__MAIN_TEXT__
feature-image

Page 1


BASSENGE AUKTION 117 Über das Leben hinaus DIE SAMMLUNG LOUIS PETERS, KÖLN

Donnerstag, 10. Juni 2021

Galerie Bassenge . Erdener Straße 5a . 14193 Berlin Telefon: 030-893 80 29-0 . E-Mail: art@bassenge.com . www.bassenge.com


I H R E A N S P R E CH PA RT N E R F Ü R D I ES EN KATALO G / E X P E RT S FO R T H I S CATA LO G U E :

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den gewünschten Losnummern zu erfragen, da Angaben zum Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog notiert sind. Dr. Ruth Baljöhr

+49 (0)30 - 893 80 29 22 r.baljoehr@bassenge.com

David Bassenge

+49 (0)30 - 893 80 29 17 david@bassenge.com

Eva Dalvai

+49 (0)30 - 893 80 29 80 e.dalvai@bassenge.com

Lea Kellhuber

+49 (0)30 - 893 80 29 20 l.kellhuber@bassenge.com

Nadine Keul

+49 (0)30 - 893 80 29 21 n.keul@bassenge.com

Harald Weinhold

+49 (0)30 - 893 80 29 13 h.weinhold@bassenge.com

Die Galerie Bassenge ist Mitglied bei

Eindeutig identifizierbare Werke mit einem Schätzpreis von mindestens 2500 Euro werden vor der Auktion mit dem Art Loss Register abgeglichen.


T ER M I N Ü BER SICH T

AU KT ION 117

MITTWOCH, 9. Juni 2021 Vormittag 10.00 Uhr Druckgraphik des 15. bis 18. Jahrhunderts Nr. 5000-5316 Nachmittag 15.00 Uhr Druckgraphik des 19. Jahrhunderts und des Fin de Siècle Nr. 5317-5429 Miscellaneen und Trouvaillen der Druckgraphik Nr. 5430-5688 des 15. bis 18. Jahrhunderts

DONNERSTAG, 10. Juni 2021 Vormittag

11.00 Uhr

Gemälde Alter und Neuerer Meister mit Portraitminiaturen

Nr.

6000-6228

Nachmittag

15.00 Uhr

Über das Leben hinaus – Die Sammlung Louis Peters, Köln

Nr.

6300-6482

17.00 Uhr

Discoveries (Katalog nur online verfügbar) Nr. 6900-6988

FREITAG, 11. Juni 2021 Nr.

6500-6819

Vormittag

11.00 Uhr

Zeichnungen des 15. bis 19. Jahrhunderts

Nachmittag

15.00 Uhr

Moderne Kunst Teil II (Katalog nur online verfügbar) Nr. 7000-7500

SONNABEND, 12. Juni 2021 Eine Berliner Privatsammlung Auktion zugunsten der neuhland – Hilfe in Krisen gGmbH

Nachmittag

8200-8549 Moderne Kunst Teil I Nr.

14.00 Uhr

Nr.

8000-8114

Vormittag 11.00 Uhr

VORBESICHTIGUNGEN Um einen reibungslosen Ablauf der Vorbesichtigung aufgrund der aktuellen Einschränkungen gewährleisten zu können, bitten wir Sie um eine vorherige Anmeldung per Telefon oder E-Mail. Druckgraphik, Gemälde, Zeichnungen des 15. bis 19. Jahrhunderts, Über das Leben hinaus – Die Sammlung Louis Peters, Köln Erdener Straße 5A, 14193 Berlin Montag, 31. Mai bis Montag, 7. Juni, 10.00–18.00 Uhr, Dienstag, 8. Juni 10.00–15.00 Uhr Moderne Kunst Teil I und II, Eine Berliner Privatsammlung. Auktion zugunsten der neuhland – Hilfe in Krisen gGmbH Rankestraße 24, 10789 Berlin Montag, 31. Mai bis Donnerstag, 10. Juni, 10.00–18.00 Uhr Vorabtermine sind nach Vereinbarung ab Dienstag, dem 25. Mai möglich. Schutzgebühr Katalog: 15 €


Louis Peters (rechts) und Martin Stankowski im Museum DKM Duisburg bei der Inspektion einer Installation mit 8 Stühlen von Ai Weiwei im Juli 2020.

4


Louis Peters. Der Sammler. Zunächst die Fakten: Louis Peters wird 1939 in Köln geboren, Gymnasium und Abitur 1959, Jurastudium in Köln, München und Wien, Promotion 1967, Referendariat u.a. in Paris, seit 1970 fünfzig Jahre lang Anwalt für Zivil- und Strafrecht, vor allem aber für Kunst-, Medien- und Urheberrecht. Der Sammler: Er ist etwa 15 oder 16 Jahre alt und seine ersten Objekte sind die Jahresgaben des Kölnischen Kunstvereins, in dem er sich schon als Schüler herumtreibt, Künstler kennen lernt und Ausstellungen besucht. Picasso und Zadkine, Fontana und Chargesheimer, Tapies und Pomodoro, das sind nur einige, die in den späten 50er Jahren hier zu sehen sind. Oder Georg Meistermann, aber den kennt Louis von daheim, er ist Freund des Vaters wie etwa auch der Kölner Auktionator Rolf Hanstein. Der Vater, ebenfalls Rechtsanwalt, war kein Sammler, aber er besaß exzellente Stücke, Werke von Nolde und Jawlensky, Leger und Mondrian. Damit wächst der junge Peters auf und Kunst wahrzunehmen und auch besitzen zu wollen, ist Tradition in der Familie. Louis Peters ist ein Einmeterneunzig-Mann mit Volumen und entsprechend selbstbewußtem Auftreten, Ausdruck seiner Leidenschaft und Neugier. Kollegen aus dem Kölnischen Kunstverein, in dessen Beirat er Jahre war, erzählen von seinem heftigen Engagement für außergewöhnliche und provokative Ideen, für Künstler, die gerade nicht als en vogue galten. Als Referendar 1968 in Paris und eher zufällig Zeuge der MaiRevolte der Arbeiter und Studenten ist er fasziniert von der ästhetischen Wucht und politischen Direktheit der Plakate der 68er, sucht Kontakt zu der Kunstschule, in der die Protestmedien hergestellt werden und wird umgehend zum Sammler der Pariser Maiplakate, mit einem beachtenswerten Konvolut, bis heute gezeigt in diversen Ausstellungen und Publikationen. Es gibt andere Objekte seiner Leidenschaft. Etwa die Kölner Progressiven, Franz W. Seiwert und Heinrich Hoerle, Gerd Arntz oder Otto Freundlich und Anton Räderscheidt, er hat sie schon gesammelt, bevor sie in den 1980er Jahren wieder entdeckt wurden, er hat Flugblätter, Traktate, Plakate ebenso erworben wie Gemälde, Fotos oder Drucke. Denn hier war wiederum keine Trennung zwischen Kunst und Leben, zwischen Kunst und Engagement möglich. Bei Louis Peters fällt es nämlich schwer, eine Trennlinie zwischen Beruf, Kunst und Freundschaft zu ziehen. Künstler, die er beruflich vertritt, werden Freunde oder umgekehrt, wie Harald Naegeli oder Felix Droese, Daniel Spoerri und Ansgar

Nierhoff, Erwin Wortelkamp und sein ganz enger Freund Willy Meyer-Osburg. Er vertritt den als „Sprayer von Zürich“ bekannten Harald Nägeli erfolgreich in zahlreichen Prozessen, in denen es um „Sachbeschädigung“ contra „Freiheit der Kunst“ geht. George Pusenkoff vertritt er gegen Helmut Newton, der ihm die Bearbeitung und Verfremdung eines Fotos verbieten will. Er vertritt sie, sammelt sie alle und immer wieder trifft man sie auch in seinem gastfreund­lichen Haus. Es gibt noch ein ganz anderes Thema bei Louis Peters, nämlich Glaube, Religion und Kirche. Er ist überzeugter Katholik, zugleich ein Dissident der Hierarchie, ein scharfer Kritiker von Unfreiheit, Unterdrückung, Eitelkeiten und Privilegien. Er passt in keine Schublade, geriert sich als eine Art konservativer Anarchist. Entscheidend ist für ihn die Lust an der Liturgie, am Ritual, am Kult. Und das hat wiederum mit der Kunst zu tun, weil es auch um Ästhetik geht, wenn der Kult authentisch ist. Peters fängt früh an, Reliquien zu sammeln, Gegenstände, die dem aufklärerischen Normalverstand völlig fremd sind. Für ihn sind es verloren gegangene Objekte einer Volkskultur und er trägt über Jahre eine der größten privaten Sammlungen zusammen, die heute als Gesamtkonvolut zu finden ist im "Mucem" (Musée des civilisations de l´Europe et de la Méditerranée) in Marseille. Zu den Objekten rund um den Tod - zu denen Reliquien de facto natürlich auch zählen - kommt er über seinen Freund Willy Meyer, der ihn mit dem Zürcher Sammler Werner Jaggi bekannt macht, einen der enzyklopädischen Kenner der europäischen Sakralkunst. Von ihm vor allem erwirbt er immer wieder Objekte rund um das Thema Tod. Totentänze hatten ihn schon früh fasziniert, diese Dialektik von vitaler Lebenslust und plötzlichem Exitus und er trug zusammen, was er kriegen konnte, ob von Sammlern oder bei Auktionen, von Flohmärkten oder Kunstmessen, gleich welches Material, welche Region, Religion oder Kultur, ob Realobjekt oder Symbol, Hauptsache es hat mit dem Tod zu tun. Neben der Liebe ist ja der Tod das Thema von Kultur überhaupt. Die Auseinandersetzung mit dem Tod ist attraktiv, weil wir alle auf den Tod hin unterwegs sind und dieses memento mori unser Leben intensiviert und bereichert. Für meinen Freund Louis Peters wird mit dem Sammeln von Schädeln und Totentänzen die Angst vor dem Tod gebannt und das Leben über sein scheinbares Ende hinaus gefeiert. Martin Stankowski 5


Installation im Haus des Sammlers.

6


Vorwort Eine recht junge Entdeckung ist es, die es ermöglicht, den eigenen Schädel zu betrachten, die finsteren Höhlen der Augen und der Nase in den Blick zu nehmen, das blanke Gebiss, die zitternden Linien der Knochennähte. Eine beinerne Tatsache wird durch die Röntgenstrahlen sichtbar, ein seziertes Porträt kommt zum Vorschein, das uns mitten im Leben trifft und peinlich berührt. So durchleuchtet sehen wir, woraus wir gemacht und was wir eigentlich sind. Der Anblick der materialisierten eigenen Person ist jedoch nur für wenige Momente erschütternd. Erlischt das Röntgenbild, so wird der nackte Schädel schon bald wieder das, was er immer war, was er ist und sein wird: ein naturgegebenes Artefakt, kultisches Symbol seit Urzeiten, Ikone im Zentrum der Erörterung letzter und vorletzter Fragen. Und stets: das Relikt eines Anderen. Dieser Katalog enthält nahezu zweihundert Objekte aus der bekannten Kölner Sammlung Louis Peters und macht uns zu Zeugen der Leuchtspur, die das Bewusstsein der Vergänglichkeit im Lauf der Menschheitsgeschichte hinterlassen hat. Dass man dabei das „Tödlein“ in allen erdenklichen Rollen erfunden hat, ist kaum erstaunlich: als Sensenmann, Vogelsteller, Schütze, Totengräber, Triumphator oder in allen Verwandlungskünsten bewanderter Tanzpartner, der den Takt vorgibt. Der personifizierte Tod, so könnte man aus diesem Reigen schließen, verhält sich so, wie man es von ihm erwartet: falsch und hinterhältig, agil, leutselig, ein Schmeichler vor dem Herrn und vor der Dame. Dabei könnte der Tod doch viel stärker auf ein Reservoir von Eigenschaften zurückgreifen, zum Beispiel als schleichender Lebensdieb, als Spötter wie im Ackermann des Johannes von Tepl oder als trommelnd die Panik Schürender, dem Ungeziefer, Maden und Würmer zu Gebote stehen. Doch bleiben wir bei der Sache, beim Material. Die unbewegte, still erhabene Situation am Ort des Todes Christi am Kreuz, der Schädelstätte, das wahrscheinlich wirkungsvollste Todesgeschehnis aller Zeiten, ist hier nur in wenigen Stücken repräsentiert. Gleichwohl steht die christliche Frömmigkeitskultur in der üppig ausgeprägten Form des Reliquienkults im Zentrum der Sammlung. Im „Heiltum“, dem besonderen, beseelten Gegenstand, verschmilzt die materielle Präsenz einer historischen Persönlichkeit mit ihrer spirituell grundierten Geschichte zu einer Einheit, die die Zeit überdauert. In Schatullen, Schreinen, Kapseln oder in Rahmen gefasst, bezeugen diese Objekte der Verehrung und Andacht, der

Kontemplation und Erbauung die Dynamik der christlichen Memoria, die – vom sakralen Raum und seiner Aura losgelöst – oft ins Museale sich gewandelt hat. So wurden Totenköpfe, Heiligenpartikel und Gebeinreste zur Kuriosität, zu Impulsen für die künstlerische Produktion oder zur touristischen Attraktion. Die Trinitas des Abstiegs ins Säkulare. Die Reliquie als inszeniertes Schauobjekt für fromme Her­ zens­ergießungen und Beweisstück der Glaubensstärke einerseits, der Tod und seine knochentrockene Mahnung „Memento mori – Carpe diem“ andererseits – das ist die Klammer dieser Sammlung. Faszinierend, dass zwischen all den Spiegelungen und Vergegenwärtigungen menschlicher Hinfälligkeit und Glaubensseligkeit die Phantasie Einzug hält. Der Arcimboldo zugeschriebene, aus Viktualien, Flora und Fauna virtuos komponierte Vogelfänger ist ein Werk, das den Leib ins Surreale transzendiert. Dies geschieht mit einer Portion Humor, die an anderen Stellen des Kataloges geschmacklos wäre. Auch Daniel Spoerris skurrile Persiflage auf die im 18. Jahrhundert gefälschten Prillwitzer Idole gehorcht der Aufforderung des Sammlers Louis Peters, der nach 30 Jahren der Beschäftigung mit dem Tod ausruft: „Freuen wir uns über jede Lebenserscheinung!“ und hinzufügt: „Der Tod weiß nichts davon.“ Genauso wie wir vom Tod nichts wissen, der gut und gern in einer Schublade versteckt sein könnte, deren Beschlag mit einem kleinen Totenkopf verziert ist. Von der Schönheit des Kunsthandwerks bezaubert, vom Reichtum der symbolischen Variationen des Immergleichen überwältigt, im Bann der Anschauung eines bleichen Schädels gefangen, zwischen Ablehnung und Anbetung des Mirakels und Mysteriums changierend, suchen wir anhand von Bildern nach Begriffen für das, was über das Leben hinausweisen könnte. Sind wir dabei in der Nähe des „heißen Gesteins der Seele“ (Gottfried Benn)? Oder verfolgen wir mit unseren Blicken nur den „düstern Adler“ Tod (Georg Trakl)? Das Wesentliche, das uns in der Sammlung Peters begegnet, erfährt man selbst beim „Todtenköpfchen“, das Johann Jakob Spreng in seinem 250 Jahre alten Wörterbuch erklärt: „so nennen einige das Kölbchen an einem ausgebrannten Docht“. Die finsteren Höhlen des Schädels zu erhellen, die Chimären zu vertreiben – man staunt: Dazu bedarf es oft nur einer flackernden Flamme. Stephan Schurr 7


6300

8


6301

SÜDDEUTSCH

G I O VA N N I PAO L O C I M E R L I N I (tätig 2. Hälfte 16. Jh. in Verona)

6300 17. Jh. Tödlein als Sensenmann. Holz, vollrund geschnitzt, farbig gefasst. H. 36 cm. 1.800 € Literatur: Oliver Kornhoff (Hrsg.), Susanne Blöcker (Bearb.): Leibhaftig. Der menschliche Körper zwischen Lust und Schmerz, Ausst.Kat. Remagen, Sammlung Rau, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen 2014, S. 118. Ausstellung: Leibhaftig. Der menschliche Körper zwischen Lust und Schmerz, 2014–2015, Sammlung Rau, Arp Museum Bahnhof Rolands­ eck, Remagen. Der Tod als Sensenmann, ein Topos, der seit der Totentanz-Literatur des Spätmittelalters auch in der Kunst Verbreitung fand. Der Sensenmann mäht den Menschen nieder, beschneidet seine Lebenszeit wie in der Antike Chronos. Das Tödlein gemahnt an die Vergänglichkeit alles Irdischen und versinnbildlicht den Ablauf der Lebenszeit.

6301 Der Tod als Vogelsteller. Radierung nach Giorgione. 43 x 57,2 cm. B. (Giovanni Battista d’Angeli) 36, Nagler, Die Monogrammisten IV, 274. Wz. Pilger im Wappen. 1.200 € Provenienz: Aus der Sammlung Papst Benedikt XIV. (1675 Bologna – 1758 Rom, Lugt 2696). Das enigmatische Blatt zeigt den Tod, der die Sterblichen mittels eines Lockvogels aus ihrem beschaulich-heiteren Dasein ins Jenseits lockt. Die Allegorie gehört zu den lediglich drei Stichen, die dem in Verona tätigen Giovanni Paolo Cimerlini von Nagler zugeschrieben werden. Als Urheber der Komposition werden neben Giorgione auch Tizian genannt. Wie auch die anderen beiden Radierungen von Cimerlini ist auch dieses Blatt von großer Seltenheit. – Ausgezeichneter Druck, oben und unten minimal knapp, rechts um ca. 2 cm beschnitten.

9


FRANKREICH ( NEVERS ) 6302 19. Jh. Kastenbild mit Hochaltar mit vier Säulen „Pensez y bien“. Holzgehäuse, mit marmoriertem Papier verkleidet, schwarzer Samtgrund, Pappe, Krüll, vergoldet. 52 x 29,5 x 11 cm. Oben in der goldenen Scheibe in Versalien bezeichnet „Penzes y bien“, auf der Tabernakelbasis teils unleserlich „Il [?] mourir“. 1.200 €

10 10

6302

Feinste Krüllarbeit der Karmeliter aus Nevers. Zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert für den Gebrauch in Privathäusern, Klöstern und Kir­­chen ent­standen, wurden Reliquiare mit Krüll (auch paperolle) tradi­tio­ nell in Klöstern hergestellt. Inspiriert wurde die Krülltechnik von den Filigran­arbeiten der Goldschmiedekunst. Sie bestand darin, dünne Streifen gol­den oder bunt eingefärbten Papiers aufzurollen und zu kom­­plexen und detaillierten Konstruktionen zusammenzusetzten. Die Objekte entstanden in vielen katholischen Ländern von Spanien bis Österreich und reflektierten die Vorstellung der zeitaufwändigen und absorbierenden Arbeit als ein Akt des Gebets und der Hingabe (ora et labora). Das enthaltsame und nüchterne Leben der Hersteller steht dabei auf faszinierender Weise der Pracht und dem ornamentalen Reichtum dieser Artefakte gegenüber.


6303

N O R DA L P I N 6303 17./18. Jh. Ein Paar geflügelte Totenköpfe. Holz, geschnitzt, farbig gefasst und teils vergoldet. H. je ca. 20,5 cm. 1.200 €

6303

11


SÜDDEUTSCH 6304 wohl 18. Jh. Kastenbild mit Schmerzensmutter. Glaskasten, Drahtarbeit, Textil, bemaltes Wachs. 20,7 x 5,4 x 5 cm. 300 € Beigegeben ein französischer Reliquienkasten des 18. Jh. mit handschriftl. Cedulae, u.a. „S. Coelestini Pap.“ und „S. Ludovic // Reg:Franc“, verso mit rotem Lacksiegel.

6304

SÜDDEUTSCH 6305 18./19. Jh. Zwei Memento Mori-Objekte: Baum mit Schlange und eingelassenem Totenkopf; Särglein mit herausspringendem Skelett. Korallenzweig mit eingeschnitzter Schlange, der Toten­kopf wohl aus weißer Koralle, Metall­manschette, auf einem dunklen Holzsockel. H. 7,9 cm (mit Sockel); Särglein: Bein, kreuzförmige Einlage aus Horn, Holzskelett, Metallsprungfeder. L. 8,4 cm (im geschlossenen Zustand). 120 € Beigegeben eine kleine Handpuppe (L. ca. 14,5 cm) in Mumienform, wohl mexikanisch.

6305

12


F R A N K R E I C H ( LYO N ) 6306 19. Jh. Reliquienbild aus dem ehem. Klarissen­ kloster in Lyon. Messing, vergoldet, Glas, Samt, Blütenpailletten, Papier. H. 12,5 cm. Verso handschriftliche und auf 1899 datierte Authentik des Ordens der Klarissen in Lyon. Drei Cedulae (handschriftl.). 120 €

6306

B AY E R N ( O B E R A M M E R G AU ) 6307 18. Jh. Reliquienkreuz. Kruzifix aus Buchsbaum, geschnitzt, vorderseitig mit dem Gekreuzigten und der Schmerzensmutter, rückseitig der Kreuzstamm gehöhlt mit einer vertikalen Schiebeleiste, darauf reliefiert die Leidenswerkzeuge, im Inneren auf Textil und Drahtarbeit gebettet dreizehn Reliquien mit handschrftl. Cedulae. H. 20,4 cm.

Beigegeben zwei Klosterarbeiten: ein kleines Reliquienkästchen (H. 13,5 cm), darin ein Kreuz aus beinfarbener Masse, Krüll, vergoldet, sowie zahlreichen Cedulae (gedr.), weiterhin ein Agnus Dei im ovalen, doppelansichtigen Glasrahmen (H. 16 cm), umgeben von vergoldetem Krüll, die Schauseite mit dem hl. Andreas Avellinus, das Revers mit dem Lamm Gottes, geweiht von Papst Leo XIII. (Pontifikat 1878–1903).

180 €

6307

13


6308

6309

DA N I E L S P O E R R I (geb. 1930 Galati, lebt in Wien)

6308 Fallenbild: „Gefallenenbild 1. Weltkrieg 1914–1918“. Objektkasten, darin u.a. Projektile, Hülsen, Birkenrinde, eine Lithographie sowie weitere kleine Objekte. 36,3 x 34 x 4,5 cm. Verso diverse Etikette und teils eigenh. Bezeichnungen: „3.4.2000“, „das Erinnerungs-Bild aus Musee sent. d. PRUSSE“, ein versiegeltes Briefcouvert bez. „Abb. Kat. M. d. Prusse Seite 415 Stichwort: Waffen“. 1981. 1.200 € Literatur: Marie-Louise Plessen, Daniel Spoerri: Le Musée Sentimental de Prusse. Aus grosser Zeit!, Ausst.Kat. Berlin, Berlin-Museum 1981, S. 415. Ausstellung: Le Musée Sentimental de Prusse. Aus grosser Zeit!, 1981, Berliner Festspiele GmbH im Berlin-Museum. Provenienz: Aus der Sammlung Daniel Spoerri (vgl. Etikett verso).

