt Peschkas ganze Meisterschaft. In dieser Studie fokussiert er sich ganz auf die weiblichen Reize und lässt das Gesicht der Frau im Unklaren.

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werner berg

(1904 Elberfeld – 1981 St. Veit)

8100 Junge Familie Radierung auf Velin. 1927. 25 x 17,8 cm (40 x 29 cm). Signiert „Werner Berg“. 1.500€

Bereits vor seinem Leben auf dem Bauernhof zeigt Bergs vorliegende Radierung ein vom ländlichen Alltag geprägtes Sujet. Der junge Künstler, 1927 Schüler von Karl Sterrer an der Wiener Akademie und 1929 Meisterschüler bei Karl Caspar an der Münchner Akademie, ließ sich 1931 auf einem entlegenen Bauernhof in Kärnten nieder. Im Grenzgebiet zu Slowenien suchte er eine Existenz voll unmittelbarer Anschauung, er wollte, trotz all der damit verbundenen zeitlichen Beschränkungen für seine Malerei, das Leben eines Bauern leben. Die Erträge der Landwirtschaft sollten ihn zudem unabhängig von den Zwängen des Kunstbetriebes machen. Werner Berg gelang es, ausgehend vom deutschen Expressionismus, in seiner Kunst die Alltagswirklichkeit seiner Umgebung zu eindringlichen Zeichen zu verdichten. Prachtvoller, wunderbar klarer und differenzierter früher Druck mit Rand. Rarissimum, eine Auflage ist nicht nachweisbar.

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ernst nepo

(d.i. Nepomucky, 1895 Dauba – 1971 Innsbruck)

8101 Junges Mädchen im gelben Kleid Aquarell und Kreide in Schwarz auf hauchdünnem bräunlichen Japan. Nach 1920. 32 x 24,5 cm. Verso mit Pinsel in Blau signiert „E Nepo“. 1.800€ Anmutige, schön stilisierte Zeichnung in harmonischer Farbigkeit. Mit sanft fließenden Umrisslinien erfasst der Künstler die sitzende Gestalt und verleiht ihr mit Hilfe der sie umgebenden Gelbtöne ein weiches Schimmern und Leuchten. Ernst Nepo, anfangs von

Giovanni Segantini und Egon Schiele beeinflusst und stilistisch dem Expressionismus verpflichtet, wandte sich Mitte der 1920er Jahre der Neuen Sachlichkeit zu und zählte zu deren wichtigen Vertretern in Österreich. Nach Ende des Krieges 1918 bildete Nepo zusammen mit Rudolf Lehnert, Alphons Schnegg und Herbert Gurschner den sogenannten „Mühlauer Kreis“, benannt nach dem Innsbrucker Stadtviertel Mühlau. 1925 gründete er mit Alphons Schnegg, Wilhelm Nicolaus Prachensky, Rudolf Lehnert und anderen als Gegenpol zu den bestehenden konservativen Tiroler Vereinigungen die Künstlervereinigung „Waage“ und wurde 1927 Mitglied der Wiener Secession. 97


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august heitmüller

(1873 Gümmer bei Hannover – 1935 Meran)

8102 Porträt eines Mannes am Klavier Öl auf Holz. 1920er Jahre. 115 x 90 cm. Verso mit Pinsel in Blau signiert „HEITMÜLLER“ und mit der Ortsangabe „Hannover“ sowie (schwer lesbarer) Künstleradresse. 3.000€

gewerbeschule in Hannover und an der Akademie der Künste in München bei Franz von Stuck und Otto Seitz sowie in Berlin bei Lovis Corinth. Es folgten Studienreisen nach Frankreich, England, Holland und Spanien. 1917 war er Mitbegründer der Hannoverschen Sezession, unter anderem mit Kurt Schwitters, und entwickelte sich nach dem Ersten Weltkrieg zum Expressionisten. In seinem alsbald von der Neuen Sachlichkeit beeinflussten Schaffen konzentrierte er sich auf die Porträtmalerei.

Ganz im Stil der Neuen Sachlichkeit stellt Heitmüller den sitzenden Herrn am Klavier im Kniestück dar, nach rechts gewandt und versonnen ins Leere blickend. Heitmüller arbeitete in der Frühzeit seines Schaffens impressionistisch, nach Studien an der Kunst­

Provenienz: Ketterer, München, Auktion 342, 03.12.2008, Lot 36 Privatsammlung Europa

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christian schad

(1894 Miesbach – 1982 Stuttgart)

8103 Mann und Junge Bleistift auf bräunlichem Skizzenbuchpapier. 1931. 60,6 x 23 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Schad“ und datiert. 1.500€

In reizvoller Verschränkung ordnet Schad die beiden sitzenden Aktfiguren des älteren Mannes und des Jungen an, dazwischen Studien einzelner Hände und Füße. Auch wenn sich im zeichnerischen Werk Christian Schads viele Aktstudien finden, so sind doch die Darstellungen männlicher Akte von größter Seltenheit. Nachdem in der Weltwirtschaftskrise auch für ihn Modelle unbezahlbar geworden waren, zeichnete Schad im Osten Berlins die sogenannten „Abend-Akte“ - wie auch die von ihm geschätzte Jeanne Mammen es getan hatte. Viele der in dieser Zeit entstandenen Zeichnungen und Skizzen gingen bei einem Bombenangriff auf Berlin verloren. Provenienz: Privatsammlung Europa

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christian schad

8104 Professor Clemens Holzmeister Kohle auf Velin. 1926. 54,3 x 40 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „SCHAD“ und datiert, verso datiert und bezeichnet „Prof. Holzmeister, Wien“. 12.000€

Zentrales Thema von Christian Schads Zeichnungen sind Porträt und Akt. Das Bildnis Holzmeisters steht in engem Zusammenhang zur Kunst der Neuen Sachlichkeit und des Magischen Realismus. „Die Menschen, die er malt, erscheinen bei aller Dinghaftigkeit weder zeitlos verklärt noch roboterhaft mechanisch. Das ist Schads besondere Leistung.“ (Wieland Schmied, Menschen ohne Eigenschaften, in: Christian Schad. Texte, Materialien, Dokumente, Hrsg. G. A. Richter, Rottach-Egern 2004, S. 95). In vorliegendem Blatt erfasst Schad meisterlich die Individualität und Besonderheit des Architekten Clemens Holzmeister, der mit Luis Trenker um 1924/­ 1925 ein gemeinsames Architekturbüro in Bozen führte, 1924 zur Professur an die Wiener Akademie der bildenden Künste berufen wurde und in den 1930er Jahren den Neuen Österreichischen Werkbund leitete. Schad zeichnet Holzmeister, mit feinen Wischungen souverän das Gesicht modellierend, ohne zu interpretieren oder zu werten, ohne Symbolik oder einen übersteigerten Ausdruck hineinzuprojizieren, sondern auf einer rein sachlich-realen Ebene mit psychologischer Schärfe und zeichnerischer Brillanz.

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Provenienz: Christie‘s, London, 20.06.2007, Lot 175 Im Kinsky, Wien, 23.06.2009, Lot 6 Privatsammlung Europa 99


8105 100


herbert gurschner

(1901 Innsbruck – 1975 London)

8105 Prinz von Schweden Öl auf Leinwand. 1939. 114 x 81 cm. Unten links mit Pinsel in Blaugrau signiert „GURSCHNER“ und datiert. 40.000€

Ein eleganter Herr, schlank und schmalgliedrig: So präsentiert sich Gustav Adolf Erbprinz von Schweden. Er war nicht nur hochgebildet, sondern auch sportlich, gewann zahlreiche Reit-, Hindernis-, Dressur- und Springwettbewerbe und gehörte zur schwedischen Elite im Fechten mit dem Säbel. Daher zeigt ihn Gurschner im Tennisdress, mit Schläger in der Hand, am Rande eines Tennis­ platzes in südlicher Landschaft sitzend. Messerscharfe, sensibel geführte Konturen grenzen die Figur im Vordergrund von der Hintergrundlandschaft ab. Sorgsam gemalte, vielfach getüpfelte Binnenstrukturen kennzeichnen die Bildgegenstände im Vordergrund, während in den übrigen Bildebenen die Darstellung mit breitem Pinsel summarischer erfasst wird. Das gleißend helle Licht lässt alle Farbwerte in zart-lebendigen, fein abgestuften und effektvoll gegeneinandergesetzten Pastelltönen erscheinen. Im Jahr 1938, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, emigrierte Gurschner nach England. Auch in der neuen Heimat standen dem Künstler durch seine Heirat mit einer englischen Adeligen höchste gesellschaftliche Kreise offen; er erlangte die britische Staatsbürgerschaft und diente während des Krieges in der britischen Armee. Um 1925 hatte sich Gurschner einer neusachlichen Auffassung zugewandt, ohne jedoch gewisse expressive Elemente aufzugeben. Exemplarisch für diesen Malstil ist das vorliegende Porträt des Erbprinzen von Schweden. Provenienz: Nachlass des Künstlers Kunsthandel Widder, Wien (dort 2006 erworben) Privatsammlung Europa 101


herbert gurschner

8106 „Abendmahl“ Öl auf Leinwand. 1925. 50 x 69 cm. Unten links mit Pinsel in Blau signiert „HERBERT GURSCHNER“, datiert und mit der Ortsbezeichnung „Tirol“, verso nochmals signiert, datiert, betitelt sowie mit montiertem Künstlerholzschnitt „HERBERT GURSCHNER TIROL“, dort handschriftlich mit der Werknummer „39“. 15.000€

Eine Erscheinung von geisterhafter Blässe, so sitzt Jesus am Abendmahlstisch im Kreise seiner Jünger. Der streng symmetrische Bildaufbau ebenso wie die dramatische Lichtführung setzen ihn ins Zentrum der Darstellung. Das Licht in Bild scheint von dem Weinkelch auszugehen, den er in beiden Händen hält. Ein Strahl ebendieses Lichtes lässt Judas‘ Gewand rot aufleuchten und hebt ihn damit effektvoll von den anderen Jüngern ab. Der dunkle Untergrund, von dem die Figuren deutlich abgesetzt sind, steht in seiner Wirkung der Goldgrundmalerei nahe. Gurschner wurde bereits 17-jährig als jüngster Student an der Akademie in München aufgenommen, studierte dort bei Peter von Halm und Franz von Stuck und beschickte bald erste Ausstellungen mit seinen Arbeiten. 1924 heiratete er die englische Adelige Ella Dolores Erskine, die ihm wichtige Kontakte zur englischen Kunstszene vermittelte, wodurch er 1925 seine erste Ausstellung in England, im „Little Art Room“, später auch in der renommierten Londoner Fine Art Society, abhalten konnte. In den folgenden Jahren unternahm er zahlreiche Reisen nach Italien, Spanien und Frankreich und stellte auf der Biennale in Venedig aus. Provenienz: Nachlass des Künstlers Kunsthandel Widder, Wien (dort 2006 erworben) Privatsammlung Europa

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jean crotti

(1878 Bulle – 1958 Neuilly-sur-Seine)

8107 Symphonie Gouache auf Velin, auf Leinwand kaschiert. 1924. 63 x 48,5 cm (Rahmenausschnitt). Unten rechts in der Darstellung mit Pinsel in Weiß sig­ niert „J. Crotti“ und datiert, unten links mit Pinsel in Schwarz nochmals signiert und mit Kugelschreiber datiert. Bertoli 24-16. 15.000€

Wie Klänge reihen sich die Farbtöne aneinander, in Form von neben- und aneinanderstehenden hochrechteckigen geometrischen Elementen, hinterfangen von weich schwingenden Feldern pastelliger Nuancen. In die feuchte Farbe gekratzte Kreisformen verleihen der Komposition zusätzlich einen schwingenden Rhythmus. Zu Beginn seiner Laufbahn war Crotti vom Impressionismus, später vom Fauvismus, den Nabis und vom Jugendstil beeinflusst; 1901 nahm er in Paris ein Kunststudium an der renommierten Académie Julian auf und arbeitete dort mit Edgar Degas. Erste Werke konnte er 1907 im Salon d‘Automne in Paris und 1908 im Salon des Indépendants ausstellen. Um 1910 wandte er sich nach Experimenten mit dem Kubismus dem Dadaismus zu. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs reiste Crotti 1915 nach Amerika, wo er sich in New York mit Francis Picabia anfreundete und sich im Herbst und Winter 1915/16 ein Atelier mit Marcel Duchamp teilte. Nach Kriegsende zurück in Paris, heiratete er gleich nach seiner Scheidung Suzanne Duchamp und stellte in den darauf folgenden Jahren in bedeutenden Galerien in England, Frankreich, Deutschland und in den Vereinigten Staaten aus. Provenienz: Suzanne Duchamp (Witwe des Künstlers) Familie des Künstlers Ubu Gallery, New York (dort 2009 erworben) Privatsammlung Europa

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8108

8108

max oppenheimer

(gen. Mopp, 1885 Wien – 1954 New York)

8108 Geschichte von St. Julian dem Gastfreien 10 Radierungen auf Van Gelder Zonen-Bütten. Lose in Orig.-Halbleinenmappe. 1927. 26 x 21,5 cm. Jeweils signiert „MOPP“. Auflage 30 num. Ex. Pabst 52-61, Stix/Osborn 48-57. 3.500€

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Die komplette Folge mit dem radierten Titelblatt und neun weiteren Radierungen zu Gustav Flauberts Erzählung, erschienen im Verlag von Bruno Cassirer, Berlin. Nadelstriche von außerordent­ licher Feinheit und Schärfe schildern expressiv die Szenen. Den Papiergrund setzt Mopp meisterlich ein, um Lichtwirkungen herauszuarbeiten. Brillante Drucke, alle mit dem vollen Rand. Sehr selten.


walter ophey

(1882 Eupen – 1930 Düsseldorf)

8109 Bemalter Holzkasten 2 Darstellungen, außen/innen. Gouache und Bleistift auf gebeiztem Holz. Um 1925. 35 x 27 x 9 cm. Auf der Deckelaußenseite unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „WOPHEY“ (ligiert). 1.500€

Die abstrahierte Landschaftsdarstellung außen und das expressionistische Brustbild einer Frau auf der Innenseite machen den Holzkasten, in dem Ophey seine Farben aufbewahrte, zu einem seltenen Künstlerobjekt. Hochstilisiert und elegant geschwungen umreißen Konturlinien die Landschaft auf dem Außendeckel, während uns beim Öffnen auf dem Innendeckel aus blauem Grund ein Mädchenkopf in Schwarz und Gelbgrün entgegenleuchtet, expressiv in dieser überraschenden Farbkonstellation mit kantigen

Formen und geraden Pinselzügen gestaltet. Parallel dazu, dass Mitte der 1920er Jahre kunstgewerbliche Gegenstände, die sich in Opheys Haushalt befanden, zu Bildgegenständen wurden, wird hier das Gebrauchsobjekt zum Bildträger. Ophey gehörte mit August Macke, Heinrich Nauen und anderen zu den wichtigsten Vertretern des Rheinischen Expressionismus; vgl. auch Losnummern 7250 und 7251. Unikat. Beigegeben: Aus dem Besitz Walter Opheys eine Schachtel mit Pastellkreiden, A.W. Faber „Castell“, Polychromos, zudem der Ausst.-Kat. Kunstpalast Düsseldorf 2018, „Walter Ophey. Farbe bekennen!“. Provenienz: Nachlass Walter Ophey (Familienbesitz Pehle) Privatbesitz Berlin Literatur: Walter Ophey. Farbe bekennen!, Ausst.-Kat. Kunstpalast Düsseldorf 2018, Abb. Titelblatt (verso)

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harmen meurs

(1891 Wangen – 1964 Speude/Ermelo )

8110* „Le peintre K. Zieleniewski“ Aquarell auf Velin, kaschiert auf festen Karton. 1924. 92,4 x 73,6 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „Harmen Meurs“, datiert, betitelt und bezeichnet „Paris“. 2.400€

Der niederländische Maler Harmen Meurs studierte 1909 bis 1911 an der Staatlichen Kunstgewerbeschule und der Reichsakademie in Amsterdam. Der Künstler richtete seinen Blick vorwiegend auf Figuren, Stilleben und die ihn umgebenden Landschaften und wurde dabei stark durch seinen Austausch mit der französischen Kunstszene beeinflusst, der er in mehrfachen Aufenthalten in Frankreich begegnete. Dort lernte er wohl ebenfalls den dargestellten polnischen Maler Kazimierz Zieleniewski (1888 Tomsk - 1931 Neapel) kennen, der in den Jahren 1912-1917 an der Akademie der Schönen Künste in Krakau bei Wojciech Weiss studierte. Es folgten Studienaufenthalte in Wien und Gent. In den 1920er Jahren ließ Meurs sich in Paris nieder.

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paul holz

(1883 Riesenbrück bei Pasewalk – 1938 Schleswig)

8111 „Der Clown ruht sich aus“ Feder in Schwarz auf Velin. Um 1934. 44,9 x 38,6 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz betitelt, verso von Lea Holz mit Bleistift signiert. 800€

Mit gesenktem Kopf sitzt der Clown ruhend auf einer Treppe. Das Groteske auf der einen und die Leichtigkeit und Eleganz der Zirkuswelt auf der anderen Seite verdichten sich in der vorliegenden Zeichnung exemplarisch zu einer spannenden Komposition und zeigen einmal mehr die stilistischen Besonderheiten des Künstlers. Expressives, Abstraktes und Kalligraphisches verbindet sich mit Zügen der Karikatur und des Realismus zu einer unverwechsel­ baren Formensprache, die seinen ganz eigenen Stil charakterisieren. Verso eine weitere Studie des Künstlers. Provenienz: Privatbesitz Berlin

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paul holz

8112 Am Sterbebett Feder in Schwarz auf Skizzenpapier. Um 1920. 35 x 25,7 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Paul Holz“. 700€

In herabgebeugter Haltung erweist ein bärtiger Mann mit Zylinder einer kürzlich verstorbenen Frau die letzte Ehre. Durch das helle Licht einer brennenden Kerze erscheint die Zeichnung wie eine Szene der Erinnerung an den Tod. Paul Holz, der in seiner großen Familie immer wieder mit Nachrichten vom Tod konfrontiert wurde, fand in dieser Thematik eines seiner zentralen künstlerischen Motive, das immer wieder in seinem Werk auftauchte. Laut Helmut Börsch-Supan sei Holz ein sehr bedeutender Zeichner unseres Jahrhunderts. Er sprach ihm die Fähigkeit zu, die dramatische Zusammensetzung in menschlichen Existenzen zu erfassen und in seinen Zeichnungen charakteristisch wiederzugeben.

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Provenienz: Privatbesitz Berlin 109


lothar schreyer

(1886 Berlin – 1966 Hamburg)

8113 Figurine Pinsel und Feder in Schwarz auf Bütten. 1926. 60 x 46 cm. Verso mit dem Nachlaßstempel. 1.200€

Nach seiner juristischen Promotion in Leipzig arbeitete Lothar Schreyer als Dramaturg am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, seit 1919 leitete er zunächst die Kampfbühne in Hamburg, später war er an der Sturm-Bühne in Berlin tätig. Walter Gropius holte Schreyer 1921 für die Bühnenwerkstatt und die Maskenspiele ans Bauhaus. Bis 1926 arbeitete Schreyer an Herwarth Waldens Zeitschrift Der Sturm als Redakteur und Schriftleiter; zu dieser Zeit also entstand die Zeichnung einer Figurine voller ornamentaler Schwünge. Beigegeben: Ein weiteres Blatt, wohl Lithographie auf bronzefarbener Tonplatte, von Lothar Schreyer. Ausstellung: Der Weg. Neue Schule für Kunst, Galleria dell Levante, München 1972 (mit Kat.-Abb.)

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moriz melzer

(1877 Albendorf, Riesengebirge – 1966 Berlin)

8114 Kompositionen 2 Linolschnitte und 1 Pinselzeichnung in Schwarz auf dünnem Velin. Um 1930. Bis 26,3 x 42,8 cm. Sämtlich mit Bleistift signiert „Melzer“, ein Blatt datiert. Nicht bei Leistner. 1.000€

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Moriz Melzer studierte ab 1903 an der Kunstakademie in Weimar und bemalte Keramik zum Lebensunterhalt. Er beteiligte sich an den Ausstellungen der Berliner Sezession und gehörte 1910 mit Max Pechstein und Georg Tappert zu den Gründern der Neuen Sezession. Mit ihnen gründete er im Dezember 1918, ebenso wie mit César Klein, Otto Freundlich, Rudolf Belling und anderen, die Berliner „Novembergruppe“, deren Vorsitzender er um 1922 war. Ab 1921 arbeitete er als Lehrer an der Reimann-Schule in Berlin, bis er 1933 aus dem Schuldienst entlassen und als „entarteter“ Künstler deklariert wurde. Die beiden Linolschnitte sind charmante kleine Werke aus Melzers kubofuturistischer Zeit.


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adolf hoelzel

(1853 Olmütz/Mähren – 1934 Stuttgart)

8115 Landschaft Pastellkreiden auf Velin. 1925-30. 23,8 x 30 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz zweifach signiert „A. HOELZEL“, verso mit dem Nachlaßstempel und mit der Nummer „37“. 8.500€ Im Zentrum der Landschaftskomposition, inmitten der zentralen Rautenform, steht die Figur eines oder einer Heiligen. Der samtige Oberflächencharakter der leuchtenden Pastellfarben bildet einen interessanten Kontrast zur geometrischen Aufsplitterung der Fläche. Die wattigen Konturen zeichnen einen stark abstrahierten, im Ungefähren bleibenden Blick auf Menschen und Landschaft.

In der lebendigen, kristallinen Gestaltung vermag der Betrachter seinen Blick, seine Phantasie und seine Empfindungen schweifen zu lassen. Seit 1905 hatte Adolf Hoelzel in Stuttgart an der Staat­ lichen Akademie der Bildenden Künste einen Lehrstuhl inne. Von Goethes Farbenlehre ausgehende Studien führten ihn schon damals zu einer abstrakte Farbflächen gestaltenden Malerei. Wir danken Dr. Alexander Klee, Wien, für die mündliche Bestätigung der Authentizität des Pastells. Provenienz: Nachlass des Künstlers, verso mit dessen Stempel (Lugt 1258f) Galerie Schrade, Schloss Mochental, Ehingen Privatsammlung Rheinland 111


8116

8116

kees van dongen

(1877 Delfshaven – 1968 Paris)

8116 Trois Nus 2 Radierungen auf Japan bzw. auf orangefarbenem Japan. 1925. 20,8 x 16,3 cm (26 x 20,3 bzw. 25,8 x 20,1 cm). Beide signiert „van Dongen“. Jufferman JB5. 2.000€

Drucke auf unterschiedlichen Papieren, beide Varianten, Cremefarben und Orange, in der Luxusausgabe des Buches „Van Dongen“ von Edouard des Courières enthalten; die Auflage betrug 200 numerierte Exemplare. Beide vorliegenden Drucke außerhalb dieser Auflage, nicht numeriert, jedoch signiert und in den Papiermaßen leicht von der Auflage abweichend. Prachtvolle Drucke mit dem vollen, kleinen Rand.

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8117

pablo picasso

(1881 Málaga – 1973 Mougins)

8117 Femme nue couronnée des fleurs, aux jambes croisées Radierung auf Bütten, Wz. „Picasso“. 1930. 22,6 x 17,2 cm (45 x 34 cm). Signiert „Picasso“. Bloch 134, Baer 192 B d. 7.000€ Das erste Blatt der insgesamt 100 Radierungen umfassenden Suite Vollard, einem der bedeutendsten Graphikzyklen des 20. Jahrhunderts. Gedruckt bei Roger Lacourière, Paris, 1939, herausgegeben von Ambroise Vollard, Paris. Die Veröffentlichung der 100 Radierungen, die Picasso zwischen 1930 und 1937 schuf, war

eine der beeindruckendsten Unternehmungen Ambroise Vollards, eines der größten Kunsthändler und Verleger seiner Zeit. Picasso lernte Vollard 1901 in Paris kennen und arbeitete längere Zeit mit ihm zusammen. Als die Radierungen der Vollard-Suite zum ersten Mal angefertigt wurden, wurden sie nur in wenigen Fällen sig­ niert. Nachdem Vollard bei einem Autounfall im Jahr 1939 starb, ging nach dem Zweiten Weltkrieg der größte Teil der Suite in die Hände des Händlers Petiet über. Dieser vereinbarte mit Picasso weitere Signaturen. Aus der Auflage von 260 Exemplaren von der verstählten Platte; es wurden weitere 50 Exemplare mit breiterem Rand gedruckt. Die Platte wurde 1956 durchgestrichen; sie befindet sich heute im Musée Picasso, Paris. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand. 113


eduard wiiralt

(1898 bei Wolossowo – 1954 Paris)

8118 Nus féminins Vernis mou auf Velin. 1930. 34,6 x 26,1 cm (50,2 x 37,8 cm). Signiert „Eduard Wiiralt“ und datiert. 1.200€

Eduard Wiiralt, geboren in Estland, studierte ursprünglich Bildhauerei in Tartu. Nach seiner Kriegsbeteiligung im Unabhängigkeitskrieg 1918-1919 zog Wiiralt nach Deutschland, wo er in Dresden weiterstudierte. 1923 kehrte er nach Tartu zurück und machte 1924 seinen Abschluss an der dortigen Pallas Academy, mit Schwerpunkt Druckgraphik. 1925 zog der Künstler nach Paris und lebte dort bis 1938. Aus diesen Pariser Jahren stammt auch unsere Graphik, die das Sujet der französischen Tänzerinnen meisterhaft aufnimmt, nach Dresdener Manier darstellt, ohne dass der Künstler seine Wurzeln vergisst. Heutzutage gilt Wiiralt als einer von Estlands bedeutendsten Druckgraphikern.

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paul gangolf

(d.i. Paul Löwy, 1879 Königsberg –1939 Esterwegen)

8119 „MON FILM: BAL MUSETTE au FAUBOURG“ Gouache und Graphit auf festem Maschinenpapier. Um 1930. 34 x 41,2 cm. Unten rechts mit Bleistift betitelt. 900€

Von Heinrich Stinnes finanziell unterstützt, zog Paul Gangolf 1926 nach Paris, wo er an verschiedenen Ausstellungen, u.a. am Salon der Tuileries, teilnahm. Nach 1930, lebte er teilweise in London und Paris und zog 1932 zurück nach Berlin. In der Pariser Schaffens­ periode entstand sicher auch unser Blatt, das Gangolfs cineastische Begeisterung widerspiegelt. Wir danken Dr. Ulrich Luckardt, Ingelheim, und Jan Giebel, Hannover, für die freundlichen Hinweise. Provenienz: Ehemals Privatbesitz Zürich

8120 Indische Musikanten Gouache und Graphit auf festem Maschinenpapier. 1932. 32 x 39,5 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „Gangolf“, datiert und bezeichnet „(London) (Alb. & Vict. Mus.) Ind. Musikanten“. 800€

Paul Gangolf, eigentlich Paul Löwy, war ab 1900 künstlerisch in Berlin tätig, wo er vielfältige Kontakte zu wichtigen Vertretern der aufkommenden Avantgarde, u.a. zu Else Lasker-Schüler oder Wieland Herzfelde hatte. Den Höhepunkt seines Schaffens erreichte er in den 1920er Jahren, als er in Berlin, London und Paris arbeitete und ausstellte. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er verhaftet und 1936 im Konzentrationslager Esterwegen ermordet. Sein von der Außenwelt fast unbemerkter Tod trug dazu bei, dass Paul Gangolf schnell in Vergessenheit geriet. Eine Radierung Gangolfs aus den 1920er Jahren zeigt dasselbe Sujet. Wir danken Dr. Ulrich Luckardt, Ingelheim, und Jan Giebel, Hannover, für die freundlichen Hinweise. Provenienz: Ehemals Privatbesitz Zürich

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8119

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kurt lehmann

(1905 Koblenz – 2000 Hannover)

8121 Knabenkopf Bronze mit dunkelbrauner Patina. 1937. 27 x 21 x 21 cm. Auf der Rückseite der Plinthe signiert „Kurt Lehmann“, datiert und mit dem Gießerstempel „GUSS RICH. BARTH BLN MARIENDORF“. 1.800€

Kurt Lehmann studierte 1924-1929 an der Staatlichen Kunstakademie Kassel, in der Klasse von Alfred Vocke. Bereits 1929 folgte die erste Ausstellung des Bildhauers im Kunstverein in Kassel und 1930 ein Staatsstipendium an der Villa Massimo in Rom. Anfang

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der 1930er Jahre hielt sich der Künstler in Berlin auf, wo er in Kontakt zu Werner Gilles, Gerhard Marcks, Gustav Seitz und Hermann Blumenthal stand und an den Ausstellungen der Berliner Sezession und des Deutschen Künstlerbundes teilnahm. In den Nachkriegsjahren übernahm Lehmann 1949 eine Professur an der Technischen Hochschule Hannover (bis 1969), wo er den Lehrstuhl für Modellieren innehatte. Der mehrfach ausgezeichnete Künstler erhielt zahlreiche Aufträge zur künstlerischen Gestaltung öffentlicher Bauten und Plätze, unter anderem fanden seine Arbeiten Eingang in das Stadtbild von Hannover. Der kleine Knabenkopf, mit seinen zarten Gesichtszügen, wurde mit klaren, reduzierten Linien ausmodelliert. Prachtvoller Guss mit homogener Patina.


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max peiffer-watenphul (1896 Weterling – 1976 Rom)

8122 Stilleben mit Blumenvasen und Pralinenschachtel Öl auf Leinwand, doubliert. 1930. 65 x 78 cm. Watenphul/Pasqualucci G 153. 10.000€ In seinem ebenso feinsinnig wie präzise gemalte Stilleben stellt Peiffer-Watenphul die Bildgegenstände in einer zarten, schwebenden Komposition zusammen und setzt sie zugleich klar voneinander ab. Heitere, lebendige Nuancen von Rot, Blau und Grün und pastose weiße Lichttupfen stehen auf einem flirrenden, fein differenzierten hellen Grund und lassen das Gemälde sprühen vor Lebensfreude und Sensibilität. Die Entstehung des Gemäldes fällt in die Zeit zwischen 1927 und 1931, als der Künstler Lehrer für allgemeinen künstlerischen Entwurf an der Folkwangschule in Essen

war. Mehrere Aufenthalte in Berlin und Reisen nach Paris, wo er sich u.a. mit der Fotografin und Malerin Florence Henri traf, folgten. Das vorliegende Werk, das sich in der Sammlung der Fotografin Florence Henri befand, ging wohl in dieser Zeit in ihren Besitz über und belegt Peiffer-Watenphuls regen Austausch mit Künstlerkollegen aller Gattungen. Das Gemälde ist auf einer Fotografie „Composition“ von Florence Henri aus dem Jahr 1937 als Teil eines komponierten Stillebens auf einem Balkon zu sehen. Provenienz: Galleria Martini & Ronchetti, Genua (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite, dort bezeichnet, datiert und betitelt) Florence Henri, Paris Dorotheum, Wien, Auktion 18.05.2011, Lot 958 Privatsammlung Italien 117


8123

jacques boonen

(1911–1968, Antwerpen)

8123 „Kermis“ (Der Jahrmarkt) Radierung und Kaltnadel auf Velin. Um 1930. 66,3 x 72 cm (73 x 78 cm). Signiert „Jac Boonen“ und betitelt. 1.800€

Der Graphiker Jacques Boonen wurde bei Jules de Bruycker an der Antwerpener Akademie ausgebildet. Sein druckgraphisches Schaffen besticht durch seine ungeheure Expressivität und zeichnerische Dynamik. In den 1930er Jahren schuf Boonen eine Reihe von großformatigen Radierungen, die dem kopflosen Treiben und der Vergnügungsssucht einer außer Rand und Band geratenen Menschheit gewidmet sind. Ikonographisch stehen diese moralisierenden Darstellungen in der Tradition großer flämischer Vorgänger des 15. und 16. Jahrhunderts wie Hieronymus Bosch und Pieter Brueghel. Prachtvoller Druck des großformatigen Blattes mit kleinem Rand.

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8124

franz lenk

(1898 Langenbernsdorf/Vogtland – 1968 Schwäbisch-Hall)

8124 Häuser in winterlicher Landschaft Aquarell mit Deckweiß auf leichtem Karton. 1930. 22,6 x 29,4 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „F. Lenk“ und datiert. 1.200€

Dargestellt ist die ländliche Ansicht zweier Häuser in winterlicher Landschaft. Das Aquarell zeigt ein sehr typisches Erscheinungsbild von Lenks Landschaftsstil. Die Kombination aus weiter Landschaft und dörflicher Architektur verdichtet sich zu einer stim­ migen Komposition. Franz Lenk zählt mit seinen Landschafts­ gemälden und Stilleben zu den wichtigen Vertretern der Neuen Sachlichkeit der 1920er und 1930er Jahre in Deutschland. Provenienz: Privatbesitz Berlin 119


8125

gustave buchet

(1888 Etoy – 1963 Lausanne)

8125 Nu nacre, draperie bleue Öl auf Leinwand. 1934. 73 x 54 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „G. Buchet“ und datiert. 15.000€ Der in Genf an der Ecole des Beaux-Arts ausgebildete Künstler Gustave Buchet war Gründungsmitglied einer Gruppe Westschweizer Künstler, nämlich der 1915 in Genf ins Leben gerufenen Künstlervereinigung „Le Falot“ (Die Laterne), die sich vom Einfluss des damals tonangebenden Ferdinand Hodler und des Postimpressionismus zu befreien suchten. Buchet, zeitlebens auf der Suche nach neuen formalen Lösungen, orientierte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Richtung der Pariser Avantgardebewegungen, ging in

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die französische Hauptstadt und ließ sich dort in der Zwischenkriegszeit nieder. Dort dominierten in der künstlerischen Avantgarde der Jahre 1910-1920 Kubismus, Futurismus und Orphismus. Begeistert von der blühenden Kunstszene der Stadt, griff Buchet auf diese stilistischen Neuerungen zurück, entwickelte aus diesen Impulsen heraus bemerkenswerte Kompositionen. Wir danken Paul-André Jaccard, Lutry, für die Bestätigung der Authentizität am 19.4.2022. Provenienz: Nachlass des Künstlers Paul Vallotton, Lausanne, 1973 (mit dessen Klebeetikett verso auf dem Keilrahmen, dort mit der Nummer „6685 C.“ sowie bezeichnet und betitelt) Koller Auktionen, Zürich, 1974 Germann Auktionen, Zürich, 1979 Dobiaschofsky, Zürich, 7.5.2010, Lot 216 Privatsammlung Europa


8126

alice bailly

(1872 Genf – 1938 Lausanne)

8126 „Au bord du ruisseau“ Öl auf Leinwand. 1926-27. 43 x 58,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Alice Bailly“, verso auf der Leinwand mit Papieretikett, darauf mit Feder in Schwarz betitelt und mit Buntstift in Rot mit der Nummer „102“ (zum Teil berieben). 10.000€

Eine fast paradiesisch wirkende Szene: Versteckt im Wald hat sich eine Gruppe anmutiger, unbekleideter Frauen um einen Bachlauf versammelt. Alle Figuren sind in ihre Tätigkeit versunken, genießen angelnd, schmausend und im Gespräch den sommerlichen Tag, ungestört und fernab der Zivilisation. Die in Braun- und Grüntönen gehaltene Komposition zeigt deutliche kubistische Einflüsse. Die Schweizerin Alice Bailly, die in Genf die Ecole des Beaux-Arts be-

suchte, ließ sich ab 1904 für längere Zeit in Paris nieder. Dort pflegte die Künstlerin Freundschaften mit zahlreichen Künstlerkollegen, u.a. mit Francis Picabia, Raoul Dufy, André Lhote und Kees van Dongen. Ihr eigenständiger, lyrisch-bewegter Stil wird in dieser Zeit durch die vielseitige künstlerische Umgebung stark beeinflusst und geformt. Ab 1923 bezog Bailly einen festen Wohnsitz in Lausanne, behielt aber bis 1932 ihr Atelier in Paris bei. Einer breiten Öffentlichkeit wurde ihr Werk erst in der 1970 im Museum Winterthur abgehaltene Ausstellung „Kubismus, Futurismus und Orphismus in der Schweizer Malerei“ bekannt. Wir danken PaulAndré Jaccard, Lutry, für die Bestätigung der Authentizität am 25.4.2022. Provenienz: Dobiaschofsky, Bern, 23.05.2008, Lot 215 Privatsammlung Europa 121


alfred kubin

(1877 Leitmeritz/Böhmen – 1959 Wernstein)

8127 „Aus dem kaiserlichen Wien“ Bleistift auf Velin. Um 1935. 30 x 23,5 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „AKubin“, unten links betitelt. 900€

Lebendige Caféhausszene mit Musikanten, im Vordergrund hinkt ein bärtiger alter Mann aus dem Bild (vgl. W. Schmied/A. Marks, Der Zeichner Alfred Kubin, Salzburg 1967, Tafel 141). In lockerem Duktus und Kubins charakteristischen, vielfach nebeneinanderliegenden Konturlinien ausgeführte Zeichnung. Verso eine weitere Bleistiftkomposition Kubins zu demselben Thema.

