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BA S S E N G E

AUKTION 117

EINE BERLINER PRIVATSAMMLUNG Auktion zugunsten der neuhland – Hilfe in Krisen gGmbH 12. Juni 2021

Galerie Bassenge . Erdener Straße 5a . 14193 Berlin Telefon: 030-893 80 29-0 . E-Mail: modernart@bassenge.com . www.bassenge.com


I H R E A N S P R E CH PA RT N E R F Ü R D I ES EN KATALO G / E X P E RT S FO R T H I S CATA LO G U E :

Abteilung Moderne und Zeitgenössische Kunst / Department of Modern and Contemporary Art Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den gewünschten Losnummern zu erfragen, da Angaben zum Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog notiert sind. Barbara Bögner Klaus Spermann Sandra Espig Gabriella Rochberg Roberta Keil

+49 (0)30-88 62 43 13 +49 (0)30-88 91 07 91 +49 (0)30-88 91 07 90 +49 (0)30-88 91 07 92 +49 (0)30-88 91 07 94

b.boegner@bassenge.com k.spermann@bassenge.com s.espig@bassenge.com g.rochberg@bassenge.com r.keil@bassenge.com

Simone Herrmann

+49 (0)30-88 91 07 93

s.herrmann@bassenge.com (Gebote)

Die Galerie Bassenge ist Mitglied bei

Eindeutig identifizierbare Werke mit einem Schätzpreis von mindestens 2500 Euro werden vor der Auktion mit dem Art Loss Register abgeglichen.


T ER M I N Ü BER SICH T

AU KT ION 117

MITTWOCH, 9. Juni 2021 Vormittag 10.00 Uhr Druckgraphik des 15. bis 18. Jahrhunderts Nr. 5000-5317 Nachmittag 15.00 Uhr Druckgraphik des 19. Jahrhunderts und des Fin de Siècle Nr. 5318-5429 Miscellaneen und Trouvaillen der Druckgraphik Nr. 5430-5688 des 15. bis 18. Jahrhunderts

DONNERSTAG, 10. Juni 2021 Vormittag

11.00 Uhr

Gemälde Alter und Neuerer Meister mit Portraitminiaturen

Nr.

6000-6228

Nachmittag

15.00 Uhr

Über das Leben hinaus – Die Sammlung Louis Peters, Köln

Nr.

6300-6482

17.00 Uhr

Discoveries (Katalog nur online verfügbar) Nr. 6900-6988

FREITAG, 11. Juni 2021 Nr.

6500-6819

Vormittag

11.00 Uhr

Zeichnungen des 15. bis 19. Jahrhunderts

Nachmittag

15.00 Uhr

Moderne Kunst Teil II (Katalog nur online verfügbar) Nr. 7000-7500

SONNABEND, 12. Juni 2021 Eine Berliner Privatsammlung Auktion zugunsten der neuhland – Hilfe in Krisen gGmbH

Nachmittag

8200-8549 Moderne Kunst Teil I Nr.

14.00 Uhr

Nr.

8000-8114

Vormittag 11.00 Uhr

VORBESICHTIGUNGEN Um einen reibungslosen Ablauf der Vorbesichtigung aufgrund der aktuellen Einschränkungen gewährleisten zu können, bitten wir Sie um eine vorherige Anmeldung per Telefon oder E-Mail. Druckgraphik, Gemälde, Zeichnungen des 15. bis 19. Jahrhunderts, Über das Leben hinaus Erdener Straße 5A, 14193 Berlin Montag, 31. Mai bis Montag, 7. Juni, 10.00–18.00 Uhr, Dienstag, 8. Juni 10.00–15.00 Uhr Moderne Kunst Teil I und II, Eine Berliner Privatsammlung. Auktion zugunsten der neuhland – Hilfe in Krisen gGmbH Rankestraße 24, 10789 Berlin Montag, 31. Mai bis Donnerstag, 10. Juni, 10.00–18.00 Uhr Vorabtermine sind nach Vereinbarung ab Dienstag, dem 25. Mai möglich. Schutzgebühr Katalog: 15 € Umschlag vorne: Los 8083, Ernst Schumacher, Umschlag hinten: Los 8024, Rudolf Schlichter Umschlag innen links: 8016, Rudolf Ausleger (© VG Bild-Kunst, Bonn 2021), Umschlag innen rechts: 8113, Hans Vent (© VG Bild-Kunst, Bonn 2020). Seite 6 und 7: Los 8101, Edmund Kesting (© VG Bild-Kunst, Bonn 2021)


EXP ERTEN | SPECIAL IST S Geschäftsführung | Management David Bassenge +49 (0)30-893 80 29-17 david@bassenge.com Kunstabteilung | Art Department Leitung 15. bis 19. Jahrhundert Dr. Ruth Baljöhr +49 (0)30-893 80 29-22 Head of Department 15th to 19th Century r.baljoehr@bassenge.com Graphik und Handzeichnungen des David Bassenge +49 (0)30-893 80 29-17 15.–19. Jahrhunderts, Gemälde david@bassenge.com Prints and Drawings 15th to 19th Century, Paintings Lea Kellhuber +49 (0)30-893 80 29-20 l.kellhuber@bassenge.com Nadine Keul +49 (0)30-893 80 29-21 n.keul@bassenge.com Harald Weinhold +49 (0)30-893 80 29-13 h.weinhold@bassenge.com Leitung Moderne und Zeitgenössische Kunst Barbara Bögner +49 (0)30-88 62 43 13 Head of Department 20th Century and Contemporary Art b.boegner@bassenge.com Simone Herrmann +49 (0)30-88 91 07 93 s.herrmann@bassenge.com Sandra Espig +49 (0)30-88 91 07 90 s.espig@bassenge.com Gabriella Rochberg +49 (0)30-88 91 07 92 g.rochberg@bassenge.com Roberta Keil +49 (0)30-88 91 07 94 r.keil@bassenge.com Berater | Consultants Klaus Spermann +49 (0)30-88 91 07 91 k.spermann@bassenge.com Jörg Maaß +49 (0)170 - 486 90 64 j.maass@bassenge.com Photographie | Photography Leitung | Head of Department Jennifer Augustyniak +49 (0)30-21 99 72 77 jennifer@bassenge.com Elmar F. Heddergott +49 (0)30-21 99 72 77 e.heddergott@bassenge.com Buchabteilung, Autographen | Books, Autographs Leitung | Head of Department Dr. Markus Brandis +49 (0)30-893 80 29-27 m.brandis@bassenge.com Harald Damaschke +49 (0)30-893 80 29-24 h.damaschke@bassenge.com Dr. Cosima Kristahn +49 (0)30-893 80 29-48 c.kristahn@bassenge.com Stephan Schurr +49 (0)30-893 80 29-15 s.schurr@bassenge.com Autographen | Autographs Dr. Rainer Theobald +49 (0)30-4 06 17 42 r.theobald@bassenge.com Logistik Management | Logistics Ralph Schulz +49 (0)30-893 80 29-16 r.schulz@bassenge.com Sekretariat | Office Anja Breitenbach +49 (0)30-893 80 29-12 a.breitenbach@bassenge.com Ellen Rusczyk +49 (0)30-893 80 29-33 e.rusczyk@bassenge.com Repräsentanzen | Representatives Rheinland Dr. Mayme Francis Neher +49 (0)175 - 204 63 23 info@mayme-neher.de Dänemark Peter Titelbech + 45 (0)2383 - 2448 p.titelbech@bassenge.com Italien Dr. Chiara Erika Marzi + 39 333 9924 868 c.marzi@bassenge.com


EINE BERLINER PRI VATSA MMLUNG AUKTION ZUGUNSTEN DER NEUHL A ND – HILFE IN KRISEN GGMBH

Erdener Straße 5a, 14193 Berlin Samstag, 12. Juni 2021, 11 Uhr

Vorbesichtigung Rankestraße 24, 10789 Berlin Montag, 31. Mai bis Donnerstag, 10. Juni 2021


Vorwort Ein Berliner Kunstsammler hat uns, der neuhland Hilfe in Krisen gGmbH, einen Großteil seiner Sammlung gespendet: die Ernte seiner Leidenschaft, eine Sammlung, die sich besonders den vergessenen, verfolgten und ausgegrenzten Künstler*innen der Nazizeit widmet. Auf seinen Wunsch werden die Kunstwerke nun versteigert und der Erlös soll ebenfalls einer besonderen Gruppe zugutekommen: vernachlässigten, verletzten und verstörten Kindern. Das ist kein Zufall. Der Sammler selbst hat viele Jahrzehnte als Lehrer gearbeitet, hauptsächlich in Köln und später auch in Berlin. Er hat einen besonderen Bezug zu gefährdeten Kindern und Jugendlichen. Kinder, die den Weg in unsere Wohngruppen finden, haben vielfältige und schwere traumatisierende Erlebnisse und Erfahrungen in ihrem bisherigen Leben gemacht. Die Traumatisierungen reichen von Vernachlässigungen bis hin zu körperlichen und seelischen Übergriffen und Misshandlungen. Die Erscheinungsformen der Traumatisierungen äußern sich sehr unterschiedlich bei Kindern. Sie können depressive und hyperaktive Verhaltensweisen, Konzentrationsstörungen, selbstverletzendes Verhalten bis hin zu suizidalen Gedanken und Handlungsabsichten annehmen. Die Kinderwohngruppen neuhlands bieten einen Schutz- und Wohnraum, eine intensive Betreuung, Begleitung und Behandlung, in dem die Stabilisierung der Mädchen und Jungen, wie auch die Aufarbeitung der erlittenen Traumata stattfinden kann. Vor allem müssen neue, nährende Formen von Bindungs- bzw. Beziehungsqualitäten erlebt werden können, um eine gesunde Weiterentwicklung zu ermöglichen. Um diese fordernde Arbeit im Sinne der Kinder und ihrer Entwicklungen zu bewältigen, sind wir immer wieder auf Unterstützung außerhalb der Regelfinanzierung angewiesen. Insofern danken wir Herrn Peter Schwichtenberg herzlich für seine großzügige Spende, dem Auktionshaus Bassenge für die Unterstützung bei der Realisierung dieses einzigartigen Projekts und freuen uns, liebe Bieterinnen und Bieter, über Ihr tatkräftiges Engagement bei der Auktion. Steigern Sie mit und tun Sie Gutes!

Helmut Elle, Geschäftsführer neuhland Hilfe in Krisen gGmbH


egon schiele

(1890 Tulln a.d. Donau – 1918 Wien)

8000 Selbstbildnis Bronze mit braungrüner Patina. 1917/80. 28,5 x 18 x 23 cm. Seitlich links signiert „Egon Schiele“ und datiert. Auflage 300 num. Ex. Jane Kallir, Egon Schiele. The Complete Works, New York, 1998, S. 651, Nr. S-4f. 2.000€

Hergestellt 1980 nach einem Auftrag des Sammlervereins Wien in einer Gesamtauflage von 330 numerierten Exemplaren bei Venturi Arte Bologna. Prachtvoller posthumer Guss.


8001

georg wrba

(1872 München – 1939 Dresden)

8001 Liegender Jünglingsakt Farbige Kreiden auf Velin. 1919. 32 x 46 cm. Im rechten Rand mittig mit Bleistift signiert „Wrba“ und datiert. 350€

Sensibel und mit dem plastischen Verständnis des Bildhauers erfasst Wrba den liegenden Jungen mit entblößtem Oberkörper mit fein differenzierten, weichen Konturen und Binnenschraffuren, insbesondere das Inkarnat in bemerkenswert frischer Tonalität von Gelb, Blau und Violett. Die Zeichnung entstand während seiner Zeit als Professor und Nachfolger von Johannes Schilling an der Akademie für Bildende Künste Dresden, 1907 bis 1930. Beigegeben: Eine signierte Zeichnung von Ernst Fritsch, „Frauenakt stehend“, 1948. 11


8002

ludwig von hofmann

(1861 Darmstadt – 1945 Pillnitz bei Dresden)

8002 Dionysische Szene Pastellkreiden auf bräunlichem Velin. Vor 1909. 20,8 x 32,8 cm (Passepartoutausschnitt). Oben links mit Bleistift signiert „L v Hofmann“, verso zudem von Edwin Redslob monogrammiert, datiert und bezeichnet. 1.200€

Dunkel-muskulöse Faune tragen zartweiße Frauen davon – dass es sich entgegen dem ersten Eindruck bei der Zeichnung nicht um die Darstellung eines Frauenraubs handelt, wird daran deutlich, dass die Frau im linken Bildrand nicht etwa zu Hilfe eilt, sondern den beiden „Entführten“ lediglich Trauben oder Blumenkränze nachreichen möchte. Im Hintergrund am Fluss, vor zart gefärbten Hügeln, tanzen Frauen mit schwingenden Röcken und verstärken den idyllischen Charakter der Szenerie. Damit entspricht die Themenwahl ganz der von Hofmann gestalteten Welt voller Harmonie und Frieden, in der Emotionen meist in antikischer Verkleidung auftauchen (vgl. Anne Peters, in: Ludwig von Hofmann, Ausst.-Kat. Städt. Galerie Albstadt 1995, S. 31). Mit seiner im Sinne des Jugendstils teils auf die Umrisse reduzierten, ornamentalen Formensprache und der klaren Komposition zeigt der Künstler seine gestalterischen Fähigkeiten. Die charakteristische Zeichnung ist von her-

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8003 vorragender Provenienz: Das Ehepaar Redslob erhielt die Zeichnung vom Künstler 1909 als Hochzeitsgeschenk, nach den eigenhändigen Notizen Edwin Redslobs verso „gerahmt in der Schule van de Veldes, der die Ecken des Passepartouts rundete“. Provenienz: Nachlass Charlotte und Edwin Redslob, Weimar


8004

henri lebasque

georg tappert

8003 Liegender Hund Pinsel in Schwarz auf Bütten. 18 x 24 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „H. Lebasque“.

8004 Entkleidende Frauen Radierung mit Kaltnadel, aquarelliert, auf Similijapan. 1911/13. 29,8 x 20,5 cm (42,5 x 31,8 cm). Signiert „G. Tappert“, datiert und bezeichnet „1. Zust.“. Vgl. Wietek 153.

(1865 Champigné – 1937 Le Cannet)

500€

Rasch, in lockerem Pinselgestus und mit Empathie erfasste Studie des ruhenden Hundes.

(1880–1957, Berlin)

600€

Druck des ersten, Wietek nicht bekannten Zustandes mit einer Berglandschaft im Hintergrund, vor den schwarzen Schraffuren im Hintergrund und vor der Datierung in der Platte, mit zartem, verblasstem Aquarellkolorit. Eine Auflage ist nicht bekannt, Wietek notiert lediglich wenige ungezählte Probe- und Handdrucke sowie fünf Nachlassdrucke der Galerie Nierendorf. Prachtvoller, herrlich gratiger Druck mit Rand. Äußerst selten, in dieser Form möglicherweise ein Unikat. 13


8005

otto antoine

(1865 Koblenz – 1951 Unterruhldingen)

8005 „Durch den Grunewald“ Öl auf Malpappe. 1907. 50 x 72 cm. Unten links mit Pinsel in Braun signiert „Otto Antoine“, verso nochmals signiert, datiert, betitelt und mit der Künstleradresse „Berlin-Wilmersdorf“. 700€

Durch den herbstlichen Grunewald zieht eine Kinderschar, in ihrer braunen Kleidung kaum erkennbar inmitten des flirrenden Herbstlaubes an den sonst kahlen Bäumen und auf dem Waldboden. Im Hintergrund schimmert silbrig der Grunewaldsee. Antoine trägt seine Grün- und Brauntöne pastos mit lockerem, sicherem Duktus in den charakteristischen länglichen Tupfen und kurzen, breiten Pinselstrichen auf und lässt ein stimmungsvolles Bild des Berliner Grunewaldes entstehen.

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8006

eugen kampf

(1861 Aachen – 1933 Düsseldorf)

8006 Tal mit Bachlauf in den Alpen Öl auf Leinwand. 66,3 x 46,5 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „E. Kampf“. 600€

In geschickter räumlicher Anordnung lässt Kampf den Blick des Betrachters durch ein langgestrecktes grünes, von einem Bach-

lauf gezeichnetes Tal schweifen und schließlich im Hintergrund auf dem Massiv einer Gebirgsformation ruhen. Das Gemälde in sommerlich-heiterer Palette entstand möglicherweise in den Savoyer Alpen oder im Engadin. Eugen Kampf galt um die Jahrhundertwende als einer der herausragenden rheinischen Landschaftsmaler. Neben seiner regen Ausstellungstätigkeit, bei der er zahlreiche Preise und Medaillen gewann, gründete der Dücker-Schüler in Düsseldorf auch den „St. Lukasklub“, die freie Vereinigung des Deutschen Künstlerbundes. 15


8007

kurt haase-jastrow

bruno krauskopf

8007 Vase mit Frühlingszweigen Öl auf Leinwand. 1914. 73 x 81 cm. Unten links mit Pinsel in Dunkelbraun signiert „Kurt Haase-Jastrow“, verso auf dem Keilrahmen (von fremder Hand?) bezeichnet und betitelt.

8008 Stilleben mit Tonkrügen Öl auf Malpappe. 1915. 77 x 64 cm. Unten rechts mit Pinsel in Blau datiert, verso von fremder Hand bezeichnet.

(1885 Jastrow/Westpreußen – 1959 Berlin)

750€

Feinsinnige Farbkontraste von Grün- und Rotnuancen verleihen dem Stilleben mit den üppig wuchernden Blütenzweigen in der roten Tonvase eine frische, frühlingshafte Ausstrahlung. Die frühe, ausgewogen komponierte Arbeit ist noch im postimpressionistischen Stil ausgeführt. Nach seinen Studien an der Berliner Königlichen Akademie der Künste wechselte Haase-Jastrow 1906 an die Kunstakademie in Dresden zu Eugen Bracht und Oskar Zwintscher und ließ sich anschließend in Berlin-Charlottenburg nieder. Verso mit einem Klebeetikett des Vereins Berliner Künstler, in dem Haase-Jastrow Mitglied war.