14

6309 Fallenbild: „Salute Louis I. Du unser Scheidungs­ engel!“ Objektkasten, darin u.a. Armknochen, Reliquien, eine Lithographie, Drahtarbeit, Blumen aus Glasperlen und andere kleine Objekte. 36,1 x 34,5 x 4,5 cm. Rechts unten im Passepartoutausschnitt signiert „Daniel Spoerri“, verso diverse eigenh. Bezeichnungen: „2.4.2000“, betitelt sowie signiert und datiert „Daniel 5.4.00“. 2000. 1.200 € Provenienz: Aus der Sammlung Daniel Spoerri (vgl. Etikett verso).


B AY E R N 6310 Ende 17. Jh. (Fassung Kopfreliquie)/ Mitte 18. Jh. (Gehäuse). Reliquienschrein in Kastenform mit Kopfreliquie. Gehäuse aus Nadelholz, geschnitzt, mit ädikulaförmiger, verglaster Frontseite, innen teils grün gefasst sowie ausgekleidet mit rotem Seidendamast, Fransenbörtchen und Reliefstickereien, eingearbeitet vier Reliquien, davon drei in Kapseln, sämtlich mit Cedulae (handschriftl.), zwei poliment­ vergoldete Holzkerzen flankieren den mittig eingesetzten Schädel, dieser gehüllt in Gaze, bis zum Oberkiefer aufwändig mit goldener Klöppelspitze gefasst, besetzt mit Drahtarbeiten und facettierten Glassteinen, der Kopf umgeben von einem Lorbeerkranz, darüber eine Krone aus ver­schlunge­ nen Winden, Flußperlchen und Glasbesatz. 52,4 x 49,3 x 23,3 cm. 1.800 € Literatur: Anton Legner (Hrsg.): Reliquien. Verehrung und Verklärung. Skizzen und Noten zur Thematik und Katalog zur Ausstellung der Kölner Sammlung Louis Peters, Ausst.Kat. Köln 1989, Schnütgen Museum, Kat. 6. Ausstellung: Reliquien. Verehrung und Verklärung, 1989, Schnütgen Museum, Köln. Im Jahr 1578 stürzte vor den Toren Roms an der Via Salaria ein Gewölbe ein. Durch Zufall kamen dadurch die römischen Katakomben wieder ans Licht, die den barocken Reliquienkult erst möglich machten.

Dem Wunsch nach Reliquien saß der Glaube inne, dass sich in den heiligen Überresten eine überirdische Kraft manifestierte, die sich segensbringend auf die Gläubigen übertrug. Die Nachfrage von Stiften und Klöstern, aber auch Privatpersonen war daher seit dem Mittelalter ungebrochen. Erst die Auffindung der römischen Katakomben entfachte aber eine heute kaum zu erahnende Blüte dieses Phänomens. Bis ins 19. Jahrhundert hinein durchforstete man die Grabkammern nach den sogenannten „Katakombenheiligen“. Man hielt die Gebeine für die Leiber römischer Märtyrer und der Reliquienexport aus der Hei­ligen Stadt florierte. Denn nördlich der Alpen konnte ein Ort, der einen der begehrten und prestigeträchtigen Märtyrer beherbergte, schnell zur Wallfahrtsstätte aufsteigen. In Frauenklöstern verwandelte man die Knochen durch kunstvolle und zeitaufwändige Fassungen in funkelnde Juwelen. Filigraner Gold- und Silberdraht, feinste Spitze, glitzernde Glassteine in leuchtenden Farben: Die künstlerisch erlesenen Fassungen sollten über das Materielle hinausweisen und die innewohnende Heilskraft durch Kostbarkeit greifbar machen. Die feierliche Translation, die Überführung in die kirchliche Ruhestätte, beging man als großes Fest mit Prozessionen und Mysterienspielen. Der Reliquienkult ebbte mit der Aufklärung und der Säkularisierung ab. Doch auch wenn heute die Heilssehnsucht der Vergangenheit vielen fremd geworden ist, üben diese Objekte eine eigenartige Faszination aus. Zwischen Schaudern und Bewunderung vereinen sie den Reiz des Makabren mit dem Abglanz barocker Prachtentfaltung.

6310

15


6311 16 16


6312

ZENTR ALSCHWEIZ

DEUTSCH

6311 18. Jh. Ein Skelett als Totengräber, wohl Tumbaoder Katafalkschmuck. Öl auf Holz, mit figural geschnitzter und geschweifter Rahmung in Epitaphienfom. 80 x 40 cm.

6312 18. Jh. Der Tod als Schütze mit der Armbrust. Öl auf blauem Papier. 19,2 x 25,1 cm.

1.800 €

600 € Beigegeben fünf weitere Andachts- und Memento Mori-Blätter des 18.–19. Jh, u.a. eine kleine Federzeichnung mit einem am Galgen hängenden Mann mit dem makabren Spruch „He will never smile again“, ein Holzschnitt „[…] O Mensch! Sage an ein Steuer, Ein Ave Maria den Armen Seelen im Fegfeuer“, die Seite eines Gebetsbuches oder Andachtblattes mit Historie und einem Gebet bezüglich dem hei­ligen Rock, der Tunika Christi im Dom zu Trier „Der hl. Rock / unserers Erlösers im Dome zu Trier […]“, ein Kupferstich mit dem Aachener Gnadenbild Maria mit Kind sowie ein Holzschnitt aus einer schwedischen Totentanzfolge „Mänskliga Liftwets Obeständigheit“ (1822).

17


I TA L I E N 6313 18. Jh. Bischof (Hl. Kilian?). Holz, vollrund geschnitzt, farbig gefasst und vergoldet, punziert. H. 25,7 cm (ohne Sockel). 750 € Beigegeben eine alpenländische Holzskulptur „Hl. Antonius“, vollrund geschnitzt, polychrom gefasst (H. 50 cm).

6313

ALPENL ÄNDISCH 6314 18. Jh. Christus fällt unter die Geißelsäule. Holz, geschnitzt, farbig gefasst, teils vergoldet. 12,7 x 19,4 cm. 240 € Beigegeben eine weitere polychrome Holzskulptur „Christus fällt unter das Kreuz“, wohl ebenfalls Teil einer Passionsgruppe, das Kreuz fehlend.

6314 18


6315

SÜDDEUTSCH 6315 frühes 16. Jh. Dornenkrönung Christi. Öl auf Holz, verso Fragment eines Apostels oder Heiligen en Grisaille. 37,8 x 20 cm. 1.800 € Die kleinformatige Tafel war sicherlich Bestandteil eines wandelbaren Altarretabels mit Szenen zur Passion Christi.

19


DEUTSCH 6316 18. Jh. Der hl. Thomas von Aquin auf seinen Vorgängern Plato, Aristoteles und Augustinus stehend, auf einem geschwungenen Sockel mit mittlerer Reliquienöffnung, darin eine Reliquienkapsel mit Partikeln des Heiligen. Holz, geschnitzt, farbig gefasst und vergoldet. H. 50 cm. 1.200 € Beigegeben eine Heilige Dreifaltigkeit aus Lindenholz, geschnitzt und ungefasst, 20. Jh.

6316

20 20


ALPENL ÄNDISCH 6317 um 1700. Prozessionsstange einer FranziskanerBruderschaft mit dem hl. Antonius von Padua, dem Sensenmann und dem Fegefeuer (wandelbar). Holz, vollrund geschnitzt, farbig gefasst und vergoldet. H. 78 cm. 1.500 € Im 17. Jahrhundert wurde vor allem der Alpenraum von einem franziskanischen Missionstreben erfüllt, das eine verstärkte Marienverehrung, Bruderschaften und Rekatholisierung zur Folge hatte. Diese franziska­ nische Frömmigkeitswelle findet grob zwischen 1650 und 1750 statt.

6317

21 21


JA PA N

DEUTSCH

6318 19. Jh. Okimono: Spielende Gerippe mit einem Affen. Elfenbein, vollrund geschnitzt, unter einem Glassturz. 8,8 x 5,5 cm.

6319 18./19. Jh. Totentanz-Relief: Männer und Frauen in Renaissance-Gewändern im Tanz mit Gerippen. Rotes Wachs, bossiert, auf schwarzem Schiefer, gerahmt. Ca. 4 x 21,5 cm (Darstellung).

750 €

450 € Wohl nach Totentanz-Darstellungen des frühen 16. Jahrhunderts, wie beispielsweise denen des Hans Holbein d. J.

6318 22


6319

S PA N I E N O D E R P O R T U G A L 6320 18./19. Jh. Reisealtar mit Mikroschnitzerei. Klappaltar in Miniaturfom aus Ebenholz, im Inneren Mikro­ schnitzerei (Buchsbaum?) mit zentralen Passionsszenen, in den Flügeln je zwei kniende Heilige, der Heilige rechts oben in tonfarbener Masse ergänzt. 7,4 x 8,4 x 1 cm (aufgeklappt). 350 € Beigegeben ein Sockel aus Ebenholz (H. 6,7 cm), wohl des 17. Jh., vorne und seitlich mit rechteckigen Feldern aus eingelegtem Schildpatt.

6320 23


P E T E R N AG E L (geb. 1963 Soest, lebt und arbeitet in Düsseldorf)

6321 „Bambi“. Menschlicher Schädel mit Rehbock-Krickerl auf Trophäenbrett, aus der Serie „The Wolpertinger“. 29 x 18 x 33 cm. 1999–2000. 250 € Ausstellung: Moses Welt Rekord, 2000, Kunstverein Ahlen, Kat. S. 35. Peter Nagel beginnt 1983 sein Studium der Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei den Professoren Tony Cragg und Alfonso Hüppi. 1988 wird er Meisterschüler des Letzteren. In seinen Arbeiten scheint immer wieder eine spielerische Verfahrensweise durch. Er setzt Bekanntes in unbekannte Zusammenhänge und fordert den Betrachter dazu auf, Sachverhalte und Themen neu zu durchdenken. Gefragt nach den bestimmenden Impulsen seines künstlerischen Arbeitens nennt Peter Nagel zum einen den Spieltrieb, der einen Teil seiner Wahrnehmung der Wirklichkeit bestimmt, zum anderen das Anti-Dogma­ tische: „Eine Haltung, die auf ihre Weise kritisch der Gesellschaft gegenübertritt, sich aber dagegen sträubt, politisch oder ideologisch Stellung zu beziehen und vereinnahmt zu werden. Mein Programm ist, kein Programm zu haben.“ (in: Aust. Kat. KTlab01, Hamburg 2006, Realitäten – Von der Wirklichkeit hinter den Dingen. Yaroslav Sukhov. Peter Nagel.)

6321

FRANKREICH 6322 19. Jh. Briefbeschwerer: Totenschädel mit Knochen auf Plinthe. Weißer Marmor. 7,5 x 9,8 x 7 cm. 120 € Vollplastisch auf einer leicht oblongen Plinthe gleichen Materials mit profiliertem Rand. Beigegeben zwei weitere Briefbeschwerer: eine Terrakottaplastik „Totenschädel auf einem Buch liegend“ (wohl 19. Jh., Terrakotta, farbig gefasst, 12,5 x 9 x 11 cm) sowie eine weitere Gipsplastik „Totenschädel auf einem Buch liegend“ (um 1900, AlabasterGips, farbig gefasst, 14,5 x 10,5 x 12 cm, signiert „J. Petrick“).

6322

24


E U R O PÄ I S C H 6323 17.–19. Jh. Memento Mori-Konvolut aus sechs Totenschädeln und einem Wendekopf. Zwei Schädel aus Bronze, der große auf einem runden Holzsockel, der kleine vergoldet und auf zwei gekreuzten Knochen (lose), zwei Schädel aus Holz und zwei aus Bein, der Wendekopf aus Weichholz gearbeitet. 1,8 cm – 10,5 cm (mit Sockel). 400 € Beigegeben ein korinthisches Kapitell aus Holz, polychrom gefasst und teils vergoldet (H. 5 cm).

6323

25


SCHWEIZ 6324 Mitte 18. Jh. Breverl (Schutzbrief). Vierfach gefalteter Papierbogen, außen rot eingefärbt, dort mit zwei, innen mit zwölf aufgeklebten Kupferstichen mit Heiligendarstellungen und einem ‚Glückseligen Hauskreuz‘, die Stiche in der Mittelreihe teils zurückklappbar, in der auf­ gefalteten Mitte diverse Schutzamulette, u.a. Papierstückchen, Schluckbildchen, Samen, Flechten. 16,6 x 13,3 cm (ausgefaltet). 120 € Literatur: Anton Legner (Hrsg.): Reliquien. Verehrung und Verklärung. Skizzen und Noten zur Thematik und Katalog zur Ausstellung der Kölner Sammlung Louis Peters, Ausst.Kat. Köln 1989, Schnütgen Museum, Kat. 440. Ausstellung: Reliquien. Verehrung und Verklärung, 1989, Schnütgen Museum, Köln. Beigegeben acht gefaltete und bezeichnete Reliquienbriefchen.

6324

O C TAV I A N U S L A D E R (1594 Aicha – 1659 Kitzbühel)

6325 Historia und Wunderzaichen deß allerheiligsten Wunderbarlich verwandleten Sacraments, so in dem Lobwürdigen Gottshauß beym H. Creutz in Augspurg noch an heut zu sehen und mit grosser Andacht verehrt wirdt. 4 Bl., 24 (recte 26) S., S. 25 – 282. Mit gestoch. Titelbordüre und 129 (davon 19 blattgr., statt 131) Kupfern von Daniel Manasser. 18 x 14,1 cm. Halbpergament um 1700 mit türkischem Mamorpapierbezug (berieben und bestoßen; Kapital lädiert und eingerissen; vorderer Buchdeckel mit kleinem Durchbruch) mit Goldschnitt (oxidiert). Augsburg, D. Manasser, 1625. 600 € Literatur: Ornamentstichsammlung 947. Jöcher-Adelung III, 1033. VD 17 12:125479Y bzw. 23:327674K. Lentner 6514: „Sehr selten!“. Einzige Ausgabe. Der um 1618–1630 in Augsburg tätige Daniel Manasser stellt hier über 100 Reliquiarien dar, die alljährlich am 11. Mai, an Fronleichnam, dem Volk gezeigt wurden. Die schönen blattgroßen Kupfer, von Zierleisten umrahmte „hochwertige“ (Pötzl) Mirakelbilder, zeigen die Anbetung der Reliquien. Lader (1594–1659) war Chorherr im Kloster zum Heiligen Kreuz und übernahm später ein Pfarramt in Kitzbühel (vgl. Jöcher-Adelung). – Gebräunt, vereinzelt etwas stockfleckig, am Schluss etwas wasserrändig, einige Bl. mit kleineren Randläsuren, Titelkupfer etwas stockfleckig und mit altem Besitzvermerk, vereinzelt am Bund- und Innensteg eingerissen; vorderer Vorsatz mit Besitzvermerk.

6325 26


E U R O PÄ I S C H 6326 wohl 17.–19. Jh. Vier Amulette: Arma Christi; Maria mit Kind; Maria im Strahlenkranz (filigrane Klosterarbeit); Antoniuskreuz (Tau-Amulett). Hinterglasmalerei, vergoldete Filigranarbeit; Perlmutt, wohl in Silberfassung; Holz, Glas, Textil, Papier; Zinn-Guss. H. 4–5 cm. 300 € Auf einer modernen Montierung des Sammlers. – Beigegeben der gekreuzigte Jesus aus Messing an einem „Korallenbäumchen“ aus rot bemaltem Holz mit Reliquar im Sockel („Sn Nicolas V Luys O.V“), wohl 19. Jh. (H. 22 cm).

6326

27


28

6327

6328

6329

6330


A L P E N L Ä N D I S C H U N D I TA L I E N 6327 17. Jh. – Anfang 20. Jh. Diverse Votivgaben: Flammende Herzen, menschliche Figuren und Körperteile. 27 Stück, Metallblech, z.T. Silber bzw. versilbert, geprägt. H. ca. 5,2 cm – 28 cm. 130 € Literatur: Oliver Kornhoff (Hrsg.), Susanne Blöcker (Bearb.): Leibhaftig. Der menschliche Körper zwischen Lust und Schmerz, Ausst.Kat. Remagen 2014, Sammlung Rau, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, S. 120. Ausstellung: Leibhaftig. Der menschliche Körper zwischen Lust und Schmerz, 2014–2015, Sammlung Rau, Arp Museum Bahnhof Rolands­ eck, Remagen (einzelne Stücke).

6328 17. Jh. – Anfang 20. Jh. Diverse Votivgaben: Tiere und verschiedene Körperteile. 26 Stück, Metallblech, z.T. Silber bzw. versilbert, geprägt. H. ca. 5,5 – 26,5 cm.

6329 17. Jh. – Anfang 20 Jh. Diverse Votivgaben: Flammende Herzen, Jesukinder, Tiere, verschiedene Körper­­teile. 26 Stück, Metallblech, z.T. Silber bzw. versilbert, geprägt. H. ca. 2 – 24 cm. 130 € 6330 17. Jh. – Anfang 20. Jh. Diverse Votivgaben: Flammende Herzen, Tiere, menschliche Figuren und Körperteile. 26 Stück, Metallblech, z.T. Silber bzw. versilbert, geprägt. H. ca. 3,2 – 13 cm. 130 €

130 €

WO H L D E U T S C H 6331 18. Jh. Fahnenstangenbekrönung mit Schädel im Blätterkranz. Tempera auf Metall, beidseitig mit dem gleichen Motiv bemalt. 25 x 22,5 cm (strahlenförmig). 180 € Beigegeben zwei kleine Totenschädel aus Gips, polychrom gefasst, H. je ca. 5,5 cm.

6331 29


GIUSEPPE ARCIMBOLDO (um 1530–1593, Mailand)

6332 zugeschrieben. Der Vogelfänger. Öl auf Leinwand, doubliert. 125 x 70,5 cm. Um 1570. 40.000 € Literatur: Benno Geiger: Die skurrilen Gemälde des Giuseppe Arcimboldi (1527–1593), Wiesbaden 1960, Abb. 83 (als Giuseppe Arcimboldo). Le Musée sentimental de Cologne. Entwurf zu einem Lexikon von Reliquien und Relikten aus zwei Jahrtausenden, Ausst.Kat. Kölnischer Kunstverein, Köln 1979, S. 64 mit Abb. (als Giuseppe Arcimboldo). Winfried Konnertz: Max Ernst: Zeichnungen, Aquarelle, Übermalungen, Frottagen, Köln 1980, S. 219, Abb. 180 (als Giuseppe Arcimboldo zugeschrieben). Il Bello e le bestie. Metamorfosi, artifici e ibridi dal mito all’immaginario scientifico, Ausst.Kat. Museo di Arte Moderna e Contemporanea di Trento e Rovereto (MART) 2004. Mailand 2004, S. 226 mit Farbabb. (als Giuseppe Arcimboldo). Une Image peut en cacher une autre. Arcimboldo Dali Raetz, Ausst. Kat. Galeries nationales Grand Palais 2009, Paris 2009, S. 82, Kat. 49 mit Farbabb. S. 83 (als École de Giuseppe Arcimboldo). Provenienz: Sammlung Robert Schuppner (1896–1966), Köln. Lempertz, Köln, Auktion am 26. November 1970, Los 12. Das Staunen, das die Originalität und die Bizarrerie der Inventionen Giuseppe Arcimboldos hervorrief, bescherte dem gebürtigen Mailänder bereits zu Lebzeiten enormen Erfolg an den kaiserlichen Höfen in Wien und Prag. Seine Werke bedienten den Geschmack humanistisch gebildeter Auftraggeber, die einerseits die phantasievolle Spitzfindigkeit, andererseits die naturwissenschaftliche Exaktheit der Kompo­ sitbilder schätzten. Die aus Viktualien, Objekten der Flora und Fauna, aber auch aus Alltagsgegenständen zusammengesetzten Figuren wirkten und wirken bis heute fremdartig und gleichzeitig fesselnd. Je nach Betrachtungsweise und Standpunkt zerfällt das Bild in seine Einzelteile oder fügt sich zu einer Gesamterscheinung zusammen. So viel Aufmerksamkeit und Vertiefung das Entschlüsseln der minutiösen Details verlangt, umso unmittelbarer und müheloser ist Figur als Gan-

30

zes lesbar. Das Auge, der Geist sind im steten Kippen begriffen und in diesem Prozess der Fragmentierung und Addition gefangen. In vorliegendem Werk sind es Vögel verschiedenster Couleur, die zueinander in Beziehung gesetzt einen alptraumhaften Vogelfänger formen. Berufsnahe Objekte, die Vertreter ihrer Zunft stilisieren, finden sich beispielsweise auch beim Juristen (1566) oder dem Kellermeister (1574). Geflügel verwendete Arcimboldo dagegen zuvor in seiner berühmten Serie der Vier Elemente (1566) für das Element der Luft. Hier sind es etwa zwei Blaumeisen, die die Augen und Wangen bilden, der rechte Unterarm entpuppt sich als Eichelhäher, der linke besteht aus einer Türkentaube und einem blaugefiedertem Papagei. Der sich pro­minent wölbende Bauch sowie das stattliche Gemächt werden von einer Stockente dargestellt. Es ist eine Synthese aus realistischer und phantastischer Welt. Uns vertraute, diesseitige Tiere metamorphosieren vor unserem Auge in ein Ungeheuer, ein befremdliches Wesen, das nicht von dieser Dimension ist. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass Arcimboldos Werk in den Zwanziger- und Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts von den Surrealisten und Dadaisten wiederentdeckt wurde. Sie sahen in den erfindungsreichen Vexierbildern visionäre Vorläufer ihrer eigenen Arbeit. Winfried Konnertz geht sogar so weit, in unserem Vogelfänger eine direkte Inspiration für Max Ernsts Serie der Horden zu sehen (vgl. Le Musée sentimental de Cologne, op.cit., S. 64). Tatsächlich befand sich das Gemälde ehemals im Besitz des Kölner Künstlers Robert Schuppner, einem engen Freund von Max Ernst. Wenn man dessen Barbaren von 1937, heute im New Yorker Metropolitan Museum, zum Vergleich heranzieht, ist man dazu geneigt, den vogelartigen Wesen im Bild Verwandtschaft mit unserer Kreatur zuzusprechen. Sie eint der Zwiespalt zwischen Vertrautem und Befremdlichem, der groteske Humor verbunden mit künstlerischem Spieltrieb, die Arcimboldo zum Meister seines Genres machten.


