Bassenge Kunstauktion 118: Moderne und Zeitgenössische Kunst I

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BASSENGE AUKTION 118 MODER N E U N D Z EI TGENÖS SISCHE KU NST I 4. Dezember 2021

Galerie Bassenge . Erdener Straße 5a . 14193 Berlin Telefon: 030-893 80 29-0 . E-Mail: modernart@bassenge.com . www.bassenge.com


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Barbara Bögner Leitung Telefon: +49 (0)30-88 62 43 13 E-Mail: b.boegner@bassenge.com

Katharina Fünfgeld Telefon: +49 (0)30-88 91 07 90 E-Mail: k.fuenfgeld@bassenge.com

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Sonja von Oertzen Telefon: +49 (0)30-88 91 07 91 E-Mail: s.von.oertzen@bassenge.com

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den gewünschten Losnummern zu erfragen, da Angaben zum Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog notiert sind.

Die Galerie Bassenge ist Mitglied bei

Eindeutig identifizierbare Werke mit einem Schätzpreis von mindestens 2500 Euro werden vor der Auktion mit dem Art Loss Register abgeglichen.


T ER M I N Ü BER SICH T

AU KT ION 118

MITTWOCH, 1. Dezember 2021 Vormittag 10.00 Uhr Druckgraphik des 15. bis 17. Jahrhunderts Nr. 5000-5200 Druckgraphik des 18. Jahrhunderts Nr. 5201-5296 Nachmittag 15.00 Uhr Druckgraphik des 19. Jahrhunderts und des Fin de Siècle Nr. 5297-5392 Miscellaneen und Trouvaillen der Druckgraphik Nr. 5393-5624 des 15. bis 18. Jahrhunderts DONNERSTAG, 2. Dezember 2021 Vormittag 10.00 Uhr

Gemälde Alter und Neuerer Meister Antiquitäten und Rahmen

Nr. Nr.

6000-6220 6221-6225

Nachmittag 15.00 Uhr

Auf Papier gezeichnet – In Kupfer gestochen Zeichnungen und Druckgraphik der deutschen Romantik aus der Sammlung Stephan Seeliger

Nr.

6300-6417

Portraitminiaturen Nr. 6450-6580

17.00 Uhr

FREITAG, 3. Dezember 2021 Vormittag

11.00 Uhr

Nachmittag 15.00 Uhr

Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts

Nr.

6600-6823

Moderne und Zeitgenössische Kunst II

Nr.

7000-7236

Nr.

8000-8267

(Katalog nur online)

SONNABEND, 4. Dezember 2021 Nachmittag

14.00 Uhr

Moderne und Zeitgenössische Kunst I

VORBESICHTIGUNG Um einen reibungslosen Ablauf der Vorbesichtigung aufgrund der aktuellen Einschränkungen gewährleisten zu können, bitten wir Sie um eine vorherige Anmeldung per Telefon oder E-Mail. Druckgraphik, Gemälde, Zeichnungen des 15. bis 19. Jahrhunderts, Sammlung Stephan Seeliger: Erdener Straße 5A, 14193 Berlin Montag, 22. bis Montag, 29. November, 10.00–18.00 Uhr, Dienstag, 30. November 10.00–15.00 Uhr Moderne und Zeitgenössische Kunst: Rankestraße 24, 10789 Berlin Montag, 22. November bis Donnerstag, 3. Dezember, 10.00–18.00 Uhr Vorabtermine sind nach Vereinbarung ab Dienstag, dem 16. November möglich. Schutzgebühr Katalog: 15 € Umschlag: Los 8196, Peter Nagel (© VG Bild-Kunst, Bonn 2021), Innenseite links: 8047, Emy Roeder, Innenseite rechts: 8063, Arnold Topp Seite 6 und 7: Los 8007, Max Liebermann, Seite 8: Los 8065, William Wauer


EXP ERTEN | SPECIAL IST S Geschäftsführung | Management David Bassenge +49 (0)30-893 80 29-17 david@bassenge.com Graphik, Zeichnungen und Gemälde des 15.–19. Jahrhunderts Dr. Ruth Baljöhr – Leitung +49 (0)30-893 80 29-22 15th to 19th Century Prints, Drawings and Paintings r.baljoehr@bassenge.com David Bassenge +49 (0)30-893 80 29-17 david@bassenge.com Eva Dalvai +49 (0)30-893 80 29-80 e.dalvai@bassenge.com Lea Kellhuber +49 (0)30-893 80 29-20 l.kellhuber@bassenge.com Nadine Keul +49 (0)30-893 80 29-21 n.keul@bassenge.com Harald Weinhold +49 (0)30-893 80 29-13 h.weinhold@bassenge.com Moderne und Zeitgenössische Kunst Barbara Bögner – Leitung +49 (0)30-88 62 43 13 Modern and Contemporary Art b.boegner@bassenge.com Katharina Fünfgeld +49 (0)30-88 91 07 90 k.fuenfgeld@bassenge.com Simone Herrmann +49 (0)30-88 91 07 93 s.herrmann@bassenge.com Miriam Klug +49 (0)30-88 91 07 92 m.klug@bassenge.com Sonja von Oertzen +49 (0)30-88 91 07 91 s.von.oertzen@bassenge.com Photographie Jennifer Augustyniak +49 (0)30-21 99 72 77 Photography jennifer@bassenge.com Elmar F. Heddergott +49 (0)30-21 99 72 77 e.heddergott@bassenge.com Wertvolle Bücher und Handschriften Dr. Markus Brandis – Leitung +49 (0)30-893 80 29-27 Rare Books and Manuscripts m.brandis@bassenge.com Harald Damaschke +49 (0)30-893 80 29-24 h.damaschke@bassenge.com Dr. Cosima Kristahn +49 (0)30-893 80 29-48 c.kristahn@bassenge.com Stephan Schurr +49 (0)30-893 80 29-15 s.schurr@bassenge.com Dr. Rainer Theobald +49 (0)30-4 06 17 42 Autographen | Autograph Letters r.theobald@bassenge.com Logistik Management | Logistics Ralph Schulz +49 (0)30-893 80 29-16 r.schulz@bassenge.com Verwaltung | Office Anja Breitenbach +49 (0)30-893 80 29-12 a.breitenbach@bassenge.com Ellen Rusczyk +49 (0)30-893 80 29-33 e.rusczyk@bassenge.com Repräsentanzen | Representatives Dr. Mayme Francis Neher +49 (0)175 - 204 63 23 Rheinland info@mayme-neher.de Dänemark Peter Titelbech + 45 (0)2383 - 2448 p.titelbech@bassenge.com Italien Dr. Chiara Erika Marzi + 39 333 9924 868 c.marzi@bassenge.com


AUKTION MODERNE UND ZEITGENÖSSISCHE KUNST I Erdener Straße 5a, 14193 Berlin

Vorbesichtigung Rankestraße 24, 10789 Berlin Montag, 22. November bis Donnerstag, 3. Dezember 2021

Der Katalog Moderne und Zeitgenössische Kunst II erscheint nur online, die Auktion findet als Präsenzveranstaltung statt




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henri de toulouse-lautrec (1864 Albi – 1901 Schloss Malromé)

8000 Mademoiselle Marcelle Lender, en buste Kreidelithographie in Olivgrün auf Similijapan. 1895. 32,5 x 24,6 cm (49,8 x 31,4 cm). Delteil 102, Wittrock 99 III (von IV), Söhn HdO 52603-6. 3.500€

Eine der prominentesten Lithographien des Künstlers, hier in der seltenen einfarbigen Fassung des dritten Zustandes, erschienen in Pan I, Heft 3, 1895. Einer von insgesamt 111 Abzügen der DeluxeAusgabe. Von fremder Hand mit Kreide in Rot numeriert und bezeichnet „40 T E“ und mit dem Trockenstempel der Zeitschrift „PAN“ unten rechts (Lugt 2011a). Prachtvoller, nuancierter Druck mit breitem Rand.

8000

henri de toulouse-lautrec

8001 Yvette Guilbert, Chanson Ancienne Lithographie über beiger Tonplatte auf Bütten. 1898. 32,3 x 26,6 cm (49,5 x 37 cm). Delteil 257, Wittrock 276. 1.200€

Blatt sechs aus der Folge Yvette Guilbert. Aus der ersten Auflage von 350 Exemplaren auf Bütten, herausgegeben von Bliss, Sands & Co., London. Prachtvoller, klarer Druck mit dem vollen Rand, rechts mit dem Schöpfrand. Provenienz: Sammlung „ES“, mit deren Stempel verso (Lugt 3498)

8001 9


edvard munch

(1863 Loiten – 1944 Oslo)

8002 Der Tag danach Kaltnadel und Aquatinta, mit dem Polierstahl übergangen, auf festem bräunlichen Velin. 1894/95. 19,2 x 27,3 cm (37,8 x 56,4 cm). Signiert „E. Munch“ und datiert. Woll 10 VI. 30.000€

Das nächtliche Gelage hat seine Spuren hinterlassen. Die Flaschen und Gläser vorne im Bild sprechen Bände, ebenso wie die Haltung der jungen Frau: Nachlässig bekleidet, erschöpft von den nächtlichen Ausschweifungen liegt sie auf dem Rücken im Bett, ihr rechter Arm hängt schlaff herunter, der Kopf liegt neben dem Kissen. Die intime Szenerie und der klaustrophobisch enge Bildausschnitt mit dem kühn angeschnittenen Tisch versetzen den Betrachter unwillentlich in die Rolle eines Voyeurs. Und nicht nur mit der Komposition verlässt Munch die Konventionen früherer Interieurs, sondern auch mit der Motivwahl der vom Rausch völlig erschöpften jungen Frau. Diese antibürgerliche Szene, deren Darstellung Munchs Publikum schockiert haben muss, erfüllt perfekt die Kriterien seines künstlerischen Credos. Im 1889 verfassten „Manifest von St. Cloud“, mit dem er Impressionismus und Naturalismus endgültig ablehnte, sagt er: „Keine Interieurs sollten mehr gemalt werden, keine Menschen, die lesen, keine Frauen, die stricken. Es müssten lebendige Menschen sein, die atmen und fühlen, leiden und lieben.“ (Matthias Arnold, Edvard Munch, Reinbek 1986, S. 36). Nur wenige Jahre zuvor, nämlich 1892, war Munch mit einem Skandal einem breiteren Publikum in Deutschland und darüber hinaus bekannt geworden. Der eher konservative Verein Berliner Künst­ ler hatte ihn zu einer Einzelausstellung eingeladen, in Unkenntnis der Modernität seiner Kunst. Verfrüht schloss schon nach einer Woche die Ausstellung ihre Pforten wegen der Empörung, die die

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Exponate bei Publikum und Kritik hervorriefen. Munch spaltete damit die Kunstszene in Freunde und Feinde der Moderne, und diese Affäre verhalf ihm zum Durchbruch. Bereits vorher war er Teil der Kristiania-Bohème um den aufrührerischen Dichter Hans Jaeger. Diese Gruppe, ein Kreis von Schriftstellern und Künstlern in Kristiania, war ein wichtiger Faktor in Munchs künstlerischer Entwicklung. Seine Mitglieder propagierten die freie Liebe, die Gleichstellung der Geschlechter, den Atheismus und die Anarchie, und sie wandten sich allgemein gegen die bürgerliche Engstirnigkeit, den Materialismus und den Konservatismus in der Stadt. Nach seinem Durchbruch mit der Berliner Ausstellung gehörte der Künstler bald zum intellektuellen Zirkel der Berliner Bohème in der Destille „Zum schwarzen Ferkel“. Mit der Kaltnadelarbeit greift Munch sein Gemälde aus dem Jahr 1894 seitenverkehrt auf (Nasjonalmuseet for kunst, arkitektur og design, Oslo, NG.M.00808); Woll erwähnt ein weiteres verschollenes Gemälde des gleichen Motivs aus den 1880er Jahren und eine entsprechende frühe Zeichnung. Die Radierung ist also die letzte von verschiedenen Fassungen, von denen sich einige nicht erhalten haben. Exemplar des letzten, endgültigen Zustandes mit den Punktmus­ tern im Rock und den Schattierungen unten links sowie zwischen Tisch und Bett. Woll notiert für diesen endgültigen sechsten Zustand zehn signierte Drucke auf Japan für die Luxusausgabe der von Julius Meier-Graefe herausgegebenen Mappe „Edvard Munch. Acht Radierungen“, daneben 55 unsignierte Drucke von der verstählten Platte auf festem beigefarbenen Velin für die Normalausgabe sowie etwas spätere Drucke in Schwarz oder Braun bei Felsing. Bei unserem Exemplar handelt es sich um einen der Abzüge von der verstählten Platte, wie gelegentlich vorkommend, mit Gefälligkeitssignatur. Prachtvoller, gratiger und in den Schwärzen tiefdunkler Druck mit sehr breitem Rand.


8002

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8003

berthold löffler

(1874 Niederrosenthal, Böhmen – 1960 Wien)

8003 Tänzerin Feder und Aquarell auf dünnem Karton. 30 x 22,9 cm. Unten mittig mit Feder in Schwarz monogrammiert „LÖ“, verso mit Feder bezeichnet „88“. 1.500€ Mit dem Stempel der „V[ereinigten] A[teliers] [für] B[ühnenkunst]/ A[nton] Uzel & Sohn, [Wien], K.u.K. Kammer und Hoflieferant“, die auch als Hofschneiderei Kaiser Franz Josephs bekannt waren

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und für die Löffler wohl einige Entwürfe u.a. für Bühnenstücke geliefert hat. Berthold Löffler besuchte die Wiener Kunstgewerbeschule bei Franz Matsch und Koloman Moser und übernahm dort im Jahre 1907 die Klasse für Malerei und Druckverfahren. Neben einer Vielzahl moderner österreichischer Graphiker zählten unter anderem Oskar Kokoschka und Joseph Binder zu seinen Schülern. Die dargestellte Tänzerin, gekleidet in der Mode der Zeit, wirkt typisch gedrungen und ungelenk, eingefasst in ein spielerisches florales Ornament.


gustav klimt

(1862 Baumgarten – 1918 Wien)

8004 Ex libris der Vereinigung bildender Künstler Österreichs Secession Zinkographie über Tonplatte auf Velin. 1898. 9,6 x 4,7 cm (10,2 x 5 cm). Metzger 52. 1.000€

Pallas Athene, die Göttin der Weisheit, der Strategie und des Kampfes, der Kunst, des Handwerks und der Handarbeit, steht bei Klimt sinnbildlich für die Bestrebungen der Wiener Secession. Klimt, einer der bekanntesten Vertreter des Wiener Jugendstils, war der Gründungspräsident der dortigen Secession. In demselben Jahr entstand Klimts großes Gemälde der griechischen Göttin (Historisches Museum der Stadt Wien). Ausgezeichneter Druck mit kleinem Rändchen.

8004

théophile alexandre steinlen (1859 Lausanne – 1923 Paris)

8005 Drei Männer beim Spaziergang Kreide in Schwarz auf Velin. 29,5 x 23,5 cm. Unten rechts mit Kreide in Schwarz signiert „Steinlen“. 800€

8005

Théophile Steinlen war ein talentierter Plakatkünstler und zudem ein bissiger Gesellschaftskritiker, der in seinen Illustrationen für satirische Zeitschriften soziale Missstände und die Doppelmoral der Bourgeoisie geißelte. Seine Darstellungen aus dem Arbeitermilieu und der Pariser Halbwelt zeigen oft Proletarier, Stadtstreicher, Kleinkriminelle, Dirnen oder den schlichten Mann aus dem Volk. 13


ernst oppler

(1867 Hannover – 1929 Berlin)

8006 Am Strand von Dieppe Öl auf Leinwand. Um 1900-1910. 38 x 61 cm. Unten rechts mit Pinsel in Braun signiert „E. Oppler“. Bruns G-97. 7.000€ Ernst Oppler lebte seit 1901 im kleinen Ort Sluits in Südholland, von wo aus er regelmäßig die Badeorte der Umgebung besuchte. Auch nach seiner Übersiedlung nach Berlin im Jahr 1905 reiste er regelmäßig nach Holland, Belgien sowie in das französische Küsten­ städtchen Dieppe, dessen lebendiges, sommerliches Treiben er mehrfach im Bild festhielt. Seine in diesen Jahren entstandenen Strandbilder und Seebadmotive zeigen deutlich den Einfluss

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Liebermanns und machen Opplers Hinwendung zur Pleinair-Malerei zu jener Zeit anschaulich. Max Osborn beschrieb es als „kräftige und sichere Begabung, daß er gerade bei diesem energischen Einmarsch ins fremde Gebiet sofort wieder eine individuelle Ausdrucksweise fand. (...) Alles ist auf die Erfassung des Gesamtbildes gestellt, auf das von prickelndem Leben erfüllte, unaufhörlich bewegte, muntere Farbenspiel da unten, wo helle Sommertoiletten, weiße Herrenhosen, pikante Damenhüte, grell leuchtende Sonnenschirme, bunte Kinderkleider in der Sonne durcheinanderquirlen. Ein großes Gewoge eleganter, wohlgepflegter, heiterer, die Schönheit der Gegend genießender Leute.“ (Max Osborn, Ein Maler der Nordseebäder, 1911, in: Frank-Manuel Peter, Der Maler Ernst Oppler. Berliner Secession & Russisches Ballett, Köln 2017, S. 164f.).


8006

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max liebermann (1847–1935, Berlin)

8007 Tennisplatz am Meer – Studie Öl auf Malpappe. 1901. 46 x 56 cm. Unten links mit Bleistift signiert „MLiebermann“, rückseitig auf dem Künstlerkarton mit Bleistift numeriert „B62“, sowie zwei Ausstellungsetiketten (Nationalgalerie Berlin / Stuttgarter Kunstkabinett) und ein Fragment eines alten Etiketts. Eberle 1901/16. 75.000€

Man riecht förmlich die salzige Frische und spürt das Kitzeln und Strahlen der Seeluft am sommerlichen Nordseestrand in Scheveningen. Hinter der grünen Rasenfläche erstreckt sich der Strandstreifen, das blaue Meer und der graue Himmel verschmelzen in der Ferne miteinander. Trotz der grauen Wolkendecke liegt die Szene in dem für die Nordsee so charakteristischen leuchtend hellen Licht. Ein flüssiger, breiter Pinselstrich erfasst die Szenerie mit den beiden locker hingemalten Damen und ihren Strandkörben rechts im Bild. Das noch fehlende Netz und der nach oben noch offene Sprossenzaun verleihen der ungewöhnlich großflächigen Komposition Offenheit und Weite, der diagonale Raumzwickel der Rasenkante vorne links hingegen steigert die Dynamik. Wir sehen um 1900 einen Motivwechsel in Liebermanns Schaffen: Statt Szenen des Arbeitslebens, des Alltags und dörflicher Landschaften beschäftigen ihn nun vor allem Strandszenen auf seinen sommerlichen Reisen an die niederländische Nordseeküste: Badende, Reiter und eben Tennisspieler. „Lawntennis“ und Reiten waren beim bürgerlichen Publikum in den niederländischen Seebädern um die Jahrhundertwende besonders fashionable Urlaubsvergnügungen - so auch bei Liebermanns damals 15-jähriger Tochter Käthe. Vor dem Hotel d’Orange, wo er in Scheveningen logierte, gab es seit 1899 einen Rasenplatz, auf dem eifrig Tennis gespielt wurde. Max Liebermann war der erste deutsche Künstler, der sich malerisch intensiv mit diesen modernen neuen Sportarten auseinandersetzte. Neben unserer Studie entstand im Sommer 1901 im Nordseebad

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Scheveningen noch eine ebenfalls in Öl ausgeführte Kompositionsskizze (Eberle 1901/15) sowie zahlreiche Pastelle, Aquarelle und Zeichnungen zum Motiv des Tennisplatzes am Meer. Der Raumausschnitt in unserem Bild ist nahezu identisch mit dem in der ersten Fassung des großformatigen Gemäldes „Tennisspieler am Meer“ (Eberle 1901/27). Unser Tennisplatz am Meer zeichnet sich neben der herrlichen Ruhe und seiner heiteren Grundstimmung durch eine besondere Lockerheit und Spontaneität der Wiedergabe aus. Provenienz: Dr. Conrad Doebbeke, Berlin Lempertz, 451. Auktion, Köln 28.10.1958, Nr. 173 Stuttgarter Kunstkabinett Ketterer, 33. Auktion, 29.5.1959, Nr. 506 Rosa C. Klein, 1986 Sotheby`s, London, 19.3.1986, Nr. 104 Galerie Neumeister, München 1986 Privatbesitz Norddeutschland Ausstellung: Max Liebermann in seiner Zeit, Nationalgalerie Berlin 1979, Nr. 81 Literatur: Weltkunst, Band LVI, 1986, Heft 5, farbige Abbildung S. 733 Holly Prentiss Richardson, Landscape in the work of Max Liebermann, Ann Arbor 1991, II, S. 145, Nr. 402


8007

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8008

max liebermann

8008 Die Judenstraße in Amsterdam Radierung auf Bütten. 1906. 19 x 24,2 cm (33 x 43 cm). Signiert „MLiebermann“. Schiefler 57 b. 800€

Wohl einer der separaten Abzüge, die laut Schiefler neben den 1909 von Bruno Cassirer und Julius Bard in der Mappe „Max Liebermann. Sieben Radierungen“ herausgegebenen Drucken erschienen. Prachtvoller, klarer Druck mit sehr breitem Rand.

8009 Selbstporträt Kaltnadel auf festem Van Gelder Zonen-Velin. 1913. 23,3 x 17,3 cm (46,2 x 32,3 cm). Signiert „MLiebermann“. Auflage 30 num. Ex. Schiefler 150 III b. 800€

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Aus der Auflage von 30 numerierten und vom Künstler signierten Exemplaren, erschienen im Verlag von Bruno Cassirer, mit dessen Blindstempel unten links. Verso mit einem seitenverkehrten Abklatsch des „Selbstporträt mit der Palette“ (Schiefler 117). Prachtvoller, gratiger Druck mit dem vollen Rand.


8010

emil orlik

(1870 Prag – 1932 Berlin)

8010 Erinnerungen an Hiddensee Titelblatt, lith. Textblatt sowie 11 (von 12, 6 farbige) Lithographien auf festem Velin. 1919. Bis 42 x 54 cm. Die Lithographien signiert „Orlik“, im Impressum zusätzlich signiert. Auflage 100 im Impressum num. Ex. Glöckner 1980, aus 173 a. 2.400€

Die Gerhart Hauptmann gewidmete Folge von 12 Blättern „Erinnerungen an Hiddensee“ erschien beim Verlag Neue Kunsthandlung in Berlin 1920. Die nahezu komplette Mappe in prachtvollen Drucken in schöner Farbigkeit mit Rand.

8011 Japanische Bäuerin Kaltnadel mit Roulette und Farbaquatinta auf festem Velin. 1902. 20 x 9,9 cm (25,3 x 18,7 cm). Signiert „Orlik“. Glöckner 1992, 108. 1.200€

Erschienen als Blatt 13 der Mappe „Aus Japan“. Prachtvoller, gratiger und zart nuancierter Druck mit tief eingeprägter Plattenkante und dem vollen Rand. Die Farben wunderbar frisch. Selten.

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8012

emil orlik

8012 Junges Mädchen mit roter Schärpe Aquarell und Bleistift auf dünnem Velin, auf Karton montiert. 1932. 27,8 x 19 cm. Unten mittig mit Bleistift signiert „Orlik“, unten rechts datiert und gewidmet. 900€

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Ein wenig linkisch und noch nicht ganz der Pubertät entwachsen steht es da, das junge Mädchen mit seinem großen roten Hut und der passenden breiten Schärpe. Ihre linke Hand sucht Halt an dem ornamentierten Türrahmen, die rechte ein wenig angespannt zur Faust geballt - und doch blickt sie entschlossen direkt zum Betrachter. Das knielange weiße Kleid hebt sich schön von dem dunkelroten Untergrund ab und korrespondiert mit den wehenden weißen Vorhängen im rechten Bildteil. Beispielhaft zeigt das Aquarell Orliks sensiblen, souveränen Umgang mit dem menschlichen Bildnis.


8013

emil orlik

8013 Porträt einer Frau mit schwarzem Schleier Pastell auf fester Malpappe. 1917. 67,2 x 55,3 cm. Rechts mittig mit Pastell in Schwarz signiert „Orlik“ und datiert. 1.500€ Orlik war ein gesuchter Porträtist. Er war vor allem bekannt für seine Bildnisse von Schauspielern, Berühmtheiten wie Tilla Durieux,

Emil Jannings oder Heinrich George standen ihm Modell. Unser Pastell zeigt eine junge Frau in leicht gedrehter Haltung, im Bruststück, gehüllt in einen zarten schwarzen Schleier. Bei der Dargestellten kann es sich um eine Schauspielerin handeln; ihr selbstbewusster, aufreizender Blick wie auch ihre Kleidung, Assoziationen etwa an spanische Theaterstücke hervorrufend, können hierfür sprechen. In der Ausarbeitung des Porträts, insbesondere in der raffinierten Wiedergabe des spitzenbesetzten Schleiers und des schimmernden Ringes, offenbart sich Orliks außerordentliche Begabung als feinfühliger Maler. 21


8014

emil orlik

8014 Trauerzug Öl auf Leinwand. 36,5 x 40,4 cm. Unten rechts mit Pinsel in Weiß signiert „Orlik“. 1.500€

Mit wenigen gedeckten Farben und raschem, auf die Grundformen von Figuren und Landschaft konzentrierten Strich erfasst Orlik die Szenerie: Eine Trauergesellschaft hat sich um das Grab eines Verstorbenen versammelt. Eine Person hat sich niedergekniet, um Blumen niederzulegen. Die düstere Gestaltung der Figuren und der kahle Baum im Hintergrund verstärken die melancholische Grundstimmung des Gemäldes.

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8015

karl caspar

(1879 Friedrichshafen am Bodensee – 1956 Brannenburg am Inn)

8015 Mariens Gang über das Gebirge Öl auf Leinwand. 1904. 77 x 107 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „KC“ und datiert. 9.000€ Nachdem der Engel Gabriel der Jungfrau Maria die Empfängnis Jesu verkündet hatte, machte sie „sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda“ (Lukas 17, 39), um dort ihre ebenfalls schwangere Verwandte Elisabeth zu besuchen. Diese Art der Mariendarstellung auf dem Weg zur Heimsuchung findet sich nur selten und ist von Karl Caspar äußerst reizvoll umgesetzt: Maria wandert in Begleitung musizierender Engel durch

die frühlingshafte Berglandschaft vorbei an blühenden Bäumen, die Natur wie auch die Luft scheint zu vibrieren vor freudiger Erwartung. Zeit seines Lebens befasste sich Caspar immer wieder mit religiösen Themen. Unser in lasierender Malweise und mit großer Feinheit im Duktus ausgeführtes Gemälde aus dem Frühwerk steht noch ganz unter dem Einfluss Feuerbachs, Thomas, von Schwinds und Klingers. Provenienz: Privatsammlung Deutschland Ketterer München, Auktion 371, 22.10.2010, Lot 130 Privatsammlung Europa Ausstellung: Das deutungsreiche Spiel - Der Symbolismus in der Kunst der Gegenwart, Von der Heydt-Museum, Wuppertal 2007, Abb. S. 69 23


8016

carl józsa

(1872 Szeged – 1929 Budapest)

8016 „Jour“ Farbholzschnitt auf hauchdünnem Japanbütten. Um 1910. 21,8 x 16,3 cm (32,3 x 29,8 cm). Signiert „Carl Józsa“, betitelt und bezeichnet „Orig. Holzschnitt“. 800€

Józsa war ein ungarischer Zeichner, Graveur und Illustrator jüdischer Abstammung. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Christian Griepenkerl, dann bei Anton Azbe in München. Józsa und sein Freund, der Maler Raphael Kirchner gingen 1904 zusammen nach Paris, er studiert dort an der Académie Julian und gestaltete vielfältige Jugendstil-Ansichtskarten. Prachtvoller Druck mit breitem Rand. Farbholzschnitte von Carl Józsa sind im Auktionshandel äußerst selten zu finden.

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carl józsa

8017 „Cake-Walk“ Farbholzschnitt auf hauchfeinem Japanbütten. Um 1910. 19,8 x 13 cm (27 x 20,4 cm). Signiert „Carl Józsa“, betitelt und bezeichnet „Orig. Holzschnitt“. 800€

Die schwungvolle Komposition spielt effektvoll mit dem PositivNegativ-Effekt zwischen gedruckten Flächen und weißem Untergrund. Der Cakewalk war zwischen 1895 und ca. 1915 auf der Grundlage von Ragtime-Musik ein bekannter Modetanz. Ganz ausgezeichneter Druck mit breitem Rand. Äußerst selten.

8017

carl józsa

8018 „Dolce far niente“ Farbholzschnitt auf feinem, faserigem Japanbütten. Um 1910. 22 x 16 cm (30 x 21 cm). Signiert „Carl Józsa“, betitelt und bezeichnet „(4.) Orig. Holzschnitt“. 800€

Das süße Nichtstun einer schönen Dame, umgesetzt in eleganter Jugendstilkomposition. Ganz ausgezeichneter, wenngleich etwas trockener Druck mit dem vollen Rand, unten und rechts mit dem etwas unregelmäßigen Schöpfrand. Äußerst selten.

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8019

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käthe kollwitz

(1867 Königsberg – 1945 Moritzburg)

8019 Bewaffnung in einem Gewölbe Strichätzung, Kaltnadel, Aquatinta und Vernis mou in Schwarz und Rotbraun auf Kupferdruckpapier. 1906. 49,4 x 32,2 cm (69,6 x 55,3 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“. Knesebeck 96 VIII b (von X).

8020 Die Pflüger Strichätzung, Kaltnadel, Aquatinta, Reservage, Schmirgel und Vernis mou in Braun auf Kupferdruckpapier. 1907. 31 x 45,4 cm (54,3 x 70,2 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“. Knesebeck 99 IX b (von XIII b).

1.200€

1.200€

Blatt 4 aus dem Zyklus „Bauernkrieg“. Mit der gestochenen Jahreszahl „1921“ links unten im Rand der Darstellung und diese in der rechten unteren Darstellungsecke in der dunklen Fläche nur schwer zu erkennen. Im unteren Plattenrand rechts die gestochene Druckeradresse „Druck von O. Felsing, Berlin S. W.“. Erschienen in einer Gesamtauflage von 200 Drucken bei Richter 1921. Sehr guter Druck mit herrlich kräftigem Grat und wunderbar differenziertem Plattenton, mit breitem Rand.

Blatt 1 aus dem Zyklus „Bauernkrieg“. Mit der gestochenen Jahreszahl „1921“ in der rechten unteren Darstellungsecke. Aus der Auflage bei Richter 1921 in Höhe von insgesamt 200 Drucken. Hervorragender Druck mit sehr schönem Plattenton und fein zeichnender Plattenkante, mit breitem Rand.

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8021

emil nolde

(1867 Nolde/Schleswig – 1956 Seebüll)

8021 Unterhaltung Radierung mit Aquatinta in Blaugrau auf Velin. 1906. 15,2 x 19,2 cm (45 x 31,5 cm). Signiert „Emil Nolde“, datiert und wohl von Ada Nolde betitelt und bezeichnet „Frühdruck“. Schiefler/Mosel R 37 III (von IV). 3.000€

Exemplar des frühen dritten Zustandes, vor der helleren, fleckigen Tonätzung, vom Drucker Otto Felsing signiert. Schiefler/ Mosel nennen für diesen Zustand nur zwei Exemplare. Die Gesamtauflage betrug nur ca. 30 Exemplare. Es existierte ein vergleichbares, aber zerstörtes Gemälde „Familie Burchard“ aus dem Jahre 1904 (Urban 146). Prachtvoller Druck des seltenen Blattes mit wunderbar bläulichem Plattenton und sehr breitem Rand.

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8022

emil nolde

8022 Heller Tag Lithographie auf festem Velin. 1907. 28 x 46,3 cm (37 x 52,8 cm). Signiert „Emil Nolde“ und datiert. Auflage 100 Ex. Schiefler/Mosel L 20. 4.500€

Charakteristisches Blatt aus dem graphischen Schaffen Noldes. Seine dänisch-norddeutsche Heimat inspirierte Nolde zu besonders schönen Landschaftsdarstellungen. Die inspirierende Zusammenarbeit mit der Druckerei Westphalen in Flensburg führte Nolde zum Schaffen eines der bedeutendsten druckgraphischen

Oeuvre des Expressionismus. Schubweise, gleich in größeren Gruppen, entstanden Noldes Druckgraphiken – und so auch seine Lithographien. Die ersten schuf er mit großer Intensität im Jahr 1907, meist mit breitem Pinsel und schwarzer Tusche gezeichnet und im Umdruckverfahren hergestellt, das heißt, Nolde übertrug eine Zeichnung entweder in Tusche oder in Kreide auf den Lithostein. Starke Schwarz-Weiß-Kontraste bestimmen das Blatt. Druck Westphalen, Flensburg. Schiefler erwähnt zwar eine Auf­ lage von 100 Exemplaren, diese wurde möglicherweise jedoch wohl nicht voll ausgedruckt oder veröffentlicht, denn das Blatt ist von großer Seltenheit. Prachtvoller Druck, oben und rechts mit breitem Rand. Restauriert, bitte Zustandsbericht erfragen. 29


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8024

emil nolde

hermann max pechstein

12.000€

8024 Zwei Boote Holzschnitt auf hauchdünnem Japanbütten. 1912. 17,3 x 21,5 cm (39,3 x 44 cm). Signiert „M. Pechstein“ und datiert. Krüger H 145.

8023 Fischdampfer Holzschnitt auf braunem faserigen Velin. 1910. 30,2 x 38,5 cm (38 x 51 cm). Signiert „Emil Nolde“. Schiefler/Mosel H 34 II. Mit einer Serie mit Motiven aus dem Hamburger Hafen wandte sich Nolde im Jahr 1910, nach einer mehrjährigen Pause, wieder dem Holzschnitt zu. Souverän lässt er die Maserung des Holzes belebend direkt in die Gestaltung mit einfließen und verwandelt die horizontal druckenden Holzfasern in Wellenkämme des bewegten Meeres. Wie alle Holzschnitte des Künstlers auf der Handpresse von Nolde selbst oder von seiner Frau Ada gedruckt. Dabei rollt Nolde die Farbe so üppig auf den Druckstock auf, dass sie auch zum Teil in die Vertiefungen laufen und diese mitdrucken konnte, sobald Nolde das Papier vehement auf den Druckstock presste. In Kombination mit dem faserigen Papier erzielt er eine besonders schöne Reliefwirkung. Exemplar des zweiten Druckzustandes vom abgehobelten Holzstock, die Rauchfahne am Schornstein nunmehr aus zwei statt drei verschieden breiten Linien bestehend. Schiefler/ Mosel verzeichnen lediglich zwei Exemplare im ersten Zustand, und nach Noldes eigenen Aufzeichnungen existieren nur elf Abzüge in diesem zweiten Zustand. Ganz prachtvoller, tiefdunkler Druck mit wunderbarem Relief. Restauriert, bitte Zustandsbericht erfragen. Sehr selten.

(1881 Zwickau – 1955 Berlin)

4.500€

Der seltene Holzschnitt entstand im Jahr des Ausschlusses Pechsteins aus der Künstlergruppe Brücke. Er steht am Anfang einer Sequenz von insgesamt neun aufeinanderfolgenden Holzschnitten ähnlichen Formats (Krüger H 145-153), die auf vielfältige Weise ganz unterschiedliche Kompositionen der rauen See mit Schiffen und Kähnen wiedergeben und vermutlich allesamt bei einem Aufenthalt an der Kurischen Nehrung entstanden. Dort verbrachte Pechstein seit 1909 mehrere Jahre hintereinander seine Sommermonate, welche zu seinen produktivsten Schaffensphasen zählen. Zwei kleine, vor der Küste verankerte Fischerboote, leicht schräg in die Bildmitte gesetzt, wiegen sanft in den Wellen des Meeres hin und her. Rechts vorne dominiert eine diagonal in die Bildfläche ragende, im Sonnenlicht flimmernde, karge Felsformation, bewachsen von landschaftstypischer Vegetation. Als Kontrast zu diesem Bildelement lässt Pechstein eine dunkel verschattete Insel am linken Horizont aufragen. Durch die unterschiedliche Behandlung der Oberfläche des Holzstockes erzielt Pechstein einen meisterhaft koloristischen Effekt. Ganz ausgezeichneter, tiefschwarzer und dennoch sehr klarer Abzug mit breitem Rand. Krüger nennt nur ein bekanntes Exemplar unseres Holzschnittes. Sehr selten. 31


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martin stekker

(1878 Norden – 1962 Berlin)

8025 Ruhende Frau Öl auf Leinwand. Vor 1910. 44 x 47 cm. Verso auf dem Keilrahmen mit dem Nachlaßstempel, dort signiert „Ruth Kretschmer geb. Stekker“. 2.200€ Kein bürgerliches Wohn- oder Schlafzimmer ist es, in dem die junge Frau ruht, sondern vielmehr weist die an der Wand lehnende, umgedrehte Leinwand auf eine Ateliersituation hin. In legerer Haltung legt die Frau die Beine hoch und den Oberkörper zurück, blickt jedoch sinnend nach unten und scheint ganz bei sich zu sein. Stekkers Bilder in sich versunkener Frauenfiguren sind in seinem Werk von ganz besonderem Reiz. Hier konstruiert er das Interieur aus großen Farbflächen in gedeckter Tonalität und vereinfachten Formen. Martin Stekker nahm sein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie 1901 auf. Die Akademie gewährte ihm aufgrund seines Talents 1908 und 1909 Reisestipendien nach Belgien und Italien. Nach dem

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Ersten Weltkrieg zog er nach Berlin, wo er auf Empfehlung von Max Liebermann ein Meisteratelier an der Berliner Akademie der Künste bei Arthur Kampf erhielt. Stekkers Gemälde zeichnen sich durch einen ganz dem Impressionismus verpflichteten, lockeren Pinselduktus aus. Provenienz: Nachlass des Künstlers Ausstellung: Poesie im Alltag, Der Zeichner und Maler Martin Stekker, Museum Reinickendorf, Berlin 2015 Literatur: Cornelia Gerner (Hrsg.), Poesie im Alltag, Der Zeichner und Maler Martin Stekker, Museum Reinickendorf, Berlin 2015, Abb. 93, S. 84 Martin Stekker 1878-1962. Ein Poet der Malerei und Zeichnung, Berlin/Fischerhude o.J., Abb. S. 30


8026

martin stekker

8026 Mädchen in Rot auf der Bank Öl auf Leinwand. Um 1920. 47,5 x 40 cm. Verso auf dem Keilrahmen bestätigt „für Martin Stekker Ruth Kretschmer-Stekker“. 2.400€ Ein intimer Blick auf die ganz in sich versunkene junge Gestalt: Martin Stekker spielt mit der abgewandten Pose des Mädchens, das nicht nur das Gesicht ins verlorene Profil dreht, sondern auch noch seinen Kopf senkt. Wir blicken also auf den Rücken, auf Schulter und Nacken und ahnen die Jugend des Mädchens anhand der weichen Rundung der Wange. Ein weiches, gelblichwarmes Licht erfüllt den nicht näher bestimmbaren, landschaftlichen Raum und zeichnet sanfte farbige Flecken und Reflexe auf das rote Kleid. Stekkers Werke stellten meist Menschen aus bäuerlichen oder kleinbürgerlichen Umgebungen dar, immer gekennzeichnet von seiner ganz besonderen „Poesie im Alltäglichen“. „Martin

Stekker fühlte sich als Maler immer nur sich selbst und nicht dem Zeitgeist verpflichtet. Insofern kommt seinem Werk eine universellere, niemals moderne oder unmoderne, Bedeutung zu.“ (Helmut Börsch-Supan, in: Poesie im Alltag, Der Zeichner und Maler Martin Stekker, Museum Reinickendorf, Berlin 2015, Abb. 98, S. 11). Provenienz: Nachlass des Künstlers Ausstellung: Poesie im Alltag, Der Zeichner und Maler Martin Stekker, Museum Reinickendorf, Berlin 2015 Literatur: Cornelia Gerner (Hrsg.), Poesie im Alltag, Der Zeichner und Maler Martin Stekker, Museum Reinickendorf, Berlin 2015, Abb. 98, S. 89 Martin Stekker 1878-1962. Ein Poet der Malerei und Zeichnung, Berlin/Fischerhude o.J., Abb. S. 31 33


8027

8028

lyonel feininger (1871–1956, New York)

8027 Die Arbeiter (The Workmen) Radierung in Braunschwarz auf festem, genarbtem Kupferdruckpapier. Um 1910/11. 9,5 x 13,8 cm (21,4 x 32,8 cm). Signiert „Lyonel Feininger“ und bezeichnet „II“. Prasse E 20. 10.000€ Fiktive, bäuerliche Straßenszene mit dörflichem Treiben, die man zunächst in Frankreich verorten würde. Darauf weisen die typischen Kamine an den Giebelseiten der Häuser und ebenso das Türschild „Hôtel“ über dem Hauseingang auf der linken Seite. Den Hintergrund allerdings bestimmt ein zarter Hügel mit aufgehen-

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der Sonne, auf dem eine Windmühle wie ein Gipfelkreuz in den Himmel ragt. Dieses Motiv übernahm Feininger aus Heringsdorf auf der Insel Usedom, wo er sich wenige Jahre zuvor aufgehalten hatte. Damit steht die Graphik in sehr engem Zusammenhang mit dem 1909 entstandenen Gemälde „Dämmerdorf“, das sich heute in der Neuen Nationalgalerie in Berlin befindet. Bisher unbekannt gebliebener, ganz prachtvoller und stark gratiger Abzug mit sehr breitem Rand. Unten rechts mit der eingeritzten Signatur „Leinoel Einfinger“. Laut einem Vermerk Feiningers auf dem bisher einzigen bekannten Exemplar gibt es lediglich 3-5 Probedrucke. Sehr selten. Provenienz: Aus der Familie Friedrich Oppenheim, seither in Familienbesitz


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lyonel feininger

8028 Ohne Titel (Figures on a Cliff) Radierung in Braunschwarz auf festem, genarbtem Kupferdruckpapier. Um 1910/11. 11,8 x 15,7 cm (21,8 x 33,2 cm). Signiert „Lyonel Feininger“. Nicht bei Prasse. 8.000€

Mit der Signatur „Leinoel Einfinger“ in der Platte unten rechts. Bei der hier vorliegenden Arbeit fühlt man sich unweigerlich an Darstellungen des Romantikers Caspar David Friedrich erinnert. Am Rande des steilen Abgrundes einer Klippe haben sich fünf Ausflügler versammelt, die teils in Rückenansicht sehnsüchtig in die Ferne blicken. Die grotesken Figuren noch in der für Feininger ganz typisch karikaturistischen Art der Anfangsjahre. Es existiert nur ein weiterer bekannter Abzug, dieser befindet sich in Museumsbesitz. Die frühe, Prasse unbekannt gebliebene Radierung in einem brillanten Druck in Braunschwarz mit sehr breitem Rand und deutlich eingeprägter Plattenkante. Der dunkel gewischte, seidig schimmernde Plattenton effektvoll eingesetzt. Von allergrößter Seltenheit. Achim Moeller, Direktor des Lyonel Feininger Project LLC, New York– Berlin, hat die Echtheit dieses Werkes, das im Archiv des Lyonel Feininger Project unter der Nummer E 00A-1716-10-01-21 registriert ist, bestätigt. Eine Expertise liegt vor.

