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P.b.b ZNR 02Z032679 Logistikzentrum Steiermark

Studienjahr 2012/13, Heft 1, Oktober 2012

G e Wi t t e r Zeitschrift der Fakultätsvertretung GeWi an der Uni Graz

Almosen für die Uni

Schwerpunkt Studiengebühren

Was wurde aus ...?

Kreative GeWis

Unser Weg nach Rio

Archäologin Sabine Ladstätter im Interview

Schreibtrainerin Christina Boiger im Porträt

Ein Sommernachtstraum


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Donnerwetter

von Markus Schicker

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erzlich Willkommen an der Karl-Franzens-Universität Graz im Studienjahr 2012/2013! Ich freue mich, dass Sie sich für das Bildungsangebot der zweitgrößten und zweitältesten Universität Österreichs interessieren. – Mit diesen Worten begrüßt Rektorin Neuper uns Studierende in einem kürzlich auf der Uni verteilten Taschenkalender. Leider hat ihr die österreichische Bank, die diesen Kalender sponsert, nicht genug Geld gegeben, damit das kommende Studienjahr an der KF-Uni-Graz ausfinanziert ist – aber keine Angst, viel Geld fehlt Frau Neuper nicht mehr, um auch heuer wieder mehr schlecht als recht über die Runden zu kommen. Deshalb kassiert sie auch nur bei einigen von uns kräftig ab. Dass sie das ohne gesicherte Rechtsgrundlage macht, nimmt Rektorin Neuper ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf. Auch der Senat der KF-Uni-Graz hat anscheinend kein Problem damit, sich gegen seine eigenen Studierenden zu stellen, anstatt sich gemeinsam zur Wehr zu setzen. – shame on you! Schreibt uns eure Meinung an donnerwetter@oehunigraz.at und lasst eure Kolleginnen und Kollegen, die für eine unfähige Bildungspolitik zahlen müssen, nicht im Stich!!!

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impressum GeWitter Zeitschrift der Fakultätsvertretung Geisteswissenschaften an der Karl-Franzens-Universität Graz. Medieninhaberin, Herausgeberin und Verlegerin: Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Universität Graz, Schubertstraße 6a, 8010 Graz Chefredaktion: Markus Schicker Layout: Martin Jagl, Christoph Reicht Lektorat: Jennifer Brunner Druck: Universitätsdruckerei Klampfer Auflage: 7.000 Stück Mitarbeiter/-innen in dieser Ausgabe: Jennifer Brunner, Antonia Csuk, Alexander Danner, Marcela Dvorakova, Kevin Eberhard, Christopher Fleck, Heidi Kofler, Philipp Pesendorfer, Johannes Rausch, Bernhard Schindler, Sebastian Scherzer, Astrid Schmölzer, Sara Sternat, Paula Strah, Sandra Schweinzer, Kristian Tisch, Marlies Weixelbaumer, Sandra Zivanovic


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Inhalt

12-13 Ehemalige GeWis Was wurde aus ... Sabine Ladstätter?

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UniGraz@Museum Kreative Köpfe für eine Ausstellung gesucht

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Diplomat/in auf Zeit 250 Studierende in der Wiener UNO-City

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Studiengebühren Wofür eigentlich genau?

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20-21

363,36 Euro Zahlenrätsel und Rechenspiele

14-15

WM 2014 Wie sich Österreich qualifiziert

22-23

Gut leben können Aktionen für Studierende

16-17

Fürchtet euch nicht Aller Anfang ist schwer

24-25

Kaffee und mehr Im Café Yafa ist Platz für alle

18-19

(K)ein Ende in Sicht Das letzte Studienjahr

Mit ganz viel Lust Schreiben mit Christina Boiger

20-21

Buchrezensionen Seiten, die die Welt bewegen

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Sabine Ladst채tter, eine ehemalige GeWi-Studentin, im Interview. Fotos: KK (2)

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Was wurde aus ... Sabine Ladstätter? Die Wissenschaftlerin des Jahres 2011 sprach über ihre Studienzeit, menschelnde Archäologie und die Grabungsleitung in Ephesos. von Astrid Schmölzer

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eit 2009 ist sie Leiterin des Österreichischen Archäologischen Institutes (ÖAI). Seit 2010 ist sie Grabungsleiterin der wohl renommiertesten Auslandsgrabung Österreichs - Ephesos. Als „Wissenschaftlerin des Jahres 2011“ lenkte sie die Augen der Öffentlichkeit auf das Studienfach Archäologie und auf die Tätigkeit der Menschen, die die Vergangenheit aus der Erde holen. Studiert hat Sabine Ladstätter in Graz am Institut für Archäologie und am Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde. Ihr Weg zur Archäologie hat schon sehr früh angefangen: Es heißt, für Ihre Berufswahl war ein Besuch am Magdalensberg ausschlaggebend, als Sie noch Volksschülerin waren. Es war ein Kindheitstraum. Es gibt ein Bild, wo ich neben meinen beiden Cousins stehe, die graben müssen. Meine Mutter hat mich gefragt, was wir hier machen und ich habe ihr geantwortet, wir müssen bis zum Mittelpunkt der Erde kommen. Ich glaube, ich hatte schon immer die kindliche Neugier, was sich in der Erde verbirgt. Und bei dem Volksschulausflug fragte ich meine Lehrerin im Bus bei der Rückfahrt, wie denn die Leute heißen, die Ausgrabungen machen

– sie sagte „Archäologen“ und ich habe dann gesagt: „Das werde ich auch einmal.“ Wie waren die Reaktionen aus Ihrem Umfeld, wenn Sie erzählt haben, dass Sie jetzt Archäologie studieren? Die meisten fragten: „Was ist das?“ Auf meiner ersten Grabung, die vier Wochen dauerte, habe ich eine Sehnenscheidenentzündung an der rechten Hand gehabt und eine Schleimbeutelentzündung am Knie. Außerdem hatte ich eine Stauballergie unter den Augen. Meine Mutter fragte mich damals, ob ich noch immer glaube, dass das der richtige Beruf für mich sei, ich sagte ja. Dann meinte sie, ich müsste dann aber auch die notwendigen körperlichen Voraussetzungen mitbringen. Ich habe mich dann durchgebissen.

Sie haben dann in Graz an der Karl-Franzens-Universität mit dem Archäologie-Studium begonnen. Wie haben Sie als „Landei“ die „große Stadt“ Graz erlebt? Wie war es zu Ihrer Studienzeit? Ich bin nach Graz gekommen und wollte eigentlich nicht von Zuhause weg. Ich bin am Montag nach Graz gefahren und dann am Donnerstag wieder zurück, das machten damals viele Kärntner. Meine Geschwister sind allesamt daheim geblieben, sie sind jünger als ich. Meine Mutter sagte nach einem halben Jahr, dass man so nicht studieren könne. Wenn ich es richtig will, muss ich auch dabei bleiben. Die erste große Hürde war das Altgriechisch, das ich ja nachholen musste. Aber es hat mir schließlich gefallen und war letztendlich nicht Bitte weiterblättern!

Ein „Arbeitsplatz“ mit Geschichte der Hadrianstempel in Ephesos


Seite 6 mehr so schlimm. Damals war die Ausbildung in Graz sehr kunsthistorisch. Ich habe viel am Institut für Alte Geschichte gemacht. Die Althistoriker haben mich sicherlich geprägt, es hat mir dort sehr gut gefallen. Für das Doktorat bin ich dann aber nach Wien, weil die Ausbildung dort mehr Praxisnähe hatte – es wurde von den Professoren immer wieder angeregt, auch unter dem Studienjahr auf Grabung zu gehen. Qualitativ würde ich zwischen Graz und Wien keinen Unterschied sehen, quantitativ sehr wohl, es gab in Wien einfach mehr Angebot. Ist die Archäologie als Studium und Beruf anders geworden, wenn Sie jetzt so zurückschauen und mit der Gegenwart vergleichen? Was ich von der Ausbildung her mitbekomme, so denke ich, ja. Wir waren damals extrem flexibel und konnten, von unseren Professoren unterstützt, während des Semesters auf Grabung gehen. Praxis war ihnen sehr wichtig und wir wurden dazu ermuntert. Heute ist das durch das Modulsystem mit den ECTSPunkten für Studierende kaum mehr möglich. In anderen Studienrichtungen mag das neue System sinnvoll sein, in der Archäologie kommt es aber schluss-

endlich auf die Praxis an und darauf, dass man die Leute kennenlernt, mit oder bei denen man später arbeiten will – und, dass die Leute dich kennenlernen, was auch ganz besonders wichtig ist. Als Sie „Wissenschaftlerin des Jahres“ wurden, rückte das angebliche „Orchideenfach“ Archäologie in den Fokus der Presse. Wie geht man nun mit der Aufgabe der Wissensvermittlung um? Ich möchte hier gerne vorausschicken, dass ich aus einem familiären Umfeld komme, das nicht wissenschaftsnah ist. Ich war gewohnt, immer zu erklären, was der Sinn meiner Arbeit ist, und so entstand bei den anderen Interesse. Man muss zwar immer vereinfachen, in der Geisteswissenschaft wurde hier viel versäumt, man ging kaum nach außen und erklärte. Es geht nicht darum, alles ganz genau zu schildern, man muss einfach eine generelle Wissensvermittlung und eine Interessensbildung schaffen. Wenn ich Vorträge halte, kommen hunderte Leute, das kann nur mit Interesse zu tun haben. In Ephesos habe ich mitbekommen, dass sich immer wieder Fach-

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kollegen über die Reiseführer vor Ort lustig gemacht haben, die einfach nicht am neuesten Stand der Forschung waren. Wie sollen sie es denn besser wissen? Unser Wissen ist jahrelang unpubliziert und wenn es veröffentlicht wird, ist es meist in einer fremden Sprache geschrieben. Wie soll ein Fremdenführer dann zu diesem Wissen kommen? Das muss man sich schon überlegen. Ich habe dann versucht, Führungen für Führer anzubieten – ich zeige die neuesten Ergebnisse, es kommen viele Reiseführer jedes Jahr. Ich schaffe so auch eine Beziehung zueinander, der Fremdenführer sieht den Archäologen nicht mehr als arroganten Feind. Man kennt sich, man

