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BA S S E N G E

AUKTION 117 MODERNE KUNST TEIL I 12. Juni 2021

Galerie Bassenge . Erdener Straße 5a . 14193 Berlin Telefon: 030-893 80 29-0 . E-Mail: modernart@bassenge.com . www.bassenge.com


I H R E A N S P R E CH PA RT N E R F Ü R D I E S E N KATALO G / E X P E RT S FO R TH I S CATA LO G U E :

Abteilung Moderne und Zeitgenössische Kunst / Department of Modern and Contemporary Art Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den gewünschten Losnummern zu erfragen, da Angaben zum Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog notiert sind. Barbara Bögner Klaus Spermann Sandra Espig Gabriella Rochberg Roberta Keil

+49 (0)30-88 62 43 13 +49 (0)30-88 91 07 91 +49 (0)30-88 91 07 90 +49 (0)30-88 91 07 92 +49 (0)30-88 91 07 94

Simone Herrmann

+49 (0)30-88 91 07 93 s.herrmann@bassenge.com (Gebote)

b.boegner@bassenge.com k.spermann@bassenge.com s.espig@bassenge.com g.rochberg@bassenge.com r.keil@bassenge.com

Die Galerie Bassenge ist Mitglied bei

Eindeutig identifizierbare Werke mit einem Schätzpreis von mindestens 2500 Euro werden vor der Auktion mit dem Art Loss Register abgeglichen.


T ER M I N Ü BER SICH T

AU KT ION 117

MITTWOCH, 9. Juni 2021 Vormittag 10.00 Uhr Druckgraphik des 15. bis 18. Jahrhunderts Nr. 5000-5316 Nachmittag 15.00 Uhr Druckgraphik des 19. Jahrhunderts und des Fin de Siècle Nr. 5317-5429 Miscellaneen und Trouvaillen der Druckgraphik Nr. 5430-5688 des 15. bis 18. Jahrhunderts

DONNERSTAG, 10. Juni 2021 Vormittag

11.00 Uhr

Gemälde Alter und Neuerer Meister mit Portraitminiaturen

Nr.

6000-6228

Nachmittag

15.00 Uhr

Über das Leben hinaus – Die Sammlung Louis Peters, Köln

Nr.

6300-6482

17.00 Uhr

Discoveries (Katalog nur online verfügbar) Nr. 6900-6988

FREITAG, 11. Juni 2021 Nr.

6500-6819

Vormittag

11.00 Uhr

Zeichnungen des 15. bis 19. Jahrhunderts

Nachmittag

15.00 Uhr

Moderne Kunst Teil II (Katalog nur online verfügbar) Nr. 7000-7500

SONNABEND, 12. Juni 2021 Eine Berliner Privatsammlung Auktion zugunsten der neuhland – Hilfe in Krisen gGmbH

Nachmittag

Moderne Kunst Teil I Nr. 8200-8549

14.00 Uhr

Nr.

8000-8114

Vormittag 11.00 Uhr

VORBESICHTIGUNGEN Um einen reibungslosen Ablauf der Vorbesichtigung aufgrund der aktuellen Einschränkungen gewährleisten zu können, bitten wir Sie um eine vorherige Anmeldung per Telefon oder E-Mail. Druckgraphik, Gemälde, Zeichnungen des 15. bis 19. Jahrhunderts, Über das Leben hinaus Erdener Straße 5A, 14193 Berlin Montag, 31. Mai bis Montag, 7. Juni, 10.00–18.00 Uhr, Dienstag, 8. Juni 10.00–15.00 Uhr Moderne Kunst Teil I und II, Eine Berliner Privatsammlung. Auktion zugunsten der neuhland – Hilfe in Krisen gGmbH Rankestraße 24, 10789 Berlin Montag, 31. Mai bis Donnerstag, 10. Juni, 10.00–18.00 Uhr Vorabtermine sind nach Vereinbarung ab Dienstag, dem 25. Mai möglich. Schutzgebühr Katalog: 15 € Umschlag vorne: Los 8258, Piero Dorazio, Umschlag hinten: Los 8351, Ernst Ludwig Kirchner. Umschlag innen links: 8328, Pierre Huyghe (© VG Bild-Kunst, Bonn 2021), Umschlag innen rechts: 8286, Kuno Gonschior. Seite 6 und 7: Los 8376, Fritz Kreidt


E XP ERTEN | SPECIAL IST S Geschäftsführung | Management David Bassenge +49 (0)30-893 80 29-17 david@bassenge.com Kunstabteilung | Art Department Leitung 15. bis 19. Jahrhundert Dr. Ruth Baljöhr +49 (0)30-893 80 29-22 Head of Department 15th to 19th Century r.baljoehr@bassenge.com Graphik und Handzeichnungen des David Bassenge +49 (0)30-893 80 29-17 15.–19. Jahrhunderts, Gemälde david@bassenge.com Prints and Drawings 15th to 19th Century, Paintings Lea Kellhuber +49 (0)30-893 80 29-20 l.kellhuber@bassenge.com Nadine Keul +49 (0)30-893 80 29-21 n.keul@bassenge.com Harald Weinhold +49 (0)30-893 80 29-13 h.weinhold@bassenge.com Leitung Moderne und Zeitgenössische Kunst Barbara Bögner +49 (0)30-88 62 43 13 Head of Department 20th Century and Contemporary Art b.boegner@bassenge.com Simone Herrmann +49 (0)30-88 91 07 93 s.herrmann@bassenge.com Sandra Espig +49 (0)30-88 91 07 90 s.espig@bassenge.com Gabriella Rochberg +49 (0)30-88 91 07 92 g.rochberg@bassenge.com Roberta Keil +49 (0)30-88 91 07 94 r.keil@bassenge.com Berater | Consultants Klaus Spermann +49 (0)30-88 91 07 91 k.spermann@bassenge.com Jörg Maaß +49 (0)170 - 486 90 64 j.maass@bassenge.com Photographie | Photography Leitung | Head of Department Jennifer Augustyniak +49 (0)30-21 99 72 77 jennifer@bassenge.com Elmar F. Heddergott +49 (0)30-21 99 72 77 e.heddergott@bassenge.com Buchabteilung, Autographen | Books, Autographs Leitung | Head of Department Dr. Markus Brandis +49 (0)30-893 80 29-27 m.brandis@bassenge.com Harald Damaschke +49 (0)30-893 80 29-24 h.damaschke@bassenge.com Dr. Cosima Kristahn +49 (0)30-893 80 29-48 c.kristahn@bassenge.com Stephan Schurr +49 (0)30-893 80 29-15 s.schurr@bassenge.com Autographen | Autographs Dr. Rainer Theobald +49 (0)30-4 06 17 42 r.theobald@bassenge.com Logistik Management | Logistics Ralph Schulz +49 (0)30-893 80 29-16 r.schulz@bassenge.com Sekretariat | Office Anja Breitenbach +49 (0)30-893 80 29-12 a.breitenbach@bassenge.com Ellen Rusczyk +49 (0)30-893 80 29-33 e.rusczyk@bassenge.com Repräsentanzen | Representatives Rheinland Dr. Mayme Francis Neher +49 (0)175 - 204 63 23 info@mayme-neher.de Dänemark Peter Titelbech + 45 (0)2383 - 2448 p.titelbech@bassenge.com Italien Dr. Chiara Erika Marzi + 39 333 9924 868 c.marzi@bassenge.com


AUKTION MODERNE KUNST TEIL I Erdener Straße 5a, 14193 Berlin

Vorbesichtigung Rankestraße 24, 10789 Berlin Montag, 31. Mai bis Donnerstag, 10. Juni 2021

Der Katalog Moderne Kunst Teil II erscheint online, die Auktion findet als Präsenzveranstaltung statt


lou albert-lasard (1891 Metz – 1969 Paris)

8200 Affen im Zoo Öl auf fester Malpappe. 52 x 37 cm. Verso mit dem Nachlaßstempel „Lou Albert-Lasard“ und der Werknummer „277“. 800€

Nach Stationen in München, Zürich und Ascona verbrachte Lou Albert-Lasard beinahe ein Jahrzehnt in Berlin. Sie malte überall, wo sie lebte, mit Vorliebe Bars, Cafés, Parks und den jeweiligen Zoo. In bunten Farben gibt sie in unserem Gemälde ein Affenpaar wieder, das sich unmittelbar am Zaun befindet. Das stehende Männchen links im Bild scheint mit interessiertem, leicht provokantem Blick auf die Welt hinter den Zaun zu blicken. Obwohl Albert-Lasard fest zur Künstlerszene in Berlin gehörte, kehrte sie 1928 aufgrund des aufkommenden Nationalsozialismus wieder zu ihrer künstlerischen Wirkungsstätte Paris zurück. Provenienz: Atelier der Künstlerin Privatbesitz Paris

8200

8201 Porträt einer jungen, asiatischen Frau mit rotem Schal, sitzend Öl auf Leinwand. Um 1938. 73 x 60 cm. Verso mit dem Nachlaßstempel „Lou Albert-Lasard“ und der Werknummer „259“. 750€

Albert-Lasard hatte sich als Porträtistin im Laufe ihrer Karriere einen Namen gemacht, berühmte Persönlichkeiten wie Rainer Maria Rilke, Albert Einstein und Marc Chagall saßen ihr Modell. Vorliegendes, einfühlsames Bildnis einer attraktiven jungen Frau entstand vermutlich auf ihrer Asienreise, die 1938 begann und die Künstlerin u.a. nach Indochina führte. Provenienz: Atelier der Künstlerin Privatbesitz Paris

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8201


8202

lou albert-lasard

8202 Junges Mädchen und zwei Jungen in Indochina Öl auf festem Malkarton. Um 1938. 102 x 72,5 cm. Verso mit der Werknummer „8“. 1.800€

Eine ihrer zahlreichen Reisen führte Lou Albert-Lasard 1938 in die Länder Südostasiens. Sie beobachtete Menschen, Städte sowie Landschaften sehr genau und hielt das Gesehene in Zeichnungen und Aquarellen fest. Die Aquarelle der Reise zeigte sie 1939 mit großem Erfolg in der Pariser Galerie Charpentier. Nach der Rück-

kehr von ihren Reisen schuf sie anhand der mitgebrachten Zeichnungen auch Gemälde. Sie griff dabei auf die Farbigkeit und Dynamik ihrer Bilder aus den 1920er Jahren zurück, was bei vorliegender Arbeit im Vergleich mit den frühen Ölbildern deutlich zu sehen ist. Unser Gemälde demonstriert, mit welchem detaillierten und liebevollen Blick sie Alltagszenen der Landbevölkerung auf ihren Reisen einfing. Provenienz: Atelier der Künstlerin Privatbesitz Paris 9


georg baselitz

(1938 Deutschbaselitz/Sachsen, lebt in Buch am Ammersee)

8203 „Büsche“ Bleistift, teils gewischt, auf Velin. 1969. 43,5 x 58 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „G. Baselitz“, datiert und betitelt, rückseitig bezeichnet „Büsche 70“ sowie „Hein (?) 10m schwarze 55/70 E gruss L.“. 20.000€

Vehement geführte Schraffuren überschneiden sich, stoßen aus unterschiedlichen Richtungen aneinander, verdichten einander und artikulieren sich zu struppigen Gebüschen. Weil die Darstellung um 180° gedreht ist, balancieren die Kronen in der Leere der unteren Bildzone, während Unterholz und Wurzelwerk, bloß an­ gedeutet, sich nach oben zu recken scheinen. Genau in ebendiesem Jahr, 1969, und mit einem Bild vom umgedrehten Wald, begann Baselitz damit, seine Bilder um 180° zu drehen, sie also „auf den Kopf zu stellen“. Und damit also genau so zu malen, wie die Bilder der Außenwelt auf der Netzhaut des menschlichen Auges ankommen, bevor das Gehirn sie umdreht, damit wir die Objekte richtig herum sehen. Mit diesem Schritt zur Abstraktion wollte er dem Betrachter die Eigenständigkeit der Malerei gegenüber der herkömmlichen Wirklichkeit vor Augen führen, ihn nicht mehr mit einem persönlichen Inhalt ablenken,

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sondern direkt mit der Organisation der Bildfläche konfrontieren. Diese Bilder ohne Inhalt, aber eben doch nicht ungegenständlich, verweigern sich einer Interpretation und rufen stattdessen zur reinen Betrachtung auf - eine neue Art zu malen, die Baselitz bald zu weltweiter Berühmtheit verhalf. Provenienz: Galerie Fred Jahn, München Galerie Michael Haas, Berlin Ausstellung: Sternstunde. 100 Zeichnungen, Galerie Michael Haas, Berlin 2016 Hommage à Georg Baselitz, Contemporary Fine Arts, Berlin 2018 Literatur: Sternstunde. Zeichnungen, Ausst.-Kat. Galerie Michael Haas, Berlin 2016, S. 59 (mit Farbabb.) Hommage à Georg Baselitz, Ausst.-Kat. Contemporary Fine Arts, Berlin 2018, S. 24 (mit Abb.) Angelika Platen. 5 Meister im Visier, Ausst.-Kat. Galerie Haas, Zürich 2019, S. 32 (mit Abb.)


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8204, Martin Kippenberger

sammlung benjamin katz

8204 66 individuell gestaltete Schecks bedeutender Künstler*innen aus der Sammlung Benjamin Katz 49 Orig.-Euroschecks, 2 Barschecks, 11 Kopien von Euroschecks, 3 Gelatinesilberabzüge, 1 C-Print, zum Teil mit Zeichnungen in verschiedenen Techniken, teilweise mit handschriftlichem Text versehen, einige mit Serigraphie, in Gruppen unter Passepartouts montiert. 1980-1992. Je ca. 8,5 x 15 cm. Meist signiert, teilweise datiert und gewidmet. 60.000€

Enthalten sind Arbeiten folgender Künstler: Curtis Anderson (1 + Kopie) Arman 1981 (1, signiert und datiert) Charly Banana 1985 (1, signiert und datiert) Georg Baselitz 1990 (1 + Kopie, signiert und datiert) Joseph Beuys 1981 (1 + Kopie, signiert und datiert) Michael Buthe 1982 (1, signiert und datiert) Daniel Buren 1981 (1, signiert und datiert) James Lee Byars (1) Enzo Cucchi 1982 (1, signiert und datiert) Robert Filliou 1991 (1, signiert und datiert) Günther Förg 1986 (1, signiert und datiert) Peter Fischli & David Weiss 1987 (1, signiert und datiert) Gilbert & George (1, signiert) Paul Graham (1 + Kopie, signiert) Peter Herkenrath 1989 (1 + Kopie, signiert und datiert) Georg Herold 1990 (1 + Kopie, signiert und datiert) Antonius Höckelmann 1982 (1, signiert und datiert) Jörg Immendorff 1983 (1, signiert und datiert) Allen Jones (1 + Kopie, signiert) Donald Judd 1988 (1, signiert)

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André Kertesz (1, signiert und datiert) Mike Kelley 1989 (1 + Kopie, signiert) Hubert Kiecol 1991 (1, signiert) Martin Kippenberger 1988 (1, signiert und datiert) Per Kirkeby 1982 (1, monogrammiert und datiert) Jonathan Lasker 1985 (1, monogrammiert und datiert) Jac Leirner (1 + 1 Kopie, signiert) Rainer Mang (1 + Kopie, signiert und datiert) Stephan Mc.Kenna 1984 (1, signiert und datiert) Helmut Middendorf 1989 (1 + Kopie, signiert und datiert) Roy Lichtenstein (1, signiert und datiert) Markus Lüpertz 1982 (1, signiert und datiert) Claes Oldenburg 1982 (1, signiert und datiert) C.O. Paeffgen 1982 (1, signiert und datiert) Nam June Paik 1982 (1, signiert und datiert) A.R. Penck 1982 (1, signiert und datiert) Michelangelo Pistoletto 1992 (1, signiert und datiert) Gerhard Richter 1982 (1, signiert und datiert) Emil Schumacher 1989 (1, signiert) Helmut Schweizer 1992 (4 + 2 Kopien. 1 Ex. signiert und datiert) Daniel Spoerri 1982 (1, signiert und datiert) Rosemarie Trockel 1990 (6, signiert, teils datiert) Günther Uecker 1982 (1, signiert und datiert) Andy Warhol 1980 (1, signiert) Beigegeben: Ascan Crone (1, signiert) Jan Hoet, 1991 (1, signiert und datiert) Rudi Fuchs (1, signiert und datiert) Thomas Walther 1982 (1, signiert und datiert) Weitere Abbildungen finden Sie online.


8204, Per Kirkeby

8204, Emil Schumacher

8204, Claes Oldenburg

8204, Michael Buthe

8204, Jonathan Lasker

8204, A. R. Penck

8204, Georg Baselitz

8204, Georg Baselitz (Kopie) 13


Die besondere Beziehung zwischen Kunst und Geld ist ein Terrain, das bereits zahlreiche Künstler zur Auseinandersetzung reizte. Anekdoten über Marcel Duchamp und Pablo Picasso, die einen Geldscheck als Zeichenunterlage nutzten und als Tauschwert in Umlauf brachten, zählen zum Diskurs über Geldwert und Kunstwert. Die Sammlung gestalteter Künstlerschecks aus dem Besitz von Benjamin Katz stellt dabei ein außergewöhnliches, historisches, künstlerisches und zugleich persönliches Projekt dar. Die skizzenhafte Darstellung einer menschlichen Gestalt, womöglich einer kleinen Heldenfigur, ziert den Euro-Scheck von Georg Baselitz als Klappansicht. Rosemarie Trockel nutzt das Format eines Schecks der Stadtsparkasse Köln gleich für eine 6-teilige Serie kleiner Prints, in denen sie sich motivisch gekonnt auf ihre eigene Arbeit sowie auf den Namen des Empfängers bezieht. Per Kirkeby hinterlässt eine feine, im Duktus charakteristische Gouache und Jac Leirner überklebt das Papier eines Deutsche Bank Schecks mit einer Collage. Die kreative Kraft des Menschen sei das eigentliche Kapital, fand der Aktionskünstler Joseph Beuys und ganz getreu diesem Ansatz loten die Künstler die motivischen Möglichkeiten der Vorlage individuell aus. Andere beteiligte Akteure des Projektes, das der Fotograf Benjamin Katz in über 10-jähriger Sammlertätigkeit zusammengetragen hat, beziehen sich, mit oft humoristischen Kommentaren, auf das formale Format des Trägers. C.O. Paeffgen überträgt dem Empfänger „Eintausendstel Pfennig“ und wird durch die „10 Milliarden Dollar“ von A.R. Penck überboten. Der Kunstsammler Thomas Walther erfindet mit „Double digit Dukatzen“ gleich eine fiktive Währung für den Projektinitiator. Die Beziehung zwischen dem ästhetischen Wert und dem ökonomischen Wert wird hier mit unterschiedlichen Ansätzen überprüft. Darüber hinaus wird der Euroscheck, einst gedacht als verbindende Währung und Vereinigung der Staaten, hier zur Verbindung der modernen Kunstwelt. Die Sammlung nimmt einen spontanen Anfang bei einer Begegnung zwischen dem Fotografen und Andy Warhol im Jahr 1980, bei einer Veranstaltung in Köln. In den folgenden Jahren wird aus einem ersten intuitiven Einfall die Inspiration für ein systematisch verfolgtes Vorhaben und weitere Kollegen und Kunstwelt-Akteure werden um ihren Beitrag gebeten. Dabei sind viele der Werke das Ergebnis einer persönlichen Begegnung oder werden per Post als freundschaftliches Zeichen der Kooperation übermittelt. Benjamin Katz wird als Wegbegleiter der Kunst in Westdeutschland bekannt und fotografiert seit den 1980er Jahren die Akteure und das gesellschaftliche Treiben der Kunstszene. Seine ikonischen Künstlerportraits von Gerhard Richter, Georg Baselitz, Per Kirkeby u.v.m. erlangen durch zahlreiche internationale Ausstellungen Bekanntheit. Der außergewöhnliche Reiz der Auseinandersetzung von Künstlern mit der Beziehung zwischen Kunst und Geld spiegelt sich in diesem Projekt exemplarisch wider. Das Konvolut ergänzt Benjamin Katzs fotografische Dokumentation seiner Zeitgenossen um eine weitere Ebene: In diesem unikaten Projekt vereint sich das Who ist Who der Kunstszene der 1980er und 1990er Jahre zu einem unvergleichbaren Beitrag in einem unerschöpflichen Diskurs.

Gerhard Richter, © Benjamin Katz, VGG Bild-Kunst

Ausstellung: Les couleurs de l‘argent, Musée de La Poste, Paris 1991/1992 Literatur: Les couleurs de l‘argent, Ausst. Kat. Musée de La Poste, Paris 1991/1992, S.162-167

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Per Kirkeby, © Benjamin Katz, VGG Bild-Kunst


8204, Rosemarie Trockel

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8205

ernst barlach

(1870 Wedel – 1938 Rostock)

8205 Der neue Tag Kreidelithographie auf rauem, gräulichem Velin. 1932. 31,5 x 43 cm (53 x 70,2 cm). Signiert „EBarlach“. Auflage ca. 150 Ex. Schult 294. 1.200€

Erschienen als Jahresgabe des Deutschen Kunstvereins 1932. Prachtvoller Druck mit sehr breitem Rand.

8206 Kniende Frau mit sterbendem Kind Holzschnitt auf JWZanders-Bütten. 1919. 22,8 x 32 cm (36,4 x 45 cm). Signiert „EBarlach“. Auflage 100 num. Ex. Schult 160. 1.200€ 8206 16

Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand, an allen vier Seiten mit dem Schöpfrand.


8207

paul baum

(1859 Meissen – 1932 San Gimignano)

8207* Vorfrühlingslandschaft am Lago d‘Averno bei Neapel Bleistift, Kreide in Schwarz und Aquarell auf C & I HonigBütten. 1899. 37,6 x 48,3 cm. Unten rechts mit Kreide in Schwarz signiert „P. Baum“ und datiert, rückseitig mit Farbangaben. Hitzeroth Ky 14v (dort mit den Maßen des Passepartoutausschnittes). 2.200€

Beinahe wie skulpturale Gestalten stehen die jungen, noch winterlich kahlen Bäume vor der sanft hügeligen Seelandschaft. Zarte Nuancen von Gelb, Rosa, Blau und Grün künden jedoch vom kommenden Frühling. Die zauberhafte Vorfrühlingslandschaft des Künstlers ist in ihrem filigranen Lineament und der kleinteiligen Gestaltung, die immer dem großen Zusammenhang dient, charakteristisch für diese Schaffensperiode um 1900, in der der Künstler in den Wintermonaten den Mittelmeerraum, unter anderem Neapel, Capri und Sizilien bereist. Als reiner Landschaftsmaler

zeigt sich Paul Baum früh vom französischen Impressionismus inspiriert, geht dabei stets von der Situation aus, die er vorfindet und bindet sie mit seiner großen koloristischen Begabung in eine eigene Aussage ein. Angeregt durch die Begegnung mit Théo van Rysselberghe, entwickelt Paul Baum um 1900 seine ganz eigene Variante des Neoimpressionismus und prägt diese Stilrichtung in Deutschland entscheidend mit. Große Erfolge feiert er mit Ausstellungen bei Paul Cassirer in Hamburg und Berlin, gemeinsam mit französischen Neoimpressionisten, und bei Harry Graf Kessler im Großherzoglichen Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Provenienz: Arnold Bantzer Privatsammlung Norddeutschland Literatur: Paul Baum, Ausstellungshefte der Städtischen Kunstsammlungen zu Kassel, Heft 6, Kassel 1959, Nr. 163 (dort mit den Maßen des Passepartoutausschnittes) Wolfram Hitzeroth, Paul Baum (1859-1932). Ein Leben als Landschaftsmaler, Marburg 1988, Nr. Ky 14 v, S. 571 17


8208

willi baumeister (1889–1955, Stuttgart)

8208 Sentimentalisches Bild Lithographie auf Velin. 1919. 19 x 31 cm (29,8 x 46 cm). Signiert „Baumeister“. Spielmann/Baumeister 61 b. 600€

Spielmann/Baumeister bezeichnen das Papier als „Bütten“. Unser Exemplar erschien als Variante in kleiner Auflage in Höhe von 31 Exemplaren in der Mappe der „Üecht“-Gruppe, Stuttgart. Das Blatt 2 der Mappe in einem ausgezeichneten Druck mit dem vollen Rand.

8209 Linienfiguren mit hellen Flächen Farblithographie auf leicht strukturiertem Velin. 1934. 40 x 31,5 cm (59,5 x 46 cm). Signiert „Baumeister“. Auflage 40 Ex. Spielmann/Baumeister 89. 1.200€

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Außerhalb der Auflage und der unsiginierten Probedrucke. Ganz ausgezeichneter Druck mit breitem Rand, unten mit dem vollen Rand.


willi baumeister

8210 Steintraube Farblithographie auf Similijapan. 1952. 32 x 30 cm (49 x 35,5 cm). Signiert „Baumeister“, datiert und bezeichnet „Probedruck“. Spielmann/Baumeister 166 b (von d). 750€

Spielmann/Baumeister vermuten, dass die Probedrucke in einer Auflage von lediglich 17 Exemplaren gedruckt wurden. Prachtvoller, in den farblichen Werten nuancenreicher Druck mit schmalem Rand.

8211 Begegnung Lithographie auf leichtem Karton. 1952. 29 x 41 cm (45,5 x 57,5 cm). Signiert „Baumeister“. Auflage 100 num. Ex. Spielmann/Baumeister 171 b (von c). 1.200€

Die Auflagenangabe ist laut Spielmann/Baumeister widersprüchlich. Während sie von 40 Exemplaren ausgehen, nennt Valentien 100 Exemplare (Nr. 79). Ganz ausgezeichneter, kräftiger Druck mit dem vollen Rand.

8210

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max beckmann

(1884 Leipzig – 1950 New York)

8212 Vierte Klasse II Radierung und Kaltnadel auf Velin. 1913. 19,6 x 14,8 cm (52,3 x 38,2 cm). Signiert „Beckmann“. Auflage 90 Ex. Hofmaier 58 C (von D). 1.500€

Prachtvoller, gratiger Druck mit dem vollen Rand.

8213 In der Trambahn Kaltnadel auf festem Velin. 1922. 28,8 x 43,9 cm (37,5 x 53,8 cm). Signiert „Beckmann“. Auflage 100 Ex. Hofmaier 235 III B c (von d). 3.000€

Mit einem kantigen, technisch sicheren Zeichenstil und glasklaren, harten Konturen erfasst Beckmann das Motiv der drei Passagiere im Trambahnwaggon. Ein Teil der Auflage von 100 Exemplaren wurde von Günther Franke auf X/40 numeriert, neben weiteren Abzügen auf Japan. Erschienen im Verlag R. Piper & Co., München. Ausgezeichneter Druck mit reichem Grat und mit dem wohl vollen Rand, an drei Seiten mit dem Schöpfrand.

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max beckmann

8214 Bildnis Käthe Carl Kaltnadel auf Velin. Um 1916. 23,3 x 17,3 cm (50,8 x 34 cm). Signiert „Beckmann“ und bezeichnet „Portrait Frau Carl“. Auflage 40 Ex. Hofmaier 103 III B b. 3.000€

Käthe Carl war die Frau von Walter Carl, Bruder von Friedel Battenberg und ein Frankfurter Freund Beckmanns. Die Carls waren frühe Sammler von Max Beckmanns Gemälden und Graphiken. Auch Walter Carl wurde (wohl im selben Jahr) von Beckmann in Kaltnadel portraitiert. Herausgegeben vom Verlag Karl Lang, Darmstadt, 1920, verso mit dem violetten Stempel. Wie alle im Karl LangVerlag erschienenen Graphiken Beckmanns von allergrößter Seltenheit. Es ist anzunehmen, dass, als Hans Theodor Joel den Karl Lang-Verlag 1919 übernahm, nur noch wenige Graphiken verkauft wurden und er aus finanziellen Gründen die Ausführung von Editionen verringern musste. Nach Joels Tod 1936 übernahm seine Witwe Helga Joel den von ihm veröffentlichten Graphikbestand, welcher zerstört wurde, als Alliierte ihr Haus in Köln bombardierten. Ausgezeichneter Druck mit leichtem Plattenton und mit dem vollen, sehr breiten Rand.

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8215 Johannes, Offenbarung Aquarellierte Lithographie auf Velin. 1941/42. 31 x 25 cm (35,5 x 27,2 cm). Hofmaier 342. 1.500€

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Blatt 13 und eines der 16 Vollbilder der „Apokalypse“, einer Folge von 27 Lithographien. Illustriert wurde hier Kapitel 10, Vers 5-7 aus der „Offenbarung des Johannes“. Das Buch erschien als Privatdruck der Bauerschen Gießerei, Frankfurt 1943. Die ersten fünf Exemplare wurden von Beckmann koloriert. Prachtvoller, kräftiger Druck mit sehr schön nuanciertem Kolorit und Rand. Kolorierte Graphiken finden sich äußerst selten in Beckmanns Werk. 21


max beckmann

8216 Selbstbildnis Holzschnitt auf Bütten. 1922. 22,2 x 15,3 cm (50,5 x 42,2 cm). Signiert „Beckmann“. Auflage 125 Ex. Hofmaier 226 III B e (von f). 9.000€

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Nur sporadisch beschäftigte sich Beckmannn mit der Technik des Holzschnitts: Lediglich 18 von 375 Blättern seines druckgraphischen OEuvres sind Holzschnitte. Dies ist das einzige Selbstbildnis in dieser Technik, eine von ihm selber hoch geschätzte Arbeit: „Ich bin sehr in Form. War noch nie so auf dem Damm mit meinen Nerven und so leistungsfähig. - Das ‚billige‘ Selbstportrait ist sehr in Arbeit und wird ein‘s meiner besten Arbeiten.“ (Max Beckmann, Briefe, Band I, hrsg. von Klaus Gallwitz u a., München 1993, S. 211). Das ausdrucksstarke Selbstbildnis zeigt den damals 38-jährigen Künstler in einem glücklichen Zusammenklang von technischer Sicherheit und Selbstbewusstsein auf der Höhe seiner Schaffenskraft. „Der großartige Holzschnitt von 1922 (...) in seiner bildnerischen Rolle und Signifikanz für die Stilwandlung zu 1924/25, d.h. größere Flächen, Abrücken von pseudo-naiver Rousseau-Dinglichkeit, Einsatz von Schwarz, Intensivierung des Dunkel-Hell, scharfe Rapports, wäre das nächste Glanzlicht für die künstlerische Einheitlichkeit in Beckmanns Werk. Denn während das Münchner Ölbild 1922 ‚Vor dem Maskenball‘ und die New Yorker ‚Familie‘ noch deutlich in der Suche nach einem postexpressionistischem Stil dem ‚Rousseau-Impuls‘ verhaftet sind, signalisiert der Holzschnitt avantgardistisch die neue Tendenz eines Stils mit größeren Flächen und ‚glasklaren scharfen Linien‘.“ (Dietrich Schubert, Max Beckmann in seinen Selbstbildnissen - ausgedünnt, in: Kritische Berichte 3, 1993, S. 94f.). Druck des endgültigen Zustandes, die Plattenreste im Hintergrund vollständig entfernt. Die nur teilweise von Günther Franke numerierte Auflage erschien beim Verlag R. Piper & Co., München, dieses Exemplar einer von 65 unnumerierten Drucken. Prachtvoller, tiefschwarzer Druck mit sehr breitem Rand, rechts mit dem Schöpfrand.

8217 Toilette Holzschnitt auf weichem Velin. 1923. 22,3 x 15 cm (34 x 26,8 cm). Signiert „Beckmann“ sowie links unten von I. B. Neumann mit Bleistift bezeichnet „Vorm Spiegel“. Hofmaier 258 III B b. 10.000€

Herausgegeben von I. B. Neumann, Berlin, der im unteren Rand den zuerst angedachten Titel des Holzschnittes „Vorm Spiegel“ anfügt, so dass es sich um ein frühes Exemplar des endgültigen Zustands handeln muss. Im Entstehungsjahr unseres Holzschnittes setzte sich Beckmann mit dem Motiv, das auf eine lange Ikonographie in der Kunstgeschichte zurückgreift, intensiver auseinander. Noch im selben Jahr entstanden weitere Variationen des Themas, wie der Holzschnitt „Bei der Toilette“ und die beiden Radierungen „Vor dem Spiegel“ sowie „Toilette (Vor dem Spiegel)“ (Hofmaier 261, 273 und 286). Weibliche Eitelkeit, Verführung und Vanitas

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spielen eine bedeutende Rolle bei den Spiegelszenen. Interessant ist bei Beckmanns Beispiel, dass die Dargestellte vor dem Spiegel lächelt, während der Ausdruck ihres Spiegelbildes ein ernster ist. Hofmaier erwähnt fünf Exemplare, neben der Auflage von 35 Drucken, von denen nur ein Teil auf 35 numeriert wurde. Gegenüber dem bei Hofmaier reproduzierten Exemplar ist unseres unterhalb des linkes Fußes noch mehr von Spuren des Druckstocks befreit, so dass sich ein nahezu schwebender Charakter der Figur andeutet. Prachtvoller, tiefschwarzer Druck mit breitem Rand.


8217

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8218

hubert berke

(1908 Buer/ Westphalen – 1979 Köln)

8218 „Blony“ Mischtechnik auf Bütten. 1953. 48,7 x 62,5 cm. Unten links mit Feder in Schwarz signiert „Hubert Berke“, datiert und betitelt. 1.500€

Als einer der letzten Schüler Paul Klees schloss sich Hubert Berke 1951 der Künstlergruppe ZEN 49 an. Bereits nach dem Krieg entwickelte Berke seine eigene dynamische Abstraktion und wurde hauptsächlich als Maler des lyrischen Informel bekannt. Rund um diese Zeit, 1953, entstand die vorliegende Komposition, die besonders durch die variierenden Blautöne, die in ihrer Ruhe durch schwarze Farbakzente unterbrochen werden, hervorsticht.

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8219

joseph beuys

(1921 Kleve – 1986 Düsseldorf)

8219* Denuncia della produzione Vinicola Fotokopie auf Velin. Nach 1982. 29,6 x 21 cm. Signiert „Joseph Beuys“. 3.000€

Auf den ersten Blick ist es nur der Bericht über die Weinproduktion aus Pescara, in der damals noch üblichen Technik einfach foto­ kopiert. Geisterhaft erscheinen dann aber, links im Hintergrund, die Hand und der Ärmel des Menschen, der den Kopierer bediente, mit dem Metallband seiner Armbanduhr, das Strickmuster des Pulloverärmels ist erkennbar, und sogar die Falten auf der Innenseite der Hand. Dazu ein Eselsohr in der rechten oberen Ecke des Originaldokuments, mitfotokopiert. So sichert Beuys diesem einfachsten, alltäglichen Prozess, einer Nichtigkeit im Grunde, eine Spur in der Geschichte. Unikat.

Provenienz: Lucrezia Domizio Durini, Pescara Privatsammlung Paris Literatur: Lucrezia De Domizio, Buby Durini, Italo Tomassoni, Incontro con Beuys, Pescara 1984, S. 353 (Vgl.-Abb.)

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8220

albert birkle

(1900 Berlin – 1986 Ostermünchen bei Rosenheim)

8220 „Der letzte Schritt“ Kohle und Pinsel in Schwarz auf hellgrauem Velinkarton. 1947. 49,3 x 37,7 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Albert Birkle“, auf beimontiertem Kartonstreifen nochmals signiert, datiert und betitelt. 1.500€ 26

Er greift sich ans Herz, der alte Herr, bei seinem letzten Schritt die Treppe hinabsteigend. So ist der Titel im zweifachen Sinne zu verstehen, nimmt doch der Lebenslauf ebenso wie die Treppe hier im nächsten Moment ein Ende. Wie der Alte dabei direkt zu uns blickt und mit Hut und Mantel gut gerüstet ist für seinen Weg, das zeigt uns einen bewussten letzten Schritt. Das Allgemeine im Individuellen zu zeigen, war eine besondere Stärke in Birkles oft sozialkritischen Zeichnungen.


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albert birkle

8221 Die Werbetrommel Pinsel in Schwarz über Kohle auf festem Velin. Wohl 1950er Jahre. 49,8 x 42,2 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Albert Birkle“. 2.000€ Dichte, intensive Darstellung eines Militäraufmarsches, mit dem schreienden Werbetrommler im Vordergrund. Die soziale Thematik beschäftigte Birkle immer wieder, und deutliche politische Aussagen, mit denen er sich für die Unterdrückten und Entrechteten einsetzt, sind in vielen seiner Werke zu finden. Ebenso bedrückend wie beeindruckend ist die machtvolle Rhythmisierung der marschierenden Soldatenschar gegenüber der entindividualisier-

ten Menschenmenge im Hintergrund. Birkle, Meisterschüler bei Arthur von Kampf, entwickelte in seinen Studienjahren in Berlin einen religiös geprägten, sozialkritischen Realismus in einer formal­ ästhetisch-neusachlichen Formensprache. Das Angebot einer Professur an der Königsberger Akademie lehnte der Künstler 1927 ab, um Aufträge für kirchliche Wandmalereien u.a. in Gaislingen und Kattowitz auszuführen. Im Umbruch der Machtergreifung Hitlers übersiedelte Birkle nach Salzburg, wobei er sein Berliner Atelier behielt. 1936 stellte er in der Berliner Nationalgalerie aus und vertrat Deutschland auf der Biennale in Venedig. Die dort gezeigten Bilder wurden 1937 im Haus der Deutschen Kunst in München entfernt, weitere Werke von ihm in öffentlichen Sammlungen als „entartet“ beschlagnahmt und er selbst mit einem Malverbot belegt. 27


julius bissier

(1893 Freiburg i. Breisgau – 1965 Ascona/Tessin)

8222* Komposition Pinsel in Schwarz auf feinem Hahnemühle-Bütten. 1962. 24,2 x 30,7 cm. Oben rechts mit Feder in Schwarz monogrammiert „JB“ und (schwer leserlich) datiert sowie unten links mit Bleistift signiert „Julius Bissier“, datiert „20.März (19)62“ und gewidmet. 3.000€

Bissiers Freund Oskar Schlemmer brachte ihm das ostasiatische Gedankengut nahe, und so entstanden bald erste kalligraphisch anmutende Tuschezeichnungen, die sich zunehmend freier weiterentwickelten. Bissier suchte in seinen Arbeiten die geistigen Gemeinsamkeiten von deutscher Mystik und japanischer Zen-Philosophie. 8222

jean charles blais (1956 Nantes, lebt in Paris)

8223 Avion Mischtechnik und Collage auf hauchdünnem Velin. 1982. 34 x 26,5 cm. Verso unten links mit Kohle signiert „Blais“, datiert und bezeichnet. 1.800€

Eine für den Künstler typische Gestalt mit überdimensioniertem, verdrehtem Körper und winzigem Kopf fliegt fast blattfüllend, doch scheinbar federleicht durch den gelben, mit schwarzen Sternen gesprenkelten Himmel. Darunter biegen sich fünf schematisch gehaltene Bäumchen einträchtig nach rechts. Sehr farbenfrohe, dynamische Zeichnung.

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8224

marc brandenburg (1965 Berlin)

8224 Untitled (YSL) Siebdruck auf Velin. 2009. 148 x 112,7 cm (Rahmenausschnitt). Signiert „M. Brandenburg“ und datiert. Auflage 10 num. Ex. 3.000€ Die Repräsentation alltäglicher Motive und Personengruppen, die oftmals mit sozial-politischen Themen in Verbindung gebracht werden, stehen im Zentrum von Marc Brandenburgs OEuvre. Es sind unter anderem Demonstrantinnen, Obdachlose, Protagonistinnen aus der queeren Clubszene, aber auch Müll, Werbung und urbane Kultur, die in seinen Arbeiten zum Bildsujet werden und

insbesondere auf soziale Segregation, Nonkonformität und Isolation aufmerksam machen sollen. Dabei wählt Brandenburg das Medium der Bleistiftzeichnung, die wie das Negativ einer Fotografie erscheint und eine gewissermaßen symbolhafte Leere darstellen kann. Ein Jahr nach dem Tod des Designers Yves Saint Laurent entsteht der vorliegende limitierte Siebdruck, der auf einer Zeichnung (50 x 39 cm) basiert, die noch dieses Jahr in Marc Brandenburgs Einzelausstellung „Hirnsturm II“ im Palais Populaire ausgestellt wird und zu einer sehr bedeutenden Arbeit des Künstlers zählt. Marc Brandenburgs Werke sind in internationalen Sammlungen, unter anderem im Museum of Modern Art in New York und dem MMK in Frankfurt vertreten. Im Editionsrahmen. 29


8225

armand bouten

(1893 Venlo – 1965 Amsterdam)

8225 Interieur mit Frau, Mann und Katze Öl auf Spanplatte. Um 1950. 38 x 46 cm. Unten rechts mit Pinsel in Violett signiert „Bouten“. 4.500€

Bouten zog mit 21 Jahren von Venlo nach Amsterdam, wo er an der Rijks Normaalschool voor Tekenonderwijs Zeichenunterricht erhielt. Dort lernte er die Malerin Hanny Korevaar kennen, die er 1922 heiratete. In den 1920er und 1930er Jahren lebten die beiden abwechselnd in Paris und Budapest, Reisen führten sie auch nach Marseille. In den 1940er Jahren hielten sie sich vor allem in Brüssel und Den Haag auf und kehrten 1953 nach Amsterdam zurück, wo sie verarmt und einsam lebten. Bouten entwickelte sich von einem frühen kubistisch-expressionistischen Stil zu einer farbstarken Malerei mit kräftigen Konturen.

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8226

georges braque

(1882 Argenteuil – 1963 Paris)

8226 JOB Kaltnadel auf Arches-Bütten. 1911. 14,2 x 19,9 cm (44 x 60,4 cm). Signiert „G. Braque“. Auflage 100 Ex. Vallier 5. 7.500€

Von Anfang an hat sich Georges Braque mit dem Gravieren und der Druckgraphik auseinandergesetzt. Im Gegensatz zu seinem Zeitgenossen und Freund Pablo Picasso war er kein Zeichner, übersetzte seine Linienführung dennoch zeichnerisch auf die Druckplatte. Die vorliegende Arbeit zählt zu seinen frühesten Graphiken. Der Titel bezieht sich auf die Inschrift im linken Bereich der Darstellung. „JOB“ ist neben dem Blatt „Fox“ eine der beiden von Kahnweiler verlegten Graphiken. Die Abzüge wurden 1912 bei Delatre in Paris gedruckt. Ausgezeichneter Druck mit Rand. 31


8227

troy brauntuch

(1954 Jersey City, lebt in Austin/Texas)

8227 Nackter Knabe gebückt Mischtechnik (Pastell über Algraphie) auf Arches-Velin. 1983. 114,5 x 77,5 cm (121,3 x 81 cm). Unten rechts mit Bleistift signiert „Troy Brauntuch“ und datiert. 3.500€ Troy Brauntuch zählt zu den Vertretern der Picture Generation, die sich in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren in den USA formierte. Ausgehend von den Massenmedien der Nachkriegsgeneration, die als ideologische Konstrukte gesehen wurden, war die Fragestellung, inwiefern Bilder wahrgenommen und verstan-

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den werden, zentral. Brauntuch wählt seine Motive aus Medien und Alltagskultur und hinterfragt die Authentizität dieser. In seiner Arbeitsweise verwendet er, so wie in der vorliegenden Arbeit, oftmals Techniken der Reproduktion, die er mit Pastelltönen übermalt, so dass die Bilder nur mehr wie Spuren einer Situation wirken. Details sind nicht zu erkennen, was bleibt, ist der Raum, der zwischen Betrachter und Werk entsteht. Brauntuch schafft in seinen Bildern eine melancholische Atmosphäre und zeigt, dass Bilder und deren Bedeutung nur subjektiv wahrgenommen werden können. Die vorliegende Arbeit wirkt wie eine Momentaufnahme. Die schemenhafte Pastellzeichnung suggeriert eine gewisse Atmosphäre der Erinnerung und des Fortgehens.


8228

troy brauntuch

8228 Interieurszene Mischtechnik (Pastell über Algraphie) auf Arches-Velin. 1983. 114 x 77,2 cm (121,9 x 81 cm). Unten rechts mit Bleistift signiert „Troy Brauntuch“ und datiert. 3.500€

Troy Brauntuchs Bilder können als Belege von Augenblicken gesehen werden, in denen nur die Stimmung bleibt. Seine Szenerien werden durch die dargestellten Objekte sozusagen nur unterstützt.

Worauf es in seinen Werken jedoch ankommt, ist die Erinnerung, die die Bilder hervorrufen. Diese Spuren visualisiert er durch die kräftigen pulverigen Pastelltöne, die sich aus dem Halbdunkel herausformen. Brauntuch studierte bildende Kunst am California Institute of the Arts und unterrichtet heute an der University of Texas in Austin. 2006 wurde er auf der Whitney Biennale in New York ausgestellt. Seine Werke sind in großen internationalen Sammlungen, wie beispielsweise dem Museum of Modern Art und dem Metropolitan Museum of Art in New York, vertreten. 33


8229

peter brüning

(1929 Düsseldorf – 1970 Ratingen)

8229 Ohne Titel Tusche und Aquarell auf Velin. Um 1958. 13,3 x 53,8 cm. Verso von fremder Hand gewidmet. Otten Z 1085. 2.400€

Um 1957/58 verdichten sich die zuvor fast lyrischen, breiten Pinselstriche, -hiebe und schwünge Brünings zu kraftvollen, dynamischen Aktionen. Die Zeichnungen von 1958, die mal klein, mal groß sein können, sind sämtlich von den Bewegungsrichtungen des Arbeitsablaufs geprägt, in unserem Fall der Horizontalen. In einem Duktus entstanden, der für den Künstler so unverwechselbar ist, zieht dieser fast spielerisch die Register seines Könnens. Schwungvoll horizontal über das Blatt gezogen, ergibt sich, das Weiß des Papiers bewusst als werkbildendes Element einbeziehend,

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eine energiegeladene, dennoch harmonische Komposition. Die Tusche, kalligraphisch mit spitzem und breitem Pinsel wie über das Blatt „geschrieben“, bildet zusammen mit dem zarten Aquarell eine ausgewogene Symbiose aus Linie und Gestik, eine informelle Komposition von stimmiger, sogar klangvoller Wirkung. Literatur: Marie-Luise Otten, Peter Brüning, Studien zu Entwicklung und Werk, Werkverzeichnis, Köln 1988, S. 451


8230

alexander calder

(1898 Philadelphia – 1976 New York)

8230 Spirale et cerceaux Farblithographie auf festem Velin. Ca. 1965. 74,8 x 109,9 cm. Signiert „Calder“. Auflage 75 num. Ex. 2.000€

Prachtvoller Druck der blattfüllenden Komposition. 35


8231

antonio calderara

(1903 Abbiategrasso – 1978 Vacciago)

8231 Spazio luce Aquarell auf Karton. 1972. 16 x 15,4 cm. Unten links mit Bleistift monogrammiert „A. C.“ und datiert, verso mit Bleistift signiert „Antonio Calderara“ und erneut datiert.

Josef Albers beeinflussten Calderaras Schaffen maßgeblich. Der Künstler öffnete sich einer gegenstandslosen Welt und prägte für seine geometrische Vorgehensweise den Begriff des „spazio mentale“, des „geistigen Raums“. Über seine künstlerische Intention sagte Calderara selbst: „Ich möchte das Nichts malen, das das Ganze ist, das Schweigen, das Licht, Maß, Ordnung, Harmonie. Das Unendliche.“

Antonio Calderara war Autodidakt. Von den 1930er bis in die späten 1950er Jahre experimentierte er viel und durchlief in zeitlich kurzer Abfolge verschiedene Stile. Es dauerte einige Jahre, bis er seinen endgültigen künstlerischen Ausdruck fand. 1959 entstand sein erstes nicht-figuratives, rein abstraktes Bild. Gebogene Linien wichen nun flächigen Quadraten, rechten Winkeln und Streifen, die durch die Verwendung von wenigen Farben an Ausdruckskraft gewannen. Die Werke von Kasimir Malewitsch, Piet Mondrian und

Provenienz: Lens Fine Art Antwerpen, Nr. 1057, verso auf dem Etikett numeriert Privatbesitz Belgien Privatbesitz Schweiz

3.500€

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Ausstellung: Antonio Calderara und Jan J. Schoonhoven, Lens Fine Art, Antwerpen 1978


8232

8232

antonio calderara

8232 Orizzonti 2 Aquarelle über Bleistift auf Karton. 1973. Je 15,9 x 15,2 cm. Jeweils unten links mit Bleistift monogrammiert „A. C.“ und datiert, verso mit Bleistift signiert „Antonio Calderara“ und erneut datiert. 4.500€

Die Korrespondenz zwischen den als Paar angelegten geometrischen Kompositionen erfolgt raumübergreifend. Dort, wo sich eine lindgrüne Linie auf dem einen Blatt befindet, spiegelt sie sich auf dem anderen Blatt in Gelb. Abstand und Anordnung der Linien sind identisch, nur der Farbtausch erzeugt eine vibrierende Wirkung, die den Raum des einzelnen Blattes jeweils sprengt und man versteht, was Calderara mit „spazio mentale“ meint. Mit dezenten Tönen und feinen geometrischen Formen konstruiert er Kompositionen, die trotz ihrer Zartheit eine lebendige Kraft in der Wirkung erzielen.

„Die Beziehungen zwischen Farbtönen, Proportionen, Fläche und Raum schliessen ein, interagieren und grenzen nicht aus. Nicht ohne Grund hat er dem verehrten Josef Albers zu dessen Todestag eine Hommage gemalt.“ (zit. nach landbote.ch, 15.10.2019). 2017 widmete das Kunstmuseum Winterthur Antonio Calderara eine Retrospektive. Provenienz: Lens Fine Art Antwerpen, Nr. 1063 und 1066, verso auf dem Etikett numeriert Privatbesitz Belgien Privatbesitz Schweiz Ausstellung: Antonio Calderara und Jan J. Schoonhoven, Lens Fine Art, Antwerpen 1978 37


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8234

maurizio cattelan

lynn russell chadwick

8233* L.O.V.E. Multiple. Beton. 2015. 40 x 14,7 x 14,7 cm. Auf der Unterseite der Skulptur mit dem Editionsstempel.

8234* Ohne Titel (High Wind) Aquarell und Tusche auf Arches-Velin. 1980. 35 x 49,8 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „Chadwick“ und datiert, verso mit Feder bezeichnet „J. 7“.

(1960 Padua)

1.200€

Eine 28-fach verkleinerte Reproduktion der Installation „L.O.V.E.“, die 2010 auf der Piazza Affari in Mailand aufgestellt wurde. Herausgegeben von Seletti, Viadana, in unbekannter Auflagenhöhe. Prachtvoller Guss. In Orig.- Holzbox.

(1914 London – 2003 Stroud/Gloucestershire)

3.500€

Lynn Chadwicks Zeichnungen basieren motivisch auf seinem skulpturalen Œuvre. Neben der Dokumentation dienen sie als Überprüfung der eigenen Formensprache, die der Künstler sich autodidaktisch angeeignet hat. Seine hybriden Gestalten tragen, wie in dieser feinen und charakteristischen Arbeit, meist menschliche, architektonische und tierische Züge. Provenienz: The Tony Reichard Collection, Northern Queensland 39


8235

marc chagall

(1887 Witebsk – 1985 St. Paul-de-Vence)

8235 Le cheval brun Farblithographie auf Arches-Bütten. 1952. 37,5 x 53,5 cm (37,7 x 55,8 cm). Signiert „Marc Chagall“. Auflage 200 num. Ex. Mourlot 61. 2.000€

Prachtvoller Druck mit kräftigem Kolorit und dem vollen Rand, links mit dem Schöpfrand. Provenienz: 1978 Galerie Wünsche, Bonn seitdem Berliner Privatbesitz

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8236 Der betende Jude Holzschnitt auf hauchdünnem asiatischen Papier. 1922/23. 28 x 20,1 cm (47,6 x 32,7 cm). Signiert „Marc Chagall“. Auflage 20 num. Ex. Kornfeld 31 III b. 3.000€

Aus der Auflage von 20 numerierten Exemplaren nach 1950. Ausgezeichneter Druck mit dem vollen Rand.


8236

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8237

marc chagall

8237 Mann mit Sack Holzschnitt auf hauchdünnem asiatischen Papier. 1922/23. 28 x 20,2 cm (47,5 x 32,7 cm). Signiert „Marc Chagall“. Auflage 20 num. Ex. Kornfeld 33 II b. 2.000€

Aus der Auflage von 20 numerierten Exemplaren nach 1950. Ausgezeichneter Druck mit dem vollen Rand.

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8238

marc chagall

8238 Ziege mit Geige Holzschnitt auf hauchdünnem asiatischen Papier. 1922/23. 20,1 x 28 cm (32,7 x 47,5 cm). Signiert „Marc Chagall“. Auflage 20 num. Ex. Kornfeld 34 II b. 1.500€

Aus der Auflage von 20 numerierten Exemplaren nach 1950. Ausgezeichneter Druck mit dem vollen Rand.

8239 Zirkusreiterin und Hahn Holzschnitt auf hauchdünnem asiatischen Papier. 1943. 17,7 x 11,1 cm (47,6 x 32,7 cm). Signiert „Marc Chagall“. Auflage 20 num. Ex. Kornfeld 84 III b. 1.200€

Aus der Auflage von 20 numerierten Exemplaren nach 1950. Ausgezeichneter Druck mit dem vollen Rand.

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8240

pietro chiesa

(1892 Mailand – 1948 Paris)

8240 „Ombre“ (Portrait de Femme) Kohle und Kreide in Braun auf Velin. 35 x 25,3 cm. Unten rechts in der Darstellung mit Kohle signiert „Chiesa“, im Unterrand mittig betitelt. 1.200€ Der Designer Pietro Chiesa, einer der Hauptvertreter des italienischen Art Déco und berühmt vor allem für seine Glaswaren,

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eröffnete 1921 sein eigenes Studio, Bottega di Pietro Chiesa und schloss sich 1933 mit Fontana Arte, gegründet 1932 von Gio Ponti und Luigi Fontana, zusammen. In den frühen 1920er Jahren nahm er mit seinen modernen, technisch avancierten Entwürfen an der Biennale von Venedig, der Biennale von Monza, der Exposition des Arts Décoratifs in Paris und Ausstellungen in Köln und Barcelona teil. Chiesa entwarf zahlreiche Objekte für Fontana Arte, stellt aber auch mit dem Frauenporträt „Ombre“ seine souveräne Zeichenweise mit nahezu fotografischer Präzision und einfühl­samer Schraffurtechnik unter Beweis.


eduardo chillida

(1924–2002, San Sebastian)

8241 Emile M. Cioran: Ce maudit moi 2 Radierungen und 1 Holzschnitt auf Bütten.1983. Je ca. 32 x 24 cm. Die Graphiken jeweils signiert „Chillida“ und mit dem Künstlersignet. Auflage 150 num. Ex. Van der Koelen 83009, 83010 und 83011. 1.500€

Aus der Vorzugsausgabe, mit dem Buch lose in Original-Kartonschuber. Im Impressum von Autor und Künstler signiert. Das Buch umfasst die Wiedergabe des handschriftlichen Textes des Autors, beiliegend ein Extraband mit druckschriftlicher Version des Textes in Deutsch und Französisch sowie eine Schallplatte, auf der Cioran den Text liest. Prachtvolle Drucke, herausgegeben von der Erker-Presse, St. Gallen. Ohne die 5 weiteren Drucke.

8242 Ikara (Schreck) Radierung auf China, aufgewalzt auf festes Chiffon de Mandeure-Velin. 1967. 9,6 x 9,8 cm (40,5 x 35,8 cm). Signiert „Chillida“ und mit dem Künstlersignet. Auflage 50 num. Ex. Van der Koelen 67005. 8241

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800€

Gedruckt bei Arte, Paris, herausgegeben von Maeght, Paris. Van der Koelen verzeichnet eine Gesamtauflage von ca. 64 Exemplaren. Ganz ausgezeichneter, wunderbar gratiger Druck mit zartem Plattenton und leicht eingeprägter Plattenkante, mit dem vollen Rand, unten mit dem Schöpfrand.