8029 „Am Strande der Ostsee“ (Badehütten, Beach Cabins) Radierung auf festem, genarbtem Kupferdruckpapier. Um 1911. 14,9 x 23 cm (32,2 x 44,7 cm). Signiert „Lyonel Feininger“ und betitelt. Prasse E 27. 7.000€

Anders als in verschiedenen Strandbildern des Künstlers aus derselben Zeit, interessieren Feininger hier keine flanierenden Urlauber in einem mondänen Ostseebad, vielmehr schildert er eine nahezu menschenleere Strandszene. Nur ein dunkel gekleideter Spaziergänger in der Ferne watet einsam durch das Wasser. Die Hand am Hut, versucht er es noch rechtzeitig vor dem aufkommenden Sturm nach Hause zu schaffen. Brillanter, wunderbar gratiger Druck mit seidig schimmerndem Plattenton und sehr breitem Rand. Sehr selten. Provenienz: Aus der Familie Friedrich Oppenheim, seither in Familienbesitz

Provenienz: Aus der Familie Friedrich Oppenheim, seither in Familienbesitz 35


christian rohlfs

(1849 Niendorf/Holstein – 1938 Hagen/Westfalen)

8030 Weiblicher Rückenakt Kohle, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. 1911. 65,5 x 50 cm. Unten rechts mit Kohle monogrammiert „CR“. Nicht bei Vogt. 18.000€

Reizvoll zeigt Rohlfs die junge Frau mit über den Kopf erhobenen Armen, im Kontrapost stehend und mit angeschnittenen Schenkeln. Eine sanft fließende, tiefdunkle Kontur und schöne Stilisierung kennzeichnen den stehenden weiblichen Rückenakt, leicht nach links gedreht. Im Sommer 1910 zog Rohlfs auf Einladung des Sammlers Dr. Commerell für zwei Jahre nach München und wurde im Jahr darauf Mitglied der Berliner „Neuen Sezession“. Zu dieser Zeit traten Menschenbilder in den Vordergrund seines Werkes und wurde sein Stil, beeinflusst vom Expressionismus, kontrastreicher, flächiger, spröder und schärfer konturiert. Paul Vogt glaubt zu spüren, „dass der Künstler sein wirkliches Ziel damals erkannt hat. Es mit ‚visueller Poesie‘ zu umschreiben, ist wohl nicht falsch, wobei es sich allerdings um eine visuelle Poesie handelt, die sich nicht mit der Oberfläche des Sichtbaren begnügte, sondern das Seiende im tieferen Sinne als Organisationsform aus Ordnung, Vollkommenheit und Freude am Sichtbaren begreift.“ (Vogt S. 17). Die Zeichnung wurde 2006 von Paul Vogt, Essen, nach Vorlage des Originals mündlich bestätigt. Provenienz: Lempertz, Auktion 896, Moderne und Zeitgenöss. Kunst, Köln, 29.11.2006, Lot 375

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willi geiger

(1878 Schönbrunn – 1971 München)

8031 Sankt Sebastian Öl auf Leinwand. 1914. 122 x 100 cm. Unten rechts mit Pinsel in Blau signiert „W. Geiger“, datiert und mit der Ortsangabe „Berlin“. 15.000€

Leidenschaftlichkeit und psychologische Durchdringung ebenso wie das sensible Gespür für Farbe zeichnen Geigers Darstellung des Heiligen Sebastian aus. Er stellt den gemarterten, von Pfeilen durchdrungenen Heiligen mitten in eine enge Gasse, lässt schattenhafte Passanten erschreckt stehenbleiben angesichts der Erscheinung. Den römischen Märtyrer beschreibt die Legende aus dem 5. Jahrhundert, historisch nicht belegt, als Gardeoffizier, der wegen seines christlichen Glaubens auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen erschossen und als vermeintlich tot liegen gelassen wurde. Sebastian, in der Folge Schutzherr gegen Krieg, Hunger und Pest, steht bei Geiger mit qualvoll verzerrtem Körper am Marterpfahl, sein Inkarnat Grün und Rosa. Die weichen, locker in Schwarz gezeichneten Konturen und die irisierende Farbgebung verleihen der Szene eine gespenstisch moderne Wirkung. Die expressive, frühe Arbeit Geigers entstand in seiner Berliner Zeit direkt vor oder nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Er hatte bereits beachtliche Erfolge als Künstler gefeiert, war mit Stipendien nach Spanien, Italien und Nordafrika gereist, hatte 1910 den Villa-Romana-Preis auf Vorschlag von Max Klinger erhalten und hatte bei Cassirer und Gurlitt ausgestellt. Begeistert war auch er freiwillig gleich zu Beginn in den Krieg gegen Frankreich gezogen, dort aber nach den ersten Schlachten schnell von der grausamen Realität ernüchtert. Zunehmend widmete er sich in dieser Zeit der Malerei, wobei sich sein zuvor zwischen Impressionismus und linearer Ornamentik wechselnder Stil nun bald in Richtung des Expressionismus entwickelte. Provenienz: Ketterer München, Auktion 2.6.1986, Lot 365 Neumeister München, Auktion 23.5.2007, Lot 353

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willi geiger

8032 Frau in Rosa Öl auf Leinwand. 1920. 57 x 44 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Geiger“ und datiert. 10.000€

Entschlossenheit und Melancholie strahlt sie aus, die herbe Schönheit. Ganz im Stil der Neuen Sachlichkeit präsentiert Geiger das Frauenantlitz - es handelt sich wohl um die Gattin des Künstlers – streng en face, und der Blick aus den großen, umschatteten Augen zielt unverstellt und unerbittlich gerade, beinahe offensiv, auf den Betrachter. Die Ansammlung nuancierter Rosatöne in Kleidung und Hintergrund mildert diese wilde Kraft kaum ab, harmoniert allerdings wunderbar mit dem fein abgestuften Inkarnat. Die Arbeit entstand möglicherweise während Geigers kurzem Spanienaufenthalt nach dem Ersten Weltkrieg. Willi Geiger verbuchte nach seinen Studien in München, unter anderem bei Franz von Stuck und Peter Halm, zum Teil zusammen mit Hans Purrmann und Albert Weisgerber, schon früh erste Erfolge als Graphiker. Preise und Stipendien ermöglichten ihm längere Aufenthalte in Italien und Spanien, wohin er immer wieder zurückkehren sollte und wo er später begeistert Künstler wie Francisco de Goya, El Greco und Diego Velázquez kopierte. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs lebte Willi Geiger in Berlin, zog euphorisch wie viele in den Krieg, wurde aber von der grausamen Realität schnell eingeholt und begann, psychisch schwer belastet, nach der Rückkehr in München als Professor an der Kunstgewerbeschule, diese Erlebnisse zu verarbeiten. Die Malerei brachte ihm allmählich wieder Ruhe, und sein Stil wandelte sich verstärkt hin zum Expressionismus. 1928 wurde er an die Staatliche Akademie nach Leipzig berufen, jedoch 1933 aufgrund seiner Opposition zum Nationalsozialismus gekündigt und seine Arbeiten als „entartet“ diffamiert. Provenienz: Nachlass Paul Romberger, Aschaffenburg

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stanislaus stückgold (1868 Warschau – 1933 Paris)

8033 Portrait Albert Steffen Öl auf Hartfaserplatte. Um 1915. 42 x 34,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Rot monogrammiert „St.“, verso signiert „Stückgold“. 1.000€

Stückgold malte mehrere Portraits des bedeutenden Anthropo­ sophen, hier in ätherisch-luftigem Kolorit und überraschender Helligkeit. Nachdem Stückgold 1905/06 auf sozialistischer, nationalpolnischer und jüdischer Seite die Revolution in Polen unter-

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stützt hatte und sie niedergeschlagen worden war, gab er seine Tätigkeit als Chemiker und Ingenieur auf und begann ein Kunststudium in Warschau. Er besuchte die Malschule des Ungarn Simon Hollósy und im Sommer 1908 die Malerkolonie in Nagybánya. Bald darauf zog Stückgold nach Paris und wurde Schüler von Henri Matisse, lernte Henri Rousseau kennen und stellte im Salon des Indépendants aus. 1913 siedelten Stückgold und seine Frau nach München über, schlossen Freundschaft mit dem Anthroposophen Albert Steffen und traten in die Anthroposophische Gesellschaft ein. Der Dargestellte, Albert Steffen, der bereits 1914 am Bau des ersten Goetheanums mitgearbeitet hatte, wurde nach dem Tode Rudolf Steiners ab 1925 dessen Nachfolger als Vorsitzender der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft.


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max oppenheimer

(gen. Mopp, 1885 Wien – 1954 New York)

8034 Jenny Brown Kaltnadel auf Kupferdruckpapier. 1917. 33,3 x 26,7 cm (55 x 48,5 cm). Signiert „MOPP“. Auflage 25 num. Ex. Pabst R39. 900€

Mit psychologischem Scharfblick erfasst der Künstler die nach links gewandte Sitzende. Die Radierung entstand im Zusammenhang mit dem Gemälde gleichen Themas aus dem Jahr 1916. Oppenheimer gehörte zu den jungen Künstlerfreunden des Sammlerehepaares Sidney W. und Jenny Brown. Prachtvoller, sehr feiner und klarer Druck mit sehr breitem Rand. Selten. 43


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jeanne mammen (1896–1976, Berlin)

8035 Ohne Titel Aquarell und Bleistift auf Velin. Um 1910-1914. 12,7 x 18 cm. Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „JM“ (ligiert). 1.500€

Der sensible und behutsame Umgang Mammens mit ihren Figuren prägt das kleine, locker und mit schwingenden Bleistiftlinien konturierte Aquarell aus ihrer Zeit in Paris und Brüssel. Sie zeichnete keine Karikaturen, anders als George Grosz, der gleichzeitig und teilweise in denselben Zeitschriften den „deutschen Spießer“ in seiner plumpen Hässlichkeit gnadenlos aufs Korn nahm, und

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sie war auch nie von jenem Wahrhaftigkeitsdrang getrieben, der Otto Dix die unvorteilhaften Züge seiner Zeitgenossen hervor­ heben ließ. Mammen besaß auch ohne deren Aggressivität und extreme Unbedingtheit eine ebenso genaue und scharfe Beo­bach­ tungsgabe wie ihre Kollegen. „Die zarten, duftigen Aquarelle, die Sie in Magazinen und Witzblättern veröffentlichen, überragen das undisziplinierte Geschmier der meisten Ihrer Zunftkollegen derart, daß man Ihnen eine kleine Liebeserklärung schuldig ist...“ (Kurt Tucholsky, Antwort an Jeanne Mammen, in „Die Weltbühne“, 25. Jg., 6. August 1929, H. 32, S. 225). Wir danken Cornelia Pastelak-Price für wertvolle Hinweise.


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heinrich zille

(1858 Radeburg – 1929 Berlin)

8036 Aus dem Rotlichtmilieu Farbige Kreiden auf bräunlichem Velin. 8,8 x 8,2 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Zille“. 2.000€

Greifen, Drängen, schnelle Nähe: Zilles wunderbar charakteristische, atmosphärisch dichte Zeichnung zeigt Mann und Frau in enger Umarmung im Halbdunkel der Ecke, und wie so häufig erspähte Zille die kleine Szene wohl im Rotlichtmilieu oder im Dunkel der Hinterhöfe von Mietskasernen und der Seitengassen in den Berliner Arbeitervierteln. Der Bildausschnitt konzentriert sich auf die Unterkörper und erfasst also nicht die beiden Menschen in ihrer Individualität, sondern in ihrer Geschlechtlichkeit, vor deren Darstellung der Künstler nie zurückschreckte. Verso das Fragment einer weiteren Zeichnung von Heinrich Zille. 45


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john bauer

(1882 Jönköping – 1918 Schweden)

8037 Troll 10 Lithographien auf braunem Velin, 3 Doppelblatt Text mit Impressum, Vorwort von Carl Larsson und Inhaltsverzeichnis. Je in Passepartout, lose in Leinenkassette. 1915. Bis 13,7 x 9,7 cm (Blattgröße). Die 10 Lithographien der Suite jeweils signiert „John Bauer“. 5.000€ Noch als Student der Akademie der Künste in Stockholm bekam John Bauer erste Aufträge als Illustrator. Mit seinen phantastischen Märchenband-Illustrationen konnte der junge Künstler schon

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bald große Erfolge erzielen. Bauers märchenhafter Stil wird dabei geprägt von den Strömungen der nationalromantischen Malerei, deren wichtigster Vertreter Carl Larsson die Einführung zu diesem Mappenwerk verfasst hat. In einer düsteren, traumhaften Erzählung macht Bauer das mythologische Fabelwesen des Trolls zum Protagonisten in diesem Werk. Der Troll, der in der Schwedischen Folklore eine besondere Rolle spielt, wird von Bauer mal als gewaltiges Wesen und mal als kleines quirliges Geschöpf dargestellt, immer aber im Dunkel des Waldes und der Nacht. Herausgegeben beim Ernst Bauers Förlag Göteborg.


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arthur von kampf

(1864 Aachen – 1950 Castrop-Rauxel)

8038 Männerstudien 4 Zeichnungen. Unterschiedliche Techniken auf verschiedenen Papieren. 1915 - um 1925. Bis 45 x 34 cm. Alle signiert „A. Kampf“, 1 Blatt datiert. 800€

Zwei detailreich und effektvoll gestaltete männliche Rückenakte und die Porträtstudie eines Landwehrmannes, entstanden 1915, zeigen Kampfs hoch entwickelte Zeichentechnik in Kohle, und die Studie zu einer Gruppe Straßenarbeiter seine souveräne Behandlung des Tuschpinsels. Beigegeben: Eine weitere signierte Zeichnung von Arthur von Kampf, „Bildnis einer jungen Frau“.

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arthur von kampf

8039 Boxer im roten Mantel Öl auf Leinwand. Um 1930. 52 x 45,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „A. Kampf.“, verso auf dem Keilrahmen bezeichnet „57a“. 1.500€

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Der Kampf ist vorbei, die blonden Haare zerrauft. Erschöpft blickt er nach unten, der Boxer im roten Bademantel, die Nase von früheren Schlägen gezeichnet. Nach seinen Studien an der Düsseldorfer Akademie bei Peter Janssen begab sich Kampf 1885 mit seinem Malerkollegen Helmuth Liesegang auf eine Reise nach Paris, um die neuesten Kunstströmungen zu studieren. Besonders beeindruckten ihn dort die Arbeiten von Jean-François Millet und Jules Bastien-Lepage. Kampf entwickelte seinen stark naturalistisch inspirierten Stil an Vorbildern wie Janssen und Menzel weiter. Große öffentliche Aufträge und seine Studienreisen, u. a. nach Spanien und Polen, verschafften ihm auch internationale Anerkennung. Schon 1893 wurde er zum Professor an der Düsseldorfer Akademie ernannt, erhielt jedoch 1898 einen Ruf nach Berlin, wo er Akademiemitglied und von 1907-12 sogar deren Präsident wurde. Er folgte Anton von Werner als Direktor der Hochschule für Bildende Kunst. Auch wenn sein großer Erfolg in der wilhelminischen Gesellschaft zahlreiche repräsentative Werke hervorbrachte, zeichnete er privat bevorzugt Menschen aus dem Volk, oft bei ihrem Tagewerk, und schuf zahlreiche eindrucksvolle Bildnisse und übte in der Darstellung der männlichen Figur, insbesondere der Arbeiter und Soldaten, einen heroisierenden Männlichkeitskult. Auf der Großen Deutschen Kunstausstellung 1939 im Münchner Haus der Deutschen Kunst war er mit verschiedenen Werken vertreten.

arthur von kampf

8040 Mann im roten Hemd, heroisch Öl auf Leinwand. Um 1935. 40 x 35 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „A. Kampf.“, verso auf dem Keilrahmen bezeichnet „D 12a“. 1.200€

Weit nach links oben blickt der junge Mann, hoch empor zu seiner erhobenen rechten Hand außerhalb des Bildausschnitts. Kurze parallele Pinselzüge mit pastosem Farbauftrag laufen schräg zueinander und formen ein leicht stilisiertes Männerbildnis vor dramatisch bewegtem grauen Hintergrund.

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andreas gering (1892–1957, Nürnberg)

8041 „Friedensglocken“ Radierung in Schwarzgrün auf festem Velin. 1917. 24,7 x 17,4 cm (49,2 x 31 cm). Signiert „A. Gering“, datiert, betitelt und bezeichnet „Orig. Radierung“.

8042 „Die Stafette“ Farblithographie auf festem Velin. 1917. 23,8 x 32,5 cm (33,3 x 43,4 cm). Signiert „A. Gering“, datiert, betitelt und bezeichnet „Orig. Steinzeichnung“.

Noch während des Ersten Weltkrieges entstanden, spiegelt Gerings Radierung die eigenen traumatischen Kriegserfahrungen und die Auseinandersetzung des noch jungen, gerade einmal 24-jährigen Künstlers mit dem Tod. Prachtvoller Druck mit feinem Plattenton und partiell zeichnender Facette sowie mit breitem Rand.

Die Grausamkeiten, mit denen Gering während des Ersten Weltkrieges selber konfrontiert war, prägten sein bildnerisches Schaffen dieser Zeit. Nach einem Bombenangriff verschüttet und schwer verletzt geborgen, zeigt er hier den Tod, der die Hand des Soldaten führt. Ausgezeichneter Druck mit breitem Rand.

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andreas gering

8043 „Vor dem Kampf“ Lithographie auf JWZanders-Velin. 1917. 21 x 26,7 cm (39,2 x 56,5 cm). Signiert „A. Gering“ und datiert sowie betitelt und bezeichnet „Orig. Lithographie“. 600€

Ausgezeichneter Druck mit sehr breitem Rand, an drei Seiten mit dem Schöpfrand. 51


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wilhelm heckrott

(1890 Hannover – 1964 Bremen)

8044 „Meister Puff, Lautensänger“ Farbholzschnitt auf hauchdünnem Japanbütten. 1919. 44 x 36 cm (55 x 42 cm). Signiert „Heckrott“, datiert, betitelt und bezeichnet „Farb. Orig. Holzschnitt“. 2.800€

Kompositorisch dichte Arbeit in der markanten expressionistischen Formensprache des verfemten, vergessenen und wiederentdeckten Künstlers. Als Stipendiat der Stadt Hannover studierte

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Heckrott 1910 an der Akademie der Bildenden Künste in Dresden, der Stadt, die fortan für ihn wichtigster Schaffens- und Begegnungsort sein sollte. Hier gründete er 1919 zusammen mit Otto Lange, Conrad Felixmüller und Otto Dix die Dresdner Sezession, anschließend arbeitete er als freischaffender Künstler, beschickte zahlreiche Ausstellungen in Dresden, Berlin, Hannover und Karlsruhe. Im Jahr der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde er wegen „jüdisch-marxistischer Malerei“ aus dem Staatsdienst der Staatlichen Kunstschule Plauen, wo er Malerei und Entwurf lehrte, entlassen und zahlreiche seiner Arbeiten wurden als „entartet“ beschlagnahmt. Auf der großen Münchner Aus­ stellung „Entartete Kunst“ wurde sein Ölbild „Maienkönigin“ von 1919 gezeigt. Ganz ausgezeichneter Druck mit Rand.


dorothea maetzel-johannsen (1886 Lehnsahn – 1930 Hamburg)

8045 Zwei sitzende Akte Bleistift und Pastell auf braunem Velin. 1919. 31,9 x 27 cm. Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „DMJ“ und datiert. 2.000€

Dorothea Maetzel-Johannsen war zusammen mit ihrem Mann Emil Maetzel Mitbegründerin der Hamburgischen Sezession und entwickelte zwischen 1919 und 1921 eine eigene expressive Bildsprache. Inspiration zog sie dabei unter anderem aus dem Kubismus, der Künstlergemeinschaft Brücke und der afrikanischen Skulptur. Die vorliegende Zeichnung mit zwei in Umarmung ver­ weilenden Akten ist noch gänzlich dieser frühen expressionistischen Formensprache zuzuordnen - ab Anfang der 1920er Jahre wandte sich die Malerin dann stärker naturalistischen Darstel­ lungen zu.

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dorothea maetzel-johannsen

8046 Weiblicher Akt mit Katze Bleistift und Aquarell auf dünnem Velin. 37,3 x 28 cm. Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „DMJ.“. 2.000€

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Mit sicheren Umrisslinien und durchscheinend pastelligen Farb­ tönen zeichnet die Künstlerin das junge Modell. Die grünliche Farbgebung des Haars nimmt sie dabei in der Gestaltung der Katze wieder auf, die auf dem Schoß der jungen Frau ruht. Die kraftvoll gezeichneten Konturen des weiblichen Körpers zeigen noch die Nähe zum Expressionismus, sind jedoch schon deutlich ins Naturalistischere abgemildert. 53


emy roeder

(1890 Würzburg – 1971 Mainz)

8047 Stute und Fohlen Messingbronze mit goldbrauner Patina auf Bronzeplinthe. 1919. 36,1 x 33,2 x 14,8 cm. Auf der Plinthe unter dem rechten Lauf der Stute monogrammiert „ER“ und datiert „19“. Gerke 101. 24.000€

Emy Roeder zählt zu den führenden Künstlerinnen des bildhauerischen Expressionismus. Neben Stationen in Würzburg und München erlebte sie ihre künstlerischen Anfänge vor allem in der Ausbildung unter Bernhard Hoetger in Darmstadt, bevor sie 1914 nach Berlin übersiedelte und ihr Studium von 1920-1925 im Meister­ atelier von Hugo Lederer fortsetzte. Sie etablierte sich rasch, und zusammen mit ihrem Ehemann und Bildhauerkollegen Herbert Garbe pflegte sie enge Kontakte zur künstlerischen Avantgarde der Zeit und wurde Mitglied in mehreren namhaften Künstlergruppen. Im Jahr ihrer Heirat mit Garbe 1919, verbrachte Roeder wohl einige Zeit in Fischerhude und kehrte mit den unterschiedlichsten Beobachtungen aus Natur und Tierwelt zurück, die sie fortan versuchte bildhauerisch darzustellen. „Menschliche und kreatürliche Zuneigung“ sollte für die kommenden Jahre zu ihrem zentralen Motiv werden (vgl. Beate Reese, in: Emy Roeder. Auf der Suche nach Ausdruck und Form, Ausst.-Kat. Würzburg 2004, S. 30 ff.). Unmittelbar zu dieser Zeit entstanden zwei Fassungen des Motivs „Stute und Fohlen“ (Gerke 100; Gerke 101). Beide Darstellungen gelten als die ersten Bronzeplastiken und die ersten Tierplastiken im Oeuvre der Künstlerin. Zudem markieren sie den Beginn von zweifigurigen Gesamtkompositionen in ihrem Werk. Unsere Fassung (Gerke 101) zeigt eine stehende Stute, mit zärtlicher Geste dem unter ihr liegenden Fohlen zugewandt. In komplexer Bewegung ist der Hals dabei so weit nach hinten gedreht, dass sich der geneigte Mutterkopf in vertikaler Achse mit dem emporgestreckten Kopf des Jungtieres befindet. Die für Roeder typisch mandelförmigen Augen beider Tiere betonen die optische Verbindung. Mutter und Kind, festgehalten in einem innigen

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Moment der Zuneigung. Die grazil tänzelnden Beine der Stute werden dabei so platziert, dass dem Jungtier genügend Raum bei gleichzeitigem Schutz gegeben ist. Auch die klare Anordnung beider auf einer gemeinsamen Plinthe unterstreicht die liebevolle Verbindung von Mutter zu ihrem Fohlen. Die stark betonten Kanten der Plastik aus der frühen Weimarer Republik rückt sie in die Nähe des „Berliner Kubismus“. 1920 wurde ein Guss der Arbeit bereits in eine Ausstellung der „Novembergruppe“ integriert. Zu dieser Zeit begann der Straßburger Apotheker André Horn über enge Kontakte eine Sammlung zeitgenössischer Avantgardekunst aufzubauen, in die der hier angebotene Guss schon früh gelangt sein musste. Ein Foto von 1930 zeigt die Plastik bereits in der Sammlung. Zusammen mit seinem Bruder, dem Architekten Paul Horn, gründete André Anfang der 1920er Jahre eine Immobiliengesellschaft und ließ in der sogenannten „Aubette“ ein modernes Kultur- und Vergnügungszentrum unter der Gestaltung von Sophie Taeuber-Arp, Hans Arp und Theo van Doesburg gestalten. Wunderbares Exemplar mit differenzierter Patina. Friedrich Gerke führt im Werkverzeichnis von 1963 lediglich zwei bekannte Güsse auf. Von allergrößter Seltenheit. Wir danken Dr. Henrike Holsing, Museum im Kulturspeicher Würzburg, für freundliche Hinweise. Provenienz: Sammlung André Horn bis 1948 Paul Horn (gest. 1959, danach in Familienbesitz) Privatsammlung Straßburg Literatur: Der Cicerone, XII. Jahrgang, 1920, Abb. S. 425 (wohl der Gips­ entwurf) Alfred Kuhn, Emy Roeder, in: Junge Kunst, Bd. 18, Leipzig 1921, mit ganzs. Abb. (wohl der Gipsentwurf) Deutsche Kunst und Dekoration, Bd. 50, 1922, Abb. S. 201 (wohl der Gipsentwurf) Beate Reese, Emy Roeder. Auf der Suche nach Ausdruck und Form, Ausst.-Kat. Würzburg 2004, vgl. Abb. S. 55 Henrike Holsing und Marlene Lauter, Das Kosmische allen Seins - Emy Roeder. Bildhauerin und Zeichnerin, Ausst.-Kat. Würzburg 2018, Kat. Nr. 9, vgl. Abb. S. 101


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8048

conrad felixmüller (1897 Dresden – 1977 Berlin)

8048 „Der Kuss“ Umdrucklithographie auf Similijapan. 1914. 31,7 x 45,4 cm (35,5 x 49,8 cm). Signiert „Felixmüller.“, betitelt und bezeichnet „Lith.1-8“. Söhn 63. 1.800€

Die charmante, frühe Lithographie in einem kräftigen Abzug. Söhn betitelt die Arbeit im Untertitel als „Maler Edmund Kesting mit Braut“. Der aufgelichtete Frauenkopf, hingebungsvoll zur Seite geneigt, kontrastiert zwar mit dem dunkel gestalteten, flüchtig skizzierten und eher verhalten wirkenden Gesicht des Künstlers Kesting. Dennoch ist das Paar in inniger Umarmung vereint. Die Darstellung steht in einer Reihe mehrerer Arbeiten von Liebes­ paaren, die Felixmüller kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges schuf. Söhn nennt eine Auflage von nur 8 Exemplaren. Prachtvoller Druck mit kleinem Rand. Selten.

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conrad felixmüller

8049 „Bildnis Max Liebermann“ Holzschnitt auf Japanbütten. 1926. 50,1 x 40,2 cm (62,2 x 48 cm). Signiert „C. Felixmüller“, datiert, betitelt und bezeichnet „Holzschnitt“, verso nochmals bezeichnet „Selbst handgedruckt“. Söhn 366 a (von c). 800€

Einer der wenigen handgedruckten Abzüge, wohl vor der Auflage für die Griffelkunst-Vereinigung. Das eindrucksvolle, großforma­ tige Porträt des damals 79-jährigen Liebermann in einem ausgezeichneten, tiefschwarzen Reiberdruck mit dem vollen Rand, oben und unten mit dem Schöpfrand.

8049

max beckmann

(1884 Leipzig – 1950 New York)

8050 Frühling Kaltnadel auf Bütten. 1918. 30 x 20 cm (37,5 x 30 cm). Signiert „Beckmann“. Auflage 60 Ex. Hofmaier 133 II B b. 1.800€

Druck des endgültigen Zustandes von der verstählten Platte. Erschienen als Blatt 13 der Folge „Gesichter“ in einer Gesamtauflage von 100 Exemplaren im Verlag der Marées-Gesellschaft, R. Piper & Co., München 1919, mit dem Trockenstempel unten rechts. Das Titelblatt der Mappe „Gesichter“ führt das Blatt noch unter dem Titel „Straße in Frankfurt“. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand.

8050 57


8051

max beckmann

8051 „Der Morgen“ Kaltnadel auf Velin. 1923. 25,4 x 30,5 cm (36,5 x 46,8 cm). Signiert „Beckmann“ und betitelt. Auflage 150 Ex. Hofmaier 299 B b (von c). 1.800€

Ein strahlender Morgen in Frankfurt am Main, Beckmanns Wirkungsstätte von 1915 bis 1933, mit Blick von der Untermainbrücke auf das Sachsenhäuser Ufer mit dem Städel-Museum. Erschienen in einer Gesamtauflage von 275 Exemplaren als vierte Jahresgabe des Kreises graphischer Künstler und Sammler, Verlag Arndt Beyer, Leipzig 1924. Mit dem Blindstempel „Heinr. Wetteroth München gedr.“ links unter der Darstellung. Prachtvoller, herrlich gratiger Druck mit breitem Rand. Restauriert, bitte Zustandsbericht erfragen.

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george grosz (1892–1959, Berlin)

8052 Akrobaten Kaltnadel in Graubraun auf festem Velin. 1914. 14,8 x 10 cm (28,7 x 18,5 cm). Signiert „Grosz“, datiert und bezeichnet „Probedruck“ sowie „1“. Dückers E 15. 2.400€

Die wenigen Kaltnadelarbeiten, die Grosz 1913 und 1914 schuf, entstanden zu einer Zeit, als seine zeichnerische Linie eine der Radierung verwandte Schärfe des Strichs gewonnen hatte. Das Verhältnis von Zeichnung und gedrucktem Werk war zu dieser Zeit ein sehr unmittelbares. Laut Dückers wurden nur wenige Exemplare gedruckt; bei vorliegendem Druck handelt es sich wohl um das bei Dückers erwähnte, von Grosz am 30. November 1931 in seinem Kontobuch aufgeführte Blatt „No. 1 Akrobaten, Radierung, Probedruck, sehr selten, 30 Mk.“. Ganz prachtvoller, tiefdunkler Probedruck mit zartem, nuancenreichem Plattenton und breitem Rand. Außerordentlich selten.

8052

george grosz

8053 Richard Wagner Gedenkblatt, aus: Ecce Homo Offsetlithographie auf Velin. 1921. 24 x 18,8 cm (36,5 x 29,2 cm). Signiert „Grosz“. Dückers S 1 60. 1.500€

Blatt 60 der Folge „Ecce Homo“. Dückers erwähnt signierte Einzelblätter auf unterschiedlichen Papieren ohne gedruckte Blatt­ nummern, bei denen es sich wohl um Probedrucke handelt. Ausgezeichneter Druck mit Rand.

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8054

george grosz

8054 Interieur einer Wohn- und Schlafstube Bleistift auf liniertem Schreibpapier. Um 1922. 14 x 22 cm. Verso mit dem Nachlaßstempel und der Registriernummer „6/12/4“ sowie bezeichnet „L3 Nr. 2243“. 1.200€

Im Jahr 1922 unternahm Grosz gemeinsam mit dem dänischen Schriftsteller Martin Andersen Nexö eine Reise mit der norwegischen Dampfschiffgesellschaft über Nordnorwegen nach Russ­ land. Unsere Zeichnung entstand möglicherweise auf dieser Reise. Das schlicht eingerichtete Interieur, in dessen Enge das Bett direkt vor der Tür steht, zeichnet der Künstler linear, und nur ganz zarte Schraffuren kennzeichnen die Schattenwürfe.

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bernhard kretzschmar (1889 Döbeln – 1972 Dresden)

8055 8 Lithographien zu Georg Kaiser Von Morgens bis Mitternacht Lithographiertes Titelblatt und 8 Lithographien auf Velin. Lose in Kartonmappe mit mont. Orig.-Umschlaglithographie. 1920. 70 x 56,5 bzw. 78 x 58 cm (Blattgröße). Alle signiert „B. Kretzschmar“ und datiert. Schmidt L 21-29. 6.000€

Die lithographische Folge zu Georg Kaisers expressionistischem Bühnenstück um die dramatische Geschichte eines Bankkassierers ist die einzige graphische Folge Kretzschmars, die als Illustration zu betrachten ist. Erst 1919, also in seiner ganz vom Expressionismus dominierten Schaffensperiode, hatte Kretzschmar begonnen, sich mit der Technik der Lithographie auseinanderzusetzen. Die acht Arbeiten der Folge beendeten sowohl seine lithographischen Versuche, als auch überhaupt sein expressionistisches Zwischenspiel. Herausgegeben vom Verlag Rudolf Kämmerer, Dresden. Das vollständige Mappenwerk in prachtvollen Drucken mit dem vollen Rand (Titelblatt wohl beschnitten). Sehr selten.


8055 61


8056

otto mueller

(1874 Liebau – 1930 Breslau)

8056 Bach (Flußlandschaft/Schilfgraben zwischen Dünen) Lithographie auf festem, bräunlichem Kupferdruckpapier. Um 1920. 38,5 x 28,5 cm (49,8 x 37,7 cm). Signiert „Otto Müller“ und bezeichnet „32“. Karsch 90. 4.000€ 62

Sehr expressive, flüchtige Skizze eines Bachlaufes, der am Oberrand ins Meer mündet. Dort am Horizont, fast verschluckt von den breiten Kreidestrichen, die Andeutung eines kleinen Bootes mit zwei Figuren. Eines von nur ca. acht Exemplaren, von denen bisher nur drei bekannt sind. Hervorragender, tiefschwarzer, stellenweise fein nuancierter Handabzug mit dem vollen Rand. Das ungewöhnliche Papier mit glitzernder Oberfläche. Von allergrößter Seltenheit. Provenienz: Ehemals Nachlass des Künstlers, verso mit dem Monogramm und dem Stempel von Josef Mueller


8057

otto mueller

8057 Sitzende, von Blattwerk umgeben (helle Fassung) Lithographie auf weißem Japanbütten. 1923. 30,2 x 21 cm (41,4 x 33,5 cm). Signiert „Otto Mueller“. Karsch 115/I. 10.000€

Eines von etwa 127 unnumerierten Exemplaren, erschienen in der Mappe „Arno Holz zum 60. Geburtstag, gewidmet von deutschen Künstlern“, herausgegeben vom Fritz Gurlitt Verlag, Berlin 1923. Der Blindstempel in der linken unteren Ecke kaum noch erkennbar. Ausgezeichneter, sehr kreidiger und teils durchsichtiger Druck mit breitem Rand. 63


fritz schwimbeck (1889–1982, München)

8058 Schatten Feder in Schwarz und Bleistift auf Skizzenpapier. 17,8 x 10 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „F. Schwimbeck“. 900€

Besonders bekannt ist Schwimbeck durch seine atmosphärischen, oft dunkel und dicht schraffierten Zeichnungen und Illustrationen. Der Maler und Graphiker stand in regem Kontakt zu bedeutenden Literaten seiner Zeit und schuf seit den 1910er Jahren Buchillustrationen zur schwarzen Romantik und Phantastik, zu Werken von Arnold Strindberg, William Shakespeare, Edgar Allen Poe und E.T.A. Hoffmann. Wie die anderen Malerpoeten favorisierte auch Schwimbeck Schwarz-Weiß-Zeichnungen, um so mehr Abstand zur Realität zu gewinnen, den Betrachter zu einem eigenen subjektiven Bildverständnis zu bewegen und ihm ein übernatürliches Erlebnis zu verschaffen. Verso auf dem Untersatzkarton Widmung an Dr. Richard Hiepe (Neue Münchner Galerie).

8058

karl schmidt-rottluff

(1884 Rottluff bei Dresden – 1976 Berlin)

8059 Der Angler Holzschnitt auf hellbraunem Bütten. 1923/49. 18,2 x 13,2 cm (21,2 x 15,5 cm). Signiert „SRottluff“. Rathenau H 4. 1.000€

Der Holzschnitt war laut Werkverzeichnis für den Graphikkatalog gedacht, wurde jedoch nicht verwendet und erst viel später gedruckt. Er wurde in den 1949 erschienenen Katalog der Ausstellung „Der Keilrahmen“ eingefügt, der von der Rheinischen Künstlergemeinschaft Köln im Kölnischen Kunstverein, Hahnenburgtor, im Juni 1949 herausgegeben wurde. Vollständiger Katalog mit drei weiteren Holzschnitten von Friedrich Vordemberge, Rudolf Scharpf und Hubert Berke. Jeweils ausgezeichnete Drucke mit umlaufendem Rand.

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8059


gerd arntz

(1900 Remscheid – 1988 Den Haag)

8060 „Arbeitslose“ Holzschnitt auf Bütten. 1931. 30 x 21 cm (44,8 x 34,7 cm). Signiert „G. Arntz“, datiert, betitelt und bezeichnet „Nr. 32“. Broos-Bool 124. 500€

Prachtvoller und kontrastreicher, späterer Druck mit dem wohl vollen Rand.

8060

johannes molzahn

(1892 Duisburg – 1965 München)

8061 Mysterium Holzschnitt auf hauchdünnem Japanbütten. 1920. 34,3 x 27 cm (60 x 42,5 cm). Signiert „JohsMolzahn. 2.“, und bezeichnet „XV. ‚Mysterium‘-Handdruck“. Auflage 20 Ex. Salzmann 18. 1.500€

Salzmann kann lediglich sechs Exemplare der kleinen Auflage nachweisen; unseres war ihm noch nicht bekannt. Die graphischen Elemente vereinigen sich zu einer phantastischen Vision, die einen ebenso technoid-mechanischen wie lebendigen Charakter hat. „Seine Holzschnitte schweifen aus ins Kosmisch-Planetarische, suchen das Ewige. Seine Hinwendung zum Kosmischen berührt eine Zeittendenz innerhalb der bildenden Kunst.“ (Salzmann S. 30). Das feine Japanbütten verbindet sich so innig mit der Farbe, dass eine samtige Oberflächenwirkung entsteht. Ausgezeichneter, stellenweise etwas aufgelichteter Druck mit sehr breitem Rand.