„Man kann nur glücklich werden, wenn man immaterielle Ziele im Leben hat” Sabine Ladstätter

grüßt sich und wir sind einfach Freunde. Plötzlich hat man ein gemeinsames Ziel, nämlich Ephesos zu vermitteln. Wie kann man die Archäologie noch besser unter das Volk bringen? Man kann nicht aus Geschichte lernen, das glaube ich nicht. Man kann aber Beispiele aus ihr zitieren, um Zukunftsprobleme diskutieren zu können. Wenn man sich mit Geschichte beschäftigt, weiß man doch schon, was später passiert ist, weil es auch Geschichte ist. Wenn die Ephesier ihre Wälder im Hinterland abholzten, weil sie das Holz für die Thermen und den Schiffbau brauchten und 500 Jahre später der Hafen versandete, haben wir die direkte Folge auf ihr Handeln präsentiert. Diese Umweltkatastrophe ist ja auch Vergangenheit. Und genau diese Aspekte sollte man den Menschen zeigen können. Wir sind nicht abgehobene Pinselschwinger, sondern leben durchaus in der Gegenwart. Ich versuche auch, das Bild des Archäologen zu

Fotos: Schweinzer (4)


Die wohl renommierteste AuslandsSeiteÖsterreichs 19 grabung - Ephesos

GeWitter 10/12 zeichnen, als Person, die in der Gegenwart lebt. Mit dem gängigen Image und Klischee der Archäologie sind Sie also immer wieder konfrontiert? Etwas Kindliches muss immer bleiben, sonst ist man kein Archäologe mehr. Indiana Jones oder Indiana J. wurde ich auch manchmal genannt. Man sollte mit Neugier ans Werk gehen und man sollte auch ruhig dazu stehen. Welche Rolle spielen die fremden Kulturen und die Sprachen, die man in Ihrem Berufsfeld kennenlernt? Gibt es für Sie die Begriffe „Kulturschock“ oder „Sprachenkollaps“? Ich glaube, eines muss man von vornherein sagen: Wenn man sich für einen Posten bewirbt, muss man auch wissen, was es heißt, ihn auszuüben. Ich werde oft gefragt, ob es mir in der Türkei gefällt, aber ich wäre ja nicht dort, wenn das nicht der Fall wäre. Ich wusste, ich werde vielleicht bald sechs Monate dort verbringen. Man muss sich in Kulturen einleben und irgendwann fühlt man sich dort auch zu Hause. Die Türkei ist gerade jetzt ein extrem dynamisches Land, Österreich ist extrem statisch. Wenn ich in Izmir ins Flugzeug steige, nehme ich mich in Gedanken zurück und sage mir: „So, jetzt wieder ein bisschen auf die Bremse steigen, in Österreich geht alles langsamer.“ Das sind die Dinge, mit denen man eben zurechtkommen muss. Als Direktorin des ÖAI und als Grabungsleiterin in Ephesos haben Sie einen Job voller Herausforderungen, der reich an Traditionen ist, angenommen. Was sind Ihre Ziele? Ein Ziel ist, die anderen Bereiche am ÖAI besser zu positionieren. Ephesos ist das Flaggschiff, das stimmt, man kann es in der Öffentlichkeit deshalb auch besser präsentieren. Im Windschatten von Ephesos kann man durchaus auch Exzellenzforschung in Wien, Griechenland, Rom betreiben, das war mir ein wichtiges Anliegen. Das ÖAI und die österreichische Ar-

Fotos: KK (2)

chäologie können sich so im internationalen Bereich auch etablieren, vor allem im europäischen Kontext. Dort, wo wir stark sind, können wir durchaus auch Leadership-Funktionen einnehmen. Für Ihren Erfolg haben Sie einiges an Hindernissen überwinden müssen. Es gab Anfeindungen der türkischen Behörden gegen Ihren Vater und Ihre Familie, außerdem heißt es, dass es zu internen Streitereien um den Job gekommen ist. Denken Sie, dass die Archäologie in ihrer überschaubaren Größe als Fachrichtung etwas von einer Schlangengrube hat, wo man alles, was man sagt und tut, genau überlegen muss? Ich glaube schon, es „menschelt“ einfach sehr. Auf Grabung lebt man mit seinen Kollegen zusammen, es wird geliebt, gehasst, gestritten. Durch die Art des Lebens kommt man sich einfach sehr nahe und lernt sich gut kennen. Alles, was menschlich ist, kommt da vor. Ich kenne sehr viele Archäologen, die Archäologen heiraten, sich scheiden lassen und dann wieder Archäologen heiraten. Oder eben einen Restaurator, das wäre dann schon großartig (lacht). Die Archäologie in Österreich ist eben klein und da konzentriert es sich eben auf sehr wenige prestigeträchtige Posten. Ich habe meinen Humor nicht verloren, ich habe es zwar nicht vergessen, aber verdrängt. Was machen Sie in Ihrer Freizeit oder wie finden Sie Wege, einmal abzuschalten und zu entspannen? Ich habe früher sehr viel Belletristik gelesen, das mache ich jetzt auch

wieder sehr konsequent. Ich setze mich hin und lese bewusst ein Buch, ich nehme mir Zeit dafür. Urlaub in diesem Sinn geht sich allerdings nicht aus, dafür ist keine Zeit. Was hält Ihre Tochter von Ihrem Beruf? Meine Tochter lehnt Archäologie total ab, sie will Geologin werden (lacht) – sie denkt nämlich, dass das ganz was anderes ist. Archäologie ist für sie jedenfalls das Schlimmste, was es gibt. Ich versuche auch nicht, ihr die Archäologie weiterzugeben. Ich versuche, ihr mitzugeben, dass man anderen Kulturen gegenüber offen sein muss. Man sollte einen Lebenssinn und ein Lebensziel haben und das möchte ich ihr gerne vermitteln. Man kann nur glücklich werden, wenn man immaterielle Ziele im Leben hat. Welche das dann bei ihr sind, ist mir eigentlich egal. Was ist für Sie das wirklich Wichtige im Leben? Wie sammeln Sie Motivation, Kraft und auch Inspiration für Ihren Alltag? Das klingt jetzt banal, aber es ist wirklich so: Durch meine Tochter werde ich aus meinem Berufsleben rausgeholt. Ich bin daheim mit einer anderen Welt und einem ganz anderen Wertesystem konfrontiert und schaffe so einen Ausgleich zur Arbeit, den andere nicht haben. Was mir auch viel gibt, ist internationale Anerkennung. Österreich ist nur ein sehr kleines Land, hier spielt Sympathie eine große Rolle. Ich habe jetzt in den USA eine Auszeichnung erhalten und dort zählt wirklich nur das Wissen und meine Leistung. Daraus kann ich wieder viel für mich gewinnen.


UniGraz@Museum präsentiert

ASTRONOMIE UND KALENDER DER MAYA Öffnungzeiten: Montag: 10 bis 16 Uhr, Mittwoch und Freitag: 10 bis 13 Uhr Eintritt: EUR 3.- (Vollzahler), EUR 2,50 (Gruppen ab 10 Personen) EUR 2.- (Schüler, Studierende, Behinderte mit Ausweis und Präsenzdiener)

Universitätsplatz 3, 8010 Graz (Eingang im Innenhof des Hauptgebäudes der KF-Universität) Mail: museum@uni-graz.at Tel.: +43 (0)316-38 7444


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GeWitter at UniGraz@Museum mach mit! Das GeWitter sucht kreative Köpfe für eine Ausstellung im UniGraz@Museum. Mach mit und hilf uns bis März dem GeWitter auf die Spur zu kommen! von Markus Schicker Wenn du schon immer einmal an einer Museumsausstellung mitarbeiten wolltest, dann bist du hier richtig. Gerade für uns GeWi-Studierende ist es essentiell, sich bereits während des Studiums in Projekten jeglicher Art zu engagieren, um nicht nur Erfahrungen für unseren Lebenslauf, sondern auch für uns selbst zu sammeln. Wir geben dir gemeinsam mit dem UniGraz@ Museum die Chance, deiner Kreativität freien Lauf zu lassen und deine Werke zu präsentieren. Vorgegeben sind lediglich Titel und

Richtung der Ausstellung, nicht jedoch der genaue Inhalt. Na, noch neugierig? Dann lies weiter … Der Titel der Ausstellung lautet SEITENBLITZE (Untertitel noch offen). Ausgangspunkt ist die Zeitschrift GeWitter, die bereits seit über 25 Jahren besteht. Wir wollen den Ursprung des GeWitters recherchieren, frühere Redakteure und Redakteurinnen ausfindig machen, sie mit ihren Artikeln von damals konfrontieren, mit ihrer Hilfe verlorene Ausgaben wiederentdecken, herausfinden, was frühere Studierendengenerationen beschäftigte und welche

Donnerwetter sie losließen. Außerdem könnten wir uns mit dem Gewitter (nicht der Zeitschrift sondern dem Naturphänomen) im weiteren Sinn befassen. Beispielsweise Gewitter in der Literatur, Religion, bildenden Kunst, Geschichte, den Naturwissenschaften etc. Aber das alles ist noch offen und kann mit deinen Ideen bereichert werden. Bleib also nicht faul sitzen, sondern steh auf und melde dich unter gewitter@oehunigraz.at Betreff: Museum Fotos: Dvorakova (2)


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Für eine Woche Diplomat/-in sein 250 Studierende aus über 40 Ländern fanden sich zur alljährlichen Vienna International Model United Nations (VIMUN) in der Wiener UNO-City ein, um in die Rolle von Diplomaten und Diplomatinnen zu schlüpfen und die Geschicke der Welt zu verhandeln. von Philipp Pesendorfer

V

om 5. bis zum 9. August 2012 fand in der Wiener UNO City die 17. VIMUN statt. Der MUN-Club Graz entsandte, auch dank der großzügigen Unterstützung des GeWi – Dekanats, eine Delegation von 19 Personen, die sich größtenteils aus Studierenden der Karl-Franzens Universität (16) rekrutierte.