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(1892 Marienburg – 1960 Berlin)

3.000€

Vehement setzt Krauskopf mit kraftvollem und immer treffendem Duktus parallele Linienbündel nebeneinander, lässt sie im flachen Winkel auf die nächste Farbnuance treffen und formt so runde Volumina, durch dicke schwarze Konturen vom dicht gestalteten Hintergrund getrennt und im sanften Licht schimmernd. Erst 1914 feiert die Berliner Kunstwelt das erste Auftreten des jungen Bruno Krauskopf auf der großen Berliner Kunstausstellung. Curt Bauer schreibt dazu 1923 in „Der Cicerone“: „Als Bruno Krauskopf im Jahre 1914 die Aufmerksamkeit weiter Kreise erregte, war er schon ein Eigener. Zwar hatte er sich äußerlich dem damals in Deutschland in Mode gekommenen Kubismus angeschlossen, der seine Gestaltungen auf der Bildfläche gliedern half. Aber aus diesen welligen Stereotomien brach eine Urkraft, die der Beachtung nicht entgehen konnte (...). Es war ein volles Schöpfen aus chaotischen Urzuständen, deren Gebilde durch das Licht in leidenschaftliche Bewegung versetzt wurden.“ (zit. nach Margareta Friesen, Bruno Krauskopf, Ausst.-Kat. Kunsthalle Darmstadt 1992, S. 16).


8008

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8009

william wauer

(1866 Oberwiesenthal – 1962 Berlin)

8009 Schmetterlinge Aquarell und Feder in Schwarz auf Zeta Mattpost-Velin. 1919. 23,6 x 29,7 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz monogrammiert „W.W.“, verso mit Bleistift signiert „William Wauer“ und datiert. 600€

Aus geraden Linien bildet der Künstler geschwungene Formen in dieser geometrisch abstrahierten Komposition. Die Zeichnung entstand in seiner Zeit in Herwarth Waldens Künstlergruppe „Der Sturm“, dessen Mitglied er seit 1912 war. 1918 nahm er an der Ausstellung „Der Sturm“ mit mehreren Skulpturen teil. In den 1920er Jahren arbeitete er am Bauhaus und beteiligte sich an der Herausgabe der dritten Bauhausmappe. 1924 gründete er die Internationale Vereinigung der Expressionisten, Kubisten, Futuristen und Konstruktivisten.

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hans rudi erdt

(1883 Benediktbeuern – 1918 Berlin)

8010 Rauchende Frau Pastellkreiden auf 2 zusammenmontierten Bl. Skizzen­ papier. Um 1915. 39,5 x 29,5 cm. Unten rechts mit Kreide in Schwarz signiert „ERDT“. 500€

Hans Rudi Erdt, Lithograph und Gebrauchsgraphiker, war neben Ludwig Hohlwein, Lucian Bernhard, Ernst Deutsch-Dryden, Julius Gipkens, Julius Klinger, Paul Scheurich und Lucian Zabel einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Plakatkunst zwischen 1906 und 1918. Beigegeben: Ein signiertes Aquarell von Hans Rudi Erdt, „Wald“, wohl um 1915.

8010

josef friedrich gustav binder

(1897 Ludwigshafen – 1991 Lindenberg/Allgäu)

8011 Frauenakt, die Arme erhoben Lithographie, mit Wachskreide übermalt, auf Velin. 1917. 29 x 14,5 cm (49 x 38 cm). Signiert „Binder“ und datiert. 600€

Frühe, hochdynamische Arbeit. Binder war nicht nur Industrie­ designer, sondern auch Maler und Graphiker. Der internationale Durchbruch als Industriedesigner gelang ihm, als er einen Wettbewerb um ein Logo der 1925 entstandenen IG Farben mit dem sogenannten „IG Kolben“ gewann und sich damit gegen die Elite des Bauhauses durchsetzte. Prachtvoller Druck mit breitem Rand und expressiver Übermalung.

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8012

otto beyer

(1885 Kattowitz – 1962 Berlin)

8012 Mensch an der Küste Ölkreiden auf leicht strukturiertem hellgrauen Karton. Um 1920. 19,7 x 30,6 cm. Unten links mit Kreide in Blaugrün signiert „O. Beyer“. 500€

In ihrer Expressivität und dem energischen, schwungvollen Duktus ist die Arrbeit „Mensch an der Küste“ charakteristisch für das zeichnerische Schaffen des Künstlers. Otto Beyer stand als Vertreter des deutschen Expressionismus der Künstlergruppe Brücke nahe. Seine Themen sind vorwiegend Landschaften, Berliner Vorstädte, auch Akte und Stilleben. Er fand in Max Liebermann einen Förderer, und sein Werk wurde durch die Bekanntschaft mit Max Pechstein und Lovis Corinth stark beeinflusst.

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mercédès legrand

(1893 Horcajo – 1945 Avignon)

8013 Das rote Mädchen Öl auf Malpappe, auf Holz aufgezogen. 1916. 25 x 20 cm. Unten links in der Darstellung mit Pinsel in Rot signiert „M. Legrand“ und datiert. 800€

Im Jahr 1916 schrieb sich Mercédès Legrand an der Royal Academy of Fine Arts in Brüssel ein. Zu dieser Zeit entstand ihr frühes Gemälde „Das rote Mädchen“, das das Kind im Brustbild an einem Tisch sitzend zeigt, in lockerem Duktus und einem weichen Farbspiel um die titelgebenden roten Zöpfe herum. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Roger Van Gindertael und mit Michel de Goeye gründete Legrand die Kunstzeitschrift „Hélianthe“, und sie entwarf mit dem Kriegsdenkmal Gemeinde Nassogne, das im September 1920 eingeweiht wurde, wahrscheinlich das erste belgische Denkmal, das von einer Frau hergestellt wurde.

8013

laura albéniz

(1890–1944, Barcelona)

8014 Bildnis Noia Öl auf Malpappe. Um 1910. 34,5 x 26 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „LAURA ALBENIZ“ und wohl datiert. 500€

Charakteristisches frühes, elegantes Frauenbildnis der katalanischen Künstlerin. 1906, im Alter von 16 Jahren, veranstaltete sie ihre erste Ausstellung im Musée Moderne in Brüssel und lebte zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Paris und in Nizza. Die guten Beziehungen ihres Vaters, des Pianisten und Komponisten Isaac Albéniz, öffneten ihr die Türen zur Pariser Kunst- und Kulturwelt des frühen 20. Jahrhunderts. Die Arbeiten dieser ersten Schaffensperiode spiegeln die mondäne Atmosphäre der Pariser Belle Epoque, eine Welt des Dandyismus und der kultivierten weiblichen Präsenz. Verso auf dem Karton eine Bleistiftskizze der Künstlerin, „Damenbildnis im Profil“. Beigegeben: Der Ausstellungskatalog zu Laura Albéniz, Sala La Plana de l‘Om, Fundació Caixa de Manresa 1993. Ausstellung: Sala La Plana de l‘Om, Fundació Caixa de Manresa 1993 (Kat.-Nr. 5)

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rudolf ausleger

(1897 Weißenfels/Saale – 1974 Berlin)

8015 Stilleben mit Flasche und Gitarre Bleistift auf Velin. 1922. 32,7 x 29,5 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „R. AUSLEGER“ und datiert. 450€

Beispielhaftes Blatt für Auslegers synthetischen Kubismus der 1920er Jahre, dicht komponiert und mit sicherem Strich sorgsam gezeichnet. Rudolf Ausleger erhielt seine Ausbildung zunächst an der Berliner Reimann-Schule, dann an der Staatlichen Kunstschule bei Georg Tappert und Berhard Hasler. Als Mitglied der Novembergruppe war Ausleger an zahlreichen Ausstellungen im In- und Aus­land beteiligt. Zu seinem Freundeskreis gehörten Otto und Rudolf Möller, Arthur Segal, Karl Jakob Hirsch und Lothar Homeyer.

8015

8016 „2 Akte in Landschaft“ Pinsel in Schwarz auf Velin. 1922. 50 x 37,3 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „R. AUSLEGER“ und datiert, verso mit Bleistift nochmals signiert, betitelt und bezeichnet „Preis: 200.000 Mark“ sowie mit der Adresse „Berlin-Friedenau, Menzelstr. 22 bei Bittner“. 800€

Die geometrisch-figurative Komposition entstand in Auslegers Zeit des Synthetischen Kubismus der 1920er Jahre. Fein ausbalanciert stehen geometrisch-abstrakte, meist rechtwinklige- und Kreisformen, mit denen Ausleger die Menschen und ihre Bauwerke zeichnet, den geschwungenen und weniger abstrahierten Linien der Pflanzen und Wolken gegenüber. Ausgewogene Helldunkelkontraste bestimmen die dichte Komposition.

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8016


8017

rudolf ausleger

8017 Frauenbilder Gouache auf Velin. 1923. 23 x 16 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „R. AUSLEGER“ und datiert. 1.000€

Kräftige schwarze Konturen und Schattierungen verleihen der Darstellung eine fast surrealistische Klarheit. Der stehende Frauenakt und die überlebensgroße antike Skulptur setzt der Künstler in eine ausbalancierte Beziehung zueinander und zeichnet die Szene mit opakem Farbauftrag und sorgsamem Duktus in detailfreudiger Feinheit. 23


8018

thorvald hellesen (1888–1937, Oslo)

8018 Abstrakte Komposition Tusche auf strukturiertem festen Velin. Um 1920. 20,8 x 18 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „Th. Hellesen.“. 1.800€

Markante, typische kleine Zeichnung Hellesens. Der norwegische Avantgardekünstler lebte nach seinen Studien bei Christian Krohg in Oslo in den 1910er und 1920er Jahren in Paris und gehörte mit seiner Frau, der französischen Künstlerin Hélène Perdriat zum Kreis um Pablo Picasso, Fernand Léger, Constantin Brâncusi, Piet Mon­ drian und Theo van Doesburg. Er stellte an so prominenten Pariser Orten aus wie dem Salon des Indépendants und der Galerie la Boëtie. In Paris öffnete sich Hellesen eine neue Welt, und erst von diesem Moment an betrachtete er sich als Künstler. Zunächst stark von Picassos und Braques‘ kubistischen Experimenten beeinflusst, freundete er sich am Ende des Ersten Weltkriegs mit Fernand

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Léger an, der mit seinen dynamischen Rhythmen aus kontrastierenden Linien und Farben einen tiefgreifenden Einfluss auf sein Werk haben sollte. Gemeinsam arbeiteten beide 1919 an einer Aus­stellung in der Tivoli-Halle von Kristiania (Oslo), und sie stehen gemeinsam für eine neue kubistische Ästhetik. Während Léger meist mit modulierten Grautönen das Volumen und die Kurven der Figuren beschreibt und die Motive vom flachen, hellen Hintergrund nach vorne projiziert, verwendet Hellesen die dynamischen Kontraste ohne Volumen oder Schatten über die gesamte Komposition hinweg, um ein geometrisches Bild von kühner Form zu erzielen. Er freundete sich bald mit Léonce Rosenberg an, deren Galerie de l‘Effort Moderne Picasso, Braque, Gris, Léger, Gleizes und Metzinger vertrat und die Bewegung seit 1914 förderte. Er wurde nach 1920 zunehmend beeinflusst von Gleizes‘ Idee, eine flache Oberfläche durch Rhythmen im Bildraum zu beleben, um letztendlich eine reine Kunst ohne Bezug zur äußeren Realität zu schaffen.


8019

carl krall

(1891–1975, Wien)

8019 Billardspieler Gouache auf Bütten. Um 1920. 35 x 24 cm. Unten links mit Feder in Blau signiert „CARL KRALL“. 450€

Krall war ab 1915 für Modeverlage tätig, zudem arbeitete er als Werbegraphiker. In den 1920er Jahren wandte er sich zunehmend der Malerei zu und verschrieb sich der Neuen Sachlichkeit. Flächenhaft stilisiert, präzise gezeichnet mit kantigen Konturen und hellblautonigen Schatten und bestimmt von den stilistischen Merkmalen des Art Déco, erfasst Krall den Billardspieler beim Stoß mit fast senkrecht gestelltem Queue. 25


8020

werner drewes

(1899 Canig/Niederlausitz – 1985 Reston/Virginia)

8020 Portrait Frau Drewes / Bauhaus 1922 Öl auf Leinwand. 1922. 62 x 58,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Rot mit dem Künstlersignet, verso (später oder von fremder Hand?) bezeichnet „Drewes“, datiert und auf dem Keilrahmen (von fremder Hand?) betitelt. 2.000€

Hochmodern ist sie gekleidet, die junge Margaret Drewes mit den schwarz-weißen Karos und dem lebendigen Kontrast zur gelben Bakelit-Perlenkette. Drewes malt seine Frau zur Zeit seiner ersten

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Erfahrungen an der Experimentierschule des Weimarer Bauhauses, noch vergleichsweise konventionell in Farbgebung und Duktus, mit recht trockenem Pinsel und harmonischem Kolorit. 1921 ging Drewes an das Bauhaus in Weimar, wo er nach dem obligatorischen Vorkurs bei Johannes Itten weiter bei Paul Klee, Oskar Schlemmer und Georg Muche studierte und sich zunächst in die Werkstatt für Wandmalerei begab. Anschließend reiste er ausgiebig durch Europa, Nordamerika und Asien. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahre 1927 ging er wieder ans Bauhaus, diesmal an seinen neuen Standort in Dessau, wo er in den Klassen von László MoholyNagy und Wassily Kandinsky lernte. Er war einer der ersten Künstler, der die bahnbrechenden Konzepte der Bauhausschule in den Vereinigten Staaten über seine Malerei, Druckgraphik und Lehre bekannt machte. 1930 emigrierte er nach New York.


8021

unbekannt

8021 Selbstporträt mit Pinsel und Palette Öl auf Hartfaserplatte. Um 1920. 63 x 62,5 cm. 450€

Eindringliches Künstlerselbstbildnis im Stil der Neuen Sachlichkeit. Selbstbewusst steht der Maler in seinem Kittel an der Staffelei, in den Händen Pinsel und Palette, den Blick direkt zum Betrachter gewendet. Im Hintergrund an den Wänden hängen ausschließlich Bildnisse. Eine harmonische, warmtonige Palette bestimmt das sensibel erfasste Porträt des Künstlers, der sich hier vor allem über seine Tätigkeit definiert. Eventuell handelt es sich um ein Selbstportrait von Willy Jaeckel.

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8022

leo von könig

(1871 Braunschweig – 1944 Tutzing)

8022 Jahrmarkt Aquarell über Bleistift auf Velin. Um 1920. 23,5 x 27 cm (Rahmenausschnitt). Unten rechts mit Feder in Blau signiert „Leo König“. 1.000€

Das stimmungsvolle, souverän aquarellierte Blatt zeigt Leo von König als Impressionisten. Es ist jedoch nicht die bunte Schauseite des Jahrmarktes, die er untersucht, sondern die unspektakuläre Rückseite der Budenaufbauten. 1896 debütierte Leo von König auf der Großen Berliner Kunstausstellung. In diesem Jahr noch wurde

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er Mitglied der Münchner Secession, und 1902 trat er der Berliner Secession bei. Wie auch Emil Nolde und Max Beckmann, hielt Leo von König jedoch die Künstlervereinigung bald für reformbedürftig und forderte 1910 eine „freie Vereinigung, freie Künstler, freie Worte“. Da seine Vorschläge vom Vorstand radikal abgewiesen wurden, trat er aus. Diese Entscheidung trug schließlich entscheidend zur Gründung der „Neuen Secession“ bei. In der Begegnung mit den Werken El Grecos und Goyas entwickelte von König sich stilistisch allmählich vom Impressionismus hin zum Expressionismus. Im „Dritten Reich“ stellte ihn diese stilistische Entwicklung in die Nähe der „entarteten“ Kunst. Er erhielt ein Mal- und Ausstellungsverbot.


8023

gustav wunderwald (1882 Köln – 1945 Berlin)

8023 Ostpreußischer Ziehbrunnen Bleistift auf bräunlichem Skizzenpapier. Um 1929. 27,5 x 38 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „G. Wunderwald“. 450€

Das filigrane Geäst der knorrigen Bäume im Vordergrund zeigt Wunderwald als Naturlyriker. Dahinter sich die charakteristische, leicht hügelige ostpreußische Landschaft, tief verschneit, so weit in der Aufsicht wiedergegeben, dass nur ein spärlicher Horizontstreifen bleibt. Die Zeichnung stellt eine Vorstudie zu Wunderwalds Gemälde um 1930 dar (Museum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Inv.-Nr. 14 148, Reinhardt 184), ist jedoch, anders als dieses, ganz menschenleer und besitzt kaum etwas von dem genrehaften Charakter der späteren Landschaften des Künstlers. 29


8024

rudolf schlichter

(1890 Calw – 1955 München)

8024 „Rita“ Bleistift, Kohle und Deckweiß auf grauem Velin. Um 1920. 71 x 50 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „R. Schlichter“, verso betitelt sowie mit dem Nachlaßstempel, dort bezeichnet „3/299“. 1.500€

Mit kräftigen Bleistiftstrichen, feinen Kohlewischungen und souverän eingesetzten Weißhöhungen zeichnet Schlichter die stehende, einfach gekleidete junge Frau, die selbstbewusst ihre Hände

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in die Seiten stützt. Mit ihrem kühlen Blick und ihrer aufrechten, legeren Haltung vermittelt sie dem Betrachter eine gewisse Distanz und strahlt das gewachsene Selbstbewusstsein des neuen Frauentypus der 1920er Jahre aus. 1919 übersiedelte Schlichter nach Berlin, wo er zunächst der Novembergruppe beitrat und sich mit seinen Freunden George Grosz und John Heartfield der Dada-Bewegung anschloss. Er interessierte sich für die linke Politik und nahm Kontakt zur KPD auf. Als einer der wichtigsten Vertreter der Neuen Sachlichkeit war er 1925 mit einigen Werken in der entsprechenden wegweisenden Ausstellung in Mannheim vertreten. Die Kunst nutzt er als Waffe im politischen Kampf gegen Großbürgertum und Militarismus.


emil rudolf weiss

(1875 Lahr – 1942 Meersburg)

8025 Bildnis einer jungen Frau Öl auf Malpappe. Um 1920. 35 x 27 cm. Unten links in der Darstellung mit Pinsel in Schwarz sig­niert „R. Weiss“. 500€

Ein pastoser, flächiger Farbauftrag und eine erdige Palette kennzeichnen das Porträt der nach links gewandten jungen Frau mit modischem Kurzhaarschnitt. Der deutsche Maler, Graphiker und Typograph Emil Rudolf Weiß, wichtiger Vertreter der modernen Buchkunst, definierte sich seit 1910 verstärkt als Maler und schuf vor allem Stilleben, aber auch Porträts sowie Landschafts- und Genredarstellungen. Er studierte an den Akademien in Karlsruhe und Paris, dann bei Hans Thoma und Leopold von Kalckreuth. In Berlin wirkte er ab 1920 an der Kunstgewerbeschule und wurde 1922 in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen.