8061 65


8062

arnold topp

(1887 Soest i. W. – verschollen 1945)

8062 Blick ins Aquarium Mischtechnik auf Velin. 1921. 41 x 33 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „A. Topp“ und datiert. Greifeld-Enders 21.M.2 . 12.000€

Augen blicken oder verbergen sich, Flossen und Tentakeln scheinen von allen Seiten ins Bild zu drängen. Nichts ist klar in dieser phantastischen, zugleich aber stilisierten und abstrahierten Unterwasserwelt. Licht scheint nur sparsam in das Wasser hinein, und das

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Dämmerlicht zusammen mit dem spannungsvollen Kontrast von weißen und schwarzen Formen steigert die etwas gespenstische Stimmung der Szene. Topp, Gründungsmitglied des Arbeitsrates für Kunst, stellte schon seit 1915 immer wieder in Herwarth Waldens Berliner Galerie Der Sturm aus. Er galt als einer der großen deutschen Kubisten, und sein Name wurde in einem Atemzug mit Franz Marc, Wassily Kandinsky, Marc Chagall und Kurt Schwitters genannt. Topps Werk wurde im Dritten Reich als „entartet“ diffamiert, und weil große Teile seines Nachlasses als verloren gelten, geriet der Künstler lange in Vergessenheit. Provenienz: Galerie Ritthaler, Hamburg


8063

arnold topp

8063 Blumenvase Aquarell und Goldfarbe über Bleistift auf genarbtem Velin. 1925. 34,3 x 25 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Arnold Topp“ und datiert. Greifeld-Enders 25.A.4. 12.000€ Die Komposition zerschneidet die Blumenvase mit vertikalen Trennlinien, die die Bildfelder leicht nach oben und unten verschieben und das Motiv abstrahieren und stark rhythmisieren. Die Blüten bestehen so aus Kreisen oder Kreissegmenten vor geometrisch ange-

ordneten, rechteckigen Farbfeldern, die durch die Goldfarbe ein fast kosmisches Schimmern erhalten. Oft ist Arnold Topps kristallinen Kompositionen eine über das Weltliche hinausgehende Bedeutungsdimension zu eigen. „Das Herausragende an Topps Bildern ist, dass sie immer ein Stück Weltenraum sind... Geometrische Farbflächen (...) dynamisieren die Motive. Wichtig ist für Topp, ein Bild unter dem Eindruck eines augenblicklich herrschenden Gefühls zu schaffen. Es gilt, die Stimmung mit in das Bild hineinzunehmen.“ (Der verschwundene Arnold Topp, portalkunstgeschichte.de, 7.4.2020). Verso Fragment einer weiteren Komposition. Provenienz: Privatsammlung Europa 67


arnold topp

8064 Vertreibung aus dem Paradies Öl und Gouache auf leichtem Karton, auf Holz montiert. Um 1932. 50,8 x 68 cm. Greifeld-Enders 32.M.1. 20.000€

Skurrile Maskenfiguren stürmen uns entgegen und lassen an eine Karnevalsszene denken, während im Vordergrund drei Herren als seriöse Rückenfiguren wie eine Blockade erscheinen. Die ganze bunt gemischte Gruppe drängt sich um ein für uns nicht sichtbares Zentrum und gibt in ihrer Heterogenität Rätsel auf. Das beeindruckende und besonders interessante Werk aus der Schaffens­ periode des Künstlers zu Beginn der 1930er Jahre ist im weitesten Sinne dem Kubismus zuzuordnen; kurz vor Hitlers Machtübernahme findet Topp tatsächlich in einer ungestümen Malperiode zur Formensprache des Kubismus zurück (vgl. Enders S. 92). Es ent­stehen zu dieser Zeit auch etwa 20 Hinterglasbilder, die in ihrer Abstraktion und leuchtend farbigen Grundauffassung der „Vertreibung“ nahestehen. Bei vorliegendem Gemälde dominieren leuchtende, effektvoll nebeneinandergesetzte Rot- und Grüntöne die Palette, Figuren und Hintergrund sind hier in splittrige Formen zerlegt,

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der Duktus ist lebendig und legt kurze Pinselzüge stakkatoartig über- und aneinander. Damit wird die Malweise dem Sujet in besonderem Maße gerecht. Die Masken entsprechen in ihrer Darstellung dem Holzschnitt „Masken“, der auch Arnold Topp zugeordnet ist (Greifeld-Enders 32.Hs.1). Auf dem alten Montagekarton ehemals Ausschnitt aus einem alten Katalog (?), dort laut Enders bezeichnet „324 Topp, Arnold zuge. Soest 1887 - Branburg Karneval Mischtechnik, 51x68,5 cm. Rückseite Aufkleber“. Rückseitig auf der Rahmenabdeckung mit der Fotokopie eines Schreibens von Thomas Al. Greifeld, Kiel, vom 3. Mai 1999 an einen ehemaligen Besitzer, in dem er die Authentizität des Werkes bestätigt. Greifeld betitelt die Arbeit mit „Karneval“. Provenienz: Kunsthandel Lutz Weiner, München Sammlung Lutz Trinn, Brilon Sammlung Mario F. Samoticha, Bochum Ketterer München, Auktion 293, 12.5.2005, Lot 92 Privatsammlung Europa Ausstellung: Josef Weiner, München 1997


8064

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william wauer

(1866 Oberwiesenthal – 1962 Berlin)

8065 „Portraitstudie Lu“ Öl auf Leinwand. 1922. 60 x 40 cm. Auf dem Keilrahmen mit dem Künstleretikett, dort handschriftlich datiert und betitelt. 20.000€

Dynamisch schwingende Formen von höchster farblicher Eleganz zeichnen Wauers Frauenbildnis aus. Der spannungsvolle Bewegungsrhythmus und die expressiv-bewegte, ornamentale Oberflächengestaltung, die viele seiner Skulpturen kennzeichnen, dominieren auch die gemalte Bildnisstudie. Konvexe und konkave Formen bilden, durchbrochen von kurzen, parallellaufenden geraden Linien, ein wirkungsvolles Wechselspiel. Damit gelingt es Wauer, die für seinen künstlerischen Ausdruck so charakteristische dynamische, rhythmische Linienführung herzustellen, die das Typische und Markante der Physiognomie der Dargestellten hervortreten lässt. Er reduziert seine Palette weitgehend auf die Töne Blau, Rot, Gelb und Grün, die er in starken Farbkontrasten nebeneinanderstellt und die das Porträt lebendig mit dem Hintergrund verschmelzen lassen. Wauer, Maler, Bildhauer, Film- und

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Theaterregisseur, arbeitete auch als Zeitschriftenverleger, Kunstkritiker, Feuilletonredakteur und Illustrator. 1918 ist er erstmals mit seinen Skulpturen an der 61. Ausstellung von Waldens Berliner Galerie „Der Sturm“ beteiligt. Dabei erntet er vor allem mit seinen Porträts Anerkennung; die Bildnisbüste von Herwarth Walden gilt als Inkunabel der expressionistischen Bildhauerkunst. Provenienz: Galerie Der Sturm, Herwarth Walden, Berlin (mit deren Etikett auf dem Keilrahmen) Sammlung Carl Laszlo, Basel Sammlung Alfred Hoh, Fürth Privatsammlung Süddeutschland Ketterer München, Auktion 12.6.2009, Lot 237 Privatsammlung Europa Ausstellung: William Wauer, Skulpturen und Gemälde, Skulpturenmuseum Glaskasten, Marl 1980, Abb. S. 114 Literatur: William Wauer, Sammlung Carl Laszlo, Basel 1979, mit Farbabb. (o.S.)


8065 71


8066

jenö gábor

(1893–1968, Pécs )

8066 Komposition Gouache auf graubraunem Velin. 29 x 24 cm. Unten rechts mit Pinsel in Dunkelbraun signiert „Gábor“. 1.500€

Gábor, ausgebildet an der königlichen Akademie der Künste in Budapest bei Aladár Edvi Illés und Tivadar Zemplényi, pflegte in den 1920er Jahren enge Kontakte zu den ebenfalls aus Pécs stammenden Bauhaus-Künstlern Marcel Breuer, Alfréd Forbát und Farkas Molnár. Dazu kamen Auslandsaufenthalte in Paris und Berlin. Gábor fand sein Ausdrucksmittel in einem dem Orphismus nahestehenden kubistischen Stil, der auch die vorliegende Komposition bestimmt.

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8067

jenö gábor 8067 Nude Kohle auf Velin. 1922. 36,8 x 22,5 cm. Unten links mit Kohle signiert „Gábor“ und datiert. 900€ Mit splitterigen Formen und graphischen, geschwungenen Linienbündeln effektvoll abstrahierte Darstellung eines liegenden Frauenaktes. 73


8068

oskar nerlinger

(1893 Schwann – 1969 Berlin)

8068 „Puppen“ Gouache auf leichtem Karton. 1922. 36,8 x 23 cm. Unten links mit Pinsel in Dunkelgrün signiert „NERLINGER“ und datiert, verso mit Bleistift nochmals datiert und betitelt, bezeichnet „Guasch“ und „2696“ sowie mit den Maßangaben und mit zwei Adreß­ stempeln des Künstlers. 2.000€ 74

Frühe, souverän und kompakt konstruierte Zeichnung aus Nerlingers konstruktivistischer Schaffensphase. Nerlinger war einer der bedeutendsten Künstler der politisch engagierten Kunstszene der Weimarer Republik. Nach dem Studium bei Emil Orlik an der Berliner Kunstgewerbeschule entstanden seit 1919 seine konstruktivistische Collagen. 1921, kurz vor dem Entstehen unserer Zeichnung, schloss er sich Herwarth Waldens Sturm-Galerie an und wurde später Mitglied des 1928 gegründeten Vereins für proletarisch-revolutionäre Kunst (kurz ASSO), der der KPD angehörte. Provenienz: Privatsammlung Europa


8069

oskar nerlinger

8069 Aktkonstruktion Pinsel in Schwarz auf faserigem bräunlichen Velin. 1922. 27,5 x 19 cm. Unten links mit Feder in Schwarz signiert „NERLINGER“, unten rechts datiert, auf dem Untersatzpapier verso wohl von fremder Hand mit Bleistift datiert, betitelt und bezeichnet „Zeichnung Akt“, „Pinsel-Tusche“, „27“ und „2693a“ sowie mit den Maßangaben und dem Künstlerstempel. 1.500€

Konstruktivistische Umschlagzeichnung Nerlingers für „Der Sturm“, 13. Jg., 4. Heft, dort innen auf S. 59 nochmals abgebil­det. Der weibliche Akt ist stark abstrahiert und geometrisiert, Positiv- und Negativformen stehen in fein ausgewogener Balance zueinander. Beigegeben: Belegexemplar „Der Sturm“, 13. Jg., 4. Heft. Provenienz: Galerie Berinson, Berlin Privatsammlung Europa 75


franz heckendorf

(1888 Berlin – 1962 München)

8070 Blick aus dem Fenster in südliche Landschaft Öl auf Leinwand. 100 x 80,5 cm. Unten links mit Pinsel in Gelb signiert „F. Heckendorf.“ 6.000€

Durch ein weit geöffnetes Fenster erstreckt sich hinter einem Arrangement aus Blumen und Obstschalen die Ansicht einer südländischen Hafenszenerie. Das helle Sonnenlicht und die leicht erhöhte Perspektive boten Heckendorf ideale Bedingungen für seinen durch kräftige Farben und starke Konturen geprägten Landschaftsstil. Die ausschlaggebenden Impulse für seine Ölbilder erlangte er auf Reisen in den südlichen Landschaften des Balkans. Die zahlreichen Skizzen und Aquarelle der dalmatinischen Küstenlandschaft dienten ihm nicht nur als Vorlage für spätere Ölgemälde, sondern sie prägten auch seine künstlerische Entwicklung in Bezug auf Farbgebung und Komposition. Die Echtheit wurde am 19.10.21 telefonisch von Frau Trautl Jährling bestätigt. Provenienz: Privatsammlung Berlin

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8070

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willy jaeckel

(1888 Breslau – 1944 Berlin)

8072 Weiblicher Rückenakt mit schwarzem Lackschuh Öl auf Leinwand. Um 1925. 84 x 71 cm. Oben rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „W. Jaeckel.“. Klein 210. 9.500€ 8071

rolf nesch

(1893 Oberesslingen – 1975 Oslo)

8071 Selbstbildnis mit Zigarre Kaltnadel auf rauem Velin. Um 1922. 24,6 x 17,4 cm (31,5 x 25,5 cm). Signiert „Nesch.“. Auflage 25 num. Ex. Helliesen/Sørensen 173. 2.400€

Das frühe Selbstbildnis, skizzenhaft in die Platte geritzt, entstand während der Akademiejahre des jungen Nesch in Dresden, wo er nach dem Krieg nahtlos anknüpfen konnte und mit Unterstützung von Oskar Kokoschka besondere Anerkennung in Form eines Meisterateliers erfuhr. Die schöne Kaltnadelradierung in einem prachtvollen, samtigen Druck mit fein gewischtem Plattenton und kleinem Rand.

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Der moderne Kurzhaarschnitt und der schwarze Lackschuh mit kleinem Absatz verbinden das idealtypische, schlanke junge Modell mit dem neuen Typus der modernen, souveränen Frau der Zwanziger Jahre, die emanzipiert und unabhängig ihren eigenen Lebensentwurf realisiert. So setzt sie ihren Körper nicht für den Maler in Szene, sondern lässt die Schultern rund und locker herabhängen, hat die Beine entspannt im angedeuteten Schneidersitz überkreuzt und wendet den Kopf soweit ab, dass nicht einmal der Hauch eines Profils zu erkennen ist. Jaeckel entspricht dieser uneitlen Auffassung in seiner Malweise: Er formuliert die Plastizität des Körpers mit jeder Delle und Unebenheit ungeschönt aus, zeigt die leichten Rötungen an Ellbogen, Knie und Ferse und lockert den etwas wirren Haarschopf mit Kratzern des Pinsels in der feuchten Farbe auf. Diesem Effekt entspricht die Struktur des etwas trockenen Pinselduktus im Hinter- und Untergrund. Die sanfte Tonalität und der weiche Umgang mit Inkarnat und Körpermodellierung entspricht treffend dem Sujet, in dem Jaeckel immer wieder brillierte. Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers Privatsammlung, Berlin Ausstellung: Der schöne Mensch in der neuen Kunst, Mathildenhöhe, Darmstadt 1929, S. 59, Nr. 62 Willy Jaeckel, Haus am Lützowplatz, Berlin 1958, Nr. 3 Willy Jaeckel, Galerie Paffrath, Düsseldorf 1963, Nr. 29 Willy Jaeckel, Ostdeutsche Galerie, Regensburg 1975 Willy Jaeckel, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Oldenburg 2009 sowie verso mit dem Etikett einer Ausstellung in Spanien (ohne Ort, ohne Jahr)


8072

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bruno breil

(1888–1953, Königsdorf bei Marienburg)

8073 Mädchen mit Kopftuch Öl auf Spanplatte. Um 1930. 31,5 x 23,5 cm. Unten rechts signiert (in die feuchte Farbe geritzt) „Breil“, verso teils gelöschte Berliner (Künstler-?) Adresse. 1.800€

Ganz frontal und ernsthaft blickt das Mädchen zum Betrachter. Der Bildausschnitt ist eng gewählt und der Hintergrund neutral, so dass die Individualität der jungen Frau allein im Zentrum der Darstellung steht. Mit sorgsamem Duktus modelliert er ihre Züge plastisch durch und stellt souverän die jugendlich-unfertige Physiognomie dar. Der westpreußische Künstler erhielt seine Ausbildung an der Akademie in Berlin. Zu seinen bevorzugten Sujets zählen Landschaften, Stadtansichten und Porträts, oft im Stil der Neuen Sachlichkeit aufgefasst.

8073

richard bloos

(1878 Brühl – 1957 Düsseldorf)

8074 Clochard Öl auf Leinwand. 1930. 72,5 x 43 cm. Unten rechts mit Pinsel in Blau signiert „Richard Bloos“ und datiert. 1.200€

1906 ging Richard Bloos nach Paris, wo er bis 1914 blieb. Während seines achtjährigen Parisaufenthaltes und seiner Kontakte zu Künstlerkreisen am Montmartre und im Café du Dôme verinnerlichte er wie kaum ein anderer Maler der Düsseldorfer Schule den französischen Impressionismus. Das großstädtische Leben der französischen Künstlermetropole prägte Bloos‘ Schaffen auch nach seinem Aufenthalt weiterhin. Eindrucksvoll kommt dieses in unserem Gemälde zum Ausdruck, das sicherlich ein Opfer der großen Weltwirtschaftskrise von 1929 darstellt. Die Betonung des Lichtund Schattenspiels, die Zerlegung der gedämpften Farben in eine breit gestreute Palette sowie die Ausschnitthaftigkeit der Szenerie vermitteln im impressionistischen Sinn den Eindruck von Spon­ taneität und momentspezifischen Stimmungen. Verso Fragment eines deutlich größeren Gemäldes.

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adolf hölzel

(1853 Olmütz/Mähren – 1934 Stuttgart)

8075 Figürliche Komposition Farbige Pastellkreiden und Pinsel in Schwarz auf Velin. Um 1920-1930. 11,3 x 14,3 cm. 2.200€ Von Goethes Farbenlehre ausgehende Studien führten Adolf Hölzel früh zu einer abstrakten Farbflächenmalerei. In seinen Werken tritt das Figürliche immer weiter zugunsten starkfarbiger, entfernt realitätsbezogener Bildelemente in der Gestaltung zurück. Der samtige Oberflächencharakter der Pastellkreiden und die starke Leuchtkraft der Farben vereinen sich zu einem charakteristischen Farbformmosaik in avantgardistischer Gestaltung. Hölzel zählte zu den Gründungsmitgliedern sowohl der Wiener als auch der Münchner Sezession. In München lernte er den impressionistischen

Maler Fritz von Uhde kennen und gründete mit Ludwig Dill und Arthur Langhammer die „Dachauer Malschule“, was ihn zu einem der ersten Vertreter der Künstlerkolonie Dachau machte. Ab 1905 hatte er in Stuttgart an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste einen Lehrstuhl inne und malte hier bereits abstrakte Kompositionen in kräftigen Farben. Berühmt sind Hölzels Entwürfe für Glasfenster, wie sie ab 1920 entstehen und an die auch unsere Zeichnung erinnert: Zwischen den schwarzen Pinselkonturen leuchten die zersplitterten Farbflächen wie Buntglasscheiben in einer Bleiverglasung. Auf der Rahmenrückseite mit einer Echtheitsbestätigung von Doris Dieckmann-Hölzel. Provenienz: Ketterer Hamburg, Auktion 4.4.2008, Lot 195 81


anita rée

(1885 Hamburg – 1933 Kampen auf Sylt)

8076 Spanierin Öl auf Malpappe mit Leinenprägung. 1930. 52 x 38 cm. Oben rechts mit Pinsel in Rot signiert „RÉE“, verso (von fremder Hand?) bezeichnet „473“ und „3663 Elbf.“. Bruhns G 147. 30.000€ Sensibel und zugleich im Sinne der Neuen Sachlichkeit stilisiert erfasst Rée die junge Frau, die sich zwar entblößt, zugleich aber verträumt und distanziert zeigt, mit einer dezent erotischen Ausstrahlung. Das leuchtend helle, von links angestrahlte Inkarnat vor dem tiefdunklen Hintergrund scheint von Innen zu pulsieren. Die von der Künstlerin in dieser Zeit gerne verwendeten Blumen­attri­ bute bleiben hier nur am Rande und ganz dunkel im Hintergrund angedeutet. „Sie wurde eine Malerin der Frauen- und Mädchenschönheiten, deren Bilder, Zeugnisse eines unablässigen Schaffens von hoher Qualität, individuell auf die jeweils abgebildete Persönlichkeit abgestimmt waren und einen hohen Grad von Einfühlungsvermögen, Zuneigung oder sogar Zärtlichkeit für das Modell zeigen.

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Menschenkenntnis, ästhetische Ansprüche und emotionale Identifikation kamen hier nicht selten zu einem glücklichen Konsens.“ (Maike Bruhns, Anita Rée. Leben und Werk einer Hamburger Malerin 1885–1933, Hamburg 1986, S. 123). Nach ihrer Ausbildung schloss sich Anita Rée mit Franz Nölken und Friedrich Ahlers-Hestermann zu einer Ateliergemeinschaft zusammen. Im Winter 1912/13 hielt sich die Künstlerin in Paris auf und nahm Unterricht im Aktzeichnen bei Fernand Léger. 1913 trug sie zu einer Ausstellung der Galerie Commeter in Hamburg bei und gehörte nun der Hamburger Avantgarde an. 1919 war Rée Gründungsmitglied der Hamburgischen Sezession und lebte bald, hauptsächlich in Positano an der italienischen Amalfiküste. Es entwickelte sich in dieser maßgeblichen Zeit eine frühe Form der Neuen Sachlichkeit in ihren Werken, die auch für ihr späteres Schaffen prägend bleiben sollte und sich in unserem fein empfundenen Porträt wunderbar charakteristisch zeigt. Provenienz: Privatbesitz Ebenhausen Privatsammlung Norddeutschland Ketterer München, Auktion 12.6.2010, Lot 42 Privatsammlung Europa


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8077

sulamith wülfing

(1901 Elberfeld – 1989 Wuppertal)

8077 Sonnenblumenelfe Aquarell, Bleistift und Deckweiß auf Velin. 1932. 17,2 x 16,4 cm (Passepartoutausschnitt). Unten mittig mit Bleistift signiert „Sulamith Wülfing“ und datiert. 1.800€ Inmitten der Samenkörner sitzt die kleine Elfe in der Sonnenblume. Mit höchster Feinheit gezeichnet und aquarelliert, zeigt das Blatt

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ein über die materielle Erscheinung der Blume hinausgehendes geistiges Bild. Die bezaubernde Zeichnung ist ein charakteristisches Beispiel für das Schaffen von Sulamith Wülfing, die offen war für die mystische und spirituelle Welt. Ihre ausgeprägte Intuition und Sensibilität ließen sie immer wieder feinsinnige Ausdrucksformen für die feinstofflichen, geistigen Welten in ihren Bildern finden. Sie illustrierte Gedichte von Christian Morgenstern und Rainer Maria Rilke und war mit den Familien Fidus und Vogeler befreundet. Die persönliche Begegnung mit Jiddu Krishnamurti hat ihr künstlerisches Gespür für das Unsichtbare in unserer Welt sicherlich gestärkt. Im ungeöffneten, ornamental verzierten Künstlerrahmen aus dem Jahr 1934.


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georg scholz

(1890 Wolfenbüttel – 1945 Waldkirch)

8078 „Liegender korpulenter Akt“ Öl auf Leinwand. 1930. 53,5 x 67 cm. Unten rechts mit Pinsel in Dunkelbraun signiert „G. Scholz“ und datiert, auf dem Keilrahmen verso sowie auf einem Etikett datiert, betitelt und bezeichnet „Nr. 11“, mit dem Adreßstempel und dem Nachlaßstempel des Künstlers sowie einem weiteren Etikett, dort handschriftlich bezeichnet. Sternfeld 80. 5.000€ Geradezu liebevoll umfährt Scholz mit seinem Pinsel das schwellende Fleisch an Bauch, Armen und Schenkeln der entspannt und selbstbewusst auf dem Rücken hingestreckten Frau. Er unterstreicht so die üppige Körperlichkeit der Erscheinung und ihre ganz eigene Schönheit. Sozialkritik ist das nicht, vielmehr malerische Freude und

eine selbstverständliche Akzeptanz aller menschlichen Körperlichkeit. Scholz, dessen Kunst eine erhebliche politische und soziale Stoßkraft hatte und der der Novembergruppe angehörte, war einer der Protagonisten der Neuen Sachlichkeit, die in der ersten Hälfte der 1920er Jahre den Expressionismus ablöste und zur wichtigsten Kunstströmung der Weimarer Republik avancierte. Innerhalb dieser Strömung gehörte er dem sogenannten linken Flügel der Neuen Sachlichkeit, dem zeitkritischen Verismus an. 1925 wurde Georg Scholz Professor an der Badischen Landeskunstschule in Karlsruhe und stellte seine Arbeiten im Rahmen der bedeutenden Ausstellung „Neue Sachlichkeit“, in deren Zusammenhang Gustav Hartlaub dieser Kunstrichtung ihren Namen gab, in Mannheim aus. Er war zuvor bereits 1920 mit wichtigen Bildern an der Ersten Internationalen DaDa-Messe in Berlin beteiligt; 1933 wurde er als „entarteter Künstler“ aus seinem Amt entlassen. Provenienz: Privatsammlung Süddeutschland Privatsammlung Europa 85


heinrich nauen

(1880 Krefeld – 1940 Kalkar)

8079 Madonna mit den Tieren Öl auf Leinwand. Um 1931. 149,5 x 209,7 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „H. Nauen“. Malcomess/Drenker-Nagels 368. 20.000€

Ein Bild der Versöhnung und der mütterlichen Fürsorge und Geborgenheit. Das traditionsreiche Motiv der Maria lactans, der stillenden Maria, ist um Assistenztiere erweitert, die alle paarweise in der Mutter-Kind-Konstellation auftreten. Die Madonna und das Jesuskind, die Stute mit ihrem Fohlen, das Schaf und sein Lamm wie auch die im Rocksaum aneinandergeschmiegten Katzen sind einander zugewandt, alle in ein sanftes, warmes Licht und in feierliche Stille gehüllt. Der kaum vom Landschaftshintergrund abgegrenzte Himmel ist von orangefarbenen, splittrigen Strahlen durchdrungen. Der gelbe Bildgrund, in schönem Kontrast zum blauen Marienmantel, ist eine Reminiszenz an die Goldgrundmalerei der italienischen Frührenaissance. Das von mittelalterlicher Ikonographie durchzogene Gemälde überzeugt nicht nur mit seiner sensibel abgestuften Farbskala, sondern auch durch die Klarheit, Größe und Einfachheit des bühnenhaft aufgebauten Raumes. Nauen schuf die „Madonna mit den Tieren“, eine seiner letzten großen religiösen Arbeiten, für den Musiksaal seines Freundes, des Kunstmäzens Johannes Geller. 1918 war Nauen schwer erschüttert aus dem Ersten Weltkrieg heimgekehrt. Die dort erlebten Schrecken hatten für ihn neuartige

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Bildkonzeptionen erforderlich gemacht. Zugleich zeigte sich seit etwa 1919 eine neue Vorliebe für religiöse Themen. Diese Arbeiten zeugen nicht nur von tiefer Melancholie, sondern vor allem von einer besonderen Hinwendung zur Schöpfungsidee. Seit 1921 lehrte Heinrich Nauen an der Düsseldorfer Kunstakademie. 1937 wurden einige seiner Bilder in der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München präsentiert; zudem verlor Nauen sein Lehramt an der Düsseldorfer Kunstakademie. Provenienz: Sammlung RA Johannes Geller, Neuss Lempertz Köln, Auktion Moderne Kunst, 15.6.1991, Lot 514 Privatsammlung Süddeutschland Lempertz Köln, Auktion Moderne Kunst, 2.12.2011, Lot 232 Privatsammlung Europa Ausstellung: Religiöse Kunst der Gegenwart, Essen, Museum Folkwang, 1932, S. 9 mit (Abb.) Literatur: Verzeichnis der Slg. des Rechtsanwalts J. Geller, Nachwort August Hoff, München 1943, S. 8, Nr. 47 (hier Maße irrtümlich 150 x 220 cm) Eberhard Marx, Heinrich Nauen, Recklinghausen 1966, S. 17 Walter Schmitt, Erinnerungen an Heinrich Nauen, in: Die Heimat, 52/1981, S. 64 f. Weltkunst Jg. 61, Nr. 15/1991, S. 214


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alfred kubin

(1877 Leitmeritz/Böhmen – 1959 Wernstein)

8080 „Die Feuersbrunst“ Feder in Schwarz auf Bütten. 1930 - 1940. 42,3 x 34 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „AKubin“, unten links mit Bleistift bezeichnet (von fremder Hand?) „Feuersbrunst um 30“ und bezeichnet „742“. 4.000€

Ein Gasthaus steht in Brand, aus dem Dach schlagen die lodernden Flammen, der beißende Rauch drückt sich durch alle Öffnungen des Gebäudes. In großer Eile wird gerettet, was noch zu retten ist. Der Brandmeister bläst in das Signalhorn und deutet auf den Ort des Geschehens, eine junge Frau wird von zwei behelmten Feuer-

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wehrmännern aus dem Haus getragen, während ein Kleinkind bereits mitsamt Wiege in Sicherheit gebracht wurde. Im Hintergrund lehnt sich eine Person noch hilfesuchend aus einem Fenster. Mit großem Detailreichtum und energischem Strich skizziert Kubin die dramatische Szene. „Der Brand meines Hauses ist Unheil und Flamme zugleich“ schrieb der Künstler bereits 1908 in seinem Roman „Die andere Seite“. Erneut wird seine intensive Auseinandersetzung mit elementaren Ängsten und immerwährenden Bedrohungen offenbar. Die Sammlung der Albertina in Wien verzeichnet eine vergleichbare Zeichnung Kubins, die eine etwas dichtere, jedoch sehr ähnliche Fassung des Motivs aufweist und auf etwa 1935 datiert ist („Feuersbrunst“, Feder und Tusche in Schwarz, Inv. Nr. 33785).


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alfred kubin

8081 „Die Schlafwandlerin“ Feder in Schwarz auf Katasterpapier. 1935. 40,2 x 32 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „AKubin“ und datiert, unten links mit Bleistift betitelt. 3.500€

Die Motivwelten von Traum und Alptraum gehören zu den zentralen Themen von Kubins Kunst und wurden von ihm mannigfach und intensiv behandelt. Er selbst schrieb zur Natur des Traums und seiner Auseinandersetzung damit: „Der Traum ist ein gewaltiger Zauberer!“ und „Seit jeher besaß ich stärkste Anteilnahme für die rätselhafte Welt des Traums. (...) Ein Hang, auch im wachen Zustand mich diesen Geschichten hinzugeben, beherrschte mich zeitweise völlig“ (Alfred Kubin: Vorwort zu Friedrich Huch, „Neue Träume“,

München 1921). Immer wieder steht in seinen Darstellungen dabei eine schwelende Angst, ein Gefühl der Beklommenheit im Raume. Unsere Zeichnung zeigt ein junge Frau, traumwandelnd am Rande eines Hausdaches. Gefährlich dicht steht sie am Abgrund, die Fußspitzen ragen schon über den Sims hinaus, mit ausgestreckten Armen versucht sie, ihren nur mit einem Nachthemd bekleideten Körper auszubalancieren. Mit dichten, expressiven Schraffuren hat der Künstler die Szene in tiefe Dunkelheit gehüllt. Hinter der jungen Frau naht die Gestalt eines Mannes, was er im Schilde führt, ist unklar. Die Federzeichnung diente höchstwahrscheinlich als Vorlage für eine gleichnamige Lithographie Kubins aus dem Jahr 1944 (Raabe 627; Hoberg 156). Im Druck wird das Lächeln des Mannes im Hintergrund zu einem breiten Grinsen überspitzt, was ihn viel eher wie einen begeisterten Beobachter der Szene wirken lässt, nicht jedoch wie einen nahenden Retter. 89


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alfred kubin

8082 „Böser Traum“ Feder, Tusche und Aquarell auf handgeschöpftem faserhaltigen Papier. 23,8 x 35,2 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert “AKubin“ und mit Bleistift betitelt. 5.000€ Geräuschlos hat sich die gewaltige Schlange ins Bett der arglos schlafenden Frau gewunden, nun starrt sie bedrohlich, mit weit aufgerissenen Augen auf sie herab. Ein Gefühl der Beklemmung

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stellt sich beim Betrachter ein, ein hilfloses Ausgeliefertsein gegenüber einer nächtlichen Gefahr, eines Tier gewordenen Schreckens. Der nackte Körper der Frau, die ihre Arme über dem Kopf verschränkt hat, ist vom Künstler mit dem Pinsel in unheimliches Nachtblau getaucht. Schlangen begegnen uns wiederholt in Kubins Werk, sowohl einzeln als auch in Massen oder in den für ihn so charakteristischen, phantastischen Verschmelzungen aus Mensch und Tier. Das vorliegende Motiv existiert in mehreren Fassungen, darunter zwei als „Schlangenalp“ betitelte Tuschearbeiten im Francisco Carolinum, Linz (Ha 3646 und Ha 3852).


alfred kubin

8083 Weiblicher Akt mit Wolf Feder in Schwarz und Aquarell auf Bütten. 40,7 x 29,5 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „AKubin“. 3.000€

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alfred kubin

8084 Siegreicher Drache Bleistift auf Velin. 35,5 x 23,1 cm. Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „AK.“. 700€

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karl hubbuch

(1891–1979, Karlsruhe)

8085* Am Tisch Feder in Schwarz und in Blau auf dünnem Velin. Um 1930/32. 22 x 27,8 cm. Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „K. H.“. 600€

Junge Frau und alter Mann am gemeinsamen Esstisch. Vielfältig umfahren die Federschwünge die Konturen der Dargestellten und zeigen das ungleiche Paar zwar neben- aber nicht miteinander. In der charaktervollen Darstellung offenbart sich Hubbuchs genaue Beobachtungsgabe, gepaart mit einem Hauch von Überspitzung.

8086* Fünf Personen Feder in Schwarz auf Papyruspost-Bütten. 22,2 x 28,3 cm. Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „K. H.“. 600€

Unterschiedliche Typen, meist im Profil gezeichnet mit dem scharfen, sicheren Federstrich Hubbuchs, der unter Aussparung von Details mit karikierenden Zügen die hervorstechendsten Wesenszüge der Dargestellten wiedergibt.

8087* Begegnung Feder in Schwarz auf dünnem Maschinenpapier. 21 x 25,9 cm. Unten links mit Bleistift signiert „hubbuch“. 600€

Schnell, locker und mit vehementen Strichen erfasst Hubbuch die Wesenszüge der Dargestellten. Aus wenigen schwungvollen Linien artikulieren sich in scharfer Überspitzung die drei Figuren, in ihren unverwechselbaren Persönlichkeiten in Gestik, Mimik und Haltung sicher charakterisiert.

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erika giovanna klien

(1900 Borgo Valsugana – 1957 New York)

8088 Zwölf Original-Linolschnitte Titelblatt und 12 Linolschnitte auf Japanbütten. In Passepartouts, lose in Orig.-Leinenkassette. 1933-35/1986. Ca. 49 x 32 cm (Blattgröße). Teils bezeichnet „Probedruck“, verso mit dem Stempel „E.G. Klien - Original-Linolschnitt-Edition Galerie Pabst“. Auflage 50 num. Ex. 2.200€ 94

Erstdruck von den Original-Linolschnitten der Hauptvertreterin des Wiener Kinetismus. Die konstruktiv-abstrakten Blätter in SchwarzWeiß befassen sich mit den Themen der Bewegung des Menschen, Vogelflug, Brechung des Lichts etc. Die zwischen 1933 und 1935 entstandenen Linolschnittplatten wurden in dieser kleinen Auflage zum ersten Mal publiziert; die Platten befinden sich heute in der Hochschule für Angewandte Kunst, Wien. Die Schenkung erfolgte unter der Bedingung, dass keine weiteren Drucke hergestellt werden. Herausgegeben von der Edition Galerie Michael Pabst, München 1986. Prachtvolle bzw. ausgezeichnete Drucke mit dem vollen Rand.


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franz roh

(1890 Apolda – 1965 München)

8089 „Der teuflische Stickereivorhang“ Holzstich mit Collage auf Velinkarton. Um 1935. 20,8 x 13,2 cm. Unten rechts auf dem Karton mit Bleistift betitelt, verso mit dem Nachlaßstempel und der Werknummer „343“. 1.200€

Spielerisch und bizarr kombiniert Rohs Collage das zusammengestellte Bildmaterial. Max Ernst und Franz Roh stellten um 1923/25

beide fest, dass sie sich der Collage in ähnlicher Weise bedienten. Mit „dada-surrealem“ Impetus stellten sie Collagen vornehmlich aus Stichvorlagen des 18./19. Jahrhunderts zusammen. Die Titel, die sie ihren Collagen gaben, ergänzten die Kompositionen und veranlassen den Betrachter zu neuen Interpretationen und weiteren Assoziationen (vgl. J.A. Schmoll gen. Eisenwerth, in: Franz Roh. Kritiker. Historiker. Künstler. Staatsgalerie Moderner Kunst, Bayerische Staatsgemäldesammlungen München, München 1990, S. 910). In seine collagierten Darstellungen ließ Roh verschlüsselt und subtil die Verwerfungen und Widersprüche seiner Zeit einfließen. 95


richard müller

(1874 Tschirnitz, Böhmen – 1954 Dresden)

8090 „Buchstabe Q (Kuh)“ Graphit und Kreide in Schwarz auf festem Velin. 1938. 23,8 x 28,3 cm. Verso mit Bleistift signiert „Rich. Müller“, datiert, betitelt und mit der Ortsbezeichnung „Dresden“. 800€

Humorvoll stellt Müller den riesengroßen Buchstaben „Q“ aufrecht wie eine Skulptur direkt hinter die Kuh auf die Weide. Die reizvolle, mit großer Feinheit ausgeführte Zeichnung aus seiner Alphabet-Reihe greift das Motiv der mächtigen, von der Seite erfassten und nach rechts blickenden schwarz-weiß gefleckten Kuh auf, das bereits in Müllers Radierung „Die Stärkere“ von 1918 Verwendung fand.

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leo von könig

(1871 Braunschweig – 1944 Tutzing)

8091 Zwei Rehe Öl auf Holz. 1942. 23,5 x 33 cm. Oben links mit Feder in Schwarz signiert „L. v. König“ und datiert. Bechter 1942/01. 1.500€

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Souverän spielt Leo von König mit dem honigbraunen Holzton des Malgrundes, der hier und da durch die Darstellung scheint und der Szenerie zum einen ein herbstliches Leuchten verleiht, zum anderen die goldbraune Färbung des Fells unterstützt. Mit breitem Pinselstrich erfasst er die charakteristische, aufmerksamgespannte Haltung der beiden Tiere, die offensichtlich vor der Wand eines Geheges stehen, aber in ihrer Haltung ganz natürlich und lebendig wirken. Nach zwanzigjähriger Pause befasste sich der Künstler in seinem späten Werk wieder mit Tierstudien. Dörfler betitelt die Arbeit im Werkverzeichnis als „Antilopen“.


8092

ludwig meidner

(1884 Bernstadt – 1966 Darmstadt)

8092 Stilleben mit Heringen, Zitrone und Brot; verso: Selbstporträt (Fragment) Öl auf Malpappe. Um 1936. 45 x 43,6 cm. 4.000€ In Berlin traf Meidner 1935 ein Berufsverbot der Nazis, und nur knapp konnte er der Verfolgung entgehen, indem er in Köln untertauchte. Hier fand er Arbeit als Zeichenlehrer am jüdischen Gymnasium „Jawneh“. „In seiner Wohnung findet man auf dem Arbeitstisch arrangiert: Bücklinge im Papier, auf einem Teller, mit Früchten dazu. Eine Zeitlang malt er nun solche Küchenstilleben, wie sie ihn schon einmal - 1911/12 - beschäftigten. (...) ‚Den Hering habe ich aus drei Gründen gemalt: 1. weil er eine Kreatur ist, 2. weil er tot ist, 3. weil ich ihn gern esse.‘“ (zit. nach: Thomas Grochowiak,

Ludwig Meidner, Recklinghausen 1966, S. 194). Wegen des farblichen Reizes fügt er eine Zitrone hinzu, das Brot komplettiert die Mahlzeit. Mit leichter Hand und pastosem Farbauftrag gestaltet Meidner das charakteristische Heringsstilleben, ebenso wie das Fragment des früher entstandenen Selbstbildnisses verso. Das Gemälde ist Erik Riedel, Ludwig Meidner-Archiv, Jüdisches Museum Frankfurt, bekannt. Provenienz: Nachlass des Künstlers Saalbau Galerie, Darmstadt 1980 Sammlung Bruno Müller-Linow, Westfalen Ausstellung: Ludwig Meidner. Zeichner, Maler, Literat 1884-1966, Mathilden­ höhe, Darmstadt 1991, Farbabb. S. 284 97


8093

werner gothein

(1890 Karlsruhe – 1968 Unteruhldingen am Bodensee)

8093* Hügellandschaft Aquarell auf leichtem bräunlichen Karton. 36,5 x 45 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Gothein“, verso mit dem Nachlaßstempel „Nachlaß Werner Gothein - Dr. Dietrich Gothein“, dort von Dietrich Gothein signiert und bezeichnet „44“. 1.200€

Atmosphärisches, Nass-in-Nass gemaltes Aquarell in zarten Grün-, Gelb- und Rosatönen. 1912 lernte Werner Gothein auf einer Ausstellung die Werke von Ernst Ludwig Kirchner kennen und wurde daraufhin einer von zwei Schülern an dem von Kirchner und Pechstein gegründeten MUIM-Institut („Moderner Unterricht in Malerei“) in Berlin. Er malte mit Kirchner zusammen auf der Insel Fehmarn. Im Jahr 1918 allerdings entwickelte er mit Pastellen zu Georg Büchners „Woyzeck“ seinen eigenen Stil, mit dem er sich von seinem Freund und Lehrmeister Kirchner löste.