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giorgio de chirico (1888 Volo – 1978 Rom)

8243 Die Nymphe Echo Bleistift auf Bütten. 1923. 22 x 14 cm. 2.400€

Von 1919 bis 1925 lebte de Chirico in Rom, wo er sich mit Giorgio Morandi, Ardengo Soffici, Filippo de Pisis und Alberto Savinio traf. In ihren Gesprächen legten sie den Grundstein zu der später sogenannten „metaphysischen Malerei“, die in den 1920er Jahren als „scuola metafisica“ (metaphysische Schule) bekannt wurde. In unserer Zeichnung sind die Ambitionen der Künstler, die jahrhundertelange Tradition der italienischen Malerei zu bewahren, deutlich zu erkennen. De Chirico zeigt sich in dem Kompositionsaufbau und in der Thematik, einer Geschichte aus den Metamorphosen von Ovid, den Altmeisterzeichnungen verpflichtet. Die Authentizität wurde von der Fondazione Giorgio e Isa de Chirico, Rom am 15.07.2020 bestätigt und unter der Nummer 019/07/20 OT archiviert (Zertifikat liegt vor). Provenienz: Privatsammlung Rheinland

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8244 „L‘idolo“ Vernis mou über beigefarbener Tonplatte auf festem Velin. 1972. 49,6 x 32,6 cm (69,7 x 50,6 cm). Signiert „G. de Chirico“, betitelt und bezeichnet „E.(preuve d‘) A.(rtiste)“. Brandani 21. 1.200€

Einer von 15 Künstlerabzügen. Erschienen in einer Gesamtauflage von 117 Exemplaren. Mit dem Prägestempel des Künstlers „G. de Chirico“ und der Druckerei „Alberto Caprini Stampatore in Roma“. Sehr guter Druck mit Rand.

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8245

chuck connelly

(1955 Pittsburgh, lebt in Philadelphia)

8245 Brennende Häuser Öl auf Leinwand. 1985. 77,5 x 76 cm. Verso mit Pinsel in Beigegrau signiert „Chuck Connelly“ und datiert. 2.000€

Chuck Connelly schloss 1977 sein Studium an der Tyler School of Art, Pennsylvania, ab und zog nach Philadelphia. Er lebte zwei Jahre in Deutschland, bevor er in den 1980er Jahren nach New York zog, wo er sich neben Jean-Michel Basquiat und Julian Schnabel sehr gut in der New Yorker Kunstwelt etablieren konnte. Martin Scorsese thematisierte den Künstler Connelly in dem Abschnitt „Life

lessons“ in seinem Film „New York Stories“ von 1989. Ebenfalls drehte Jeff Stimmel 2008 einen Dokumentarfilm über Connellys Leben, „The Art of Failure: Chuck Connelly Not for Sale“, worin er besonders sein Temperament und seinen Alkoholismus behandelte. Unsere verlassen wirkende Stadt ist charakteristisch für Connellys Bildthemen. Den lodernd brennenden Gebäudekomplex im Vordergrund, vielleicht eine Scheune, beschreibt der Künstler in kräftigen, expressiven Farben und Formen. Am Ende der einsamen Straße wirkt die Szene wie ein Setting aus einem amerikanischen Film Noir. Provenienz: ehemals Galerie Rudolf Zwirner, Köln 47


lovis corinth

(1858 Tapiau – 1925 Zandvoort)

8246* Weiblicher Studienkopf III Umdruckzeichnung auf Velin. 1919. 21 x 15 cm. Unten rechts mit Kreide in Schwarz signiert „Lovis Corinth“. 2.400€

Die Umdruckzeichnung zu der gleichnamigen Lithographie (Müller L412). Corinth erfasst mit charakteristischen, lockeren Diagonalschraffuren und weichen Kringeln, die seine sichere Hand zeigen, das Frauenbildnis. Aus dem Halbschatten der rechten Gesichtshälfte artikulieren sich die Züge, Augen, Mund und Nase bleiben somit teilweise nur in der Andeutung, ebenso wie Halsund Schulterpartie. Der etwas auf dem Papier nach links oben verschobene Kopf dominiert das Format auf eigenartig intensive Weise. Provenienz: Sammlung Paul Eipper Ausstellung: Mixed Media (I). About Portrait, Kicken Berlin 2015

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8247 Porträt Alfred Uckeley Kohle auf Bütten. Wohl 1928. 50 x 32,4 cm. Oben rechts bezeichnet (datiert?) „20 X/28“ (gelöscht), verso mit dem Atelierstempel von Lovis Corinth, dort numeriert „338“. 5.000€

Corinth zeichnet den evangelischen Theologen und Rektor der Albertus-Universität Königsberg, Alfred Uckeley, im Brustbild, frontal direkt zum Betrachter blickend. Der Kneifer auf der Nase verleiht der Person etwas Gelehrsames und unterstreicht die Intensität des Blickes. Dichte Schraffuren modellieren die Gesichtszüge plastisch durch und verlaufen dabei, charakteristisch für Corinths Zeichentechnik, schräg von links unten nach rechts oben. Die Kleidung des Theologen hingegen ist mit lockeren Linien-

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schwüngen rasch und treffend erfasst. Rückseitig weitere Kopfund Figurenstudien. Die Echtheit dieser Arbeit wurde von Thomas Deecke bestätigt. Provenienz: Kunsthandel Wolfgang Werner, Berlin Privatsammlung, von oben Genanntem 2011 erworben


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lovis corinth

8248 Selbstbildnis radierend Kaltnadel auf Japan. 1909. 19,5 x 15,4 cm (42,8 x 31,3 cm). Signiert „Lovis Corinth“. Schwarz 34. 1.200€

Eine charakteristische Darstellung des Künstlers mit Stift und Platte, dem Betrachter konzentriert entgegenblickend. Eines von nur 25 Exemplaren auf Japan. Ausgezeichneter Druck mit breitem Rand.

8249 „Die Hexen“ Kaltnadel auf JWZanders-Bütten. 1920. 24,5 x 34,2 cm (33,5 x 43,5 cm). Signiert „Lovis Corinth“. Auflage 75 Ex. Schwarz 392. 750€

Verlegt bei Friedrich Dehne, Leipzig, außerhalb der Auflage. Prachtvoller Druck mit breitem Rand.

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fritz discher

(1880 Landsberg a. d. Warthe – 1983 Kochel am See)

8250 Blick auf das Hagensche Wiek auf Rügen Öl auf Malpappe. 45 x 50 cm. Unten links mit Pinsel in Rot signiert „F. Discher“. 2.200€ Nach einer leitenden Anstellung bei der renommierten Firma Carl Fohr in Berlin begann Fritz Discher 1906 an der Akademie der Bildenden Künste zu studieren. Discher war zwar ein Zeitgenosse von Ernst Ludwig Kirchner und Franz Marc, blieb aber der klassischen Malerei des 19. Jahrhunderts verbunden. 1909 schloss er sein Studium ab und widmete sich besonders der Malerei von Landschaften, wobei er auf der Insel Rügen seine meisten Motive fand. Die Halbinsel Mönchgut am Südostzipfel von Rügen hatte es dem

Künstler besonders angetan. Wie bei vorliegender Ansicht vom Hagenschen Wiek, der Bucht im Osten des Rügischen Boddens, inspirierten ihn die dauernden Veränderungen von Licht, Luft, Wasser und Wolken an der Küste. Bei unserer Komposition dominiert die Wolkenformation am sommerlichen Himmel. Das Wasser im Bodden verändert sich farblich in mannigfaltigen Schattierungen. Wolkenstudien unter atmosphärischem Wechsel der Bedingungen zählten bereits im 19. Jahrhundert zu den Herausforderungen, die die Künstler in Auseinandersetzung mit der Natur abzubilden suchten. Discher fängt souverän und in deutlicher Bezugnahme auf seine großen Vorgänger die Stimmung eines Sommertags auf Rügen ein. Mit Erfolg hatte er bereits 1910 und 1911 seine Landschaftsbilder auf der Großen Berliner Kunstausstellung gezeigt und bis heute erfreuen sich seine Rügen-Ansichten hoher Beliebtheit. 51


geknetet, die Frisur zerrupft, das weiche Fleisch gepunktet von Muttermalen oder Narben. Und doch umfahren die Konturen liebevoll die weiblichen Formen, modellieren zarte Wischungen die Plasitizität von Gesicht und Körper und offenbart die Feinheit der verhältnismäßig kleinen Hände und Füße eine anrührende Sensibilität. In ebendiesem Jahr, 1920, vollzieht Dix eine brachiale Kehrtwende vom Expressionismus und vom Dada hin zu einer ureigenen Form von Realismus oder Verismus. Er sagte: „‘Kunst machten die Expressionisten genug. Wir wollten die Dinge ganz nackt, klar sehen, beinahe ohne Kunst. Die neue Sachlichkeit, das habe ich erfunden.‘ Dix wird zum Protagonisten eines neuartigen polemischen Brutalrealismus mit sozialkritischer Potenz und politischer Brisanz.“ (Ulrike Lorenz, In Stilgewittern. Aufbruch ins Werk: Vom Dadaismus zum Verismus, in: Ausst.-Kat. Kunsthandel Jörg Maaß, Berlin 2012). Provenienz: Galerie Valentien, Stuttgart Ausstellung: Jahrhunderthalle Hoechst, Frankfurt/Main 1980 (Kat.-Nr. 38 (?)) Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz 1981 (ohne Kat.-Nr.) Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg 2006 Galerie Haas Zürich 2009 Kunsthandel Jörg Maaß, Berlin 2012 (Kat. Nr. 30, ganzs. Farbabb.)

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otto dix

Literatur: Ulrike Lorenz, Otto Dix. Das Werkverzeichnis der Zeichnungen und Pastelle, Hrsg. Otto Dix Stiftung Vaduz, Weimar 2003, Bd. II, Kat. Nr. EDV 5.5.15, S. 734 (Abb.) Brigid S. Barton, Otto Dix and ‚Die Neue Sachlichkeit‘ 1918-1925, Ann Arbor, Michigan 1981 (Diss. 1977), Nr. III.C.88 Otto Dix, 1891-1969 - Zur 90. Wiederkehr seines Geburtstages, Ausst.-Kat. Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz 1981 (ohne Kat.-Nr.) Ulrike Lorenz, Otto Dix, Welt und Sinnlichkeit, Ausst.-Kat. Stiftung Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg 2005, S. 255 (mit Abb.) Otto Dix. Arbeiten auf Papier, Ausst.-Kat. Galerie Haas Zürich, Zürich 2009, S. 9 (Farbabb.) Otto Dix & David Nicholson, Ausst.-Kat. Galerie Michael Haas, Berlin 2015, S. 48 (Farbabb.)

(1891 Untermhaus bei Gera – 1969 Singen)

8251* Sitzender Akt mit verschränkten Armen Kreide auf Velin. 1920. 60,1 x 35,4 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert, unten links datiert, betitelt und bezeichnet „Kabus 1538, Sitzender Akt.1920 Z20/81“. 8.000€

Ganz jung ist sie nicht mehr, die sitzende Frau mit dem molligen Körper. Ihre verschränkten Arme rahmen die weichen, hängenden Brüste sanft ein, die linke Hand verdeckt dezent die Scham, ihr Blick fällt ein wenig unsicher zum Betrachter und zugleich knapp an ihm vorbei. Vehement und impulsiv stürzt sich Dix auf sein Zeichenobjekt, blickt mit beinahe brutaler Genauigkeit hin, beraubt die sitzende Frau allen schmückenden Beiwerks und zieht zeichnerisch die Konsequenzen: das Antlitz zerwühlt, wie durch-

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8252* Frauenkopf Bleistift auf Velin. 1921. 53,5 x 45,3 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Dix“. 8.000€

Er ist eine Herausforderung, der stechende Dix-Blick im Zentrum des Frauenbildnisses. Darum herum modelliert der Künstler den Frauenkopf mit Wischungen so plastisch, dass gewissermaßen die Knochen unter der gespannten Gesichtshaut erkennbar werden. Technisch orientierte er sich zu dieser Zeit um 1921 an den Alten Meistern, erreichte aber zusätzlich eine frappierende psychologische Durchdringung seiner Modelle. Für den charakteristi-


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schen „bösen Blick“ war der Künstler bereits 1921 berühmt-berüchtigt. Im Oktober dieses Jahres übersiedelte der Maler für vier Jahre nach Düsseldorf, wo er bald zu einem der führenden Porträtisten der Neuen Sachlichkeit wurde. Seine Produktivität schnellte explosionsartig in die Höhe, und es entstanden zahlreiche seiner leicht überzeichneten Bildnisse, mit denen er die ganze Persönlichkeit zu entlarven scheint. Mit diesen Darstellungen wurde der Bürgerschreck Dix zum gefürchteten Porträtisten mit analytischem Interesse, der nicht auf eine bloß sachliche Wiedergabe der Person anstrebte, sondern geradezu eine Verdichtung ihres Seins suchte. Provenienz: Galerie Günther Franke, München Serge Sabarsky Gallery, New York

Ausstellung: Galerie Günther Franke, München 1971 (Kat. Nr. 75, Abb.) Galerie Haas, Zürich 2009 Kunstsammlung Gera 2012 Literatur: Ulrike Lorenz, Otto Dix. Das Werkverzeichnis der Zeichnungen und Pastelle, Hrsg. Otto Dix Stiftung Vaduz, Weimar 2003, Bd. II, S. 747, Kat. Nr. EDV 6.1.12 (mit Abb.) Otto Dix. Arbeiten auf Papier, Ausst.-Kat. Galerie Haas, Zürich 2009, S. 11 (mit Abb.) Otto Dix: retrospektiv, Zum 120. Geburtstag, Ausst.-Kat. Kunstsammlung Gera 2011, Kat.-Nr. 114, S.155 (Farbabb.) und S. 287 Otto Dix & David Nicholson, Ausst.-Kat. Galerie Michael Haas, Berlin 2015, S. 57 (Farbabb.) 53


otto dix

8253 Liegende Aquarell und Bleistift auf Velin. 1924. 39,6 x 29,9 cm. Unten rechts in der Darstellung mit Bleistift signiert „Dix“, datiert und bezeichnet „329“, oben links gewidmet „Für Däubler“. Pfäffle A 1924/29. 20.000€

In seinen Aquarellen enthüllt Dix manch Intimes von sich, er setzt sich höchst persönlich mit den Erscheinungen seines Umfelds auseinander. Sie sind eher temporär innerhalb seines Schaffens, jedoch erfahren sie über wenige Jahre eine vorrangige Bedeutung. Das Aquarell ist seiner Natur nach, etwa im Vergleich zum Ölbild, direkter, unmittelbar an den Ursprung der künstlerischen Eingebung gebunden. Der Ausgangspunkt von Dix‘ Bildvorstellung, seine Erlebnisfähigkeit und Lebensfülle, kommen treffsicher und unverstellt zum Ausdruck. In unserer „Liegenden“ widmet sich Dix vermutlich seiner engsten Vertrauten, seiner Frau Martha, liebevoll Mutzli genannt. Vor einer üppig schwellenden Form- und Farbenpracht legt sie ihren Lockenkopf an den angewinkelten, mit einigen zartgoldenen Reifen geschmückten Arm. Die sonst für den Künstler so charakteristische lineare Formensprache rückt zugunsten des satten Kolorits in den Hintergrund und der farbliche Tenor unterstreicht das feine, zartfließende Element des Aquarells. Das schlanke Hochformat nutzt Dix, um sich ganz auf den Kopf der Dargestellten zu konzentrieren. Auf dem Arm aufliegend, ist uns das Gesicht in direktem Gegenüber nahegerückt. Es entsteht eine eigentümliche Ambivalenz von vordrängender Nähe und Zurückhaltung; mit dem quergelegten Arm entsteht Distanz, der Blick bleibt selbstbezogen. Dix leuchtet nicht – und hierin eher

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ungewöhnlich für den Künstler – in die Tiefe der Seele der Porträtierten, sondern – und dies spräche für eine Darstellung seiner Frau – seine Martha, ihr Innerstes, wird abgegrenzt. Dieses Spannungsverhältnis ist es, das den besonderen Reiz unserer Arbeit ausmacht. Unser Blatt schenkt Dix zunächst dem Dichter Theodor Däubler, zu dem er privaten Kontakt pflegte. Beide gehörten zum Stammtisch „Die Hirsche“, der sich jeden Montag in Dresden traf. Provenienz: Galerie Stangl, München, verso mit deren Stempel Ausstellung: Sammlung Etta und Otto Stangl, von Klee bis Poliakoff, Bayerische Staatsgemäldesammlungen/ Staatsgalerie moderner Kunst München, 1993/1994 (Kat.-Nr. 66) Literatur: Sammlung Etta und Otto Stangl, von Klee bis Poliakoff, Ausst.Kat. Bayerische Staatsgemäldesammlungen/ Staatsgalerie moderner Kunst München, 1993/1994, Kat.-Nr. 66, S. 133 (mit Farbabb.)


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otto dix

8254 Bei Langemarck (Februar 1918) Radierung und Aquatinta auf Maschinen-Bütten. 1924. 29,2 x 24 cm (46,3 x 35 cm). Signiert „Dix“ und bezeichnet „VII“. Auflage 70 num. Ex. Karsch 76. 4.500€

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Der belgische Ort Langemark, seit November 1914 stark umkämpft, wurde im Frühjahr 1918 Schauplatz einer großangelegten deutschen Offensive gegen die französischen und englischen Truppen. Wie sehr die vier Jahre Kampf dem Landstrich zugesetzt haben, lässt sich anhand von Dix‘ schonungsloser Schilderung auch heute noch wirkungsvoll nachempfinden: Der von Schützengräben durchzogene Boden ist zerklüftet, Granattrichter reihen sich aneinander und bilden Wellen, die Tote unterschiedlichen Verwesungsstadiums an die Erdoberfläche treiben. Zerborstene Bäume und Stacheldrahtverhaue ziehen sich durch die Landschaft, rahmen Fragmente ausgebombter Dörfer, der nach hinten ausgedünnte Strich zeigt einen schemenhaften, hoffnungslosen Ausblick in die Ferne. Das Blatt ist Teil des Zyklus „Der Krieg“, den die Vossische Zeitung nach Erscheinen „ein Zeitdokument ersten Ranges“ nannte. Gedruckt bei Otto Felsing, Berlin, Mappe I, Blatt VII. Prachtvoller, kräftiger Druck mit leicht zeichnender Plattenkante, mit Rand.

8255 Überfall einer Schleichpatrouille Radierung und Aquatinta auf BSB-Maschinenbütten. 1924. 19,5 x 14,5 cm (47,50 x 35,5 cm). Signiert „Dix“ und bezeichnet „IV“. Auflage 70 num. Ex. Karsch 113a (von b). 4.500€

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Zehn Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges befällt den Künstler erneut das Bedürfnis, sich an dem einst Erlebten abzuarbeiten. Nach dem Studium drucktechnischer Verfahren bei Wilhelm Herberholz an der Düsseldorfer Kunstakademie findet Dix die ideale Formensprache, um das Grauen, das ihm, nach eigener Aussage, seit einem Jahrzehnt durch die Träume schießt, in einen Zyklus von 50 Bildern („Der Krieg“) zu bannen. Die Darstellung offenbart eine konzentrierte Heftigkeit in der künstlerischen Umsetzung, die sich in der brutalen Schnelligkeit des tödlichen Angriffs wiederfindet: Wild schraffierte, harte Striche stehen in starkem Kontrast zu den aufblitzenden weißen Leibern. Gedruckt bei Otto Felsing, Berlin, Mappe V, Blatt IV. Prachtvoller, teils gratiger und samtiger Druck mit leicht zeichnender Plattenkante, mit Rand.


8256

peter doig

(1959 Edinburgh, lebt in Port of Spain/Trinidad)

8256 Figure by a river, aus: Black palms Farbaquatinta mit Radierung auf festem Velin. 2004. 19,8 x 14,7 cm (53,3 x 38,1 cm). Signiert „Doig“ und datiert. 1.000€

Ganz hervorragender, farbstarker Druck mit breitem Rand, links mit dem Schöpfrand. 57


8257

jiří georg dokoupil

(1954 Krnov/Tschechoslowakei, lebt in Berlin, Prag und Madrid)

8257 Mappenwerk 3 Bl. Titel, Einleitung und Impressum sowie 9 aquarellierte Siebdrucke auf BFK Rives-Velin, lose in Orig.-Kartonportfolio. 1986. Ca. 56,5 x 57 cm. Die Siebdrucke jeweils signiert „dokoupil“ und datiert. Auflage 33 num. Ex. 5.000€

Zunächst aquarellierte Dokoupil jedes einzelne Blatt und danach erst wurde in einem zweiten Arbeitsvorgang der Siebdruck darübergelegt. Jedes einzelne Blatt ist also ein Unikat. Die Idee zu dieser Edition entstand auf einer Italienreise des Künstlers, bei der er sich intensiv mit den sichtbaren Spuren der religiös-esoterischen Geheimlehren beschäftigte. Er benutzte hier erstmalig seine Prototypen zur Verbildlichung des menschlichen Daseins: Maler, Frau, Kind, Weltkugel, Kreuz, Hase, Haus, Peacezeichen und Geld, immer verzerrt in Kreuzform angeordnet. Erschienen bei Delano Greenidge Editions, New York 1986, mit einem Vorwort von W. W. Dickhoff, in einer Gesamtauflage von 39 Exemplaren. Prachtvolle Drucke dieser formatfüllenden Darstellungen, mit lebhafter Aquarellierung.

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8258

piero dorazio

(1927 Rom – 2005 Perugia)

8258 Ohne Titel Acryl auf blau grundiertem, grobem Bütten. 1981. 63 x 63,2 cm. Unten rechts mit Graphit signiert „Piero Dorazio“ und datiert. 9.000€

Der italienische Maler Piero Dorazio kreiert in seinen abstrakten Gemälden und Aquarellen eigene, leuchtende Farbwelten, die sich über Struktur, Bewegung und Rhythmik konstituieren. Die Farbe schafft und dominiert die Komposition, sie sprengt den flächigen Bildraum. „Die Farbe ist für Dorazio nicht ein den Dingen gegebenes Attribut, eine Eigenschaft, eine Eigenart: die Farben sind hin-

gegen die Elemente, die die Welt ausmachen, eine Welt, wie Dorazio sie sich vorstellt und sie zum Leben erweckt.“ (Jaques Lassaigne, in: Dorazio, Mailand 1978, S. 3). Vor dem azurblauen Hintergrund lässt Dorazio bei unserer Arbeit horizontale, transparent wirkende Farbbänder entstehen, die zum unteren Rand hin schmaler werden. Während dadurch eine Bewegungsrichtung von oben nach unten verläuft, deutet sich eine weitere von links nach rechts in der kurzen vielfarbigen Strichelung der Bänder an. Ein räumliches, schwebendes Geflecht von Farbbändern entsteht, das einen nahezu dreidimensionalen Charakter hat. Provenienz: André Emmerich Gallery, New York, verso mit deren Galerieetikett Privatsammlung Deutschland 59


8259

frank dornseif

(1948 Radevormwald, lebt in Berlin)

8259 Elke Filzstift auf Transparenzpapier mit Feuerflecken. 1989. Ca. 93 x 90 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „F. Dornseif“ und datiert. 1.200€

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Nahezu wie ein bildinterner Konflikt erscheint Dornseifs Arbeit, bei der ein sanft gezeichnetes Damenprofil auf ein durch Feuerflecken bearbeitetes Papier trifft. Typisch ist sie für den Künstler, der sich stark mit dem Grenzbereich zwischen Zeichnung und Skulptur auseinandersetzte. Durch die Bearbeitung des Papiers erlangt unsere Arbeit dreidimensionalen Charakter, durch die Linienführung erscheint „Elke“ dennoch als zweidimensionale Zeichnung.


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frank dornseif

8260 Sitzende Armierungseisen auf Stahlplatte. 1992. 38 x 54,4 x 31,5 cm. Auf der Unterseite der Platte monogrammiert „F.D.“ und datiert. 1.200€

Unikat. Frank Dornreifs Skultpuren aus Armierungseisen bilden einen Schwerpunkt in seinem Oeuvre. Obwohl er seine Objekte in sehr hohem Grade abstrahiert und reduziert, ist dennoch erkenn-

bar welche Figur dargestellt sein soll. Man könnte meinen, Dornseif übersetze die Linien einer Skizze in den dreidimensionalen Raum, wodurch er in seinen Skulpturen einen starken zeichnerischen Charakter suggeriert. Der üblich beginnende Prozess des Rostens wurde vom Künstler geschickt als Patina zur Oberflächengestaltung verwendet. Der Prozess des Weiterrostens wurde durch spezielle Öle gebremst. 61


8261

felix droese

(1950 Singen/Hohentwiel, lebt in Mettmann)

8261 Ohne Titel 2 Tuschearbeiten auf dünnem Velin, eine verso mit gedruckter Schrift. Je 46 x 46,4 cm. 800€

In den 1970er Jahren war Droese Schüler von Peter Brüning und Joseph Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie. Er zählt zu den politischen Künstlern, die nicht nur mit ihrer Kunst ein mutiges Statement platzierten. So endete beispielsweise seine Teilnahme an einer Vietnam-Demonstration in Köln mit einer siebenmona­

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tigen Haftstrafe. In unseren Zeichnungen greift er auf chinesische Tuscharbeiten zurück und bedient sich der alten Tradition, um neue Bildzeichen zu schaffen: In beiden Darstellungen finden sich Tiere (Frosch und Vogel), die in ornamentalen Verschlingungen sicherlich auf umweltpolitische Inhalte anspielen. Droeses grünes Engagement zeigte sich bereits 1979, als er bei der Düsseldorfer Kommunalwahl für die „Alternative Liste“ kandidierte. Provenienz: Ehemals Galerie Rudolf Zwirner, Köln, verso mit deren Klebe­ etiketten


felix droese

8262 Ohne Titel Mischtechnik auf Velin. 109,5 x 30 cm. 1.200€

„Ganz am Ende meiner Zeit in der Albertusstraße 18 zeigte ich Felix Droese, den ich über Jahre hinweg begleitete. Ich hatte ihn in Düsseldorf noch als Beuys-Schüler kennengelernt, der sehr politisch dachte und arbeitete (...) Höhepunkt unserer Zusammenarbeit war 1988 seine Berufung als Vertreter der Bundesrepublik auf der Biennale in Venedig, wo er den deutschen Pavillon in ein ‚Haus der Waffenlosigkeit‘ umwidmete.“ (Nicola Kuhn, Ich wollte immer Gegenwart - Rudolf Zwirner, eine Autobiographie, Köln 2019, S. 220). Unsere hochformatige Arbeit zeichnet sich durch eine filigrane, nahezu florale Formensprache aus, die in nuancenreichen Grauschattierungen mit dunkelvioletten Akzenten eine ganz eigene, dynamische Abstraktion entwickelt. Zudem bearbeitet der Künstler sensibel die fragile Papieroberfläche, die sich unter der Spannung der Farben und Beimischungen wellt und verzieht und so eine fast plastische Komponente gewinnt. Provenienz: ehemals Galerie Rudolf Zwirner, Köln, verso mit deren Klebe­ etiketten

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max ernst

(1891 Brühl bei Bonn – 1976 Paris)

8263 Das Schnabelpaar 2 Doppelbl. mit Gedicht, Impressum und Prägedruck sowie 8 Radierungen mit Farbaquatinta, 1 koloriert, auf Arches-Velin. Lose in Orig.-Pergamentband, in Orig.Schuber. 1953. Jeweils 24 x 18 cm (38 x 28,4 cm). Die Radierungen sowie im Impressum signiert „max ernst“. Auflage 30 num. Ex. Spies/Leppien 56 C (von F). 10.000€

„der schnabelmax steckt sein weltbild unter den arm hebt es lächelnd in die höhe er schlägt es auf er klappt es zu und legt es auf den welttisch zur gefälligen betrachtung“ Ob Loplop, Hornebom oder Schnabelmax, Ernst tritt im Laufe seines Schaffens mehrfach in Form seiner gefiederten Alter Egos in Erscheinung. Sie dienen ihm als Identitätsfigur, sind anthropomorphe Gestalten, die das Menschliche des Künstlers mit dem Tierischen des Vogels miteinander verschränken. In seiner Phantasie überlagern sich gar Mensch und Vogel und Ernst führt in seinen Arbeiten in eine Welt ein, die diese mythische Verbindung

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vielsagend zum Ausdruck bringt. Geschickt, ja spielerisch zeigt er die Suche nach einer Gestalt auf, die seine Person in versteckter Manier offenbart. Auch in unserem „Schnabelpaar“ zeugen die dargestellten Bildfiguren von diesem doppelten Selbst, sie sind körperlich zwar als Vogel erkennbar, ihre Gesichter haben jedoch menschliche Züge. Hinterfangen von einem Umfeld, das zwischen Natur und Traum changiert, sind sie sie frei, bewegen sich grenzenlos. Unsere graphischen Blätter begleitet ein Gedicht des Künstlers, das Ernsts Rolle als poetischen Schreiber nebst seiner Begabung als bildender Künstler aufzeigt. Die Sprache dringt bei ihm stets in seine Werke ein, es kommt zu einer symbiotischen Verquickung von bildlicher Aussage und Kommentar. Das vollständige und in dieser Form seltene Mappenwerk, gedruckt bei Lacourière, Paris, verlegt von Ernst Beyeler, Basel, mit durchweg prachtvollen, gratigen und farbkräftigen Drucken mit fein zeichnender Plattenkante und Rand, an jeweils einer Seite mit dem Schöpfrand. Provenienz: Galerie Stangl, München


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max ernst

8264 Ohne Titel Radierung und Aquatinta, koloriert, auf Velin. 1950. 12,8 x 17,9 cm (47,6 x 32 cm). Signiert „Max Ernst“ und gewidmet. Auflage 100 num. Ex. Spies/Leppien 41 E. 1.500€

Die Widmung von Max Ernst an Rudolf Zwirner. Prachtvoller Druck mit kräftigem Plattenton und schön nuanciertem Kolorit, mit breitem Rand, unten mit dem Schöpfrand.

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8265

max ernst

8265 Vogel Loplop Kugelschreiber und Farbstift auf glattem Kunstdruck­ papier. In Orig.-Leinenband. 1958. 24,5 x 20,7. Unten rechts mit Kugelschreiber in Blau signiert „Max Ernst“, bezeichnet und gewidmet. 1.500€

Gefälligkeitszeichung von Max Ernst auf dem Vortitelblatt der Publikation „Max Ernst“ von Patrick Waldberg, herausgegeben von Jean-Jacques Pauvert, Paris 1958. Mit der Widmung „au sympathique Dr. Beaudouin“ und der Bezeichnung „hommage de Max Ernst“. Max Ernst erschuf die anthropomorphe Vogelgestalt Loplop, mit der er sich in seinen Werken ab den 1920er Jahren häufig selbst repräsentierte. 67


8266

lyonel feininger (1871–1956, New York)

8266* Häuser Holzschnitt auf hauchfeinem braunen Velin. 1918. 9,7 x 12,6 cm (15 x 18 cm). Signiert „Lyonel Feininger“ und bezeichnet mit der Werknummer „1821“. Prasse W 32. 3.500€

Prasse kennt mindestens sieben Exemplare dieses Druckes auf unterschiedlichen Papieren. Charakteristisches Blatt aus Feiningers äußerst produktivem Schaffensjahr 1918, in dem der Künstler so besessen arbeitete, dass er zum Jahresende bereits mehr als

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100 Holzstöcke geschnitten hatte. Blockhaft eng stehen die beiden Häuser mit den Bäumen wie bei einem Spielzeugdorf beieinander. Aus prismatisch gebrochenen Formen setzt Feininger die Szenerie zusammen und erzielt die charakteristische kristalline Wirkung. Die ölhaltige Druckfarbe wird, wie von Feininger beabsichtigt, herrlich von dem hauchzarten Papier aufgenommen, wobei der minimal trockene Farbauftrag wie vom Künstler gewünscht das Licht ein wenig durchscheinen und die Maserung des Holzstockes herrlich mitdrucken lässt; er zeigt schön die einmaligen, ganz leichten Unregelmäßigkeiten des Handabzuges. Prachtvoller, kräftiger, klarer Druck mit Rand. Selten.


8267

lyonel feininger

8267* Fröhliche Schiffsreise Holzschnitt auf hauchdünnem Japanbütten. 1919. 14 x 16,4 cm (21,7 x 24,3 cm). Signiert „Lyonel Feininger“ und bezeichnet mit der Werknummer „1925“. Prasse W 146. 4.500€ Prasse verzeichnet keine Auflage dieses Blattes, sondern notiert lediglich fünf Eigendrucke. Schiffe, Mond und Sterne versammeln sich in unvergleichlicher Leichtigkeit und Heiterkeit. Das große dunkle Schiff dominiert die Darstellung, während Himmel und

See zu einer großen hellen, nur von kleinen Linien und Pünktchen durchbrochenen Fläche verschwimmen. Vor allem in der Figurendarstellung klingen noch Reste des früheren Karikaturisten Feininger an. Die sorgfältig ausgesparten weißen Flächen spiegeln in Kombination mit dem hauchdünnen Papier in besonderer Weise den Wunsch des Künstlers nach Transparenz, Licht und atmosphärischer Wirkung wider. Feininger hatte sich die anstrengende Technik des Holzschnitts als Autodidakt angeeignet, wohl angeregt durch seine Künstlerfreunde Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel. Sein Holzschnittwerk gilt aufgrund der vielfältigen Motive und seiner Ausdrucksstärke als gleichrangig neben seinen Gemälden und Aquarellen. Prachtvoller Druck mit Rand. Sehr selten. 69


8268

pavel feinstein

(1960 Moskau, lebt in Berlin)

8268 Stilleben mit Pampelmusen, Johannisbeeren und blau gemustertem Porzellan Öl auf Leinwand. 1995. 60 x 72 cm. Unten links mit Pinsel in Braun signiert „PAVEL“ und datiert, verso mit der Werknummer „598“.

8269 Stilleben mit blau gemustertem Porzellan, Wassermelone und Birnen Öl auf Leinwand. 1995. 110 x 75 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „PAVEL“ und datiert, verso mit der Werknummer „588“.

Feinstein widmet sein Werk den Stilleben, in denen er sich zwar auf die altmeisterlichen Vorbilder augenfällig beruft, aber zugleich - sei es in kleinen kompositorischen Brüchen oder in knalligen Farben - entschieden von ihnen abgrenzt. Feinstein, eigentlich Pavel Chmelnizkij, besuchte 1978-1979 die Kunstfachschule Duschanbe in Tadschikistan. Er emigrierte 1980 aus der Sowjetunion nach Berlin und studierte 1980-1985 an der Hochschule der Künste, 1985 wurde er Meisterschüler bei Gerhart Bergmann. Zunächst orientierte er sich stilistisch besonders an Cézannes klassischen Stilleben, an Picasso sowie den Künstlern der russischen Avantgarde, bis er immer mehr zu seiner eigenen Formund Farbsprache gelangte.

Das Arrangement unseres Stillebens ist besonders charakteristisch für die Kompositionen von Pavel Feinstein: Die Reminiszenzen an die niederländischen und spanischen Altmeister klingen vor allem in dem blau gemusterten Porzellan, den edlen Trinkgläsern und dem Obst, das sämtlich auf bzw. vor einem textilen Grund präsentiert wird, an. Ebenso entlehnt sich die samtene, mit Licht und Schatten spielende, leicht gedämpfte Malweise den Alten Meistern. Gebrochen wird indessen mit der alten Tradition, indem das Obst teilweise angeschnitten ist und die Wassermelone in einzelnen Stücken jeweils den Platz von Kerzen in den Ständern einnimmt. Das macht den Reiz der Stilleben von Feinstein aus; auf eine verschmitzte Art spielt er mit den Sehgewohnheiten des Betrachters.

900€

Provenienz: Rabbi Dr. Ernst Max Stein, Rabbi Emeritus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

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2.200€

Provenienz: Rabbi Dr. Ernst Max Stein, Rabbi Emeritus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin


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conrad felixmüller (1897 Dresden – 1977 Berlin)

8270* „Irmgard - Studie zum Kindermaskenfest“ Bleistift auf Velin. 1926. 65 x 50 cm. Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „cfm“, datiert „17. Febr. 1926“ und betitelt, rückseitig mit Sammlerstempel und bezeichnet „R. H. Studie zum Gemälde Kinderfastnachtstreiben aus dem demselben Jahr“. 6.000€

Strahlend und stolz steht die kleine Irmgard in ihrem Harlekins­ kostüm, den Kopf mit dem hohen spitzen Hut hält sie ganz gerade und aufrecht. Mitte Februar, genau zur Faschingszeit, entstand die reizvolle Zeichnung und im engsten zeitlichen Zusammenhang auch Felixmüllers Gemälde „Kinderfastnachtstreiben“ aus dem Februar desselben Jahres (Spielmann 365), für das unsere Zeichnung als Vorstudie diente. Das Mädchen, hellblond und mit grün-orangem Kostüm, rahmt dort die vielfigurige Szene im rechten Bildrand ein und begleitet wohl die beiden Söhne des Künstlers, Luca und Titus. Unsere Studie zeigt das Mädchen im Vergleich zum Gemälde mit einer noch lebendigeren, fröhlicheren Ausstrahlung. Mit eleganten Kringeln zeichnet Felixmüller das Harlekinskostüm, die lebendige Linienführung ersetzt hier die Farben und wird der Heiterkeit des Motivs wunderbar gerecht. Zarte Wi-

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schungen schattieren Kostümdetails, während Gesicht und Hände allein mit sicheren Konturlinien und sparsamen Binnenschraffuren wiedergegeben sind. Einfachheit und Unschuld der Kinderzeit paaren sich hier mit purem Glück und Lebensfreude. Felixmüller war 1919 Mitbegründer der Dresdner Secession und Mitglied der Novembergruppe, bald schon jedoch stimulierten persönliche Lebensereignisse wie seine Heirat und die Geburt seines Sohnes eine einschneidende Stimmungsänderung in Felixmüllers Werken: Allmählich, besonders um die Mitte der Zwanziger Jahre, wendet er sich immer mehr von den politischen und sozialkritischen Aussagen seiner früheren Arbeiten ab und beginnt, sich zunehmend privaten Inhalten wie Darstellung aus seinem glücklichen Familienleben zu widmen.


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fidus

(d.i. Hugo Höppener, 1868 Lübeck – 1948 Berlin)

8271 „Das Schloß der Schönheit“ Bleistift auf Velin, auf festen Karton montiert. 1902. 17 x 22,7 cm. Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „F.“, datiert und betitelt. 1.500€

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Fidus war von der Idee, einen Tempel zu errichten nahezu besessen. Insgesamt haben sich 79 visionäre Entwürfe dazu überliefert. Dass er sich im Zuge dessen intensiv mit zeitgenössischer Architektur beschäftigte, ist nicht weiter verwunderlich. Von großer Bedeutung und bisher in der Forschung lediglich am Rande erwähnt, scheint die Freundschaft von Fidus mit Paul Scheerbart (1863-1915) gewesen zu sein, die sich Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte. Ihr Austausch über „leuchtende“ Palastbauten hatte Fidus sicherlich inspiriert. Unsere, in einem Gebirge thronende Palastanlage zeichnet sich durch ein prächtiges Vestibül mit gotisierenden Spitzbogenfenstern aus. Sie trägt zahlreiche Elemente, die auf die Ideen von Kunstwerken der Zukunft aufbauen ohne dabei Elemente der Vergangenheit zu negieren. Literatur: Frecot/Geist/Kerbs, S. 336, 5.1, 1902/4

8272 Figurenstudie mit Eros Bleistift auf dünnem Velin. Um 1900-1910. 22 x 14 cm. Oben rechts mit Bleistift bezeichnet „Eros“. 900€

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In Fidus‘ Werk findet sich die gesamte bürgerliche Sexualproblematik wieder, wobei das Erschrecken vor der Sexualität viel häufiger dargestellt ist als die Freude und Hingabe zu ihr. In unserer Zeichnung skizziert Fidus in der linken Seite zwei männliche Krieger, während rechts ein nackter Jüngling mit weit aufgerissenen Augen schützend die Hände vor die Brust hält. Sein Haar erscheint wie elektrisiert. Die große und in diesem Fall erschreckende Kraft, die er zu spüren scheint, geht von Eros aus. Sie ist existenziell und Mme Blavatsky beschreibt sie in ihrer Geheimlehre als der Wille vom Genius, als eine Kraft, die große Werke hervorbringt in Musik, Literatur oder Malerei.


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8273 Skizzenblatt mit Köpfen und Selbstporträt Bleistift auf Velin. Um 1890. 26,8 x 20,8 cm. 2.200€

Im Jahr 1887 schloss sich Hugo Höppener dem Maler und Vorkämpfer der Lebensreform Karl Wilhelm Diefenbach (1851-1913), der in Höllriegelskreuth im Isartal lebte und wirkte, an. Wenig später taufte Dieffenbach ihn im Rahmen einer feierlichen Zeremonie mit dem Klosternamen „Fidus“, der Getreue. Den Namen behielt er Zeit seines Lebens. Fidus passte sich auch äußerlich seinem neuen Umfeld an: er trug die Haare offen und halblang, so wie auf unserem Selbstporträt unten rechts wiedergegeben. Zudem kleidete er sich mit einem Jäger-Anzug. Er war eine auffallende und charismatische Erscheinung. In unserem Selbstbildnis zeigt er sich mit kämpferischem Ausdruck. Verso mit aquarellierten kalligraphischen Skizzen in Schwarz. 75


8274

sam francis

(1923 San Mateo –1994 Santa Monica)

8274 Another Footprint (SF-105) Farblithographie auf BFK Rives-Velin. 1971. 63,7 x 90,1 cm. Signiert „Sam Francis“ und bezeichnet „trial proof #2“. Lembark L 115. 3.000€

Gedruckt von vier Aluminiumplatten von Hitoshi Takatsuki im Litho Shop, Inc., Santa Monica, Kalifornien und ebendort herausgegeben, mit beiden Blindstempeln im Unterrand. Einer von nur fünf TP-Drucken, vor der Auflage von 18 Exemplaren. Prachtvoller und farbintensiver Druck der formatfüllenden Darstellung.

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8275

sam francis

8275 Her Wet White Nothing (SF-107) Farblithographie auf BFK Rives-Velin. 1971. 63,7 x 90,2 cm. Signiert „Sam Francis“ und bezeichnet „trial proof“. Lembark L 116. 2.500€

Gedruckt von Hitoshi Takatsuki im Litho Shop, Inc., Santa Monica, Kalifornien und ebendort herausgegeben, mit beiden Blindstempeln im Unterrand. Einer von nur fünf TP-Drucken, in Blau, Rot und Grüntönen, vor der Auflage von 23 Exemplaren. Prachtvoller, farbintensiver und kontrastreicher Druck der formatfüllenden Darstellung. 77


sam francis

8276 Untitled (SF-263) Farblithographie auf BFK Rives-Velin. 1981. 106,5 x 50 cm. Signiert „Sam Francis“ und bezeichnet „CTP“. Lembark L 244. 1.800€

Gedruckt von fünf Aluminiumplatten von George Page im Litho Shop, Inc., Santa Monica, Kalifornien und ebendort herausgegeben, mit dem Blindstempel rechts im Unterrand. Einer von nur vier CTP-Drucken, vor der Auflage von 24 Exemplaren. Prachtvoller und farbintensiver Druck der formatfüllenden Darstellung. 8276

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8277

lutz friedel

(1948 Leipzig, lebt in Berlin)

8277 Brandenburger Tor Gouache und Acryl auf Velin. 1987. 139,2 x 159,5 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Friedel“ und unten links mit Kreide in Weiß datiert „8.12.1987“. 2.800€

Lutz Friedels Werdegang und Werke stehen symbolisch für die Geschichte und Teilung Deutschlands. Der Künstler studierte in Dresden, Leipzig und unter Bernhard Heisig in Ost-Berlin. Nachdem seine Einreichung „Vom Untergang der Titanic“ zur Gruppenausstellung „Berliner Kunst“ aufgrund einer zu kritischen Haltung gegenüber der DDR abgelehnt wurde, wanderte er in die BRD, den Westen, aus. Nur wenige Jahre darauf entstand seine Arbeit

„Brandenburger Tor“ - ein Sujet, das er aufgrund der politisch aufgeladenen Symbolträchtigkeit im Laufe der Jahre mehrmals wählte. Die Besonderheit der vorliegenden Version des Brandenburger Tors liegt im Entstehungsjahr, 1987, zwei Jahre vor dem Fall des Eisernen Vorhangs. In der düsteren Stimmung, die durch den sehr großzügigen und schnellen Malduktus sowie die dunkle Farbgebung suggeriert wird, scheint das schemenhaft angedeutete Brandenburger Tor in der Dunkelheit verloren zu gehen. Friedels „Brandenburger Tor“ stellt sowohl ein Stück Kunstgeschichte als auch Zeitzeugnis dar. Provenienz: Villa Grisebach, Berlin, Auktion 126, Los 457, 4.6.2005 Privatsammlung Berlin 79


8278

johnny friedlaender (1912 Pless – 1992 Paris)

8278* Vert et Jaune Öl auf Leinwand. 1969. 72,8 x 50 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Friedländer“ und datiert, verso mit Pinsel in Schwarz nochmals signiert „Friedländer“ und datiert „Aout 1969“. 4.500€ 80

Johnny Friedlaender zählt zu den Wegbereitern der modernen Farbradierung. Er gab dieser schwierigen künstlerischen Technik eine neue, zeitgemäße Ausdrucksform, welche die Tradition mit der Innovation verband. Die interessante Farbgebung sowie die ins Informell gehenden, dennoch meist geometrischen Kompositionen setzte er auch in zahlreichen Gemälden um, wofür unsere Arbeit ein prägnantes Beispiel abgibt.


8279

klaus fussmann

(1938 Velbert, lebt in Berlin und Gelting)

8279 Ohne Titel Aquarell und Gouache auf perforiertem HahnemühleBütten. 1990. 29 x 40,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „Fu“ und (unleserlich) datiert. 5.000€

Wunderbar farbenfrohes, blattfüllendes Blumenstilleben. 81


rupprecht geiger (1908–2009, München)

8280* blau - rot - schwarz Lithographie auf Velin. 1958. 36 x 37,5 cm (54,8 x 40,3 cm). Signiert „Geiger“ und bezeichnet „f. K.“. Auflage 15 Ex. Geiger 27-1. 1.500€

Die vereinfachten Formen lassen die drei Grundfarben unbeeinflusst hervortreten und ihre Wirkung auf den Betrachter entfalten. Herausgegeben von der Süddeutschen Graphischen Kunstanstalt. Aus einer Auflage von 15 signierten Künstlerdrucken, neben der Auflage von 30 Exemplaren. Prachtvoller Druck in kräftigen, differenzierten Farben, mit kleinem Rand. Selten. Provenienz: Sammlung Carl Vogel Hamburg, verso mit dessen Stempel

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8281* blau - schwarz Farbsiebdruck auf festem Velin. 1964. 22,5 x 23 cm (24,5 x 25 cm). Signiert „Geiger“, gewidmet „für Carl Vogel“ und bezeichnet „f d k“. Auflage 20 num. Ex. 1.200€

In der Konzentration auf lediglich zwei Farbtöne setzt sich Geiger mit dem Ziel auseinander, den künstlerischen Eigenwert der Farbe erkennbar zu machen. Die Farbe wird also vom Ausdrucksmittel zum Motiv seiner Kunst. Erschienen bei der Galerie Schmücking, Braunschweig, als Beilage zur Luxusausgabe des Catalogue Raisonné. Aus einer Auflage von 20 signierten Exemplaren, neben der Auflage von 100 Exemplaren. Prachtvoller Druck mit wunderbar pastoser Farbstruktur, mit kleinem Rand. Selten.

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Provenienz: Sammlung Carl Vogel Hamburg, mit dessen Stempel verso


8282

werner gilles

(1894 Rheydt – 1961 Essen)

8282 „Der Tod“ Aquarell in Schwarz auf dünnem Velin. Um 1955. 42,5 x 60,8 cm. Verso betitelt, mit dem Nachlaßstempel und der Bestätigungssignatur von Eberhard Seel sowie bezeichnet „34“. 1.000€

Ein Mann mit einer Leier, ein tanzendes Skelett, eine brennende Kerze, dies sind nur einige der zahlreichen Elemente, mit denen Gilles die Szenerie auflädt und mit dem Tod verbindet. Seine Arbeiten der 1950er Jahre, vorwiegend angelegt in Zyklen, entstehen in Zusammenhang mit der Thematik des Todes. Von der Antike inspiriert, widmet sich Gilles insbesondere der Figur des Orpheus, und auch in unserer Zeichnung steht dieser möglicherweise, verkörpert in der Figur mit der sehr stilisierten Leier, vor dem Eingang zur Unterwelt. Eine Unterwelt, die wie inszeniert wirkt, ja mystisch, einer genauen Räumlichkeit entzogen. Wie häufiger in Gilles‘ Werk der Nachkriegszeit bleibt die Deutung der Szene letztlich offen; es bleibt die Figur vor ihrer schicksalhaften Begegnung mit der Unterwelt. Verso eine weitere Studie des Künstlers. 83


8283

raimund girke

(1930 Heinzendorf – 2003 Köln)

8283 „Januar/Februar 1983 Berlin“ Acryl auf Schoellershammer-Büttenkarton. 1983. 18,2 x 25 cm. Verso mit Bleistift betitelt und datiert. 2.200€

Die Wintermonate in Berlin, vor allem der Januar und Februar, erscheinen stets lang. Raimund Girke setzt sich in seinem Œuvre mit den scheinbar unendlich vielen möglichen Schattierungen der Farbe Weiß auseinander. In vorliegendem Werk verleiht er der weißen Oberfläche durch den Farbauftrag und den Pinselduktus eine rhythmisch geschwungene Oberflächenstruktur. Leicht schimmert ein zarter blaugrauer Untergrund durch und versinnbildlicht die Kälte der Wintermonate. Provenienz: Galerie Fahnemann, Berlin, verso mit deren Galerieetikett Privatbesitz Deutschland

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bruno gironcoli

(1936 Villach – 2010 Wien)

8284 Maschinelle Entwürfe 3 Zeichnungen. Bleistift auf Velin. 1970er Jahre. Je ca. 30,3 x 41,8 cm. Jeweils mit Bleistift signiert „B. Gironcoli“. 1.800€

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Unsere Entwürfe zeigen an Maschinen erinnernde Elemente, die das spezifische und surreale Moment von Gironcolis Skulpturen ausmachen: „Die monumentalen Skulpturen erscheinen wie Prototypen einer neuen Spezies, gefasst in glänzende, verführerische Oberflächen aus Gold, Silber und Kupfer. Fremdartig und doch vertraut sind sie mit ihren organischen Formen und den Versatzstücken einer Alltagskultur, die sich häufig am Lokalen orientiert: Bald glaubt man ein Weinfass zu erkennen, eine Ähre, eine Weinrebe.“ (zit. nach schirn.de/ausstellungen/2019/bruno_gironcoli/ de, 29.6.2020). Die Frankfurter Schirn widmete dem Künstler eine große Ausstellung im Jahr 2019. Die Zeichnungen lagen Christine Gironcoli im Original vor und wurden mündlich bestätigt.

albert gleizes

(1881 Paris – 1953 Avignon)

8285 Composition Bleistift auf leichtem Velin, ganzflächig auf Karton kaschiert. 1922. 26,7 x 21,2 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Albert Gleizes“ und datiert. Varichon 969. 1.800€

Zur Werkphase der „l’objet peinture“ gehörige Zeichnung, die in Zusammenhang mit sechs weiteren Arbeiten der Jahre 1921-1923 steht (vgl. Varichon 970-975). Ganz dem synthetischen Kubismus verbunden, fügt Gleizes die in geometrische Einzelformen zerlegte Gitarre zu einer aus sich überlagernden Flächen bestehenden, harmonischen Komposition zusammen. Mit der Schichtung gelingt ihm eine außerordentlich räumliche Wirkung, das Musikinstrument verlässt die plane Bildfläche zugunsten des räumlichen Wahrnehmungsraums und eröffnet ein visuelles Spiel zwischen den Ebenen. „Während ein Stilleben, das auf ein bestimmtes und begrenztes Sujet zurück geht, kaum Universalität beanspruchen kann, so ist eine erdachte Komposition - auch wenn sie ein ‚fiktives‘ Stilleben ist - ungleich idealer und daher auch von höherer Realität. Gleizes kam durch Gedankenvorgänge, nicht durch visuelle Wahrnehmung, zur Abstraktion.“ (Daniel Robbins). Provenienz: Galerie Engelberts, Genf 1970 Hauswedell & Nolte, Hamburg, Los 289, 13.6.2008 Ausstellung: Galerie Engelberts Genf, 1970

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kuno gonschior

(1935 Wanne-Eickel – 2010 Bochum)

8286 Leuchthalbkugel „VIBR. ROT-GRÜN-VIO“ Leuchtfarben auf Holz, montiert auf mit schwarzem Samt bezogener Holzplatte. 1968. Durchmesser Leuchtkugel ca. 16 cm (30 x 30 x 1 cm). Verso mit Faserstift in Schwarz signiert „KUNO GONSCHIOR“, datiert, betitelt und bezeichnet. 14.000€

Frühe Bekanntheit erlangt Gonschior bereits in den 1960er Jahren mit seinen Leuchtfarbenbildern. Ausgehend von einem punktbestimmten und farbwirkenden Gestaltungssystem, das er ab Mitte der 1960er Jahre in die Räumlichkeit und somit auf seine dreidimensionalen Objekte überführt, entstehen mit der visuellen Wahrnehmung raffiniert spielende Arbeiten. Die Grenzen des planen Tafelbildes verlassend, werden pilzförmige Scheibenobjekte, Halboder Vollkugeln geschaffen. Basis von Gonschiors System ist immer wieder der Punkt, den er, einen nach dem anderen, einem Muster gleich mit Leuchtfarben aufmalt. In ihrer Kombination wirken diese unmittelbar und bereits nach kurzem Hinsehen erzeugen die Farbpunkte auf der Netzhaut des menschlichen Auges irritierende Nachbilder. Es kommt zu einer visuellen Herausforderung, bei der die Sehgewohnheiten durchbrochen werden. Die Seherfahrung wird bewusst gereizt, auch bis an eine Schmerzgrenze geführt. Unsere Halbkugel wandelt sich in eine nicht greifbare, vibrierende Farberscheinung und es entsteht ein wahrer Farbrausch, der, ob bei Tages- oder Schwarzlicht, wie magisch anzieht und den Betrachter in einen Farbnebel hüllt. Freiheit der Farbe wird erlebbar. Provenienz: Um 1970 direkt beim Künstler erworben seitdem in Privatbesitz

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kuno gonschior

8287 Ohne Titel Farbige Kreiden sowie Silber- und Goldstift auf blaugrauem Bütten. Wohl 1960er/70er Jahre. 44,2 x 38 cm. 2.500€

Unzählige Kreisstrukturen, die sich Schicht für Schicht überlagern, energisch und schwungvoll zu Papier gebracht, lassen Anklänge an Schrift und Textlichkeit erkennen. Gonschior nutzt Kreise und Kringel, um aus ihnen eine eigene Sprache, seine Bildsprache, zu

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erschaffen. Aneinander gereiht, Wörtern ähnlich, fügen sie sich zum Bildtext, der sich wie eine Textur über das Bild ausbreitet. Es ist die künstlerische Gestaltung Gonschiors, das kreishafte Zeichen, das vergegenständlicht wird. Zunächst Unscheinbares wird werkimmanent, Nebensächliches wird Bildrealität. Provenienz: Atelier des Künstlers Privatbesitz Bochum


8288

kuno gonschior

8288 Ohne Titel (Rot) Leuchtfarbe auf grau grundiertem Velinkarton. Ca. 1970. 96,4 x 67,8 cm. 3.500€

Die bannende Kraft der Leuchtfarbe wirkt unmittelbar, das Auge folgt den zahlreich und minutiös gesetzten Punkten, die sich wie ein flimmernder Schwarm auf der Bildfläche ausbreiten. Es wird klar, dass die visuelle Wahrnehmung, die Farbe und ihre sinnliche Wirkung im Zentrum von Gonschiors Werk stehen. Intensiv er-

forscht er seit Anfang der 1960er Jahre in seinen aus Farbpunkten, -flecken und -tupfen aufgebauten Bildern das Wesen, die Qualität und Substanz von Farbe: optisch, physikalisch, konzeptuell. Seine Bilder, die im Laufe der Jahre immer großformatiger werden, erschaffen virtuelle Farbräume und sind von mitreißender Vitalität. Provenienz: Atelier des Künstlers Privatbesitz Bochum 89


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julio gonzález

(1876 Barcelona – 1942 Arcueil)

8289 Abstrahierte Figur Feder in Schwarz über Bleistift und Buntstifte auf Velin. 1941. 21,1 x 15,5 cm. Unten links mit Feder in Schwarz monogrammiert „J.G.“ und datiert „25.9.41“. 2.500€

Klar Konturiertes und Flächiges, Kantiges und Rundes, Strenges und Schwungvolles halten sich in unserer Zeichnung die Waage. Die zeichnerische Darstellung einer abstrahierten, aus dem Bereich des Plastischen stammenden Figur, ist die bildhafte Umsetzung eines Künstlers, der sich Zeit seines Lebens zwischen dem Drei- und Zweidimensionalen, zwischen dem Plastischen und Zeichnerischen bewegt. Bereits in Barcelona wird González ab 1891 von seinem Vater zum Goldschmied ausgebildet und besucht parallel Zeichenkurse in der Kunsthochschule. Nach seinem Umzug nach

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Paris 1899 schließt er u.a. Bekanntschaft mit Picasso und widmet sich zunächst der Malerei, ehe er seine berühmten abstrakten Metallplastiken aus geschmiedetem Eisen gestaltet. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg konzentriert er sich gegen Ende seines Lebens vorwiegend auf das Zeichnen und die entstehenden, detailreichen Arbeiten „(…) halten die Mitte zwischen Skulptur und flächiger Darstellung. Es sind virtuelle Plastiken mit der vollen Breite graphischer Erfindung. Vom Bildhauer haben sie die genauen Umrisse und die scharfkantige Isolierung im Raum. (…) Was sofort ins Auge fällt, ist, bei bescheidenen Abmessungen, ihr stupender Einfallsreichtum.“ (Günter Metken, Zu den Zeichnungen von Julio González, in: Julio González. Zeichnungen 1928-1942, Galerie Dreiseitel, Köln 1974, o. S.). Provenienz: Galerie Stangl, München


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juan gris

(1887 Madrid – 1927 Boulogne-sur-Seine)

8290 Nature Morte Pochoir auf Velin. 1922. 16,5 x 24,9 cm (23,5 x 30,3 cm). Signiert „Juan Gris“. Kahnweiler 34. 5.000€

Juan Gris zählte, neben Pablo Picasso und George Braque, zu den wichtigsten Vertretern des synthetischen Kubismus. Dabei stand die Zusammensetzung eines Gegenstandes aus geometrischen Einzelteilen im Zentrum der Bildkomposition, was in der vorliegenden Arbeit klar ersichtlich ist. Gris bedient sich hier der klassischen Formensprache des Kubismus: Er wählt das Stilleben als Genre und platziert mittig die Gitarre, um die sich die restlichen Formen aufzuteilen scheinen. Plastizität wird in einer Bildebene suggeriert, die Perspektive und eine interpretative Illusion negiert. Ausgezeichneter, malerische Werte umsetzender Druck, der in die reife Schaffensphase des Künstlers fällt, mit Rand. 91


8292* „Vaudeville“ Tuschfeder auf Papier. 1917. 28,2 x 22,2 cm Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „Grosz“, rückseitig datiert und betitelt. 25.000€

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george grosz (1892–1959, Berlin)

8291 Passanten auf der Straße Kreide in Schwarz auf dünnem Skizzenpapier. 1915. 33 x 21,2 cm. Verso mit dem violetten Nachlaßstempel, dort mit der Nummer „4 157 10“ und (von fremder Hand) datiert. 5.000€

Bevor Grosz 1915 zu seinem „messerharten“ Strich findet, zeichnet er die Straßenszene: Weiche, sichere und geschwungene Linien dominieren die Zeichnung, kristallin liegen breite Streifen der quergelegten Kreide darüber und lassen das Liniengerüst hindurchschimmern. Die auffällig geraden, glatten Linien weicher schwarzer Kreide sind breit und souverän sparsam gesetzt, der Aufbau der Komposition bei aller Reduktion überzeugend in seiner Räumlichkeit. Treffend erfasst Grosz seine Figuren, die beiden Passanten und den Hund im Vordergrund. Die städtische Straßenkulisse bleibt mit nur drei Gebäuden und einer Straßenlaterne angedeutet, überzeugt aber mit den leicht gegeneinander verschobenen Winkeln umso mehr. Auch in diesem frühen Blatt erweist sich der Künstler als begnadeter Zeichner.