8025

josef scharl

(1896 München – 1954 New York)

8026 Bildnis der Mutter Tempera und Wachskreide auf braunem Karton. 1920. 45,5 x 34,8 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „Jos. Scharl“ und datiert. 900€

In impressionistisch lockerem Duktus zeichnet der Künstler seine Mutter, sitzend nach links, beim Lesen. Scharl beginnt seine Ausbildung als Dekorationsmaler, ab 1918 studiert er an der Kunstakademie. Er schließt sich den Künstlervereinigungen Neue Münchner Secession und den Juryfreien an und geht 1930 nach Frankreich. Nach seiner Rückkehr bringt die beginnende nationalsozialistische „Kulturpolitik“ eine Wende: Verkäufe und Ausstellungsbeteiligungen nehmen ab, ihm wird ein Malverbot auferlegt. 1939 emigriert er nach Amerika. Verso eine signierte Zeichnung von Alois Gruber, „Frauenbildnis“, 1906.

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8027

heinrich schlief (1894–1971, Soest)

8027 Figurative Komposition Mischtechnik und Weißlinienschnitt auf festem Velin. 1921. 34 x 49,5 cm (35,3 x 50,3 cm). Verso mit Bleistift signiert „Heinrich Schlief“ und datiert. 500€

Typisches Werk des westfälischen Expressionisten; die klare und leuchtende Farbgebung steht in spannendem Kontrast zu den weißen Konturlinien. Als der Autodidakt Schlief - eigentlich war er Vermessungstechniker - 1907 Christian Rohlfs sah und 1909 den Soester Expressionisten Wilhelm Morgner kennenlernte, entschied er sich endgültig, Maler zu werden und wandelte den Expressionismus der beiden Vorbilder zu einem ganz eigenen Stil um. Schlief, dessen Arbeiten im Dritten Reich als „entartet“ eingestuft wurden, ist der Verschollenen Generation zuzurechnen. Die lebendig von Hand eingefärbte Druckplatte verleiht dem Werk Unikatcharakter. Prachtvoller Druck mit kleinem Rändchen.

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8028

otto dill

(1884 Neustadt/Weinstraße – 1957 Bad Dürkheim)

8028 Stierkampf Pinsel und Feder in Schwarz, aquarelliert, auf dünnem Velin. 1926. 21 x 29,5 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „Otto Dill“ und datiert. 350€

Als Mitglied der Münchner Secession nahm Dill 1922 an verschiedenen Ausstellungen der Künstlervereinigung teil. Zahlreiche Reisen führten den Künstler u. a. nach Nordafrika, Italien, Frankreich und Spanien. Die dort gewonnenen Eindrücke verarbeitete Dill in zahlreichen Gemälden und Zeichnungen, die deutlich vom Impressionismus geprägt sind, darunter auch die in furiosem Strich ausgeführten Stierkampfstudien. 33


ernst fritsch (1892–1965, Berlin)

8029 Sommerstrauß in bauchiger Vase Öl auf Leinwand. 1928. 65 x 45 cm. Unten rechts mit Pinsel in Beige signiert „Fritsch“ und datiert. 450€

Das Blumenmuster der Tapete im Hintergrund und die Blüten des bunten Straußes stehen in schöner Korrespondenz miteinander. Der Berliner Maler Ernst Fritsch war seit 1919 Mitglied der von Lovis Corinth geleiteten Berliner Secession und der Novembergruppe. Seit 1925 war er bei Ausstellungen der Neuen Sezession in München vertreten, 1946 wurde er Professor an der Berliner Hochschule für Bildende Künste.

8029

emil dielmann

(1897 Straßburg – 1954 Frankfurt/Main)

8030 Roter Blumenstrauß Öl auf Leinwand. Wohl 1922. 50 x 40 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „E. Dielmann“ und schwer leserlich datiert. 450€

Nach seinen Studien am Städelschen Kunstinstitut bei Andreas Egersdoerfer war Dielmann ab 1922 freischaffend tätig. Zu dieser Zeit entstand das mit reliefhaft pastosem Farbauftrag in vehementem Duktus gemalte, harmonische Blumenstilleben in Rot und Grün.

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8030


8031

augusta von zitzewitz (1880–1960, Berlin)

8031 Blumenschale Gouache auf Velin. 1929. 35,7 x 46,6 cm. Unten rechts mit Pinsel in Dunkelbraun monogrammiert „AvZ.“, unten links mit Bleistift signiert „A. v. Zitzewitz“, datiert und mit der Ortsangabe „Berlin“. 450€

Dichtes, in lockerem Duktus ausgeführtes Blumenstilleben mit intensiven Farbkontrasten, in der typischen, dynamischen Malweise der Künstlerin, die sie unter dem Einfluss des Impressionismus à la Liebermann, Slevogt und Corinth zeigt. Nach dem Studium der Malerei in Paris entwickelte sich Augusta von Zitzewitz im Berlin der 1920er Jahre zu einer gefragten Porträt- und Stillebenmalerin. In der Zeit des Nationalsozialismus galten ihre Werke als „entartet“. 35


8032

rudolf grossmann

(1882–1941, Freiburg i. Breisgau)

8032 Kabarettänzerinnen Aquarell über Farbstift auf Pergamin. Um 1920. 43 x 37,4 cm. Unten links mit Bleistift signiert „R. Grossmann“. 450€

Violette Umrisslinien skizzieren die beiden singenden, tanzenden Damen, die für den Auftritt mit Federn geschmückt sind und ihren Vortrag mit ausladender Gestik untermalen. Ab 1910 lebte Grossmann vorwiegend in Berlin, arbeitete als Graphiker, schuf als Illustrator unter anderem Porträts für den Simplicissimus und stellte u.a. bei Flechtheim sowie bei Cassirer aus. Treffend und unermüdlich dokumentierte Grossmann in seinen Zeichnungen dieser Jahre bis 1933 das Berliner Leben.

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8033

elena popea

(1879 Kronstadt – 1941 Bukarest)

8033 Kostümentwürfe 2 Zeichnungen. Aquarell und Bleistift auf Velin, auf leichten Karton montiert. 1920er Jahre. Ca. 26,5 x 19 cm (Karton). Jeweils unten rechts mit Pinsel in Braun bzw. Lila signiert „Elena Popea“. 600€

Große Nähe zur Eurythmie und zum Ausdruckstanz der Zwanziger Jahre, sowohl hinsichtlich der Bewegungen als auch im Kostüm, zeigen die beiden locker aquarellierten Tanzszenen der Künstlerin. Popea, in Österreich-Ungarn geborene rumänische Malerin der Moderne, zeigt in ihrem Werk die Einflüsse von Impressionismus, Expressionismus und Kubismus. 37


hermann mühlen

(1886 Düsseldorf – 1964 München)

8034 Gebirgslandschaft mit Baum Öl auf Leinwand. 1923. 70,5 x 61,5 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „H. Mühlen“ und datiert. 600€

Das zarte, frische Licht der Vorfrühlingssonne weiß Mühlen im hellen Kolorit und dem duftig-leichten Duktus des recht trockenen Pinsels souverän einzufangen. Den Einfluss Cézannes zeigen Mühlens Landschaften häufig, anders als seine Akte und Figurendarstellungen. Mühlen findet 1904 Aufnahme an der Düsseldorfer Akademie und studiert im Anschluss an der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule und der Münchner Akademie. Studienreisen nach Frankreich, Belgien, Holland und Italien machen ihn mit den verschiedenen Strömungen der modernen Kunst vertraut. Seit 1919 stellt Mühlen regelmäßig im Rheinland und in München aus. Neben Aktdarstellungen, Landschaften, Stilleben und Gemälden mit reli­giöser Thematik entwirft der Künstler auch stilistisch davon sehr abweichende Wandmalereien.

8034

max peiffer-watenphul (1896 Weterling – 1976 Rom)

8035 Landschaft bei Le Brusc Aquarell und Deckweiß über Bleistift auf festem Velin. 1927. 45 x 33 cm (Passepartoutausschnitt). Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „Max Peiffer Watenphul“, datiert und bezeichnet „Le Brusc“. Nicht bei Watenphul/Pasqualucci. 1.200€

Das fein ausbalancierte Bildgefüge in heller Tonalität zeugt von sensibler Erfassung der räumlichen Dimension der Szenerie. Die Darstellung entstand in engem Zusammenhang mit mehreren Aquarellen, die Peiffer-Watenphul 1927 während eines Aufenthaltes in dem kleinen Ort an der Côte d‘Azur schuf (vgl. Watenphul/ Pasqualucci A. 164-166). 1919 wurde er Schüler am Bauhaus in Weimar. Er bekam ein eigenes Atelier und besuchte den Vorkurs von Johannes Itten. In diese Zeit fällt der Beginn der Freundschaft mit Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky, Gerhard Marcks, Josef Albers, Paul Klee, Kurt Schwitters und Else Lasker-Schüler. Ab 1920 war er Mitglied im Künstlerbund „Das Junge Rheinland“ in Düsseldorf und befreundet mit Otto Dix, der ihn porträtierte, Werner Gilles, Otto Pankok und Max Ernst. Der Galerist Alfred Flechtheim nahm Max Peiffer-Watenphul unter Vertrag und sicherte ihm so finanzielle Unabhängigkeit. 1927 bis 1931 war er Lehrer für allgemeinen künstlerischen Entwurf an der Folkwangschule in Essen.

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8035


8036

moshe rosenthalis

(1922 Mariampol/Litauen – 2008 Tel Aviv)

8036 Im Hafen Öl auf Leinwand. 40 x 50 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „M. Rosenthalis“. 750€

Charakteristische, stark abstrahierte Komposition mit zwei dicht beieinanderliegenden Fischkuttern, wohl im Hafenbecken, die gedeckte Tonalität von überraschenden Farbflecken in leuchtendem Rot und Orange durchbrochen. Nach Studien in Kaunas und Wilna trat Rosenthalis 1950 dem Litauischen Künstlerverband bei. 1958 emigrierte er nach Israel, wo er seit 1965 ein Atelier direkt am alten Fischereihafen von Jaffa unterhielt. „Rosenthalis ist ein Maler des Draußen - und dieses Draußen wird in seinem Studio zu ganzen Kompositionen umgewandelt, die vor allem aus Flecken und Farbe bestehen. Wenn man will, kann man ihn als halbabstrakten Maler betrachten.“ (Moshe Ben-Shaul, in: Moshe Rosenthalis, Ausst.-Kat. Berlin 1985, S. 3). 39


8037

käte (kate) orlowsky

max eisenhut

8037 Dame im Gartenlokal Öl auf Malpappe. 1924. 41,2 x 30 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „K. ORLOWSKY“ und datiert.

8038 Frauen im Café Öl auf Leinwand. Um 1920. 46 x 55 cm. Unten links mit Pinsel in Dunkelbraun signiert „M. Eisenhut“, verso auf dem Keilrahmen bezeichnet „223 b“ sowie mit einem unbestimmbaren Ausstellungsetikett, dort bezeichnet.

(1889 Breslau, war tätig in Berlin)

400€

Selbstbewusst und sehr aufrecht sitzt die junge Dame mit dem großen Hut und sportlich-eleganter Kostümjacke alleine im Gartenlokal. Die sommerliche Szene schildert die Künstlerin mit pastosem Farbauftrag und impressionistisch-lockerem Duktus in leuchtendem Kolorit. Käte Orlowsky wurde in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg vor allem für ihre expressiven Frauendarstellungen bekannt, die, von Toulouse-Lautrec beeinflusst, meist moderne, selbstbewusste Damen zeigten. Um 1920 siedelte die Künstlerin nach Berlin über, wo sich ihre Spur in den 1930er Jahren verlor.

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(1899–1983, Basel (?))

500€

Eng beieinander sitzen sie, die Frauen in Rot und Blau, mit Zigaretten und Aperitifs, und sind sich der Gegenwart des einsamen Herren hinten links wohl bewusst. Eisenhut, der wohl in Basel tätig war, schildert seine für die Zwanziger Jahre charakteristische Caféhausszene in dunkel leuchtender, harmonisch abgestimmter Palette mit lockerem Duktus und einem feinen Auge für Details.


8038

8039

bruno krauskopf

(1892 Marienburg – 1960 Berlin)

8039 Warten auf den Tanz Gouache auf Velin. Um 1918-20. 14,2 x 18,3 cm (Passepartoutausschnitt). Unten rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „B.K.“. 450€

Still sitzen die vier jungen Frauen nebeneinander, festlich gekleidet, bereit zum Tanz. Sie warten auf ihre Kavaliere, von denen zwei bereits in den unteren Bildecken auftauchen. Die expressive, pointierte Zeichnung aus Krauskopfs früher Berliner Secessionszeit schildert die reizvolle Szenerie mit lockeren schwarzen Konturen und stimmigem Kolorit. 41


8040

8041

else l. wolff

(um 1917 in Berlin tätig)

8040 Gehöft mit Teich Aquarell auf Velin, ganzflächig auf Unterlagekarton kaschiert. 1922. 29,3 x 38 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Else L. Wolff“ und datiert. 600€ 42

Wenig ist über die Künstlerin, die vermutlich jüdisch war, bekannt. Sie war 1917 auf der Ausstellung von jüdischen Künstlern in der Neuen Kunsthandlung Samuel Margules in Berlin vertreten. Werke u.a. von Michel Fingesten, Joseph Oppenheimer, Erich Wolfsfeld und Fritz Wolff, der vermutlich Elses Mann war, waren ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Unsere Arbeit besticht durch ihre prächtige Farbigkeit und einen expressiven Duktus. Arbeiten von Else L. Wolff finden sich sehr selten im Kunsthandel.


8042

wilhelm kohlhoff

bernhard templin

8041 Strandszene Frankreich Aquarell über Bleistift auf Velin. 1920er Jahre. 23,8 x 30 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Kohlhoff“.

8042 Landschaft mit Gehöft Öl auf Leinwand. 1928. 50,5 x 60,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Hellbraun signiert „B. Templin“ und datiert, verso nochmals signiert und bezeichnet „Düsseldorf“, „Preis 450 Mk.“ sowie „Rheinische Sezession“.

(1893 Berlin – 1971 Schweinfurt)

600€

Wilhelm Kohlhoff, dessen Werk von den Nationalsozialisten diffamiert wurde, gehört zu der Verschollenen Generation. 1918 hatte er gemeinsam mit Heckendorf, Krauskopf und Deierling eine Kunstschule gegründet. Kohlhoffs herausragende Schaffensphase fällt in die Jahre zwischen 1920 und 1930. In den Aquarellen dieser Zeit gibt er der Farbe mehr Raum und zeichnet die Strandszene mit vibrierender atmosphärischer Dichte. „Die Überzeugungskraft, die jene Bilder ausstrahlen, beruht darauf, dass in ihnen auch heute noch die übermäßige Empfindung und die Daseinsfreude zu spüren sind, unter denen sie Kohlhoff gemalt hat.“ (Susanne Keßling, Wilhelm Kohlhoff. Ausgewählte Werke aus öffentlichem und privaten Besitz, Schweinfurt 1993, S. 34).

(1894–1971, Düsseldorf)

450€

Mit kühler Plastizität sind die Häuser gestaltet, die in der nahezu altmeisterlich konzipierten und konstruierten Landschaft liegen und uns das Gemälde im akademischen Stil der Neuen Sachlichkeit verorten lassen. Bernhard Templin studierte ab 1917 an der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf, danach an der Kunstakademie. In den 1920er Jahren gehörte er zur Düsseldorfer Avantgarde und zur Künstlergruppe um Johanna Ey.

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siegfried berndt

(1880 Görlitz – 1946 Dresden)

8043 Landschaft mit Kirche Farbholzschnitt auf Bütten. 1919. 24,8 x 15,1 cm (35,8 x 26,6 cm). Signiert „Berndt“ und datiert. 350€

Prachtvoller, farblich schön abgestimmter Druck mit breitem Rand.

8043

georges rouault (1871–1958, Paris)

8044 De profundis: Faubourg des longues peines (dans la rue) Lithographie auf festem Velin. 1929. 33 x 22 cm (44,5 x 31,5 cm). Signiert „G Rouault“. Auflage 100 num. Ex. Chapon/Rouault 344. 400€

Aus der Folge von sechs Lithographien, entstanden für „La Petite Banlieue“, erschienen bei Editions des Quatre Chemins, Paris 1929, in einer Gesamtauflage von 125 Exemplaren. Ausgezeichneter Druck mit breitem Rand.