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fritz ascher

(1893–1970, Berlin)

8094 Bäume 3 Zeichnungen. Pinsel in Grau und Schwarz auf Velin. Je ca. 39,5 x 29,5 cm. 2 Blatt signiert „Ascher“, 1 Blatt verso bezeichnet „Ascher“. 900€

Ascher, der in der unmittelbaren Nachkriegszeit sehr zurückgezogen und einsam lebt, unternimmt zahlreiche Spaziergänge durch den Berliner Grunewald. Aus dieser Nähe und inspirationsschöpfenden Begegnung mit der Natur entstehen viele seiner Werke. Sie sind als Seelenbilder eines Künstlers zu verstehen, der zwischen Kreativität und Depression schwankte. Mit seiner energischen, kraftvollen Pinselführung gibt er seinem Innersten Ausdruck und schafft Kompositionen von äußerster Intensität.

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8095

eduard bargheer (1901–1979, Hamburg)

8095 Häuser an der Küste von Sylt Aquarell über Bleistift auf Bütten. 1938. 51,8 x 72 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Bargheer“ und datiert. 2.500€

Im Jahr 1930 besuchte Bargheer zusammen mit Gretchen Wohlwill zum ersten Mal die Insel Sylt. Besonders die Dünen- und Wattlandschaften hinterließen dabei einen bleibenden Eindruck, und auch die Umgebung der Gemeinde Kampen malte der Künstler mehrfach, so wohl auch im vorliegenden Fall. Mit gekonntem Wechsel von zarten und intensiven Farbtönen erfasst Bargheer in einem für ihn in den 1930er Jahren typischen, stärker flächigen, summarisch anmutenden Malstil die charakteristischen Reetdachhäuser und den Küstenstreifen.

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eduard bargheer

8096 „Dorf am Senegal“ Aquarell auf Bütten. 1970. 32 x 43,3 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Bargheer“ und datiert, verso erneut datiert und betitelt. 1.200€

Der Künstler reiste 1966-67 nach Mali und in den Senegal, wo er auch eine Flussfahrt auf dem gleichnamigen Fluss Senegal unternahm. Das Motiv der aneinandergereihten, charakteristischen Rundhütten, das uns im vorliegenden Aquarell begegnet, scheint Bargheer deutlich in Erinnerung geblieben zu sein, denn er hat es mehrfach zu Papier gebracht. Durch die hellen und transparenten Farbtöne erhalten die Formen der Häuser eine Leichtigkeit, die sie beinahe im Bildraum schweben lässt. Verso eine Bleistiftskizze des Künstlers. 101


fritz cremer

(1906 Arnsberg – 1993 Berlin)

8097 Kleines faunisches Mädchen Bronze mit dunkelbrauner Patina. 1949. 14 x 17 x 13,2 cm. Auf der Standfläche mit dem Gießerstempel „GUSS SEILER“. Auflage 6 num. Ex. 1.500€

Zweiter posthumer Guss, entstanden in der Gießerei Seiler, Schön­ eiche bei Berlin. Ausgezeichneter Guss mit differenziert und leb­haft durchstrukturierter Oberfläche.

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renée sintenis

(1888 Glatz – 1965 Berlin)

8098 Knabenbildnis Norbert Gescher Bronze mit goldbrauner Patina auf Steinsockel. 1943. Auf der Rückseite monogrammiert „R.S.“ und mit dem Gießerstempel „H.NOACK BERLIN“. 24,5 x 14 x 17,5 cm. Berger/Ladwig 180, nicht bei Buhlmann. 2.000€

Norbert Gescher (1938-2021) war Schauspieler und Synchronsprecher. Er ist der Sohn von Leonharda Gescher, genannt „Muschelkalk“, der Witwe von Ringelnatz, und ihrem zweiten Ehemann Julius Gescher. Das Gipsmodell des kleinen Kopfes entstand 1943, wurde aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Bronze gegossen. Prachtvoller Guss mit wunderbar homogener Patina. Gesamt­ höhe mit Sockel: 29,5 cm.

8099 Oscar 6 Kaltnadelarbeiten auf Velin bzw. auf Similijapan. Bis 9,7 x 13,2 cm (Plattenmaß). Sämtlich signiert „Sintenis“, 2 Blatt bezeichnet. 1.500€

Ganz ausgezeichnete Drucke mit deutlich zeichnender Facette und breitem Rand.

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8100

josef hegenbarth

(1884 Böhmisch-Kamnitz – 1962 Dresden)

8100 Fressende Löwen Leimfarbe und Kreide auf festem hellgrauen Velin. 1949. 34 x 46 cm. Oben rechts mit Bleistift und unten links mit Feder in Schwarz zweifach signiert „Josef Hegenbarth“, verso datiert und betitelt sowie mit dem Stempel „Hegenbarth Sammlung Ulrich Zesch“, dort mit der Werknummer. Zesch B V 589. 3.000€

Drastisch zeigt Hegenbarth das blutigen Fressen der Raubtiere: Die Löwin hat ihre Fangzähne in ein Stück Fleisch geschlagen, während das männliche Tier mit seiner imposanten Mähne im Hinter-

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grund wartet. Die krümelige Wirkung der Leimfarben unterstreicht die Lockerheit der Gestaltung, in der die Tierkörper ebenso wie der Hintergrund eines Zoo- oder Zirkuskäfigs stellenweise lediglich angedeutet werden, und die weißen kreidigen Punkte zusammen mit der abgetönten hellen Farbgebung evozieren ein fast steppenähnliches Licht. Aus Hegenbarths sorgsamen Tierbeobachtungen „sind Leimfarbenbilder entstanden, in denen die Tiere, vor neutralem oder nur flüchtig angedeutetem Hintergrund, mit ihrer oft zu ornamentaler Wirkung stilisierten kraftvollen Anmut und imposanten Farbigkeit die Szenerie beherrschen.“ (Renate Barth, in: Josef Hegenbarth, Werke aus dem Nachlass, Ausst.-Kat. Weimar 1980, S. 13). Verso eine weitere Zeichnung des Künstlers, „Sitzender Frauenakt“, Feder und Pinsel in Schwarz.


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josef hegenbarth

8101 Damhirsch Leimfarbe auf grauem festen Velin. 32 x 49,7 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „Jos. Hegenbarth“. Zesch B V 729. 3.000€

Den ruhenden Damhirsch in freier Landschaft zeigt Hegenbarth in seiner natürlichen Umgebung, so gelöst schlafend, wie er in

der Natur kaum je zu beobachten ist. Mit souveräner Sicherheit und lockerem Duktus erfasst der Künstler sensibel das mächtige Geweih, die Anatomie des kräftigen Körpers und das rotbraunweiße Fell. Harmonisch umgibt die Wiesenlandschaft das schlafende Tier. „Im Bild des Tiermalers agieren die vierbeinigen und gefiederten Modelle allein, ganz auf sich selbst oder ihre unmittelbare Umgebung konzentriert, arttypisches Verhalten, beobachtet am einzelnen Exemplar oder der Gruppe.“ (Renate Barth, in: Josef Hegenbarth, Werke aus dem Nachlass, Ausst.-Kat. Weimar 1980, S. 13). Verso eine weitere Zeichnung des Künstlers, „Männerbildnis“, Pinsel in Schwarz. 105


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frans masereel

(1889 Blanckenberghe – 1972 Avignon)

8102 Nizza Öl auf Hartfaserplatte. 1949. 44,5 x 54,2 cm. Unten mittig mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „FM“ und datiert. Nicht bei Vorms. 4.500€

Nachdem Masereel 1940 aus Paris in den Süden Frankreichs u.a. nach Avignon geflohen war, wählte er 1949, als unser Gemälde entstand, Nizza zu seinem neuen Aufenthaltsort. Er wohnte in einem Haus am alten Hafen. Spürbar heller wird von nun an seine Farbpalette, was an unserer Komposition bereits zu erkennen ist. Das Werk erinnert an Darstellungen, die er in den 1920er Jahren schuf und in denen er ebenfalls Strandszenen wiedergibt.

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8103

frans masereel

8103 „Nègre et Femme Brune“ Öl auf Holz. 1950. 45,5 x 38,2 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „FM“ und datiert, zusätzlich verso mit Pinsel in Schwarz signiert „Frans Masereel“ sowie datiert. Vorms 749. 3.800€

Unser Porträt spiegelt Frans Masereels politische Einstellung wider. Dieser setzte sich stets unter anderem für Antikolonialismus und gegen Unterdrückung ein und war der Friedensbewegung sehr verbunden. Das thematische Zentrum dieses Gemäldes bildet ein aus dem hellen Hintergrund hervortretender Arbeiter am alten Hafen von Nizza. Masereel versuchte in seinen Bildern, sozial unterrepräsentierten Charakteren eine Stimme und Bühne zu bieten und machte das zur damaligen Zeit Unsichtbare sichtbar. 107


8104

robert liebknecht

lou albert-lasard

8104 Bildnis einer jungen Frau vor einem Blumenstrauß Öl auf Leinwand. 1951. 50 x 61 cm. Unten mittig doppelt mit Bleistift und Feder in Schwarz signiert „R. Liebknecht“ und datiert.

8105 Strandszene Öl auf festem Malkarton. 35,5 x 51,5 cm. Verso mit dem Nachlaßstempel „Lou Albert-Lasard“ und mit der Werknummer „313“.

(1903 Berlin – 1994 Paris)

1.500€

(1891 Metz – 1969 Paris)

700€

Mit intensiven Farben und lockerem Pinselduktus hat der Künstler die Szene erfasst, die so ganz anders ist als die Arbeiten seines „Leitmotivs“ - den von Menschenfluten überlaufenen Straßen von Paris. Deutlich persönlicher als das sonst gezeigte Getümmel namenloser Individuen, auch wenn die Porträtierte selbst auch hier unbekannt bleibt. Als 16-Jähriger wurde Robert Liebknecht 1919 mit der Ermordung seines Vaters Karl Liebknecht konfrontiert. Käthe Kollwitz, eine Freundin der Familie, ermutigte ihn, Maler zu werden. Nach Zeichenunterricht bei Hans Baluschek und Willy Jaeckel begann er 1923 ein Studium an der Dresdner Kunstakademie bei Ferdinand Dorsch, Max Feldbauer und Robert Sterl. 1933 emigrierte er nach Paris, wo er 1936 zusammen mit Max Ernst, Otto Freundlich und Paul Westheim zu den Gründern des „Kollektivs deutscher Künstler“ gehörte. Literatur: Rainer Zimmermann, „Robert Liebknecht“, Folge III der Serie ‚ Malerei des Expressiven Realismus‘, in: Weltkunst, Nr. 22, München 1991, S. 3548ff., mit Abb.

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8105


8106

lou albert-lasard

8106 Menschen am Teich Öl auf Leinwand. 55 x 46 cm. Unten rechts mit Pinsel in Violettbraun mit dem Künstlersignet „LAL“ (ligiert), verso signiert „Lou Albert-Lasard“ sowie bezeichnet „54“ und mit den Maßangaben. 1.800€ Einen Moment der Erholung und Ruhe finden die drei Menschen am Teichufer eines Parks. Möglicherweise inspirierte der Berliner Tiergarten Lou Albert-Lasard zu der stimmungsvollen, dicht komponierten Parkszene. Ganz locker und weich legt sie die intensiven, kräftigen Farben nebeneinander und verleiht so der Szenerie ihre

heitere, sommerliche Stimmung. Zwischen 1914 und 1916 lebte Albert-Lasard in Wien und München mit dem Dichter Rainer Maria Rilke zusammen und bewegte sich in Künstlerkreisen um Romain Rolland, Stefan Zweig, Paul Klee und Oskar Kokoschka. Sie schloss sich der Novembergruppe in Berlin an und ließ sich 1928 in ParisMontparnasse nieder, wo sie Freundschaften mit Henri Matisse, Alberto Giacometti und Robert Delaunay pflegte. Wir danken Thierry Laps, Musée d´Art Moderne et Contemporain Strasbourg, für hilfreiche Auskünfte. Provenienz: Aus dem Nachlass der Künstlerin Privatbesitz Berlin 109


8107

marc chagall

(1887 Witebsk – 1985 St. Paul-de-Vence)

8107 Peintures 1942-1945 2 Doppelbl. Titel, Text und Impressum sowie 16 Farboffsetdrucke auf Velin. Lose in Orig.-Umschlag. 1951. 37,8 x 27,7 cm. Im Titel signiert „Marc Chagall“, datiert, mit Ortsbezeichung „Vence“ und gewidmet „À Mademoiselle/ Paulette/ Carlier/ Souvenir/ de/ Marc Chagall“. Auflage 195 Ex. 3.000€

Vorliegendes Kompendium gibt mit den 16 inliegenden Farboffsets nach Malereien Chagalls Einblick in dessen symbolträchtiges, phantasievolles und farbintensives Schaffen. Im Titel mit einer Zeichnung des Künstlers, „Selbst mit Palette“. Mit einem Gedicht von Paul Éluard und einer Einleitung von Léon Degand, herausgegeben von Éditions du Chêne, Paris, 1947. Provenienz: Privatbesitz Paris

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marc chagall

8108 A la femme, qu‘est-il resté? Farblithographie auf Arches-Velin. 1967. 46 x 38,5 cm (68 x 53 cm). Auflage 120 Ex. Mourlot 536. 2.000€

Aus der Folge „Sur la Terre des Dieux“, erschienen bei A.C. Mazo, Paris. Mourlot notierte neben der Gesamtauflage von 120 Exemplaren einige wenige Drucke für den Künstler, für den Autor Robert Marteau und die an der Publikation Beteiligten. Dieses Exemplar ist eines dieser Blätter neben der Auflage, mit dem Blindstempel RGM unten rechts, für den Pariser Händler R.G. Michel. Ausgezeichneter Druck in leuchtender Farbigkeit mit dem vollen Rand.

8109 Le Jardin d‘Eden Farblithographie auf gelblichem Japan. 1974. 25 x 32 cm (42 x 52 cm). Signiert „Marc Chagall“. Auflage 50 num. Ex. Sorlier 723. 3.500€

Poetische Umsetzung des biblischen Themas. Erschienen bei Maeght, Paris. Ganz ausgezeichneter Druck mit dem vollen Rand, unten mit dem Schöpfrand.

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8110

joan miró

(1893 Montroig – 1983 Calamajor)

8110 La Magie Quotidienne Farbradierung mit Aquatinta auf Misumi-Japan. 1959. 16 x 41,5 cm (32,5 x 50 cm). Signiert „Miró“. Auflage 10 num. Ex. Dupin 271. 4.000€

Herausgegeben in einer Gesamtauflage von 120 Exemplaren von Louis Broder, Paris, 1968. Prachtvoller, farbintensiver Druck mit dem vollen Rand.

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8111

joan miró

8111 Le Petit Chat Farblithographie auf bräunlichem Marais-Velin. 1951. Ca. 39 x 60 cm (56 x 76 cm). Signiert „Miró“ und datiert. Auflage 75 num. Ex. Mourlot 111. 1.500€

Für „Le Petit Chat“ verwendete der Künstler die vier Farben der Lithographie „L‘Oiseau Comète“ (Mourlot 110), im selben Jahr kurz zuvor entstanden und hier um 90o nach links gedreht, also im Querformat abgezogen und mit einem neuen Schwarz kombiniert. Herausgegeben von Maeght, Paris. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand. 113


8112

joan miró

8112 XV Premi Internacional de Dibuix Joan Miró Farblithographie auf Velin. 1976. 24,7 x 20,8 cm (35,8 x 29,8 cm). Signiert „Miró.“. Auflage 75 num. Ex. Vgl. Cramer 1087.

8113 L‘Abella somniadora Farblithographie auf Velin. 1979. 76,3 x 52 cm (90 x 63 cm). Signiert „Miró.“. Auflage 75 num. Ex. Cramer 1179.

2.000€

3.500€

Herausgegeben von der Fundació Joan Miró, Barcelona; Druck La Polígrafa S.A., Barcelona. Beschnitten, ohne die schwarzen Linien im unteren Bildbereich und zudem gefaltet fand die Lithographie als Umschlag für den titelgebenden Katalog Verwendung. Ganz ausgezeichneter Druck mit Rand.

Erschienen bei der Galeria Maeght, Barcelona, in einer Gesamt­ auflage von 105 numerierten Exemplaren. Prachtvoller Druck in wunderbar frischer Farbigkeit mit dem vollen Rand.

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bernard buffet

paul herrmann

8114 Sainte-face Kaltnadel auf BFK Rives-Velin. 1953. 53,8 x 67,5 cm (55,8 x 76,7 cm). Signiert „Bernard Buffet“. Auflage 75 num. Ex.

8116 Mundharmonikaspieler Bleistift, Kohle und Feder in Schwarz auf festem Zeichenpapier. 1951. 50,8 x 34,9 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „Paul Herrmann“ und datiert.

(1928 Paris – 1999 Tourtour/Provence-Alpes-Côte d‘Azur)

600€

Gedruckt bei Lacourière, Paris, herausgegeben von Creuzevault, Paris. Prachtvoller, gratiger und tiefdunkler Druck mit Rand, seitlich mit dem Schöpfrand.

helmut wellschmidt

(1930 Teschen – 2015 Nürnberg)

8115 „Blaue Flasche“ Öl auf Hartfaserplatte. 1956. 42 x 56 cm. Verso mit Kreide in Schwarz signiert „HELMUT WELLSCHMIDT“ und betitelt sowie auf Klebeetikett datiert, nochmals betitelt und mit den Maßangaben sowie bezeichnet „Öl/Hartf.“. WVZ helmutwellschmidt.de, Bd. 1, Nr. 2. 1.500€

Frühes, souverän abstrahiertes Stilleben des Künstlers, bei dem die blaue Flasche mit ihren kräftigen Farben und der klaren Kontur im Zentrum der sonst pastelltonigen Komposition steht. Die Arbeit entstand nach Wellschmidts Ausweisung aus der CSSR, während seines Studiums an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg 1952-58.

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(1914 Königsberg – 1987 Berlin)

2.600€

Paul Herrmann wurde 1914, im Jahr des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs in Königsberg, Ostpreußen, geboren. Seine Kinder- und Jugendtage verbrachte er in Frauenburg, bevor er 1936 ein Studium im Staatlichen Meisteratelier für bildende Künste in Königsberg aufnahm. Unterbrochen von Krieg und Krankheit, führte er das Studium 1939 an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Berlin fort und wurde 1955 schließlich Meisterschüler von Karl Schmidt-Rottluff. Während des Zweiten Weltkriegs wurden über 1000 seiner Werke bei einem Bombenangriff zerstört. Herrmann empfand seine Kunst als fast selbständige Prozesse und Entwicklungen von Formen, denen er mit seinem handwerklichen Können zur Realisierung verhelfen musste. Selten verstand er ein Werk als vollendet, erst später wurden sie betitelt. Auch die vorliegende Zeichnung zeugt von einem langwierigen Schaffensprozess. Immer und immer wieder scheint sie überarbeitet worden zu sein. Die Fläche eines Hochrechtecks wird in mehrere, streng geometrische Formen unterteilt und in den unterschiedlichsten Stärken und Grauabstufungen zunächst mit Kohle schraffiert. In der sich zur Mitte hin verdichteten Komposition entdeckt man die Figur des Mundharmonikaspielers erst auf den zweiten Blick. Malerische Zeichnung der 1950er Jahre zwischen Figuration und Abstraktion.


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ludwig gabriel schrieber (1907 Waldniel – 1975 Nesselwang)

8117 Büste Bronze mit goldgelber Patina. 1952. 52,3 x 61 x 35 cm. Domscheit P 34. 4.000€ Ludwig Gabriel Schrieber war ein deutscher Maler und Bildhauer. Er studierte Malerei an der Düsseldorfer Kunstakademie unter Jan Thorn-Prikker und Heinrich Campendonk. Erst 1941 begann er im Kriegslazarett mit der Bildhauerei, zunächst mit ersten Skulpturen aus Holz. Seine plastische Arbeit nahm vor allem im Nachkriegsdeutschland Ende der 1940er/ Anfang der 1950er Jahre ihren Ausgang. 1949 widmete die Düsseldorfer Galerie Vömel seinem bildhauerischen Werk eine erste Einzelausstellung, 1950 folgte der Corneliuspreis der Stadt Düsseldorf für Bildhauerei. 1951 schließlich

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wurde er an die Hochschule für Bildende Künste in Berlin berufen, deren Leitung er Anfang der 1970er Jahre übernahm. Zu seinen engen Freunden zählten Günter Grass, Karl Hartung, Ernst Schumacher und Heinz Trökes. Schriebers plastisches Oeuvre blieb stets gegenständlich und widmete sich im Besonderen Darstellungen des weiblichen Körpers. Dominiert von den nahezu symmetrisch angewinkelten, überlangen Armen, reicht unsere „Büste“ vom schmalen Oberkopf über den langen Hals zur Schulterpartie und schließt mit der unteren Brustlinie ab. Die kugelförmigen Gelenke, das stilisierte Gesicht mit der flachen Nase und der kegelförmige Hals, aber auch die deutlich glatte Oberfläche verleihen der Gestalt etwas Künstliches. Die starke, geometrische Reduktion der Formen lässt deutliche, europäische Einflüsse aus den Vorkriegsjahren erkennen. Einer von nur drei Güssen dieser Bronze. Sehr selten.


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ludwig gabriel schrieber

8118 Tänzerin Bronze mit dunkelbrauner Patina auf Bronzeplinthe. 1962/63. 79,4 x 51 x 22 cm. Auf der Rückseite der Plinthe monogrammiert „LG Sch“ und mit dem Gießerstempel „BILDGIESSEREI KRAAS“. Domscheit P 82. 3.500€

Die ausdrucksstarke, raumgreifende Bronze zeigt eine Ballerina, festgehalten im Moment der Drehung. Anmutig, in aufrechter Pose, die Haare zum Dutt, das Ballettkleid samt Mieder vorderseitig in

fließendem, den Körper mit all seinen weiblichen Rundungen, sanft umspielenden Stoff. Das rechte Standbein der jungen Tänzerin steht stabil auf dem Boden, während sie das Spielbein schwungvoll anhebt und ihre Arme in graziler Haltung zur Seite hin ausbreitet. Auf Details im Gesicht und die Ausarbeitung der Hände hat der Künstler verzichtet. Sein Interesse gilt vielmehr der Bewegung, deren kraftvolle Anstrengung sich vor allem in der angespannten Muskelpartie der Rückenansicht zeigt und der Bronze eine reizvolle Allansichtigkeit verleiht. Die lebhaft modellierte Oberfläche typisch für Schriebers Werke aus dieser Zeit. Prachtvoller, feinzeichnender Guss mit wirkungsvoller Patina. 119


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dietmar lemcke

(1930 Goldap/Ostpreussen – 2020 Berlin)

8119 „Bärenzwinger“ Öl auf Leinwand. 1954. 80 x 100 cm. Unten rechts mit Pinsel in Braun signiert „Lemcke“ und datiert, verso auf Klebeetikett datiert und betitelt. 1.500€

Frühes Werk des Künstlers, das im Jahr seines Abschlusses an der Berliner Hochschule für Bildende Künste entstand, wo Lemcke seit 1948 u. a. bei Karl Schmidt-Rottluff, Karl Hofer und Ernst Schumacher studiert hatte. Im Anschluss reiste er mit einem einjährigen Stipendium nach Paris an die Académie de Montmartre, geleitet von Fernand Léger. Hier beschäftigte er sich mit den Werken Pablo Picassos, Georges Braques und vor allem Henri Matisses. Als weitere prägende Einflüsse für sein späteres Werk nennt der Künstler Max Beckmanns Amsterdamer Exiljahre und Emil Noldes späte Arbeiten. 1964 übernahm Lemcke eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Ausstellung: Das frühe Bild - Malerei und Plastik, Deutscher Künstlerbund, 10. Ausstellung, Haus der Kunst, München 1960

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8120 „Obstschale“ Öl auf Leinwand. 1968. 50 x 61 cm. Oben rechts mit Pinsel in Rot signiert „Lemcke“ und datiert, verso auf dem Keilrahmen nochmals signiert und datiert sowie betitelt und bezeichnet „18“. 1.200€

8121 „Sommerblumen“ Öl auf Leinwand. 1970. 50,5 x 60,5 cm. Oben links mit Pinsel in Blau signiert „Lemcke“ und datiert, verso auf dem Keilrahmen nochmals signiert und datiert sowie betitelt und bezeichnet „17“. 1.200€


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horst strempel

(1904 Beuthen – 1975 Berlin)

8122 Stilleben mit Fruchtschale Öl auf Hartfaserplatte. 1955. 29,5 x 39,5 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „H. Strempel“ und datiert, verso auf der Rahmenrückwand nochmals signiert, datiert und bezeichnet „Kat.-Nr. 65“. Saure 379. 1.000€

Die vier Früchte arrangiert Strempel in einer flachen dunklen Schale auf einem nicht näher umrissenen, abstrakten Tisch vor einem ebenfalls abstrakten, hell gehaltenen Hintergrund. Sein Duktus ist flächig, an einigen Stellen pastos, und er führt die Komposition mit weichen, sicheren Pinselschwüngen aus. Die Ellipse der dunklen Schale, aus der effektvoll die gelbgrünen Früchte hervorleuchten, dominiert die Komposition. Im Wechselspiel von Gegenständlich und Abstrakt entsteht eine wunderbar harmonische, farbkräftige Darstellung.

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horst strempel

8123 Mädchen im Atelier 6 (5 farbige) Aquatintaarbeiten auf Velin. Lose in Halb­ leinenmappe. 1956. 53,5 x 38,5 cm (Blattgröße). Jeweils signiert „H. Strempel“ und datiert. Auflage 5 bzw. 6 num. Ex. Saure 2523-2525, 2527, 2528, 2531. 900€

Prachtvolle Drucke mit schönen farbigen Akzenten in Rot und mit dem vollen Rand. Selten. Beigegeben: Eine signierte Radierung und eine signierte Lithographie von Horst Strempel.

8124 Zwei Frauen („Entwurf für einen Stoff“) Malerei auf Seide. 1957. 85 x 79,5 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „H. Strempel“ und datiert, verso auf dem Keilrahmen nochmals signiert, datiert, betitelt und bezeichnet „Kat.-Nr. 135 (Entwürfe)“. Saure 430. 2.400€

Eine hinreißend heitere Komposition: Gegenständliche und abstrakte Elemente, Mädchenköpfe, Pflanzenmotive und buntfarbige Kugelformen fügen sich zu einem modernen Stoffmusterentwurf im Stil der 1950er Jahre. Neben den schwarzen Elementen beschränkt Strempel seine Palette lediglich auf die Grundfarben Rot, Blau und Gelb. Seit 1955 war Strempel als Tapeten- und Stoffdesigner für das Berliner Tapetenatelier Frei-Hermann als freier Mitarbeiter tätig. Nur selten versah er diese Entwürfe mit seinem Namen, so dass heute deren Nachverfolgung kaum mehr möglich ist. Üblicherweise trennte er strikt zwischen freier und angewandter Kunst, doch beeinflusste „seine Design-Tätigkeit die stilistische Ausformung des übrigen Werks stark (...) Die Modernität, die für die Vermarktung seiner Designs unabdingbar war, beeinflusste ihn auch in seinen freien Arbeiten.“ (Saure S. 116, 118). 123


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martin dittberner (1912–2003, Berlin)

8125 Die ornamentierten Häuser Öl auf Hartfaserplatte. 1959. 30,2 x 29 cm. 1.500€

Eine phantastische, menschenleere Szenerie, charakteristisch für Dittberners Malerei. Dicht aneinander und hintereinander gestaffelt stehen die Häuser unter nachtschwarzem Himmel, und sie sind doch von einer unerklärlich scheinenden Lichtquelle soweit erhellt, dass ihre Farben und Ornamente aus dem Dunkel hervorleuchten. Die stille, geheimnisvolle Komposition lädt dazu ein, den Blick in die Tiefe der Zwischenräume zu versenken und quasi die Bildwelt zu betreten. Ausstellung: Große Kunstausstellung, Berlin 1959 (mit deren Etikett beiliegend)

8126 Surrealistische Komposition Öl auf Hartfaserplatte. 1966. 27 x 34,8 cm. Verso mehrfach mit Pinsel in Weiß bzw. Schwarz signiert „Martin Dittberner“ und datiert. 1.200€

Martin Dittberner nimmt unter den Berliner Phantasten durch seine ausschließlich kleinen bis winzigen Formate einen ganz besonderen Platz ein. Die Welt scheint für ihn aus Versatzstücken zu bestehen, die keinen anderen Zweck haben, als seine Phantasie zu immer neuen Konstellationen und Kompositionen anzuregen; „gerade in deren äußerer Kleinheit verbergen sich die unabschätzbaren Ausmaße der Weite und Ferne ihrer inneren Dimension.“ (Eberhard Roters, in: Martin Dittberner, Ausst.-Kat. Schloss Bellevue, Kassel 1979, S. 2). In einer altmeisterlich sorgfältigen Technik malt der Künstler die surreale Szenerie bis in die kleinsten Einzelheiten technisch brillant.

otto herbert hajek

(1927 Kaltenbach/Tschechien – 2005 Stuttgart)

8127 60/11 Bronze mit schwarzbrauner Patina. 1960. 31,3 x 21 x 12 cm. Auf der Innenseite signiert „HAJEK“ und bezeichnet „60/11“. Koos P 146. 4.000€

Komplex und filigran strukturierte Bronze. Mit der seit Mitte der 1950er Jahre entstandenen Werkgruppe der „Raumknoten“ findet Hajek, angeregt durch die Werke Constantin Brâncusi und Henry Moores, zu eigenständigen Formen, die ihr Volumen in den Umraum hinein öffnen. Die Skulptur scheint Bewegung und Wachstum auszudrücken und gestaltet damit den Raum um sich herum. Bereits 1959 nahm der Künstler an der documenta II in Kassel mit seinen frühen, im Stil des Informel gehaltenen Raumknoten und Raumschichtungen teil. In diesen Werken „kommen Momente des Systematischen und Tektonischen zum Tragen, die auf eine räumliche Involvierung des Betrachters zielen. Gerüststrukturen geben dem Unruhig-Zerklüfteten eine innere Ordnung, die freilich ihre eigene, aus Richtungsgegensätzen resultierende Dynamik hat.“ (Peter Anselm Riedl, Otto Herbert Hajeks Position in der Gegenwartskunst, in: O.H. Hajek, eine Welt der Zeichen, Ausst.-Kat. Bonn 2000, S. 22). Prachtvoller Guss mit effektvoll changierender Patina.

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herbert strässer

(1930 Lebach – 2005 Bücken)

8128 Boxer Bronze mit goldbrauner Patina, auf Bongossi-Holzsockel montiert, 1957. 25,2 x 10,5 x 10,5 cm. An der Fußinnenseite monogrammiert „H. ST.“ und datiert. 8.000€ Dichte und vielschichtige Bronze aus Herbert Strässers kubistischem Frühwerk. Die Stilisierung und die Aufsplitterung der menschlichen Figur in geometrische Elemente verleiht der Skulptur eine konzentrierte, überzeugende Allansichtigkeit. Die glatte, weiche Oberfläche mit ihrem Wechsel von weich geschwunge-

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nen Kugelformen und geraden Kanten lädt zum Drehen und zum Berühren ein. Die dynamisch nach außen weisenden Faust-Kugelformen gehen mit dem sie umgebenden Raum ein wechselvolles, spannungsreiches Verhältnis ein und unterstreichen, indem sie verschiedenen Phasen des Boxkampfes zeigen, die Synchronizität in der Umsetzung des Kampfthemas. Erst kurz zuvor, 1955, begann Herbert Strässer nach seiner Beschäftigung mit der experimentellen Fotografie bei Otto Steinert die ersten plastischen Arbeiten zu formen. „Er hat die Skulptur des Kubismus als Leitlinie der Offenbarung für die Zukunft angesehen. Auch bei scheinbar zu reinen ‚Zeichen‘ reduzierten Formen lässt er sich zunächst von der Natur, der menschlichen Figur (...) leiten“ (Wolfgang Kermer, Herbert Strässer, Ausst.-Kat. Saarbrücken 1968, o. S.). Ganz prachtvoller Guss mit schimmernder homogener Patina. Gesamthöhe mit Sockel: 28 cm.


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herbert strässer

8129 Hommage à Henri Laurens Bronze mit goldbrauner Patina, auf Bronzeplinthe montiert. 1959. 12 x 29,5 x 14,5 cm. Unten am linken Fuß monogrammiert „H. ST.“ und datiert. 8.000€ Das Wesentliche an der liegenden weiblichen Gestalt erfasst Strässer ebenso präzise und konzentriert wie den ästhetischen Impuls aus dem bildhauerischen Schaffen Henri Laurens‘, der neben Zadkine und Lipchitz zu den entscheidenden Inspiratoren Strässers gehörte. Nur fünf Jahre nach Henri Laurens‘ Tod bezieht Strässer sich auf eines der berühmten Motive des Künstlers: Der liegende Frauenakt mag sich motivisch wie auch kompositorisch

an der erst 1948 entstandenen Bronze „L‘Automne“ orientieren; die liegenden Frauenfiguren Laurens‘ beeindruckten nicht nur Strässer, sondern auch seine Förderer Karl Hartung und Henry Moore. Die Üppigkeit der weichen weiblichen Rundungen lässt bei Strässer die metallene Härte der Bronze in den Hintergrund treten. Dazwischen sorgen Geraden und Kanten für klare Linien und halten die anmutig komponierte Liegende in einer ausgefeilten Balance zwischen Spannung und Gelöstheit, Wölbung und Kehlung, sicherer Abstraktion und einer deutlich an der menschlichen Gestalt orientierten Formgebung. Der Lichteinfall zaubert ein sanftes Schimmern auf die Bronze und vertieft die Lebendigkeit der Komposition. Ganz prachtvoller Guss mit schön schimmernder, leicht changierender Patina. Bedeutende Skulptur aus Strässers Frühwerk. 127


herbert strässer

8130 Athena Bronze mit schwarzbrauner Patina, auf Holzsockel montiert. 1979. 36 x 34 x 21 cm. Verso an der Unterkante monogrammiert „H. ST.“ und datiert. 14.000€

Mit einer Assoziation an die antike Mythologie variiert Strässer mit seiner „Athena“ das Motiv der Einschließung und Umrahmung des Kopfes, vielfältig in seinem Werk umgesetzt, hier ein weiteres Mal. Eine vertikale Spiegelachse verläuft von vorne nach hinten mitten durch den Kopf. Dass hier der Helm der Pallas Athene dominiert und „der Binnenraum fast ganz von Gesichtszügen frei ist“, heißt auch, „dass an die Stelle von Emotionen die formale Struktur eines Gegenstandes getreten ist.“ (Jürgen Weichhardt, in: Herbert Strässer. Skulpturen, Bonn 1998, S. 19). Zu den Seiten hin bleibt die Kopfform jedoch offen, so dass der Betrachter durch die für Strässers Schaffen dieser Zeit charakteristischen Ausbuchtungen hindurch in das Innere des Kopfes zu blicken meint. Die organische Komposition mit den kugeligen Formen scheint zugleich die menschlichen Sinnesorgane zu ersetzen, derer die Göttin selbstverständlich nicht bedarf. Das interessante Spannungfeld zwischen der statischen Form des Helmes und den organischen Binnenformen macht den besonderen Reiz dieser Bronze aus. Die Motivreihe der „Köpfe“ stellt die umfangreichste Gruppe im Spätwerk Herbert Strässers dar. Ganz ausgezeichneter Guss mit wunderbar homogener Patina. Gesamthöhe mit Sockel: 29 cm. Literatur: Herbert Strässer, Skulpturen, Bonn 1998, Abb. S. 18

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fred thieler

(1916 Königsberg – 1998 Berlin)

8131 Ohne Titel Gouache auf strukturiertem grauen Velin. 1950. 40,3 x 60,7 cm. Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „TH.“ und datiert, verso nochmals datiert und zweifach mit der Werknummer „286“. 1.600€

Zitronengelb, Schwarz, Rot und Blaugrau vereint Thieler in der abstrakten Komposition. Die Bildkomposition flieht und verdichtet sich in dynamischen, gezackten Bewegungen. Die frühe Auseinandersetzung Fred Thielers mit Rhythmus und Bewegung als Mittel der Bildsprengung kommt hier deutlich zum Tragen. Unsere Komposition entstand ganz kurz nach der Gründung der Gruppe ZEN 49, in der sich Thieler zusammen mit Willi Baumeister, Rupprecht Geiger, K.R.H. Sonderborg und Fritz Winter engagierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg besuchte Fred Thieler die Malereiklasse von Karl Caspar und studierte von 1946 bis 1950 an der Akademie der Bildenden Künste in München; hier malte er 1947 seine ersten abstrakten Bilder.

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fred thieler

8132 Ohne Titel Siebdruckfarbe auf Leinwand. 1959. 69 x 99 cm. Unten rechts mit Kreide in Schwarz signiert „F Thieler“ und datiert sowie verso zweifach bezeichnet „Nr. 96/1959“ sowie „WV5/324“. Melchior 5/324. 10.000€

Schwarz, Blau und Weiß: Die Thielersche Palette der späten 1950er Jahre ist bewusst auf nur wenige Farben beschränkt. Die weiß grundierte Leinwand bildet den Hintergrund für die gestischen, teils zeichenhaften und hochdifferenzierten Pinselschwünge, für gespachtelte Strukturen und Kratzer des Pinselstiels in der feuchten Farbe. Hierbei scheint das Blau mal im Vordergrund zu stehen, mal neben dem Weiß nach hinten zu treten und erzeugt so variierende räumliche Effekte. Durch verschiedene Farbkonsistenzen

lässt Thieler eine reliefartige, unterschiedlich deckende Oberflächenstruktur entstehen. Aus der Kombination von gestischen Farbspuren, aufplatzenden Oberflächen und tiefsatten Farbflächen entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen Linie und Farbe, in dem der Entstehungsprozess des Bildes und wegen der zähen, schnell trocknenden Siebdruckfarbe sogar die Maldauer erkennbar bleibt. Mit seinen Pinselschwüngen rhythmisiert Thieler die Komposition und lässt sie in dynamischen Bewegungen nach außen fliehen, wodurch die Auseinandersetzung des Künstlers mit Rhythmus und Bewegung als Mittel der Bildsprengung deutlich zum Tragen kommt. „Die bewusst herbeigeführte Ereignishaftigkeit der Bilder ist für Thieler mehr als eine experimentell-sinnliche Lust an der Farbe, am Malprozess - die ungewisse Veränderbarkeit ist Bildthema und Impuls zugleich. Darin offenbart sich Thielers Grundhaltung einer Erkenntnis und Anerkenntnis des steten Wandels des Lebens, der Ungesichertheit der menschlichen Existenz, der momentanen Subjektivität von Erleben und Erfahren“ (Jörn Merkert, in: Fred Thieler. Monographie und Werkverzeichnis, Hrsg. A. Firmenich und J. Merkert, Köln 1995, S. 16). 131


hans kinder

(1900–1986, Dresden)

8133 Abstrakte Komposition Tempera auf festem Velin. 1962. 47 x 99 cm. Unten rechts mit Buntstift in Blau monogrammiert „K“ und datiert. 1.500€

Hans Kinder absolvierte ein Studium an der Kunstgewerbeschule Dresden und war im Jahr 1924 als Gasthörer am Bauhaus in Weimar. Im Anschluss ging er als Meisterschüler von Max Feldbauer zurück nach Dresden an die Akademie der Künste. Die Begegnung mit dem Werk von Picasso 1942 beeinflussten das Schaffen von Hans Kinder maßgeblich. Mit unglaublicher Experimentierfreude übernimmt der Künstler moderne und abstrakte Impulse in seine Kunst und schafft eine ganz eigene farb- und formtheoretische Lehre. Unsere abstrakte Komposition löst den Raum in kubistische Formen auf. Der gespachtelte, pastose Farbauftrag unterstreicht die Wirkung des räumlichen Empfindens.