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Mit spitzer Feder, immensem Können, mit Witz und Ironie zeichnet Grosz die zwei Clowns, geschminkt und kostümiert, und dazu zwei ebenso skurrile Hunde in einer angedeuteten bühnenhaften Kulisse. Der Künstler betitelt die kleine Szenerie „Vaudeville“ nach dem Theatergenre, das besonders von der Mitte der 1890er bis zum Anfang der 1930er Jahre populär und für seine leichte Unterhaltung bekannt war. Die verschiedenen, nicht verwandten Akte des Vaudeville ähnelten in ihrer temporeichen Aneinanderreihung einer Varietéshow oder dem Zirkus. Obwohl sich unsere Zeichnung von Grosz‘ von den häufig ungeschminkteren und direkteren Szenen unterscheidet, thematisiert sie dennoch kritisch die Themen der Zeit: nämlich eine Gesellschaft, die der Realität entkommen will, indem sie sich von den vergänglichen Freuden der Unterhaltungsindustrie verführen lässt. Grosz als heftiger Kritiker der politischen und gesellschaftlichen Mißstände in der Weimarer Republik entlarvt auch hier die gesellschaftlichen Missverhältnisse auf provokante und karikierende Weise und mit charakteristischer psychologischer Schärfe. Das Blatt ist ein wunderbares Beispiel für seinen um 1915 einsetzenden „messerscharfen“ Zeichenstil. Die Zeichnung entstand zum Ende des Ersten Weltkrieges, in einer für den Künstler bewegten Zeit. 1914 und 1917 nahm er jeweils kurzzeitig als Freiwilliger am Krieg teil. Nach der Einberufung 1917 geriet Grosz in eine tiefe psychische Krise, kam vor ein Kriegsgericht und sollte eigentlich standrechtlich erschossen werden. Nur durch die Eingabe von Graf Kessler, der mit Grosz befreundet war, konnte das verhindert werden. Der Künstler landete aber für mehrere Wochen in einem Irrenhaus. In ebendieser Zeit fand er andererseits Zugang zum Avantgardekreis um Else Lasker-Schüler und begann für verschiedene Satire-Zeitungen wie „Ulk“ oder „Simplicissimus“ und für selbst herausgegebene Zeitschriften zu zeichnen und zu schreiben. 1917, als unsere Zeichnung entstand, veröffentlichte er seine erste Mappe mit Lithographien. Viele seiner häufig gewalttätigen und satirischen Szenen aus der politisch aufgeladenen und korrupten Gesellschaft Berlins zwischen dem Ersten Weltkrieg und Hitlers Aufstieg zur Macht wurden gebündelt und in Publikationen wie Ecce Homo (1925) reproduziert, die von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt wurden. Eine Expertise von Ralph Jentsch vom 16.01.2018 liegt vor. Provenienz: Vera Lazuk Gallery, Cold Spring Harbor, New York Privatsammlung (von oben genannter Galerie erworben, 1966) Privatsammlung Großbritannien (von oben genannter Sammlung geerbt)


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george grosz

8293 Beim Fleischer Rohrfeder in Schwarz auf glattem Velin. 1928. 60,3 x 46 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Grosz“ (verblasst), verso mit dem Nachlaßstempel, dort datiert und numeriert „3-104-9“. 6.000€

Mit kraftvoll und souverän geführter Rohrfeder gibt der Künstler eine alltägliche Einkaufsszene einer jungen Frau mit Korb beim Fleischer wieder, der sein Messer schwingt. Der Fleischer entspricht dem Prototyp eines Mannes seines Metiers: Mit Glatze

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und Schnurrbart gezeichnet, steht er mit hochgekrempelten Ärmeln und leicht untersetzter Statur hinter dem Tisch. Im Vergleich zu den zarten Fingern der Einkäuferin zeichnet Grosz die Hände des Mannes nicht nur grob. Vielmehr erscheinen sie wie die Pranken eines Tieres. Das Fleischmesser hat bei Grosz eine symbolische Bedeutung, es versinnbildlicht oftmals Brutalität, den Kampf ums Dasein. Hier sind Mensch und Tier gleich, das entlarvt der Künstler in dieser Zeichnung, die am Ende der Weimarer Zeit entsteht, als sich die politische Katastrophe bereits anbahnt.


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george grosz

8294 „Run sheep run“ Tuschfeder in Schwarz auf glattem Velin. 1941. 59 x 46 cm. Unten rechts mit der Stempelsignatur „Grosz“, darunter mit Bleistift betitelt, unten links bezeichnet „to Ben Hecht 1001 Afternoons“, verso mit dem Nachlaßstempel, dort datiert und numeriert „4-51-7“. 3.000€

„Lauft, Schafe - lauft!“ - so betitelt Grosz seine Zeichnung und Ben Hecht seine Erzählung über jüdische Identität in Deutschland. Künstler wie Autor stellen jüdische Kultur, Mut und Philosophie, verkörpert in dem alten, traditionell gekleideten Mann, einem neuen, in ihren Augen übertrieben assimilierten Judentum gegenüber: „(...) gerade diese eleganten und emanzipierten Männer von Welt waren es, die als erste verschlungen werden sollten. Sie waren das wohlschmeckendste Fleisch für den Hitlerwolf. Mitsamt ihren Nelken, Monokeln und dicken Scheckbüchern verschwanden sie in seinem Schlund - sogar noch vor den Rabbis.“ (Ben Hecht, 1001 Nachmittage in New York. Frankfurt/Main und Leipzig 1992, S. 126). Ben Hecht war einer der bedeutendsten Drehbuchschreiber Hollywoods, er veröffentlichte aber auch zahlreiche Erzählungen,

Romane, Theaterstücke und Kurzgeschichten. In den Jahren 1918 bis 1920, also direkt nach dem Ersten Weltkrieg, lebte er als Korres­ pondent in Deutschland. Aus dieser Zeit rührt seine Freundschaft mit George Grosz, der für den Band „1001 Afternoons in New York“ über 80 Illustrationen zu Hechts sozialkritischen Erzählungen lieferte. Mit kraftvoll und lebendig geführter Rohrfeder entwirft der Künstler die beiden jüdischen Gestalten in unserem Blatt. In seinem typischen Zeichenstil, mit vereinfachten Formen und sicher gezogenen Konturen, stellt er die Figuren einander gegenüber, und es scheint, als würden sie sich gegenseitig misstrauisch beäugen. Eine Fotoexpertise von Ralph Jentsch liegt vor. Beigegeben: Ben Hecht, 1001 Nachmittage in New York, dt. Erstausgabe, Frankfurt/ Main und Leipzig 1992. Provenienz: Atelier des Künstlers, Douglaston, Long Island, New York, 1941 Nachlass George Grosz, 1959 Privatsammlung Nordrhein-Westfalen Literatur: Ben Hecht, 1001 Nachmittage in New York. Mit Illustrationen von George Grosz, Frankfurt/Main und Leipzig 1992, Abb. S. 125 95


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8295 Der Zuchthäusler Lithographie auf Velin. 1919. 46,2 x 34,4 cm (59,8 x 47 cm). Signiert „Grosz“. Dückers E 52. 6.000€ Herausragendes lithographisches Einzelblatt des Künstlers, mit dem Zuchthäusler als Helden der Komposition. In ungewöhnlich großem Format zeichnet Grosz links den schlicht und einfach stehenden Gefangenen, ganz bei sich und ruhig vor sich hinblickend, während sich rechts im Bild - in Freiheit! - das Grosz‘sche Leben tummelt: Lasterhaftigkeit, Trunksucht, Hurerei finden sich dort verkörpert in den Besuchern, an den Cafétischen, alles mit spitzer Feder, immensem Können, mit Witz und Ironie gezeichnet. Ironischerweise kurz bevor Grosz selber vor Gericht stand - die

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1920 auf der Dada-Messe ausgestellte Mappe „Gott mit uns“ war Anlass, ihn wegen Beleidigung der Reichswehr zu verklagen; die Verhandlung fand am 20. April 1921 statt, und das Gericht verurteilte Grosz zu einer Geldstrafe von 300 Mark, den Verleger Wieland Herzfelde zu 600 Mark Buße, verfügte zudem die Einziehung und Vernichtung der Platten und Formen und sprach dem Reichswehrministerium die Publikationsbefugnis zu -, stellt er den Zuchthäusler als die am vernünftigsten erscheinende Figur angesichts der Verkommenheit und Verlogenheit der Gesellschaft dar. Zuerst abgebildet wurde das Blatt in „Der blutige Ernst“, 1. Jg., 1919, Nr. 3, unter dem Titel „Ende eines Kriegsberichterstatters?“, und später, 1922, bei Mynona. Erschienen in kleiner Auflage von 40 Exemplaren, zudem mindestens zwei Probedrucke und sechs Exemplare - darunter unseres - ohne Nummer, die Auflage zum Teil auf Bütten gedruckt, im Verlag der Galerie Hans Goltz, München 1920. Brillanter, schwarzer Druck mit breitem Rand. Äußerst selten.


george grosz

8296 Kein Hahn kräht nach Ihnen Lithographie auf Similijapan. 1920. 27,4 x 21,8 cm (41 x 31 cm). Signiert „Grosz“. Auflage 125 Ex. Dückers E 63, Söhn HdO 72708-2. 1.800€

Das Blatt erschien zusammen mit „Vollkommene Menschen“ in: „Die Schaffenden“, II. Jahrgang, 4. Mappe, mit deren Blindstempel unten links. Veröffentlicht von Paul Westheim im Gustav Kiepenheuer Verlag, Weimar. Ganz ausgezeichneter Druck mit dem vollen Rand.

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8297 „Port d‘eaux-mortes“ 80 S. mit Titel, Text, Impressum und 8 Lithographien auf Japan sowie 2 Extrasuiten der Lithographien (16 Bl.) auf Van Gelder Zonen-Bütten bzw. auf China. In Orig.-Pappband, die Suiten in Orig.-Umschlag. 1926. Bis ca. 21,3 x 16,5 cm (Blattgröße). Dückers B IV 1 bis 8. 1.500€

Die Vorzugsausgabe B des Buches von Pierre Mac Orlan aus dem Jahr 1925. Die vollständigen Suiten enthalten die Blätter „Frontispiz“, „Café ‚Au Beau Patron‘ (Francesse)“, „Oncle Paul spielt Akkordeon“, „Die Nacht des Mordes und des Glückspiels“, „Das Doppelleben des Nicolas Behen (Jeckill und Hyde)“, „Dancing in der West India Docks Road (Der blinde Oncle Paul)“, „Judat der Mörder“ und „Der Morgen der Hinrichtung“.

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tibor hajas

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8298 Ohne Titel (Image Whipping II Tumo) 2 Gelatinesilberabzüge auf Barytpapier. 1979. 40 x 30 cm. Je verso mit Bleistift bezeichnet „KK-II/1“ und „KK-II/-2“ und mit Bleistiftannotation.

8299* „Papageientulpen“ Aquarell und Bleistift auf Bütten. 1922. 61,7 x 46,8 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Erich Heckel“, datiert und unten links betitelt.

Tibor Hajas entwickelte seit den 1970er Jahren in Ungarn einen Werkkomplex aus Film, Fotografie, Objekten, theoretischen Schriften und Performances. Sein Werk steht der Fluxusbewegung, aber auch den Wiener Aktionisten nahe. Das Ausreizen von Grenzen, insbesondere der Belastbarkeit des eigenen Körpers, ist ein wiederkehrendes Thema, welches er in Performances erprobt und wie hier mit der Kamera dokumentiert. Der Titel bezieht sich auf die gleichnamige Performance in Budapest aus dem Jahr 1979. Mit signiertem Fotozertifikat (Kopie) von Andrzej Lachowicz von 2009.

Unser großformatiges Aquarell entstand einige Jahre nach der Auflösung der „Brücke“. Die lebendige Komposition, der Pinselduktus von dynamischer Lebendigkeit und intensiv leuchtende Farbnuancen zeugen von Heckels Verwurzelung im expressiven Stil der „Brücke“. Vor dem zurückhaltenden Rotbraun des Hintergrundes strahlen die blauen, roten und gelben Blütenköpfe, und ihre Farbigkeit spiegelt sich in den Valeurs der Vase. Der streng und klar konstruierte Hintergrund steht in schönem Kontrast zur Beweglichkeit der floralen Elemente. So gelingt es Heckel nicht nur, ein naturgetreues Bild der Papageientulpen zu zeigen, sondern auch ihre charakteristische Erscheinungsform einzufangen. Der stilistische Wandel, der zu Beginn der 1920er Jahre in den Werken Heckels auftritt, zeigt sich am deutlichsten in seinen Aquarellen, deren Motive nun ruhiger, lyrischer und malerischer, in einer gedämpfteren Farbigkeit angelegt sind. Die Authentizität der Arbeit wurde vom Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen, bestätigt.

(1946 Budapest – 1980 Szeged)

4.000€

Provenienz: Andrzej Lachowicz und Natalia LL Breslau Privatsammlung Krakau Literatur: Anna Markowska (Hrsg.), Gdzie jest Permafo?, Ausst.-Kat. Muzeum Wspólczesne Wroclaw, Breslau 2002 (ganzs. Abb. S. 122)

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(1883 Döbeln – 1970 Radolfzell)

15.000€

Provenienz: Privatsammlung Los Angeles


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8300

erich heckel

8300* Fränzi (Liegendes Kind) Lithographie auf weichem Japan. 1909. 41,8 x 58 cm (43,7 x 58 cm). Signiert „EHeckel“ und datiert. Dube 123 II. 15.000€

Fränzi war das bedeutendste Kindermodell und eine Muse der Brücke-Künstler Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Max Pechstein. Sie wurde 1909, im Alter von acht Jahren, mit der Künstlergruppe bekannt gemacht und bis 1911 auf zahlreichen Werken der Maler abgebildet. Ihre Erscheinungsform ist charakteristisch: Die schlanke Gestalt mit dem dreieckig geschnittenen Gesicht und den langen Haaren kennzeichnet den von Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner geschaffenen Fränzi-Typus auf bildnerischen Werken zwischen 1909 und 1911. Tatsächlich kam ihr als Modell stilbildende Funktion zu: Ihre knabenhafte Gestalt begünstigte und radikalisierte die von den Brücke-Künstlern zu dieser Zeit beabsichtigte Projektion in die Fläche und die Ausbildung einer kanti-

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gen Kontur. Exemplarisch zeigt unsere Lithographie, entstanden zum Beginn dieser entscheidenden Phase, wie wichtig Fränzi für die Entwicklung des reifen, erst 1910 endgültig ausgeprägten „Brücke“-Stils war. „‘Fränzi‘ war weit mehr als ein Modell. Sie war eine Ikone, die insbesondere für Heckel und Kirchner die geistige Erneuerung der Kunst und damit verbunden, die Reform des Lebens im Sinne eines zurück zur Natur und zum Natürlichen, verkörperte. Das Arbeiterkind, das sich offenbar im Atelier wie an den Moritzburger Teichen im Kreise der Künstler ohne Scheu bewegte, konnte, wie kein anderes Modell, das Bild eines von Zivilisation und Erziehungsmaßnahmen verschonten ‚Naturmenschen‘ erfüllen.“ (Clelia Segieth, Fränzi - Modell und Ikone der Brücke-Künstler, zit. nach Buchheimmuseum.de, 15.3.2021). Prachtvoller, experimentell anmutender Druck des zweiten Zustandes, in dem der linke Teil der Decke eine geschlossene schwarze Fläche bildet, mit kleinem Rändchen oben und unten. Äußerst selten. Da es sich bei Heckels Exemplaren um Handdrucke handelt, weisen sie zum Teil deutliche Druckunterschiede auf und besitzen so nahezu Unikatcharakter.


erich heckel

8301 „Paar“ Kaltnadel auf Japon nacré. 1924. 25,3 x 23 cm (57 x 44 cm). Signiert „Erich Heckel“, datiert und betitelt. Auflage 30 Ex. Dube R 154. 1.200€

Frühdruck, in nur kleiner Auflage erschienen. Einen besonders reizvollen Aspekt der zwischen den beiden Weltkriegen entstandenen Kaltnadel Heckels macht der schön differenzierte, dunkle Hintergrundton aus. Er ergibt sich bei Heckel oft allein durch die etwas raue Oberfläche der Druckplatte aus Zink oder Eisen, die beim Abwischen etwas Farbe zurückhält. Prachtvoller, gratiger Druck mit ausdrucksvoll dunklem Plattenton, deutlich zeichnender Plattenkante und dem vollen Schöpfrand.

8301

8302 „Liegende“ Farbholzschnitt auf dünnem Velin. 1913. 18,1 x 10,5 cm (27,6 x 20 cm). Signiert „Heckel“, datiert und betitelt. Dube 259 IIB. 3.200€

Farbiger Druck in Rot und Schwarz, von dem zersägten, in zwei Teilen eingefärbten Stock. Erschienen in: „Die dritte Ganymed Mappe“, Verlag der Marées-Gesellschaft bei R. Piper & Co., München 1924. Prachtvoller, farbfrischer Druck dieses expressiven Blattes, mit breitem Rand.

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8303

erich heckel

8303 „Hockende“ Holzschnitt auf dickem, grauem Hadern-Bütten. 1914. 41,7 x 31 cm (70 x 55,5 cm). Signiert „Erich Heckel“, datiert und betitelt. Dube 263 II A (von B). 6.000€ Heckel setzt sich in vorliegendem Holzschnitt augenfällig mit der außereuropäischen Kunst aus Afrika und Ozeanien auseinander. Wie sein Künstlerkollege Ernst Ludwig Kirchner fertigte er auch eigene Holzskulpturen nach afrikanischem Vorbild. 1912 beschäftigte Heckel sich mit dem Thema einer hockenden Figur in Holz (heute im Folkwang Museum, Essen). Er war auf der Suche nach

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anti-artifiziellen, ursprünglichen und archaischen Ausdrucksmitteln, die er in der Kunst der sogenannten „primitiven“ Völker fand. Gleichzeitig ist in unserem Holzschnitt sein Interesse an der Darstellung von passiven Figuren in innerer Versenkung erkennbar, was sich ab 1911 in seiner Kunst deutlich intensiviert. In kantigen Linien, breiten Konturen und strengen Linien abstrahiert der Künstler die eigentliche Physiognomie der weiblichen Figur. In diesem Prozess offenbaren sich die charakteristischen Merkmale des Expressionismus. Vor der Auflage von 40 Exemplaren mit den Überarbeitungen. Prachtvoller, kräftiger und scharfer Druck auf dem vollen Bogen, unten und oben mit dem Schöpfrand.


8304

wilhelm heckrott

(1890 Hannover – 1964 Bremen)

8304 „Meister Puff“ Farbholzschnitt auf Japan. 1919. 43,2 x 35,3 cm (60,2 x 44 cm). Signiert „Heckrott“, betitelt und bezeichnet „Farb. Orig. Holzschnitt“. 3.000€

Kompositorisch dichte Arbeit in der markanten expressionistischen Formensprache des verfemten, vergessenen und wiederentdeckten Künstlers. Als Stipendiat der Stadt Hannover studierte Heckrott 1910 an der Akademie der Bildenden Künste in Dresden, der

Stadt, die fortan für ihn wichtigster Schaffens- und Begegnungsort sein sollte. Hier gründete er 1919 zusammen mit Otto Lange, Conrad Felixmüller und Otto Dix die Dresdner Secession, anschließend arbeitete er als freischaffender Künstler, beschickte zahlreiche Ausstellungen in Dresden, Berlin, Hannover und Karlsruhe. Im Jahr der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde er wegen „jüdisch-marxistischer Malerei“ aus dem Staatsdienst der Staatlichen Kunstschule Plauen, wo er Malerei und Entwurf lehrte, entlassen und zahlreiche seiner Arbeiten wurden als „entartet“ beschlagnahmt. Auf der großen Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ wurde sein Ölbild „Maienkönigin“ von 1919 gezeigt. Ausgezeichneter Druck mit Rand. 103


8305

josef hegenbarth

(1884 Böhmisch-Kamnitz – 1962 Dresden)

8305 Hunde Tusche auf dünnem Velin. Um 1939. 22,6 x 30,5 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Jos. Hegenbarth“. Zesch D V 863. 1.500€

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Neben einer Vielzahl an Skizzen zur Deutung des menschlichen Wesens setzte sich Hegenbarth ab Mitte der 1920er Jahre mit der Darstellung von Tieren auseinander. Dabei studierte er stets die Charakteristika unterschiedlicher Tierarten und versuchte diese dadurch von einer Art Vermenschlichung klar abzutrennen. Im vorliegenden Blatt blicken zwei Hunde erwartungsvoll in einen Innenraum. In beiden Tiergestalten lässt sich Hegenbarths illus­ tratorischer Zeichenduktus wiedererkennen. Provenienz: Galerie Bassenge, Berlin, Auktion 60, Los 7239, 1992 Privatbesitz Norddeutschland


josef hegenbarth

8306 Ruhender Hund Tusche auf Velin. Um 1950. 28,4 x 22,8 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Josef Hegenbarth“, verso bezeichnet von Johanna Hegenbarth „Liegender Hund“. Zesch D V 729. 1.200€

Über den Dächern Dresdens beobachtet ein Hund das Treiben der Stadt. Die schwunghafte Linienführung Hegenbarths lässt das Wesen lebendig und insbesondere das Fell haptisch wirken. Auf der Rückseite des Blattes ist skizzenhaft das Hinterteil eines Huftieres dargestellt. Provenienz: Dr. Irene Lehr, Berlin, Auktion 11, Los 143, 2000 (mit Abb. Tafel XXXVII) Privatbesitz Norddeutschland

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8307 Frauenkopf Aquarell, Tinte und Feder in Schwarz auf festem, leicht strukturiertem Velin. 1962. 48,6 x 35,5 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „Josef Hegenbarth“ und datiert, verso von Johanna Hegenbarth datiert, betitelt und mit Werkverzeichnisangaben. Zesch D II 538. 1.000€ Diese Kopfstudie zählt zu den späten, freien Blättern des Künstlers, entstanden in seinem letzten Lebensjahr. In seinen charakteristischen, klaren, energetischen Konturlinien, erschafft Hegenbarth auch in diesem Bildnis einen jener Charakterköpfe, die für sein Werk ab 1953 in der Kontinuität und Fülle so bedeutend werden.

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8308

werner heldt

(1904 Berlin – 1954 San Angelo/Ischia)

8308 Berlin Pinsel in Schwarz auf Velin. 1950er Jahre. 24,3 x 32,3 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „WH.“. 3.000€

Mit vereinfachten, geometrisierten Formen und harten Kontrasten zeichnet Werner Heldt die Berliner Szene: Schattenlos stehen die paar wenigen Häuser und Bäume, eine Straßenkurve ist angedeutet, Himmel und Erde gleichermaßen im Ungefähren gelassen. Mit ihrer allgemeingültigen Formensprache lässt Heldts Zeichnung die Stadt zu einem Stilleben werden. „Ich habe in meinen Bildern immer den Sieg der Natur über das Menschenwerk dargestellt. Unter dem Asphalt Berlins ist überall der Sand unserer Mark. Und das war früher einmal Meeresboden. Aber auch Menschenwerk gehört zur Natur.“ (Werner Heldt, zit. nach Wieland Schmied, Werner Heldt, Köln 1976, S. 66).

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8309 Berlin 4 Lithographien auf Velin. 1949. Bis ca. 41,8 x 29,4 cm (Blattgröße). Sämtlich monogrammiert „WH.“ und datiert. Auflage 110 num. Ex. Seel 630, 631, 634, 635. 1.200€

Vier (von sechs) Lithographien aus Heldts Folge „Berlin am Meer“, erschienen in der Edition Seel, Berlin 1949. Darunter die Blätter „Häuser“ (Seel 630), „Flügel mit Fensterausblick“ (Seel 631), „Weißensee“ (Seel 634) und „Stadtbild“ (Seel 635). Die Stadt Berlin bildet eines der zentralen Sujets in Werner Heldts Œuvre: „Sie war ihm Erfahrung der Hölle, und sie blieb ihm Gegenstand unstill­ baren Heimwehs, sie reichte in alle Tiefen seines Empfindens, und sie war der Hintergrund seiner finstersten Träume.“ (Wieland Schmied, Werner Heldt, Köln 1976, S. 21). Ausgezeichnete, kontrastreiche Drucke mit Rand.


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8310

thorvald hellesen (1888–1937, Oslo)

8310 Geometrische Komposition mit der Ziffer 5 Tusche über Bleistift auf leicht genarbtem Velin. Um 1920. 28 x 22,8 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „Th. Hellesen.“ 1.800€ Zweifellos galt auch für die nordischen Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts Paris als das Mekka. Der Norweger Thorvald Hellesen hielt sich in den 1910er und 1920er Jahren in der Kunstmetropole

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an der Seine auf. Mit seiner Frau, der Künstlerin Hélène Perdriat, gehörte er zu dem Künstlerkreis um Pablo Picasso, Fernand Léger, Constantin Brâncuși, Piet Mondrian und Theo van Doesburg. Hellesen setzte sein Talent vielseitig ein und fertigte neben Gemälden und Zeichnungen auch Designobjekte und Textilentwürfe an. Seine geometrisch-konstruktivistischen Kompositionen reihen ihn in die künstlerische Avantgarde seiner Zeit ein. In unserer Tuschearbeit löst er eine Reihe von auf unterschiedlichen Ebenen angeordneten Buchstaben und Ziffern fragmentarisch auf. Es entsteht ein in sich geschlossenes, fast räumliches Gebilde mit eleganten Schwarz-Weiß-Kontrasten.


8311

franz hitzler

(1946 Thalmassing, lebt in München)

8311 Ohne Titel Assemblage von 3 Gemälden. Acryl auf Leinwand bzw. Hartfaserplatte. 1983. Ca. 100 x 90 cm. Verso mit Pinsel in Schwarz signiert „Hitzler“ und datiert. 1.800€

Hitzler studierte zunächst an der Kunstschule Augsburg, ab 1967 an der Akademie der bildenden Künste in München, wo er Meisterschüler bei Fritz Nagel war. 1972 bezog er ein eigenes Atelier in München-Haidhausen. Unser Gemälde entsteht zwei Jahre nach-

dem er den Förderpreis des bayerischen Kultusministeriums erhält. Zu dieser Zeit arbeitet er mit collagierten und aufgeschlitzten Gemälden, wie auch bei vorliegendem Werk. Spontane und impulsive Malprozesse weitet er mittels dieser Technik über dreidimensionale Ebenen aus. Vor schwarzem Grund spiegeln sich in knalligen Farben beschriebene Erfahrungsräume wider, die starke Emotionen freisetzen. Hitzlers Arbeiten sind in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. Provenienz: ehemals Galerie Rudolf Zwirner, Köln 109


8312

damien hirst

(1965 Bristol, lebt in London und Devon)

8312* Forever (Small) Laminierter Glicéedruck auf Aluminium-Dibond-Platte. 2020. 39 x 39 cm. Verso mit Editionsetikett, darauf signiert „Damien Hirst“. Auflage 2573 num. Ex. 1.600€

Ein Projekt von Damien Hirst in Zusammenarbeit mit der Fondazione Prada, herausgegeben von der Heni Editions. Prachtvoller Druck, im Orig.-Karton.

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8313

damien hirst

8313* „Orbital“ Farbradierung auf festem Velin. 2002. 76 x 63 cm (91,3 x 71 cm). Signiert „Damien Hirst“. Auflage 68 Ex. 3.000€

Aus: „In a Spin, the Action of the World on Things, Volume I“ einem Portfolio mit 23 Radierungen, herausgegeben von der Paragon Press, London. Prachtvoller Druck in kräftiger Farbigkeit mit dem vollen Rand, an allen Seiten mit dem Schöpfrand. 111


8314

gerhard hoehme

(1920 Greppin – 1989 Neuss)

8314 Ohne Titel Mischtechnik und Papiercollage auf hauchdünnem Japanpapier, auf aufklappbaren Untersatzkarton aufgezogen. 1958. 27,8 x 19,7 cm (31,4 x 22,2 cm). Verso auf dem Karton mit Kugelschreiber in Schwarz signiert „G.Hohme“, datiert und gewidmet. 2.200€ 112

Als ein bedeutender Vetreter des Informel und Mitbegründer der Gruppe 53 drehen sich Gerhard Hoehmes Arbeiten stets um das Thema Farbe und insbesondere ihrem Verhältnis zu einem räumlichen Gefüge. Fläche und Form scheinen der Farbe dabei untergeordnet zu sein, was in der vorliegenden Arbeit klar ersichtlich ist. Die durch hauchdünnes Seidenpapier collagierten Stellen scheinen reiner Träger der unterschiedlichen Farbgebungen zu sein, um ihre Vielschichtig- und Wandelbarkeit hervorzuheben. Hoehme unterstützt Farbe durch Form, nicht Form durch Farbe, wodurch seine Kompositionen entgrenzt, wahrlich frei erscheinen.


gerhard hoehme

8315 Ohne Titel Mischtechnik auf hauchdünnem Japanpapier, auf Untersatzkarton aufgezogen. 1956. 18,7 x 13 cm (21,7 x 15,8 cm). Unten rechts mit Kugelschreiber in Schwarz signiert „GHohme“ und datiert. 1.200€

Der Fluss der Farben tritt in dieser Zeichnung durch das leicht durchscheinende Papier in den Vordergrund und lässt viel Raum zur Kontemplation.

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8316 „Es entsteht und vergeht - und ist doch dasselbe“ Aquarell auf festem CM Fabriano-Bütten. 1986. 76,3 x 56,5 cm. Oben mittig mit Bleistift signiert „G.Hoehme“ und datiert, verso nochmals mit Bleistift signiert, datiert, betitelt, mit Maßangaben, am unteren Rand bezeichnet „grün“ sowie mit Inventarnummer. 1.200€

Sehr zarte und wunderbar poetische späte Arbeit des Künstlers.

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8317

8317

holmead

(d.i. Clifford Holmead Phillips, 1889 Shippensburg/Pennsylvania – 1975 Brüssel)

8317 Grüne Landschaft; Landschaft mit Farmhaus 2 Gemälde, Öl auf dicker Malpappe. 1922. Beide ca. 30,5 x 40,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz bzw. Rot monogrammiert „HP“ und datiert, verso beide mit Kreide in Schwarz signiert „Holmead“ und datiert. 1.600€

Die vorliegenden Gemälde lassen sich in die frühe Schaffensphase Holmeads einordnen, in der er sich der weichen impressionistischen Landschaftsmalerei widmete und sich der Tradition des naturgetreuen romantischen Stils der amerikanischen „Hudson River School“ zuwandte. 1922 befand sich der Künstler in Provincetown, Cape Cod, wo seine Landschaftsdarstellungen mit Bäumen und oftmals Farmhäusern entstanden. Die pastose Maltechnik deutet bereits auf seinen späteren sehr expressiven Malstil hin. In der Wahl der Sujets und der zarten Farbigkeit überzeugen beide Arbeiten mit einer gewissen Leichtigkeit. Die Gemälde zeigen eine Periode in Holmeads Œuvre, bevor sich seine Formen immer mehr beginnen aufzulösen, die Sujets dennoch figurativer und sein Pinselstrich immer offener werden.

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8318

holmead

8318 Männerportrait Öl auf dünner Leinwand, ganzflächig vom Künstler auf Sperrholz kaschiert. 1974. 62 x 51 cm. Unten links mit Pinsel in Rotbraun signiert „Holmead“ und unten rechts mit Pinsel in Blau datiert, verso mit Faserstift in Schwarz nochmals signiert und datiert sowie mit der Werknummer „74/16“. 1.800€

Seit 1962 malt Holmead seine ersten breitgespachtelten Bilder in expressiver Malweise. Im Spätwerk des Künstlers finden sich viele Portraits in dieser unverwechselbaren Handschrift. In ihrer stenographisch vereinfachten Darstellungsweise menschlicher Physiognomie mussten die Bildnisse den damaligen Betrachtern wie eine Provokation erscheinen. Emile Kesteman, ein Freund Holmeads, bemerkt zu den Werken: „Das Menschliche ist auf eine schreckliche Weise gegenwärtig in diesen Gesichtern Holmeads, die buchstäblich an zwei forschenden Augen festgeheftet sind; (...) Gesichter, die vom Leben und vom Spachtel des Künstlers geschlagen wurden.“ (zit. nach: R. Zimmermann, Holmead - Leben und Werk, Stuttgart 1987, S. 145). 115


karl hubbuch

(1891–1979, Karlsruhe)

8319 Bachlauf (Neuenbürg im Kraichtal) Kreide in Schwarz und Graphit auf festem Karton. 1920er Jahre. 49,8 x 53 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „K. Hubbuch“. 1.500€

Mit dynamischen, nuancenreichen Schraffuren und spannungsvollem Hell-Dunkel-Kontrast zeichnet Hubbuch die Uferböschung eines Bachlaufes, im Hintergrund ist ganz zart das Dorf Neuenbürg erkennbar. Karl Hubbuch zeichnete in den Zwanziger Jahren neben sozialkritischen Schilderungen des Großstadtlebens auch Landschaften. Im Museum Schloss Gochsheim in Kraichtal bei Karlsruhe befindet sich heute die wohl größte Sammlung seiner Arbeiten.

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8320 „Amerikaner in Paris“ Feder in Schwarz über Bleistift auf leichtem Velinkarton. Um 1930. 49 x 41,5 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Hubbuch“, verso betitelt. 3.000€

Ende der 1920er Jahre wird Hubbuchs Stil offener und freier. Vermutlich vollzog sich dieser Wandel während seiner Reise von Ende 1928 bis Anfang 1929 nach Südfrankreich. Die neue Sehweise Hubbuchs dokumentieren die Zeichnungen des zweiten Paris-Aufenthaltes 1930 noch deutlicher. Es sind momentan skizzierte Szenerien des städtischen Lebens vor typischen Architekturkulissen, wofür unsere Zeichnung ein exemplarisches Beispiel abgibt. Provenienz: Fischer Kunsthandel & Editionen, Berlin

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8320


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karl hubbuch

8321 „Vierzigjährig“ Feder in Schwarz und Aquarell über Bleistift auf schwerem leicht genarbtem Velin. Um 1932/33. 68,3 x 50,5 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Hubbuch“, verso betitelt und bezeichnet. 3.000€ Großformatige Zeichnung eines kräftigen weiblichen Aktes, die durch ihre nuancenreiche Lavierung an Körperlichkeit gewinnt. „Karl Hubbuch hatte, zumindest in den Jahren um 1930/33, gegen (ähnliche) Mißverständnisse zu kämpfen. Seine aus Humanität und von sozialem Denken geprägten ironischen wie liebevollen, physiognomisch- charakterisierenden wie kritischen Darstellungen der Menschen in ihrer Zeit wurden von der konservativen und

nationalsozialistischen Presse dieser Jahre als Sehweise ‚voller Negativismus‘ bezeichnet, die ‚nur vertierten Menschen‘ gelten könnte und deren ‚vergiftende Wirkung‘ und ‚Wühlen im Negativen ... der Badischen Kunstschule unwürdig‘ sei. ‚Der Zeichner Karl Hubbuch‘ predige ‚einen entnervenden Individualismus zerstörender Art, der kulturverneinend so weit geht, daß er dieser sattsam bekannten Tendenz rigoros das Natürlich-Menschliche opfert‘. In Wirklichkeit hatte gerade Hubbuch wie kaum ein anderer seiner Kollegen der Badischen Kunstschule das ‚Natürlich-Menschliche‘ zu seinem zentralen Thema gemacht.“ (Wolfgang Hartmann, in: Karl Hubbuch - Der Zeichner, Stuttgart 1991). Provenienz: Fischer Kunsthandel & Editionen, Berlin 117


8322

friedensreich hundertwasser

(d.i. Friedrich Stowasser, 1928 Wien – 2000 auf einer Schiffsfahrt im Pazifik)

8322 Wartende Häuser Farbholzschnitt auf Japan. 1969. 29,9 x 39,7 cm (32 x 41,7 cm). Signiert „Hundertwasser Regentag“, datiert, mit der eingekreisten Werknummer „637 A“ und 5 japanischen Stempeln (inkan) sowie dem Titel in Japanisch. Auflage 200 num. Ex. Koschatzky 37. 2.400€

Als Vorlage für das Blatt wählte Friedensreich Hundertwasser das Aquarell „Wartende Häuser“, das er 1966 in Olmütz gemalt hatte. Geschnitten und gedruckt bei Nakamura (jr.), Nakamura Hanga Kobo, Tokio. Ausgezeichneter und farbintensiver Druck mit dem vollen Rand.

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friedensreich hundertwasser

8323 Kleiner Palast der Krankheit Farbholzschnitt auf Japan. 1970. 34,4 x 23,9 cm (36,5 x 25,9 cm). Signiert „Hundertwasser Regentag“, datiert, mit der eingekreisten Werknummer „487 A“ und mit 3 japanischen Rotstempeln (inkan) sowie dem Titel in Japanisch. Auflage 200 num. Ex. Koschatzky 38. 1.500€

Als Vorlage für das Blatt wählte Friedensreich Hundertwasser das Aquarell „Kleiner Palast der Krankheit“, das er 1961 in Tokio gemalt hatte. Geschnitten und gedruckt bei Nakamura (jr.), Nakamura Hanga Kobo, Tokio. Ausgezeichneter und farbintensiver Druck mit dem vollen Rand.

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8324 Relations of a Spider Farbholzschnitt mit Goldprägung auf Japan. 1973. 30,1 x 22,8 cm (31,2 x 23,8 cm). Signiert „Hundertwasser Regentag“, datiert, mit der eingekreisten Werknummer „470 A“ und mit 5 japanischen Rotstempeln (inkan) sowie dem Titel in Japanisch. Auflage 200 num. Ex. Koschatzky 55. 1.500€

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Als Vorlage für das Blatt wählte Friedensreich Hundertwasser das Aquarell „Third consequence of a German earth becoming now a spider net“, das 1961 am Annaberg in Niederösterreich entstand. Geschnitten und gedruckt bei Nakamura (jr.), Nakamura Hanga Kobo, Tokio. Ausgezeichneter Druck mit dem vollen Rand. 119


friedensreich hundertwasser

Herausgegeben von Gruener Janura AG, Glarus 1979. Das dreidimensionale Multiple entstand in einer mehrjährigen Zusammenarbeit von Hundertwasser mit Alberto Della Vecchia in Venedig. Der experimentelle Charakter in der komplexen Überlagerung der individuell bedruckten Plexiglasscheiben mit den schimmernden, charakteristischen Metallprägungen stand im Vordergrund des Konzepts. In mehreren Prozessen wurde die Wirkung der einzelnen Kompositionen austariert, ebenso die exakte Einfassung der Scheiben in einem Holzrahmen. Hundertwasser fasste es zugleich als Chance auf, sich dem Gebiet der Malerei intensiver anzunähern. Ganz ausgezeichnete, leuchtende und schimmernde Drucke.

2.000€

Provenienz: 1981 Artes Verlag Edition Galerie, Rheda Wiedenbrück seitdem Berliner Privatbesitz

8325 „Fall in Cloud, Fall in Fog, Fall Out“ Multiple. 3 Farbserigraphien mit Metallprägung, jeweils auf Plexiglasscheibe in schwarzem Original-Rahmen. 1973-1979. 31,3 x 37 x 4,6 cm (Objektrahmen). Verso mit Lackstift in Weiß signiert „Hundertwasser“, datiert mit Ortsangabe „Mestre/ 12. Dezember 1979“ und betitelt. Auflage 999 num. Ex.

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friedensreich hundertwasser

8326* 10 002 nights Homo Humus come va how do you do Fotolithographie und Farbserigraphie mit Metallprägung auf festem CM Fabriano-Velin. 1984. 64 x 45,7 cm (69,3 x 49,8 cm). Signiert „Dunkelbunt“. Auflage 10002 num. Ex. Koschatzky 83. 1.200€

„Die Idee, 10 000 verschiedene Varianten herzustellen, von jeder Farbkomposition also nur eine, faszinierte den Künstler. Es war wie eine Erfüllung seiner Wunschvorstellung von Graphik, möglichst viele Blätter als Unikate zu schaffen und an möglichst viele Menschen heranzubringen.“ (Koschatzky S. 194). Gedruckt bei Quattrifoglio und Claudio und Giuseppe Barbato, Spinea-Venedig, verlegt von Die Galerie, Offenbach am Main, mit deren Prägestempeln unten links sowie mit zwei japanischen Stempeln (inkan) im unteren linken Darstellungsrand. Verso mit der gedruckten Auflistung der Arbeitsvorgänge und Varianten. Prachtvoller, farbfrischer und kontrastreicher Druck mit Rand.

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8327 10002 nights Homo Humus come va how do you do Fotolithographie und Farbserigraphie mit Metallprägung auf festem Fabriano-Velin. 1984. 61 x 46 cm (69 x 49,5 cm). Signiert „Regentag“. Auflage 10002 num. Ex. Koschatzky 83. 1.200€

Gedruckt bei Quattrifoglio, Claudio und Giuseppe Barbato, SpineaVenedig, verlegt von Die Galerie, Offenbach am Main. Mit zwei japanischen Rotstempeln (inkan) unten mittig. Der technisch höchst anspruchsvolle Farbdruck, hier in der Variante Grün/Rot/ Blau, in einem prachtvollen Druck mit Rand. Verso mit der gedruckten Auflistung der Arbeitsvorgänge und Varianten.

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pierre huyghe (1962 Paris)

8328 Timekeeper Farbige Kreide auf Velin. 2014. 27 cm (Durchmesser), (41 x 41 cm). Verso mit Kugelschreiber in Schwarz signiert „pierre huyghe (ligiert)“. Auflage 10 num. Ex. 8.000€

Edition der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig Köln. Pierre Huyghe zählt international zu den gefragtesten zeitgenössischen Künstlern und Akteuren der Kunstszene (u.a. Biennale Venedig, documenta 11 und 13). Sein vielschichtiges Werk, das seit den 1990er Jahren Installationen, Filme, Performances, Zeichnungen, Fotografien und lebendige Systeme umfasst und sich mit den unterschiedlichsten Ausstellungsmöglichkeiten auseinandersetzt, begründet seinen Erfolg. Im Jahr 2013 widmete das Centre Pompidou in Paris seinem Werk eine Einzelausstellung, die erfolgreichste Schau eines zeitgenössischen Künstlers in der Geschichte des Hauses. Im April 2014 wanderte sie ins Museum Ludwig nach Köln. Im Zuge der preisgekrönten Retrospektive entstand vorlie-

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gende Arbeit „Timekeeper“. Gleich einem Archäologen trug Huyghe Farbschicht um Farbschicht an einer Ausstellungswand des seit 1986 existierenden Museums Ludwig ab, um somit die verschiedenen, je nach Ausstellung variierenden Wandfarben freizulegen. In Form von Zeichnungen, die jeweils leicht variieren, übertrug der Künstler das Werk von der Wand auf das Papier. Vergleichbar mit Jahresringen von Bäumen oder geologischen Schichten macht Huyghe die Geschichte des Museums erfahrbar und hinterfragt die Zeit im hektischen Kreislauf des Kulturbetriebs. Provenienz: ehemals Galerie Rudolf Zwirner, Köln


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jörg immendorff

(1945 Bleckede – 2007 Düsseldorf)

8329 Café de Flore Farbserigraphie auf Karton. 1991. 96 x 134,6 cm (99,8 x 140 cm). Signiert „Immendorff“ und datiert. Auflage 60 num. Ex. Geuer/Breckner 1991.6. 2.500€ „Mit ‚Café de Flore‘ (1990) schließt Immendorff gedanklich noch einmal an das an, was er zumindest formal in ‚Café Deutschland‘ bereits über zehn Jahre zuvor vollzogen hat. Auch hier ist das Café ein Ort des Treffens, der Kommunikation, des Mit- wie auch des

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Gegeneinander: Wird das Lokal zum Genius Loci, an dem die Schlacht gefochten wird. Es wirkt wie ein Pendant, ist aber keins. Mit Frankreich und insbesondere mit Paris und seinem ‚Café de Flore‘ verbindet Immendorff persönlich eine gewisse Form des Romantizismus, der Erinnerung an die deutsch-französische Freundschaft, an das Hinüberschielen der Deutschen vor allem in den 1950er und 1960er Jahren zum lebendigen, politisch wie poetisch vitalen Paris, das lange für Künstler eine Art Pilgerstätte und Brutstätte neuer Ideen war.“ (Geuer/Breckner, S. 19). Prachtvoller, ungemein farbintensiver und lebendiger Druck mit vollem Rand.


8330

horst janssen

(1929–1995, Hamburg)

8330 „Krause allein“ Kaltnadel und Aquatinta, aquarelliert, auf dünnem Japanbütten. 1992. 29,8 x 20,7 cm (35 x 25,9 cm). Signiert „Janssen“, datiert und bezeichnet „1. Zstd“ sowie mit Pinsel in Rot abermals signiert und betitelt.

Prachtvoller, wunderbar gratiger, durch die Aquarellierung schön kontrastierender Druck, mit fein zeichnender Plattenkante und mit schmalem Rand, an zwei Seiten mit dem Schöpfrand. In dieser Ausführung durchaus Gültigkeit als Unikat.

1.800€

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8331

alexej von jawlensky

(1864 Torschok – 1941 Wiesbaden)

8331 Kopf IV Lithographie auf Kaiserlich Japan. 1922. 28,2 x 24 cm (49,6 x 39,7 cm). Signiert „A. Jawlensky“. Auflage 20 Ex. Rosenbach 21. 2.500€

Aus der Mappe „Köpfe“, Exemplar der Auflage A. Rosenbach nennt eine Gesamtauflage von 100 Exemplaren, davon 79 auf Bütten. Ausgezeichneter, kreidiger Druck mit dem vollen Rand.

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8332

alexej von jawlensky

8332 Kopf (hingebend II) Lithographie, aquarelliert, auf Japan. 1922. 27,5 x 23,5 cm (46,3 x 37 cm). Signiert „A. Jawlensky“. Rosenbach 31. 3.000€ Das menschliche Gesicht, Hauptmotiv in Jawlenskys Schaffen, bricht der Künstler auf die wichtigsten Grundelemente herunter und schafft - auch aufgrund des nach innen gewendeten Blickes hinter den geschlossenen Lidern - ein gleichsam spirituelles Bild. Auf der Stirn, zwischen den Augen, ist ein Weiß zu erahnen, das

„Dritte Auge“ als Zeichen spiritueller Weisheit. Leichte Blau-, Gelbund Rottöne akzentuieren die Linien der Gesichtszüge, „es ist ein Farbhauch, der das schwarze Liniengerüst zum Klingen bringt. Bei diesen Arbeiten Jawlenskys handelt es sich keinesfalls um eine Kolorierung im eigentlichen Sinne, sondern es sind Kunstwerke von einmaliger Schönheit und ganz eigenem Charakter entstanden, obwohl die Farbe sich stets auf eine farbliche Unterstützung der stets linearen Zeichnung beschränkt.“ (Rosenbach S. 80-82). Rosenbach verzeichnet lediglich drei Exemplare des Druckes, darunter zwei aquarellierte. Laut Rosenbach gibt es nur einzelne Probedrucke, es wurde keine Auflage gedruckt. Das äußerst seltene Blatt in einem ganz ausgezeichneten Druck mit dem nahezu vollen Rand. 127


8333

hugó johan (1890–1951, Pécs)

8333 Spreebrücke mit Kähnen und Schleppern Kohle auf Transparentpapier. 1922. 25,9 x 31,1 cm. Unten rechts mit Kohle signiert „Johan“, datiert und schwer leserlich bezeichnet „Berlin“ (?) sowie mit Bleistift abermals datiert. 1.200€

Ab 1921 kommt Johan ans Bauhaus in Weimar, auf Anraten des ebenfalls aus dem südungarischen Pécs stammenden Architekten Alfréd Forbát, der bei Walter Gropius im Atelier arbeitet. Er zählt zu einer Gruppe ungarischer Studenten, von denen László MoholyNagy und Marcel Breuer zu den bekanntesten zählen. Bis 1919 ist er nur nebenberuflich und überwiegend autodidaktisch künstlerisch tätig, stellt aber bereits seit 1917 gemeinsam mit der expres-

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sionistischen Gruppe des modernen Künstlerkreises von Pécs aus. Mit den Künstlerfreunden Farkas Molnár und Henrik Stefán reist Johan 1921 nach Italien und formuliert anhand toskanischer Landschaftsdarstellungen seine charakteristische kubistisch-expressionistische Formensprache aus. Nach etwas mehr als einem Jahr am Weimarer Bauhaus zieht Johan 1922 nach Berlin, arbeitet einige Zeit im Atelier von César Klein, anschließend beim Glasmaler Gottfried Heinersdorf. Während dieser Zeit zeichnet er unsere delikate, detailreiche Berliner Ansicht, die das geschäftige Treiben auf der von sommerlich tiefem Wasserstand gezeichneten Spree einfängt. Éva Bajkay, Budapest, ist die Arbeit bekannt. Provenienz: Hessischer Privatbesitz


8334

aksel jørgensen

(1883 – 1957, Kopenhagen)

8334 Stilleben Öl auf Leinwand. 1915. 44 x 58 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Aksel Jørgensen“ und datiert. 1.000€

Impressionistisch und mit souveräner Lockerheit im Duktus gestaltet der Künstler das Interieur. Der lichtdurchflutete Raum mit Weidenkorb und einer Bank am niedrigen Fenster ist mit breitem Pinsel in harmonisch warmer Tonalität gemalt. Nach seinen Studien in Deutschland, den Niederlanden, Italien und Frankreich malte Jørgensen eine bedeutende Reihe von Bildern von Prostituierten und Pubs im Kopenhagener Stadtteil Holmensgade, wo er zeitweilig lebte. Zu Jørgensens Schülern an der Königlich Däni-

schen Akademie der bildenden Künste gehörten so unterschiedliche Künstler wie Asger Jorn, Albert Mertz, Palle Nielsen und Erling Frederiksen. Verso auf dem Keilrahmen Reste alter Klebeetiketten mit handschriftlichen Bezeichnungen. Provenienz: Thomas Elbo, Berlin 129


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allen jones

(1937 Southampton, lebt in London)

8335* Silence, aus: Catwalk Farbaquatinta mit Radierung auf festem Velin. 1998. 98,6 x 69,3 cm (116,2 x 83,5 cm). Signiert „AllenJones“ (ligiert). Auflage 95 num. Ex. Nicht bei Lloyd.

8336* Laufsteg, aus: Catwalk Farbaquatinta mit Radierung auf festem Velin. 1998. 99,2 x 68,9 cm (116,3 x 83,7 cm). Signiert „AllenJones“ (ligiert). Auflage 95 num. Ex. Nicht bei Lloyd.

Blatt der Folge „Catwalk“, herausgegeben von der Galerie Ernst Hilger, Wien. Prachtvoller, farbleuchtender Druck dieses großformatigen Blattes mit Rand, oben mit dem Schöpfrand.

Blatt der Folge „Catwalk“, herausgegeben von der Galerie Ernst Hilger, Wien. Prachtvoller, farbleuchtender Druck dieses großformatigen Blattes mit Rand, oben mit dem Schöpfrand.

1.200€

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1.200€


8337

herbert kaufmann

(1924 Aachen – 2011 Düsseldorf)

8337* Ohne Titel Collage aus Zeitungsseiten auf Leinwand. 1961. 90 x 75 cm. Unten rechts mit Faserschreiber in Schwarz signiert „H. Kaufmann“ und datiert. 2.400€

Bereits Ende der 1950er Jahre fertigt Kaufmann erste Collagen aus Wellpappe und Papierfetzen. Er wendet sich in den 1960er Jahren konsequent dieser Technik zu. Zur Herstellung seiner Arbeiten nutzt er Bruchstücke vorgefundener Nachrichten, Zeitungen, Bild-

reproduktionen und gedruckte Texte. Pierre Restany, Protagonist des Nouveau Réalisme weist 1962 in einem Aufsatz darauf hin, dass Herbert Kaufmanns Arbeiten die grundlegenden Probleme des neuen Realismus berührten. 1953 gründet Kaufmann mit Künstlerkollegen, u.a. Peter Brüning, Gerhard Hoehme und Friedrich Werthmann die Künstlergruppe 53, aus der die legendäre Vereinigung ZERO hervorgeht. Zusammen mit Künstlern wie Gerhard Hoehme, Karl Fred Dahmen, Peter Brüning, Heinz Mack und Otto Piene bewirkt die Gruppe, dass Deutschland nach Kriegsende wieder Anschluss an die internationale Kunst findet.