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8044


8045

bruno krauskopf

(1892 Marienburg – 1960 Berlin)

8045 Frühlingsbeet Öl auf Leinwand. Vor 1920. 70 x 90 cm. Verso mit Pinsel in Schwarz signiert „Krauskopf, Bruno“, bezeichnet „Berlin“ und „9.2.92 in Marienburg/Westpr.“. 6.000€

Mensch und Natur in stiller Harmonie miteinander zeigt Krauskopfs frühe, frühlingshafte Gartenszene in reduzierter Formensprache, dynamischer Komposition und harmonischem Kolorit. Beide Gärtner bei der Arbeit am Frühbeet sind zwar noch erkennbar, verschmelzen optisch jedoch leicht mit der lebendigen Gestaltung ihrer Umgebung. Die Fragmentierung, zu der Krauskopf in seinen frühen Gemälden dieser Zeit neigt, findet hier in gemäßigter Weise auf allen Bildebenen statt: Die Natur wie auch das gerade gebaute Frühbeet zerfallen in zahlreiche kleine Farbflächen, gestaltet in pastos aufgetragenen Braun-, Grün- und Blautönen, dabei vor allem Krauskopfs damals besonders bevorzugtes Chromoxidgrün. Eine lebhafte Rhythmisierung durchzieht die gesamte Dar-

stellung, wird zugleich aber jedem der Bildobjekte mit einer ganz eigenen Gestaltungsweise gerecht. Krauskopf scheint damit die Darstellung in Schwingungen zu versetzen. Etwa zu derselben Zeit, nämlich 1919, gelingt dem jungen Maler der Durchbruch mit dem heute nicht mehr erhaltenen Gemälde „Das Abendmahl Christi“, damals ausgestellt in der Kestner-Gesellschaft Hannover. In seinem Katalogtext schrieb Joachim Kirchner: „Bruno Krauskopf gehört zu den wenigen selbständigen und zielbewussten Künstlern unserer Zeit, die unbeeinflusst von den marktschreierischen Launen der Mode einsam ihrer Wege gehn - eine Künstlernatur voll spielerischer Phantasien, mit einer Märchenseele begabt (...) Landschaften, reich an geheimnisvollen Farben und von einem mystischen Strahlenglanz übergossen, erstehen vor unseren Augen.“ Seit 1916 ist Krauskopf Mitglied der Berliner Secession, u. a. gemeinsam mit Franz Heckendorf, Karl Hagemeister, Willy Jaeckel, Chris­ tian Rohlfs und Lesser Ury; 1918 wird er in den Vorstand gewählt und ist zudem an der Gründung der Novembergruppe beteiligt. Schon zu dieser Zeit besteht seine Freundschaft zu Wilhelm Kohlhoff. Beide Künstler arbeiten zusammen, stellen gemeinsam aus, z. B. 1919 in der Kestner-Gesellschaft Hannover, und beeinflussen sich gegenseitig. Die Nähe zu Kohlhoff wird auch in diesem expressionistischen Gemälde spürbar. 45


8046

julius hüther

(1881 Cannstatt bei Stuttgart – 1954 München)

8046 Nacktes Mädchen Öl auf Velin, auf Leinwand aufgezogen. 1921. 68 x 43 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „Hüther“ und datiert. 900€

Charakteristisch für Hüthers Schaffen ist das Gemälde des im Freien sitzenden Mädchenaktes nicht allein im Thema und der

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Tonalität, sondern auch im sensiblen, lockeren Duktus und seiner deformativen Tendenz. Besonders in seinem Frühwerk lässt Hüther visionäre und imaginative Bildwelten entstehen. Er zählt stilistisch zum Umfeld der deutschen Expressionisten und gehört zwar nicht der Brücke oder dem Blauen Reiter an, formal und inhaltlich steht er diesen Künstlern aber nahe. Akte im Freien sind ein wiederkehrendes Motiv seines Schaffens. Julius Hüther studiert nach einer Lithographenlehre ab 1900 an der Münchener Akademie bei Gabriel von Hackl und Ludwig von Löfftz. Ab 1905 ist er Mitglied der Künst­ lergilde Die Juryfreien, danach der Münchner Secession und später Ehrenmitglied der Wiener Secession.


franz wiegele

(1887–1944, Nötsch/Kärnten)

8047 Sitzende Frau Bleistift, teils gewischt, auf Velin. 1922. 21 x 17 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Wiegele“ und datiert. 450€

Wiegele gehörte mit seinen Porträts und weiblichen Aktmalereien zu den Wegbereitern der Modernen Malerei in Österreich. Ein Kommilitone Wiegeles an der Wiener Akademie war Egon Schiele, mit dem er bis zu dessen frühem Tod in Kontakt blieb. Aus Unzufriedenheit über den etablierten Lehr- und Kunstbetrieb bildete Schiele 1909 gemeinsam mit anderen Studenten die für die österreichische Moderne maßgebliche „Neukunstgruppe“, zu deren Gründungsmitgliedern auch Franz Wiegele gehörte. Seit 1917 lebte Wiegele für zehn Jahre als freischaffender Künstler in der Schweiz; während dieser Zeit entstand die mit lockerer Hand ausgeführte Studie „Sitzende Frau“.

8047

max schwimmer (1895–1960, Leipzig)

8048 Dame im Café Tusche auf Velin. 1926. 23,2 x 17,7 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „M Schwimmer“ und datiert. 500€

Temperamentvoll und spannungsreich gezeichnetes, frühes Blatt, entstanden kurz nach Schwimmers expressionistischer Phase, die etwa bis 1923 dauerte. „Anders als der genuine Expressionismus der Künstler der ‚Brücke‘ und des ‚Blauen Reiters‘ vor dem Krieg, ist der Nachkriegsexpressionismus eines Max Schwimmer eine politisch unterfütterte Kunst.“ (Peter Barth, Max Schwimmer, Ausst.Kat. Remmert und Barth, Düsseldorf 2016, S. 12). Bald übersiedelte Schwimmer von Leipzig nach Berlin, ins Zentrum des Expressionismus, wo ihn die Mitarbeit an Pfempferts Wochenschrift „Die Aktion“ in die Kreise der fortschrittlichen Künstler und Literaten führte. Frühe Zeichnungen Schwimmers sind selten.

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8049

fritz schirrmacher

(1893 Bartenstein/Königsberg – 1948 Hamburg)

8049 Kind und alter Musikant Öl auf Leinwand. 1927. 87 x 71 cm. Unten links mit Pinsel in Braun signiert „F. Schirrmacher“ und datiert. 800€ 48

Das faltige Gesicht ist tief eingefallen, die Jacke des Musikanten zu eng, die Augen vom Star gezeichnet. Aber die Hände halten fest das Akkordeon. Einen Gegensatz dazu bildet das Kind, andächtig lauschend, ein Bild des blühenden Lebens. Das sozialkritische Motiv rückt die Darstellung in die Nähe der Neuen Sachlichkeit. Nach einer Malerlehre in Bartenstein studierte Schirrmacher zwischen 1919 und 1927 an der Kunstgewerbeschule in Hamburg bei Julius Wohlers und Willy von Beckerath. Die Themen seiner Darstellungen sind bestimmt durch sein Umfeld, oft sind es ein­fache Leute wie Zeitungsfrauen und Handwerksburschen.


curt ehrhardt

(1895 Jerichow – 1972 Schwarz/Hessen)

8050 Herbstlandschaft Aquarell auf graubraunem Velin. 1921. 31,2 x 22,6 cm. Unten mittig in der Darstellung mit Pinsel in Grau sig­niert „C. Ehrhardt“, verso nochmals signiert und datiert. 600€

Die „Niederschrift einer geistigen Bewegung“ sah Curt Ehrhardt in seinen Bildern (zit. nach P. Arlt, Der Maler Curt Ehrhardt, Weimar 2002, S. 79). Sie komme aus dem Künstler selbst, sagte er, als Reflex und Teil einer übergreifenden geistigen Bewegung; seinen Bildern liege im Wesentlichen eine anthroposophische Betrachtungsweise zugrunde. Alle drei Zeiten: Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, will er in seinen Zeichnungen enthalten sehen. Die stille spätherbstliche Szene zeichnet er stark reduziert, in der gedeckten Palette, nahe dem fast monochromen Grau-Braun, das seit 1921 sein Schaffen beherrscht.

8050

curt ehrhardt

8051 Frau und böser Geist Öl auf festem Karton. Um 1920. 50 x 34,6 cm. Unten mittig in der Darstellung mit Pinsel in Schwarz signiert „C. Ehrhardt“. 900€

„Jede wirkende Macht ist real. Ungeheures aber schafft die Trans­ zendenz“, notierte sich Ehrhardt bereits 1918 (zit. nach P. Arlt, Der Maler Curt Ehrhardt, Weimar 2002, S. 82). Prismatisch segmentiert zeigt sich seine Komposition „Frau und böser Geist“, die zart abgestuften Farben vom Gegenstand gelöst, die Bildmotive Frau, Haus und böser Geist stilisiert. Ehrhardt kommt nach dem Besuch einer Ausstellung des „Sturm“ zu der Überzeugung, sich statt den Rechtswissenschaften ganz der modernen Malerei widmen zu müssen, und zwar, wie er sagt, „von neuen geistigen und gesellschaftlichen Gesichtspunkten aus.“ (zit. nach P. Arlt, Der Maler Curt Ehrhardt, Weimar 2002, S. 18). 1918 tritt der gegründeten „Novembergruppe“ bei. Neben der künstlerischen Avantgarde des „Sturm“ und des Blauen Reiters beeinflussen den Künstler zu dieser Zeit seiner künstlerischen Höhepunkte der Futurismus und nicht zuletzt auch der Orphismus Robert Delaunays.

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willy robert huth

(1890 Erfurth – 1977 Amrum)

8052 Gebirgslandschaft Aquarell, Kohle und Pinsel in Schwarz auf Velin. 1920er Jahre. 45,7 x 62 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „W.R.H.“. 800€

In stimmigen, herbstlichen Farben, das Gebirge im Hintergrund effektvoll farbig konturiert, gestaltet Huth die leicht abstrahierte Landschaft. 1928 trat Huth in die Berliner Secession und 1929 in den Deutschen Künstlerbund ein. Der Künstler galt im Dritten Reich als „entartet“ und wurde 1937 mit Ausstellungsverbot belegt, sein Atelier und alle dort befindlichen Werke bei einem Luftangriff auf Berlin zerstört.

hans meyer-kassel

(1872 Kassel – 1952 Genoa/Nevada)

8053 „Polar-Fahrt“ Mischtechnik (farbige Kreiden über Gouache) auf Karton. 1927. 48,3 x 65,3 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „PROF. HANS MEYER-KASSEL“, datiert und betitelt. 350€

Ungewöhnliches, locker und sicher gezeichnetes Motiv, entstanden auf Meyer-Kassels Arktisreise. Von 1892 an studierte und arbeitete Hans Meyer-Kassel für 12 Jahre in München und später in Kassel. 1922 wanderte er, wohl aus wirtschaftlichen Gründen, in die USA aus, wo er seinen künstlerischen Ruf neu begründen musste; er reiste im Auftrag des Norddeutschen Lloyd nach Spitzbergen sowie in die Arktis und stellte die künstlerischen Ergebnisse dieser Reisen 1932 im Brooklyn Museum of Art in New York aus.

heinz fuchs

(1886–1961, Berlin)

8054 Südliche Landschaft Öl auf Leinwand. Um 1925. 42 x 60 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „H. Fuchs“. 900€

Ausgewogen komponierte Landschaft in fein ausbalancierten Rosa- und Grünnuancen, mit trockenem Pinsel tüpfelnd aufgetragen. Heinz Fuchs studierte in Berlin bei Lovis Corinth und in Weimar als Meisterschüler bei Fritz Mackensen. Er war Mitglied der Novembergruppe und nach 1945 Professor an der Hochschule für bildende Künste in Berlin. Der Großteil seiner Werke ging im Zweiten Weltkrieg verloren. 51


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kurt scheele

(1905 Frankfurt am Main – 1944 Smolensk)

8055 „Malcesine“ Aquarell und Feder in Braun auf Velin. 1932. 12,5 x 14,8 cm. Unten mittig mit Feder in Braun signiert „K. Scheele“, unten links datiert, oben links betitelt. 300€

Das frühlingshafte Kolorit und eine stilisierte Formgebung fügen sich zu einer heiteren, frischen Ansicht der Landschaft von Malcesine. Nach dem Besuch der Städelschen Kunstschule unternimmt Scheele ausgedehnte Studienreisen nach Frankreich und Italien, später nach Dänemark, Frankreich, Italien, Norwegen und in die Schweiz. Zu seinem Freundeskreis zählen unter anderem Emil Nolde und Ernst Barlach. In dieser Zeit hat er zahlreiche Einzelausstellungen im In- und Ausland, durch die er internationale Bekanntheit erlangt. Scheele wird jedoch in seiner Tätigkeit zunehmend behindert, und schließlich wird seine Kunst von den Nationalsozialisten als „entartet“ eingestuft. 1943 werden durch einen Bombenangriff sein Berliner Atelier und der größte Teil seines Werkes zerstört, er stirbt 1944 in russischer Kriegsgefangenschaft. Arbeiten von Kurt Scheele sind daher selten.

albert klatt

(1892–1970, Berlin)

8056 Stadt am Meer Aquarell auf genarbtem Velin. 54 x 72 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Klatt“, verso mit dem Nachlaßstempel. 500€

In leuchtender Farbigkeit, die Formen geometrisch vereinfacht, zeichnet Klatt die sonnendurchflutete Stadt am Wasser. Er erhielt seine Ausbildung an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin und an der Kunstschule Berlin unter Phillip Franck und Willi Maillard. Im Jahr 1946 war Klatt Gründungsmitglied der „Berliner Neuen Gruppe“ und lehrte bald darauf Aquarellmalerei an der Hochschule für bildende Künste in Berlin.

isidore van mens

(1890 Blericum – 1985 Oosterhout)

8057 Plaza Ghardaia (Algerien) Öl auf Holz. Um 1930. 33,5 x 49 cm. Unten rechts mit Pinsel in Grün signiert „IS. VAN MENS“ und bezeichnet „Ghardaia“. 600€

Souverän gelingt es dem Autodidakten Isidore van Mens, das nord­ afrikanische Licht und die Wärme bildnerisch umzusetzen. Aus den locker aneinandergesetzten Farbflecken und -tupfen entsteht ein stimmungsvolles Bild des Brunnenplatzes in Ghardaia. Van Mens erreichte in der Öffentlichkeit mit seinen orientalischen Darstellungen Bekanntheit. Seine Motive fand er meist in Nordafrika, insbesondere Marokko, Algerien und Tunesien, in den späten 1920er Jahren auch in Niederländisch-Indien. Er gilt als einer der wenigen belgisch-niederländischen Orientalisten im 20. Jahrhundert. 53


robert pudlich

(1905 Dortmund – 1962 Düsseldorf)

8058 Blumenstilleben Pastellkreiden auf Velin. 1931. 61 x 47 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Pudlich“ und datiert. 450€

Duftige Komposition von Dahlien und bunten Sommerblumen in einer kugeligen Vase. Robert Pudlich war Mitglied der Rheinischen Secession und des Rheinischen Künstlerbundes.

8058

mac kock

(1897–1946, Hamburg)

8059 Surreales Stilleben mit Handschuh und Säule Gouache auf Velin. Um 1930. 45 x 38,3 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Kock“. 350€

Dunkeltonige, surrealistische Komposition des Hamburger Künstlers, in der der schwarze Handschuh ein Eigenleben zu entwickeln scheint. Mac Kock war Meisterschüler von Willy von Beckerath. Nach ausgedehnten Reisen durch Frankreich, England und den Orient wandte er sich dem Surrealismus zu und verband dessen Elemente mit denen der Neuen Sachlichkeit.

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8059


hans michaelson

(1872 Hettstedt – 1954 Guayaquil)

8060 Sommerlicher Garten Ölkreide auf Velin. Vor 1933. 36,2 x 25,5 cm. Unten rechts mit Kreide in Schwarz signiert „Michaelson“. 600€

Michaelson, der sich in unserer Zeichnung als ein begnadeter Kolorist zeigt, wird der Verschollenen Generation zugerechnet. 1914 stellte er im Kunstsalon von Paul Cassirer aus. 1916 bis 1917 beteiligte er sich an drei Ausstellungen der Berliner Secession. Er war auch Gast der Novembergruppe. 1927 gründete Michaelson die Künstlergruppe „Die Sieben“ mit. Sein damaliger Stil wird dem Fauvismus und Impressionismus zugerechnet. Der Beschlagnahmeaktion „Entartete Kunst“ der Nationalsozialisten fiel auch eines seiner Gemälde zum Opfer; 1939 emigrierte er nach Ecuador.

8060

hermann honermann (1915 Lünen)

8061 Landschaft am Niederrhein Aquarell und Kreide in Schwarz auf Velin. 1934. 52 x 39 cm (Passepartoutausschnitt). Unten rechts mit Kreide in Schwarz signiert „Honermann“ und datiert. 350€

Stimmungsvolle frühlingshafte Ansicht der niederrheinischen Flachlandschaft.

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8062

franti Š ek zden Ě k eberl

conrad westphal

8062 Caféhaus Aquarell auf Velin. Um 1930. 65 x 50 cm. Unten rechts mit Pinsel in Grau signiert „Eberl“.

8063 Arkadische Szene Aquarell, Deckweiß, Bleistift und Feder in Schwarz auf festem Velin. 1937. 43,5 x 59,8 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „Westphal“ und datiert.

(1888 Prag – 1962 Paris)

600€

Palmen und die Gewölbe mit Rundbögen verleihen der Caféhausszene eine orientalische Anmutung, die auf Rottöne beschränkte Tonalität zusätzlich Wärme. Nach seinen Studien an der Akademie der bildenden Künste in Prag und Aufenthalten in Stockholm, München und Amsterdam kam Eberl 1911 in den Pariser Stadtteil Montmartre. 1913 begann er in den Salons der französischen Hauptstadt auszustellen. Nach dem Krieg nahm er seine künstlerische Laufbahn mit einer Ausstellung in der Galerie Adamve Adam in Paris wieder auf und zeigte seine Werke fortan kontinuierlich in Galerien wie Bernheim-Jeune und Berthe Weill sowie im Salon des Indépendants, im Salon des Tuileries, im Salon Nationale des Beaux-Arts und im Salon d‘Automne.