Was ist MUN? MUN, also Model United Nations, sind Simulationen von UNO-Gremien (wie beispielsweise dem Sicherheitsrat, der WHO oder der UNIDO) zu tatsächlichen oder fiktiven politischen Themen. Zu diesem Zweck erhält jeder Teilnehmer

und jede Teilnehmerin ein Land und ein Komitee zugewiesen. Die Auswahl dieser Komitees sowie der Länder erfolgt durch die Organisation der jeweiligen MUN, zumeist den Wünschen der jeweiligen Teilnehmer/-innen folgend. So vertraten Grazer Studierende in Wien u.a. Guatemala im Sicherheitsrat zur Syrienkrise, Senegal in der WHO zum Trinkwassermangel in Zentral- und Südafrika oder Deutschland in der UNIDO zur Entwicklung der Terms of Trade in Entwicklungsländern. Die Zuweisung erfolgt ein bis zwei Monate vor der Veranstaltung, sodass die Delegierten ausreichend Zeit haben, sich auf die Simulation vorzubereiten.

Der Grazer MUN-Club in der UNO-City Foto: Csuk

Die VIMUN 2012 Schon bevor die VIMUN 2012 offiziell eröffnet wurde, wurden die Delegierten am 5. August nach Wien gebeten, um sich zum einen für die Konferenz zu registrieren und zum anderen, um der ersten von zahlreichen Veranstaltungen des Rahmenprogramms, einem Heurigenbesuch, beizuwohnen. Tags darauf fand man sich bei der UNO-City ein, wo dann alle Delegierten mit Ausweisen ausgestattet wurden. Nach einer ersten „Vollversammlung“ und Begrüßungen, u.a. durch den Direktor der UNIS (United Nations Information Service) Janos Tisovszky und einer Mittagspause begab man sich in die jeweiligen Komitees und die Simulation begann. In der Rückschau erscheint es immer noch erstaunlich mit welcher Hingabe manch Delegierte/-r in der Rolle aufging und „sein“ bzw. „ihr“ Land vertrat. Vor allem die Grazer Delegierten erwiesen sich als verhandlungssicher, sodass am Ende mit Eva Mayerhuber und Esther Ludwig in zwei von sieben Komitees Grazerinnen zur Best Delegate gekürt wurden. Von diesem Erfolg beflügelt plant der MUN-Club Graz bereits für das neue akademische Jahr Delegationen zu den großen internationalen MUN-Veranstaltungen (u.a. New York, Melbourne und natürlich wieder Wien) zu entsenden. Alle, die Lust bekommen haben selbst einmal in die Rolle eines Diplomaten oder einer Diplomatin zu schlüpfen, sind herzlich willkommen. Kontakt: http://www.facebook.com/ groups/467737866573837/ gmc@afa.at


Wir suchen... Comiczeichner/-innen und Fotografen/Fotografinnen. Wenn du gerne zeichnest oder fotografierst, schreib an gewitter@oehunigraz.at Betreff: Comics bzw. Fotos Mitarbeiter/-innen für unsere Ausstellung im UniGraz@Museum (s. S. 9). Melde dich unter gewitter@oehunigraz.at Betreff: UniGraz@Museum Regisseure und Regisseurinnen, Kameraleute und Schauspieler/Schauspielerinnen um 1. GeWitterinterviews/reportagen mitzufilmen, 2. Kurzfilme zu drehen, die wir auf unserer Homepage veröffentlichen, 3. Veranstaltungen der FV GeWi zu bewerben. Schreib an gewitter@oehunigraz.at Betreff: Film

GeWit ter Zeitschrift der Fakultätsvertretung GeWi an der Uni Graz


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Studiengebühren wofür eigentlich? Universität kommt vom lateinischen „universitas magistrorum et scholarium“ (Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden) – viel ist an der KF-Uni-Graz von dieser Gemeinschaft nicht zu sehen. von Markus Schicker

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ie österreichischen Universitäten brauchen dringend Geld. Das ist klar. Wo dieses Geld herkommen soll, ist schon weniger klar. Laut ihrer Homepage hat die KF-Uni-Graz ein Jahresbudget von 184 Millionen Euro zur Verfügung. Die ca. 13 Prozent der Studierenden, die studiengebührenpflichtig sind, werden unserer Uni kolportierte 3,5 Millionen Euro einbringen. Die österreichischen Studierenden haben kein Geld. Das ist klar. Kürzlich wurde die Studierendensozialerhebung 2011 veröffentlicht, die schockierende Zahlen enthält. Darin gab fast ein Drittel der Studierenden an, starke (19 Prozent) bzw. sehr starke (10 Prozent) finanzielle Schwierigkeiten zu haben. Das durchschnittliche Budget eines Studierenden ist im Vergleich zu 2009 um 2 Prozent gesunken, während die Ausgaben im selben Zeitraum um 3 Prozent gestiegen sind – die Kosten fürs Wohnen stiegen sogar um 9 Prozent, jene fürs Essen um 5 Prozent. Dadurch waren 2011 63 Prozent der Studierenden gezwungen während des Semesters zu arbeiten (2006 waren es noch 58 Prozent), wobei der wöchentliche Zeitaufwand für den Job von durchschnittlich 19,1 auf 19,8 Stunden anstieg. Umgekehrt bezogen um 6 Prozent weniger Studierende Familienbeihilfe als noch fünf Jahre zuvor (53 Prozent statt 59 Prozent) und 2011 erhielten nur

mehr 15 Prozent Studienbeihilfe – um 4 Prozent weniger als noch 2006. Der österreichische Staat hat Geld, sehr viel Geld sogar. Das ist klar. Österreich zählt zu den reichsten Ländern der Erde. Laut einer im Februar 2012 veröffentlichten ForbesListe leben wir im zwölftreichsten Land auf diesem Planeten (zumindest wenn man vom BIP ausgeht). Leider wird Österreich von Streithähnen und Streithennen regiert, denen die eigene Parteilinie und Umfragewerte wichtiger sind, als unser Bildungssystem und unsere Zukunft. Zwar ist einer dieser Hähne (für jene die diesen „genialen“ Wortwitz nicht verstanden haben – gemeint ist der ehemalige Wissenschaftsminister Johannes Hahn) mittlerweile EU-Kommissar in Brüssel, aber sein Nach-Nachfolger im Wissenschaftsministerium macht seine Sache auch nicht besser. Minister Töchterle hätte wohl eher denn Namen Stiefmütterle (so, genug der schlechten Namenswitze) verdient – denn man weiß nicht, wen er stiefmütterlicher behandelt: die Universitäten oder die Studierenden. Erstere zwang er mit der Androhung von Streichung zusätzlicher Förderungen praktisch dazu, die Einhebung autonomer Studiengebühren zu beschließen, letztere sind ihm offensichtlich sowieso wurscht. Vielleicht sollte der

nächste Wissenschaftsminister oder die nächste Wissenschaftsministerin einmal ein/e Studierende/r sein und kein Rektor, dann könnten wir von den Unis autonome Stipendien verlangen und würden dafür vom Wissenschaftsministerium noch zusätzliche Geldmittel in Aussicht gestellt bekommen. Aber Minister Töchterle ist auch nur ein Teil der momentanen Bildungsmisere, schließlich kann sich die große Koalition (in der er selbst sitzt) nicht zu einer kleinen Entscheidung durchringen und so wird etwas komplett belangloses, wie die Entscheidung der Finanzierung der Universitäten, einfach auf den nächst Schwächeren in der Nahrungskette abgewälzt – auf die Universitäten, die wiederum (nicht alle, manche haben sich ja gegen die Einhebung autonomer Studiengebühren ausgesprochen) die einzigen, die in der Hierarchie noch weiter unten stehen als sie selbst, in die Pflicht genommen haben – uns Studierende. Und so hat der Senat der KF-Uni-Graz am 16. Mai d.J. mit 15 Pro-Stimmen und 11 Gegenstimmen für die erneute Einführung der Studiengebühren gestimmt. Wenn man bedenkt, dass 6 Studierendenvertreter im Senat sitzen, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gegen Studierendengebühren gestimmt haben, dann müssen die Vertreterinnen und Vertreter der Universität Graz mit einer Dreiviertelmehrheit (15:5) dafür gestimmt haben, dass unsere Uni von jungen Menschen, die noch mitten in ihrer Ausbildung stehen, von denen etwa ein Drittel unter der Armutsgrenze lebt und das obwohl die Mehrheit von ihnen neben ihrem Studium


GeWitter 10/12 arbeitet, 363,36 Euro jedes Semester zu verlangen. Das sind 726,72 Euro im Jahr – das ist mehr Geld, als viele von uns monatlich zum Leben zur Verfügung haben. Universität kommt vom lateinischen „universitas magistrorum et scholarium“ (Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden) – viel ist an der KF-Uni-Graz von dieser Gemeinschaft nicht mehr übrig. Ich finde ja, man sollte nach der Entscheidung des Senates, unserer Uni den Titel einer Universität aberkennen. Man könnte sie in „Fast Hochschule“ (kurz FH) umbenennen, das würde irgendwie besser passen. Rektorin Neuper meinte im Mai, dass sie auf das Geld nicht verzichten könne und dass sie eine Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen und den Studierenden habe. Ihrer Verantwortung gegenüber uns Studierenden ist Rektorin Neuper mit diesem Beschluss jedenfalls nicht nachgekommen. Das wäre sie nur, wenn sie Mut bewiesen, sich nicht von Wissenschaftsminister Töchterle erpressen lassen und sich gemeinsam Studierende demonstrieren gegen den Beschluss des Senats Foto: Danner

Seite 13 mit uns gegen diese Form der Bildungspolitik zur Wehr gesetzt hätte.

man uns doch erst vor kurzem die Anspruchsdauer auf Familienbeihilfe gekürzt hat, dafür, dass das GeWi-Dekanat die Förderung für Treffpunkt Sprachen Kurse gestrichen hat? Dafür, dass … Ich könnte diese Liste ewig weiterführen und wer jetzt glaubt, dass mit Studiengebühren das Paradies nicht mehr fern ist, die erwähnten Missstände behoben, die Stipendientöpfe voller, die CuKo-Vorsitzenden kulanter, die Mitstudierenden intelligenter und die Lehrenden hübscher werden, der hat anscheinend noch nicht studiert, als wir alle für unser Studium bezahlen mussten. Denn damals war genau gar nichts besser als heute.