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josef floch

(1894 Wien – 1977 New York)

8128 Wartendes Modell mit Hund Kreide in Schwarz und Blau auf Skizzenpapier. 1930. 38 x 26 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „J. Floch“. 1.500€

Die charakteristische stille Zeichnung aus Josef Flochs Pariser Zeit entstand als Studie zu seinem Gemälde „Wartendes Modell mit Hund“ (Pallauf 190). In der Gemäldefassung, die kompositorisch weitgehend mit unserer Zeichnung übereinstimmt, ersetzt Floch den Stuhl im Vordergrund jedoch durch einen Polstersessel. Wie meist in Flochs Werk, so bildet auch hier die menschliche Figur mit ihrer Umgebung, dem Innenraum, eine dichte Einheit. Die Dar­ gestellte scheint in Gedanken versunken, voller Einsamkeit und Melancholie. Flochs Hauptaugenmerk liegt darauf, die Stimmung darzustellen. 1925 notiert der Künstler im Tagebuch: „Das Figurale ist es vor allem, das langsame daran. Entwicklung entscheidet. Höchste reinste Form. Ausdruck, der davon hervorwächst. Einfachste Farbe, der Raum gibt klare einfachste Zeichnung, die flächenhaft bleibt und einen völligen, in sich geschlossenen ruhigen Rhythmus gibt. Form: Geisterlebnis“ (zit. nach: Karl Pallauf, Josef Floch, Leben und Werk 1894–1977, Wien 2000, S. 45). Verso eine weitere Skizze von Josef Floch.

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8128


8129

leo von könig

(1871 Braunschweig – 1944 Tutzing)

8129 Südliche Landschaft Öl auf Leinwand. 50 x 60 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „L. v. König“. 4.500€

Mit harmonischer Palette von Grün, Rosa und Ocker komponiert der Künstler in abgetöntem Kolorit die Szenerie einer weiten süd­lichen Landschaft mit Kloster oder Kirche im Mittelgrund, mit duftig-lockerem Duktus gemalt. 1896 debütierte Leo von König

auf der Großen Berliner Kunstausstellung. In diesem Jahr noch wurde er Mitglied der Münchner Sezession, und 1902 trat er der Berliner Sezession bei. Wie auch Emil Nolde und Max Beckmann hielt Leo von König jedoch die Künstlervereinigung bald für reformbedürftig und forderte 1910 eine „freie Vereinigung, freie Künstler, freie Worte“. Da seine Vorschläge vom Vorstand radikal abgewiesen wurden, trat er aus. Diese Entscheidung trug schließlich entscheidend zur Gründung der „Neuen Sezession“ bei. Die nach verso umgeschlagenen Leinwandränder zeigen, dass es sich bei dem Gemälde um den Teil einer größeren Komposition handelt. Das Gemälde ist Dr. Alexandra Bechter, Wiesbaden, bekannt. 123


8130

fritz winter

(1905 Altenböge – 1976 Herrsching/Ammersee)

8130 Abstrakte Komposition Aquarell und Pinsel in Schwarz auf handgeschöpftem, schwerem Japan. 1929. 43 x 29,5 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz monogrammiert „FW“ und datiert. Nicht bei Lohberg. 3.000€

Eindrucksvolle Arbeit aus dem Frühwerk Fritz Winters, entstanden während seiner Studienzeit am Bauhaus in Dessau, wo Winter nach den Vorkursen zumeist bei Klee lernte, viel frei malte und experimentierte und sich an Aufführungen von Schlemmers „Triadischem Ballett“ beteiligte. Zart und pastellartig verschwimmen die wolkigen Farbflächen aus Rot- und Gelbtönen hinter dem ausdrucksstarken Gerüst schwar-

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zer, zeichenhafter Formen. Die Komposition erzielt durch den wässrigen Farbauftrag einen träumerisch-fließenden Eindruck. „In der Aquarelltechnik sind wenige Arbeiten vorhanden. Sie stammen alle aus dem Jahr 1928 (...) Der Strich ist bewegt, ausdrucksvoll und nicht sensibel, wie er in einer differenziert angewandten Aquarelltechnik wirken kann. Die Zeichnung ist ‚alla prima‘ in einem Arbeitsgang entworfen, Gelb, Blau oder Rot werden nur schwach kolorierend eingesetzt.“ (Gabriele Lohberg, in: Fritz Winter. Leben und Werk, München 1986, S. 37). Provenienz: Sammlung Ströher Galerie Rudolf, Heidelberg Privatbesitz Berlin Galerie Bassenge, Berlin, Auktion 112, 01.12.2018, Lot 8354 Privatbesitz Sachsen


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fritz winter

8131 Komposition in Braun, Braunschwarz und Elfenbein mit hellblauem Fluchtpunkt Öl auf Japan, auf braunes Bütten montiert. 1932. 37,7 x 49,8 cm. Unten rechts mit Pinsel in Weiß signiert „Winter“ und datiert. Nicht bei Lohberg. 5.000€

Malgrund. Der kleine helle Kreis dient als Zentrum dieser Konstruktion und wirkt weiter abstrahierend. Die gedeckte, dunkeltonige Farbigkeit, geprägt von Helldunkelkontrasten und der Materialwirkung der Farben, erzeugt „eine geheimnisvoll-nächtliche Atmosphäre mit meditativ-stimmungshaften Klangwelten.“ (Gabriele Lohberg, Fritz Winter. Leben und Werk, München 1986, S. 53). Wir danken Helga Gausling, Fritz-Winter-Haus, Ahlen, für die freundlichen Hinweise.

Biomorphe Variationen des Grundmotivs einer geschlossenen zweipoligen Form mit einem Kreis als Zellkern setzt Fritz Winter im Jahr 1932 vielfach um. Hier wandelt er das strenge Oval ab und löst sich von seinem ehemaligen Vorbild Hans Arp. Weiche, einander überschneidende Ovalsegmente und Linienschlingen bilden das Grundgerüst in glänzendem Schwarz vor grau-differenziertem

Provenienz: Sammlung Naum Gabo Florian Sundheimer Kunsthandel, München (mit dessen Klebe­ etikett auf der Rahmenrückseite, dort bezeichnet und mit der Inv.-Nr. 2084 sowie mit Provenienzangabe) Privatsammlung Europa 125


fritz winter

8132 Ruhig Farbkreiden und Öl auf Velin, auf Leinwand kaschiert. 1952. 50,3 x 70,2 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „fwinter“ und datiert. Lohberg 1294. 18.000€

Ein hauchfeiner roter Schimmer blinkt am Rande des schwarzen Kreises hervor und verleiht dem Dunkel einen gewissen Zauber. Der schwarze Kreis und tiefblaue, breite, linear geschwungene Kreidestrukturen schweben auf einem nur dezent modellierten graubraunen Untergrund. Schwarz, Grüngrau und Blau dominieren den farbigen Ausdruck. Stumpfe, kreidige Linien liegen dick auf glänzenden Flächen. Breite, eher trockene Pinselwische stehen neben dynamisch geführten, schwingenden schmaleren Liniengefügen. In feiner Balance stehen die beiden kompositorischen Zentren des Bildes, der schwarze Kreis und die blauen Bogenfor-

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men, nebeneinander und erzeugen ganz unterschiedliche Arten von Räumlichkeit und von Dynamik: Ruhepol und Bewegungs­ impulse kommunizieren miteinander. Eine schmale schwarze Ein­fassungslinie gibt der Komposition Halt. Die Zufälligkeit der gestischen Malerei genügte Winter nicht: „Die Befreiung des inneren Ausdrucks durch das unbewusst Gestaltende wird ergänzt von dem künstlerischen Bewusstsein einer formalen Ordnung.“ (Lohberg S. 78). Den informell-großzügigen Malgestus führt er in abstrakten Formen, unermüdlich experimentierend, zu einer ebenso von persönlichem Ausdruck getragenen wie unsentimentalen Komposition von herausragender bildnerischer Qualität. Provenienz: Baukunst-Galerie, Köln (mit deren Klebeetikett verso) Van Ham, Köln, Auktion 01.12.2011, Lot 233 Privatbesitz Sachsen


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salvador dalí

(1904–1989, Figueres)

8133* Aus: Les Chants de Maldoror Heliogravure mit Kaltnadel auf Velin. 1934. 22 x 17 cm (33 x 25 cm). Auflage 60 Ex. Michler/Löpsinger 25 b (von d). 1.500€

Blatt 15 der insgesamt 44 Blätter umfassenden Folge „Les Chants de Maldoror“, Exemplar von der beschnittenen Platte. Erschienen in dem gleichnamigen Buch mit Texten von Lautréamont von 1869. Die Gesamtauflage sollte ursprünglich ca. 200 Exemplare umfassen, von denen jedoch aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten des Herausgebers Skira nur 40 auf Japan und 60 auf Arches gedruckt wurden; erst 40 Jahre später wurde der Druck der 200er Auflage von Pierre Argillet nachgeholt. Prachtvoller Druck mit leicht zeichnender Facette, mit dem vollen Rand, unten mit dem Schöpfrand.

8133

endre nemes

(1909 Pécsvárad – 1985 Stockholm)

8134* Two Mannequins Kohle auf Velin. 1936. 31,5 x 35,5 cm. Unten links mit Kohle (schwer lesbar) signiert „E. Nemes“ und datiert. 2.400€

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Endre Nemes studierte an der Akademie der Bildenden Künste Prag. Die erste Ausstellung seiner Kunst fand, zusammen mit Jacob Bornfriend, in der Galerie Dr. Feigl in Prag im Jahr 1936 statt. Zu dieser Zeit, in der seine Kunst noch vom Surrealismus geprägt war, entstand die vorliegende Zeichnung, in der die Figuren als Teil eines Mechanismus, wie Maschinen, erscheinen. Im Jahr 1938 emi­grierte Nemes nach Helsinki, 1940 zog er endgültig nach Schweden.


8135

thorvaldur skúlason (1906 Borð ðeyri – 1984)

8135 Ohne Titel Farbige Ölkreiden auf Velin. 14,3 x 22,5 cm. Unten rechts mit Feder in Braun signiert „Þ Þ. Skulason“. 2.000€

Die komplexe Komposition konstruiert mit weich geschwungenen Linien eine isländische Landschaftsszene. Skúlason gilt als der einer der Pioniere der abstrakten Kunst in Island. Seine Ausbildung erhielt er ab 1921 in Reykjavík bei Ásgrímur Jónsson, dann an der Universität der Künste in Oslo. 1931 zog er nach Paris, 1933 nach Kopenhagen und 1934 erneut nach Frankreich. Er stand anfangs unter dem Einfluss des französischen Kubismus, den er in den 1940er Jahren in Frankreich kennenlernte. So finden

sich in seinen frühen Arbeiten Stilelemente von Picasso und Matisse. Nachdem Þorvaldur Skúlason 1940 aus Frankreich nach Island zurückgekehrt war, konzentrierte er sich auf Themen und Ausdrucksformen, die mit der isländischen Natur Kultur verbunden sind. Immer wieder bringt der Künstler verschiedene Perspektiven der internationalen Avantgarde mit stark isländisch geprägten Merkmalen in Einklang. Im Herbst 1943 fand in der Galerie Listamannaskálinn eine bedeutende Ausstellung seiner Arbeiten, zusammen mit Gunnlaugur Scheving, statt. Die größte Sammlung seiner Werke befindet sich im Besitz des Kunstmuseums der Universität von Island. Provenienz: Privatsammlung Süddeutschland 129


8136

werner heldt

(1904 Berlin – 1954 San Angelo/Ischia)

8136 Blick aus einem Fenster auf Berliner Stadtkulisse Pinsel in Schwarz auf Velin. 1947. 31,4 x 45,2 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert (ligiert) „WH.“ und datiert. Seel 452. 3.000€

Mit vereinfachten, geometrisierten Formen zeichnet Werner Heldt die Szenerie. Aus leicht erhöhter Perspektive wird das Abbild einer Berliner Stadtkulisse sichtbar. Mit der schmucklosen und nüch­ ternen Formensprache lässt Heldts Zeichnung die Stadt zu einem Stilleben werden. „Werner Heldt erfährt das Berlin von 1945 als existentiellen Ort, an dem deutsches Schicksal sichtbar wird. Vielleicht konnten Ruinen und Trümmer, das Zerstörte und das in der Zerstörung Gebliebene tatsächlich nur hier so kühl, so unsentimental gemalt werden wie in der Reihe der Fensterausblicke zwischen 1945 und 1950.“ (Wieland Schmied in: Werner Heldt, Köln 1976, S. 62). Provenienz: Privatbesitz Berlin

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8137 Straße mit Baum und Guitarre Kohle auf Bütten. 1950. 62,4 x 47,5 cm. Unten rechts mit Kohle monogrammiert „WH“ und datiert, verso signiert von Eberhard Seel und mit dem Nachlaßstempel „Werner Heldt Nachlass“. Seel 675. 4.000€

Während im Hintergrund die Realität einer Berliner Straßenszene abgebildet wird, formiert sich im Vordergrund der aus klaren geometrischen Linien und zweidimensionalen, flachen Formen bestehenden Komposition die gegenständliche und zugleich abstrahierte Darstellung einer Gitarre. Gitarre und Häuserkulisse bilden ein einer fortschreitenden Abstraktion unterliegendes Stilleben. „Sicher hat Werner Heldt diese Bildform nur durch die Kenntnis des Kubismus erreichen können. Aber jedes formale Stilmittel erfährt bei ihm sofort eine besondere Interpretation.“ (Wieland Schmied in: Werner Heldt, Köln 1976, S. 55). In dieser Zeichnung tritt die Melancholie der leeren Straßen und der unbelebten Häuserfronten klar und unausweichlich in den Vordergrund. Provenienz: Nachlass des Künstlers Privatbesitz Berlin


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8138

werner heldt 8138 Berlin 6 Lithographien auf festem Velin. Lose in lithographiertem Orig.-Umschlag. 1949. 42 x 29,8 cm. Sämtlich monogrammiert „WH“ und datiert. Auflage 110 num. Ex. Seel 629-635. 2.000€ 132

„Ich habe in meinen Bildern immer den Sieg der Natur über das Menschenwerk dargestellt. Unter dem Asphaltpflaster Berlins ist überall der Sand unserer Mark. Und das war früher einmal Meeresboden. Aber auch das Menschenwerk gehört zur Natur. Häuser entstehen an Ufern, welken, vermodern. Menschen bevölkern die Städte, wie Termiten. Kinder spielen gerne mit Wasser und Sand; sie ahnen vielleicht noch, woraus so eine Stadt gemacht wurde.“ (Werner Heldt: „Aufzeichnungen eines Malers“, in: Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin 1968). Die vollständige Folge der Mappe „Berlin“, erschienen in der Edition Seel, Berlin 1949. Prachtvolle Drucke mit Rand. Als vollständige Folge selten.


8139

werner heldt

8139 Traum: Heiliger Satan hilf Kohle auf Velin. Um 1930. 44,5 x 33,5 cm. Verso mit dem Nachlaßstempel „Werner Heldt Nachlass“, von Eberhard Seel signiert, datiert, betitelt und bezeichnet. Seel 217. 1.800€ Werner Heldt, aufgewachsen im alten Berlin, war voller Bewunderung für die Berliner Milieudarstellungen seines Freundes Heinrich

Zille, der ihn anfangs stilistisch sehr beeinflusste. In unserer in energischem Kohlestrich und dynamischem Schwung erfassten Häuseransicht handelt es sich vermutlich um eine Ansicht aus der Gegend zwischen Kloster-, Waisen- und Parochialstraße. Bei der Kirchturmspitze im Hintergrund könnte es sich um die alte Paro­ chialkirche mit Glockenspiel handeln, die 1944 einem Luftangriff der Allierten zum Opfer fiel. Provenienz: Nachlass Eberhard Seel Privatbesitz Berlin 133


8140

lou albert-lasard

josef hegenbarth

8140 Nature Morte avec Poisson Öl auf Leinwand. 45,5 x 55 cm. Verso mit dem Nachlaßstempel „Lou Albert-Lasard“ und mit der Nachlassnummer „295“ sowie mit den Maßangaben.

8141 „Pferd und Clowne“ (Zirkusszene) Leimfarbe auf festem Velin. Um 1940. 37,3 x 47,8 cm. Oben rechts mit Feder in Schwarz signiert „Josef Hegenbarth“, verso betitelt sowie mit dem Stempel „Hegenbarth Sammlung Ulrich Zesch“ und dem Adreßstempel von Josef Hegenbarth, dort mit der Werknummer. Zesch B IV 510.

(1891 Metz – 1969 Paris)

1.500€

Tierdarstellungen liegen der Künstlerin. Selbst dem toten Fisch widmet sie sich mit Liebe: Mit lockerem Duktus des breiten Pinsels und lebendigem Farbenspiel fängt Albert-Lasard das Schimmern des Fischkörpers ein, der neben halbierten Zitronen auf dem von oben gesehenen Teller liegt. Der unbestimmte Hintergrund unterstreicht das harmonische Kolorit. Obwohl Albert-Lasard fest zur Künstlerszene in Berlin gehört hatte, kehrte sie 1928 aufgrund des aufkommenden Nationalsozialismus wieder zu ihrer künstlerischen Wirkungsstätte Paris zurück. Dort wandte sie sich intensiv der Darstellung von Tieren zu. Provenienz: Lempertz Köln, Auktion 04.06.2002, Lot 6 Privatsammlung Paris

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(1884 Böhmisch-Kamnitz – 1962 Dresden)

5.000€

Für Hegenbarth war die Welt des Zirkus wohl von besonderer Fas­ zination. „In der ganz eigenwilligen, von der übrigen Welt abgetrennten Zirkusatmosphäre war für einige Stunden alles das in quirlendem Leben vereint, was der Zeichner sonst von überallher zusammentrug und auf dem Papier einfing (...).“ (Hans A. Halbey, Zeichnen im Zirkus, in: Der Illustrator. Josef Hegenbarth 1884-1962. Zeichnungen, farbige Blätter, Grafiken und illustrierte Blätter, Ausst.-Kat. Klingspor-Museum Offenbach, 1987, S. 67). Verso eine weitere unvollendete Zeichnung des Künstlers, „Tanzpaar“, um 1925, bezeichnet von Johanna Hegenbarth „Im Zirkus“. Das Wvz. der Handzeichnungen Josef Hegenbarths von Ulrich Zesch online eingesehen am 10.03.2022. Provenienz: Um 1941 Privatbesitz Ellen Panse Nach 1975 Privatbesitz Seit 2018 Privatbesitz Baden-Württemberg


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josef hegenbarth

8142 Sitzender Akt Pinsel in Schwarz auf Velin. Um 1954. 34,1 x 38,5 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Josef Hegenbarth“. Zesch D II 836. 800€

Mit klaren, energetischen und charakteristischen Konturlinien erschafft Hegenbarth auch in dieser formatfüllenden Aktzeichnung Dramatik, Bewegung und Raum mit nur wenigen Strichen. Verso eine weitere verworfene Zeichnung des Künstlers, „Sitzender weiblicher Akt“, bezeichnet „Mannheim Akt“, 1954. Das Werkverzeichnis der Handzeichnungen Josef Hegenbarths von Ulrich Zesch wurde online eingesehen am 30.03.2022.

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renée sintenis

(1888 Glatz – 1965 Berlin)

8143 Terrier Bronze mit dunkelbrauner Patina auf Bronzeplinthe. 1940. 8 x 11 x 4,5 cm. Hinten rechts auf der Plinthe monogrammiert „RS“, seitlich mit dem Gießerstempel „H.NOACK BERLIN“. Berger/Ladwig/Wenzel-Lent 171, Buhlmann 106. 5.500€

„Die Terrier, die von den zwanziger Jahren bis in die späteste Schaffensphase der Künstlerin immer wieder neue Gestalt finden, sind in der formalen Interpretation kaum unterschieden. Die Tiere sitzen (Kat. 94 und 95), liegen (Kat. 96 und 109), stehen (Kat. 99 und 106), spielen (Kat. 96, 101 und 102), oder kratzen sich (Kat. 106 und 107), wie Renée Sintenis es täglich bei den eigenen Hunden beobachten kann.“ (Britta E. Buhlmann, Renée Sintenis. Werkmonographie der Skulpturen, S. 74). Buhlmann betitelte unsere Bronze mit „Sich kratzender Airedaleterrier“ (Buhlmann 106). Mit der bewegten Haltung und dem lebendig gestalteten Fell erhält der Guss eine dynamische, lebensechte Ausstrahlung.

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george grosz (1892–1959, Berlin)

8144 Ohne Titel (Erotische Szene) Öl auf Velin. Um 1940. 59,4 x 46,2 cm. Verso mit dem Nachlaßstempel und der Nachlassnummer „UC-335-32“. 20.000€

Seit Ende der 1930er Jahre arbeitete George Grosz in den USA ver­stärkt an seinem erotischen Werk, das teilweise hart an der Grenze zum Pornographischen liegt und aus damaliger Sicht schlicht ungeheuerlich war. Es stieß natürlich in der amerikanischen Gesellschaft auf breite Ablehnung und wurde lange Zeit in stillschweigender Zensur ausgespart. Für die am Puritanismus geschulten Augen des Durchschnittsamerikaners ist es eine unhaltbar provokante Darstellung: In barocker Fleischlichkeit wendet die auf allen vieren kniende Frau dem Betrachter ihr entblößtes Gesäß zu. Fast ausschließlich in sinnlichen Rosa- und Braunschattierungen malt Grosz das Modell vor grünem Hintergrund. Mit sensibel geschwungenem Duktus modelliert der Künstler die Rundungen des weiblichen Körpers. Es ist die pure Lust am Dasein, die Grosz hier malt. Verso eine weitere Zeichnung des Künstlers, „Frauenakt mit Goldfischglas und Kescher“. Die Authentizität der Arbeit wurde von Ralph Jentsch, Rom, am 28.08.2008, bestätigt. Provenienz: Galerie Fred Jahn, München Privatsammlung Europa

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george grosz

8145 Erotische Szene Öl, Gouache und Feder in Schwarz auf Velin. Um 1940. 60 x 46 cm. 20.000€

Es ist eine Szene der Enthemmung. Der stehende Frauenakt vorne schließt träumerisch und voll Lust am eigenen Körper die Augen, hinten rechts ist sie umgeben von orgienhaften, erotischen Phantasien, die der Szenerie etwas Phantastisch-Spielerisches verleihen. Der weiße Sonnenhut, den die junge Frau trägt, unterstreicht ihre Nacktheit und enthält in seiner etwas altmodischen Form zugleich eine ironische Anspielung auf Grosz‘ Figuren der Berliner Zeit. Wie deutlich Grosz diese Figur herausstellen wollte, zeigt sich darin, dass er ihren Körper als einzigen Bildbereich nicht mit dem typischen, gelblich glänzenden Firnis bedeckt. Sensibel fährt er die Rundungen ihres Körpers mit dem Pinsel nach, mit lockerem, zügigem Duktus bringt er die Braun- und Rosanuancen auf den gelblich braunen Grund. „In these pictures, Grosz seems to have become altogether Nietzschean, the maker of an art that was intensely sensual, sexual, and thoughtless. In doing so, he insinuated himself into a masculine modernist tradition as it was conceived by PierreAuguste Renoir, for example, who supposedly claimed to ‚paint with my prick‘.“ (James A. Van Dyke, Torture and Masculinity in George Grosz’s Interregnum, Academia.eu, S. 163). Verso eine weitere Zeichnung von George Grosz, „Schweinekopf mit Zitrone im Maul“. Die Authentizität der Arbeit wurde von Ralph Jentsch, Rom, am 28.08.2008, bestätigt.

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Provenienz: Galerie Fred Jahn, München Privatsammlung Europa 137


8146

hermann max pechstein (1881 Zwickau – 1955 Berlin)

8146 Auf dem Feld Kohle auf Skizzenpapier. 1941. 28,3 x 37,8 cm. Unten links mit Kohle signiert „HMPechstein“ (ligiert) und datiert, verso von Doris Metz Pechstein mit Bleistift bezeichnet „1189 DMP 68“. 4.500€ Pechstein verbrachte von 1927 bis 1944 in dem ehemals abgele­ genen Fischerdorf Rowe, heute ein beliebter Ostseebadeort in der polnischen Wowoidschaft Pommern, jeden Sommer. In dieser unberührten, unverfälschten Landschaft und den arbeitenden Menschen fand er zahlreiche wunderbare Bildmotive. Unsere ausdrucksstarke Kohlezeichnung, die in kraftvollen, dynamischen Strichen mehrere Korngarben festhält, entstand vermutlich während eines Spätsommertages des Jahres 1941. Wir danken Julia Pechstein, Hamburg für die Bestätigung der Authentizität des Werkes am 30.3.2022 per Email und die freundlichen Auskünfte. Provenienz: Nachlass des Künstlers Privatbesitz Berlin

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8147 Bildnis Freda Wermel in gelbem Kostüm Öl auf Hartfaserplatte. Um 1946. 70 x 53,5 cm. Soika 1946/8. 30.000€

Eine anmutige Schüchternheit, vielleicht ein Hauch von Trotz, eine sanfte Skepsis - die junge, aus Honolulu stammende Frau zeigt im Ausdruck mit ihrem zur Seite gewandten Blick unter hochgezogenen Brauen einen reizvollen Kontrast zur Präsenz des effektvoll leuchtenden Gelbgrüns von Kostüm und passendem Hut. Eher wenig repräsentativ sitzt sie also in klassischer Pose auf dem Lehnstuhl, leicht zur Seite gedreht. Vor dem zartblauen Hintergrund gewinnen ihr frisches Inkarnat und die Nuancen von Gelb und Grün zusätzlich an Strahlkraft. Mit breitem Pinsel trägt Pechstein die pastosen Farben kraftvoll und mit Entschiedenheit auf – eine dem Künstler ganz eigene Dynamik des Malens, die ihn ungebrochen bis in sein Alterswerk begleitet. Porträts nehmen neben Landschaften und Stilleben im späten Schaffen von Max Pechstein einen besonderen Platz ein. Im Jahr 1946 malte Pechstein gleich drei Bildnisse von Freda Wermel, alle im Auftrag ihres Ehemanns Dr. Michael T. Wermel, den Pechstein 1946 in Berlin kennenlernte. Der amerikanische Besatzungssoldat


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war damals als Ökonomieprofessor für den Wiederaufbau der Arbeitslosenversicherung nach dem Naziregime zuständig. Nachdem er als Expressionist ersten Ranges, als Mitglied der Brücke und der Neuen Sezession 1937 von den Nazis als „entarteter Künstler“ diffamiert worden war, wirkte Pechstein zu dieser Zeit, seit 1945, als Professor an der Universität der Künste im Westen Berlins. Nach langer Zeit des Schweigens und der Zurückgezogenheit war er also erst kurz bevor er das „Bildnis Freda Wermel“ malte, rehabilitiert worden, und er ergriff die Chance, erneut Einfluss auf die Kunst zu nehmen. Unsere Porträtversion ist die zweite Bildnisvariante, neben dem „Bildnis Freda Wermel in spanischer Tracht“ (Soika

1946/7) und dem „Bildnis Freda Wermel in blauer Bluse“ (Soika 1946/9). Soika zufolge verblieb unsere Fassung damals im Nachlass des Künstlers. So ist wohl die Tatsache zu erklären, dass es unsigniert ist. Die beiden anderen Versionen blieben bis 2016/2017 im Besitz der Dargestellten bzw. ihrer Familie. Provenienz: Nachlass des Künstlers Privatsammlung Norddeutschland Ketterer, München, Auktion 09.06.2012, Los 82 Privatsammlung Europa 139


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rudolf levy

(1875 Stettin – 1944 Norditalien)

8148 Rote Tulpen in Keramikkrug Öl auf Leinwand. 1942. 55,5 x 38 cm. Verso auf der Leinwand mit dem blauen Nachlaßstempel „AUS DEM NACHLASS DES KUENSTLERS R Levy“. Thesing 233. 9.000€

Rudolf Levy studierte in München und war Meisterschüler von Matisse in Paris. Er kehrte 1919 nach Deutschland zurück und bewegte sich im Kreis um den Galeristen Alfred Flechtheim. 1928 wurde er Vorstands- und Jurymitglied der Berliner Sezession und gründete 1929, wohl in Anlehnung an das Matisse-Schüler-Atelier, eine private Malschule am Kurfürstendamm. Seit 1933 erlebte Levy als Emigrant eine Odyssee von Italien, Spanien über New York nach Kroatien und schließlich nach Ischia, wo er sich mit Werner Gilles, Max Peiffer Watenphul und Eduard Bargheer anfreundete. 1943 wurde er in Florenz durch SS-Leute in eine Falle gelockt und starb 1944 in einem Transportzug jüdischer Gefangener nach Auschwitz. Seine Werke wurden 1937 von den Nationalsozialisten bei der Aktion „Entartete Kunst“ in deutschen Museen beschlagnahmt und sind bislang verschollen oder vernichtet. Unser farbenprächtiges Stilleben mit Tulpenstrauß entstand wohl in seiner letzten Lebensstation in Florenz.

Provenienz: Nachlass des Künstlers Privatbesitz Niedersachsen Ausstellung: Hans Purrmann, Rudolf Levy, Oskar Moll, Galerie F.A.C., Frankfurt a.M. 1962, Kat.-Nr. 13 (mit Abb.) Deutsche Maler um Matisse, Heidelberger Kunstverein 1964 (laut rückseitigem Etikett)

lotte laserstein

(1898 Preußisch-Holland – 1993 Kalmar/Schweden)

8149 Weiße Lilien Öl auf Hartfaserplatte. 19 x 24 cm. Oben links signiert „Lotte Laserstein“ (in die feuchte Farbe geritzt). 2.500€

In lockerem Duktus gemalt, erheben sich zwei weiße Lilienblüten vor einem dunklem, braungrünem Grund. Sorgsam gesetzte Pinselstriche modellieren die Blüten und erzeugen eine spannungsvolle Komposition mit eindrucksvollem Helldunkelkontrast. Das Gemälde entstand in Schweden. Dr. Anna-Carola Krausse, Berlin, ist die Arbeit bekannt. Wir danken ihr für wertvolle Auskünfte. 141


jeanne mammen (1896–1976, Berlin)

8150 „Kopf“ Gips, farbig gefasst. 1945–1949. 30 x 16 x 4 cm. Verso mit dem geritzten, Schwarz gefassten Monogramm „JM“ (ligiert) sowie auf Klebeetikett typographisch datiert und betitelt. 12.000€

Mit Hohlräumen und einem Wechsel von Positiv- und Negativformen gestaltet Mammen den Kopf reliefhaft als „Scheibenplastik“. Die reduzierte Bemalung in Rot, Grün und Blau lässt die durch­ brochene Figuration, die sich en face präsentiert, in ihrer maskenhaften Starre zugleich humorvoll und geheimnisvoll-idolhaft wirken. Kaum hatte sich Jeanne Mammen von den Folgen des Ersten Weltkrieges erholt und sich erfolgreich als Künstlerin etabliert, entriss ihr der Zweite Weltkrieg erneut alle äußere Sicherheit: „Keine Fenster, keine Heizung, weder Gas noch elektrisches Licht, keine Lebens-mittel. Bilder, Lithos, Zeichnungen, Möbel zum großen Teil verbrannt, abgesoffen, gestohlen.“ Die Umgebung ihres Berliner Ateliers am Kurfürstendamm 29 glich 1945 einem Trümmerfeld, sie überlebte mit Hilfe von Care-Paketen. Doch die Künstlerin gab nicht auf, konzentrierte sich auf die Arbeit und experimentierte mit neuen Materialien. Die Objekte einer Gruppe von Skulpturen - meist Köpfe - aus Gips, ungebranntem Ton und Wellpappe verbinden stilistisch Vor- und Nachkriegsmoderne. In diesem skulpturalen Schaffensbereich zeigt sie sich beeinflusst von der Avantgarde: Plastiken von Picasso, Henry Moore, den PevsnerBrüdern, Karl Hartung und Mammens Freund Hans Uhlmann haben hinsichtlich des dreidimensionalen Werkes großen Einfluss auf die Künstlerin. Vor allem aber ist ein bedeutender Einfluss der außereuropäischen Kunst zu erkennen, die sie wohl auch durch das Studium der reich bebilderten, von Martin Hürlimann herausgegebenen Zeitschrift „Atlantis: Länder, Völker, Reisen“ (erschienen von 1929 bis 1964 im Atlantis Verlag und dann fusioniert mit der Kulturzeitschrift „Du“) intensivierte. Die ersten zwei Jahrgänge standen komplett in Mammens umfangreicher Bibliothek, und hierin fand sie vielfältiges Bildmaterial zur sogenannten Stam-

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meskunst. „Formale Anregungen kommen von Seiten der Fetische außereuropäischer Naturvölker ebenso wie von der Liebe der Künstlerin zur europäischen Volkskunst. (...) Was für Jeanne Mammens Bilder gilt, trifft auch auf diese plastischen Werke zu: Strenge und Herb­-heit des Aufbaus ist mit einer liebenswürdig verspielten Phantasie gepaart, und das Ergebnis ist reine, lyrische Poesie. Ein Leuchten entfaltet sich vor einem Grund von Schwermut. Zuweilen spielt auch ein Sinn für Komik mit hinein“ (Eberhard Roters, Jeanne Mammen 1890–1976, Berlin 1978, S. 75ff). Zu einem weiteren Aspekt der inhaltlichen Interpretation „dieser ‚Köpfe‘ trägt vielleicht eine Überlegung des Kunsthistorikers Hans Seckel bei. Angesichts der beiden Weltkriege und anderer Katastrophen vertrat er die Auffassung, das Bild des Menschen könne in der Kunst des 20. Jahrhunderts nur mehr in der Form des Clowns oder des Roboters wie­dergegeben werden, wobei dem Clown die Elemente der Melancholie und der Unverbindlichkeit, dem Roboter Brutalität und maskenhafte Anonymität zuzuordnen sind. Jeanne Mammen hat beide ‚Modelle‘ in ihren Plastiken dargestellt (...) In einer Welt, die ihr zum zweiten Mal zerbrach, konnte Jeanne Mammen das Bild des Menschen nur noch maskenhaft, zur Fratze verzerrt, mit viel Zynismus, als leere Ruine und zerstört wie die Häuser nach den Bombennächten darstellen.“ (Gerhard Finckh, Jeanne Mammen. Köpfe und Szenen, in: Ausst.-Kat. Kunsthalle Emden 1991, S. 79). Im Gegensatz zu den posthum gegossenen Bronzeobjekten Jeanne Mammens entstand der vorliegende „Kopf“ zu ihren Leb­zeiten. Das Werkverzeichnis (1997) führt lediglich 22 plastische Arbeiten Mammens auf, von denen sich die meisten Arbeiten in musealem Besitz befin­den; vorliegender Kopf war Döpping/Klünner damals nicht bekannt. Unikat von musealem Rang; Gipsplastiken von Jeanne Mammen sind im internationalen Kunsthandel von größter Seltenheit.

Provenienz: Privatsammlung Hamburg Enkel des Sammlers Privatbesitz Süddeutschland


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thea schleusner

(1879 Wittenberg – 1964 Berlin)

8151 „Johannes auf Patmos“ Öl auf Hartfaserplatte. 130 x 40 cm Seitlich rechts in der Darstellung mit Pinsel in Schwarz signiert „Thea“ und mit Künstlersignet, verso signiert und betitelt. 900€

In leuchtender Farbigkeit, mit pastosem Farbauftrag und weichem Duktus gestaltet Schleusner das biblische Motiv, die Komposition im extremen Hochformat effektvoll vertikal gestaffelt. Thea Schleusner gehört als Malerin zur sogenannten Verschollenen Generation; in jüngster Zeit erfährt ihr bildnerisches Schaffen zunehmende Anerkennung. Sie erhielt ihre Ausbildung an der Damenakademie des Vereins für Künstlerinnen und Kunstfreunde in Berlin und nahm Unterricht bei Curt Stoeving, Franz Skarbina und Reinhold Lepsius. Um 1898 ging sie zwei Jahre nach Paris und besuchte die Académie Colarossi und die Académie Moderne von Eugène Carrière. Von ihrer Wohnung im Kloster Sacre Cœur nahm sie Verbindung zu Auguste Rodin, André Gide und Rainer Maria Rilke auf. In Berlin unterhielt Thea Schleusner später ein Schüleratelier. Ihre Werke wurden zu einem großen Teil während einer Bombennacht im Zweiten Weltkrieg vernichtet. Provenienz: Privatbesitz Berlin

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else hertzer

(1884 Wittenberg – 1978 Berlin)

8152 Zedlacher Paradies Öl auf Leinwand. 1949. 75 x 62 cm. Oben links mit Pinsel in Blassviolett signiert „E. Hertzer“ und datiert. 800€

Kantige Konturen und eine abgetönte, stimmige Farbwahl kennzeichnen Hertzers Gemälde der Osttiroler Berglandschaft aus der frühen Nachkriegszeit. Die Künstlerin erhielt ihre Ausbildung bei dem Sezessions-Mitbegründer George Mosson, an der Akademie der Künste und bei André Lhote in Paris. Ab 1918 war Else Hertzer über mehrere Jahre in den Ausstellungen der Berliner Sezession vertreten. Ihre Bilder wurden gemeinsam mit denen von Käthe Kollwitz, Lotte Laserstein, Marc Chagall und dem gleichaltrigen Karl SchmidtRottluff, mit dem sie eine Künstlerfreundschaft verband, ausgestellt.

otto nagel

(1894–1967, Berlin)

8153 Berliner Matsch Pastell auf gräulichem Bütten, aufgezogen auf Malpappe. 1947. 44 x 34,5 cm. Unten links mit Pastellkreide in Schwarz signiert „Otto Nagel“ und datiert. Schallenberg-Nagel 571.