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max kaus

(1891–1977, Berlin)

8338 Stilleben mit Ananas Öl auf Leinwand. Um 1928. 90 x 74,3 cm. Unten links mit Pinsel in Blau signiert „MKaus“. Schmitt-Wischmann/Kaus 136. 15.000€

Unter der Nummer 136 lässt sich im Werkverzeichnis Max Kaus‘ eine kleine Schwarz/Weiß-Abbildung des Ölgemäldes „Stilleben mit Ananas“ sowie die Anmerkung „Verbleib unbekannt“ finden. Umso spektakulärer und intensiver ist das Erlebnis, dieses bisher der Öffentlichkeit unzugängliche Bild nun tatsächlich in seiner prachtvollen Farbgebung betrachten zu können. Schnell stellt man fest, dass das Gemälde im Vergleich zu seiner Werkverzeichnis­ abbildung vor Lebendigkeit strahlt und dieses Stilleben, neben den vielen Landschaftsdarstellungen, die Kaus zu jener Zeit häufiger als Motiv wählte, einen besonderen Stellenwert einnimmt. Das Stilleben, eine Art Interieurbild, das das Wohnzimmer des Künstlers darstellt, spiegelt den Einfluss Paul Cézannes auf Kaus‘ Schaffen um 1930 wider. Die großflächige, plastische und etwas klobige Gestaltung der Objekte, die besonders in der Darstellung des karottenartigen Vorhanges, der Obstschüssel samt Inhalt sowie des Kissens zum Vorschein kommen, belegen diesen Vergleich. Dennoch scheint das „Stilleben mit Ananas“ von der Starrheit des klassischen Stillebens abzuweichen. Dynamik suggeriert der Künstler durch die expressive Farbgebung, bei der Blau, Gelb

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und Orange schon fast wie Signalfarben dem Betrachter entgegenscheinen. Bewusst setzt er Tierdarstellungen ornamenthaft in Tischdecke, Kissen und Wandbild ein, um im Bild selbst eine innere Lebenswelt zu erzeugen, die zusätzlich einen sehr persönlichen Bezug hat. Das Bild an der Wand verweist auf den Holzschnitt „Katzen“ von Karl Schmidt-Rottluff und verdeutlicht Kaus‘ Nähe und den Einfluss seiner engen Künstlerfreunde, wie Erich Heckel, Max Pechstein und Otto Mueller. Durch die pastose Textur der Objekte lädt Kaus das Bild mit einer gewissen Haptik auf und erzielt einen dreidimensionalen Charakter. Es scheint kaum verwunderlich, dass Kaus um diese Zeit, also 1929, mit dem Villa-RomanaPreis des Deutschen Künstlerbundes ausgezeichnet wurde. Der bei Heckel ausgebildete Max Kaus ist nach wie vor auf dem deutschen Kunstmarkt einer zu Unrecht am wenigsten gewürdigten Expressionisten. Provenienz: Privatbesitz Berlin


8338

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max kaus

8339 „Stilleben IIX (sic!)“ Öl auf Leinwand, auf Sperrholz kaschiert. 1960. 88,5 x 71 cm. Unten links mit Pinsel in Rot signiert „MKaus“ und datiert, verso mit Pinsel in Schwarz nochmals signiert „Max Kaus“, betitelt, datiert und bezeichnet. Schmitt-Wischmann/Kaus 439. 8.000€

Die Entwicklung des künstlerischen Schaffens vom Expressionismus zum Naturalismus bis hin zur abstrakten Malerei macht Max Kaus zu einem spannenden Vertreter der Kunst des 20. Jahrhunderts. In den 1950er Jahren bis in die frühen 1970er Jahre öffnete er sich den Tendenzen der Abstraktion, die seine Zeitgenossen Ernst Wilhelm Nay und Hans Hartung bereits erfolgreich in ihren Werken umsetzten. In unserem Gemälde bewegt sich Kaus im Spannungsfeld zwischen gerade noch erkennbarem figürlichen

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Motiv und fast schon gänzlich abstrakter Gestaltungsweise, was den besonderen Reiz der Komposition ausmacht. Die auf einem Tisch stehende Vase mit Blumenstrauß ist in ihren schattenhaften Umrissen noch zu erkennen, die Fläche wird indessen in sich auf­ lösenden Formen neu definiert. Die pastose Spachteltechnik verleiht den Konturen einen nahezu dreidimensionalen Charakter. Mit einer ganz eigenständigen Handschrift überwindet Kaus die der Brücke nahestehende Stilistik und schafft einen neuen prägenden Stil der Nachkriegszeit. Provenienz: Familienbesitz des Künstlers Privatbesitz Berlin Ausstellung: Rückblick und Gegenwart, Akademie der Künste, Berlin 1963 (mit Ausstellungsetikett verso)


8340

max kaus

8340 Vier Akte am Strand Aquarell, Gouache und Buntstift auf Velin. 1939. 52,6 x 68,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Braun signiert „MKaus“ und datiert, verso mit Feder in Schwarz nochmals signiert und datiert. 3.500€

Seit den frühen Zwanziger Jahren entstanden im Werkkomplex von Max Kaus einige Folgen von Aktdarstellungen am Strand. „In der Meereslandschaft, meist an einer Bucht, oft mit einem Stück Steilküste, sind Frauenakte, selten ein männlicher darunter, angeordnet (...) Die Bilder haben weder eine Handlung noch einen symbolischen Gehalt (...)Es sind Kompositionen von nackten Menschen am Strand, die sich im Bilde zueinander und zur Landschaft in einem wohlüberlegten Verhältnis befinden, auch wenn ihre Haltung, Anordnung und Bewegung im einzelnen zufällig erscheint.“ (C. Zoege v. Manteuffel, in: Max Kaus, Ausst.-Kat. German. Nationalmuseum Nürnberg 1991, S. 50 f.). Sehr harmonische, in dezenter Farbigkeit gehaltene Arbeit. Verso eine Bleistiftstudie des Künstlers.

8341 Landschaft im Sauerland Gouache über Bleistift auf schwerem Bütten. 1936. 55,2 x 68,7 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „MKaus“ und datiert, verso nochmals mit Bleistift signiert und datiert sowie mit Eigenhändigkeitserklärung. 2.000€

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Der reisefreudige Kaus hielt sich um 1936 unter anderem im Sauerland auf und schuf hier weitläufige Landschaften, die die Eintracht von Künstler und menschenleerer Umgebung in farblich kühl gehaltener Palette wunderbar widerspiegelt. Das Blatt besticht durch kräftige Farben und einen durch das stark strukturierte Papier vermittelten samtigen Eindruck. 135


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edmund kesting

(1892 Dresden – 1970 Birkenwerder)

8342 Ohne Titel Mischtechnik auf Bütten, auf Karton aufgezogen. Um 1960. 39,5 x 50 cm. Unten mittig in der Darstellung mit Farbkreide in Blau signiert „E. Kesting“. 1.500€

Ein leuchtendes Pink, ein schrilles Hellgrün, strahlendes Gelb - die Farben leuchten immer noch ganz zauberhaft und verleihen der Zeichnung ein fast überirdisches Strahlen. Kreisformen, an Gestirne erinnernd, stehen neben wolkig getüpfelten Strukturen, neben mit feinen Parallelschraffuren bedeckten oder mit scheinbar endlosen Liniengeflechten ausgefüllten Feldern. Die fein austarierten Farbklänge und amorphen Formen scheinen vor dem dunkelgrauwolkigen Grund zu schweben, einander durchdringend und ergänzend zu einem Zauberwald, einer inneren Landschaft, den Schluchten eines fremden Planeten oder einem Unterwassergarten - „sichtbar nicht allein für den Maler, sichtbar für jeden, der zu sehen bereit ist“ (Heinz Schönemann, in: Ausst.-Kat. Galerie Döbele, Dresden 1992, S. 41).

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8343 Buhne Mischtechnik auf Velin. Um 1960. 24,5 x 33,3 cm. Unten rechts mit Faserschreiber in Schwarz signiert „Ed. Kesting“. 1.200€

Weiß leuchtet ein Gestirn zentral im oberen Bildrand, darum und darunter flirren strahlende und zarte Farbwolken aus duftigen Pigmenten. Die Buhnenstruktur in der unteren Bildhälfte ist mit Wachsaussprengtechnik weiß gehalten, durchkreuzt von einem Gewirr zahlloser feiner farbiger Kugelschreiberlinien. In diesen schwebenden Farbklängen und Rhythmen scheinen eine obere und eine untere Welt sich zu begegnen und in Form der Elemente Wasser und Luft aufeinanderzutreffen. „Um uns herrscht das ordnende Element der Natur. Überall waltet die geheimnisvolle Kraft, Ordnung schaffend. Der verborgene Zusammenhang zwischen Materie und Ordnung ist die dynamische Kraft.“ (Edmund Kesting, Proportion in Natur und Kunst, in: Der Weg, Dresden 1926, zit. nach Ausst.-Kat. Galerie Döbele, Dresden 1992, S. 54).


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edmund kesting

8344 „Romantischer Traum“ Aquarell, Latex und farbige Kugelschreiber auf festem Velin. 1962. 18,6 x 25 cm. Unten mittig in der Darstellung mit Kugelschreiber sig­ niert „Ed Kesting“ und datiert, im Unterrand nochmals datiert, betitelt und bezeichnet „Aquarell“. 900€

Das Mikroskopieren, um 1940 von Kesting eifrig betrieben, hinterließ Spuren in seinem Schaffen: Der „Romantische Traum“ mit seinen gestrichelten, punktierten, gerasterten und vielgestaltigen Strukturen mag ebenso Mikrokosmos wie Landschaft sein; Gegenständliches und Abstraktes stehen in Kestings Werk oft nebeneinander, vielfach kaum unterscheidbar. Kesting selber sagte dazu: „Denn es gibt keine Form in der menschlichen Phantasie, die nicht irgendwo in der Welt existierte. Selbst die Bildelemente, ihre Rhythmen und Spannungen, sind verkleinerte Widerspiegelungen der Natur“ (Ein Maler sieht durchs Objektiv, 1958, zit. nach Edmund Kesting, Ausst.-Kat. Albertinum, Dresden 1988, S. 6).

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hans kinder

(1900–1986, Dresden)

8345 Abstrakte Komposition Tempera auf festem Velin. 1960. 61 x 42 cm. Unten rechts mit Feder in Blau monogrammiert „K“, verso datiert und mit dem Nachlassetikett des Künstlers, dort numeriert „263“. 800€

Frische Pastelltöne mit sparsamen schwarzen Akzenten, gespachtelt und leichthändig mit breitem Pinsel pastos aufgetragen, bestimmen die abstrakte Komposition. Der Dresdner Avantgardist Kinder löst in seiner Zeichnung den Bildraum sphärisch-reduktiv auf und gibt dadurch neuen Raum. Seine eigene farb- und formtheoretische Lehre setzt er in seinen Zeichnungen mit der konge­ nial verwendeten Struktur und Farbigkeit beispielhaft um. In seinen Arbeiten zeigt sich immer wieder Kinders Interesse für Bewegung, Simultaneität und Überlagerung. Der dem Dresdner Spätkubismus zuzurechnende Maler verstand sich als Katalysator seiner Zeit. Nach seinem Jahr als Gasthörer am Bauhaus in Weimar 1924 studierte er an der Dresdner Kunstakademie als Meisterschüler von Max Feldbauer. Während eines Kriegsurlaubs in Paris lernte er auf Vermittlung von Ernst Jünger 1942 den Maler Pablo Picasso kennen. Kinder notierte 1976 rückblickend, dass Picassos Werk seine Arbeit stets stark beeinflusst habe. Erneuernde Impulse für seine Arbeit fand Kinder auch während seiner zahlreichen Aufenthalte in Ahrenshoop.

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hans kinder

8346 Stilleben mit Krug Gips, reliefiert und mit Tempera farbig gefasst. 41 x 58 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „K“. 1.500€

Eier, Zitrone, Glas und Krug sind nicht nur in ihren Umrissen tief in die dicke Gipsplatte eingeritzt, sondern die Plastizität der Bildobjekte ist mit spannungsvollen Wechseln von konvexen und konkaven Formen im Gips modelliert. Ihre Rundformen stehen in interessantem Kontrast zu den geometrischen Elementen des Unter- und Hintergrundes. Mit seinem reliefhaft gestalteten Stilleben zeigt sich Kinder als bedeutender Vertreter des Dresdner Spätkubismus: Tief beeindruckt vom Schaffen Pablo Picassos begann Kinder, seit den frühen 1940er Jahren kubistische Arbeiten anzufertigen. Immer wieder schuf er auch baugebundene Malereien und Wandbilder, woraus sich sein souveräner Umgang mit Gips als Bildträger ableiten lässt.

walter koch

(1904 Straßburg – 1961 Karlsruhe)

8347* Stilleben mit Tabak und Balzac Öl auf Leinwand. Um 1930. 71 x 89 cm Unten rechts signiert (in die feuchte Farbe geritzt) „Werner Koch“. 4.500€

Eine unterhaltsame Zusammenstellung von Objekten in fein ausbalancierter Komposition zeigt das Stilleben: Der Frauenakt auf dem Gemälde an der Wand - ein Bild im Bild - korrespondiert mit der Südseefigur, und Pfeifen, Zigarren sowie Streichhölzer begleiten Balzacs‘ „Tolldrastische Geschichten“ auf dem Tisch. Die warm leuchtende Palette wird dominiert vom Gelb des Hintergrundes, von Orange und Blautönen, hochdifferenziert changierend aufgetragen mit fein tüpfelndem Duktus.

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ernst ludwig kirchner

(1880 Aschaffenburg – 1938 Frauenkirch bei Davos)

8348 Arbeitende Frauen auf Balkon Holzschnitt, aquarelliert, auf dickem Blottingpapier. 1919. 38,5 x 34 cm (46,5 x 37,2 cm). Verso mit dem Nachlaßstempel, dort bezeichnet „H 377 II“, „K 5390“ (zweifach) und „C-2379“. Dube 397 I (von II), Gercken 1092 I (von II). 12.000€

Beispielhaft zeigen die „Arbeitende Frauen auf Balkon“ Kirchners für diese Jahre charakteristische, kleinteilige und splittrige Schnittführung, die Vorder-, Mittel- und Hintergrund komplex miteinander verzahnt. Eines von nur fünf Gercken bekannten Exemplaren und darunter das einzige aquarellierte, so bei Gercken verzeichnet. In diesem ersten Zustand weist Gercken lediglich zwei Exemplare nach. Unser Druck erhält durch die zarte Aquarellierung in Gelb einen Unikatcharakter. Wie schnell Kirchner nach dem Drucken das Blatt aquarellierte, zeigt sich daran, dass in den entsprechenden Bereichen die Druckfarbe ganz leicht verläuft. Der mit dem Pinsel eingefärbte Stock ruft beim Druck ein ganz zartes Relief hervor. Druck des ersten Zustandes, noch mit dem nach rechts ansteigenden oberen Bildrand, vor dessen Begradigung.

Prachtvoller, prä­ziser und in den Details klar zeichnender, wenngleich partiell etwas aufgelichteter Druck mit Rand, im Oberrand mit kleiner Farbspur vom Auflegen der Stockkante. Äußerst selten. Provenienz: Hauswedell & Nolte, Hamburg, Auktion 444/I, Los 57, 5.6.2013

8349 Milchmädchen auf dem Bergweg Radierung mit Flächenätzung auf leichtem Velinkarton, verso Fragment einer früheren Zeichnung, Kreide in Braun, „Sitzende Figur im Garten“. 1920/wohl 1916. 25,2 x 19,9 cm (38,5 x 31,6 cm). Dube R 335 II, Gercken 1179. 4.500€

Verso mit dem violetten Nachlaßstempel und der handschriftlichen Numerierung „R 274 II D“. Gercken sind bisher lediglich drei Exemplare des Blattes bekannt. Ganz prachtvoller, ausgesprochen gratiger Druck des finalen Zustandes mit differenziertem Plattenton und fein zeichnender Plattenkante, mit breitem Rand. Sehr selten. 141


8351* Frau, Schuh zuknöpfend Holzschnitt auf festem Velin. 1912. 31 x 24,5/25,2 cm (52,7 x 39,2 cm). Von Erna Kirchner signiert „E L Kirchner“ und bezeichnet „Eigendruck“, verso datiert, betitelt „Frau Schuh anziehend“ und bezeichnet „Holzschnitt“. Dube 206 A (von B), Gercken 566 A (von B). 28.000€

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ernst ludwig kirchner

8350* Zwei Köpfe (Hans Rohner und Lotte Kraft) Holzschnitt auf Velin. 1928. 49,8 x 39,7 cm (52,3 x 41,8 cm, Passepartoutausschnitt). Signiert „EL Kirchner“ und bezeichnet „Eigendruck“, verso von fremder Hand (?) bezeichnet: „Deux Têtes 120 frs suisses“ und mit dem Basler Nachlaßstempel „Hda/Ba 12 II“. Dube 594. 6.000€

Der Dargestellte Hans Rohner schloss in München Freundschaft mit dem Galeristen Günther Franke und über diesen auch mit Ernst Ludwig Kirchner. Die hier entstandene langjährige Malerfreundschaft festigte sich durch Rohners sommerliche Besuche bei Kirchner in Frauenkirch bei Davos, Kirchners Wohnort ab 1917 bis zu seinem Selbstmord 1938. Ziel dieser Treffen der beiden Freunde war das gemeinsame Malen nach Figur und Landschaft. Zusammen mit seiner Frau Lotte Kraft stand Rohner Kirchner häufig und gerne als Modell zur Verfügung. Nicht mehr die splittrigen Formen, sondern gerundete Linien und Bogenschwünge bestimmen die Gestaltung des Doppelporträts. Prachtvoller Druck, an drei Seiten mit Rand. Ausstellung: Ernst Ludwig Kirchner und Werke aus Afrika, Galerie Haas, Zürich 2018

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In Berlin, wohin er im Herbst 1911 aus Dresden umgezogen war, fand Ernst Ludwig Kirchner eine ganz neue, überbordende Themenvielfalt; seine liebsten Modelle entdeckte er im Milieu der Varietétheater und Nachtlokale. In einem Tingeltangel-Lokal lernte er dann auch im Sommer 1912 die beiden Schwestern Erna und Gerda Schilling kennen, damals Tänzerinnen. Beide spielten künftig für ihn eine wichtige Rolle, Erna als seine Lebensgefährtin bis zu seinem Freitod 1938, und auch Gerda war ihm einige Jahre lang ein beliebtes und häufig gezeichnetes Modell. Dargestellt ist hier Kirchners Geliebte, Erna Schilling. Die dynamische Komposition, kleinteilig reich durchgestaltet, erhält durch die Begrenzung des Holzstockes eine glückliche Geschlossenheit. Die reich modulierte und hier wunderbar mitdruckende Binnenzeichnung in der Fläche um das angewinkelte Bein lässt auf einen Handdruck schließen, den Erna Kirchner mit ihrer handschriftlichen Anmerkung „Eigendruck“ indirekt bestätigt. Dube weist im Werkkatalog der Graphik auf starke Druckunterschiede der Auflagendrucke hin. Einer von sieben bekannten Drucken vor der Auf­ lage von 50 Exemplaren, die 1913 im Verlag I.B. Neumann erschien. Aufgrund von Unstimmigkeiten zwischen Neumann und Kirchner blieb die gesamte Auflage unsigniert. Ganz prachtvoller, in allen Details klar zeichnender, nur im oberen Randbereich etwas auslassender Druck mit sehr breitem Rand und mit bedeutender, geschichtsträchtiger Provenienz aus der Sammlung der Botho-GraefStiftung Jena; bereits 1918 hatte Kirchner dem Jenaer Kunstverein eine umfangreiche Sammlung seines graphischen Werks über­ lassen. Provenienz: Botho-Graef-Stiftung, Jena, verso mit deren Rundstempel (Lugt 4337) Staatsbesitz 1937-39, „Entartete Kunst“, EK-Nummer 13119 Emanuel Fohn, Rom 1939, durch Tausch mit Vorgenanntem Privatsammlung Süddeutschland Privatsammlung Norddeutschland, erworben 2013 Literatur: www.geschkult.fu-berlin.de/e/db_entart_kunst/datenbank (EKNr.: 13119) Ernst Ludwig Kirchner. Von Jena nach Davos, Ausst.-Kat. Stadt­ museum Göhre, Jena 1993/94, S. 87 Maria Schmid, Rausch und Ernüchterung. Die Bildersammlung des Jenaer Kunstvereins - Schicksal einer Sammlung der Avantgarde im 20. Jahrhundert, Jena/Quedlinburg 2008, S. 45, 125, Kat.-Nr. 142 Galerie Kornfeld & Cie. Auktion 235, Bern, 17.6.2005, Nr. 75


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kurt kluge

käthe kollwitz

8352 Bär Bronze mit goldbrauner Patina auf Bronzeplinthe, auf dunkelgrauen Marmorsockel montiert. Vor 1930. 12,8 x 8,5 x 10,2 cm. Seitlich auf der Plinthe signiert „Kluge“, hinten am Rand mit den Gießerstempeln „W. Füssel“ und „W. Füssel, Berlin“.

8353 Die Klage (Zum Gedenken Ernst Barlachs/ Selbstbildnis) Bronze mit dunkelbrauner Patina. 1938-1941. 26,6 x 25,7 x 9,7 cm. Seitlich links signiert „KOLLWITZ“, auf der Standfläche unten rechts mit dem zweiteiligen Gießerstempel „H. Noack Berlin“. Seeler 38 II.A, Timm 59. 12.000€

(1886 Leipzig – 1940 Eben-Emael/Lüttich)

900€

Kurt Kluge hatte viele künstlerische Talente. In Leipzig zunächst als Schüler von Max Klinger im Bereich der Druckgraphik und Zeichnung ausgebildet, bleibt er der Nachwelt vor allem als Bildhauer und preisgekrönter Literat in Erinnerung. 1921 zog es Kluge nach Berlin, wo er eine Professur an der Akademie der bildenden Künste erhielt, dort die Werkstatt für Erzgießerei ausbaute und zur Forschung über die Metallkunde beitrug. Der formschöne, sitzende Bär zählt zu den seltenen Tierdarstellungen in Kluges Œuvre. Prachtvoll durchmodellierter Guss. Gesamthöhe mit Sockel 14,5 cm. Provenienz: Privatsammlung Leipzig Literatur: Martin Wackernagel, Der Bildhauer Kurt Kluge, Berlin 1930, Abb. 38

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(1867 Königsberg – 1945 Moritzburg)

Kollwitz bekannteste Plastik „Die Klage“ ist zum einen ein Denkmal für ihren Künstlerkollegen Barlach, entstanden unter dem Eindruck seines Todes und des furchtbaren Unrechts, das er unter der Herrschaft der Nationalsozialisten erleiden musste. Zum anderen ist sie eine beeindruckende Stellungnahme zu ihrer eigenen Situation als Künstlerin zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Stellvertretend für alle, die unter der Diktatur leiden mussten, zeigt Kollwitz vielsagend anhand ihres Gesichts, was es bedeutet, zum Schweigen verurteilt zu sein und die Augen verschließen zu müssen vor einem Unrecht, das man doch nicht aus dem Sinn verbannen kann. Die besondere Wirkung, die der „Klage“ entwächst, besteht etwa in der fragmentarischen Wiedergabe eines menschlichen Gesichtes. In engem Ausschnitt kommt ein Antlitz zutage, das selbst-


bildnishafte Züge trägt. Die linke Hand ist über der linken Gesichtshälfte, die Finger verdecken das linke Auge bis über die Brauen. Die rechte Hand bedeckt knapp die Lippen, der Daumen ist vertikal aufgerichtet. Das Lid des rechten Auges ist tief herabgesenkt, so dass der Eindruck einer starken Abgeschlossenheit nach außen entsteht. Diese korrespondiert aber wiederum mit einem regen Innenleben. Geradezu beispielhaft nimmt hier etwas Gestalt an, was mit einem Konzentriertsein aufs Innerste zu bezeichnen ist. Das Sich-Abschließen ist kein freiwilliger Rückzug, sondern Ergebnis vom Einwirken äußerlicher Gewalt. Die über den Mund gelegte Hand verdeutlicht, dass nichts von innen nach außen gelangen soll. Mit dem aufrechten Daumen, der wie ein Ausrufezeichen wirkt, soll zudem das Sprechen untersagt werden. Ist die an die Wange gelegte linke Hand ein seit der Antike überlieferter Trauergestus, so kommt mit der den Mund verschließenden Rechten noch Untätigkeit dazu. Kollwitz arbeitete mit der Rechten, und da sie an das Mundhalten gebunden ist, zeigt sie sich gleichsam selbst als zum Schweigen und zur Tatenlosigkeit verurteilt. Unser Relief, in einem hervorragenden Guss mit wunderbar gleichmäßiger Patina, wurde bereits zu Kollwitz' Lebzeiten unter der

Hand mittels Fotografien sowie Gipsabformungen und Metallgüssen verbreitet. Es ist das bei Institutionen und Sammlern bis heute begehrteste plastische Werk der Künstlerin. Dr. Annette Seeler, Autorin des Werkverzeichnisses der Plastik von Kollwitz, hält unser Exemplar für einen autorisierten, posthumen Guss vom Modell II aus der zweiten Hälfte der 1960er oder Anfang der 1970er Jahre. Dieses Modell II wird 1960/61 von der im Bestand von Hans Kollwitz befindlichen Bronze (Seeler 38 I.B.3) abgeformt; heute befindet es sich im Käthe Kollwitz Museum, Köln. Das ursprüngliche, seit 1945 genutzte Modell I (Seeler 38 I.A.) war zu dieser Zeit nicht mehr nutzbar und existiert nicht mehr. Bei der nächsten Aktualisierung des Onlinekataloges, der das Werkverzeichnis begleitet, wird unser Relief nach jetzigem Kenntnisstand unter die Vervielfältigungen in der Abteilung II.B aufgenommen werden. Wir danken Dr. Annette Seeler für die Bestätigung der Authentizität des Werks vor dem Original und die freundlichen Auskünfte. Provenienz: Kunstgalerie Esslingen, erworben 1973 vom Vorbesitzer 145


käthe kollwitz

8354 Frau an der Wiege Radierung, Kaltnadel und Schmirgel in Braun auf festem Velin. 1897. 27,6 x 14,5 cm (40 x 29,2 cm). Knesebeck 40 III b (von VI). 600€

Früher Druck mit dem Hexagramm im Unterrand, mit Resten des weggeschnittenen ovalen Blindstempels der „Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, Wien“ im unteren Rand, vor der gestochenen Schrift im Unterrand, vor allen späteren Editionen. Ausgezeichneter Druck mit breitem Rand.

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8355 Brustbild einer Arbeiterfrau mit blauem Tuch Kreide- und Pinsellithographie in zwei Farben mit Schabeisen im blau druckenden Zeichenstein auf Kupferdruckpapier. 1903. 35,2 x 24,5 cm (56 x 44,9 cm). Knesebeck 75 A III b (von B). 750€

Druck der Normalausgabe aus der Auflage für die Jahresmappe der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst in Wien 1906, mit der typographischen Schrift am unteren Blattrand, links: „‘Arbeiterfrau‘, Original-Lithographie von Käthe Kollwitz“ und rechts „Verlag der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, Wien.“ Hervorragender Druck mit dem vollen Rand, das Gesicht der Frau herrlich differenziert herausgearbeitet.

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käthe kollwitz

8356 Arbeiterfrau im Profil nach links Kreide- und Pinsellithographie mit Schabeisen in Braun auf Similijapan. 1903. 44,4 x 32,98 cm (52 x 39,4 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“. Knesebeck 74 II b (von III b). 2.200€

Endgültige Fassung. Exemplar des zweiten Zustandes mit dunklem Hintergrund, vor den Lichtaussparungen auf den Handknöcheln und mit den zwei Fehlstellen in der linken Darstellungshälfte. Vor der numerierten Auflage von 1918 sowie vor den Auflagen bei Richter und von der Becke seit 1921, noch vor den bei von dem Knesebeck genannten horizontalen schwarzen Linien im Gesicht auf Nasenhöhe. Ausgezeichneter Druck mit dem nahezu vollen Rand, das Gesicht und die gefalteten Hände der Frau wunderbar differenziert aus dem Dunkel hervorgehoben. 147


käthe kollwitz

8357 Selbstbildnis Strichätzung, Kaltnadel sowie Vernis mou mit Durchdruck von Bütten und Zieglerschem Umdruckpapier auf leichtem Velinkarton. 1912. 14 x 9,9 cm (29,5 x 22,4 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“. Knesebeck 126 VII a (von d). 1.500€

Endgültige Fassung, mit der unterhalb des linken Nasenlochs hinzugefügten, aus kurzen Strichen bestehenden Horizontallage. Druck vor den Auflagen für Sievers Katalog. Ganz hervorragender, stellenweise herrlich gratiger Druck in Braun mit leicht eingeprägter Plattenkante und Rand.

8358 Die Eltern Kreidelithographie auf glattem leichten JWZanders-Velinkarton. 1919. 31,8 x 47,5 cm (51,2 x 64,9 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“. Knesebeck 142 c. 900€

Verworfene zweite Fassung des dritten Blattes der Folge „Krieg“. Aus einer Gesamtauflage von 300 Exemplaren, erschienen bei Richter 1919. Hervorragender, kräftiger Druck mit breitem Rand.

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käthe kollwitz

8359 Mütter Kreidelithographie auf JWZanders-Velin. 1919. 44,8 x 58,5 cm (50,9 x 68,8 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“. Knesebeck 140 I c (von II). 3.000€

Kollwitz hatte sich Anfang Februar 1919 entschlossen, die Kriegsfolge nicht in Radierungen, sondern in Lithographien auszuführen. Als erstes entstand dieses Werk, zu dem sich die Künstlerin in ihrem Tagebuch am 6. Februar 1919 folgendermaßen äußerte: „Ich arbeite die ‚Mütter‘. (...) Gestern den Versuch beschlossen, die Kriegsblätter in Steindruck umzuarbeiten. Und heut an Peters Geburtstag kann ich es. Ich habe die Mutter gezeichnet, die ihre

beiden Kinder umschließt, ich bin es mit meinen eigenen leibgeborenen Kindern, meinem Hans und meinem Peterchen. Und ich hab es gut machen können. Danke!“ Verworfene zweite Fassung des sechsten Blattes der Folge „Krieg“, der Stein wurde zerstört. Aus der Auflage bei Richter 1919, erschienen in 275 Exemplaren, vor der lithographierten Signatur rechts unten. Prachtvoller, kräftiger Druck dieses großformatigen Blattes mit Rand, an zwei Seiten mit dem Schöpfrand. 149


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8360 Nachdenkende Frau Lithographie auf bräunlichem Velin. 1920. 53,2 x 37 cm (59,7 x 44,3 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“. Knesebeck 160 A III (von B). 1.700€

Gedruckt bei Hermann Birkholz, Berlin. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand.

8361 Heimarbeit Kreide- und Pinsellithographie auf rauem Velinkarton. 1925. 33,6 x 42,9 cm (53,7 x 64,3 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“. Knesebeck 217 A III b. 1.500€

Aus der Auflage für die Mitglieder der „Deutschen Kunstgemeinschaft“, nicht vor 1927. Mit dem bei von dem Knesebeck benannten unter dem 15 mm langen ovalen Ausbruch am linken Steinrand weiteren nicht so tiefen, aber längeren Ausbruch, und vor dem Plakat. Ausgezeichneter Druck mit dem vollen Rand. 151


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käthe kollwitz

8362 Städtisches Obdach Kreidelithographie auf glattem Maschinenpapier. 1926. 42,8 x 56 cm (59,5 x 69,5 cm). Knesebeck 226 c. 1.200€

Aus der unsignierten Auflage für die Jahresgabe der Mitglieder des Kunstvereins Leipzig. Prachtvoller, äußerst kräftiger Druck dieses großformatigen Blattes, mit dem vollen Rand.

8363 Mütter gebt von euerm Überfluß! Kreidelithographie auf Bütten. 1926. 34,4 x 32,1 cm (51,4 x 40,7 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“. Knesebeck 227 I c (von III b). 5.000€ Mit unserem Blatt, das im Auftrag der Kinderärztin Marie-Elise Kayser entsteht, unterstützt Kollwitz das Ziel, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr hohe Säuglingssterblichkeit zu bekämpfen.

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Kayser eröffnet 1919 die erste Frauenmilch-Sammelstelle Deutschlands. Im Unterschied zu anderen Kliniken wirbt sie aber auch außerhalb von Krankenhäusern und Wöchnerinnenheimen um Spenderinnen, um eine möglichst große Milchmenge zu erreichen. In einem Brief vom 31. Oktober 1926 äußert Kollwitz sich zur Entstehung unseres Blattes: „(...) Nun bitte ich Sie aber mir gleich zu schreiben, welcher Text heraufkommen soll. Möglichst wenig. (…) Den Gedanken mit dem signierten Vorzugsexemplar als Prämie für die Mutter finde ich gut. Den Stein würde ich Ihnen zur Verfügung stellen, ich würde für mich nur ausbedingen, dass ich mir eine Reihe von Abzügen machen kann ganz zu meiner Verfügung, auch verkäuflich (...)“. (Käthe Kollwitz, Briefe der Freundschaft, München 1966, S.81). Da Kollwitz diesen Stein vermutlich mit Schrift zu Kayser gab, sind jene Drucke ohne Schrift die frühesten, und bei ihnen handelt es sich um die zum freien Verkauf vorbehaltenen Abzüge. Knesebeck sind von diesen bisher 6 Exemplare bekannt, mit unserem taucht nun ein weiteres auf. Prachtvoller, kräftiger Druck des äußerst seltenen ersten Zustandes vor der Schrift, mit breitem Rand, links mit dem Schöpfrand. Wir danken Frau Alexandra von dem Knesebeck für die wertvollen Hinweise.


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käthe kollwitz

8364 Selbstbildnis im Profil Kreidelithographie auf hauchdünnem Japanbütten. 1927. 32,4 x 29,9 cm (56,1 x 43 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“ und datiert. Knesebeck 235 wohl b (von c). 3.000€

Aus der Auflage für die Mitglieder des Kunstvereins Kassel als Jahresgabe 1929, von dem Knesebeck verzeichnet Exemplare auf hauchdünnem China. Umdruck von der Zeichnung Nagel/Timm 1148. Das nachdenkliche Selbstporträt der Künstlerin in einem ausgezeichneten, äußerst kräftigen Druck mit breitem Rand.

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käthe kollwitz

8365 Zuhörende Kreidelithographie auf dickem Velin. 1927. 21,6 x 18,9 cm (60,3 x 28,2 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“. Knesebeck 237 II c (von III). 1.800€

Nach Käthe Kollwitz‘ Aussage entstand die Lithographie als „Niederschlag von Eindrücken einer Reise nach Moskau anlässlich der Zehn-Jahres-Feier der Sowjetunion. Das Blatt „Zuhörende“ ist eine Erinnerung an eine dieser Moskauer Feiern.“ (zit. nach Knesebeck, S. 686). Vor der Auflage mit lithographierter Signatur von 1930. Prachtvoller, kräftiger Druck, die Steinkante wunderbar mitdruckend, wohl mit dem vollen, an zwei Seiten mit sehr breitem Rand, unten mit dem Schöpfrand.

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8366 Stehende Mutter, ihr Büblein fütternd Strichätzung und Aquatinta auf graugrünlichem Kupferdruckpapier. 1928. 20 x 15 cm (38,2 x 29,3 cm). Signiert „Kollwitz“, zudem vom Drucker Otto Felsing signiert. Knesebeck 242 III c (von IV b). 1.800€

Aus der Auflage bei von der Becke in den 1930er Jahren. Prachtvoller, äußerst gratiger Druck mit zartem Plattenton und blind mitdruckender Facette, mit breitem Rand.

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käthe kollwitz

8367 Maria und Elisabeth (endgültige dritte Fassung) Holzschnitt auf Japanbütten. 1929. 36,8 x 34,5 cm (39,5 x 46 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“. Auflage 150 Ex. Knesebeck 249 VI a (von b). 1.500€ Es ist eine Szene, von der das Neue Testament berichtet: Das Kind der Elisabeth hüpfte in ihrem Leibe vor Freude, als es dem Kind der anderen, dem Messias, begegnete. Das Motiv der sich begegnenden, schwangeren Frauen wurde oft gemalt; Kollwitz‘ Darstellung lässt zugleich jedoch den bevorstehenden Tod beider Söhne,

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Johannes und Jesus, erahnen, indem sich um die Frauen die angedeutete Grabeshöhle ausbreitet. Käthe Kollwitz beschäftigte sich, wie sich Knesebeck zufolge (S. 684) aus ihrem Tagebuch schließen lässt, bereits seit dem Jahr 1924 mit dem Motiv und schnitt „Maria und Elisabeth“ mehrfach. Diese endgültige dritte Fassung mit der aufgerauhten rechten unteren Ecke entstand in sehr weichem, schwer zu behandelndem Holz, so dass aus diesem Grund die Auflage klein und auf 150 Exemplare begrenzt wurde. Aus der Auflage beim Euphorion-Verlag, 1930. Prachtvoller, klarer Druck, die horizontale Holzmaserung herrlich mitdruckend, mit Rand, an drei Seiten mit dem Schöpfrand.


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käthe kollwitz

8368 Zwei schwatzende Frauen mit zwei Kindern Lithographie auf festem Velin. 1930. 29,8 x 26 cm (47 x 36 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“. Knesebeck 250 c. 2.200€

Exemplar der endgültigen Fassung, aus der Auflage von ca. 150 unnumerierten Drucken, erschienen als Jahresgabe des Deutschen Kunstvereins, Berlin 1930. Die „Schwatzenden Frauen“ tragen genrehafte Züge, die sich häufiger im Spätwerk der Künstlerin finden. Mit Werken wie diesem knüpfte sie an ihre frühen Arbeiten aus der Münchner Studienzeit und den folgenden Jahren an, in denen Max Liebermann zu ihren großen Vorbildern zählte. Ganz prachtvoller, kräftiger Druck mit breitem Rand. 157


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käthe kollwitz

8369 Mutterglück (Eltern mit Kind) Kreidelithographie auf dünnem Similijapan. 1931. 22,4 x 31,3 cm (35,5 x 43,4 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“. Knesebeck 254 a (von b). 3.000€

Endgültige Fassung, der Stein wurde zerstört. Erschienen für die Deutsche Bildkunst-Hilfe e.V. Ganz ausgezeichneter, äußerst kräftiger Druck mit Rand.

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käthe kollwitz

8370 Mutter mit Jungen Kreidelithographie auf Velin. 1933. 36,2 x 21,2 cm (49,7 x 37 cm). Signiert „Käthe Kollwitz“. Knesebeck 258 II a (von III). 3.500€

Endgültige Fassung, mit dem scharfen Profil der Lippen, jedoch vor dem lithographierten Namenszug. Eines der wenigen und deshalb so gesuchten heiteren Sujets von Kollwitz. Prachtvoller, äußerst kräftiger Druck mit breitem Rand. 159


claus korch

(1936 Magdeburg – 2019 Berlin)

8371 Weiblicher Dreiviertelakt mit Tuch Rüdersdorfer Kalkstein. Um 2000. 38,5 x 16 x 9 cm. Verso signiert „C. Korch“. 1.200€

Schlanker, stehender Mädchentorso mit langen über die Schultern fallenden Haaren. Die raue, spröde Textur des Kalksteins verwandelt sich unter Korchs Bearbeitung in sanft geschwungene Formen und eine weich erscheinende Körperoberfläche. Der Stein lässt die Punktierungen erkennbar bleiben und ist absichtlich nicht in allen Teilen durchgearbeitet, so dass der Materialcharakter betont wird. Claus Korch war Steinbildhauer aus Passion, Bronze nicht sein bevorzugtes Material: Er führte seine Steinarbeiten eigenhändig aus und arbeitete dabei immer wieder direkt ohne Vorstufe; einen Teil seiner Skulpturen jedoch bereitete er durch plastische oder zeichnerische Skizzen vor.

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8372

bernhard kretzschmar (1889 Döbeln – 1972 Dresden)

8372 Straßenszene mit Passanten Kaltnadel mit Aquatinta auf Velin. 1920. 26,3 x 30,3 cm (45 x 52 cm). Signiert „Bernh. Kretzschmar“ und datiert. Nicht bei Schmidt. 1.500€

Expressionistisches Blatt von großer Erzählfreudigkeit: Gesellschaftskritisch und durchaus humorvoll schildert Kretzschmar die belebte Straßenszene. Entstanden ist die Kaltnadel 1920, in dem Jahr, in dem der Künstler nach Ausflügen zum Linol- und Holzschnitt wie auch zur Lithographie sich endgültig wieder der Radierung zuwandte, die in den folgenden Jahren im Mittelpunkt seines Schaffens stehen sollte. Brillanter, wunderbar gratiger Druck mit schön differenziertem Aquatintaton und dem vollen Rand. 161


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bruno krauskopf

(1892 Marienburg – 1960 Berlin)

8373 „Bildnis Frau Krauskopf“ Öl auf Leinwand. Um 1918. 67 x 58 cm. Oben links mit Pinsel in Rot signiert „B. Krauskopf“, verso auf dem Keilrahmen betitelt. 3.000€

Wie eine mystische Erscheinung artikuliert sich das helle Antlitz weich und schmal inmitten der dunklen, von zersplitterten Formen dominierten Umgebung. Krauskopfs Bildnis seiner Frau besticht durch seine ausgeprägten Helldunkelkontraste und insbesondere durch den Gegensatz zwischen der einerseits nur schemenhaft

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angedeuteten Umgebung und den mit pastosem Farbauftrag reliefhaft aus dem Dunkel hervorleuchtenden Gesichtszügen. Dadurch rückt die Darstellung ein Stück weit vom Persönlich-Gegenständlichen ab und gewinnt einen eher imaginären Charakter. Bruno Krauskopf studierte 1910-1915 am Königlichen Kunstgewerbemuseum in Berlin bei Emil Doeppler. Zusammen mit Wilhelm Kohlhoff und Harry Dreierling gründete er 1914 eine Ateliergemeinschaft. Ab 1916 war er Mitglied in der Freien Berliner Sezession, anschließend trat er in die Berliner Secession über. Provenienz: Nachlass Bruno Krauskopf


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bruno krauskopf

8374 Nach der Arbeit Öl auf Malpappe. 1926. 53 x 65,7 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Krauskopf“ und datiert. 3.500€

In Krauskopfs impressionistischer Malweise und dem souveränlockeren Duktus der 1920er Jahre umgesetzte Landschaft mit heimkehrendem Paar. Die Figuren wandern ermattet durch das Dämmerlicht, nach vorne aus dem Bild heraus, kaum erkennbar zwischen der wuchernden Vegetation. Die Farben ebenso wie die Komposition spiegeln die Ermattung und Mühsal des Paares beim späten Heimweg. Ab 1916 ist Krauskopf Mitglied in der Freien Berliner Secession, danach tritt er in die Berliner Secession über, wo er sich bis 1933 an allen Ausstellungen beteiligt und als Vorstands-

und Jurymitglied einsetzt. In den 1920er Jahren wandelt sich sein Malstil und wird zunehmend impressionistisch. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten übersiedelt der Künstler 1933 nach Norwegen, wo er bis 1940 lebt, zieht anschließend nach New York und endlich wieder nach Berlin. Provenienz: Galerie Michael Haas, Berlin Sammlung Tarasinski, Berlin 163


fritz kreidt

(1936 Essen – 2020 Berlin)

8375 „In den Bergen von Guangxi“ Öl und Farbstifte auf Leinwand. 2006. 120 x 55 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „KREIDT“, verso mit Faserschreiber in Schwarz signiert „Fritz Kreidt“, datiert und betitelt. 1.800€

2005 unternimmt Kreidt eine Studienreise nach China, die ihn zu einer Reihe von Landschaftsbildern anregt. In diesen Arbeiten greift er häufig, zusätzlich zu seinen bisher rein aus Ölfarben bestehenden Werken, Farbstifte auf, mit denen er die architekturalen und vegetativen Werkelemente in feinen Strichen wiedergibt. Unsere Ansicht von Guangxi, einem Gebiet im Süden Chinas an der Grenze zu Vietnam, wird von einem warmen, stimmungsvollen Himmelslicht eingefangen und weckt die Sehnsucht nach Ferne, nach Reisen und Entdecken. 8375 164

Provenienz: Nachlass Fritz Kreidt


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fritz kreidt

8376 „Große Industrielandschaft“ Öl auf Leinwand. Um 1990. 150 x 210,5 cm. Verso mit Faserschreiber in Schwarz signiert „F. KREIDT“ und betitelt. 4.000€ Kreidt studiert von 1955 bis 1960 an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Otto Coester und Georg Meistermann sowie in Paris. Seine Reisen führen ihn nach Spanien, Frankreich, England, die USA und China. Ab 1990, seit der deutschen Wiedervereinigung, thematisiert er in seinen Bildern Industrie- und Stadtlandschaften der

ehemaligen DDR. Es sind Industriebrachen oder Baustellen, die, melancholisch anmutend, von ihm in akribischem und nahezu fotorealistischem Stil erfasst, den flüchtigen Zustand von Veränderung wiedergeben. Das Alte, Verfallene, Ausgediente ist Zeugnis einer Epoche, das sich in der früheren DDR noch in großer Zahl findet. Es ist in einem Umfeld anzutreffen und zeigt, dass sich seit seiner Entstehung wenig verändert zu haben scheint. Rötlichbräunlich, abenteuerlich heruntergekommen und scheinbar unbelebt. Stille, unbewegte Landschaften, aus denen doch so viel spricht. Provenienz: Nachlass Fritz Kreidt 165


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will küpper

(1893 Brühl – 1972 Düsseldorf)

8377 Kriegskrüppel Kohle auf Maschinenbütten. 1918. 62,5 x 47 cm. Unten rechts mit Kohle monogrammiert „WK“ und datiert. 1.800€

Körperlich und seelisch deformiert zeigt der Künstler den Veteranen. In dieser Zeichnung eines im Krieg verkrüppelten, vorzeitig gealterten Mannes verarbeitet Küpper seine eigenen, traumati-

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sierenden Kriegserfahrungen. Mit seiner kräftigen, sicheren Linienführung und den kantig vereinfachten Konturen ist das Blatt ein charakteristisches Beispiel für Küppers expressionistische und pointiert sozialkritische Bilder menschlichen Leidens. Bald nachdem Küpper sich in Düsseldorf niedergelassen hatte, wurde Alfred Flechtheim auf ihn aufmerksam und zeigte 1923 in seiner Kölner Galerie 14 Gemälde und 30 Zeichnungen des Künstlers. Sein Angebot, ihn weiter als Künstler der Galerie zu verpflichten, lehnte Küpper jedoch ab. Während der Nazi-Diktatur und des Zweiten Weltkriegs wurden viele Bilder beschlagnahmt oder von Bomben zerstört.


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will küpper

8378 Frau mit Glas Kohle auf Maschinenbütten. Um 1919. 54,5 x 47,5 cm. Unten rechts mit Kohle monogrammiert „WK“. 1.500€

Die sozialkritische expressionistische Darstellung einer verhärmten Frau, die mit verzweifeltem Ausdruck vor ihrem Glas sitzt, gezeichnet mit kräftigen Konturen und spitzen Schraffurenbündeln, schuf Küpper aufgrund seiner eigenen erschütternden Erfahrungen im Ersten Weltkrieg. Mit Ernst Ludwig Kirchner zusammen schuf Küpper, ein Freund Max Ernsts, 1914 einen Fries für die Werkbundausstellung in Köln. Aus dem Ersten Weltkrieg verwundet zurückgekehrt, studierte er 1919 bis 1921 an der Kunstakademie

Düsseldorf bei Willy Spatz, dann an der Kunstakademie München bei Karl Caspar und Max Unold, schließlich war er Meisterschüler bei Heinrich Nauen in Düsseldorf. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Otto Dix und Jankel Adler unterhielt er dort ein eigenes Atelier und wurde Mitglied der Rheinischen Secession sowie der Rheingruppe. Die Kriegserfahrungen verarbeitete Küpper ab 1919 in expressionistischen, sozialkritischen Darstellungen menschlichen Leids und Elends. 167


8379

rainer küchenmeister

(1926 Ahlen/Westfalen – 2010 Paris)

8379 „Gruss an A. Witkowska“ Öl und Stempeldruck auf Hartfaserplatte. 1969. 101,9 x 76,5 cm. Verso mit Pinsel in Schwarz signiert „RAINER KÜCHENMEISTER“, datiert (verworfen), abermals datiert und betitelt. 2.000€

Küchenmeister zählt mit seinen Arbeiten zu den Protagonisten einer neuen figurativen Richtung in der Kunst der 1960er Jahre. Jenseits des arrivierten Informel und Action Painting wendet er sich dem Dialog mit der Figur zu. Die Hinwendung zum Körperhaften bedeutet für ihn keine Beschäftigung mit dem naturgetreuen Abbild, sondern vielmehr eine Gestaltsuche in verschlüs-

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selter, stark abstrahierter Form. Eher aus der inneren Imagination als aus der Erfahrung äußerer Realitätseinflüsse schöpfend, treten seine freien Figurationen als isolierte Phantasieformen in Erscheinung, gleichsam als fremdartige wie faszinierende Einheiten. Unsere ovalförmige Figur besticht durch ihre orangerote Mitte, die feurig leuchtend, einer Glut ähnlich, intensiv in den Bann zieht. Provenienz: Galerie Stangl München, verso mit deren typographisch beschrifteten Klebeetikett sowie Stempel Ausstellung: Kunstverein Düsseldorf 1980/81 Rainer Küchenmeister, Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen, Museum Schloss Mosigkau 1993 (Kat.-Nr. 10)


8380

michael kunze

(1961 München, lebt in Berlin)

8380 „Einschlaftrick b“ Öl auf Leinwand. 2007. 100 x 85 cm. Verso mit Kreidestift in Schwarz signiert „Michael Kunze“ und datiert.

der historisch linearen und schulbuchartigen Entwicklung, zum anderen die der brüchigen, surrealen und viel komplexer verwobenen Linie, die er „Schattenlinie“ nennt. Unsere Arbeit weist eine im freien Raum schwebende Bettszene auf, die auf den Zeitpunkt zwischen Wachsein und Schlaf anspielt, wie der Titel „Einschlaf­ trick“ verrät.

Michael Kunze studierte von 1985 bis 1991 an der Akademie der Künste in München. Der zur Zeit in Berlin lebende Künstler setzt sich mit philosophischen Theorien und literarischen Inhalten auseinander, so auch bei der Entstehung der Werkgruppe, zu der unser Gemälde zählt. Einige seiner Arbeiten tragen Titel von Gedichten. Für Kunze spaltet sich die moderne Kunst im 20. Jahrhundert in zwei gegensätzliche Auffassungen auf: zum einen die

Provenienz: ehemals Galerie Rudolf Zwirner, Köln

1.500€

Ausstellung: Michael Kunze. Gewalt gegen Ding im Kopf, Galerie Nicolas Krupp, Basel 2007, verso mit deren Ausstellungsetikett 169


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paula lauenstein

(1898 Dresden – 1980 Crostau)

8381 Hans Nötzel, auf einem Stuhl sitzend Bleistift auf dünnem Similijapan. Um 1924. 59,3 x 45,2 cm. Unten links mit Bleistift signiert „P. Lauenstein“ und datiert „11.Jan.“. 900€

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Paula Lauenstein schuf, wohl zu Beginn des Jahres 1924, eine Serie von Zeichnungen, die Hans Nötzel, einen Jungen mit Turmschädel zeigt. Die Serie reicht von fein ausgearbeiteten Bleistiftarbeiten über schwungvoll ausgeführte, großzügige Zeichnungen mit wenigen Linien und Schraffuren bis zu skizzenhaften Grotesken. Auf diese Weise probierte sich die Künstlerin wohl stilistisch und technisch aus und tastete sich gleichzeitig an die Deformierung der Schädelform heran. (Vgl. Birgit Dalbajewa, ‚Ja Sie, mit Ihrem Talent!‘ Zu Werk und Leben von Paula Lauenstein, in: A. Peters, Anne und A. Smitmanns, Paula Lauenstein, Elfriede Lohse-Wächtler, Alice Sommer, drei Dresdner Künstlerinnen in den 20er Jahren. Ausst.Kat. Städtische Galerie Albstadt 1997. S. 21f., Kat.-Nrn. 31 und 32).


8382

uwe lausen

(1941 Stuttgart – 1970 Beilstein)

8382 „Freie Assoziation“ Bleistift und Buntstifte auf leichtem Velinkarton. 1965. 42,8 x 60,6 cm. Oben links am Rand der Darstellung signiert „Lausen“, datiert „2. WF 65“ und betitelt. 2.500€

Energisch, wild und in den Farben schrill begegnet uns Lausens Komposition. Sie ist seinem Spätwerk zuzurechnen, in dem der Künstler Elemente aus Pop Art und Hyperrealismus mit psychischdestruktiven Bildwelten als Ergebnis einer hochsensiblen Reflektion der gesellschaftlichen Realität der 1960er Jahre verbindet. Lausens Bildmotive, die meist aus dem politisch-kulturellen Untergrund, aus der Drogenszene und dem kriminellen Milieu stammen,

zeigen die Welt analytisch, direkt, ungeschönt. Der Künstler gilt als eine der prägendsten Positionen der figurativen deutschen Malerei der 1960er Jahre und innerhalb von nur neun Jahren schafft der bereits mit 29 Jahren verstorbene Autodidakt ein von rasanten Entwicklungssprüngen gekennzeichnetes Œuvre. Zunächst unter dem Einfluss der Gruppe SPUR, dann dem des abstrakten Expressionismus und der art brut, über seine dem Nouveau Réalisme verbundenen Collagen bis hin zum realistischen Spätwerk schafft er sein vielschichtiges Gesamtwerk. Bereits früh etabliert sich Lausen als erfolgreicher Künstler und erfährt Ausstellungen in Stuttgart, München, Paris und Berlin. Provenienz: Galerie Stangl München, verso mit deren Stempel 171


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franz lenk

(1898 Langenbernsdorf/Vogtland – 1968 Schwäbisch-Hall)

8383 „Boote bei Amrum“ Aquarell auf Velin. 1927. 35,5 x 36,3 cm. Oben rechts mit Bleistift signiert „FLenk“ und links datiert, verso betitelt und erneut datiert. 1.500€

Franz Lenk beschreibt in vorliegendem Aquarell den Blick auf Amrum mit einem bestechend klaren Bildkonzept. Im ruhigen, klarblauen Wasser liegen zwei kleine Boote, am Horizont ist die kleine Inselsilhouette mit Windmühle, Kirche und Leuchtturm auf ein Minimum reduziert. Die nüchterne, objektivierende Darstellungsweise ist charakteristisch für die Neue Sachlichkeit, zu deren Hauptvertretern Lenk zählt. Als er 1936 Vorstandsmitglied der Berliner Secession und 1937 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste wurde, reiste er zu Studienzwecken erneut nach Amrum. Provenienz: Galleria del Levante, München/Mailand

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8384

franz lenk

8384 Pfrungen (Schwäbisches Dorf) Aquarell auf leicht genarbtem Velin. 1932. 35 x 50,2 cm. Unten links mit Bleistift signiert „FLenk“ und datiert. 900€

Franz Lenk zählt mit seinen Landschaftsgemälden und Stilleben zu den wichtigen Vertretern der Neuen Sachlichkeit der 1920er und 1930er Jahre in Deutschland. Er setzte sich in der Zeit der Nationalsozialisten früh für verfolgte Kollegen ein, verweigerte 1937 eine Beteiligung an der Großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst und legte sein Lehramt an den Vereinigten Staatsschulen aus Protest gegen die Diffamierung von Kollegen und gegen die repressive Kunstpolitik im Dritten Reich nieder. 173


8385

gerda lepke

(1939 Jena, lebt in Freital)

8385* „Wiesenlandschaft“ Öl auf Leinwand. 1978. 55 x 79,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Gerda Lepke“, verso nochmals signiert, datiert und betitelt sowie mit der Ortsbezeichnung „Krukow“. 1.800€

Eine Wiesenlandschaft im August. Wie sich das Stück Landschaft zu den Rändern hin auflichtet, das gleicht einem Hitzeflimmern. Das Grün des Grases, durchflirrt von luftigem Blau und Rosarot, konzentriert sich im Zentrum der Leinwand. Die frühe Arbeit zeigt Lepkes charakteristische, auf ganz eigene Weise perfektionierte Technik der kleinteiligen, dynamisch und rhythmisch aufgetragenen Tupfen, Pünktchen, Spritzer, Zeichen, die einander überlagern, sich verdichten und voneinander entfernen und so die Landschaft in ihrer Weichheit und Vielfalt darstellen. Die Beweglichkeit und Veränderlichkeit der Natur zeigt Lepke ebenso wie ihre Fragilität.