8133

fritz harnest

(1905 München – 1999 Traunstein)

8134 Abstrakte Kompositionen 10 Farbholzschnitte auf hauchdünnem Japanbütten. 19551959. Bis ca. 31 x 24,9 cm (Blattgröße). Sämtlich signiert „Fritz Harnest“. 750€

Ausgesprochen prachtvolle, satte und farbintensive Drucke der harmonisch angelegten Reihe, mit Rand, nahezu sämtlich an einer Seite mit dem Schöpfrand. Provenienz: Galerie Stangl, München

132

8134


johannes geccelli

(1925 Königsberg – 2011 Blankenfelde-Mahlow)

8135 Ohne Titel Öl auf Leinwand. 1959. 40 x 30 cm. Signiert „Geccelli“ und datiert. 1.500€

Geccelli begann nach dem Zweiten Weltkrieg ein Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf. 1964 zunächst als Gastdozent in Hamburg, wurde er 1965 an die Hochschule der Künste, Berlin, berufen. Mit großem Engagement kam er dort seiner lehrenden Aufgabe nach. Bekannt wurde Geccelli vor allem durch seine monochromen Farbstudien. Das hier vorliegende frühe Werk des damals 34-jährigen Geccelli steht am Beginn dieser Entwicklung. Dem monochromen, grauen Grund werden mit wenigen, pastosen weißen Pinselstrichen die Formen von zwei leeren Flaschen mit Gläsern eingeschrieben. Noch mit angedeuteten Spiegelungen und Schattenspuren, beginnen sich die Formen allmählich in der Farbe der Fläche aufzulösen.

8135

johannes geccelli

8136 Ohne Titel Gouache auf dickem Aquarellkarton. 1963. 61 x 51,8 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Geccelli“ und datiert, verso gewidmet. 900€

Die Umrisse der in Bewegung befindlichen Figur in der Mitte der Darstellung schemenhaft erkennbar, eingebettet in eine begrenzte schwarze Fläche über leuchtendem Blau. Oben und unten der gleichmäßig breite Rand mit lasierendem hellgrauen Farbauftrag. Prächtige Gouache auf dem Weg zur homogenen Farbfläche.

8136 133


yves klein

(1928 Nizza – 1962 Paris)

8137 Monochrome und Feuer 3 Doppelbl. Text, Ausstellungsverzeichnis und Abbildungen. Lose in Orig.-Kartonumschlag sowie 2 gerahmte Farbserigraphien in Blau bzw. Pink auf Karton. 1961. Jeweils 32 x 23,5 cm. 2.500€

Die Arbeiten erschienen mit der Herausgabe des Ausstellungskataloges vom Kaiser Wilhelm Museum Krefeld anlässlich der ersten deutschen Gesamtausstellung Yves Kleins 1961 im Museum Lange in Krefeld. Diese Ausstellung war für Yves Klein die erste institutionelle Auslandspräsentation, die gleichzeitig auch die einzige öffentlich museale Ausstellung zu Lebzeiten des Künstlers war. Yves Klein arbeitete mit sehr unterschiedlichen alltäglichen bzw. elementaren Mitteln: Er verwendete unbehandelte Farbpigmente und Blattgold (hier fehlt der goldene Karton); statt eines Pinsels nutzte er Malerrollen, Spachtel und Frauenkörper zum Fertigen seiner Bilder; Schwämme werden bei ihm zu Farbobjekten; mit Feuer, Wasser und Luft entstanden Aktionen, Bilder und Skulpturen.

georges braque

(1882 Argenteuil – 1963 Paris) 8137

8138 Oiseaux Farblithographie auf BFK Rives-Velin. 1963. 33,5 x 43 cm (58,5 x 46,5 cm). Monogrammiert „G. B.“, datiert und mit lack- oder ölhaltigem Stift gewidmet. Vallier 184. 2.500€

Die Widmung lautet: “A Heger de Lowenfeld. Avec mes compliments en souvenir de mon exposition.” („Für Heger de Lowenfeld. Mit meiner Empfehlung zur Erinnerung an meine Ausstellung.”) Wohl eines der bei Vallier erwähnten Künstlerexemplare außerhalb der Auflage von 75 numerierten Exemplaren, vor aller Schrift. Die Lithographie entstand als Ausstellungsplakat für „Les bijoux de Braque“ im Musée des Arts Décoratifs in Paris 1963. Gewidmet an Heger de Löwenfeld, den ausführenden Goldschmied. Gedruckt bei Mourlot, Paris. Prachtvoller Druck mit breitem Rand. Beigegeben: Der entsprechende Ausstellungskatalog „Bijoux de Braque, executed by Heger de Löwenfeld“ der Wally Galleries, New York.

allen jones

(1937 Southampton, lebt in London)

8139 „Daisy Daisy“ Lithographie auf Arches-Velin. 1965. 48,5 x 62,5 cm (Blattgröße). Signiert „Allen Jones“ und datiert. Auflage 20 num. Ex. Lloyd 34. 800€ 8137 134

Mit den Blindstempeln des Tamarind Lithography Workshop, Los Angeles. Prachtvoller Druck.


8138

8139 135


horst antes

(1936 Heppenheim, lebt in Berlin, Karlsruhe und Florenz)

8140 Ohne Titel Bleistift und Filzstift in Blau auf Velin. 1971. 32 x 24 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Antes“, datiert und bezeichnet „XIII“, verso mit der Werknummer „A-H 133“. 1.200€

Ein paar blaue Punkte oder Häkchen, mit breitem Faserstift in der Bildebene verteilt, werfen lange Schlagschatten nach links. Mit diesen einfachsten Mitteln konstruiert Antes effektvoll einen Bildraum. Anklänge an solch reduzierte räumliche Gestaltungen finden sich in der lithographischen Folge „Agamemnon“, entstanden seit 1971 bis 1976. Provenienz: Galerie Stangl, München

8140

horst antes

8141 Ohne Titel Collage mit Klebeband und Mischtechnik auf Velin. 1971. 32 x 24 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Antes“, datiert und bezeichnet „XII“, verso mit der Werknummer „A-H 141“. 1.200€

Nicht die gewohnten Kopffüßler, sondern eine Raumkonstruktion, die in ihrer Einfachheit und effektvollen Gestaltung verblüfft: eine Linie als Horizont im Weiß, ein paar Blöcke und Stäbe in der Ebene, die ihren Schatten werfen, die Farben beschränkt auf Braun, Rot und Blau, dazu der Bleistift. In der lithographischen Folge „Agamemnon“, entstanden seit 1971 bis 1976, finden sich ähnlich reduzierte räumliche Gestaltungen. Provenienz: Galerie Stangl, München

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8141


8142

horst antes

8142 „A 38“ Mischtechnik (Gouache, Farbstifte und Kohle) auf IngresBütten. 1962. 70,4 x 100 cm. Unten links mit Pinsel in Weiß signiert „antes“ und mit der Werknummer, verso nochmals signiert und datiert. 6.000€ Alles ist in Bewegung, scheint im Bildraum zu schweben. Kein gestalterisches Gesetz scheint die breiten, sicher hingeworfenen schwarzen Linien, die abstrakten Formen und fast-figurativen Elemente zu beherrschen. Dunkelheit und Dynamik bestimmen das Bild. In dieser kurzen und entscheidenden Schaffensphase beginnt Horst Antes ab ca. 1960 stufenweise damit, die für seine

künftige Arbeit charakteristische Figur des „Kopffüßlers“ zu entwickeln, und ein Dokument dieses Geburtsprozesses ist die abstrakt anmutende und doch bereits figürliche Elemente zeigende Komposition „A 38“. Als einer der Pioniere der gegenständlichen Malerei suchte Horst Antes, sich von der informellen Nachkriegsmalerei fortentwickelnd, nach neuen Möglichkeiten der figurativen Malerei. Willem de Kooning, der informelle und figürliche Elemente verknüpfte, war ihm hierbei ein Anreger. So ist Antes ein Mitbegründer der neuen figurativen Malerei in Deutschland. 1962, im Entstehungsjahr von „A 38“, hielt Antes sich in Florenz in der Villa Romana auf. Expressive, großformatige Papierarbeit aus dem gesuchten und bedeutenden Frühwerk des Künstlers. 137


8143

salvador dalí

(1904–1989, Figueras)

8143 Poseidon Radierung mit Kaltnadel und Lichtdruck auf Arches-Velin. 1963-65. 60,5 x 49,5 cm (76,2 x 56,5 cm) Signiert „Dalí“ und bezeichnet „E.(preuve d.) A(rtiste)“. Michler/Löpsinger 119 e. 900€

Aus der Folge „Mythologie“, erschienen bei Pierre Argillet. Eines der 14 EA-Exemplare des Druckes „Poseidon“ auf Arches-Velin. Ausgezeichneter Druck mit dem vollen Rand, rechts und links mit dem Schöpfrand.

138


salvador dalí

8144 Leda Radierung mit Kaltnadel und Lichtdruck auf Arches-Velin. 1964. 50,8 x 41,5 cm (66,5 x 50 cm). Signiert „Dalí“. Auflage 150 num. Ex. Michler/Löpsinger 126 a (von e). 900€

Aus der Folge „Mythologie“, erschienen bei Pierre Argillet in einer Gesamtauflage von ca. 170 Exemplaren. Ausgezeichneter Druck mit breitem Rand, oben und unten mit dem Schöpfrand.

8144

salvador dalí

8145 Espejo Vivo (Lebender Spiegel) Kaltnadel auf Piera-Velin. 1973. 64,5 x 50 cm (77,5 x 57,5). Signiert „Dalí“. Auflage 75 num. Ex. Michler/Löpsinger 579 b (von e). 1.000€

Erschienen bei der Galerie Spectra, in einer Gesamtauflage von 300 Exemplaren, von denen 75 auf Piera-Velin herausgegeben worden sind. Ausgezeichneter Druck mit dem vollen Schöpfrand.

8145 139


8146

rainer küchenmeister

(1926 Ahlen/Westfalen – 2010 Paris)

8146 Ohne Titel Öl auf Novopan. 1964. 120 x 110 cm. Verso oben links mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „R.K.“ sowie mittig datiert, unten weitere gelöschte Datierung und mit Richtungspfeil. 2.000€

Herrlich charakteristische Komposition Küchenmeisters: Ein rötlich schimmerndes Auge ist in dem dicken Farbauftrag mit feinster Schärfe plastisch herausgearbeitet und kennzeichnet die abstraktorganische Form als Figur. So sehen wir also ein gespensterhaf­tes Wesen, rätselhaft von einem schräg-senkrechten Ornament­ band durchzogen, streng, zurückgenommen und zugleich hoch­ lebendig.

140

Küchenmeister wendet sich jenseits des arrivierten Informel und Action Painting dem Dialog mit der Figur zu und zählt so mit seinen Arbeiten zu den Protagonisten einer neuen figurativen Richtung in der Kunst der 1960er Jahre. 1961 gelang ihm nach seinen Studien in Bielefeld und an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee der Durchbruch in der westdeutschen und der französischen Kunstszene. 1964 wurden seine Arbeiten auf der documenta III in Kassel in der Abteilung Malerei gezeigt. Provenienz: Galerie Stangl, München (mit deren Klebeetikett verso, dort typographisch bezeichnet) Ausstellung: Kunstverein Düsseldorf 1980/81, Kat.-Nr. 22


8147

rainer küchenmeister

8147 Letzter Gruß an Liat Mischtechnik auf Novopan. 1980. 118 x 82,5 cm. Verso mit Kreide in Blau signiert „RAINER KÜCHENMEISTER“ und datiert sowie bezeichnet „M“. 2.000€ Die Phantasieformen lassen figurative wie erotische Assoziationen zu. Sie stehen im Zentrum der Komposition und lassen in ihrer reliefhaften Durchformung verschiedene übereinanderliegende Farbschichten erkennen. Die obenauf liegenden hellen Farbnuancen von Weiß, Rosa und Grau ebenso wie die fein differenzierte Binnengestaltung heben die organische Form vom schwarz-dunklen Untergrund ab. Es geht Küchenmeister mit seinen figurenartigen

Darstellungen nicht um ein naturgetreues Abbild, sondern vielmehr um eine Gestaltsuche in verschlüsselter, stark abstrahierter Form. Eher aus der inneren Imagination als aus der Erfahrung äußerer Realitätseinflüsse entsprungen, treten seine freien Figurationen als isolierte Phantasieformen in Erscheinung, als ebenso fremdartige wie faszinierende Gestalten. Erst spät, im Jahr 1994, wurde Rainer Küchenmeister in einer Ausstellung über die Rote Kapelle in Karlsruhe als Mitstreiter genannt - zur großen Überraschung der Kunstwelt. Provenienz: Galerie Stangl, München (mit deren Klebeetikett verso, dort typographisch bezeichnet) 141


8148

rainer küchenmeister

8148 Ohne Titel Pinsel in Schwarz und Bleistift auf Velin. 1964. 39,2 x 29,4 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz monogrammiert „R.K“ und datiert. 400€

Die frühe Zeichnung mit ihrem symbolischen Charakter scheint wie von einer magischen Kraft erfüllt und lässt die Deutung ganz dem Betrachter, der aufgerufen ist, sie mit Leben zu erfüllen. Küchenmeister feierte in ebendiesem Jahr, 1964, seinen internationalen Durchbruch auf der Documenta III in Kassel.

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rainer küchenmeister

8149 „RK 13.VI.64 P“ Aquarell, Gouache und Feder in Schwarz auf Velin. 1964. 29,5 x 27,3 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz monogrammiert „R.K.“ und datiert bzw. betitelt. 400€

Eine einzelne Figur, nach links gewandt, erhebt sich mitten auf dem weiß belassenen Papier. Unverbunden steht sie allein in dem undefinierten Umraum, und so muss sie ganz auf sich selbst bezogen bleiben. „Immer aber sind die Aquarelle Zeugnisse eines virtuosen Umgangs mit der Wasserfarbe (...). Alles, was dieser Mann hervorbringt, ist nahezu ausschließlich ein Monolog oder besser ein Dialog mit sich selbst, mit dem in ihm Eingeschlossenen.“ (Herbert Pée, in: Rainer Küchenmeister, Ausst.-Kat. Karl & Faber, München 1992, S. 3). Provenienz: Galerie Stangl, München (mit deren Stempel und dem Klebeetikett auf der Rahmenrückseite, dort typographisch bezeichnet)

8149

rainer küchenmeister

8150 „29.VI.71 P“ Aquarell, Gouache, Deckweiß, Feder in Schwarz und in Gold auf Velin. 1971. 36,5 x 28,3 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz datiert bzw. betitelt. 400€

Wie ein Knochen steht die organische Form im Zentrum der Komposition, die untere Hälfte umgeben von einem schräg-eckigen Kasten. In ihrer Mitte umschließt sie ein schwarzes, haarig wirkendes Knäuel, innen türkis-rosa schimmernd und außen umsponnen von zauberischen goldenen Fäden. Feinnervig schwingende Linien, Punkt- und Strichfelder bilden ein Spannungsfeld von höchster Sensibilität und Intensität.

8150

Ausstellung: Rainer Küchenmeister, Werke 1960-1980, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf 1980, Kat.-Nr. 72 Rainer Küchenmeister, Werke 1961-1985 (ehem. Galerie Stangl), Karl & Faber, München 1992, Kat.-Nr. 119 (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite) 143


milan knizak

(1940 Pilsen, lebt in Prag)

8151 „Destroyed Music“ Langspielplatte, zerkratzt, angeschmolzen und mit roter Farbe. Auf Plexiglasscheibe geschraubt. 1963-79. 33 x 33 cm. Verso auf der LP mit Kugelschreiber signiert „Milan Knizak“, datiert und betitelt. 700€

Der tschechische Aktionskünstler und Musiker Knizak organisierte die ersten Fluxus-Aktionen in Tschechien. George Maciunas ernannte ihn 1965 zum „Direktor von Fluxus-Ost“. Seine „destruierte Musik“ entstand seit 1964, durch Überkleben, Übermalen und mechanisches Bearbeiten von Schallplatten, und aus Teilen verschiedener, etwa mit Feuer angeschmorter oder zersägter Platten stellte er abspielbare Schallplattencollagen her. Hier ist es eine LP der Sängerin Gitte, die Knizak deformiert. Ausstellung: Die Kunst zu sammeln, Stiftung Museum Kunstpalast Düsseldorf 2007, mit deren Klebeetikett verso auf dem Plexiglas

8151

otto piene

(1928 Laasphe/Westfalen – 2014 Berlin)

8152 Halbe Rose Farbserigraphie auf Velin. 1965. Ca. 50 x 56 cm (50 x 65 cm). Signiert „OPiene“ (ligiert) und datiert. Auflage 30 num. Ex. Rottloff 15. 600€

8152 144

Abweichend von den Angaben bei Rottloff auf 1965 datiert (dort: 1964/65). Die kleine Auflage erschien beim Verlag der Edition Rottloff Karlsruhe. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand. Sehr selten. Provenienz: Galerie Rottloff, Karlsruhe


8153

otto piene

8153 Halbe Rose Farbserigraphie auf Velin. 1965. 32 x 65 cm (50 x 65 cm). Signiert „Piene“, datiert und bezeichnet „épreuve d’artiste“. Rottloff 7/4. 800€

Die Auflage erschien in Pienes früher Siebdruckfolge „Rose oder Stern“. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand. Äußerst selten. Provenienz: Galerie Rottloff, Karlsruhe

8154 Tele-schwarz-weiß Serigraphie auf festem Velin. 1970. 38 x 38 cm (65 x 50 cm). Signiert „Piene“ und datiert. Auflage 10 num. Ex. Vgl. Rottloff 77. 800€

Rottloff notiert eine farblich abweichende Auflage in Rot und Schwarz; die schwarz-weiße Variante, erschienen in sehr kleiner Auflage, ist äußerst selten. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand. Provenienz: Galerie Rottloff, Karlsruhe

8154 145


8155

otto piene

8155 Butterfly red Farbserigraphie auf Karton. 1971/72. 88,3 x 125,7 cm. Signiert „Piene“ und datiert. Auflage 28 num. Ex. Nicht bei Rottloff. 1.500€

Ganz prachtvoller, wunderbar farbintensiver Druck der formatfüllenden Komposition, in kleiner Auflage erschienen. Äußerst selten.

146


otto piene

8156 Addis Abeba rot-grün-blau-schwarz Farbserigraphie auf starkem Karton. 1972. 144 x 95,8 cm. Signiert „OPiene“ (ligiert) und datiert. Auflage 90 num. Ex. Rottloff 152. 1.200€

Aus der 10-teiligen Serie „Addis Abeba“, herausgegeben von der Edition Merian, Krefeld. Prachtvoller Druck der blattfüllenden, großformatigen Komposition.

8156

otto piene

8157 Addis Abeba blau-silber Farbserigraphie auf starkem Karton. 1972. 146,5 x 96,5 cm. Signiert „OPiene“ (ligiert) und datiert. Auflage 90 num. Ex. Rottloff 154. 1.500€

8157

Aus der 10-teiligen Serie „Addis Abeba“, herausgegeben von der Edition Merian, Krefeld. Prachtvoller Druck der blattfüllenden, großformatigen Komposition. 147


8158

otto piene

8159

8158 Silver eye silver Farbserigraphie auf Velinkarton. 1977. 89,8 x 90 cm (Blattgröße). Signiert „OPiene“ (ligiert) und datiert. Auflage 46 num. Ex. Nicht mehr bei Rottloff.

8159 Red eye red Farbserigraphie auf Velinkarton. 1977. 80 x 90 cm (Blattgröße). Signiert „OPiene“ (ligiert) und datiert. Auflage 46 num. Ex. Nicht mehr bei Rottloff.

Gedruckt und herausgegeben von der Galerie Rottloff, Karlsruhe. Prachtvoller, herrlich differenzierter und effektvoller Druck der formatfüllenden Komposition. Selten.

Gedruckt und herausgegeben von der Galerie Rottloff, Karlsruhe. Prachtvoller, herrlich differenzierter Druck der formatfüllenden Komposition in leuchtender Farbigkeit. Selten.

1.500€

148

1.500€


8160

otto piene

8160 Zwei kleine Löcher gebrannt Farbiger Reliefsiebdruck auf leichtem Karton. 2013. Ca. 47 x 40 cm (57 x 40 cm). Signiert „OPiene“ (ligiert) und datiert. Auflage 100 num. Ex. 1.200€

Piene experimentierte mit Farbe und Pinsel, mit neuen Materialien und den Naturelementen Erde, Wind, Feuer, Luft, mit Energie, Licht und Bewegung. So ist Pienes Kunst als ein energetisches Phänomen zu betrachten, das das Verhältnis von Mensch und Natur reharmonisieren sollte. Prachtvoller Druck der nahezu formatfüllenden Darstellung mit wunderbarer Reliefwirkung der Farbtexturen, mit dem vollen Rand und den kleinen gebrannten Löchern. 149


8161

piero dorazio

(1927 Rom – 2005 Perugia)

8161 Linienkomposition Farblithographie auf CM Fabriano-Velin. 1965. 43,5 x 63,2 cm (56 x 76 cm). Signiert „PIERO DORAZIO“ und datiert. Auflage 300 num. Ex. 600€

Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand, die Farben wunderbar kräftig und frisch. Beigegeben: Eine Radierung von Friedrich Meckseper und zwei Farblithographien von Pol Bury sowie von einem anonymen Künstler.

150


sonia delaunay

(1885 Gradizsk/Ukraine – 1979 Paris)

8162 Grande Icône Farbaquatinta auf Velin. 1965-70. 69 x 49,5 cm (90,3 x 62 cm, Rahmenausschnitt). Signiert „Sonia Delaunay“ und gewidmet sowie bezeichnet als Exemplar „H.(ors)C.(ommerce)“. Auflage 25 röm. num. Ex. 1.800€

Erschienen in einer Gesamtauflage von 175 Exemplaren, herausgegeben von Lahumière Editions, gedruckt bei AIAP, mit deren Blindstempel unten links und mit einer Widmung der Künstlerin an Dunbar Marschall-Malagola. Ausgezeichneter Druck mit breitem Rand.

8162

sonia delaunay

8163 Olympie Farblithographie auf Velin. 1970. 49,5 x 39,7 cm (66 x 50,5 cm). Signiert „Sonia Delaunay“ und datiert sowie bezeichnet „E. C.“. 1.800€ 8163

Erschienen neben einer Gesamtauflage von 75 Exemplaren. Prachtvoller Druck mit breitem Rand. 151


8164

pablo picasso

(1881 Málaga – 1973 Mougins)

8164 Modèle et Peintre chauve Kaltnadel auf BFK Rives-Velin. 1966/68. 27,6 x 38,6 cm (42 x 50 cm). Signiert „Picasso“. Auflage 50 num. Ex. Baer 1395 B.b.1 (von 2). 3.500€

Aus der Edition der Galerie Louise Leiris, erschienen 1968 in einer Gesamtauflage von 65 Exemplaren. Gedruckt bei Crommelynck. Ausgezeichneter, kräftiger Druck mit breitem Rand, unten mit dem Schöpfrand.

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8165

pablo picasso

8165 Modèle avec Peintre au second Plan Aquatinta und Kaltnadel auf BFK Rives-Velin. 1966/68. 27,5 x 38,6 cm (42 x 50,2 cm). Signiert „Picasso“. Auflage 50 num. Ex. Baer 1397 B.b.1 (von 2). 3.500€

Aus der Edition der Galerie Louise Leiris, erschienen 1968 in einer Gesamtauflage von 65 Exemplaren. Gedruckt bei Crommelynck. Ausgezeichneter, kräftiger Druck mit breitem Rand. 153


8166

pablo picasso

8166 Déménagement, ou Charrette révolutionnaire Radierung mit Aquatinta auf Velin. 1968. 28,2 x 38,8 cm (45,5 x 54,5 cm). Signiert „Picasso“. Auflage 50 num. Ex. Baer 1693 II B.b.1. (von c). 4.000€

Druck des zweiten, ausformulierten und endgültigen Zustandes mit den zwei zusätzlichen Figuren der Frau mit dem Hut und des Musketiers in der Mitte. Aus der Auflage der „357 Gravures“ bei der Galerie Louise Leiris, erschienen 1969 in Höhe von 67 Exemplaren. Ganz prachtvoller, tiefdunkler und wunderbar klarer Druck mit dem vollen Rand, unten mit dem Schöpfrand.

8167 Degas et deux Filles, dont une en cours de Transformation en Oeuvre d‘Art Radierung auf festem Velin. 1971. 23 x 30,5 cm (36,5 x 45 cm). Mit dem Signaturstempel „Picasso“. Auflage 50 num. Ex. Baer 1949 B.a (von c). 3.500€

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Aus der kleinen Auflage von 50 Exemplaren auf Rives, die alle vom Herausgeber mit dem Signaturstempel Picassos versehen wurden. Vor 1975 entstanden lediglich 68 numerierte Exemplare, zudem drei Drucke von der unverstählten Platte, vor der späteren, 1978 gedruckten Edition bei der Galerie Louise Leiris. Ganz prachtvoller, wunderbar klarer Druck mit ganz zartem Plattenton und dem wohl vollen, breiten Rand, rechts mit dem Schöpfrand.

8168 Femme au lit avec visiteurs en costume du XVIIe siècle Radierung auf Velin. 1971. 36,5 x 48,8 cm (50 x 64 cm). Mit der Stempelsignatur „Picasso“. Auflage 50 num. Ex. Bloch 1956, Baer 1965 B.a (von c). 2.400€

Herausgegeben zwischen 1975 und 1977 von der Galerie Louise Leiris, Paris, gedruckt bei Crommelynck, Paris, in einer Gesamtauf­ lage von 68 Exemplaren. Prachtvoller, klarer und kräftiger Druck mit breitem Rand.


8167

8168 155


8169

holmead

(d.i. Clifford Holmead Phillips, 1889 Shippensburg/Pennsylvania – 1975 Brüssel)

8169 Dame mit rotem Kleid Öl auf Leinwand, ganzflächig vom Künstler auf Sperrholz kaschiert. 1970. 76 x 61 cm. Unten links mit Pinsel in Rot signiert „Holmead“, unten rechts mit Pinsel in Blau datiert und bezeichnet „HP“, verso mit Faserstift in Schwarz nochmals signiert und datiert sowie mit der Werknummer „70/19“. 5.000€ 156

Bei den meisten von Holmeads späten Bildnissen handelt es sich um „visionäre Porträts“, die zwar einen mit individuellen Zügen ausgestatteten Menschen zeigen, jedoch ohne dabei auf eine bestimmte, wirklich existierende Person zurückzugehen. „In den Jahren 1970, 71 und 1972 malt er nahezu nichts anderes als Köpfe. (...) Auf einem Notizzettel Holmeads heißt es von seinen Porträts: ‚Es sind Charakterstudien von wirklichen Menschen in einer stenographischen Malweise.‘“ und „Nichts war ihm mehr zuwider als täuschende Beschönigungen. So sind alle seine ‚Köpfe‘ anschauliche Enthüllungen der menschlichen Natur....“ (Rainer Zimmermann, in: Holmead - Leben und Werk, Stuttgart 1987, S. 139, 143). Auch bei unserem Bild einer sitzenden Dame im rotem Kleid mit dunklem Pelzkragen wird es sich wohl um ein solches „Menschenbildnis“, ein Produkt aus Holmeads Phantasie, handeln.


8170

holmead

8170 Stockholm Öl auf Leinwand, ganzflächig vom Künstler auf Sperrholz kaschiert. 1966. 40 x 50,5 cm. Unten links mit Pinsel in Rot signiert „Holmead“, unten rechts mit Pinsel in Blau datiert und bezeichnet „HP“, verso mit Stift in Schwarz nochmals signiert und datiert sowie betitelt und mit der Werknummer „66/1505“. 2.500€

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8171

holmead

8171 Mann mit weißem Haar Öl auf Leinwand. 1971. 66,5 x 56,5 cm. Unten links mit Pinsel in Rot signiert „Holmead“, unten rechts mit Pinsel in Blau datiert und bezeichnet „HP“, verso mit Faserstift in Schwarz auf dem Keilrahmen nochmals signiert und datiert sowie mit der Werknummer „71/3“, auf der Leinwand signiert und datiert und wohl alt betitelt „Lady with a Rose“. 5.000€ In ihrer schematisch reduzierten, vereinfachten Darstellungsweise der menschlichen Physiognomie hatten die Bildnisse Holmeads für

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viele Betrachter durchaus etwas Verstörendes, Provozierendes inne. Emile Kesteman, ein Freund Holmeads, bemerkt zu den Werken: „Das Menschliche ist auf eine schreckliche Weise gegenwärtig in diesen Gesichtern Holmeads, die buchstäblich an zwei forschenden Augen festgeheftet sind; schmerzhafte Gesichter, die den Untergrund des menschlichen Leidens freilegen (...) Gesichter, die vom Leben und vom Spachtel des Künstlers geschlagen wurden.“ (zit. nach: R. Zimmermann, Holmead - Leben und Werk, Stuttgart 1987, S. 145). Das vorliegende Bildnis eines Mannes ist wohl vom Künstler über ein deutlich älteres, eigenhändiges Werk gemalt worden die Leinwand ist rückseitig mit „Lady with a Rose“ betitelt und auf (19)48 datiert.


8172

holmead

8172 Küstenstadt Öl auf Leinwand, ganzflächig vom Künstler auf Sperrholz kaschiert. 1970. 61 x 76 cm. Unten links mit Pinsel in Rot signiert „Holmead“, unten rechts mit Pinsel in Blau datiert und bezeichnet „HP“, verso mit Faserstift in Schwarz nochmals signiert und datiert und bezeichnet sowie mit der Werknummer „70/63“. 4.500€ Ab etwa 1967 konzentrierte sich Holmead für einige Jahre fast ausschließlich auf die Darstellung von „Stadtlandschaften“. Mit

schnellen, breiten Pinselstrichen brachte er Bauwerke, Brücken, Hafenbecken und ganze Häusergruppen auf seine Leinwände. Während er sich zuvor noch der Darstellung von Naturlandschaften gewidmet hatte, begeisterte er sich nun für die Beschäftigung mit einer Welt, deren Schöpfer der Mensch ist. „Wie die Landschaft eine ‚Seelenlandschaft‘ wurde und ihre Elemente zu Chiffren der Wirklichkeit, in der das Objekt plötzlich mit dem Subjekt des Malers identisch schien, so entsteht nun auch bei der Wiedergabe menschlicher Bauwerke auf der Leinwand etwas anderes, ein Drittes, das nicht die Welt ist und nicht der Maler, sondern eine mit den Sinnen wahrnehmbare Einheit aus beiden.“ (Rainer Zimmermann, in: Holmead - Leben und Werk, Stuttgart 1987, S. 130, 133). 159


victor vasarely

(1908 Fünfkirchen – 1997 Paris)

8173 Sir-ris négatif Multiple. Siebdruck auf Aluminium, auf Holzwürfel, mit Kunststoffsockel. 1966. 17 x 17 x 17 cm. 1.200€

Das Quadrat dient Vasarely immer wieder als funktionales Element und als Ausgangspunkt für seine künstlerischen Experimente mit optischen Effekten. Das Multiple basiert optisch auf den zweidimensionalen „Si-ris“ Arbeiten auf Leinwand, die ebenfalls in den 1950er und 1960er Jahren entstehen. Herausgegeben im Jahr 1967 von der Galerie Denise René, Paris. Literatur: Vgl. Werner Spies, Victor Vasarely, Köln 1971, S.149, (anderes Exemplar)

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8174

8174

zoran radović

(1940 Kraljevo, lebt in Berlin)

8174 Ornamentographien 10 Ornamentographien auf glänzend beschichtetem Velin. 1967. Je 65 x 50 cm (Blattmaß). Sämtlich signiert „Zoran Radović“, datiert, unleserlich bezeichnet und mit den Werknummern, 1 Blatt gewidmet. 1.200€

Aus einer Werkreihe von mechanischen Zeichnungen. Zoran Radović studierte Mathematik und Elektrotechnik an der Universität Belgrad. 1966 führte er erstmals öffentlich seine durch ihn entwickelte „Zeichenmaschine“, den sogenannten Ornamentographen mit Pendeln vor. Wenige Jahre später entwickelte er seine Methoden weiter und schuf zunächst einen elektronischen und später einen Laser-Ornamentographen. 1972 ging er als Stipendiat des DAAD-Künstlerprogramms nach Berlin, wo er seither lebt. Bei seinen Arbeiten, welche fast wie gedruckte Computerkunst anmuten, handelt es sich um Unikate, die an die Werke der Op-ArtBewegung der 1960er Jahre denken lassen. 161


8175

peter kuckei

(1938 Husum, lebt in Butjadingen)

8175 „... oberlethe“ Öl auf Leinwand. 1967. 96 x 86 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Kuckei“ und datiert, verso nochmals signiert, datiert und betitelt. 1.000€

Kuckei spielt mit der Textur der Farben und mit der Struktur der Leinwand und bezieht beides gestalterisch in seine tachistische Komposition ein. Mit seinen expressiven Farbkontrasten von Weiß, Blau und Rot lässt das großformatige Gemälde an nordische Wetterphänome denken. Kuckeis abstrakte, dynamische Arbeiten sind stets dem tachistischen Expressionismus verpflichtet geblieben. Er thematisiert häufig das Meer seiner norddeutschen Heimat

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und bezeichnet seine Arbeiten selbst als Ablagerungen, Formen und Zeichen, die sich durch Ebbe und Flut hervorgerufen und im Sand sowie Schlick finden. Peter Kuckei studierte ab 1960 an der Akademie der Künste in Bremen, dann an der Akademie der Künste in Stuttgart bei Heinrich Wildemann, der ihn an die abstrakte Malerei heranführte, und siedelte 1963 nach Berlin über, wo er sich Fred Thieler und dessen informeller Kunst anschloss. Kuckei lehrte selbst später an der Akademie der Künste Stuttgart und unterhielt Ateliers in San Francisco und Miami. Ausstellung: Galerie Groh, Oldenburg (mit deren Klebeetikett verso auf dem Keilrahmen) Edition Galerie Howeg, Zürich (mit deren Klebeetikett verso auf dem Keilrahmen, dort bezeichnet, datiert und betitelt)


8176 8176

8176

peter kuckei

8176 Kompositionen in Weiß und Blau 3 Gemälde. Öl auf Leinwand. 1981/1983/1985. Je ca. 21 x 22 cm. Jeweils verso auf der Leinwand signiert „(Peter) Kuckei“ und datiert, 1 Arbeit verso bezeichnet „Eckwarder Mühle“ und „WZ 091“, 2 Arbeiten rückseitig mit den Nummern „312“ bzw. „#369“ sowie mit Etikett, dort zusätzlich betitelt „...zubuchtblau“ bzw. „...stadtblau“. 600€

Zahlreiche Bilder Kuckeis tragen die Ortsbezeichnung „Eckwarder Mühle“, gelegen bei Wilhelmshaven.

8177 „...auch Nacht für Gerardo Diego“ Öl auf Leinwand. 1984. 38,5 x 40,5 cm. Verso mit Filzstift in Schwarz auf der Leinwand signiert „Peter Kuckei“, datiert sowie bezeichnet „Eckwarder Mühle“, auf dem Keilrahmen betitelt und bezeichnet „#351“. 500€

Mit dem spanischen Schriftsteller Gerardo Diego (1896-1987) verband Peter Kuckei 1964 die Zusammenarbeit an einem zweisprachigen Gedichtband, der im Verlag studio neue literatur, Berlin, erschien und für die er Illustrationen schuf.

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günther uecker

(1930 Wendorf/Mecklenburg, lebt in Düsseldorf und Berlin)

8178 Do it yourself Objekt. Fichtenholzplatte, 2 Metallnägel und Hammer. 1969. 34,3 x 16,5 x 7,5 cm. Auf dem Holzbrett unten rechts mit Bleistift signiert „Uecker“, verso mit dem Verlagsstempel. Schmieder V 38. 600€

Wohl unlimitierte Auflage, herausgegeben von der Edition ViceVersand, Wolfgang Feelisch, Remscheid. Die Holzplatte verso mit originaler Aufhängung. Mit dem originalen 300-Gramm-Hammer ausgestattet, zudem verso gestempelt „Günther Uecker / Do it yourself / Vice-Verlag Remscheid“.

8179 Nagel Moskau Multiple. Stahlnagel, in Holzkubus montiert. 1988. 26 x 1,7 cm. Seitlich mit der Stempelsignatur „Uecker“, datiert und bezeichnet „Moskau“. 1.500€ 8178

Multiple aus einer unlimitierten Auflage, erschienen anlässlich der großen Uecker-Ausstellung in Moskau 1988. Ausgezeichnetes Exemplar. Beigegeben: Ausstellungskatalog „Uecker in Moskau“, Zentrales Künstlerhaus am Krimwall, Moskau 1988, auf dem Frontispiz vom Künstler signiert.

8180 Davidstern Prägedruck auf schwerem, handgeschöpftem Velin. 1995. 82 x 62,5 cm (100,5 x 70,5 cm). Signiert „Uecker“ und datiert. Auflage 30 num. Ex. 12.000€

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Klar zeichnender Prägedruck, der seine besondere Form durch den zentral im Bild stehenden und von Nägeln überkreuzten Davidstern erhält. Durch die Ausrichtung der Nägel entsteht eine lebhafte, nahezu dramatische Wechselwirkung von Licht und Schatten. Günther Uecker studierte 1949-1953 Malerei in Wismar und an der Kunstschule in Berlin-Weißensee, anschließend an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Otto Pankok. Später unterrichtete er selbst 1975-1995 in Düsseldorf. Seit Ende der 1950er Jahre entstanden seine typischen Nagelbilder - die Reliefs aus dynamisch ausgerichteten Nägeln in der Farbe Weiß wurden zu Ueckers Markenzeichen. 1961 schloss er sich Otto Piene und Heinz Mack in der avantgardistischen Künstlergruppe ZERO an.


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volkmar haase (1930–2012, Berlin)

8181 Offenes Dreieck Stahl, poliert, auf Holzsockel. 1967/68. 21,2 x 15,5 x 8 cm. 700€

Die große Variante der Skulptur befindet sich im Skulpturengarten der Sammlung Dr. Hans Koenig, Zollikon. Eine erste Fassung des Offenen Dreiecks entstand 1967, 60 cm hoch. Haase komponierte eine ganze Reihe von Dreiecken zu einer energievollen, in den Raum ausstrahlenden, aber doch in sich geschlossenen räumlichen Form. Durch die geöffnete Mitte wirkt die Skulptur zeichenhaft. Ausgezeichneter Guss. Gesamthöhe mit Sockel: 25,5 cm.

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volkmar haase

8182 Thetis (Woge vertikal) Bronze mit grüner Patina auf Marmorsockel. 46,5 x 32,7 x 10 cm. An der Unterseite signiert „HAASE“ und mit dem Gießerstempel „GUSS NOACK“. Auflage 10 num. Ex. 1.000€

Unsere schlanke, geschwungene Bronze ist der Meeresnymphe Thetis, der Schönsten der Nereiden, gewidmet. Wir sehen sie hier in eine Woge verwandelt. Peleus, der ihr zum Gemahl bestimmte Sterbliche, überraschte Thetis schlafend in einer Grotte, packte sie und ließ sie nicht mehr los. Nun versuchte sie, sich ihm durch Verwandlungen in verschiedene Gestalten zu entziehen: Sie wurde zu Feuer und zu Wasser, zu einem Löwen, einer Schlange, einem Tintenfisch. Peleus aber, verbrannt, durchnässt, zerkratzt, gebissen und mit Tinte bespritzt, hielt sie weiter fest und blieb Sieger dieses Ringkampfes. In seinen Arbeiten befasste sich Haase, neben den grundlegenden Themen der abstrakten Kunst, insbesondere mit Themen der griechischen Mythologie, und das Wogenthema beschäftigte Haase in den 1990er Jahren besonders intensiv. Prachtvoller Guss mit schöner, ebenmäßiger Patina. Gesamthöhe mit Sockel: 56,5 cm. 167


8183

kuno gonschior

(1935 Wanne-Eickel – 2010 Bochum)

8183 Ohne Titel (Orange über Blau und Grün auf Braun) Leuchtfarbe und Acryl auf gefaltetem, bräunlichen Velin. Wohl 1960er/70er Jahre. 49,5 x 32,5 cm. 2.500€

Wieder bildet der Punkt die Grundlage für Gonschiors Komposition. In unzähliger Fülle nebeneinander platziert, erzeugen die luminösen Farbpunkte auf der Netzhaut des menschlichen Auges bereits nach kurzem Hinsehen irritierende Nachbilder und werden so zu einer visuellen Herausforderung. Die Seherfahrung des Betrachters wird bewusst gereizt, sogar bis an eine Schmerzgrenze geführt. Provenienz: Atelier des Künstlers

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8184

kuno gonschior

8184 Ohne Titel Leuchtfarbe auf Pressholz. 1971. 35 x 27,2 cm. Verso mit Faserstift in Rot signiert „Kuno Gonschior“ sowie „Gonschior“, datiert und teils unleserlich bezeichnet „.../ VIO-BLAU (Streifen)“. 6.000€

In seinen aus Farbpunkten, -flecken und -tupfen aufgebauten Bildern erforscht Gonschior das Wesen, die Qualität und Substanz von Farbe: optisch, physikalisch, konzeptuell. Diese Farbflecken,

die immer wieder ihre Erscheinung ändern, sind bis heute Gegenstand und Markenzeichen seiner Bilder. Dabei konzentriert er sich auf die Phänomene der Wahrnehmung von Farbe - ihre Wirkung im Raum, ihre Wechselwirkung untereinander, ihre Komplementärkontraste. Zumeist malt er in Serien, deren Einzelbilder er nur bedingt ändert. Seine Werke erschaffen virtuelle Farbräume und sind dabei von mitreißender Vitalität. Provenienz: Direkt beim Künstler erworben 169


kuno gonschior

8185 Ohne Titel (Leuchthalbkugel) Leuchtfarben auf Holz, im Objektkasten. 9 cm Durchmesser Leuchtkugel (16 x 16 x 7,8 cm Objektkasten). Verso mit Bleistift signiert „Gonschior“. 12.000€ Ausgehend von der Op Art und der Konkreten Kunst werden für Gonschior ab Anfang der 1960er Jahre Farbe und ihre sinnliche Wirkung zentral in seinem Schaffen. Bald überführt er sein punktbestimmtes und farbwirkendes Gestaltungssystem auch auf dreidimensionale Objekte, wodurch sie nun auch eine räumliche Wirkung entfalten. Die Grenzen des planen Tafelbildes verlassend, werden pilzförmige Scheibenobjekte, Halb- oder Vollkugeln geschaffen. So entstehen mit der visuellen Wahrnehmung raffiniert spielende Arbeiten. Je nach Sehgewohnheit und den umgebenden Verhältnissen verändern sich die Objekte, geben so immer wieder neue Impulse, die zu einem unermüdlichen Weiterschauen anregen.