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1.200€

Mit dem 1934 auferlegten Verbot, im Atelier zu malen, begab sich der Berliner Maler Otto Nagel auf die Straße und machte sie fortan zu seinem „Freiluftatelier“. Als einer der führenden Realisten der 1920er Jahre wurde er nun zum Chronisten der Berliner Stadtlandschaft und machte alte Innenhöfe, verborgene Ecken und Winkel oder einsame Gassen zu seinem Thema. Obwohl unser Pastell zwei Jahre nach Kriegsende entstand, wagte Nagel es kaum, seine Farbpalette aufzuhellen und schildert mit überwiegend gedämpften Farben einen regennassen Herbsttag auf Berlins Straßen. Den Kra­gen bis über die Ohren gezogen, die Hände in der Manteltasche, überquert ein schwarz gekleideter Mann mit Hut die Straße. Weitere Passanten, größtenteils mit Regenschirm, werden nur vage und verschwommen skizziert. Provenienz: Ehemals Privatsammlung Kollow Ausstellung: Otto Nagel/Berlin - Ölbilder, Pastelle, Zeichnungen, Deutscher Kulturbund, Dresden 1947 Das Bildwerk, 1. Ausstellung - Otto Nagel, Kunstamt Berlin-Pankow 1948 Otto Nagel - Werke aus drei Jahrzehnten, Deutsche Akademie der Künste, Berlin 1950/51 Otto Nagel - Betriebsausstellung, Kabelwerk Oberspree Berlin; Deutsche Akademie der Künste Berlin 1964 Otto Nagel, Leben und Werk 1894 - 1967, Gemälde, Pastelle, Zeichnungen, Städt. Galerie Schloß Oberhausen 1987

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bernhard heiliger (1915 Stettin – 1995 Berlin)

8154 Liegende Figur II (Große Gelagerte) Bronze mit goldbrauner Patina. 1949. 25,3 x 65 x 26,8 cm. Unterseitig mit der Stempelsignatur, dem Stempel der Stiftung und dem Gießerstempel „H. NOACK BERLIN“. Vgl. Wellmann 99. 9.000€

Posthumer Guss. Unter den Eindrücken der Nazizeit und den Repressionen gegen moderne Tendenzen in der Kunst studierte Bernhard Heiliger Bildhauerei zunächst in Stettin, später in Berlin. Erst eine kurze Reise nach Paris 1939 brachte ihn in Kontakt mit so prägenden Zeitgenossen wie Constantin Brâncusi und Hans Arp. Nach unterschiedlichen Stationen während des Krieges kehrte Heiliger 1945 nach Berlin zurück, wo er endlich frei von Diktatur und Propaganda seinen eigenen künstlerischen Weg der Moderne einschlagen konnte. Schon früh erkannten Kritiker in Heiligers Werk eine wertvolle Synthese aus Abstraktion und Figuration. Anlässlich seiner

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großen Berliner Einzelausstellung 1950 im Haus am Waldsee, auf der auch ein Guss unserer Figur ausgestellt wurde, bescheinigte man ihm „unter Verzicht auf jede Detaillierung, durch blockartige Zusammenraffung, Reduktion auf Kurven und Spannungen, Herausarbeiten der entscheidenden Umrißlinien eine geballte plastische Intensität“ (K. Albrecht, Gestaltwandel des Menschenbildes, in: Bremer Nachrichten, 15. Februar 1951). Die schwellende Fülle der liegenden Figur, stark abstrahiert mit kleinem Kopf und amorphen Rundungen, bringen ihn auch in die Nähe von Plastiken Henry Moores. Die einheitlich dunkle, goldbraune Patina entspricht in unserem Guß den Vorstellungen des Künstlers von der durchbrochenen Reflexion der glatten Oberfläche. Erst später polierte er seine Bronzen und bezog den Oberflächenkontrast bewusst mit ein. Posthumer Guß neben den vier im Werkverzeichnis aufgeführten Exemplaren. Provenienz: Privatsammlung Europa


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herbert böttger

(1898 Krefeld – 1954 Büderich)

8155 „Insekten und Larven“ Öl auf Leinwand. 1945. 26,5 x 35,5 cm. Oben rechts mit Pinsel in Braun mit dem Künstlersignet „HB“ und datiert, verso signiert „Herbert Böttger fecit“ und auf dem Keilrahmen verso betitelt. 3.000€

Die meisten der Insekten sind bereits präpariert, die kleine Stubenfliege im Vordergrund des Stillebens jedoch ist lebendig und wie zum Spott des Forschers im Begriff, auf das Präparationsbesteck zu klettern. Das mit großer Feinheit gemalte Arrangement in zurückhaltender Tonalität ist charakteristisch für den rheinischen Maler. Böttger, zunächst Vertreter der Malerei der Neuen Sachlich-

keit, malte im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen keine sozialkritischen Themen, sondern bevorzugt Landschaften und vor allem Stilleben. Seine Bilder zeichnen sich durch eine altmeisterliche Mal­weise aus, wirken jedoch durch ihren übersteigerten Realismus zugleich surreal. Man hat ihn daher auch dem Magischen Realismus zugeordnet. Von 1919 bis 1925 besuchte Böttger die Kunstakademie Düsseldorf und studierte bei Heinrich Nauen und Franz Kiederich. Es folgten Studienreisen nach Italien, in die Schweiz und nach Österreich. 1928 wurde er Mitglied der Rheinischen Sezession, zwei Jahre später trat er der Rheingruppe bei. Provenienz: Im Kinsky, Wien, Auktion 23.10.2007, Lot 593 Privatsammlung Europa 147


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8158

william scharff

(1886–1959, Kopenhagen)

8156 Weibliche Akte mit Kind Öl auf Malpappe. 1930. 60 x 86 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „William Scharff“ und datiert. 3.000€

Schräge Strichlagen treffen in verschiedenen Winkeln aufeinander, überlagern sich und formen die Plastizität der Körper in schöner Abstraktion aus. Dabei entstehen geometrisierte Formen, Zersplitterungen und leichte Perspektivverschiebungen, die ein fragmentiertes Raumgefühl erzeugen. Scharff war Absolvent der Zarhtmann-Malschule in Kopenhagen, die einen Gegenpol zur etablierteren und konservativeren Akademie der Schönen Künste darstellt. Er kannte die Kunst der internationalen Avantgarde und hatte die Werke von Kandinsky, Picasso und Cézanne gesehen. Gemeinsam mit Jais Nielsen, Edward Weie, Olaf Rude und Harald Giersing erlangte Scharff große Bedeutung für die Vermittlung der europäischen Avantgarde beim dänischen Publikum. Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland

Scharff, einer der führenden Vertreter des Kubismus in Dänemark, schildert in dem Gemälde den Bau des Gutshofes von Bjerresjöholm, zu dem er offenbar auch Wandgemälde schuf. Nach seiner Ausbildung in Kopenhagen ging Scharff auf Reisen nach Paris, Berlin und Dresden und engagierte sich später, während des Ersten Weltkriegs, in Grønningen, einer neuen Künstlergenossenschaft mit Interesse am Kubismus. Seine kubistischen Tendenzen werden zu dieser Zeit bereits deutlich, während viele seiner Motive auf seiner Erziehung bei seinen Großeltern in der Bauerngemeinde Tisvilde im Norden von Seeland basieren. Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland

hans øllgaard

(1911–1969, Kopenhagen)

8158 Zwei Mädchen im Wald Öl auf Leinwand. 100 x 120 cm. Unten links mit Pinsel in Orange monogrammiert „Ø“. 1.500€

william scharff

8157 Der Bau von Bjerresjöholm Öl auf Leinwand. 1930. 74 x 95 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „William Scharff“ und datiert. 2.400€

Die mit Weiß abgemischten Farben einer in der Tonalität eher kühl gehaltenen Palette vermitteln einen sommerlich-frischen Eindruck, dem die leichten Kleider der beiden Mädchen entsprechen. Die abstrahierende Formensprache ist ebenso typisch für den Malstil Øllgaards wie die Verwendung von Rückenfiguren im Bildvordergrund. Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland 149


willi baumeister (1889–1955, Stuttgart)

8160 Linienzeichen auf Braun Tempera auf festem Velin. 1945. 50,7 x 36,5 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Baumeister“. Beye/Baumeister 1075. 12.000€

Kalligraphische, von der Linie bestimmte Figurationen mit starken Konturierungen und ein sparsamer Einsatz der Farben prägen die Arbeit. Anklänge an Figürliches und abstrakt-zeichenhafte Elemente ergänzen sich in deutlichen Hell-Dunkel-Kontrasten zu einer dichten, prägnanten Komposition auf pastosem braunen Untergrund. Für die Entwicklung von Baumeisters Zeichnungen bis zum Jahr 1945 war seine Beschäftigung mit archaischen Texten und mit der Archäologie bedutsam. Wie auch die anderen im Werkverzeichnis unter dem Titel „Linienzeichen auf Braun“ geführten Varianten ohne Numerierung des Künstlers und, anders als bisher angenommen, nicht in Öl, sondern in Tempera ausgeführt. Provenienz: Nachlass des Künstlers Galerie Fred Jahn, München (dort 2007 erworben) Privatsammlung Europa Literatur: Will Grohmann, Willi Baumeister - Leben und Werk, Köln 1963, WVZ-Nr. 756 (dort betitelt „Linienzeichen auf Braun I“)

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8160 151


8161

arthur degner

(1887 Gumbinnen – 1972 Berlin)

8161 Badende Gouache auf Leinwand, kaschiert auf Hartfaserplatte. Wohl 1948/1949. 100 x 95 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Degner“, verso mit dem Nachlaßstempel. 3.000€ Monumental, nahezu formatfüllend zeigt Degner die Figuralkomposition der Badenden in den für ihn typischen Farben Rot, Blau

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und Grün in spätimpressionistisch expressivem Duktus. Nach seinem Studium bei Ludwig Dettmann in Königsberg zog Degner 1909 nach Berlin, wo er von Max Liebermann und Lovis Corinth gefördert wurde. Schon 1912 konnte er in der Galerie Paul Cassirer ausstellen, später auch bei I. B. Neumann und vor allem bei Ferdinand Möller. Er wurde 1933 von den Nationalsozialisten mit Arbeits- und Ausstellungsverbot belegt, 1939 aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen. Nach Zerstörung seines Ateliers mit 300 Gemälden siedelte er 1943 nach Schlesien über. Nach Kriegsende wurde er von Karl Hofer wieder an die Hochschule für Bildende Künste in Berlin geholt.


8162

albert birkle

(1900 Berlin – 1986 Ostermünchen bei Rosenheim)

8162 Bretonische Küste Öl auf Hartfaserplatte. 1945. 51,5 x 72 cm. Unten rechts mit Pinsel in Rot signiert „A. Birkle“. Kraker 103. 6.000€

Wie ein mitreißender Schwung zieht der Sturm durch das Bild, lässt den roten Schal flattern und ebenso die kleine Flagge am Holzkahn, weht Gischt ans Ufer und treibt dunkle Wolken über die Landschaft der Atlantikküste bei Saint Malo. Der Duktus des weichen Pinsels scheint dem Gang des Windes zu folgen, ihn aufzunehmen und geradezu materiell ins Bild zu bannen. Dem Sujet der Landschaftsmalerei widmet sich Albert Birkle sein ganzes

künstlerisches Leben hindurch, und das leicht Verwehte, die schattenhaften Übergänge, die seine Landschaften kennzeichnen, werden diesem Küstenmotiv in besonderem Maße gerecht. Das Werk wird laut Roswita und Viktor Pontzen, Archiv und Werkbetreuung Albert Birkle, Salzburg, in das in Vorbereitung befindliche erweiterte Werkverzeichnis mit der Nr. 660 aufgenommen. Provenienz: Besitz des Künstlers (bis 1985) Privatsammlung (bis 1987) Galerie Heinze Salzburg Kunsthandel Widder, Wien (dort 2007 erworben) Privatsammlung Europa 153


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paul strecker

(1898 Mainz – 1950 Berlin)

8163 „Die weißen Gartenstühle“ Öl auf Leinwand. 1947. 30 x 65 cm. Unten links mit Pinsel in Grün signiert „Strecker“, verso mit Pinsel in Schwarz datiert, mit dem Nachlaßstempel und auf dem Keilrahmen mit Bleistift betitelt. 800€ Paul Strecker war Bühnenbildner, Maler und Schriftsteller. Bereits bei einem Aufenthalt in München, nach dem Abitur 1915, begann Strecker mit ausführlichen Malstudien. Nach Kriegsende studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in München. Wohl auf

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Anregung von Alfred Flechtheim zog es den Künstler zunächst nach Berlin, wo er an der Kunstakademie studierte und im Januar 1923 bei Cassirer und Flechtheim ausstellte. Im Kreis von Alfred Flechtheim begab sich der Künstler auf Reisen durch den Süden Europas und zog 1924 nach Paris, wo er im Austausch mit Rudolf Levy und Jules Pascin stand. Die drei wesentlichen Motive in Streckers Bildern sind: die Innenräume, meist das Esszimmer des Hauses in Nikolassee oder auch die Terrasse, sowie der Garten mit Personen oder weißen Stühlen. Insbesondere in seinen Gartenbildern findet sich der Einfluss des französischen Impressionismus, wenn auch gepaart mit einer neuen Leichtigkeit und Transparenz.


8165

paul strecker

8164 „Weisse Terrasse“ Öl auf Leinwand. 1949. 45 x 65 cm. Unten mittig mit Pinsel in Grün signiert „Strecker“, verso auf der Leinwand mit Pinsel in Grün datiert und mit dem Nachlaßstempel, auf der oberen Keilrahmenleiste mit Bleistift betitelt. 900€

Bis 1944 lebte Paul Strecker in Paris, von wo aus er diverse Reisen in das europäische Ausland und nach Deutschland machte. Als Frankreich von den Deutschen besetzt wurde, floh Strecker in den Süden und wurde dort von 1939 bis 1941 interniert. Nach Kriegsende bot man ihm 1946 eine Professur an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Berlin an. Das Motiv der MuthesiusVilla und die dazugehörige Terrasse beschäftigen Strecker bis ins Jahr 1949 immer wieder.

paul strecker

8165 Im Wohnzimmer Öl auf Leinwand. 55 x 34 cm. Unten rechts mit Pinsel in Grau signiert „Strecker“, verso mit dem Nachlaßstempel . 800€

Bei diesem Bild ist offensichtlich Streckers Esszimmer dargestellt. Es sind der Kronleuchter und der leere Tisch mit weißer Tischdecke, die als erstes ins Auge fallen, den Übergang bildet eine ebenfalls helle Kommode mit darüberhängendem Spiegel. Den Rahmen bilden die beiden am Tisch sitzenden Personen, der vordere Stuhl und die geöffnete Flügeltür. Die schwingenden Pinselstriche hauchen der Komposition Leben ein, lassen sie luftig und locker erscheinen.

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hans jaenisch

(1907 Eilenstedt – 1989 Nebel auf Amrum)

8166 Berliner Luftbrücke (Variante) 2 Kompositionen recto/verso. Relieftechnik auf braunem Karton. 1947. 51 x 70 cm. Verso unten rechts mit Pinsel in Blau monogrammiert „Jae“. 1.800€

Bedeutende Arbeit aus Jaenischs frühesten Berliner Nachkriegsjahren. Bei der Reliefkomposition in Rot und Blau handelt es sich um eine Variation des Motivs „Berliner Luftbrücke“. Verso eine wei­tere Darstellung: Ein Gerippe hält in beiden Knochenhänden eine kometenartige Steinkugel, ein Fisch kommt angeschwommen, ein Storchenvogel fliegt darüber hin. Das feine, zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion changierende Bild bringt durch seine angenehm nuancierende Farbigkeit eine besondere Wärme hervor. Die in der körnigen Oberfläche modellierte Reliefstruktur verleiht vor allem den Rundungen besonders viel Plastizität, während die schwarzen Skelettknochen tief in die feuchte Farbe geritzt sind. Jaenisch wird 1927 von Herwarth Walden entdeckt und in den Künstlerkreis seiner Galerie „Der Sturm“ aufgenommen. Nach seiner Rückkehr aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft kommt Jaenisch 1946 nach Deutschland und erhält noch in demselben Monat seine erste Einzelausstellung im Berliner Kunstamt Charlottenburg. Zeitgleich unternimmt er den künstlerischen Sprung ins Reliefbild, bei dem die Bildgegenstände vereinzelt werden und so beginnen können, eine Geschichte zu erzählen.

8168

bernhard klein

jean dubuffet

8167 Stiller Hafen Aquarell über Feder auf Bütten. 1950. 24,5 x 29,5 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „BERNHARD KLEIN“ und datiert. Karsch A 58.

8168 Le Ciel étranger Lithographie auf Velin. 1953. 93 x 62 cm (105 x 74,5 cm). Signiert „J. Dubuffet“ und datiert. Auflage 20 num. Ex. Webel 360.

(1888 Hamburg – 1967 Berlin)

1.600€

Ausgebildet an der Staatlichen Landeskunstschule Hamburg, zählte Bernhard Klein zu den Gründungsmitgliedern der Novembergruppe 1918 und machte sich bis zum Berufsverbot durch die National­ sozialisten vorwiegend als Bühnenbildner einen Namen. Anregung erhielt er stets durch seinen älteren Bruder César Klein. Bis zuletzt jedoch stand bei ihm das Gleichgewicht zwischen Form und Aussage im Vordergrund, den Weg der reinen Abstraktion, den auch sein Bruder bestritt, empfand er als Sackgasse. Unsere kleine aquarellierte Federzeichnung besticht duch ihre ausgewogene Komposition und die fein abgestimmte Farbpalette. In beidem zeigt sich Kleins ganze Meisterschaft.

(1901 Le Havre – 1985 Paris)

1.500€

Dubuffet entwickelte für sich das Konzept einer antiintellektuellen Kunst, die er mit „Art brut“ bezeichnete. Diese verteidigte er auch kunsttheoretisch in Texten und Vorträgen, so 1949 in seinem Manifest „L‘Art brut préféré aux arts culturels“. Seine frühen Gemälde sind vom Bildvokabular von Kindern, Naiven, von Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder geistigen Behinderung und gesellschaftlichen Außenseitern inspiriert, die für ihn die Künstler der Art brut sind. Er experimentierte intensiv mit Druckgraphik, insbesondere mit Holzschnitt und Lithographie. Die Lithographien erarbeitete er zuerst in der Werkstatt von Fer nand Mourlot in Paris und richtete sich dann 1958 ein eigenes Atelier ein. Ein präg­ nantes Beispiel für seine Versuche mit der Lithographie ist das in kleiner Auflage von insgesamt lediglich 25 Exemplaren erschienene Blatt „Le Ciel étranger“. Prachtvoller Druck mit dem wohl vollen Rand, unten und oben mit dem Schöpfrand. Selten. Provenienz: Privatsammlung Baden-Württemberg 157


8169

max ackermann

gerhard hoehme

8169 Abstrakte Komposition. Pastellkreide und Graphit auf Papier. 1953. 10,4 x 25,4 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Ackermann“ und datiert. Bayer ACK 2495.

8170 Ohne Titel Pinsel in Schwarz und Gouache auf glänzendem, beschichtetem Velin. 1959. 70 x 50,2 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „GHoehme“ und datiert.

(1887 Berlin – 1975 Bad Liebenzell)

1.200€ Max Ackermann schuf ab 1918 abstrakte Gemälde, malte aber bis in die 1940er Jahre hinein auch figürlich, teilweise gar im Stil der Neuen Sachlichkeit. 1956 berief der Künstlerbund Baden-Würt­tem­ berg Ackermann als Nachfolger des verstorbenen Willi Baumeister in den „Rat der Zehn“. 1957, an seinem 70. Geburtstag, wurde Ackermann vom Kultusministerium in Stuttgart mit dem Professorentitel bedacht. Bekannt wurde Ackermann vor allem durch die abstrakten Darstellungen, die ab den 1950er Jahren entstanden. Unsere Zeichnung zeigt deutlich den Einfluss von Adolf Hölzel, bei dem er in Stuttgart studierte. Wir danken Rudolf Bayer, Bietigheim, für freundliche Hinweise. Provenienz: Privatbesitz Nürnberg

(1920 Greppin – 1989 Neuss)

1.500€

Mit einfachsten Strichen und Überlagerungen erzeugte Gerhard Hoehme den Eindruck von Dreidimensionatlität. Der Künstler hatte sich mit seinem eigenwilligen und vielschichtigen Œuvre ab den 1950er Jahren einer lyrisch-abstrakten Bildwelt verschrieben und damit einen wesentlichen Beitrag zum deutschen Informel geleistet. Jedem seiner Werke ist ein experimenteller Charakter zu eigen. Das Bild definierte sich für Hoehme als Medium, als Durchgangsstation von Prozessen, deren Ende nicht fixiert werden kann. Im Entstehungsjahr der vorliegenden Arbeit wurde Hoehme auf die documenta II in Kassel eingeladen und erhielt nur ein Jahr später den Preis der Villa Massimo in Rom. Es handelte sich für den Künstler um eine Zeit des Umbruchs und auf das rein malerische Frühwerk folgte eine Auseinandersetzung mit dem Bildraum seiner Arbeiten. Zudem entstanden vermehrt skripturale Bilder in Gerhard Hoehmes Werk: Buchstaben, Silben, Worte fanden Eingang in das vielseitige Œuvre, diese Anklänge werden bereits in unserer frühen Arbeit sichtbar. Provenienz: Privatsammlung Baden-Württemberg

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fred thieler

(1916 Königsberg – 1998 Berlin)

8171 Ohne Titel Acryl auf Hartfaserplatte. 1957. 67,7 x 95,5 cm. Unten rechts mit Farbstift in Schwarz signiert „F.Thieler“ und datiert. 12.000€

Die energetische Arbeit zählt zu Fred Thielers Gruppe der sogenannten Spachtelbilder, welche in den 1950er Jahren entstanden und in denen der Künstler experimentierfreudig Farbe und Material erprobte. Mit einem Spachtel wurde die zähe und schnell trocknende Acrylfarbe pastos auf den Bildträger aufgetragen. Der Künstler bewegte sich für diesen Prozess um das Werk herum. Die dadurch entstehende Bewegungsdynamik ließ eine rhythmisierende Komposition entstehen, welche von abrupten Kanten durchzogen wird und in welcher die verschiedenen Malschichten zum Vorschein kommen. In unserer Arbeit durchzog der Künstler abschließend die Farbe mit dem Ende eines Pinselstiels, wodurch die

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flächigen, gespachtelten Partien linear durchbrochen wurden. Die Dynamik der Bildkomposition spiegelt die Auseinandersetzung des Künstlers mit Rhythmus und Bewegung als Mittel der Bildsprengung. „Die bewusst herbeigeführte Ereignishaftigkeit der Bilder ist für Thieler mehr als eine experimentell-sinnliche Lust an der Farbe, am Malprozess - die ungewisse Veränderbarkeit ist Bildthema und Impuls zugleich. Darin offenbart sich Thielers Grundhaltung einer Erkenntnis und Anerkenntnis des steten Wandels des Lebens, der Ungesichertheit der menschlichen Existenz, der momentanen Subjektivität von Erleben und Erfahren“ (Jörn Merkert, in: Fred Thieler. Monographie und Werkverzeichnis, Hrsg. A. Firmenich und J. Merkert, Köln 1995, S. 16). Mit schriftlicher Bestätigung von Sigrid Melchior, Berlin, vom 12.05.2017. Provenienz: Privatsammlung Baden-Württemberg


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ludwig gabriel schrieber (1907 Waldniel – 1975 Nesselwang)

8172 Liegender Kopf Bronze mit goldbrauner Patina. 1950. 17 x 24 x 14 cm. Verso am Unterrand mit Gießerstempel „GUSS BARTH ELMENHORST“. Vgl. Domscheit P 20. 2.100€

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Als studierter Maler begann Ludwig Gabriel Schrieber erst im Alter von 34 Jahren im Kriegslazarett mit der Bildhauerei, die er so überzeugend umsetzte, dass er bereits 1950 den Corneliuspreis der Stadt Düsseldorf in dieser Gattung verliehen bekam. Neben dem zentralen Thema der weiblichen Ganzfigur widmete sich Schrieber seit 1950 auch der plastischen Gestaltung des isolierten Kopfes. Unser Exemplar ist der spätere Abguss eines Holzmodells und nicht nur der früheste in einer Reihe, sondern auch der einzig lie­gende Kopf in Schriebers Œuvre. Die Auflagefläche wird vom abgeflachten Hinterkopf gebildet. Merklich beeinflusst von Arbeiten eines Constantin Brâncusi oder Amedeo Modigliani, verzichtet Schrieber auf jegliche Kleinteiligkeit und individualisierte Merkmale eines Gesichts, sondern stilisiert Mund, Nase und Augen zu geometrischen Körpern, während das Haar ohne jegliche Oberflächengliederung aufliegt und das Gesicht in einer Horizontale nach oben hin abschließt. Prachtvoller Guss mit homogener Patina.

ludwig gabriel schrieber

8173 Spanische Tänzerin Bronze mit dunkelbrauner, teils rötlicher Patina auf Bronzeplinthe. 1966. Ca. 63,5 x 29 x 24,5 cm. Domscheit P 94. 2.500€

Festgehalten ist ein prägnanter Augenblick des Tanzes, die Arme in ihrer Aufwärtsbewegung, der Kopf energisch geradeaus gerichtet. Wie man es kennt vom Flamenco und seiner vielgestaltigen Abwechslung zwischen schnellen Zapateados und langsamen Passagen, schildert Schrieber die Tänzerin in ihrer ganzen körperlichen Anspannung und Bewegung bis in die Fingerspitzen, was der Figur eine reizvolle Allansichtigkeit verleiht. Die doppelten Rüschen des Kleides wirbeln sanft um die Knie. Die lebhaft modellierte Oberfläche zur Ausführung der Stofflichkeit bis in die Rückenpartien, wo der Stoff um Gesäß und Hüften spannt, ist typisch für Schriebers Werke aus dieser Zeit und steht im Kontrast zu den geglätteten Gliedern, besonders der polierten Arme. Prachtvoller, feinzeichnender, teils scharfkantiger Guss mit wirkungsvoller Patina.

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christian schad

(1894 Miesbach – 1982 Stuttgart)

8174 Aufziehender Sturm am Ätna Aquarell, Tempera und Gouache auf CM Fabriano-Velin. 1956. 37,3 x 50,3 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Schad“ und datiert. 8.000€

Wolkenverhangen ist das Tal, rund um den Gipfel des Vulkanes bal­len sich vor blauem Himmel die Wolken und kündigen den drohenden Wetterwechsel an. Der Blick des Malers fällt von oben auf die Szenerie, so dass Bildvorder- und hintergrund noch im klaren, hellen Licht strahlen. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg setzte bei Schad die Phase des „Magischen Realismus“ ein; die Berglandschaft mit aufziehendem Wetter jedoch besticht mit ihrer lockeren Pinselführung und fein differenziertem Kolorit. Reisen führten den Künstler in der Nachkriegszeit nach Tunesien, Frankreich, in die Schweiz und nach Italien, wo die vorliegende Komposition entstand. Provenienz: Privatsammlung Europa 163


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herbert kitzel

(1928 Halle/Saale – 1978 Karlsruhe)

8175 Artisten Öl über Graphit auf Hartfaserplatte. Um 1954/1955. 80 x 61 cm. 8.000€

Herbert Kitzel studierte von 1945 bis 1950 an der Burg Giebichenstein und ist einer bedeutendsten Vertreter des „Halleschen Grau“. Anfang der 1950er Jahre entwickelte er seinen eigenen stets gegenständlich-figürlichen Stil. Artisten, Gaukler, Harlekine sowie melancholische Pierrots waren seine zentralen Bildmotive und lassen an Einflüsse von Picasso, Beckmann und Rouault denken. Tod, Tragik der menschlichen Existenz und Machtlosigkeit des Menschen in der Diktatur spiegeln sich in seinen frühen Werken vor dem Hintergund des staatlich gelenkten Kunstbetriebs wieder. 1958

164

zog er nach Karlsruhe, wo er 1962 eine Professur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste erhielt. Obwohl er große künstlerische Erfolge in zahlreichen Einzelausstellungen in Wuppertal, Darmstadt und München erzielt und 1974 in einer Retrospektive in der Kunsthalle Baden-Baden geehrt wird, bleibt Kitzel das Leben im Westen fremd. Im August 1978 nimmt er sich das Leben. Wir danken Prof. Andreas Franzke, Karlsruhe für die mündliche Bestätigung der Authentizität des Werkes am 6.4.2022 und die freundlichen Auskünfte. Provenienz: Heidi Manthey, direkt vom Künstler erworben Jakob Manthey (in den 1950er Jahren) Privatbesitz Berlin


herbert kitzel

8176 Weibliche Akte Feder in Schwarz, laviert, auf Skizzenpapier. Um 1954/1955. 42 x 29,8 cm. 700€

Monumental, nahezu das gesamte Blatt einnehmend, gibt Kitzel die Gruppe stehender weiblicher Akte wieder. Wir danken Prof. Andreas Franzke, Karlsruhe für die mündliche Bestätigung der Authentizität des Werkes am 6.4.2022 und die freundlichen Auskünfte. Provenienz: Privatbesitz Berlin

frans masereel

(1889 Blanckenberghe – 1972 Avignon)

8177 Docker de face aux bras écartés Gouache auf Canson-Velin. 1949. 48 x 63 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „FM“ und datiert. Vorms 116. 1.200€

Mit schwarzen, festen Umrisskonturen malt Masereel den nackten Oberkörper einer männlichen Gestalt 1949, wohl in Nizza, wo er sich zu diesem Zeitpunkt mit einem festen Wohnsitz aufhält. Der Künstler fand seine Motive und Modelle in den Dockern und Matrosen im Hafen sowie bei deren Frauen. Die muskulöse Gestaltung der nackten Oberkörper, wie sie auch in der vorliegenden Zeichnung zu erkennen ist, bildet ein charakteristisches Merkmal seiner Werke und verweist auf den Arbeiterstatus der Dargestellten.

8176

8177 165


8178

marie-louise von motesiczky (1906 Wien – 1996 London)

8178 In Church, Mexico Öl auf Leinwand. 1956. 51 x 61 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz (später) signiert „M. Motesiczky“, verso bezeichnet „33“ sowie „35.“, später auf Ausstellungsetikett typographisch bezeichnet, datiert und betitelt. Schlenker 144.

als Ort des stillen Gebetes, sondern auch erfüllt von ebenjenem blühenden Leben, das die reisende Künstlerin zuvor auf dem Markt in Toluca so begeistert hatte. Motesiczky gilt mittlerweile als eine der „authentischsten und überzeugendsten figurativen Malerinnen des 20. Jahrhunderts“ (Jill Lloyd, The undiscovered expressionist, New Haven 2005, S. 224). Schlenker zufolge wurde die Signatur von der Künstlerin auf Bitten des späteren Bildeigentümers, anlässlich der Ausstellung im Goethe-Institut, hinzugefügt (Ines Schlenker, Marie-Louise von Montesiczky 1906-1996, New York 2009, S. 268).

Als junge Frau studierte Motesiczky an der Städelschule in Frankfurt am Main bei Max Beckmann, der sie künstlerisch deutlich beeinflusste; er wurde ihr Mentor und war ihr lebenslang freundschaftlich verbunden. 1938 floh sie in die Niederlande, dann weiter nach London. Hier vertiefte sie die Bekanntschaft mit Oskar Kokoschka und wurde Freundin und Geliebte des Dichters Elias Canetti. Die Künstlerin sagte, als Schülerin habe sie von Beckmann gelernt, die Welt mit völlig anderen Augen zu sehen und eine „Stenographie der Wirklichkeit“ auf die Leinwand zu bringen (1964, zit. nach fembio.org, Zugriff 11.04.2022). Im Frühjahr 1956 hielt sie sich für drei Monate auf dem amerikanischen Kontinent auf und besuchte auch Mexiko, eine Reise, die sie zutiefst beeindruckte, und deren Nachwirkungen und Impressionen sie nach ihrer Rückkehr nach London im vorliegenden Gemälde verarbeitete. In dieser dunkel konturierten Komposition bekennt sie sich eindeutig zur Gegenständlichkeit und zeigt den Altarraum der Kirche nicht nur

Provenienz: Atelier der Künstlerin Cicely Hill (1960 erworben, mit deren Besitzvermerk und Leih­ geberin gemäß Ausstellungsetikett verso) Alina Tolochko(?) Alexander Moorrees (?) Karin und Jan Willem Salomonson (1997 erworben)

4.000€

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Ausstellung: Beaux Arts Gallery, London 1960, Nr. 32 (dort betitelt „In a Mexican church“) Secession, Wien 1966, Nr. 36 (dort datiert 1955) Goethe-Institut, London 1985, Nr. 41 (Abb. S. 80), datiert 1955) Literatur: Jill Lloyd, The undiscovered expressionist, New Haven 2007, S. 161


8179

pablo picasso

(1881 Málaga – 1973 Mougins)

8179 Les Saltimbanques Lithographie auf Velin. 1958. 21,2 x 16,2 cm (44,6 x 32,2 cm). Signiert „Picasso“ (leicht verblaßt). Auflage 100 num. Ex. Cramer 99, Bloch 855, Mourlot 285. 2.000€

Frontispiz zum Buch von Léon Level, Souvenirs d‘un collectionneur, gedruckt von Mourlot und herausgegeben von Alain C. Mazo, Edi­teur, 1959. Souvenirs d‘un collectionneur beschreibt die Erinnerungen eines unersättlichen Kunst- und Literaturliebhabers, der die Anfänge Picassos miterlebt hat. Die Lithographie „Saltimbanques“ versteht sich als Hommage an die guten alten Zeiten und verweist auf ein Bild dieses Themas von 1905, das der Autor einst erwarb. Prachtvoller Druck mit breitem Rand. 167


8180

pablo picasso

8180 Jeune Femme et Mousquetaire Aquatinta und Kaltnadel auf Velin. 1968. 8,9 x 11,8 cm (25 x 32,8 cm). Signiert „Picasso“. Auflage 50 num. Ex. Baer 1769 II B b 1 (von C), Bloch 1752. 3.500€

Druck des zweiten, endgültigen Zustandes von der verstählten Platte, herausgegeben von der Galerie Louise Leiris 1969 als Blatt 272 der Folge „347 Gravures“. Druck Crommelynck, Paris. Ganz prachtvoller, toniger Druck mit effektvollen Aussprengungen der Zuckeraquatinta in der schwarzen Fläche oben, mit breitem Rand, rechts mit dem Schöpfrand.

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8181

pablo picasso

8181 Mousquetaire envoyant une Bouffée de Fumée de Pipe au Visage d‘une jeune Femme Aquatinta und Kaltnadel auf Velin. 1968. 8,9 x 11,8 cm (25 x 32,5 cm). Signiert „Picasso“. Auflage 50 num. Ex. Baer 1770 II B b 1 (von C), Bloch 1753. 3.500€

Druck des zweiten, endgültigen Zustandes von der verstählten Platte, herausgegeben von der Galerie Louise Leiris 1969 als Blatt 273 der Folge „347 Gravures“. Druck Crommelynck, Paris. Ganz prachtvoller, toniger Druck mit wunderbar körniger Struktur der Zuckeraquatinta in der Rauchwolke, mit breitem Rand, rechts mit dem Schöpfrand. 169


holmead

(d.i. Clifford Holmead Phillips, 1889 Shippensburg/Pennsylvania – 1975 Brüssel)

8182 Landschaft mit Felsen Öl auf Malpappe. 1921. 32,5 x 42,5 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „HP“ und datiert, verso mit Farbstift in Schwarz signiert „Holmead“ und nochmals datiert. 2.500€

8182

Impressionistisches, frühes Landschaftsgemälde Holmeads, beeinflusst von der Tradition des naturgetreuen romantischen Stils der amerikanischen „Hudson River School“. Kurz bevor der Künstler nach Provincetown, Cape Cod, zog, hielt er sich bereits in Künstlerkolonien an der Küste New Englands auf: in Mystic, in Old Lyme/ Connecticut und dann in Gloucester/Massachusetts, wo Gemälde von steinigen, leicht gewellten Weidelandschaften mit einzeln stehenden Bäumen entstanden; „einfache, poetisch gesehene Landschaftsausschnitte vermitteln das Naturerleben in zurückhaltender Farbigkeit (...) und es entwickelt sich aus der romantischen Stimmungsmalerei so etwas wie ein ‚autochthoner amerikanischer Impressionismus‘“. (Rainer Zimmermann, Holmead, Stuttgart 1987, S. 32). Die pastose Maltechnik deutet bereits auf seinen späteren expressiven Malstil hin. In der zarten Farbigkeit überzeugt die Arbeit mit einer für Holmead ungewöhnlichen Leichtigkeit.

holmead

8183 “The Blue clock” Öl auf Leinwand. 1959. 76 x 51 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „Holmead“, oben rechts monogrammiert „HP“ und datiert, verso mit Pinsel in Schwarz signiert „HPinx“, datiert und betitelt. 4.000€

8183 170

Sie scheinen zu pulsieren, von geheimem Leben erfüllt, die organisch bewegten Gegenstände in Holmeads Bild. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte Holmead seinen ganz eigenen malerischen Expressionismus, den „crude expressionism“, der in der Gelöstheit des Pinselstrichs bis ins Informelle reicht. Im Jahr 1959 hatte sich der Künstler kurzerhand von all seinen mittelalterlichen und Renaissance-Möbeln getrennt und richtete sich neu mit JugendstilHausrat ein, der direkt einen Platz in der nun entstehenden Gruppe von Stilleben fand. „Diese Stilleben sind Bravourstücke seiner malerischen Erfahrung und koloristischen Meisterschaft. Seine Fähigkeit, Körper nahezu konturlos als plastische Erscheinung im Raum hervortreten zu lassen, die farbigen Akzente aus der Tiefe der Schatten nach vorn zu holen, erprobt er nun vor der Natur an Gegenständen, die den Geist der Jahrhundertwende ausdrucksvoll verkörpern.“ (Rainer Zimmermann, Holmead, Stuttgart 1987, S. 121).