Und so bleibt uns nur die Frage: Studiengebühren - wofür eigentlich genau? Dafür, dass wir Bücher in der UB erst einen Werktag nach der Bestellung abholen können (vorausgesetzt sie werden vom Personal der UB gefunden – häufig sind Bücher ja spurlos verschwunden), dafür, dass viele Professuren gar nicht mehr oder oft nur mit mittelmäßigen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen nachbesetzt werden, dafür, dass wir in überfüllte Hörsäle gezwängt werden (falls wir überhaupt einen Fixplatz in den Lehrveranstaltungen ergattern, für die wir uns angemeldet haben), dafür, dass das Für diejenigen, die dennoch für Kopier-System unnötig verkompli- Studiengebühren sind, ist hier die ziert wurde und wir nun selbst fürs Emailadresse der Rektorin, sie wird Scannen bezahlen müssen, dafür, euch sicher gerne sagen, wohin ihr dass die Uni-Verwaltung ein reines einen entsprechenden Betrag überChaos ist und die Uni-Bürokratie so weisen könnt: rektorin@uni-graz.at unübersichtlich und so undurch- Wer genau Studiengebühren bezahlen muss schaubar ist, wie und wie du mit Hilfe der ÖH rechtlich die Homepage dagegen vorgehen kannst, erfährst du unter der KF-Uni- http://studiengebuehren.oehunigraz.at Graz, dafür, dass

Unter http://ww2.sozialerhebung.at/Ergebnisse/ findest du alle Ergebnisse der aktuellen Studierendensozialerhebung


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363,36 EUR - Zahlenrätsel und Rechenspiele 363,36 EUR sind seit 20.06.2012 fixer Bestandteil meines Lebens. Ich sehe tagsüber Zahlenreihen in dieser Formation durch den Stadtpark hüpfen, nachts erschlagen die 6er die 3en und dennoch stehen täglich wieder alle auf. von Kristian Tisch

Seit dem 20.06, seit diesem verhängnisvollen Tag, an dem ein verdächtiger Brief mit dem Absender Karl-Franzens-Universität Graz, gefüllt mit einem formlosen Erlagschein, bei mir eingetrudelt ist, seit diesem Moment, beschäftige ich mich mit Fragen des Zinseszinses, der Wahrscheinlichkeitsrechnung, grüble über Lottozahlen und rechne Vergleiche nach. Denn: 363,36 EUR müssen sich bis 05.09. von meinem Konto subtrahieren lassen. Eine weiser Mann, aus hier nicht näher definierten Unikreisen, hat mir vorgerechnet, dass ein Semester studieren so viel kostet, wie ein Kinobesuch im Monat. Das sei doch echt günstig, meinte er. „Na ja“, antwortete ich ihm damals. Ist es pro Monat eine IMAX-Vorstellung oder ein launiger Hollywoodschinken, den ich erdulden musste und auf den ich ab sofort verzichten darf? Jetzt, bei der Betrachtung meines Kontostands, überlege ich und rechne nach. Ich gehe nicht monatlich ins Kino, doch was spielt das für eine Rolle, denn selbst wenn ich darauf verzichten würde, ginge sich das Ganze nicht aus. Der gute Herr hat für seine Berechnung anscheinend einen Kinokarten-Preis von ca. 6 EUR angesetzt (Studentenermäßigung…), anschließend Mindeststudiendauer inkl. Toleranzsemester ange-

im Stadtpark die Brotkrümel, die von meinem Butterbrot fallen. Und ich bin mir ebenso sicher, dass die Uni das Geld mindestens genauso dringend braucht. Dafür, die geisti-

nommen. Das sind 5 Jahre, also 60 Monate. Dies multipliziert mit der Kinokarte: macht 360 EUR. Also in etwa die von mir zu subtrahierenden 363,36 EUR. Und nun verstehe ich auch seine Argumentation: „Wenn du, lieber Student, 10 Semester und somit 5 Jahre studierst und dann noch immer nicht fertig bist, dann kostet dir das 11. Semester so viel, wie du dir in 5 Jahren durch den Entzug des Kinos erspart hast.“ Wow! Und was, wenn ich dann nach wie vor noch nicht fertig bin? Also nicht nervlich ‒ weil mein Hirn glüht ob der Sommerhitze und der Schwäche dieses Arguments ‒ sondern mit dem Studium? Was, wenn ich auch noch ein 12. Semester brauche? Dann hätt’ ich mir zweimal im Monat das Kino verkneifen müssen. Aber ich war ja gar nie dort … Ich sitz’ nämlich im Stadtpark und ess’ zur Unterhaltung ein Butterbrot, während ich weiter über meinen letzten Kinobesuch sinniere. Da tauchen die 3er- und 6er-Monster wieder auf. 363,36 EUR – das ist pro Ziffer meiner Matrikelnummer ein Verwaltungsaufwand von genau 51,91 EUR. Eine stattliche Summe, die natürlich nur Nicht-Norm-Bummelstudierende und Ausländer/innen zahlen. Alle anderen haben leichter zu verwaltende Matrikelnummern. Ich bin mir sicher, dass die Uni meine 363,36 EUR genauso gierig verschlingen wird, wie die Tauben

Grafik: Kofler


GeWitter 10/12 ge Elite des Landes ordnungsgemäß ausbilden zu können, versteht sich. Leider gibt es die Zweckwidmung meiner 363,36 EUR nicht mehr. Damals, als ich zum ersten Mal Geld von meinem Konto abzweigen musste, gab es das noch. Der Bummelstudent in mir lacht – ja, damals. Ganz oft hab ich schon auf den Erlagschein geschrieben: „Mein Beitrag zur Schimmelbeseitigung an der KFU“. Man hat nie jemanden geholt, der dieses Problem – den Schimmel! Nicht meine Zweckwidmungen! – wirklich angeht. Dafür haben Menschen mit Sinn fürs Schöne schnell etwas Farbe gekauft und die problematischen Stellen übermalt, damit das ja nicht wieder (her)vorkommt und die Uni wieder hübsch aus-

Seite 15 sieht. Erfreulicherweise – für eine nicht definierte Seite – wurde die Zweckwidmung mittlerweile abgeschafft. Jetzt träume ich nur noch, als einer der wenigen Studierenden, der sich die Zeit im Stadtpark mit 3ern und 6ern verbummelt, von der Widmung meiner 363,36 EUR. Ich träume von Klimaanlagen im 3. Stock vom Wall, damit auch im Mai und Juni noch Unterricht an der Romanistik stattfinden kann. Von der Anschaffung neuer Tische und Sessel, damit auf der Slawistik im Wall alle Studierenden zu Semesterbeginn einen Sitzplatz haben und nicht aus Platz-Gründen oder Steh-Gründen aufgeben. Oder von längeren Entlehnzeiten an der Fachbibliothek der Germanistik ... Aber wer will denn schon wirklich etwas von einem Studenten hören, der die Uni schon länger besucht als das Gymnasium? Könnte man nicht auch etwas wirklich Brauchbares mit 363,36 EUR anschaffen? Meine mir selbst gestellte Frage verpufft in den Weiten der Zahlenreihen ebenso wie der verwegene Gedanke an die Fortbildung von Lehrenden und Vortragenden an der Uni. Ich habe mal gelesen, dass der Kurs „Rhetorik und Präsentation“ beim WIFI so an die 300 EUR kostet … Für jeden

Bummelstudierenden: ein/-e ausgebildete/-r Vortragende/-r. Das wär’ doch was! Die genussvollen Stunden im Stadtpark mit meinem Butterbrot und meiner Zahlenreihe neigen sich dem Ende zu, es wird kühler draußen und ich spür’ langsam stärkeren Wind. Ich sollte aufhören, die Tauben zu beobachten und meine Butterbrotkrümel mit wirklich wichtigen Investitionen zu vergleichen. Das ist wohl unpassend. Lieber widme ich mich und mein Geld dem Zweckvollen und denk’ an meinen Einkauf heute: Klopapier zum Beispiel kostet 2,97 EUR in der 10er Packung. Das sind 0,28 EUR pro Rolle. Um 363,36 EUR könnte ich mir 1.297 Rollen kaufen. Ich könnte bei einem durchschnittlichen Wochenverbrauch von 2 Rollen ganze 648 Wochen überleben. Das sind 12 Jahre! Soeben habe ich erkannt, dass ich nicht einmal im Monat auf meinen Nicht-Kino-Besuch verzichten muss. Ich muss nur meinen Klopapier-Konsum reduzieren! Von zwei auf eine Rolle pro Woche. Dann sind das schon 24 Jahre. Hätte ich also bei meiner Geburt begonnen, weniger häufig das Klo zu benutzen – oder zumindest weniger Klopapier –, dann hätte ich jetzt genau die 363,36 EUR, die ich nun so dringend brauche. Da mein Vergleich aber wirklich hinkt, und ich nicht Klopapier und Kinokarten berechnen und abwägen will, widme ich mich wohl doch lieber meinem Gewi-Studium. Mathematiker werde ich anscheinend tatsächlich keiner mehr. PS: Wenn ich meinen Klopapierkonsum ins Kino verlegen könnte, jedoch das Kino nicht besuche, hätte ich schon mehrere Sparmaßnahmen umgesetzt. Oder hast du eine bessere Idee? Schreib mir doch! kri.tisch@gmx.at


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Trotz Studiengebühren gut leben können! Das GeWitter hat ca. 50 Geschäfte und Lokale im Univiertel befragt, ob sie Aktionen für Studierende haben. Zwei davon hatten bereits welche – aufgrund unserer Nachfrage kamen sieben neue hinzu – Vielen Dank!! von Markus Schicker

bereits e d bestehenn o ti k A

bereits e d bestehenn o ti k A

Auf Anfrage des GeWitters eingeführt:

Hubert Auer Zinzendorfgasse 32

Galliano Harrachgasse 22

Habt ihr gewusst, dass es bei Hubert Auer in der Zinzendorfgasse gegen Vorlage eines Studierendenausweises – 30 % auf Brot gibt? Außerdem könnt ihr euch ein Jausensackerl (inkludiert Steirersemmerl, Briochekipferl + Nestea) um 2,50 Euro oder einen kleinen Cappuccino um 1 Euro holen.

se könnt ihr nicht nur original italienisches Flair genießen, sondern auch eine frisch zubereitete Pizza aus dem Steinofen um 6,20 Euro gegen Vorlage eines Studierendenausweises - und das selbstverständlich ohne Altersbeschränkung.

BICA Im Galliano in der Harrachgas- Mozartgasse 1 Von 15. Oktober – 16. November kannst du im Bica montags bis freitags ab 11.30 Uhr ein Mittagsmenü um 4,90 Euro speisen. Dafür brauchst du nur deinen Studierendenausweis vorlegen und Altersbeschränkung gibt es auch keine.