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8386

gerda lepke

8386* „Blick auf Erde“ Öl auf Leinwand. 1992. 80 x 90 cm. Oben rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Gerda Lepke“ und datiert, verso nochmals signiert, datiert „im Juni 1992“, betitelt sowie mit der Ortsangabe „Dresden“. 2.500€

Die Beweglichkeit und Veränderlichkeit der Natur, das sprießende Gras, der Wind in den Blättern, das Wachstum auf der feuchten Erde, all das transportiert Gerda Lepke mit ihrem schnellen, klein-

teiligen Pinselduktus ins Gemälde. Der „Blick auf Erde“ formuliert sich aus dynamisch und rhythmisch aufgetragenen Tupfen, Pünktchen, Spritzern, Zeichen, die einander überlagern und dabei in unterschiedliche diagonale Richtungen weisen. Erdige Rot-BraunTöne werden vom frischen Grün durchzogen. „Gerda Lepkes Landschaften vermitteln Strukturen und Formationen, die die reale Landschaft nicht besitzt, d.h. dass einerseits Annäherung an die Realität besteht, andererseits aber Entfernung von dem Vergleichbaren stattfindet. Die von der Künstlerin geschaffene Bildwirklichkeit erweitert jedoch unsere Erfahrung gegenüber der realen Wirklichkeit.“ (Sibylle Badstübner-Gröger, in: Gerda Lepke, Ausst.Kat. Galerie des Ernst-Rietschel-Kulturringes, Pulsnitz 1996, o. S.). 175


8387

walter libuda

(1950 Zechau/Kriebitsch, lebt in Schildow bei Berlin)

8387 „Die Schlucht“ Öl auf Leinwand. 1984/88. 60,5 x 50,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Rot signiert „W. Libuda“ und datiert, verso nochmals signiert, datiert, betitelt und mit den Maßangaben. 1.800€

Bretthart ist die Leinwand und schwer. Versteift von mehreren Schichten der dicken, pastos und reliefartig aufgetragenen Ölfarbe. Wie sehr Libuda prozesshaft arbeitet, zeigt sich nicht nur an dieser schichtweisen Gestaltung, sondern auch an der Datierung des Gemäldes, die einen Entstehungszeitraum über vier Jahre hin-

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weg festlegt. Häufig bearbeitet der Künstler noch Jahre später seine Gemälde erneut. Die hier titelgebende Schlucht vermag der Betrachter vor allem in den Farbklängen zu erahnen, die Himmel, Wasser, Wald und Erdiges bedeuten mögen und mit breitem Pinsel in vehementem Gestus kreuz und quer, zum Teil bis auf den originalen Rahmen, aufgetragen sind. Das derart verdichtete, vielfarbige Bildgeschehen lässt ganz individuelle Interpretationen zu. „Was so entsteht, erscheint wie konstruiert und gebaut, wirkt sperrig, verzerrt und hat doch Rhythmus und Schwung, besteht im Eigenen und besticht durch kryptische Verschlossenheit und eine geradezu rabiate Schönheit.“ (Peter Funken, in: Walter Libuda - Die Große Schwester, Kunstforum 2009, Bd. 195).


8388

elfriede lohse-wächtler (1899 Dresden – 1940 Pirna)

8388 „Auf Kähnen“ Pastell auf Velin. 1931. 32 x 43,8 cm. 3.500€

„In den sechs Jahren (1925 bis 1931), die sich Elfriede Lohse-Wächtler in Hamburg aufhielt, erlebte sie ihre intensivste Schaffensperiode, aber auch lange Zeiträume existenzieller Not und gesundheitlicher Krisen. (...) 1929 und 1930 folgten die zwei gravierendsten Jahre im Schaffen der Künstlerin. In dieser Zeit entstanden, überwiegend als großformatige Pastelle, Männer- und Frauenbildnisse von unbekannten und bekannten Personen. (...) Die in dieser Zeit geschaffenen Werke fanden rasch Eingang in Galerien, allein 1929/30 beteiligte sie sich an sechs Ausstellungen. In der Presse erhielt sie ausgezeichnete Kritiken und ihr Bekanntsheitsgrad wuchs.“ (Boris Böhm, in: Elfriede Lohse-Wächtler 1899-1940, Ein biografisches Portrait, Ausst.-Kat. Stadtmuseum Pirna, 2003). Provenienz: Aus dem Nachlass der Künstlerin (ELW-WVZ Nr: 159) Fischer Kunsthandel & Editionen, Berlin 177


8389

robert longo (1953 New York)

8389 White Flag, aus: Columbus, In Search of a New Tomorrow Serigraphie auf Velinkarton. 1992. 45,5 x 71,6 cm (58 x 76 cm). Signiert „Robert Longo“ und datiert. Auflage 100 num. Ex. 900€

Blatt des Mappenwerks „Columbus, In Search of a New Tomorrow“, das 1992 in der Edition Domberger erscheint und in dem Arbeiten von 37 Künstlern versammelt werden, die sich gegen die Zerstörung der Natur in Südamerika stark machen. Die vollständige, auf 100 Exemplare begrenzte Mappe vereint Graphiken von u.a. Roy Lichtenstein, Christo, Robert Mangold, Sandro Chia, Eduardo Chillida, Ilja Kabakov und Jesús Rafael Soto. Unser Exemplar in einem ausgesprochen prachtvollen Druck mit vollem Rand, unten rechts mit dem Blindstempel der Edition Domberger, in deren Orig.Umschlag.

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8390

sol lewitt

(1928 Hartford/Connecticut – 2007 New York)

8390* 2/2 Two two part pieces using a cube with opposite sides removed Stahl, eingebranntes Email. 1968. 30 x 44,7 x 15 cm. Auf der Unterseite mit Editionsetikett, darauf signiert „Sol Lewitt“. Auflage 35 num. Ex. 8.000€

Sol LeWitt beginnt in den 1960er Jahren ein umfassendes plastisches Werk, das von der geometrischen Abstraktion der Vorkriegsjahre beeinflusst ist. Das Quadrat und der Kubus gehören dabei zu seinen Grundformen, die er in räumlichen Strukturen variiert unterbringt. Mit strengen, radikal vereinfachten modularen Strukturen spielt er in dieser Arbeit auf architektonische Elemente an. Die eigentlich exakte Spiegelung der beiden Rechtecke wird jedoch durch die Umkehrung der Öffnungen gebrochen. Herausgegeben von der Galerie Bischofberger, Zürich 1968. 179


8391

markus lüpertz

(1941 Liberec, lebt in Berlin, Düsseldorf und Karlsruhe)

8391 Ohne Titel Gouache und schwarze sowie farbige Kreide auf bräun­ lichem Velin. Um 1982. 43 x 61 cm. Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „ML“ im Kreis. 2.500€

Entwurf für das Bühnenbild der Oper „Vincent“ von Rainer Kunad am Staatstheater Kassel, die dort 1982 aufgeführt wurde. Dieses erste Bühnenbild, das Lüpertz gestaltete, entstand im Jahr seiner Teilnahme an der documenta 7 in Kassel. Der Künstler konstruiert einen funktionierenden Bühnenraum, irritierend mit dem Gegensatz zwischen dem landschaftlich inspirierten und kolorierten Zentralraum und der klar mit schwarzen Konturen und Gittern abgegrenzten Bühnenkonstruktion. Provenienz: Sammlung Onnasch, Berlin

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8392 Schädelstudien 6 Doppelblätter Zeichnungen. Kugelschreiber in Blau auf Skizzenbuchpapier. 1977. Je 16 x 20 bzw. 16 x 30 cm (1 Bl.). 1 Blatt unten links mit Filzstift in Schwarz signiert „MARKUS“, 1 verso monogrammiert „ML“. 1.500€

Serie von Skizzenbuchseiten mit immer unterschiedlich aufgefass­ ten Schädelzeichnungen, meist verso mit weiteren Zeichnungen. Lüpertz beschäftigt sich mit dem Thema der menschlichen Sterblichkeit seit den frühen Soldatenhelm-Bildern und Kreuzigungen. „Mein ganzes Atelier ist voll mit Skeletten, Totenköpfen, ausgestopften Vögeln, Krokodilen oder Schlangen. Und da ich ständig zeichne, halte ich diese Dinge fest, die hier herumstehen und liegen. Ich rede mit diesen Objekten. Und ab und zu, wenn ich nicht gerade in meinen abstrakten Träumen bin, eine Landschaft male oder mich mit formalen Dingen beschäftige, studiere ich sie. Totenkopf und Skelett sind Studienobjekte für mich. Es ist wie eine Art von Abschalten (...) Aber im Totenkopf als Bildmotiv liegt eine Magie, genau wie im Helm, im Spaten oder in der Schnecke. Dafür ist der Totenkopf selber verantwortlich, ich habe da relativ wenig mit zu tun.“ (Markus Lüpertz, Interview zur Ausstellung „Skulls“, Kunstakademie Düsseldorf, in: Westdeutsche Zeitung, 23.4.2009).


8392

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8393

rené magritte

(1898 Lessines – 1967 Brüssel)

8393 Ohne Titel (Mann mit Melone) Radierung mit beigefarbenem Grund auf feinfaserigem Japan. 1968. 19,9 x 14,9 cm (27,8 x 21,8 cm). Signiert „Magritte“. Auflage 25 röm. num. Ex. Kaplan/Baum 19. 2.500€

Mit dem Prägestempel „Originale Atelier René Magritte“. Ausgezeichneter klar zeichnender Druck mit Rand, an zwei Seiten mit dem Schöpfrand.

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aristide maillol

8394^ Ohne Titel (L‘Art d‘Aimer) Lithographiestein. Ca. 1935. 43,5 x 32 cm. Unten links monogrammiert „M“ im Kreis und bezeichnet „Pierre Annulée les frères Gonin“. Vgl. Guérin 314. 2.400€

Lithographiestein aus der Gruppe der Illustrationen zu Ovids „L‘Art d‘Aimer“, herausgegeben bei Les Frères Gonin, Lausanne 1935.


8394

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8395

nikolai makarov

(1952 Moskau, lebt in Berlin)

8395 Golfclub Fleesensee Acryl auf Velin, ganzflächig auf Holzplatte kaschiert. Ca. 2000. 28 x 40 cm. Unten rechts mit Pinsel in Orange monogrammiert „MN“. 900€ Mit einer eigens entwickelten Airbrushtechnik, bei der Makarov zwischen 20 bis 30 Schichten hauchdünner Acrylfarbe auf den Bildträger aufbringt und anschließend verwischt, verleiht er seinen

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Arbeiten einen unverwechselbaren Sfumato-Effekt und schafft einzigartige Stimmungen in ebendiesen. Atmosphärisch und geheimnisvoll, regelrecht entmaterialisiert und lediglich als Chiffre erkennbar, bannt er seine Motive. Auch in unserem Bild ist der topographisch identifizierbare Ort, der Golfclub Fleesensee an der Mecklenburgischen Seenplatte, in einen stimmungsvollen, nebeligen Dunst gehüllt. Makarov selbst widmete sich dort gelegentlich dem Golfspiel. Verso auf der Rahmenrückseite mit einem handschriftlich ausgefüllten Etikett der Mimi Ferzt Gallery, New York.


8396

mappenwerke

8396 Odradek - die Realität des Unverständlichen 1 Doppelbl. mit Impressum, Vorwort von Hemmo MüllerSuur und Inhaltsverzeichnis sowie 13 (Farb-)Radierungen auf Velin, davon 12 in Orig.-Passepartout. Lose in Orig.Leinenkassette. 1971. Bis ca. 41,3 x 30 cm (Blattgröße). Die Radierungen jeweils signiert. Auflage 100 num Ex. 1.800€

Herausgegeben von Rudolf Jüdes in Zusammenarbeit mit Gunter Hofer und dem Arbeitsbereich für Psychologische Medizin der Medizinischen Hochschule Hannover, erschienen im Steintor

Verlag Burgdorf/Hannover. Die 13 Radierungen beziehen sich auf die Erzählung „Die Sorge des Hausvaters“ von Franz Kafka (1920). Die Geschichte dreht sich um das Wesen Odradek, eine sternartige Zwirnspule. Sie soll als Metapher für „Sinn“ stehen und wurde neben den Geistes- und Sozialwissenschaften auch in der Psychologie oftmals unterschiedlich gedeutet. In dem Mappenwerk enthalten sind Arbeiten folgender Künstler: Peter Ackermann, Peter Collien, Michael Coudenhove-Kalergi, WP Eberhard Eggers, Ernst Fuchs, Thomas Häfner, Alfred Hrdlicka, Friedrich Meckseper, Arnulf Rainer, Kurt Regschek, Markus Vallazza, Woldemar Winkler und Anatol Wyss.

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8397

franz marc

(1880 München – 1916 vor Verdun)

8397* Ex Libris 6 (Farb-)Lithographien, davon 1 handkoloriert. 1901-1905. Zwischen 12,9 und 9 cm (Blattgröße). 1 Blatt signiert „Fr. Marc“. Hoberg/Jansen 45, 46, 47, 48, und 49. 1.500€

Dabei die Blätter „Ex libris Daniel Pesl I“, „Ex Libris Daniel Pesl II“ (zweifach vorhanden, 1 Exemplar handkoloriert), „Ex Libris“, „Ex Libris Paul Marc I“ und „Ex Libris Franz Marc II“. Innerhalb des graphischen Œuvres von Marc sind lediglich acht Ex Libris zu verzeichnen. Hoberg/Jansen sind die Auflagen nicht bekannt, sie schätzen sie jedoch auf jeweils 20 bis 60 Exemplare. Prachtvolle, satte Drucke mit schmalem, wohl vollem Rand. Selten.

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8398

frans masereel

(1889 Blanckenberghe – 1972 Avignon)

8398 Winkender Hafenarbeiter Aquarell auf Montgolfier-Bütten. 1949. 48,6 x 62,5 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „FM“ und datiert. 1.400€

1949 wählte Frans Masereel Nizza als festen Wohnsitz und fand seine Motive und Modelle in den Dockern und Matrosen sowie deren Frauen. Die muskulöse Gestaltung der nackten Oberkörper, wie sie auch in der vorliegenden Zeichnung zu erkennen ist, bildet ein charakteristisches Merkmal seiner Werke und verweist auf den Arbeiterstatus der Dargestellten. Das tiefe Blau des Wassers im Hintergrund bekundet die Liebe des Künstlers zum Meer. Masereel, der sich stets gegen die Unterdrückung von Randgruppen einsetzte, machte in seinen Gemälden Unsichtbare sichtbar. 187


8399

marwan

(d.i. Marwan Kassab Bashi, 1934 Damaskus – 2016 Berlin)

8399 Selbstporträt Öl auf Leinwand. 1974. 26,8 x 34,8 cm. Verso auf dem Keilrahmen mit Faserstift in Rot signiert „MARWAN“ und datiert. 5.000€

Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Mit diesen Fragen werden wir bei der Betrachtung von Marwans Porträts, Gesichtslandschaften und Köpfen konfrontiert. Darüber hinaus kann die Suche nach Identifikation mit der Biographie des Künstlers, die für Weltoffenheit und Globalisierung steht, in Verbindung gebracht werden. Marwan studierte Arabische Literatur an der Universität Damaskus und ging 1957 zu Hann Trier nach Berlin an die Hochschule für Bildende Künste. Fünf Jahre später arbeitete Marwan als freischaffender Maler in Berlin und zählte zum Kreis um Georg Baselitz und Eugen Schönebeck. Im Sinne der pathetischen Figuration zeichnen sich Marwans Arbeiten, und insbesondere das vorliegende Selbstporträt, durch die Überbetonung von Emotionen, die durch den pastosen Farbauftrag und die ineinander verlaufenden Farbnuancen hervorgebracht werden, sowie die Verzerrung des Dargestellten aus. Provenienz: Privatsammlung Berlin

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8400

wassili nikolajewitsch masjutin (1884 Riga – 1955 Berlin)

8400 Porträt des Philosophen Lew Platonowitsch Karsawin Öl auf fester Malpappe. 1925. 41,8 x 55,5 cm. 6.000€

Wassili Masjutin gehört zu den Exilrussen, die nach der Revolution 1917 und dem Bürgerkrieg 1917/18 in Berlin eine neue Heimat gefunden haben. Bis 1920 lebte der in Riga geborene Künstler in Moskau. Er schuf ein großes graphisches Werk, das auf einer bedeutenden Einzelausstellung 1921 gezeigt wurde. Nahezu zeitgleich musste er aufgrund seiner politischen Meinung die Stadt verlassen. Zunächst emigrierte er in seine Geburtsstadt, um sich dann ein Jahr später, 1922 in Berlin niederzulassen. In der damaligen Kulturmetropole pulsierte das einheimische, europäische und vor allem auch das russische Leben der Künstler und Intellektuellen. Der Dargestellte unseres Gemäldes ist der russische Religionsphilosoph, Historiker und Mediävist Lew Platonowitsch Karsawin (1882-1952). Seine Schwester war die berühmte Ballerina Tamara Karsawina, Mitglied des Ballets Russes. Nach einem Studium in St. Petersburg wurde Karsawin 1915 Professor am Institut für Geschichte und Philologie der dortigen Universität. Als Gründer der Arbeiterfakultät und späterer Präsident der Petrograder Universität schuf er ein neues religionsphilosophisches System, das sich mit der Einheit von metaphysischen Elementen befasste.

1922 wurde er unter dem Vorwurf konterrevolutionärer Umtriebe verhaftet und auf dem „Philosophen-Dampfer“ mit 45 weiteren Wissenschaftlern und Künstlern ins Exil verbannt. Erste Station für Karsawin war Berlin. Das Leben im Berliner Exil verband ihn und Masjutin. Das 1925 entstandene Porträt zeigt den mutigen und wissenschaftlichen Denker, der mit wachem und erforschendem Blick dem Betrachter direkt begegnet. Im Anzug gekleidet wirkt er streng, doch spricht aus seinen Augen Tiefe und Melancholie. Masjutin, der sich zu dieser Zeit bereits von der Graphik abgewandt hatte, war mit seinem gemalten Werk sehr zufrieden. Am 1. Dezember 1925 schrieb er auf eine Fotografie des Porträts, die er einem Freund sandte: „Ich möchte schließlich beweisen, dass es auch einen Maler Wassili Masjutin gibt.“ (Waltraud Werner, Wassili Masjutin (1884-1955). Ein russischer Künstler 1922-1955 in Berlin, Berlin 2003, S. 46, mit Abb.). Mit diesem eindringlichen Porträt ist es ihm in der Tat gelungen. Provenienz: 1975 aus dem Nachlaß des Künstlers in Berlin erworben seitdem Berliner Privatbesitz Literatur: Waltraud Werner, Wassili Masjutin (1884-1955). Ein russischer Künstler 1922-1955 in Berlin, Berlin 2003, Kat.-Nr. 625 189


8401

ewald mataré

(1887 Aachen – 1965 Büderich)

8401 Beim Kloster Eberbach im Rheingau Aquarell, Bleistift und Kohle auf leichtem Karton. 1945. 32,8 x 24,1 cm. Unten mittig mit Feder in Schwarz monogrammiert „M“ und datiert, rückseitig (von fremder Hand?) mit Bleistift bezeichnet „4779“.

gau Mataré schon seit 1940 als Rückzugsort gedient hatte. Mit kirchlichen Aufträgen hatte er in der Zeit der NS-Diktatur seinen Lebensunterhalt bestreiten können, auch nachdem sein Büdericher Atelier durch eine Luftmine beschädigt worden war.

Die Düsternis der vergangenen Kriegsjahre ist noch spürbar in den kahlen Ästen der ramponierten Bäume und im vorsichtigen Kolorit, zugleich aber liegen die charakteristisch abstrahierten Kühe wie eh und je, und mit dem zarten Rosa des Himmels atmet unsere Zeichnung einen Hauch von Hoffnung. Sie entstand zum Zeitpunkt eines persönlichen Neubeginns für den Künstler: Direkt nach Kriegsende 1945 kehrte der Künstler nach Düsseldorf zurück, wo er an der Kunstakademie bald eine Bildhauerklasse übernahm, nachdem das ehemalige Zisterzienserkloster Eberbach im Rhein-

Ausstellung: Ewald Mataré. Eine Werkübersicht, Akademie-Galerie, Düsseldorf 2005 (Kat. Nr. 153)

3.000€

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Provenienz: Sammlung Olbricht, Essen

Literatur: Ewald Mataré. Werkverzeichnis der Aquarelle, Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V. (Hrsg.), Köln 2015, S. 161 (Farbabb.)


8402

henri matisse

(1869 Le Cateau – 1954 Cimiez bei Nizza)

8402 Nu assis - les yeux noirs Kaltnadel auf Velin. 1926. 32 x 12 cm (38,3 x 28 cm). Signiert „H. Matisse“. Auflage 25 num. Ex. Duthuit 97. 7.000€ Eine beeindruckende Intensität in der Wirkung zeichnet den sitzenden Akt mit angewinkelt erhobenem rechten Arm aus. Auf Schraffuren und Schattenwürfe verzichtet Matisse vollkommen und bedient sich allein der gebogenen, stellenweise etwas kantigen Konturlinie für seine Darstellung des weiblichen Körpers in dem flächig aufgefassten Bildraum. Figur und Fläche scheinen das glei-

che bildnerische Gewicht in der Konzeption zu haben. Die präzisen Konturen und die Schwünge der Linien klingen so virtuos zusammen, dass der Betrachter selber unwillkürlich die Darstellung in unterschiedliche Tiefenebenen staffelt. Neben der sublimen Sinnlichkeit strahlt das sitzende Modell auch eine kontemplative Ruhe aus, vermittelt nicht zuletzt durch die auf das Wesentliche reduzierte Linienkonstruktion als Ergebnis von Matisses unermüdlichem, geduldigem Verdichtungs- und Reduktionsprozess. Zahlreiche Darstellungen weiblicher Akte - neben den auf äußere Konturen reduzierten Darstellungen auch Odalisken in verschiedenen Körperhaltungen - entstanden während Matisses Aufenthalt in Nizza zwischen 1917 und 1929. Neben der kleinen Auflage wurden noch 5 Künstlerexemplare gedruckt. Ganz prachtvoller, stellenweise intensiv gratiger Druck mit ausdrucksvollem Plattenschmutz, ganz zartem Plattenton und mit dem vollen Rand. Selten. 191


8403

wolfgang mattheuer

(1927 Reichenbach – 2004 Leipzig)

8403 Zwiespalt Holzschnitt auf kräftigem Velin. 1979. 54,8 x 45 cm (76,5 x 64,2 cm). Signiert „W. Mattheuer“ und datiert. Koch 270. 750€

Erschienen beim Reclam-Verlag Leipzig 1981 als Blatt 2 der Mappe Nr. IV. Prachtvoller, wunderbar klarer Druck mit dem vollen Rand.

192


8404

wolfgang mattheuer

8404 Dämmerung Linolstich auf festem Velin. 1980. 58 x 77,8 cm (65,6 x 85,7 cm). Signiert „W. Mattheuer“ und datiert sowie gewidmet. Auflage 20 num. Ex. Koch 289. 750€

Die Landschaft bildet ein zentrales Thema im Schaffen Mattheuers. Koch notiert eine Auflage von 30 numerierten Exemplaren. Prachtvoller, herrlich gleichmäßiger Druck des großformatigen Blattes, mit dem vollen Rand. 193


8405

dóra maurer (1937 Budapest)

8405 Series drawing with the camera B) Circle around a Square Collage mit 10 Gelatinesilberabzügen und Bleistift auf Karton. 1977-1979. 70 x 100 cm. Oben links mit Bleistift signiert „Maurer“, datiert, betitelt, mit Projektbeschreibung und Skizze. Auflage 5 num. Ex. 7.000€

Die fotografischen Aufnahmen entstehen aus einem quadratischen Glaskasten aus einer horizontalen schwarzen Linie heraus. Indem sich die Künstlerin im Kreis bewegt, wandert die Kamera an der Linie entlang. Die anschließende Reihung der Fotos, die sich in der Aufnahme- und Belichtungszeit nicht unterscheiden, ermöglicht eine Bewegungsstudie und eine Wahrnehmungsanalyse von Zeit, Raum und Überlagerung. „Mich interessiert die Thema­

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tisierung der Struktur, um diesen grauslichen Fachausdruck zu benutzen. Das heisst, ich baue aufgrund von Beobachtung oder auch eines Erlebnisses eine Modellsituation auf, in der mehrere Elemente gegeben sind - diese können geometrische Formen, aber auch verbal schwer zu umschreibende menschliche Eigenschaften sein -, und ich lasse dann diese mit Hilfe eines entsprechenden Strukturierungsprinzips aufeinander zu. Das so entstehende beo­ bachte ich, und wenn möglich gestalte ich es weiter.“ (Triptichon. Maurer Dórával és Gáyor Tiborral beszélget Hajdu István, in: Maurer Dóra (Hrsg.), Maurer Dóra/Gáyor Tibor. Párhuzamos életmûvek/Parallele Lebenswerke. Ausst.-Kat. Városi Mvészeti Múzeum Gyõr 2011, S.11). Literatur: Ludwig Museum (Hrsg.), Maurer Dóra, Ausst.-Kat. Ludwig Museum, Budapest 2008 (Abb. S. 112)


8406

dóra maurer

8406 „Series drawing with the camera A) Circle in a Square“ Collage mit 13 Gelatinesilberabzügen und Bleistift auf Karton. 1977-1979. 70 x 100 cm. Oben rechts mit Bleistift signiert „Maurer“ und datiert, links betitelt, mit Projektbeschreibung und Skizze. Auflage 5 num. Ex. 7.000€

Literatur: Ludwig Museum (Hrsg.), Maurer Dóra, Ausst.-Kat. Ludwig Museum, Budapest 2008 (Abb. S.113) 195


8407

dóra maurer

8407 „Hidden Structures“ Frottage auf feinem, gefaltetem Maschinenbütten, punktuell montiert auf Unterlagekarton. 1977/ 2014. 40 x 31,3 cm (Karton 50 x 40 cm). Unten links mit Bleistift signiert „Maurer“, datiert und betitelt, auf dem Unterlagekarton unten links mit Bleistift bezeichnet „A 1/1“. 3.000€

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In den „Hidden structures“ erkundet die ungarische Künstlerin Dóra Maurer mittels standardgroßer Papierbögen, präzise gesetzter Knickfalten und Frottage, die Kompositionslogik der geometrischen Abstraktion. Die Künstlerin beschäftigt sich dabei intensiv mit den Lehren der Arithmetik und der Geometrie. Die vorliegende Arbeit entstand für eine Serie von 15 Portfolios mit unikaten Arbeiten für die Open Structure Art Society in Budapest, in welcher die Proportionen von Quadrat und Viereck immer neu variiert werden.


8408

dóra maurer

8408 „P 6“ Radierung mit Aquatinta auf festem Velin. 1970. 40,3 x 40 cm (70 x 50 cm). Signiert „Maurer“, datiert und betitelt. Griffelkunst 190 A3. 1.200€

Maurer ist eine führende Vertreterin der Neoavantgarde und der Konkreten Kunst in Ungarn. Arbeiten der Künstlerin finden sich u.a. in der Nationalgalerie Berlin, der Grafischen Sammlung der Albertina Wien, der Tate Gallery London und dem Museum of Modern Art New York. Prachtvoller, differenzierter Druck mit dem vollen Rand, rechts und unten mit dem Schöpfrand. 197


8409

ludwig meidner

(1884 Bernstadt – 1966 Darmstadt)

8409 Portrait einer jungen Frau Kohle auf Velin. 1930. 74,5 x 53 cm. Unten links mit Kohle monogrammiert „LM“ und datiert, verso signiert, datiert und gewidmet. 2.500€ Die Weichheit des Frauenantlitzes schildert Meidner mit souveräner Sicherheit. Er modelliert die Züge in einem deutlichen Helldunkelkontrast und einem sensiblen, expressiven Strich, der in der

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variierenden Stärke wunderbar differenziert und im Duktus ebenso elegant wie energisch ist. In verschiedenen Winkeln treffen Bündel und Felder von geraden und geschwungenen, meist schräg nach rechts oben laufenden Parallelschraffuren aufeinander, so dass ein Bildnis von ausdrucksvoller Plastizität entsteht. Die darunterliegende Vorzeichnung verdeutlicht Meidners überlegte Bildanlage. Er schafft in seiner intensiven Auseinandersetzung mit dem Gegenüber nicht nur eine eindringliche Darstellung der ausgeprägten Physiognomie, sondern auch ein beeindruckendes Beispiel seiner Porträtkunst.


josef mikl

(1929–2008, Wien)

8410 Ohne Titel (Doppelfigur) Aquarell und Gouache über Bleistift auf leichtem Velinkarton. 1956. 28,8 x 43 cm. Unten links mit Bleisift signiert „mikl“ und datiert. 1.200€

8410

Abstrahiert, einem tektonischen Aufbau gleich, erfasst Mikl unsere umrisshafte Doppelfigur. Der menschliche Körper, durch die reduzierten Formen nur mehr erahnbar, ist Ausgangspunkt seiner Komposition. Die aus breiten, kraftvollen Pinselstrichen geschichteten Farbflächen fügen sich wie in einem Akkord zusammen und der Duktus, eingesetzt als werkimmanentes Gestaltungselement, bestimmt die elementaren Kurven. Charakteristisch dem Frühwerk des österreichischen Künstlers zuzuordnen, spielt Mikl in unserer Zeichnung geschickt mit seinem Gegenstand, der mit seinen künstlerischen Mitteln verschmilzt. „Zum Bildwerden braucht es einen Inhalt. Das unterscheidet das Bild vom Muster, von der Dekoration (…). Aber alles, was sich hin zum Geistvollen, hin zur Wahrheit bewegt, bedarf einer Vorstellung, eines Inhaltes, eines Gegen­ standes. Daher kann man nicht von gegenstandslosen Bildern sprechen.“ (zit. nach: Josef Mikl, sammlung-essl.at, 26.1.2021).

yue minjun

(1962 Heilongjiang/China)

8411* Hero here, aus:Snatched Ecstasy Farblithographie auf Velin, montiert auf Doppelblatt Velin, verso mit gedrucktem Gedicht von Fernando Arrabal. 2008. 104 x 78,5 cm (119 x 79,5 cm). Mit dem Signaturstempel des Künstlers, Doppelblatt verso unterhalb des Gedichts chinesisch signiert. Auflage 130 röm. num. Ex. 3.000€

In Yue Minjuns Arbeiten findet sich ein wiederholtes Motiv: ein Selbstbildnis mit charakteristischem, einer Grimasse gleichendem Lächeln. Stilistisch sind seine Arbeiten beeinflusst von kommerzieller Werbung, Cartoons und der Pop Art. Jedoch kann seine zynische Bildsprache ebenso als kritischer Gesellschaftskommentar gedeutet werden. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand.

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joan miró

(1893 Barcelona – 1983 Calamajor)

8412 Der Erscheinende (Le revenant) Farblithographie auf BFK Rives-Velin. 1969. 91,8 x 63,3 cm. Signiert „Miró“. Auflage 75 num. Ex. Mourlot 640. 2.400€

Entgegen den Angaben bei Mourlot auf BFK Rives- statt auf Arches-Velin. Prachtvoller, blattfüllender, in den Farben leuchtender Druck, oben mit dem Schöpfrand.

8413 Je n‘ai jamais appris à lire ou les incipit Farbradierung mit Aquatinta auf Arches-Velin. 21 x 27,5 cm (22,4 x 28 cm). Signiert „Miró“ und nummeriert. Auflage 175 num. Ex. Cramer books 129 4.500€

Prachtvolle Farbradierung zu dem Buch „Je n‘ai jamais appris à écrire ou les incipit“ von Louis Aragon. Gedruckt von Arte Adrien Maeght, Paris. Herausgegeben von Editions Skira, Genf 1969.

8412

8413 200


joan miró

8414 Arlequin Circonscrit Farblithographie auf festem Velin. 1973. 61,3 x 43,3 cm (75,9 x 52,8 cm). Signiert „Miró“. Auflage 75 num. Ex. Cramer 887. 1.500€

Cramer nennt eine Auflage von 50 numerierten Exemplaren, tatsächlich ist das Blatt in dieser Auflagenhöhe nicht nachweisbar, auf 75 numeriert erscheint es hingegen regelmäßig auf Auktionen. Ganz ausgezeichneter, farbfrischer Druck mit breitem Rand, unten mit dem Schöpfrand. Provenienz: Galerie Bassenge, Berlin, Auktion 56, Los 6967, 1990

8414

8415 Ceci est la Couleur de mes Rêves Radierung mit Farbaquatinta auf Arches-Velin. 1977. 21,3 x 14,9 cm (25 x 16 cm). Signiert „Miró“. Auflage 50 num. Ex. Cramer books 232. 1.500€

Die broschierte Originalbeigabe zum gemeinsamen Buch Mirós mit seinem Freund Georges Raillard, 1977 im Atelier Morsang, Paris, gedruckt. Prachtvoller, gratiger Druck der blattfüllenden Komposition mit leuchtenden Farben ausgestattet, teils mit dem vollen Rand und mit dem Schöpfrand.

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tetsuo mizú (1944 Tokio)

8416 „COLONIA“ Öl auf Leinwand, ganzflächig auf Holz aufgelegt. 1987. 55 x 72,5 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „MIZÚ“ und datiert, verso auf Klebeetikett mit Faserstift in Schwarz abermals signiert, datiert und betitelt sowie mit Stempel des Flaggenzeichens „M“. 1.500€

Ab 1987 schafft Mizú Flaggenbilder, die zu seinem Markenzeichen werden. Sich des internationalen maritimen Flaggenalphabets bedienend, verschlüsselt er die Titel seiner Arbeiten, die „Cutie“, „Face“ oder eben „Colonia“ lauten können. Im Rückgriff auf ein jedem einsehbares System legt Mizú die Basis für seine Werkreihe, die ausgesprochen spielerisch, variantenreich und meisterlich schlicht ist.

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8418

8417 Paris Mischtechnik auf Velinkarton. 1993. 160 x 120 cm. Unten links mit Pinsel in Weiß signiert „Mizú“ und datiert. 1.800€

Die Zeichen des internationalen maritimen Flaggenalphabets reiht Mizú großflächig, mit breitem Pinsel aneinander, grenzt sie mit filigranen schwarzen Linien voneinander ab. Die planen, farblich kontrastierenden Flächen stehen in Wechselspiel mit dem klaren Lineament und bilden eine spielerische, gar poetische Textur. Rhythmisch, harmonisch entsteht ein im großen Maßstab angelegtes Farbenkonstrukt, das in seiner schlichten, reduzierten Ausführung eine ausgesprochen reizvolle Wirkung entfaltet.

8418 Ananas Mischtechnik auf Velinkarton. 1993. 120 x 160 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Mizú“ und datiert. 1.800€

Provenienz: Mainichi Auction Inc., Tokio

Provenienz: Mainichi Auction Inc., Tokio 203


josef moest

(1873 Köln – 1914 Rath/Heumar)

8419* Lady Godiva Bronze mit schwarzbrauner Patina auf Bronzeplinthe. 1906. 36 x 35,5 x 12 cm. Vorne rechts an der Plinthe signiert „MOEST“. 3.500€

Treffend stilisiert, die glatte Oberfläche der Bronze lebhaft durchmodelliert und mit feinen Ziselierungen in der Mähne sowie im Schweif des Pferdes ornamental gestaltet, so stellt Moest die legendäre Erscheinung dar. Lady Godiva ritt, der Legende nach, empört über die Steuerpolitik ihres in Coventry herrschenden Gatten, nackt durch die Stadt und übte derart einen stillen Protest. Diese Legende lässt sich schon im 13. Jahrhundert nachweisen, die Figur der Lady Godiva oder Godgifu ist hingegen historisch belegt.

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Sie war verheiratet mit Leofric, dem Earl von Merica, und starb um 1086. Dieses Motiv erfreute sich damals häufigerer bildhafter Darstellungen und wurde im 19. Jahrhundert populär. Eine der bekanntesten Darstellungen der reitenden Lady Godiva stammt von dem praeraffaelitischen Maler John Collier aus dem Jahr 1898, ein Gemälde, das damals in zahlreichen Kunstzeitschriften publiziert wurde und Moest inspiriert haben könnte. Prachtvoller Guss mit schöner, ebenmäßiger Patina.


8420

johannes molzahn

(1892 Duisburg – 1965 München)

8420* Figürliches Gebilde Kohle und Bleistift auf gelblichem Velin. 1930. 42,5 x 59,9 cm. Unten mittig mit Bleistift signiert „Molzahn“ und datiert, verso auf Klebeetikett typographisch bezeichnet „Zeichnung op. 7/1930“. 1.500€

Organische Formen bestimmen die Zeichnung eines rundlichen, wie eine aufgesprungene Samenkapsel wirkenden Gebildes. Die Zeichnung entstand während Molzahns Zeit als Lehrer an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe Breslau. Während dieser Zeit, 1929, leitete er zudem die Ausstellung der Werk-

bundsiedlung Breslau und wurde von Alfred Flechtheim in seiner Berliner Galerie gezeigt. 1928 wurde Molzahn von Oskar Moll dorthin berufen, lernte hier Otto Mueller kennen und bezeichnete seine Breslauer Jahre im Nachhinein als „Wiedergeburt der Malerei“. Bereits 1918 war er in Weimar aktiv an der Gründung des Bau­ hauses beteiligt, befreundet mit Johannes Itten, Willi Baumeister und Oskar Schlemmer. Zwischen 1917 und 1920 stellte Molzahn regelmäßig in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm aus. Das Technisch-Mechanistische, das die frühen, meist gebrauchsgraphischen Entwürfe noch dominierte, trat später, wie unsere Zeichnung exemplarisch zeigt, zugunsten organischer und geometrischer Formen zurück. 205


michael morgner

(1942 Chemnitz, lebt in Einsiedel bei Chemnitz)

8421* „Herbst“ Lavage über Radierung auf festem Velin. 1983. 58 x 58 cm. Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „M“ und datiert, verso mit Bleistift signiert „Morgner“, datiert und betitelt. 800€

Expressive und für den Künstler charakteristische Arbeit, bei der er Drucktechnik und Lavage in Einklang bringt.

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8422* „Ecce Homo“ Lavage und Prägung auf festem Velin. 1988. 106 x 78 cm. Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „M“ und datiert, verso mit Bleistift signiert „Morgner“, datiert und betitelt. 2.200€

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Seit dem Beginn der 1980er Jahre setzt sich Michael Morgner in seinem Œuvre des Öfteren mit dem Thema „Ecce homo“ auseinander. Dabei versucht er sein erlebtes politisches Schicksal in die christliche Leidensgeschichte einzubauen. Die Passion Christi soll für das Leid des Einzelnen und aller Entrechteten stehen. Künstlerisch visualisiert er die existenzielle Erfahrung in hell-dunkle Zwischenbereiche, die er mit der Technik der „Lavage“ darstellt. Den figurativen und religiösen Bezug bringt Morgner hier durch den Prägedruck zum Ausdruck, bei dem schemenhaft die Beine Jesu sowie eine zusammenkauernde Figur angedeutet sind. Die vorliegende Arbeit entstand zum Ende der DDR-Zeit und ist von kunsthistorischer Signifikanz.


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michael morgner

8423* Ohne Titel Mischtechnik auf Velinkarton. 1994. 76,8 x 108,5 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Morgner“ und datiert, verso mit Bleistift nochmals signiert „Morgner“, datiert „27.2.94“ und gewidmet. 1.800€

Michael Morgner zählt zu den Protagonisten der Kunst der ehemaligen DDR. Er war Mitbegründer der Künstlergruppe und Produzentengalerie CLARA MOSCH (1977-1982), die sich in Karl-MarxStadt, heute Chemnitz, formierte. Die Künstler um CLARA MOSCH lehnten den in der DDR vorherrschenden sozialistischen Realismus ab und verfolgten ein Ziel: das Recht auf freie bildnerische Ausdrucksform. So wandte sich Michael Morgner ab den 1970er Jahren der im Westen bereits verbreiteten Abstraktion zu.

8424* Ecce Homo 1 Doppelbl. mit Titel und Impressum sowie 9 Doppelbl. jeweils mit Prägedruck, Radierung und Text von Harald Gerlach auf Hahnemühle-Bütten. Lose in Orig.-Kartonkassette. 1994. Jeweils ca. 57,8 x 40,5 cm (Blattgröße). Das Titelblatt vom Künstler signiert „morgner“ und betitelt, das Impressum von Künstler und Autor signiert. Auflage 100 num. Ex. 1.200€

Mit dem neunteiligen Gedichtzyklus des Autors Harald Gerlach (1940-2001) wandte sich der Künstler Michael Morgner mit seiner Gestaltung zum ersten Mal der Buchform zu. Die Edition erschien in Zusammenarbeit mit der Galerie oben Chemnitz und der Galerie Gunar Barthel Berlin. 12. Druck der burgart-presse Jens Henkel, Rudolstadt 1994. Ausgezeichnete Drucke mit Rand.

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8425

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georg muche

(1895 Querfurt – 1987 Lindau)

8425 Gärtnerin Öl auf Leinwand. 1954. 100 x 80 cm. Unten rechts mit Pinsel in Blau signiert „GMuche“. 3.000€

Leicht, die Farben zart und das Leuchten licht, einer ganz eigenen Imagination erwachsen, konstruiert Muche seine „Gärtnerin“. Stellenweise blitzt der reine, unbehandelte Leinwandgrund hervor, fügt sich als betontes werkimmanentes Mittel ins Bild. Muche gehört zur ersten Generation der Abstrakten, doch bereits am Bauhaus in Weimar beginnt er sich von der gegenstandslosen Malerei zu entfernen. Seine Gegenständlichkeit verdichtet sich zu Bildvorstellungen, die aus dem formalen Fundus des Kreatürlichen und Vegetativen erwachsen, und für die es keine Vorläufer in der Malerei gibt. Die Werke zwischen 1928 und 1982 rühren den unbefangenen Betrachter an, lassen innerlich oft nicht mehr los kraft ihrer stillen Eindringlichkeit. Eberhard Roters sagt über Muche, er habe stets so gemalt, wie er aussehe, unaufdringlich, verhalten, zart und fein und von einer stillen Wirkung, die sich nicht sogleich bemerkbar mache, dafür umso länger anhalte.

8426* „Ostermorgen“ Bleistift auf Velin. 1934. 18,5 x 20,5 cm. Unten links in der Darstellung mit Bleistift signiert „GMuche“ und datiert, im Unterrand rechts monogrammiert „GM“, unten links sowie verso später datiert, betitelt und gewidmet. 2.400€

Wie eine Traumwelt scheint dieser Ostermorgen, oder wie eine Summe visueller, seelischer und geistiger Erlebnisse und Empfindungen des Künstlers. Eine filigrane Poesie kennzeichnet die gegenständliche Bildwelt. Muche war als Zeichner ein Meister der hingehauchten Grauwerte und kostete auch in dieser von Licht und Schatten durchspielten Szenerie seine souveräne Handhabung der graphischen Mittel aus. Den Reichtum dieser sensiblen Linienführung beschrieb der Kunstkritiker Hans Kinkel: „Zu den spezifischen Qualitäten des Zeichners Muche gehört eine strukturelle Fantasie, die neutrale Fläche in aktive Textur, Linie in Vibration transportiert.“

Ausstellung: Georg Muche, Sinclair-Haus Bad Homburg 1995 209


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8428

kurt mühlenhaupt

(1921 Klein-Ziescht – 2006 Bergsdorf)

8427* Christine Öl auf Leinwand. 1967. 110,5 x 70 cm. Unten mittig mit Pinsel in Dunkelbraun monogrammiert „M“ und datiert.

8428* Stilleben mit Sektflaschen Öl auf Spanplatte. 1967. 59,8 x 49 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „M“ und datiert.

Anrührend, in elfenhafter Zartheit malt Mühlenhaupt das vielleicht zehnjährige Mädchen. Ein wenig unsicher steht sie auf dem linken Bein, die Arme hängen etwas ungelenk ganz leicht vom Körper entfernt, während der direkte Blick Entschlossenheit verrät. Die dominierenden Braun- und Rosatöne stehen in interessantem Kontrast zu den grünen Details in Kleidung und Inkarnat.

Dunkeltoniges Stilleben in zurückgenommener Palette von Grün, Gelb und Weiß, das durch die etwas schräge Kreisform der Tischfläche in einem abgetönten Ockergelb an Abstraktion gewinnt.

Provenienz: Sammlung Henry Hirts, Berlin

Ausstellung: Das Lied der Dinge. Stillleben im Wandel der Kunst, Museum für Aktuelle Kunst Sammlung Hurrle, Durbach 2018

2.000€

Ausstellung: Staatliche Kunsthalle Berlin 1981, Nr. 50, verso auf dem Keilrahmen mit deren Ausstellungsetikett

1.800€

Provenienz: Sammlung Henry Hirts, Berlin

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edvard munch

(1863 Loiten – 1944 Oslo)

8429 Mondschein II Farbholzschnitt von drei Stöcken auf hellbraunem festen Velin. 1902. 47 x 47 cm (52,2 x 51,5 cm). Woll 202 II. 80.000€

Der Mondschein. Ein Licht, das Munch faszinierte. Und es lieferte dem großen Holzschneider mit seiner fahlen Kühle und Klarheit die herrlichsten, gespenstischen Bildeffekte. Da tritt das geliebte Frauengesicht aus der Dunkelheit hervor wie eine Erscheinung, während der Rest der Gestalt mit dem Hintergrund zu verschmelzen scheint. Schatten und Linien erwachsen aus dem Schwarz, schweben um das Antlitz herum und stehen perspektivisch ganz im Vordergrund, noch vor der Frauenfigur. Der Künstler schuf zwei Holzschnittvariationen des Motivs, als Weiterentwicklung seiner beiden, etwas früher entstandenen Gemälde von 1893 (Norwegische Nationalgalerie, Oslo) bzw. 1893/95 (Kunstmuseum Bergen, Sammlung Rasmus Meyer). Aufgrund dieser Gemälde lässt sich das Haus im Hintergrund unseres Holzschnittes als Munchs eigenes kleines Fischerhaus in Åsgårdstrand identifizieren. Bei der dargestellten Frau handelt es sich um Milly Thaulow, Munchs erste große Liebe. Sie war um einige Jahre älter als der Künstler und habe sich ihm, so heißt es, um die Spuren des Alters zu verbergen, gerne im Mondschein gezeigt (Arne Eggum, zit. nach S. Achenbach, Edvard Munch, Die Graphik im Berliner Kupferstichkabinett, Berlin 2003, S. 89). Das Motiv schnitt Munch in die beiden Seiten eines Fichtenblocks, nämlich einerseits die Gesichtszüge der Frau, andererseits die Formen von Kopf, Fensterrahmen und Baumdetails. Der zweite Holzstock, ein Eichenblock, mit dem die blaugrünen Flächen gedruckt wurden, wurde vom Künstler in drei Teile gesägt und unterschiedlich eingefärbt.

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Schiefler behandelte in seinem Werkverzeichnis das Blatt „Mondlicht II“ noch als spätere Variante der ersten Fassung, Mondlicht I, 1896 (Woll 90), wurde damit aber nicht der Tatsache gerecht, dass Munch einen völlig neuen Hauptstock für die zweite Fassung anfertigte. Der Künstler glaubte die alten Stöcke nämlich auf dem Transportweg während seiner Umsiedlung im November 1901 von Norwegen nach Berlin für verloren. Als dann die Kiste mit den verloren geglaubten Holzstöcken im Februar 1902 wieder auftauchte, fertigte Munch Mischformen beider Sets an, druckte also den alten Motivstock mit den neuen Farbstöcken zusammen. Diese Experimentierfreude findet in unserem Exemplar des Motivs noch einen anderen Ausdruck, denn der dreiteilige Holzstock (P325), mit dem die braune und die blaugrünen Flächen gedruckt wurden, ist vom Künstler ganz am Schluss, nach Fertigstellung des Druckes, um 180° gedreht nochmals über das fertige Motiv gedruckt wurden. So findet sich das Fensterrechteck ein zweites Mal, gespiegelt, im rechten Rand, und ebenso sitzt die geschwungene Baumform gespiegelt nochmals links unten im Rand. Beide Formen liegen wie blaue Schatten über der Darstellung, wodurch sich nicht nur eine Erweiterung des Bildvordergrundes ergibt, sondern auch ein hohes Maß an Abstraktion. Gedruckt bei Lassally, Berlin. Ganz prachtvoller, wunderbar differenzierter Druck in Schwarz, Braun, Blaugrau und Grünblau, die Holzmaserung stellenweise herrlich ausdrucksvoll mitdruckend, mit kleinem Rand. Wir danken dem Munch Museum Oslo für die freundlichen Hinweise.


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8430

zoran music

(1909 Bukovica – 2005 Venedig)

8430* Paysage rocheux Aquarell und Gouache auf Japan. 1980. 22 x 30 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Music“ und datiert. 3.500€

Die felsigen Formationen sind ein wiederkehrendes Motiv in Musics gesamtem Schaffen und wurden geprägt durch die Karstlandschaft seiner istrischen Heimat. Die Anmutung der kargen, rauen Landschaft wird hier gebrochen durch die feinen, nuancierten Brauntöne und das fast durchsichtige, zarte Japanpapier. Provenienz: Galeri Oftedal, Stavanger, Norwegen, verso mit deren Etikett

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ernst wilhelm nay (1902 Berlin – 1968 Köln)

8431 Fischer Rohrfeder mit Tusche in Schwarz auf Ingres-Bütten. 1936. 46,7 x 62,7 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „EWNay“ (ligiert) und datiert. 2.400€

Kein Himmel, kein Wasser, keine Landschaft. Nur die Fischer bei der Arbeit, ihre Netze und Boote. Die abstrahierten, mit schwungvollen, an Kalligraphien erinnernden Linien der Rohrfeder stehen im leeren Raum. Allein das Miteinander in der Tätigkeit zählt hier. Bis 1936, noch vor den Lofotenbildern, entstehen Nays Fischerbilder, angeregt durch seine Sommeraufenthalte in Vietzkerstrand/Pommern. Dort lebte er in der Natur, nahm am elementaren, alltäglichen Leben der Fischer teil und bemühte sich Tag für Tag, das Gesehene in geistiges Leben und tief empfundene Bilder einer urchristlichen Gemeinschaft umzuwandeln. Nays erste große Werkgruppe der Fischerbilder zeichnet sich durch ihre kraftvolle, dynamische Linienführung aus, wie sie auch die vorliegende Zeichnung exemplarisch verdeutlicht. 215


rolf nesch

(1893 Oberesslingen – 1975 Oslo)

8432* Drei Musikanten Farbmetall- und Prägedruck, mit Gouache überarbeitet, auf Van Gelder Zonen-Bütten. 1952. 56,5 x 41,5 cm (64,7 x 51 cm). Signiert „Rolf Nesch“ und bezeichnet „Selvtrykk“. Auflage 12 num. Ex. Helliesen/Sørensen 660 b. 5.000€

Durch die Überarbeitung mit Gouache erhalten die jeweiligen Arbeiten der Auflage einen unikaten Charakter. Prachtvoller Druck mit kräftiger Prägung, wohl mit dem vollen Rand.

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8433

emil nolde

(1867 Nolde/Schleswig – 1956 Seebüll)

8433 Das graphische Werk Emil Noldes bis 1910 139 S. mit Titel, Inhaltsverzeichnis und Impressum sowie Vorwort und Text von Gustav Schiefler, mit Frontispiz und 26 Vignetten (inkl. Deckelillustration) in Holzschnitt sowie 1 Lithographie auf Velin, in Orig.-Pappband. In illustriertem Orig.-Schuber. 1911. 25 x 19,5 cm (Mappengröße). Auflage 435 num. Ex. Schiefler/Mosel H 41-42, 43 II, 44-48, 50 II, 53-58, 60-62, 66-70, 72 II, 76, 86 III, 96 II und L 35. 1.500€ 218

Band I des Werkverzeichnisses zur Druckgraphik Noldes, verfasst von Gustav Schiefler. Vollständiges Exemplar der Normalausgabe aus der ersten Auflage, erschienen im Verlag von Julius Bard, Berlin, mit der oft fehlenden Lithographie „Der Pflüger“ und dem Holzschnitt „Ägypterin I“. Durchweg prachtvolle, satte Drucke, die Holzschnitte nach verso ein feines Relief zeichnend. Provenienz: Galerie Stangl, München


8434

8434^ Mann und Mädchen Radierung und Aquatinta auf festem, strukturiertem Velin. 1918. 30,6 x 23,8 cm (61 x 45,8 cm). Signiert „Emil Nolde“ und von Ada Nolde betitelt sowie numeriert. Schiefler/Mosel R 194. 6.000€

Tänzerisch bewegen sich Mann und Mädchen aufeinander zu, blicken einander an, ähneln einander nicht nur in den klassischen Gesichtszügen, sondern auch mit ihren Frisuren, den entblößten Oberkörpern und Füßen, den dunkel und lang verhüllten Beinen.

Helle und dunkle Partien im Wechsel verleihen der Darstellung ein spannungsreiches Spiel mit positiven und negativen Formen. Es sind eher Erscheinungen, Ideen von Menschen als konkrete Personen. Nolde benutzte statt Kupfer für seine Kaltnadelarbeiten oft Eisenplatten oder aber Platten mit korrodierten Oberflächen. Der Ätzgrund ist stellenweise verschieden dick aufgetragen und ganz unterschiedlich behandelt, so dass Teile der hellen Fläche mit einer teils körnigen oder auch fleckigen Struktur bedeckt sind. Das Blatt gewinnt dadurch einen ausgeprägten Materialreiz. Erschienen in einer Auflage von mindestens 13 Exemplaren. Ausgezeichneter, kräftiger und herrlich differenzierter Druck mit fein zeichnender Plattenkante, mit Facette und dem vollen Rand, oben und unten mit dem Schöpfrand. Selten. 219


8435

max oppenheimer

(gen. Mopp, 1885 Wien – 1954 New York)

8435 Hess-Quartett Radierung auf Japan. 1915. 24,6 x 24 cm (56,2 x 46,4 cm). Signiert „MOPP.“ Auflage 50 Ex. Pabst 36, Stix/Osborn 35. 1.800€

Oppenheimers Darstellungen von Quartetten beeindrucken mit ihrer Rhythmik von Linien und Winkeln. Sie wirken wie eine lebendige Visualisierung der Klänge und Schwingungen und lassen die Musiker zum Leben erwachen. Die Auflage erschien im Verlag Amsler & Ruthardt, Berlin. Prachtvoller, präziser und differenzierter Druck mit breitem Rand.