8184

holmead

8184 Landschaft mit Häusern Öl auf dünner Leinwand, ganzflächig vom Künstler auf Sperrholz kaschiert. 1974. 62 x 78 cm. Unten rechts mit Pinsel in Rot signiert „Holmead“, links in Gelb datiert, verso auf dem Sperrholz mit Faserstift nochmals signiert, zweifach bezeichnet „Ciré“, mit den Maßangaben und der Werknummer „74/43“. 4.000€

Vom Künstler selbst sind sie mit gefiltertem Leinöl zubereitet und angerührt, die Ölfarbpasten. Sie liegen reliefhaft dick und seidig

schimmernd, ungefirnist auf dem Malgrund. Mit Wachs, das er seltener anstelle von Schutzlack verwandte, behandelte Holmead hier die Sperrholzplatte, wie er verso vermerkt. Die meist horizontale, schräge oder vertikale Anordnung der breit nebeneinanderliegenden Pinsel- und Spachtelstriche verleiht dem Bild eine ganz eigentümliche kristalline Ausstrahlung und Dynamik; es entsteht in seiner im Alter zu großer Selbstverständlichkeit gereiften Technik des Shorthand-paintings eine Art rhythmische Ordnung, ein Ausdruck von Holmeads ganz eigener Existenzempfindung, „ohne sich in eine unverbindliche Subjektivität zu verlieren (...) eine Durchdringung der Welt mit seiner einmaligen und vergänglichen Exis­tenz“ (Rainer Zimmermann, Holmead, Stuttgart 1987, S. 181). 171


marc chagall

(1887 Witebsk – 1955 St. Paul-de-Vence)

8185 Peintre et modèle Lithographie auf Velin. 1963. 32,2 x 24,5 cm. Signiert „Chagall“. Auflage 150 num. Ex. Mourlot 403. 900€ Blatt aus dem gebundenen Buch „Chagall Lithographe. Tome II“, De Luxe Edition, herausgegeben von André Sauret Éditeur, Paris. Ganz ausgezeichneter Druck der blattfüllenden Komposition.

8185

otto dix

(1891 Untermhaus bei Gera – 1969 Singen)

8186 „Selbstportrait“ (nach links, mit schwarzem Kragen) Lithographie auf faserigem Japanbütten. 1968. 41 x 34,5 cm (63,8 x 49,5 cm). Signiert „Dix“, datiert, betitelt und bezeichnet „Probedruck“. Karsch 318 vor a (von b). 800€

Karsch nicht bekannter Probedruck vor der Auflage von insgesamt 60 Exemplaren, herausgegeben von Rosenbach, gedruckt bei der Erker Presse, St. Gallen. Prachtvoller, kräftiger Druck mit breitem Rand, unten mit dem Schöpfrand.

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8186


8187

jean fautrier

(1898 Paris – 1964 Chatenay Malabry)

8187* Ohne Titel Aquarell und Rohrfeder in Schwarz auf glattem Maschinenpapier. Um 1962. 32,3 x 50 cm. 1.800€

Bereits in den 1920er Jahren fand Fautrier zu einer gestischen Mal­weise und wurde dadurch zu einem Vorläufer des Informel; 1924 fand seine erste Einzelausstellung statt. Spontane Striche des etwas trockenen Pinsels schwingen im Zentrum der informellen Komposition, akzentuiert mit schwarzen Federzügen, die in ihrer Vehemenz schön das Spreizen der Rohrfeder erkennen lassen. Der künstlerische Durchbruch gelang Fautrier 1945 mit der Ausstellung seiner „otages“ in der Galerie René Drouion. 1960 bekam er den ersten Preis der Biennale von Venedig. Die Arbeit ist dem Comté Fautrier, Paris bekannt. Provenienz: Sammlung der Familie des Künstlers

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joseph cornell

(1903 Nyack – 1972 New York)

8188 Nostalgia of the Sea Collage auf festem Karton. 1950er Jahre. 30,5 x 22,5 cm. 20.000€

Kosmisch-surrealistische Collage des New Yorker Künstlers. Seit 1931 komponierte Cornell, beeinflusst vom Surrealismus, seine Collagen und Assemblagen. Als Künstler Autodidakt, stand er bald mit Marcel Duchamp, Sol LeWitt, Robert Motherwell, Robert Rauschenberg, Donald Judd sowie Andy Warhol in regem Austausch. Berühmt wurde er mit seinen poetisch-enzyklopädischen Assemblagen in den „boxes“; in ihnen wie auch in seinen Collagen setzte er Fragmente des ehemals oder immer wieder Schönen zu hintergründigen, humorvollen, manchmal auch erotischen Kompositionen zusammen. Zugleich pflegte Cornell, in seinem Haus am Utopia Parkway in Queens einsiedlerisch lebend, ein ernsthaftes Interesse an der Geschichte der Astronomie und deren bahnbrechenden Entdeckungen. Von seinem Hinterhof aus beobachtete er den Sternenhimmel, und er trug eine Bibliothek mit Büchern und Artikeln über Wissenschaft und Astronomie zusammen. Wie seine Studien und Überlegungen zu diesen Themen direkt in seiner Kunst ihren Ausdruck fanden, zeigt exemplarisch die vorliegende Collage. Provenienz: Galerie Thomas, München (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite) Privatsammlung Europa

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8188 175


yves klein

(1928 Nizza – 1962 Paris)

8189* Monochrome und Feuer Farbserigraphie in Gold auf Karton. 1961. 32 x 23,5 cm. 2.800€ Die Arbeit erschien mit der Herausgabe des Ausstellungskataloges vom Kaiser Wilhelm Museum Krefeld anlässlich der ersten deutschen Gesamtausstellung Yves Kleins 1961 im Museum Lange in Krefeld. Diese Ausstellung war für Yves Klein die erste institutio-

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nelle Auslandspräsentation, die gleichzeitig auch die einzige öffentlich museale Ausstellung zu Lebzeiten des Künstlers war. Yves Klein arbeitete mit sehr unterschiedlichen alltäglichen bzw. elementaren Mitteln: Er verwendete unbehandelte Farbpigmente und Blattgold (hier fehlen der blaue und der pinke Karton); statt eines Pinsels nutzte er Malerrollen, Spachtel und Frauenkörper zum Fertigen seiner Bilder; Schwämme werden bei ihm zu Farbobjekten; mit Feuer, Wasser und Luft entstanden Aktionen, Bilder und Skulpturen. Auf diese Weise negierte der Künstler seine eigene Handschrift und stemmte sich gegen die romantische Vorstellung vom Künstlergenie. Dennoch wurden gerade seine farbigen Monochrome zu Ikonen der Malerei des 20. Jahrhunderts.


8190

hannah höch

(1889 Gotha – 1978 Berlin)

8190 Abstrakte Komposition Gouache auf Maschinenpapier. 1962. 23,4 x 17 cm. Unten rechts mit Pinsel in Türkis monogrammiert „H.H.“ und mit Kugelschreiber in Schwarz datiert, verso signiert „H. Höch“ und datiert. 1.400€

Über Hannah Höchs künstlerische Karriere der Vorkriegsjahre ist viel geschrieben worden, weniger bekannt ist ihr Spätwerk. Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte Hannah Höch sich sehr stark im Berliner Kulturleben, um den Wiederaufbau der Bildungsarbeit

voranzutreiben. Sie hielt Vorträge über „Frauen und Kunst“, war Mitglied im Kulturbund und beteiligte sich auch an dessen Ausstellungsprojekten. Sie versuchte, an ihre Arbeiten vor dem Krieg anzuknüpfen. Hierbei stützte sie sich u.a. auf Zeichnungen, die während ihrer zahlreichen Reisen entstanden waren und gab diese in anderen Techniken wieder. Trotz der Vielzahl und Unterschiedlichkeit der kleinformatigen Kompositionen sind sie doch durch eine farbliche Harmonie verbunden, die ihre eigene Handschrift trägt. Die Spannung in unserem Werk entsteht nicht nur durch die außergewöhnlichen Farbkontraste, sondern auch durch das Spiel mit Transparenz. Sie kombiniert Abdruck, lasierenden und pastosen Farbauftrag und erweitert dadurch die räumliche Dimension. 177


8191

carla accardi

(1924 Trapani – 2014 Rom)

8191 Viola rosso Tempera und Kaseinfarbe auf Karton. 1969. 25 x 35 cm. Unten links mit Pinsel in Rot signiert „ACCARDI“. 7.500€

Carla Accardi war eine mutige, experimentierfreudige Frau, die zu einer Zeit, als die Entwicklung der Malerei weitgehend von Männern dominiert wurde, zur ersten international anerkannten italienischen Abstraktionistin wurde. Sie war nicht nur eine Vorreiterin der abstrakten Kunst in Italien, eine bedeutende Vertreterin der italienischen Avantgarde und der Arte Povera der 1960er Jahre, sondern sie engagierte sich auch mit Vehemenz für feministische Belange im Kunstbetrieb. So zählte sie neben den feministischen Aktivistinnen Elvira Banotti und Carla Lonzi zu den Gründerinnen der feministischen Vereinigung Rivolta Femminile im Jahr 1970.

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Accardi schloss 1947 ihr Studium an der Akademie der schönen Künste in Palermo ab. und war noch im selben Jahr neben ihrem Ehemann Antonio Sanfilippo sowie Giulio Turcato, Piero Dorazio und Pietro Consagra Mitbegründerin der formalistischen marxistischen Künstlergruppe Gruppo Forma 1. Neben zahlreichen Einzelausstellungen nahm Accardi 1964 und 1988 an der Biennale von Venedig und 1995 an der Ausstellung The Italian Metamorphosis im New Yorker Guggenheim Museum teil. Die zweifarbige Arbeit mit den nebeneinandergesetzten schriftartigen Zeichen ist charakteristisch für das Schaffen der Künstlerin. Mit einer Fotoexpertise des Studio Accardi, Rom, das Werk ist unter der Nr. 110/11 verzeichnet. Provenienz: Privatbesitz Rom


8192

piero manzoni

(1933 Soncino – 1963 Mailand)

8192* Impronta sughero (Effects of matter) Korkdruck auf Velourpapier. 1959. 22,1 x 17,3 cm. Signiert „PIERO MANZONI“ und datiert. Auflage 150 Ex. Battino 1048, Celant 16ct. 4.500€

Die haptische Wahrnehmung des Druckes irritiert durch die sanfte und doch aufgerauhte Struktur des textilen Stoffes, der an Papier erinnert. Die Korkstrukturen verleihen dem Druck eine naturnahe, nahezu lebendige Erscheinung. Mit diesen Irritationen spielt der italienische Konzeptkünstler Manzoni offensichtlich in dieser Arbeit. Herausgegeben von der Edition Panderma, Carl Laszlo, Basel. Bei dem Blatt handelt es sich um eines der unnumerierten Exemplare (Gesamtauflage 215 Exemplare) für das Mappenwerk „La lune en rodage I“, erschienen mit Arbeiten von 61 verschiedenen Künstlern im Jahr 1960. Sehr schöner Druck des formatfüllenden Motivs. 179


8193

vlastimil benes (1919–1981, Prag)

8193 „STROMY U MOSTU“ (Bäume an der Brücke) Öl auf Hartfaserplatte. 1964. Ca. 84,5 x 59,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Benes“ und datiert, verso mit Faserschreiber in Schwarz betitelt, römisch datiert und mit den Maßangaben. 7.000€ 180

Eindrucksvolle hochformatige Ansicht riesenhafter, überdimensionierter schwarzer Bäume vor einer Brücke. In seinem typisch flächigen und auf geometrische Formen reduzierten Malstil erfasst Benes die Darstellung eines menschenleeren Platzes mit bunten Kirmesbuden, die einen schönen Kontrast zu den schwarzen Bäumen bilden. Anknüpfend an den sozialen Realismus und an die Poetik der konstruktivistischen Avantgarde, steht Benes‘ Malerei für einen geometrisierenden poetischen Realismus. Verso auf der Hartfaserplatte mit verschiedenen Skizzen, darunter das Profil eines Mannes und ein weiblicher Rückenakt.


8194

vlastimil benes

8194 „Zena Na Návsi“ (Frau im Dorf); verso: Fragment einer Kirche Öl auf Hartfaserplatte. 1965. 54 x 32 cm. Unten links mit Pinsel in Rot signiert „Benes“ und datiert, verso nochmals mit Faserschreiber in Braun signiert „VLASTIMIL BENES“, römisch datiert und mit den Maßangaben. 4.000€

Beinahe die gesamte Darstellung einnehmend, zeigt Benes die Bauersfrau in extremer Nahsicht mit ruhigem, gefassten Ausdruck. Ihr gestreiftes Kopftuch und die karierte Schürze kontrastieren mit der gedeckten, erdigen Farbpalette des Gemäldes. 181


arthur köpcke

peter nagel

8195 „watch the period of an object“ (piece No. 69) Blechdose, bedruckt, mit Keramikdeckel, getackert auf Sockel aus dünner, bemalter, gebogener Spanplatte. Um 1963-1965. Ca. 7,5 x 5,5 x 2,5 cm. Seitlich hinten auf dem Papieretikett sowie unter dem Sockel mit dem Stempel „(REALIZATION) KÖPCKE-PIECE No. 69“, seitlich vorne auf dem Etikett betitelt.

8196 „Spanische Wand“ Tempera und Acryl auf Leinwand. 1970. 175 x 135 cm. Unten mittig mit Pinsel in Schwarz signiert „P.Nagel“ und datiert, verso mit Kreide in Schwarz signiert „Peter Nagel“, datiert, betitelt und bezeichnet.

(1928 Hamburg – 1977 Kopenhagen)

1.800€

Addi Köpcke wurde zu einer der führenden Figuren der internationalen Fluxus-Bewegung. Sein Schlüsselwerk ist ein Manuskript, entstanden zwischen 1963 und 1965, mit 128 „Reading-Work-Pieces“, einem Konvolut von Zeichnungen, Objekten, Schriften und Collagen, worin er seine Arbeitskonzepte zusammenfasste. Unser humorvolles Objekt besteht aus einer kleinen blechernen Tintendose mit der Aufschrift „Black Magic ink“, made in Japan. Gesamtmaße mit Sockel ca. 11 x 11,5 x 5,5 cm.

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(1941 Kiel, lebt bei Kiel und in der Toskana)

5.000€

Einen vollständig versperrten Bildraum setzt uns Nagel vor, einen Raum, der merkwürdig abstrakt bleibt und in dem der Paravent keinen Schatten wirft. Mit einfachsten malerischen Mitteln plaziert der Künstler Polsterknöpfe auf der Stellwand und verleiht ihr dadurch Materialität. Das Hellgrau der Spanischen Wand entspricht soweit dem Hintergrundton, dass der Rahmen, die Knöpfe und die Lichtführung essentiell dazu beitragen, die Räumlichkeit der Konstruktion zu unterstreichen. Im Gegensatz dazu ist das Streifentuch, das über dem Paravent hängt, hyperrealistisch gestaltet. Akkurat erfasst er die Plastizität mit kräftigen Kontrasten, und zugleich stilisiert er das Objekt. Peter Nagel setzt auf diese Weise Bekanntes in unbekannte Zusammenhänge und schafft eine ganz eigenartig kühle Bildatmosphäre. Peter Nagel selbst sagt dazu: „Die Glätte und Kühle unserer Malerei ergibt eine Bildatmosphäre und Farbtemperatur, die die echte Zeitzeugenschaft ausmacht.“ (Brigitte Kronauer, in: taz, Ausgabe 7543, 18.12.2004).


8196

Nach seinen Studien an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Carl Heinz Wienert, Karl Kluth und Johannes Geccelli gründete Peter Nagel 1965 mit Dieter Asmus, Nikolaus Störtenbecker und Dietmar Ullrich die Gruppe ZEBRA, die für einen neuen Realismus in Deutschland stand. Nagel entwickelt unter Verwendung medialer Bildwelten mit der Zebra-Gruppe „der mittlerweile erwachten Nachkriegsgesellschaft eine Art bundesdeutsche Version der US-amerikanischen Pop-Art: vielleicht nicht ganz so schrill, nicht ganz so radikal, sondern etwas softer in Formen und Motiven, aber eindrücklich“ (Frank Keil, Der Bilder-im-Bild-Maler, in: taz Nr. 12500, Zugriff 27.3.2021). Es entstehen Kunstwerke, die „nicht mit persönlicher Handschrift kokettieren und die unausrott-

baren Künstlerklischees vom Spontanen, Assoziativen, Fragmentarischen und Symbolischen jenseits der Dinge und Figuren nicht bedienen“, sagt Brigitte Kronauer und benennt eine „überwältigende Fremdheit der aber sogleich wiedererkennbaren, gemalten Gegenstände, ob Stein, Frau, Krüppel, Pferd. Sie wurden dem Auge in erbarmungsloser Präzision und plastischer Dinglichkeit präsentiert, keine Fluchtmöglichkeiten ins Vage! (...) Stattdessen stellen sie eine arbeitsaufwändige Brillanz des Handwerklichen in den Dienst einer durch die Exerzitien der Abstraktion gegangenen, frisch strahlenden Dinglichkeit. Dabei entsteht eine geradezu schmerzhaft unsentimentale Kunst.“ (Brigitte Kronauer, in: taz, Ausgabe 7543, 18.12.2004). 183


gerhard richter (1932 Dresden)

8197 Flugzeug I Siebdruck im Linienraster in zwei Grautönen, auf weißem Halbkarton. 1966. 48,1 x 79,7 cm (59,4 x 79,7 cm). Signiert „Richter“, datiert und bezeichnet. Auflage 50 num. Ex. Butin 5. 15.000€ Erschreckend aktuell wirkt der Siebdruck mit den drei steil in den Himmel aufsteigenden Militärflugzeugen zur Zeit des Kalten Krieges und des Vietnamkrieges. Durch Unschärfe, grobe Rasterung und den Schleier zweier Grautöne negiert Richter den dokumentarischen Anspruch der dem Werk zugrunde liegenden Fotografie. Solche Übertragungen unterschiedlichster Motivvorlagen aus Zeitschriften und Illustrierten prägen die 1960er Jahre in dem vielseitigen Œuvre Gerhard Richters. Mit ihnen prangert Richter die von den Medien vorgespielte Neutralität und Gleichgültigkeit an. Das reproduzierte Motiv wird derart verfremdet, dass der Wahr-

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heitsanspruch in Frage steht und es nicht mehr für ein Bild der Wirk­lichkeit zu halten ist. „Ich hatte eine bestimmte Beziehung zu Grau (…). Es war auch ein Mittel, mein Verhältnis zur scheinbaren Wirklichkeit kenntlich zu machen; weil ich nicht behaupten wollte: so ist es und nicht anders. Vielleicht wollte ich auch nicht, dass man die Bilder mit der Wirklichkeit verwechselt.“ (Gerhard Richter zit. nach Hans-Ulrich Obrist (Hrsg.), Gerhard Richter. Text: Schriften und Interviews, Frankfurt a.M./Leipzig 1994, S. 66), denn Richter warnt vor der „Selbstverständlichkeit, mit der wir aufsehen­ erregende Schicksale millionenfach aus zweiter Hand verfolgen“ (Gerhard Richter zit. nach Ausst.-Kat. Gerhard Richter. Bilder. Paintings 1962-1985, Kunsthalle Düsseldorf / Nationalgalerie Berlin 1986, Düsseldorf 1986, S. 21). Die seltene Graphik herausgegeben von Kaufhof und der Galerie Rottloff, Karlsruhe, in einem prachtvollen Druck mit dem breiten bis vollen Rand. Provenienz: Nachlass Konrad Jule Hammer, Berlin Privatbesitz Berlin


8197

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8198

wolfgang mattheuer

(1927 Reichenbach – 2004 Leipzig)

8198 Paar im Regen Lithographie auf genarbtem Velin. 1967. 30,8 x 50 cm (49,5 x 70 cm). Signiert „W. Mattheuer“. Auflage 20 num. Ex. Koch/Grimm 195.

Landschaft und Figuren stehen in ausbalancierter Korrespondenz miteinander. Die laufende Frau scheint die dunkle Wolke mit sich zu bewegen, während die Streifen in Himmel und Landschaft ihren Gegenpart im Pulli des Mannes finden. Prachtvoller Druck mit dem vollen, sehr breiten Rand.

1.200€

wolfgang mattheuer

8199 Trotz alledem Linolstich und Farbkreide auf Japan. 1981. 45,8 x 45,8 cm (78,5 x 54,5 cm). Signiert „W. Mattheuer“ und bezeichnet „81/95“. Auflage 30 num. Ex. Koch/Grimm 298. 1.400€

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In Mattheuers malerischem und druckgraphischem Schaffen findet sich wiederholt als Motiv die mythologische Figur des Ikarus, der als Symbol für gescheiterte Hoffnungen steht, dafür, dass auf einen Aufstieg ein tiefer Fall folgen kann. Hier reckt jedoch trotz Ikarus‘ schrecklichem Absturz der Begleiter kämpferisch die Faust empor. Das Gedicht „Trotz alledem“ von Ferdinand Freiligrath, in zweiter Fassung von 1848 zuerst veröffentlicht von Karl Marx, wurde in Deutschland unter anderem durch Liedermacher wie Wolf Biermann und Hannes Wader populär; den Titel verwendete auch 1919 Karl Liebknecht als geflügeltes Wort. Koch/Grimm erwähnen zwei mit Farbkreide überarbeitete Zustandsdrucke. Prachtvoller Druck mit Rand. Selten.


herbert strässer

(1930 Lebach – 2005 Bücken)

8200 Kleine Rückwärtsschauende Bronze mit goldbrauner Patina auf Holzsockel. 1955. 19,3 x 11 x 9 cm. Verso am linken Schenkel monogrammiert „H.ST.“ und datiert. 7.000€ Präzise und konzentriert erfasst Strässer das Wesentliche an der Frauengestalt in seiner allansichtigen Skulptur. Die Bronze vereint klare Abstraktion und eine deutlich an der menschlichen Gestalt orientierte Formgebung. Die glatte, weiche Oberfläche mit ihrem Wechsel zwischen Wölbung und Kehlung, zwischen weich geschwungenen Kugelformen und den harten, geraden Kanten for-

dert zum Drehen und zum Berühren auf, die Üppigkeit der weib­ lichen Rundungen lässt die metallene Härte der Bronze in den Hintergrund treten. Erst kurz zuvor, 1955, begann Herbert Strässer nach seiner Beschäftigung mit der experimentellen Fotografie bei Otto Steinert die ersten plastischen Arbeiten zu formen. Ästhetische Impulse gewann er aus dem bildhauerischen Schaffen seiner Inspiratoren Henri Laurens, Ossip Zadkine und Jacques Lipchitz. „Er hat die Skulptur des Kubismus als Leitlinie der Offenbarung für die Zukunft angesehen.“ (Wolfgang Kermer, Herbert Strässer, Ausst.-Kat. Saarbrücken 1968, o. S.). Strässers Lehrer an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken, Hannes Neuner, war ein Schüler Willi Baumeisters. Gesamthöhe mit Sockel 23,5 cm.

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herbert strässer 8201 Kristalline Bronze mit goldbrauner Patina, auf Bronzeplinthe montiert. 1960. 28 x 19 x 11 cm. Verso unten monogrammiert „HSt“ und datiert. 12.000€ Klare, kantige Formen wachsen empor, wachsen aneinander, verbinden sich miteinander. Die Zacken verzahnen sich zu einer rhythmischen, vielfältigen und beinahe spielerischen Komposition. Ähnliche und doch immer wieder unterschiedliche Formen gehen mit dem Licht und dem sie umgebenden Raum ein wechselvolles, spannungsreiches Verhältnis ein. Die kristallinen Formen bilden miteinander eine hochstehende Form, in die der Betrachter figurative Elemente hineinlesen mag, die aber in überzeugender Allansichtigkeit für sich alleine steht. „Auch bei scheinbar zu reinen ‚Zeichen‘ reduzierten Formen läßt sich (Strässer) zunächst von der Natur, der menschlichen Figur, dem Problem der Gruppierung leiten (…).“ (Wolfgang Kermer, in: Plastiken, Skulpturen, Reliefs, Zeichnungen, Herbert Strässer, Ausst.-Kat. Saarbrücken 1968, o. S.). Die „Kristalline“ stammt aus Strässers früher, kubistisch beeinflusster Schaffensphase. Prachtvoller Guss mit wunderbar glatter, kantiger Oberfläche und homogener Patina. Gesamthöhe mit Plinthe 30 cm.

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herbert strässer

8202 Kopf eng im Helm Bronze mit goldbrauner Patina, auf Bronzeplinthe montiert. 1979. 34 x 28 x 13 cm. Seitlich unten rechts monogrammiert „H.St.“ und datiert. 14.000€ Virtuos hält Strässer mit seinem „Kopf eng im Helm“ die Balance zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Das Motiv der Umrahmung, der Einschließung des Kopfes, variiert der Künstler in seinem Werk immer wieder vielfältig und mit unendlicher Phantasie. Organisch anmutende, kugelige Formen und die glatten, gespannten Flächen des Helmes ergänzen sich zu einer ausgewoge-

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nen Komposition. Die Kompaktheit des Kopfes wird durchbrochen von den offenen Binnenräumen weiter hinten, die ihm Leichtigkeit verleihen. Eine vertikale Spiegelachse verläuft von vorne nach hinten längs durch den Kopf. Diese Achsensymmetrie unterstreicht die Geschlossenheit der Form und verleiht ihr zugleich in der Frontal- wie auch in der Rückansicht eine ganz abstrakte, nahezu ornamentale Wirkung. Die schmalen, langgezogenen Gesichtszüge assoziieren eine Nähe zu den archaischen Ausdrucksformen afrikanischer Bildhauerkunst, die Strässer zeitlebens inspirierte. Die Motivreihe der „Köpfe“ stellt die umfangreichste Gruppe im Spätwerk Herbert Strässers dar. Prachtvoller Guss mit wunderbar schimmernder, effektvoll changierender Patina. Gesamthöhe mit Plinthe ca. 36 cm.


8203

karl-heinz herrfurth (1934–2015, Berlin)

8203 Fenster Öl auf Leinwand. 1970. 125 x 100 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Herrfurth“ und datiert sowie verso erneut mit Faserstift in Schwarz signiert „Herrfurth“ und datiert sowie auf dem Keilrahmen bezeichnet. 3.000€ Karl-Heinz Herrfurth studierte von 1954 bis 1960 Bildende Kunst und Kunstpädagogik an der Hochschule für Bildende Künste Berlin und unterrichtete später dort selbst von 1974 bis 2002. Stilistisch

war sein Werk in den 1960er und 70er Jahren dem kritischen Realismus zuzuordnen mit deutlichen Anklängen an die Pop-Art in Verbindung mit sozial- und gesellschaftskritischen Überlegungen. Die künstlerische Intention seines figurativen, meist surrealen, fotorealistischen Stils umkreiste in dieser Phase das Thema Mensch und Umwelt in Gegenüberstellung zu Technik. In unserem Gemälde hat er als vergrößerten Bildausschnitt das Motiv eines Schiebefensters mit Rollo gewählt, unter dem ein Paar nackter Beine geheimnisvoll angedeutet ist. Provenienz: Nachlass des Künstlers 191


8204

günther uecker

(1930 Wendorf/Mecklenburg, lebt in Düsseldorf)

8204 Ohne Titel Prägedruck auf festem Velin. 1970. 67,7 x 67,7 cm. Signiert „Uecker“ und datiert. Auflage 200 num. Ex. 3.500€

Sehr schöner und klarer Druck dieser waagerechten, nahezu blattfüllenden Reihung von Nagelabdrücken.

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8205

günther uecker

8205 Ohne Titel Prägedruck auf leichtem Velinkarton. 1971. 47,5 x 47,8 cm (59,9 x 50 cm). Signiert „Uecker“ und datiert. Auflage 100 num. Ex. 4.000€

Sehr guter Druck dieser nahezu blattfüllenden Nagelreihung, mit Rand. 193


8206

günther uecker

8206 Reihung Prägedruck auf leichtem Velinkarton. 1973. 56,5 x 47,5 cm (60 x 49,9 cm). Signiert „Uecker“ und datiert. Auflage 125 num. Ex. 4.000€

Prachtvoller, schön prägnanter Prägedruck dieser leicht bewegten, blattfüllenden Nagelreihung mit kleinem Rand.

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8207

günther uecker

8207 Doppelspirale Prägedruck auf festem handgeschöpften Velin. 2020. 63,5 x 45,5, cm (69 x 50 cm). Signiert „Uecker“ und datiert. Auflage 100 num. Ex. 4.500€

Die vehement bewegte Interaktion zweier Spiralwirbel festigt sich im Prägedruck. Prachtvoller, deutlich reliefhafter und wunderbar prägnanter Druck mit dem vollen Rand. 195


heinz mack

(1931 Lollar, lebt in Mönchengladbach und auf Ibiza)

8208 Lichtspirale Mikro-Blindprägung und Punzierung auf Aluminium, kaschiert auf Karton, auf Aluminiumplatte montiert, in Orig.-Künstlerahmen. 1970. 36 x 35 cm (43,2 x 40 x 3,5 cm, Künstlerrahmen). Signiert „mack“. Auflage 100 num. Ex. Fulda-Kuhn 124. 1.500€

Herausgegeben von Mc. Roberts & Tunnard, London. Da die Spi­ rale von Hand geprägt ist variiert sie von Blatt zu Blatt. Herrlich changierende Lichteffekte auslösender Prägedruck, erscheint im Original-Künstlerrahmen wie ein dreidimensionales Objekt.

8208

dieter appelt

(1935 Niemegk, lebt in Berlin)

8209 „Tagundnachtgleiche“ 2 Silbergelatineabzüge auf Fotopapier in verglasten Objektkästen mit Eisenrahmen. 1980. 40 x 30,5 cm (50,5 x 41,5 cm, Kasten). Beide auf der Kastenrückseite auf Klebeetikett signiert „Appelt“, betitelt, gewidmet und bezeichnet „Bretagne, Carnac-Crucuno“, dort mit datiertem Copyrightstempel. 1.200€

Appelt fotografiert die bretonischen Menhire (Hinkelsteine) in Carnac und stellt daneben Aufnahmen zweier Hände, die den Gra­nitstein greifen. Der Künstler dokumentiert damit seine visuelle und die haptische Annäherung an die beeindruckenden Steine. Ihn beschäftigten in seiner Selbstreflektion immer wieder die Themen Geburt und Tod. International bekannt wurde er 1990 durch die Einladung zur Biennale in Venedig. Das Art Institute of Chicago widmete ihm 1994 eine große Retrospektive, die anschließend auch in Québec, New York, New Orleans und Berlin zu sehen war. 1999 wurde er erneut zur Biennale in Venedig eingeladen, wo er neben Fotografien auch Installationen und eine Videoarbeit zeigte. Provenienz: Villa Grisebach, Berlin, Auktion 66, 27.11.1998, Lot 1108 Privatsammlung Italien

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8209


8210

mappenwerke 8210* Kölner Kunstmarkt 71 (KKM 71) 26 Graphiken von diversen Künstlern auf unterschiedlichen Papieren, jeweils in einem Doppelblatt, 1 Schallplatte im illustr. Orig.-Plattencover mit Inlet sowie 1 Doppelblatt Inhaltsverzeichnis und Impressum und illustr. Begleitheft. Lose in illustrierter Orig.-Kartonmappe. 1971. 45 x 32,3 cm. Die Graphiken jeweils signiert, meist datiert. Auflage 300 num. Ex. 3.000€ Herausgegeben als Luxusausgabe vom Verein progressiver deutscher Kunsthändler e.V., der 1966 auf Initiative von Hein Stünke

und Rudolf Zwirner gegründet wurde, um vor allem den Kölner Kunstmarkt zu organisieren. Die Arbeiten sind von folgenden Künstlern: Georg Baselitz, Bernhard Becher, Agostino Bonalumi, K.P. Brehmer, Johannes Gecelli, Raimund Girke, Hermann Goepfert, Nancy Graves, Antonius Höckelmann, Dieter Krieg, Tadaaki Kuwa­yama, Alf Lechner, Barry Le Va, Bernhard Luginbühl, Rafael Martínez, Rune Mields, Lienhard von Monkiewitsch, Wolfgang Petrick, Michelangelo Pistoletto, Joachim Schmettau, John Seery, Giangiacomo Spadari, Larry Stark, Alan Turner, Stefan Wewerka, Rainer Wittenborn sowie die deutsche Pressung einer der bekanntesten LPs aller Zeiten: das Album „Sticky Fingers“ der Rolling Stones mit dem Cover nach Entwurf von Andy Warhol, Jeans mit originalem Reißverschluss. Jeweils ganz ausgezeichnete Drucke mit dem vollen Rand. 197


horst janssen

(1929–1995, Hamburg)

8211* Konzert der Affen Filzstift auf blau gefärbtem Viskosetuch. 1970. Ca. 79 x 85 cm. Unten rechts mit Faserschreiber in Schwarz signiert „Janssen“, datiert und gewidmet ‚‘Mit Liebesflecken für Anneliese‘‘. 1.500€

Ein Zirkusorchester aus übereinander gestaffelt stehenden Affen, in Livree gekleidet und alle mit Musikinstrumenten ausgestattet, zeichnet Janssen in seiner charakteristischen, skurrilen und humorvollen Art. Affen tauchen auch in seinem druckgraphischen Schaffen gelegentlich auf.

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paul herrmann

(1914 Königsberg – 1987 Berlin)

8212 Farbfeldformen vor Blau Gouache auf dünnem Velin, kaschiert auf Aquarellkarton, hinterklebt mit grauer Pappe. Um 1973. 50 x 36,5 cm. Unten links mit Pinsel in Blau signiert „Paul Herrmann“, verso mit Bleistift nochmals signiert und datiert sowie von Florian Karsch betitelt und bezeichnet. 1.400€

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Geboren und aufgewachsen zwischen den Weltkriegen, begann Paul Herrmann sein Studium zunächst in Königsberg und führte es später fort an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Erst Mitte der 1950er Jahre konnte er als Meisterschüler bei Karl Schmidt-Rottluff seine Ausbildung beenden. Sein Frühwerk fiel nahezu komplett einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Herrmann empfand seine Kunst als fast selbständige Prozesse und Entwicklungen von Formen, denen er mit seinem handwerklichen Können zur Realisierung verhelfen musste. Selten verstand er ein Werk als vollendet, erst später wurden die Arbeiten betitelt. Ausgangspunkt dieser hochformatigen Gouache sind die drei Grundfarben, ergänzt durch Grün, die Herrmann vor blauem Grund in verschiedene blau umrandete Formen zwingt, die sich mitunter befreien, ineinanderlaufen und mischen oder mit Tupfen variiert werden. Prachtvolle, farbfrische Arbeit des Künstlers aus den 1970er Jahren.


gerhard marcks

(1889 Berlin – 1981 Burgbrohl/Eifel)

8213 Querflötist Bronze mit rotbrauner Patina. 1978. 15 x 5 x 5,5 cm. Vorne auf der Plinthe mit dem Künstlersignet, hinten seitlich auf der Plinthe mit dem Gießerstempel „GUSS BARTH RINTELN“. Auflage 10 num. Ex. Fitschen/Hartog 1132. 3.500€

Gerhard Marcks war ein autodidaktischer Bildhauer, orientierte sich anfangs an August Gaul und Georg Kolbe und beschäftigte sich mit Tierplastik. Stilistisch entwickelte er sich von einer expressivkantigen Formensprache zu eher naturalistischen, doch strengen und auf das Wesentliche reduzierten Figuren. Der Querflötist ist ganz versunken in seine Musik. Prachtvoller, posthumer Guss mit herrlich differenzierter Patina, entstanden zwischen 1981 und 1988. Mit einer schriftlichen Bestätigung der Galerie Vömel, Düsseldorf, vom 17.4.2009. Provenienz: Galerie Vömel, Düsseldorf (mit deren Etikett unter der Plinthe) Privatsammlung Berlin

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8214

rolf cavael

(1898 Königsberg – 1979 München)

8214 „N° 73/ S2“ Öl auf Leinwand. 1973. 40 x 60 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „CA“ (ligiert), verso auf der Leinwand mit Pinsel in Schwarz signiert „CAVAEL“ und betitelt. Nicht bei Keller. 4.000€

seine erste große Ausstellung hatte, die allerdings noch am Eröffnungstag geschlossen wurde. Ausstellungsverbot, ein Aufenthalt in Dachau und Malverbot sind Teil seiner Geschichte. Nach dem Krieg gehörte er 1949 zu den Gründern der Gruppe ZEN 49. Ab 1954 lebte er in München. Unser Bild ist ein Beispiel für sein Spätwerk, in dem die schwarze Linie dominiert. Sie schwebt über der Gesamtkomposition, rollt und entspannt sich und verbindet dabei in leichten Schwüngen und Kreisen die verschiedenen Schichten zu einer Ganzheit.