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Café Fotter Attemsgasse 6

EINSTEIN Heinrichstraße 29

PARKS - Bio Fair Trade Coffee Shop KG

Das Café Fotter bietet euch zu jedem Frühstück gratis ein belebendes Glas Sekt oder ein Glas Orangensaft. Diese Aktion gilt im Oktober und im November gegen Vorlage eures Studierendenausweises ohne Altersbeschränkung nach oben hin.

Hier gibt’s Rabatt auf Flüssiges! Gegen Vorlage eines Studienausweises bekommt ihr im Einstein das komplette Studienjahr 5+1 Heineken um 16 Euro statt 19,20 Euro. Die Altersbeschränkung gilt bei diesem Angebot nur nach unten, nicht nach oben.

Im PARKS in der Zinzendorfgasse 4 werdet ihr nicht nur freundlich bedient, sondern erhaltet auch gegen Vorlage eures Studierendenausweise 50% Ermäßigung auf alle Kuchen, wenn ihr einen Kaffee dazu bestellt – natürlich ohne Altersbeschränkung.

Reformhaus Sonnenfrosch Zinzendorfgasse 5

SchokoVino, Geidorfplatz Stand 1

TROPICAL Leonhardstraße 26

Wer im Reformhaus Sonnenfrosch mit Studierendenausweis einkauft, bekommt einen Ginkotee zur Konzentrations- und Gedächtnisunterstützung um 10% günstiger. Außerdem gibt es 5% Rabatt auf einen Vitalburger. Die Aktion gilt das ganze Wintersemester und ohne Altersbeschränkung.

An diesem kleinen aber feinen Stand am Geidorfplatz gibt es mit Studierendenausweis – 10% Rabatt auf folgende Spezialitäten: Kürbiskernöl, Fruchtsäfte, Uhudler, Honig, frische Variationen Kasnudeln und Studentenfutter (auch für Studentinnen). Gültig ohne Altersbeschränkung und für das gesamte Wintersemester.

Wer im Tropical von 17.00 - 23.00 Uhr eine Pizza um 5,80 Euro bestellt, bekommt mit Studierendenausweis ein kleines Soda gratis dazu. Außerdem bietet der Tropical-Wirt Studierenden Übernachtung mit Halbpension im Gasthof Almstub’n am Gaberl um 30 Euro statt 38 Euro an (Infos: www.gasthof-almstubn.at ). Foto: Danner (9), KK (1)


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Heißer Kaffee und ein gutes Buch

Michel El Rahab, ein christlicher Araber, hatte eine Idee: Warum nicht ein Café gründen, in dem Platz für alle ist – Juden, Christen und Muslime. Sein Yafa Café in Yafo will ein Ort der Koexistenz sein. Im Jahr 2003 eröffnete Michel El Rahab das Café Yafa in Yafo. Fotos: Rausch (6)

von Johannes Rausch Am Anfang war die Idee. Michel El Rahab besuchte die ungarische Hauptstadt Budapest und entdeckte dort viele Cafés mit integriertem Buchverkauf. Die Menschen sollten gleichzeitig Kaffee trinken und ein Buch lesen können, so der profane Gedanke. Für Europäer/innen scheint dieses Konzept nicht außergewöhnlich, doch Michel ist aus Israel, genauer aus Ramla, einer Kleinstadt nahe Tel Aviv, bewohnt von vielen christlichen und muslimischen Arabern und Araberinnen. Ursprünglich wollte er in seiner Heimatstadt eine Mischung aus einem Café und einer Buchhandlung mit Büchern in hebräischer, arabischer und englischer Sprache gründen, aber in Ramla glaubte er nicht genügend interessierte Menschen für sein Vorhaben zu finden. Doch auf verschlungenen Wegen und weil die Welt klein ist, öffneten sich im Jahr 2003 schließlich doch erstmals die Türen des Yafa Cafés: Denn Dina Lee, eine jüdische Israelin, tätig in einer links-politischen Organisation, hatte denselben Einfall. Eines Tages besuchte sie die griechisch-orthodoxe Schule in Yafo


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und fragte den Schuldirektor, ob er ihr bei der Verwirklichung ihres Vorhabens helfen könne. Jener lachte und meinte, sein Bruder, Michel El Rahab, wolle auch ein Café mit Buchshop eröffnen. Beide realisierten, dass es in Yafo ein großes Potenzial an lesenden Menschen gibt, die auch an politischen Diskussionen in einem Café reges Interesse zeigen würden.

Bücher sind gute Freunde Die notwendigen Bücher auf Arabisch holt Michel aus Jordanien und Ägypten, englische Bücher bekommt er von einem Freund aus Jerusalem, welcher sich diese aus den USA und England schicken lässt und Bücher auf Hebräisch

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kauft er unter anderem in Yafo. In diesem Café geht es jedoch letztlich um mehr als um das Stöbern und Lesen in Büchern, nämlich hauptsächlich um einen Gedankenaustausch zwischen jüdischen, muslimischen und christlichen Israelis und deren Kulturen. So werden auch arabische Sprachkurse angeboten, typisch palästinensisches Essen gekocht sowie Konzerte und Lesungen organisiert. Manchmal laden die Inhaber sogar Professoren und Professorinnen von der Universität Tel Aviv für Vorträge ein, veranstalten Führungen in Yafo und zeigen Filme. Für das Zusammenbringen der verschiedenen Menschen und deren Kulturen bekam das Café übrigens vom israelischen Staatspräsidenten

Shimon Peres eine Urkunde überreicht. Doch wird auch ein weniger positiver Aspekt des Konzepts ersichtlich, wenn ich Michel nach den Menschen frage, welche sein Café besuchen; es handelt sich dabei nämlich primär um Intellektuelle, Studierende, Künstler/-innen, Schriftsteller/-innen oder Menschen aus der Nachbarschaft. Jene also, die ohnehin schon einen liberalen Zugang zu der Materie „Frieden zwischen den Kulturen“ haben. Preaching to the Converted? Vielleicht, doch missen will man diesen Ort der Begegnung nicht. Wenn man Michel fragt, meint er, sein Café betreibe er für den Frieden, an den er glaube, glauben muss. Auch für Dina, die vor Kurzem an Krebs gestorben ist. An sie muss er oft denken.


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Schreiben mit Christina Boiger – effizient, mit Strategie und ganz viel Lust Die Schreibtrainerin mit Hut begleitet Studierende bei ihren Abschlussarbeiten und steckt mit ihrer Liebe zur Sprache und der Freude am Schreiben an. von Kristian Tisch Christina Boiger treff’ ich letzte Woche im Café Fotter bei DarjeelingTee mit Milch. Sie sitzt unter einem Rosenstrauch, ihr Hut wackelt, die Füllfeder fliegt fast über ihr Notizheft und füllt die Seiten. „Gleich – nur den Gedanken noch fertig schreiben.“ Unter dem blauen Hut strahlt ein Augenfunkeln. „Morgenseiten“, lächelt sie mich an: „Denken am Papier.“ Christina Boiger ist Schreibtrainerin und ihr hübsches Notizheft, die Stifte und ihr oranger Koffer wirken. Ihr ‚mobile office‘ mit bunten Zetteln, ovalen Karteikarten und unzähligen Stiften weckt sofort die Lust, das Schreiben selbst auszuprobieren. Viele Studierende hat sie schon mit ihrer Liebe zur Sprache motiviert und ihnen damit beim Marathon des Abschluss-Arbeiten-

Schreibens geholfen. Nach dem Lehramtsstudium Spanisch und Deutsch an der KarlFranzens-Universität hat sie im Vertrieb und Marketing eines internationalen Unternehmens gearbeitet und neben dem 40-, manchmal 50-Stunden-Job ihr Russischstudium absolviert. „Aber die Bachelorarbeit hab’ ich lang’ nicht geschrieben. Über Jahre hinweg nicht.“ Sie schaut mir offen ins Gesicht. Kein Zucken, das Reue verrät oder rote Flecken, die von Peinlichkeit sprechen. „Ich hatte keine Zeit, der Wohnungsputz war wichtiger. Und das Ausschlafen. Das Kino. Und ich hab’ den Sinn des Studiums, der Abschlussarbeit in Frage gestellt. Heute weiß ich: Das ist normal. Viele Studierende schieben die Abschlussarbeit hinaus, vor allem, wenn sie schon mitten im Beruf stehen und das Schreiben im

Alltag keinen Fixplatz hat.“ Geschrieben hat sie die Bachelorarbeit dann doch noch, mit Hilfe aus dem writers’ studio: Kein Marathon, ohne mit einem professionellen Team trainiert zu haben! Im Workshop Frei geschrieben entstanden die ersten Schritte für die Bachelorarbeit, der Zeitplan und endlich die ersten Worte. „Hab’ keine Angst vor dem leeren Blatt, gute Texte fallen nicht vom Himmel.“ – Das hat sie im Workshop gelernt. Oja, davon träumte ich letztens auch, im Diplomanden-Seminar an der Uni: davon, dass die Angst verfliegen würde und der Text meiner Arbeit ganz professionell entstünde … Christina Boiger verrät mir: „Schreiben ist keine Geheimwissenschaft, die nur große Genies beherrschen. Es ist auch keine Zauberei: ‚Schwupps, da ist er, der super Text.‘ Gutes Schreiben kann man lernen.“ Sie hat es bei ihrer eigenen Abschlussarbeit mitgemacht, sie hat in Büchern davon gelesen, sie hat es erlebt, durch Beratungen vielen dazu verholfen.