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8436

emil orlik

(1870 Prag – 1932 Berlin)

8436 Netsuke Sammelkasten Geschnitzter dreiteiliger Holzkasten. Rotes Teakholz, lackiert. 1900/01. 36,3 x 27,5 x 10,3 cm. Auf dem Deckel mit Orliks geschnitztem Wiener Secessions-Monogramm und der Bezeichnung „NETSUKE“ (in Altjapanisch). 2.000€ Orlik brachte den handgeschnitzten Sammelkasten von seiner Reise nach Japan 1900/01 neben einigem anderem „Japanischen“ mit zurück in sein Prager Atelier. Er selber schrieb am 22.2.1901 in seinem letzten Brief aus Tokio an Max Lehrs in Dresden: „Morgen am 23. Februar 1901 geht das Schiff ab: mit mir und meinen Kisten an Bord. Ein armer Reicher kehrt in die Heimat zurück. Denn ich habe so viel ausgegeben, dass ich froh bin knapp für die Rückreise

überzuhaben. (...) das Leben hier ist seit dem chinesischen Krieg von 1896 sehr theuer und die alten Farbenholzschnitte und Netzke und anderes locken allzu sehr.“ Kurz zuvor, 1899, war er Mitglied der Wiener Secession geworden und erhielt bald danach eine Berufung an die staatliche Lehranstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums. Originalobjekt aus Orliks Besitz mit auratischer Ausstrahlung. Provenienz: Erworben nach 1968 in Prag als Bestandteil eines Teils des künstlerischen Nachlasses von Emil Orlik (anlässlich des Auschwitz-Prozesses 1967/68 in Frankfurt am Main war der Neffe Emil Orliks, Fabian, als Zeuge geladen. Eine Journalistin lernte ihn kennen, erfuhr von Orliks künstlerischem Nachlass und berichtete ihrem Sohn, der aufgrund dessen in Prag einen Teil davon erwarb) 221


emil orlik

8437 Selbstportrait mit Zigarette Bleistift auf feinem Zeichenpapier. Um 1902/05. 21,5 x 15 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Orlik“. 900€

Mit schwungvollem, lockerem Strich karikiert der Künstler sich selbst, im Brustbild nach links gewandt, die Zigarette mit der rechten Hand zum Mund führend. Die schnelle Linienführung ergänzt der Künstler nur mit wenigen weichen Schraffuren im Bereich von Bart und Haaren, während Kleidung und Arme bloß angedeutet bleiben. Provenienz: Besitz Bernhard Pankok Ausstellung: Emil Orlik - Prag, Wien, Berlin, Jüdisches Museum, Wien 1997

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8438 Tilla Durieux als Judith Bleistift auf bräunlichem Velin. 1909. 19,8 x 13 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Orlik“. 600€

Porträtskizze der Schauspielerin Tilla Durieux in ihrer Rolle als Judith in Friedrich Hebbels gleichnamiger Tragödie, inszeniert am Deutschen Theater in Berlin 1909. Mit nur wenigen, sicheren und schnellen Konturlinien umreißt Orlik das Bildnis der Schauspielerin im Profil nach rechts. Provenienz: Nachlass Bernhard Pankok

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Literatur: Birgit Ahrens, Emil Orlik und das Theater, Kiel 2001, S. 226/227, Nr. 334 (mit Abb.)


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8439, Beigabe

emil orlik

8439 Liegender Akt Bleistift auf Transparentpapier. 1911. 38 x 22,9 cm. Rechts unten signiert „emil Orlik“ und datiert. 1.200€

Vorstudie zu der gleichnamigen, zehn Jahre später entstandenen und hier beiliegenden Radierung. In der graphischen Umsetzung folgt Orlik der zeichnerischen Komposition, mit den wenigen, mit Nadel und Roulette gesetzten Schraffuren gelingt ihm zudem eine wunderbar plastische Gestaltung. Beigegeben: Die signierte Radierung „Liegender Akt“, um 1921 (Glöckner 1980, 176) des Künstlers. 223


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emil orlik

8440 „Vom Gr. Hotel Dolder“ Aquarell über Bleistift auf Velin, ganzflächig kaschiert auf Karton. Ca. 1915-1920. 27 x 34,2 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Orlik“ und betitelt. 1.200€

Stimmungsvolle Ansicht am Dolder, dem Westhang des Adlisbergs in Zürich. Orlik, der Zeit seines Lebens reiste, nimmt auch in unserer Studie die Perspektive des entdeckenden Beobachters ein: Von einem erhöhten Standpunkt aus erstreckt sich vor den Augen des Reisehungrigen die weite, sattgrüne Landschaft. Sie ist es, in die es sich zurückzuziehen gilt, Kraft zu tanken fernab der Stadt, die am fernen Horizont erscheint.

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8441

emil orlik

8441 Aktmodell Kadidja Wedekind mit Joachim Ragoczy und Ulrich Gerhard Bleistift auf Velin. Um 1920. 34,7 x 25,9 cm. Verso mit dem Nachlaßstempel. 1.200€

Mit wenigen, sparsamen Umrisslinien und Schraffuren hält Orlik in seinem Berliner Atelier die Figuren fest. Sowohl Kadidja Wede-

kind als auch Joachim Ragoczy waren mit ihm enger verbunden, war doch Wedekind seine Schülerin und Ragoczy sein Assistent. Konzentriert blicken sie auf das weiße Blatt Papier, das sich in den Händen des Besuchers Gerhard Ulrich befindet, auf diesem wird sich die endgültige Komposition für die Abbildung des Aktes durch Orlik noch entscheiden. Orlik lenkt also gewitzter Weise die Aufmerksamkeit bewusst auf die leerste Stelle der Darstellung. Beigegeben: Zwei Sibergelatineabzüge von Emil Orlik, „Aktmodell Kadidja Wedekind mit Joachim Ragoczy und Gerhard Ulrich in Orliks Berliner Atelier“, um 1920. 225


8442

emil orlik

8442 „Auktion XXIV bei Graupe 10.XI.22“ Zimmermannsbleistift auf kariertem Skizzenpapier. 1922. 28,7 x 22,5 cm. Unten rechts in der Darstellung mit Kohle signiert „Orlik“ und mit Bleistift betitelt. 3.000€

Vorzeichnung zur gleichnamigen, diesem Los beiliegenden Lithographie mit dem beliebten Motiv der Auktion beim legendären Berliner Kunsthändler Paul Graupe. Graupe, der bereits 1902 unter seinem Namen in Berlin ein Antiquariat gründet, veranstaltet 1916 seine erste Buchauktion. Buchkunst und Graphik sind bis 1927 Schwerpunkt seines Geschäfts, neben der erfolgreichen Heraus-

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gabe sorgfältig und aufwendig gearbeiteter Bestands- und Auktions­kataloge. Um die Bildende Kunst erweitert, führt Graupe gemeinsam mit der Kunsthandlung Hermann Ball trotz Weltwirtschaftskrise zwischen den Jahren 1930 und 1932 Kunstauktionen durch. Auch in unserer Zeichnung ist die spannungsreiche Stimmung des gefüllten Auktionssaals spürbar. Das Kunst-hungrige Publikum folgt aufmerksam und geschäftig dem Geschehen, sogleich wird das präsentierte Werk beboten. Orliks Signatur am äußersten rechten Stuhl positioniert ihn als teilnehmenden Beobachter, sie ist eine Einladung, sich der Auktion anzuschließen. Beigegeben: Die signierte Lithographie „Auktion XXIV bei Graupe 10.XI.22“, 1922 (Glöckner 1980, 178) des Künstlers.


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emil orlik

8443 Porträt Otto Mentzel Holzschnitt in Gold auf Japanbütten. 1899. 15,4 x 10,4 cm (21 x 15,4 cm). Glöckner 2007, 118 (in Schwarz). 750€

Otto Mentzel (1838-1901) war ein in Dresden geborener Bildhauer und Pädagoge. Kurz nachdem der Holzschnitt entstanden ist, verstarb er in Prag. Prachtvoller, delikater Druck mit schmalem Rand. 227


emil orlik

8444 Taschenspieler (Japanischer Zauberer auf der Bühne) Farbholzschnitt auf Japanbütten. 1900. 18,5 x 15,3 cm (19,5 x 17 cm). Glöckner 1982, 20. 1.200€

Laut Glöckner wurde das Blatt nie in einer Auflage gedruckt. Ganz ausgezeichneter Handdruck, rechts und unten mit schmalem Rand, oben und links mit der vollen Darstellung.

8444

8445 Wasserstraße in Tokio (Landungsplatz in Tokio) Lithographie über gelblicher Tonplatte auf Similijapan. 1900/01. 33 x 23,4 cm (40,2 x 26,5 cm). Signiert „Emil Orlik“ und datiert sowie mit dem roten Stempel der Druckerei Koshiba, Tokio. Glöckner 2007/08, 73. 750€

8445 228

Das Blatt ist ursprünglich erschienen in der Mappe „Aus Japan“. Die Mappe enthielt insgesamt 16 Graphiken, die während Orliks erster Japanreise im Februar 1900 entstanden und 1904 verlegt. Die geplante Auflage von 50 Exemplaren wurde jedoch laut Galerie Glöckner nicht ausgedruckt oder teils zerstört. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand. Selten.


8446

emil orlik

8446 Nihon-Bashi, Tokio; Wasserstraße in Tokio, Landungsplatz Tokio 2 Farblithographien, eine über gelber Tonplatte, auf leichtem Velin bzw. Similijapan. 1900. 19,2 x 18,5 cm (34,2 x 25,1 cm) bzw. 33 x 23,4 cm (40,2 x 26,5 cm). Signiert „Orlik“ bzw. „Emil Orlik“ und jeweils mit dem Stempel der Druckerei Koshiba, Tokio. Glöckner 2007/08, 83 und 73. 1.500€

Beide Blätter entstanden während Orliks erster Japanreise im Frühjahr 1900. „Nihon-Bashi, Tokio“ erschien 1904 als Blatt 1 der Mappe „Aus Japan“. Hervorragende, herrlich kreidige Drucke mit breitem bzw. vollem Rand. Selten. 229


8447

emil orlik

8447 Der Komponist Gustav Mahler Vernis mou und Kaltnadel in Dunkelbraun auf glattem, gelblichem Japan. 1902. 29,2 x 20,1 cm (47,7 x 32,9 cm). Signiert „Emil Orlik“, datiert und gewidmet „s. l. Pankok“. Glöckner 1980, 225. 4.000€

230

Eines der bedeutendsten Porträts von Emil Orlik zeigt Gustav Mahler auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Das Bildnis wurde zwischen 1902 und 1904 nur in einzelnen Exemplaren auf verschiedenen Papieren gedruckt; eine Auflage existiert nicht. Prachtvoller, wunderbar klarer Druck mit deutlich zeichnender Plattenkante und mit breitem Rand. Provenienz: Nachlass Bernhard Pankok


8448

emil orlik

8448 Bildnis des Malers Ferdinand Hodler Holzschnitt auf Japanbütten. 1904/05. 36,4 x 24 cm. Signiert „Emil Orlik“ und datiert. Glöckner 1992, 209. 1.800€

Orlik schuf nur eine sehr geringe Zahl von Portraits in der Technik des Holzschnittes. Das Bildnis Hodlers entstand während eines mehrmonatigen Wien-Aufenthalts Orliks im Februar 1904. Ausgezeichneter Druck mit der doppelten Einfassungslinie, auf der äußeren minimal geschnitten. 231


emil orlik

8449 Bildnis von Ferdinand Hodler im Profil Bleistift auf Durchschlagpapier. 1911. 18,5 x 12,5 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Orlik“, datiert und gewidmet „G. David Schmidt z.(ur) fr.(eundlichen) E.(rinnerung)“. 1.200€

Verso mit einer weiteren Bleistiftzeichnung. Provenienz: Kunstauktion Attisholzbad, Juni 1963, Kat.-Nr. 726

8449

8450 Ferdinand Hodler an der Staffelei Kaltnadel auf Velin. 1911. 24,5 x 21,8 cm (29,3 x 24,8 cm). Signiert „Emil Orlik“ und datiert. Glöckner 1982, 101. 800€

Ganz ausgezeichneter, gratiger Druck mit herrlich kräftigem Plattenton und schmalem Rand. Provenienz: Staatliche Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig, verso mit deren Stempel (nicht bei Lugt) recto mit einem unbekannten Stempel (nicht bei Lugt), Leipzig

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8450


emil orlik

8451 In den Karpaten Farbradierung mit Kaltnadel, partiell aquarelliert, auf Japan. Um 1915. 35,1 x 25,3 cm (43,1 x 31,4 cm). Signiert „emil Orlik“. Auflage 25 röm. num. Ex. Glöckner 2007, 68. 750€

Glöckner erwähnt teils aquarellierte Probedrucke. Hervorragender Druck mit zarter Aquarellierung und Rand, an zwei Seiten mit dem Schöpfrand.

8451

8452 Portrait Albert Einstein Radierung mit Kaltnadel und Roulette auf Velin. 1923. 25 x 19,9 cm (37,2 x 27 cm). Signiert „Emil Orlik“ und bezeichnet „Probedruck“ sowie gewidmet „s.l. Pankok“ . Städt. Kunstmuseum Bonn 1972, 222. 1.500€

Orlik kannte Einstein aus Berlin und ließ sich für die Radierung Porträtfotografien aus Amerika schicken. Einstein gehörte neben Peter Behrens, Marc Chagall, Arnold Schönberg und Franz Werfel zu den einflussreichen Mitgliedern im Kuratorium des BauhausFreundeskreises. Ganz prachtvoller, gratiger und nuancenreicher Probedruck mit der Schrift, mit ganz zartem Plattenton und mit dem wohl vollen Rand, links mit dem Schöpfrand. Selten. Provenienz: Nachlass Bernhard Pankok

8452 233


8453

michael parkes

(1944 Sikeston/Missouri, lebt in Spanien)

8453 Frau mit Lilie und Schwänen Öl auf Hartfaserplatte. 84,8 x 54 cm. Unten links mit Pinsel in Braun signiert „Parkes“. 1.800€

Michael Parkes‘ Malweise ist als realistisch zu beschreiben. Mit altmeisterlicher Präzision gibt er mit dem Spitzpinsel Texturen, Konturen und Stofflichkeit wieder. Seine Welten sind indes surreal.

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Unsere elegante, im Art Déco-Stil gekleidete Frau hält symbolträchtig eine Lilie in der Hand. Sie steht vor einer Art rahmenloser Fensteröffnung, die den Blick in den Himmel zulässt, an dem Wolken schweben. Der 1944 geborene und der Hippie-Generation zugehörige Parkes suchte auf seiner Reise nach Indien meditative Erleuchtung. Er wird als der internationale „Swan King“ bezeichnet - unsere Schwäne im unteren Bildrand begründen in ihrer linienvollendeten Schönheit diese Bezeichnung.


8454

hermann max pechstein (1881 Zwickau – 1955 Berlin)

8454 Nach dem Bad Kaltnadel, Riffelfeile und Pinselätzung auf festem Japan. 1920. 26,4 x 20,8 cm (41 x 30,8 cm). Signiert „HMPechstein“. Krüger R 118. 1.800€

Erschienen in: „Die Schaffenden“, 3. Jahrgang, 1. Mappe, unten links mit deren Trockenstempel. Herausgegeben von Paul Westheim im Euphorion-Verlag, Berlin 1921. Exemplar aus der Vorzugsausgabe von 25 Exemplaren. Prachtvoller, wunderbar gratiger Druck mit ausdrucksvollem, kräftigem Plattenton, deutlich zeichnender Plattenkante und breitem Rand. 235


8455

hermann max pechstein

8455 Das Vater unser IX Holzschnitt, handkoloriert, auf festem Velin. 1921. 39,8 x 29,8 cm (59,5 x 41,2 cm). Signiert „HMPechstein“ und zusätzlich vom Drucker Fritz Voigt signiert. Auflage 50 Ex. Krüger A (von B). 2.500€ 236

Eines der 50 Exemplare der handkolorierten Vorzugsausgabe, neben den 200 Exemplaren in Schwarz-Weiß. Prachtvoller Druck der Folge mit sehr schön abgestimmtem Kolorit und breitem Rand, rechts und oben mit dem Schöpfrand.


8456

hermann max pechstein

8456 Plakat: Secession HMPechstein Holzschnitt auf dünnem Velin. 1931. 33 x 44,3 cm (35,4 x 47 cm). Krüger H 303. 1.500€

Laut Krüger wurde das Plakat für die 67. Berliner Secession-Ausstellung, Max Pechstein, die von Dezember 1931 - Januar 1932 in der Budapesterstr. 10 stattfand, verwendet. Krüger lag kein Original vor. Extrem selten. Prachtvoller, satter Druck mit schmalem Rand. 237


8457

8458

a. r. penck

(d.i. Ralf Winkler, 1939 Dresden – 2017 Zürich)

8457* Ohne Titel Bleistift auf leichtem Velinkarton. 27,3 x 37,3 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „AR. Penck“ und bezeichnet „IV b“. 2.600€

Eine für Penck charakteristische Zeichnung mit nackten Kriegern und Symbolen. Vermutlich handelt es sich um einen Entwurf für eine Keramikbemalung.

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8458 Kippe Farbserigraphie auf BFK Rives-Velin. 1991. 77 x 107 cm (80,2 x 112 cm). Signiert „a.r. penck“. Auflage 60 num. Ex. 800€

Prachtvoller, in den Farben leuchtender und in den Maßen imposanter Druck mit dem vollen Rand, links mit dem Schöpfrand.


herbert peters

(1925 Neman – 2006 München)

8459 Modell für „Zwei monolithische Granitpfeiler“ Granit auf Holzplinthe. 2001. 47 x 32 x 29 cm. Auf der Unterseite der Plinthe mit Faserstift in Schwarz signiert „S. Peters“, datiert und bezeichnet „Modell, M 1/20 WV200 für Monolithische Steinpfeiler München, Landratsamt, 1991/92“. Vgl. WVZ Institut für moderne Kunst Nürnberg 200. 1.800€

Die Skulptur „Zwei monolithische Granitpfeiler“ aus dem Jahr 1991/ 1992 wurde am Landratsamt, Mariahilfplatz in München aufgestellt. Der Eindruck von Labilität, entstanden durch die gekippte linke Stele, war dabei eine kalkulierte Folge der Komposition und findet sich in einigen zeitgleichen Arbeiten des Künstlers ebenso wieder.

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8460

pablo picasso

(1881 Málaga – 1973 Mougins)

8460 Le Viol sous la Fenêtre Aquatinta, Radierung und Kaltnadel auf kräftigem Bütten, mit Wasserzeichen „Picasso“. 1933. 27,8 x 19,8 cm (45 x 34,5 cm). Signiert „Picasso“. Bloch 183, Baer 342 XV c. 4.000€ 240

Picassos Radierung stellt die Begegnung von Mann und Frau als einen Ausbruch roher, animalischer Kräfte dar. Erschienen als Blatt 28 der insgesamt 100 Radierungen umfassenden „Suite Vollard“, einem der bedeutendsten Graphikzyklen des 20. Jahrhunderts. Gedruckt bei Roger Lacourière, Paris, 1939, herausgegeben von Ambroise Vollard, Paris. Ausgezeichneter Druck mit dem vollen Rand.


8461

pablo picasso

8461 Portrait de famille, homme aux bras croisés Lithographie auf Arches-Velin. 1962. 52 x 66,5 cm (56 x 75,7 cm). Bloch 1029, Mourlot 383, Güse/Rau 749. 2.000€

Insgesamt sechs lithographische Varianten dieses Motivs entstanden im Juni/Juli 1962 (Güse/Rau 748-753), auf der Grundlage des Erzählbandes „La Famille Cardinal“ von Ludovic Halévy, erschienen

1939 mit Illustrationen von Edgar Degas. Zudem schuf Picasso Linolschnitte und bemalte Keramikplatten zu demselben Motiv. Die Werkreihe, in der der Künstler immer wieder seine Lithographien mit Pastell überarbeitete und zu neuen Varianten weiterent­ wickelte, wurde auch als „Ateliergeheimnisse von Degas“ bezeichnet, der ebenso wie Picasso seine illustrativen Monotypien mit Pastell ergänzte. Güse/Rau notieren eine Auflage von 50 numerierten und signierten Exemplaren, dazu außerhalb dieser Auflage einige Abzüge für den Künstler. Ausgezeichneter Druck mit dem vollen Rand. 241


8462

pablo picasso

8462 nach. Harlequin Farboffset auf Arches-Velin. 1966. 57,7 x 43,7 cm (75,4 x 55,1 cm). Signiert „Picasso“, datiert „13.10.66“ und gewidmet. Czwiklitzer 270. 2.500€

Aus der Auflage von 60 Exemplaren vor der Schrift, unseres jedoch nicht numeriert. Die Gesamtauflage betrug 20000 Exemplare. Erschienen zu Ehren des 85. Geburtstages Picassos, herausgegeben vom Picasso-Museum, Aguilar-Palast, Barcelona, jedoch ohne dessen Blindstempel. Sehr guter Druck mit dem nahezu vollen Rand.

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8463* Troupe d‘Acteurs Lithographie auf Arches-Velin. 1954. 48,5 x 64,5 cm (50,1 x 65,7 cm). Rückseitig von fremder Hand bezeichnet „250“, „M 250“ und „6/6 FM“. Auflage 55 Ex. Mourlot 250, Bloch 754, Güse/Rau 590. 3.000€ Im Februar 1954 fertigte Picasso eine Reihe von Lithographien zum gleichen Thema mit unterschiedlich zusammengesetzten und komponierten Personengruppen an. Die alte Dame ganz rechts erinnert an die ganz ähnliche Figur „La Celestine“, die häufiger in Picassos Werken auftaucht. Das vorliegende Blatt „Troupe d‘Acteurs“ ist vielleicht das heiterste Motiv der Gruppe.


8463

Exemplar für Mourlot; er selbst verzeichnet eine Auflage von 50 signierten und numerierten Exemplaren, zuzüglich fünf Künstlerabzüge, wobei ein für ihn selber gedachter sechster Abzug keine Erwähnung fand („6/6 FM“, FM für Fernand Mourlot). Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand, an drei Seiten mit dem Schöpfrand. Literatur: Ulrike Gauss (Hrsg.), Pablo Picasso - Die Lithographie, Graphikmuseum Pablo Picasso Münster, Die Sammlung Huizinga, Hatje Cantz Verlag, Münster 2000 (Kat. Nr. 641 / 250, S. 236)

pablo picasso

8464 nach. Faunes et Flore Farblithographie auf Arches-Velin. 1959/60. 63 x 46 cm (75,7 x 55,5 cm). Signiert „Picasso“. Auflage 40 num. Ex. Czwiklitzer 167. 3.000€

Abzug vor dem Plakattext. Ausgezeichneter Druck mit Rand. 8464 243


8465

pablo picasso

8465 Vallauris Peinture et Lumière Xe Anniversaire (Malerei und Licht 10. Jahrestag) Farblinolschnitt auf festem Velin. 1964. 63,6 x 52,8 cm (75,5 x 63 cm). Signiert „Picasso“. Auflage 200 num. Ex. Czwiklitzer 52, nicht bei Bloch. 2.500€

Gedruckt bei Arnéra, Vallauris. Czwiklitzer nennt 185 numerierte Exemplare. Ausgezeichneter Druck mit dem vollen Rand, an einer Seite mit dem Schöpfrand.

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8466

pablo picasso

8466 Toros en Vallauris 1959 (Stiere in Vallauris) Farblinolschnitt auf Arches-Velin. 1959. 65,5 x 53,5 cm (75,8 x 57 cm). Signiert „Picasso“. Auflage 190 num. Ex. Czwiklitzer 34, Bloch 1287. 2.500€

Gedruckt bei Arnéra, Vallauris. Sehr guter Druck mit schmalem Rand. 245


8467

arthur luiz piza

(1928 São Paulo – 2017 Paris)

8467 Modification Téméraire II + III 2 Farbradierungen mit Aquatinta und Prägedruck auf Velin. 1989. 85,5 x 115,2 bzw. 85,4 x 116 cm. Beide signiert „PIZA“. Auflage 33 num. Ex. 1.200€

Prachtvolle Drucke der blattfüllenden Kompositionen, durch die Prägung ein herrliches Relief erzeugend. 246


8468

sigmar polke

(1945 Oels/Schlesien – 2010 Köln)

8468 Ohne Titel Farbsiebdruck in Grau, Blau und Schwarz auf Velinkarton. 1988. 98 x 69 cm. Signiert „S. Polke“. Auflage 940 Ex. Becker/von der Osten 80. Griffelkunst I 250 B5. 1.200€

Kontraste spielten in Sigmar Polkes Œuvre oftmals eine wichtige Rolle. So stellte er in der vorliegenden Graphik Geometrie und Abstraktion gegenüber. Die Formen erscheinen farbsatt oder unscharf und illustrieren das Zusammenspiel von Rationalität und Zufall, herausgegeben von der Griffelkunst-Vereinigung, Hamburg-Langenhorn e.V. Ausgezeichneter, blattfüllender Druck.

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8469

hans poelzig (1869–1936, Berlin)

8469 Dresden Hellerau: Entwurf für ein Landhaus mit gestuftem Walmdach Grauer Graphitstift auf gelblichem Skizzenpapier. Um 1920. 33 x 25,2 cm. 800€

Ansicht und Grundriss für ein eingeschossiges Haus mit gestuftem Dach, das um 1920 für die Deutschen Werkstätten in DresdenHellerau entstand.

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8470

michael mathias prechtl (1926 Amberg – 2003 Nürnberg)

8470 „Ch.(arles) Darwin“ Gouache und Feder in Schwarz, Braun und Rötel über Bleistiftvorzeichnung auf Roma-Bütten. 1982. 44 x 32,5 cm. Unten links mit Feder in Schwarz signiert „MMPrechtl“ und datiert, unten mittig betitelt, oben links und rechts jeweils neben der Darstellung bezeichnet „Missing link“ und „für Horst Stern“. 1.800€

Prechtl, der Dürer und Picasso zu seinen künstlerischen Hausheiligen zählte, zeichnet Darwin in detailgenauer, realistischer Dar-

stellungsweise mit den berühmten drei Affen. In der Hand hält er ein Knöchelchen, ausgewiesen als das langgesuchte „Missing link“, das in der evolutionären Entwicklung den Schritt vom Affen zum Menschen beweisen sollte. In Prechtls Zeichnungen, Illustrationen und Interpretationen fließen eigene Erlebnisse, politisches und gesellschaftliches Engagement, historische, künstlerische und kunstgeschichtliche Überlegungen mit ein. Handwerklich ausgefeilte Zeichenkunst mischt sich in seinem Werk mit hintergründiger Motivik, und seine Charakterköpfe kombiniert er in den Darstellungen häufig mit Tieren als metaphorische Elemente. Prechtl widmet seine Zeichnung dem Wissenschaftsjournalisten und Filmemacher Horst Stern. 249


franz radziwill

(1895 Strohausen – 1983 Wilhelmshaven)

8471 Abkehr Holzschnitt auf Velin. 1920. 30,1 x 18 cm (41,8 x 32,5 cm). Signiert „Franz Radziwill“. Presler 4. 800€

„Abkehr“ erschien mit drei weiteren Holzschnitten und einem in Holz geschnittenen Gedicht als Beilage zur „Kündung“, 1. Folge, 3. Heft, März 1921, herausgegeben von Wilhelm Niemeyer und Rosa Schapire, Hamburg. Signierter Vorzugsdruck vor der Auflage von 200 Exemplaren erschienen. Prachtvoller, kräftiger Druck mit früher Signatur, mit Rand. In dieser Form sehr selten.

8471

8472 Der Prophet Holzschnitt auf Velin.1920. 28,1 x 19,9 cm (41,80 x 32,8 cm). Signiert „Franz Radziwill“. Presler 6. 800€

„Der Prophet“ erschien mit drei weiteren Holzschnitten und einem in Holz geschnittenen Gedicht als Beilage zur „Kündung“, 1. Folge, 3. Heft, März 1921, herausgegeben von Wilhelm Niemeyer und Rosa Schapire, Hamburg. Signierter Vorzugsdruck vor der Auflage von 200 Exemplaren. Prachtvoller, kräftiger Druck mit früher Signatur und mit Rand. In dieser Form sehr selten.

250

8472


8473

arnulf rainer

(1929 Baden bei Wien, lebt in Enzenkirchen und auf Teneriffa)

8473* „Verlöschter Großvater“ Tusche über Fotogravure auf Karton. 1975. 30 x 22,8 cm Unten links mit Bleistift monogrammiert „A.R.“, datiert und betitelt. 7.500€

Der harte, rigorose Akt, mit dem Rainer das Bild übermalt, mit seinen dicken, gestischen Pinselzügen in Schwarz, ist ein ebenso schöpferischer wie auch zerstörerischer Akt. Er ist schöpferisch, nicht obwohl, sondern gerade weil er etwas vernichtet, es mit seiner Übermalung negiert und daraus etwas Neues entstehen lässt. Nicht nur das Bildnis des alten Herrn, sondern auch sein

Namenszug ist von Rainer unkenntlich gemacht und stellt den Betrachter vor die Frage, wieviel der geistigen Gegenwart des ver­ löschten Großvaters noch spürbar ist. Rainer sagte in demselben Jahr zu seinen Übermalungen eigener Porträts: „Erst als ich begann, die Fotos meiner mimischen Farcen zeichnerisch zu überarbeiten, entdeckte ich Überraschendes. Lauter neue, unbekannte Menschen, die in mir lauerten, die aber meine Muskeln alleine nicht formulieren konnten.“ (zit. nach Arno Widmann, Arnulf Rainer, Die Muskeln des Beobachters, in: Frankfurter Rundschau, 5.12.2014). Ausstellung: Arnulf Rainer, Arbeiten auf Papier, 1951-1978, Ausst.-Kat. Galerie ak, Frankfurt am Main 1987, S. 36 (Abb.) 251


8474

odilon redon

(1840 Bordeaux – 1916 Paris)

8474* Lutte de cavaliers Radierung und Kaltnadel auf Kupferdruckpapier. 1865. 10,1 x 13,6 cm (21,7 x 24,2 cm). Signiert „Odilon Redon“. Mellerio 4, Harrison 3/III. 4.500€

Das Reiterduell eingehüllt in ein mystisches Dunkel, umgeben von einer kargen, verlassenen Felslandschaft. Redons frühe Radierungen, die noch vor seinen eigentlichen „Noirs“ entstehen, sind seinem Lehrmeister Rodolphe Bresdin verpflichtet, der ihm sowohl die verschiedenen Behandlungsmethoden der Kupferplatte als auch die Vielfalt der Hell-Dunkel-Gestaltung vermittelt. Der eng begrenzte Themenkreis an wilden, kargen Felslandschaften mit Reitern, Schlacht- und Kampfszenen lässt Redons Vorliebe für historische und literarische Stoffe erkennbar werden, in vorliegendem Fall für das „Rolandslied“. Das mittelalterliche Epos wird 1864 mit Auguste Mermets Oper „Roland à Roncevaux“ in Paris uraufgeführt und findet in Frankreich schnelle Verbreitung und große Beliebt-

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heit beim Publikum. Roncevaux, ein Tal in den Pyrenäen, in dem Roland verraten, hinterhältig überfallen und getötet wird, mag Redon, der 1861 die Pyrenäen bereist, kein unbekannter Ort gewesen sein. Peter Morse weist erstmals hierauf hin: Die zwei kämpfenden Reiter sind sehr wahrscheinlich der Kaiser Charlemagne und der sarazenische Emir Baligant während ihres entscheidenden Gefechts. Der linke von ihnen ist bärtig und dadurch, laut Erzählung, als Charlemagne identifizierbar, der rechte trägt einen Helm mau­rischen Stils. Sie sind vollkommen alleine, und laut Epos löst sich der Kampf auf dem Schlachtfeld auf, sobald sich beide begegnen und den Kampfausgang aufgrund ihres eigenen Urteilsvermögens bestimmen. Ausgezeichneter, gratiger, partiell tiefschwarzer Druck, mit fein nuanciertem Plattenton, tief eingeprägter Plattenkante und breitem Rand aus der Auflage von 30 Exemplaren, die zu Lebzeiten des Künstlers in Paris entstand. Selten. Literatur: Peter Morse, Foreword, in: The Etchings of Odilon Redon, a Catalogue Raisonne, Sharon R. Harrison, New York 1986


odilon redon

8475* Brunnhilde Lithographie auf gewalztem China. 1886. 11,9 x 9,9 cm (24,5 x 15,9 cm). Monogrammiert „Od. R.“. Mellerio 68. 2.000€

Ausgezeichneter, kreidiger, in den Tiefen herrlich schwarzer Probedruck auf chine collé. Erschienen außerhalb der 1886 publizierten Auflage in der „Revue wagnérienne“, No. VII, 8 août. Provenienz: Henri Marie Petiet, verso mit dessen Sammlerstempel (Lugt 5031)

8475

8476* Vieux chevalier Lithographie auf gewalztem China. 1896. 29,8 x 23,4 cm (57,1 x 43,1 cm). Monogrammiert „Od. R.“. Mellerio 158. 9.000€

Der Ritter in Redons „Vieux chevalier“ ist eine äußerst romantische und idealisierte Vorstellung des einsamen Suchenden nach Licht und Wahrheit. Seine mittelalterlichen Konnotationen und spirituelle Aura stehen eng in Verbindung mit Redons Sujets der 1890er Jahre. Hervorragender, kreidiger und kräftiger Zustandsdruck auf chine collé, außerhalb der Auflage von 100 Exemplaren. Selten.

8476

Provenienz: Claude Roger-Marx, verso mit dessen Sammlerstempel (nicht bei Lugt) 253


hans reichel

(1892 Würzburg – 1958 Paris)

8477 Composition Gouache, Goldfarbe und Bleistift, collagiert, auf verschiedenen Papieren. 1949. 24,2 x 10 cm (Passepartoutausschnitt). Unten rechts mit Pinsel in Rot monogrammiert „R“. 3.000€

Ein strahlender Komet zieht seine Bahn über der auf schwarzem Grund fein nuanciert gezeichneten und collagierten Komposition aus Reichels Pariser Zeit. Eher phantastisch-verspielt als abstrakt mutet Reichels Zeichenstil an, subtil die zarte Bildtektonik. Der Künstler entlehnt seine Formensprache der Natur, deren Wandelbarkeit er ins Bild zu setzen scheint. Hans Reichel betätigte sich zunächst im Kreis um Rainer Maria Rilke und Stefan George als Schriftsteller. Die prägende Begegnung mit Paul Klee im Jahr 1919, der damals noch so gut wie unbekannt war, festigte seinen Entschluss, sich ganz der Malerei zu widmen. Erstaunlich ist, in welch kurzer Zeit Reichel es verstand, sich die geheimnis-

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volle Bildwelt des Schweizers anzueignen und in spielerischer Weise abzuwandeln. Auch als Klee ans Bauhaus ging, blieb der Kontakt zwischen den Künstlern bestehen. Bei Besuchen in Dessau begegnete Reichel Kandinsky, Gropius und Feininger. 1928 ging er von München nach Paris und schloss sich dem Künstlerkreis um die Gale­rie Jeanne Bucher an. Viera da Silva, Bissière und Wols waren ebenso mit ihm befreundet wie Henry Miller und Anais Nin, die beide über ihn schrieben. „Seine Bilder sind nicht konstruiert sondern in lyrischer Arbeit empfunden. In ihren Themen, der malerischen Dichte und nicht zuletzt in den kleinen Formaten wirken sie wie kostbare Kammermusikstücke. Mit seinem Spätwerk trug Reichel eine eigene, unverwechselbare Note zur École de Paris bei.“ (Ordnung und Chaos. Hans Reichel zwischen Bauhaus und École de Paris, Pressetext, Halle/ Saale 2005, zit. nach halle.de, 27.7.2020). Provenienz: Galerie Schrade, Schloss Mochental, Ehingen a. d. Donau


8477 255


franz ringel (1940–2011, Graz)

8478 Ohne Titel Mischtechnik auf Velin. 1967. 73,8 x 61,1 cm. Oben rechts mit Kreide in Orange signiert „Ringel“ und datiert. 1.800€

Das Kasperl-Motiv ist typisch für die frühe Schaffensphase Franz Ringels der 1960er Jahre: expressiv, figurativ und fernab akademischer Tendenzen. Seine offene Malweise und schnelle Linienführung schöpfte er aus den Tiefen der menschlichen Psyche und scheute sich dabei nicht vor grotesk anmutenden Wesen. Schrill, kompromisslos und enthemmt prägte er dadurch die österreichische Kunstgeschichte nach 1945 und leitete eine neue Ära ein.

8478

8479 „Sinneserweiterung“ Mischtechnik auf Velin. 1969. 76,3 x 61,2 cm. Links unten mit Bleistift signiert „Ringel“, datiert und betitelt. 1.800€

Die Verdoppelung und Teilung eines Wesens, wie auch bei unserem Blatt, ist charakteristisch für Franz Ringels Zeichnungen. Die Augen des Bildsubjekts scheinen den Betrachter frontal anzublicken, im Kopf der Figur lässt sich darüber hinaus eine weitere Profilansicht erkennen, die durch die schräge Körperhaltung Geltung findet. Eine Gestalt, zwei Gesichter? Auch wenn Ringels Werke viel Spielraum für multiple Interpretationen lassen und kaum eindeutig lesbar sind, wirken sie formal stets einheitlich und in sich stimmig.

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8479


8480

franz ringel

8480 „Mann und Frau“ Mischtechnik auf Velin. 1978. 62,5 x 73,6 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „F. Ringel“ und datiert, verso nochmals mit Bleifstift signiert „Ringel“, datiert und betitelt. 1.800€

Inspiriert durch die Art Brut und die Künstler aus Gugging, sticht Franz Ringel dennoch mit einem sehr persönlichen Stil hervor. Dabei liegen seinen Werken oftmals Themen wie Liebe, Sexualität und Angst zugrunde, was in unserer Zeichnung durch das Verwischen der Farben und Zerkratzen der Oberfläche Ausdruck findet. Darüber hinaus ist das Sujet des Kopfes hier sehr dominant. Als Steuerzentrum rationaler Entscheidungen, Träger unserer Emotionen und Bedürfnisse, steht er als Metapher für Intimität und Zerbrechlichkeit. 257


8481

8482

christian roeckenschuss (1929 Dresden – 2011 Berlin)

8481 Ohne Titel (K 344) Klebepunkte und Lackfarbe auf Karton. 1962. 60 x 60 cm (88 x 88 cm). Köppe Band I, Abb. III - 75.

8482 Ohne Titel (K 391) Klebepunkte und Lackfarbe auf Karton. 1962. 60 x 60 cm (88 x 88 cm). Köppe Band I, Abb. III - 72.

Serialität, System und Harmonie - Eigenschaften, die für die Arbeiten Christian Roeckenschuss‘, einem frühen Anhänger und Prota­ gonisten des konstruktiven Minimalismus, essenziell sind. Die Kreisformationen, mit denen er sich ab den 1960er Jahren stark auseinandersetzte, reflektieren dies. Für die Kompositionen zog der Künstler ausgeformte, selbstklebende Farbfolien heran, die er mit Alkydharzfarbe bespritzte. Durch die farbigen Flächenkontraste sollten Wahrnehmungseffekte und räumliche Scheinwirkungen erzeugt werden.

Inspiriert durch Piet Mondrian, Hans Arp sowie die Op-Art strebte Christian Roeckenschuss, im Sinne der Minimal Art, eine universelle und entgrenzte Kunstauffassung an, die die Kälte und Ano­ny­ mität einer modernen, Technik bestimmten Gesellschaft reflektierte.

1.500€

Provenienz: Nachlass des Künstlers

258

1.500€

Provenienz: Nachlass des Künstlers


8483

christian roeckenschuss

8483 Ohne Titel (K 140) Alcydharzfarbe auf Phenapanplatte. 1975. 70 x 70 cm (84,7 x 85 cm). Köppe, Band II, Abb. IV-7. 2.500€

Unter die Kategorie der „Séquences Chromatique“ fallen Christian Roeckenschuss Streifenstrukturreliefs, die seit den 1970er Jahren einen Schwerpunkt in seinem Œuvre bilden. Durch die klare vertikale Struktur, die parallele Anordnung sowie die differenzierte Farbintensität der Streifen, zielte der Künstler darauf ab, formale Ordnungsprozesse und Raumwirkungen darzustellen. Diese sollten dem Betrachter ein Anstoß, ein Auslöser für subjektive Interpretationen und freie Assoziationen sein, die jedoch auf einer universalen Formensprache basieren. Mit der Intention, musikalische Klangbilder in die Malerei zu übersetzen und dadurch eine visuelle Tonalität und Rhythmik herzustellen, lässt sich auch bei der Betrachtung des hiesigen Werkes subjektiv, je nach Empfinden, eine persönliche Komposition ablesen. Provenienz: Nachlass des Künstlers 259


8484

emy roeder

(1890 Würzburg – 1971 Mainz)

8484 11 Zeichnungen 11 Bl. Bleistift und Kreide in Schwarz auf verschiedenen Skizzenpapieren bzw. auf Schoellershammer-Velin. 1932-34. Bis 44 x 29,3 cm. 8 Blatt mit Kreide in Schwarz monogrammiert „E. R.“ und datiert. 8.000€ Rinder und Schafe, friedlich ruhend. Ein Fohlen. Pariser Frauenakte und ein Mädchen mit seiner Puppe. Ein sitzender Bretone. Stille, friedvolle Geschöpfe zeigt uns Emy Roeder in diesem kleinen Konvolut ihrer Zeichnungen, entstanden während ihrer Reisejahre 1931 bis 1935 in die Bretagne, nach Paris und weiter nach Italien. In der Bretagne zeichnete sie die lokale Bevölkerung, in Paris hingegen befasste sich die Künstlerin intensiv mit weiblichen Aktstudien, und in der Toscana schuf sie die prägnanten Tierzeichnungen. Konzentriert auf reduzierte Umrisslinien zeichnet sie ihre Figuren, mit sparsamen Binnenschraffuren hier eine Falte oder da einen Schatten betonend. „Dieser Umriss blieb bis zuletzt ein Wesensmerkmal ihrer Zeichnungen, die - typisch für Bildhauerzeichnun-

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gen - ohne Ausarbeitung eines Umraums frei auf das Papier gesetzt werden. (...) Zeichnungen und Skulpturen entstanden aus einem Geist, die Zeichnungen machen dabei Nebenwege und Zwischenschritte sichtbar. So vervollständigen sie das Œuvre Emy Roeders und zeigen den gesamten Kosmos ihrer künstlerischen Weltwahrnehmung.“ (Henrike Holsing, in: Emy Roeder. Bildhauerin und Zeichnerin. Das Kosmische allen Seins, Ausst.-Kat. Museum im Kulturspeicher Würzburg 2018, S. 33 u. 41). Es sind stets nur wenige Motive, die Emy Roeder beschäftigen: figurale Akt- und Porträtbildnisse, Gewandfiguren, kleine Gruppen von Freundinnen oder Geschwistern, dazu Tierdarstellungen, anhand derer sie ihre ganz eigene figürliche Bildsprache entwickelt


8484

261


8484

und die trotz des meist kleinen Formates immer eine immense Präsenz ausstrahlen. Vom Naturvorbild ausgehend, führt sie ihre Motive zu einer immer stärkeren Stilisierung und sucht dabei das Essenzielle des menschlichen und kreatürlichen Daseins in ihren Werken zu fassen. Ihre Themen sind im Grunde stets die tiefsten Bedürfnisse des lebendigen Seins: Liebe, Schutz, innere Ruhe und Kraft. Die Zartheit der gezeichneten Kreaturen paart sich bei ihr oft mit einer unbestimmten Einsamkeit, die es dem Betrachter ermöglicht, die Wesenheit des Dargestellten zu erfassen. Friedrich Gerke schrieb zu der Gruppe bretonischer Zeichnungen Roeders: „Sie sind im altmeisterlichen Sinn, manchmal an Zeichnungen der Holbein-Zeit erinnernd, die reifsten Werke dieser Art, die kaum je

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wieder übertroffen werden.“ (zit. nach: Emy Roeder. Bildhauerin und Zeichnerin. Das Kosmische allen Seins, Ausst.-Kat. Museum im Kulturspeicher Würzburg 2018, S. 126). Emy Roeder gehört zu den bedeutendsten Bildhauerinnen des 20. Jahrhunderts. Zunächst war sie von 1912-1915 Schülerin von Bernhard Hoetger in Darmstadt, später von 1920-1925 bei Hugo Lederer in Berlin, wo sie sich als Künstlerin der deutschen Avantgarde etablieren konnte und mehreren Künstlergruppen beitrat. Nach Studienaufenthalten in der Villa Massimo, Rom, und der Villa Romana, Florenz, lebte sie in Florenz. Das Konvolut entstammt dem ehemaligen Besitz des Kunsthistorikers und Galeristen Dr. Victor Wallerstein, von dem sie Eva Cassirer


8484

übernahm. Die erste Ausstellung, „Emy Roeder. Werke“, organisierte Victor Wallerstein in Berlin 1922. Seitdem waren Roeder und er bis zu seinem Tod in Florenz eng befreundet. (vgl. S. Pucks, Galerie Goldschmidt-Wallerstein. Eine der renommierten Kunsthandlungen im Berlin der Zwanziger Jahre, in: Gute Geschäfte. Kunsthandel in Berlin 1933-1945, Berlin 2011, S. 41-46.). Die Tochter Alfred Cassirers und Nichte von Ernst Cassirer und Tilla Durieux lebte als Philosophin, Astronomin und Kunstsammlerin in Berlin. Beigegeben: Eine signierte Lithographie von Emy Roeder, „Schaf mit Lämmchen“, 1932. Provenienz: Dr. Victor Wallerstein Eva Cassirer 263


8485

franz roh

(1890 Apolda – 1965 München)

8485 „Nicht ein Dualismus beherrscht die Welt (weisse und schwarze Zone), sondern eine kleine hämische Trini­tät: elegante Grausamkeit, Neugier u. Geld“ Holzstich mit Collage, auf leichten Unterlagekarton montiert. 1937. 18,5 x 23 cm (29,7 x 39,7 cm). Im unteren Rand mit Bleistift monogrammiert „R“, datiert und betitelt, verso mit dem Nachlaßstempel und der Werknummer „3/85004“. 4.000€

Max Ernst und Franz Roh stellten um 1923/25 beide fest, dass sie sich der Collage in ähnlicher Weise bedienten, nämlich mit „dadasurrealem“ Impetus. Die von ihnen vergebenen Titel erscheinen oftmals rätselhaft und geheimnisvoll. Unsere Collage von 1937

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trägt einen Titel, der bis heute scheinbar nicht an Aktualiät eingebüßt hat. Auf der Rückseite ist eine Definition von Dualität mit typographischer Schrift wiedergegeben, auf der sich unser Titel aufbaut: „Dualistisch/ Die Welt wird eingeteilt in eine schwarze und weisse Zone. In Wahrheit aber herrscht die Trinität: elegante Grausamkeit, intellektuelle Neugier und verschwiegenes Geld“. Provenienz: Nachlass des Künstlers, München Ausstellung: Gulbransson Museum Tegernsee, 1999 (mit Abb.) Literatur: Schmoll gen. Eisenwerth, „Franz Roh Collagen“, Edition Marzona 1984 Armin Zweite, Franz Roh-Magischer Realist, Künstler und Publizist 1890-1965, München 1995


8486

franz roh

8486 „Dem büssenden O. Wilde erscheint in der Zelle die verlassene Frau“ Fotoreprocollage, auf leichten Unterlagekarton montiert. 1940. 28,3 x 22,8 cm (37,5 x 25,5 cm). Im unteren Rand mit Bleistift signiert „F. ROH“, datiert und betitelt, verso mit dem Nachlaßstempel und der Werknummer „1001“.

standen die ersten Collagen, die den Zeitgeist der Dada-Bewegung widerspiegeln. Sein Interesse an der Photographie wuchs und er fing Motive ein, die er auf ähnliche Weise montagemäßig zusammenstellte und überblendete. Unsere Collage stellt eine bizarre Szene mit Körpern von Tänzerinnen dar, die frei in einer Gewölbezelle, nicht in einem Nachtclub, platziert zu schweben scheinen und ein eleganter Herr, wohl Oscar Wilde, vorne links lediglich mit Chapeau Claque und Anzug angedeutet, sich dazugesellt. Der Titel unserer Collage liest sich zu dem Dargestellten geheimnisvollkryptisch.

Franz Roh fertigte seit den frühen 1920er Jahren Collagen an. Als Kunstgeschichtsstudent und Assistent von Heinrich Wölfflin verfiel er den Sammlungen von Reproduktionen nach berühmten Gemälden, die er zerschnitt und Figuren sowie Kompositionsschemata demontierte, um sie zu einem neuen Ganzen zusammenzufügen. Aus diesen privaten kunsthistorischen Experimenten ent-

Provenienz:Nachlass des Künstlers, München

3.000€

Literatur: Schmoll gen. Eisenwerth, „Franz Roh Collagen“, Edition Marzona 1984 Armin Zweite, Franz Roh-Magischer Realist, Künstler und Publizist 1890-1965, München 1995 265


8487

dieter roth

(1930 Hannover – 1998 Basel)

8487 Motorradfahrer Multiple. Blech, farbig gefasst, und Acryl in Blau, auf Holzplatte montiert. 1969. Ca. 6,5 x 16 x 10,5 cm (12 x 17 cm (Holzplatte)). Auf der Unterseite des Holzsockels mit Faserstift in Schwarz signiert „Dieter Roth“ und datiert. Auflage 100 num. Ex. Dobke, Bücher und Editionen, 1969.41. 6.000€

Dieter Roth setzte sich in seinen Skulpturen mit technischen Erfindungen und Objekten aus dem täglichen Leben auseinander.

266

In diesem Kontext taucht häufig das Thema des Motorradfahrers auf, wie beispielsweise auch das Kaninchen, der Hut und die Glühbirnen. Roth wiederholt gerne, wie beim Komponieren eines Musikstücks, bekannte Motive, die sich durch den Einsatz neuer Methoden und in neuen Kontexten, in die sie projiziert werden, stets verändern. Die Motorradfahrer zeigen sich durch die Bearbeitung des Künstlers in ihrem Realismus verfremdet. Die bunt bemalten Metallfiguren aus dem Spielwarengeschäft montiert Roth auf einen Holzsockel und übergießt sie ganz oder teilweise mit farbigem Acryllack. Die einzelnen Exemplare der Auflage variieren in Form und Farbe, so dass ihnen ein Unikatcharakter zukommt.


8488

victor rousseau

(1865 Feluy – 1954 Vorst)

8488 Trois jeunes filles Bronze mit grüner Patina. Wohl 1938. 46,5 x 62 x 31 cm. Rechts unten am Stand signiert „Victor Rousseau“, hinten am Stand bezeichnet „193X“. 5.000€

In der hiesigen Bronze arbeitete der belgische Skulpteur Victor Rousseau mit einer klassizistischen Formensprache und stellte die

drei jungen Mädchen in einer andächtigen Haltung dar. Ausgezeichneter Guss mit sehr schön nuancierter Patina, wohl nach der gleichnamigen Marmorskulptur von 1938 entstanden. Literatur: vgl. Richard Dupierreux, Victor Rousseau, in: Monographies de l‘Art Belge, Bd. 3,5, hrsg. v. Ministère de L‘Instruction Publique, Antwerpen 1949 (Abb. 12) 267


8489

grete schick

(1906 Frankfurt/Main – 1981 Mülheim)

8489* Zwei Kugelspieler Nussbaum, geleimt. Wohl 1930er Jahre. 23 x 34 x 23 cm. 3.000€

Blockhaft sind die beiden Figuren erfasst in der gemeinsamen gebeugten Haltung, zwei Menschen mit kindhaft großen Köpfen, einfach im Ausdruck und in der Gestalt. Umgesetzt ist die Skulptur, die lebendig und weitgehend ungeglättet die Spuren des

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Schnitzwerkzeuges erkennen lässt, mit verhaltener Expressivität. Die unpathetische und doch sozial ausdrucksstarke Gestaltung erinnert an Ernst Barlach oder auch an Christoph Voll. Doch besitzen Schicks wenige Werke etwas ganz Eigenes und Selbstständiges im Ausdruck. Nach Studien in Essen, Italien und in Paris kehrte die Künstlerin 1935 nach Deutschland zurück, schloss sich jedoch keiner Gruppierung an. Die Bildhauerin Grete Schick ist der verschollenen Generation zuzurechnen. Ihre Arbeiten wurden viele Jahre nach ihrem Tod erst wiederentdeckt.


8490

wilhelm schnarrenberger (1892 Buchen – 1966 Karlsruhe)

8490 Kleine Bahnstation (Verlassener Bahnhof in eisiger Landschaft) Öl auf Leinwand. 1942/46. 63,3 x 77,2 cm. Unten links mit Pinsel in Braun signiert „Schnarrenberger“ und schwer leserlich datiert „1942/46“ (?) 3.000€

Objektivität, Gegenständlichkeit und keine Scheu vor der Realität, so lassen sich die Arbeiten Wilhelm Schnarrenbergers definieren, der in der Tradition der Neuen Sachlichkeit steht. „Er sah seine Stärke als kritischer Dokumentator des Zeitgeists im humorvollgrotesken Enthüllen des Ungeists der Zeit.“ (Hans-Diester Mück, in: Von der Poesie der Dinge,Wilhelm Schnarrenberger, Buchen 1992, S. 9.) Neben den Porträts und Stadtansichten bildeten das

Genre des Stilllebens sowie Landschaftsdarstellungen weitere Schwerpunkte in seinem, vor allem späteren, Œuvre. Nachdem seine Arbeiten im Märkischen Museum in Witten/Ruhr 1937 von den Nationalsozialisten als „entartet“ bezeichnet und abgehängt wurden, ließ er sich im Schwarzwald nieder, wo das Gemälde „Kleine Bahnstation“ entstand. Die eisigen Farben sowie die Härte der Bahngleise verweisen auf den Utopieverlust und die Einsamkeit dieser Zeit. Nichts Beschönigendes – die pure Realität – ist dargestellt. Womöglich inspirierte Schnarrenberger dabei das Gedicht „Eisige Nacht“ von Theodor Kramer, das fragmentarisch verso auf dem Keilrahmen zu sehen ist. Nach Kriegsende, 1947, wurde der Künstler zum Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe ernannt und leitete dort die Malklasse. Provenienz: Bassenge Auktion 69, Los 6822, 31.5.1997 Privatsammlung Berlin 269


8491

karl schmidt-rottluff

(1884 Rottluff bei Chemnitz – 1976 Berlin)

8491 Bäume im Winter Holzschnitt auf feinem Japanbütten. 1905/75. 11,8 x 16 cm (22,9 x 28 cm). Monogrammiert „SR“. Nicht bei Schapire/Rathenau. 1.200€

Der erste bekannte Holzschnitt Schmidt-Rottluffs, von dem keine Frühdrucke gedruckt worden sind, aus der Auflage von 1975. Die kleinen Bäume auf einer leeren Fläche lassen mit ihrem feinen Lineament Schmidt-Rottluffs Auseinandersetzung mit japanischer Kalligraphie erkennen. Ausgezeichneter Druck mit dem wohl vollen Rand, oben und rechts mit dem Schöpfrand.