6332 31


FRANKREICH 6333 17. Jh. Studienblatt mit einem Basilisken, Chimären und grotesken Tierfiguren. Feder in Braun, braun laviert, verso: Groteskes Wesen auf einem Eselsmenschen reitend, verfolgt von einem mit Klistier bewaffneten Zwerg. 26,2 x 20,5 cm. Wz. Kreis mit Adler (Fragment). 2.400 €

I TA L I E N 6334 wohl 19. Jh. Ein Paar groteske Mischwesen. Holz, vollrund geschnitzt, versilbert über rotem Bolus. Je ca. 12 x 24 cm. 120 € 6333, verso

6334

32


6333

33


6335

P E T E R N AG E L (geb. 1963, lebt und arbeitet in Düsseldorf)

6335 „Jägermeister“. Menschlicher Schädel mit Hirschgeweih auf Trophäenbrett, aus der Serie „The Wolpertinger“. Ca. 87 x 126 x 74 cm. 1999–2000. 450 € Ausstellung: Moses Welt Rekord, 2000, Kunstverein Ahlen, Kat. S. 35.

34


6336

6337

DEUTSCH 6336 19. Jh. Becher eines Apothekers mit Totenkopf und gekreuzten Gebeinen. Farbloses Glas, Email, Lippenrand vergoldet. H. 12,5 cm. Frontseitig bez. „Apotheker Alfr. Schmidt“, rückseitig am Oberrand eingeschliffen „0,3 L“. 80 €

DEUTSCH ODER ENGLISCH 6337 um 1900. Zwei Pfeifen mit Kopf in Totenschädelform und eine Zigarrenspitze mit Schädel auf gekreuzten Knochen. Eine Pfeife vollständig aus gelbem Meerschaum, die andere mit Kopf aus gelbem Meerschaum, Stiel aus dunkel lackiertem Holz und Mundstück aus Horn, die Zigarrenspizze mit Stiel aus Elfenbein, Silbermanschette und Mundstück aus Meerschaum. L. 15,5 cm, 17 cm und 11,9 cm. 100 €

SCHWEIZ ( WOHL ZÜRICH ) 6338 um 1670/80. Stabellenstuhl (Brettstuhl) mit Totenschädel und Groteskenschnitzerei. Hartholz, Nussbaum, Rücklehne mit herzförmigem Griffloch, reich geschnitzt mit starken Voluten, über dem Griffloch ein Totenschädel über gekreuzten Knochen. H. 83 cm. 400 €

6338 35 35


ENGLISCH ODER HOLL ÄNDISCH 6339 um 1810. Große Memento Mori-Taschenuhr. Silberner Totenschädel zum Aufklappen, beweglicher Unterkiefer, Emailziffernblatt mit römischen Zahlen, vergoldete Zeiger. Ca. 7 x 6,5 x 4,5 cm. Auf dem Uhrwerk bez. „28297 Samson LONDON“. 1.200 € Durch Aufklappen der Schädelkalotte wird der Blick frei auf das Ziffernblatt. Bereits seit dem 16. Jahrhundert gibt es die Tradition, dass das Stundenglas im Zusammenhang mit dem personifizierten Tod oder auch Chronos dargestellt wird. Derlei Totenkopfuhren fanden durch die Jahrhunderte hinweg eine weite Verbreitung und waren dabei stets Mahnung, die verrinnende, noch verbleibende Zeit sinnvoll zu nutzen.

6339

6340

6341

WIEN

DEUTSCH

6340 um 1850. Kleine Damen-Taschenuhr in Form eines Totenschädels mit Glas-Steinen verziert. Messing, die Augen mit zwei weißen, im Mund mit sechs roten Glassteinen besetzt, oben Anhänger mit Öse, Email(?)-Zifferblatt mit römischen Zahlen (gebrochen bzw. gesprungen). Ca. 4,5 x 4 x 3,4 cm. Uhrwerk herausnehmbar, bez. „S / L“.

6341 19. Jh. Kleine Memento Mori-Taschenuhr. Wohl Silber, oben mit kleiner Anhängeröse und Kettenreste, Öffnung mit kleiner Schließe unten, silbernes (?) Ziffernblatt mit römischen Zahlen. Ca. 3,1 x 3,9 x 3 cm. Auf dem Uhrwerk bez. „J. Debaufre 1148 LONDON“.

250 € 36

350 € Mit der Öse wurde die Uhr möglicherweise an einer Uhrenkette getragen. Durch Aufklappen des Schädels wird das Ziffernblatt sichtbar.


6339

6340

6341

37 37


6342

L’Œ I L D E S O R C I È R E

O S T- A L P E N L Ä N D I S C H

6342 20. Jh. Kleiner Konvexspiegel. Spiegel im schwarzen Holzrahmen. 16 x 12,5 cm (oval).

6343 um 1842. Beinhausschädel mit gemaltem Blattkranz. Knochen, farbig gefasst. H. 14 cm. Bezeichnet und datiert „Frau Eva Stadler Hufschmidin v. Neumarkt. Gest. [...] 1842“.

60 €

450 € Literatur: Oliver Kornhoff (Hrsg.), Susanne Blöcker (Bearb.): Leibhaftig. Der menschliche Körper zwischen Lust und Schmerz, Ausst.Kat. Remagen 2014, Sammlung Rau, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, S. 119. Ausstellung: Leibhaftig. Der menschliche Körper zwischen Lust und Schmerz, 2014–2015, Sammlung Rau, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen. Da der Platz für Grabstätten auf Friedhöfen in der Regel limitiert war, entstand bereits im Mittelalter der Brauch Überreste nach einer Ruhezeit in der Erde in Beinhäuser, sogenannte „Karner“, zu verlegen. Nach der Exhumation wurden insbesondere die Schädel aufbewahrt. Auf Wunsch der Angehörigen konnten diese durch Aufschriften und Bema­ lungen individualisiert werden. Neben ein­fa­chen Beschriftungen ent­wickelte sich vor allem in Hallstatt eine besondere Form der Verzierung. Hier wurden Totenköpfe bis in die 1980er Jahre mit Blumenmustern und Vanitassymbolik versehen, die der Verblichenen gedenken sollten. Die Praxis war insbesondere vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert üblich und als Maler betätigten sich oft die Totengräber selbst. Beigegeben ein unbemalter Schädel mit losem Unterkiefer.

6343 38


SÜDDEUTSCH 6344 18. Jh. Der Tod verweist auf die verrinnende Zeit. Holz, vollrund geschnitzt, farbig und golden gefasst. H. 34,5 cm. 1.500 € Beigegeben eine kleine Skulptur, die als Uhrenaufsatz gedient haben könnte: „Allegorie des Todes: Chronos mit Putto und Totenschädel“, wohl Österreich, 18. Jh. (Holz, geschnitzt, vergoldet. H. 19,5 cm).

6344

39


6345

6346

SÜDDEUTSCH

SÜDDEUTSCH

6345 um 1700. Der Eremit Onophrius mit EinsiedlerKrücke, das Bein auf einen Totenschädel gestützt. Holz, vollrund geschnitzt, farbig gefasst und teils vergoldet. H. ca. 38,5 cm.

6346 18. Jh. Hl. Stephanus. Holz, vollrund geschnitzt, farbig gefasst, teils vergoldet, montiert. 59 x 13,5 x 23 cm.

600 € Vollständig bedeckt das lang gewachsene Haar den Körper des Ere­miten, dessen Bein auf einem Totenschädel ruht und seinen Körper auf eine hölzerne Krücke stützt. Der Totenschädel steht als Symbol für ein asketisches und weltabgewandtes Leben. Beigegeben eine weitere polychrom gefasste Holzskulptur des hl. Erzengels Michael, alpenländisch, 18./19. Jh. (H. 27,4 cm).

40

600 € Der hl. Stephanus, der um das Jahr 40 wegen seines Glaubens zu Tode gesteinigt wurde, gilt als erster Märtyrer des Christentums. Die Verehrung des Erzmärtyrers ist bereits seit dem 4. Jahrhundert belegt. Der Überlieferung nach wurden Stephanus’ Gebeine im Jahr 560 in der Krypta der Kirche Sankt Laurentius vor den Mauern in Rom überführt und bestattet. Der Stefanitag wird seit der Einführung des Weihnachtsfestes als Gedenktag am 26. Dezember unmittelbar nach dem Fest der Geburt Jesu begangen.


6347

6347

SÜDDEUTSCH 6347 19. Jh. Zwei Reliquienbilder mit Wachsreliefs „Hl. Maria mit Kind“ und „Hl. Franz von Assisi“. Holzrahmen mit Schleifenbekrönung, teilweise vergoldet über rotem Bolus, Textilgrund, Drahtarbeit, Wachs, Papier. Je 39 x 22,5 cm (Rahmen). Verschiedene Cedulae (handschriftl.), das Reliquiar mit der Mariendarstellung rechts unten mit den Buchstaben „RA“ (Bouillondraht). 450 €

41


6348

42


6349

ALPENL ÄNDISCH

S C H W E I Z ( K A N T O N G R AU B Ü N D E N )

6348 spätes 18. Jh./ frühes 19. Jh. Hausaltar mit Pietà. Holz, geschnitzt, farbig gefasst und teils vergoldet. Architektonisch gegliederter, dreigeteilter Aufbau, zentral über der Predella eine kleine Pietà vor einer Nische mit halbrundem Abschluss, beidseitig von zwei freistehenden Säulchen flankiert, darüber eine weitere Nische, verglast, mit Papier und goldener Folie ausgekleidet, darin drei Tonfigurinen (Priester und zwei Helfer) vor einem Altar mit Kreuz, diese Nische auf einem verkröpftem Gebälk, auf den zwei seit­ lichen Verkröpfungen je ein Säulchen und eine Heiligen­ skulptur, den oberen Abschluss bildet ein vergoldetes und aus Glaspaste gearbeitetes Auge Gottes. 57 x 42 cm.

6349 um 1750. Begräbnisfahne: Tod mit Sense und Sanduhr, auf der Rückseite die Auferstehung Christi. Öl auf Leinwand, doppelseitig auf schwarzem Damast aufgenäht, goldgewirkte Bordüre. 75,9 x 54,4 cm. 300 €

450 € 43


FRANKREICH 6350 19. Jh. Reliquienschrein. Metallkästchen, teils rot und grün lackiert, Glas, Papier, Pailletten, darin gebettet zwei runde Reliquienkapseln. 20,5 x 21 x 9,6 cm (Kästchen); D. Kapseln 7,8 cm. Verschiedene Cedulae (handschriftl.). 450 € Provenienz: Sammlung Nan Goldin, Paris. Christie’s, Paris, Auktion am 7. April 2009, Los 105.

FRANKREICH 6351 18./19. Jh. Reliquienschatulle. Kästchen aus fester Pappe, mit bestickter Seide überzogen, Fensterchen aus Glimmerschiefer, innen vergoldete Krüllarbeit, Textil. 12 x 16 x 10 cm. Verschiedene Cedulae (handschriftl.). 180 € Provenienz: Sammlung Nan Goldin, Paris. Christie’s, Paris, Auktion am 7. April 2009, Los 105 A.

6350

6351 44 44

Nan Goldin revolutionierte die Welt der Fotografie mit ihren intimen und ungeschönten Schnappschüssen der Demimonde der New Yorker Lower East Side. Sie selbst war Teil dieser marginalisierten Welt, die Bilder gleichsam ein Tagebuch. Ein wegweisendes Denkmal setzte sie der Subkultur 1986 mit der berühmten Serie „The Ballad of Sexual Dependency“. Unterschwellig sind darin die Themen der Sterblichkeit und vor allem des Erinnerns allgegenwärtig. Denn viele der von Nan Goldin im Foto dargestellten Personen erlagen in der Folgezeit Krankheit oder Exzess. Goldin selbst kann als Überlebende bezeichnet werden. Weniger bekannt, aber mit der Memoria- und Gemeinschafts­ thematik kongruent, ist Goldins Faszination für das Religiöse. Das spiegelt sich in ihrer Privatsammlung wider, die auch Objekte religiösen Volksglaubens umfasst. Die Gegenstände, darunter zahlreiche Reliquiare wie die hier angebotenen Lose 6350–6354, sind ständige Begleiter ihres Alltags: „I’m fascinated by the notion that people believe en masse, that a group of people can come together in a kind of ecstasy of belief to the point that they believe that they can be cured. I love that; I think it’s wonderful.” (Interview mit Nan Goldin für die Ausstellung “Quilling. Devotional Creations from Cloistered Orders”, Pinacoteca Giovanni e Marella Agnelli, Turin 2001).


6352

FRANKREICH 6352 19. Jh. Kastenbild mit reichverziertem Altar. Holzgehäuse, vergoldeter Rahmen, Papiergrund, Krüll, Glas­fluss. 38,5 x 48 x 6 cm (oberer Abschluss geschweift). Verschiedene Cedulae (gedruckt). 800 € Provenienz: Sammlung Nan Goldin, Paris. Christie’s, Paris, Auktion am 7. April 2009, Los 113.

45


6353

SÜDDEUTSCH 6353 Mitte 19. Jh. Kastenreliquiar mit Agnus Dei. Holzgehäuse, Textilgrund, Drahtarbeit, geprägtes Wachs. 22 x 38 x 2,8 cm. Verschiedene Cedulae (handschriftl.). 500 € Provenienz: Sammlung Nan Goldin, Paris. Christie’s, Paris, Auktion am 7. April 2009, Los 114. Das Agnus Dei zeigt auf auf Schauseite den hl. Silvester vor der Muttergottes kniend und auf dem Revers Papst Gregor XVI. (Pontifikat 1831– 1864) und ist dort auf 1832 datiert.

46


SÜDDEUTSCH 6354 17./18. Jh. Reliquienpyramide mit geschweifter Rahmenblende. Holz, vergoldet, Textil, Drahtarbeit, Papier. H. 20 cm. Zwei Cedulae (handschriftl.). 500 € Provenienz: Sammlung Nan Goldin, Paris. Christie’s, Paris, Auktion am 7. April 2009, Los 108. Beigegeben ein Armreliquiar aus farbig gefasstem Holz, alpenländisch, 18. Jh.

6354

SÜDDEUTSCH 6355 18. Jh. Schaukasten mit dem gegeißelten Christus. Holz, vollrund geschnitzt, farbig gefasst, im Holzkasten mit Glasfront. Christus H. ca. 21,5 cm; Kasten 36 x 20 x 13 cm. 400 €

6355 47


ALPENL ÄNDISCH

PETER GILLES (1953–2017, Köln)

6356 18. Jh. Figurengruppe der Geißelung Christi. Holz, geschnitzt, polychrom gefasst, teils vergoldet, die ein­setzbaren Geißelruten mit Lederschnüren. 19,5 x 27,5 cm. Auf der Rückseite des Sockels ein aufgeklebter Zettel mit einer alten Zuschreibung an Franz Xaver Messerschmidt mit Biogramm des Künstlers, auf der Unterseite bezeichnet „M Posonia“. 450 €

6357 „Fetisch“. Knochenobjekt mit Fotos, Blut und Haaren. 5,8 x 4 x 34,5 cm. 1978. 600 € Literatur: Anton Legner (Hrsg.): Reliquien. Verehrung und Verklärung. Skizzen und Noten zur Thematik und Katalog zur Ausstellung der Kölner Sammlung Louis Peters, Ausst. Kat. Köln, Schnütgen Museum, Köln 1989, S.364, Kat. 487, (Abb.). Ausstellung: Kölnischer Kunstverein 1981. Reliquien. Verehrung und Verklärung, 1989, Schnütgen Museum, Köln. Wenige Künstler wie Hermann Nitsch oder Felix Droese arbeiten mit realem Blut. Aber wohl nur der Kölner Aktions-, Performance-, Installations-, Objektkünstler, Maler und Zeichner Peter Gilles hat mit seinem

6356 48 48


eigenem Blut gestaltet. Immer waren es Fragen nach Grenzerfahrungen des Menschen, des eigenen Ichs, stellvertretend aber auch des Menschen allgemein. Wie belastbar ist der Mensch, wie verändert er sich unter Extrembedingungen? Diese Fragen führten ihn zu Performances, in denen er sich vor Publikum extremen Belastungen aussetzte. Damit steht er in der Tradition der Wiener Aktionisten wie Günter Brus und Rudolf Schwarzkogler. Der Sammler Louis Peters schreibt über die vorliegende frühe Arbeit: „Jedes Kunstwerk wird [...] zum persönlichen Blutopfer und knüpft damit an älteste Menschheitsrituale an. Die fotografische Dokumentation seiner ersten Selbstdarstellungsaktion hat er auf einen mit seinem Blut bespritzten Knochen, auf dem auch eige­nes Haar für Fetischbezug sorgt, montiert. Montage und Demontage werden hier zum Selbstzeugnis.“ (op.cit. S. 364). Seine oft großformatigen Bilder der steten Selbstbefragung wurden in den 1980er Jahren von vie­len Museen, Sammlern, gerade auch von Peter Ludwig erworben. Ausstellungen fanden u.a. im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigs­ hafen, Performances im Museum Ludwig in Köln und in mehreren Galerien statt.

SÜDDEUTSCH 6358 wohl 19. Jh. Flagellanten-Geißel. Schenkelknochen, das obere Ende mit rot lackiertem Leder bezogen, darüber eine Silbermontierung, daran befestigt ein geflochtener, in zwei Enden auslaufender Lederriemen mit Knoten. Der Schaft des Knochens mit Draht umwickelt, das untere Ende des Knochens mit einer ornamentalen, mit einem Türkis besetzten Kupferfassung. L. 31 cm (Knochen), 90 cm (Lederriemen). 240 € 6357

6358 49


6359

GEORG MEISTERMANN

E DWA R D C O L L I E R

(1911 Solingen – 1990 Köln)

(um 1640 Breda – nach 1707 London oder Leyden)

6359 Ohne Titel (Totenschädel). Farblithographie auf festem Velin. 47 x 51 cm. Unten links nummeriert „2/9“.

6360 Vanitasstillleben mit Totenschädel, Seifenblasen und verlöschender Kerze. Öl auf Leinwand, doubliert. 74 x 61 cm. Unten rechts signiert und datiert „E. Collier 1700“.

180 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (vgl. Nachlassstempel verso). Die Darstellung wiederholt einen Ausschnitt des zweiten Glasfensters von rechts in der Kreuzkapelle im St.-Pauls-Dom zu Münster, das zum letzten Zyklus gehört, den Meistermann 1985–1990 vor seinem Tod entwarf.

50

6.000 € Den um die Mitte des 17. Jahrhunderts in Brabant geborenen Edward Collier wird man gewiss als einen „Meister des Todes“ apostrophieren dürfen. In unzähligen Variationen hat der Maler das Thema von Leben und Vergehen in seinen Stillleben festgehalten. Der Totenschädel als Relikt des menschlichen Daseins erscheint dort ebenso wie die ver­ löschende Kerze oder die aus einer Seifenschale aufsteigenden zerbrechlichen Seifenblasen. Das Vanitas-Thema war für die Menschen des 17. Jahrhunderts, geplagt von der Pest und Kriegen, allgegenwärtig. Durch seine delikaten Kompositionen gelingt es Collier, dem Thema einen eigenen ästhetischen Ausdruck zu verleihen.


6360

51


6361

ANTON SOHN (1769 Bad Waldsee – 1840 Zizenhausen, heutiges Stockach)

6361 Der Zizenhausener Totentanz. 41 (von 42) Figuren aus Ton, rückseitig abgeflacht, farbige Fassungen, auf den Plinthen die auf Papier gedruckten, zugehörigen Text. Je ca. H. 13,5–14,5 cm. 8.000 € Literatur: Vgl. Stefanie Knöll: „Der Zizenhausener Totentanz“, in: Friedhof und Denkmal: Zeitschrift für Sepulkralkultur, 49:1–2(2004), S. 3–9. Den Totentanz, bestehend aus insgesamt 42 Figuren, fertigte Anton Sohn ab 1822 in seiner berühmten Terrakottamanufaktur in Zizenhausen bei Stockach am Bodensee. Die Figuren gehen in ihrer Motivik auf den sogenannten Basler Totentanz, ein monumentales Wandgemälde mit

52

dem „Tod in Basel“ zurück, das im 15. Jahrhundert von einem unbekannten Künstler auf den Mauern des Friedhofs des Predigerklosters der Dominikaner angelegt wurde. Im 16. Jahrhundert wurde die Wand­ malerei überarbeitet und die Figuren erhielten zeitgenössische Kleidung. Bei der Niederlegung der Mauer im Jahre 1805 wurde die Malerei jedoch zerstört. Überliefert sind die Bilder durch alte Bildkopien und die Kupferstiche von Matthäus Merian den Älteren. Anton Sohn folgt in seiner Ausarbeitung den Bildern Merians, der den Totentanz 1623 erstmals mit begleitendem Text herausgab. Nach diesen Stichen formte Anton Sohn Halbreliefs aus Ton, von denen Gipsabgüsse angefertigt wurden, die als Model zur Vervielfältigung der Figuren dienten. Bei den Szenen handelt es sich um die Gegenüberstellung des Lebens mit dem Tod. Auftakt macht die Predigtszene mit einer kleinen Menschengruppe, die sich um einen Geistlichen schart, vermutlich predigt


er über das Sterben. Die zweite Szene zeigt zwei musizierende Gerippe, die dem Beinhaus entschwinden und den Tanz einleiten. Die Menschen sind mit Attributen ihres jeweiligen Standes oder Berufes dargestellt; dies und die Reihenfolge der Darstellungen zeigen die Hierarchie der spätmittelalterlichen Gesellschaftsordnung: beginnend mit dem Papst und endend mit dem Bauern. Nach dem Bauern schließt der Tanz mit Adam und Eva, dem Maler und der Malerin. Hoffnung gibt es im Tod, da alle Menschen sterben müssen. Gerade der Basler Totentanz gilt angesichts seiner frühen Entstehung als Sinnbild der Sterblichkeit und damit des Memento-Mori Bildes, wie es seit dem 15. Jahrhundert vor allem in Bettelordensklöstern in ganz Europa Verbreitung fand. Die Figuren des Zizenhausener Totentanzes wurden über eine Spanne von 150 Jahren in der Terrakotta Werkstatt des Anton Sohn produziert und auch wenn heute einige vollständige Sätze überliefert sind,

darunter diverse Mustersätze sowie ergänzende Archivalien (das Stadtmuseum Stockach verwahrt seit 2003 den Nachlass der Familie Sohn), nähern sich die Experten nur langsam der Zuordnung eines bestimmten Satzes an einen bestimmten Autor der Familie sowie deren Chronologie (op. cit. S. 6f.). Begonnen bei Anton Sohn wurde die Anleitung zur Produktion bis an den Ururenkel Otto Müller Sohn (1909–2003) weitergegeben. Erschwerend zu einer Klassifizierung kommt hinzu, dass sie Figuren auch auf Kundenwunsch unterschiedlich gefasst, lackiert und gefirnisst wurden. Aufgrund der rückseitigen Höhlungen, der Fassung und der Bemalung der Rückseite lässt sich die Entstehung der vorliegenden Figuren auf die Jahre zwischen 1860 und 1920 eingrenzen. Wir danken Herrn Johannes Waldschütz, Stadtmuseum Stockach für wertvollen Hinweise. – Hier vorliegend die beinahe vollständige Serie, lediglich Nr. 38: Der Tod und der Koch fehlen.