Als studierter Typograph lehrte Cavael ab 1926 zunächst angewandte Graphik an der Frankfurter Handelsschule. Später ließ er sich in Berlin als freischaffender Künstler nieder, wo er auch 1933

Provenienz: Privatbesitz Nürnberg

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8215

franz bernhard

(1934 Neuhäuser (Böhmen) – 2013 Jockgrim)

8215 Reliefcollage 9 Holz, Pappe, Nägel, Putz, Sägemehl und Sägespäne, weiß gefasst, darüber Bleistift und schwarze Tusche, auf massiver Preßspanplatte. In originalem verglasten Objektkasten. 1979. 47,5 x 65,8 x 5,3 cm. Unten rechts mit Kugelschreiber in Grün signiert „F. Bernhard“ und datiert. 6.000€

Ausgangspunkt der abstrakten Arbeiten Franz Bernhards war der menschliche Körper, seine bevorzugten Materialien blieben zeit­ lebens Holz, Eisen und Cortenstahl. Bernhard schätzte es, wenn man seinen Fundstücken ihr Alter ansah und die Patina auf vorherigen Gebrauch schließen ließ. Bei unserer Reliefcollage 9, in der der Künstler diverse Holzteile mit fester, geknickter Pappe kombiniert, zusammenfügt und auf eine Spanplatte nagelt, werden die Eigenschaften der unterschiedlichen Materialien mit weißer Fassadenfarbe übertüncht, also verdeckt und bekommen so einen

ganz neuen, gesamtheitlichen Charakter von nahezu graphischer Wirkung. Mit den Mitteln der Abstraktion gibt Bernhard einen lie­genden menschlichen Torso wieder, gestreckt, in der Körperspannung leicht gebogen, scheint dieser im Raum zu schweben. Die Collage gehört zu einer Gruppe von 28 Reliefcollagen in Glaskästen, bei denen Bernhard die Wirkung des Reliefs hinter Glas erprobt und die Grenzen plastischer Realisierung auslotet. Wir danken der Andreas C.H. Schell Stiftung, Karlsruhe, für freundliche Hinweise.

Provenienz: Galerie Rothe, Heidelberg (bis 1979) Privatsammlung Bayern Literatur: Britta E. Buhlmann (Hrsg.), Franz Bernhard - Anthropomorphe Zeichen, Ausst. Kat. Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Kaiserslautern 2008, S. 35 201


marwan

(d.i. Marwan Kassab Bashi, 1934 Damaskus – 2016 Berlin)

8216 Ohne Titel (Der Verhüllte) Öl auf Leinwand. 1970. 130 x 97 cm. Unten links mit Pinsel in Weiß signiert „MARWAN“ und datiert. 30.000€ Auf magische Weise schwebt das Tuch vor dem Kopf des Mannes, verhüllt seine Gesichtszüge und lässt nur einen kleinen Teil der Stirn mit Haaransatz offen, so dass wir nur vage die äußeren Konturen des Antlitzes zu erkennen vermögen. Der Dargestellte entzieht sich damit nicht nur unseren Blicken, sondern er verschließt sich auch vor der Welt, er muss selber nach innen blicken und fordert uns heraus. Das frühe Gemälde ist in heller, warmer Farbgebung, in sensibel mit feinen Farbschimmern abgestuften Weiß-, Beige- und Brauntönen gehalten. Der belebte, lockere Pinselduktus in den Körperkonturen, vor allem im Bereich der Ärmel, und die tendenziell eher flächige Gestaltung der Figur weist bereits auf den abstrakten Stil von Marwans späteren Gesichtslandschaften voraus. Das Thema der Verhüllung beschäftigt ihn um 1970 mehrfach: In seiner Kaltnadel „Kopf mit Tuch“, 1970 (Merkert 101) nähert der Künstler sich dem Motiv der Verhüllung bereits an, ohne

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jedoch das Gesicht zu bedecken, in der Arbeit „Der Verhüllte“ von 1970 (Merkert 103) setzt er das Motiv ganz ähnlich um wie in unserem Gemälde, und thematisch vergleichbare Verhüllungen finden sich in seinen Radierungen „Der Verdeckte“ und „Figur“, 1970/71 (Merkert 104 und 110). Für Marwan war Malen immer schon eine Arbeit an existentiellen Grundfragen. Die Suche nach dem eigenen Ich, nach Identifikation mit der eigenen Biographie und nach einem „möglichen“ Abbild vom Menschen, kennzeichnen bereits sein Frühwerk. Von der arabischen Literatur beeinflusst, die Marwan in Damaskus studierte, ist seine Bildsprache seit der Mitte der 1960er Jahre von der islamischen Mystik des Sufismus beeinflusst. Seine Biographie steht bereits früh für Weltoffenheit und Globalisierung: Marwan studierte zunächst Arabische Literatur an der Universität in Damaskus bevor er 1957 nach Berlin kam. Hier besuchte er direkt die Malklasse von Hann Trier an der Hochschule für Bildende Künste. Ab 1963 arbeitete er als freischaffender Maler in Berlin und gehörte zur Avantgarde, zum Kreis um Georg Baselitz und Eugen Schönebeck, und wurde bald von der Galerie Springer entdeckt und bekannt gemacht. Von 1980 bis 2003 war er Professor an der Hochschule der Künste Berlin. Wir danken Angelika von Schwedes, Berlin, für hilfreiche Auskünfte.


8216 203


8217

marwan 8217 Stilleben mit Früchten Öl auf Leinwand. 1977. 46 x 55 cm. Oben rechts mit Pinsel in Rot signiert „MARWAN“ und datiert, verso auf dem Keilrahmen mit Faserschreiber in Schwarz signiert, datiert und gewidmet. 5.000€ „Ob er neben den ‚Köpfen‘ ab Mitte der 70er Jahre seine wenigen ‚Stilleben‘ malt oder um 1980 die ersten ‚Marionetten‘ – immer geht es ihm darum, den Garten rein abstrakter, gestischer Malerei

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so zu kultivieren, dass er mit ihr alles (...) in die Geist und Sinne bewegende Poesie reiner Anschauung übersetzen kann. (...), dafür ist ihm gerade die bildnerische Auseinandersetzung mit dem stillen Leben der Dinge wichtiges Instrument.“ (Jörn Merkert, in: Marwan. Ein syrischer Maler in Berlin, Ausst.-Kat. Berlinische Galerie, Berlin 2001, S. 35). Unser Stilleben mit Äpfeln, Zitrone und einem Messer ist in überwiegend braun-grüner Farbpalette und in raschem Malduktus erfasst. Marwan erreicht in seinen Stilleben, „dass auch in einer Frucht, einer Schale, einer Kanne (...) das Drama des Menschen zwischen Liebe und Tod, Sehnsucht und Beglückung, zwischen Hoffen und Vergänglichkeit - in bewegenden Erlebnissen der Sinne sichtbar werden kann.“ (Merkert, Berlin 2001, S. 35).


8218

marwan

8218 Kopf Öl auf Leinwand. 1980. 24 x 33 cm. Unten links mit Pinsel in Rot signiert „MARWAN“, verso auf dem Keilrahmen erneut signiert, datiert und gewidmet. 4.000€

Unser kleiner Portraitkopf in raschem, belebten Pinselduktus und warmer Farbgebung erinnert an den abstrakten Stil von Marwans späteren Gesichtslandschaften.

8219 Kopf Kaltnadel und Schabtechnik auf festem Velin. 1976. 53,4 x 43,4 cm (69,8 x 50 cm). Signiert „MARWAN“ und datiert, verso nochmals signiert, datiert und gewidmet. Auflage 25 num. Ex. Merkert 145. 900€

Prachtvoller, herrlich gratiger Druck mit sehr schönem Plattenton und dem vollen Rand, an zwei Seiten mit dem Schöpfrand.

8219 205


herbert peters

(1925 Ragnit – 2006 München)

8220 Stele Sandstein, auf grau gefasste Holzplinthe gesteckt. 1980er/1990er Jahre. 33,3 x 9 x 3 cm. Nicht bei Riedl. 700€

Das Thema der Stele beschäftigte den Bildhauer Herbert Peters, der u.a. Mitglied der Münchner Künstlergruppe „Neue Gruppe“ war, seit den 1960er Jahren. Die ursprünglich organische Form, die sich nach und nach aus der Darstellung des menschlichen Torsos herauskristallisiert, wird über die Jahre immer abstrakter und reduzierter. Ab 1982 entstehen zunehmend Stelen dieser Form in unterschiedlichen Dimensionen und Materialien. Herbert Peters Steinskulpturen zeichnen sich durch die besonders sensible Bearbeitung des Steins und das Herausarbreiten der mineralischen Eigenschaften der Oberfläche aus.

8220

herbert peters

8221 Ombra Gips, grau gefasst. 1976. 27,4 x 26 x 9 cm. An der Unterseite datiert und mit der Werkverzeichnisnummer „WVZ 84“. Vgl. Riedel 84. 1.200€

Es handelt sich wohl um die Gipsform, nach welcher die Bronze Ombra (Riedl 84) gegossen wurde. Von den vier geplanten Abgüssen wurde ein dem Werkverzeichnis bekannter Guss verwirklicht. Das Werk zählt zu einer Reihe blockhafter, abstrakter Arbeiten aus den 1970 Jahren, die sich bildhauerisch mit dem menschlichen Torso auseinandersetzen.

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8221


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thomas bayrle

(1937 Berlin, lebt in Frankfurt/Main)

8222* „Der Einsame Läufer“ Farbsiebdruck auf leichtem Karton. 1969. 48 x 68,3 cm. Signiert „Bayrle“, datiert und betitelt. Auflage 50 num. Ex. 1.000€

Prachtvoller Druck der blattfüllenden Darstellung. 207


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8225

friedensreich hundertwasser

(d.i. Friedrich Stowasser, 1928 Wien – 2000 auf einer Schiffsfahrt im Pazifik)

8223 Two clouds raining seven colours Farbholzschnitt mit Gold- und Silberdruck auf bräunlichem Japanbütten. 1975/76. 29 x 51 cm (42,8 x 57 cm). Signiert „Hundertwasser“ und mit zwei japanischen Rotstempeln, datiert sowie mit der Ortsangabe „Vienna“ und der eingekreisten Werknummer „473A“. Auflage 200 num. Ex. Koschatzky 60. 1.200€

Blatt II der von David Kung betreuten Folge „Midori No Namida“, erschienen 1975 bei der Gruener Janura AG, Glarus, in einer Gesamt­ auflage von 206 Exemplaren. Die Vorlage für den Holzschnitt ent­stand 1961 in Tokio und spiegelt die japanische Atmosphäre. Den Schnitt besorgte Kenji Okura Horishi, Tokio, und den Druck Mata­ shiro Uchikawa Surishi, Tokio; mit deren beiden Stempeln im rechten Rand unter den Farbauszugspunkten. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand, oben mit dem Schöpfrand.

gerhard altenbourg

Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand, unten und seitlich mit dem Schöpfrand. Die Holzmaserung als kompositionelles Gestaltungsmittel wunderbar mitdruckend. Provenienz: Privatbesitz Berlin

ernst fuchs

(1930–2015, Wien)

8225 Sphinx I Bronze mit goldbrauner Patina, lose auf Marmorsockel. 1977. 19 x 34,5 x 16 cm. Rückseitig mit der gegossenen Signatur „Ernst Fuchs“ sowie dem Editionsstempel „venturi arte“. Auflage 1000 num. Ex. Messner 19.

(1926 Rödichen-Schnepfenthal – 1989 Meißen)

2.500€

8224 „Das sind die Wege wurzelentlang“ Holzschnitt auf festem Bütten. 1974. 43,4 x 69,3 cm (57,6 x 96,8 cm). Signiert „Altenbourg“, datiert und betitelt sowie mit dem Blindstempel des Künstlers. Auflage 20 num. Ex. Janda H 178 Vc.

Gegossen von Venturi Arte, Bologna. Erschienen bei The Hilliard Collection GmbH, München. Mit einem Arbeitsbilderbogen und 10 illustr. Blatt Begleittext sowie mit einem Zertifikat von Dr. Paolo Venturi/Venturi Arte, Bologna, November 1977 und Sabine Meister/ The Hilliard Collection GmbH, München, vom 20.2.1978, und mit einer Bestätigung von Ernst Fuchs, Wien, November 1977, dort nochmals numeriert. Ausgezeichneter Guss mit homogener Patina. Gesamthöhe mit Sockel 23 cm.

1.200€

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8226

markus prachensky (1932 Innsbruck – 2011 Wien)

8226 Ohne Titel Mischtechnik auf festem Velin. 1970. 107 x 76,5 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „PRACHENSKY“ und datiert, verso bezeichnet „for you / the whole series / of 14 / 1“. 5.000€ Blatt 1 aus der „Hannover“-Serie. Ein vehementer gestischer Farbauftrag bestimmt die expressive Zeichnung in Hellrosa und PinkViolett. Prachensky gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Informel in Österreich. Er studierte Architektur und parallel dazu ab 1953 Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. 1956 gründete er gemeinsam mit Wolfgang Hollegha, Josef Mikl und Arnulf Rainer die Künstlergruppe um die „Galerie nächst

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St. Stephan“, geleitet von Otto Mauer. Er wurde Mitglied der Wiener Secession. Prachensky verbrachte Anfang der 1960er Jahre einige Zeit in Berlin, wo seine Serie „Rot und Rot - Berlin“ entstand. In dieser Folge begann sich seine typische tachistische, expressive Malweise zu entwickeln, und auch fortan sollten seine Werkgruppen nach den jeweiligen Aufenthaltsorten des Künstlers benannt werden. 1970 arbeitete Prachensky in Hannover, wo er sich ein kleines Atelier mietete, an seiner „Hanover-Series“, in deren Gestus unsere Zeichnung entstand. „Ich muss also mit jedem Bild über das Gesehene hinaus, das neue Bild muss eine Intensität gewinnen, die derjenigen der erfahrenen Wirklichkeit entspricht, es muss ebenso neu und sogar stärker wirken als der Weltausschnitt, der dem Bild den Anstoss liefert.“ (Markus Prachensky, Das Glück, ein Maler zu sein, in: Ausst.-Kat. Kunstsammlungen Chemnitz 2004, S. 28).


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henryk stazewski (1894–1988, Warschau)

8227 Ohne Titel Farbsiebdruck auf Velin. 1974. 30,2 x 30,2 cm (60 x 59,5 cm). Signiert „H. Stazewski“ und datiert. Auflage 100 num. Ex.

8228 Ohne Titel Farbsiebdruck auf Velin. 1975. 29,6 x 30 cm (60 x 59,5 cm). Signiert „H. Stazewski“ und datiert. Auflage 100 num. Ex.

Stazewski war ein führender Vertreter der konstruktivistischen Bewegung sowie Mitbegründer der geometrisch-abstrakten Kunstbewegung in Polen und Mitglied der Gruppen „Abstraction Création“ und „Cercle et Carré“. Prachtvoller, klarer Druck mit breitem, wohl vollem Rand.

In den 1970er Jahren begann Stazewski, das Thema der Rhythmisierung der Fläche umzusetzen, indem er zweidimensionale Flächen mit schwarzen Linien und weißen Unterbrechungen gliederte. Prachtvoller Druck mit breitem, wohl vollem Rand.

700€

700€

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8229

henryk stazewski

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8229 Ohne Titel Siebdruck auf Velin. 1976. 54,4 x 19 cm (59,5 x 60 cm). Signiert „H. Stazewski“ und datiert. Auflage 100 num. Ex.

8230 Ohne Titel Siebdruck auf Velin. 1976. 54 x 34,5 cm (59,8 x 60 cm). Signiert „H. Stazewski“ und datiert. Auflage 100 num. Ex.

Prachtvoller Druck mit breitem, wohl vollem Rand.

Prachtvoller Druck mit breitem, wohl vollem Rand.

700€

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700€


8231

henryk stazewski

8231 Ohne Titel Relief. Velinkarton. 1972. 60 x 42 cm. Signiert „H. Stazewski“ und datiert. Auflage 100 num. Ex. 2.000€ Stazewski studierte von 1913-1919 Malerei an der Hochschule der Bildenden Künste in Warschau. In den folgenden Jahren beteiligte er sich an wichtigen Ausstellungen der konstruktivistischen Bewegung in Polen und war Mitbegründer der polnischen Avantgardegruppe „BLOK“. Ab 1924 reiste er regelmäßig nach Paris, wo er eine

enge Freundschaft mit Piet Mondrian und Michel Seuphor entwickelte. 1927 organisierte Sta¿ewski die erste Ausstellung Kasimir Malewitschs außerhalb Russlands. Bereits 1931 gründete er das Museum für Moderne Kunst in Lodz. Ab den 1960er Jahren entstanden seine monochromen Reliefs, für die die vorliegende Arbeit ein charakteristisches Beispiel bildet. Geometrische, reduzierte Elemente aus fester Pappe ragen aus der Oberfläche des Bildträgers, so dass das Relief sich durch wechselnde Lichtverhältnisse verändert; es setzt einen Bewegungseffekt, ein Wechselspiel von Licht und Schatten in Gang, das durch die Bewegung des Betrachters um das Werk herum zusätzlich beeinflusst wird. Prachtvolles Exemplar. 213


adriena simotová (1926–2014, Prag)

8232 Ohne Titel (Combing fake Hair) Kaltnadel auf Kupferdruckpapier. 1970. 35 x 25 cm (53,3 x 38,8 cm). Signiert „Adriena Simotová“ und datiert. 900€

Adriena Simotová gilt als eine der wichtigsten Wegbereiterinnen für die Entwicklung der modernen Kunst in der Tschechoslowakei. Sie gründete gemeinsam mit anderen tschechoslowakischen Künstlern die Künstlergruppe UB 12. Insbesondere nach der politischen Wende wurden von ihr entworfene Objekte auf zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Auf der Biennale in Florenz wurde sie 1970 für ihr graphisches Schaffen mit einer Goldmedaille geehrt. Prachtvoller Druck mit breitem Rand.

tibor hajas

(1946 Budapest – 1980 Szeged)

8233 Ohne Titel (Image Whipping II Tumo) 2 Silbergelatineabzüge auf Barytpapier. 1979. 40 x 30 cm. Je verso mit Bleistift bezeichnet „KK-II/1“ und „KK-II/-2“ und mit Bleistiftannotation. 4.000€

Tibor Hajas entwickelte seit den 1970er Jahren in Ungarn einen Werkkomplex aus Film, Fotografie, Objekten, theoretischen

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Schriften und Performances. Sein Werk steht der Fluxusbewegung, aber auch den Wiener Aktionisten nahe. Das Ausreizen von Grenzen, insbesondere der Belastbarkeit des eigenen Körpers, ist ein wiederkehrendes Thema, welches er in Performances erprobt und wie hier mit der Kamera dokumentiert. Der Titel bezieht sich auf die gleichnamige Performance in Budapest aus dem Jahr 1979. Mit signiertem Fotozertifikat (Kopie) von Andrzej Lachowicz, Breslau, vom 10.06.2009.

milos urbásek

Provenienz: Andrzej Lachowicz und Natalia Lach-Lachowicz (Natalia LL), Breslau Privatsammlung Krakau

Die komplette, acht Blatt umfassende Mappe. Erschienen bei der Erker Presse St. Gallen, mit deren Blindstempel unten links. Als einer der ersten Künstler in der Slowakei konzentrierte sich Urbásek auf die geometrische Abstraktion. Eine Analyse des auf einen Kreis reduzierten Buchstabens „O“ führte er in monochromen und farbigen Serien durch. Prachtvolle Drucke in leuchtender Farbigkeit mit dem vollen Rand.

Literatur: Anna Markowska (Hrsg.), Gdzie jest Permafo?, Ausst.-Kat. Muzeum Wspólczesne Wroclaw, Breslau 2002 (ganzs. Abb. S. 122)

(1932 Ostrava-Zábreh/Mähren – 1988 Drábsko)

8234 Hommage à Albers 8 Farbserigraphien auf Velinkarton. 1977. Je ca. 59,3 x 59,3 cm (70 x 69,6 cm). Jeweils signiert „Urbásek“. Auflage 100 num. Ex. 1.800€

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8235

dóra maurer

8235 „Series drawing with the camera - A) Circle in a Square“ Collage mit 13 Silbergelatineabzügen und Bleistift auf Karton. 1977-1979. 70 x 100 cm. Oben rechts mit Bleistift signiert „Maurer“ und datiert, links betitelt, mit Projektbeschreibung und Skizze. Auflage 5 num. Ex. 7.000€

„Die Zufälligkeit der Bildeinstellung und die Beliebigkeit des Gegenstandes, die permanente Grenzüber- oder -unterschreitung wird gleichsam zum ‚genetischen Fingerabdruck‘ von Dóra Maurer. Dieser eigenartige Schwebezustand, diese Präzisierung des Unpräzisen ist allen Arbeiten eigen.“ (Dieter Honisch, Das Bild als Transfer, in: Maurer Dóra, Ausst.-Kat. Ludwig Museum, Budapest 2008, S. 14). Literatur: Maurer Dóra, Ausst.-Kat. Ludwig Museum, Budapest 2008, Abb. S.113

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dóra maurer (1937 Budapest)

8236 „Series drawing with the camera - B) Circle around a Square“ Collage mit 10 Silbergelatineabzügen und Bleistift auf Karton. 1977-1979. 70 x 100 cm. Oben links mit Bleistift signiert „Maurer“, datiert, betitelt, mit Projektbeschreibung und Skizze. Auflage 5 num. Ex. 7.000€

Aus einem quadratischen Glaskasten heraus fotografiert Maurer, sich im Kreis bewegend, und wandert mit ihrer Kamera immer an der horizontalen schwarzen Linie des Kastens entlang. In Aufnahmeund Belichtungszeit stimmen alle Fotografien exakt überein. Die anschließende Reihung der Fotos ermöglicht eine Bewegungsstudie und eine Wahrnehmungsanalyse von Zeit, Raum und Überlagerung. Literatur: Maurer Dóra, Ausst.-Kat. Ludwig Museum, Budapest 2008, Abb. S. 112

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dóra maurer

8237 „P 6“ Radierung mit Aquatinta auf festem Velin. 1970. 40,3 x 40 cm (70 x 50 cm). Signiert „Maurer“, datiert und betitelt. Griffelkunst 190 A3. 1.200€

Herausgegeben von der Griffelkunst-Vereinigung, Hamburg. Prachtvoller, differenzierter Druck mit dem vollen Schöpfrand.

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dóra maurer

8238* „(de)formation 7“ Prägedruck und Radierung auf festem Velin. 1978. 57,3 x 43,3 cm (69,5 x 49,8 cm). Signiert „maurer“, datiert und betitelt. Griffelkunst 210 C6. 4.000€

Erschienen bei der Griffelkunst-Vereinigung, Hamburg. Maurer, Vertreterin der ungarischen Neoavantgarde, legt der Werkreihe der „(De)formation“ die Anordnung, Verschiebung und Zusammenfügung geometrischer Formen sowie die Auseinandersetzung mit mathematischen Berechnungen zugrunde. Arbeiten der Künstlerin sind u.a. in der Nationalgalerie Berlin, der Grafischen Sammlung der Albertina Wien, der Tate Gallery London und dem Museum of Modern Art New York zu finden. Ausgezeichneter Druck mit Rand, oben und unten mit dem Schöpfrand.

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8238


8239

magdalena jetelová (1946 Semily)

8239* Ohne Titel Mischtechnik auf dickem Velin. 1989. 54,3 x 37,4 cm. Verso unten rechts mit Bleistift monogrammiert „M. J.“ und datiert. 1.000€ Die Bildhauerin Magdalena Jetelová ist bekannt für großformatige Skulpturen, die elementare Gegenstände aus dem alltäglichen Umfeld zum Thema machen. Durch sie werden Formen monumentalisiert und verzerrt, sodass ihre ursprüngliche Funktion ad absur­ dum geführt wird. Diese stets raumbezogenen Arbeiten werden

von Zeichnungen und Skizzen der Künstlerin begleitet, welche als integraler Bestandteil ihrer Arbeit zu verstehen sind. Die vorliegende Zeichnung, ist, laut den Angaben der Künstlerin, in der Vorbereitungsphase zur Arbeit INSTALLATION in der Krypta der Katharinen Kirche entstanden. Die Installation bestand aus zwei großen quadratischen Skulpturen, die in Kombination mit einer roten Laserlinie den Grundriss der Kirche in den Gewölbetrakt und auf die gotische Decke projezierte. Dieses 3D Spiel mit dem Grundriss und die dabei entstandene, ständige räumliche Veränderung, wurde in der vorliegenden Zeichnung untersucht und mit Schriftsätzen beschrieben. Wir danken Magdalena Jetelová für ihre freundlichen Auskünfte. 219


8240

roy lichtenstein (1923–1997, New York)

8240 Still Life with Crystal Bowl Siebdruck und Farblithographie auf BFK Rives-Rollenpapier. 1976. 80,2 x 110,5 cm (96,3 x 125,5 cm). Unten rechts signiert „rf Lichtenstein“ und datiert. Auflage 45 num. Ex. Corlett 150. 15.000€

Herausgegeben von Multiples Inc. und Castelli Graphics/New York und gedruckt bei Styria Studio/New York (mit Blindstempel unten rechts) in einer Auflage von 45 +10 A.P. Im Jahr 1961 vollzog sich im Schaffen des amerikanischen Künstlers Roy Lichtenstein ein deutlicher Wandel. An die Stelle seiner frühen, von Kubismus und Konstruktivismus beeinflussten Arbeiten traten nun die von comic strips und Werbung inspirierten Werke, in denen Lichtenstein sowohl die Thematik als auch den Stil seiner Vorbilder auf Malerei und Grafik übertrug und die ihn bereits zu Lebzeiten zu einem der erfolgreichsten Vertreter der amerikanischen Pop Art machten. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand.

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jannis kounellis

8242 Projetto per Beuys Fettkreide auf Velin. 1998. 29,5 x 41,8 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Kounellis“.

(1936 Piräus/Athen – 2017 Rom)

8241 „Projetto per Beuys“ Fettkreide auf Velin. 1988. 29,5 x 41,8 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Kounellis“, links datiert und betitelt. 3.000€

Provenienz: Galerie Fred Jahn, München (dort 2010 erworben) Privatsammlung Europa

3.000€

Assoziative Verbindungen zum Schaffen Joseph Beuys stellt Kounellis in seiner Zeichnung her. Der Künstler war von 1993 bis 2001 Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Aus dieser Zeit stammt die vorliegende Zeichnung. Mit dem Schaffen des mit ihm befreundeten Joseph Beuys ist Kounellis‘ Werk insofern ver­gleichbar, als er für seine Installationen und Skulpturen aus Alltagsmaterialien alltägliche Materialien wie Kohle, Eisen, Holz, Leinen, Teer, rostigem Metall, Erde oder auch Feuerflammen verwendete. Damit wurde er zu einem der bahnbrechenden Künstler der Bewegung der Arte Povera. Provenienz: Galerie Fred Jahn, München (dort 2010 erworben) Privatsammlung Europa 221


8243

jannis kounellis

8243 Ohne Titel (Hommage an Lotte Lenya) Aquarell und Bleistift auf Zeichenkarton. 1974. 40 x 59,9 cm. Mittig mit Bleistift signiert „Kounellis“ und bezeichnet „Instabile“. 4.000€

Jannis Kounellis zog es nach seinem Studium in Athen 1956 nach Rom, wo er bei Toti Scialoja an der Akademie der Schönen Künste studierte. Der szenographische Ansatz des Lehrers, der ebenfalls für Theaterproduktionen tätig war, prägte Kounellis nachhaltig. Das breite Spektrum seiner Kunst wird schon bald durch legendäre Performances mit u.a. Musik oder lebenden Tieren erweitert, in denen seine Gemälde zur performativen Erfahrung werden können. Auch die Serie „Ohne Titel (Hommage an Lotte Lenya)“, die 12 Blätter umfasst, sollte Anteil in einer solchen, dann aber gescheiterten, Perfomance haben. In den sehr feinfühligen, spannungsvollen, lyrischen Kompositionen setzt sich der Künstler mit der Theater-Ikone der 1930er Jahre auseinander. Die österreichischamerikanische Sängerin und Schauspielerin Lotte Lenya (mit gebürtigem Namen Karoline Blamauer), erlangte Bekanntheit durch ihre Auftritte und Interpretationen der Stücke von Kurt Weill, mit dem sie ebenfalls eine Liebesbeziehung führte, und Bertolt Brecht.

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Sie wirkte unter anderem bei der Uraufführung der Dreigroschenoper im Jahr 1928 mit und spielte die Rolle der Seeräuber-Jenny ebenfalls in der Verfilmung von 1931. Schon bald wurde die Künstlerin zu einer der gefragtesten Schauspielerinnen im Berlin der 1930er Jahre. Nach ihrer und Weills Flucht in die USA kann Lenya in den 1950er Jahren auch in internationalen Filmprojekten und Broadway-Rollen an ihren Erfolg anknüpfen. Provenienz: Sammlung Lauffs, Krefeld (Leihgabe im Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld, mit deren Etikett und Stempel auf der Rahmenrückwand) Hauser & Wirth, Zürich (mit deren Etikett auf der Rahmenrückwand) Galerie Fred Jahn, München (dort erworben 2010) Privatsammlung Europa Ausstellung: Zeichnungen 1950-1990, aus dem Kaiser Wilhelm Museum Krefeld und der Sammlung Helga und Walther Lauffs, Erholungshaus der Bayer AG, Leverkusen, 1996 (Kat.-Nr. 115d) Jannis Kounellis, Ohne Titel (Hommage à Lotte Lenya), 1974 und andere Aquarelle und Zeichnungen, Galerie Fred Jahn, München, 2010


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jannis kounellis

8244 Ohne Titel (Hommage an Lotte Lenya) Aquarell und Kugelschreiber auf Zeichenkarton. 1974. 40 x 60 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Kounellis“. 4.000€

Provenienz: Sammlung Lauffs, Krefeld (Leihgabe im Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld, mit deren Etikett und Stempel auf der Rahmenrückwand) Hauser & Wirth, Zürich (mit deren Etikett auf der Rahmenrückwand) Galerie Fred Jahn, München (dort erworben 2010) Privatsammlung Europa Ausstellung: Zeichnungen 1950-1990, aus dem Kaiser Wilhelm Museum Krefeld und der Sammlung Helga und Walther Lauffs, Erholungshaus der Bayer AG, Leverkusen, 1996 (Kat. Nr. 1151) Jannis Kounellis, Ohne Titel (Hommage à Lotte Lenya), 1974 und andere Aquarelle und Zeichnungen, Galerie Fred Jahn, München, 2010

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jannis kounellis

8245 Ohne Titel (Hommage an Lotte Lenya) Aquarell und Bleistift auf Zeichenkarton. 1974. 40 x 60 cm. Unten mittig mit Bleistift signiert „Kounellis“. 4.000€

Provenienz: Sammlung Lauffs, Krefeld (Leihgabe im Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld, mit deren Etikett und Stempel auf der Rahmenrückwand) Hauser & Wirth, Zürich (mit deren Etikett auf der Rahmenrückwand) Galerie Fred Jahn, München (dort erworben 2010) Privatsammlung Europa Ausstellung: Jannis Kounellis, Ohne Titel (Hommage à Lotte Lenya), 1974 und andere Aquarelle und Zeichnungen, Galerie Fred Jahn, München, 2010

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jannis kounellis

8246 Ohne Titel (Hommage an Lotte Lenya) Aquarell und Kugelschreiber auf Zeichenkarton. 1974. 40 x 60 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Kounellis“. 4.000€

Provenienz: Sammlung Lauffs, Krefeld (Leihgabe im Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld, mit deren Etikett und Stempel auf der Rahmenrückwand) Hauser & Wirth, Zürich (mit deren Etikett auf der Rahmenrückwand) Galerie Fred Jahn, München (dort erworben 2010) Privatsammlung Europa

Ausstellung: Zeichnungen 1950-1990 aus dem Kaiser Wilhelm Museum Krefeld und der Sammlung Helga und Walther Lauffs, Erholungshaus der Bayer AG, Leverkusen, 1996 (Kat.Nr. 115c) Jannis Kounellis, Ohne Titel (Hommage à Lotte Lenya), 1974 und andere Aquarelle und Zeichnungen, Galerie Fred Jahn, München, 2010

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8247

jirí georg dokoupil

(1954 Krnov/Tschechoslowakei, lebt in Berlin, Prag und Madrid)

8247 Mappenwerk 9 aquarellierte Siebdrucke, 3 Bl. Titel, Einleitung und Impressum auf BFK Rives-Velin. Lose in Orig.-Kartonportfolio. 1986. Ca. 56,5 x 57 cm. Die Siebdrucke jeweils signiert „dokoupil“ und datiert. Auflage 33 num. Ex. 4.000€

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Zunächst aquarellierte Dokoupil jedes einzelne Blatt und danach erst wurde in einem zweiten Arbeitsvorgang der Siebdruck darübergelegt. Jedes einzelne Blatt ist also ein Unikat. Die Idee zu dieser Edition entstand auf einer Italienreise des Künstlers, bei der er sich intensiv mit den sichtbaren Spuren der religiös-esoterischen Geheimlehren beschäftigte. Er benutzte hier erstmalig seine Prototypen zur Verbildlichung des menschlichen Daseins: Maler, Frau, Kind, Weltkugel, Kreuz, Hase, Haus, Peacezeichen und Geld, immer verzerrt in Kreuzform angeordnet. Erschienen bei Delano Greenidge Editions, New York 1986, mit einem Vorwort von W. W. Dickhoff, in einer Gesamtauflage von 39 Exemplaren. Prachtvolle Drucke dieser formatfüllenden Darstellungen, mit lebhafter Aquarellierung.


jirí kolár und wolf vostell

(1914 Protivin – 2002 Prag / 1932 Leverkusen – 1998 Berlin)

8248 Kolár Vostell Chiasmage, Holz und Knochen. 1980. 45,5 x 62,3 x 17,5 cm. Von Kolár verso auf dem unteren Balken monogrammiert „JK“ und datiert, von Vostell hinten auf dem Knochen signiert „Vostell“ und datiert. 4.500€

Archaische Schriften biblischer Texte, avantgardistisch collagiert auf zwei Holzbalken sowie auf den Schrauben und Halte rungen der beiden Schraubzwingen, die zwischen den Balken das Fragment eines Kieferknochens fixieren. So stehen sich, in Fetzen zer-

rissen und wieder zusammengeklebt, Schriftfragmente aus lateinischem und hebräischem Alphabet in einer hintersinnigen Konstruktion gegenüber. „Die Chiasmage, die wohl interessanteste Entwicklung des Künstlers, basiert auf der konsequenten Zerstörung der Motive und dem systematischen Umorganisieren der Einzelteile. Schriftstücke (...) werden in kleine Stücke gerissen. Sie fügen sich zu neuen komplexen Strukturen zusammen, wobei die ursprüngliche Bedeutung nicht mehr fassbar ist, es entsteht aber eine neue Ordnung.“ (Jirí Machalicky, in: Jirí Kolár, 1914-2002, Col­ lagen, Ausst.-Kat. Ostdeutsche Galerie Regensburg 2014, S. 42). Im Berlin der 1980er Jahre arbeiteten Kolár und der Fluxus-Pionier Wolf Vostell (19321996) zusammen.

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victor vasarely

(1908 Pécs – 1997 Paris)

8249 Kinetisches Objekt (Flaari) Serigraphie in Plexiglaskasten. 1955/1990. 50,5 x 41,5 x 6 cm. Signiert „Vasarely“ sowie auf Klebeetikett typographisch bezeichnet. 3.000€

Herausgegeben von der Edition Pesty Mühely, Budapest 1990, in einer Auflage von 20 Exemplaren; vorliegend eines von fünf Künstlerexemplaren neben dieser kleinen Auflage.