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8186

lucio fontana

wolfgang ludwig

8186 Concetto Spaziale Multiple. Kunststoffobjekt, mit beiliegendem Buch im Orig.-Karton. 1968. 30 x 30 x 2 cm. Ruhé/Rigo M-15.

8187 Kinematische Scheiben „KS 28“ und „KS 30“ 2 Serigraphien auf glattem Velinkarton. 1970. Je 49,7 x 49,7 cm. Beide Blätter signiert „Ludwig“, datiert und betitelt. Auflage 100 num. Ex.

(1899 Rosario/Argentinien – 1968 Comabbio/Varese)

2.000€

Herausgegeben von Achille Mauri, Mailand. Das dazugehörige Buch mit Fotografien von Ugo Mulas und zwei Gedichten von Nanni Balestrini liegt bei. Mit der berühmten Bilderserie „Concetto spaziale“, seinen geschlitzten Leinwänden, wurde der revolutionäre Künstler Lucio Fontana Ende der 1940er Jahre weltbekannt. Im Jahr 1949 entstanden bei dem Versuch, mittels polychromer Skulpturen und Mosaike die dritte räumliche Dimension in der abstrakten Kunst zu erreichen, seine ersten Werke mit Löchern (buchi). Fortan experimentierte Fontana mit Löchern, Perforationen und Einschnitten in Bildoberflächen, wie monochromen Leinwänden, und schuf somit eine Verbindung von Malerei und Skulptur.

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(1923 Mielesdorf/Thüringen – 2009 Berlin)

800€

In seiner Serie der Kinematischen Scheiben nutzt Ludwig den Moiré-Effekt, der das Auge durch ein sehr feines Muster stark irritiert. Zielsetzung des Künstlers war es, die Wahrnehmungsmechanismen des Betrachters zu stimulieren und dadurch den Prozess des Sehens erlebbar und bewusst kontrollierbar zu machen. Ganz ausgezeichnete, formatfüllende Drucke.


8187

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8188

8188

lothar quinte

(1923 Neisse – 2000 Wintzenbach/Elsass)

8188 Zet grau 2 Arbeiten, je Farbsiebdruck auf Leinwand. 1971. Je 95 x 55 cm. Verso jeweils signiert „Quinte“ und datiert. Auflage 22 röm. num. Ex. 1.200€

Zwei Variationen des Motivs, die dynamisch gefächerten Farbfelder in 15 unterschiedlichen Grautönen auf Leinwand gedruckt. Dass Quinte Schüler von HAP Grieshaber war, lässt diese konkrete Komposition des Künstlers aus seiner konstruktiven Periode kaum mehr

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erkennen. In den 1960er Jahren entstanden Quintes Fächer-, Schlitzund ZET-Bilder. „‘In der Malerei interessiert mich einzig und allein das optische Ereignis. Für meine Malerei bedeutet das, jedes Bild so zu konzipieren, dass es zum eindeutigen optischen Gegenstand wird - nichts daran auswechselbar und ohne Story‘ ... Es handelt sich also um eine bewusst ‚unliterarische‘ Kunst, ohne Idee hinter dem Bild, ohne Bezug auf Figurales oder Landschaftliches. Das wurde von Lothar Quinte in konsequenter, ja radikaler Form verwirklicht. Dadurch entfällt auch der Begriff der Abstraktion: ‚Ich abstrahiere nicht, ich schaffe absolute Kunst‘, sagte der Künstler.“ (Kei Müller-Jensen, Lothar Quinte - Das Frühwerk, Galerie Rottloff, Karlsruhe 2011, o. S.).


8189

ernst fuchs

(1930–2015, Wien)

8189 Jean Paul. Die Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei Titel, 18 Textseiten, 16 Federlithographien und 12 Radierungen, davon 6 mit Tonplatte, auf Arches-Velin. Die Suite in Orig.-Passepartouts, lose in Orig.-Leinenkassette mit Radierung auf dem Titel. 1971/72. 57 x 38,5 cm (Blattgröße).

Im Impressum und die 6 Radierungen der Suite jeweils signiert „Ernst Fuchs“. Auflage 180 num. Ex. Weis 166-176. 1.500€

Vollständiges Exemplar der Serie A5 mit der signierten Suite der Radierungen, erschienen im Propyläen Verlag, Berlin. Druck der Graphiken bei W. Fischer, Wien; Gesamtausstattung K. Weidemann, Stuttgart. Prachtvolle Drucke mit dem vollen Rand. 175


8190

alfred hrdlicka

friedensreich hundertwasser

8190 Wiener Blut 1 Doppelblatt Text und 16 Farbradierungen auf Arches-Velin. Lose in Orig.-Passepartouts in Orig.-Kartonkassette. 1973. 61,5 x 43 cm (Blattgröße). Die Radierungen jeweils signiert „AHrdlicka“. Auflage 250 num. Ex. Lewin 543-558.

8191 Kolumbus Regentag in Indien Farbserigraphie in 17 Farben mit Metallprägung in 5 Farben auf festem Schoeller-Stern-Velin. 1971/72. 46 x 59 cm (49,5 x 67,2 cm). Auflage 3000 num. Ex. Koschatzky 49.

(1928–2009, Wien)

1.800€

Eine „belehrende Bilderbuchwirkung“ versprach sich Hrdlicka von der Radierfolge. „Ich will keine Anti-Propaganda für mein ‚Wiener Blut‘ betreiben, aber das forciert Obszöne ist meist weniger persönlich als das unterschwellig Obszöne“ (A. Hrdlicka, Textblatt zur Kassette). Die komplette Folge von Radierungen, erschienen beim Propyläen Verlag, Berlin. Prachtvolle, kräftige Drucke mit dem vollen Rand.

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(d.i. Friedrich Stowasser, 1928 Wien – 2000 auf einer Schiffsfahrt im Pazifik)

1.500€

Blatt 6 des Portfolios „Look at it on a rainy day“. Die Serigraphie entstand nach einer gleichnamigen Mischtechnik vom Juli 1969 (Nr. 687). Im rechten Randbereich Prägestempel der Darstellung, drei japanische Prägestempel, Prägestempel der Signatur, drei Prägestempel vom Drucker (Diez Offizin) und Verleger (Ars Viva, Zürich). Prachtvoller Druck mit der für Hundertwasser charakteristischen leuchtenden Farbigkeit, mit vollem Rand.


8191

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friedensreich hundertwasser

8192 Die fünfte Augenwaage Farbserigraphie mit Metallprägung auf festem SchoellerStern-Velin. 1972. 44,6 x 58 cm (49,3 x 67,2 cm). Auflage 3000 num. Ex. Koschatzky 48. 1.500€

Blatt 1 des Portfolios „Look at it on a rainy day“. Gedruckt bei Dietz Offizin, Lengmoos/Bayern. Der Drucker Dietz erreichte mit diesen Blättern „eine Druckqualität erstaunlichster Art“ (Koschatzky S. 108). Herausgegeben von Ars Viva, Zürich 1971/72. Mit dem Prägestempel „Hundertwasser Regentag“ und drei japanischen Prägestempeln sowie mit den Prägestempeln von Drucker und Verleger. Kräftiger, farbfrischer Druck mit Rand.

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friedensreich hundertwasser

8193 „Fall in Cloud, Fall in Fog, Fall Out“ Multiple. 3 Farbserigraphien mit Metallprägung, jeweils auf Plexiglasscheibe in schwarzem Kunststoffrahmen. 1973-1979. 29,3 x 35 x 3,7 cm (Objektrahmen). Verso mit Lackstift in Weiß signiert „Hundertwasser“, datiert und mit Ortsangabe „Treviso/ 15. Gennaio 1979“. Auflage 999 num. Ex.

prozess. Der experimentelle Charakter in der komplexen Überlagerung der individuell bedruckten Plexiglasscheiben mit den schimmernden, charakteristischen Metallprägungen stand im Vordergrund des Konzepts. In mehreren Prozessen wurde die Wirkung der einzelnen Kompositionen austariert, ebenso die exakte Einfassung der Scheiben in einem gemeinsamen Rahmen. Hundertwasser fasste es zugleich als Chance auf, sich dem Gebiet der Malerei intensiver anzunähern. Herausgegeben von Gruener Janura AG, Glarus 1979, mit deren Stempel im Unterrand, Druck und Metallprägung Giuseppe Barbato, Venedig. Ganz ausgezeichnete, leuchtende und schimmernde Drucke.

Das dreidimensionale Multiple entstand in einer mehrjährigen Zusammenarbeit von Hundertwasser mit Alberto Della Vecchia in Venedig, und einem außerordentlich schwierigen Produktions-

Provenienz: 1981 Artes Verlag Edition Galerie, Rheda Wiedenbrück seitdem Berliner Privatbesitz

2.000€

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8194

friedensreich hundertwasser

8194 Stell Dich unter die Wiese es beginnt zu regnen Farbradierung mit Aquatinta auf Velin. 1976. 18 x 30 cm (37,8 x 53 cm). Signiert „Hundertwasser Friedensreich“, mit zwei japanischen Rotstempeln, datiert und mit der Ortsangabe „Wien“. Auflage 220 num. Ex. Koschatzky 69. 2.400€

110 Exemplare der Auflage wurden in Rot, die übrigen 110 in Blau gedruckt. Herausgegeben von der Gruener Janura AG, Glarus. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand.

8195 Window into the pond Farbradierung und Aquatinta auf Velin. 1978. 40 x 33 cm (66 x 50,3 cm). Signiert „Dunkelbunter Regentag“ und „Friedensreich“, datiert, gewidmet und mit zwei japanischen Rotstempeln. Auflage 280 num. Ex. Koschatzky 73. 2.000€

Das Exemplar der Farbvariante green blue, erschienen in einer Auflage von 130 Exemplaren neben den Varianten yellow brown und yellow blue, bildet ein Gegenstück zu den „Window out of the pond“ betitelten Auflagenteilen in den gelbtonigen Farbstellungen. Gedruckt bei Robert Finger, Wien, und verlegt von Gruener Janura AG, Glarus, mit deren beiden Stempeln unten rechts. Prachtvoller, farblich sehr schön differenzierter Druck mit dem vollen Rand, unten mit dem Schöpfrand.

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peter nagel

(1941 Kiel, lebt bei Kiel und in der Toskana)

8196 „Lauter Ballons II“ Eitempera und Kunstharz auf Leinwand. 1971. 200 x 175 cm. Verso mit Pinsel in Violett signiert „Peter Nagel“, datiert „Februar/März 1971“, betitelt sowie mit den Maß- und Materialangaben. Hoeppner Ö 112. 15.000€ Großformatige Hauptarbeit Nagels. Nach seinen Studien an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Carl Heinz Wienert, Karl Kluth und Johannes Geccelli gründete er 1965 mit Dieter Asmus, Nikolaus Störtenbecker und Dietmar Ullrich die Gruppe ZEBRA. In seinen Arbeiten scheint immer wieder eine spielerische Verfahrensweise durch. Peter Nagel, einer der führenden Vertreter des „Neuen Realismus“, entwickelt unter Verwendung media­ ler Bildwelten mit der Zebra-Gruppe „der mittlerweile erwachten Nachkriegsgesellschaft eine Art bundesdeutsche Version der US-

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amerikanischen Pop-Art: vielleicht nicht ganz so schrill, nicht ganz so radikal, sondern etwas softer in Formen und Motiven, aber eindrücklich“ (Frank Keil, Der Bilder-im-Bild-Maler, in: taz Nr. 12500, 27.3.2021). Er setzt Bekanntes in unbekannte Zusammenhänge und fordert den Betrachter dazu auf, Sachverhalte und Themen neu zu durchdenken. In einer beinahe fotografischen Malweise gibt er Kind (es ist Nagels Neffe Kai) und Ballons akkurat und detailgenau mit kräftigen Kontrasten und hoher Plastizität wieder, zeigt jedoch das Kleinkind aus extremer Untersicht beinahe grotesk verzerrt und in seiner spielerischen Bewegung wie eingefroren. Provenienz: Galerie van de Loo, München (auf dem Keilrahmen mit deren Etikett) Galerie d‘Eent, Amsterdam (auf dem Keilrahmen mit deren Etikett) Privatsammlung Niederlande Ketterer München, Auktion 12.12.2009, Lot 373 Privatsammlung Europa


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andy warhol

(1928 Pittsburgh/Pennsylvania – 1987 New York)

8197 Warhol und Christopher Makos Farbiges Polaroid. Um 1975. 7,9 x 7,9 cm (10,7 x 8,7 cm). Signiert „Andy Warhol“. 3.500€

Die Polaroid-Kamera war Warhols Medium der 1960er bis 1980er Jahre, das ihm in vordigitaler Zeit schnell authentische, unmittelbare Bilder lieferte. „Mit ihr fotografierte er jahrzehntelang mit der Besessenheit eines Paparazzi: Rockstars, Pornodarsteller, Schriftsteller, Politiker. Menschen, die er bewunderte (...) Mit hoher Kunst haben viele der Schnappschüsse nichts zu tun. Doch genau das macht ihren Charme aus. Die Ungezwungenheit der Bilder suggeriert eine intime Nähe zu einer Szene, die einst für den Normalbürger ziemlich unerreichbar war: Warhols elitärer Freundesklub aus skandalumwitterten Künstlern, Schauspielern, Außenseitern und schrägen New Yorker Promis, die sich in seinen Studios, der Factory, trafen.“ (Christoph Gunkel, Warhol- schnell und schmutzig, Spiegel.de, 06.08.2015, Zugriff 20.09.2021). Provenienz: Hermann Wünsche

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andy warhol

8198 Fiesta Pig Farbiges Polaroid. 1978/79. 9,3 x 7,3 cm (10,7 x 8,5 cm). Signiert „Andy Warhol“. 2.000€

Mehr als 90 Polaroids knipste Warhol vom „Fiesta Pig“, das so genannt wurde, weil das Schwein auf einigen der Fotos Cheerios von einem der bunten, modernen und von Warhol gerne in seiner Factory benutzten Fiestaware-Teller zu fressen scheint. Das Hausschwein namens „Baby Jane“ hatte Warhol von „Baby“ Jane Holzer, Schauspielerin, Model und Warhol-Superstar der 1970er Jahre, geschenkt bekommen.

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Provenienz: Hermann Wünsche


8199

andy warhol

8199 Willy Brandt Farbiges Polaroid. 1976. 9,3 x 7,3 cm (10,7 x 8,5 cm). Signiert „Andy Warhol“. 3.500€

Ein Februartag 1976. „Der New Yorker Popkünstler Andy Warhol war nach Bonn gekommen, um Fotos von Willy Brandt zu machen. Warhol wollte den ehemaligen deutschen Bundeskanzler in seine Siebdruck-Serie der ‚Superstar-Portraits‘ aufnehmen, in der schon Marylin Monroe und der ‚Große Vorsitzende‘ Mao Tsetung verewigt waren. Das Treffen hatte der Galerist Hermann Wünsche,

ein Freund des Künstlers, arrangiert (...) Der berühmte PopartKünstler zückte eine Polaroid-Kamera, taxierte mit Profiblick unterschiedliche Blickwinkel und schoss 26 Fotos: was den Mann vor ihm politisch bewegte, interessierte ihn weniger. Er sucht die Aura des Politstars. Brandt, ganz Staatsmann a.D., versuchte einen würdevollen Gesichtsausdruck. Die Zigarette in der Hand gab ihm die nötige Lässigkeit“ (Heike Mund, Der Popstar unter den Politikern - Willy Brandt und die Kunst, DW.com, Zugriff 20.09.2021). Provenienz: Hermann Wünsche 183


andy warhol

8200 Mildred Scheel Farbsiebdruck mit Diamantstaub auf Velin. 1980. 76,7 x 53,8 cm (77,5 x 54,5 cm). Signiert „Andy Warhol“ sowie von Mildred Scheel signiert, verso mit dem Copyrightstempel des Künstlers. Auflage 1000 num. Ex. Feldman/Schellmann 238. 3.500€

Mildred Scheel, die Ehefrau des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Walter Scheel, ließ das Blatt publizieren, um Spenden für die von ihr gegründete Krebshilfe zu sammeln. Bei vielen seiner Porträts nutzte Warhol als Bildquelle Pressefotografien, in diesem Fall hingegen diente dazu ein eigens als Vorlage aufgenommenes Foto. Warhol selber bezeichnete die Hollywood-Stars als „erbärmliche Gespenster ihrer Reproduktion“ und meinte, lediglich seine Reproduktionen besäßen eine Aura. Herausgegeben von der Deutschen Krebshilfe e.V., Köln, gedruckt von Rupert Jasen Smith, New York. Prachtvoller Druck mit blau und rot eingefärbtem, effektvoll glitzerndem Diamantstaub, an drei Seiten mit kleinem Rändchen.

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johannes grützke (1937–2017, Berlin)

8201 Lächelnder männlicher Akt Farbige Kreiden auf braunem Packpapier. 1976. 134,5 x 100 cm. Unten links mit Kreide in Schwarz monogrammiert „J.G.“ und datiert. 5.000€

Eine emotionale Bewegung ist es, die Grützke zu thematisieren scheint: eine stille, versunkene Freude. „‘Meine Bilder sind Ausdruck meiner persönlichen Erfahrungen (...) Gleichzeitig behaupte ich, dass meine Erfahrungen allgemeine Erfahrungen sind (...) Mit Hilfe eines Ausschnitts aus der Realität male ich die gesamte Realität‘. (...) Der Bildgegenstand wird als gestellt qualifiziert und ver­ anschaulicht so seine exemplarische Bedeutung.“ (E. Schenk zu

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Schweinsberg, Versuch zur Bildsprache von Johannes Grützke, in: Holeczek, S. 9). So wird die emotionale Bewegung, vorgeführt in einem beinahe übersteigerten Gefühlsausdruck und auch in einer leicht übersteigerten Plastizität, fast zu einer Inszenierung. Technisch virtuos modelliert Grützke den stehenden Mann mit nacktem Oberkörper mit seinen charakteristisch geschwungenen, einander überkreuzenden und überlagernden Schraffuren aus dem braunen Untergrund heraus. Neben Weiß und Schwarz benötigt er nur Rot und ein wenig Gelbgrün, um Körper und Gesicht mit Hilfe akzentuierter Schatten und Lichtreflexe, plastisch auszuformen. Die linke Körperhälfte vom Bildrand angeschnitten, beugt sich der Mann nach rechts gewandt und mit geschlossenen Augen lächelnd hinab: einfach nur ein Mann in seinem Dasein, ohne jedes Beiwerk, so dass alleine der emotionale Ausdruck die Darstellung bestimmt.


8202

johannes grützke

8202 Portrait Wowereit Öl auf Leinwand. 2005. 50 x 40 cm. Oben links mit Pinsel in Grau signiert „J.G.“ und datiert, rückseitig nochmals signiert „Johannes Grützke“ und datiert „7.12.2005“. 3.000€ In gewohnt ironischer und humorvoller Art und Weise führt Grützke den ehemaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit hier vor. Das Gemälde entstand im Dezember 2005 anlässlich der Veröffentlichung der damaligen Ausgabe der Künstler-B.Z. Für den darin enthaltenen Artikel mit Wowereits

„Jahres-Beichte“ malte Grützke ihn gleich zweimal: Einmal staatstragend und aufgeräumt, einmal - hier zu sehen - wie nach einer langen Nacht, mit schläfrigem Blick und roter Nase. Wowereit scheint dem Künstler diese amüsante Darstellung jedoch nicht nachgetragen zu haben - in seiner Ansprache zur Verleihung des Hannah-Höch-Preises an Grützke im Jahr 2012 fand er nur anerkennende Worte: „Wir würdigen ein Leben, das Kunst geworden ist, das Werk eines großen Berliner Künstlers, der ebenso Schriftsteller, Schauspieler, Musiker und Bühnenbildner ist. Johannes Grützke hat in einem eindrucksvollen Lebenswerk alle Bereiche der Bildenden Kunst bereichert, als Maler, Zeichner, Grafiker und Bildhauer Bleibendes geschaffen. Seine Betrachtung unserer Zeit ist eine ironische Reflexion unseres Lebens und Treibens.“ 187


8203

lotte laserstein

(1898 Preußisch-Holland – 1993 Kalmar/Schweden)

8203 Porträt Traute Rose Öl auf Bütten. Um 1980. 60,5 x 49,5 cm. Oben links mit Pinsel in Braun signiert „Lotte Laserstein“. 5.000€

Gertrud „Traute“ Rose war lange Zeit das bevorzugte Modell von Lotte Laserstein. Die beiden Frauen lernten sich 1925 in Berlin kennen und entwickelten von da an eine enge Freundschaft. Während ihrer Zeit in Deutschland schuf Laserstein eine Vielzahl von Porträts von Traute, darunter auch immer wieder intime

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Aktdarstellungen sowie Doppelporträts, die sie selbst zusammen mit ihrer Freundin zeigen. Nach Lasersteins Emigration nach Schweden boten sich hingegen nur noch wenige Gelegenheiten zu solchen Malsitzungen, was unser Bild zu einem seltenen, späten Porträt der Freundin macht. Traute war selbst Malerin und Fotografin und heiratete 1933 den Schriftsteller Ernst Rose. Das vorliegende Bildnis zeigt sie, ein graues Tuch um Schultern und Arme geworfen, lässig in einem Lehnstuhl sitzend. Wir danken Dr. Anna-Carola Krausse für die Bestätigung der Authentizität des Werkes und für wertvolle Hinweise. Das Werk wird in das in Überarbeitung befindliche Werkverzeichnis aufgenommen.


8204

lotte laserstein

8204 Selbstporträt Öl auf Leinwand. 1970er Jahre. 46 x 38 cm. Unten rechts mit Pinsel in Rot signiert „Lotte Laserstein“. 5.000€

Eindrucksvolles Selbstbildnis aus dem Spätwerk Lasersteins. Mit wachen Augen blickt die Künstlerin selbst hier aus dem Bildraum, platziert vor einem Fenster und mit großem sommerlichem Hut ausgestattet. Grüne, braune und blaue Farbnuancen dominieren die Komposition. Laserstein schuf in ihrem Leben eine große Zahl an Selbstporträts, in denen sie selbstbewusst auf ihre Profession

als Malerin hinweist. Nach ihrer erzwungenen Emigration nach Schweden im Jahr 1937 war die deutsch-jüdische Künstlerin hierzulande lange Zeit in Vergessenheit geraten, erlebte jedoch in den vergangenen Jahren eine Wiederentdeckung. Heute zählt sie zu den bedeutendsten Malerinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und hat „als Künstlerin der Neuen Sachlichkeit ... dem Porträt und der gesellschaftlichen Stimmung der umkämpften Moderne auf höchstem malerischen Niveau Ausdruck verliehen.“ (Dr. Jutta Götzmann, Stadtmuseum Potsdam, Forum für Kunst und Geschichte). Wir danken Dr. Anna-Carola Krausse für die Bestätigung der Authentizität des Werkes und für wertvolle Hinweise. Das Gemälde wird in das in Überarbeitung befindliche Werkverzeichnis aufgenommen. 189


8205

vlastimil benes (1919–1981, Prag)

8205 Rotes Tor 17 III Öl auf Hartfaserplatte. 1970. 22,7 x 50 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Benes“, verso datiert. 6.000€

Bekannt wurde Benes mit ebenjenen kargen Landschaften, Vorstadt- und Industriemotiven. Anknüpfend an den sozialen Realismus und an die Poetik der konstruktivistischen Avantgarde, entwickelte sich Benes‘ Malerei hin zu einem geometrisierenden poetischen Realismus; aus dieser Sicht malte er seine Industrielandschaften, oft lokalisiert in der Prager Peripherie, in einem reduzierten Flächenstil. Hier setzt er in den Außenwänden des Häuserkonglomerats in planer Landschaft effektvoll Farbflächen in Blau-Grün, Rot und Weiß nebeneinander, akribisch gezeichnet und das breite Querformat fast ganz ausfüllend. Ein ausgeprägtes technologisches Interesse führte Benes zu Malrezepturen aus dem späten Mittelalter (Theodorik) und besonders aus der Renaissance, nach denen er in zeitaufwendigen Malverfahren seine Bilder schuf (vgl. Saur Bd. 9, S. 40). Verso auf unserem Gemälde dokumentieren handschriftliche Notizen des Künstlers genau die Entstehungszeit des Gemäldes: Exakt 16 Arbeitstage zwischen April 1970 und Juli 1971 vermerkt Benes dort.

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8206

albin brunovsky und vladimir gazovic (1935 Zohor – 1997 Bratislava; 1939 Bratislava)

8206 „Via Eva“ Farblithographie auf festem Velin. 1977. 35 x 45 cm (36,3 x 47 cm). Signiert „ABrunovsky“ und „V. Gazovic“, datiert und betitelt. Auflage 80 num. Ex. 750€

Vladimir Gazovic und Albin Brunovsky zeichnen sich beide in ihrem sozialsatirischen Zeichenstil durch die Verwendung von Elementen der Karikatur, des Symbolismus und durch außergewöhnliche technische Fähigkeiten aus. So ähneln viele ihrer Arbeiten komplizierter Aquarellmalerei. Beide wurden in der Tschechoslowakei der späten 1960er Jahre von Amerikanern entdeckt. Das in Gemeinschaftsarbeit entstandene Blatt vereint bestens miteinander harmonierende Darstellungen beider Künstler und spiegelt so wunderbar den engen Zusammenhalt der kleinen Künstlergemeinschaft. Prachtvoller Druck mit kleinem Rändchen. Selten. 191


8207

albin brunovsky

(1935 Zohor – 1997 Bratislava)

8207 „Záhorie koniec leta / Patro meo dedicatum“ Farblithographie auf Van Gelder Zonen-Velin. 1977. 38,7 x 56,7 cm (46,5 x 64,7 cm). Signiert „ABrunovsky“ sowie datiert und betitelt. Auflage 65 num. Ex. 1.200€

„Zahorie, Ende des Sommers“ betitelt der Künstler das fein gezeichnete Blatt voller Erinnerungen an die Figur seines Vaters. Die Idee eines Naturparadieses spiegelt sich in Brunovskys Arbeiten rund um die Heimatregion Zahorie wider. Prachtvoller, fein differenzierter Druck in Graublau, Rosa und Braun mit kleinem Rand. Selten.

8208 „Labyrint sveta a raj srdca II (Fortunin hrad)“ Radierung auf Van Gelder Zonen-Velin. 1989. 39,3 x 29,5 cm (65 x 47,8 cm). Signiert „ABrunovsky“ sowie datiert und betitelt. Auflage 65 num. Ex. 1.200€

8208 192

Phantastisch-surrealistische Komposition Brunovskys. „Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens“ ist ein bedeutender allegorischer Roman des Philosophen und Theologen Johann Amos Comenius, erschienen in der ersten Ausgabe 1631. Brunovsky schuf zu diesem Werk eine Reihe von hochsymbolischen Illustrationen. Ganz prachtvoller, klarer und differenzierter Druck mit breitem Rand. Selten.


albin brunovsky

8209 „The Labyrinth of the World and the Paradise of the Heart V“ Farbradierung auf festem Van Gelder Zonen-Velin. 1990. 39,4 x 29,5 cm (65 x 48 cm). Signiert „ABrunovsky“, datiert, betitelt und gewidmet. Auflage 35 röm. num. Ex. 1.200€

Drastisch schildert Brunovsky Schrecken und Gemetzel; nach der Schlacht am Weißen Berg, der ersten großen militärischen Auseinandersetzung im Dreißigjährigen Krieg, hatte Comenius alles verloren: seine Frau, die Kinder, das Haus und fast die gesamte Bibliothek. Aus dieser Trauer heraus verfasste er das „Labyrinth der Welt“ als Trostschrift; diese, wie auch die anderen Schriften von Comenius, war in seiner Heimat während der Gegenreformation als ketzerisch verboten. Ganz ausgezeichneter Druck in Schwarz und Rotbraun mit dem wohl vollen Rand, oben mit dem Schöpfrand.

8209

albin brunovsky

8210 „Noèní ludia II“ Farblithographie auf Velin. 1996. 39,8 x 29,8 cm (62,5 x 46,5 cm). Mit dem Signatur-Blindstempel des Künstlers sowie datiert, betitelt und verso signiert und autorisiert von Klára Brunvská. Auflage 120 num. Ex. 800€

8210

Der Zyklus „Nachtmenschen“ zählt zu den letzten Werken Brunovskys; den vorliegenden Druck konnte er schon nicht mehr selber signieren. Prachtvoller Druck in Dunkelgrün und Braun mit dem wohl vollen Rand, oben mit dem Schöpfrand. 193


8211

dóra maurer (1937 Budapest)

8211 „(de)formation C I“ Radierung auf festem Velin. 1978. 62,3 x 40,7 cm (69,5 x 50 cm). Signiert „maurer“, datiert und betitelt. 4.000€ 194

Maurer, Vertreterin der ungarischen Neoavantgarde, legt der Werk­ reihe der „(De)formation“ die Anordnung, Verschiebung und Zusammenfügung geometrischer Formen sowie die Auseinandersetzung mit mathematischen Berechnungen zugrunde. Arbeiten der Künstlerin sind u.a. in der Nationalgalerie Berlin, der Gra­f ischen Sammlung der Albertina Wien, der Tate Gallery London und dem Museum of Modern Art New York zu finden. Ausgezeichneter Druck mit Rand.


antoni tàpies

(1923–2012, Barcelona)

8212 Autorretrato Radierung und Zuckeraquatinta mit Collagenfragment auf Velin. 1991. 21,6 x 17 cm (57 x 38,5 cm). Signiert „Tàpies“. Auflage 75 num. Ex. Homs 1305. 600€

Ausgezeichneter, differenzierter Druck mit dem wohl vollen, sehr breiten Rand, unten mit dem Schöpfrand.

8212

christo

(d.i. Christo Javacheff, 1935 Gabrova/Bulgarien – 2020 New York)

8213 Wrapped Sylvette, Project for Washington Square Village, New York Farbserigraphie, mit 2 Fotos collagiert, auf Velin. 1973-74. 65 x 50 cm. Signiert „Christo“. Auflage 300 num. Ex. Schellmann 60. 1.000€

Die Arbeit zeigt die Picasso-Skulptur „Sylvette“, die im Washington Square Village in New York zwischen zwei von I.M. Pei entwor­ fenen Apartment-Häusern steht. Mit dem Trockenstempel vom Verlag Domberger, Stuttgart, unten links.

8213 195


8214

dieter weidenbach

stefan-thomas wagner

8214 Paar Öl auf Leinwand, auf Hartfaserplatte aufgezogen. 1978. 91 x 80 cm. Unten rechts mit Pinsel in Rosa signiert „D. Weidenbach“ und datiert, verso auf der Platte nochmals signiert, datiert und betitelt (von fremder Hand bezeichnet?).

8215 Das Pferd Mischtechnik auf Leinwand. 1984. 130 x 100 cm. Unten links mit Feder in Schwarz signiert „STH Wagner“ und datiert.

(1945 Stendal, lebt in Weimar)

5.000€

Das Damenpaar von beeindruckender Präsenz ist eine bedeutende, frühe Arbeit des Vertreters der Leipziger Schule aus seiner Zeit bei Willi Sitte. Mit altmeisterlicher Präzision arbeitet der Künstler einzelne Details heraus, während die beiden eng beieinandersitzenden Frauen und ihre Umgebung insgesamt mit weich verschwimmenden Konturen dargestellt sind. Weidenbach studierte ab 1966 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und war 1978 bis 1980 Meisterschüler bei Willi Sitte an der Burg Gie­ bichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle.

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(1951 Leipzig)

5.000€

Die frühe Arbeit des Leipziger Künstlers zeigt sich befreit von den Einflüssen seiner Lehrer. Nach seinem Studium an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Arno Rink, Bernhard Heisig und Hartwig Ebersbach ging Wagner zur Ausbildung nach Halle an die Burg Giebichenstein und wurde 1989-91 Meisterschüler an der Akademie der Künste Berlin bei Wolfgang Mattheuer. Ausstellung: 11. Kunstaustellung des Bezirkes Leipzig, mit deren Klebeetikett verso, dort bezeichnet und betitelt


8215 197


gerd ewel

(1914 Berlin – 1992 Frankfurt am Main)

8216 Falke Bronze mit schwarzbrauner Patina auf Bronzesockel. Um 1985. 53,5 x 16 x 32 cm. Seitlich links auf dem Sockel mit dem Künstlersignet „GE“ sowie mit dem runden Gießerstempel „Bieber Bischofs­ hofen“ (schwer lesbar). Auflage 12 Ex. Schlüter 100. 1.800€

Mit summarisch erfasstem Körpervolumen und stilisierten Formen beschreibt Ewel die wesentlichen Merkmale des Falken und vor allem seinen Ausdruck von Kraft, von Erhabenheit und Wachsamkeit. Von der Auflage von 12 Exemplaren weist Schlüter lediglich ein Exemplar nach. Ob die geplanten 12 Bronzen tatsächlich alle gegossen wurden, ist unklar. (Kerstin Schlüter, Gerd Ewel, Goch 1999, S. 30). Ausgezeichneter Guss mit homogener Patina.

8216

gerd ewel

8217 Die Moderne II Gips, schwarz gefasst. Um 1990. 40 x 13,5 x 23 cm. Hinten an der Basis mit dem Künstlersignet „GE“ sowie signiert „Gerd Ewel“. Schlüter 112. 1.500€

Eine zeitlose Präsenz strahlt sie aus, und ein gelassenes In-SichRuhen. Die ausdrucksstark konstruierte Plastik mit interessant changierender Färbung wurde anschließend in kleiner Auflage in Bronze gegossen. Bereits 1971 entstand Ewels „Die Moderne I“ in etwas stärkerer Stilisierung. „Die Moderne-Figuren stützen die Arme auf das übergeschlagene Bein, der Kopf liegt sinnend in den geöffneten Händen. Die Konzentration bei all diesen Sitzenden liegt auf dem frei im Raum schwebenden Bein, von dem aus der Blick auf den Körper oder die Unterarme und den Kopf gelenkt wird, wo sich die Spannung aufbaut und hält.“ (Kerstin Schlüter, Gerd Ewel, Goch 1999, S. 30). Ausgezeichneter Guss mit schöner Patina.

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8217


gerd ewel

8218 Frau mit Hut Bronze mit goldbrauner Patina auf Bronzeplinthe. Um 1980. 25,5 x 11 x 9,5 cm. Schlüter 83. 1.200€

Bewegtheit und Ruhe, Gelassenheit und Spannung stehen in schöner Balance miteinander: Die gekreuzten Beine lenken den Blick des Betrachters empor, über den Leib und die eingestützten Arme, hin zum Gesicht, dessen Blick doch unter dem Hut verborgen bleibt. Die Arbeit steht in engem Zusammenhang mit Ewels berühmter Bronze „Sonne und Wind“. Bei der „Frau mit Hut“ jedoch gestaltet er die Oberfläche rau und beinahe brüchig durch, so dass sich Lichtreflexe in ihr fangen (Kerstin Schlüter, Gerd Ewel, Goch 1999, S. 30). Ausgezeichneter Guss mit schön changierender Patina.

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8219

jorge machold

(1940 Chemnitz – 2015 Berlin)

8219 Ohne Titel Materialbild. Blei auf Holzplatte. 1979. 92 x 94,7 cm. Unten rechts signiert (geritzt) „J. Machold“ und datiert. 1.000€

„Macholds Werke sind stets ungegenständliche Kompositionen, nie figürliche - und stets ohne Titel. Die freien Assoziationen des Betrachters sollen nicht durch verbale Informationen eingeschränkt werden.“ (Bärbel Mann, in: Jorge Machold, Plastiken und Zeichnungen, Katalog, Berlin 2007, S. 7).

klaus fussmann

(1938 Velbert, lebt in Berlin und Gelting)

8220 Selbstbildnisse und Landschaft 5 Radierungen und Farbaquatintaarbeiten auf festem Velin. 1982-1991. Bis 57,2 x 76 cm (Blattgröße). Sämtlich signiert „Fußmann“, datiert und gewidmet. Fußmann 103a, 117, 135b, 136a, 226. 1.200€

8220 200

„Selbst im Spiegel“, „Selbst im Spiegel, im Schnee“, „Akt vor Spiegel“, „Selbst im Spiegel in Gelting“ sowie „Ausblick Hardenbergstraße“. Jeweils prachtvolle Drucke mit breitem bzw. dem vollen Rand.


8221

klaus fussmann

8221 Wannsee Aquarell auf festem Velin. 1980. 75 x 81,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Orange signiert „Fußmann“, datiert und betitelt sowie mit der Ortsangabe „Berlin“, verso nochmals signiert und datiert sowie bezeichnet „Berlin“. 3.500€

Im Februar am Wannsee. Eine blass leuchtende Wintersonne steht tief über dem Wasser und breitet ein sanftes Licht über die Landschaft. Die atmosphärisch-luftige Komposition mit niedrigem Horizont und einem mächtigen Himmelsausschnitt, dominiert von

changierenden gelb-grauen bis blauvioletten Tönen, fängt die Ansicht vom Wannsee ein, wie sie Fußmann am 21.2.1980 begegnete. Nach einem Studium an der Essener Folkwang Schule studierte Fußmann von 1962 bis 1966 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin und blieb der Stadt seitdem treu. In vielen seiner Werke setzt er sich mit seiner städtischen Wahlheimat auseinander. Der Berliner Wannsee beschäftigt ihn nicht nur in unserem frühen Aquarell, sondern auch in einer zwei Jahre zuvor entstandenen Farbaquatintaarbeit. Provenienz: Galerie Nickel & Zadow, Nürnberg Privatbesitz Rheinland 201


8222

franz ringel (1940–2011, Graz)

8222 Geordnetes Leben Kohle, Farbkreiden, Filz- und Farbstifte auf genarbtem Velin. 1999. 30 x 21 cm. Unten rechts mit Farbstift in Rot signiert „Ringel“ und datiert, verso auf dem Untersatzkarton auf Klebeetikett (von fremder Hand) betitelt und mit den Maßangaben. 1.200€ 202

Grotesk anmutende Köpfe stehen wie verdoppelt nebeneinander, während vom Hals an abwärts die schwarze Linienkonstruktion, die sie wie ein Fenster umrahmt, beide zu vereinen scheint. Diese Verdoppelung oder auch Teilung eines Wesens ist charakteristisch für Franz Ringels Zeichnungen. Auch wenn Ringels Werke viel Spielraum für multiple Interpretationen lassen und kaum eindeutig lesbar sind, wirken sie formal stets einheitlich und in sich stimmig.