53


6363

W I L LY M E Y E R - O S B U R G (1934 Bremen – 2005 Worpswede)

6362 Ohne Titel (Skelette). 12 Zeichnungen, je Bleistift, Aquarell, Gouache und bunte Kreiden auf blauem, grünem oder ockerfarbenem Papier, auf schwarzem Papierbogen montiert. Je ca. 14 x 10,8 cm. 450 €

HAP GRIESHABER (1909 Roth b. Leutkirch – 1981 Achalm)

6363 Der Totentanz von Basel. 40 Farbholzschnitte gebunden im OLeineneinband mit blindgeprägter Deckelillustration und illustriertem OUmschlag, in OPappkassette. 46 x 36 cm. Fürst 66/1–40 c. 1966. 600 € Beigegeben der Katalog von HAP Grieshaber: Die Gouachen zum Totentanz, mit einer Einführung v. Wolf Schön. Stuttgart 1982.

6362 54


ANTON SOHN (1769 Bad Waldsee – 1840 Zizenhausen (heutiges Stockach))

6364 Der Zizenhausener Totentanz: Der Tod und der Kaiser (Nr. 4); Der Tod und der Herzog (Nr. 10); Der Tod und der Chorherr (Nr. 17); Der Tod und der Edelmann (Nr. 19); Der Tod und der Jüngling (Nr. 25); Der Tod und der Schultheiß (Nr. 30); Der Tod und der Blutvogt (Nr. 31); Der Tod und der Jud (Nr. 35). 8 Figuren aus Ton, rückseitig abgeflacht, farbige Fassungen, auf den Plinthen je die zuhörigen gedruckten Texte aufgeklebt. Je ca. H. 13,5–14,5 cm. 1.500 €

6364

55


SIMON TROGER (1693 Abfaltersbach – 1768 München-HaidhausenDude)

6365 Umkreis. Zwei Bettlerfiguren: Dudelsackspieler und Geigenspieler. Zwei Kombinationsfiguren aus geschnitztem Holz (partiell rotbraun gefasst) und Bein, mit eingelegten Glasaugen, schmalen Lederriemen und Naturfasern, teils Gold gefasst, die Geige beiliegend. H. 31 cm bzw. 29 cm. Um 1750. 1.200 €

6365 56


HEINRICH MÜLLER (1631 Lübeck – 1675 Rostock )

6366 Gräber der Heiligen, mit christlichen leich-Predigten bey Volckreicher Versammlung in öffentlichen GottesHäusern beenrte und geschmücket ... zum Druck befördert von J. C. Heinisio. Sampt dreyen nothwendigen Registern. 2 Bl., 864 S., 64 S., 23 S., 2 w. Bl. Mit gestoch. Portrait und Kupfertitel. 21,5 x 17 cm. Pergament d. Z. (fleckig; Rücken etwas lädiert). Frankfurt a. M., B. Chr. Wust, 1685. 250 € Literatur: VD17 23:299569Q. NDB XVI, 405. Erste Ausgabe der Sammlung mit Leichenpredigten des orthodox lutherischen Rostocker Theologen, Erbauungschriftstellers und Predigers an St. Marien Heinrich Müller (1631–1675). „Seine deutschen Schriften, umfangreiche Predigtsammlungen und Andachtsbücher, sind ... aus der unmittelbaren Arbeit mit der Gemeinde erwachsen. Sie stehen auf dem Boden der luth. Lehre, öffnen sich aber im Anschluß an Joh. M. Arndt mystischem Gedankengut. ... Die bildhafte und klare Sprache war die Grundlage für die nachhaltige Wirkung seiner Bücher“ (NDB). – Etwas gebräunt; die Vorsätze und Vacatblätter dicht gefüllt mit Exzerpten, Notaten u. ä., mehrere Bl. auch mit Annotationen einer alten Hand, vermutlich eines Gevelsberger Pastors d. Z.

6366

G E R H A R D A LT Z E N B AC H (tätig 1609–1672 in Köln und Paris)

6367 Spottblatt: der Tod als Edelfrau. Radierung. 23,8 x 13,3 cm. Wz. Buchstaben RVF. Um 1630. 350 € Spott auf die nach dem Dreißigjährigen Krieg weitverbreitete französische Mode. Am unteren Bildrand die erläuternde Inschrift „O Alnmodo Helenna – Leichtfertig reich stoltz wie ein Phow / gedenck an Gottes Gericht behendt, So wirstu ham ein gutes endt“. – Ganz ausgezeichneter Druck mit zartem Plattenton und breitem Rand. An drei Kanten mit Rotschnitt, dort etwas verbräunt, unter ein Passepartout montiert, im Passepartoutausschnitt leicht vergilbt, unauffälliges Quetschfältchen vom Druck im rechten Rand, sonst in sehr schöner Erhaltung.

6367 57


ALPENL ÄNDISCH 6368 Anfang 18. Jh. Schädel mit dem Apfel der Erkenntnis. Holz, vollrund geschnitzt, farbig gefasst. H. 32 cm (mit Sockel). 1.500 €

6368 58


SÜDDEUTSCH 6369 16. Jh. Der hl. Veit im Ölkessel. Lindenholz, vollrund geschnitzt, montiert. H. 47 cm. 2.400 € In einem bauchigen Kessel mit Huftierbeinen befindet sich der nackte Heilige. Seine Hände hat er zum Gebet gefaltet, seine Lippen sind zum Sprechen leicht geöffnet und über seinen Rücken fällt sein lockiges Haar. Es ist das Bildnis des hl. Veit, der zu den Vierzehn Nothelfern zählt und bereits als 12jähriger in einem siedenden Ölkessel sein Martyrium fand. Eine Vergleichsdarstellung des hl. Veit im Ölkessel aus Lindenholz des Bildhauers Veit Stoß befindet sich in der Sammlung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg (um 1520, Inv-Nr. Pl.O.3013).

6369

59


6370

M A R G A R E T H A D U B AC H

D O R O T H E E VO N W I N D H E I M

(geb. 1938 Luzern)

(geb. 1945 Volmerdingsen, Bad Oeynhausen)

6370 „Jagdfetisch“. Eisendose, Horn, Knochen, Textilien, Papier. 10,5 x 14 cm. Am Boden signiert und datiert „Dubach [19]80“ sowie auf einem Etikett betitelt.

6371 „Kölner Dom“. Stein auf Gaze, in einer Schachtel aus Pappe. 2 x 1,5 cm (Stein); 3,2 x 8,3 x 8,3 cm (Schachtel). Je auf einem Etikett auf der Schachtel und im Inneren betitelt, signiert und datiert „Kölner Dom 12.2.81. D.v.W.“.

350 € Literatur: Anton Legner (Hrsg.): Reliquien. Verehrung und Verklärung. Skizzen und Noten zur Thematik und Katalog zur Ausstellung der Kölner Sammlung Louis Peters, Ausst.Kat. Köln 1989, Schnütgen Museum, Kat. 477. Ausstellung: Reliquien. Verehrung und Verklärung, 1989, Schnütgen Museum, Köln. Die Kunst der Schweizerin Margaretha Dubach hat Reliquiencharakter. Sie sammelt und arrangiert Fundstücke und evoziert mit ihren Arrangements eine vergangene Welt, in der Volksglauben und Mystik noch allgegenwärtig waren.

6371

60

150 € Literatur: Anton Legner (Hrsg.): Reliquien. Verehrung und Verklärung. Skizzen und Noten zur Thematik und Katalog zur Ausstellung der Kölner Sammlung Louis Peters, Ausst. Kat. Köln, Schnütgen Museum, Köln 1989, Kat. 475. Ausstellung: Reliquien. Verehrung und Verklärung, 1989, Schnütgen Museum, Köln. „Dorothee von Windheim hat Abnahmen und Ablösungen von Mauern und Bäumen vorgenommen und dabei auch abgelegte Zeit ein­ge­sam­ melt, heruntergerieselte Putz- und Steinpartikel, die einer Sanduhr entkommen zu sein scheinen. Die Ablagerung, die sie am 12. Februar 1981 vor dem Kölner Dom gefunden hat, betrachte ich als echte Berührungsreliquie, ist doch der Kölner Dom nichts anderes – und war auch so geplant – als ein großgebautes Reliquiar für die Dreikönigs­ reliquien. Das kleine Domfragment ist Beweis dafür, daß die Beständigkeit von (gebautem) Stein auch nur eine Frage der Zeit ist, also vergänglich wie der Mensch.“ (Louis Peters, in: Ausst. Kat. Köln 1989, op.cit., S. 362 f.). Dorothee von Windheim studierte von 1965 bis 1971 an der Hochschule für bildende Künste Hamburg als Schülerin von Gotthard Graubner. Die Konzeptkünstlerin lehrt seit 1989 an der Kunsthochschule Kassel als Professorin für Alte und Neue künstlerische Medien.


SÜDDEUTSCH 6372 18. Jh. Kastenreliquiar. Holzgehäuse, darin Knochen, Glasperlen, Papier und Stoff auf einen Textilgrund mit Goldbordüre montiert. 25,5 x 21,9 x 5 cm. Cedula (handschriftl.) „S. Cornelij“.

400 € Provenienz: Aus der Sammlung Albrecht Fabri, Köln (Etikett verso „Sammlung Fabri 30.5.98“).

6372

WO L F D. S A N DVO S S (geb. 1938 Stuttgart, lebt in Düsseldorf)

6373 „Die Gebeinchen des ‚Huhns von Quedalles‘“. Objektkasten mit Hühnerknochen, Eierschale und Papier auf dunklem Samt. 27,5 x 22,5 x 4,2 cm. Unten auf dem Glas und verso betitelt sowie signiert und datiert „W. D. Sandvoss 30/IX/83“, auf einem Papierstück im Kasten bezeichnet „Gebeinchen des ‚Huhns von Quedalles‘, / das in der Nacht vom 8. auf 9. August / 1289 durch sein Gegacker die Dörfler / vor einer Feuersbrunst rettete u. seit- / dem Sankt Florian auf die Nerven geht.“. 400 € Literatur: Anton Legner (Hrsg.): Reliquien. Verehrung und Verklärung. Skizzen und Noten zur Thematik und Katalog zur Ausstellung der Kölner Sammlung Louis Peters, Ausst. Kat. Köln, Schnütgen Museum, Köln 1989, Kat. 483. Ausstellung: Reliquien. Verehrung und Verklärung, 1989, Schnütgen Museum, Köln. Gewitzte, nicht von Ironie freie Umsetzung des Reliquien-Themas durch den in Düsseldorf lebenden Künstler Wolf D. Sandvoss.

6373 61


Von der Wahrheit einer Fälschung Die Prillwitzer Idole und Daniel Spoerri

Diese Bronzeabgüsse kleinformatiger Assemblagen von Daniel Spoerri haben eine lange Vorgeschichte. Im Jahr 2005 stößt der Künstler in einem Kölner Antiquariat zufällig auf einen 1771 erschienenen Band über „Die gottesdienstlichen Alterthümer der Obotriten“. Der Historiograph Andres Gottlieb Masch brachte in diesem Werk, gemeinsam mit dem Hofmaler Daniel Woge, auf 52 Kupferstichen vermeintliche Kultgegenstände aus slawischen Tempeln ans Licht: die sogenannten Prillwitzer Idole. Einhundert Jahre lange hielt man sie für echt, doch schließlich entpuppten sie sich als Teil einer Fälschergeschichte, die als eine der erfolgreichsten des 18. Jahrhunderts gilt und in die selbst die Königin von England und Goethe verwickelt sind. Sie beginnt mit einem harmlosen Geschehnis, das aktenkundig wurde: Beim Pflanzen eines Birnbaumes im Garten des Gutshauses im mecklenburgischen Prillwitz findet man 1768 zahlreiche aus Metall gegossene Figuren. Einige von ihnen tragen runen­ artige Schriftzeichen, in denen man das Wort Rhetra entziffert. Neben Arkona, das sich mühelos auf Rügen verorten ließ, hatte man über Jahrhunderte versucht, Rhetra zu lokalisieren, das zweite bedeutende Slawen-Heiligtum. Der spektakuläre Fund nun ließ nur einen Schluss zu: In Prillwitz hatte man Rhetra entdeckt. Der Zufall wollte es, dass zur selben Zeit Karl von Mecklenburg-Strelitz (1741-1816), damals Gouverneur von Hannover, den Nachbarort Hohenzieritz erwarb, um in seiner Heimat 62

einen modernen Landsitz zu errichten. Zwar gehörten die Strelitzer dem alten, bereits im 12. Jahrhundert nachweisbaren Slawengeschlecht der Obotriten an, doch erst 1701 nahm die Herrschaft dieser dynastischen Nebenlinie ihren Anfang. Der Glücksfund von Prillwitz erfüllte wunderbar eine legitimierende Funktion: Er bewies, dass die Strelitzer im Besitz der Urzelle ihres Geschlechtes waren, zumal Arkona im preußischen Vorpommern lag. Obwohl aus Mecklenburg immer wieder Königinnen von Dänemark oder Preußen stammten, war die auf Schloss Mirow geborene spätere Queen Charlotte etwas Besonderes. So lag es nahe, dass Masch und Woge ihre Abhandlung über die „Götzenbilder“ der Obotriten der Monarchin widmeten, um deren Stolz auf eine Heimat zu mehren, in der man ein „nördliches Herculaneum“ gefunden hatte. Fast selbstverständlich, dass man die Fundstücke – am Ende waren es fast einhundert – nach Hohenzieritz brachte und dort ausstellte. Sie trafen den Nerv der Zeit: Winkelmanns antikischer Positivismus stand unter Generalverdacht. Mehr und mehr besann man sich auf die eigenen, diesseits der Alpen verwurzelten Traditionen. Die eigene germanische, gotische, slawische und britische Geschichte drängte „den Süden“ in den Hintergrund. Spätestens als Herzog Karl, gemeinsam mit seinem Bruder Ernst, im Jahr 1770 die Schwester Charlotte und deren Familie in England besuchte, begreift er das Moderne, das der englischen Kultur innewohnt: Es sind die Landschafts-


gärten, die das Land umgestalten. Geschichtsträchtige Ritterburgen, bedeutsame Orte und altehrwürdige Heilig­ tümer finden im Bild eines heimischen Elysiums zueinander. War dies nicht auch in Hohenzieritz möglich? Das Zauberwort der Zeit verknüpfte Raum und Geschichte, benannte Sehnsüchte in einer Welt, die durch innere und äußere Herausforderungen ins Wanken geraten war. Karl war den neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen. In Hohenzieritz sollte ein moderner Landschaftsgarten entstehen. Am Hof seiner Schwester bat er um die Ausarbeitung eines Gartenplanes, der von einem begabten und hoch qualifizierten Gärtner, dem blutjungen Archibald Thompson, 1771 von Kew nach Strelitz gebracht wurde. Indes waren die Mittel des Herzogs knapp und die Fläche begrenzt. Erst 1796 vergrößerte sich diese mit dem Erwerb von Prillwitz. Doch Karl konnte damit rechnen, seinen kinderlosen regierenden Bruder Adolph Friedrich IV. (1738-1794) zu beerben. Unter diesen Prämissen entstand einer der schönsten Landschaftsgärten auf dem Kontinent: Der Besucher verließ linkerhand das Schloss und erreichte in der Querachse einen Schneckenberg. Von hier blickte er einerseits auf eine moderne Gartenlandschaft, andererseits wanderte der Blick zum benachbarten Prillwitz. Die historische, reale Landschaft und das geschaffene Elysium verschmolzen zu einer Einheit, zum Gestaltungsraum des Obotriten-Nachfahren, in dem der waltet, herrscht und regiert. Hier könnte die Geschichte in Wohlgefallen enden, wenn es kein Nachleben gäbe. So konnte Herzog Karl beispielsweise seine beiden Töchter Luise und Friederike an den preußischen Hof verheiraten. Letztere reüssierte später als Königin von Hannover, Luise wurde bekanntlich preußische Königin. Angesichts der Befreiungskriege, die auf den sich antikrömisch gebärdenden Kaiser Napoleon zurückgingen, verlangte man nach Symbolen, die einen neuen Zusammenhalt festigen konnten. So bekam etwa Königin Luise von ihrem Vater ein Diadem geschenkt, in dem die Prillwitzer Idole eingearbeitet waren. Heimatbezug und Politik mögen auch mitgespielt haben als Caspar David Friedrich in einer Skizze das gotische Stadttor Neubrandenburgs mit einem Prillwitzer Idol festhält. Mehr noch, Graf Potocki erkennt im Sinne seiner polnischen Altertumsforschung in den Prillwitzer Idolen wesentliche Zeugnisse, um eine große nordische Geschichtsschreibung voranzutreiben. Kaum waren die Freiheitskriege verebbt, so wurden zustimmende wie kritische Stimmen – unter ihnen Goethe – lauter. Eine von oberster Stelle eingeleitete Untersuchung brachte

schließlich zu Tage, dass die Prillwitzer Idole nur Fälschungen waren. Jedoch hatte sich bereits eine Dynamik in Gang gesetzt, die nicht mehr aufzuhalten war. Die Fundstücke veran­ lassten den herzoglichen Schweriner Vetter Karls nicht nur dazu, im Jahr 1804 eines der ersten deutschen Denkmalschutzgesetze zu erlassen, sie motivierten ihn auch zu einer eigenen Sammlung. Am Ende wurde gar ein Fundstück aus Trechow, das man wegen seiner Form zur „Wendischen Krone“ stilisierte, zum Symbol des mecklenburgischen Haus­ ordens. Dass es sich dabei, im heutigen Sprachgebrauch, nur um eine Radkappe handelte, spielte keine Rolle mehr. Daniel Spoerri hat als einer der Ersten die Bedeutung der Prillwitzer Idole – abseits der Wissenschaft – in künstlerischer Hinsicht erkannt. Bis heute weiß man nicht, wer hinter den Fälschungen stand. Waren es honorige Personen der Neubrandenburger Gesellschaft, war es der frühere Eigentümer von Prillwitz oder gar der Herzog selbst? Tatsache ist, dass über Jahrzehnte hinweg alle von dieser Täuschung profitierten und an der Fortschreibung der Legende mitwirkten. So wie es in Hohenzieritz der Fall war, hat Spoerri auch in seinem eigenen Landschaftsgarten in Italien das Thema Ort und Memoria aufgegriffen. Die heutige Forschung konnte Spoerri bei der Anfertigung seiner Repliken noch nicht kennen. Wusste er um die Dimensionen seines Gegenstandes? Was bewog ihn, Fälschungen zu kopieren? Im Sinne der Archäologie sind die Prillwitzer Idole falsch, im Sinne der Kunstgeschichte hingegen sind sie reale Artefakte. Spoerri bietet dem Betrachter Objekte dar, mit denen er den Schnittpunkt zwischen Wahrheit und Wirklichkeit auslotet. Sie sind gleichermaßen unwahr und falsch, besitzen aber dennoch mehr als eine Wirklichkeit, denn sie sind mittlerweile Gegenstände, die Geschichte geschrieben haben. Vielleicht kann man Spoerris Werk auch vor dem Hintergrund des postmodernen Historikerstreits betrachten, der in den Prillwitzer Idolen einen Vorläufer hatte. Dass sich die Deutungs­hoheit an „false facts“ ausrichtet, muss sowohl den Historiker, als auch den Künstler beunruhigen. Dass wir gerade heute wieder an diesem Punkt angelangt sind, macht die Objekte Spoerris besonders reizvoll. Bis heute befinden sich die „originalen“ Fälschungen in mecklenburgischem Landesbesitz. Sie werden in einem Depot im einstigen Herzogtum Schwerin peinlichst unter Verschluss gehalten.

Prof. Dr. Marcus Köhler, Dresden 63


6374

DA N I E L S P O E R R I (geb. 1930 Galati, lebt in Wien)

6374 Ohne Titel („Hai“). Bronze, teils bemalt. 16 x 20 x 26 cm. Signiert und nummeriert „II/ IV“.

6375 Ohne Titel („Kümmerling auf schwarzer Platte“). Bronze, bemalt. 17 x 7 x 11 cm; Sockel: 12,5 x 20 cm. Signiert und nummeriert „2/8“.

2.400 €

1.800 €

64


6375

65


DA N I E L S P O E R R I 6376 „Breitmaulclown“. Silberguss. 12 x 8 x 15 cm. Signiert und nummeriert „I / IV“. 2006. 2.400 €

6376

DA N I E L S P O E R R I 6377 Ohne Titel („roter Hut“). Bronze, bemalt. 17,5 x 12 x 21 cm. Signiert und nummeriert „4/8“. 2.400 €

6377 66


DA N I E L S P O E R R I 6378 „Napoleonküken“ / Pulcino Napoleone. Bronze. 18 x 6,7 x 12 cm. Signiert und nummeriert „XVI / XXV“. 2005 1.800 €

6378

DA N I E L S P O E R R I 6379 Ohne Titel („Brötchen“). Bronze, teils bemalt. H. 15,8 cm. Signiert und nummeriert „1/8“. 2.400 €

6379 67


6380

68


6381

DA N I E L S P O E R R I 6380 Ohne Titel („Gespenstchen“). Bronze, bemalt. H. 9 cm; Sockel: 4,6 x 8 x 10,5 cm. Signiert und nummeriert „2/8“.

6381 Ohne Titel. Bronze, teils bemalt. 24 x 12 x 36 cm. Signiert und nummeriert „6/8“.

2.400 €

2.400 €

69


SÜDDEUTSCH 6382 19. Jh. Kruzifix auf dem Totenschädel Adams wurzelnd. Holz, geschnitzt, teils farbig gefasst. H. 50,5 cm. 600 € Ein vergleichbares Kruzifix mit dem Schädel Adams als Sockel befindet sich als Schaustück in einem Mementosargerl, der im Diözesanmuseum Freising aufbewahrt wird (Inv.Nr. D 8448, siehe Ausst.Kat. Die letzte Reise – Sterben, Tod und Trauersitten in Oberbayern, München 1984, S. 29).

6382

SÜDDEUTSCH 6383 wohl 15. Jh. Die Gebeine Adams mit der Schlange. Holz, geschnitzt, farbig gefasst. 50 x 65 x 27 cm. 750 € Die Gebeine Adams mit der Schlange dienten sicherlich als Basis für ein Standkreuz mit dem gekreuzigten Christus, vielleicht sogar im Kontext einer ganzen Kalvarienszene.