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victor vasarely

8250 Tokyo Farbserigraphie über silberner Tonplatte auf glattem Velin. 1982. 48,2 x 48,2 cm (79 x 65 cm). Signiert „Vasarely“. Auflage 50 num. Ex. Vgl. Benavides/Vasarely 872. 1.000€

Ganz prachtvoller, klarer Druck mit breitem Rand.

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victor vasarely

8251 Etude de Lumière Farblithographie auf festem Velin. 1982. 45,5 cm x 43,3 cm (56 x 52,8 cm). Signiert „Vasarely“. Benavides/Vasarely 902. 1.000€ 8251

Prachtvoller, farbintensiver Druck mit Rand. 229


jirí anderle

(1936 Patlikov, Böhmen, lebt in Prag)

8252 Hommage aux Victimes de Terrorisme, Fragment Nr. V Farbradierung mit Kaltnadel und Aquatinta auf Velin. 1980. 95,5 x 63,5 cm. Signiert „Anderle“. Auflage 70 num. Ex. 800€

Der Künstler Jirí Anderle wurde in eine Generation hineingeboren, die das Trauma des Zweiten Weltkriegs erlebte und unter dem anschließenden streng kommunistischen Regime in Tschechien lebte und arbeitete. Aufgrund seiner Tätigkeit für das Schwarze Theater in Prag hatte der Künstler die Möglichkeit das Land zu verlassen und die Welt zu bereisen. So kam Anderle in Kontakt mit der internationalen Kunstgeschichte und rezipierte die Meister der Kunstgeschichte vielfach in seinem eigenen Werk. Die weibliche Figur in unserem Blatt ist dem Bildnis „Portrait of a Lady“ von Rogier van der Weyden nachempfunden und wird von Anderle in eine betende Frau umgewandelt. Ganz prachtvoller, wunderbar differenzierter Druck der formatfüllenden Darstellung, links mit dem Schöpfrand. Literatur: Kristin L. Spangenberg, Illusion and Reality. Prints by Jiri Anderle. The Anne and Jacques Baruch Collection, Ausst.-Kat, Cincinnati Art Museum 2008 (Kat.-Nr. 56) 8252

jirí anderle

8253 Quid sit futurum cras, fuge quaerere I Farbradierung mit Roulette und Vernis mou auf Hahnemühle-Velin. 1983. 93 x 63 cm (95,5 x 65,5 cm). Signiert „Anderle“. Auflage 70 num. Ex. 800€

„Hüte dich zu fragen, was morgen sein wird!“ lautet der lateinische Ausspruch übersetzt; er stammt von dem Dichter Horaz. Prachtvoller Druck mit schönem Plattenton und kleinem Rand, rechts mit dem Schöpfrand. Literatur: Kristin L. Spangenberg, Illusion and Reality. Prints by Jiri Anderle. The Anne and Jacques Baruch Collection, Ausst.-Kat, Cincinnati Art Museum 2008 (Kat.-Nr. 79)

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jirí anderle

8254 Arnolfini Portrait Farbradierung mit Kaltnadel und Vernis mou auf Hahnemühle-Velin. 1979. 90 x 66,3 cm (105 x 78,5 cm). Signiert „Anderle“. Auflage 50 num. Ex. 900€

Effektvoll fragmentiert Anderle die Druckplatte, ebenso wie die Darstellung. Prachtvoller Druck mit Rand. Literatur: Kristin L. Spangenberg, Illusion and Reality. Prints by Jiri Anderle. The Anne and Jacques Baruch Collection, Ausst.-Kat, Cincinnati Art Museum 2008 (Kat.-Nr. 43) 231


albin brunovsky

(1935 Zohor – 1997 Bratislava)

8255 „Labyrint sveta a raj srdca I. Vepky hluk“ Farbradierung mit Mezzotinto auf Van Gelder ZonenVelin. 1989. 39,5 x 29,5 cm (65 x 48 cm). Signiert „ABrunovsky“, datiert und betitelt. Auflage 65 num. Ex. 1.200€

Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens I. Großer Lärm - so der Titel des Blattes auf Deutsch. Brunovsky zeichnet nach Comenius‘ allegorischem Roman einen tumultartigen Aufruhr in den überfüllten Gängen des Labyrinths. Nach der Schlacht am Weißen Berg, der ersten großen militärischen Auseinandersetzung im Dreißigjährigen Krieg, hatte Comenius alles verloren: seine Frau, die Kinder, das Haus und fast die gesamte Bibliothek. Aus dieser Trauer heraus verfasste er das „Labyrinth der Welt“ als Trostschrift; diese, wie auch die anderen Schriften von Comenius, war in seiner Heimat während der Gegenreformation als ketzerisch verboten. Ganz ausgezeichneter Druck in Schwarz und Rotbraun mit dem wohl vollen Rand, unten mit dem Schöpfrand.

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albin brunovsky

8256 „Labyrint sveta a raj srdca IV. Pycha a pád“ Farbradierung mit Mezzotinto auf Van Gelder ZonenVelin. 1989. 39,2 x 29,5 cm (64,5 x 48 cm). Signiert „ABrunovsky“, datiert und betitelt. Auflage 65 num. Ex. 1.200€

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Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens IV. Stolz und Fall - so der Titel des Blattes auf Deutsch. Einen vehementen Sturz in den Abgrund radiert Brunovsky, Comenius‘ allegorischen Roman illustrierend und deutend, in farblich sehr schön differenzierter Darstellung und dynamischer Komposition. Prachtvoller, klarer Druck in Schwarz und Rotbraun mit dem wohl vollen Rand.


albin brunovsky

8257 „Labyrint sveta a raj srdca VI. Dnadlo sveta“ Farbradierung mit Mezzotinto auf Van Gelder ZonenVelin. 1990. 39,5 x 29,8 cm (64,8 x 48 cm). Signiert „ABrunovsky“, datiert und betitelt. Auflage 65 num. Ex. 1.200€

Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens VI. Tag der Welt – so der Titel des Blattes auf Deutsch. Kontrastreiche Darstellung von surrealistischer Drastik. Prachtvoller, schön differenzierter Druck in Schwarz und Rotbraun mit dem wohl vollen Rand.

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albin brunovsky

8258 „The Labyrinth of the World and the Paradise of the Heart VII“ Farbradierung mit Mezzotinto auf Van Gelder ZonenVelin. 1990. 39 x 29,5 cm (64 x 48 cm). Signiert „ABrunovsky“, datiert, betitelt und gewidmet. Auflage 35 röm. num. Ex. 1.200€

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Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens VII. In kosmisch-metaphysischer Symbolik entwirft Brunovsky seine ebenso souverän wie akribisch radierte Deutung des Romans von Comenius. Seine ausgefeilte Radiertechnik ermöglicht ihm dabei feinste Übergänge und Schattierungen. Prachtvoller Druck in Schwarz und Blau mit dem wohl vollen Rand, oben mit dem Schöpfrand. 233


heinz zander

(1939 Wolfen, lebt in Leipzig)

8259 Selbstportrait Graphit auf gelblichem Velin. 1980. 53 x 44,2 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Zander“, bezeichnet „300“ und rechts datiert. 1.200€

Heinz Zander studierte von 1959-1964 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Bernhard Heisig und war von 1967 bis 1970 Meisterschüler bei Fritz Cremer an der Akademie der Künste Berlin (Ost). Sein Werk verbindet unterscheidbare Stilelemente des Manierismus, der symbolisch dekorativen Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts und des Surrealismus.

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heinz zander

a. r. penck

1.200€

8261 Pyramide Keramik, bemalt und glasiert. 17 x 19,5 x 19,5 cm. Seitlich signiert „ar. penck“, auf der Unterseite auf einem Etikett typographisch bezeichnet „Unikat“.

8260 „Zwischen den Klippen von Pharos“ Bleistift auf gelblichem Velin. 1984. 44,5 x 61 cm. Oben rechts mit Bleistift signiert „Zander“ und datiert, unten betitelt und bezeichnet. Vom Künstler bezeichnet: „Die stets vorhandene, aber in ihren Ursachen nicht geklärte Melancholie über Fundorten, welche sich endlich der Beschreibung durch seinen glücklichen Entdecker preisgegeben haben. .Der Künstler Heinz Zander gehört mit seinen phantastischen Bildwelten, geschaffen in altmeisterlicher Manier, zu einem wichtigen Vertreter der Neuen Leipziger Schule. Zanders Gemälde, Zeichnungen und Graphiken greifen zurück auf Elemente der Literatur- und Kunstgeschichte - mythologische Wesen und Gestalten werden kombiniert mit versteckten Allegorien, Metaphern und Absurditäten.

(d.i. Ralf Winkler, 1939 Dresden – 2017 Zürich)

1.500€

A.R. Penck, eigentlich Ralf Winkler, war ein deutscher Künstler und Musiker, der von 1971 bis 1976 unter dem Namen Mike Hammer und TM zur Künstlergruppe Lücke gehörte. 1980 gelangte er in den Westen und wurde 1988 Professor an der Düsseldorfer Kunsthochschule. In seinen „Welten“ und „Erlebnisräumen“ mit symbolhaften Kürzeln häufen sich Strichmännchen und Bildzeichen, die an archaische Kunst, aber auch asiatische Kalligraphie und Graffiti erinnern. Seit den 1970er Jahren arbeitete Penck an diesen sogenannten „Standart-Bildern“, eine von ihm geschaffene, politische Konzeptkunst, die er als konstruktiven Beitrag zum Sozialismus verstand und die mit den für jedermann verständlichen und benutzbaren Bildzeichen wie eine Art Anleitung funktioniert.

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klaus schwabe

(1939 Unterweißbach – 2017 Leipzig)

8262 Reiter Bronze mit goldener Patina auf Marmorsockel. 25 x 16 x 12 cm. 2.800€

Klaus Schwabe absolvierte seine Studien an der Fachschule für angewandte Kunst Leipzig und an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Walter Arnold, Gerd Jaeger, Hans Steger und

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Herbert Naumann. Von 1983 bis 1993 übernahm der Künstler die Bildhauerklasse an der Dresdner Hochschule und erhielt 1989 den Nationalpreis der DDR. Es folgten zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland und 1984 die Teilnahme an der Biennale in Venedig. Werke befinden sich in der Kunsthalle der Sparkasse Leipzig und im öffentlichen Raum. Die Arbeit ist ein Fragment der Reiterbronze „Budjonny“. Prachtvoller Guss mit schön schimmernder Patina. Gesamthöhe mit Sockel 34,5 cm. Provenienz: Privatbesitz Leipzig


michael morgner

(1942 Chemnitz, lebt in Einsiedel bei Chemnitz)

8263* „Ecce Homo“ Lavage und Prägung auf festem Velin. 1988. 106 x 78 cm. Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „M“ und datiert, verso mit Bleistift signiert „Morgner“, datiert und betitelt. 1.800€

Seit dem Beginn der 1980er Jahre setzt sich Michael Morgner in seinem Œuvre des Öfteren mit dem Thema „Ecce homo“ auseinander. Dabei versucht er sein erlebtes politisches Schicksal in die christliche Leidensgeschichte einzubauen. Die Passion Christi soll für das Leid des Einzelnen und aller Entrechteten stehen. Künst­ lerisch visualisiert er die existenzielle Erfahrung in hell-dunkle Zwischenbereichen, die er mit der Technik der Lavage darstellt. Den figurativen und religiösen Bezug bringt Morgner hier durch den Prägedruck zum Ausdruck, bei dem schemenhaft die Beine Jesu sowie eine zusammenkauernde Figur angedeutet sind. Die vorliegende Arbeit entstand zum Ende der DDR-Zeit und ist von kunsthistorischer Signifikanz.

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michael morgner

8264 Ohne Titel Mischtechnik auf Velinkarton. 1994. 76,8 x 108,5 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Morgner“ und datiert, verso mit Bleistift nochmals signiert „Morgner“, datiert und gewidmet. 1.500€

Michael Morgner zählt zu den Protagonisten der Kunst der ehemaligen DDR. Er war Mitbegründer der Künstlergruppe und Produzentengalerie CLARA MOSCH (1977-1982), die sich in Karl-MarxStadt, heute Chemnitz, formierte. Die Künstler um CLARA MOSCH lehnten den in der DDR vorherrschenden sozialistischen Realismus ab und verfolgten ein Ziel: das Recht auf freie bildnerische Ausdrucksform. So wandte sich Michael Morgner ab den 1970er Jahren der im Westen bereits verbreiteten Abstraktion zu.

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michael wirkner

werner liebmann

8265 Ohne Titiel Acryl auf Leinwand. 137 x 95 cm. Unten rechts mit Kreide in Schwarz signiert „Wirkner“. 2.000€

8266 Erscheinung Öl auf Leinwand. 1993. 98 x 71 cm. Unten mittig mit Pinsel in Schwarz signiert „Lieb“ und datiert.

Die abstrakte Komposition in Weiß, Schwarz und vielfältig variierten Grau- und Brauntönen scheint eher einen Seelenzustand zu spiegeln als Gesehenes. Die Farbe darf verlaufen und spritzen, wird vehement verwischt und differenziert strukturiert, liegt mal fast lasierend und dann wieder pastos auf der Leinwand. Der Schweriner Maler Michael Wirkner gestaltet seine tachistischen Arbeiten, oft auch abstrahierte Landschaften, in übereinanderliegenden Pigmentschichten. Er studierte Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Wirkner entwickelte seine Malerei aus einer inneren Logik heraus, in aller Abgeschiedenheit, und er nannte sich selbst „Malermönch und Eremit“.

Erzählerische Komposition von sensibler Farbigkeit. „Ein anarchischer Philosoph scheint hier am Werk zu sein und ebenso ein feinsinniger Ironiker, Künstler, Grübler, Kämpfer, Narr. In Liebmanns Bildern steckt im heftigen malerischen Gestus das Sowohl als Auch, das Einerseits und Andererseits, das Wahre und das Verlogene, das scheinbar Sinnvolle und doch oft so sinnlos Erscheinende jener gnadenlos einmaligen Wegstrecke und Bewegung, die wir euphemistisch unser irdisches Dasein nennen. (...) Der mit heftigem Pinselgestus vorgeführte Widerspruch zwischen Anteilnahme und Brüskierung erzeugt einen Sog,

(1954 Chemnitz – 2012 Sarow)

238

(1951 Königsthal, lebt in Berlin)

2.000€


8266

bis einem die Augen schmerzen.“ (Ingeborg Ruthe, Ein Fegefeuer der Farben in: 50 neue Bilder, Galerie Berlin 2001, zit. nach liebmann.de, Zugriff 23.3.2022). Nach einem Chemiestudium ging Liebmann an die Hochschule für Kunst und Design Halle, wurde Meisterschüler bei Bernhard Heisig in Leipzig und lehrte an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und der Kunsthochschule Berlin Weißensee.

Provenienz: Galerie Döbele, Stuttgart (dort erworben 1994) Privatsammlung Süddeutschland Ausstellung: Heideröslein, Galerie der Stadt Sindelfingen 1994, (Ausst.-Kat.) Abb. S. 15 239


ludwig wilding

(1927 Grünstadt/Pfalz – 2010 Buchholz bei Hamburg)

8267* „Objekt mit Scheinbewegung SBST 553“ Serigraphie auf Karton und Plexiglas in weißem Holz­ kasten. 1986. 55,5 x 55,5 x 10,5 cm. Verso mit Faserschreiber in Schwarz signiert „Ludwig Wilding“, datiert, betitelt und bezeichnet „2. Objekt von 3“ sowie „25264“. 5.500€ In jeder seiner Werkserien seit den 1960er Jahren gestaltete Wilding aus Linien einander überlagernde Netze und Rasterstrukturen. Verschieben sich diese Strukturüberlagerungen gegeneinander, so entstehen dreidimensionale Seherfahrungen und Moiré-Effekte. Diese virtuellen Bewegungen im Bild verstärken sich durch die

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Bewegung des Betrachters noch zusätzlich. Ziel des Künstlers war es, das perspektivisch konditionierte Sehen zu irritieren und dadurch zugleich menschliche Sehgewohnheiten zu dekonstruieren und den Bildbetrachter in eine aktive Rolle zu versetzen. „Der Höhepunkt der Stereoskopie: Durch den differenzierten Ausbau der räumlichen Anordnung ergeben sich ganz neue und überraschende Lösungen. Die aus dem Objekt in den Raum ragenden Streifen sind nun doch viel realistischer, sodass man wirklich glaubt, man könne sie mit den Händen greifen. Auch die scheinbaren Räume sind wesentlich wirkungsvoller und erzeugen die Illusion einer großen Raumtiefe, die die Wand gewissermaßen durchstößt. Mit dieser Serie von Bildern (die wie im Rausch entstehen) gelingt es, in eine neue Dimension der Bildgestaltung vorzudringen.“ (Ludwig Wilding, in: Ludwig Wilding. Visuelle Phänomene. Ausst.Kat. Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt 2007). Provenienz: Privatsammlung Lutz Dresen, Düsseldorf


8268

raimund girke

(1930 Heinzendorf – 2003 Köln)

8268 Weiß-Grau Gouache in Weiß auf dünnem, schwarzem Bütten. Um 1983. 24 x 31,3 cm. 2.500€

Nur durch das Zusammenspiel des groben schwarzen Papiers und des nuancierten Farbauftrags der monochromen, weißen Farbschicht erfährt diese Papierarbeit des Künstlers Raimund Girke Modulation und Struktur. Wie Geschriebenes, ordnen sich die dynamisch nach oben strebenden breiten Pinselspuren Stück für Stück aneinander, wo sie sich verdichten und nach unten transparent auslaufen. Durch die Überlagerungen verschiedener Malschichten und den dadurch variierenden Farbauftrag schimmert das schwarze Papier unterschiedlich stark durch und schafft die nuancierten Abstufungen vom Weiß ins Grau. Provenienz: Privatsammlung Bayern 241


8269

markus lüpertz

(1941 Liberec, lebt in Berlin, Düsseldorf und Karlsruhe)

8269 Abstrakte Komposition Mischtechnik (farbige Kreiden, Aquarell, Kohle und Bleistift) auf Velin. Um 1980. 61 x 43,2 cm. Unten rechts mit Kreide in Grün signiert „MARKUS“. 3.500€ 242

In seiner typischen dithyrambischen Manier verbindet Lüpertz abstrakt anmutende zeichenhafte Gegenstände. Neue ineinander verschränkte Formengebilde entstehen hier, die sich jedoch nicht eindeutig bestimmen lassen, was Lüpertz‘ Arbeiten so geheimnisvoll und attraktiv macht. Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland


8270

jan schoonhoven (1914–1994, Delft)

8270* „T85-167“ Feder in Schwarz auf Velin. 1985. 49 x 32,5 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Schoonhoven“ und datiert, unten links betitelt, verso mit Feder in Schwarz nochmals signiert, datiert, betitelt und bezeichnet. 3.000€

Jan Schoonhoven gründete gemeinsam mit Armando, Kees van Bohemen, Jan Henderikse und Henk Peeters 1959 die „Nederlandse Informele Groep“, die bereits 1960 in die Gruppe „nul“ (Null) überging. Die Namensgebung verweist auf die deutsche Künstler-

gruppe ZERO und auf den Nullpunkt, von dem ein künstlerischer Neuanfang ausgehen sollte. Sie setzte sich von der Gruppe CoBrA ab und strebte nach einer objektiven Kunst, die jedes emotionalen Wertes entkleidet ist und in der die Anwesenheit des Künstlers als Person ausgelöscht ist. Provenienz: Nachlass des Künstlers Privatsammlung Niederlande Sotheby‘s, New York, Auktion 24.05.2018, Lot 6 Privatsammlung Rheinland 243


8271

vera molnar

(1924 Budapest, lebt in Paris)

8271 Lettres de ma mère 6 teils farbige Siebdrucke auf festem Velin sowie 2 Bl. Titel, Text und Impressum. Lose in Orig.-Umschlag. 1990. 32 x 42 cm. Jeweils signiert „V. Molnar“. Auflage 40 num. Ex. 1.200€

Siebdrucke nach Plotterzeichnungen, herausgegeben in einer Gesamtauflage von 60 Exemplaren vom Museum Vasarely Budapest, 1990. Diese Reihe gehört zu einer Werkgruppe Molnars, die sich mit dem Aufbau von Handschriften beschäftigt. Die Künstlerin erinnert sich, dass sie bis zu deren Tod jede Woche Briefe von ihrer Mutter erhielt und beschreibt in Computerzeichnungen, wie sich die Handschrift im Laufe der Jahre veränderte. Einige dieser Plotterzeichnungen überdeckt sie im Anschluss mit handgezeichneten Linien. Prachtvolle Drucke der blattgroßen Darstellungen.

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8272

miklos erdely

(1928–1986, Budapest)

8272 Folklore Mischtechnik (Bitumen, Lackfarben, Pastell, Silberfarbe) auf glattem, beschichtetem Velin. 1984. 61 x 86 cm. Unten rechts mit Farbstift in Rot (schwer lesbar) signiert „M. Erdely“ und datiert. 4.000€

Das Multitalent Erdely, ungarischer Architekt, Schriftsteller, Poet und Filmemacher, war ein wichtiger Katalysator der inoffiziellen ungarischen Kunstszene seit den 1960er Jahren und wurde als „Vater der neuen ungarischen Avantgarde“ gefeiert. Aus seinen experimentellen Lehrstudios für avantgardistische künstlerische Prozesse und interdisziplinäres Denken entwickelte sich die Gruppe

„Indigo“, für (ungarisch) interdisziplinäres Denken. In seiner abstrakten Komposition kombiniert Erdely Bitumen, Lackfarben, zum Teil aufs Papier gesprüht, Silberfarbe und Kreiden, so dass eine schimmernde, fein abgestufte Tonalität entsteht. Provenienz: Galleria Spicchi dell‘Est, Rom (mit handschriftlich bezeichnetem Klebeetikett sowie weiterem Klebeetikett, dort typographisch bezeichnet, auf der Rahmenrückseite) Ausstellung: Miklos Erdely. Opere dagli anni ‚50 al 1980, Spicchi dell‘Est, Rom 1992, S. 59 Erdély Miklós Eletmûkiállítás, Mûcsarnok, Budapest 1998 245


8273

jean-jacques sempé

(1932 Bordeaux, lebt in Paris)

8273 Musiker mit Kontrabass Feder in Schwarz auf Velin. 1980. 32,2 x 21,6 cm. Unten links mit Feder in Schwarz signiert „Sempé“ und datiert. 2.000€

1954 traf Jean-Jacques Sempé im Büro des belgischen Verlags la World Press auf den Champs-Élysées René Goscinny, und es entstand eine ganz besondere und laut Sempé seine erste richtige Freundschaft. Beide arbeiteten für das belgische Wochenblatt „Le Moustique“, als Sempé ein kleines Persönchen mit dem Namen Nicolas skizzierte, ein Name der von einem berühmten Weinhändler inspiriert wurde. Die beiden Freunde vereinten ihre Kindheits-

246

erinnerungen, und Sempé illustrierte die Texte von Goscinny. Daraus entstand 1959 die erste Geschichte des „Petit Nicolas“, der Sempé weit über Frankreich hinaus berühmt machen sollte. Im Jahr 1979 widmete Sempé der Musik, der er seit Kindertagen zugetan war, ein eigenes Buch, ein Jahr später entstand auch unsere Zeichnung. Sie zeigt auf die für Sempé typische liebevoll ironische Manier die völlige Einheit zwischen Musiker und Instrument. Eventuell ist unsere Zeichnung für die Ausstellung „Sempés Musiker“ enstanden, die 1981 in der Galerie Bartsch & Chariau in München stattfand. Wir danken Jean-Baptiste Papailhau, Galerie Martine Gossieaux, Paris, für diesen Hinweis. Provenienz: Privatsammlung Süddeutschland


8274

louis cane

(1943 Beaulieu-sur-Mer, lebt in Paris)

8274 Polyptychon Öl, teils gestempelt, über Bleistift auf Leinwand. 1990. 130 x 162,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert "Cane" und datiert. 6.000€

Louis Cane war nach Abschluss seines Studiums in Nizza und Paris Anfang der 1970er Jahre Mitglied der Gruppe Supports/Surfaces. Für seine Stempelarbeiten, die Tampons, erhielt er große Beachtung. Zunächst als Serie von bemalten Papieren schuf er in der Folge großformatige Leinwände, die formatfüllend mit einem Stempel bedruckt sind. Unser großformatiges Gemälde ist hierfür ein eindrucksvolles Beispiel. 247


8275

rainer fetting

(1949 Wilhelmshaven, lebt in Berlin und New York)

8275 Berliner Mauer Farboffset auf Velin. 1988. 52,7 x 69 cm (59 x 78,8 cm). Signiert „Fetting“ und datiert. 1.200€

Aus unbekannter Auflage. Teil der zwölfteiligen Mappe „Twelve European Artists“, herausgegeben von René van Bree für New Artists Ltd. Schöner, farbfrischer Druck mit dem vollen Rand.

8276 „N.Y. Taxi“ Farbradierung auf Arches-Velin. 1992. 90 x 60 cm (118,8 x 78,5 cm). Signiert „Fetting“, datiert und betitelt. Auflage 100 num. Ex. 1.600€ 8276 248

New Yorker Taxis gehören zu Fettings beliebtesten Motiven. Prachtvoller Druck mit breitem Rand.


rainer fetting

8277 „Sonnenblumen“ Aquarell und farbige Kreiden auf Velin. 1997. 76 x 56,5 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Fetting“ und datiert, unten mittig betitelt. 2.200€

Rainer Fetting studierte von 1972 bis 1978 bei Hans Jaenisch an der Hochschule für Künste in Berlin. 1977 gründete er u. a. mit Helmut Middendorf, Salomé und Bernd Zimmer die Galerie am Moritzplatz. Seine Themen sind immer wieder Stadtmotive (oft Berlin) sowie Portraits, Akte und Stilleben, die er in leuchtender Farbigkeit und großer Expressivität wiedergibt. So leuchten auch in diesem energievollen Werk die locker aquarellierten, mit Kreide akzentuierten Sonnenblumen üppig vor dem dunklen, blaugrünen Hintergrund. Provenienz: Privatsammlung Süddeutschland

8277

rainer fetting

8278 „Äpfel“ Aquarell auf Velin. 1997. 76 x 56,5 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Fetting“ und datiert, unten mittig betitelt. 2.200€

Ins Monumentale steigert Fetting die Präsenz der Äpfel. Rotbackig und saftig gelb scheinen sie aus sich selbst heraus zu leuchten und füllen den Bildraum fast ganz aus, komplementäre Werte von Blau und Grün umspielen ihre Konturen, so dass ein Bild von lebensvoller Üppigkeit entsteht.

8278

Provenienz: Privatsammlung Süddeutschland 249


8279

tom wesselmann

(1931 Cincinnati – 2004 New York)

8279 Monica Lying Down One Arm Up Lithographie auf Velin. 1990. Ca. 75 x 120 cm (83 x 129,5 cm). Signiert „Wesselmann“ und als Exemplar „H(ors) C(ommerce) 1/6“ bezeichnet. 3.000€

Tom Wesselmann stellt immer wieder den „Great American Nude“ ins Zentrum seines Schaffens. Das Motiv des weiblichen Aktes wird bei ihm im Kontext der Massenmedien ironisch und kritisch reflektiert. Hier umreißt er „Monica“ mit mehrfach umschatteten Linien in Schwarz und Grau, die wie ein Echo die Körperkonturen umspielen. Herausgegeben von International Images Inc., Putney, Vermont. Prachtvoller Druck mit breitem Rand.

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8280

raymond pettibon

(1957 Tucson, lebt in Los Angeles und New York)

8280 Oh my sister, words cannot undo the done Feder in Schwarz und Braun auf Velin. 1991 33 x 25 cm. Verso mit Kugelschreiber in Schwarz signiert „Raymond Pettibon“ und datiert. 4.000€

Raymond Pettibon machte erst einen Abschluß in Wirtschaft in Los Angeles, arbeitete kurz als Mathematiklehrer an einer High-

School, bevor er seine Karriere als Künstler begann. Pettibon gilt als Kultfigur der Los Angeles Punk Rock Szene, und seine internationle Bedeutung als zeitgenössischer amerikanischer Künstler bezieht sich auf verschiedenste Werke, die Zeichnungen, Text und Buchgestaltung beinhalten. In seinem Werk bezieht sich Pettibon auf das aktuelle Geschehen, Literatur des 19. Jahrhunderts, ame­ rikanische Politik der 1960er Jahre oder auch die zeitgenössische Popkultur. Retrospektiven seiner Arbeiten fanden u.a. im Phila­ delphia Museum of Art, Santa Monica Museum of Art und im Museum of Contemporary Art, Los Angeles statt. 251


8281

james lee byars

(1932 Detroit – 1997 Kairo)

8281* The perfect Cheek Goldstift auf rötlichem Packpapier, gefaltet und geklebt. 1981. Durchmesser 104 cm. 3.200€

Goldstiftzeichnung auf zwei horizontal zusammenmontierten Bögen Packpapier, rund zugeschnitten. Nach einer Ausstellung in der legendären Wide White Space Gallery in Antwerpen 1969 wurde Byars Teil einer Gruppe von Künstlern und Kunstliebhabern rund um diese bahnbrechende Galerie: Joseph Beuys, Marcel

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Broodthaers, Jef Cornelis, Nicole und Herman Daled, Isi Fiszman und viele andere, und Byars wurde mit Performances, Objekten, Skulpturen und Räumen zu einer prominenten Figur in der europäischen Kunstszene. „James Lee Byars war besessen von der Möglichkeit der Perfektion. ‚Perfekt‘ war eines seiner Lieblingswörter und seine Maxime.“ (Kasper König in der Laudatio zum Wolfgang-Hahn-Preis 1994). Provenienz: Galerie Michael Werner Köln Privatsammlung Rheinland


8282

terry atkinson

(1939 Thurnscoe, lebt in Leeds)

8282 „Map not showing the extradition of terrorist“ Assemblage und Pastell auf schwarzem Karton. 1985. 52 x 78 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „T. Atkinson“ und datiert. 1.500€

Der britische Konzeptkünstler war Mitbegründer und bis 1974 Mitglied der Künstlergruppe Art & Language, die sich der Konzeptkunst widmet. Atkinson beschäftigt sich in unserer Arbeit vermutlich mit dem Nordirlandkonflikt. 253


volkmar haase (1930–2012, Berlin)

8283 Sich befreiende Woge Eisen, geschmiedet, auf Steinsockel montiert. 1990. Ca. 63,4 x 43,5 x 15 cm. Unter der gereihten Wogenform mit dem Signatur­ stempel „HAASE“. 2.000€

„Der in vielen Skulpturen wiederkehrende Gegensatz zwischen der in sich ruhenden Form und ihrer tänzerischen Schwerelosigkeit – verursacht dadurch, dass die Skulpturen auf einem Punkt stehen und mit ihrem ganzen Gewicht darauf zulaufen – ist ein Thema das Volkmar Haase ein Leben lang unbewusst beschäftigte.“ (zit. nach: volkmarhaase.de/Uber-die-Form, 17.03.2022). Volkmar Haase studierte bei Hans Uhlmann und war Meisterschüler von Max Kaus an der Hochschule der Künste Berlin. Seit 1958 war er freischaffend als Maler, Graphiker und insbesondere als Bildhauer tätig, ab 1965 mit einem Atelier in Berlin-Kladow. Seine abstrakten Skulpturen, meist aus Edelstahl, sind deutschlandweit, jedoch vor allem im Berliner Raum an vielen öffentlichen Plätzen zu finden. Gesamthöhe mit Sockel ca. 86 cm.

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8284

joan hernández pijuan (1931–2005, Barcelona)

8284 „Esbòs per Terres Blanques 3“ Öl auf Leinwand. 1996 27,5 x 35 cm. Unten rechts mit Pinsel in Braun signiert „Hernandez Pijuan“ und datiert, verso mit Bleistift auf der Leinwand signiert „Hernandez Pijuan“, datiert, betitelt und mit den Maßangaben. 3.500€

Die Kunst des katalanischen Künstlers Joan Hernández Pijuan beschäftigt sich mit den Grundlagen der Malerei, ihrer Mittel und Möglichkeiten. In die noch feuchten, mit dem Spachtel aufgetragenen Farbschichten drückt er mit einem Kohlestift seine Zeichnung ein und legt die darunterliegenden Farbschichten frei. Diese spontane und schnelle Technik unterstreicht seinen fast kalligraphischen Gestus – mit fließenden, ununterbrochenen Linien ent-

steht eine schwungvolle abstrahierte Landschaft. Joan Hernández Pijuan zählt zu den wichtigsten Gegenwartskünstlern Spaniens, sein Werk ist weit über die Landesgrenze hinaus bekannt. Im Jahr 2012 würdigte ihn das Museum Reina Sofia in Madrid mit einer umfassenden Retrospektive. Provenienz: 1997 Galería Joan Prats, Barcelona (in Kommission, verso mit dem Etikett) 2000 Galerie Academia, Salzburg (verso mit dem Stempel in Rot). Privatbesitz Nürnberg Ausstellung: Hernández Pijuan „Repetir la Mirada“. Malerei 1991-96. Salzburg, Mauro Mauroner, Galerie Academia, 1996, mit Abb. (noch ohne Signatur und Datierung) 255


8285

eduardo chillida

(1924–2002, San Sebastián)

8285 Alrededor de Valente II Aquatinta und Prägedruck auf handgeschöpftem festen Eskulan-Velin. 1995. 21 x 25 cm. Signiert „Chillida“ und mit dem Künstlersignet. Auflage 50 num. Ex. Van der Koelen 95004. 3.000€

Das Motiv „Rund um Valente II“ wurde herausgegeben in kleiner Auflage von insgesamt 67 Exemplaren von der Galerie Dorothea van der Koelen, Mainz. Gedruckt im Taller Hatz, San Sebastián. Prachtvoller Druck mit deutlicher Prägung und schöner Materialwirkung.