8223

alfred klinkan

(1950 Judenburg/Steiermark – 1994 Wien)

8223 Ohne Titel 3-teilige Arbeit, je Mischtechnik auf beschichtetem dünnen Zeichenkarton. 1980. Je ca. 49,5 x 30,5 cm. Sämtlich unten rechts mit Bleistift signiert „Alfred Klinkan“, verso fortlaufend numeriert und bezeichnet „NL-Urlaub Elburg 69/80 Cocteau XVI“. 4.200€ Alfred Klinkan studierte an der Wiener Kunstakademie bei Josef Mikl und Wolfgang Hollegha, stellte sich jedoch schon früh mit seiner gegenständlichen Malerei in Opposition zu seinen Lehrern. Näher stand er vielmehr der Gruppierung der „Wirklichkeiten“, deren Mitglieder Inspiration unter anderem aus dem Surrealismus

und der Art brut zogen. Klinkan entwickelte im Laufe der Zeit seine ganz eigene, phantastische und farbintensive Bildsprache. Besonders 1977-80 schuf der Künstler immer wieder Bildserien, in denen er gestalterische Problemstellungen inhaltlicher, formaler oder koloristischer Art erarbeitete und variierte. In seinen oft randvoll gefüllten Bildräumen „eröffnen sich dem Betrachter märchenhafte, mythische Reiche ... seltsame Mischwesen bewegen sich durch paradiesische Landschaften, Metamorphosen vom Pflanzenhaften und Animalischen zum Menschlichen vollziehen sich, und Gegenstände von symbolhafter Bedeutung tauchen auf.“ (Johanna Stegmüller, in: Alfred Klinkan. 50. Geburtstagsausstellung, Galerie bei der Albertina, Wien 2000, S.7.). Das vorliegende Triptychon entstand 1980 in den Niederlanden, wo Klinkan sich 1979-81 vorwiegend aufhielt. 203


werner stötzer

(1931 Sonneberg – 2010 Alt-Langsow)

8224 Zigeuner von Marzahn II Bronze mit braungrüner Patina auf Bronzeplinthe. 1981. 42,5 x 25,5 x 11,5 cm. Seitlich hinten an der Plinthe monogrammiert „WS“, links mit einem runden Signet (undeutlich), seitlich rechts mit Teilen eines Gießerstempels, wohl der Gießerei Schabow, Berlin. Auflage 6 num. Ex. 2.000€

Stötzer konzentriert sich in seinem Schaffen auf die menschliche Figur und deren existenzielle Daseinsfragen. Seine reduzierten, abstrahierten Menschenbilder beschränken sich auf das Wesentliche der Erscheinung und verbildlichen die Würde und Haltung des Menschen. Hier ist es das Schicksal der Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus, dem Stötzer künstlerischen Ausdruck verleiht. Nach einer Ausbildung zum Keramikmodelleur studierte der Bildhauer und Zeichner Werner Stötzer 1949-1951 in Weimar bei Heinrich Domke, Hans van Breek und Siegfried Tschiersky, setzte sein Studium in Dresden bei Eugen Hoffmann und Walter Arnold fort und war von 1954-1958 Meisterschüler an der Akademie der Künste in Berlin bei Gustav Seitz. Die Auflagenhöhe und das genaue Gussdatum ist unbekannt; die Figur wurde in den 1980er Jahren mehrfach gegossen. Möglicherweise stammt unser Abguss aus dem Jahr 1988, in dem die Güsse mit dem Stempel der Gießerei Schabow versehen wurden. Prachtvoller Guss mit effektvoller Patina.

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8225

katharina fritsch

(1956 Essen, lebt in Düsseldorf)

8225 Madonna Multiple. Gips, gelb gefasst. 1982. 30 x 8 x 6 cm. 1.500€

Nur selten arbeiten Bildhauer farbig. Als Vorbild für die gipserne Madonna diente eine Figur, Typ „Lourdes“ aus einem Devotiona­ lienladen in Kevelaer. Leuchtend gelb gefärbt, erinnert Fritsch damit an die goldene Madonna ihrer Heimatstadt Essen. Sie goss aus Duroplast zudem eine lebensgroße Replik dieser Darstellung der Madonna von Lourdes. Ausgezeichnetes Exemplar. 205


robert natkin

(1930 Chicago – 2010 Danbury)

8226 Bern Series, Nr. 27 Acryl auf sehr festem Velin. 1979. 79 x 57,5 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Natkin“. 900€

Während einer Reise nach Bern besuchte Robert Natkin 1977 die Paul Klee Stiftung, die Besuchern den Zugang zu Tausenden von Zeichnungen und Gemälden des Künstlers ermöglicht. Natkins Bern-Serie ist in den darauffolgenden Jahren aus diesem für ihn höchst inspirierenden Besuch entstanden.

8226

jean charles blais (1956 Nantes, lebt in Paris)

8227 Ohne Titel Mischtechnik und Collage auf dünnem Velin. 1982. 37 x 27 cm. Verso unten mit Kreide in Schwarz signiert „Blais“ und datiert. 1.800€

Die überdimensionale, wie aufgedunsen wirkende Gestalt eines geschlechtslosen Riesen mit kariertem Hemd und miniaturhaft kleinem Kopf füllt den Vordergrund dieser grotesk anmutenden Szene. Die großen Hände unsicher ineinander gefaltet, schreitet er unter dem gelben Himmel an einem Gebäude mit rauchendem Schornstein vorbei. Jean Charles Blais studierte an der École des Beaux-Arts in Rennes und setzte sich seit Anfang der 1980er Jahre vor allem mit Plakatabrissen und damit verbunden mit der Materialität seiner Bildträger auseinander. Typische, farbenfrohe Darstellung des Künstlers.

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8227


8228

jörg immendorff

(1945 Bleckede – 2007 Düsseldorf)

8228 Angel II Linolschnitt und Acryl auf Leinwand. 1983. 84,5 x 80,3 cm. Oben rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Immendorff“ und datiert, unten links mit Pinsel in Weiß betitelt. Vgl. Geuer/Breckner 1982.9-13. 6.000€

Oftmals verwendete Jörg Immendorff einzelne Ausschnitte und Motive aus seinen großformatigen Arbeiten, um kleinere Formate Werke zu gestalten. Teile seiner Linolschnitte boten dafür die

Grundlage, die er im weiteren Zuge übermalte. Die vorliegende Arbeit „Angel II“ ist exemplarisch dafür und präsentiert Teilbereiche aus der Werkserie „Café Deutschland gut“. In seinem „Café Deutschland“-Zyklus (1977-1983) thematisierte Immendorff die politische Situation Deutschlands im Kalten Krieg, die Teilung des Landes, sowie die Position des Künstlers in der Gesellschaft. Darüber hinaus steht die Serie symbolisch für die Künstlerbeziehung zwischen Immendorff (BRD) und A.R. Penck (DDR). Provenienz: Privatbesitz Berlin 207


jörg immendorff

8229 Selbst mit Muse Öl auf Leinwand. 1994. 130,5 x 100,5 cm. Oben rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Immendorff“ und datiert, verso auf dem Keilrahmen bezeichnet „19.“. 40.000€ Die Muse liegt leblos, ohnmächtig, in den Armen des Malers – ein Beutestück eher als eine Schutzgöttin oder Inspiratorin. Zugleich stehen beide Figuren, Maler und Muse, im Spiel mit dem Betrachter. Immendorff offeriert uns dabei in seinem Gemälde vielfältige Erzähl-, Bedeutungs- und Deutungsebenen und entzieht sich doch einer eindeutigen Lesart. Der alte Topos des Selbstbildnisses beschäftigt ihn immer wieder intensiv, und so spielt er ihn im Laufe seines Schaffens in vielfältigen Varianten durch. Er nutzt mit dem Selbstporträt den Stoff des eigenen Lebens, verfremdet und ironisch gebrochen, als Material für seine Malerei und hält zugleich dem Publikum und damit der Gesellschaft den Spiegel vor. Immendorff tritt also mit jedem Selbstbildnis in einen Dialog mit dem Betrachter. Unser „Selbsporträt mit Muse“ spielt aber zudem, wie so viele andere Sujets des Malers, mit der langen kunsthistorischen Tradition des bekleideten Mannes mit der nackten jungen Frau in den Armen – ein im 19. Jahrhundert gern verwendetes erotisches

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Motiv. Solche Anleihen aus der älteren Kunst überführt Immendorff in eine ganz eigene Ikonographie und spielt mit den Erwartungen und verborgenen Sehnsüchten der Betrachter. Immendorff studierte in den 1960er Jahren an der Kunstakademie Düsseldorf zuerst Bühnenbild bei Teo Otto und anschließend, ab 1964, Kunst bei Joseph Beuys. Gemeinsam mit Chris Reinecke gründete er 1968 das Aktionsprojekt „LIDL“. Seine provokanten, durch Beuys angeregten neodadaistischen Kunstaktionen, Happenings und Debattenrunden, die dem politischen Flügel der FluxusBewegung zuzuordnen sind, führten 1969 schließlich zu einem Verweis von der Akademie. 1977 wandte sich Immendorff, inspiriert vor allem von den Werken Renato Guttusos, verstärkt der Malerei zu. Mit der politisch und gesellschaftskritisch engagierten Bildserie „Café Deutschland“ gelang ihm der internationale Durchbruch. Provenienz: Privatsammlung Süddeutschland Ketterer München, Auktion Modern Art and Post-War, 5.12.2006, Lot 358 Privatsammlung Europa


8229 209


bernhard heisig

(1925 Breslau – 2011 Strodehne)

8230 Anna Seghers: Das siebte Kreuz Mischtechnik auf Velin. Um 1985. 36,5 x 25,5 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Heisig“, rückseitig bezeichnet „zu Anna Seghers, Das Siebte Kreuz, Auf der Flucht (Georg Heisler)“. 700€

Eine von insgesamt 32 Zeichnungen, die Bernhard Heisig als Vorlage zu Anna Seghers Roman „Das siebte Kreuz“ lieferte.

8230

gerhard altenbourg

(1926 Rödichen-Schnepfenthal – 1989 Meißen)

8231 Schnabelnase vor der Erdgöttin Aquarell und Bleistift auf Velin. 1986. 29,6 x 21 cm. Unten mittig in der Darstellung mit Bleistift signiert „Altenbourg“, monogrammiert und rechts datiert. Janda 86/50. 1.500€

Unten mit dem Trockenstempel „Altenbourg“. Stimmige, kleine Zeichnung, mit der für Altenbourg typischen Betitelung aus feinem Humor und leichter Ironie. Provenienz: Galerie am Sachsenplatz, Leipzig

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8231


joseph beuys

(1921 Kleve – 1986 Düsseldorf)

8232 Riesenziegen Radierung auf gewalztem China, auf grauem Velin. 1985. 14 x 7,8 cm (56,8 x 31,3 cm). Signiert „Joseph Beuys“ und gewidmet. Auflage 75 num. Ex. Schellmann 529. 750€

Aus der Suite Tränen, herausgegeben vom Grafos-Verlag, Vaduz. Ausgezeichneter Druck mit dem vollen Rand.

8232

sigmar polke

(1945 Oels/Schlesien – 2010 Köln)

8233 Ohne Titel Farbsiebdruck auf Velinkarton. 1988. 98,5 x 69 cm. Signiert „S. Polke“. Auflage 940 Ex. Becker/von der Osten 80, Griffelkunst I 250 B5. 1.300€

8233

In der vorliegenden Arbeit in Grau, Blau und Schwarz stellte Polke den Kontrast von Geometrie und Abstraktion gegenüber. Die Formen erscheinen farbsatt oder unscharf und illustrieren das Zusammenspiel von Rationalität und Zufall. Herausgegeben von der Griffelkunst-Vereinigung, Hamburg-Langenhorn e.V. Ganz ausgezeichneter Druck der formatfüllenden Darstellung. 211


hans peter zimmer (1936 Berlin – 1992 Soltau)

8234 „Under the Lemon Tree“ Acryl auf Leinwand. 1986. 135,5 x 115 cm. Oben links mit Pinsel in Schwarz signiert „HPZimmer“, datiert und betitelt, verso nochmals signiert, datiert und betitelt. 10.000€

Wie die Hesperiden stehen die drei Nymphen vor dem strahlenden Gelb des Zitronenbaumes. Bei Carl von Linné (1707-1778) dient der Begriff Hesperiden zur Bezeichnung der Zitrusfrüchte. Dabei orientierte sich Linné an dem italienischen Botaniker Giovanni Baptista Ferrarius, der bereits 1646 in seinem Werk von den goldenen Früchten der Hesperiden spricht. So fühlten sich wohl beide Gelehrte beim Anblick der goldenen Schalen an die mythologischen Quellen erinnert und wiesen den Zitrusfrüchten die Bezeichnung Hesperides zu. Weit entfernt jedoch von idealer Körperschönheit der Antike sind die drei weiblichen Akte mit ihren fratzenhaften Gesichtern und den karikaturhaft deformierten Proportionen. In seiner Reihe von Baum-Bildern spielt HP Zimmer mit verschiedenen künstlerischen Traditionen. „Alle Mythen sind schon vorformuliert, wie in einer Modenschau gleiten die Kostümierungen an mir vorbei. Adam und Eva, das Narrenschiff von Bosch, die Totentänze von Notke in Lübeck und Reval. In diesem Supermarkt kann man sich bedienen, und man findet auch immer ein Stück Eulenspiegelei, bösartige Ironie, versteckte Zeitkritik, politische Anspielungen.“ (HP Zimmer, in: Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwart, München 1994, S. 15). 1958 formierte der Künstler gemeinsam mit den Malern Helmut Sturm und Heimrad Prem sowie dem Bildhauer Lothar Fischer in München die Gruppe SPUR. Auf Reisen durch Italien in den 1960er Jahren machte HP Zimmer die Bekanntschaft mit

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Enrico Baj, Jean Dubuffet, Emilio Vedova und Graham Sutherland. 1967 zog der Künstler sich aus allen Gruppen zurück und malte ein ganzes Jahr lang überhaupt nicht. Er gründete 1986, als unser Gemälde entstand, das Institut für Dämonologische Ästhetik in Braunschweig. Unser „Lemon Tree“ ist ein hervorragendes Beispiel für HP Zimmers Malerei der 1980er Jahre. Provenienz: Nachlass des Künstlers Ketterer München, Auktion 2.6.2006, Lot 174 Privatsammlung Europa Ausstellung: HP Zimmer. Bilder und Plastiken, Herning Kunstmuseum, Herning 1989, S. 88 (mit Farbabb.) HP Zimmer. Malerier og Skulpturer, Kunsthallen Brandts Klaede­ fabrik, Odense 1989 HP Zimmer. Bilder und Plastiken, Leopold-Hoesch-Museum, Düren 1990 German Dance: Die Bilder der achtziger Jahre. Hommage an HP Zimmer, Gustav Lübcke Museum, Hamm 1996, Kat.Nr. 7, S. 34 (mit Farbabb.)


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gero künzel

(1962 Erfurt, lebt in Hausdorf bei Leipzig)

8235 Der Schmerzensmann Öl auf Hartfaserplatte. 1988. 95 x 40 cm. Verso mit Buntstift in Schwarz signiert „Künzel“ und datiert sowie mit Kreide in Hellgrau bezeichnet „17/89“. 1.400€

Mit größter Spontaneität und reliefhaft-pastosem Farbauftrag zeichnet Künzel ein höchst expressives Abbild des Schmerzensmannes, das durch seine leuchtend-intensive Farbigkeit und den kräftigen Malduktus besondere Dynamik erreicht. Der Künstler studierte von 1983-88 in Leipzig Malerei und Graphik bei Dietrich Burger, Volker Stelzmann und Bernhard Heisig, ehe er 1991 bei Heisig als Meisterschüler graduierte. Für seine Diplomarbeit „Porträts meiner Freunde“ schraubte er mehrere Arbeiten zu einer großen Pyramide zusammen, die öffentlich aufgestellt wurde. Durch die in unserem Bild stellenweise vorhandenen Montierungslöcher wird deutlich, dass es ebenfalls Teil dieser Pyramidenkomposition war.

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gero künzel

8236 Prof. H. erinnert sich Öl auf Hartfaserplatte. 1988. 123 x 24 cm. Verso mit Buntstift in Schwarz signiert „Künzel“ und datiert sowie mit Buntstift in Rot bezeichnet „14“. 1.000€

Wie die vorherige Katalognummer gehörte, sichtbar durch die vorhandenen Montierungslöcher, auch die vorliegende Arbeit zur beschriebenen, pyramidenartig aufgebauten Werkzusammenstellung Künzels, die er im Rahmen seiner Abschlussarbeit schuf. Beeindruckend sind hier vor allem das ungewöhnliche Bildformat und die in mehreren Ebenen geschichteten, expressiv hingeworfenen Farbaufträge, die dem Bild eine wunderbare Tiefe verleihen.

cornelia schleime (1953 Berlin)

8237 Drei Mädchen mit Zöpfen Gouache und Feder in Braun auf festem gelblichen Velin. 1995. 50 x 70 cm. Unten rechts mit Feder in Braun signiert „C. M. P. Schleime“ und datiert. 1.800€

Seit den 1990er Jahren widmete sich Cornelia Schleime in Malerei und Zeichnung vor allem Figuren und Porträts. Das Motiv des Zopfes wurde zu dieser Zeit zu einem immer wiederkehrenden Bestandteil ihrer Werke. In immer neuen Variationen behandelt die Künstlerin das Thema, wobei die langen, streng geflochtenen Zöpfe der jungen Mädchen nicht mit den oft mit ihnen assoziierten Bild von biederer Bravheit korrespondieren, sondern sich fast wie selbstständige Organismen zum Teil bedrohlich um die zarten Mädchenhälse winden oder wie Fesseln oder Fangarme agieren. In der vorliegenden Komposition sind drei Mädchenköpfe scheinbar untrennbar an ihren Zöpfen verbunden. Nicht nur entsteht hierdurch eine reizvolle geometrische Form, sondern es wirkt fast, als würden die drei Bildfiguren so zu einer gemeinsamen, lebenden Einheit verschmelzen. 215


karl bohrmann

(1928 Mannheim – 1998 Köln)

8238 Ferne Nähe Ölkreide auf dünnem Velin mit typographischem Druck. 1997. 20,4 x 13 cm. Unten mittig mit Kugelschreiber in Blau signiert „Bohrmann“. 800€

Karl Bohrmann studierte ab 1947 an der Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken, 1948-1949 an der Kunstakademie Stuttgart bei Willi Baumeister. 1972-1980 war er selbst als Lehrer an der Städelschule in Frankfurt am Main tätig und leitete die Städel-Abendschule. Die markante, mit Ölkreide gezeichnete rote Figur begegnet uns auch in zahlreichen anderen Arbeiten des Künstlers.

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tony cragg

(1949 Liverpool, lebt in Wuppertal)

8239 Ohne Titel 6 Radierungen auf Velin. 1994. Je 20,4 x 24,6 cm (34,5 x 40 cm). Sämtlich signiert „Tony Cragg“. Griffelkunst II 275 B1-6. 800€

Sämtliche der sechs in der 1994 erschienenen Edition der Griffelkunst herausgegebenen Drucke: „Dinge“, „Herbst“, „Current“, „Das Neblige“, „Wüste“ und „Vessel“. Prachtvolle, gratige Drucke mit zartem Plattenton und dem vollen Rand.

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mappenwerke

8240 Aktion Kunstmappe, Künstler aus BadenWürttemberg 1 Doppelbl. mit Vorwort, Inhaltsverzeichnis und Impressum sowie 21 Druckgraphiken auf verschiedenen Papieren. Die Graphiken jeweils in Orig.-Umschlag mit Text. Lose in Orig.-Leinenkassette. 1991. Bis 70 x 50 cm (Blattgröße). Die Druckgraphiken jeweils signiert. Auflage 100 num. Ex. 5.500€

Herausgegeben von Dr. Renate Herrmann, Remshalden in Zusammenarbeit mit Ursula Späth und Christiane Herzog zur Unterstützung des AMSEL-Förderkreises und der Mukoviszidose-Hilfe e.V. Die 21 aus Baden-Württemberg stammenden Künstler und Künstlerinnen der Gegenwart stellten ihre Werke im Rahmen der Aktion zugunsten der Hilfsorganisationen ohne Honorar zur Verfügung. In dem Mappenwerk enthalten sind Arbeiten folgender Künstler: Moritz Baumgartl, Erdmut Bramke, Jürgen Brodwolf, Peter Dreher, Paul Uwe Dreyer, Ricarda Fischer, Alfonso Hüppi, Klaus Kinter, Joseph Kosuth, Peter Kuckei, Rainer Langfeldt, Thomas Lenk, Inge Mahn, Georg Karl Pfahler, Lothar Quinte, Rudolf Schoofs, K. R. H. Sonderborg, Giuseppe Spagnulo, Anton Stankowski, Micha Ullman und Lambert Maria Wintersberger.

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fritz kreidt

(1936 Essen – 2020 Berlin)

8241 „Ruinenlandschaft“ Öl auf Leinwand. 1991/93. 100 x 250 cm. Unten rechts in der Darstellung mit Pinsel in Rot signiert „KREIDT“, verso auf dem Keilrahmen nochmals signiert, datiert und betitelt. 4.000€ Es ist nicht nur eine Ruinenlandschaft: Es ist auch eine ruinierte Landschaft, die Kreidt uns präsentiert. Der Bergbau hat in der ehemaligen DDR in den Jahren nach dem Mauerfall deutliche Spuren hinterlassen. Noch stehen dort aber keine Konsum- und Gewerbeparks, sondern die Industrieruinen ruhen. So ähnelt Kreidts groß-

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formatiges Gemälde nicht nur hinsichtlich der Komposition, sondern auch in der Stille und Einsamkeit Caspar David Friedrichs Gemälden „Felsenriff am Meeresstrand“ und „Eismeer“. Wahrscheinlich handelt es sich bei der Industrieruine in unserem Bild um die gesprengte Abraumförderbrücke in Profen-Nord. Sie steht als eine umgestürzte Stahlfachwerkkonstruktion auf vereistem, von Abraum bedecktem Gelände, in Komposition und Kolorit souverän künstlerisch umgesetzt. „Es ist, als hätten wir auf einem fremden Stern eine untergegangene Zivilisation entdeckt.“ (Fritz Kreidt, in: Heroische Landschaft, Heidelberg 1993, S. 40). Literatur: Fritz Kreidt. Heroische Landschaft, Heidelberg 1993, Nr. 36 (Farbabb. S. 79)


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fritz kreidt

8242 „Große Industrielandschaft“ Öl auf Leinwand. 1993. 130 x 85 cm. Unten mittig mit Pinsel in Rotbraun signiert „KREIDT“ und verso betitelt. 3.500€ Ungewöhnlicher Blick von hinten auf die Baugrube und die Baggerschaufel, in akribischem und nahezu fotorealistischem Stil erfasst. Das schwere Gerät ist von Rost und Erde orangebraun verfärbt und zerfressen, leuchtet aber im Sonnenlicht in den schönsten Farben. Den Maler faszinierten „die wunderbaren Farben von Sand und Erde, Kohle, Wasser, Licht und Schatten in den Tagebauten“ (Fritz Kreidt. Heroische Landschaft, Heidelberg 1993, S. 9). Kreidt studiert von 1955 bis 1960 an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Otto

Coester und Georg Meistermann sowie in Paris. Seine Reisen führen ihn nach Spanien, Frankreich, England, die USA und China. Seit der deutschen Wiedervereinigung thematisiert er in seinen Bildern Industrie- und Stadtlandschaften der ehemaligen DDR. Es sind Industriebrachen oder Baustellen, die, melancholisch anmutend, den flüchtigen Zustand von Veränderung wiedergeben. Das Alte, Verfallene, Ausgediente ist Zeugnis einer Epoche, der Kreidt in seinen Gemälden ein Denkmal setzt. Provenienz: Nachlass Fritz Kreidt Literatur: Fritz Kreidt. Heroische Landschaft, Heidelberg 1993, Nr. 24 (Farbabb. S. 68) 219


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siegward sprotte

(1913 Potsdam – 2004 Kampen, Sylt)

8243 Colfosco im Gadertal Aquarell auf genarbtem, festem Velin. 1993. 31 x 46 cm. Unten links mit Pinsel in Orange signiert „Sprotte“ und datiert, verso (von fremder Hand?) bezeichnet. 900€

Die charakteristische Vegetation aus bunt aneinandergereihten Blüten und Gräsern, steht bei Sprottes in den Dolomiten entstandenen Aquarell im Vordergrund, während die geographischen Gegebenheiten für ihn kaum Bedeutung haben und das Bergmassiv im Hintergrund nur angedeutet bleibt. In dem Örtchen Colfosco im Val Badia hielt sich Sprotte seit 1993 bis zu seinem Tode regelmäßig mehrere Monate im Jahr auf. In dem herbstlichen Süd­ tiroler Motiv kommt die Naturverbundenheit des Künstlers zum Ausdruck, und ebenso zeigt es eine gewisse Nähe zu dem Werk von Karl Hagemeister, dessen Meisterschüler er war.

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siegward sprotte

8244 „Colfosco“ Öl auf Leinwand. 1997. 100 x 80 cm. Unten links mit Pinsel in Blau signiert „Sprotte“, datiert und betitelt. 3.000€

In der „schreibenden Malweise“ ähnelt er seinem Lehrer Hagemeister, in der kalligraphisch reduzierten Umsetzung hingegen entwickelt Sprotte seine ganz eigene Meisterschaft. Souverän löst er sich in seinem Gemälde von der Lokalfarbe und bleibt bei einem Farbton, dem Blau, in dem er die Südtiroler Berglandschaft mit der Tanne vor steil abfallenden Felswänden erscheinen lässt. Es dominiert die Rhythmik der Gestaltung, der Erscheinungsformen und Wachstumsprozesse in der Natur. Zu dieser Musikalität in seinem Schaffen sagt Sprotte: „Die schwebenden Töne sind Töne, die wir erscheinen sehen, auch hören, wenn wir mit ihnen sprechen. Mit diesen Tönen und Blicken erwidert die Landschaft unseren Blick“ (Siegwart Sprotte, Bilder aus 60 Jahren, Ausst.-Kat. Potsdam-Museum 1988, S. 22).

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siegward sprotte

8245 Düne und Meereswogen Tempera auf genarbtem Schöllershammer-Velin. 2002. 66 x 45 cm. Unten links mit Feder in Schwarzgrün signiert „Sprotte“ und datiert. 1.500€

Ein purpurner Himmel strahlt über den Wogen, die im Vordergrund in dunklen Schwüngen auslaufen. Sprotte verwandelt die Nordseelandschaft in eine feine, in ihrer Reduktion und Balance asiatisch anmutende Kalligraphie in Rot und Blau. Bereits Anfang der 1930er Jahre, in seiner Zeit bei Hagemeister, setzt sich Sprotte mit den chinesischen Maltechniken auseinander, und später verfasst er mit Hermann Kasack zusammen den Aufsatz „Über das Chinesische in der Kunst“. Eine gestische Pinselschrift, ein korrekturloses Malen in Sprottes bevorzugter Farbgebung führt uns die ewige Dynamik und Ruhe von Himmel und Wellen vor Augen.

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pavel feinstein

(1960 Moskau, lebt in Berlin)

8246 Stilleben mit Weinkelchen und Erdbeeren in blau gemustertem Porzellan Öl auf Leinwand. 1996. 75 x 90 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „PAVEL“ und datiert, verso mit der Werknummer „614“. 1.800€

Im Zentrum des künstlerischen Schaffens von Feinstein stehen Stilleben, zu denen er weder Vorzeichnungen noch Skizzen anfertigt. Sie entstehen intuitiv aus seiner eigenen Phantasie und Erlebniswelt heraus. „Denn große Malkunst ist ja mehr als nur Farbe auftragen, nur Technik und handwerkliches Können, die sicher notwendig sind; große Kunst ist beinahe ein Schaffen ‚EX NIHILIO‘, nur aus vorschwebendem Vorbild, aus Gedanken, aus Idee, aus Willen und aus Zwang entstanden.“(Rabbiner Ernst M. Stein, in: Pavel Feinstein,

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Ausst.-Kat. Galerie Taube, Berlin 2001, o. S.). Deutlich ist an unserem Stilleben Feinsteins Orientierung an den niederländischen und spanischen Vorbildern des 17. und 18. Jahrhunderts zu erkennen. Sein Arrangement, zusammengesetzt aus edlem, blau gemusterten Porzellan, süßen Früchten und eleganten Weinkelchen, erinnert an den Reiz des Kostbaren und des Exotischen, der damals wie heute den Betrachter bezaubert. Doch handelt es sich nicht um bloßes Kopieren der Alten Meister: Feinstein bedient sich kleiner Irritationen, wie dem bereits angeschnittenen Obst oder der waghalsigen Platzierung von Weinglas und kostbarer Schale am rechten Tischrand. Eben dieses Spiel mit den Sehgewohn­heiten des Betrachters ist es aber, das den Reiz der Stilleben von Feinstein ausmacht. Provenienz: Rabbi Dr. Ernst Max Stein, Rabbi Emeritus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin


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pavel feinstein

8247 Stilleben mit Südfrüchten, Teekessel und Flaschen Öl auf Leinwand. 1996. 50 x 80,5 cm. Unten links mit Pinsel in Braun signiert „PAVEL“ und datiert, verso mit der Werknummer „631“. 1.500€

Provenienz: Rabbi Dr. Ernst Max Stein, Rabbi Emeritus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

8248 Blumenstilleben Öl auf Leinwand. 1993. 70 x 65 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „PAVEL“ und datiert, verso mit der Werknummer „517“. 900€

Provenienz: Rabbi Dr. Ernst Max Stein, Rabbi Emeritus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

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john baldessari

(1931 National City – 2020 Venice, Kalifornien)

8249 Prima Facie: Marilyn‘s Dress Farbserigraphie auf Karton. Lose in Orig.-Kassette, mit inliegendem Gedichtband. 2007. 28,5 x 46,2 cm (29,5 x 47,5 x 3 cm). Verso signiert „BALDESSARI“ und datiert. Auflage 45 num. Ex. 800€

Sonderedition mit dem signierten und numerierten Siebdruck und ebenfalls signiertem und numerierten Gedichtband in der Original-Kassette, herausgegeben vom Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln. Prachtvoller Druck der formatfüllenden Darstellung.

gesina liebe

(1948 Göttingen, lebt in Köln)

8250 Denkmal für Madonna Sandstein, Mixed Media. 1998. 54 x 56 x 4 cm. Im Stein monogrammiert „GL“ und verso datiert. 1.000€

In ihrem Projekt „Reliquien XX“ (mit „XX“ sind die zwei weiblichen X-Chromosomen gemeint) schuf die Künstlerin 32 in den Maßen identische Sandsteinplatten mit den im oberen Drittel eingemeißelten Namen von 32 weiblichen Persönlichkeiten von der Antike bis zur Gegenwart und einer mit Attributen angefüllten sogenannten Reliquienkammer. Beigegeben: Katalog zur Ausstellung 1998 mit einem Vorwort von Louis Peters.

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Ausstellung: Gesina Liebe, Reliquien XX, Köln Gewölbekeller Bayenstr. 59, 1998


maxim kantor

(1957 Moskau, lebt in Deutschland, Frankreich und Großbritannien)

8251 „Portrait of Andrei Dolrinin“ Öl auf Leinwand. 1997-98. 50 x 41 cm. Verso signiert „MAXIM KANTOR“, datiert und betitelt. 900€

Rückseitig mit einem Aufkleber der Galerie Eva Poll.

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maxim kantor

8252 „Profile of Lena“ Öl auf Leinwand. 1999. 60,5 x 35 cm. Unten links mit Pinsel in Braun signiert „MAKCÈM“, verso erneut signiert „MAXIM KANTOR“, datiert und betitelt. 900€

Der russische Maler, Graphiker und Schriftsteller Maxim Kantor studierte 1975-1980 am Polytechnischen Institut in Moskau. 1983 gründete er die unabhängige Künstlergruppe „Krasny Dom“ (Das rote Haus), die zahlreiche inoffizielle Ausstellungen, häufig EinTages-Ausstellungen, veranstaltete. Seine ersten internationalen Ausstellungen fanden 1987 u.a. in der Berliner Galerie Eva Poll statt. Seit seiner Teilnahme an der Biennale Venedig 1997 ist er inter­ national bekannt. Seine Gemälde bilden die russische Realität ab, zeigen oft Szenen aus dem russischen Alltag, von Armut und Trostlosigkeit. Seine Portraits sind, wie das Vorliegende, durch starke expressive Farbigkeit gekennzeichnet.

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marwan

(d.i. Marwan Kassab Bashi, 1934 Damaskus – 2016 Berlin)

8253 Suite der Köpfe 99 Radierungen, teils mit Kaltnadel, Aquatinta oder Absprengtechnik auf Arches-Velin. Lose in 2 Orig.-Leinenmappen mit jeweils einer montierten Deckelradierung. 1997/98. 45 x 35 cm (Blattgröße). Jeweils signiert „Marwan“, datiert und bezeichnet „h.(ors) c.(ommerce)“. Merkert 214. 30.000€

Die Suite ist geradezu ein Kompendium der Gesichtslandschaften im Werk des Künstlers: Marwans Bilderwelt kreist beinahe ausschließlich um das menschliche Antlitz und zeigt es in immer neuen Variationen. Unter dem Titel „Die 99 Antlitze“ zeigte das Berliner Museum für Islamische Kunst im Jahr 2009 die Radierfolge des Künstlers. „Zunächst scheinbar frei von jeglicher Verbindung zur

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sufischen Vorstellung von den ‚99 Eigenschaften Gottes‘ schuf Marwan eine 99-teilige ‚Suite der Köpfe‘. Doch je älter er werde, so meint der Künstler rückblickend, umso bewusster sei ihm die Nähe seines Werks zur orientalischen Mystik. (...) Die zentrale Wand­ installation der Ausstellung, bestehend aus 99 kleinformatigen Radierungen und einem leeren Rahmen, ist jedoch nicht nur als Reminiszenz an die ‚99 Eigenschaften Gottes‘ zu deuten. Mit ihren gestischen Kürzeln und kalligraphischen Abstraktionen entwickeln die einzelnen Antlitze zudem eine Form von arabischer Ikonographie.“ (Ariana Mirza, Kunst mit 99 Attributen, 2009, Qantara.de, 14.7.2020). Marwan Kassab Bashi studierte Arabische Literatur an der Universität Damaskus und ging 1957 nach Berlin zu Hann Trier an die Hochschule für Bildende Künste. Ab 1963 arbeitete er als freischaffender Maler in Berlin und gehörte zum Kreis um Georg Baselitz und Eugen Schönebeck. Das Mappenwerk erschien in einer kleinen Auflage von lediglich 18 Exemplaren. Prachtvolle, teils brillante, wunderbar differenzierte Drucke mit dem vollen Rand.


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daniel spoerri

(1930 Galati, lebt in Wien)

8254 Ohne Titel (Brötchen) Bronze, teils farbig gefasst. 15,8 x 9 x 9 cm. Auf der Oberseite des Korpus signiert „Daniel Spoerri“. Auflage 8 num. Ex. 2.000€

Vielleicht gehören die Prillwitzer Idole zu einer der erfolgreichsten Fälschergeschichten des 18. Jahrhunderts, in die selbst die Königin von England und Goethe hineingezogen wurden. Zunächst einmal war es jedoch ein unverdächtiger Vorgang, der in Akten und Büchern geschildert wird: Beim Pflanzen eines Birnbaums im Garten des Gutshauses in Prillwitz stieß man um 1768 plötzlich auf eine Reihe von metallenen Figuren. Einige von ihnen sind von runenartigen Schriftzeichen überzogen; wobei man in einem den Namen Rhetra zu lesen meint. Neben Arkona, das sich leichterhand auf Rügen verorten ließ, suchte man seit Jahrhunderten nach dem zweiten bedeutenden SlawenHeiligtum Rhetra. Durch den Fund schienen sich nunmehr Behauptungen zu bewahrheiten: Prillwitz war das alte Rhetra. (...) Eine von obersten Stellen eingeleitete umfangreiche Untersuchung brachte schließlich zu Tage, dass die Stücke Fälschungen waren. Zwischenzeitlich hatte sie aber eine Dynamik in Gang gesetzt, die sich nicht mehr aufhalten ließ: Die Fundstücke veranlassten den herzoglichen Schweriner Vetter nicht nur 1804 eines der ersten deutschen Denkmalschutzgesetzte zu erlassen, sondern zu einer eigenen Sammlung. Ja, am Ende wurde ein Fundstück aus Trechow, dass man aufgrund seiner Form als „Wendischen Krone“ stilisierte, zum Symbol des mecklenburgischen Hausordens. Dass es sich – modern gesprochen um eine Radkappe handelte – war unbedeutend. Daniel Spoerri hat als einer der Ersten a posteriori überhaupt – nicht wissenschaftlich - sondern künstlerisch die Bedeutung der Prillwitzer Idole erkannt. Bis heute weiß man nicht, ob die Fälscher – honorige Personen der Neubrandenburger Gesellschaft, der einstige Eigentümer von Prillwitz oder sogar der Herzog selbst Drahtzieher dieser Täuschung waren. Tatsache ist, dass alle auch über Jahrzehnte davon profitierten oder sie fortschrieben. Ebenso wie in Hohenzieritz hat Spoerri in seinem eigenen Landschaftsgarten in Italien die Themen von Verortung und Memoria noch einmal aufgegriffen. Die heutige Forschung konnte er bei der Herstellung seiner Repliken nicht kennen. Hatte er diese Dimensionen geahnt? Und wenn: warum kopiert er Fälschungen? Im Sinne der Archäologie sind sie falsch, im Sinne der Kunstgeschichte aber reale Artefakte. Der Künstler bietet dem Betrachter Objekte dar, an dem er den Schnittpunkt zwischen Wirklichkeit und Wahrheit auslotet. Sie sind unwahr und falsch, trotzdem haben sie nicht nur eine Wirklichkeit, sondern mittlerweile auch Geschichte geschrieben. Vielleicht muss man sein Werk vor dem Hintergrund

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postmoderner Historikerstreits sehen, die mit den Prillwitzer Idolen einen Vorläufer gefunden haben. Dass sich die Deutungshoheit an „false facts“ festmacht, muss den Historiker wie den Künstler nervös machen. Dass wir gerade heute wieder an diesem Punkt stehen, macht die Objekte besonders spannend. Die „originalen“ Fälschungen befinden sich übrigens bis heute in Landesbesitz und werden in einem Depot im einstigen Herzogtum Schwerin peinlichst unter Verschluss gehalten. // Dr. Marcus Köhler, Dresden

8255 Napoleonküken / Pulcino Napoleone Bronze mit schwarzbrauner Patina. 2005. 18 x 6,7 x 12 cm. Signiert „Daniel Spoerri“ und mit dem Stempel „Fondation George Grard“. Auflage 25 röm. num. Ex. 1.600€

Das Napoleonküken ist der Serie der „Prillwitzer Idole“ (2006–2008) zuzuordnen, im Rahmen derer bis heute an die 30 große Bronzen sowie eine Serie kleiner „Prillwitzchen“ entstanden. Ausgezeichneter Guss mit prägnant changierender, matter Patina.

8256 Breitmaulclown Silberguss. 2006. 12 x 8 x 15 cm Auf der Unterseite signiert „Daniel Spoerri“. Auflage 4 röm. num. Ex. 2.000€

Aus der Silberguss-Serie der „Prillwitzer Idole“ 2006–2008. Grundsätzlich erschienen diese Bronzen in einer Auf­lage von 12 Exemplaren (bzw. 8+4 EA). Ausgezeichneter Guss.

8257 Ohne Titel (Kümmerling auf schwarzer Platte) Bronze, farbig gefasst. 17 x 7 x 11 cm. Auf der Platte signiert „Daniel Spoerri“. Auflage 8 num. Ex. 1.600€

Aus der Serie „Prillwitzer Idole“ 2006–2008. Grundsätzlich erschienen diese Bronzen in einer Auflage von 12 Exemplaren (bzw. 8+4 EA). Ausgezeichneter Guss.


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edgar hofschen

(1941 Tapiau – 2016 Radevormwald)

8258 „Modifikation W 27“ Öl auf Leinwand. 2009. 90 x 100 cm. Verso mit Filzstift in Schwarz signiert „Hofschen“, datiert, betitelt und mit Richtungspfeil. 800€

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Edgar Hofschen war ein Vertreter der „Analytischen Malerei“, einer internationalen Bewegung der Kunst der 1970er Jahre, die sich mit ihren Grundlagen auseinandersetzt, indem sie die Relationen zwischen Malgrund, Farbmaterial und Farbauftrag ebenso untersucht wie die Bedingungen, die der Malerei vom Bildträger und der Bildfläche gesetzt werden. Andere bekannte Vertreter dieser Bewegung sind Antonio Calderara, Kuno Gonschior oder Raimund Girke. Edgar Hofschen ordnete seine Malerei in einzelnen Werkgruppen in alphabetischer Reihenfolge, die er „Modifikationen“ nannte. Die Ziffern hinter den Buchstaben in den Bildtiteln markieren die Position des jeweiligen Gemäldes innerhalb der Jahres­zählung.

rolf händler

(1938 Halle, lebt in Berlin)

8259 „Winterlandschaft“ Öl auf Leinwand. 2010. 25 x 30 cm. Unten rechts mit Pinsel in Grau signiert „R. Händler“ und datiert, rückseitig auf der Leinwand nochmals signiert und datiert sowie betitelt und bezeichnet „Allee im Winter“. 800€

Rolf Händler studierte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee sowie an der Akademie der Künste zu Berlin bei Karl-Erich Müller. Seit 1972 ist er freiberuflich als Maler und Graphiker in Berlin tätig. Sein Œuvre umfasst hauptsächlich Porträts, Stilleben und Landschaftsdarstellungen, die sich durch ihre malerische Bildauffassung und die reduzierte Farbpalette kennzeichnen und stets einen Hauch von Melancholie in sich tragen.