6383 70


6384

AU G S B U R G 6384 1. Hälfte 17. Jh. Pesttafel mit triumphierendem Tod. Öl und Tempera auf Holz. 43,8 x 31,5 cm. Verso alt in rotem Pinsel teils unleserlich bezeichnet „S: Nie[?] Evang:“. 2.400 € Mit den kriegerischen Auseinandersetzungen in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts überrollten neben Elend und Zerstörung auch Pest und Krankheiten den Kontinent. Sie besiegelten nicht zuletzt den Niedergang Augsburgs, wo über die Hälfte der Einwohner den verheerenden Folgen von Armut, Hungersnot und Seuchen zum Opfer fiel. Unzählige Tote forderte besonders die Pest, die 1607–1617 und erneut

1624–1629 in der einst florierenden Reichsstadt wütete. Als Warnung vor der Krankheit wurden an Häuserwänden und Türen Pesttafeln wie die vorliegende angebracht. Auf schwarzem Grund prangt ein siegreich grinsender Tod mit Lorbeerkranz und gekreuzten Oberschenkelknochen. Ein vergleichbares Exemplar befindet sich in der Sammlung des Deutschen Historischen Museums, Berlin (Inv.Nr. 1991/2938).

71


SÜDDEUTSCH 6385 wohl 18. Jh. Arme Seele im Fegefeuer. Holz, geschnitzt, farbig gefasst. 43 x 48 cm. 1.500 €

6385

72


ALPENL ÄNDISCH 6386 18. Jh. Arme Seele im Fegefeuer. Holz, geschnitzt, farbig gefasst. 49,5 x 27 cm. 800 € Das Arme-Seelen-Relief war wohl ehemals Bestandteil einer Predella. Beigegeben ein Holzemblem mit Blattwerk, gold gefasst, mittig mit der Darstellung ein Agnus Dei (Lamm Gottes) sowie zwei weitere kleine Fegefeuerdarstellungen aus dem 18. Jh.: ein Relief mit drei Armen Seelen, wohl italienisch, sowie ein flammenförmiges Konturbild.

6386

73


M A R G A R E T H A D U B AC H (geb. 1938 Luzern)

6387 „Fingerzeig“. Gipsguss, sandfarben gefasst, auf Holzsockel fixiert. H. 22,5 cm. Auf einer Messingplakette vorne am Sockel signiert und datiert „Margaretha Dubach / 1977“, unterseitig auf einem Etikett betitelt. 300 € Beigegeben ein weiteres Objekt von derselben Künstlerin: kleine Figur und getrocknete Rosenblätter in einer Schachtel, auf der Unterseite der Figurstandfläche signiert.

6387

74


6389 6388

ENGLISCH 6388 19. Jh. Zwei Briefbeschwerer mit schlanken Frauen­ händen. Hand mit Medaillon: Bronze, Stütze dunkel patiniert. 10,5 x 18,8 cm; Hand mit zwei Armbändern: Bronze, Marmor, Achat. 11,6 x 27,2 cm.

6389 19. Jh. Zwei Briefbeschwerer mit schlanken Frauenhänden. Schreibende Hand: Bronze. 9,4 x 20 cm; Hand mit Ring am Zeigefinger: Bronze. 9,3 x 16,1 cm. 150 €

150 €

75


6390

I TA L I E N ( P E R U G I A )

GESINA LIEBE (geb. 1948, lebt und arbeitet in Köln)

6390 19. Jh. Devotionskopie des Verlobungsringes Mariae. Ring aus Alabaster mit einem grünen Seidenband auf einer Authentik befestigt, das Schriftstück unten handschriftlich datiert „8. Juli 1894“ und vom Kustos Scipio Gualdi signiert. D. 3,5 cm (Ring); Schriftstück 4to. 150 € Im Dom zu Perugia wird der Verlobungsring der Jungfrau (it. Santo Anello) als vielverehrte Reliquie aufbewahrt. Der Ring aus Calcedon kann tatsächlich auf das 1. Jh. n. Chr. datiert werden. Zum Öffnen des Schreins sind nicht weniger als vierzehn Schlüssel notwenig, die an unterschiedlichen Orten der Stadt hinterlegt sind. Zugänglicher für die Gläubigen waren daher sogenannte Devotionskopien. Diese offiziell geweihten Repliken des Rings, meist in Alabaster, waren mit dem Ori­ginal in Berührung gekommen, wodurch sich dessen segensbringende Wirkung auf sie übertragen hatte.

76

6391 Denkmal für Madonna. Aus der Serie ‚Reliquien XX‘. Sandstein, Mixed Media. 54 x 56 x 4 cm. Im Stein monogrammiert und datiert verso „A 1998 / G L“. 1.200 € Ausstellung: Gesina Liebe, Reliquien XX, Köln Gewölbekeller Bayenstr. 59, 1998. Nach dem Besuch der Werkschule für Bildhauerei in Köln und einem zweijährigen Italienaufenthalt macht Gesina Liebe ab 1983 eine Ausbildung zur Steinmetzin und Bildhauerin an den Dombauhütten Köln und Xanten und der Kölner Bauhütte St. Maria im Kapitol. Seit 1988 arbeitet sie als freie Künstlerin. In ihrem Projekt „Reliquien XX“ (mit „XX“ sind die zwei weiblichen X-Chromosomen gemeint) schuf die Künstlerin 32 in den Maßen identische Sandsteinplatten mit den im oberen Drittel eingemeisselten Namen von 32 weiblichen Persönlichkeiten von der Antike bis zur Gegenwart und einer mit Attributen angefüllten sogenannten Reliquienkammer. Beim Denkmal für Madonna spielt Gesina Liebe mit der Ambivalenz zwischen der Mutter Gottes und der „Göttin des Pop“. In der sogenannten Reliquienkammer die Andeutung eines rosa Spitzen-BHs und eine Muschel als Anspielung auf Salvador Dalís Gemälde ‚Vierge et enfant‘. Beigegeben der Katalog zur Ausstellung 1998 mit einem Vorwort von Louis Peters.


6391 77


I TA L I E N 6392 19./20. Jh. Vier Votivgaben: drei flammende Herzen und ein Augenpaar. Metallblech, teils versilbert, geprägt, mit durchbrochen gearbeiteten, teils figuralen Umrandungen. H. 8,7 cm – 19,5 cm. Die Herzen mit Cristo-Re-Monogrammen „CR“ und „PCR“. 60 €

6392

SÜDDEUTSCH 6393 18. Jh. Reliquientafel mit Herz-Jesu-Medaillon. Holzgehäuse, vorne verkleidet mit Spiegelglas mit Mattschliff, darin auf Textilgrund Papier, Pergament mit Gouache­ malerei und Drahtarbeit. 22,7 x 14,8 cm. Cedulae (handschriftl.): „S. Fausti M.“, „S. Antigoni M.“, „S. Eutichiae M.“ und „S. Cuspini M“. 6393 78

250 €


6394

M A R I E L A N D G R Ä F I N VO N H E S S E N P H I L I P P S TA L (1818 Carlsruhe (pol. Pokój) – 1888 Philippsthal)

6394 Tableau mit Emailplaketten und Kameen. Auf einer schwarz bemalten Holztafel symmetrisch angeordnet fünf bemalte Porzellanplaketten, zwei Kameen sowie vier Plättchen mit reliefierten Männerprofilen, wohl aus Bein, das Tableau verziert mit Türkisen und weißen wie rotviolettem Steinbesatz, im wohl originalen, grünen Holzrahmen mit vergoldeter Sichtleiste und Blattwerk. 17 x 26,7 cm (Tableau); 22,8 x 32 cm (Rahmen). Verso auf einem Etikett von alter Hand Angaben zur Urheberin „1880 verfertigt von / der Landgräfin Marie / v. Hessen Philippsthal / geb. Herzogin v. Wurttem / berg [...] / Geschenk an Frau Hille 1882“. 200 € Beigegeben zwei durchbrochen gearbeitete Döschen, eines eiförmig, teils emailliert und mit Rosen- und Schleifendekor (wohl russisch, 20. Jh.), das andere in Form eines Körbchens mit einer kleinen Email­ plakette auf dem Deckel (wohl 19. Jh.).

79


ALPENL ÄNDISCH 6395 18. Jh. Schrein mit Gnadenbildern: Jesuskind, flankiert von zwei Marienfigurinen. Ebonisiertes Holzgehäuse, Glas, darin Damastgrund, die seitlichen Figurinen aus Ton, farbig und in Gold gefasst, Jesuskind aus Holz, farbig gefasst, Echthaar, Seidenkleid mit Applikations-Stickerei. 27,7 x 31,8 x 8,5 cm. 350 €

6395

SÜDDEUTSCH 6396 19. Jh. Stehender Christusknabe mit langem lockigem Haar. Holz, vollrund geschnitzt, farbig gefasst, Glasaugen, blondes Flachshaar, auf einem schwarzen Holzsockel mit Glassturz. H. 35,5 cm (Figur); 48,5 cm (mit Sockel). 350 €

6396 80

Über einem kreisrunden Stand ganzfigurige Darstellung des Christusknaben mit ungewöhnlich langer, gelockter Haarpracht, in leichter Schrittstellung. Die Verwendung von Echthaar-, oder auch KunsthaarApplikationen unterstützt die lebensechte Wirkung künstlerischer und liturgischer Bildwerke, und ist in unterschiedlicher Manier durch die Epochen hindurch zu beobachten.


6397

SALZBURG 6397 1. Hälfte 18. Jh. Pestsegen (Reliquiar). Steinbockhorn, Glas, Papier, Textil. 11,5 x 9,9 cm (oval). Verschiedene Cedulae (wohl handschriftl.). 400 € Beigegeben ein Walzenreliquiar aus Kupfer mit Spuren einer alten Vergoldung, wohl des 19. Jahrhunderts, mit Zylinder und Cabochons aus Bergkristall, das die Formen von rheinländischen Reliquiaren des 13. Jahrhunderts wiederholt.

I TA L I E N 6398 18. Jh. Ostensorium mit eingesetzter Reliquie. Holz, geschnitzt, mit Spuren einer weißen Fassung, auf der Schauseite Blech, getrieben, teils vergoldet, hinter einem Schaufenster im Inneren eingesetzt eine spätere Reliquienkapsel mit Krülldekor und gedr. Cedula. H. 33 cm. Auf der Unterseite der Standfläche unleserlich bezeichnet. 350 €

6398 81


6399

DEUTSCH

JA PA N

6399 wohl 18. Jh. Drei Totenköpfe mit Gebeinen. Holz, geschnitzt, ockerfarben gefasst. 31,5 x 24,2 cm.

6400 19. Jh. Okimono: Totentanz Elfenbein, vollrund geschnitzt. 6 x 6,7 cm. Signiert.

400 €

750 €

82


6400

83


6401

6402

TIBET

TIBET

6401 19. Jh. Kapala: Schädelschale mit Deckel und Stand. Schale: Knochen (Schädelkalotte), Metalleinfassung (wohl Silber), innen mittig eine Korallenperle in einer Metallkartusche; Deckel: Kupfer, Messing; Stand: Kupfer, teils feuervergoldet. H. 22 cm (mit Ständer und Deckel).

6402 19. Jh. Zwei Schädelschalen (Kapala). Schädelkalotten, innen mit Silber ausgekleidet, außen Metalleinfassung (wohl Silber), eine Einfassung mit geschweiften Kartuschen sowie Korallen und Türkisen geziert. 6,5 x 16,7 cm; 7,5 x 17 cm.

400 € Bis heute werden Schädelschalen, sogenannte „Kapalas“, in einigen Klöstern Tibets bei buddhistischen Vajrayana Ritualen als Opferschalen verwendet. Dabei sollen die Behältnisse die Kraft der Verschiedenen weiterreichen. Wenn mit Blut gefüllt nannte man die Opferschale Ashra­ kapala, wenn mit Fleisch dagegen Mamsakapala. Der sakrale Charakter dieser Gegenstände wird von den Metallverzierungen und Schmucksteinen unterstrichen. In unserem Fall umfasst ein Kranz aus Totenschädeln den Schalenrand. Der Deckel hat einen Griff in Vajra Form, einem Symbol, das die fünf Arten ursprünglicher Weisheit darstellt. Die Standvorrichtung krönen drei grinsende Schädel, die das Gefäß tragen.

84

400 €


H I M A L AYA R E G I O N ( T I B E T O D E R N E PA L ) 6403 19./20. Jh. Citipati Totenschädel-Maske. Holz, geschnitzt, farbig gefasst, mit Haltezapfen. H. 25 cm. 350 € Die Citipati waren zwei Asketen, die in der Nähe eines Friedhofs meditierten. In ihrer Versunkenheit merkten sie nicht, wie ein Dieb sich ihnen näherte und ihnen die Köpfe abschlug. Er warf ihre Häupter in den Schlamm und die erzürnten Mönche schworen Rache. Seitdem wachen die Citipatis in Form von Skeletten über Friedhöfe und sind die erbittertsten Feinde von Dieben und anderen Übeltätern. Ihre Masken werden von Mönchen in rituellen buddhistischen Tänzen verwendet (vgl. La Danse des Morts. Citipati de l’Himalaya Danses macabres et Vanités de l’Occi­dent, Galerie le Toit du Monde, Paris 2004). Beigegeben aus der Himalayaregion zwei Amulette, eine runde Scheibe mit fünf Totenköpfen und ein einzelner grinsender Totenkopf aus Knochen sowie ein weiteres Objekt „Sitzender Buddha in einer Lotusknospe auf Wolken“ (Holz, polychrom gefasst).

6403 85


S Ü D PA Z I F I K ( I N S E L M A L A K U L A D E S A R C H I P E L S VO N VA N UAT U ) 6404 20. Jh. Bestattungsfigur Rambaramp. Menschlicher Schädel, pflanzlicher Zellstoff, Pflanzen­ fasern, Holz, Stoff, Original-Pflanzenpigmente. Modernes Metallgestell als Stütze. H. 175 cm. 12.000 € Ausstellung: Wahre Wunder. Sammler und Sammlungen im Rheinland, Ausst.Kat. Köln 2000, hrsg. v. Siegfried Gohr, Abb. S. 64. Malakula ist eine Insel der Neuen Hebriden mitten im südlichen Pazifik etwas 2.200 km nordöstlich von Sydney/Australien gelegen. Der Ahnenkult der dortigen melanesischen Bevölkerung war noch im 20. Jahrhundert recht spektakulär. Hochrangige Persönlichkeiten kamen zu der Ehre als Rambaramp dargestellt zu werden. Dazu wurde der Körper des Verstorbenen auf einer Grabplattform an einem abgeschiedenen Ort abgelegt, wo er mehrere Tage lang verweste. Während die Knochen am Rande der Süßkartoffelernte an einem heiligen Ort platziert wurden, wurde der Schädel geborgen und zur vollständigen Reinigung in einem Ameisenhaufen vergraben. Anschließend wurde er mit einer pflanzlichen Paste aus Ton, Farnfasern, Kokosmilch und Brotfrucht­ paste übermodelliert und auf einen Körper aus Binsen, Farn, Holz und manchmal Bambus gesetzt, der wiederum mit pflanzlicher Paste über-

86

zogen wurde. Die Rambarampe wurden rituell von einem Mann mit gleichem Status zur Dorfgrenze getragen und in einen Rahmen aus Blättern und Blumen gestellt. Um ihre Trauer zu beenden, tauschten die Männer, in Asche gehüllt, mit dem Sohn des Toten Schweine aus. Das Bildnis wurde dann der Witwe in der Nähe der Tür ihres Hauses überreicht. Als die Übermodellierung des Schädels wiederum verschwand, wurde er zu den übrigen Knochen an den heiligen Ort gebracht oder von der Familie aufbewahrt. Diese vergängliche und zer­brechliche Konstruktion erklärt die Seltenheit des Rambaramp, von dem nur wenige Exemplare überliefert sind (Jean Guiart: Nouvelles Hebrides: Mondes Et Cultures, Auvers-sur-Oise 1965, S. 22). Beispiele finden sich im Metropolitan Museum, New York (Inv.Nr. 2000.615) und im dortigen Brooklyn Museum (Inv.Nr. 2006.41) sowie in verschiedenen Privatsammlungen in Brüssel, Paris und New York. Ein Exemplar befand sich auch in der Sammlung von Pablo Picasso, welches ihm Matisse angeboten hatte.


6404 87


M E X I KO 6405 20. Jh. Skulpturale Blumenschale mit Totenköpfen und Skelett. Holz, vollrund geschnitzt, schwarz und weiß gefasst. H. 40 cm. 80 € Der 2. November, der Tag der Toten oder Día de los Muertos ist in Mexiko traditionell keine Trauerveranstaltung, sondern ein farbenprächtiges Volksfest zu Ehren der Toten. Nach dem Volksglauben kehren die Seelen der Verstorbenen an diesen Tagen zu ihren Familien zurück, das freudige Gedenken steht im Vordergrund. Die Straßen werden geschmückt, Symbole des Todes und der Vergänglichkeit, Skelette und Totenschädel in den unterschiedlichsten Formen sind überall zu sehen, üppige Blumenprachten verzieren das Gesamtbild. Häufig sind es leuchtende, orangefarbene Cempasúchil, auch Ringelblumen, Chrysanthemen oder die aufrechte Studentenblume, die die aufwendigen Dekoration vollenden. Man glaubt, dass die Verstorbenen gerade die Farben Orange und Gelb am besten erkennen können. Vermutlich in diesem dekorativen Zusammenhang ist unsere massive Plastik zu sehen, deren kleine Einkerbung oben Platz für die Flor de Muertos bietet. Beigegeben eine hölzerne Plastik „Der Turm der Skelette: Holzskulptur mit Totenschädeln, Skeletten und Gitarre spielendem Mariachi“ (Mexiko, wohl 20. Jh., Weichhholz, geschnitzt. H. ca. 55 cm) sowie ein sog. Calaveras de Azúcar, Totenschädel aus Zucker (Zucker, Zuckerguss, Stanniol, auf der Stirn bez. „Jaime“, H. 12 cm).

6405

S PA N I E N 6406 1970er Jahre. Spardose „Hucha Misterio Hedi“. Blechdose, bedruckt, Skeletthand aus Kunststoff, bedeckt von kleiner Filzdecke, mit funktionierendem Wickelmechanismus. 4,6 x 6,8 x 16,2 cm. 40 € Bei Betätigen des Mechanismus greift eine Skeletthand nach vorne und schiebt die auf ein gekennzeichnetes Feld gelegte Münze durch einen Schlitz in die Sparbüchse. Beigegeben drei weitere kleine Vanitasobjekte des 20. Jh.: weiblicher Totenkopf aus Meerschaum (?), in Muschel geschnitzter Totenkopf sowie ein Skelett aus Eisen, eine Glasmurmel haltend.

88

6406


O S T E U R O PA 6407 Ende 18. Jh. Opferstock einer Armen-SeelenBruderschaft mit Totenschädel. Hartholzkasten mit verschließbarem Deckel (Schlüssel nicht vorhanden), die Ecken mit Messingverstärkungen, die Schaufront mit einem Totenkopf über gekreuzten Schenkelknochen, Holz geschnitzt und vergoldet, auf rotem Samt, rückseitig ein Tragehenkel aus Messing. 13,6 x 17,7 x 18,2 cm (mit rückseitigem Griff). 300 €

6407 89


ALPENL ÄNDISCH 6408 18. Jh. Sitzendes Christuskind als Weltenrichter auf einem Stuhl. Holz, vollrund geschnitzt, farbig gefasst, teils vergoldet, der Stuhl rot und dunkelgrün gefasst. H. 19 cm (Figur), 22 cm (Stuhl). 150 € Beigegeben ein kleines Votivbild wohl des 18. Jh. „Allegorie der Vanitas mit Schädel und Putto“ (Holz geschnitzt, polychrom gefasst, teils vergoldet, 12 x 14,6 cm) sowie ein kleines Sparbehältnis wohl um 1800 „Schlafendes Kind in einer Wiege“ (Terrakotta, Spuren einer weißen Fassung, 8,5 x 5,5 x 5,5 cm).

D E U T S C H ( W O H L K LO S T E R V E I L S D O R F ) 6409 2. Hälfte 18. Jh. Fatschenkindl als Flakon. Steingut, staffiert. Ohne Marke. Fußteil abschraubbar. Kl. abgeplatzte Stelle. H. 12 cm. 180 € 6408

6409 90


6410

ALPENL ÄNDISCH 6410 18. Jh. Jesuskind im Schaukasten. Wachspuppe in einem blassrosa, spitzengesäumten Seidenkleid mit gesticktem Christusmonogramm auf der Brust, Unterkleid und Hosen aus Baumwolle, auf dem Kopf ein gehäkeltes Häubchen mit Schleife und Dornenkranz, die Puppe auf violettem Samt in einem Glaskasten mit ebonisiertem Holzleisten gebettet. H. 48 cm (Puppe); 54,5 x 21,7 x 22 cm (Kasten). 250 €

91


SCHWEIZ 6411 18. Jh. Betrachtungssärglein mit Tödlein. Holz, dunkel gebeizt, Glas, innen mit Textil ausgekleidet, Leichnam aus Wachs, Holz, formbarer Masse und Haar. 28,5 x 11,5 x 7,8 cm. Auf der Kopfseite des Sarges datiert (eingeritzt) „MDCCLXXVII“ [1777]. 1.500 €

Literatur: Charlotte Angeletti: Geformtes Wachs. Kerzen, Votive, Wachsfiguren, München 1980, Nr. 151, S. 121. Oliver Kornhoff (Hrsg.), Susanne Blöcker (Bearb.): Leibhaftig. Der menschliche Körper zwischen Lust und Schmerz, Ausst. Kat. Remagen, Sammlung Rau, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen 2014, S. 118. Ausstellung: Leibhaftig. Der menschliche Körper zwischen Lust und Schmerz, 2014–2015, Sammlung Rau, Arp Museum Bahnhof Rolands­eck, Remagen. Hob der Gläubige den Deckel solcher Miniatursärge, erwartete ihn ein menschlicher, von Maden, Schlangen und Würmern zerfressener Leib aus Wachs, dessen Skelettierung bereits weit fortgeschritten war. Dieses morbide Bild führte die eigene Vergänglichkeit eindrücklich vor Augen. Hergestellt wurde die realistischen Miniaturobjekte vom 17. bis 19. Jahrhundert. Unter anderem in Südtirol, genauer im Grödner Tal, hatte sich eine Schar von Bildschnitzern auf das Herstellen und Modellieren spezialisiert. Über den Handel wurden die sogenannten Särgl über den ganzen Alpenraum, aber auch bis hin nach Norddeutschland und England vetrieben (vgl. Ausst. Kat. Die letzte Reise – Sterben, Tod und Trauersitten in Oberbayern, München 1984, S. 28–29).