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8286

james brown

(1951 Los Angeles – 2020 Mexiko)

8286 „Oaxaca Paintings“ Mischtechnik auf Leinwand. 1997. 59 x 89 cm. Verso mit Bleistift signiert „James Brown“, datiert und betitelt. 3.000€

Mit Hilfe harter Fältelungen in der Leinwand – möglicherweise handelt es sich um die Rückseite einer vorgefundenen Landkarte – kartographiert der Künstler seine schwebenden, teils geisterhaft verschwommenen Formen in 21 Feldern. Das malerische Werk Browns verbindet gestische Abstraktion mit figürlichen Bildzeichen, wobei er Einflüsse regionaler Volks- und Stammeskunst mit Elementen der Klassischen Moderne verbindet. In seinen Zeich-

nungen und Gouachen verwendet der Künstler häufig biomorphe Formen, entwickelt aus in der Natur vorgefundenen Strukturen. Ausgebildet an der École nationale supérieure des Beaux-Arts in Paris, begeisterte sich Brown für die Werke älterer Kunst, wie die der Gotik und der Renaissance. Zusammen mit Jean-Michel Basquiat, Keith Haring und Donald Baechler debütiert er 1983 in der Galerie Tony Shafrazi in New York. 1995 zieht der Künstler mit seiner Familie nach Mexiko und realisiert in Oaxaca zusammen mit seiner Frau diverse künstlerische Projekte. Provenienz: Privatbesitz Nürnberg Ausstellung: Studio d‘Arte Raffaelli, Trient 1999, Kat.-Nr. 9 (mit ganzs. Abb.) 257


8287

cornelia schleime (1953 Berlin)

8287 Studien zum Stierkampf 5 Blatt. Pinsel in Braun, Rot und Schwarz und Feder in Schwarz, jeweils auf Tapetenpapier. 1987. Bis 39 x 50,3 cm. 1 Blatt unten links mit Feder in Braun monogrammiert „C.M.P“ und datiert, 1 Blatt verso datiert und gewidmet und mit handschriftlichem Gedicht sowie kleiner Zeichnung. 3.000€ Cornelia Schleime studierte 1975 bis 1980 Malerei und Graphik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und siedelte 1984 nach Westberlin über. Infolge ihrer Ausreise aus der DDR verschwand ihr gesamtes bis dahin geschaffenes Werk, sie war damals intensiv von der Staatssicherheit beobachtet worden. Unsere Serie von Zeichnungen entstand in der Zeit ihrer Neuorientierung im Westen,

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als Schleime die klassischen Ausdruckformen von Malerei und Zeichnung wieder für sich entdeckte. Eindrucksvoll und mit kräftigem Pinselstrich in dunkler Farbpalette thematisiert Schleime in dem kleinen Konvolut aus fünf Zeichnungen, davon drei Blatt jeweils verso noch mit weiteren Studien, den spanischen Stierkampf. Immer wieder zeigt sie oder deutet lediglich leicht abstrahiert den Torero mit der Lanze an, dicht neben dem Stierkopf. Eine Zeichnung trägt rückseitig ein eigenhändiges Gedicht Schleimes mit der Widmung „Für S.“, wobei es sich vermutlich um den Schriftsteller Sascha Anderson handelt. Provenienz: Privatbesitz Hamburg Ausstellung: Galerie Bodo Niemann, Berlin 1988


8288

cornelia schleime

8288 Balancierende Frau Aquarell und Feder in Schwarz auf faserigem, gelben Japan. 1997. 55 x 74,6 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert“C.M.P. Schleime“ und datiert. 1.800€

Malerin, Graphikerin, Performerin, Filmemacherin, Schriftstellerin, Musikerin - Cornelia Schleime ist eine Universalkünstlerin. 2016 wurde ihr in der Berlinischen Galerie anlässlich der Verleihung des Hannah-Höch-Preises eine Retrospektive gewidmet. Auf den ersten

Blick zeigt unser Bild das gefällige Motiv einer Frau im gelben Kleid, umgeben von einem farblich mit ihr harmonierenden, ebenfalls gelben Hintergrund. Doch der Hintergrund entpuppt sich als eine mehrschichtige Farblandschaft, ohne klare räumliche Strukturen, inmitten dessen die junge, konzentriert wirkende Frau vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzt. Ihre Suche nach Gleichgewicht wird durch die Balancierstange unterstrichen. Handelt es sich um eine Artistin auf dem Drahtseil oder um eine junge Frau, die ihren Lebensweg bestreitet? Cornelia Schleime arbeitet in ihren Bildern mit dem Unbewussten und Surrealen, das sich hinter einer scheinbar einfachen harmonischen Darstellung versteckt, sich erst nach und nach zeigt und dann in der eigenen Phantasie immer deutlicher wird. 259


8289

pavel feinstein

(1960 Moskau, lebt in Berlin)

8289 Stilleben mit roten Blumen Öl auf Leinwand. 1992. 74 x 60 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „PAVEL“ und datiert, verso mit der Werknummer „477“ sowie auf dem Keilrahmen bezeichnet „F20“. 1.200€ Der dunkle Hintergrund, charakteristisch für die ungewöhnlichen Stilleben Feinsteins, lässt das Rot der weit geöffneten Blüten besonders intensiv leuchten. Duktus und Entschiedenheit der farbigen Gestaltung zeugen von souveräner Beherrschung der maleri-

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schen Mittel. Im Zentrum des künstlerischen Schaffens von Feinstein stehen Stilleben, zu denen er weder Vorzeichnungen noch Skizzen anfertigt. Sie entstehen intuitiv aus seiner eigenen Phantasie und Erlebniswelt heraus. „Denn große Malkunst ist ja mehr als nur Farbe auftragen, nur Technik und handwerkliches Können, die sicher notwendig sind; große Kunst ist beinahe ein Schaffen ‚EX NIHILIO‘, nur aus vorschwebendem Vorbild, aus Gedanken, aus Idee, aus Willen und aus Zwang entstanden.“ (Rabbiner Ernst M. Stein, in: Pavel Feinstein, Ausst.-Kat. Galerie Taube, Berlin 2001, o. S.). Provenienz: Rabbi Dr. Ernst Max Stein, Rabbi Emeritus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin


8290

maxim kantor

(1957 Moskau – Berlin, London und Moskau)

8290 „Portrait Zinoviev“ Öl auf Leinwand. 2001. 100 x 80 cm. Unten rechts mit Pinsel in Blau signiert „MAKCNM“, verso kyrillisch und deutsch signiert „MAXIM KANTOR“, datiert und betitelt. 2.000€ Aus dem Rot und Pink der Komposition und dem Gesicht mit den in reliefartig-dickem Farbauftrag plastisch durchmodellierten Falten und Furchen leuchten intensiv die in die Ferne blickenden Augen hervor. Kolorit und malerische Umsetzung verleihen dem Philo­ sophenbildnis eine Ausstrahlung von ungemeiner Kraft. In seiner Graphik „Three Philosophers“ greift Kantor 2003 in seinem Mappen­

werk „METROPOLIS.ATLAS“ die Figur des Philosophen in ebenjenem rotkarierten Hemd erneut auf (maximkantor.com/Index_w2.html, Zugriff 15.02.2022). Alexander Zinoviev (Sinowjew) war ein russischer Philosoph, Dissident, Soziologe, Logiker und Schriftsteller. Wegen seiner fortgesetzten Kritik am Stalinismus wurde er 1978 ausgebürgert und lebte bis zu seiner Rückkehr nach Russland im Jahr 1999 in München. Die Kritik am bürokratischen System der Sowjetunion und später Russlands beherrschte weiter sein schriftstellerisches Schaffen, auch mit Gorbatschows Perestroika noch ging er scharf ins Gericht. Sinowjew blieb seiner Linie als unbequemer Querdenker immer treu. Als Sohn des Philosophen Karl Kantor wuchs Maxim im Umfeld der sowjetrussischen Intelligenzia auf. Dass Alexander Sinowjew ein enger Freund der Familie war, spiegelt sich in der intensiven, liebevollen Erfassung seines Bildnisses. 261


8291

aris kalaitzis (1966 Leipzig)

8291 Ohne Titel (Selbstbildnis) Öl auf Leinwand. 1997. 40 x 40 cm. Verso mit Pinsel in Schwarz signiert „KALAITZIS“ und datiert, auf dem Klebeetikett verso mit der Nummer „76“. 2.500€

Traumartig-irreal wirken seine Werke häufig, und so erscheint auch das Selbstbildnis in seiner Verschwommenheit ein wenig irritierend und unwirklich. Es vermag beim Betrachter einen gewissen Taumel, eine Störung des inneren Gleichgewichts hervorzurufen. Häufig sind es Traumszenen oder innere Bilder, die Kalaitzis, oft nach aufwendigen Fotodokumentationen und nach Phasen meditativer, kontemplativer Versenkung, malt. „Vielleicht ist ein neuer Begriff für die Beschreibung seiner Arbeit bezeichnender als die Begriffe Realismus oder Surrealismus. An Stelle von sur, dies bedeu-

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tet über oder oberhalb, ist Sottorealismus hier passender. Sotto (unterhalb oder unter) weist auf die in einer Farbe verborgenen Geheimnisse hin, die unter der Oberfläche der Geschichte vergraben sind.“ (Aris Kalaizis im Gespräch mit Carol Strickland, in: Rubbacord, Ausst.-Kat. maerzgalerie Leipzig, 2006, S. 12). Kalaitzis wird der Neuen Leipziger Schule zugerechnet. Seit Mitte der 1980er Jahre schuf er in Leipzig, zunächst als Teil einer musikalischen Subkultur, Plattencover für diverse Punk-, Metal- oder New-WaveBands. Seit 1992 studierte er Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Arno Rink sowie dessen Assistenten Neo Rauch. Das Selbstbildnis entstand während seines Meisterschülerstu­ diums; kurz darauf, 1999 gründete er mit seinem Freund Torsten Reiter die maerzgalerie, Leipzig. Später wurde er einem internationalen Publikum durch die Teilnahme an der Biennale di Venezia sowie 2011 durch seine Teilnahme an der 4. Triennale im Guangdong Museum in Guangzhou (China) bekannt.


karl menzen

(1950 Heppingen – 2020 Berlin)

8292 Stahlskulptur Polierter Edelstahl auf dünner Metall-Plinthe. 2003. 35,8 x 17,3 x 16,6 cm. Auf der Plinthe unterseitig mit dem Prägestempel „Menzen 2003“. 900€

Bekannt ist Karl Menzen durch zahlreiche monumentale Skulpturen im öffentlichen Berliner Raum, und so zeugen auch die kleinformatigeren Arbeiten des Berliner Künstlers von dessen

ungeheurer Schaffenskraft. Wie sein Lehrer Volkmar Haase arbeitet der studierte Werkstoffwissenschaftler und Diplomingenieur Karl Menzen abstrakt und mit reduziertem Vokabular von elementaren, geometrischen Körpern. Menzen bevorzugt das starre Material des Stahls und eine rechteckige Grundform, die er aufschneidet oder einschneidet und Teilflächen in den Raum biegt. Durch die verspielte Drehung bis an die Grenze der Torsion, verbunden mit der reflexiven Oberfläche des polierten Stahls, gewinnt unsere Skulptur aus der Werkgruppe „Transformationen“ an Dynamik und Dreidimensionalität.

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8293

karl menzen

8293 Doppelbogen II Unbehandelter Stahl. 2004. 20,1 x 26,5 x 16 cm. Auf der Unterseite mit dem Prägestempel „Menzen 2004“. 900€

Das Herausarbeiten harmonischer Bewegungen aus dem starren Material des Stahls ist eine der Besonderheiten des Metallbildhauers Karl Menzen. Der Skulptur „Doppelbogen II“ der Werkgruppe „Transformationen“, liegt die Grundform eines Querrechtecks zugrunde, das Menzen verschiedentlich einschneidet und die unteren Teile in sich parallel wie Standbeine gegenläufig zur Grundform schräg in den Raum biegt. Der Künstler verzichtet hier bewusst auf den Glanz der Oberfläche und setzt auf das unbehandelte Material des Stahls, stellenweise mit leichter Korrosion, eine stetig sich verändernde Oberfläche, die den Naturgesetzen unterworfen bleibt. Literatur: Karl Menzen, Stahlwerk, Berlin 2012, S. 72 (mit Abb.)

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johannes grützke (1937–2017, Berlin)

8294 „Norbert Tefelski“ Öl auf Leinwand. 1990. 40 x 29,5 cm. Oben links mit Pinsel in Rot monogrammiert „J. G.“ und datiert, verso signiert „Johannes Grützke“, datiert und betitelt. 3.000€

Viel dichter konnte der Künstler kaum an sein Modell herangehen; das Format ist vom Männerkopf nahezu komplett ausgefüllt. Indem das Bild „den Vorgang des Abmalens, wie die Pose des Sitzens – in die Bildaussage integriert“ (E. Schenk zu Schweinsberg, Versuch zur Bildsprache von Johannes Grützke, in: Holeczek, S. 8), wird es in der Anmutung, wie häufig bei Grützke, seinem Charakter als Realitätsausschnitt voll gerecht. Mit breiten, zügigen und souveränen Pinselbewegungen sowie pastosem Farbauftrag gestaltet Grützke virtuos das Bildnis Tefelskis. Eine reduzierte Palette aus Grau-, Gelb- und Rottönen dominiert das ganz leicht aus der Untersicht gezeigte Porträt. Der Mann ist nach links gewandt und blickt mit vorgeschobenem Kinn und leicht geschürzten Lippen links aus dem Bild heraus. Die leichte Froschperspektive, die das mächtige Kinn zusätzlich betont, und der in sich gekehrte Blick finden sich häufiger in Grützkes Menschendarstellungen. Hier zeigt er einfach nur den Menschen in seinem Dasein, ohne alles Beiwerk, so dass der Ausdruck alleine die Darstellung bestimmt. Der Dargestellte, der Berliner Autor, Verleger und Journalist Tefelski hatte 1980 den KULTuhr Verlag gegründet, woraus sich eine Bekanntschaft und Zusammenarbeit mit Johannes Grützke ergab.


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fritz kreidt

(1936 Essen – 2020 Berlin)

8295 Brikettfabrik Zipsendorf Kohle und hellblaue Kreide auf festem grundierten Papier. 1991. Ca. 150,5 x 102,5 cm (Passepartoutausschnitt). Unten rechts mit Kohle signiert „KREIDT“. 1.200€

„Auf der Strecke von Zeitz nach Altenburg liegt Meuselwitz, und innerhalb des Ortes, etwas zurückgesetzt von der Straße, aber Häuser und Bäume dazwischen überragend, und schon wegen der hohen weißen Dampfwolke darüber unübersehbar, lag die Brikettfabrik Zipsendorf“, so schreibt Fritz Kreidt in dem Kapitel “Film­ reisen“ seines Ausstellungskataloges „Heroische Landschaft“ (Heidelberg 1993, S. 32). Alte Fotos dieser Reise zeigen, dass es sich bei unserer monumentalen Zeichnung von Zipsendorf um eine Fabri-

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kansicht von Westen handelt. Wie durch die Kamera fokussiert Kreidt den Blick auf die Industriearchitektur, eingebettet in eine Umgebung aus Bäumen und hohem Gras. Mit den gedämpften, pastelligen Untergrundfarben und der feinen Strichelung der monumentalen Kohlezeichnung schafft Kreidt ein ganz wunderbares Werk, das erst durch den lebendigen Hell-Dunkel-Kontrast und den Hauch von Kolorit seine geheimnisvolle Stimmung erhält. Provenienz: Nachlass Fritz Kreidt Literatur: Fritz Kreidt, Heroische Landschaft, Industrie- und Stadtansichten aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen 1990-1993, Heidelberg 1993, S. 95 (Kat.-Nr. 52)


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fritz kreidt 8296 „Der Absetzer (TB Witznitz)“ Öl auf Leinwand. 1991/2006. 144 x 211,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Rot signiert „KREIDT“, verso auf dem Keilrahmen mit Faserstift in Schwarz signiert, datiert und betitelt. 4.000€ Es liegt wohl auch an seiner Herkunft aus dem Ruhrgebiet, dass der gebürtige Essener Maler Fritz Kreidt ein besonderes Auge für die Schönheit der Farben von heruntergekommenen Industrielandschaften hat, welche er zu seinem Motiv macht. Landschaften, die er früher nur aus dem Westen Deutschlands kannte, wurden nach 1989 in ähnlicher Weise auch im Osten sichtbar und so begab sich Kreidt direkt nach der Wende dorthin und malte die Industrie-, Stadt- und Tagebaulandschaften der ehemaligen DDR. Durch das große Format fast heroisch anmutend, gibt Kreidt in diesem Ge-

mälde den Blick frei auf ein Abbaufeld, eine menschenleere und vegetationsarme Kraterlandschaft des Tagebaus Witznitz südlich von Leipzig. Mit klassischen Mitteln ausgewogen komponiert, definiert Kreidt im Vordergrund zunächst unterschiedliche Stein-, Sand- und Geröllschichten in dem für ihn so typischen Kolorit aus kräftigen Gelb-, Ocker-, Braun- und Rottönen. Zur Mitte hin gliedert ein von schweren Maschinen gezeichneter Weg den Bildaufbau, bevor im oberen Drittel eine fast die gesamte Bildbreite einnehmende, wuchtige Halde aus der teils mit Wasser überfluteten und mit kleinen Inselchen durchspickten Grube aufragt. Ein letzter „Absetzer“ bleibt der einzige Hinweis auf den noch aktiven Braunkohleabbau in diesem Gebiet, bevor das Werk 1993 stillgelegt wurde. Lediglich ein kleiner Ausblick auf das sächsische Umland am linken Bildrand führt den Betrachter in die Zivilisation zurück. Provenienz: Nachlass Fritz Kreidt 267


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helge leiberg

(1954 Dresden, lebt in Berlin)

8297 Ohne Titel Acryl auf Leinwand. 1997. 70 x 50 cm. Unten mittig mit Bleistift signiert „leiberg“ und datiert, verso auf dem Keilrahmen bezeichnet „M97 143“. 1.500€

Helge Leiberg beschäftigte sich mit der Kombination verschiedener Medien wie Musik, Film, Tanz und bildende Kunst. 1979 gründete er mit Michael Freudenberg und A. R. Penck eine Malerband. „Wird man unvermittelt mit Helge Leibergs Malerei konfrontiert, nimmt einen die Atemlosigkeit, die Dynamik und die Kraft des Ausdrucks sofort gefangen... Die Leichtigkeit dieser Zeichnung ist

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eine der Hauptstärken von Leibergs Arbeitsweise; dabei kommt kein Zweifel auf, was hier so leicht gesetzt ist, ist von meisterlicher Formbeherrschung und genauer Kenntnis von Bewegungsabläufen entstanden. Erst aus dieser Kenntnis erwächst eine figurative Abstraktion, die nur der Andeutung bedarf, um die Illusion im Kopf des Betrachters vollkommen zu machen. Und immer ist es der Mensch, den Leiberg ins Zentrum der Gestaltung setzt.“ (Martin Stather, zit. nach Homepage Helge Leiberg, Zugriff 21.4.2022). Provenienz: Galerie Michael Schultz, Berlin/Dresden (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite, dort typographisch bezeichnet) Privatsammlung Süddeutschland


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jörg ernert (1974 Leipzig)

8298 New York Dreiteilige Arbeit. Tempera und Lackfarben, 1 Bl. mit Collage, auf Velin. 1996. Bis 30,3 x 21,2 cm. Jeweils unten rechts mit Kreide in Schwarz monogrammiert „J.E.“. 1.200€

1991 bis 1996 studierte Ernert an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, u.a.bei Wolfram Ebersbach und Neo Rauch. Er unterbrach seine Ausbildung in Leipzig im Jahr 1996 für einen freien Studienaufenthalt in New York City. Während dieser Zeit entstand unsere dreiteilige Arbeit, die in Gestus, abstrahierter Umsetzung der Motive und in der Formgebung noch Anklänge an den Neo­ expressionismus zeigt und Momentaufnahmen der amerikanischen Stadt einfängt. Immer wieder gilt Ernerts bevorzugtes Interesse der Frage, wie weit Abstraktion gehen kann, wenn der Gegenstand noch erkennbar bleiben soll, und auf welche Weise Reduk­tion das Bild bereichert. Seit 2004 lehrt er an der HGB Leipzig.

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8299

dietmar lemcke

(1930 Goldap/Ostpreussen – 2020 Berlin)

8299 Küstenlandschaft Öl auf Leinwand. 2005/06. 100 x 130 cm. Oben rechts mit Pinsel in Blau signiert „Lemcke“ und datiert.

1.800€

Das Leuchten der südlichen Sonne erfüllt das Bild, die Wärme des Tages scheint beinahe spürbar. Klare Akkorde von Gelb-Orange und Blau-Türkis stehen effektvoll nebeneinander, aufgelockert von vereinzelten Bildelementen in Weiß. Souverän spielt Lemcke mit den Farbkontrasten, im flächig-opaken Farbauftrag dienen lockere Pinselschwünge der farbigen Markierung von Konturen und Plasti­zität, „sein Sujet allerdings ist die Farbe, die seine Motive in neuer Wahrheit und bildorganischen Einheit erstehen lässt.“ (Lothar Romain, Die Identifikation mit dem Gegenstand über die Farbe, in: Dietmar Lemcke, Bilder, Aquarelle, Zeichnungen 1958-2003, Berlin 2003, S. 5).

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8300

otto piene

(1928 Laasphe/Westfalen – 2014 Berlin)

8300* „Rastersonne“ Keramik, farbig gefasst, mit 24-karätigem Goldlack. 2009. 47,5 cm (Durchmesser). Verso mit dem Künstlerstempel „Otto Piene“, datiert und betitelt. Auflage 99 num. Ex. 5.500€

Otto Piene entdeckte 2006 die Keramik als neues Material für seine künstlerische Arbeit und schuf beeindruckende Wandreliefs. Er tröpfelte dickflüssigen Lack durch verschiedene Rasterbarrieren auf ein vorbereitetes Lehmmuster. Nicht nur die Anordnung der goldenen Tropfen schuf den individuellen und einzigartigen Charakter jeder Arbeit, sondern auch ihre konvexen und verschachtelten Formen. Die leicht konvexe Form der golden lackierten Tropfen reflektiert das Licht und gibt dem Kunstwerk einen dezenten Schimmer. Mit der Mischung von archaischen und modernen Elementen gestaltet Piene aus kraftvollem Material ein dynamisches, energiegeladenes Kunstwerk. Sehr schönes Exemplar. 271


imi knoebel

(1940 Dessau, lebt in Düsseldorf)

8301* Una‘s Haus Farblithographie auf festem Velin. 2015. 38 x 28,5 cm (100 x 69,5 cm). Signiert „Imi“ und datiert. Auflage 100 num. Ex. 1.500€

Prachtvoller Druck wohl mit dem vollen Rand, oben mit dem Schöpfrand.

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thomas schütte

(1954 Oldenburg, lebt in Düsseldorf)

8302* Gisela Farbradierung mit Kaltnadel und Carborundum auf Velin. 2012. 42,2 x 29,7 cm (73 x 53 cm). Signiert „Th. Schütte“ und datiert. Auflage 100 num. Ex. 1.400€

Bereits seit Jahrzehnten fertigt Schütte Aquarellskizzen von Freunden und Bekannten sowie zahlreiche Selbstporträts an; immer zeigt er bestimmte emotionale Zustände. Prachtvoller Druck mit dem vollen, sehr breiten Rand, unten mit dem Schöpfrand.

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8303

katharina sieverding (1941 Prag, lebt in Düsseldorf)

8303 Die Sonne um Mitternacht schauen (7A/III/196/1973, monocrome-pink) Farbige Fotolithographie auf festem Velin. 2015. 100 x 67 cm. Signiert „Sieverding“ und datiert. Auflage 60 num. Ex. 1.800€

Neben der Variante in Pink erschienen auch Auflagen in Blau und in Gold. Herausgegeben von der Edition Copenhagen. Den Titel „Die Sonne um Mitternacht schauen“ verwendet die Künstlerin seit den 1960er Jahren immer wieder für maßgebliche Werkblöcke, so

etwa für eine Reihe paradigmatischer Selbstporträts. „Der Titel bleibt enigmatisch und ruft dennoch klar vor Augen, dass Dinge und Themen aus der einen Sicht im Dunkeln verborgen liegen, aus der anderen hingegen hell und klar aufscheinen. Scheint die Sonne auf der einen Erdhalbkugel, ist sie auf der anderen nicht zu sehen; und doch existiert sie zu jeder Zeit und ist die Grundvoraussetzung allen Lebens auf der Erde. Zu diesem Leben gehören Fragen und Konflikte, die die Bedingungen für das Zusammenleben einzelner Menschen, ganzer Gesellschaften sowie das Bestehen globaler Zusammenhänge betreffen.“ (Lenbachhaus.de, Zugriff 5.4.2022). Prachtvoller, klarer und farbintensiver Druck der blattfüllenden Darstellung, oben mit dem Schöpfrand. 273


siegward sprotte

(1913 Potsdam – 2004 Kampen/Sylt)

8304 Blaue Blumen Öl auf Malpappe. 2002. 23,5 x 14,3 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „Sprotte“ und datiert. 400€

Sprotte studierte ab 1931 bei Emil Orlik, Kurt Wehlte und Maximilian Klewer an der Kunstakademie in Berlin und wurde Meisterschüler des alten Karl Hagemeister. Er lebte wechselweise in Kampen auf Sylt oder in Berlin, arbeitete zeitweise auch in Italien, Frankreich und Portugal. Wohl bei einem seiner Aufenthalte in den Südtiroler Dolomiten entstand unser kleines Öllbild mit dichter, reizvoller Darstellung üppiger Rittersporndolden. Verso Fragment einer weiteren Komposition.

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siegward sprotte

8305 Rittersporn Tempera auf genarbtem Velin. 1997. 61,8 x 46 cm. Unten rechts mit Pinsel in Rostrot signiert „S. Sprotte“ und datiert. 1.800€

Hochgewachsene, leuchtendblaue Rittersporndolden stehen bei Sprottes in den Dolomiten entstandenem Aquarell im Vordergrund, wohingegen die geographischen Gegebenheiten für ihn kaum Bedeutung haben. So bleibt das Bergmassiv im Hintergrund nur mit sparsamen grauen Konturlinien angedeutet. In dem Örtchen Colfosco im Val Badia hielt sich Sprotte seit 1993 bis zu seinem Tode regelmäßig mehrere Monate im Jahr auf. Das Südtiroler Motiv spiegelt Sprottes besondere Naturverbundenheit.

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siegward sprotte

8306 Woge Öl auf Karton. 2000. 60 x 80 cm. Unten links mit Bleistift signiert „S. Sprotte“ und datiert. 1.700€

Bereits Anfang der 1930er Jahre, in seiner Zeit bei Hagemeister, setzt sich Sprotte mit den chinesischen Maltechniken auseinander, und später verfasst er mit Hermann Kasack zusammen den Aufsatz „Über das Chinesische in der Kunst“. Eine gestische Pinselschrift, ein korrekturloses Malen in Sprottes bevorzugter Farbgebung führt uns die ewige Dynamik und Ruhe von Himmel und Wellen vor Augen. In dieser kalligraphisch reduzierten Umsetzung entwickelt Sprotte seine ganz eigene Meisterschaft, die sich als eine Art Musikalität in seinem Schaffen zeigt. Hierzu sagt Sprotte: „Die schwebenden Töne sind Töne, die wir erscheinen sehen, auch hören, wenn wir mit ihnen sprechen. Mit diesen Tönen und Blicken erwidert die Landschaft unseren Blick“ (Siegward Sprotte, Bilder aus 60 Jahren, Ausst.-Kat. Potsdam-Museum 1988, S. 22).

8307 Horizont Aquarell auf Velin. 1999. 30 x 40 cm. Unten links mit Feder in Schwarz signiert „Sprotte“ und datiert. 800€

Die enge Verbundenheit Sprottes mit der Insel Sylt ist in vorliegendem Aquarell spürbar. In leuchtenden Farben und sparsamen, sicheren Pinselzügen fängt der Künstler die Atmosphäre an der Küste unmittelbar ein. Der Farbverlauf von Violett im Himmel bis hin zu Orangerot am Boden setzt die Horizontlinie in kräftigem Blau ins Zentrum der Darstellung.

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8308

wolf vostell

michael sowa

8308 „Corysande de Gramont“ Mischtechnik mit Collage aus Zinn und Kunststoff auf schwerem handgeschöpften Bütten, wohl im Künstlerrahmen. 1991. Ca. 51 x 70,7 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „VOSTELL“, datiert und auf der Rahmenrückseite nochmals signiert, datiert und gewidmet, sowie auf einem Etikett typographisch betitelt.

8309 „Feuerwerk“ Acryl auf leichtem Velinkarton. 2009. 31 x 48 cm. Unten rechts in der Darstellung mit Pinsel in Hellblau signiert „SOWA“.

(1932 Leverkusen – 1998 Berlin)

900€

Vostell wurde durch seinen Kunstbegriff und die Technik der Décollage bekannt. Dabei bildete die Verfremdung, Umformung oder Übermalung von Objekten und Materialien das Zentrum seiner Arbeitsweise. Ausgehend vom Titel des Kunstwerks, abstrahiert Vostell hier eine weibliche Darstellung und überarbeitet sie mit Kunststoff- und Metallmasse.

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(1945 Berlin)

1.500€ Am nächtlichen Himmel erscheint inmitten des Feuerwerks das Antlitz von Angela Merkel, der damals frisch wiedergewählten Kanzlerin. Mit skurrilen Details schildert Sowa die Szene in seiner akkuraten, ein wenig an den realistischen Stil alter Meister erinnernden Malweise. Michael Sowa studierte Kunstpädagogik in Berlin und arbeitet seit 1975 als freischaffender Maler und Zeichner. Er liefert Titelbilder und Blätter für das Satiremagazin „Titanic“ sowie für „Die Zeit“ und den „New Yorker“ und arbeitet als Buchillustrator und Bühnenbildner. Die vorliegende Zeichnung schuf er für die Silvesterausgabe des Jahres 2009 von „Die Zeit“.


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klaus killisch

(1959 Wurzen, lebt in Berlin)

8310 Ohne Titel Öl auf Leinwand. 1990. 84,5 x 50 cm. Verso mit Kreide in Schwarz signiert „Killisch“, datiert und bezeichnet „Nr. 10“. 1.800€

Frühe figurative Arbeit in gestischem Duktus und reliefhaft-pastosem Farbauftrag, die noch den neoexpressionistischen Malstil der Wendejahre spiegelt. Klaus Killisch studierte in den Jahren 1981 bis 1986 Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. In nationalen und internationalen Ausstellungen wurden seine Werke u.a. auf der Biennale di Venezia, dem Museum Folkwang und der Neuen Nationalgalerie in Berlin gezeigt. Zur Entstehungszeit des vorliegenden Gemäldes, kurz nach der deutschen Wiedervereinigung, nahm er 1990 an der Gruppenausstellung „L´autre Allemagne hors les murs“ in der Grande Halle de la Villette in Paris teil und stellte im deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig aus.

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klaus fussmann

(1938 Velbert, lebt in Berlin und Gelting)

8311 Klatschmohn Gouache auf handgeschöpftem Bütten. 10 x 14,8 cm. Unten rechts mit Pinsel in Weinrot monogrammiert „Fu“, verso mit einer schwer leserlichen Bezeichnung des Künstlers. 900€

In lebendigen, changierenden Farbnuancen zwischen Rosa- und Rottönen leuchtet der Klatschmohn in dieser hübschen kleinformatigen Studie hervor.

8312 Tulpen Gouache auf Bütten. 2014. 24 x 30,3 cm Unten rechts mit Pinsel in Blau signiert „Fußmann“ und datiert. 2.200€

Eine frühlingshafte Tulpenkomposition des zeitgenössischen Malers und Graphikers, mit kontrastreichen, abstrakten Flächen und leuchtenden Farben.

8313 Astern Gouache auf Bütten. 2016. 28 x 38,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Orange signiert „Fußmann“ und datiert. 2.500€

In flächigem und zur Abstraktion neigendem Malstil, mit beeindruckender Spontanität und Verve entsteht bei Fußmann ein reines Blütenmeer. Ein typisches Blumenaquarell mit nahansichtigen Astern, in der beliebten Farbfrische und abstrakten Lebendigkeit.

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michael karlovski (1968 Mikolaiw/Ukraine)

8314 Verkündigung II Bronze mit grünbrauner Patina und golden gefaßt auf Bronzeplinthe. 2006. 59,5 x18 x 9 cm. Auf der Plinthe monogrammiert „MK“. 3.500€

Michael Karlovski studiert von 1989 bis 1992 an der Kunstakademie Kiew und von 1992 bis 1995 an der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design in Halle (Saale) bei Bernd Göbel, wo er von 1995 bis 1998 ein Aufbaustudium absolvierte. Sein Œuvre ist von einer unverwechselbaren Handschrift geprägt und wagt immer wieder den Rekurs auf die griechische und römische Antike und auf historische Personen. Dabei wagt der Künstler einen eigenen Blick auf die vielfach dargestellten Protagonisten, weicht von der Erzählung ab, interpretiert diese neu. Auch in der Darstellung unserer Figur wird mit der klassischen Ikonographie der Verkündi-

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gungsszene gebrochen. Die anmutige weibliche Gestalt trägt jedoch in ihrer ausgestreckten, gehobenen Hand einen vergoldeten Zweig, der in seiner Dreigliedrigkeit an die Darstellung des Lilienzepters des Erzengel Gabriels erinnert. In weichen und klaren Formen modelliert, überbringt die aufrechtstehende, andächtige Figur eine Botschaft, die trotz der Abweichung von der klassischen Erzählung, ihre Symbolik behält. Prachtvoller Guss mit schöner, differenzierter Patina. Die Arbeit „Verkündigung II“ wird in Kooperation mit der Galerie Koenitz, Leipzig versteigert. Das Aufgeld und das Abgeld sowie 20% des Verkaufserlöses werden zugunsten der Organisation „Save the Children Deutschland e.V.“, zur humanitären Unterstützung von geflüchteten Kindern und Familien im Ukrainekrieg, gespendet. Zusätzlich spendet die Galerie Koenitz 50% des Erlöses an den ukrainischen Künstler Michael Karlovski.


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helmut wellschmidt

(1930 Teschen – 2015 Nürnberg)

8315 Stilleben mit Totenschädel Öl auf Hartfaserplatte. 1950er Jahre. 44,7 x 61,5 cm. Wellschmidt Bd. I, Nr. 3. 2.500€

Der ganze nuancenreiche Themenbereich von Geburt, Tod und Vergänglichkeit spielt eine bedeutende Rolle in Wellschmidts Schaffen. Das frühe Stilleben, bei dem neben dem Totenschädel die blaue Flasche mit ihren kräftigen Farben im Zentrum der klar strukturierten Komposition steht, ist souverän abstrahiert und in kühlem Kolorit gehalten. In gegenständlicher Form, für jeden begreifbar, thematisiert er das Vanitasmotiv. Die Arbeit entstand nach Wellschmidts Ausweisung aus der ČSSR, während der Zeit seines Studiums an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg 1952–1958.

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8316

helmut wellschmidt

8316 Ohne Titel Öl auf Leinwand. 2010. 110 x 120 cm. Wellschmidt Bd. VII, Nr. 316. 3.000€

Drachenwesen und Dämonen scheinen um die Menschen zu ringen, das Skelett rechts im Bild gibt den Takt an. Die surrealistischphantastisch wirkende Darstellung ist mit sorgsamem Duktus umgesetzt, die von grünlichen Nuancen dominierte Tonalität des Gemäldes wird durchbrochen von rötlichen Akzenten. „In jedem Leben innewohnende Vergänglichkeit, der schon im Schöpfungsprozess initiierte Tod tritt dem Betrachter in aller Deutlichkeit vor Augen. Das individuelle Schicksal des einzelnen Menschen vor dem Hintergrund seines kollektiven Schicksals von geboren werden und sterben müssen ist das Hauptthema der künstlerischen Arbeiten dieses Künstlers.“ (helmutwellschmidt.de, Zugriff 22.3.2022). 283


muntean and rosenblum

(d.i. Markus Muntean, 1962 Graz, und Adi Rosenblum, 1962 Haifa)

8317 And now look at us... Bleistift und Collage auf Velin. 2006. 45,2 x 36 cm. 2.000€

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Adi Rosenblum und Markus Muntean bilden seit 1992 ein Künstlerkollektiv, sie leiteten 1995-1998 Bricks & Kicks in Wien und waren damit Mitbegründer der blühenden Wiener Artist-Run-Galerienszene. Sie nehmen erfolgreich an internationalen Ausstellungen teil. In ihren Zeichnungen wenden sie die Technik des Samplings und Resamplings von Bildthemen aus der Kunstgeschichte und der zeitgenössischen Populärkultur an.


heinz willig

(1933 Gelsenkirchen – Berlin)

8318 Johanne 4 Bronze mit goldbrauner Patina. 2012/14. 27 x 49 x 25 cm. Auf dem Stand signiert „H. WILLIG“ und datiert. Auflage 12 num. Ex. Willig 225. 3.000€

Wie eine Tänzerin bei der Dehnungsübung sitzt sie im Schneidersitz, den Oberkörper weit nach links geneigt, so dass der Kopf auf dem Knie zu liegen kommt und der linke Unterarm vollständig entspannt flach am Boden liegt. Scheinbar um die Lendenmuskeln zu wärmen und zu entspannen, legt sie die rechte Hand sanft an die überdehnte Taille. Das mag einerseits dem Wohlbefinden des

Modells gedient haben, es entsteht andererseits durch den abgewinkelten Arm allerdings auch eine wunderbar spitze Dreiecksform, die der überzeugenden, expressiven Haltung des weichen, biegsamen Frauenkörpers zusätzlich Spannung und Dynamik verleiht. So balanciert der Künstler souverän die Wirkung seiner Bronze zwischen stiller Versenkung und Offenheit, zwischen Gelöstheit und Spannung. Die allansichtige Figur ist in kräftigen plastischen Bewegungen ausgeformt und in den Details treffend stilisiert, in der etwas rauen Oberfläche fängt sich das Licht und überzieht die Figur mit einem sanften Schimmer. Heinz Willig schuf bereits 1949 erste plastische Arbeiten. 1951 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, überwiegend in der Klasse für Bildhauerei bei Ludwig Gabriel Schrieber. Prachtvoller Guss mit schön differenzierter Patina, entstanden bei Otto Strehle.

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michael schoenholtz (1937 Duisburg – 2019 Berlin)

8319 Mit Fugen Carrara-Marmor und Zement. 2009. 17,5 x 25 x 9 cm. Auf der Unterseite monogrammiert „MS“ und datiert. Nicht mehr bei Krimmel. 1.000€

Der Bildhauer Michael Schoenholtz war von 1996 bis 2019 Mitglied der Akademie der Künste, Berlin und von 1997 bis 2003 Direktor der Sektion Bildende Kunst. Seit den 1960er Jahren schuf Schoenholtz Skulpturen und Plastiken aus unterschiedlichen Materialien, häufig mit Carrara-Marmor, Granit, Sandstein, Muschelkalk, Soester Grünstein oder Basaltlava. Insbesondere seine späten Plastiken wenden sich einer strengeren und abstrakteren Formensprache zu. Die Skulptur wird aufgenommen in den Folgeband des Werkverzeichnises.

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tom schmelzer

(1966 München, lebt in München und Berlin)

8320 salvator mundi (standing) – peacemaker. Edelstahl, Messing, Kunststoff, Pinienholz und Magnet. 2021. Ca. 40,5 x 21 x 21 (2-teilig). Auf der Unterseite mit Faserstift in Schwarz monogrammiert „TM“ und datiert. Auflage 9 num. Ex. 1.800€

Das Messer als Werkzeug, Jagdwaffe, Essbesteck und Stichwaffe spielt in der menschlichen Entwicklungsgeschichte und Zivilisation eine wichtige, vielfältige und hochambivalente Rolle. Tom Schmelzer spielt in der vorliegenden Arbeit auf die Notwendigkeit an, den Missbrauch unserer zivilisatorischen Fähigkeiten zum Schaden der Menschheit und der Welt zu verhindern. „Mit dieser Waffe kann kein Schaden mehr angerichtet werden. Sie ist die Antwort, die die Frage nach Gewalt als Lösungsoption ad absurdum führt. Sie ist der Salvator Mundi, der Weltenretter.“ (Tom Schmelzer in dem beiliegenden Zertifikat). 287


maurizio cattelan (1960 Padua)

8321* L.O.V.E. Multiple. Beton. In Orig.-Holzbox. 2015. 40 x 14,7 x 14,7 cm. Auf der Unterseite der Skulptur mit dem Editionsstempel. 1.200€

Eine 28-fach verkleinerte Reproduktion der Installation „L.O.V.E.“, die 2010 auf der Piazza Affari in Mailand aufgestellt wurde. Herausgegeben von Seletti, Viadana, in unbekannter Auflagenhöhe. Ausgezeichneter Guss.