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(1891 Berlin – 1976 München)

500€

In den Jahren seines griechischen Exils, zwischen 1934 und 1940, wandte sich Westphal nach abstrakten Anfängen zeitweilig wieder der figürlichen Malerei zu. In dieser Phase entstand die vorliegende, mythologisch-arkadische Szene: Zwei Männer werben um eine liegende, von Schleiern verhüllte Frau. Nach dem Krieg wurde Westphal einer der bedeutenden Vertreter des deutschen Informel.


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8064

lou albert-lasard (1891 Metz – 1969 Paris)

8064 Vorort von Paris Öl auf Leinwand. Um 1930. 50 x 61 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „L. AlbertLasard“, verso mit dem Nachlaßstempel und der Nummer „250“. 1.500€

Sonnenbeschienen führt die Straße vom Bildvordergrund im Bogen nach links. Kleine Läden mit bunten Markisen über den Fenstern säumen die rechte Straßenseite: genau die Szenerie, für die Albert-

Lasard so schwärmte. Sie unternahm noch vor dem Ersten Weltkrieg zahlreiche Reisen durch Europa und fertigte besonders in Paris und an der Cote d‘Azur zahlreiche Arbeiten an. Ganz locker und weich liegen die pastellig abgemischten Farben flächig nebeneinander und verleihen der Szenerie ihre heitere, sonnige Stimmung. Zwischen 1914 und 1916 lebte Albert-Lasard in Wien und München mit dem Dichter Rainer Maria Rilke zusammen und bewegte sich in Künstlerkreisen um Romain Rolland, Stefan Zweig, Paul Klee und Oskar Kokoschka. Sie schloss sich der Novembergruppe in Berlin an und ließ sich 1928 in Paris-Montparnasse nieder, wo sie Freundschaften mit Henri Matisse, Alberto Giacometti und Robert Delaunay pflegte. Provenienz: Nachlass Lou Albert-Lasard 57


8065

julo levin

(1901 Stettin – 1943 KZ Auschwitz)

8065 Französische Küstenlandschaft Öl auf Karton. Um 1930. 21,6 x 27 cm. Unten rechts mit Bleistift (in die feuchte Farbe gekratzt) signiert „LEVIN“. 600€

Ein kraftvoller, expressiver Duktus und reliefhaft pastoser Farbauftrag kennzeichnen das kleine Gemälde Levins, entstanden wohl auf seiner Frankreichreise, die ihn im Sommer 1931 für sechs Monate

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nach Marseille führte. Seit 1919 gehörte der heute der „Verlorenen Generation“ zugerechnete Levin der rheinischen Kunstszene an. Er studierte an der Kunstgewerbeschule in Essen unter Jan Thorn Prikker, folgte ihm 1921 an die Staatliche Kunstgewerbeschule München und dann an die Kunstakademie Düsseldorf. Zu seinen Lehrern gehörten nun auch Heinrich Campendonk und Heinrich Nauen, dessen Meisterschüler er wurde. Von 1925 bis 1932 war er Mitglied der Rheinischen Secession und des Jungen Rheinland, mit reger Ausstellungstätigkeit in Düsseldorf, gefolgt von Ausstellungen in Berlin und in Nürnberg. Bereits im Juni 1933 wurde Levin aus politischen Gründen, durch seine Nähe und Sympathie zu politisch links stehenden Oppositionellen und zur KPD, verhaftet.


8066

heinrich ehmsen (1886 Kiel – 1964 Berlin)

8066 „Puerto de la Cruz“ Öl auf Hartfaserplatte. Um 1930. 38 x 45 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „Ehmsen“, unten rechts betitelt. 1.800€

Mit klaren Konturen und fein abgestimmter Tonalität schildert Ehmsen die Szenerie der Hafenstadt auf Teneriffa, wohl nach einem Postkartenmotiv. Im Bereich der Wellenkämme erzielt der Künstler mit seinem pastosem Farbauftrag einen reliefhaften Effekt. Seit etwa 1924 sind die individuellen stilistischen Merkmale in Ehmsens Malerei deutlich: Expressive Züge verschmelzen mit neusachlichen und veristisch-sozialkritischen Elementen. Im Süden hielt sich Ehmsen 1928 und 1929 auf; die Impressionen dieser Reisen finden ihren Niederschlag in Ehmsens Schaffen. 59


8067

george rogy

(1897–1981, Etterbeek)

8067 Frauenportrait Öl auf bräunlichem Karton. Um 1930. 36,8 x 30,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „G. Rogy“. 750€

Überzeugend abstrahiertes, in erdigen Farbvaleurs gemaltes Frauenbildnis im Dreiviertelprofil. Rogys Stil – meist malte er Aktfiguren, Porträts, Stilleben und Landschaften – war figurativ und wurde kaum von den aktuellen Trends seiner Zeit beeinflusst. Von 1915 bis 1922 studierte er an der Akademie der bildenden Künste in Brüssel bei Emile Fabry, Herman Richir und Constant Montald und war beteiligt an der Weltausstellung 1935 in Brüssel.

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hans purrmann

(1880 Speyer – 1966 Basel)

8068 Akt mit roter Kette Aquarell auf Bütten. 1930. 42,7 x 35,2 cm. Unten rechts mit dem blauen Nachlaßstempel, dort numeriert „2001“. 1.500€

Locker und luftig aquarellierte, sicher und souverän konstruierte Zeichnung des weiblichen Aktes in Halbfigur, sitzend leicht nach rechts gewandt. 1931 entstanden drei Ölgemälde Purrmanns, die jeweils ebenjene Dame mit roter Kette zeigen (Lenz/Billeter 1930/ 38-40), und zu denen unsere Zeichnung als Inspiration gedient haben mag - jedoch ist in den Gemälden die Dame jeweils im Kniestück, mit verschränkten Armen und voll bekleidet wiedergegeben. Auf dem entblößten Oberkörper des Modells in der Zeichnung kommt die Kette wesentlich markanter zum Ausdruck als in den Gemälden. Sie steht im Zentrum des Aquarells und bildet ein optisches Gegengewicht zum lediglich angedeuteten Gesicht der jungen Frau.

8068

rudolf levy

(1875 Stettin – 1944 Norditalien)

8069 Bildnis einer jungen Frau nach links Bleistift auf festem Velin. 1933. 60 x 46,5 cm. Unten links mit Feder in Schwarz signiert „Rudolf Levy“, oben rechts mit Bleistift nochmals signiert und datiert. 450€

Ganz kurz vor seiner Emigration nach Italien zeichnete Levy das detailreich ausformulierte Profilbild der jungen Frau auf einem Sessel. Nach seinen Studien in Paris, u. a. bei Nikolaus Gysis, wurde Levy mit Hans Purrmann und Walter Bondy zum Begründer des Kreises deutschsprachiger Künstler, die im „Café du Dôme“ ihr Hauptquartier hatten. Im Jahr 1919 kehrte der Künstler nach Deutschland zurück, beteiligte sich an der ersten Ausstellung der Gruppe „Das Junge Rheinland“ in Düsseldorf und bewegte sich im Kreis um den Galeristen Alfred Flechtheim. Ab 1927, wieder in Berlin, zählten zu seinem Freundeskreis Berühmtheiten wie Erika und Klaus Mann, Gustaf Gründgens, Erik Charell, Salomo Fried­ laender, Renée Sintenis, Joachim Ringelnatz und Ernst Stern. 1928 wurde er Vorstands- und Jurymitglied der Berliner Secession zusammen mit Hans Purrmann, Charlotte Berend-Corinth, George Grosz und Max Pechstein. Levy gründete 1929, vermutlich in Anlehnung an das Matisse-Schüler-Atelier, eine private Malschule am Kurfürstendamm. In den letzten Berliner Jahren vor seiner Emigration malte er vor allem Porträts und Stilleben.

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josef scharl

(1896 München – 1954 New York)

8070 Stehender männlicher Akt Pinsel in Schwarz auf bräunlichem Velin. 1931. 48,7 x 37,5 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Jos. Scharl“ und datiert. 450€

Locker mit sparsamen Umrisslinien und Binnenkonturen gezeichnete Aktstudie, entstanden bald im Anschluss an Scharls Zeit in Frankreich. Ein Stipendium ermöglichte es dem Künstler, 1930 nach Frankreich zu reisen. Hier lernte er die Werke der Spätimpressionisten kennen.

8070

richard herber

(1899 Biebrich – 1974 Mainz)

8071 Selbst an der Staffelei Öl auf Leinwand. Um 1930. 39 x 27,2 cm. 350€

Expressionistisches Gemälde in leuchtender Tonalität und vehementem Duktus. Nach seiner Ausbildung zum Lithographen besuchte Herber 1920-23 das Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt am Main. Seit 1924 erzielte er erste Erfolge mit Ausstellungen, Besprechungen und Verkäufen, es begann eine Zusammenarbeit mit den Berliner Galeristen Fritz Gurlitt und Karl Nierendorf, auf dessen Drängen sich Herber der Aquarell- und Ölmalerei zuwandte. Zunächst malte er meist sich selber und die Menschen seiner Umgebung, anfangs ganz dem Realismus verpflichtet; bald aber schon vereinfacht, verzerrt und übersteigert er, an Munch orientiert, die Naturformen, setzt große Flächen in starken Farben aneinander, um eigentlich nicht darstellbare innere Vorgänge zu verdeutlichen. Das Ausstellungsverbot der Nationalsozialisten für „entartete Künstler“ traf Herber 1934 und zwang ihn in der Folgezeit zur Pflichtarbeit als Straßenkehrer und Friedhofswärter.

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8071


8072

albert birkle

(1900 Berlin – 1986 Ostermünchen bei Rosenheim)

8072 Gefangen Kohle und Tusche auf Velin. 1945. 38,8 x 55 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Albert Birkle“ und datiert. 900€

Erschütternde sozialkritische Zeichnung Birkles, entstanden direkt am Ende des Zweiten Weltkrieges. Der Blick fällt in die Gefangenenbaracke eines Konzentrationslagers, auf zwei verhärmte Insassen, während vor den Gittern eine mit Orden und Abzeichen dekorierte Aufseherin Wache hält. Birkle selber hatte es nicht leicht in der NS-Zeit: Werke von ihm in öffentlichen Sammlungen wurden als „entartet“ beschlagnahmt und er selbst mit einem Malverbot belegt. Der Künstler meldete sich freiwillig zum Reichsarbeitsdienst, wodurch er vorübergehend dem Militärdienst entgehen konnte. Er arbeitete als Kriegsmaler, Kriegsberichterstatter und musste 1944 einrücken. Er wusste also um die Zustände und zeichnete die Szene sicher aufgrund von eigenen Erfahrungen und Erlebnissen. 1946 erhielt Birkle die österreichische Staatsbürgerschaft. 63


8073

ernst honigberger

charles robert

8073 Ostpreußische Landschaft Aquarell auf strukturiertem Velin. Um 1930. 25,3 x 18 cm. Unten links mit Pinsel in Braun signiert „E. Honigberger“.

8074 Schweizer Landschaft Öl auf Malpappe. Um 1930. 30,3 x 42 cm. Unten rechts mit Bleistift mit dem Künstlersignet.

(1885 Kronstadt/Rumänien – 1974 Wehr/Baden)

500€

Die stimmungsvolle Landschaft zeigt in warmem Kolorit die sommerliche Weite der ostpreußischen Region. In seiner Wahlheimat Berlin stellte Honigberger in den 1920er Jahren mit der Novembergruppe, in der Berliner Secession oder der Galerie NeumannNierendorf aus. Im Zweiten Weltkrieg wurde sein Atelier ausgebombt und ein großer Teil seines Lebenswerkes vernichtet.

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(1923–1960, Le Locle/Neuenburg)

400€

In harmonischer Tonalität erfasste sommerliche Berglandschaft, mit pastosem Farbauftrag locker getüpfelt.


8074

8075

friedrich karl gotsch (1900 Pries – 1984 Schleswig)

8075 Hügellandschaft Pastellkreiden auf Velin. 1937. 46,5 x 61,5 cm. Unten rechts mit Kreide in Braun monogrammiert „F. K. G.“ und datiert. 900€

Zwischen 1933 und 1945 lebte Gotsch in Berlin, und zwar unter schwierigsten materiellen Verhältnissen: Er konnte nicht ausstellen und keine Arbeiten verkaufen. Später wurde fast sein gesamter Atelierbestand durch Bomben zerstört. Schon 1935 wurde Gotsch von der Gestapo verhört, und im Jahr 1936 wurde seine Ausstellung in der Galerie Nierendorf von der Reichskulturkammer geschlossen. Das Pastell zeigt von all dieser Mühsal nichts, sondern stellt die friedliche Landschaft in differenzierter Farbgebung und mit weich gewischtem Farbauftrag dar. 65


8076

8077

carl ernst (karli) sohn-rethel (1882–1966, Düsseldorf)

8076 Positano Öl auf Velin (?), auf Malpappe aufgezogen. Um 1950. 41 x 51 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „K. S.“. 600€

Die abendliche Szene mit Fischerbooten am Strand entstand vermutlich in Sohn-Rethels italienischem Domizil in Positano, wohin

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er während der Herrschaft der Nationalsozialisten emigriert war. 1934 war er mit seinem Freund und Schüler Kurt Craemer in Positano, 1938 verweilte Karli mit seinem Freund Kurt Craemer, Rudolf Levy, Eduard Bargheer, Werner Gilles und Max Peiffer Watenphul in der Künstlerkolonie auf Ischia, 1939 auf der Insel Procida, dann in Florenz, und 1941 schließlich wieder in Positano, wo er bis zu seiner Heimkehr nach Düsseldorf wohnte. Während seiner wichtigsten Schaffensperiode, der Zeit in Positano, sind lokale Szenen, oft Fischer am Strand und fast immer Männer, seine Hauptmotive.


8078

alfred sohn-rethel

arthur degner

8077 Impressionistische Landschaft Öl auf Hartfaserplatte. 54,3 x 63,7 cm. Verso mit dem Nachlaßstempel, dort bezeichnet „Nr. 3“.

8078 „Abendstimmung“ Öl auf Leinwand. 50 x 67 cm (Rahmenausschnitt). Unten links mit Pinsel in Rosarot signiert „Degner“, verso nochmals signiert und betitelt sowie mit den Maßangaben.

(1875 Düsseldorf – 1958 Tübingen)

450€

Unter Einbeziehung des Malgrundes entsteht eine leuchtend helle Landschaftsimpression, die Palette fast ausschließlich beschränkt auf Grün- und Rosatöne, der Duktus von impressionistischer Lockerheit. 1909 schloss sich Alfred Sohn-Rethel mit den Düsseldorfer Malern Julius Bretz, Max Clarenbach, August Deusser, Walter Ophey, Wilhelm Schmurr und seinen Brüdern Otto sowie Karli Sohn-Rethel zusammen und gründete mit ihnen die Gruppe Sonderbund.

(1887 Gumbinnen – 1972 Berlin)

800€

Leuchtende Primärfarben, der dynamische Bildaufbau und ein hoher Abstraktionsgrad verleihen der Komposition „Abendstimmung“ eine besondere Lebendigkeit. Degner versammelt in seinem Gemälde einfache, existenzielle motivische Elemente wie Wiese, Bäume, Haus und Himmel. Mit lockerem, großzügigem Duktus sind die körnigen Farben auf den rauen, unruhig modellierten Malgrund reliefhaft-pastos aufgetragen und oft mit dunklen Konturen voneinander abgegrenzt. Wie auch sein Freund Lovis Corinth und ebenso wie Käthe Kollwitz war Degner einer der wenigen bekannteren Künstler aus den ehemaligen deutschen Ost­ provinzen. Nach seinem Studium bei Dettmann in Königsberg lebte Degner seit 1909 in Berlin, gefördert von Max Liebermann und Lovis Corinth. Bereits 1912 konnte er in der Galerie Paul Cassirer ausstellen. Beinahe sein gesamtes Frühwerk wurde im Krieg bei einem Bombenangriff zerstört. Schon 1945, direkt nach dem Krieg, berief die neu gegründete Hochschule für bildende Künste in Berlin Degner als Professor. 67


8079

hans meyboden

(1901 Verden – 1965 Freiburg)

8079 Landschaft an der Weser Öl auf Holz. 42 x 47 cm. Unten rechts mit Pinsel in Rotbraun monogrammiert „M“. 1.500€

Frühe Arbeit, möglicherweise noch in Verden oder in Bremen entstanden und damit wohl von den impressionistischen und den Worpsweder Gemälden der Kunsthalle beeinflusst, die Meyboden intensiv studierte. Sicherheit in Komposition und Linienführung sowie eine sensible Farbauffassung zeichnen die Darstellung

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aus und lassen die flache Landschaft lebendig vor dem Auge des Betrachters erstehen. Meyboden studierte 1919-1923, als Meisterschüler Kokoschkas, an der Dresdner Akademie. Im „Cicerone“ heißt es zu Meybodens erster Ausstellung 1923 im Erfurter Kunstverein: „In seinen Zeichnungen verbindet sich scharfe Beobachtung und lebhafte Energie der Strichführung mit einem scharfen Gefühl für die innere Geschlossenheit der Gesamtform“ (zit. nach: H.G. Hanne­ sen, Hans Meyboden, Leben und Werk, S. 32). 1929 bis 1933 stellte er in Berlin bei Nierendorf, Buchholz und Paul Cassirer aus. Durch Kriegswirren ging fast das gesamte frühe künstlerische Schaffen verloren.