6411

92


6412

DA N I E L S P O E R R I (geb. 1930 Galati, lebt in Wien)

6412 „Eine völlig verweste Leiche“. Objektkasten mit bearbeitetem Kriminalfoto, Knochen und Stoffstücken sowie OMappe mit 9 Farbserigrafien auf Leinwand, aus der Serie „Die Morduntersuchung“. 53,5 x 61,8 x 9,2 cm (Objektkasten); 72 x 98 cm (Mappe), je ca. 59 x 80 cm (Serigrafien). Der Kasten rückseitig signiert, datiert und bezeichnet „Verweste Leiche / Daniel Spoerri / 71. / Memento Mori“, die Serigrafien je signiert und nummeriert „ I/IX“. 1971. 1.800 € 93


MARCEL BROODTHAERS (1924 Brüssel – 1976 Köln)

6413 „Les Bandits European“. Öl und typographischer Druck auf Leinwand, am Oberrand auf einem mit Leinwand bespanntem Keilrahmen montiert. 78 x 98,7 cm. Aufl. 1/3. 1974. 15.000 € Literatur: Evelyn Weiss, Gerhard Kolberg, Bernd Vogelsang (Hrsg.): Marcel Broodthaers, Ausst. Kat Köln 1980, Museum Ludwig, Kat. 95, mit Abb. auf S. 94. Ausstellung: Marcel Broodthaers, 1980, Museum Ludwig Köln. Während Eugène François Vidocq (1775–1857) nach einem Leben als Krimineller und Häftling 1811 auf die andere Seite wechselte und die erste Geheimpolizei Frankreichs gründete, beschritt Pierre-François Lacenaire (1803–1836) den umgekehrten Weg. Er wandte der Bourgeoisie, der er entstammte, den Rücken und hielt fortan als Mörder und Dichter der Gesellschaft ihre eigene Verderbtheit vor. Die Namen der beiden Männer hielt der belgische Konzeptkünstler Marcel Broodthaers 1974 zusammen mit jenen anderer Verbrecher des 18.–20. Jahrhunderts auf einer weißen Leinwand fest. Mit einem nicht unironischen Augenzwinkern spielte er damit auf die Faszination der Öffentlichkeit und der Populärkultur für das Kriminelle an. Dem verlieh nicht zuletzt Andy Warhol künstlerischen Ausdruck, als er 1962 in seiner Serie Most

94

Wanted Men Polizeifotos von 13 der meistgesuchten Verbrecher des New Yorker Police Departments vergrößerte. Doch von der beabsichtigten Banalität der Pop-Art ist Broodthaers weit entfernt. Er verweigert den visuellen Reiz des Bildes und untersucht die Mechanismen der Sinnproduktion, indem er uns mit immateriellen Wörtern konfrontiert. Er führt vor, dass auch Namen bloß Hülsen sind, die erst in spezifischen zeitgeschichtlichen Kontexten Bedeutung und Verweischarakter ent­falten. Denn während die Bekanntheit von Vidocq, Lacenaire und den anderen ihrerzeit geradezu mythische Höhen erreichte, sind sie dem heutigen Publikum weitgehend unbekannt. Broodthaers bewegt sich hier an der verschwimmenden Grenze zwischen verbaler und pikturaler Sprache, zwischen Schrift und Malerei, eine Grenze, die seine konzeptuell anspruchsvolle Kunst stets auszeichnete. Der Künstler war nach dem Krieg zum Kreis der belgischen Surrealisten um René Magritte gestoßen. Deren subversive Kunstauffassung rund um das Ineinander­ greifen von Sprache und Malerei begleitete fortan sein eigenes Schaffen, zuerst als Dichter und ab den 1960er-Jahren als bildender Künstler.


6413

95


6414

HERBERT ROSNER (geb. 1950, lebt in Köln)

6414 „Totentanz“. 3 Farblinolschnitte in verlorener Form auf Velin. Je ca. 80 x 36 cm (Darstellung); 95,4 x 48 cm (Blattgröße). Signiert und nummeriert „3/6“. 2005. 180 € 96


6415

DEUTSCH 6415 19. Jh. Biedermeier Haarkette mit Kreuzanhänger. Flechtarbeit aus braunem Echthaar, Verschluss und Zwischenteile aus rotgoldenem Metall (an einer Stelle gebrochen). L. 98 cm. 80 € 97


6416

SCHWEIZ 6416 Mitte 18. Jh. Vanitasstillleben mit Notenbüchern, Vase, Schädel und gelöschter Kerze. Gouache mit Goldhöhungen auf Pergament. 8,9 x 11,9 cm. In Gold bezeichnet „Alles ist / in diesem Leben / nur der Eitelkeit / ergeben“. 350 € Beigegeben zwei kleinformatige Deckfarbenmalereien: ein Memento Mori mit Schädel, Kerze und Stundenglas wohl aus dem 18. Jh. sowie ein illuminiertes Andachtsbuchblatt der Darstellung der hl. Veronika mit dem Schweißtuch.

DEUTSCH 6417 18. Jh. Sinnierender Tod auf einem Grab. Öl auf Holz, verso mit der Darstellung eines Schädels mit gekreuzten Knochen. 28,6 x 26,6 cm. 300 € 6417 98


DEUTSCH 6418 18. Jh. Weihwasser-Wandbecken mit lorbeer­ gekröntem Schädel. Holz, farbig gefasst, teils mit Spuren einer Vergoldung, Glaseinsatz für das Wasser fehlend. 43,5 x 23 cm. In Versalien auf Latein mit Vanitassentenzen bezeichnet. 350 €

6418

SCHWEIZ 6419 um 1750. Tabatière in Form eines Totenkopfs. Buchsbaum, geschnitzt, mit abnehmbarem Deckel, darin eingelassen ein Hinterglasbild (6 x 8,2 cm im Oval, Glas gesprungen) mit der Darstellung einer Wahrsagerin, die einer Dame aus der Hand liest von Anna Barbara Abesch (1706–1773, Sursee), unterhalb des ausgestreckten Arms mit Monogramm „AB/VF“. 400 € 6419 99


B AY E R N U N D Ö S T E R R E I C H ( STEIERMARK / K ÄRNTEN ) 6420 wohl 18.–19. Jh. St. Leonhards-Opfer: Zwanzig eiserne Votivtiere. Eisen, teils mit Spuren einer farbigen Fassung bzw. Vergoldung. L. ca. 9,4 cm – 20,3 cm.

Der Legende nach seien durch das Gebet des hl. Leonhard oder auf seine Anrufung hin auf wundertätige Weise die Ketten zahlreicher Gefangener zersprungen. Seit dem 13. Jahrhundert wird der hl. Leonhard in der Ikonographie oft auch als Benediktinerabt mit Krummstab und dem Attribut der Kette dargestellt. Die Kette symbolisierte ursprünglich die von Leonhard erwirkte Befreiung von Gefangenen. Im Laufe der Zeit wurde sein Attribut jedoch falsch interpretiert und die zersprungenen Ketten in seiner Hand als Viehkette gedeutet, wes­ wegen er auch als Schutzpatron für das Vieh gilt und als Votivgaben kleine Ochsen in Bronze gefertigt wurde.

2.500 €

6420 100


6421

P E T E R N AG E L (1963 Soest – lebt und arbeitet in Düsseldorf)

6421 „Kudu“. Menschlicher Schädel (brüchig) mit Kudu-Hörnern auf Trophäenbrett, aus der Serie „The Wolpertinger“. Ca. 105 x 94 x 44 cm; Hörnerlänge 98 cm. 1999–2000. 350 € Ausstellung: Moses Welt Rekord, 2000, Kunstverein Ahlen, Kat. S. 35.

101


ALPENL ÄNDISCH UND TIBET 6424 19. Jh. Eine Amulettkette und eine tibetische Gebetskette. Länge ca. 50 cm und ca. 43,5 cm. 80 € Die Amulettkette, wohl ein Fraisenbetter, aus Knochen (wohl teils Nat­ternknochen), Horn und Hiobstränen (Scheinfrüchte der Chinesische Perlgerste), Draht und Nylonfaden. Die Mala genannte tibetische Gebetskette aus Bein (wohl Yakknochen) mit 50 Totenköpfen und einem Totenkopf als Abschlussperle. Beigegeben: Teile einer weiteren Amulettkette aus Horn und Bein, unaufgefädelt.

6424

102


N O R DA L P I N 6422 17./18. Jh. Kapsel in Form einer Monstranz mit Totenkopf und rückseitig abschraubbarem Deckel. Buchsbaum, Elfenbein. H. 8,3 cm. 400 € Beigegeben drei Reliquienkapseln: gedrechselte Holzdöschen, eine aus der Zentralschweiz, zwei aus Frankreich.

6422

N O R DA L P I N 6423 wohl 17./18. Jh. Gebetskette aus zehn Ave- und einer Paternosterperle aus Holz mit drei Tugendenperlen aus Horn in Form von Wendeköpfen. Gesamtlänge ca. 39 cm. 200 € Beigegeben vier Wendeköpfe mit Christus und Totenschädel aus Elfenbein bzw. Bein.

6423 103


BERCHTESGADEN 6425 18. Jh. Drechselkunststück mit Glaseingericht. Bein, gedrechselt und geschnitzt, Glaszylinder. H. 23 cm. 350 € In der Schatzkammer der Fürsten Esterházy auf Burg Forchtenstein befindet sich eine besonders gute Sammlung dieser besonders im Berchtesgadener Raum gepflegten Drechselkunststücke.

6425

104


I TA L I E N O D E R F R A N K R E I C H 6426 17. Jh. Der geschundende Marsyas an einem Baumstamm. Marsyas aus Elfenbein, vollrund geschnitzt, der Baum aus Bronze, vergoldet, der Stoff am Fuße des Baums punziert. H. 16,8 cm (Marsyas); 27 cm (Baum). 2.400 € Die mythologische Darstellung bezieht sich auf die griechische Sage, nach welcher der Satyr Marsyas die unheilvolle Entscheidung traf, den Gott Apoll zum musikalischen Duell herauszufordern. Der Satyr hatte den von Athena erfundenen Aulos, eine Doppelflöte, gefunden und auf herrliche Weise zu spielen erlernt. Apoll, der eine Niederlage befürchtete, nahm seine Lyra in die Hand und begleitete sein Spiel durch Gesang. Er forderte Marsyas auf, es ihm gleich zu tun, wohlwissend, dass dies die Beschaffenheit der Flöte naturgemäß nicht zuließ. So errang der Gott den Sieg und bestrafte den Unglücklichen, indem er ihn an einen Baum fesselte und bei lebendigem Leib häutete. Die Momente unmittelbar vor der grausamen Tat sind in unserem außerordentlich raffiniert und fein gearbeiteten Objekt festgehalten. Der Darstellungstypus geht auf eine verlorene hellenistische Bronzeplastik zurück, die sich in mehreren römischen Wiederholungen aus Marmor erhalten hat. Die bekanntesten Versionen befanden sich in Rom in den Sammlungen der Borghese (heute Louvre, Paris) und der von Kardinal Ferdinando de’ Medici (heute Uffizien, Florenz). Ob unserer Ausführung Kenntnis dieser Orginale oder einer der weitverbreiteten druckgraphischen Dar­stellungen vorausging, muss dahingestellt bleiben. Unabhängig davon stellt die kleinformatige Übersetzung durch das harmonische Zusammenspiel von Elfenbein und vergoldeter Bronze und die meisterhafte Behandlung beider Werkstoffe ein exquisites Beispiel für handwerklich vollendete Kunstkammerarbeiten dar.

6426

105


6427

RUSSISCH 6427 Anfang 19. Jh. Patriarch im Gehäuse. Öl auf Holz, darüber ein Silberoklad, getrieben, die darunter­ liegende Darstellung wiederholend, dieses mit Glas- und Steinbesatz in Hellblau- und Grüntönen besetzt, drei Punzen: 84er Feingehaltsmarke, Beschaumeister „AC 1834“ und Doppelkopfadler. 16,2 x 13,2 cm. Die Tafel und das Oklad bezeichnet in kyrillischer Sprache, die Tafel datiert „1819“. 750 € Das Oklad, ist eine getriebene Verkleidung aus Messing oder Silber, die bei Ikonen die gemalte Darstellung bedeckt. Die Körper der darge­ stellten Personen sind im Oklad oft als Treibarbeit gestaltet. Die Malerei, oft nur Hände und Gesichter, Partien die das Inkarnat zeigen, wie auch hier, sind im Oklad jedoch oft ausgespart.

106


6428

RUSSISCH

S PA N I E N U N D F R A N K R E I C H I TA L I E N

6428 19. Jh. Das allsehende Auge Gottes. Tempera/Öl auf Holz, Goldgrund, punziert. 14 x 52,7 cm (Dreieck).

6429 18. Jh. – Anfang 20. Jh. Sieben Reliquienkapseln. Sechs Metallkapseln (u.a. Messing, Silber), teils vergoldet, davon eine mit Kette und abnehmbarem Deckel, ein Bein­ döschen, Glas, Krüll, Textil, Papier, Drahtarbeit, Pailletten. D. 2,8 cm – 5,8 cm. Verschiedene Cedulae. Zweimal mit rückseitigem rotem Lacksiegel.

120 € Das Auge Gottes als Symbol für Schutz und Begleitung, aber auch der prüfenden und richtenden Instanz, im Glauben, dass Gott alles kann, alles weiß und omnipräsent ist. – Vermutlich diente das All­ sehende Auge als Supraporte oder Altaraufsatz.

180 €

6429 107


6430

JA PA N

JA PA N

6430 19. Jh. Sieben Netsuke. Fünf aus Elfenbein, einer aus Buchsbaum, ein Nusskern. H. 2,3 – 4,6 cm. Fünf signiert.

6431 um 1800. Okimono: Schädel mit Schlange und Frosch. Elfenbein, geschnitzt. H. 6,2 cm.

350 €

1.800 €

Beigegeben ein weiteres Netsuke (oder Okimono?) in Schädelform aus Bein, das darauf sitzende Klauentier fehlend.

Bei vorliegenden, überaus minutiös und filigran gearbeiteten Elfenbeinschädel, der Innen hohl belassen ist, handelt es sich um ein Okimono, das wörtlich gewissermaßen „Hinstellding“ meint. Es handelt sich um ein objet vertu, also um ein Dekorationsgegenstand, der anders als etwa Netsuke, die eine Funktion hatten, tatsächlich zu dekorativen Zwecken aufgestellt wurde.

108


6431

109


DEUTSCH 6432 19. Jh. Spazierstock mit einem Elfenbein-Totenschädel als Knauf. Elfenbein, Messingmanschette, Schuss aus spanischem Rohr mit Messingabsatz. H. 91,5 cm (Knauf 4,5 cm). 450 € Die Bedeutung des Spazierstocks nahm im Laufe des 17. und des 18. Jahrhunderts zu und unterstrich dabei, häufig als elegante Ausstattung mit Juwelen oder edlen Metallen besetzt, die gesellschaftliche Stellung des Trägers. Ihre Blütezeit erlebte die Stockkultur schließlich im 19. Jahrhundert, als dieses modische Accessoire vornehmlich vom Großbürgertum angenommen wurde. Als eine zusätzliche Möglichkeit der Selbstinszenierung, war der Gestaltungsvielfalt keine Grenzen gesetzt. Die hier vorgestellte morbide Variante mit einem Totenschädel aus Bein untermalt die Vanitas-Sehnsucht des dandyhaften Besitzers.

WOHL FR ANKREICH 6433 spätes 19. Jh. Meerschaumpfeife mit Memento Mori-Symbolik. Pfeifenkopf aus weißem Meerschaum in Form eines natura­ listischen Totenschädels, Stiel aus schwarz lackiertem Holz. Im originalen, mit cremefarbenem Samt ausgeschlagenen Lederetui mit der goldgeprägten Bezeichnung „Ecume Véritable Garanti R“. L. (inkl. Etui) 19 cm. 90 € Beigegeben eine weitere Pfeife des Herstellers Mokin mit aus Wurzelholz geschnitztem Totenschädel als Pfeifenkopf (L. 15,5 cm).

6433 110

6432


GEORGES REDON (1869–1943, Paris)

6434 Chronos als Freier. Öl auf Leinwand, auf Leinwand kaschiert. 55 x 46 cm. Unten links signiert „Georges Redon“. 350 € Eine ungewöhnliche Begegnung spielt sich in der Silvesternacht des Jahres 1891 ab: Als leicht geschürzte Braut gekleidet steht die Personifikation des Jahres 1892 im hellen Licht unter einer Arkade. Empfangen wird sie von einem hageren Herrn im schwarzen Frack mit Zylinder, der sich durch die Sense im Vordergrund als Chronos zu erkennen gibt. Auch sie wird wie ihre Vorgängerinnen, deren sterblichen Überreste im Dämmer liegen, die Zeit nicht überdauern. Denn in Jahresfrist wird auch sie zu einer der leblosen Hüllen der vergangenen Zeit.

T O T E N TÄ N Z E 6435 Konvolut von vier illustrierten Werken. Verschiedene Formate. Illustr. Originaleinbände. 1900–1925.

6434

250 € Enthält: 1. P. W. Kreiten. Ein moderner Todtentanz. Aus dem Bilderbuch des Todes. 2 Bl., 8 S. Mit 20 römisch. numerierten Tafeln mit Abbildungen von Tobias Weiss. 36 x 26 cm. Illustr. Halbleinenband (berieben und etwas bestoßen). Mönchengladbach, B. Kühlen, (um 1890). – 2. Carl Friedrich Wiegand. Totentanz 1914–1918. 70 S. Mit Titelillustration 11 blattgroßen Illustrationen von Hans Witzig auf Tafeln. 27,5 x 20 cm. Illustr. OPappband mit mont. Deckelschild. Zürich, Orell Füssli, (1919). – Einzige Ausgabe. – 3. Rudolf Schiestl. Der Tod von Basel. Acht Holzschnitte zu dem alten Volksliede. 10 Bl. Mit 8 Holzschnitten (davon einer signiert) von Rudolf Schiestl. 28,5 x 32 cm. OHalbpergament. Berlin-Zehlendorf, Fritz Heyder, o. J. (um 1925). – Thieme-Becker XXX, 62. Eines von 600 nummerierten Exemplaren. – 4. Alfred Kubin. Die Blätter mit dem Tod. Illustr. Titel, 1 Bl. (Inhalt) und 23 Bl. mit 22 blattgr. Illustrationen von A. Kubin. 35 x 27 cm. Illustr. OHalbleinenband (gebräunt und bestoßen). Berlin, B. Cassirer, 1918. – Marks A 29. Raabe 93. Horodisch 143. Erste Ausgabe. Mit dem Umschlagtitel „Ein Totentanz“. Beigaben: 1. Camposanto di Genova. Titelblatt und 30 fotograf. Tafeln. 22,5 x 32 cm. OBroschur mit mont. Abbldung und Kordelheftung. O.O. um 1900. – Die Abbildungen mit Grabmälern, Sepulkral­ skulpturen, Grabmonumenten etc. des Monumentalfriedhofes von Staglieno. – 2. P. W. Kreiten. Ein moderner Todtentanz. Aus dem Bil­derbuch des Todes. Titelillustration und 20 römisch. numerierten Tafeln mit Abbildungen von Tobias Weiss. Einzeln auf lose Papierbögen montiert. Je 36 x 26 cm. Mönchengladbach, B. Kühlen, (um 1890) – 3. P. W. Kreiten. „Sceptra Mortis“. Ein biblischer Todtentanz. 32 Bl., Titelillustration, 15 Tafeln mit Abbildungen nach Gemälden von Tobias Weiss, 16 Bl. Begleittext. Sämlich lose, Titel und Abbildungen auf Papierbögen montiert. 23 x 32 cm (Titel), je ca. 13 x 30 cm (Tafeln). Mönchengladbach, B. Kühlen, 189. – Im Ganzen gute Exemplare.

6435 111


6436

G E O R G E S R O UAU LT (1871–1958, Paris)

FRANKREICH

6436 „Celui qui croit en moi, fût-il mort, vivra“; „Homo homini lupus“; „La mort l’a pris comme il sortait du lit d’orties“; „Debout les morts!“. 4 Blätter, je Heliogravüre mit Aquatinta, Kaltnadel, Roulette und Zuckeraussprengverfahren auf Ambroise Vollard ArchesBütten. 53,7 x 33,3 cm – 59 x 44 cm. (1922–1927). Chapon/ Rouault 81 e, 90 f, 98 f und 107 b.

6437 20. Jh. „La Danse Macabre“. Schwarzer Stift auf dünnem Velin. 22,4 x 30,5 cm. Unten links in der Darstellung monogrammiert (?) „OV.“ sowie unterhalb derselben bewidmet „Dedié à un jeune musicien de 13 ans que je ne connaie pas // qui joue tres bien la Danse Macabre!“ und betitelt „St Saens / La Danse Macabre“.

300 € Die Blätter 28, 37, 45 und 54 aus der 58-teiligen Serie „Miserere“, die 1948 von der Société d’Édition L’Étoile filante in Paris veröffentlicht wurde.

112

180 € Darstellung und Widmung beziehen sich auf die symphonische Dichtung „Danse Macabre“ (1872) des französischen Komponisten und Musikers Camille Saint-Saëns (1835–1921).


EMIL ORLIK (1870 Prag – 1932 Berlin)

6438 Der Tod. Kaltnadelradierung mit Aquatinta. 34,1 x 27,5 cm. Unterhalb der Darstellung bez. „Emil Orlik / ‚Der Tod‘ Rad.‘“, verso mit Künstlerstempel. 400 € Das seltene Blatt ist nur aus der Literatur bekannt, wir konnten kein weiteres Exemplar auf dem Markt oder in öffentlichen Sammlungen nachweisen (vgl. Friedrich W. Pauli: Emil Orlik. Wege eines Zeichners und Graphikers. Notizen zu den kleinen Aufsätzen Emil Orliks, Darmstadt 1972, S. 59 und Wilko von Abercron: Emil Orlik. Maler, Zeichner und Graphiker, Ausst. Kat. Galerie von Abercron, Köln 1974, Kat. 99. Pauli datiert das Werk um 1897, Abercron um 1900). Wir danken Frau Dr. Birgit Ahrens für die Hilfe beim Identifizieren des Blattes.