GeWitter 10/12 Sie selbst schreibt oft und viel. Diese Liebe zu Zettel und Papier, zum Schreiben, entstand auf einer Zugfahrt nach Sibirien. Auf dem Weg zu den Sommerkursen einer russischen pädagogischen Uni hatte sie Zeit. Wirklich viel Zeit. 52 Stunden ohne Dusche, ohne Fernseher, ohne Radio. Das RussischWörterbuch hatte sie mit, einen Reiseführer und zwei Bücher, die schon nach wenigen Stunden ausgelesen waren. „Das Ruckeln und Zuckeln des Zugs hat mich beruhigt, der heiße Tee aus dem Samowar hielt mich munter und ich wollte die vielen genialen Momente festhalten.“ Mit der Kamera wurden es unendlich viele Aufnahmen von Landschaften, mit dem Stift ließ sie Papierberge wachsen und nahm die Stimmungen auf, die Gedanken und die Sehnsucht, alles rauszulassen, frei zu sein. Nun hält sie selbst für das writers’ studio den Kurs Frei geschrieben. Studium abschließen mit Schwung & Strategie ‒ ab Herbst auch in Graz! In ihren Schreib-Beratungen und in den kreativen Seminaren spürt man sie, diese Gedankenfreiheit und die Lust, mit dem Stift auf Reisen zu sein. „Aber nur, weil ich etwas sage, passiert bei den Teilnehmer/-innen eines Workshops noch nichts. Sie müssen es selbst erleben.“ Ich nicke. Christina Boiger weiß, wovon sie spricht. An der FH CAMPUS 02 arbeitet sie am Institut für Hochschuldidaktik und ist zuständig für die Ausbildung und Fortbildung der Lektor/-innen und Mitarbeiter/-innen sowie für die Evaluierung von Studienbedingungen und Studienorganisation. Sie weiß, wie wichtig ein guter Vortrag und gut aufbereitetes Lernen ist. „Es geht nicht um das Nachahmen, Aufzählen, Nennen oder Beschreiben von Inhalten. In der modernen Hochschuldidaktik setzen sich Teilnehmer/-innen mit Inhalten auseinander, sie erleben Methoden und Techniken,

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reflektieren diese und können diese auch anwenden ‒ am besten auf eigene Projekte.“ Und so sind auch die Kurse von Christina Boiger aufgebaut, so laufen die Workshops ab. Lernen durch Erfahren, durch Probieren und Anwenden. Oja, davon träumte ich letztens auch, an der Uni: träumte davon, dass diese Erkenntnis auch dort angewandt werden würde … Christina Boiger lässt mich noch im Café Fotter ausprobieren, wovon sie gesprochen hat. Sie greift nach einem meiner Rohtexte und gibt mir ‚friendly feedback‘. Eine Methode, bei der sie gelungene Stellen markiert ‒ Rotstift oder Streichungen gibt es nicht. „Es geht darum zu stärken“, blitzt unter ihrem Hut ein freundliches Lächeln hervor. Dann zeigt sie mir, wie ich überarbeiten kann: Spielend finden wir alternative Formulierungen, machen aus meinem Rohtext ein Puzzle und legen erst zum Schluss fest, welche Stelle der Anfang ist. Eine neue Erfahrung, das Schreiben als Prozess zu betrachten. Christina Boiger hat diesen mehrmals an sich selbst erlebt und begleitet viele Studierende auf diesem Marathon. Auf kreative, angenehme, freundliche Weise. Und immer mit Hut.

KONTAKT Mag. Christina Boiger, BA Tel.: +43 0650/5511422 Email: christina.boiger@schreibenmitchribs.at; christina.boiger@writersstudio.at Schreibangebote: http://www.schreibenmitchribs.at/ http://freigeschrieben.at/ http://www.writersstudio.at/

TERMINE 18.10.: 22.10.: 26.10.: 07.11.: 21.11.:

Gratis-Infoabend: Frei geschrieben Gratis-Infoabend: Mit dem Stift auf Reisen Schreibreise: Mit dem Stift auf Reisen – eine Zeitreise nach Payerbach Workshop Frei geschrieben. Studium abschließen mit Schwung & Strategie Vortrag Schreibkompetenz als Schlüsselqualifikation bei der excellence an der Karl-Franzens Universität: www.excellence-messe.at

GEWINNSPIEL Der Workshop Frei geschrieben baut auf dem gleichnamigen Buch von Judith Wolfsberger, der Gründerin des writers’ studio, auf. Wie lautet der Untertitel? Schick deine Antwort bis 29.10.2012 an gewitter@oehunigraz.at Betreff: „Gewinnspiel Frei geschrieben“ und gewinne deine Teilnahme an Frei geschrieben im Herbst 2012! Hinweise zur Antwort gibt es auf www.freigeschrieben.at!


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Unser Weg zur WM 2014 in Rio ... oder: Phrasendreschen fürs Hochschulbudget Österreich qualifiziert sich für die WM 2014!!! Der orakelhafte Traum von der erfolgreichen WM-Quali während einer schwülen Nacht im August …

von Kevin Eberhard Die Qualifikation für die Fußballweltmeisterschaft 2014 in Rio de Janeiro hat begonnen. Das GeWitter wird mit „Herzblut“ den Weg unseres Teams verfolgen, mit Humor Prognosen für die Spiele geben und mit Sicherheit dabei nicht auf eine Verknüpfung mit der Zukunft der österreichischen Unis vergessen. Wir werden nämlich versuchen, in den Prognosen möglichst viele Fußballphrasen zu dreschen, um das berühmt-berüchtigte Phrasenschwein symbolisch mit jenen Euros zu füllen, die das vernachlässigte Hochschulbudget gut vertragen könnte.

In diesem Sommernachtstraum trifft also unser österreichisches Nationalteam zunächst auf unseren liebsten „Feind“ Deutschland in Wien. Danach stehen in diesem Jahr noch zwei harte Spiele gegen das, nicht nur im Fußball berüchtigte, Kasachstan an. In dieser nicht leichten Qualifikationsgruppe mit Kalibern wie dem eben genannten Deutschland, Irland und Schweden, ist die Qualifikation für die WM erklärtes Ziel des Teams und natürlich der gesamten Fangemeinde. Österreich lechzt nach einem fußballerischen Großereignis, wie die Unis nach Finanzierung. Und wir zeigen euch, wie es mit Ersterem klappen kann: Beim ersten Spiel trifft unsere Elf auf Deutschland, den wohl stärksten Gegner in der Gruppe. Jedem Österreicher und jeder Österreicherin ist der Sieg gegen die „Piefke“ 1978 in Cordoba ein Begriff; es wäre also endlich Zeit, wieder einmal „narrisch“ zu werden. Auch wenn Deutschland zahlreiche Weltklassespieler wie Mesut „Nemo“ Özil oder Bastian „Schweini“ Schweinsteiger hat, ist die Chance so groß wie nie. Warum? Die vor kurzem von Schwimm-Ass Markus Rogan ge-

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äußerte Theorie, nach der Sportler/innen mit weniger Intelligenz erfolgreicher sind, lässt nun ganz Fußball-Österreich hoffen: Selbst nach dem Rausschmiss von Paul „Herzblut“ Scharner aus dem Team, sollten wir den Deutschen nach Rogans Theorie haushoch überlegen sein. Deutschland stürmt zwar mit einem Lukas „Poldi“ Podolski à la „Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel“, aber wir kontern locker mit unserem Marko „Astronautovic“, dessen Grabinschrift einmal lauten könnte: „Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich verpraßt!“ Prognose des geträumten Spiels Österreich gegen Deutschland: Ein Auftakt nach Maß für Österreich: 1:0 durch Marko Arnautovic zum für Deutschland psychologisch ungünstigsten Zeitpunkt nach 5 Minuten. Die Deutschen stecken den Sand nicht in den Kopf und versuchen wiederholt, ein Kopf mit Tor zu erzielen. Doch unsere Elf rührt hinten Beton an, um das Runde ja nicht ins Eckige zu lassen. Halbzeitpause. Das Spiel lebt von der Spannung. Plötzlich Tor für Deutschland, aber der Schiedsrichter entscheidet frei nach Hans Krankl: „Irreregulär“. Die Deutschen reklamieren, aber der Schiri hat immer recht. Noch immer die Führung für Österreich, aber ein Spiel dauert 90 Minuten. Die Deutschen rennen an, doch das österreichische Tor scheint vernagelt. Endstand 1:0 für Österreich. Deutschland nimmt es gelassen: „Mal verliert man, mal gewinnen die anderen.“ Nach diesem perfekten Start strömt eine Welle der Euphorie durch das Land. Die beiden Spiele gegen Ka-


GeWitter 10/12 sachstan scheinen im Voraus schon gewonnen. Auch der Tiroler Landeshauptmann Platter beglückwünscht David Alaba und Co. zum Sieg und wünscht auf seine ganz eigene Art und Weise alles Gute für die weiteren Spiele: „Congratulation, David and good luck for the upcoming matches!“ Beflügelt von diesen Worten eines wahrhaftigen Sportfans machen sich unsere Nationalkicker bereit für die Pflichtsiege gegen den Underdog aus Kasachstan. Um wirklich nichts dem Zufall zu überlassen, schaltet sich sogar Finanzministerin Fekter ein. Voller Tatendrang kontaktiert sie sämtliche von ihr als Innenministerin abgeschobenen Ausländer, überzeugt sich von deren fußballerischen Fähigkeiten und bürgert sie gegebenenfalls im Eilverfahren ein. Die Euphorie kennt keine Grenzen mehr! Prognose der geträumten Spiele zwischen Österreich und Kasachstan: Die Kasachen sind ein unbeschriebenes Blatt; auf dem Papier ist Öster-

Seite 23 reich die stärkere Mannschaft. Aber in dieser Gruppe kann jeder jeden schlagen. Ein Tor würde dem Spiel sicher gut tun. Elfmeter für Österreich. Der Gefoulte soll nicht selbst zum Elfmeter antreten. Also überrascht es auch nicht, als Ivanschitz vergibt. Aber die Österreicher spielen auf Sieg. Harnik trifft zum 1:0. Er weiß einfach, wo das Tor steht. Halbzeit. Kasachstan hat Abstimmungsprobleme: Eine gute Flanke, aber leider steht niemand in der Mitte. Österreich müsste die Führung ausbauen, glänzt jedoch durch Unvermögen: Wäre der Schuss aufs Tor gekommen, wäre er drin gewesen. Aber die Null muss stehen. Endstand 1:0 für Österreich. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Österreich besiegt die Kasachen auch im zweiten Spiel, 3:1. Nach dem Erfolg gegen Deutschland und den Siegen gegen Ka-

sachstan stürmt das österreichische Nationalteam an die Spitze der Qualifikationsgruppe C. Die Chancen für die erstmalige Teilnahme an einer Fußballweltmeisterschaft seit 1998 stehen hervorragend. Im nächsten Jahr wird Österreich zunächst auf Kaliber wie die Färöer und Irland treffen. Natürlich wird das GeWitter wie ganz Österreich nicht aufwachen, den Traum weiter träumen und daher unser Team auf seinem Triumphzug durch Europa begleiten. Ganz nebenbei wurde mit Hilfe des in diesem Artikel abgebrannten Phrasenfeuerwerks ein großer Teil des österreichischen Hochschulbudgets finanziert. Mit freudiger Erwartung, leichtem Schmunzeln und ungläubigem Blick darf Österreichs glorreicher sportlicher und universitärer Zukunft entgegengesehen werden.