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eva kaiser

(1963 Salzburg)

8260 „Action in blue“ Acryl auf Leinwand. 2006. 129 x 105 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Eva Kaiser“, rückseitig nochmals signiert sowie datiert, betitelt und mit der Nummer „259“. 1.800€

„Kaiser verlässt sich auf die rasche Geste, den unberechenbaren Einfall, der sich jetzt und nur jetzt einstellt. Sie überlässt sich der Wildheit des inneren ungebändigten Ausdruckwillens, der nicht

schön, perfekt und gelungen sein will, sondern seine individuelle Spur des augenblicklichen Empfindens hinterlassen will. Erst im Abstand sieht die Künstlerin, was von diesen ihren spontanen Vulkanausbrüchen zu halten ist und beginnt das Bild zu überarbeiten, zu gestalten, umzuformen, sie bändigt ihre Spontaneität durch die Macht ihres Willens. So sind diese Bilder ein steter Kampf zwischen Vernunft und Unvernunft, Spontaneität und Kontrolle.“ (Dr. Anton Thuswaldner, Gedanken zu den aktionistischen Werken von Eva Kaiser, evakaiser.com, Zugriff 14.10.2021). Provenienz: Aus dem Atelier der Künstlerin 231


markus lüpertz

(1941 Liberec, lebt in Berlin, Düsseldorf und Karlsruhe)

8261 Hölderlin Bronze mit dunkelbrauner Patina, farbig gefasst, auf Bronzeplinthe. 2012. 45 x 22 x 13 cm. Verso seitlich auf der Plinthe monogrammiert „ML“ und bezeichnet als „E.(preuve d‘)A.(rtiste)“ sowie mit dem Gießerstempel „SCHMÄKE DÜSSELDORF“. Auflage 45 Ex. 12.000€

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Nicht die Person des Dichters ist es, die Lüpertz modelliert, sondern eine Abstraktion seiner Persönlichkeit, ein Bild des Genius, seiner Bestimmung, seines Schicksals und seiner Verletzlichkeit. Der Körper mit seinen kräftigen Brust-, Arm- und Beinmuskeln wirkt athletisch, die gebeugten Knie implizieren ebensosehr eine Abwärtswie eine Aufwärtsbewegung. So wirkt die Haltung seltsam unentschieden. Zugleich liegt im Ausdruck etwas Verletztes, im beinahe kindlich übersteigerten Kolorit mit zitronengelben Locken, blau schattierten Augenlidern, Rouge auf Wangen und Lippen und nicht zuletzt dem himmelblauen Lendenschurz etwas zwiespältig Expressives. Diese irritierende Nuance verleiht der Bronze eine ungewöhnliche Präsenz und verankert die Dichterfigur in der Gegenwart. Markus Lüpertz beschäftigte sich immer wieder mit historischen Persönlichkeiten und mythologischen Figuren so wie Herkules, Mozart, Hölderlin oder Beethoven. Eine große, über drei Meter hohe Fassung der Bronze wurde 2012 bei den Olympischen Spielen direkt vor dem deutschen Haus im Museum of London Docklands aufgestellt. Zudem schuf Lüpertz, fasziniert von dem Dichter, der als Außenseiter für ihn den Triumph des Individualismus verkörperte, unter dem Titel „Hölderlin 2012“ Radierungen und Holzschnitte in mehreren Farbvarianten und kleinen Auflagen. Prachtvoller Guss mit homogener Patina und expressiver Farbigkeit.


heinz willig

(1933 Gelsenkirchen, lebt in Berlin)

8262 Urszula 4 Bronze mit brauner Patina. 2012. 10,5 x 47,0 x 38 cm. Unter dem rechten Arm signiert „H. WILLIG“ und datiert, hinten an der Hüfte mit dem Gießerstempel „GUSS STREHLE“. Auflage 12 num. Ex. Willig 223, 2012. 2.900€

Wie hingegossen liegt sie da, die junge Frau. Und ein wenig von der Welt abgekehrt: die Ohren zwischen beiden Armen abgeschirmt und den Kopf nach unten an die Brust geneigt. Zugleich aber hält sie ihr linkes Bein weit vom Körper gestreckt, das nicht nur zusammen mit der Geraden der gestreckten Arme ein spannungsvolles Liniengefüge bildet, sondern die Figur auch mit der Welt verbindet: Wie ein Fühler scheint der Fuß Kontakt aufnehmen zu wollen. Die Bronze zeigt darin eine der ganz großen Stärken des Bildhauers, denn immer wieder hält Heinz Willig souverän den Ausdruck

seiner Bronzen in der Balance zwischen stiller Versenkung und Öffnung zur Außenwelt, zwischen Geschlossenheit und Offenheit, zwischen Gelöstheit und Spannung. Auch die Urszula 4 überzeugt in ihrer Allansichtigkeit, bei der ein komplexes Gefüge von Kompositionslinien jede in der Drehung neu gewonnene Silhouette zu einer Entdeckung werden lässt. Das schimmernde Licht auf der leicht rauen Körperoberfläche zeichnet immer neue Formen der weiblichen Figur sanft und effektvoll nach. Heinz Willig schuf bereits 1949 erste plastische Arbeiten. 1951 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, überwiegend in der Klasse für Bildhauerei bei Ludwig Gabriel Schrieber, der ihm vor allem Brâncusi und Gris wie auch Seurat, Schlemmer und Laurens als Vorbilder vermittelte. Prachtvoller Guss mit fein schimmernder Patina, hergestellt von Otto Strehle, Winhöring. Literatur: Heinz Willig. Skulpturen und Zeichnungen 2008–2018, Werkverzeichnis der Skulpturen und Zeichnungen 1952–2018, Berlin 2019, WV 223, S. 124

8262 233


8263

jean labourdette

(aka Turf One; 1976 Paris, lebt in Montreal)

8263 „Gueule d’amour“ Triptychon. Mischtechnik mit Goldgrund und Textilcollage auf Holz. 2009. Geschlossen 117 x 43 cm, geöffnet 117 x 87 cm. Verso mit Faserstift in Schwarz signiert „JEAN LABOUR­ DETTE“, datiert, betitelt und bezeichnet „TURFONE“. 6.000€

Schon als Kind besuchte Jean Labourdette häufig mit seinem Vater die Pariser Flohmärkte, auf denen er schnell eine Faszination für Antiquitäten sowie eine große Sammelleidenschaft entwickelte. Ende der 1980er Jahre etablierte er sich zunächst als GraffitiKünstler unter dem Pseudonym Turf One, bevor er im Jahre 2001 nach Montreal übersiedelte. Dort war er als Illustrator, Comic-

234

Zeichner und Filmemacher tätig, bis er sich ab 2004 verstärkt der Malerei widmete. Seine Werke sind inspiriert von so unterschiedlichen Einflüssen wie Altmeistergemälden, russischen Ikonen, viktorianischen Kuriositäten, sowie der Jahrmarktkultur und auf Flohmärkten und in Antiquitätengeschäften gefundenen Objekten, die er häufig als Objet trouvé in seine Kunstwerke miteinbezieht. Fasziniert vom dynamischen Verhältnis scheinbarer Gegensätze ergründet Labourdette im Spiel mit Symbolen, Archetypen und Artefakten in seinen mit altmeisterlicher Präzision geschaffenen, phantastischen Bildwelten unterbewußte Strömungen, transzendiert die Erfahrungen von Zeit und Tod und evoziert so das Schöne im vermeintlich Hässlichen, das Licht aus der Dunkelheit. Provenienz: Yves Laroche Galerie D´Art, Montreal (mit deren Klebeetikett verso)


martin wittfooth

(1981 Toronto, lebt in New York)

8264 The Pieta Öl auf Leinwand, 2011. 128 x 76 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „Wittfooth“ und datiert, verso auf dem Keilrahmen mit Filzstift in Rot signiert und datiert. 5.000€

Nach einer ersten Tätigkeit als Illustrator studierte Martin Wittfooth an der School of Visual Arts in New York. Schon zu Beginn seiner Ausbildung widmeten ihm zahlreiche Galerien Einzelausstellungen. In seinen altmeisterlich präzisen Ölgemälden verbindet er das klassische und repräsentative Medium der Ölmalerei auf meisterhafte Weise mit aktuellen und ganz persönlich aufgefassten Themen, die sich oft in surreal anmutenden Szenerien präsentieren.. Provenienz: Lyons Wier Gallery, New York

8264

martin wittfooth

8265 Dia de los Muertos Öl auf Leinwand in ornamentiertem Rahmen. 2007. Ca. 50 x 34 cm im Oval. Unten mittig mit Pinsel in Graugrün monogrammiert „MW“ und datiert. 2.500€

Provenienz: Yves Laroche Galerie D´Art, Montreal (mit deren Klebeetikett verso) 8265 235


jenny holzer

(1950 Gallipolis/Ohio, lebt in New York)

8266 P9 TOP SECRET 24 Schablonen-Reservage-Technik auf handgeschöpftem Bogen, 2-lagig gegautscht. 2012. 90,5 x 70 cm. Griffelkunst 345./346. Wahl I./II. Quartal 2012. 600€

In einer technisch extrem aufwendigen Methode wird das Motiv von der Künstlerin einzeln von Hand geschöpft. Die geschwärzten Druckflächen in den Vorlagen sowie gedruckte Wörter und Zahlen werden durch schwarzen Faserstoff bzw. Papier erzeugt, nicht gedruckt, die Herstellung von Schwarzweiß-Kontrasten, das Grundprinzip unserer Schrift- und Druck-Tradition wird aufgehoben und somit hinterfragt. Es handelt sich somit um ein Unikat.

8266

monica bonvicini

(1965 Venedig, lebt in Berlin)

8267 not for you 5 Farboffsetdrucke auf Velinkarton. Lose in illustrierter Orig.-Mappe. 2019. Je 70 x 50 cm. Sämtlich verso monogrammiert „MB“. 800€

8267 236

Erschienen bei der Griffelkunst-Vereinigung, Hamburg. Für die Edition komprimiert Monica Bonvicini durch die Verschränkung der Ebenen Rauminstallation und Text zentrale Aspekte ihrer Arbeit zu einer ungewöhnlichen Druckgraphik-Serie. Sämtlich prachtvolle Drucke der formatfüllenden Darstellungen.


register moderne und zeitgenössische kunst Lose 7000-7236 Moderne und Zeitgenössische Kunst II finden Sie online Lose 8000-8267 Moderne und Zeitgenössische Kunst I

A Albert-Lasard, Lou 7000-7001, 8105-8106 Alt, Otmar 7002 Altenbourg, Gerhard 8231 Antes, Horst 7003-7005, 8140-8142 Arnim, Bettina von 7006 Arntz, Gerd 8060 Ascher, Fritz 8094 B Bach, Elvira 7007 Baldessari, John 8249 Balkenhol, Stephan 7008 Bargheer, Eduard 7009, 80958096 Barlach, Ernst 7010-7011 Baschlakow, Alexej I. 7012-7014 Bauer, John 8037 Beauregard, Mario 7015 Beckmann, Max 8050-8051 Benes, Vlastimil 8205 Berges, Werner 7016 Beuys, Joseph 7017-7018, 8232 Bilbo, Jack 7019 Blais, Jean Charles 8227 Bloos, Richard 8074 Böddinghaus, Eva 7020 Bohrmann, Karl 8238 Bonato, Victor 7021-7022 Bonvicini, Monica 8267 Braque, Georges 7023, 8138 Breil, Bruno 8073 Brüning, Max 7024 Brunovsky, Albin 8206-8210 Buffet, Bernard 8114 Byars, James Lee 7025-7026 C Camoni, Riccardo 7027 Caspar, Karl 8015 Cavael, Rolf 7028-7029 Chagall, Marc 7030-7031, 8107-8109 Chatziioannidis, Fotis 7032 Christo 8213 Corinth, Lovis 7033-7037 Corneille 7038 Corot, Jean-Baptiste-Camille 7039 Cragg, Tony 8239 Cremer, Fritz 8097

D Dalí, Salvador 7040-7041, 8143-8145 Delaunay, Sonia 7042, 8162-8163 Dittberner, Martin 8125-8126 Dix, Otto 7043 Dorazio, Piero 7044, 8161 Dumont, Maurice 7045 E Eckmann, Otto 7046 Eder, Martin 7047 Eggers, Eberhard 7048 Ende, Hans am 7049 Equipo Crónica 7050 Ernst, Max 7051 Esser, Bärbel 7052 Ewel, Gerd 8216-8218 F Feininger, Lyonel 8027-8029 Feinstein, Pavel 8246-8248 Felixmüller, Conrad 8048-8049 Fetting, Rainer 7053 Fiebiger, Albert 7054 Fontana, Lucio 8186 Foujita, Tsuguharu 7055 Fritsch, Katharina 8225 Fuchs, Ernst 8189 Fußmann, Klaus 7056, 8220-8221 G Gábor, Jenö 8066-8067 Gazovic, Vladimir 8206 Geccelli, Johannes 8135-8136 Geiger, Willi 8031-8032 Gering, Andreas 8041-8043 Gietz, Martin 7057-7058 Giring, Susanne 7059 Götz, Karl Otto 7060 Gonschior, Kuno 7061-7062, 8183-8185 Gothein, Werner 8093 Gotsch, Friedrich Karl 7063 Graham, Dan 7064 Graphik & Handzeichnungen 7065-7079 Grieshaber, HAP 7080 Großmann, Rudolf 7081-7082 Grosz, George 7083-7085, 8052-8054 Grützke, Johannes 8201-8202

H Haase, Volkmar 8181-8182 Händler, Rolf 8259 Hajek, Otto Herbert 8127 Haring, Keith 7086 Harnest, Fritz 8134 Hartung, Hans 7087 Heckendorf, Franz 8070 Heckrott, Wilhelm 8044 Hegenbarth, Josef 7088, 8100-8101 Heisig, Bernhard 8230 Herbig, Otto 7089-7090 Herrmann, Paul 8116 Hertzer, Else 7091 Hölzel, Adolf 8075 Hofer, Karl 7092 Hofmann, Otto 7093-7095 Hofschen, Edgar 8258 Holmead 8169-8172 Holzer, Jenny 8266 Hrdlicka, Alfred 7096-7097, 8190 Hubbuch, Karl 8085-8087 Hundertwasser, Friedensreich 8191-8195 Huth, Willy Robert 7098-7101 I Immendorff, Jörg 8228-8229 J Jaeckel, Willy 7102, 8072 Janosch 7103 Janssen, Horst 7104-7106 Jensen, Jens 7107 Jones, Allen 8139 Józsa, Carl 8016-8018 K Kaiser, Eva 8260 Kampf, Arthur von 8038-8040 Kantor, Maxim 8251-8252 Kinder, Hans 8133 Kissmer, Willi 7108 Klar, Peter 7109-7111 Klein, Yves 8137 Klien, Erika Giovanna 8088 Klimt, Gustav 8004 Klinger, Max 7112 Klinkan, Alfred 8223 Knizak, Milan 8151 König, Leo von 8091 Kokoschka, Oskar 7113

Kollwitz, Käthe 7114-7115, 8019-8020 Kosnik-Kloss, Jeanne 7116 Kreidt, Fritz 8241-8242 Kretzschmar, Bernhard 8055 Kubin, Alfred 8080-8084 Kuckei, Peter 8175-8177 Küchenmeister, Rainer 8146-8150 Kügler, Rudolf 7117 Künzel, Gero 8235-8236 L Labourdette, Jean 8263 Laserstein, Lotte 8203-8204 Leistikow, Walter 7118 Lemcke, Dietmar 8119-8121 Liebe, Gesina 8250 Liebermann, Max 7119-7125, 8007-8009 Liebknecht, Robert 8104 Löffler, Berthold 8003 Luckner, Heinrich Graf von 7126 Ludwig, Wolfgang 8187 Lüpertz, Markus 8261 M Machold, Jorge 7127-7128, 8219 Maetzel-Johannsen, Dorothea 8045-8046 Maillet, Leo 7129 Mammen, Jeanne 8035 Mappenwerke 8240 Marwan 7130, 8253 Masereel, Frans 8102-8103 Mattheuer, Wolfgang 7131-7134 Maurer, Dóra 8211 Meese, Jonathan 7135-7136 Mediz-Pelikan, Emilie 7136a Meidner, Ludwig 8092 Mields, Rune 7137 Miró, Joan 8110-8113 Molzahn, Johannes 8061 Monory, Jacques 7138 Moore, Henry 7139 Mühlenhaupt, Kurt 7140-7142 Müller, Irene 7143 Müller, Richard 7144-7146, 8090 Müller-Linow, Bruno 7147-7149 Mueller, Otto 8056-8057 Munch, Edvard 8002 237


N Nagel, Peter 8196 Natkin, Robert 8226 Nauen, Heinrich 8079 Nerlinger, Oskar 8068-8069 Nesch, Rolf 8071 Neumann, Max 7150 Nolde, Emil 8021-8023 O Olde, Hans 7151 Oppenheimer, Max 7152, 8034 Oppler, Ernst 8006 Orlik, Emil 7153-7168, 8010-8014 PQ Paeschke, Paul 7169 Paik, Nam June 7170 Pankok, Bernhard 7171-7172 Pascin, Jules 7173 Pechstein, Max 7174, 8024 Peiffer-Watenphul, Max 7175-7176 Pfab, Jörn 7177 Picasso, Pablo 8164-8168 Piene, Otto 7178-7180, 8152-8160 Pijuan, Joan Hernández 7181 Polke, Sigmar 7182, 8233 Quinte, Lothar 8188

R Radovic, Zoran 8174 Rée, Anita 8076 Renoir, Pierre-Auguste 7183 Reuter, Erich Fritz 7184-7187 Ring, Thomas 7188 Ringel, Franz 8222 Rinke, Klaus 7189 Rivers, Larry 7190 Rizzi, James 7191 Rodin, Auguste 7192 Roeder, Emy 8047 Roh, Franz 8089 Rohlfs, Christian 8030 Roth, Dieter 7193-7194 Royen, Peter 7195 S Schindehütte, Albert 7196 Schleime, Cornelia 8237 Schmidt-Rottluff, Karl 8059 Scholz, Georg 8078 Schrieber, Ludwig G. 8117-8118 Schultze, Bernard 7197 Schumacher, Emil 7198-7200 Schwarz, Reiner 7201 Schwimbeck, Fritz 8058 Sebba, Siegfried Shalom 7202 Seewald, Richard 7203-7204 Shapiro, Shmuel 7205

Sillner, Manfred 7206 Sintenis, Renée 7207, 8098-8099 Skarbina, Franz 7208 Slevogt, Max 7209 Sonderborg, K. R. H. 7210 Spoerri, Daniel 7211, 8254-8257 Sprotte, Siegward 8243-8245 Stausland, Mette 7212 Steinlen, Théophile A. 8005 Stekker, Martin 8025-8026 Stöhrer, Walter 7213-7214 Stötzer, Werner 8224 Strässer, Herbert 8128-8130 Strempel, Horst 8122-8124 Stuckenberg, Fritz 7215-7216 Stückgold, Stanislaus 8033 Szczesny, Stefan 7217 T Tagger, Theodor 7218 Tàpies, Antoni 7219, 8212 Thieler, Fred 8131-8132 Tinguely, Jean 7220 Topp, Arnold 8062-8064 Torges, Günther 7221 Toulouse-Lautrec, Henri de 8000-8001 Tucholski, Herbert 7222 Tübke, Werner 7223-7224 Tytgat, Edgard 7225

U Uecker, Günther 8178-8180 Ury, Lesser 7226 V Vasarely, Victor 8173 Vostell, Wolf 7227 W Wacik, Franz 7228-7229 Wagner, Stefan-Thomas 8215 Warhol, Andy 8197-8200 Wauer, William 8065 Weber, A. Paul 7230 Wegener, Einar Mogens Andreas (Lili Elbe) 7231 Weidenbach, Dieter 8214 Wellschmidt, Helmut 8115 Westpfahl, Conrad 7232-7233 Wewerka, Stefan 7193 Willig, Heinz 8262 Winter, Gerd 7234 Wittfooth, Martin 8264-8265 Wolff, Harald 7235 Wülfing, Sulamith 8077 Z Zille, Heinrich 7236, 8036 Zimmer, Hans Peter 8234

besitzer 1: 8220. 2: 8007. 3: 8138. 4: 8000, 8002, 8008, 8022, 8023, 8024. 5: 8056, 8135, 8136. 6: 8001, 8108, 8114, 8168, 8191, 8192. 7: 8041, 8042, 8043, 8115. 8: 8169, 8170, 8171, 8172. 9: 8233. 10: 8249, 8258. 11: 8100, 8101. 12: 8253. 13: 8044, 8162. 14: 8107. 15: 8010, 8012, 8016, 8017, 8018. 16: 8021. 17: 8048, 8049, 8071. 18: 8057, 8116. 19: 8085, 8086, 8087, 8093. 20: 8037. 21: 8090. 22: 8173. 23: 8128, 8129, 8130. 24: 8003, 8080, 8081, 8082, 8083, 8084. 25: 8262. 26: 8227. 27: 8033, 8066, 8067, 8222. 28: 8133. 29: 8197, 8198, 8199, 8200. 30: 8074. 31: 8045, 8183. 32: 8036, 8072. 33: 8119, 8120, 8121. 34: 8137, 8225. 35: 8034, 8050, 8051, 8058, 8075, 8088, 8089. 36: 8216, 8217, 8218. 37: 8105. 38: 8161, 8174. 39: 8005. 40: 8025, 8026. 41: 8163. 42: 8131, 8132, 8261. 43: 8009. 44: 8095, 8096. 45: 8059. 46: 8110, 8145. 47: 8151. 48: 8203, 8204. 49: 8035, 8054, 8164, 8165, 8231. 50: 8092. 51: 8055. 52: 8246, 8247, 8248. 53: 8235, 8236. 54: 8185, 8223. 55: 8250, 8254, 8255, 8256, 8257. 56: 8046, 8230, 8238. 57: 8047. 58: 8019, 8020. 59: 8015, 8030, 8031, 8062, 8063, 8064, 8065, 8068, 8069, 8076, 8078, 8196, 8214, 8215, 8229, 8234. 60: 8079. 61: 8102, 8103. 62: 8094. 63: 8013, 8014. 64: 8073. 65: 8127, 8140, 8141. 66: 8239. 67: 8070. 68: 8241, 8242. 69: 8134, 8146, 8147, 8148, 8149, 8150. 70: 8122, 8123, 8124, 8175, 8193. 71: 8143, 8144. 72: 8109, 8112, 8113, 8166, 8167, 8194, 8195, 8212, 8232. 73: 8237. 74: 8228. 75: 8213. 76: 8139, 8186, 8187. 77: 8098, 8099. 78: 8006. 79: 8219. 80: 8032. 81: 8053. 82: 8206, 8207, 8208, 8209, 8210. 83: 8060. 84: 8202, 8251, 8252. 85: 8111. 86: 8205. 87: 8240. 88: 8038, 8039, 8040. 89: 8152, 8153, 8154, 8155, 8156, 8157, 8158, 8159, 8160, 8178, 8179, 8180, 8188. 90: 8224. 91: 8104. 92: 8184. 93: 8221. 94: 8142. 95: 8077. 96: 8004, 8052, 8061. 97: 8011. 98: 8125, 8126. 99: 8266, 8267. 100: 8091. 101: 8176, 8177, 8226. 102: 8027, 8028, 8029. 103: 8117, 8118. 104: 8097, 8181, 8182, 8189, 8190, 8201. 105: 8106. 106: 8243, 8244, 8245. 107: 8259, 8260. 108: 8211. 109: 8263, 8264, 8265.

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lot 4287 martin parr Florida. 1997. Chromogenic print on Fujicolor Professional paper.

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V ER ST EIGERU NG S - BEDI NGU NGEN 1. Die Galerie Gerda Bassenge KG, nachfolgend Versteigerer genannt, versteigert als Kommissionärin im eigenen Namen und für Rechnung ihrer Auftraggeber (Kommittenten), die unbenannt bleiben. Die Versteigerung ist freiwillig und öffentlich im Sinne des § 383 III BGB. 2. Der Versteigerer behält sich das Recht vor, Nummern des Kataloges zu vereinen, zu trennen, außerhalb der Reihenfolge anzubieten oder zurückzuziehen. 3. Sämtliche zur Versteigerung kommenden Gegenstände können vor der Ver­steigerung besichtigt und geprüft werden. Die Sachen sind gebraucht. Erhaltungszustände der einzelnen angebotenen Arbeiten bleiben im Katalog in der Regel unerwähnt. Die Katalogbeschreibungen sind keine Garantien im Rechtssinne und keine vertraglich vereinbarten Beschaffenheitsangaben. Gleiches gilt für individuell angeforderte Zustandsberichte. Sie bringen nur die subjektive Einschätzung des Versteigerers zum Ausdruck und dienen lediglich der unverbindlichen Orientierung. Alle Gegenstände werden in dem Erhaltungszustand veräußert, in dem sie sich bei Erteilung des Zuschlages befinden. Soweit nicht in der Katalogbeschreibung explizit erwähnt, sind Rahmungen nicht bindender Bestandteil des Angebots. Der Käufer kann den Versteigerer nicht wegen Sachmängeln in Anspruch nehmen, wenn dieser seine Sorgfaltspflichten erfüllt hat. Der Versteigerer verpflichtet sich jedoch, wegen rechtzeitig vorgetragener, begründeter Mängelrügen innerhalb der Verjährungsfrist von 12 Monaten ab dem Zeitpunkt des Zuschlags seine Ansprüche gegenüber dem Einlieferer (Auftraggeber) geltend zu machen. Im Falle erfolgreicher Inanspruchnahme des Einlieferers erstattet der Versteigerer dem Erwerber den Kaufpreis samt Aufgeld. Die Haftung des Versteigerers auf Schadensersatz für Vermögensschäden – gleich aus welchem Grund – ist ausgeschlossen, es sei denn, dem Versteigerer fiele Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit zur Last. Die Haftung bei Verletzung von Leben, Körper und Gesundheit bleibt unberührt. 4. Der Zuschlag erfolgt nach dreimaligem Aufruf an den Höchst­ bieten­den. Der Versteigerer kann den Zuschlag verweigern oder unter Vor­behalt erteilen. Wenn mehrere Personen dasselbe Gebot abgeben und nach dreimaligem Aufruf kein höheres Gebot erfolgt, entscheidet das Los. Der Versteigerer kann den Zuschlag zurücknehmen und die Sachen erneut ausbieten, wenn irrtümlich ein rechtzeitig abgegebenes höheres Gebot übersehen worden ist oder wenn der Höchst­bietende sein Gebot nicht gelten lassen will oder sonst Zweifel über den Zuschlag bestehen. 5. Im Falle eines schriftlichen Gebotes beauftragt der Interessent den Versteigerer für ihn während der Versteigerung Gebote abzugeben. In schriftlichen Aufträgen ist bei Differenzen zwischen Nummer und Kennwort das Kennwort maßgebend. 6. Telefonische Gebote und Online-Direkt-Gebote über das Internet bedürfen der vorherigen Anmeldung beim Versteigerer und dessen Zustimmung. Für die Bearbeitung übernimmt der

Versteigerer jedoch keine Gewähr. Telefonische und OnlineGebote werden nur akzeptiert, wenn der Bieter bereit ist, den ihm zuvor mitgeteilten Mindestpreis des jeweiligen Loses zu bieten. Auch bei Nichtzustandekommen einer Verbindung gilt, dass für den Auktionator dieses Gebot in Höhe des Mindestpreises verbindlich ist. Für das Zustandekommen einer entsprechenden Telefon- oder Onlineverbindung übernimmt der Versteigerer keine Gewähr. Das Widerrufs- und Rückgaberecht bei Fernabsatzverträgen findet auf solche Gebote keine Anwendung (§ 312d Abs. 4 Nr. 5 BGB). 7. Mit der Erteilung des Zuschlages geht die Gefahr für nicht zu vertretende Verluste und Beschädigung auf den Ersteigerer über. Das Eigentum an den ersteigerten Sachen geht erst mit vollstän­ digem Zahlungseingang an den Erwerber über. 8. Auf den Zuschlagspreis ist ein Aufgeld von 28% zu entrichten, in dem die Umsatzsteuer ohne separaten Ausweis enthalten ist (Differenzbesteuerung) oder ein Aufgeld von 23% auf den Zuschlag zzgl. der USt von z.Zt. 19% (Regelbesteuerung), bei Büchern beträgt die Umsatzsteuer 7% (Regelbesteuerung). Die im Katalog mit einem * gekennzeichneten Objekte unterliegen in jedem Fall der Regelbesteuerung (Aufgeld von 23% auf den Zuschlag zzgl. der USt von z.Zt. 19%). Bei den im Katalog mit einem ^ gekennzeichneten Objekten ist Einfuhrumsatzsteuer angefallen. In diesen Fällen wird zusätzlich zu einem Aufgeld von 25% (Differenzbesteuerung) die verauslagte Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von z.Zt. 7% auf den Zuschlag erhoben. Für bundesdeutsche Kunsthändler und Antiquare, die zum Vor­s teuer­abzug berechtigt sind, kann die Gesamt­rech­nung auf Wunsch, wie bisher nach der Regelbesteuerung ausgestellt werden. Von der Umsatzsteuer befreit sind Ausfuhrlieferungen in Dritt­ länder (außerhalb der EU) und – bei Angabe ihrer USt.-Identi­ fikations-Nr. bei Auftragserteilung als Nachweis der Berechtigung zum Bezug steuerfreier innergemeinschaftlicher Lieferungen – auch an Unternehmen in anderen EU-Mitgliedsstaaten, unter der Voraussetzung, dass sie für gewerblichen Gebrauch einkaufen. Eine Korrektur nach Rechnungsstellung ist nicht möglich. Alle anderen Käufe aus EU-Ländern unterliegen der Umsatzsteuer. Ausländischen Käufern außerhalb der Europäischen Union wird die Umsatzsteuer erstattet, wenn binnen 4 Wochen nach der Auktion der deutsche zollamtliche Ausfuhrnachweis und der zollamt­ liche Einfuhrnachweis des entsprechenden Importlandes erbracht werden. Bei Versand durch uns gilt der Ausfuhrnachweis als gegeben. Bei Online-Live-Geboten über externe Internetplattformen erhöht sich das Aufgeld um die dort anfallende Transaktions­gebühr. Wäh­rend oder unmittelbar nach der Auktion ausgestellte Rech­ nun­­gen bedür­fen einer beson­de­ren Nachprüfung und eventueller Berichtigung; Irrtum vor­behalten. Katalog- und Zusatzabbildungen dürfen nicht ohne Genehmigung verwendet werden. Reproduktionsrechte und digitale Dateien der Abbildungen können gegen Gebühr erworben werden. Gegebenenfalls noch bestehende Urheberrechte Dritter bleiben davon unberührt und müssen u.U. gesondert eingeholt werden.


9. Die Auslieferung der ersteigerten Stücke erfolgt in unseren schäftsräumen gegen Bezahlung. Kreditkarten (Mastercard, Ge­ VISA, American Express), Schecks sowie andere unbare Zahlungen werden nur erfüllungshalber angenommen. Bankspesen/ Transaktionsge­bühren bzw. Kursverluste können zu Lasten des Käufers gehen. Die Auf­ bewahrung erfolgt auf Rechnung und Gefahr des Käufers. Der Versand wird gegen Vorabrechnung des Rechnungsbetrages ausgeführt. Die Versandspesen sowie die Kosten für Versicherung gegen Verlust und Beschä­digung gehen zu Lasten des Käufers. Übersteigen die tatsäch­lichen Versandkosten die vorab berechnete Pauschale, so wird die Differenz dem Käufer nachträglich in Rechnung gestellt. 10. Bei der Ausfuhr von Kulturgütern aus dem Gemeinschaftsgebiet der EG ist gem. der EG-Verordnung Nr. 116/2009 abhängig von Kategorie und Wert des Objekts ggf. eine Ausfuhrgenehmigung erforderlich. Aus Gründen des Artenschutzes können Objekte aus bestimmten, geschützten Materialien (u.a. Elfenbein, Schildpatt, Perlmutt und einige Korallenarten) besonderen Im- und Export­beschränkungen unterliegen. Zum Zwecke des Exports (insbesondere außerhalb der Europäischen Union) kann hierfür eine spezielle Ausfuhrgenehmigung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 338/97 erforderlich sein. Entsprechende Ausfuhrgenehmigungen können nur unter strengen Bedingungen erteilt und ggf. auch gar nicht erlangt werden, auch kann der Import dieser Gegenstände in manche Staaten ein­geschränkt oder untersagt sein. Der Käufer ist selbst dafür verantwortlich, sich über etwaige Im- und Exportbeschränkungen zu informieren. Export und Import entsprechender Objekte erfolgen allein auf Rechnung und Gefahr des Käufers. 11. Der Zuschlag verpflichtet zur Abnahme. Der Kaufpreis ist mit dem Zuschlag fällig. Der Versteigerer ist berechtigt, falls nicht innerhalb von zwei Wochen nach der Versteigerung Zahlung geleistet ist, den durch den Zuschlag zustande gekommenen Kaufvertrag ohne weitere Fristsetzung zu annullieren, Verzugszinsen in

banküblicher Höhe – mindestens jedoch 1 % auf den Bruttopreis je angebrochenen Monat – zu berechnen und von dem Ersteigerer wegen Nichterfüllung Schadenersatz zu verlangen. Der Schadenersatz kann in diesem Falle auch so berechnet werden, dass die Sache in einer neuen Auktion nochmals versteigert wird und der säumige Käufer für einen Minder­erlös gegenüber der vorangegangenen Versteigerung einschließlich der Gebühren des Auktionshauses aufzukommen hat. Zu einem Gebot wird er nicht zugelassen, auf einen etwaigen Mehrerlös hat er keinen Anspruch. 12. Erfüllungsort und Gerichtsstand im vollkaufmännischen Verkehr ist Berlin. Es gilt ausschließlich deutsches Recht. Das UNAbkommen über Verträge des internationalen Warenkaufs (CISG) findet keine Anwendung. 13. Die im Katalog aufgeführten Preise sind Schätzpreise, keine Limite. 14. Der Nachverkauf ist Teil der Versteigerung, bei der der Interessent entweder telefonisch oder schriftlich (im Sinne der Ziffern 5 und 6) den Auftrag zur Gebotsabgabe mit einem bestimmten Betrag erteilt. 15. Die Abgabe eines Gebotes in jeglicher Form bedeutet die Anerkennung dieser Versteigerungsbedingungen. Der Versteigerer nimmt Gebote nur aufgrund der vorstehenden Versteigerungs­ bedingungen entgegen und erteilt dementsprechend Zuschläge. Kommissionäre haften für die Käufe ihrer Auftraggeber. 16. Sollte eine der vorstehenden Bestimmungen ganz oder teilweise unwirksam sein, so bleibt die Gültigkeit der übrigen davon unberührt. David Bassenge Geschäftsführer Stand: November 2021


CON DI T IONS OF SA L E 1. The Galerie Gerda Bassenge KG, subsequently called “the auctioneer” carries on business as commission-agent in its own name on behalf of its voluntary con­signors. This auction sale is a public one in the sense of § 383 III BGB. 2. The auctioneer reserves the right to combine, to split, to change or to withdraw lots before the actual final sale. 3. All objects put up for auction can be viewed and examined prior to the sale at the times made known in the catalogue. The items are used and sold as is. As long as not explicitly mentioned in the catalogue description, framing is not an inherent part of the offer. As a rule, the condition of the individual work is not given in the catalogue. Catalogue descriptions are made with as much care as possible, but the descriptions do not fall under the statutory paragraph for guaranteed legal characteristics. The same applies for individually requested condition reports. These also offer no legal guarantee and only represent the subjective assessment of the auctioneer while serv­ing as a non-binding orientation. The liability for damage to life, body or health shall remain unaffected. In case of a justified claim, however, he will accept the responsibility to make a claim for restitution on behalf of the buyer against the consignor within a period of 12 months, running from the fall of the hammer. In the event of a successful claim the auctioneer will refund the hammerprice plus premium. 4. The highest bidder acknowledged by the auctioneer shall be deemed the buyer. In case of identical bids the buyer will be deter­ mined by drawing lots. In the event of a dispute the auctioneer has the absolute discretion to reoffer and resell the lot in dispute. He may also knock down lots conditionally. 5. In the case of a written bid the bidder commissions the auctioneer to place bids on his behalf during the auction. In cases where there is a discrepancy between number and title in a written bid the title shall prevail. 6. Telephone and direct online bidding via the internet must be approved in advance by the auctioneer. The auctioneer cannot be held liable for faulty connections or transmission failure. In such a case the bidder agrees to bid the reserve price of the corresponding lot. For such bidding the regulations of long distance contracts do not apply (Fernabsatzverträge) [cf § 312d IV,5 BGB]. 7. On the fall of the auctioneer’s hammer title to the offered lot will pass to the acknowledged bidder. The successful buyer is obliged to accept and pay for the lot. Ownership only passes to the buyer when full payment has been received. The buyer, however, immediately assumes all risks when the goods are knocked down to him.

8. A premium of 28% of the hammer price will be levied in which the VAT is included (marginal tax scheme) or a premium of 23% of the hammer price plus the VAT of 19% of the invoice sum will be levied [books: 7%] (regular tax scheme). Buyers from countries of the European Union are subject to German VAT. Items marked with an * are subject to the regular tax scheme (premium of 23% of the hammer price plus the current VAT of 19%). Items marked with an ^ are subject to import duty. In these cases in addition to a premium of 25% (marginal tax scheme), the charged import tax of currently 7% will be added to the hammer price. Exempted from these rules are only dealers from EU-countries, who are entitled, under their notification of their VAT ID-Number, to buy on the basis of VAT-free delivery within the European Union. Notification of VAT ID-Numbers must be given to the auctioneer before the sale. For buyers from non EU-countries a premium of 23% will be levied. VAT will be exempted or refunded on production of evidence of exportation within 4 weeks of the auction, or, if appropriate, importation to another country. This is taken as given when the dispatch is effected by us. Live bidding through external online platforms entails a transaction fee stipulated by the platform and will be added to the premium. Due to the work overload of the accounting department during auctions, invoices generated during or directly after an auction require careful revision and possible correction; errors excepted. Catalogue images may not be used without permission. Repro­ duction rights and digital files can be acquired for a fee. Any copyrights of third parties that may still exist remain unaffected by this and may have to be obtained separately. 9. Auction lots will, without exception, only be handed over after pay­ment has been made. Credit cards (VISA, Mastercard, American Express), checks and any other form of non-cash payment are accepted only on account of performance. Exchange rate risk and bank charges may be applicable. Storage and dispatch are at the expense and risk of the buyer. If the shipping costs exceed the lump sum on the invoice the outstanding amount will be billed separately. 10. According to regulation (EC) No. 116/2009, an export license is necessary when exporting cultural goods out of European Community territory, depending on the type or value of the object in question. 
For the purposes of wildlife conservation, it is necessary to obtain an export license according to regulation (EC) No. 338/97 when exporting objects made from certain protected materials (incl. ivory, tortoiseshell, mother-of-pearl and certain corals) out of the territory of the European Community. Export licenses for objects made of protected materials are only granted under strict conditions or may not be granted at all. The import of such objects


may be restricted or prohibited by certain countries. It is the buyer’s responsibility to inform himself, whether an object is subject to such restrictions. Export and import of such objects are at the expense and risk of the buyer. 11. The buyer is liable for acceptance of the goods and for payment. The purchase price shall be due for payment upon the lot being knocked down to the buyer. In case of a delayed payment (two weeks after the sale) the purchaser will be held responsible for all resultant damages, in particular interest and exchange losses. In case of payment default the auctioneer will charge interest on the outstanding amount at a rate of 1% to the gross price per month or part of month. In such an event the auctioneer reserves the right to annul the purchase contract without further notice, and to claim damages from the buyer for non-fulfilment, accordingly he can reauction the goods at the buyer’s expense. In this case the buyer is liable for any loss incurred, the buyer shall have no claim if a higher price has been achieved. He will not be permitted to bid. 12. The place of fulfillment and jurisdiction is Berlin. German law applies exclusively; the UN-Treaty (CISG) is explicitly excluded.

13. The prices quoted after each lot are estimates, not reserves. 14. The after-sales is part of the auction in which the bidder places either by tele­phone or in written form (as stated in number 5 and 6) the order to bid a set amount. 15. By making a bid, either verbally in the auction, by telephone, written by letter, by fax, or through the internet the bidder confirms that he has taken notice of these terms of sale by auction and accepts them. Agents who act on behalf of a third party are jointly and separately liable for the fulfillment of contract on behalf of their principals. 16. Should one or the other of the above terms of sale become wholly or partly ineffective, the validity of the remainder is not affected. In the event of a dispute the German version of the above conditions of sale is valid. David Bassenge As of November 2021


Moderne und Zeitgenössische Kunst II online unter www.bassenge.com Vorbesichtigung und Auktion finden wie gewohnt als Präsenzveranstaltungen statt

Catalogue Modern and Contemporary Art II online at www.bassenge.com The preview and auction will take place as usual