8080

max clarenbach

(1880 Neuß – 1952 Wittlaer)

8080 Winterliche Flusslandschaft Öl auf Malpappe. 31 x 45 cm. Unten links mit Pinsel in Braun signiert „M. Clarenbach“. 1.800€

Die stimmungsvolle impressionistische Darstellung ist charakteris­ tisch für Clarenbachs Vorliebe für niederrheinische Wintermotive. Seit 1901 hatte Clarenbach ein Atelier in Wittlaer; dort und in der Umgebung der Erft fand der Künstler die Motive, die ihn zeitlebens

beschäftigten. Es entstanden Winterlandschaften mit stillen oder sanft fließenden Gewässern, verschneiten Ufern und spiegelnden Baumsilhouetten. Stilistisch inspirierten ihn die Haager Schule, die École de Barbizon und die französischen Impressionisten. Seine Bildräume bleiben fast immer menschenleer. Diesen reduzierten Motiven gibt er Kraft und Ausdruck durch seinen lebendigen Malstil, der in systematisch nebeneinander gesetzten Pinselstrichen und den silbrig grauen, gedämpften Tönen der Niederländer seine unverwechselbare Charakteristik erhält. Clarenbachs Flussland­ schaft strahlt, wie viele seiner Gemälde, eine fast erhabene Ruhe aus. 69


hans jaenisch

(1907 Eilenstedt – 1989 Nebel auf Amrum)

8081 Ohne Titel 2 Kompositionen recto/verso. Relieftechnik auf braunem Karton. 1947. 51 x 70 cm. Recto unten rechts mit Pinsel in Blau monogrammiert „Jae“. 2.400€

Jaenisch wird 1927 von Herwarth Walden entdeckt und in den Künstlerkreis seiner Galerie „Der Sturm“ aufgenommen. Nach seiner Rückkehr aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft kommt Jaenisch 1946 nach Deutschland und erhält noch in demselben Monat seine erste Einzelausstellung im Berliner Kunstamt Charlottenburg. Zeitgleich unternimmt er den künstlerischen Sprung ins Reliefbild, bei dem die Bildgegenstände vereinzelt werden und so beginnen können, eine Geschichte zu erzählen. Hier spielt sich recto rund um ein menschliches Skelett Spannendes ab: Das Gerippe hält mit beiden Knochenhänden eine kometenartige Steinkugel, ein Fisch kommt wie zur Begrüßung angeschwommen, ein Storchenvogel fliegt darüber hin. Das feine, zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion changierende Bild bringt durch seine angenehm nuancierende Farbigkeit eine besondere Wärme hervor. Die in der körnigen Oberfläche modellierte Reliefstruktur verleiht vor allem den Rundungen besonders viel Plastizität, während die schwarzen Skelettknochen tief in die feuchte Farbe geritzt sind. Verso befindet sich eine weitere Reliefkomposition in Rot und Blau, eine Variation des Motivs „Berliner Luftbrücke“. Bedeutende Komposition aus Jaenischs frühesten Berliner Nachkriegsjahren.

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8081, recto

8081, verso 71


8082

emil van hauth

(1899 Mayen – 1974 München)

8082 Vor der Friedhofsmauer Aquarell, Kohle und Deckweiß auf festem, leicht genarbtem Velin. 49,5 x 61 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „VAN HAUTH“. 600€

Nicht nur das Motiv, sondern auch die herausstechenden weißen Akzente verleihen der Komposition etwas Geisterhaftes. Nach seinen Studien in München, Darmstadt, Paris und Berlin war van Hauth als Maler und Graphiker in Berlin tätig, war Mitglied der Berliner Secession und 1933 deren letzter Präsident bei der Auflösung. Sein Werk zeigt sich früh von der Kunst Max Beckmanns beeinflusst, ab 1925 wechselte er zum Stil der Neuen Sachlichkeit, 1926/27 nach Studienaufenthalten in Paris nahm van Hauth den Stil Cézannes an. Um 1930 besuchte er mehrfach die Künstlerkolonie Ahrenshoop, und wieder änderte er seinen Malstil, diesmal wurden seine Landschaftsbilder wirklichkeitsgetreuer.

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8083

ernst schumacher

(1905 Mönchen-Gladbach – 1963 Berlin)

8083 Verlassene südliche Straße Öl auf Leinwand. Um 1950. 44 x 58 cm. Unten links mit Pinsel in Dunkelrot signiert „Ernst Schumacher“. 1.000€

In große, nahezu geometrisch vereinfachte Flächen teilt Schumacher seine Komposition von expressiver Formgebung und Festigkeit, um die verlassene Straße unter violettem Himmel mit gedämpfter Palette darzustellen. „Wenn man den Künstler nach den Motiven seiner Bilder fragen würde, so wäre die Antwort (...): Raum und raumbildende Form, Höhe und Tiefe, Farbe vor allem, aufblühend in einem Licht, das im Wechselspiel mit den kubischen Motiven die Raumgestaltung übernimmt und die Entfernung zur Tiefe, zur Höhe, zur Weite über den Rahmen hinaus zu erweitern scheint.“ (Edwin Redslob. Der Maler Ernst Schumacher, Berlin o. J., S. 13). 73


thea schleusner

(1879 Wittenberg – 1964 Berlin)

8084 „Bildnisstudie Frau Ingeborg Graef“ Farbige Pastellkreiden auf hellbraunem Velin. 1958. 35,6 x 37 cm. Unten rechts mit Kreide in Schwarz signiert „Thea Schleusner“, verso nochmals signiert, datiert, betitelt und bezeichnet „Pastell zur Bildzeichnung“. 350€

Feinsinnig erfasstes Profilbildnis, den Kopf hält die Dargestellte leicht nach rechts unten geneigt und ist umgeben von flirrendem Farbspiel. Thea Schleusner gehört als Malerin zur Verschollenen Generation. In Berlin nahm sie um 1900 eine private Ausbildung bei Curt Stoeving, Franz Skarbina und Reinhold Lepsius auf. Als ihre Meisterschülerin ging sie für zwei Jahre nach Paris und wirkte an der Pariser Académie Colarossi unter Pinet und Toures und an der Academie Moderne bei Carière, zudem nahm sie Verbindung zu Auguste Rodin, André Gide und Rainer Maria Rilke auf.

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hans jürgen kallmann (1908 Wollstein – 1991 München)

8085 Panflöte spielender Akt Tempera und Pastellkreiden auf Velin, auf Malpappe kaschiert. Um 1950. 90 x 62,5 cm. Oben rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Kallmann“. 800€

Auffällig leuchtende Nuancen von rötlichen und grünen Farbtönen, wie Rosa neben Gelbgrün oder Rostrot neben Grasgrün, und auch die spannungsvolle Komposition verleihen der Zeichnung eine zugleich lebendige und verträumte Ausstrahlung. Möglicherweise entstand die Arbeit während Kallmanns Aufenthalt in Südamerika in den Jahren 1949 bis 1952, und zwar in Venezuela, wo er in Caracas an der Kunstakademie lehrte. Seine Anfangsjahre als Künstler hatte er von 1930 bis 1944 in Berlin verbracht. 1937 wurde er als „entarteter“ Künstler diffamiert und mit Ausstellungsverbot belegt. Seinem expressiven, figürlichen Malstil blieb Kallmann treu, ebenso wie seiner besonderen Mischtechnik aus Pastell und Temperamalerei.

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christian schad

(1894 Miesbach – 1982 Stuttgart)

8086 „Giovanna“ Öl auf feinem Japan, in Passepartout montiert. 1957. 45 x 31,5 cm. Unten rechts auf dem Passepartout mit Bleistift signiert „Christian Schad“ und datiert, unten links betitelt. 900€

Säulengleich ragt der Hals der jungen Giovanna aus dem grün angedeuteten Oberteil, darauf ist der Kopf im Dreiviertelprofil mit Kratzungen und Wischungen ebenso differenziert ausgearbeitet wie die struppige Kurzhaarfrisur. Ein gelbes Strahlen umgibt die Frauenfigur und leuchtet auch aus der architektonischen Komposition rechts im Hintergrund hervor. Ein entschiedener, sicherer Duktus und das feine Spiel der Farbnuancen kennzeichnen das ausdrucksvolle Frauenbildnis.

8086

hans meyboden

(1901 Verden – 1965 Freiburg)

8087 Roma-Mädchen Aquarell auf festem Velin. 1950er Jahre. 52,5 x 31,6 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Hans Meyboden“. 750€

Sicher und zügig zeichnet Meyboden das junge Roma-Mädchen, die Gesichtszüge lediglich zart angedeutet. Trotz des von den Nazis auferlegten Malverbots entschied sich die Kunsthalle Mannheim 1940 für eine Meyboden-Ausstellung, aber dennoch litt der Künstler auch psychisch unter der politischen Situation in Deutschland. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges begann schließlich für ihn eine neue und produktive Schaffensphase, gefolgt von zahlreiche Ausstellungen. 1956 wurde Meyboden an die Kunstakademie Karlsruhe berufen; etwa um diese Zeit herum mag unser Aquarell entstanden sein.

8087 75


8088

freek van den berg

(1918 Amsterdam – 2000 Veessen)

8088 Wiesenlandschaft Öl auf Leinwand. 1965/70. 48 x 57 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz (schwer lesbar) signiert „(...) Berg“. 750€

Mit seinen farbenreichen, frischen Landschaften, mit lockerem und kraftvollem Duktus und pastosem Farbauftrag gemalt, schloss van den Berg an den französischen Fauvismus an. Der Künstler war Mitglied der „Onafhankelijken“ und auch als Kunstkritiker bekannt. 76


8089

werner gilles

(1894 Rheydt – 1961 Essen)

8089 Ischia Aquarell auf Velin. 1950er/60er Jahre. 29,8 x 51 cm. Verso unten rechts mit Bleistift signiert „Gilles“. 900€

Zwischen 1950 und 1961 verbrachte Gilles die Sommermonate in Sant Angelo auf Ischia, wo auch das vorliegende Aquarell entstand. „Dort auf Ischia, das zum alten magna graecia gehört, entdeckt er die Umwelt, die seiner poetisch-philosophisch-grüblerischen Natur entspricht.“ (F. Lingens, in: Werner Gilles, Ausst.-Kat. Galerie Vömel, Düsseldorf 2000, S. 5). Mit ihrer leuchtenden Farbigkeit beeindruckende Arbeit; die Aufsplitterung der Felsformationen in kristalline Strukturen und schwirrende, punktierte Bereiche verleihen der Darstellung einer felsigen Bucht ein beinahe juwelenhaftes Leuchten. 77


8090

hans kinder

(1900–1986, Dresden)

8090 Küstenlandschaft Aquarell und Gouache mit Deckweiß auf Velin. 1958. 44,2 x 57,8 cm. Unten rechts mit Pinsel in Rotbraun monogrammiert „HK“ und datiert. 750€

Souverän mit leichter Hand aquarellierte felsige Küste, wohl bei Ahrenshoop. Von 1957 an hielt sich Kinder im Sommer regelmäßig in Ahrenshoop auf und bezog hier ein kleines Atelier in einer Kate am Grenzweg. Verso ein weiteres Aquarell von Hans Kinder, „Südliche Küste“.

xaver fuhr

(1898 Neckarau – 1973 Regensburg)

8091 Brückenheiliger Öl auf Leinwand. 1964-68. 100 x 70,5 cm. Mittig rechts in der Darstellung signiert (in die feuchte Farbe gekratzt) „X. Fuhr“, verso auf dem Keilrahmen mit dem Nachlaßstempel. Zienicke 421. 4.500€ 78

Mit seinem ganz eigenen, von Kubismus und Neuer Sachlichkeit inspirierten Stil zeigt Fuhr seinen lebendig bewegten Brückenheiligen. Wie häufig, so strukturiert er auch dieses Gemälde durch eine geflechtartige, streng-graphische Linearität, die gemeinsam mit starken Farben und harten Schwarz-Weiß-Kontrasten für Fuhrs Malweise nachhaltig charakteristisch sind. Trotz der gegenständlichen Bildsprache durchdringt dennoch eine individuelle Weltsicht seine Werke und macht häufig Aspekte jenseits des objektiv Dargestellten sichtbar. Den thematischen Schwerpunkt seines Schaffens bilden städtische Motive, Industrieanlagen, Landschaften und Figurendarstellungen. Ab 1934 werden 23 seiner Werke in deutschen Museen beschlagnahmt und 1937 teilweise in der Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ präsentiert, Fuhr selbst wurde mit einem Berufsverbot belegt. Zienicke datiert das Gemälde um 1964/68 und hält es für die Zweitfassung einer um 1931/34 entstandenen Komposition (vgl. Zienicke 121), die jedoch verschollen ist. Provenienz: Galerie von Abercron, München, mit deren Klebeetikett verso auf dem Keilrahmen Ausstellung: Haus am Lützowplatz, Berlin 1968 Museum der Stadt Regensburg 1973 Galerie von Abercron, München 1977/78 (Kat.-Nr. 11)


8091

79


8092

hilde goldschmidt

(1897 Leipzig – 1980 Kitzbühel)

8092 „Venedig“ Mischtechnik auf hellbraunem Karton. Um 1960. 36 x 36 cm. Unten links mit Pinsel in Graublau monogrammiert „HG“, verso mit Bleistift signiert „Hilde Goldschmidt“, betitelt und mit der Ortsangabe „Kitzbühel“. 750€

Breit und rasant gespachtelte Flächen und markante dunkle Punkte lassen in fein abgestimmter Tonalität von Rot und Violett das Bild eines Kanals in Venedig entstehen; aus dem Nebeneinander der Farbvaleurs entsteht eine Schwingung, ebenso wie aus der Kombination runder und eckiger Formen, horizontaler und vertikaler Elemente. Sie gliedern die Bildfläche und verdichten sich zu einer fein ausbalancierten Komposition. Goldschmidts Venedigaufenthalt im Jahr 1960 löste eine entscheidende Wandlung in ihrem Stil aus.

80


8093

alexander sachal

(1924 Kiew – 2020 San Francisco (?))

8093 Stadt am Wasser Öl auf Leinwand. Um 1960. 72,5 x 91 cm. Im linken oberen Bildrand signiert (in die feuchte Farbe geritzt) „SACHAL“. 350€

Im Jahr 1960 ging Sachal nach Spanien, wo möglicherweise die „Stadt am Wasser“ entstand. Pastos trägt er die gedeckten, fein differenzierten Farben mit breitem Pinsel und Spachtel auf und ordnet die Stadtansicht zu geometrisch abstrahierten, kubisch angeordneten und hintereinander gestaffelten Formen. 81


8094

hann trier

(1915 Düsseldorf – 1999 Castiglione della Pescaia)

8094 Ohne Titel Farbige Wachskreiden auf Velin. 1965. 23,8 x 18 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „HTrier“, monogrammiert „HT“, datiert und gewidmet „für John Anthony Thwaites“. 450€

Charakteristische informelle Arbeit von Hann Trier, ausgezeichnet durch ein differenziertes Linienspiel mit komplex verwobenem Bildaufbau. Das Farbenspiel in kontrastierenden, leuchtenden Nuancen von Blau, Gelb und Rot erzeugt eine lebendige Plastizität. Trier widmete das Blatt dem englischen Kunstkritiker und Autor Thwaites.

82

unbekannt

8095 Abstrakte Komposition Öl auf Leinwand. 1960er Jahre. 115 x 66 cm. Unten links in der Darstellung mit Pinsel in Schwarz (schwer lesbar) signiert „ANiehues (?)“. 600€

Spannungsreiche Komposition in Schwarz und Weiß mit wenigen farbigen Akzenten in Rot und Blau. Die stumpfe Oberfläche der weißen Partien lässt die Pinselstruktur sichtbar werden, während die schwarzen Flächen homogen glänzen, so dass ein interessanter Oberflächenkontrast entsteht.


8095

83


8096

edmund kesting

(1892 Dresden – 1970 Birkenwerder)

8096 Komposition Mischtechnik auf Velin. 1950er Jahre. 36,3 x 24,5 cm. Unten links mit Pinsel in Dunkelblau signiert „Ed. Kesting“. 900€

Marmorierte, mit Salztechnik strukturierte, gekratzte und gezeichnete Partien fügen sich zu einer experimentellen Komposition, die ebenso an mikroskopisch sichtbar gemachte Strukturen wie an eine in intensiven Farben schimmernde, geheimnisvolle Unterwasserwelt denken lässt. Seit den späten 1940er Jahren widmete Kesting sich der experimentellen Fotografie und der informellen Malerei.

84


peter herkenrath (1900 Köln – 1992 Mainz)

8097 Abstrakte Komposition Mischtechnik auf Karton. 1960. 60 x 45 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Herkenrath“ und datiert. 600€

Eine Nuance von Rosa durchschimmert die Komposition aus dichtgefügten, einander überlagernden Farbflächen. Deckweiß und schwarze Akzente verleihen ihr Struktur und Räumlichkeit. Die abstrakte Komposition zeigt exemplarisch Herkenraths souveränen Duktus und den sensiblen Umgang mit Farbvaleurs.

8097

8098 Abstrakte Strukturen Mischtechnik auf Karton. Um 1960. 51,5 x 39,3 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Herkenrath“. 600€

Dichte Komposition aus dunkeltonigen Farbformen in mehrschichtigem Farbauftrag. Das Besondere an Herkenraths Malerei ist die eigenständige Position innerhalb des deutschen Informel der 1950er und 1960er Jahre. Von gegenständlicher und postkubistischer Malerei der 1930er Jahre kam er zur abstrakten Malerei ab Mitte der 1940er Jahre. Er malte Bilder, die er „Strukturen“ und „Mauerbilder“ nannte, bei denen er dicke Farbschichten mit Spachteln und Pinseln reliefartig auftrug. Im Jahr 1945 gründete Peter Herkenrath die „Rheinische Künstlergemeinschaft Köln“. In den Jahren von 1952 bis 1955 war er Vorsitzender der „Neuen Rheinischen Secession“.