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ai weiwei

(1957 Peking, lebt in Cambridge)

8322* Bombs Offset auf Velin. 2019. 183 x 122,2 cm. Auflage 500 Ex. 1.500€

Dargestellt sind 50 in 3D visualisierte Bomben und Massenvernichtungswaffen, die in der Geschichte für politische Krisen und Vertreibung verantwortlich waren. Die dargestellten Bomben und Waffen wurden von den USA, Russland, Deutschland, Großbritannien, Italien und Israel entwickelt und reichen von einer Granate von 1911, die im Italienisch-Türkischen Krieg eingesetzt wurde, bis hin zu einer Atombombe, die 2019 entwickelt wurde. Sie sind von unten nach oben nach dem Grad ihrer Zerstörungskraft angeordnet. Durch die Symbole der Waffen macht Ai Weiwei auf die mehr als 79 Millionen Flüchtlinge weltweit aufmerksam, die derzeit, als Konsequenz globaler Katastrophen und Kriege, auf der Flucht sind. Migration ist ein zentrales Thema im Werk des Künstlers, mit dem er sich besonders seit 2015 auseinandersetzt und sich über die Grenzen der Kunst hinaus politisch engagiert. Ausgezeichneter und kontrastreicher Druck. Ein signiertes und numeriertes Echtheitszertifikat von Ai Weiwei liegt vor.

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register moderne und zeitgenössische kunst Lose 7000-7365, Moderne und Zeitgenössische Kunst II, finden Sie online A Accardi, Carla 8191 Ackermann, Max 8169 Adochi, Heinz 7000 Albert-Lasard, Lou 7001-7004, 8140 Alt, Otmar 7005 Altenbourg, Gerhard 8224 Anderle, Jirí 7006-7007, 8252-8254 Appelt, Dieter 8209 Arnold, Karl August 7008-7009 Atkinson, Terry 8282 B Bach, Elvira 7010 Badur, Frank 7011 Bailly, Alice 8126 Bak, Imre 7012 Balcar, Jirí 7013 Bamberg, Katharina 7014 Barlach, Ernst 7015 Barnils, Sergi 7016 Barye, Antoine Louis 7017 Baschlakow, Alexej Iljitsch 7018 Baum, Paul 8031 Baumeister, Willi 7019, 8160 Bayrle, Thomas 8222 Beckmann, Max 8062-8066 Bellini, Paolo 7020 Benes, Vlastimil 8193-8194 Berg, Werner 8100 Bernhard, Franz 8215 Bertini, Gianni 7021 Beuys, Joseph 7022 Billib, Hans Joachim 7023 Birkle, Albert 8162 Birnbacher, Georg 7024 Böhler, Hans 7025 Böttger, Herbert 8155 Bonato, Victor 7026 Bonnard, Pierre 7027, 8007 Boonen, Jacques 8123 Born, Adolf 7028-7031 Brachmann, Monika 7032-7034 Braque, Georges 7035 Brenner, Birgit 7036 Brodwolf, Jürgen 7037 Brown, James 8286 Bruch, Klaus vom 7038 Brunovsky, Albin 7039, 8255-8258 Bruycker, Jules de 7040 Buchet, Gustave 8125 Buchholz-Starck, Helena 7041 Byars, James Lee 8281 C Campigli, Massimo 7042-7044 Cane, Louis 8274 Cassatt, Mary 7045 Castillo, Jorge 7046-7047 Cattelan, Maurizio 8321 Cavael, Rolf 8214 Cézanne, Paul 7048-7049

Chagall, Marc 7050-7055, 8185 Chillida, Eduardo 8285 Corinth, Lovis 7056-7063, 8085-8089 Cornell, Joseph 8188 Côté, Bruno 7064 Crodel, Charles 7065 Cross, Henri Edmond 7066 Crotti, Jean 8107 Czobel, Béla 7067 D Dahn, Walter 7068-7069 Dalí, Salvador 7070-7073, 8133 David, Jiri 7074-7077 Degner, Arthur 8161 Dippmann, Ivonne 7078 Dix, Otto 7079-7080, 8186 Dörflein-Kahlke, Bertha 7081 Dokoupil, Jirí Georg 8247 Doll, Tatjana 7082 Dongen, Kees van 7083, 8116 Drewes, Werner 7084 Droese, Felix 7085-7086 Dubach, Margaretha 7087 Dubuffet, Jean 8168 Dumas, Marlene 7088 E Eggeler, Stefan 7089-7090 Equipo Crónica 7091 Erdély, Miklós 8272 Ernert, Jörg 8298 Ewel, Gerd 7092-7093 F Farber, Neil 7094 Fautrier, Jean 8187 Feininger, Lyonel 8042-8044 Feinstein, Pavel 8289 Felixmüller, Conrad 7095, 8093-8094 Fetting, Rainer 7096-7097, 8275-8278 Filarski, Dirk 8092 Fingesten, Michel 7098 Finke, Dieter 7099 Floch, Josef 8128 Flora, Paul 7100 Fuchs, Ernst 7101-7105, 8225 Fußmann, Klaus 7106-10, 8311-13 G Gangolf, Paul 8119-8120 Gaul, August 8075 Geertsen, Ib 7111 Geiger, Willi 7112-7113 Gelbke, Georg 7114 Gering, Andreas 8077-8080 Girke, Raimund 8268 Goltzsche, Dieter 7115 Graphik & Zeichnungen 7116-7133 Grosz, George 7134-7139,

8072, 8144-8145 Grützke, Johannes 8294 Gurschner, Herbert 8105-8106 H Haase, Volkmar 8283 Haase-Jastrow, Kurt 7140 Hähner-Springmühl, Klaus 7141-7142 Hajas, Tibor 8233 Hajek, Otto Herbert 7143 Hartig, Hans 8037 Hauth, Emil van 7144 Heckel, Erich 7145, 8069 Heckendorf, Franz 8090 Hegenbarth, Josef 7146-7147, 8141-8142 Heiliger, Bernhard 8154 Heitmüller, August 8102 Heldt, Werner 8136-8139 Herbig, Otto 7148 Herkenrath, Peter 7149-7150 Herrfurth, Karl-Heinz 8203 Herrmann, Curt 8091 Herrmann, Paul 8212 Hertlein, Willi 7151 Hertzer, Else 8152 Heuser, Heinrich 7152 Höch, Hannah 7153, 8190 Hoehme, Gerhard 7154, 8170 Hoelzel, Adolf 8115 Höpker, Thomas 7216 Hofer, Karl 7155 Hofmann, Ludwig von 8038-8039 Holmead 8182-8184 Holtz, Karl 7156 Holz, Paul 8111-8112 Hubbuch, Karl 7157 Hübner, Ulrich 8097 Hüther, Julius 7158 Hundertwasser, Friedensreich 8223 IJ Illies, Arthur 8029 Illies, Otto 8030 Jaeckel, Willy 7159-7160 Jaenisch, Hans 7161, 8166 Janssen, Horst 7162-7163, 8211 Jawlensky, Alexej von 8096 Jensen, Jens 7164 Jetelová, Magdalena 8239 Jones, Allen 7165 Jorn, Asger 7166 K Kalaitzis, Aris 8291 Kallmann, Hans Jürgen 7167 Kantor, Maxim 8290 Karlovski, Michael 8314 Killisch, Klaus 8310 Kirchner, Ernst L. 8049-8051 Kitzel, Herbert 8175-8176 Klein, Bernhard 8167

Klein, César 8058-8059 Klein, Yves 8189 Kleinschmidt, Paul 7168 Knizak, Milan 7169 Knoebel, Imi 7170, 8301 Koch, Wolfgang 7171 König, Leo von 8129 Köpcke, Arthur 7172, 8195 Kokoschka, Oskar 7173-7174, 8083 Kolár, Jirí 8248 Kolbe, Georg 8095 Kollwitz, Käthe 7175-82, 8033-36 Konok, Tamás 7183 Kounellis, Jannis 8241-8246 Krauskopf, Bruno 8060-8061 Kreidt, Fritz 8295-8296 Krushenick, Nicholas 7184 Kubin, Alfred 8127 Kuckei, Peter 7185 Kuhfuss, Paul 7186 Kurzweil, Maximilian 8026 L Laabs, Hans 7187 Lahs, Curt 7188-7189 Laserstein, Lotte 8149 Laves, Werner 7190 Lebasque, Henri 7194 Le Corbusier 7191-7193 Leger, Fernand 7195 Lehmann, Kurt 8121 Lehmbruck, Wilhelm 7196 Leiberg, Helge 8297 Leistikow, Walter 7197 Lemcke, Dietmar 8299 Lenk, Franz 8124 Leonhardt, Volker 7198 Levy, Rudolf 8148 Lichtenstein, Roy 7199, 8240 Liebermann, Max 7200-7208, 8008-8013 Liebmann, Werner 8266 Lilienfeld, Rosy 7209 Lindner, Hermann 7210 Lohse, Richard-Paul 7211 Luce, Maximilien 7212 Lüpertz, Markus 8269 Lüthi, Urs 7213 Luttich, Mila von 7214 M Maas, Edwin 7215 Mack, Heinz 7216, 8208 Maillol, Aristide 8006 Mammen, Jeanne 8150 Manzoni, Piero 8192 Mappenwerke 7217-19, 8068, 8210 Marcks, Gerhard 8213 Marwan 7220-7223, 8216-8219 Masereel, Frans 8177 Mathey, Georg A. 7224 Mattheuer, Wolfgang 7225-7226, 8198-8199

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Maurer, Dóra 7227, 8235-8238 Meid, Hans 7228-7229 Meidner, Ludwig 8082 Meistermann, Georg 7230 Melzer, Moriz 8084, 8114 Menzen, Karl 8292-8293 Meurs, Harmen 8110 Mira, Victor 7231 Mitzlaff, Erhart 7232-7233 Modersohn-Becker, Paula 7234-7235, 8028 Molnar, Vera 8271 Morellet, François 7236 Morgner, Michael 7237, 8263-64 Moser, Carl 8027 Mosson, George 7238 Motesiczky, Marie-Louise v. 8178 Mühlenhaupt, Kurt 7239 Müller, Richard 7240-7245 Munch, Edvard 7246 Muntean and Rosenblum 8317 Music, Zoran 7247 N Nagel, Otto 8153 Nagel, Peter 8196 Nemes, Endre 8134 Nepo, Ernst 8101 Nieblich, Wolfgang 7248 Nolde, Emil 8046-8047 O Oehlen, Albert 7249 Øllgaard, Hans 8158-8159 Ophey, Walter 7250-7251, 8109 Oppenheimer, Max 7252-55, 8108 Oppler, Ernst 8032 Orlik, Emil 7256-7264, 8017-8025 P Paeschke, Paul 7265-7267 Paik, Nam June 7268 Pankok, Bernhard 7269-7272 Pechstein, Hermann Max 7273, 8045, 8146-8147

Peiffer-Watenphul, Max 8122 Penalba, Alicia 7274 Penck, A. R. 7275-7276, 8261 Perlrott Csaba, Vilmos 7277 Perneczky, Géza 7278 Peschka, Anton Emanuel 8099 Peters, Herbert 8220-8221 Pettibon, Raymond 8280 Pfeuffer, Helmut 7279 Pfitzner, Alfred 8098 Picasso, Pablo 7280, 8117, 8179-81 Piene, Otto 8300 Pijuan, Joan Hernández 8284 Pins, Jacob 7281 Pissarro, Camille 7282-7283, 8005 Polke, Sigmar 7284 Prachensky, Markus 8226 R Rágóczy, Joachim 7285 Redon, Odilon 8003 Renoir, Pierre-Auguste 7286 Réthi, Lili 7287 Richter, Daniel 7288 Richter, Gerhard 8197 Rösler, Louise 7289 Rohlfs, Christian 8070-8071 Rosenthalis, Moshe 7290 Rossi, Aldo 7291 Roth, Dieter 7292 Rovner, Michal 7293 S Sailer, Anton 7294 Sala, Anri 7295 Sauter, Hermann 8074 Sayler, Diet 7296 Schad, Christian 7297, 8103-8104, 8174 Scharff, William 8156-8157 Scheiber, Hugó 8067 Schirrmacher, Fritz 7298 Schleime, Cornelia 7299, 8287-8288 Schleusner, Thea 8151

Schlichter, Rudolf 8073 Schlichting, Max 7300 Schmelzer, Tom 8320 Schmidt-Rottluff, Karl 8052-8057 Schoenholtz, Michael 7301, 8319 Schoff, Otto 7302 Schoonhoven, Jan 8270 Schreyer, Lothar 8113 Schrieber, Ludwig G. 8172-8173 Schrimpf, Georg 7303 Schröder-Ehrenfest, Anny 7304 Schultheiß, Arnd 7305-7306 Schultze, Bernard 7307 Schumacher, Emil 7308 Schütte, Thomas 8302 Schwimmer, Max 7309-7312 Schwitters, Kurt 8081 Segal, Arthur 7313 Seitz, Gustav 7314 Sempé, Jean-Jacques 8273 Siepmann, Heinrich 7315 Sieverding, Katharina 8303 Simotová, Adriena 8232 Sintenis, Renée 7316, 8143 Skarbina, Franz 8000-8002 Skúlason, Thorvaldur 8135 Sohn-Rethel, Carl Ernst 7317-7318 Sommer, Dirk 7319 Sowa, Michael 8309 Sprotte, Siegward 8304-8307 Stahl, Georg August 7320 Stazewski, Henryk 8227-8231 Stekker, Martin 7321, 8040-8041 Strässer, Herbert 8200-8202 Strecker, Paul 8163-8165 Struck, Hermann 7322-7324 Stursa, Jan 8076 Sugai, Kumi 7325-7326 Suppantschitsch, Maximilian 7327 Sykora, Zdenek 7328 T Thieler, Fred 7329, 8171 Tobey, Mark 7330-7334 Toulouse-Lautrec, Henri de 8004

U Uecker, Günther 8204-8207 Ulrichs, Timm 7335-7336 Unold, Max 7337 Urbásek, Milos 8234 Ury, Lesser 7338, 8014-8016 V Vasarely, Victor 7339, 8249-8251 Venet, Bernar 7340 Vogeler, Heinrich 7341 Volkmann, Herbert 7342 Vorgang, Paul 7343 Vostell, Wolf 8248, 8308 W Waack, Alfred 7344 Weiss, Hedwig 7345 Weissenborn, Hellmuth 7346 Weiwei, Ai 8322 Wellenstein, Walter 7347 Wellschmidt, Helmut 7348, 8315-8316 Welss, Ulrich 7349 Werner, Theodor 7350 Wesselmann, Tom 8279 Westpfahl, Conrad 7351 Wiiralt, Eduard 8118 Wilding, Ludwig 8267 Willig, Heinz 8318 Willikens, Ben 7352 Willsher, Brian 7353 Winter, Fritz 8130-8132 Wirkner, Michael 8265 Wolff, Else L. 7354 Wolff, Harald 7355 Z Zander, Heinz 7356, 8259-8260 Ziegler, Richard 7357 Zille, Heinrich 7358-7364, 8048

besitzer 1: 8019. 2: 8003. 3: 8232. 4: 8075, 8148. 5: 8025. 6: 8177, 8308. 7: 8058, 8059. 8: 8016, 8036, 8069, 8111, 8112, 8124, 8136, 8137, 8139, 8146, 8224. 9: 8004, 8005, 8006, 8096, 8116, 8117. 10: 8077, 8078, 8079, 8080, 8169, 8214, 8284, 8285, 8286. 11: 8073, 8099. 12: 8259, 8260. 13: 8182, 8183, 8184. 14: 8142. 15: 8123. 16: 8238, 8239. 17: 8007. 18: 8141. 19: 8031, 8038, 8068, 8133, 8134, 8187, 8189, 8192, 8210, 8211, 8222, 8270, 8281, 8302, 8321. 20: 8178, 8227, 8228, 8229, 8230, 8231, 8240. 21: 8151. 22: 8032, 8090, 8175, 8176, 8311. 23: 8070, 8167, 8212. 24: 8213. 25: 8092, 8110. 26: 8042, 8043, 8044, 8081. 27: 8287. 28: 8143. 29: 8195, 8269, 8274, 8282, 8317. 30: 8252, 8253, 8254. 31: 8249, 8250, 8251, 8271. 32: 8108. 33: 8039, 8060, 8061, 8166. 34: 8200, 8201. 35: 8100, 8101, 8127, 8128. 36: 8318. 37: 8248. 38: 8161. 39: 8138. 40: 8027. 41: 8234. 42: 8037, 8091. 43: 8226. 44: 8280. 45: 8299. 46: 8109. 47: 8279. 48: 8140. 49: 8216. 50: 8135, 8156, 8157, 8158, 8159, 8277, 8278. 51: 8163, 8164, 8165. 52: 8040, 8041. 53: 8225. 54: 8000, 8001, 8002, 8021, 8095, 8149, 8283. 55: 8082, 8115, 8267, 8276, 8303. 56: 8046. 57: 8119, 8120. 58: 8047, 8062, 8063, 8064, 8065, 8066, 8180, 8181. 59: 8121, 8262, 8291, 8298, 8310, 8314. 60: 8017. 61: 8300, 8301, 8322. 62: 8289. 63: 8067, 8071, 8102, 8103, 8104, 8105, 8106, 8107, 8125, 8126, 8144, 8145, 8154, 8155, 8160, 8162, 8174, 8188, 8241, 8242, 8243, 8244, 8245, 8246. 64: 8131, 8147. 65: 8233, 8235, 8236, 8272. 66: 8093, 8094, 8114, 8220, 8221. 67: 8237. 68: 8152, 8153. 69: 8020. 70: 8263, 8264. 71: 8014. 72: 8202. 73: 8295, 8296. 74: 8247. 75: 8288. 76: 8255, 8256, 8257, 8258. 77: 8294, 8309. 78: 8261. 79: 8198, 8199. 80: 8129. 81: 8172, 8173. 82: 8304, 8305, 8306, 8307. 83: 8083, 8113. 84: 8029. 85: 8097, 8190. 86: 8013. 87: 8098. 88: 8204. 89: 8206. 90: 8208. 91: 8193, 8194. 92: 8084. 93: 8320. 94: 8076, 8223. 95: 8209. 96: 8290. 97: 8028, 8033, 8034, 8052, 8053, 8054, 8055, 8056, 8057. 98: 8292, 8293. 99: 8168, 8170, 8171. 100: 8207. 101: 8319. 102: 8186. 103: 8048, 8051, 8072. 104: 8118. 105: 8018. 106: 8074. 107: 8191. 108: 8179, 8185. 109: 8217, 8218, 8219. 110: 8022, 8023, 8024, 8045. 111: 8266, 8297. 112: 8203. 113: 8035. 114: 8215, 8268. 115: 8009, 8011. 116: 8008, 8010, 8012. 117: 8205. 118: 8130, 8132. 119: 8196. 120: 8312, 8313. 121: 8197. 122: 8030, 8265. 123: 8085, 8086, 8087, 8088, 8089, 8273. 124: 8049, 8050. 125: 8150. 126: 8275. 127: 8122. 128: 8015. 129: 8026. 130: 8315, 8316.

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miles aldridge “Heather”. 1999. Chromogenic print on Fujicolor Professional paper.

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V ER ST EIGERU NG S - BEDI NGU NGEN 1. Die Galerie Gerda Bassenge KG, nachfolgend Versteigerer genannt, versteigert als Kommissionärin im eigenen Namen und für Rechnung ihrer Auftraggeber (Kommittenten), die unbenannt bleiben. Die Versteigerung ist freiwillig und öffentlich im Sinne des § 383 III BGB. 2. Der Versteigerer behält sich das Recht vor, Nummern des Kataloges zu vereinen, zu trennen, außerhalb der Reihenfolge anzubieten oder zurückzuziehen. 3. Sämtliche zur Versteigerung kommenden Gegenstände können vor der Ver­steigerung besichtigt und geprüft werden. Die Sachen sind gebraucht. Erhaltungszustände der einzelnen angebotenen Arbeiten bleiben im Katalog in der Regel unerwähnt. Die Katalogbeschreibungen sind keine Garantien im Rechtssinne und keine vertraglich vereinbarten Beschaffenheitsangaben. Gleiches gilt für individuell angeforderte Zustandsberichte. Sie bringen nur die subjektive Einschätzung des Versteigerers zum Ausdruck und dienen lediglich der unverbindlichen Orientierung. Alle Gegenstände werden in dem Erhaltungszustand veräußert, in dem sie sich bei Erteilung des Zuschlages befinden. Soweit nicht in der Katalogbeschreibung explizit erwähnt, sind Rahmungen nicht bindender Bestandteil des Angebots. Der Käufer kann den Versteigerer nicht wegen Sachmängeln in Anspruch nehmen, wenn dieser seine Sorgfaltspflichten erfüllt hat. Der Versteigerer verpflichtet sich jedoch, wegen rechtzeitig vorgetragener, begründeter Mängelrügen innerhalb der Verjährungsfrist von 12 Monaten ab dem Zeitpunkt des Zuschlags seine Ansprüche gegenüber dem Einlieferer (Auftraggeber) geltend zu machen. Im Falle erfolgreicher Inanspruchnahme des Einlieferers erstattet der Versteigerer dem Erwerber den Kaufpreis samt Aufgeld. Die Haftung des Versteigerers auf Schadensersatz für Vermögensschäden – gleich aus welchem Grund – ist ausgeschlossen, es sei denn, dem Versteigerer fiele Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit zur Last. Die Haftung bei Verletzung von Leben, Körper und Gesundheit bleibt unberührt. 4. Der Zuschlag erfolgt nach dreimaligem Aufruf an den Höchst­ bieten­den. Der Versteigerer kann den Zuschlag verweigern oder unter Vor­behalt erteilen. Wenn mehrere Personen dasselbe Gebot abgeben und nach dreimaligem Aufruf kein höheres Gebot erfolgt, entscheidet das Los. Der Versteigerer kann den Zuschlag zurücknehmen und die Sachen erneut ausbieten, wenn irrtümlich ein rechtzeitig abgegebenes höheres Gebot übersehen worden ist oder wenn der Höchst­bietende sein Gebot nicht gelten lassen will oder sonst Zweifel über den Zuschlag bestehen. 5. Im Falle eines schriftlichen Gebotes beauftragt der Interessent den Versteigerer für ihn während der Versteigerung Gebote abzugeben. In schriftlichen Aufträgen ist bei Differenzen zwischen Nummer und Kennwort das Kennwort maßgebend. 6. Telefonische Gebote und Online-Direkt-Gebote über das Internet bedürfen der vorherigen Anmeldung beim Versteigerer und dessen Zustimmung. Für die Bearbeitung übernimmt der

Versteigerer jedoch keine Gewähr. Telefonische und OnlineGebote werden nur akzeptiert, wenn der Bieter bereit ist, den ihm zuvor mitgeteilten Mindestpreis des jeweiligen Loses zu bieten. Auch bei Nichtzustandekommen einer Verbindung gilt, dass für den Auktionator dieses Gebot in Höhe des Mindestpreises verbindlich ist. Für das Zustandekommen einer entsprechenden Telefon- oder Onlineverbindung übernimmt der Versteigerer keine Gewähr. Das Widerrufs- und Rückgaberecht bei Fernabsatzverträgen findet auf solche Gebote keine Anwendung (§ 312d Abs. 4 Nr. 5 BGB). 7. Mit der Erteilung des Zuschlages geht die Gefahr für nicht zu vertretende Verluste und Beschädigung auf den Ersteigerer über. Das Eigentum an den ersteigerten Sachen geht erst mit vollstän­ digem Zahlungseingang an den Erwerber über. 8. Auf den Zuschlagspreis ist ein Aufgeld von 29% zu entrichten, in dem die Umsatzsteuer ohne separaten Ausweis enthalten ist (Differenzbesteuerung) oder ein Aufgeld von 24% auf den Zuschlag zzgl. der USt von z.Zt. 19% (Regelbesteuerung), bei Büchern beträgt die Umsatzsteuer 7% (Regelbesteuerung). Die im Katalog mit einem * gekennzeichneten Objekte unterliegen in jedem Fall der Regelbesteuerung (Aufgeld von 24% auf den Zuschlag zzgl. der USt von z.Zt. 19%). Bei den im Katalog mit einem ^ gekennzeichneten Objekten ist Einfuhrumsatzsteuer angefallen. In diesen Fällen wird zusätzlich zu einem Aufgeld von 26% (Differenzbesteuerung) die verauslagte Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von z.Zt. 7% auf den Zuschlag erhoben. Für bundesdeutsche Kunsthändler und Antiquare, die zum Vor­s teuer­abzug berechtigt sind, kann die Gesamt­rech­nung auf Wunsch, wie bisher nach der Regelbesteuerung ausgestellt werden. Von der Umsatzsteuer befreit sind Ausfuhrlieferungen in Dritt­ länder (außerhalb der EU) und – bei Angabe ihrer USt.-Identi­ fikations-Nr. bei Auftragserteilung als Nachweis der Berechtigung zum Bezug steuerfreier innergemeinschaftlicher Lieferungen – auch an Unternehmen in anderen EU-Mitgliedsstaaten, unter der Voraussetzung, dass sie für gewerblichen Gebrauch einkaufen. Eine Korrektur nach Rechnungsstellung ist nicht möglich. Alle anderen Käufe aus EU-Ländern unterliegen der Umsatzsteuer. Ausländischen Käufern außerhalb der Europäischen Union wird die Umsatzsteuer erstattet, wenn binnen 4 Wochen nach der Auktion der deutsche zollamtliche Ausfuhrnachweis und der zollamt­ liche Einfuhrnachweis des entsprechenden Importlandes erbracht werden. Bei Versand durch uns gilt der Ausfuhrnachweis als gegeben. Bei Online-Live-Geboten über externe Internetplattformen erhöht sich das Aufgeld um die dort anfallende Transaktions­gebühr (i. d. R. 3% des Zuschlagspreises). Wäh­rend oder unmittelbar nach der Auktion ausgestellte Rech­nun­­gen bedür­fen einer beson­de­ren Nachprüfung und eventueller Berichtigung; Irrtum vor­behalten. Katalog- und Zusatzabbildungen dürfen nicht ohne Genehmigung verwendet werden. Reproduktionsrechte und digitale Dateien der Abbildungen können gegen Gebühr erworben werden. Gegebenenfalls noch bestehende Urheberrechte Dritter bleiben davon unberührt und müssen u.U. gesondert eingeholt werden.


9. Die Auslieferung der ersteigerten Stücke erfolgt in unseren Ge­ schäftsräumen gegen Bezahlung. Kreditkarten (Mastercard, VISA, American Express), Schecks sowie andere unbare Zahlungen werden nur erfüllungshalber angenommen. Bankspesen/ Transaktionsge­bühren bzw. Kursverluste können zu Lasten des Käufers gehen. Die Auf­ bewahrung erfolgt auf Rechnung und Gefahr des Käufers. Der Versand wird gegen Vorabrechnung des Rechnungsbetrages ausgeführt. Die Versandspesen sowie die Kosten für Versicherung gegen Verlust und Beschä­digung gehen zu Lasten des Käufers. Übersteigen die tatsäch­lichen Versandkosten die vorab berechnete Pauschale, so wird die Differenz dem Käufer nachträglich in Rechnung gestellt. 10. Bei der Ausfuhr von Kulturgütern aus dem Gemeinschaftsgebiet der EG ist gem. der EG-Verordnung Nr. 116/2009 abhängig von Kategorie und Wert des Objekts ggf. eine Ausfuhrgenehmigung erforderlich. Aus Gründen des Artenschutzes können Objekte aus bestimmten, geschützten Materialien (u.a. Elfenbein, Schildpatt, Perlmutt und einige Korallenarten) besonderen Im- und Export­beschränkungen unterliegen. Zum Zwecke des Exports (insbesondere außerhalb der Europäischen Union) kann hierfür eine spezielle Ausfuhrgenehmigung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 338/97 erforderlich sein. Entsprechende Ausfuhrgenehmigungen können nur unter strengen Bedingungen erteilt und ggf. auch gar nicht erlangt werden, auch kann der Import dieser Gegenstände in manche Staaten ein­geschränkt oder untersagt sein. Der Käufer ist selbst dafür verantwortlich, sich über etwaige Im- und Exportbeschränkungen zu informieren. Export und Import entsprechender Objekte erfolgen allein auf Rechnung und Gefahr des Käufers. 11. Der Zuschlag verpflichtet zur Abnahme. Der Kaufpreis ist mit dem Zuschlag fällig. Der Versteigerer ist berechtigt, falls nicht innerhalb von zwei Wochen nach der Versteigerung Zahlung geleistet ist, den durch den Zuschlag zustande gekommenen Kaufvertrag ohne weitere Fristsetzung zu annullieren, Verzugszinsen in

banküblicher Höhe – mindestens jedoch 1 % auf den Bruttopreis je angebrochenen Monat – zu berechnen und von dem Ersteigerer wegen Nichterfüllung Schadenersatz zu verlangen. Der Schadenersatz kann in diesem Falle auch so berechnet werden, dass die Sache in einer neuen Auktion nochmals versteigert wird und der säumige Käufer für einen Minder­erlös gegenüber der vorangegangenen Versteigerung einschließlich der Gebühren des Auktionshauses aufzukommen hat. Zu einem Gebot wird er nicht zugelassen, auf einen etwaigen Mehrerlös hat er keinen Anspruch. 12. Erfüllungsort und Gerichtsstand im vollkaufmännischen Verkehr ist Berlin. Es gilt ausschließlich deutsches Recht. Das UNAbkommen über Verträge des internationalen Warenkaufs (CISG) findet keine Anwendung. 13. Die im Katalog aufgeführten Preise sind Schätzpreise, keine Limite. 14. Der Nachverkauf ist Teil der Versteigerung, bei der der Interessent entweder telefonisch oder schriftlich (im Sinne der Ziffern 5 und 6) den Auftrag zur Gebotsabgabe mit einem bestimmten Betrag erteilt. 15. Die Abgabe eines Gebotes in jeglicher Form bedeutet die Anerkennung dieser Versteigerungsbedingungen. Der Versteigerer nimmt Gebote nur aufgrund der vorstehenden Versteigerungs­ bedingungen entgegen und erteilt dementsprechend Zuschläge. Kommissionäre haften für die Käufe ihrer Auftraggeber. 16. Sollte eine der vorstehenden Bestimmungen ganz oder teilweise unwirksam sein, so bleibt die Gültigkeit der übrigen davon unberührt. David Bassenge Geschäftsführer Stand: Mai 2022


CON DI T IONS OF SA L E 1. The Galerie Gerda Bassenge KG, subsequently called “the auctioneer” carries on business as commission-agent in its own name on behalf of its voluntary con­signors. This auction sale is a public one in the sense of § 383 III BGB. 2. The auctioneer reserves the right to combine, to split, to change or to withdraw lots before the actual final sale. 3. All objects put up for auction can be viewed and examined prior to the sale at the times made known in the catalogue. The items are used and sold as is. As long as not explicitly mentioned in the catalogue description, framing is not an inherent part of the offer. As a rule, the condition of the individual work is not given in the catalogue. Catalogue descriptions are made with as much care as possible, but the descriptions do not fall under the statutory paragraph for guaranteed legal characteristics. The same applies for individually requested condition reports. These also offer no legal guarantee and only represent the subjective assessment of the auctioneer while serv­ing as a non-binding orientation. The liability for damage to life, body or health shall remain unaffected. In case of a justified claim, however, he will accept the responsibility to make a claim for restitution on behalf of the buyer against the consignor within a period of 12 months, running from the fall of the hammer. In the event of a successful claim the auctioneer will refund the hammerprice plus premium. 4. The highest bidder acknowledged by the auctioneer shall be deemed the buyer. In case of identical bids the buyer will be deter­ mined by drawing lots. In the event of a dispute the auctioneer has the absolute discretion to reoffer and resell the lot in dispute. He may also knock down lots conditionally. 5. In the case of a written bid the bidder commissions the auctioneer to place bids on his behalf during the auction. In cases where there is a discrepancy between number and title in a written bid the title shall prevail. 6. Telephone and direct online bidding via the internet must be approved in advance by the auctioneer. The auctioneer cannot be held liable for faulty connections or transmission failure. In such a case the bidder agrees to bid the reserve price of the corresponding lot. For such bidding the regulations of long distance contracts do not apply (Fernabsatzverträge) [cf § 312d IV,5 BGB]. 7. On the fall of the auctioneer’s hammer title to the offered lot will pass to the acknowledged bidder. The successful buyer is obliged to accept and pay for the lot. Ownership only passes to the buyer when full payment has been received. The buyer, however, immediately assumes all risks when the goods are knocked down to him.

8. A premium of 29% of the hammer price will be levied in which the VAT is included (marginal tax scheme) or a premium of 24% of the hammer price plus the VAT of 19% of the invoice sum will be levied [books: 7%] (regular tax scheme). Buyers from countries of the European Union are subject to German VAT. Items marked with an * are subject to the regular tax scheme (premium of 24% of the hammer price plus the current VAT of 19%). Items marked with an ^ are subject to import duty. In these cases in addition to a premium of 26% (marginal tax scheme), the charged import tax of currently 7% will be added to the hammer price. Exempted from these rules are only dealers from EU-countries, who are entitled, under their notification of their VAT ID-Number, to buy on the basis of VAT-free delivery within the European Union. Notification of VAT ID-Numbers must be given to the auctioneer before the sale. For buyers from non EU-countries a premium of 24% will be levied. VAT will be exempted or refunded on production of evidence of exportation within 4 weeks of the auction, or, if appropriate, importation to another country. This is taken as given when the dispatch is effected by us. Live bidding through online platforms entails a transaction fee stipulated by the platform and will be added to the premium (usually 3% of the hammer price). Due to the work overload of the accounting department during auctions, invoices generated during or directly after an auction require careful revision and possible correction; errors excepted. Catalogue images may not be used without permission. Repro­ duction rights and digital files can be acquired for a fee. Any copyrights of third parties that may still exist remain unaffected by this and may have to be obtained separately. 9. Auction lots will, without exception, only be handed over after pay­ment has been made. Credit cards (VISA, Mastercard, Ameri­can Express), checks and any other form of non-cash payment are accept­ed only on account of performance. Exchange rate risk and bank charges may be applicable. Storage and dispatch are at the expense and risk of the buyer. If the shipping costs exceed the lump sum on the invoice the outstanding amount will be billed separately. 10. According to regulation (EC) No. 116/2009, an export license is necessary when exporting cultural goods out of European Community territory, depending on the type or value of the object in question. For the purposes of wildlife conservation, it is necessary to obtain an export license according to regulation (EC) No. 338/97 when exporting objects made from certain protected materials (incl. ivory, tortoiseshell, mother-of-pearl and certain corals) out of the territory of the European Community. Export licenses for objects made of protected materials are only granted under strict conditions or may not be granted at all. The import of such objects


may be restricted or prohibited by certain countries. It is the buyer’s responsibility to inform himself, whether an object is subject to such restrictions. Export and import of such objects are at the expense and risk of the buyer. 11. The buyer is liable for acceptance of the goods and for payment. The purchase price shall be due for payment upon the lot being knocked down to the buyer. In case of a delayed payment (two weeks after the sale) the purchaser will be held responsible for all resultant damages, in particular interest and exchange losses. In case of payment default the auctioneer will charge interest on the outstanding amount at a rate of 1% to the gross price per month or part of month. In such an event the auctioneer reserves the right to annul the purchase contract without further notice, and to claim damages from the buyer for non-fulfilment, accordingly he can reauction the goods at the buyer’s expense. In this case the buyer is liable for any loss incurred, the buyer shall have no claim if a higher price has been achieved. He will not be permitted to bid. 12. The place of fulfillment and jurisdiction is Berlin. German law applies exclusively; the UN-Treaty (CISG) is explicitly excluded.

13. The prices quoted after each lot are estimates, not reserves. 14. The after-sales is part of the auction in which the bidder places either by tele­phone or in written form (as stated in number 5 and 6) the order to bid a set amount. 15. By making a bid, either verbally in the auction, by telephone, written by letter, by fax, or through the internet the bidder confirms that he has taken notice of these terms of sale by auction and accepts them. Agents who act on behalf of a third party are jointly and separately liable for the fulfillment of contract on behalf of their principals. 16. Should one or the other of the above terms of sale become wholly or partly ineffective, the validity of the remainder is not affected. In the event of a dispute the German version of the above conditions of sale is valid.

David Bassenge As of May 2022


Moderne und Zeitgenössische Kunst II online unter www.bassenge.com Vorbesichtigung und Auktion finden wie gewohnt als Präsenzveranstaltungen statt

Catalogue Modern and Contemporary Art II online at www.bassenge.com The preview and auction will take place as usual