6438

6437 113


FELIX DROESE (geb. 1950, lebt in Mettmann)

6439 „Banner, geteilte Herrschaft“. Banner aus Kunststofftextil, Siebdruck, auf Holzstange befestigt. Ca. 207 x 102 cm (Br. Fahne: 78,5 cm). Signiert „Felix Droese“. 1999. 250 €

6439

114


FELIX DROESE 6440 „Förändra världen!“ (Verändert die Welt!). Blutgetränkter Dornenzweig in Reliquiarschatulle des 18. Jh., diese mit geprägtem Papier bezogen. H. 29,9 cm. Auf einem Zettel im Inneren betitelt, signiert und datiert „Förändra / världen! / Felix Droese 8.1.1987“. 300 € Literatur: Anton Legner (Hrsg.): Reliquien. Verehrung und Verklärung. Skizzen und Noten zur Thematik und Katalog zur Ausstellung der Köl­ner Sammlung Louis Peters, Ausst. Kat. Köln, Schnütgen Museum, Köln 1989, Kat. 475. Ausstellung: Reliquien. Verehrung und Verklärung, 1989, Schnütgen Museum, Köln. Von 1970 bis 1976 studiert der Pfarrerssohn Felix Droese mit Unterbrechungen an der Düsseldorfer Kunstakademie, anfangs bei Peter Brüning. Nach dessen überraschendem Tod wurde er später Flurstudent an der Akademie und hielt sich hauptsächlich in der Beuys-Klasse auf. 1982 erhält er mit der Papierschnitt-Installation „Ich habe Anne Frank umgebracht“ auf der Documenta in Kassel schlagartig internationale Beachtung, diskutierte er doch in einer sieben Meter hohen Papierschnitt-Collage, in Scherben und einem Papiersarg die Verdrängungen in der deutschen Politik der Nachkriegszeit. 1988 verwandelte er den Weiheraum des deutschen Biennale-Pavillons in Venedig mit 24 Kartonschnitten in einen Kunst- und Protestraum. „In vielen Arbeiten und Aktionen weist er engagiert auf die Mißhandlungen der Schöpfung hin. In „Förändra världen!“ (Verändert die Welt!, Titel der berühmten Surrealismusausstellung von 1969) „hat er 1987 in einer Reliquienschatulle des 18. Jhs. ein Reliquiengehäuse für unsere Zeit geschaffen. Ein mit Blut durchtränkter Dornenzweig ist Fingerzeig, daß Christus nicht nur für die Erlösung der Menschen, sondern für die ganze Natur, wovon der Mensch nur ein Teil ist, gelitten hat. Hier ist ‚nature morte‘ wörtlich genommen. Natur und Mensch leben und verbluten gemeinsam“ (Louis Peters, in: Ausst. Kat. Köln 1989, op.cit., S. 363 f.).

6440

WOHL ENGL AND 6441 19. Jh. Tabatière in Sargform. Holz, dunkelbraun lackiert, mit dekorativen Metallintarsien und -beschlägen. L. 11,8 cm. 300 € Beigegeben eine weitere sargförmige Tabatière aus Holz mit abnehmbarem Deckel sowie ein Betrachtungssärglein mit Schiebeleiste, darin eine Mikroschnitzerei (Kreuzigungsszene), außen mit Besitzvermerken in portugiesischer Sprache.

6441 115


O S T- A L P E N L Ä N D I S C H 6442 18. Jh. Beinhausschädel mit gemaltem Blumenkranz und Inschrift. Knochen, farbig gefasst. H. 15,5 cm. Bezeichnet und datiert „Der hochwürdige Herr Norbert Joseph Heyland gestorben 1760“, rückseitig ein Besitzvermerk „E. Frizzi / 15.X.‘10“ sowie ein Etikett „Eigth. / E. Frizzi“. 450 € Literatur: Oliver Kornhoff (Hrsg.), Susanne Blöcker (Bearb.): Leibhaftig. Der menschliche Körper zwischen Lust und Schmerz, Ausst. Kat. Rema­gen, Sammlung Rau, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen 2014, S. 119. Ausstellung: Leibhaftig. Der menschliche Körper zwischen Lust und Schmerz, 2014–2015, Sammlung Rau, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen. Provenienz: Aus der Sammlung des Anthropologen Ernst Frizzi (1880–1936, vgl. Besitzvermerke).

6442

O S T- A L P E N L Ä N D I S C H 6443 Beinhausschädel mit gemalten Blumenfestons und Inschrift. Knochen, farbig gefasst. H. 14,5 cm. Bezeichnet und datiert „Jungfr. Maria Stadler, gewesene Fleischhakerstochter [...] gestorben 1834 [...] renovirt 1855“. 450 € Literatur: Oliver Kornhoff (Hrsg.), Susanne Blöcker (Bearb.): Leibhaftig. Der menschliche Körper zwischen Lust und Schmerz, Ausst. Kat. Remagen, Sammlung Rau, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen 2014, S. 119. Ausstellung: Leibhaftig. Der menschliche Körper zwischen Lust und Schmerz, 2014–2015, Sammlung Rau, Arp Museum Bahnhof Rolands­ eck, Remagen. Unter dem nach heutigem Verständnis irreführenden Begriff „renovirt“ ist der Zeitpunkt der Exhumation, Verzierung und Umlagerung des Schädels in ein Beinhaus nach knapp zwanzigjähriger Ruhezeit zu verstehen.

6443 116


6444

U N B E K A N N T E R FO T O G R A F 6444 2002. Frauenakt vor Schädelsammlung. Abzug auf PE-Papier, aufgezogen und passepartouriert. 15,5 x 21,6 cm. Unten rechts auf dem Passepartout nummeriert, signiert und datiert „1/20 FT 02“. 180 € Beigegeben von demselben Künstler zwei weitere Abzüge auf PEPapier: Frauenakte mit Skelett- bzw. Schädelskulpturen, datiert 1999 und 2000.

117


6445

DEUTSCH 6445 wohl 19. Jh. Möbelgriff mit Totenkopf. Eisen, gegossen. 11,3 x 23 cm. 120 € Beigegeben ein Miniatur-Türklopfer mit Löwenkopf und Akanthusblatt als Abschluss, Bronze, vergoldet, wohl 19. Jh. (L. ca. 15,2 cm).

A L P E N L Ä N D I S C H ( S Ü D T I R O L? ) 6446 um 1800. Betrachtungssärglein mit Tödlein. Braun lasierter Miniatursarg aus Nussholz (?) mit abnehm­ ba­rem Deckel, die Innenwandung mit Leinenstoff ausgekleidet, Leichnam sehr sorgfältig aus Wachs geformt mit Kröten, Schlange und Eidechse als Begleitfiguren. 28,3 x 12,7 x 15,5 cm. 1.200 € Literatur: Oliver Kornhoff (Hrsg.), Susanne Blöcker (Bearb.): Leibhaftig. Der menschliche Körper zwischen Lust und Schmerz, Ausst. Kat. Remagen, Sammlung Rau, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen 2014, S. 118. Ausstellung: Leibhaftig. Der menschliche Körper zwischen Lust und Schmerz, 2014–2015, Sammlung Rau, Arp Museum Bahnhof Rolands­ eck, Remagen.

6446 118


6447

FRANZ BOERES (1872 Seligenstadt – 1956 Stuttgart)

6447 Drei Plaketten: „Der Unparteiische“; „Die Pest“; „Der Apotheker“. Bronze, gegossen, nebeneinander auf Untersatz montiert. D. je 10,4 cm. Jeweils betitelt sowie signiert und datiert „19 B 17“. Verso auf der Rahmenrückwand bezeichnet „Original-Plaketten (Guß) von Böres-Stuttgart.“. 180 €

I TA L I E N 6448 19./20. Jh. Bronzenes Thymiaterion im römischen Stil mit Widderköpfen und Huftierbeinen. Bronze, patiniert. H. 22,3; D. Schale 8,8 cm. 150 € In den antiken Mittelmeerkulturen wurden Schalen mit Dreibeinen im Allgemeinen zum Kochen oder für religiöse Rituale verwendet. Dieser Miniaturdreifuß ist wohl eine Nachbildung nach Vorbild antiker römischer Gefäße, wie sie beispielsweise in Pompeji gefunden wurden. Die kleine Schale verweist darauf, dass dieser Dreifuß die Funktion eines Thymiaterions (Räuchergefäß) haben sollte, das vor allem bei kultischen Handlungen Verwendung fand. Beigegeben ein Miniaturthron aus Marmor, wohl Italienisch, 19./20. Jh (H. 12,7cm).

6448 119


6449

ALPENL ÄNDISCH 6449 18. Jh. Zwei Vanitas-Mahnbilder: „Hier under disem vorhang“; „Memento Morij“. 2 Zeichnungen, Feder in Schwarz, aquarelliert. Je ca. 22 x 14,4 cm. Bezeichnet mit den Mahnsprüchen „Hier under disem vorhang stedt / Dein Recht warhaftes condravet [Konterfei] / Zieh in hinweck scha dich woll on / der spiegell dich villerne [viel lehren] Kon / schau däglich nur dreimal dare[in?] / würst du one mackell sein“ sowie „Sich mich an und due hier lesen / wie du bist die ich gewesen / wie Ich bin muest du auch werden / dan du bist nur staub und erden“. 80 €

120

Die beiden Blätter bildeten wohl ursprünglich ein Ensemble, wobei die Zeichnung mit dem Vorhang über dem Memento-Mori-Blatt befestigt war. Kam der Gläubige dem Aufruf auf dem ersten Blatt nach und „lüftete“ im übertragenden Sinne den Vorhang, erblickte er einen Totenschädel, der in den darunterliegenden Verszeilen das Wort ergreift und den Betrachter mit der eigenen Sterblichkeit konfrontierte. Für diese Interpretation sprechen die Alters- und Gebrauchsspuren des VorhangBlattes, das anders als das darunterliegende dem Licht und regelmäßiger Handhabung ausgesetzt war. Da solche Alltagsobjekte selten auf­bewahrt wurden und von der älteren Kunstgeschichte wenig Beachtung erfuhren, handelt es sich hierbei um ein seltenes Beispiel der performativen Möglichkeiten von Werken privater Andacht, die den Gläubigen zur Interaktion mit denselben animierten.


FRANKREICH 6450 wohl 19. Jh. Memento Mori-Doppelkopf: Junger Mann und Totenschädel, von Insekten und Schlangen umgeben. Elfenbein. H. 5,1 cm. 1.200 € Der Tod gehört zum Leben dazu. Die Auseinandersetzung mit der Endl­ichkeit war und ist stets ein wichtiges Element der eigenen persönlichen Andacht, in der die beiden Motti „carpe diem“ und „memento mori“ ein ambivalentes Verhältnis eingehen. Für die private Frömmigkeit oder religiöse Meditation entstehen seit jeher kleine Kunst(hand-) werke, sog. „fromme Pretiosen“. Der feingearbeitete Doppelkopf ist eine solche Pretiose für die private Andacht. Dargestellt ist ein zweige­ teilter Doppelkopf. Links ein Männergesicht mit kurzen Haaren, der

Blick geht ins Leere und eine Schlange windet sich von unten ans Auge und beginnt bereits am unteren Lid zu nagen. Die rechte Gesichtshälfte zeigt einen knöchernen Totenschädel. Auf der Schädeldecke sitzt ein Rabe, der das Auge aus der Augenhöhle herausreißt; gleichzeitig ent­schlüpft der Augenhöhle eine Schlange, die ebenfalls an dem Augapfel zerrt. Ein Käfer krabbelt in den Mund, ein weiterer beißt sich durch das Haar in den Hinterkopf, an der kleinen Öffnung in der Schädeldecke winden sich die Maden. Solche Doppel- oder Wendehäupter fanden bisweilen Verwendung als Abschluss von Rosenkränzen oder anderen Gebetsschnüren. Vorbilder ganz ähnlicher Ikonographie finden sich bereits in Frankreich des 16. und 17. Jahrhunderts. Die Größe unseres Doppelkopfes macht ihn darüber hinaus zu einem sym­bolisch aufgeladenen Kunstkammerstück, das gleichzeitig Faszination und Schaudern auslöst.

6450

121


DEUTSCH 6451 18. Jh. Heiliger Kreuznagel. Eisennagel aus zwei Teilen, mit anhängendem Lacksiegel. 12 x 3,5 cm. 60 € Der Kreuznagel zählt als Arma Christi, den Leidenswerkzeugen, zu den bedeutendsten Christusreliquien. Nicht nur die Darstellung der Leidenswerkzeuge hat in der christlichen Ikonographie seit dem späten Mittelalter feste Tradition – so erscheinen sie häufig auf Darstellungen des Jüngsten Gerichtes –, auch die konkreten Objekte wurden verwahrt und verehrt. Der Überlieferung nach ließ Helena, die Mutter Konstantins des Großen, im Heiligen Land nach Gegenständen suchen, die mit dem Leiden und Sterben Christi in direktem Zusammenhang standen. Allen voran das Heilige Kreuz, aber auch Reliquien wie etwa die Heilige Lanze, der Heilige Schwamm oder Kreuznägel wurden etwa ab dem Jahr 1000 verehrt. – Unser Nagel trägt ein rotes Lacksiegel mit einem „Wappen mit Kreuz und Initialen BS“. Beigegeben ein Anhänger in Form eines Kreuzes mit kleiner KruzifixDarstellung. Der Anhänger lässt sich durch einen kleinen integrierten Schraubverschluss öffnen, durch Aufklappen der Rückwand kommt eine kleine, innen verwahrte Reliquie zum Vorschein, bez. „Agnus Dei. Marci“ (Blei, innen Papierapplikationen, ca. 5,5 x 2,3 cm, wohl um 1900).

6451

122


BRÜGGER MEISTER 6452 16. Jh. Christus am Kreuz mit Maria und Johannes. Öl auf Holz, parkettiert. 19,5 x 15,4 cm. 600 €

6452

SCHWEIZ 6453 2. Hälfte 18. Jh.. Spiegelglasbild (Nonnenspiegel) mit Christus am Kreuz. Hinterglasmalerei auf Spiegelglas. 26,3 x 20,4 cm. 250 € Beigegeben von Johann Burgmann (St. Georgen – 1824/25 Lüsen) ein sogenanntes Spinnwebbild „S. Aloysius Gonzaga“ sowie zwei Dias in deren originalen Holzschiebern mit Szenen aus einem Totentanz für eine Laterna Magica.

6453 123


6454

124


DEUTSCH 6456 2. Hälfte 18. Jh. Wimpel einer Totengräberinnung: Vanitassymbole auf einem Tuch, darunter die Werkzeuge der Bestatter. Öl auf Leinwand, oben und unten zum Aufrollen je in einen Holzstab mit aufgesetzten Knäufen gespannt, oben eine Kordel für die Aufhängung. 60 x 57 cm. 250 €

6456

F L Ä M I S C H O D E R I TA L I E N I S C H 6454 18. Jh. Der tote Christus im Sarg. Marmor und Alabaster. 51,5 x 16,5 cm. 1.200 € Dieser tote Christus in einem steinernen Sarg aufgebahrt, gebettet auf ein Laken diente wohl als Teil einer Grabplastik oder eines Epitaphs. Motivisch erinnert diese Plastik sowohl an Arbeiten flämischer Bildhauer wie Jean Del Cours liegender Christus in der Kathedrale SaintPaul zu Lüttich (1696) oder François Duquesnoys Plastik in Sankt Gilles in Groot-Bijgaarden (1650) als auch an die Ausführungen italienischer Bildhauer wie beispielsweise an Matteo Bottiglieris „Cristo morente“ (1724, Dom, Capua) oder auch an Giuseppe Sanmartinos verhüllten Christus in der Cappella Sansevero in Neapel. Beigegeben eine polychrom gefasste Holzskulptur, 19. Jh., ebenfalls den Leichnam Christi auf dem Grabtuche liegend darstellend.

DEUTSCH 6455 um 1800. Memento Mori: Totenschädel, Lilienzweig und Geißel Öl auf Leinwand, auf Holz kaschiert. 23,9 x 17,1 cm. 400 € 6455 125


6457

S P I E G E LO B J E K T 6457 20. Jh. Spiegel mit 9 eingelassenen kleinen Wölbspiegeln (Konvex). Schwarzen Holzrahmen. D. 15,3 cm (Spiegelfläche), D. 28 cm (mit Rahmen). 120 €

126


6458

E VA A E P P L I (1925 Zofingen – 2015 Honfleur)

6458 Ohne Titel (Hand). Seide, Garn, Füllmaterial. L. 21 cm. 350 €

SÜDDEUTSCH 6459 wohl 19. Jh. Votivaugen. Wachs, farbig gefasst. H. 7,5 cm. 80 € Beigegeben vier weitere Votive aus Wachs: Arm, Bein, Ohr und Brüste.

6459 127


6460

6461

DEUTSCH

ALPENL ÄNDISCH

6460 19./20. Jh. Lebensgroßer Schädel. Terrakotta, weißgrau glasiert. H. 14, 8 cm. Auf der Innenseite ein gemalter Totenschädel über gekreuzten Knochen, darunter wohl unleserlich signiert.

6461 um 1700. Das Haupt Christi mit Dornenkrone als Abbild eines Veronika-Tuches. Holz, geschnitzt, die Rückseite abgeflacht, farbig gefasst. H. 22 cm.

80 €

350 €

128


JOSÉ CUBERO GABARDON (1818 Baena – 1877 Málaga)

6462 Der hl. Franz von Assisi über einen Totenschädel meditierend. Terracotta, kalt bemalt (Schädel lose). 17,5 x 10 x 11,5 cm. Auf der Rückseite des Sockels in Schablonenschrift signiert „Cubero.“. 180 € Der Schädel möglicherweise nicht ursprünglich zur Skulptur gehörig.

6462

DEUTSCH 6463 19. Jh. Kastenbild mit hl. Petrus und dem Hahn. Holzgehäuse, Pappmaché, bemalt, Bein. 19,3 x 14,9 x 5,3 cm. 180 € Beigegeben zwei weitere Klosterarbeiten: eine Geduldsflasche (auch Eingericht) mit Kreuz, umgeben von den Arma Christi sowie eine Mikroschnitzarbeit mit Krippenszene in nussförmiger Dose.

6463 129


130

6464

6465

6464

6467


M I S S A E I N AG E N DA D E F U N C T O R U M U N D TOTENMESSEN 6464 Totenmessen – Missae in agenda defunctorum tantum deservientes. Ex Missali Romano recognito desumptae, cum Ordinario, & Canone ... Ad usum, et commoditatem omnium ecclesiarum. Konvolut von drei Ausgaben. Mit mehreren Kupfern, Holzschnittillustrationen und typograph. Musiknoten. Druck in Rot und Schwarz. Einbände d. Z. Bassano bzw. Venedig 1740–1769. 300 € 1. 24 S. Mit gestoch. Titelvignette, 1 ganzs. Holzschnitt und zahlreichen Holzschnittinitialen sowie typograph. Musiknoten. 21 x 23 cm. Broschur d. Z. mit (wiederh.) ovalem Kupfer auf beiden Deckeln. Bassano, A. Remonidini, 1740. – Starke Gebrauchsspuren; mehrere Bl. alt angerändert; Wurmspuren. Mit Griffregister. – 2. 24 S. Mit gestoch. Titelvignette, ganzs. Kupferstich, mehreren Holzschnittinitialen und typograph. Musik­ noten. 32,5 x 24 cm. Leder d. Z. mit Rautenblindprägung (stark berieben und bestoßen). Bassano, Remondini, 1769. – Buchblock gelöst; starke Gebrauchsspuren. Einige Bl. mit Blattweisern. – 3. 24 S. Mit Holzschnitt-TVignette, 1 ganzseit. Holzschnitt, mehreren Holzschnittinitialen und typograph. Musiknoten. 33,5 x 24,5 cm. Broschur d. Z. (berieben; Rücken neu fixiert). Venedig, N. Pezzana, 1770. – Fleckig.

17 x 10 cm. Pergament d. Z. mit handschr. RTitel d. Z. Halle, Renger, 1723–1724. 300 € Literatur: Jöcher IV, 1159. Erste Ausgabe. Enthält Thomasius’ umfangreiche Äußerungen zu Bodin, Cicero und Masius, über die Verbesserung des Justizwesens, Hexenprozesse, das Delikt des Totschlages u. v. m. Es erschien noch ein dritter Teil sowie ein Anhang. – Sehr schönes Exemplar.

LO U I S - A N T O I N E CA R AC C I O L I (1719–1803, Paris)

6467 Das Bildniß des Todes. Aus dem Französischen. 2. verb. Auflage. 8 Bl., 203 S., 2 w. Bl. 17 x 10 cm. Leder d. Z. (mit Wurmspuren) mit reicher RVergoldung und RSchild. Augsburg und Leipzig, M. Rieger, 1768. 120 € Literatur: Vgl. VD18 1378403X (3. Aufl.) und Fromm 4506 (Ausgabe von 1777).

F R A N Z A N T O N VO N S P O R C K (1662–1738, Lissa an der Elbe (Lysá nad Labem))

6465 Geistliche Todts-Gedanken Bey allerhand Gemählden und Schildereyen In Vorbildung Unterschiedlichen Geschlechts, Alters, Standes, Und Würdens-Persohnen sich des Todes zu erinneren). 1 Bl, S. 15–182. Mit 47 (statt 52) Kupfertafeln von M. Rentz. 30,5 x 20 cm. Halbleder d. Z. (berieben und bestoßen; Kapital zerschlissen) mit goldgepr. RSchild. (Passau und Linz, F. G. Mangold für A. Ilger, 1753). 180 € Literatur: Faber du Faur II, 1146 f.

Die erste Ausgabe erschien 1762. Eine Betrachung des Phänomens „Tod“ in 17 Kapiteln. – Etwas gebräunt.

DIETER ROTH (1930 Hannover – 1998 Basel)

6468 Miniaturbuch. Ca. 230 Blatt, aus britischen Zeitungen geschnitten, Klebebindung, Ledereinband. Auf dem ersten Blatt signiert und unleserlich datiert „D. R. 61[?]“ sowie mit Widmung „für Beate“. 3 x 3,8 x 2,2 cm. 450 €

Erste Ausgabe. Die nummerierten Kupfertafeln mit etwa halbseitigen Totentanz-Darstellungen in architektonischem Rahmenwerk, die Kar­ tuschen jeweils mit entsprechenden Sinnsprüchen. – Fragmentarisches Exemplar des seltenen Werkes, es fehlen das Titelblatt und die ersten 14 Seiten; fast durchgängig mit stärkeren Gebrauchsspuren, Fingerflecken, alt hinterlegten Einrissen, Randschäden u. ä., vor allem auch die ersten Kupfertafeln in schlechter Erhaltung.

CHRISTIAN THOMASIUS (1655 Leipzig – 1728 Halle (Saale))

6466 Vernünfftige und Christliche aber nicht Scheinheilige Thomasische Gedancken und Erinnerungen (Bd. II: Errinnerungen) über allerhand Gemischte Philosophische und Juristische Händel. 2 Bde (von 4) in 1 Bd. 11 Bl., 789 S., 5 Bl.; 8 Bl., 751 S., 8 Bl. Mit gestoch. Frontispiz und 2 gestoch. Titelvignetten. 6468 131


RO S E N K R Ä N Z E Detaillierte Beschreibungen auf www.bassenge.com

6469

SÜDDEUTSCHLAND UND SCHWEIZ 6470 19. Jh. Vier Rosenkränze aus Silber und Hartholz. Gesamtlängen ca. 80,5; 52; 48,5 und 41 cm. 180 €

O B E R B AY E R N ( W O H L K LO S T E R S C H E Y E R N ) 6469 19. Jh. Seltener Rosenkranz aus den getrockneten Früchten der Wassernuss (Trapa natans). Gesamtlänge ca. 112 cm.