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8099 86


8100

hermann bachmann

Provenienz: Galerie Wilhelm Grosshennig, Düsseldorf, mit deren Klebeetikett auf der Passepartoutrückseite

8099 „Abstrakt“ Mischtechnik auf Karton. 1959. 73 x 44,3 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Bachmann“ und datiert, verso nochmals signiert, datiert und betitelt.

Ausstellung: Junge Deutsche Maler (o.J.), Nr. 180, mit Ausstellungsetikett auf der Passepartoutrückseite, dort typographisch bezeichnet

Die länglichen grünen und gelben Farbflächen im Wechsel mit grau-glänzenden Partien scheinen gesteinsartig, wie mit einem Spachtel aufgetragen. Hermann Bachmann war ein Vertreter der Halleschen Schule. Im Kreis einer lebendigen Kunstszene um Herbert Kitzel, Willi Sitte und Otto Möhwald wurde er zur tragenden Hauptperson. Anfänglich mit zeitgenössischen Positionen von Malern wie Beckmann, Hofer, Picasso und Cézanne beschäftigt, geriet er bald in den Konflikt mit der offiziellen Kunstdoktrin der DDR. Seine Malerei brachte ihm FormalismusVorwürfe ein, die ihn schließlich 1953 dazu bewogen, Halle zu verlassen und nach West-Berlin an die Hochschule für Bildende Künste zu gehen. Zu seinen Schülern dort gehörten Otmar Alt, Hans-Ulrich Brunner, Barbara Heinisch und Maina-Miriam Munsky.

8100 Ohne Titel Öl auf Leinwand. 1971. 50 x 40 cm. Verso mit Pinsel in Blau signiert „Richter“, datiert und gewidmet.

(1922 Halle/Saale – 1995 Karlsruhe)

750€

heinrich richter

(1920 Inowrocaw/Polen – 2007 Berlin)

500€

Surreal-poetische Figurenkomposition des Berliner Künstlers. Heinrich Richter studierte 1948-55 in Berlin an der Hochschule für Bildende Künste bei Karl Hofer und Hans Orlowski. Ben Wargin stellte ihn aus, Werner Haftmann in der Neuen Nationalgalerie in Berlin, das Museum Schloss Morsbroich sowie Museen und Galerien in Genf, Lausanne, New York, Boston und Washington. 1970 zog er von Berlin nach Paris, wo er ein Atelier am Montparnasse hatte. 87


8101

edmund kesting

(1892 Dresden – 1970 Birkenwerder)

8101 „Darss“ Mischtechnik auf Velin. 1967. 14,7 x 20,8 cm. Unten links mit Faserschreiber in Schwarz signiert „Ed Kesting“, verso nochmals signiert, datiert und betitelt. 600€

Der vielseitige Künstler Edmund Kesting war Maler, Graphiker, Fotograf und Kunstpädagoge. 1961 ließ er sich ein Sommerhaus im norddeutschen Künstlerort Ahrenshoop erbauen. Hier am Darßer Bodden, der ihn zu zahlreichen Werken inspirierte, entstand unsere hübsche kleine, abstrakte Arbeit in leuchtender Farbigkeit.

88


8102

hans kuhn

(1905–1991, Baden-Baden)

8102 Ohne Titel Mischtechnik auf gefalteltem Velin. 1964. 49,5 x 80 cm. Unten mittig in der Darstellung mit Bleistift signiert „HKuhn“ und datiert. 450€

Seit 1950 löst sich Kuhn aus der gegenstandsbezogenen Kunst und verstärkt seine Abstraktionstendenzen soweit, dass er zu ungegenständlichen Kompositionen gelangt. Hier verleiht er der intensiv farbigen, kräftig mit Schwarz akzentuierten Komposition zusätzliche Raumtiefe durch die Knitterung und Faltung des Papiers. Kuhn studiert bei Ludwig Meidner in Berlin und in Paris bei Roger Bissière, begegnet in Italien Werner Gilles, dessen Künstlerkreis er später verbunden bleibt. Nach Ausstellungsverbot, Wehrdienst und Kriegsgefangenschaft wird er von Karl Hofer an die Hochschule für Bildende Künste in Berlin berufen. 89


8103

gustave bolin

(1920 Stockholm – 1999 Antibes)

8103 Abstrakte Komposition Mischtechnik auf festem Velin. Um 1970. 50 x 40 cm. Unten rechts mit Faserschreiber in Grün signiert „G. Bolin“. 450€

Ab 1969 entwickelt sich Bolins Stil von der Figuration zur Abstraktion, ständig auf der Suche nach Unabhängigkeit und Harmonie. Nach seinen Studien an der Académie de la Grande Chaumière und Reisen durch Frankreich, lebt Bolin in Paris und lernt Pablo Picasso, Diego Giacometti, Nicolas de Staël, Charles Rollier, Alexandre Garbell, Pierre Tal Coat, Pierre Courthion und viele weitere Künstler und Kritiker kennen. 1948 widmet ihm die Galerie Pierre Loeb eine Einzel­ausstellung, die ihn nachhaltig beim Publikum bekannt macht.

90


karl ludwig mordstein (1937 Füssen – 2006 Wilzhofen)

8104 „An der Stadtmauer“ Mischtechnik auf Velin. 1978. 22,5 x 24,5 cm (Rahmenausschnitt). Oben rechts mit Bleistift monogrammiert „KM“, datiert und betitelt, verso auf Klebeetikett nochmals datiert, betitelt und bezeichnet „WVZ 475“ sowie „Praslin Seychellen“. 350€

Fein lasierte Zeichnung in erdiger Tonalität. Mordstein studierte ab 1962 an der Werkkunstschule in Augsburg und arbeitete zwei Jahre als Graphiker in München. Später lebte er in Oberbayern und Italien. Er malte häufig in der Technik Aquatec, die einer Acrylmalerei auf Wasserbasis ähnelt.

8104

silva palmeira (1934 Santarém)

8105 Küstenlandschaft Öl auf Leinwand. 1974. 80 x 60 cm. Mittig rechts in der Darstellung mit Pinsel in Blau signiert „Silva Palmeira“ und datiert. 600€

In den strahlenden Farben der portugiesischen Küste und geometrisch abstrahiert erfasst Palmeira die Szenerie mit Wasser und Booten. Ebenmäßig aufgetragene Farben lassen die Leinwandstruktur erkennen und vertiefen den luftigen Charakter der Darstellung.

8105 91


8106

alfred hrdlicka (1928–2009, Wien)

8106 „Die Vorhölle“ Aquatinta mit Kaltnadel auf Velin. 1968. 44 x 59,1 cm (60 x 80 cm). Signiert „Hrdlicka“, datiert und betitelt. Auflage 30 num. Ex. Lewin 299 II. 500€

Aus dem 47 Arbeiten umfassenden Zyklus „Randolectil“, erschienen in 30 Exemplaren. Prachtvoller Druck mit breitem Rand. Beigegeben: Eine weitere signierte Aquatinta von Alfred Hrdlicka, „Casanova am Hof Friedrichs des Großen“, 1974 (Lewin 565, dort seitenverkehrt).

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8107

johannes grützke (1937–2017, Berlin)

8107 Zwiegespräche Pastellkreiden auf grauem Velin. 1970er Jahre. 41,5 x 60 cm. Unten links in der Darstellung mit Kreide in Rotbraun signiert „Johannes Grützke“. 2.500€

Die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Realitäten lag Grützke stets am Herzen, und so separiert er hier die unterschiedlichen Lebenswelten von Männern und Frauen. Zwei Männer und zwei Frauen stehen zusammen, jeweils im Zwiegespräch einander

zugewandt und dabei deutlich vom anderen Geschlecht abgekehrt. In Gestik und Mimik wenden sich die Paare einander auf ganz verschiedene Weise zu, und zugleich ist der jeweils zuhörende Part von Grützke in den Gesichtszügen deutlich ausformuliert, während die beiden sprechenden Figuren im Ungefähren und leicht verschwommen bleiben. Kompositorisch erinnert die Zeichnung an Grützkes Gemälde „Vier männliche Köpfe“ von 1975 (Holeczek 175). Technisch virtuos modelliert der Künstler die Figuren leicht aus der Untersicht mit geschwungenen, zügigen und souveränen Bewegungen, in einem Kolorit aus geisterhaften Grün-, Gelb- und Grautönen auf dem dunkleren Untergrund. 93


8108

jules bissier

(1893 Freiburg i. Breisgau – 1965 Ascona/Tessin)

8108 Ohne Titel Tusche auf Velin. 1969. 50 x 65,3 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Jules Bissier“, datiert und unleserlich betitelt oder bezeichnet. 1.800€

Wunderbar reduzierte, charakteristische Zeichnung Bissiers. Immer ist es in diesen scheinbar ganz einfachen, an ostasiatische Kalligraphie erinnernden Kompositionen eine Synthese von Abstraktion

94

und Spiritualität, die der Künstler anstrebt. Die in seinem Werk häufig zu findende elementare Symbolik von universellen Gegensätzen manifestiert sich in unserem Blatt in der strengen Reduktion auf Schwarz und Weiß sowie in den einander gegenübergestellten, miteinander schwingenden Kreis- und Linienformen, die aus minimalen Gesten des Pinsels resultieren. Es war Willi Baumeister, der Bissier dazu anregte, den Gegenstand in seiner Malerei aufzugeben und mit der Komposition einfacher Grundformen Spannung zu erzeugen. Dieser Anstoß wurde durch die Begegnung mit dem rumänischen Bildhauer Constantin Brâncusi 1930 in Paris noch vertieft, dessen Synthese von Natur- und Kunstform zum Symbol von Bissiers Weltsicht wurde.


8109

loriot (vicco von bülow)

(1923 Brandenburg a. d. Havel – 2011 Münsing)

8109 Wum; Mopsportrait 2 Zeichnungen. Kugelschreiber auf Bütten. 1977/83. Je 25,3 x 15,5 cm. Beide im Unterrand signiert „LORIOT“, datiert und gewidmet. 450€

1970 schuf der große Humorist Loriot den Hund Wum, 1972 erfand er für seinen Sketch „Tierstunde“ die Figur des wilden Waldmopses. Hier zeichnet er seinen Lieblingshund ungehörnt und zufrieden schlafend. 95


8110

louis busman

(1944 Maarssen – 2014 Berlin)

8110 Eisige Küste Öl auf Leinwand. 1984. 65 x 80 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „Louis“ und datiert, verso nochmals signiert und datiert. 300€

Fotorealistisch malt Busman die Meeresküste, und die klirrende Februarkälte spiegelt sich in seiner grau-weiß-braunen Palette ebenso wie in den kristallinen Formen. Allein winzige rote Akzente stehen für die mögliche Anwesenheit von Menschen.

96


8111

wlodzimierz szymanski

(1960 Minsk Mazowiecki, lebt in Warschau)

8111 Tibetanisches Totenbuch Mischtechnik, collagiert, auf handgeschöpftem, leicht strukturiertem Velin. 1990. 71 x 51,5 cm. Verso mit Kugelschreiber signiert „WLODZIMIERZ SZYMANSKI“, datiert und bezeichnet „Warszawa“. 500€

Dichte, ausdrucksstarke Komposition mit geheimnisvollen Inschriften auf den rötlich leuchtenden collagierten Fragmenten und einer intensiven Materialwirkung. Beigegeben: Eine weitere collagierte Zeichnung und eine signierte Lithographie (1993/94) des Künstlers. 97


8112

renate wandel (1948 Berlin)

8112 „Laokoon“ Öl auf Leinwand. 1992. 130 x 120 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „R. Wandel“, datiert und betitelt. 600€ 98

Das antike Thema des trojanischen Priesters Laokoon mit seinen Söhnen im Kampf gegen die Schlange wird bei der Künstlerin zu einem Gewirr von Leibern und Gliedmaßen, die erdigen Valeurs sind sicher und lasierend aufgetragen. Renate Wandel studierte von 1966 bis 1972 an der Berliner Hochschule für Bildende Künste (HfBK, heute UdK) Malerei, Bildhauerei und Baugeschichte. Ihre Werke werden bundesweit in Galerien, Museen und Kirchen ausgestellt.


8113

hans vent

(1934 Weimar – 2018 Berlin)

8113 Frauenakt am Wasser Acryl auf Velin. 1992. 75 x 55 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „VENT“ und datiert. 500€

Ganz im Einklang mit der Natur zeigt Vent die sinnliche Schönheit der badenden Frau. Der energische und dabei doch sensible Auftrag leuchtender Farben spielt mit der Borstenstruktur des breiten Pinsels und hält so die großen Farbflächen in lebendiger Bewegung. Badende, oft knietief im Wasser stehende Frauengestalten finden sich immer wieder in Vents Schaffen; unser Blatt überzeugt mit der Farbintensität und Dichte der Komposition. Hans Vents Laufbahn ist eng mit der Kunsthochschule Berlin-Weißensee verbunden. 99


8114

cayetano navarro (1973 Elche (Elx) / Spanien)

8114 „I want to be your friend“ Collage. Übermalte Illustrierten- bzw. Foto-Ausschnitte, Plexiglas und Heißklebepistole, auf Karton in Objektkasten montiert. 2012. 52,5 x 42,5 x 3,6 cm. Seitlich rechts mit Bleistift signiert „Cayetano Navarro“ und datiert, im Unterrand mit Text des Künstlers. 350€

Vielschichtig collagiertes Objekt des spanischen Künstlers. Navarro studierte an der Miguel Hernández Universität Elche (Elx).

100


register A Albéniz, Laura 8014 Albert-Lasard, Lou 8064 Antoine, Otto 8005 Ausleger, Rudolf 8015-8017 B Bachmann, Hermann 8099 Berg, Freek van den 8088 Berndt, Siegfried 8043 Beyer, Otto 8012 Binder, Josef Friedrich Gustav 8011 Birkle, Albert 8072 Bissier, Jules 8108 Bolin, Gustave 8103 Busman, Louis 8110 C Clarenbach, Max 8080 D Degner, Arthur 8078 Dielmann, Emil 8030 Dill, Otto 8028 Drewes, Werner 8020 E Eberl, Frantisek Zdenenk 8062 Ehmsen, Heinrich 8066 Ehrhardt, Curt 8050-8051 Eisenhut, Max 8038 Erdt, Hans Rudi 8010 F Fritsch, Ernst 8029

Fuchs, Heinz 8054 Fuhr, Xaver 8091 G Gilles, Werner 8089 Goldschmidt, Hilde 8092 Gotsch, Friedrich Karl 8075 Großmann, Rudolf 8032 Grützke, Johannes 8107 H Haase-Jastrow, Kurt 8007 Hauth, Emil van 8082 Hellesen, Thorvald 8018 Herber, Richard 8071 Herkenrath, Peter 8097-8098 Hofmann, Ludwig von 8002 Honermann, Hermann 8061 Honigberger, Ernst 8073 Hrdlicka, Alfred 8106 Hüther, Julius 8046 Huth, Willy Robert 8052 J Jaenisch, Hans 8081 K Kallmann, Hans Jürgen 8085 Kampf, Eugen 8006 Kesting, Edmund 8096, 8101 Kinder, Hans 8090 Klatt, Albert 8056 Kock, Mac 8059 König, Leo von 8022 Kohlhoff, Wilhelm 8041

Krall, Carl 8019 Krauskopf, Bruno 8008, 8039, 8045 Kuhn, Hans 8102 L Lebasque, Henri 8003 Legrand, Mercédès 8013 Levin, Julo 8065 Levy, Rudolf 8069 Loriot (Vicco von Bülow) 8109 MNO Mens, Isidore van 8057 Meyboden, Hans 8079, 8087 Meyer-Kassel, Hans 8053 Michaelson, Hans 8060 Mordstein, Karl Ludwig 8104 Mühlen, Hermann 8034 Navarro, Cayetano 8114 Orlowsky, Käte (Kate) 8037 P Palmeira, Silva 8105 Peiffer-Watenphul, Max 8035 Popea, Elena 8033 Pudlich, Robert 8058 Purrmann, Hans 8068 R Richter, Heinrich 8100 Robert, Charles 8074 Rogy, George 8067 Rosenthalis, Moshe 8036 Rouault, Georges 8044

S Sachal, Alexander 8093 Schad, Christian 8086 Scharl, Josef 8026, 8070 Scheele, Kurt 8055 Schiele, Egon 8000 Schirrmacher, Fritz 8049 Schleusner, Thea 8084 Schlichter, Rudolf 8024 Schlief, Heinrich 8027 Schumacher, Ernst 8083 Schwimmer, Max 8048 Sohn-Rethel, Alfred 8077 Sohn-Rethel, Carl Ernst (Karli) 8076 Szymanski, Wlodzimierz 8111 T Tappert, Georg 8004 Templin, Bernhard 8042 Trier, Hann 8094 UV Unbekannt 8021, 8095 Vent, Hans 8113 WZ Wandel, Renate 8112 Wauer, William 8009 Weiß, Emil Rudolf 8025 Westphal, Conrad 8063 Wiegele, Franz 8047 Wolff, Else L. 8040 Wrba, Georg 8001 Wunderwald, Gustav 8023 Zitzewitz, Augusta von 8031

besitzer 1: 8000, 8001, 8002, 8003, 8004, 8005, 8006, 8007, 8008, 8009, 8010, 8011, 8012, 8013, 8014, 8015, 8016, 8017, 8018, 8019, 8020, 8021, 8022, 8023, 8024, 8025, 8026, 8027, 8028, 8029, 8030, 8031, 8032, 8033, 8034, 8035, 8036, 8037, 8038, 8039, 8040, 8041, 8042, 8043, 8044, 8045, 8046, 8047, 8048, 8049, 8050, 8051, 8052, 8053, 8054, 8055, 8056, 8057, 8058, 8059, 8060, 8061, 8062, 8063, 8064, 8065, 8066, 8067, 8068, 8069, 8070, 8071, 8072, 8073, 8074, 8075, 8076, 8077, 8078, 8079, 8080, 8081, 8082, 8083, 8084, 8085, 8086, 8087, 8088, 8089, 8090, 8091, 8092, 8093, 8094, 8095, 8096, 8097, 8098, 8099, 8100, 8101, 8102, 8103, 8104, 8105, 8106, 8107, 8108, 8109, 8110, 8111, 8112, 8113, 8114. 101


lot 4255. will mcbride. "Brandmauer, near Bernauer Str., Berlin". 1956. Vintage ferrotyped gelatin

silver print.