Grafik: Strah


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Fürchtet euch nicht So ... September, so ... Semesterbeginn: So zwischen Spannung und Katerstimmung.

von Jennifer Brunner Die ersten Anzeichen machen sich bereits bemerkbar: Die ÖH hat ihr Zelt vor dem Hauptgebäude aufgeschlagen, die Termine für die Anmeldefristen stehen und UNIGRAZonline lädt ein zum Stöbern und Entdecken der Lehrveranstaltungen für das neue Studienjahr. Raus aus der „Sommerpause“, rein in den Uni-Alltag. Ein kleines verstohlenes Schmunzeln können sich fortgeschrittene Studierende jedoch kaum verkneifen, wenn der Jüngling an der Bushaltestelle neben ihnen eifrig erzählt: „Morgen darf ich mich endlich inskribieren und dann ab Oktober geht´s los!“, denn offenbar wird jedes neu beginnende Semester im Laufe eines Studiums anders erlebt. Und leider scheint dieses Erleben begleitet von steigender Frustration und fallender Vorfreude. Doch warum eigentlich? Was ist der Unterschied zwischen Uni-Neulingen und ihren höhersemestrigen Kollegen und /-innen?

Grafik: Sternat

Was die Freuden und Enttäuschungen auf die sich quasi alle einstellen müssen? Es verwundert nicht weiter, dass Erstsemestrige „das Neue“ bei Laune hält. Hat man es erstmal durch den Entscheidungs- und Anmeldungsprozess bis zur siebenstelligen „numerischen“ Identität (sprich: Matrikelnummer) geschafft, kann das eigentliche Vergnügen beginnen: Endlich selbst bestimmen wie viele und welche Fächer man belegt, flexible Zeiteinteilung, vielleicht sogar freie Tage unter der Woche und das Beste: Keine Anwesenheitspflicht in den Vorlesungen! Mit so viel neuem Freiheitsgefühl ausgestattet, werfen sich die „Erstis“ ab Oktober ins Campus-Geschehen, unter aufmerksamer Beobachtung ihrer alternden Kollegen und /-innen, die sich ihrerseits, zwischen all diesen Anschluss und Räume suchenden Augenpaaren, wie das Auskunfts-

personal in einer überfüllten „Freundschaftssuchbörse“ fühlen. Während der/die Alte, auskunftsfreudig, aber immer auch ein bisschen überheblich und wehmütig ob des einstigen Elans, seines/ihres Weges zieht, landet Nummer 12_ _ _ _ _ schnell in maßloser Überforderung („Alle Prüfungen in einer Woche?! Das schaffe ich nie!“) oder in einem vom Partyzyklus bestimmten Leben. Das Erwachen im zweiten Semester gleicht schließlich einem äußerst unangenehmen Kater, die Desillusionierung setzt ein: Gerade die Vorlesung, die man sich im letzten Semester nicht auch noch aufhalsen wollte, wird nur einmal jährlich angeboten, bei dem Fach, das Voraussetzung für ein kommendes ist, ist man durchgefallen und kann sich jetzt nicht anmelden und die Bibliothek blieb ohnehin unerforschtes Terrain. So beginnen manche zu begreifen, dass dieses Studium doch die falsche Wahl war, andere verabschieden sich bereits jetzt von der Mindeststudienzeit. Schließlich wird spätestens mit Einsetzen des zweiten Studienjahrs klar: Der Sommer ist doch äußerst kurz, so eingezwängt zwischen Ferialjob im Juli/ August


GeWitter 10/12 und Prüfungsvorbereitung im September. Die Lehrveranstaltungen sind äußerst gut besucht, so zwischen drohendem Rauswurf aufgrund der eigenen niedrigen Semesteranzahl und Treppensitzplatz. Und die Zeit vergeht äußerst schnell, so zwischen dem Traum vom Auslandssemester und der immer noch ausständigen, nachzumachenden Lateinprüfung. Anstatt der Vorfreude auf die Online-Bekanntgabe der neuen Lehrveranstaltung stellt sich Ernüchterung ein, da schon wieder (in echt: jedes Jahr) dieselben Profs dieselben Lehrveranstaltungen zu

denselben Themen, in denen sie sich selbst heimisch und sicher fühlen, halten, während aktuelle Fragestellungen und neuere Entwicklungen schlicht ignoriert

Seite 25 werden, sowohl inhaltlich als auch didaktisch. (Wer´s nicht glaubt, soll die Profs beispielsweise zu fragen wagen, wie sie zu der Einrichtung eines Streams ihrer VOs, der allen Studierenden online zugänglich gemacht werden würde, stehen ... Andernorts übrigens gang und gäbe.) Etwa in dieser Phase, den Abschluss des BA-Studiums, die erste größere Hürde (es ist wirklich erst die erste ...) im Blick, lauert eine neue Bekanntschaft, nämlich die interne Bürokratie des Systems Universität. Neben den aufsteigenden Ängsten vor dem bevorstehenden Studienabschluss („Was soll ich dann nur tun? Was soll bloß aus mir werden?“) und der oft verzweifelten Suche nach passendem Thema sowie Betreuer/-in für die BA-Arbeit, ist es vor allem der Spießrutenlauf zwischen Dekanat, Studien- und Prüfungsabteilung und CuKo-Vorsitzenden, der einem dem Atem nimmt: Jede Anrechnung ein Feilschen, um jedes ECTS-Pünktchen wird erbittert gekämpft, jede Frist gefürchtet, aufgrund der wochenlangen Bearbeitungszeit. Und ganz plötzlich ist es dann, nach unbestimmter Zeit, tatsächlich geschafft: Gedruckt auf einem Blättchen feierlich braunen Papiers ein BA hinter deinem Namen. Doch folgt oft schneller als man denkt, dem „Gott sei Dank! Ich habe es tatsächlich geschafft“, die Einsicht, dass eine Fortsetzung des Studiums die einzige momentan sichtbare Perspektive ist. Etwas Euphorie kommt auf, vielleicht. Masterstudium, immerhin. Als würde man ein neues Stückchen Land entdecken, um dann festzustellen, es ist genau so, wie überall anders auch. Auf den universitären Kontext umgelegt, heißt das Folgendes: Entweder die Anzeige unter „alle LV des Studienjahres“ auf UNIGRAZonline bleibt ohnehin äußerst spärlich gefüllt (keine Ausnahme: ganze drei Pflichtfächer für ein Semester, einige Module gibt es nur alle zwei Jahre etc.) oder ein

Reichtum an Fächern überflutet einem schier vor Freude das Herz, bis klar wird: Das sind genau dieselben Fächer, wie jene aus dem Bachelorstudium ... So treffen einen zwar auch in den höheren Semestern noch die ein oder andere unangenehme Überraschung, doch im Allgemeinen weichen Wut und Frustration wie in jedem anderen starrem, unveränderlichem System letztlich Gleichgültigkeit und Akzeptanz. Statt sich zu erbosen, gibt man sich den Spielregeln hin und beginnt sie im besten Fall für das eigene Wohl zu nutzen. Schlage sie mit ihren eigenen Waffen. Konkret kann das etwa heißen, sich Lehrveranstaltungen in mehreren Studien doppelt und dreifach anrechnen zu lassen, Freifächer zu absolvieren, die ein Minimum an Aufwand verlangen, da stets dieselben Prüfungsfragen gestellt werden, die wie offene Geheimnisse am Campus herumgeistern, sich für jedes erdenkliche Stipendium bewerben und am wichtigsten: Die Konfrontation nicht zu scheuen. Ein derartiges Verhalten mag moralisch fragwürdig sein, denn die eigene Leistung besteht mehr und mehr in der Suche nach Lücken im System, anstatt in der angedachten wissenschaftlichen Tätigkeit. Doch vielleicht ist es eben das, was wir im Laufe unseres Studiums lernen müssen und was uns helfen soll, für später, im noch viel härteren Leben des kapitalistischen „Da draußen“: Die Konkurrenz ist hart, Geld fehlt überall, Posten werden nicht nachbesetzt, hauptsächlich wird gekürzt und gestrichen, Platz für Ideen und Innovation gibt es nicht und jede/-r ist sich selbst die/der Nächste. Das mag verbittert klingen, aber fürchtet euch nicht: Mit jedem angefangenen Semester tut es ein bisschen weniger weh. Du denkst die Darstellung ist überspitzt? Recht hast du.