270


8492

karl schmidt-rottluff

8492 Lago Maggiore Holzschnitt auf Japanbütten. 1930/1960. 39,4 x 50 cm (42,7 x 57,8 cm). Signiert „SRottluff“. Auflage 175 Ex. Schapire H 32. 3.000€

Einzige Auflage, die im Jahre 1960 von der Karl-Hofer-Gesellschaft Berlin als Jahresgabe in Auftrag gegeben wurde. „Der Holzschnitt muß etwa von 1930 sein, ursprünglich sollte daraus ein Farbholzschnitt werden. Aus nicht mehr erklärbaren Gründen ist das unterblieben. Da der Stock sich zufällig erhalten hatte und mich die Hoferges letzthin bat, ob ich nicht u.s.w., kam mir der Stock wieder in die Hände, ich ließ ihn andrucken und man war damit einverstanden.“ (zitiert nach Rathenau). Prachtvoller, tiefschwarzer, kräftiger Druck mit dem vollen Rand, die wunderbaren Landschaftskontraste von Gebirge und Wasser herrlich wiedergebend. 271


8493

georg scholz

(1890 Wolfenbüttel – 1945 Waldkirch)

8493* Vanitas (Drei Totenköpfe) Öl auf Leinwand. Um 1931. 40,5 x 61 cm. Verso auf dem Keilrahmen mit dem Nachlaßstempel. 6.000€

Das traditionelle Vanitasmotiv des Totenkopfes nimmt Scholz und wandelt es in eine traute Plauderrunde unter Schädeln um. Die drei skelettierten Köpfe sitzen dicht beieinander, wie auf einer Bühne, auf dem üppig drapierten roten Tuch, das durch die Mundund Augenöffnungen hindurchscheint und Assoziationen an Blut, Leib und Leben evoziert - also an das Gegenteil des Bildmotives. Dunkelrote Fleischfarbe steht hier neben der hell schimmernden Knochenfarbe. Scholz malt sein Vanitasmotiv mit weichem, lockerem Pinselduktus und pastosem Farbauftrag, die Schädel und Falten leicht stilisiert. Zu dieser Zeit, am Beginn der 1930er Jahre

272

beschäftigte der Künstler sich nicht nur in seinem malerischen Werk, sondern auch literarisch mit den menschlichen Abgründen und suchte nach neuen Ausdrucksformen jenseits der bildnerischen Mittel der Neuen Sachlichkeit. Provenienz: Nachlass des Künstlers Galerie Hasenclever, München Ausstellung: Stillleben. gestern und heute, Galerie Michael Haas, Berlin 2015 Das Lied der Dinge. Stillleben im Wandel der Kunst, Museum für Aktuelle Kunst Sammlung Hurrle, Durbach 2018 Literatur: Felicia H. Sternfeld, Georg Scholz 1890-1945, Frankfurt am Main 2004, Nr. 91, S. 383 und 487 Stillleben, Ausst.-Kat. Galerie Michael Haas, Berlin 2015, S. 50


8494

georg scholz

8494* Totes Huhn Aquarell und Deckweiß über Feder in Schwarz auf Velin. 1925. 24,9 x 35,8 cm Oben rechts mit Feder in Schwarz monogrammiert „Sch.“ und datiert. 5.000€

Ein drastisches Bild: Das tote Huhn ist ausgenommen, dem Betrach­ ter bietet sich die schwarze Leere der Körperöffnung dar. Gerupft und aller Farben beraubt zeigt Scholz es, beinahe in Schwarzweiß, dramatisch von links vorne beleuchtet und einen tiefen schwarzen Schatten auf den grauen Grund werfend. Seine Kunst hatte eine erhebliche politische und soziale Stoßkraft, und so war Scholz einer der Protagonisten der Neuen Sachlichkeit, die in der ersten Hälfte der 1920er Jahre den Expressionismus ablöste und zur wichtigsten Kunstströmung der Weimarer Republik avancierte. Innerhalb dieser Strömung gehörte er dem sogenannten linken Flügel der Neuen Sachlichkeit, dem zeitkritischen Verismus an. In dem Jahr, in dem er das „Tote Huhn“ zeichnete, wurde Georg Scholz

Professor an der Badischen Landeskunstschule in Karlsruhe und stellte seine Arbeiten im Rahmen der bedeutenden Ausstellung „Neue Sachlichkeit“, in deren Zusammenhang Gustav Hartlaub dieser Kunstrichtung ihren Namen gab, in Mannheim aus. Er war zuvor bereits 1920 mit wichtigen Bildern an der Ersten Internationalen DaDa-Messe in Berlin beteiligt. Rückseitig mit einer Bleistiftskizze. Provenienz: Nachlass des Künstlers Ausstellung: Badischer Kunstverein, Karlsruhe 1975 Darmstadt 1980 (Kat.-Nr. 34) Kunsthaus Villa Jauss, Oberstdorf 2010 Literatur: Georg Scholz. Ein Beitrag zur Diskussion realistischer Kunst, Ausst.-Kat. Badischer Kunstverein, Karlsruhe 1975, Kat.-Nr. 57 Felicia H. Sternfeld, Georg Scholz 1890-1945, Frankfurt am Main 2004, Nr. 247 Wunder auf Papier, über 100 Jahre Zeichenkunst, Ausst.-Kat. Kunsthaus Villa Jauss, Berlin 2010, o.S. (mit Abb.) 273


fred sandback

(1943 Bronxville/New York – 2003 New York City)

8495 Ohne Titel 6 Farblithographien auf Bütten. 1975. 44,6 x 53,4 cm (Blattgröße) Je signiert „Sandback“ und datiert. Auflage ca. 300 Ex. Jahn 22-27. 2.000€

Ausgezeichnete Drucke, herausgegeben von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg.

jan schoonhoven (1914–1994, Delft)

8496 Ohne Titel Prägedruck auf leichtem Velinkarton. 1971. 47,5 x 47,5 cm (49,7 x 49,8 cm). Signiert „Schoonhoven“ und datiert. Auflage 50 num. Ex.

8495

1.800€

Prachtvoller Druck mit dem vollen, schmalen Rand.

8496 274


8497

simon schubert (1976 Köln)

8497 Ohne Titel Faltung auf festem Velin, auf Untersatzkarton montiert. 2017. 99,5 x 69,5 cm. Verso mit Bleistift signiert „S. Schubert“ und datiert, auf dem Untersatzkarton verso mit Kugelschreiber in Schwarz erneut signiert „S. Schubert“ und datiert. 1.800€

Der in Köln geborene Künstler Simon Schubert studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie Bildhauerei. Er war Meisterschüler von Irmin Kamp. Aus der Sicht eines Bildhauers behandelt Schubert auch seine Papierarbeiten. Durch positive und negative Faltung entstehen im Papier reliefhafte Erhebungen, die durch Licht und Schatten die Darstellung formulieren. Auf unserem Blatt ist verso

die Vorzeichnung in Bleistift für die Falze zu sehen. Meistens handelt es sich um leere, perspektivisch leicht verzerrte Innenräume, wie in unserer Faltung. Lange Gänge und Treppenfluchten sind von strenger Architektur geprägt. Die Tür als Motiv spielt bei Schubert eine große Rolle. Sie bleibt meistens verschlossen. Darin erinnert seine Kunst an die Interieurs des dänischen Künstlers Vilhelm Hammershøi, die um 1900 entstanden und bis heute in ihrer ungebrochenen Modernität und Radikalität über eine hohe Strahlkraft verfügen. Schubert sieht seine Räume als Reminiszenz an Samuel Beckett, mit dessen Werk er während seines Philosophiestudiums bei Paul Good in Berührung kam. Schubert war auf mehreren Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten, u.a. zeigte der Bregenzer Kunstverein 2011 seine Werke. 2008 erhielt er den ZVAB-Phönix Kunstpreis. 275


8498

friedrich schröder-sonnenstern (1892 Tilsit – 1982 Berlin)

8498 „Metaphysik mit dem Hahn oder der Werber von Monstades Dünkel“ Farbstifte und Bleistift auf Schoellershammer-Karton. 1956. 73 x 51 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Sonnernstern“, mit dem Künstlersignet und datiert, mittig betitelt, verso erneut signiert, mit dem Künstlersignet und datiert. 1.800€ 276

Die skurrile, farbintensive Komposition zeigt eine Frau und menschengroßen roten Hahn umarmt vor tiefdunklem Himmel. Erst mit 57 Jahren entdeckte Schröder-Sonnenstern als Autodidakt die Malerei, nachdem er zuvor als Gärtnerlehrling, Melker und Milchinspektor, als Stalljunge beim Zirkus, Kabarettist, Hilfsbriefträger, Dichter und Schmuggler gearbeitet, in Besserungsanstalten, Gefängnissen und Irrenhäusern eingesessen, Heilerde und Brunnenwasser verkauft, die Sterne gedeutet und kostenlos Brötchen an Arme verteilt hatte. Wie unsere charakteristische Zeichnung zeigen Schröder-Sonnensterns Bilder stets bizarre, teils erotische, teils alptraumhafte Kreaturen.


8499

friedrich schröder-sonnenstern

8499 „Die Mondgefangenen“ Farbstifte und Bleistift auf Schoellershammer-Karton. 1955. 73 x 51 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Sonnernstern“, mit dem Künstlersignet und datiert, links betitelt, verso erneut signiert, mit dem Künstlersignet und datiert. 1.800€

Schröder-Sonnenstern gilt als einer der wichtigen Vertreter der Art Brut bzw. der Outsider Art. Seine Bilder bizarrer, oft erotischer, oft aber auch erschreckender, alptraumhafter Gestalten zeigen

häufig Kombinationen aus Mensch und Tier, deren Gesichtsteile wie Nase, Kinn und Ohr er als „Männergeschlechtsteile“ deutete. Ab 1949 begann er intensiv zu zeichnen, und die SurrealismusAusstellung 1959 in Paris feierte ihn als den beeindruckendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, international aufsehenerregende Ausstellungen folgten. Ab Anfang der 1970er Jahre zählte SchröderSonnenstern zur Künstlergruppe der Berliner Malerpoeten. „Sonnensterns ‚kindliche Visionen‘, so deutete der französische Kunstkritiker Edouard Roditi in der New Yorker Zeitschrift ‚Arts‘, seien bei aller erotischen Besessenheit ‚satirische Allegorien‘, deren `anarchistischer Nonkonformismus an den frühen George Grosz´ erinnert.“ (Der Spiegel, 15.9.1965). 277


8500

friedrich schröder-sonnenstern

8500* „Einreiten der Mondehemänner ‚Hohe Schule‘“ Farbstifte, Bleistift und Farbkreiden auf festem Schoellershammer-Karton. 1960. 73 x 102 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „F. S. SONNENSTERN“, mit dem Künstlersignet, datiert und unten links betitelt, sowie rückseitig nochmals signiert, monogrammiert und datiert. 2.000€

Skurrilität, Phantastik, Humor, Ängste, Erotik, Mystik - die unterschiedlichsten Aspekte scheinen in Schröder-Sonnensterns Zeichnungen auf. Aus der oberen Ecke bewacht der titelgebende Mond die seltsame Reitszene zweier skurriler Zwitterwesen, auf das sorgfältigste gezeichnet. Nach der großformatigen Zeichnung fertigte Schröder-Sonnenstern 1974 eine in Farboffset gedruckte Auflage desselben Motivs. Provenienz: Sammlung Henry Hirts, Berlin

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8501

friedrich schröder-sonnenstern

8501* „Die moralische Eifersucht“ Farbstift, Bleistift und Farbkreiden auf Schoellers­ hammer-Karton. 1964. 73 x 102 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „F. S. SONNENSTERN“, monogrammiert, datiert und unten links betitelt sowie verso nochmals signiert, monogrammiert und datiert. 2.000€

Das rote Seeungeheuer reißt zwar sein Drachenmaul weit auf, wirkt aber in seiner ornamentalen Stilisierung weniger erschreckend als dekorativ. Und auch die erotisch-bizarre Frauenfigur, die auf seinem Rücken reitet, ist im lachend geöffneten Mund mit zwei langen Reihen wehrhafter Zähne ausgestattet. Die charakteristische, frühe Komposition von Schröder-Sonnenstern, einem der bedeutendsten Vertreter der Art Brut bzw. der Outsider Art, kombiniert Mensch und Tier, erotisch, erschreckend, alptraumhaft. Im Jahr 1949 begann der Künstler intensiv zu zeichnen, und zehn Jahre später feierte ihn die Surrealismus-Ausstellung 1959 in Paris als den beeindruckendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Provenienz: Sammlung Henry Hirts, Berlin 279


8502

bernard schultze

(1915 Schneidemühl/Westpreußen – 2005 Köln)

8502 „Das Viel-Bein“ Farbige Kreiden auf grauem Velin. 1981. 62 x 50,8 cm. Unten rechts in schwarzer Kreide signiert „Bernard Schultze“, betitelt und datiert. 1.300€

Mit seinen detailreichen, abstrakten Gestalten brachte Schultze in den 1950er und 1960er Jahren bedeutende neue Impulse in die deutsche Nachkriegskunst. Schultzes überwiegend farbenfrohe und detailreiche Zeichnungen lassen das Unbewusste miteinfließen und sind voller Elemente, die unterschiedlichste Assoziationen beim Betrachter wecken. Sie besitzen meist Anspielungen und Zitate aus der Natur, erinnern an Wurzeln, Wald und andere Gewächse. Bernard Schultze war Teilnehmer der documenta II, der documenta III, und der documenta 6. Mit seinem lyrisch abstrakten und unverkennbaren Stil behauptete er eine eigenständige Position in der Kunstgeschichte und unter den Künstlern seiner Zeit.

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8503

bernard schultze

8503 „Eine blaue Traumkulisse“ Aquarell auf Zanders Parole-Karton. 1989. 101,8 x 72,8 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Bernard Schultze“, datiert und betitelt. 2.400€

In den 1950er Jahren entstanden Schultzes erste informelle Arbeiten, die bedeutend die internationale Nachkriegskunst mitprägten. Sein Stil, bei dem lyrische Abstraktion auf lebendiges Kolorit und eine kleinteilige filigrane Formensprache treffen, lässt sich in der vorliegenden Arbeit wiederfinden. Schultze erschafft einen Bildraum, dessen Interpretation aufgrund der Gegenstandslosigkeit rein auf persönlichen Assoziationen und Emotionen basiert und vom Künstler mit dem Titel der Arbeit „Eine blaue Traumkulisse“ bereits vorweggenommen wird. 281


8504

emil schumacher

(1912 Hagen – 1999 San José/Ibiza)

8504* Ohne Titel (G-73/1985) Mischtechnik auf Packpapier (unregelmäßig beschnitten), verso punktuell auf Karton montiert. 1985. Ca. 56 x 50 cm. Karton: 90,5 x 70,5 cm. Unten rechts mit Ölkreide in Schwarz signiert „Schumacher“ und datiert. 8.000€

In den 1980er Jahren hatte sich die deutsche, abstrakte bildende Kunst bereits international emanzipiert und Emil Schumacher

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gehörte dabei zu den wichtigsten Vertretern. Beeinflusst vom amerikanischen Action Painting und auch vom französischen Tachismus war Malen für Schumacher ein rhythmisches Spiel der Bewegungen geworden und ein Akt der Balance zwischen Farben, Linien und Material. Die spontane Geste machte dabei auch vor Materialwut und Zerstörung nicht halt. Das vorliegende Werk ist ein charakteristisches Beispiel dieser Schaffenszeit. Der schwungvolle, sich überlagernde Farbauftrag und der knittrige, ungleich beschnittene und zum Teil eingerissene Untergrund lassen die Dynamik des Entstehungsprozesses nachempfinden. Provenienz: Galerie Ludorff, Düsseldorf Privatsammlung Nordrhein-Westfalen


8505

sean scully (1945 Dublin)

8505* „Barcelona Diptych 5“ Farbaquatinta auf Arches-Velin. 1996. 28,5 x 39 cm (65,5 x 50cm). Signiert „Sean Scully“, datiert und betitelt. Auflage 24 num. Ex. Oberhuber 96005 4.500€

Herausgegeben von der Edition T, Barcelona. Ausgezeichneter Druck mit dem vollen Rand, oben und unten mit dem Schöpfrand. Provenienz: Baukunst Galerie, Köln (verso mit deren Etikett) 283


8506

max schwimmer (1895–1960, Leipzig)

8506 „Mainfranken“ Öl auf Leinwand. 45 x 60 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „M. Sch.“, verso auf dem Keilrahmen betitelt und bezeichnet „27“. 2.500€

Stimmungsvolle, mit lockerem Duktus ausgeführte Herbstlandschaft in gedeckter, warmer Tonalität und pastosem Farbauftrag. Zügige, meist waagerecht oder schräg verlaufende Pinselschwünge

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verleihen der dramatisch beleuchteten Szenerie eine heftige Bewegtheit und vermitteln den Eindruck eines herbstlichen Sturms, der durch das mainfränkische Hügelland zieht. Der Expressionist Max Schwimmer studierte nach dem Ersten Weltkrieg 1919 Kunstgeschichte in Leipzig und unterrichtete später selbst dort an der Kunstgewerbeschule. Bald fand er Anschluss an die antibürgerliche Kabarett-Szene, die von Hans Reimann, Erich Weinert, Slang und Joachim Ringelnatz dominiert war. Er arbeitete für die Satirezeitschriften „Die Aktion“ und „Der Drache“. Mit Hilfe Johannes R. Bechers gelang es Schwimmer, sich in der linken Kunstszene zu etablieren. Nach der Machtergreifung wurde er 1933 sofort aus dem Lehramt entlassen und neun seiner Werke als „entartet“ deklariert und konfisziert.


8507

george segal

(1924 New York – 2000 New Brunswick)

8507* sleeping woman Gipsobjekt, montiert auf schwarzen Holzsockel, in Orig.Schaukasten. 1970. 45,5 x 31,3 x 26 cm. Auf der Unterseite auf Klebeetikett signiert „G. Segal“. Auflage 125 num. Ex. 1.000€

„Sleeping woman“ ist der mit Gipsbandagen abgeformte Abdruck einer friedlich schlafenden Frau, beschränkt auf Gesicht und Hand als wesentliche Ausdrucksträger, die auf einem angedeuteten Kis-

sen ruhen. Dieser prägnante Figurenausschnitt reicht dem Betrachter, um den reizvollen Halbkreisbogen der Gestalt gedanklich zu einem Gesamtbild der Ruhe und Harmonie zu ergänzen. Die Rückseite zeigt abstrakt die Hohlform, das Negativ, und besitzt im Wechselspiel mit der Vorderseite eine ganz eigene Qualität. Seit 1960/61 entstanden Segals Gipsabformungen von Menschen, die die menschliche Psyche in ihrer Einsamkeit und Gefangenheit materialisieren. Edition der Galerie der Spiegel, Köln, mit deren Klebeetikett auf der Unterseite, dort typographisch bezeichnet und mit den Editionsangaben. Prachtvolles Exemplar im repräsentativen Schaukasten. 285


renée sintenis

(1888 Glatz – 1965 Berlin)

8508 Zwei spielende Hunde Bronze mit grünlicher Patina. 1937. 10,2 x 15,5 x 6,2 cm Auf der unteren Bauchseite des linken Hundes monogrammiert „RS“ sowie mit dem Gießerstempel „H.Noack Berlin“. Buhlmann 104, Berger/Ladwig 158. 14.000€

Wild und ausgelassen tollen die beiden jungen Hunde herum. Die Köpfe mit der Schnauze himmelwärts gerichtet, springen sie sich so übermütig an, dass sich ihre Vorderpfoten in der Luft ineinander verhaken. Hunde hat Renée Sintenis immer wieder gerne zum Motiv ihrer Kleinbronzen gewählt, jedoch stellte sie zumeist einen einzelnen Terrier in verschiedenen Posen dar: im Sitzen, auf den Hinterbeinen, beim Schlafen, im Liegen, beim Bellen und auch beim

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Spielen (vgl. u.a. Berger/Ladwig/ Wenzel-Lent Nr. 71, 88, 96-99, 110, 118). Im Jahr 1928 entstanden die meisten Hundebronzen. Unserer Arbeit am ähnlichsten ist allerdings der „Junge Hund“ von 1934, der erwartungsvoll nach oben schaut. Schöner Guss mit lebendiger Patina, die Hundeköpfe, Ohren und Hinterbeine sind sehr schön plastisch modelliert.


renée sintenis

8509 Pferdejunge Bronze mit goldbrauner Patina auf Bronzeplinthe. 1934. 17,2 x 13,5 x 4,3 cm. Hinten rechts auf der Plinthe monogrammiert „RS“, an der Hinterkante mit dem Gießerstempel „H. Noack Berlin Friedenau“. Buhlmann 69, Berger/Ladwig 147. 15.000€

Die früheste von Sintenis‘ Bronzen zum Thema des reitenden Knaben: Lässig und selbstverständlich sitzt der nackte Junge mit herabhängenden Beinen auf dem Pony. Im Ausdruck ganz anders als der im selben Jahr geschaffene „Junge Reiter I“, hält sich der Junge hier mit der rechten Hand an der Mähne fest und stützt die linke Hand auf die Kruppe des Tieres. Das Pony hingegen stemmt seine beiden Vorderhufe fest und bockig in den Boden. Weil aber die Harmonie zwischen beiden groß ist, wirkt ihr Miteinander eher spielerisch als kämpferisch. Die Liebe der Künstlerin zu Pferden ist in der meisterhaften Umsetzung der Bronze deutlich spürbar. Die Oberfläche ist lebendig durchgestaltet, die Patina effektvoll differenziert. Buhlmann waren lediglich zwei Exemplare der Bronze bekannt. Prachtvoller Guss mit schön schimmernder Patina. Provenienz: Privatbesitz Berlin Ausstellung: Städtisches Museum Mühlheim/Ruhr 1962 Haus am Waldsee, Berlin 1958

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8510

franz skarbina (1849–1910, Berlin)

8510 Zwei Schulmädchen Graphitstift, teils gewischt, auf Velin. 1903. 34,7 x 24,5 cm. Unten rechts mit Graphit signiert „F. Skarbina“ und datiert. 2.500€

288

Mit großer Hingabe und Detailfreude widmet sich Skarbina in seinen beiden charmanten Skizzen zu Schulmädchen ihrer Kleidung. Der Hut der kleinen Dame im Vordergrund rechts sticht durch eine raffiniert gebundene Schleife hervor, im stolzen Profil wiedergegeben ist sich die Trägerin ihres adretten Äußeren bewusst. Skarbina entlarvt sich als Modezeichner, doch die Haltung der beiden Mädchen zeugt von seiner genauen Beobachtungsgabe für Alltägliches. Literatur: Franz Skarbina. Ausst.-Kat. Bröhan Museum, Berlin 1995, S. 106 (mit Abb.)


8511

max slevogt

(1868 Landshut – 1932 Neukastell)

8511 Radierplatte „Akt und Faun“ Runde Goldplatte. 1921/22. Durchmesser 7,8 cm. Im Unterrand signiert „Slevogt“ und gewidmet „s. l. Grünberg“. 1.500€

Im Rondell umarmen sich ein kniender Frauenakt und der Faun, die locker gezeichnete Komposition schön in die Rundform eingepasst. Die goldene Platte wiegt 15 g. Die Radierung entstand als Versuchs-

druck der SPOG-Presse. Der Zahnarzt und Sammler Josef Grünberg, enger Freund Slevogts, gehörte neben Slevogt, Pankok und Orlik zur Künstlervereinigung SPOG. Für Grünberg malte Slevogt unter anderem auch einen Gartenpavillon aus. Beigegeben: Die entsprechende Radierung „Akt und Faun“ sowie eine weitere Radierung des Künstlers, „Exlibris Josef Grünberg“ (Versuchsdruck). Provenienz: Geschenk von Nina Slevogt-Lehmann, der Tochter des Künstlers, an den Vorbesitzer, Neukastel 1985 289


8512

8512

8512

siegward sprotte

(1913 Potsdam – 2004 Kampen/Sylt)

8512 „Sylter Impressionen“ Drei Tempera-Arbeiten auf Hartfaserplatte. 1979. Je ca. 8,1 x 10 cm. Unten links bzw. rechts mit Pinsel in Schwarz jeweils signiert „Sprotte“ und datiert. 1.500€

Der in Potsdam geborene Maler und Dichter Siegward Sprotte blieb der Insel Sylt Zeit seines Lebens sehr verbunden. Ab 1945 verbrachte er die Hälfte des Jahres in Kampen, wo er auch sein Atelier und

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seine Ausstellungsräume hatte. Unsere en miniature gemalten „Sylter Impressionen“ geben verschiedene Stimmungen wie Sonnenuntergänge am Bodden oder sommerliche Landansichten mit kleinem Hof wieder. Die charakteristische Vegetation, wie spezielle Grassorten am Ufer, spielt bei den kleinen Arbeiten auch eine große Rolle. In den kleinen Ölarbeiten kommt Sprottes Naturverbundenheit zum Ausdruck sowie seine Nähe zu dem Werk von Karl Hagemeister, dessen Meisterschüler er war. Provenienz: 1979 erworben in der Galerie Sprotte, Kampen/Sylt seitdem Privatsammlung Süddeutschland


8513

siegward sprotte

8513 „Sylt“ Gouache auf Schoellershammer-Aquarellpapier. 1979. 43 x 61,5 cm. Unten links mit Pinsel in Ocker signiert „S Sprotte“ und datiert. 1.800€

Die enge Verbundenheit Sprottes mit der Insel Sylt ist in vorliegendem Aquarell spürbar. In leuchtenden Farben und mit wenigen Strichen fängt der Künstler die Atmosphäre an der Küste unmittelbar ein. Unsere Arbeit erinnert in ihrer Reduzierung an chinesische Tuschemalerei oder Kalligraphie. Sprotte setzte sich auch schriftstellerisch mit der fernöstlichen Philosophie auseinander. 1956 begegnete er erstmals Jiddu Krishnamurti. Provenienz: 1979 erworben in der Galerie Sprotte, Kampen/Sylt seitdem Privatsammlung Süddeutschland 291


8514

k. r. h. sonderborg

(d.i. Kurt Hoffmann, 1923 Sonderborg – 2008 Hamburg)

8514 Ohne Titel Pinsel und Feder in Schwarz auf leicht genarbtem Velin, punktuell montiert auf Unterlagekarton. 1965. 36,9 x 27 cm. Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „Sonderborg“, datiert und bezeichnet „NY“. 800€

Beiliegend mit handschriftlichem, signierten und datierten Brief von K.R.H. Sonderborg an einen vorherigen Besitzer.

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8515

walter stöhrer

(1937 Stuttgart – 2000 Scholderup bei Schleswig)

8515 Ohne Titel Mischtechnik auf Schoellershammer-Karton. 1967. 62 x 88 cm Unten rechts mit Kugelschreiber signiert „Stöhrer“ und datiert. Verso mit Bleistift und mit Kugelschreiber bezeichnet, mit Adressangabe des Künstlers sowie mit Richtungspfeil. 7.000€

Wunderbar kraftvolle und energetische Arbeit, in der Walter Stöhrer den für ihn so charakteristischen Weg zwischen Figuration

und Abstraktion geht. Der Einfluss der CoBrA-Künstler, die sich mit ihrer abstrakten, kindlich-naiven Kunst bereits gegen jede gesellschaftliche, akademische Norm gewandt hatten, ist deutlich spürbar. Die spontane, in diesem Fall fast aggressive gestische Malweise steht weiterhin einer informellen Kunst nahe, die sich in Europa zeitgleich ausbreitet. Obwohl Walter Stöhrer als Einzelposition gelten kann und keiner der sich formierenden Gruppen zuzuordnen ist, so ist sein Werk doch deutlich verankert in dieser künstlerischen Umbruchstimmung seiner Zeit. Die Arbeit wurde in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Arbeiten auf Papier, der Walter-Stöhrer-Stiftung, Schleswig, mit der Nummer „P67-3“ aufgenommen. 293


8516

keith sonnier

(1941 Mamou – 2020 New York)

8516 Halo Lichtinstallation: Neonröhren, Transformator, Kabel. 2002. 58,4 x 34,5 x 36,5 cm. Mit beiliegendem Photozertifikat des Künstlers (in Kopie), darauf in Schwarz signiert „Keith Sonnier“ und datiert. Auflage 10 Ex. 2.000€

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Keith Sonnier zählte mit Bruce Naumann, Dan Flavin, Eva Hesse und James Turrell zu den ProtagonistInnen der Installationskunst. Bereits in den 1960er Jahren stellte Sonnier den herkömmlichen Skultpturenbegriff in Frage, indem er mit, für die damalige Zeit, neuen Kunstmaterialien experimientierte. Sonnier begann, unter anderem, mit Neon(-licht) zu arbeiten, was sich schnell zu seinem Hauptmedium entwickelte und sich durch sein komplettes Œuvre zog. Durch die Verwendung unterschiedlich farbiger Neonlichter war es möglich, bunte Farblinien in den dreidimensionalen Raum zu zeichnen und die Malerei in den dreidimensionalen Raum zu übertragen und zu erweitern. Der Titel der Installation „Halo“, zu deutsch „Heiligenschein“, bezieht sich auf die in Weiß gehaltene runde mittige Neonröhre.


8517

nicolas de stael

(1914 St. Petersburg – 1955 Antibes)

8517 „Mediterranée“ Farbserigraphie auf Velin. 1952. 36,3 x 46,7 cm (50 x 65 cm). Signiert „Nicolas de Stael“, datiert und betitelt. Auflage 200 num. Ex. 2.400€

Prachtvoller, malerische Werte umsetzender Druck mit breitem Rand. 295


8518

théophile alexandre steinlen (1859 Lausanne – 1923 Paris)

8518 Ménangère et enfants rentrant de lavoir Vernis mou mit Farbaquatinta auf Arches-Velin. 1899. 35,8 x 26,8 cm (44 x 30,5 cm). Monogrammiert „St“ und bezeichnet „Essai“. Crauzat 33. 1.500€

Probedruck, neben der numerierten Auflage von 50 Exemplaren, von denen lediglich 10 in den Handel gelangten. Rechts unten mit dem Prägestempel „L‘Estampe Nouvelle“. Ausgezeichneter Druck mit Rand. Selten.

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8519

8519 Sitzender Mann im Profil mit Kleinkind auf dem Schoß Kohle auf MBM-Bütten. Um 1900. 62,3 x 47,7 cm. Unten rechts mit Kohle signiert „Steinlen“. 1.800€

Der aus der Schweiz stammende Maler, Zeichner und Graphiker Théophile Steinlen war ein talentierter Plakatkünstler und zudem ein bissiger Gesellschaftskritiker, der in seinen Illustrationen für satirische Zeitschriften, wie den Gil Blas Illustré, den „Assiette au Beurre“ oder „Le Rire“ soziale Missstände und die Doppelmoral der Bourgeoisie geisselte. Seine Darstellungen aus dem Arbeitermilieu und der Pariser Halbwelt zeigen Proletarier, Stadtstreicher, Kleinkriminelle und Dirnen. Die vorliegende, großformatige Zeichnung vermittelt ein anschauliches Bild von Steinlens zeichnerischen Fähigkeiten. In einem energischen, breiten und souveränen Duk-

tus zeichnet der Künstler den schlichten Mann aus dem Volk. Sein Stoppelbart und seine Schiffermütze charakterisieren ihn eindeutig als ein Mitglied der Arbeiterklasse. Auf visuell eindringliche Weise zeigt Steinlen die Würde des einfachen, arbeitenden Menschen. Es ist daher kein Zufall, dass dieses eindrucksvolle Blatt stark an die zeitgleichen Arbeiten der Käthe Kollwitz erinnert. Kollwitz und gleichgesinnte Künstler ihrer Zeit kannten die sozialkritischen Arbeiten von französischen Künstlern wie Steinlen und Forain und wurden in ihrem eigenen Schaffen wesentlich von diesen Vorbildern beeinflusst. 297


herbert strässer

(1930 Lebach – 2005 Bücken)

8520 Petite Africaine Bronze mit goldbrauner Patina auf Mahagonisockel. 1955. 31,7 x 9,6 x 6 cm. Seitlich unten links monogrammiert „H. ST.“ und datiert. 8.000€

Üppigkeit und Kanten, weiche Rundungen und metallene Härte, vereint in einer klaren, anmutig-schlanken Komposition, lassen das Bild einer stehenden grazilen Schönheit erwachsen. Das mag eine Afrikanerin sein, kann aber ebenso Assoziationen an ein insektenhaftes Wesen, vielleicht an eine Gottesanbeterin, erwecken. Ihre Proportionen sind rhythmisiert, sie scheinen zum Teil nach oben, zum Teil nach unten verschoben, sind aber in ihrer Ausformung bei aller Abstraktion immer eindeutig zuzuordnen. Die „Petite Africaine“ gewinnt durch dezente Anklänge an die Stammeskunst einen ganz eigenen, ungewöhnlichen und würdevollen Ausdruck. Die geglättete weiche Oberfläche lädt zum Berühren ein und lässt die goldbraune Patina sanft leuchten. Im Jahr 1955, dem Entstehungsjahr dieser frühen Bronze, begann Herbert Strässer nach seiner Beschäftigung mit der experimentellen Fotografie bei Otto Steinert die ersten plastischen Arbeiten zu formen. Prachtvoller Guss mit schön schimmernder, homogener Patina. Gesamthöhe mit Sockel: 38,7 cm.

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herbert strässer

8521 Kleiner Jongleur Bronze mit goldbrauner Patina, auf Mahagoniplinthe montiert. 1957. 28,5 x 12 x 14 cm. Verso unten monogrammiert „H. ST.“ und datiert. 8.000€

Wunderbar allansichtige Skulptur aus Strässers kubistischem Frühwerk. Die ausgefeilte Balance und die Bewegungsdynamik des Jongleurs erfasst der Künstler in einer Art Simultandarstellung, indem er nämlich die Figur auf gleich drei spannungsvoll angewinkelten Beinen, ruhend auf einer kreisrunden Basis, stehen lässt. Diese dreieckige Grundform findet ihren Gegenpart weiter oben, nämlich in den drei Bällen und drei Händen des Jongleurs. Präzise

und konzentriert erfasst Strässer das Wesentliche an der charakteristischen Bewegtheit der Figur. Klare Abstraktion vereint sich mit einer an der menschlichen Gestalt orientierten Formgebung. Die glatte, weiche Oberfläche mit ihrem Wechsel zwischen weich geschwungenen Kugelformen und den harten, geraden Kanten fordert zum Drehen und zum Berühren auf. „Er hat die Skulptur des Kubismus als Leitlinie der Offenbarung für die Zukunft angesehen. Auch bei scheinbar zu reinen ‚Zeichen‘ reduzierten Formen lässt er sich zunächst von der Natur, der menschlichen Figur (...) leiten.“ (Wolfgang Kermer, Herbert Strässer, Ausst.-Kat. Saarbrücken 1968, o. S.). Strässers Lehrer an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken, Hannes Neuner, war ein Schüler Willi Baumeisters. Prachtvoller Guss mit schön schimmernder, homogener Patina.

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herbert strässer

8522 Kopf im Gitter Bronze mit schwarzbrauner Patina auf runder Holz­ plinthe. 1975. 72,5 x 34 x 32 cm. Hinten links monogrammiert „HST“ und datiert. 24.000€

Die Motivreihe der „Köpfe“ stellt die umfangreichste Gruppe im Spätwerk Herbert Strässers dar. Die Einschließung in Gitterstrukturen variiert er dabei vielfältig. Einerseits mögen die Gitter den Kopf schützen vor den Gefahren des Lebens, andererseits können sie den Menschen auch einschränken und einsperren. In streng spiegelsymmetrischer Anordnung formt der Künstler sein Kopfgebilde, und er lässt das Gitter nach vorne hin offen, lässt den Kopf ins Freie blicken und den Betrachter in das der Skulptur innewohnende Gesicht schauen. Dessen schmale, langgezogene Gesichtszüge erinnern an das Profil Echnatons und assoziieren eine Nähe zu den archaischen Ausdrucksformen afrikanischer Bildhauerkunst, die Strässer zeitlebens inspirierte. Die rhythmisch angeordnete organische Komposition mit den an Gelenke erinnernden Gitterstäben wirkt, als hätte sie sich HR Giger für Ridley Scotts Alien-Filme erdacht oder vielmehr, als hätte Strässer hier Gigers Gestaltungen vorweggenommen und in einer brillianten Abstraktion umgesetzt. Der „Kopf im Gitter“ ist eine der ausdrucksstärksten surrealistischen Skulpturen von Herbert Strässer. Prachtvoller Guss mit wunderbar homogener Patina.

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8523, recto

8523, verso

horst strempel

(1904 Beuthen – 1975 Berlin)

8523 Halbakt Öl auf Spanplatte, recto und verso. 1938. 62 x 45 cm. Rechts oben in der Darstellung mit Pinsel in Schwarz signiert „STREMPEL“ und datiert, verso abermals signiert „H. Strempel“ und datiert. Saure 101 und 102. 2.400€

Auf Grundelemente und -farben reduziert, bildet Strempel in pastosem Farbauftrag den weiblichen Halbakt ab. Kubistisch inspiriert, das Schwarz und Weiß bzw. Rot und Gelb miteinander kontrastierend, die Augen leer, die Mundwinkel zum spielerischen Lächeln angehoben. Die weibliche Bildfigur erscheint maskenhaft, als entführe sie hinter ihrem Lächeln in eine noch zauberhafte, verlockende Welt, ein Paris zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, das von

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den deutschen Truppen noch nicht besetzt ist. Strempel selbst kommt 1933 über Amsterdam nach Paris, sein französisches Exil, wo er bis Kriegsende bleibt. Sozialkritische und klassenkämpferische Sujets verschwinden aus seiner Malerei, avantgardistische künstlerische Strömungen, gekoppelt mit neutraleren Bildgegenständen, finden Eingang in sein Werk. Besonders häufig dient ihm seine Frau Erna als Bildmotiv. Es ist die Zuwendung zum intimeren Sujet, das zum Ausdruck der inneren Zurückgezogenheit des Künstlers im Exil wird. So ist auch auf unserer Bildrückseite eine Mutter mit Kind auf dem Arm, an einem Balkon stehend, in stark abstrahierter Form dargestellt. Ein Motiv, das Strempel längere Zeit beschäftigte, etwa in dem unserem nur ein Jahr vorangegangenen Bild „Mutter mit Kind auf einem Balkon“ (Saure 672).


8524

horst strempel

8524 Schreibende Öl auf Hartfaserplatte. 1965. 51,5 x 39,5 cm. Links unten in der Darstellung mit Pinsel in Weiß signiert „H. Strempel“ und datiert. Saure 573. 1.500€

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8525

frits thaulow

(1847 Oslo – 1906 Volendam)

8525 Abend in Audenarde Radierung und Farbaquatinta auf Arches-Bütten. Um 1905. 56,7 x 45 cm (68,4 x 53,2 cm). Signiert „Frits Thaulow“, bezeichnet „Épreuve d‘états“ und gewidmet „à mon ami Balistruri“. 2.000€

Links unten mit dem Blindstempel des Herausgebers „Georges Petit.Paris.Éditeur“ (Lugt 2022). Ausgezeichneter Druck mit Rand.

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8526

georg tappert (1880–1957, Berlin)

8526 Salomé (Stehender weiblicher Akt im Profil) Bleistift, farbige Kreiden, Aquarell und Goldbronze auf Velin, in farbiges Passepartout montiert. 1906. 17,3 x 8,4 cm (Passepartoutausschnitt). Oben rechts mit Bleistift monogrammiert „T“ und auf dem Passepartout unten rechts mit Bleistift signiert „G. Tappert“, verso auf beimontiertem Karton bezeichnet „Georg Tappert Worpswede 06, Nr. III Salome, Zeichnung für eine Lithographie“. 1.000€

Unbekleidet, nur mit schwarzen Pantoffeln und schwarzen Armreifen, steht sie vor goldenem Hintergrund, Hände und Gesicht erwartungsvoll angehoben. Tappert karikiert in dieser frühen

Zeichnung mit seiner Figur der Salomé wohl die Schauspielerin Tilla Durieux in ihrer Rolle in der Tragödie von Oscar Wilde, die Max Reinhardt 1904/05 in Berlin inszenierte. Durieux erlebte mit dieser Rolle ihren Durchbruch am Theater. Durch die Begegnung mit Paul Cassirer wurde ihr zu dieser Zeit die emotionale und intellektuelle Distanz zu ihrem Ehemann Eugen Spiro bewusst. Sie trennte sich bald darauf von Spiro und heiratete 1910 Cassirer. In den Zwanziger Jahren wurde sie die gefragteste Schauspielerin der Weimarer Republik und wurde von vielen namhaften Künstlern wie Lovis Corinth, Emil Orlik, Franz von Stuck, Oskar Kokoschka, Auguste Renoir, Emil Nolde und anderen portraitiert. Beigegeben: Ein Holzschnitt des Künstlers, „Exlibris Georg Tappert“, 1903.

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8527

fred thieler

(1916 Königsberg – 1999 Berlin)

8527 Abstrakte Komposition Mischtechnik auf Velin. 1979. 99,1 x 69,5 cm. Unten rechts mit Faserschreiber in Schwarz signiert „F. Thieler“ und datiert. 2.500€

Seit den 1950er Jahren nimmt Thieler die Leinwand von der Staffelei, legt sie flach auf den Boden und gießt, tropft, spritzt die Farbe darauf. Zufällig, spontan, energisch entstehen seine Farb-Arrange-

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ments, die Malerei ist sein Experimentierfeld. Seine Vorliebe gilt neben dem Rot vor allem der Farbe Blau, die er oft mit Schwarz und/oder Weiß differenziert kontrastiert. „Malen bedeutet für mich, die Erfahrungsanalogien und -differenzen zu registrieren und ein Erzeugnis zur Entstehung zu bringen, das aus dem Malprozess entlassen für den Betrachter wie für den Maler selbst sich als Reflexion menschlichen Daseinserlebnisses darstellt und anbietet. So erscheint mir `Malen’ ein Prozeß, dessen Wesensgehalt forschendes Tun ist forschendes Tun als Ergebnis offener Analysen.“ (Fred Thieler, zit. nach schlichtenmaier.de, 9.3.2021).


8528

heinz trökes

(1913 Hamborn – 1997 Berlin)

8528 „Nach dem Karneval“ Öl auf Leinwand. 1954. 66 x 74 cm. Unten rechts mit Pinsel in Hellblau signiert „Trökes“ und datiert, verso erneut signiert „Heinz Trökes“, betitelt, datiert „5.III.54“ und bezeichnet „SAN ANTONIO iBiZA BALEARES“. 3.000€

Kurze Zeit nach Trökes‘ Aufenthalt in Paris siedelte der Maler im Jahr 1952 zusammen mit seiner Frau Renée nach Ibiza über. Während seiner Zeit auf der Baleareninsel entstanden zahlreiche, zunehmend abstrakter werdende Gemälde, darunter auch diese Arbeit von 1954. Im Vergleich zu Trökes surrealistischen Anfängen und den durchaus noch Bezüge zum Gegenständlichen aufweisenden Arbeiten seiner Pariser Zeit, dominiert in der dunkelrot eingerahmten Karnevalsszenerie des gebürtigen Rheinländers nun ganz deutlich die abstrakte Farbfläche und Linie die Komposition - Trökes Stilvielfalt tritt hier sehr schön zu Tage. 307


8529

hann trier

(1915 Düsseldorf–Kaiserswerth – 1999 Castiglione della Pescaia)

8529 Ohne Titel (Abstrakte Komposition) Monotypie und Aquarell auf leicht strukturiertem Velin. 1947. 54,4 x 78 cm. Unten rechts mit Pinsel in Dunkelgrau monogrammiert „hT“ (ligiert) und datiert. 1.800€

Eine frühe Monotypie des Künstlers, die einer gewissen Bildsprache Juan Gris‘ folgt. Darüber hinaus steht das Thema der Bewegung im Vordergrund: Einerseits lässt sich dies durch die Formen-

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sprache erkennen, andererseits impliziert bereits der Herstellungsprozess der Monotypie, bei der feuchte Farbe auf die Platte aufgetragen und danach auf das Papier gepresst wird, Bewegung. 1947, im Enstehungsjahr der Arbeit, bildete sich um Hann Trier der Künstlerkreis Gruppe 47, später Alfterer-Gruppe und Donnerstagsgesellschaft, bei der sich Künstler im Rahmen von Diskussionen, Ausstellungen und Vorträgen austauschten. Literatur: Zellermayer Galerie Berlin, Hann Trier. Aquarelle 1947-1994, Berlin 2010, S. 46 (ganzs. Abb. S. 12)


8530

hann trier

8530 Ohne Titel Aquarell auf BFK Rives-Velin. 1982. 50,3 x 65,4 cm. Unten rechts mit Pinsel in Grau signiert „HTrier“ (ligiert) und datiert. 2.400€

Pionier, Maler des Informel, Teilnehmer der Documenta und Direktor der Hochschule für Bildende Künste West-Berlin (UdK) - so lässt sich die Bedeutung und Präsenz des Malers Hann Trier in der deutschen Nachkriegsmoderne zusammenfassen. In seinem

breiten abstrakten Œuvre nimmt das Aquarell eine besondere Position ein. Dabei stand für ihn das Erforschen der Linie und insbesondere der Farbe stets im Vordergrund. Das Zerlaufen und Ineinanderfließen der Wasserfarbe - die Bewegung - suggerieren Leichtigkeit und bildnerische Eleganz. Die vorliegende Arbeit steht exemplarisch dafür. Literatur: Zellermayer Galerie Berlin, Hann Trier. Aquarelle 1947-1994, Berlin 2010, S. 46 (ganzs. Abb. S. 46) 309


günther uecker

(1930 Wendorf/Mecklenburg, lebt in Düsseldorf und St. Gallen)

8531 Welle Prägedruck und Lithographie in Blau auf leichtem Karton. 1965. 50 x 50 cm. Signiert „Uecker“ und datiert. Auflage 75 Ex. 1.200€

Früher Prägedruck des Künstlers. Uecker kombiniert farbige Lithographie und wellenförmig angeordnete Nagelabdrücke. Die Lithographie erschien in unterschiedlichen Farbgebungen. Prachtvoller Druck der formatfüllenden Darstellung.

8531

8532 Wind Prägedruck auf Bütten. 1989. 20,5 x 17,5 cm (27 x 21,3 cm). Signiert „Uecker“, datiert und gewidmet. 1.200€

8532 310

Außerhalb der Auflage von 150 numerierten Exemplaren. Prachtvoller und kräftiger Druck mit Rand, an zwei Seiten mit dem Schöpfrand.


8533

hans uhlmann (1900–1975, Berlin)

8533 Ohne Titel Kohle und Kreide in Schwarz auf Schoellershammer-Velin. 1960. 61,5 x 86,7 cm. Unten links mit Bleistift (schwach leserlich) signiert „Uhlmann“ und datiert, verso bezeichnet „Nr. 31“. Thiele 905. 6.000€

Schwarze Keile und präzise umrissene weiße Flächen schieben sich ineinander, bilden Verschachtelungen und machen zugleich auch die angrenzende Leere sichtbar. Mit meisterlich eingesetzter Vehemenz setzt die großformatige Kreidezeichnung Spannungsfelder ins Bild. Um 1960 hat Uhlmann alle figürlichen und gegenständlichen Zusammenhänge hinter sich gelassen, und so erzeugen gerade schwarze Linien und geometrische Flächen ein Spiel mit Positivnegativ-Effekten und suggerieren mit pfeilähnlicher Bewegung innere Energien und Geschwindigkeit. Die technisch-konstruktiv

wirkende Komposition offenbart vielfältige Spannungsverhältnisse als Ausdruck einer abstrakten Gestaltungsenergie. Uhlmann studierte erst Maschinenbau, dann Bildhauerei, und lehrte 1926-33 an der Technischen Universität in Berlin. In dieser Zeit entstanden erste geometrische Köpfe, die er 1930 in der Galerie Fritz Gurlitt in Berlin ausstellte. 1933 wurde er bei einer anti­ faschistischen Flugblattaktion festgenommen, bis 1935 in BerlinTegel inhaftiert. Seine Werke wurden als „entartet“ eingestuft und aus den Museen entfernt. Nach seiner Freilassung schuf Uhlmann konstruktive Metallplastiken und stellte sie 1945 in der Galerie Gerd Rosen aus. 1950 wurde er von der Hochschule der Künste Berlin zum Professor für Bildhauerei berufen. Viele seiner geometrischen Figurationen befinden sich heute im öffentlichen Raum. Provenienz: Galerie Günther Franke, München Mr. Bareiss, USA Villa Grisebach, Berlin, Auktion 14, Los 413, 2.6.1990 311


lesser ury

(1861 Birnbaum – 1931 Berlin)

8534 Märkische Seenlandschaft Pastell auf Malpappe. 1889. 51 x 35,3 cm. Unten links mit Kreide in Schwarz signiert „L. Ury“ und datiert. 10.000€

Im Märkischen Umland findet Lesser Ury in der stillen Natur zahlreiche Motive für seine Pastelle. Besonders beschäftigten ihn die Luft- und Lichtspiegelungen sowie die unterschiedlichen Stimmungen zu verschiedenen Tageszeiten. „Ury stellte nämlich 1893 auch seine märkischen und holsteinischen Pastelle aus. Sie zeigen die dritte Epoche seines Schaffens und bringen wieder Neuland. Er hatte das Thema Berlin (seine zweite Epoche) verlassen, war aus dem Dampf und Dunst der Großstadt hinausgepilgert in die Mark und hatte ihr Schönheiten entlockt, wie sie bis dahin kein anderer finden konnte. Und aus der Umgebung Berlins, die er, der geborene Kolorist, in die Glut seiner Farben tauchte, wanderte er nach Holstein“ (Adolph Donath, Lesser Ury. Seine Stellung in der Modernen Deutschen Malerei, Berlin 1921, S. 22). In den hell erleuchteten Herbsthimmel ragt die Spitze einer Birke, dahinter ein einsamer märkischer See. Dieser spiegelt in stiller Harmonie den wolkigen graublauen Himmel, das andere Seeufer am Horizont dient als Spiegelachse. Durch ein zartes Verwischen der Pastellkreiden bilden sich sanfte Übergänge zwischen den verschiedenen Tönen, womit Ury eine sehr weiche, atmosphärische Stimmung erzielt. Die Authentizität der Arbeit wurde von Frau Dr. Sibylle Groß im Jahr 2011 bestätigt.

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lesser ury

8535 Grunewaldsee Pastell auf fester Malpappe. Um 1922. 48,4 x 34,2 cm. Unten links mit gelber Pastellkreide signiert „L. Ury.“ 15.000€

Lesser Ury wurde 1861 in der Stadt Birnbaum, heute dem polnischen Miêdzychód, in Posen als Sohn eines jüdischen Bäckermeisters geboren. Die malerische Landschaft der Gegend zwischen Warthe und dem Küchensee ist geprägt von zahlreichen kleinen Seen, weshalb es auch „Land der 100 Seen“ genannt wird. Bereits 1873 kam Ury nach Berlin. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wanderten jüdische Familien aus Posen zunehmend in die größeren deutschen Städte ab. Urys künstlerische Ausbildung begann jedoch zunächst an der Düsseldorfer Kunstakademie in den Jahren 1878/79. An der Académie Royale des Beaux-Arts in Brüssel studierte er dann unter JeanFrancois Portaels, in Paris unter Léon Bonnat und Jules Joseph Lefèbvre. Ury setzte sich von Anfang an mit der Landschaftsmalerei, vor allem den symbolistischen Strömungen in Frankreich und Italien, auseinander. Durch seine Reisen in den 1890er Jahren war er mit den Kunsttendenzen seiner Zeit bestens vertraut. Seit 1887 war er wieder in Berlin und beschäftigte sich ausführlich mit den reizvollen Landschaften in und um Berlin. Ury suchte die Natur, vor allem atmosphärische Phänomene sowie der Wechsel der Tageszeiten faszinierten ihn. Der leise Übergang von Tag zu Dämmerung, der in unserem Pastell ein magisches Licht erzeugt, ist ein charakteristisches Beispiel seiner Landschaftsdarstellungen. Der Mond ist als Sichel am bereits hellroséfarbenen Himmel über dem Grunewald zu sehen. Er spiegelt sich im Wasser des Sees wider, der am Ufer von Schilf dicht bedeckt ist. Die Bäume im linken Bildrand sind nur noch als dunkle Silhouette zu erkennen. Die Farben unseres Pastells fächern sich bei genauerem Hinsehen in mannigfaltigen Schichten auf: Sie changieren von Schwarz zu Schwarzgrün, Dunkelblau zu Königsblau, bis hin zu unendlich vielen Schattierungen von Grün. Das intensiv leuchtende, satte Blau in der Kompositionsmitte übt eine tiefe Sogwirkung auf den Betrachter aus.

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In der fließenden Auflösung der Formen in Farben finden sich die symbolistischen Anklänge von Urys Landschaften, die Stimmungslandschaften sind: „Das ist das magische an Urys Landschaft, dass wir in ihr die Seele der Landschaft wiederfinden.“ (Adolph Donath, Lesser Ury: Seine Stellung in der modernen deutschen Malerei, Berlin 1921, S. 31). Vorrangig ging es dem Künstler sicherlich um das Einfangen einer spezifischen Landschaft und ihrer magischen Atmosphäre, doch mit dem Motiv der Seelandschaft verbindet sich weitaus mehr: Es kommt einem Erinnerungsbild seiner Wurzeln, seiner Kindheit in Posen gleich und dient ihm als Gegenpol zur pulsierenden Metropole Berlins, von der er ebenfalls zahlreiche und begehrte Straßenbilder angefertigt hat. Meisterlich bedient Ury sich der Möglichkeiten des Pastells, das in seiner Dichte der Farben und den zugleich verwischenden Effekten ein seelisches Empfinden des Künstlers treffsicher wiedergeben kann. Ury war ein Einzelgänger. Seine Zeitgenossen Liebermann, Corinth und Slevogt standen im künstlerischen sowie privaten Kontakt, doch Ury galt als der Einsame und Schwierige, obgleich er ebenfalls zu den bedeutendsten Protagonisten des Impressionismus in Deutschland zählte. 1921 wurde er Ehrenmitglied der Berliner Secession, die zu seinem 60. Geburtstag sogar eine Einzelausstellung veranstaltete. Das vorhandene Pastell wurde von Frau Dr. Sibylle Groß bestätigt und wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis aufgenommen. Provenienz: 1922 direkt vom Künstler erworben seitdem Privatbesitz Deutschland


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lesser ury

8536 Berliner Droschke - rechts - wartend im Tiergarten Kaltnadel auf Bütten. Um 1920. 22,1 x 15,5 cm (36,6 x 26,5 cm). Signiert „Lesser Ury“. Auflage 150 num. Ex. Rosenbach 45. 1.800€

Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand.

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lesser ury

8537 Rauchender Zeitungsleser im Profil Radierung auf Velin. 1920. 15 x 11,8 cm (35,5 x 25,5 cm). Signiert „L. Ury“ und bezeichnet „Probedruck“. Rosenbach 83. 1.500€

Die seltene Radierung in einem prachtvollen, gratigen und mit atmosphärischem Plattenton ausgestatteten Probedruck mit breitem Rand.

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8538 Leipzigerstraße im Regen Radierung auf Velin. Um 1920. 11,7 x 8,2 cm (20,9 x 14,7 cm). Signiert „L. Ury“. Auflage 30 Ex. Rosenbach 55. 900€

Blatt der Werkgruppe III - Berliner Straßenszenen, verlegt bei Fritz Gurlitt, Berlin. Ganz hervorragender, klarer und differenzierter Druck mit leicht mitdruckender Facette, mit Rand.

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wolf vostell

(1932 Leverkusen – 1998 Berlin)

8539 Helikopter Siebdruck auf festem Schoellershammer-Velin. 1967. 102 x 72,5 cm. Signiert „Vostell“ und datiert. Auflage 10 num. Ex. Vomm 1967:2. 1.600€

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Ausgangspunkt der Graphik war ein Pressefoto, das Vostell der Frankfurter Allgemeinen Zeitung entnommen hatte und das einen amerikanischen Kampfhubschrauber und Soldaten in Vietnam zeigte. Die Druckfarbe wurde vom Künstler bei allen zehn Exemplaren unterschiedlich mit der Hand verwischt, so dass das Blatt einen Unikatcharakter erhält. Erschienen im Verlag der Edition Tangente, Heidelberg. Prachtvoller Druck der formatfüllenden Komposition. Selten. Beigegeben: Ein weiterer Siebdruck von Wolf Vostell, „Labor zur Erforschung akustischer und visueller Ereignisse“ (1968, nicht bei Vomm). Das Labor wurde anlässlich der Kölner Kunstmesse 1968 von Wolf Vostell und Maurizio Kagel initiiert.


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wolf vostell

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8540 „Corysande de Gramont“ Mischtechnik mit Collage aus Zinn und Kunststoff auf schwerem handgeschöpften Bütten, wohl im Künstlerrahmen. 1991. Ca. 51 x 70,7 cm Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „VOSTELL“, datiert und auf der Rahmenrückseite nochmals signiert, datiert sowie betitelt und gewidmet.

8541 „Françoise de Châteaubriand“ und „Madame de Montespan“ 2 Mischtechniken mit Collage aus Zinn und Kunststoff auf schwerem handgeschöpften Bütten.1991. Je ca. 36 x 26 cm. Beide unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Vostell“, datiert und verso auf einem Galerieetikett betitelt und bezeichnet.

Wolf Vostell wurde durch seinen Kunstbegriff und die Technik der Décollage bekannt. Dabei bildete die Verfremdung, Umformung oder Übermalung von Objekten und Materialien das Zentrum seiner Arbeitsweise. Ausgehend vom Titel des Kunstwerks, abstrahiert Vostell hier eine weibliche Darstellung und überarbeitet sie mit Kunststoff- und Metallmasse.

Wolf Vostell zählt zu den Mitbegründern der Fluxus-Bewegung, den Pionieren des Happenings und den Wegbereitern der Videound Installationskunst. Darüber hinaus war er als Maler und Skulpteur bekannt - zwei Medien, die er in den vorliegenden Arbeiten, die in seine spätere Schaffensphase fallen, kombiniert. Schemenhaft sind Beine zu erkennen, die auf einen weiblichen Akt hindeuten könnten. Die Technik der Collage verleiht den Arbeiten wunderbare Plastizität.