p h o t o g r a p h y a u c t i o n j u n e 1 6 , 2021

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Katalog Moderne Kunst Teil I und II online unter www.bassenge.com Vorbesichtigung und Auktion finden wie gewohnt als Präsenzveranstaltungen statt

Catalogue Modern Art Part I and II online at www.bassenge.com The preview and auction will take place as usual


V ER ST EIGERU NG S - BEDI NGU NGEN 1. Die Galerie Gerda Bassenge KG, nachfolgend Versteigerer genannt, versteigert als Kommissionärin im eigenen Namen und für Rechnung ihrer Auftraggeber (Kommittenten), die unbenannt bleiben. Die Versteigerung ist freiwillig und öffentlich im Sinne des § 383 III BGB. 2. Der Versteigerer behält sich das Recht vor, Nummern des Kataloges zu vereinen, zu trennen, außerhalb der Reihenfolge anzubieten oder zurückzuziehen. 3. Sämtliche zur Versteigerung kommenden Gegenstände können vor der Ver­steigerung besichtigt und geprüft werden. Die Sachen sind gebraucht. Erhaltungszustände der einzelnen angebotenen Arbeiten bleiben im Katalog in der Regel unerwähnt. Die Katalogbeschreibungen sind keine Garantien im Rechtssinne und keine vertraglich vereinbarten Beschaffenheitsangaben. Gleiches gilt für individuell angeforderte Zustandsberichte. Sie bringen nur die subjektive Einschätzung des Versteigerers zum Ausdruck und dienen lediglich der unverbindlichen Orientierung. Alle Gegenstände werden in dem Erhaltungszustand veräußert, in dem sie sich bei Erteilung des Zuschlages befinden. Soweit nicht in der Katalogbeschreibung explizit erwähnt, sind Rahmungen nicht bindender Bestandteil des Angebots. Der Käufer kann den Versteigerer nicht wegen Sachmängeln in Anspruch nehmen, wenn dieser seine Sorgfaltspflichten erfüllt hat. Der Versteigerer verpflichtet sich jedoch, wegen rechtzeitig vorgetragener, begründeter Mängelrügen innerhalb der Verjährungsfrist von 12 Monaten ab dem Zeitpunkt des Zuschlags seine Ansprüche gegenüber dem Einlieferer (Auftraggeber) geltend zu machen. Im Falle erfolgreicher Inanspruchnahme des Einlieferers erstattet der Versteigerer dem Erwerber den Kaufpreis samt Aufgeld. Die Haftung des Versteigerers auf Schadensersatz für Vermögensschäden – gleich aus welchem Grund – ist ausgeschlossen, es sei denn, dem Versteigerer fiele Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit zur Last. Die Haftung bei Verletzung von Leben, Körper und Gesundheit bleibt unberührt. 4. Der Zuschlag erfolgt nach dreimaligem Aufruf an den Höchst­ bieten­den. Der Versteigerer kann den Zuschlag verweigern oder unter Vor­behalt erteilen. Wenn mehrere Personen dasselbe Gebot abgeben und nach dreimaligem Aufruf kein höheres Gebot erfolgt, entscheidet das Los. Der Versteigerer kann den Zuschlag zurücknehmen und die Sachen erneut ausbieten, wenn irrtümlich ein rechtzeitig abgegebenes höheres Gebot übersehen worden ist oder wenn der Höchst­bietende sein Gebot nicht gelten lassen will oder sonst Zweifel über den Zuschlag bestehen. 5. Im Falle eines schriftlichen Gebotes beauftragt der Interessent den Versteigerer für ihn während der Versteigerung Gebote abzugeben. In schriftlichen Aufträgen ist bei Differenzen zwischen Nummer und Kennwort das Kennwort maßgebend. 6. Telefonische Gebote und Online-Direkt-Gebote über das Internet bedürfen der vorherigen Anmeldung beim Versteigerer und dessen Zustimmung. Für die Bearbeitung übernimmt der

Versteigerer jedoch keine Gewähr. Telefonische und OnlineGebote werden nur akzeptiert, wenn der Bieter bereit ist, den ihm zuvor mitgeteilten Mindestpreis des jeweiligen Loses zu bieten. Auch bei Nichtzustandekommen einer Verbindung gilt, dass für den Auktionator dieses Gebot in Höhe des Mindestpreises verbindlich ist. Für das Zustandekommen einer entsprechenden Telefon- oder Onlineverbindung übernimmt der Versteigerer keine Gewähr. Das Widerrufs- und Rückgaberecht bei Fernabsatzverträgen findet auf solche Gebote keine Anwendung (§ 312d Abs. 4 Nr. 5 BGB). 7. Mit der Erteilung des Zuschlages geht die Gefahr für nicht zu vertretende Verluste und Beschädigung auf den Ersteigerer über. Das Eigentum an den ersteigerten Sachen geht erst mit vollstän­ digem Zahlungseingang an den Erwerber über. 8. Auf den Zuschlagspreis ist ein Aufgeld von 28% zu entrichten, in dem die Umsatzsteuer ohne separaten Ausweis enthalten ist (Differenzbesteuerung) oder ein Aufgeld von 23% auf den Zuschlag zzgl. der USt von z.Zt. 19% (Regelbesteuerung), bei Büchern beträgt die Umsatzsteuer 7% (Regelbesteuerung). Die im Katalog mit einem * gekennzeichneten Objekte unterliegen in jedem Fall der Regelbesteuerung (Aufgeld von 23% auf den Zuschlag zzgl. der USt von z.Zt. 19%). Bei den im Katalog mit einem ^ gekennzeichneten Objekten ist Einfuhrumsatzsteuer angefallen. In diesen Fällen wird zusätzlich zu einem Aufgeld von 25% (Differenzbesteuerung) die verauslagte Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von z.Zt. 7% auf den Zuschlag erhoben. Für bundesdeutsche Kunsthändler und Antiquare, die zum Vor­s teuer­abzug berechtigt sind, kann die Gesamt­rech­nung auf Wunsch, wie bisher nach der Regelbesteuerung ausgestellt werden. Von der Umsatzsteuer befreit sind Ausfuhrlieferungen in Dritt­ länder (außerhalb der EU) und – bei Angabe ihrer USt.-Identi­ fikations-Nr. bei Auftragserteilung als Nachweis der Berechtigung zum Bezug steuerfreier innergemeinschaftlicher Lieferungen – auch an Unternehmen in anderen EU-Mitgliedsstaaten, unter der Voraussetzung, dass sie für gewerblichen Gebrauch einkaufen. Eine Korrektur nach Rechnungsstellung ist nicht möglich. Alle anderen Käufe aus EU-Ländern unterliegen der Umsatzsteuer. Ausländischen Käufern außerhalb der Europäischen Union wird die Umsatzsteuer erstattet, wenn binnen 4 Wochen nach der Auktion der deutsche zollamtliche Ausfuhrnachweis und der zollamt­ liche Einfuhrnachweis des entsprechenden Importlandes erbracht werden. Bei Versand durch uns gilt der Ausfuhrnachweis als gegeben. Bei Online-Live-Geboten über externe Internetplattformen erhöht sich das Aufgeld um die dort anfallende Transaktions­gebühr. Wäh­rend oder unmittelbar nach der Auktion ausgestellte Rech­ nun­­gen bedür­fen einer beson­de­ren Nachprüfung und eventueller Berichtigung; Irrtum vor­behalten. 9. Die Auslieferung der ersteigerten Stücke erfolgt in unseren schäftsräumen gegen Bezahlung. Kreditkarten (Mastercard, Ge­ VISA, American Express), Schecks sowie andere unbare Zahlungen werden nur erfüllungshalber angenommen. Bankspesen/


Transaktionsge­bühren bzw. Kursverluste können zu Lasten des bewahrung erfolgt auf Rechnung und Käufers gehen. Die Auf­ Gefahr des Käufers. Der Versand wird gegen Vorabrechnung des Rechnungsbetrages ausgeführt. Die Versandspesen sowie die Kosten für Versicherung gegen Verlust und Beschä­digung gehen zu Lasten des Käufers. Übersteigen die tatsäch­lichen Versandkosten die vorab berechnete Pauschale, so wird die Differenz dem Käufer nachträglich in Rechnung gestellt. 10. Bei der Ausfuhr von Kulturgütern aus dem Gemeinschaftsgebiet der EG ist gem. der EG-Verordnung Nr. 116/2009 abhängig von Kategorie und Wert des Objekts ggf. eine Ausfuhrgenehmigung erforderlich. Aus Gründen des Artenschutzes können Objekte aus bestimmten, geschützten Materialien (u.a. Elfenbein, Schildpatt, Perlmutt und einige Korallenarten) besonderen Im- und Export­beschränkungen unterliegen. Zum Zwecke des Exports (insbesondere außerhalb der Europäischen Union) kann hierfür eine spezielle Ausfuhrgenehmigung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 338/97 erforderlich sein. Entsprechende Ausfuhrgenehmigungen können nur unter strengen Bedingungen erteilt und ggf. auch gar nicht erlangt werden, auch kann der Import dieser Gegenstände in manche Staaten ein­geschränkt oder untersagt sein. Der Käufer ist selbst dafür verantwortlich, sich über etwaige Im- und Exportbeschränkungen zu informieren. Export und Import entsprechender Objekte erfolgen allein auf Rechnung und Gefahr des Käufers. 11. Der Zuschlag verpflichtet zur Abnahme. Der Kaufpreis ist mit dem Zuschlag fällig. Der Versteigerer ist berechtigt, falls nicht innerhalb von zwei Wochen nach der Versteigerung Zahlung geleistet ist, den durch den Zuschlag zustande gekommenen Kaufvertrag ohne weitere Fristsetzung zu annullieren, Verzugszinsen in banküblicher Höhe – mindestens jedoch 1 % auf den Bruttopreis je angebrochenen Monat – zu berechnen und von dem Ersteigerer

wegen Nichterfüllung Schadenersatz zu verlangen. Der Schadenersatz kann in diesem Falle auch so berechnet werden, dass die Sache in einer neuen Auktion nochmals versteigert wird und der säumige Käufer für einen Minder­erlös gegenüber der vorangegangenen Versteigerung einschließlich der Gebühren des Auktionshauses aufzukommen hat. Zu einem Gebot wird er nicht zugelassen, auf einen etwaigen Mehrerlös hat er keinen Anspruch. 12. Erfüllungsort und Gerichtsstand im vollkaufmännischen Verkehr ist Berlin. Es gilt ausschließlich deutsches Recht. Das UNAbkommen über Verträge des internationalen Warenkaufs (CISG) findet keine Anwendung. 13. Die im Katalog aufgeführten Preise sind Schätzpreise, keine Limite. 14. Der Nachverkauf ist Teil der Versteigerung, bei der der Interessent entweder telefonisch oder schriftlich (im Sinne der Ziffern 5 und 6) den Auftrag zur Gebotsabgabe mit einem bestimmten Betrag erteilt. 15. Die Abgabe eines Gebotes in jeglicher Form bedeutet die Anerkennung dieser Versteigerungsbedingungen. Der Versteigerer nimmt Gebote nur aufgrund der vorstehenden Versteigerungs­ bedingungen entgegen und erteilt dementsprechend Zuschläge. Kommissionäre haften für die Käufe ihrer Auftraggeber. 16. Sollte eine der vorstehenden Bestimmungen ganz oder teilweise unwirksam sein, so bleibt die Gültigkeit der übrigen davon unberührt. David Bassenge Geschäftsführer Stand: Mai 2021


CON DI T IONS OF SA L E 1. The Galerie Gerda Bassenge KG, subsequently called “the auctioneer” carries on business as commission-agent in its own name on behalf of its voluntary con­signors. This auction sale is a public one in the sense of § 383 III BGB. 2. The auctioneer reserves the right to combine, to split, to change or to withdraw lots before the actual final sale. 3. All objects put up for auction can be viewed and examined prior to the sale at the times made known in the catalogue. The items are used and sold as is. As long as not explicitly mentioned in the catalogue description, framing is not an inherent part of the offer. As a rule, the condition of the individual work is not given in the catalogue. Catalogue descriptions are made with as much care as possible, but the descriptions do not fall under the statutory paragraph for guaranteed legal characteristics. The same applies for individually requested condition reports. These also offer no legal guarantee and only represent the subjective assessment of the auctioneer while serv­ing as a non-binding orientation. The liability for damage to life, body or health shall remain unaffected. In case of a justified claim, however, he will accept the responsibility to make a claim for restitution on behalf of the buyer against the consignor within a period of 12 months, running from the fall of the hammer. In the event of a successful claim the auctioneer will refund the hammerprice plus premium. 4. The highest bidder acknowledged by the auctioneer shall be deemed the buyer. In case of identical bids the buyer will be deter­ mined by drawing lots. In the event of a dispute the auctioneer has the absolute discretion to reoffer and resell the lot in dispute. He may also knock down lots conditionally. 5. In the case of a written bid the bidder commissions the auctioneer to place bids on his behalf during the auction. In cases where there is a discrepancy between number and title in a written bid the title shall prevail. 6. Telephone and direct online bidding via the internet must be approved in advance by the auctioneer. The auctioneer cannot be held liable for faulty connections or transmission failure. In such a case the bidder agrees to bid the reserve price of the corresponding lot. For such bidding the regulations of long distance contracts do not apply (Fernabsatzverträge) [cf § 312d IV,5 BGB]. 7. On the fall of the auctioneer’s hammer title to the offered lot will pass to the acknowledged bidder. The successful buyer is obliged to accept and pay for the lot. Ownership only passes to the buyer when full payment has been received. The buyer, however, immediately assumes all risks when the goods are knocked down to him.

8. A premium of 28% of the hammer price will be levied in which the VAT is included (marginal tax scheme) or a premium of 23% of the hammer price plus the VAT of 19% of the invoice sum will be levied [books: 7%] (regular tax scheme). Buyers from countries of the European Union are subject to German VAT. Items marked with an * are subject to the regular tax scheme (premium of 23% of the hammer price plus the current VAT of 19%). Items marked with an ^ are subject to import duty. In these cases in addition to a premium of 25% (marginal tax scheme), the charged import tax of currently 7% will be added to the hammer price. Exempted from these rules are only dealers from EU-countries, who are entitled, under their notification of their VAT ID-Number, to buy on the basis of VAT-free delivery within the European Union. Notification of VAT ID-Numbers must be given to the auctioneer before the sale. For buyers from non EU-countries a premium of 23% will be levied. VAT will be exempted or refunded on production of evidence of exportation within 4 weeks of the auction, or, if appropriate, importation to another country. This is taken as given when the dispatch is effected by us. Live bidding through external online platforms entails a transaction fee stipulated by the platform and will be added to the premium. Due to the work overload of the accounting department during auctions, invoices generated during or directly after an auction require careful revision and possible correction; errors excepted. 9. Auction lots will, without exception, only be handed over after pay­ment has been made. Credit cards (VISA, Mastercard, American Express), checks and any other form of non-cash payment are accepted only on account of performance. Exchange rate risk and bank charges may be applicable. Storage and dispatch are at the expense and risk of the buyer. If the shipping costs exceed the lump sum on the invoice the outstanding amount will be billed separately. 10. According to regulation (EC) No. 116/2009, an export license is necessary when exporting cultural goods out of European Community territory, depending on the type or value of the object in question. 
For the purposes of wildlife conservation, it is necessary to obtain an export license according to regulation (EC) No. 338/97 when exporting objects made from certain protected materials (incl. ivory, tortoiseshell, mother-of-pearl and certain corals) out of the territory of the European Community. Export licenses for objects made of protected materials are only granted under strict conditions or may not be granted at all. The import of such objects may be restricted or prohibited by certain countries. It is the buyer’s responsibility to inform himself, whether an object is subject to such restrictions. Export and import of such objects are at the expense and risk of the buyer.


11. The buyer is liable for acceptance of the goods and for payment. The purchase price shall be due for payment upon the lot being knocked down to the buyer. In case of a delayed payment (two weeks after the sale) the purchaser will be held responsible for all resultant damages, in particular interest and exchange losses. In case of payment default the auctioneer will charge interest on the outstanding amount at a rate of 1% to the gross price per month or part of month. In such an event the auctioneer reserves the right to annul the purchase contract without further notice, and to claim damages from the buyer for non-fulfilment, accordingly he can reauction the goods at the buyer’s expense. In this case the buyer is liable for any loss incurred, the buyer shall have no claim if a higher price has been achieved. He will not be permitted to bid. 12. The place of fulfillment and jurisdiction is Berlin. German law applies exclusively; the UN-Treaty (CISG) is explicitly excluded. 13. The prices quoted after each lot are estimates, not reserves.

14. The after-sales is part of the auction in which the bidder places either by tele­phone or in written form (as stated in number 5 and 6) the order to bid a set amount. 15. By making a bid, either verbally in the auction, by telephone, written by letter, by fax, or through the internet the bidder confirms that he has taken notice of these terms of sale by auction and accepts them. Agents who act on behalf of a third party are jointly and separately liable for the fulfillment of contract on behalf of their principals. 16. Should one or the other of the above terms of sale become wholly or partly ineffective, the validity of the remainder is not affected. In the event of a dispute the German version of the above conditions of sale is valid. David Bassenge As of May 2021


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Bassenge Kunstauktion 117: Eine Berliner Privatsammlung  

Bassenge Kunstauktion 117: Eine Berliner Privatsammlung  

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