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(K)ein Ende in Sicht Das vermeintlich letzte Jahr auf der Uni von Bernhard Schindler Es ist wieder soweit, ich zähle die letzten kürzer werdenden Sommertage (ich weiß gar nicht wie viele melancholische Songs zu diesem Thema geschrieben wurden) und reiße gleichzeitig die verbleibenden Kalenderblätter bis zum Start des neuen Unijahres vom noch unbenutzten Sprachkalender. Eigentlich dasselbe Spiel wie jedes Jahr im September; wer kennt es nicht? Der Sommer ist um, wie üblich habe ich den diversen Seminararbeiten viel zu wenig Zeit gewidmet, die ich mir in voller Motivation aufgehalst habe und die jetzt ein Mühlstein an meinem Hals sind. Aber etwas ist doch anders, schließlich ist es mein letztes Jahr an der Universität. Das Ende ist in Sicht, die letzten Pflichtkurse werden inskribiert, aber was könnte ein alt eingesessener Student sonst in seinem letzten Jahr so tun? Ich könnte mich boshafterweise für die schwersten und arbeitsintensivsten Seminare anmelden und meinen Kollegen und Kolleginnen dabei zusehen, wie der Stress sie innerlich zerfrisst. Ich könnte mich diebisch freu-

en, dass mir das zumindest diesmal erspart bleibt. Genauso könnte ich aber auch andere Institute und deren Lehrveranstaltungsverzeichnisse nach interessanten Kursen abseits meines Curriculums durchforsten. Etwas Orientierung fern des eigentlichen Faches schadet nie, sei es nun ein ArabischKurs, ein Seminar über die anstehende US-Wahl oder eine Exkursion durch den Botanischen Garten Graz (sehr zu empfehlen). Sicher eine bessere Aktivität als nur Tage und Scheine zu zählen. Oder den Klassiker des Studierendentums in Erwägung ziehen: zumindest ein Semester Philosophie studieren. Besonders in den verregneten Anfangs-

tagen des jungen Semesters bietet es sich, zur Verringerung einer aufkeimenden Winterdepression, an, sich auf der Mediathek etwas umzusehen und den

Verstand zu erweitern. (Und eben nicht durch den berüchtigten hopfig-malzigen Lernsaft.) Obwohl … eigentlich ist auch das eine nette Alternative zum kultivierten Lernalltag. Vielleicht doch ein- bis zweimal das Univiertel auf (MAXIMAL!) ein Bier besuchen und dabei in Erinnerungen an die unbeschwerteren (Studienanfangs-) Zeiten schwelgen. Sicher ein gängiges Mittel, um die studentische Midlife-Crisis, sprich Abschlusspanik, etwas zu verzögern und noch ein endgültig letztes Mal an die sorglosen Anfangstage zu denken, in denen die künftige Jobsuche (und damit die drohende Arbeitslosigkeit) noch kein Thema war. Wobei, so sorglos waren diese Tage dann ja auch wieder nicht. Wo wir beim Stichwort Sorglosigkeit sind. Die Angst keinen Job als JungAkademiker zu finden, ist besonders


GeWitter 10/12 für uns Geisteswissenschaftler/innen ein ständiger Begleiter. Allerdings nicht im Sinne eines besten Freundes, sondern eher im Stil einer schleichenden Depression, die danach schreit, in Alkohol ertränkt zu werden. Aber wenn wir einmal von den Horrorgeschichten absehen, die viele von uns in Veranstaltungen à la „Einführung in das Studium der Geschichte“ (Ohhh ja, solange ist’s schon her) und ähnlich amüsanten Fächern, die heute unter dem Begriff „Orientierungslehrveranstaltungen“ summiert sind, erdulden, ist es gar nicht so schlimm. Vorausgesetzt, wir haben uns nicht stupide durch unser Studium gekämpft, ohne jemals nach links und rechts zu sehen. Jetzt hat man noch ein Jahr Zeit für solche abschweifenden Blicke, wobei selbstverständlich das eigentliche Ziel nicht aus den Augen verloren werden sollte. Mit diesen Gedanken beginnt also wieder ein neues Semester, das nicht gleich wie jedes andere ist, schließlich ist es wohl das letzte Wintersemester auf der Uni und zugleich das vorletzte der Karriere als Studierender. Vorausgesetzt, wir erliegen nicht der Verlockung uns weiterzubilden, noch das ein oder andere Masterstudium anzuhängen und die wohl schönste Zeit des Lebens um einige Semester zu verlängern.

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DOS and DON´ts Bürokratie „Unterschätze niemals die Macht des Imperators“, hustete einst ein sterbender Meister Yoda. Ähnlich verhält es sich mit der Bürokratie der Uni und ihren Hürden. Etwas im finalen Antrag auf den Abschluss fehlt immer, irgendein Detail ist nicht korrekt eingegeben und wird daher zurückgeworfen. Bearbeitungen können ewig und einen Tag dauern, Unterlagen im Nirwana verschwinden, zwei Mitarbeiter/-innen können zwei diametral zueinander stehende Auskünfte geben. Sich zu früh freuen Es fehlt immer etwas, sei es eine nicht beachtete Voraussetzungs-LV für das letzte Pflichtfach oder Modul, seien es ein oder mehrere Wahlfachstunden, die noch für das erfolgreiche Ende absolviert werden müssen. Und nichts ist deprimierender und sinnentleerter als sich krampfhaft Vorlesungen zu suchen und Inhalte zu lernen, wenn man nicht voll bei der Sache ist. Das Ende zu sehr genießen Stadtpark, Univiertel, Music House oder tiefgründige Pub-Gespräche laden doch dezent zum Zeit totschlagen ein. Vor allem, weil sich zu jedem Zeitpunkt des Studiums Kollegen und Kolleginnen finden lassen, die ähnlich viel Freizeit und ebenso wenig Lust auf Universität haben, wie man selbst. So jung kommt man schließlich nie mehr zusammen, es bleibt nicht bei dem sagenumwobenen „einen Bier“ und lernen bzw. Master/ Diplomarbeit schreiben kann ich morgen auch noch … Sich überqualifizieren Wir Geisteswissenschaftler/-innen fühlen uns ja manchmal als die Krone der Fotos: Fleck (3)

intellektuellen Schöpfung, ergo sind wir für faktisch jeden Job überqualifiziert. Ein Traum, den die Realität allzu oft jäh beendet. Aber immerhin bleibt ja noch ein Jahr Zeit, um sich weiter zu qualifizieren, diverse Zusatzausbildungen und Kurse zu beginnen, vielleicht noch eine neue Sprache lernen, einen ECDL zu machen oder einfach nur die Social Skills abseits von Bars und Kneipen zu pushen. Es ist eh nur ein kurzfristiger Nebenjob… Ha ha „Ich bin jung und brauche das Geld…“ ‒ Diesen oder einen ähnlichen Gedanken haben die einen oder anderen von uns schon dazu bewogen, sich einen Nebenjob zu suchen. „Es wird eh nur eine kurzfristige Angelegenheit bleiben, wenn ich einmal fertig bin, dann such ich mir einen richtigen Job“, sind meist die weiterführenden Gedanken … Aber manchmal kann der vermeintliche Nebenjob der Hauptbroterwerb für einige Jahre bleiben, denn auch mit Magister/MasterAbschluss in der Tasche ist es nicht sicher, gleich adäquate Arbeit zu finden und spätestens dann bleibt man des Geldes wegen doch dabei. Reisen Der Klischeeklassiker unter den LastYear-Aktivitäten. Allerdings: Wann, wenn nicht jetzt, all jene Städte und Orte auf seine eigene, individuelle Art ansteuern? Es ist eine Illusion, dass wir später, „wenn wir erst genug Geld verdienen“, noch reichlich reisen werden. Die Alltagsroutine holt jede/-n von uns ein und mit Haus, Mann/Frau, Kind und Hund verreist es sich nicht mehr so leicht. Höchstens in All-Inclusive Clubs.


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GeWitter 10/12

Seiten, die die Welt bewegen

Jonas Jonasson Der Hundertjährige, der... ...aus dem Fenster stieg und verschwand Stell dir vor, du wirst demnächst 100 Jahre alt – und hast überhaupt keine Lust auf die Feier, das Altersheim allgemein und Schwester Alice im Besonderen. So beginnt Jonas Jonassons Roman über die Odyssee des Allan Karlsson, die vor allem durch unwissentlich gestohlenen 50 Millionen Kronen verkompliziert wird. Aber einen, der schon versehentlich General Franco gerettet und unabsichtlich Wladiwostok abgebrannt hat, kann sowas nicht mehr schockieren. Erst recht nicht, wenn er dabei einen bunten Haufen Freunde (und einen Elefanten) findet. Der Autor schafft aus Allans Lebensgeschichte und der Sache mit dem Geld zwei rasante, absurde, aber immer glaubhafte Handlungsstränge – jeder für sich gäbe schon eine gute Erzählung ab, in Kombination sind sie süchtigmachend! Sebastian Scherzer

Michiko Flašars Ich nannte ihn Krawatte In Milena Michiko Flašars Roman „Ich nannte ihn Krawatte“ treffen

sich zwei Melancholiker, die Pause von der Welt machen. Unaufdringlich und poetisch schildert die junge Autorin eindrucksvoll die Verlorenheit des Einzelnen im heutigen Japan. Eine bewegende Geschichte zweier Männer, die aus allen haltgebenden und zugleich disziplinierenden Systemen herausfallen. Ein Roman von internationaler Gültigkeit und Aktualität: über die Gefahr des Scheiterns an der Leistungsgesellschaft, die Normierung von Menschen, über die Einsamkeit in der Masse und den Wert von Freundschaften. Mit viel Gespür und sprachlicher Schönheit dient die kompositorische Strenge des Romans als Gerüst, das auch große Gefühle trägt. Ein berührend eingängiges Werk, das den/die Lesende/-n von Anfang an fesselt. Marlies Weixelbaumer

George R. R. Martin Das Lied von Eis und Feuer Fans der Serie Game of Thrones können sich bis zur nächsten Staffel mit der auf ihr basierenden Romanreihe Das Lied von Eis und Feuer von George R. R. Martin hinwegtrösten. Die im Fantasy-Genre übliche Seitenmasse lässt sich durch eine Komposition vielschichtiger Charaktere, unvorhersehbare Hand-

lungsstränge und fesselndem Erzählstil schnell verschlingen. Der mittelalterliche Fantasiekontinent Westeros, welcher Tolkiens Mittelerde in nichts nachsteht, wird von Intrigen und Machtkämpfen seiner Herrscherhäuser sowie anderer dunkler Mächte überschattet, erzählt aus den Blickwinkeln mehrerer Figuren. Laufend wird der/die Lesende mit brutalen Überraschungen konfrontiert, Humor und Romantik kommen auch nicht zu kurz. Abschließend mit den Worten des Hauses Stark: „Winter is coming“ – Game of Thrones bietet einen epischen Übergang in den Winter. Sandra Zivanovic

GEWINNSPIEL Das GeWitter verlost 3 Exemplare von „Ich nannte ihn Krawatte“ und je ein Exemplar von „Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand“ und „Das Lied von Eis und Feuer 01“. Welches Amt übt Christa Neuper an der KF-Uni-Graz aus? a) Königin der Nacht b) Rektorin c) Hausmeisterin. Sendet uns die richtige Antwort bis spätestens 29. Oktober 2012 an gewitter@oehunigraz.at Betreff: GeWinnspiel. (Wir danken den Verlagen für die freundliche Zuverfügungstellung der Verlosungsexemplare.)


GeWitter Oktober 2012  
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GeWitter FV GeWi Fakultätszeitschrift Geisteswissenschaften Uni Graz Oktober 2012

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