1.500€

1.500€

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8542

kurt weinhold

(1896 Berlin – 1965 Calw)

8542 Studie zu „Lustmord“ Bleistift auf Skizzenpapier. Nach 1922. 44,5 x 59,5 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Kurt Weinhold“ und mit der Ortsbezeichnung „Calw“. 1.000€

Ganz im Sinne der Neuen Sachlichkeit widmet Weinhold seine Studie dem Thema Verbrechen. Ein Gemälde dieses Titels von dem Künstler ist nicht nachweisbar. 1922 zog Kurt Weinhold nach Calw, wo er Freundschaft mit Rudolf Schlichter schloss. Zu dieser Zeit muss wohl unsere Zeichnung entstanden sein. Angesichts der

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sozialen Not nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wandten sich viele Künstler einem neuen Realismus der Neuen Sachlichkeit zu, ihr Blick auf die Wirklichkeit der Weimarer Republik war nüchtern, sachlich, analytisch und möglichst ungetrübt von Emotionen. Ihre Sujets entnahmen sie den Themenkreisen von Leiden und Tristesse in der Großstadt, dem Milieu der Arbeiter, der Prostitution, Halbwelt, der Gefangenschaft, der Psychiatrie und des Verbrechens. Als sozialkritischer Vertreter der Neuen Sachlichkeit, also als Verist, zeigt sich Weinhold mit dieser sicher, mit bestimmter, fester Linienführung umgesetzten Zeichnung.


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helmut wellschmidt

(1930 Teschen – 2015 Nürnberg)

8543 Ohne Titel Öl auf Leinwand. 100 x 90 cm. 2.500€

Im Zentrum von Wellschmidts Œuvre steht stets der Mensch. Themen, wie Geburt und Tod, Vergänglichkeit und Zukunft bilden in dieser Hinsicht einen Schwerpunkt in seinen figurativen Arbeiten. Im vorliegenden Gemälde ist dies insbesondere durch die Symbolträchtigkeit klar ersichtlich. Ein Harlekin blickt dem Betrachter entgegen, zu seinen Füßen sind ein Totenkopf und eine Gitarre platziert, die in der Kunstgeschichte für Vanitas stehen. Der kleine Affe kann als Symbol von Intelligenz, Hinterlist aber auch Weis-

heit gelesen werden. Wie in allen Gemälden Wellschmidts soll eine genaue Interpretation der Arbeit dem Betrachter dennoch subjektiv überlassen sein und zum Nachdenken anregen. Verso mit dem Stempel des Künstlernachlasses. Provenienz: Nachlass Helmut Wellschmidt 321


8544

albert wigand

(1890 Ziegenhain/Hessen – 1978 Leipzig)

8544 Sedanfassade mit Bar und Hotel Öl auf Karton, auf Holzplatte kaschiert. 1950/60er Jahre. 30 x 23,8 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Wigand“. 6.000€

Ab 1916 tritt Wigand seinen Sanitätsdienst in Sedan/Nordfrankreich an. Es entstehen Feder- und Pinselzeichnungen mit Tusche und Wasserfarben, Blätter mit Häuserfassaden in Sedan. Sie bilden kompositorisch das Repertoire, aus dem Wigand ab 1945 sein experimentelles, malerisches Schaffen schöpft. Die Häuserfassa-

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den von Sedan entstanden überwiegend in den 1950er und 60er Jahren. „Die neuen Arbeiten sind Erinnerungen des Malers an seine Zeit in Sedan als Krankenpfleger im ersten Weltkrieg. Sie sind aber nur äußeres Gerüst für die Kombination der Stadt aus Häuserfronten, Schriften, Plakate, Heimisches, Hiesiges tritt hinzu, fast abstraktiv, Ausdruck der Phantasie, dennoch gegenständlich.“ (siehe Bernd Heise, Roland März, Albert Wigand. Ausst.-Kat. Leonhardi-Museum Dresden, Dresden 2008, S. 249-50). Eine schriftliche Authentifizierung von Prof. Ivo Mohrmann, Dresden von 03.03.2008 liegt vor.


albert wigand

8545 Materialbild Collage. Wellpappe, farbiger Karton, Sand, Pigmente und Öl auf Hartfaserplatte. 1961. 32,5 x 20 cm. Unten links in der Darstellung mit Feder in Blau (unleserlich) signiert, mittig datiert und oben unleserlich bezeichnet, verso von Ursula Grüß-Wigand signiert und bezeichnet „Nachlaß Albert Wigand“. 1.800€

Aufgerauht und mit Sand vermischt ist die schwarze Farbe, darüber die geometrischen Formen der Wellpapperechtecke und dazu leicht glänzendes buntes Papier in Blau und Weiß: Die dick aufgetragene, teigige Farbe lässt reliefartige Unebenheiten auf der Oberfläche entstehen, und die verschiedensten Oberflächen, gewellt, gefurcht und glatt, glänzend und stumpf-körnig ergeben nebenund übereinander angeordnet eine räumliche Wirkung, der schwarze Untergrund verleiht der Komposition einen schwebenden Charakter. „Wie in seiner Malerei ging es auch hier Schicht auf Schicht mit verschiedenen Materialien, immer vom Grunde herauf. Am Ende stand ein dichtes Ganzes aus glatten und rauen, harten und weichen, durchscheinenden und undurchlässigen Papieren und anderen Stoffen, in der Komposition auf den prägnanten Punkt gebracht“ (Roland März, in: Albert Wigand, Ausst.-Kat. LeonhardiMuseum Dresden 2008, S. 154).

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8546 „Abendliche Häuser“ Holzschnitt auf Japan. 1920. 17,5 x 20,5 cm (23,8 x 29,8 cm). Signiert „Wigand“, datiert und betitelt. 600€

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Ganz ausgezeichneter Druck mit breitem, teils unregelmäßigen Rand. Selten. 323


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heinz willig

(1933 Gelsenkirchen, lebt in Berlin)

8547 Anja 2 Bronze mit goldbrauner Patina. 2001/02. 22 x 67 x 28 cm. Unter dem Becken signiert „H. WILLIG“ und datiert sowie mit dem Gießerstempel „Guss Strehle“. Auflage 12 num. Ex. Willig 176. 2.800€

Die Entspanntheit der jungen Frau überträgt sich direkt auf den Betrachter, zugleich aber auch ihre Ausstrahlung von Aufmerksamkeit und In-Sich-Ruhen. Es ist eine komfortable Haltung, die die schöne junge Anja einnimmt: Mit ausgestreckten Beinen liegt sie seitlich auf der linken Hüfte. Die junge Frau stützt sich mit beiden Unterarmen auf dem Boden ab, lässt das Gewicht aber auf dem linken Ellbogen lasten. Sie hebt den Oberkörper weit empor und dreht ihn um 90 Grad, so dass sie gerade in Richtung ihrer Füße blicken kann. Der Blick des Modells bildet eine waagerechte Achse, parallel zur Waagerechten des gestreckten Beins, und der Hals formt mit dem Kopf zusammen eine Senkrechte. Die rechten Winkel der Arme spielen ebenfalls mit diesen beiden Grundrichtungen. Weich geschwungene Körperkonturen fügen diesem komplexen Gefüge der Kompositionslinien elegante Rundungen hinzu. Diese souveräne Konstruktion verleiht der Skulptur ihre ausgepräg-

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te Allansichtigkeit. Die Oberflächengestaltung - lebendig, ausdrucksstark und ein wenig rau - verwandelt auf die Bronze fallendes Licht in ein zartes, weiches Schimmern. Die Skulptur ist für den Bildhauer „der Versuch, Augenblick und Dauer zu verbinden.“ (zit. nach: Heinz Willig, Skulpturen und Zeichnungen 2008-2018, Berlin 2019, S. 7). Heinz Willig schuf bereits 1949 erste plastische Arbeiten. 1951 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, überwiegend in der Klasse für Bildhauerei bei Ludwig Gabriel Schrieber. Prachtvoller Guss, hergestellt bei Otto Strehle, Winhöring. Literatur: Heinz Willig. Skulpturen und Zeichnungen 2008-2018, Berlin 2019, Abb. S. 121


8548

gustav wunderwald (1882 Köln – 1945 Berlin)

8548 Fabrikgebäude Kohle und Pastell auf leichtem genarbten Velinkarton. Um 1925. 47,8 x 64 cm. 2.000€

Verso eine signierte Gouache von Gustav Wunderwald, Frau auf Felsen am Meer. „Wunderwalds einzigartige künstlerische Leistung besteht in der Werkphase der Berlin-Landschaften der Jahre 1925-30, Bilder, die beim Erscheinen des Westheim-Aufsatzes im Januar 1927 zum größten Teil bereits existierten.“ (Hildegard Reinhardt, in: Gustav Wunderwald, Gemälde - Handzeichnungen Bühnenbilder, Berlinische Galerie und Städtische Galerie Albstadt, 1982/83, S. 54). Unsere großformatige, dezent farbige Zeichnung, ist ein exemplarisches Beispiel für diese Schaffensphase. 325


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zhang xiaogang (1958 Kunming, China)

8549* Landscape (aus: The Storyteller´s Enchantments) Farblithographie auf Velin, montiert auf Doppelblatt Velin, dort verso mit gedrucktem Text. 2008. 78,3 x 102,3 cm (79,5 x 119,5 cm; Doppelblatt: 80 x120 cm). Unleserlich signiert und mit dem Prägestempel des Künstlers. Auflage 130 num. Ex. 2.000€

Prachtvoller Druck mit breitem Rand, an zwei Seiten mit dem Schöpfrand. Verso unterhalb des Textes vermutlich vom Autor in chinesisch signiert.

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gesamtregister moderne kunst Lose 7000-7488 Moderne Kunst Teil II finden Sie online Lose 8000-8114 Eine Berliner Privatsammlung. Auktion zugunsten der neuhland – Hilfe in Krisen gGmbH Lose 8200-8549 Moderne Kunst Teil I A Adochi, Heinz 7000-7001 Agam, Yaacov 7002 Albéniz, Laura 8014 Albers, Josef 7003 Albert, Hermann 7004-7005 Albert-Lasard, Lou 7006, 8064, 8200-8202 Alechinsky, Pierre 7007 Alt, Otmar 7008 Andersen, Cilius 7009 Anger, Herbert 7010 Antes, Horst 7011 Antoine, Otto 7012, 8005 Archipenko, Alexander 7013 Arp, Hans 7014-7015 Ascher, Fritz 7016-7017 Ausleger, Rudolf 8015-8017 B Bach, Elvira 7018 Bachmann, Hermann 8099 Baerwind, Rudolf 7019 Balden, Theodor 7020 Baluschek, Hans 7021 Bargheer, Eduard 7022-7025 Barlach, Ernst 7026, 8205-8206 Baselitz, Georg 8203 Bauknecht, Philipp 7027 Baum, Paul 8207 Baumeister, Willi 8208-8211 Beckmann, Max 8212-8217 Bellmer, Hans 7028-7029 Berg, Freek van den 8088 Berges, Werner 7030-7031 Berke, Hubert 8218 Berndt, Siegfried 8043 Betzler, Emil 7032 Beuys, Joseph 7033, 7034, 8219 Beyer, Otto 8012 Binder, Josef Friedrich Gustav 8011 Bindl, Andreas 7035 Birkle, Albert 8072, 8220-8221 Birksö, Carl 7036 Bissier, Jules 8108 Bissier, Julius 8222 Bjørn, Christian Aleth 7037 Blais, Jean Charles 8223 Bohrdt, Hans 7038 Bolin, Gustave 8103 Bonato, Victor 7039-7041 Bonfanti, Arturo 7042-7043 Born, Adolf 7044

Bouten, Armand 7045-7046, 8225 Brandenburg, Marc 8224 Braque, Georges 7047, 8226 Braumüller, Philipp Georg 7048 Brauntuch, Troy 8227-8228 Breker, Arno 7049 Brignoni, Serge 7050 Brodwolf, Jürgen 7051 Broodthaers, Marcel 7052 Brüning, Max 7053 Brüning, Peter 7054, 8229 Brunner, Adolf 7055 Bruycker, Jules de 7056 Buchheister, Carl 7057 Budtz Møller, Carl 7058 Buffet, Bernard 7059 Bullock, Leonard 7060 Busman, Louis 8110 Bussewitz, Erwin 7061 C Calder, Alexander 8230 Calderara, Antonio 8231-8232 Campigli, Massimo 7062 Carer, Peter 7063 Cattelan, Maurizio 8233 Chadwick, Lynn Russell 8234 Chagall, Marc 8235-8239 Chiesa, Pietro 8240 Chillida, Eduardo 8241-8242 Chirico, Giorgio de 7064, 82438244 Clarenbach, Max 8080 Clerici, Fabrizio 7065 Compton, Eduard Theodore 7066-7067 Connelly, Chuck 8245 Corinth, Lovis 7068-7073, 82468249 Cremer, Fritz 7074 Croissant, Michael 7075 D Dalí, Salvador 7076-7078 Darboven, Hanne 7079 Degner, Arthur 8078 Denis, Maurice 7080 Dezaunay, Émile-Alfred 7081 Diehn-Bitt, Kate 7082 Dielmann, Emil 8030 Dienz, Hermann 7083-7084 Dill, Otto 8028

Discher, Fritz 8250 Dix, Otto 8251-8255 Doig, Peter 8256 Dokoupil, Jirí Georg 8257 Dorazio, Piero 8258 Dornseif, Frank 8259-8260 Drewes, Werner 8020 Droese, Felix 8261-8262 Dücker-Zahn, Martha 7085 Dumas, Marlene 7086-7087 E Eberl, Frantisek Zdenek 8062 Ebersbach, Hartwig 7088 Ebersbach, Wolfram 7089 Eglau, Otto 7090 Ehmsen, Heinrich 8066 Ehrhardt, Curt 8050-8051 Eichhorn, Maria 7091 Eisenhut, Max 8038 Elsas, John 7092-7093 Erbach, Alois 7094-7095 Erdt, Hans Rudi 8010 Erler, Georg 7096 Ernst, Max 7097-7098, 82638265 Eschke, Richard 7099 F Feininger, Lyonel 8266-8267 Feinstein, Pavel 7100, 8268-8269 Felixmüller, Conrad 7101, 8270 Fidus 8271-8273 Fietz, Gerhard 7102 Filliou, Robert 7103 Fingesten, Michel 7104 Fischl, Eric 7105 Förg, Günther 7106 Francis, Sam 8274-8276 Frank, Edvard 7107 Friedel, Lutz 8277 Friedlaender, Johnny 8278 Fritsch, Ernst 8029 Fruhtrunk, Günter 7108-7109 Fuchs, Ernst 7110-7113 Fuchs, Heinz 8054 Fuhr, Xaver 8091 Fußmann, Klaus 7114-7118, 8279 G Gayor, Tibor 7119 Geiger, Rupprecht 7120-7122, 8280-8281

Geiger, Willi 7123 Gekle, Peter Anton 7124 Gelder, Dirk van 7125 Gemmel, Lothar 7126 Georges, Claude 7127 Gerbig, Alexander 7128 Gerhardi, Ida 7129 Gering, Andreas 7130-7132 Gietz, Martin 7133 Gilles, Werner 7134, 8089, 8282 Girke, Raimund 8283 Girod, Charles 7135 Gironcoli, Bruno 8284 Glazunov, Ilya 7136 Gleizes, Albert 8285 Götz, Karl Otto 7137-7138 Goldschmidt, Hilde 8092 Goltzsche, Dieter 7139-7140 Golub, Leon 7141 Gonschior, Kuno 8286-8288 González, Julio 8289 Gotsch, Friedrich Karl 8075 Graham, Robert 7142 Gramatté, Walter 7143-7144 Graphik & Handzeichnungen 7145-7168 Greco, Emilio 7169 Greiner, Otto 7170-7171 Grieshaber, HAP 7172-7173 Gris, Juan 8290 Großmann, Rudolf 7174-7175, 8032 Grosz, George 7176-7181, 82918297 Grützke, Johannes 7182, 8107 G'Schrey, Paran 7183 Günther, Herta 7184 Guiette, René 7185 H Haase, Volkmar 7186 Haase-Jastrow, Kurt 8007 Hajas, Tibor 8298 Hajek-Halke, Heinz 7187 Hampel, Angela 7188-7189 Hampel, Sigmund Walter 7190 Hartig, Carl Christoph 7191 Hauth, Emil van 8082 Hazelwood, David 7192 Heckel, Erich 7193, 8299-8303 Heckrott, Wilhelm 8304 Hegenbarth, Josef 8305-8307 Heiliger, Bernhard 7194 327


Heldt, Werner 8308-8309 Hellesen, Thorvald 8018, 8310 Hengstler, Romuald 7195-7197 Herber, Richard 8071 Herkenrath, Peter 8097-8098 Herrmann, Hans 7198 Hertzer, Else 7199-7201 Heynen-Dumont, Karl 7202 Hirst, Damien 8312-8313 Hitzler, Franz 7203-7207, 8311 Höckelmann, Antonius 7208 Hoehme, Gerhard 8314-8316 Hoffmann, Arnulf 7209 Hofmann, Ludwig von 72107211, 8002 Holmead 8317-8318 Honermann, Hermann 8061 Honigberger, Ernst 8073 Hrdlicka, Alfred 7212, 8106 Hubbuch, Karl 7213-7214, 83198321 Hundertwasser, Friedensreich 8322-8327 Hüther, Julius 8046 Huth, Willy Robert 8052 Hutter, Schang 7215 Huyghe, Pierre 8328

Koch, Walter 8347 Kock, Mac 8059 König, Leo von 8022 Kohl, Thomas 7240 Kohlhoff, Walter 7241 Kohlhoff, Wilhelm 8041 Kokoschka, Oskar 7242-7243 Kolár, Jirí 7244, 7245-7247 Kollwitz, Käthe 7248-7253, 8353-8370 Korch, Claus 8371 Krall, Carl 8019 Krauskopf, Bruno 8008, 8039, 8045, 8373-8374 Krayn, Hugo 7254 Kreidt, Fritz 8375-8376 Kretzschmar, Bernhard 8372 Kreutz, Heinz 7255 Kruger, Barbara 7256 Kubin, Alfred 7257-7258 Küchenmeister, Rainer 72597260, 8379 Küchler, Alfred G. 7261 Küpper, Will 8377-8378 Kuhfuss, Paul 7262 Kuhn, Hans 8102 Kunze, Michael 8380

IJ Immendorff, Jörg 8329 Jaenisch, Hans 7216, 8081 Janssen, Horst 7217-7218, 8330 Jawlensky, Alexej von 8331-8332 Jørgensen, Aksel 8334 Johan, Hugó 8333 Jones, Allen 8335-8336 Jorn, Asger 7219 Jüchser, Hans 7220 Jutz, Adolf 7221

L Larot, Dina 7263 Lauenstein, Paula 8381 Lausen, Uwe 8382 Lebasque, Henri 8003 Legrand, Mercédès 8013 Leiber, Otto 7264 Leistikow, Walter 7265 Lenk, Franz 8383-8384 Lepke, Gerda 8385-8386 Levav, Ruven 7266 Levin, Julo 8065 Levy, Rudolf 8069 LeWitt, Sol 8390 Lhote, André 7267 Libert, Betzy Marie Petrea 72687269 Libuda, Walter 7270, 8387 Liebermann, Max 7271-7274 Liessner-Blomberg, Elena 7275 Lohse-Wächtler, Elfriede 8388 Long, Richard 7276 Longo, Robert 8389 Lorenz, Karl 7277 Loriot (Vicco von Bülow) 8109 Luckhardt-Freese, Hedja 7278 Lüpertz, Markus 8391-8392 Lundstrøm, Vilhelm 7279

Kallmann, Hans Jürgen 8085 Kampf, Eugen 8006 Kandinsky, Wassily 7222 Kasimir, Luigi 7223 Kasseböhmer, Axel 7224 Katzke, Günther 7225-7226 Kaufmann, Herbert 8337 Kaus, Max 7227-7230, 8338-8341 Kerg, Théo 7231 Kesting, Edmund 8096, 8101, 8342-8344 Kinder, Hans 8090, 8345-8346 Kirchner, Ernst Ludwig 83488351 Klapheck, Konrad 7232-7233 Klatt, Albert 8056 Klauke, Jürgen 7234-7235 Klinger, Max 7236 Kluge, Kurt 8352 Knoebel, Imi 7237-7238 Knüpfer, Benes 7239

328

M Madsen, Juel Christian 7280 Magritte, René 8393 Maillol, Aristide 7281, 8394

Makarov, Nikolai 8395 Mangold, Robert 7282 Manzù, Giacomo 7283 Mappenwerke 7284-7285, 8396 Marc, Franz 8397 Marcel-Lenoir 7286 Marcks, Gerhard 7287-7290 Marwan 7291, 8399 Masereel, Frans 8398 Masjutin, Wassili Nikolajewitsch 8400 Mataré, Ewald 8401 Matisse, Henri 8402 Matschinsky, Martin 7292-7293 Matschinsky-Denninghoff, Brigitte 7294 Mattheuer, Wolfgang 84038404 Maurer, Dóra 8405-8408 Mavignier, Almir da Silva 72957296 Mayer, Martin 7297 Meckseper, Friedrich 7298-7299 Meid, Hans 7300-7302 Meidner, Ludwig 7303-7304, 8409 Melzer, Moriz 7305-7306 Mens, Isidore van 8057 Metzkes, Harald 7307 Meyboden, Hans 7308, 8079, 8087 Meyer, Heiner 7309 Meyer-Kassel, Hans 8053 Michaelson, Hans 8060 Mikl, Josef 8410 Minjun, Yue 8411 Miotte, Jean 7310 Miró, Joan 8412-8415 Mizú, Tetsuo 8416-8418 Moest, Josef 8419 Mogilewskij, Alexander Pawlowitsch 7311 Mohr, Arno 7312 Molzahn, Johannes 8420 Monogrammist JvD 7313 Mordstein, Karl Ludwig 8104 Morellet, François 7314 Morgner, Michael 8421-8424 Moser, Carl 7315 Muche, Georg 8425-8426 Mühlen, Hermann 8034 Mühlenhaupt, Kurt 7316-7320, 8427-8428 Müller, Richard 7321-7324 Münchnerisch 7325 Munch, Edvard 8429 Music, Zoran 8430 N Naumann, Hermann 7326 Navarro, Cayetano 8114

Nay, Ernst Wilhelm 8431 Nesch, Rolf 8432 Neumann, Max 7327-7331 Nicolas, Richard 7332 Nölken, Franz 7333 Nolde, Emil 8433-8434 Nyström, Helmtrud 7334 O Oehme, Erich 7335 Oldenburg, Claes 7336 Oppenheimer, Max 8435 Orlik, Emil 7337-7358, 8436-8452 Orlowsky, Käte (Kate) 8037 Osterwald, Georg 7359 Otterson, Heinz 7360 PQ Paeffgen, C. O. 7361 Palmeira, Silva 8105 Parkes, Michael 7362, 8453 Pechstein, Hermann Max 84548456 Peiffer-Watenphul, Max 73637370, 8035 Penck, A. R. 7371, 8457-8458 Peters, Herbert 8459 Peters, Udo 7372-7373 Pfahler, Georg Karl 7374 Pfeil, Georg 7375 Philipp, Martin Erich 7376 Picasso, Pablo 7377-7378, 84608466 Piene, Otto 7379-7382 Pins, Jacob 7383-7385 Piza, Arthur Luiz 8467 Poelzig, Hans 8468 Polke, Sigmar 7386-7387, 8469 Popea, Elena 8033 Prampolini, Enrico 7388 Prechtl, Michael Mathias 8470 Prem, Heimrad 7389 Princeteau, René 7390 Pu Quan (Songchuang) 73917392 Pudlich, Robert 8058 Purrmann, Hans 8068 Quinte, Lothar 7393 R Rabes, Max 7394-7395 Radziwill, Franz 8471-8472 Rainer, Arnulf 7396, 8473 Redon, Odilon 8474-8476 Reichardt, Kurt 7397 Reichel, Hans 8477 Renoir, Pierre-Auguste 7398 Richter, Hans Theo 7399 Richter, Heinrich 8100 Ringel, Franz 7400, 8478-8480 Robert, Charles 8074


Roeckenschuss, Christian 84818483 Roeder, Emy 8484 Rogy, George 8067 Roh, Franz 8485-8486 Rohde, Johan Gudmann 7401 Rops, Félicien 7402 Rosenthalis, Moshe 8036 Roth, Dieter 7403-7407, 8487 Rouault, Georges 8044 Rousseau, Victor 8488 S Sachal, Alexander 8093 Saito, Kiyoshi 7408 Sallberg, Harald 7409 Sammlung Benjamin Katz 8204 Sandback, Fred 8495 Sandig, Armin 7410 Schabbon, Florenz Robert 7411 Schad, Christian 7412, 8086 Schäuffelen, Konrad Scharl, Josef 8026, 8070 Balder 7413 Scheele, Kurt 8055 Schick, Grete 7414, 8489 Schiele, Egon 8000 Schirrmacher, Fritz 8049 Schleusner, Thea 8084 Schlichter, Rudolf 7415, 8024 Schlief, Heinrich 8027 Schmid, Wilhelm 7416 Schmidt-Kestner, Erich 7417 Schmidt-Rottluff, Karl 8491-8492 Schmit, Tomas 7418 Schnarrenberger, Wilhelm 8490 Scholz, Georg 8493-8494

Schoonhoven, Jan 8496 Schreib, Werner 7419 Schreiner, Hans 7420 Schrimpf, Georg 7421 Schröder-Sonnenstern, Friedrich 8498-8501 Schubert, Simon 8497 Schultze, Bernard 7422, 85028503 Schumacher, Emil 7423, 8504 Schumacher, Ernst 8083 Schwarz, Linda 7424 Schwimmer, Max 7425, 8048, 8506 Scully, Sean 8505 Seehaus, Paul Adolf 7426 Seewald, Richard 7427 Segal, George 8507 Seiwert, Franz Wilhelm 7428 Serebriakoff, Alexander Borisovich 7429 Sintenis, Renée 8508-8509 Skarbina, Franz 8510 Slevogt, Max 7430-7431, 8511 Sohn-Rethel, Alfred 8077 Sohn-Rethel, Carl Ernst (Karli) 8076 Sonderborg, K. R. H. 8514 Sonnier, Keith 8516 Sorge, Peter 7432 Spero, Nancy 7433 Sprotte, Siegward 8512-8513 Stael, Nicolas de 8517 Stangl, Reinhard 7434 Stankowski, Anton 7435 Steinlen, Théophile Alexandre 8518-8519

Stöhrer, Walter 7436, 8515 Störtenbecker, Nikolaus 7437 Strang, Peter 7438 Strässer, Herbert 8520-8522 Strempel, Horst 8523-8524 Struck, Hermann 7439-7441 Szymanski, Wlodzimierz 8111 T Tàpies, Antoni 7442 Tappert, Georg 7443, 8004, 8526 Templin, Bernhard 8042 Teyssier, Fernand 7444 Thaulow, Frits 8525 Thiele, Alexander 7445 Thieler, Fred 8527 Toulouse-Lautrec, Henri de 7446 Trier, Hann 8094, 8529-8530 Trökes, Heinz 7447, 8528 U Ubac, Raoul 7448 Uecker, Günther 7449, 8531-8532 Uhlig, Max 7450 Uhlmann, Hans 8533 Ulrichs, Timm 7451 Unbekannt 8021, 8095 Ury, Lesser 7452, 8534-8538 V Vallotton, Felix 7453 Vasarely, Victor 7454-7457 Vedova, Emilio 7458 Velde, Bram van 7459-7460 Vent, Hans 8113

Verschiedene Künstler 7461 Vlaminck, Maurice de 7462-7463 Voigt, Jorinde 7464 Vostell, Wolf 7465, 8539-8541 W Wandel, Renate 8112 Wauer, William 7466, 8009 Weber, A. Paul 7467-7471 Weidensdorfer, Claus 7472-7474 Weinhold, Kurt 7475-7476, 8542 Weiß, Emil Rudolf 8025 Wellschmidt, Helmut 8543 Welski, Alf 7477 Westphal, Conrad 8063 Wiegele, Franz 8047 Wigand, Albert 8544-8546 Willig, Heinz 8547 Willsons Show Printers 7478 Winter, Fritz 7479 Wittig, Werner 7480 Wolff, Else L. 8040 Wolff, Harald 7481 Wollheim, Gert Heinrich 74827483 Wrba, Georg 8001 Wülfing, Sulamith 7484 Wunderlich, Paul 7485 Wunderwald, Gustav 8023, 8548 XZ Xiaogang, Zhang 8549 Zeller, Eugen 7486 Zielke, Julius 7487 Zille, Heinrich 7488 Zimmermann, Mac 7489-7490 Zitzewitz, Augusta von 8031

329


Besitzer 1: 7094, 7095, 7174, 7187, 7222, 7274, 7275, 7286, 7303, 7412, 7466, 8361, 8436, 8437, 8438, 8447, 8452, 8471, 8472, 8511, 8526. 2: 7453, 8474, 8475, 8476. 3: 7114, 7115, 7116, 7118. 4: 8468. 5: 7056, 8265, 8317, 8398, 8465, 8466, 8540, 8541. 6: 7006. 7: 7439, 7440. 8: 7133, 7160. 9: 7441. 10: 7015, 7139, 7140, 7399, 7432, 7472, 7473, 7474, 8383, 8485, 8486. 11: 7026, 7080, 7081, 7110, 7179, 7180, 7181, 7304, 7378, 7388, 7402, 7415, 7462, 7463, 8226, 8236, 8237, 8238, 8239, 8244, 8248, 8290, 8297, 8348, 8393, 8462, 8464, 8518, 8525. 12: 7009, 7279, 7280, 7348, 7409. 13: 7130, 7131, 8543. 14: 8397. 15: 8220, 8318. 16: 7055, 7297. 17: 7484. 18: 7424, 8519. 19: 7430. 20: 8394. 21: 7428. 22: 8280, 8281, 8385, 8386, 8420, 8426. 23: 7028, 7029, 7030, 7031, 7065, 7107, 7217, 7218, 7231, 7255, 7295, 7361, 7379, 7380, 7381, 7382, 7404, 7406, 7442, 7454, 7455, 7457, 7485, 8274, 8275, 8276, 8322, 8323, 8324, 8412, 8467. 24: 8352. 25: 8515. 26: 7284, 7285. 27: 8314, 8315, 8435. 28: 8219, 8222, 8233, 8234, 8266, 8267, 8278, 8299, 8312, 8313, 8351, 8390, 8411, 8430, 8432, 8457, 8504, 8505, 8549. 29: 8217. 30: 7101, 7215, 7234, 7235, 7414, 8251, 8252, 8270, 8292, 8300, 8347, 8419, 8427, 8428, 8463, 8473, 8500, 8501. 31: 7092, 7093. 32: 7423. 33: 7288. 34: 7431. 35: 7050, 7054, 7185, 7219, 7242, 7287, 7435, 7449, 7486, 8257, 8539. 36: 8510. 37: 7257. 38: 7278, 7389. 39: 8481, 8482, 8483. 40: 7008, 7213, 7214, 7277, 8326, 8335, 8336. 41: 7061, 7111, 7112, 7113, 7125, 7241, 7313, 7390, 7475, 7476, 8320, 8321, 8381, 8384, 8388, 8542, 8548. 42: 7383, 7384, 7385. 43: 7169, 7418, 8488. 44: 8527. 45: 7013, 7062, 7377, 8402, 8531. 46: 8354. 47: 7036, 7268, 7269. 48: 8000, 8001, 8002, 8003, 8004, 8005, 8006, 8007, 8008, 8009, 8010, 8011, 8012, 8013, 8014, 8015, 8016, 8017, 8018, 8019, 8020, 8021, 8022, 8023, 8024, 8025, 8026, 8027, 8028, 8029, 8030, 8031, 8032, 8033, 8034, 8035, 8036, 8037, 8038, 8039, 8040, 8041, 8042, 8043, 8044, 8045, 8046, 8047, 8048, 8049, 8050, 8051, 8052, 8053, 8054, 8055, 8056, 8057, 8058, 8059, 8060, 8061, 8062, 8063, 8064, 8065, 8066, 8067, 8068, 8069, 8070, 8071, 8072, 8073, 8074, 8075, 8076, 8077, 8078, 8079, 8080, 8081, 8082, 8083, 8084, 8085, 8086, 8087, 8088, 8089, 8090, 8091, 8092, 8093, 8094, 8095, 8096, 8097, 8098, 8099, 8100, 8101, 8102, 8103, 8104, 8105, 8106, 8107, 8108, 8109, 8110, 8111, 8112, 8113, 8114. 49: 8520, 8521. 50: 7334, 7450, 7480. 51: 8484. 52: 8547. 53: 7091, 7208, 7465, 8218, 8223, 8259, 8260, 8392, 8502, 8503, 8529, 8530. 54: 8509. 55: 7003. 56: 7276. 57: 8461. 58: 8368. 59: 8205, 8206, 8295, 8304, 8372, 8377, 8378, 8429, 8434, 8537. 60: 8214, 8296. 61: 7066, 7067. 62: 7362, 8453. 63: 7198, 7359, 7373. 64: 8508. 65: 8229, 8287, 8288, 8496. 66: 7048, 7051, 7060, 7063, 7105, 7142, 7203, 7204, 7205, 7206, 7207, 7224, 7225, 7233, 7240, 7266, 7391, 7392, 7420, 7447, 8240, 8245, 8247, 8261, 8262, 8264, 8311, 8319, 8328, 8334, 8373, 8374, 8380, 8391, 8401. 67: 7012, 8309. 68: 7267. 69: 8396. 70: 7401, 7434. 71: 7227, 7228, 7229, 7230. 72: 7126. 73: 8200, 8201, 8202. 74: 8506. 75: 7183. 76: 7136, 7191, 7263, 7332, 7394, 8284, 8470, 8498, 8499, 8532. 77: 7161, 8360. 78: 7033, 7037. 79: 8371. 80: 7129, 7408, 8307. 81: 8213, 8215, 8341, 8460, 8528. 82: 7137, 7138, 7310, 8241. 83: 7325. 84: 7058, 8497. 85: 7044, 7135. 86: 8216, 8279, 8413. 87: 7244, 7245, 7246, 7247. 88: 8454. 89: 8305, 8306. 90: 7097, 7098, 8282, 8285. 91: 7264, 7397. 92: 7155. 93: 7157, 7159. 94: 7258, 8208, 8209, 8210, 8211, 8293, 8302, 8456. 95: 8243. 96: 7393, 8231, 8232, 8258, 8283. 97: 7100, 8268, 8269. 98: 8445. 99: 7237, 7238, 7374, 7448, 8256, 8389. 100: 7398, 7421, 7446, 7468, 8367. 101: 8286. 102: 8417, 8418. 103: 8254, 8255. 104: 7333, 7482, 7483. 105: 7068, 7069, 7070, 7071, 7272, 7273, 7357, 8249, 8443, 8444, 8448, 8449, 8450. 106: 7216. 107: 7202, 7335, 7438. 108: 8477. 109: 7400, 8478, 8479, 8480. 110: 7175. 111: 7481. 112: 7176, 7177, 7178. 113: 7119, 8298, 8405, 8406, 8407. 114: 7190, 7210, 7239, 7254, 7372, 8310, 8544, 8545. 115: 7016, 7017. 116: 7082, 7262, 7270, 7307, 7425, 8291, 8308, 8342, 8343, 8344, 8345, 8346, 8387, 8403, 8404, 8431, 8533, 8546. 117: 8535. 118: 7007, 7042, 7043, 7057, 7088, 7396, 7422, 7460, 8242, 8331, 8332, 8410. 119: 7014, 7296, 7413. 120: 7073, 7353, 7427. 121: 7076, 7077, 7186, 7316, 7317, 7318, 7319, 7320, 8235, 8325, 8415. 122: 7024, 7078, 7122, 7145, 7149, 7150, 7158, 7211, 7223, 7248, 7249, 7250, 7251, 7252, 7253, 7271, 7337, 7338, 7339, 7340, 7341, 7342, 7343, 7344, 7345, 7346, 7347, 7349, 7350, 7351, 7352, 7354, 7355, 7356, 7358, 7371, 7452, 7477, 8212, 8353, 8355, 8356, 8357, 8358, 8359, 8362, 8363, 8364, 8365, 8366, 8369, 8370, 8439, 8440, 8441, 8442, 8446, 8451. 123: 7021, 7053, 7074, 7096, 7104, 7124, 7148, 7151, 7153, 7163, 7164, 7165, 7166, 7170, 7171, 7184, 7188, 7189, 7220, 7236, 7312, 7315, 7323, 7324, 7376, 7444, 7488. 124: 7261, 7411, 7487. 125: 7035, 7075, 7108, 7120, 7232, 7281, 7375, 7405, 7464, 8224, 8227, 8228, 8301, 8459, 8516. 126: 8339. 127: 7221, 7291, 7293, 7395, 7443, 8338, 8399, 8490. 128: 7034, 7052, 7079, 7086, 7087, 7103, 7106, 7109, 7121, 7141, 7162, 7182, 7386, 7387, 7403, 7433, 8408, 8469. 129: 7490. 130: 7265. 131: 8294. 132: 7128, 7445, 7456, 8277. 133: 7083, 7084, 7199, 7200, 7201. 134: 8491. 135: 7022, 7023, 7025, 7064, 7243, 7283, 7289, 7290, 7363, 7364, 7365, 7366, 7367, 7368, 7369, 7370. 136: 7047, 7292, 7294, 8230. 137: 7018, 7478, 8327, 8329, 8458. 138: 8414. 139: 7099, 7117, 7146, 7147, 7152, 7308, 7309, 7336, 7360, 7451, 7458, 7459, 7461, 7479, 8534. 140: 7004, 7005, 7038. 141: 8221. 142: 8487. 143: 8416. 144: 7321, 7322, 7417. 145: 8507. 146: 8330. 147: 7429. 148: 7212. 149: 7000, 7001, 7327, 7328, 7329, 7330, 7331, 8421, 8422, 8423, 8424. 150: 8538. 151: 7011, 7089, 7436. 152: 7156. 153: 7173. 154: 8400. 155: 7002, 7127, 7192, 8250, 8512, 8513. 156: 7226, 8207, 8246, 8337, 8350, 8409, 8489, 8493, 8494. 157: 7085, 8203. 158: 7032, 7193, 7314, 8333, 8349, 8425, 8517. 159: 7123. 160: 7437, 7489, 8316, 8514. 161: 7132. 162: 7256, 7282, 7407, 8495. 163: 8204. 164: 7045, 7046, 8225. 165: 7172, 7194, 8303. 166: 7020, 7326, 8340. 167: 8492, 8536. 168: 8455. 169: 8395. 170: 8522. 171: 8375, 8376. 172: 7010, 7019, 7027, 7102, 7134, 7143, 7144, 7154, 7167, 7168, 7259, 7260, 7300, 7301, 7302, 7305, 7306, 7311, 7410, 7416, 7419, 7426, 8253, 8263, 8289, 8379, 8382, 8433. 173: 8271, 8272, 8273. 174: 7039, 7040, 7041, 7049, 7195, 7196, 7197. 175: 8523, 8524. 176: 7059, 7090, 7209, 7298, 7299. 177: 7467, 7469, 7470, 7471. 178: 7072.

330


lot 4255. will mcbride. "Brandmauer, near Bernauer Str., Berlin". 1956. Vintage ferrotyped gelatin silver print.

p h o t o g r a p h y a u c t i o n j u n e 1 6 , 2021

gallery & previews | Rankestr. 24, 10789 Berlin auctions | Erdener Straße 5a, 14193 Berlin

photoauktionen gbr


V ER ST EIGERU NG S - BEDI NGU NGEN 1. Die Galerie Gerda Bassenge KG, nachfolgend Versteigerer genannt, versteigert als Kommissionärin im eigenen Namen und für Rechnung ihrer Auftraggeber (Kommittenten), die unbenannt bleiben. Die Versteigerung ist freiwillig und öffentlich im Sinne des § 383 III BGB. 2. Der Versteigerer behält sich das Recht vor, Nummern des Kataloges zu vereinen, zu trennen, außerhalb der Reihenfolge anzubieten oder zurückzuziehen. 3. Sämtliche zur Versteigerung kommenden Gegenstände können vor der Ver­steigerung besichtigt und geprüft werden. Die Sachen sind gebraucht. Erhaltungszustände der einzelnen angebotenen Arbeiten bleiben im Katalog in der Regel unerwähnt. Die Katalogbeschreibungen sind keine Garantien im Rechtssinne und keine vertraglich vereinbarten Beschaffenheitsangaben. Gleiches gilt für individuell angeforderte Zustandsberichte. Sie bringen nur die subjektive Einschätzung des Versteigerers zum Ausdruck und dienen lediglich der unverbindlichen Orientierung. Alle Gegenstände werden in dem Erhaltungszustand veräußert, in dem sie sich bei Erteilung des Zuschlages befinden. Soweit nicht in der Katalogbeschreibung explizit erwähnt, sind Rahmungen nicht bindender Bestandteil des Angebots. Der Käufer kann den Versteigerer nicht wegen Sachmängeln in Anspruch nehmen, wenn dieser seine Sorgfaltspflichten erfüllt hat. Der Versteigerer verpflichtet sich jedoch, wegen rechtzeitig vorgetragener, begründeter Mängelrügen innerhalb der Verjährungsfrist von 12 Monaten ab dem Zeitpunkt des Zuschlags seine Ansprüche gegenüber dem Einlieferer (Auftraggeber) geltend zu machen. Im Falle erfolgreicher Inanspruchnahme des Einlieferers erstattet der Versteigerer dem Erwerber den Kaufpreis samt Aufgeld. Die Haftung des Versteigerers auf Schadensersatz für Vermögensschäden – gleich aus welchem Grund – ist ausgeschlossen, es sei denn, dem Versteigerer fiele Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit zur Last. Die Haftung bei Verletzung von Leben, Körper und Gesundheit bleibt unberührt. 4. Der Zuschlag erfolgt nach dreimaligem Aufruf an den Höchst­ bieten­den. Der Versteigerer kann den Zuschlag verweigern oder unter Vor­behalt erteilen. Wenn mehrere Personen dasselbe Gebot abgeben und nach dreimaligem Aufruf kein höheres Gebot erfolgt, entscheidet das Los. Der Versteigerer kann den Zuschlag zurücknehmen und die Sachen erneut ausbieten, wenn irrtümlich ein rechtzeitig abgegebenes höheres Gebot übersehen worden ist oder wenn der Höchst­bietende sein Gebot nicht gelten lassen will oder sonst Zweifel über den Zuschlag bestehen. 5. Im Falle eines schriftlichen Gebotes beauftragt der Interessent den Versteigerer für ihn während der Versteigerung Gebote abzugeben. In schriftlichen Aufträgen ist bei Differenzen zwischen Nummer und Kennwort das Kennwort maßgebend. 6. Telefonische Gebote und Online-Direkt-Gebote über das Internet bedürfen der vorherigen Anmeldung beim Versteigerer und dessen Zustimmung. Für die Bearbeitung übernimmt der

Versteigerer jedoch keine Gewähr. Telefonische und OnlineGebote werden nur akzeptiert, wenn der Bieter bereit ist, den ihm zuvor mitgeteilten Mindestpreis des jeweiligen Loses zu bieten. Auch bei Nichtzustandekommen einer Verbindung gilt, dass für den Auktionator dieses Gebot in Höhe des Mindestpreises verbindlich ist. Für das Zustandekommen einer entsprechenden Telefon- oder Onlineverbindung übernimmt der Versteigerer keine Gewähr. Das Widerrufs- und Rückgaberecht bei Fernabsatzverträgen findet auf solche Gebote keine Anwendung (§ 312d Abs. 4 Nr. 5 BGB). 7. Mit der Erteilung des Zuschlages geht die Gefahr für nicht zu vertretende Verluste und Beschädigung auf den Ersteigerer über. Das Eigentum an den ersteigerten Sachen geht erst mit vollstän­ digem Zahlungseingang an den Erwerber über. 8. Auf den Zuschlagspreis ist ein Aufgeld von 28% zu entrichten, in dem die Umsatzsteuer ohne separaten Ausweis enthalten ist (Differenzbesteuerung) oder ein Aufgeld von 23% auf den Zuschlag zzgl. der USt von z.Zt. 19% (Regelbesteuerung), bei Büchern beträgt die Umsatzsteuer 7% (Regelbesteuerung). Die im Katalog mit einem * gekennzeichneten Objekte unterliegen in jedem Fall der Regelbesteuerung (Aufgeld von 23% auf den Zuschlag zzgl. der USt von z.Zt. 19%). Bei den im Katalog mit einem ^ gekennzeichneten Objekten ist Einfuhrumsatzsteuer angefallen. In diesen Fällen wird zusätzlich zu einem Aufgeld von 25% (Differenzbesteuerung) die verauslagte Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von z.Zt. 7% auf den Zuschlag erhoben. Für bundesdeutsche Kunsthändler und Antiquare, die zum Vor­s teuer­abzug berechtigt sind, kann die Gesamt­rech­nung auf Wunsch, wie bisher nach der Regelbesteuerung ausgestellt werden. Von der Umsatzsteuer befreit sind Ausfuhrlieferungen in Dritt­ länder (außerhalb der EU) und – bei Angabe ihrer USt.-Identi­ fikations-Nr. bei Auftragserteilung als Nachweis der Berechtigung zum Bezug steuerfreier innergemeinschaftlicher Lieferungen – auch an Unternehmen in anderen EU-Mitgliedsstaaten, unter der Voraussetzung, dass sie für gewerblichen Gebrauch einkaufen. Eine Korrektur nach Rechnungsstellung ist nicht möglich. Alle anderen Käufe aus EU-Ländern unterliegen der Umsatzsteuer. Ausländischen Käufern außerhalb der Europäischen Union wird die Umsatzsteuer erstattet, wenn binnen 4 Wochen nach der Auktion der deutsche zollamtliche Ausfuhrnachweis und der zollamt­ liche Einfuhrnachweis des entsprechenden Importlandes erbracht werden. Bei Versand durch uns gilt der Ausfuhrnachweis als gegeben. Bei Online-Live-Geboten über externe Internetplattformen erhöht sich das Aufgeld um die dort anfallende Transaktions­gebühr. Wäh­rend oder unmittelbar nach der Auktion ausgestellte Rech­ nun­­gen bedür­fen einer beson­de­ren Nachprüfung und eventueller Berichtigung; Irrtum vor­behalten. 9. Die Auslieferung der ersteigerten Stücke erfolgt in unseren Ge­ schäftsräumen gegen Bezahlung. Kreditkarten (Mastercard, VISA, American Express), Schecks sowie andere unbare Zahlungen werden nur erfüllungshalber angenommen. Bankspesen/


Transaktionsge­bühren bzw. Kursverluste können zu Lasten des Käufers gehen. Die Auf­ bewahrung erfolgt auf Rechnung und Gefahr des Käufers. Der Versand wird gegen Vorabrechnung des Rechnungsbetrages ausgeführt. Die Versandspesen sowie die Kosten für Versicherung gegen Verlust und Beschä­digung gehen zu Lasten des Käufers. Übersteigen die tatsäch­lichen Versandkosten die vorab berechnete Pauschale, so wird die Differenz dem Käufer nachträglich in Rechnung gestellt. 10. Bei der Ausfuhr von Kulturgütern aus dem Gemeinschaftsgebiet der EG ist gem. der EG-Verordnung Nr. 116/2009 abhängig von Kategorie und Wert des Objekts ggf. eine Ausfuhrgenehmigung erforderlich. Aus Gründen des Artenschutzes können Objekte aus bestimmten, geschützten Materialien (u.a. Elfenbein, Schildpatt, Perlmutt und einige Korallenarten) besonderen Im- und Export­beschränkungen unterliegen. Zum Zwecke des Exports (insbesondere außerhalb der Europäischen Union) kann hierfür eine spezielle Ausfuhrgenehmigung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 338/97 erforderlich sein. Entsprechende Ausfuhrgenehmigungen können nur unter strengen Bedingungen erteilt und ggf. auch gar nicht erlangt werden, auch kann der Import dieser Gegenstände in manche Staaten ein­geschränkt oder untersagt sein. Der Käufer ist selbst dafür verantwortlich, sich über etwaige Im- und Exportbeschränkungen zu informieren. Export und Import entsprechender Objekte erfolgen allein auf Rechnung und Gefahr des Käufers. 11. Der Zuschlag verpflichtet zur Abnahme. Der Kaufpreis ist mit dem Zuschlag fällig. Der Versteigerer ist berechtigt, falls nicht innerhalb von zwei Wochen nach der Versteigerung Zahlung geleistet ist, den durch den Zuschlag zustande gekommenen Kaufvertrag ohne weitere Fristsetzung zu annullieren, Verzugszinsen in banküblicher Höhe – mindestens jedoch 1 % auf den Bruttopreis je angebrochenen Monat – zu berechnen und von dem Ersteigerer

wegen Nichterfüllung Schadenersatz zu verlangen. Der Schadenersatz kann in diesem Falle auch so berechnet werden, dass die Sache in einer neuen Auktion nochmals versteigert wird und der säumige Käufer für einen Minder­erlös gegenüber der vorangegangenen Versteigerung einschließlich der Gebühren des Auktionshauses aufzukommen hat. Zu einem Gebot wird er nicht zugelassen, auf einen etwaigen Mehrerlös hat er keinen Anspruch. 12. Erfüllungsort und Gerichtsstand im vollkaufmännischen Verkehr ist Berlin. Es gilt ausschließlich deutsches Recht. Das UNAbkommen über Verträge des internationalen Warenkaufs (CISG) findet keine Anwendung. 13. Die im Katalog aufgeführten Preise sind Schätzpreise, keine Limite. 14. Der Nachverkauf ist Teil der Versteigerung, bei der der Interessent entweder telefonisch oder schriftlich (im Sinne der Ziffern 5 und 6) den Auftrag zur Gebotsabgabe mit einem bestimmten Betrag erteilt. 15. Die Abgabe eines Gebotes in jeglicher Form bedeutet die Anerkennung dieser Versteigerungsbedingungen. Der Versteigerer nimmt Gebote nur aufgrund der vorstehenden Versteigerungs­ bedingungen entgegen und erteilt dementsprechend Zuschläge. Kommissionäre haften für die Käufe ihrer Auftraggeber. 16. Sollte eine der vorstehenden Bestimmungen ganz oder teilweise unwirksam sein, so bleibt die Gültigkeit der übrigen davon unberührt. David Bassenge Geschäftsführer Stand: Mai 2021


CON DI T IONS OF SA L E 1. The Galerie Gerda Bassenge KG, subsequently called “the auctioneer” carries on business as commission-agent in its own name on behalf of its voluntary con­signors. This auction sale is a public one in the sense of § 383 III BGB. 2. The auctioneer reserves the right to combine, to split, to change or to withdraw lots before the actual final sale. 3. All objects put up for auction can be viewed and examined prior to the sale at the times made known in the catalogue. The items are used and sold as is. As long as not explicitly mentioned in the catalogue description, framing is not an inherent part of the offer. As a rule, the condition of the individual work is not given in the catalogue. Catalogue descriptions are made with as much care as possible, but the descriptions do not fall under the statutory paragraph for guaranteed legal characteristics. The same applies for individually requested condition reports. These also offer no legal guarantee and only represent the subjective assessment of the auctioneer while serv­ing as a non-binding orientation. The liability for damage to life, body or health shall remain unaffected. In case of a justified claim, however, he will accept the responsibility to make a claim for restitution on behalf of the buyer against the consignor within a period of 12 months, running from the fall of the hammer. In the event of a successful claim the auctioneer will refund the hammerprice plus premium. 4. The highest bidder acknowledged by the auctioneer shall be deemed the buyer. In case of identical bids the buyer will be deter­ mined by drawing lots. In the event of a dispute the auctioneer has the absolute discretion to reoffer and resell the lot in dispute. He may also knock down lots conditionally. 5. In the case of a written bid the bidder commissions the auctioneer to place bids on his behalf during the auction. In cases where there is a discrepancy between number and title in a written bid the title shall prevail. 6. Telephone and direct online bidding via the internet must be approved in advance by the auctioneer. The auctioneer cannot be held liable for faulty connections or transmission failure. In such a case the bidder agrees to bid the reserve price of the corresponding lot. For such bidding the regulations of long distance contracts do not apply (Fernabsatzverträge) [cf § 312d IV,5 BGB]. 7. On the fall of the auctioneer’s hammer title to the offered lot will pass to the acknowledged bidder. The successful buyer is obliged to accept and pay for the lot. Ownership only passes to the buyer when full payment has been received. The buyer, however, immediately assumes all risks when the goods are knocked down to him.

8. A premium of 28% of the hammer price will be levied in which the VAT is included (marginal tax scheme) or a premium of 23% of the hammer price plus the VAT of 19% of the invoice sum will be levied [books: 7%] (regular tax scheme). Buyers from countries of the European Union are subject to German VAT. Items marked with an * are subject to the regular tax scheme (premium of 23% of the hammer price plus the current VAT of 19%). Items marked with an ^ are subject to import duty. In these cases in addition to a premium of 25% (marginal tax scheme), the charged import tax of currently 7% will be added to the hammer price. Exempted from these rules are only dealers from EU-countries, who are entitled, under their notification of their VAT ID-Number, to buy on the basis of VAT-free delivery within the European Union. Notification of VAT ID-Numbers must be given to the auctioneer before the sale. For buyers from non EU-countries a premium of 23% will be levied. VAT will be exempted or refunded on production of evidence of exportation within 4 weeks of the auction, or, if appropriate, importation to another country. This is taken as given when the dispatch is effected by us. Live bidding through external online platforms entails a transaction fee stipulated by the platform and will be added to the premium. Due to the work overload of the accounting department during auctions, invoices generated during or directly after an auction require careful revision and possible correction; errors excepted. 9. Auction lots will, without exception, only be handed over after pay­ment has been made. Credit cards (VISA, Mastercard, American Express), checks and any other form of non-cash payment are accepted only on account of performance. Exchange rate risk and bank charges may be applicable. Storage and dispatch are at the expense and risk of the buyer. If the shipping costs exceed the lump sum on the invoice the outstanding amount will be billed separately. 10. According to regulation (EC) No. 116/2009, an export license is necessary when exporting cultural goods out of European Community territory, depending on the type or value of the object in question. 
For the purposes of wildlife conservation, it is necessary to obtain an export license according to regulation (EC) No. 338/97 when exporting objects made from certain protected materials (incl. ivory, tortoiseshell, mother-of-pearl and certain corals) out of the territory of the European Community. Export licenses for objects made of protected materials are only granted under strict conditions or may not be granted at all. The import of such objects may be restricted or prohibited by certain countries. It is the buyer’s responsibility to inform himself, whether an object is subject to such restrictions. Export and import of such objects are at the expense and risk of the buyer.


11. The buyer is liable for acceptance of the goods and for payment. The purchase price shall be due for payment upon the lot being knocked down to the buyer. In case of a delayed payment (two weeks after the sale) the purchaser will be held responsible for all resultant damages, in particular interest and exchange losses. In case of payment default the auctioneer will charge interest on the outstanding amount at a rate of 1% to the gross price per month or part of month. In such an event the auctioneer reserves the right to annul the purchase contract without further notice, and to claim damages from the buyer for non-fulfilment, accordingly he can reauction the goods at the buyer’s expense. In this case the buyer is liable for any loss incurred, the buyer shall have no claim if a higher price has been achieved. He will not be permitted to bid. 12. The place of fulfillment and jurisdiction is Berlin. German law applies exclusively; the UN-Treaty (CISG) is explicitly excluded. 13. The prices quoted after each lot are estimates, not reserves.

14. The after-sales is part of the auction in which the bidder places either by tele­phone or in written form (as stated in number 5 and 6) the order to bid a set amount. 15. By making a bid, either verbally in the auction, by telephone, written by letter, by fax, or through the internet the bidder confirms that he has taken notice of these terms of sale by auction and accepts them. Agents who act on behalf of a third party are jointly and separately liable for the fulfillment of contract on behalf of their principals. 16. Should one or the other of the above terms of sale become wholly or partly ineffective, the validity of the remainder is not affected. In the event of a dispute the German version of the above conditions of sale is valid. David Bassenge As of May 2021


Katalog Moderne Kunst Teil II online unter www.bassenge.com Vorbesichtigung und Auktion finden wie gewohnt als Präsenzveranstaltungen statt

Catalogue Modern Art Part II online at www.bassenge.com The preview and auction will take place as usual


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Bassenge Kunstauktion 117: Moderne Kunst Teil 1  

Bassenge Kunstauktion 117: Moderne Kunst Teil 1  

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