F R A N K R E I C H U N D W O H L PA L Ä S T I N A 6471 Ende 19. Jh./Anfang 20. Jh. Vier Rosenkränze aus Perlmutter und Glas. Gesamtlängen ca. 47; 42,5; 47 und 68,5 cm. 240 €

150 € Beigegeben ein großer hölzerner Pilgerrosenkranz aus Lourdes. Gesamtlänge ca. 125 cm.

132

Provenienz: Der erste erworben von Pater Matthäus Meyer, Kustos der Klosterkirche Einsiedeln, der zweite im römischen Handel, der dritte im Pariser Handel.


6470

6471

6472

6473

I TA L I E N U N D Ö S T E R R E I C H

D E U T S C H L A N D U N D O S T E U R O PA

6472 18./19. Jh. Vier Rosenkränze aus gefärbtem Horn. Gesamtlängen ca. 60; 46,5; 29 und 37 cm.

6473 20. Jh. Drei Rosenkränze aus verschiedenen Materialien sowie eine Komboskini. Gesamtlängen ca. 56; 47; 38 und 39 cm.

150 € Provenienz: Der erste erworben im Pariser Handel, der dritte im Wiener Handel, der letzte im römischen Handel.

80 €

133


6474

DEUTSCHLAND

D E U T S C H L A N D, I TA L I E N U N D S C H W E I Z

6474 19. Jh. Zwei Rosenkränze, einer aus Heliotrop mit Marienmonogramm, der andere aus blauem Glas mit Kreuz. Gesamtlängen ca. 51,5 und 47 cm.

6475 18./19. Jh. Ein Psalter aus Granaten und künstlichen Perlen und zwei Zehner aus Steinnuss bzw. Silber. Gesamtlängen ca. 55,5; 22 und 22,5 cm.

120 €

180 € Provenienz: Der Psalter erworben im Luzerner Handel.

D E U T S C H L A N D, I TA L I E N U N D S C H W E I Z 6476 19. Jh. Drei Rosenkränze aus Holz mit Medaillen. Gesamtlängen ca. 61; 56 und 46,5 cm. 120 € 134


6475

6476

6477

6478

FR ANKREICH UND WOHL TSCHECHIEN

S Ü D D E U T S C H L A N D U N D I TA L I E N

6477 18./20. Jh. Drei Rosenkränze, einer aus Hiobstränen, zwei aus Holz. Gesamtlängen ca. 52,5, 32 und 27 cm.

6478 19. Jh. Drei Rosenkränze aus Koralle bzw. Rubinglas und Silber. Gesamtlängen ca. 47, 34 und 28,5 cm.

120 €

180 €

Provenienz: Der zweite erworben im Züricher Handel.

135


6479

6480

SCHWEIZ , WOHL APPENZELL UND SÜDDEUTSCHLAND 6479 frühes 19. Jh. Zwei Rosenkränze aus Silber und Hartholz bzw. Nussbaum mit Medaillen. Gesamtlängen ca. 54 und 59,5 cm. 150 € Provenienz: Der zweite erworben im Schächental, Kanton Uri.

I TA L I E N U N D W O H L F R A N K R E I C H 6480 Ende 19. Jh. Zwei Rosenkränze mit optischen Linsen, einer aus Olivenholz, der andere aus Hiobstränen und Messing mit Kreuz aus Bein. Gesamtlängen ca. 73,5 cm und 66,5 cm. 6481

150 € Provenienz: Der zweite erworben im venezianischen Handel.

FRANKREICH UND SCHWEIZ 6481 19. Jh. Zwei Rosenkränze aus Holz mit Wallfahrtsmedaillen. Gesamtlängen ca. 53 und 39,7 cm. 120 € 136


ALPENL ÄNDISCH 6482 18. Jh. Totenschädel mit Schenkelknochen und ineinander verschlungenen Schlangen-Dekorationselement aus einem Antependium für das Totenamt. Holz, geschnitzt, farbig gefasst, mit verschiedenen gebohrten Löchern zur Montierung. 58 x 32,5 cm. 600 €

6482

137


REGISTER A Aeppli, Eva 6459 Altzenbach, Gerhard 6367 Arcimboldo, Giuseppe 6332 B Boeres, Franz 6447 Broodthaers, Marcel 6413 Brügger Meister 6452 C Caraccioli, Louis-Antoine 6467 Cimerlini, Giovanni Paolo 6301 Collier, Edward 6360 Cubero Gabardon, José 6462

138

D Droese, Felix 6439-6440 Dubach, Margaretha 6370, 6387 G Gilles, Peter 6357 Grieshaber, HAP 6363 H Hessen Philippstal, Marie Landgräfin von 6394 L Lader, Octavianus 6325 Liebe, Gesina 6391

M Meistermann, Georg 6359 Meyer-Osburg, Willy 6362 Müller, Heinrich 6366 N Nagel, Peter 6321, 6335, 6421 O Orlik, Emil 6438 R Redon, Georges 6434 Rosner, Herbert 6414 Roth, Dieter 6468

Rouault, Georges 6436 S Sandvoss, Wolf D. 6373 Sohn, Anton 6361, 6364 Spoerri, Daniel 6308-6309, 6374-6381, 6412 Sporck, Franz Anton von 6465 W Windheim, Dorothee von 6371


BASSENGE

Albrecht Dürer. Die Melancholie (Melencolia I). Kupferstich. B. 74, Meder 75 II, b-c. 1514.

Druckgraphik des 15. bis 19. Jahrhunderts 9. Juni 2021 GA L E R I E BA S S E N G E  ·   E R DE N E R S T R A S S E 5A  ·  14193 BE R L I N Telefon: (030) 893 80 29-0 · Fax: (030) 891 80 25 · E-Mail: art@bassenge.com  ·  Kataloge online: www.bassenge.com


V ER ST EIGERU NG S - BEDI NGU NGEN 1. Die Galerie Gerda Bassenge KG, nachfolgend Versteigerer genannt, versteigert als Kommissionärin im eigenen Namen und für Rechnung ihrer Auftraggeber (Kommittenten), die unbenannt bleiben. Die Versteigerung ist freiwillig und öffentlich im Sinne des § 383 III BGB. 2. Der Versteigerer behält sich das Recht vor, Nummern des Kataloges zu vereinen, zu trennen, außerhalb der Reihenfolge anzubieten oder zurückzuziehen. 3. Sämtliche zur Versteigerung kommenden Gegenstände können vor der Ver­steigerung besichtigt und geprüft werden. Die Sachen sind gebraucht. Erhaltungszustände der einzelnen angebotenen Arbeiten bleiben im Katalog in der Regel unerwähnt. Die Katalogbeschreibungen sind keine Garantien im Rechtssinne und keine vertraglich vereinbarten Beschaffenheitsangaben. Gleiches gilt für individuell angeforderte Zustandsberichte. Sie bringen nur die subjektive Einschätzung des Versteigerers zum Ausdruck und dienen lediglich der unverbindlichen Orientierung. Alle Gegenstände werden in dem Erhaltungszustand veräußert, in dem sie sich bei Erteilung des Zuschlages befinden. Soweit nicht in der Katalogbeschreibung explizit erwähnt, sind Rahmungen nicht bindender Bestandteil des Angebots. Der Käufer kann den Versteigerer nicht wegen Sachmängeln in Anspruch nehmen, wenn dieser seine Sorgfaltspflichten erfüllt hat. Der Versteigerer verpflichtet sich jedoch, wegen rechtzeitig vorgetragener, begründeter Mängelrügen innerhalb der Verjährungsfrist von 12 Monaten ab dem Zeitpunkt des Zuschlags seine Ansprüche gegenüber dem Einlieferer (Auftraggeber) geltend zu machen. Im Falle erfolgreicher Inanspruchnahme des Einlieferers erstattet der Versteigerer dem Erwerber den Kaufpreis samt Aufgeld. Die Haftung des Versteigerers auf Schadensersatz für Vermögensschäden – gleich aus welchem Grund – ist ausgeschlossen, es sei denn, dem Versteigerer fiele Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit zur Last. Die Haftung bei Verletzung von Leben, Körper und Gesundheit bleibt unberührt. 4. Der Zuschlag erfolgt nach dreimaligem Aufruf an den Höchst­ bieten­den. Der Versteigerer kann den Zuschlag verweigern oder unter Vor­behalt erteilen. Wenn mehrere Personen dasselbe Gebot abgeben und nach dreimaligem Aufruf kein höheres Gebot erfolgt, entscheidet das Los. Der Versteigerer kann den Zuschlag zurücknehmen und die Sachen erneut ausbieten, wenn irrtümlich ein rechtzeitig abgegebenes höheres Gebot übersehen worden ist oder wenn der Höchst­bietende sein Gebot nicht gelten lassen will oder sonst Zweifel über den Zuschlag bestehen. 5. Im Falle eines schriftlichen Gebotes beauftragt der Interessent den Versteigerer für ihn während der Versteigerung Gebote abzugeben. In schriftlichen Aufträgen ist bei Differenzen zwischen Nummer und Kennwort das Kennwort maßgebend. 6. Telefonische Gebote und Online-Direkt-Gebote über das Internet bedürfen der vorherigen Anmeldung beim Versteigerer und dessen Zustimmung. Für die Bearbeitung übernimmt der

Versteigerer jedoch keine Gewähr. Telefonische und OnlineGebote werden nur akzeptiert, wenn der Bieter bereit ist, den ihm zuvor mitgeteilten Mindestpreis des jeweiligen Loses zu bieten. Auch bei Nichtzustandekommen einer Verbindung gilt, dass für den Auktionator dieses Gebot in Höhe des Mindestpreises verbindlich ist. Für das Zustandekommen einer entsprechenden Telefon- oder Onlineverbindung übernimmt der Versteigerer keine Gewähr. Das Widerrufs- und Rückgaberecht bei Fernabsatzverträgen findet auf solche Gebote keine Anwendung (§ 312d Abs. 4 Nr. 5 BGB). 7. Mit der Erteilung des Zuschlages geht die Gefahr für nicht zu vertretende Verluste und Beschädigung auf den Ersteigerer über. Das Eigentum an den ersteigerten Sachen geht erst mit vollstän­ digem Zahlungseingang an den Erwerber über. 8. Auf den Zuschlagspreis ist ein Aufgeld von 28% zu entrichten, in dem die Umsatzsteuer ohne separaten Ausweis enthalten ist (Differenzbesteuerung) oder ein Aufgeld von 23% auf den Zuschlag zzgl. der USt von z.Zt. 19% (Regelbesteuerung), bei Büchern beträgt die Umsatzsteuer 7% (Regelbesteuerung). Die im Katalog mit einem * gekennzeichneten Objekte unterliegen in jedem Fall der Regelbesteuerung (Aufgeld von 23% auf den Zuschlag zzgl. der USt von z.Zt. 19%). Bei den im Katalog mit einem ^ gekennzeichneten Objekten ist Einfuhrumsatzsteuer angefallen. In diesen Fällen wird zusätzlich zu einem Aufgeld von 25% (Differenzbesteuerung) die verauslagte Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von z.Zt. 7% auf den Zuschlag erhoben. Für bundesdeutsche Kunsthändler und Antiquare, die zum Vor­s teuer­abzug berechtigt sind, kann die Gesamt­rech­nung auf Wunsch, wie bisher nach der Regelbesteuerung ausgestellt werden. Von der Umsatzsteuer befreit sind Ausfuhrlieferungen in Dritt­ länder (außerhalb der EU) und – bei Angabe ihrer USt.-Identi­ fikations-Nr. bei Auftragserteilung als Nachweis der Berechtigung zum Bezug steuerfreier innergemeinschaftlicher Lieferungen – auch an Unternehmen in anderen EU-Mitgliedsstaaten, unter der Voraussetzung, dass sie für gewerblichen Gebrauch einkaufen. Eine Korrektur nach Rechnungsstellung ist nicht möglich. Alle anderen Käufe aus EU-Ländern unterliegen der Umsatzsteuer. Ausländischen Käufern außerhalb der Europäischen Union wird die Umsatzsteuer erstattet, wenn binnen 4 Wochen nach der Auktion der deutsche zollamtliche Ausfuhrnachweis und der zollamt­ liche Einfuhrnachweis des entsprechenden Importlandes erbracht werden. Bei Versand durch uns gilt der Ausfuhrnachweis als gegeben. Bei Online-Live-Geboten über externe Internetplattformen erhöht sich das Aufgeld um die dort anfallende Transaktions­gebühr. Wäh­rend oder unmittelbar nach der Auktion ausgestellte Rech­ nun­­gen bedür­fen einer beson­de­ren Nachprüfung und eventueller Berichtigung; Irrtum vor­behalten. 9. Die Auslieferung der ersteigerten Stücke erfolgt in unseren Ge­ schäftsräumen gegen Bezahlung. Kreditkarten (Mastercard, VISA, American Express), Schecks sowie andere unbare Zahlungen werden nur erfüllungshalber angenommen. Bankspesen/


Transaktionsge­bühren bzw. Kursverluste können zu Lasten des Käufers gehen. Die Auf­ bewahrung erfolgt auf Rechnung und Gefahr des Käufers. Der Versand wird gegen Vorabrechnung des Rechnungsbetrages ausgeführt. Die Versandspesen sowie die Kosten für Versicherung gegen Verlust und Beschä­digung gehen zu Lasten des Käufers. Übersteigen die tatsäch­lichen Versandkosten die vorab berechnete Pauschale, so wird die Differenz dem Käufer nachträglich in Rechnung gestellt. 10. Bei der Ausfuhr von Kulturgütern aus dem Gemeinschaftsgebiet der EG ist gem. der EG-Verordnung Nr. 116/2009 abhängig von Kategorie und Wert des Objekts ggf. eine Ausfuhrgenehmigung erforderlich. Aus Gründen des Artenschutzes können Objekte aus bestimmten, geschützten Materialien (u.a. Elfenbein, Schildpatt, Perlmutt und einige Korallenarten) besonderen Im- und Export­beschränkungen unterliegen. Zum Zwecke des Exports (insbesondere außerhalb der Europäischen Union) kann hierfür eine spezielle Ausfuhrgenehmigung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 338/97 erforderlich sein. Entsprechende Ausfuhrgenehmigungen können nur unter strengen Bedingungen erteilt und ggf. auch gar nicht erlangt werden, auch kann der Import dieser Gegenstände in manche Staaten ein­geschränkt oder untersagt sein. Der Käufer ist selbst dafür verantwortlich, sich über etwaige Im- und Exportbeschränkungen zu informieren. Export und Import entsprechender Objekte erfolgen allein auf Rechnung und Gefahr des Käufers. 11. Der Zuschlag verpflichtet zur Abnahme. Der Kaufpreis ist mit dem Zuschlag fällig. Der Versteigerer ist berechtigt, falls nicht innerhalb von zwei Wochen nach der Versteigerung Zahlung geleistet ist, den durch den Zuschlag zustande gekommenen Kaufvertrag ohne weitere Fristsetzung zu annullieren, Verzugszinsen in banküblicher Höhe – mindestens jedoch 1 % auf den Bruttopreis je angebrochenen Monat – zu berechnen und von dem Ersteigerer

wegen Nichterfüllung Schadenersatz zu verlangen. Der Schadenersatz kann in diesem Falle auch so berechnet werden, dass die Sache in einer neuen Auktion nochmals versteigert wird und der säumige Käufer für einen Minder­erlös gegenüber der vorangegangenen Versteigerung einschließlich der Gebühren des Auktionshauses aufzukommen hat. Zu einem Gebot wird er nicht zugelassen, auf einen etwaigen Mehrerlös hat er keinen Anspruch. 12. Erfüllungsort und Gerichtsstand im vollkaufmännischen Verkehr ist Berlin. Es gilt ausschließlich deutsches Recht. Das UNAbkommen über Verträge des internationalen Warenkaufs (CISG) findet keine Anwendung. 13. Die im Katalog aufgeführten Preise sind Schätzpreise, keine Limite. 14. Der Nachverkauf ist Teil der Versteigerung, bei der der Interessent entweder telefonisch oder schriftlich (im Sinne der Ziffern 5 und 6) den Auftrag zur Gebotsabgabe mit einem bestimmten Betrag erteilt. 15. Die Abgabe eines Gebotes in jeglicher Form bedeutet die Anerkennung dieser Versteigerungsbedingungen. Der Versteigerer nimmt Gebote nur aufgrund der vorstehenden Versteigerungs­ bedingungen entgegen und erteilt dementsprechend Zuschläge. Kommissionäre haften für die Käufe ihrer Auftraggeber. 16. Sollte eine der vorstehenden Bestimmungen ganz oder teilweise unwirksam sein, so bleibt die Gültigkeit der übrigen davon unberührt. David Bassenge Geschäftsführer Stand: Mai 2021


CON DI T IONS OF SA L E 1. The Galerie Gerda Bassenge KG, subsequently called “the auctioneer” carries on business as commission-agent in its own name on behalf of its voluntary con­signors. This auction sale is a public one in the sense of § 383 III BGB. 2. The auctioneer reserves the right to combine, to split, to change or to withdraw lots before the actual final sale. 3. All objects put up for auction can be viewed and examined prior to the sale at the times made known in the catalogue. The items are used and sold as is. As long as not explicitly mentioned in the catalogue description, framing is not an inherent part of the offer. As a rule, the condition of the individual work is not given in the catalogue. Catalogue descriptions are made with as much care as possible, but the descriptions do not fall under the statutory paragraph for guaranteed legal characteristics. The same applies for individually requested condition reports. These also offer no legal guarantee and only represent the subjective assessment of the auctioneer while serv­ing as a non-binding orientation. The liability for damage to life, body or health shall remain unaffected. In case of a justified claim, however, he will accept the responsibility to make a claim for restitution on behalf of the buyer against the consignor within a period of 12 months, running from the fall of the hammer. In the event of a successful claim the auctioneer will refund the hammerprice plus premium. 4. The highest bidder acknowledged by the auctioneer shall be deemed the buyer. In case of identical bids the buyer will be deter­ mined by drawing lots. In the event of a dispute the auctioneer has the absolute discretion to reoffer and resell the lot in dispute. He may also knock down lots conditionally. 5. In the case of a written bid the bidder commissions the auctioneer to place bids on his behalf during the auction. In cases where there is a discrepancy between number and title in a written bid the title shall prevail. 6. Telephone and direct online bidding via the internet must be approved in advance by the auctioneer. The auctioneer cannot be held liable for faulty connections or transmission failure. In such a case the bidder agrees to bid the reserve price of the corresponding lot. For such bidding the regulations of long distance contracts do not apply (Fernabsatzverträge) [cf § 312d IV,5 BGB]. 7. On the fall of the auctioneer’s hammer title to the offered lot will pass to the acknowledged bidder. The successful buyer is obliged to accept and pay for the lot. Ownership only passes to the buyer when full payment has been received. The buyer, however, immediately assumes all risks when the goods are knocked down to him.

8. A premium of 28% of the hammer price will be levied in which the VAT is included (marginal tax scheme) or a premium of 23% of the hammer price plus the VAT of 19% of the invoice sum will be levied [books: 7%] (regular tax scheme). Buyers from countries of the European Union are subject to German VAT. Items marked with an * are subject to the regular tax scheme (premium of 23% of the hammer price plus the current VAT of 19%). Items marked with an ^ are subject to import duty. In these cases in addition to a premium of 25% (marginal tax scheme), the charged import tax of currently 7% will be added to the hammer price. Exempted from these rules are only dealers from EU-countries, who are entitled, under their notification of their VAT ID-Number, to buy on the basis of VAT-free delivery within the European Union. Notification of VAT ID-Numbers must be given to the auctioneer before the sale. For buyers from non EU-countries a premium of 23% will be levied. VAT will be exempted or refunded on production of evidence of exportation within 4 weeks of the auction, or, if appropriate, importation to another country. This is taken as given when the dispatch is effected by us. Live bidding through external online platforms entails a transaction fee stipulated by the platform and will be added to the premium. Due to the work overload of the accounting department during auctions, invoices generated during or directly after an auction require careful revision and possible correction; errors excepted. 9. Auction lots will, without exception, only be handed over after pay­ment has been made. Credit cards (VISA, Mastercard, American Express), checks and any other form of non-cash payment are accepted only on account of performance. Exchange rate risk and bank charges may be applicable. Storage and dispatch are at the expense and risk of the buyer. If the shipping costs exceed the lump sum on the invoice the outstanding amount will be billed separately. 10. According to regulation (EC) No. 116/2009, an export license is necessary when exporting cultural goods out of European Community territory, depending on the type or value of the object in question. 
For the purposes of wildlife conservation, it is necessary to obtain an export license according to regulation (EC) No. 338/97 when exporting objects made from certain protected materials (incl. ivory, tortoiseshell, mother-of-pearl and certain corals) out of the territory of the European Community. Export licenses for objects made of protected materials are only granted under strict conditions or may not be granted at all. The import of such objects may be restricted or prohibited by certain countries. It is the buyer’s responsibility to inform himself, whether an object is subject to such restrictions. Export and import of such objects are at the expense and risk of the buyer.


11. The buyer is liable for acceptance of the goods and for payment. The purchase price shall be due for payment upon the lot being knocked down to the buyer. In case of a delayed payment (two weeks after the sale) the purchaser will be held responsible for all resultant damages, in particular interest and exchange losses. In case of payment default the auctioneer will charge interest on the outstanding amount at a rate of 1% to the gross price per month or part of month. In such an event the auctioneer reserves the right to annul the purchase contract without further notice, and to claim damages from the buyer for non-fulfilment, accordingly he can reauction the goods at the buyer’s expense. In this case the buyer is liable for any loss incurred, the buyer shall have no claim if a higher price has been achieved. He will not be permitted to bid. 12. The place of fulfillment and jurisdiction is Berlin. German law applies exclusively; the UN-Treaty (CISG) is explicitly excluded. 13. The prices quoted after each lot are estimates, not reserves.

14. The after-sales is part of the auction in which the bidder places either by tele­phone or in written form (as stated in number 5 and 6) the order to bid a set amount. 15. By making a bid, either verbally in the auction, by telephone, written by letter, by fax, or through the internet the bidder confirms that he has taken notice of these terms of sale by auction and accepts them. Agents who act on behalf of a third party are jointly and separately liable for the fulfillment of contract on behalf of their principals. 16. Should one or the other of the above terms of sale become wholly or partly ineffective, the validity of the remainder is not affected. In the event of a dispute the German version of the above conditions of sale is valid. David Bassenge As of May 2021


K ATA LO G B E A R B E I T U N G

Dr. Ruth Baljöhr David Bassenge Eva Dalvai Lea Kellhuber Nadine Keul Harald Weinhold

Gestaltung & Satz Stefanie Löhr Reproduktionen Maria Benkendorf Christina Wunderlich Fotografie Ricardo Thaler


Profile for Galerie Bassenge

Bassenge Kunstauktion 117: Über das Leben hinaus – Die Sammlung Louis Peters, Köln  

Bassenge Kunstauktion 117: Über das Leben hinaus – Die Sammlung Louis Peters, Köln  

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded