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be twin GBMS Maturaprojekt 2013 Thema: „Dazwischen“

Sidney Sutter Ricardo Santos Mt Dank an: Adrian Strub Jasmin Sonderegger Evaristo Santos Marc Schmid Michael Flück Andrea Schmidheiny Zimmerei Frommelt AG


Unsere zugeteilte Hauptrichtung ist: “Farbordnungssystem”. Um dies optimal und für den Besucher interessant zu gestalten, haben wir als zweites noch das Thema “3D” ausgewählt. Durch diese zwei Themen können wir die Farben in den Raum bringen und so eine starke Wirkung erzielen. Dies hilft uns wiederum beim Erreichen unseres “Dazwischen”.

Interesse


Hauptrichtung

Unser Interesse besteht darin, dem Betrachter unsere Einstellung von “Dazwischen” einzubringen. Wir interpretieren “Dazwischen” als etwas Schwermütiges. Es ist unfertig, nicht glücklich, zwischen zwei Welten und auf eine Art auch bedrohlich. Der Besucher soll sich nicht wohlfühlen, jedoch auch nicht vor Angst hindurchsprinten. Es soll ein Gefühl “dazwischen” entstehen, geblendet vom Reiz und Schönheit der Farben und bedroht durch die Dominanz und Enge der Pyramiden. Das Interesse besteht darin, etwas zu kreieren, das alle Menschen anzieht, “dazwischen” durchzugehen und doch die bedrohliche Einstellung und Vertretung unseres “Dazwischen” hat.


Ziel

Nach etlichen Super-und „Furzideen“ , totalem Schwachsinn und dem gezogenen Schicksal “Farbordnungssytem” kamen wir zuerst nicht weiter. Wir beschlossen, uns auf das Eigentliche, das “Dazwischen” zu konzentrieren. Wir überlegten uns erst einmal, was für uns den dieses kleine Wörtchen “dazwischen” bedeutet. Denn viel gehört und gesprochen, setzt man sich eigentlich im Normalfall nicht mit ihm auseinander. Uns kam dann relativ schnell auch die Klarheit wieso. “Dazwischen” hat dieses Unfertige. Man hat zwar schon begonnen, ist jedoch noch nicht fertig. Wir sind zwischen zwei Personen. Nun, wo sind wir jetzt? Schlichten wir einen Streit oder gehören wir nicht zur Gruppe? Man könnte noch viele derartige Beispiele aufstellen. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf machten wir uns an die Arbeit. Wir wollten etwas eher Bedrohliches entwickeln, was jedoch nicht abschrecken, sondern durch seine Schönheit bestechen sollte. Als wir dann diese Idee in das Thema “Farbordnungssytem” integrierten, wurde uns relativ schnell klar, dass wir mit Pyramiden arbeiten müssen. Sie sind mayestätisch und wirken trotzdem auf eine Art bedrohlich. Genau das, was wir suchten. Ja und den Rest der Geschichte kennt ihr ja. Er steht hier beschrieben.

Planung


Wie bereits zu Beginn angetönt möchten wir mit diesem Projekt unsere Idee von “dazwischen” mit den Menschen teilen. “Dazwischen” ist nichts Böses, es ist aber auch nicht gut. Es ist etwas dazwischen. Diese Mischung von Unmut und Glück, Schwerfällig- und Leichtigkeit, Erstaunen und Erschrecken, Bedrohung und Freiheit wollen wir erzielen. Fragt man zum Schluss nach dem Empfinden, sollte man hören: “Es war wunderschön, aber irgendwie bedrohlich, halt ‘so öpis dazwüsche’ “.

Idee und Gefühle

In der Planungsphase hatten wir Glück, das beide aus einem zeichnerischen Beruf kommen. Sidney als Hochbauzeichner konnte ohne Mühe die Pläne für die Anordnung und das Ausmass des Projektes zeichnen. Ricardo war als gelernter Zimmermann für die Details und die Holzkonstruktion zuständig.


Da wir die Farben in den Raum bringen wollen, fusionieren wir die beiden Module Farbenlehre und 3D-Gestalten. Im Grunde ist die Konstruktion relativ simpel. Es gibt zwei Rahmen, in denen die farbigen Pyramiden angebracht sind. Einer der Rahmen ist weiss und der andere schwarz. Im weissen Rahmen sind alle warmen Farben angesiedelt, im schwarzen alle kalten. Aufgestellt sind sie so angeordnet, dass immer die Komplementärfarben gegenüber stehen. Im Detail sieht es dann so aus, dass jeder Rahmen sechs Reihen Pyramiden beinhaltet. Jede einzelne Reihe besteht aus fünf Pyramiden. Kurz zusammengefasst heisst das, dass jeder Rahmen 30 Pyramiden beherbergt: Fünf in der Höhe mal sechs in der Breite. Jede Pyramide einer Reihe ist unterschiedlich hoch, was einen bedrohlichen Effekt erzielt. Es gibt fünf verschieden Pyramidentypen: Mittelmass, 1.50/ 0.50/ 1.25 und 0.75 der Ursprungsgrösse.

Farbgebung

Die ganze Grundkonstruktion wird aus Holz gefertigt. Die Pyramiden werden aus 5mm dicken MDF-Platten gebaut, verleimt und anschliessend gestrichen. Die Grundkonstruktion wird auch aus Holz geschreinert. Im Inneren befindet sich eine Ständerkonstruktion aus Massivholz, die mit MDF-Platten verkleidet wird. Die bereitgestellten Winkel werden ebenfalls gestrichen und dienen als eine Art Wegweiser.

Licht


Modul: Farbenlehre und 3D

Jede Pyramidengruppe besitzt fünf Faben. Damit können wir einen Verlauf hineinbringen. Bei den warmen Farben sieht es so aus, dass die Farben von oben nach unten dunkler werden. Bei den kalten ist es gerade umgekehrt. In der Mitte befindet sich immer die unveränderte Farbe. Das heisst, es gibt zwei Abdunkelungenund zwei Aufhellungen pro Farbe.

Konstruktion

Um eine optimale Ausleuchtung zu erhalten beleuchten wir von oben und von unten. Somit können wir den Schattenwurf ein bisschen verringern. Als Beleuchtungskörper haben wir uns FL-Lampen gedacht. Das ist jedoch preisabhängig. Auf jeden Fall werden wir auf ein eher neutrales Licht setzen. Man sollte nicht schon voreingenommen sein. Das heisst kein warmes oder farbiges Licht.


Zeitplan

Ideenfindung für Projekt beginnt mit Plänen Recherchen Ricardo Versuche aus Papier / Licht Beide Sidney

Beide

Fertigstellung Konzept

W15 Ferien Beide Sidney W16 Beginn Journal/ Pläne fertig Ricardo W16 Model und Protoypen Meeting, überprüfung der Pläne und Protoypen Sidney allfällige Änderungen in den Plänen bearbeiten/ Ricardo Protoypen überarbeiten wenn nötig Beide

Meeting: Planung der Projektwoche/ Journal Sidney Vorbereitungsarbeiten/ Farben kaufen Ricardo Vorbereitung für Massenproduktion/ beginn Pyramidenbau Beide

Überprüfung des Wochenplanes Beide Sidney hilft Ricardo/ malt Ricardo baut Pyramiden und Rahmen Beide

Mo: Pyramiden zusammenbauen zuschneiden beginn malen Di: Bau der letzten Pyramiden alle grundiert Transport Mi: Deckanstrich Pyramiden beginn Rahmenbau Do: Rahmen fertig Aufbau der Rahmen Rahmen Grundanstrich Pyramiden fertig gestrichen Fr: Rahmen Deckanstrich Montage Pyramiden Winkel schwarz bemalen Reperaturarbeiten

Fertigstellung Journal Schreiben der Präsentation Sidney Layout und Text Journal Ricardo Bilder und Text Journal Beide


KW 13

KW 14 KW 15-16 Fr端hlingsferien

KW 17 Die Ruhe selbst

KW 18 Vor dem Sturm

KW 19 Projektwoche

KW 21 Vorbereitung Vernissage

KW 22 Vernissage


Budgetplan

Material - Holzwerkstoffplatten - Holzlatten - Schrauben - Leim - Holzfarbe - Licht

Kosten - Holz insgesammt - Schrauben Leim - Farben gesamt - Transport - Licht Total

Sponsor Das Holz wird gesponsert von Ricardos Ex-Arbeitgeber. Eine kleine Witmung wird auf der Arbeit zu sehen sein.

unsere Kosten Unser Anteil belüft sich auf: - Holzkosten - Schulgeld

Schlussrechnung Unser Plan hat im Grossen und Ganzen ziemlich gut funktioniert. Mehrkosten gab es nur beim Holz. Dies hatte für uns zum Glück aber keine Konsequenzen, da es ja grosszügig gesponsert wurde. Am Ende hatten wir unter dem Strich eigene Aufwände in der Höhe von 82 Franken.


120 m2 50 m1 1 Pack 1l 25 l 4-5 St.

500 .10 .200 .50 .100 ._________ 860 .-

860 .- 500 .- 300 ._________ ca. 60 .-

Eigenkosten am Schluss 82 .-


Nach Annahme des Konzepts war es eine ganze Zeit lang ruhig um unser Projekt. Wir waren beide in den Ferien und stärkten uns so richtig mit Energie für unser “Monster–Vorhaben”. Bis acht Tage vor der Projektwoche geschah praktisch nichts. Doch dann, an einem schönen Morgen im “Bauhaus”, startete unser Unterfangen ganz plötzlich. Eigentlich nur auf einer kurzen Visite fanden wir alles Nötige. Mit vielen Baugeräten und Farben in der Hand konnte sich unser Tatendrang nicht mehr länger im Zaum halten. Es war Zeit zu handeln. So beschlossen wir, noch an diesem Tag unsere ersten Stunden in Ricardos ehemaliger Arbeitsstätte (der Zimmerei Frommelt) zu verbringen. Unsere erste Aufgabe bestand darin, eine Konstruktionsart für unsere Pyramiden zu entwickeln.

Prototypen

Der nächste Punkt auf unserem Weg zu 60 Pyramiden war, 100 m2 Holz zu besorgen. Hier hatten wir enormes Glück. Ricardo’s Firma sponsorte uns das Holz. Ansonsten wäre zu diesem Zeitpunkt wohl schon alles zu Ende gewesen. Vielen Dank an die Frommelt AG! Mit einem gefüllten Portemonnaie machte sich Ricardo also auf, um diese enorme Menge Holz zu besorgen. Er benötigte ganze drei Fahrten mit dem Kleinlastwagen und viel Manneskraft, um alles in die Zimmerei zu schaffen. Sidney war in dieser Zeit wieder einmal Gast in seinem zweiten Zuhause-Bauhaus und besorgte die letzten Utensilien.

Massenproduktion


Vorbereitung

Am Anfang war etwas, womit wir nicht gerechnet hatten: Mathe. Um eine Pyramide aus vier losen Brettern zu bauen braucht es Trigonometrie, Planimetrie und und und. Wir mühten uns also mit all den Winkeln und Parallelen ab um schliesslich, nach etlichen Versuchen, die richtigen Masse für unsere Pyramiden zu erhalten. Um ehrlich zu sein benötigten, wir vier Prototypen für den Erfolg. Mit diesem ersten kleinen Schritt war auch schon ein Tag vergangen. Wir waren jedoch immer noch frohen Mutes, dass alles klappen wird.

Materialbeschaffung

Am Freitag vor der Projektwoche waren wir soweit, um mit der Massenproduktion zu beginnen. Wir wollten bis Sonntagabend mit der Hälfte der Pyramiden fertig sein. Dies stellte sich dann aber relativ schnell als Wunschdenken heraus, denn der Bau wollte und wollte nicht vorwärts gehen. Als die Sonntagabend-Glocke läutete waren wir gerade einmal mit der kleinsten Pyramide fertig. Immerhin hatten wir von der zweitkleinsten schon den Aufbau. Die immer länger und komplizierter werdenden Arbeitsschritte machten uns ein wenig zu schaffen. Aus Zusammenbauen, Schleifen und Malen wurden Zusammenbauen, Latte zuschneiden, Latte montieren, Pyramide zurecht schneiden, Pyramide schleifen, Pyramide spachteln, Grundieren und Bemalen. Am Ende der Tages glaubten wir aber noch daran, anderntags unsere Produktivität zu steigern und schneller vorwärts zu kommen.


Wochenrückblick: Montag Der Montag stand ganz im Zeichen des Aufbruches. Start war um 08.00 Uhr. Und mit Bettdecke, Zahnbürste und Kleidern waren wir für eine ganze Woche dort. Ganz richtig: wir verbrachten Tag und Nacht in der Schule. Zu Beginn ging es darum, die elend schweren Stellwände (oder Winkel genannt) vom Obergeschoss in den Ausstellungsraum zu tragen. Nach diesem kurzen Aufwärmen waren wir parat für das muntere Pyramidenbauen und verabschiedeten uns sogleich Richtung Liechtenstein in Ricardo’s Firma. Dort angekommen war unser Ziel klar: Wir wollten möglichst viele Pyramiden bis zum Anbruch der Dunkelheit schaffen. Da der Montag ja ein gewöhnlicher Arbeitstag ist, war in der Firma dementsprechend auch die Hölle los. Wir fanden trotzdem einen kleinen Platz. Das einzige Problem zu Beginn war die Verständigung. Mit all den laufenden Fräsen, Sägen, Schleifmaschinen und den natürlich vorbildlich montierten Gehörschützen war die Kommunikation ein wenig schwierig. Der weitere Tagesverlauf bestand darin, auf die Kreissäge zu warten, zu sägen, schleifen, malen und alles wieder von vorne. Am Ende, ok es war Mitternacht, waren die zwei kleinsten Pyramiden fertig zum Bemalen und die mittlere parat zum Schleifen. Für den Dienstag nahmen wir uns vor, die restlichen zu bauen und in die Schule zu transportieren. Als wir jedoch ziemlich müde zurück fuhren, nahmen wir schon einmal die erste Gruppe Pyramiden mit. Dieser Transport war leicht kriminell… Zum Schluss fielen wir um ca. 01.00 Uhr totmüde ins Bett und freuten uns trotzdem auf einen weiteren spannenden Tag.

Dienstag Dienstagmorgen 08.00 Uhr: Die Nacht war recht gemütlich, wenn da nur nicht dieser nervige Maikäfer um 04.00 Uhr gewesen wäre. - Gestärkt mit einem kurzen Kaffee machten wir uns sofort wieder auf den Weg in die Zimmerei. Es stand ja heute immerhin einiges auf dem Plan. Ricardo sollte bis Mittag mit dem Rohbau einer weiteren Gruppe Pyramiden fertig sein und Sidney die restlichen vom Vortag fertig geschliffen und gemalt haben. Wir arbeiteten wirklich wie die Wilden und konnten so nach dem Erreichen unseres Zieles bereits um 12 Uhr Mittag machen. Mit diesem Zeitvorsprung hatten wir genügend Zeit,


Mit diesem Zeitvorsprung hatten wir genügend Zeit, die Maschinen über den Mittag zu benutzen und die letzte Pyramide in Dreiecke zu schneiden. Dies hört sich jetzt ziemlich einfach an. In Wirklichkeit war es aber eine unglaubliche Arbeit. Jedes Dreieck brauchte drei verschiedene Schnitte, jeder Schnitt andere Winkel. Für alle 60 Pyramiden benötigten wir also 720 Schnitte an der Tischkreissäge. Aber nun fertig mit Statistik und zurück zur Spannung. Der Nachmittag verflog wie im Flug und so kamen wir zügig voran. Um 20.00 Uhr waren alle Pyramiden fertig zum Verladen. Ricardo holte also den Transporter und Sidney begann alles einen Stock tiefer zu tragen. Mit dem Gedanken, dass alles immer besser und einfacher mit Musik ginge, schalteten wir den Autoradio auf volle Lautstärke ein und waren im Nu fertig mit Beladen. Froh auf die kleine Fahrtpause setzten wir uns also ins Auto und wollten losfahren. Ja wollten! Denn als Ricardo den Zündschlüssel drehte, passierte eigentlich nichts. Nach mehrmaligem Versuchen stellten wir fest, dass unsere kurze “Aufladeparty” der Autobatterie keinen Spass bereitet hatte. Man hörte kurz böse Wörter und schon machten wir uns auf die Suche nach einen Überbrückungskabel. Dieses fanden wir nach gefühlten drei Stunden im Lager der Firma. Zum Glück hatte Ricardo sein Auto dabei und so konnten wir überbrücken. Die Reise konnte also endlich losgehen. In der Zeit, die wir für die Behebung unseres Missgeschickes verbraucht hatten, konnte aber auch in Ruhe ein Gewitter aufziehen. So kam es, dass genau nach 500m fahrt der Regen einsetzte und uns zu einem weiteren Umkehren zwang. Ein bisschen genervt verpackten wir unsere kostbare Fracht mit jedem noch so kleinem Stücken Plastik. Zwei Stunden nach unserem Fahrplan konnte es nun aber definitiv losgehen. Eigentlich benötigt man für den Weg zurück zur Schule ca. 10 min. Wir brauchten 30 min. All dies war uns aber egal, wenn wir wenigstens unsere kostbare Fracht heil ins Ziel brächten. Um 22.00 Uhr hatte der Nervenkitzel ein Ende. Wir waren da. Nach dem Ausladen, einem weiteren Transport mit Holz und dem Grundieren der letzten Pyramiden hatten wir unser Tagesziel dennoch geschafft und fielen wiederum um 01 Uhr wie zwei Ferngesteuerte ins Bett.


Mittwoch Der Mittwochmorgen war wie verzaubert. Trotz gestriger Anstrengungen fühlten wir uns wie frisch geboren. Von nun an arbeiteten wir auch in der Schule. Sidney`s Arbeit bestand darin zu malen, malen und nochmals malen. 60 Pyramiden, die alle in verschiedenen Farben erstrahlen möchten, warteten auf ihn. Ricardo`s Job war es, die Rahmenkonstruktion zu beginnen. An diesem wunderschönen Tag konnten wir draussen arbeiten. Ricardo kam, nachdem er sich mit genügend Sonnenöl eingerieben hatte, recht zügig voran. Sidney, der im Schatten arbeitete, hatte seine liebe Mühe mit den Farben. Die Schwierigkeit lag darin, die Farben sauber zu mischen, damit keine Unreinheiten entstanden. Denn das Letzte was wir wollten, waren verdreckte Pyramiden. Als die ersten Pyramiden mehr einem neuen Camouflage-Muster als einer schönen gleichmässigen bemalten Fläche glichen, war Sidney kurz vor dem Verwerfen all seiner Pinsel. Zum Überlaufen brachten das Fass fünf falsch angemalte Pyramiden. Sidney war verzweifelt und suchte rat in seiner Zweitheimat, dem Bauhaus. Doch auch die neu erworbenen Utensilien brachten nicht den erwünschten Durchbruch. Erst als die Dämmerung bereits einsetzte, kam sein Gehirn mit der lang erwarteten Lösung. Diese bestand darin, jede einzelne Farbe in einem Plastikbecher zu mischen und dann von dort aus direkt auf die Pyramide zu bringen. So konnte die Farbe nicht verunreinigt und auch für allfällige Korrekturen gespart werden. Da diese Idee leider erst nach einem Tag voller Fehlversuche kam, war die nächste Nachtschicht vorprogrammiert. Ach ja, falls ihr euch fragt, ob wir nicht schon stinkten wie die Hunde, können wir euch beruhigen: Die Turnhallen-Duschen sind wunderbar. Der Abend endete wir alle vorherigen um eins. Und trotz der maltechnischen Rückschläge waren wir guten Mutes. Ricardo machte an diesem Tag grosse Fortschritte.

Donnerstag Nun war sie also da. Die Auffahrt. Als wir wieder einmal um acht unser geliebtes Bett verliessen, war keine einzige Person auf der Strasse. Wir motivierten uns trotzdem, in unsere vermalten und verstaubten Arbeitskleider zu steigen und als gefühlte einzige Arbeiter in der Schweiz unsere Arbeit zu beginnen.


Das Tagesprogramm ist eigentlich schnell erklärt: “same procedure than yesterday” Sidney malt und Ricadro macht krach. Nun hatten wir aber das Problem, dass sich Feiertage und Krach nicht so gut verstehen. Wir hatten aber keine andere Wahl und so begann Ricardo mit dem munteren Kreissägen. Bis um eins ging alles wunderbar. Doch als ein Auto auf uns zufuhr, konnten wir uns schon vorstellen, was das bedeutete. Im Auto sass eine Person, die aus der in der Schweiz häufig vorkommenden Rasse der “Bünzlis” stammte. Nach einem fünf-minütigen Vortrag, in dem wir nur einmal zu Wort kamen, drohte er uns mit der Polizei, falls wir nicht sofort mit dem “verdammten Saulärm” aufhören. Nach kurzer Absprache mit unserem Lehrer Adrian verfrachteten wir unsere Arbeit ins Innere der Halle und störten nun leider halt alle andere mit dem Lärm. Trotz diesem zeitintensiven Zügeln kamen wir dennoch vorwärts und konnten am Abend die Aufrichte unseres ersten Rahmens feiern. Auch Sidney kam gut voran. Er konnte fast alle Pyramiden bemalen. An diesem Abend beschlossen wir, für einmal nicht ganz bis eins zu arbeiten und so bereiteten wir dem Krampfen um 23 Uhr ein Ende. Ein kleines Missgeschick passierte Sidney. Er vergass den Schulschlüssel in der Halle und schloss die Türe. Wie sich herausstellte mit fatalen Folgen.


Freitag Der Freitag, der eigentlich im Zeichen der Euphorie stehen sollten, stand im Zeichen des Schlüssels. Das kleine Missgeschick vom Vorabend hatte doch grössere Dimensionen angenommen. Es war der einzige Schlüssel für die Halle und so vergingen die Minuten und böse Blicke und Flüche häuften sich bis endlich um halb 10 der Hausabwart mit einem Zweitschlüssel kam. An dieser Stelle möchte sich Sidney nochmals bei allen geschädigten Mitschülern, Lehrern und vielleicht sogar Familien für den Stress entschuldigen. Nach dieser mehr oder weniger kleinen Verzögerung ging es an die Vollendung. Sidney bemalte die restlichten Pyramiden und führte erste Korrekturen an. Ricardo baute den zweiten Rahmen zusammen. Nach dem Zusammenbau begannen wir sofort mit dem Grundieren und spachteln der Rahmen. Um ca. 16.00 Uhr war es dann so weit. Der grosse Moment war gekommen. Die erste Pyramide konnte montiert werden. Nach der ersten folgten die zweite, dritte und die vierte ohne Probleme. Doch bei der letzten Pyramide traf uns fast der Schlag. Ricardo hatte sich beim Bau der Rahmen vermessen und so war die ganze Konstruktion 25cm zu tief. Dies führte dazu, dass die letzte Pyramide nie im Leben hinein passte. Auf einen Schlag herrschte Stille. Nach kurzer Zeit wurde sie jedoch durch wilde Fluche und Geräusche der Unfassbarkeit durchbrochen. Sidney konnte es nicht fassen und brauchte eine Auszeit. Nach dem ersten Schock sassen wir zusammen und besprachen, was jetzt zu tun sei. Die Lehrer schlugen uns einen Kompromiss vor. Doch diesen konnten und wollten wir nicht akzeptieren. Wir hatten so viel Liebe, Kraft und Emotionen in dieses Projekt gesteckt. Es konnte einfach nicht auf diese Art und Weise enden. Wir beschlossen also, den Rahmen wieder auseinander zu bauen und ihn um 25cm aufzustocken. Für diese Arbeit mussten wir nocheinmal in die Zimmerei fahren um Holz zuzuschneiden. Zurück in der Schule bestand die erste Schwierigkeit darin, die ganze Konstruktion überhaupt wieder auseinanderzu bringen. Wir bauten sie für die Ewigkeit und so war es eine mühsame Arbeit, all die Schrauben und Nägel wieder vom Dach zu nehmem. Gewisse Platten konnten wir nur noch zersägen. Nach dieser Schwerstarbeit konnte endlich die Austockung starten. Für diese verlängerten wir die Rahmenhölzer mit Keilen um 25 cm.


Um 22 Uhr waren wir wieder so weit, um die Pyramiden anzubringen. Dies gelang uns nur so schnell, weil Michi und Mark uns halfen. Danke euch zwei. Wieder zu zweit schraubten wir wie die Wilden, nur um zu merken, dass die letzte Reihe nicht hineinpasst. Dies war eindeutig zu viel für unsere Nerven und so beschlossen wir, am Sonntag in aller Ruhe das Projekt zu beenden.

Sonntag Mit frisch geladener Energie machten wir uns am Sonntag auf, um unseren Kampf gegen das „Ungetüm“ zu gewinnen. Und siehe da: nach weiteren acht Stunden Grundieren, Schleifen, Spachteln, Bohren, Sägen, Malen und Putzen stand das “Biest” in voller Pracht. Wir konnten es kaum glauben und standen wie versteinert vor den Dimensionen, die es angenommen hatte. Zum Schluss hat sich also unsere Hass-Liebe zum Projekt eindeutig zu einer feurigen Liebe entwickelt. Wir sind stolz, so etwas Schönes auf die Beine gestellt zu haben!

Journal Im Journal haben wir entschieden mit den Grundmassen unseres Journals weiterzufahren. Für dies passten wir das Journal-Layout dem Projekt an. Genauer gesagt im Verhältnis 1:10. Die Text- und Bildebenen sind den Rahmen nach empfunden und stehen sich immer gegenüber. Sie bilden ein “Dazwischen”. Die Fotos selber bilden wiederum ein “Dazwischen” über die ganze Doppelseite. Uns war es wichtig, mit dem Journal nicht von unserer gewohnten Linie abzukommen. Das Journal gehört zu der Arbeit wie jede noch so kleine Pyramide in den Rahmen. Wir wollten keinen Fremdkörper erschaffen der unsere Arbeit dokumentiert. Es sollte etwas homogenes sein. Etwas was sich eingliedert. Durch das Journal und durch die in den Texten verfassten Emotionen konnten wir schlussendlich aber auch über all unsere Fehlschläge lachen.


Be twin  

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