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P.b.b ZNR 02Z032679 Logistikzentrum Steiermark

Studienjahr 2011/12, He˜ 3, Juni 2012

G e Wi t t e r Zeitschrift der Fakultätsvertretung GeWi an der Uni Graz

Labora et ...?! Der K(r)ampf um die raren Ferialjobs

Was wurde aus ...? Schauspielerin Pia Hierzegger im Interview

Kreative GeWis Elisabeth Donaczi im Porträt

Museumstour

Internationale Lange Nacht in den Uni-Museen

Gewinnspiel Tolle Reiselektüre zu gewinnen!

Ich bin dann mal weg ...

Schwerpunkt Auslandssemester


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GeWitter 06/12

Sommerwetter *

ZUSATZ ZUM IMPRESSUM - Wie die ÖH Beton… nag(e)lt Liebe Alle und liebe Niemande,

von Markus Schicker

N

achdem diese Ausgabe unsere letzte vor dem Sommer ist, gibt es ausnahmsweise kein Donnerwetter, sondern ein Sommerwetter. Diesmal behandeln wir das Thema „Auslandssemester“ und hoffen, damit dem einen oder der anderen Lust darauf zu machen, selbst einen Teil seines/ihres Studiums im Ausland zu absolvieren – Stipendienplätze gäbe es jedenfalls genügend, ihr müsst nur die Chance ergreifen. Außerdem möchte ich meinen MitarbeiterInnen dafür danken, dass sie mir geholfen haben, es in so kurzer Zeit zweimal GeWittern zu lassen – danke! Euch, liebe Kolleginnen und Kollegen, wünsche ich einen schönen Sommer und viel Spaß beim Lesen … vergesst jedoch nicht, neben eurem Ferialjob, während ihr am Strand die Seele baumeln lasst, oder bei welchen eurer sommerlichen Aktivitäten auch immer, dass sich die universitären Bedingungen über den Sommer nicht verbessern werden – schon gar nicht durch die vom Senat der Uni Graz beschlossene Einhebung autonomer Studiengebühren. Wir werden uns in der Herbstausgabe diesem Thema annehmen. Wer sich gemeinsam mit uns auf einen heißen Herbst vorbereiten will, kann sich unter donnerwetter@oehunigraz.at melden.

darf man per Satzung vorschreiben, wie frau/man zu sprechen/schreiben hat? Ist das nicht ein bisschen Siegfried-Nagl-like? Wollen wir wirklich Verbote und Gebote wie der Grazer Bürgermeister an unsere Türen nag(e)ln? So wie der strenge Sigi sich an sein Bettel- und Alkoholverbot, sein Handygebot und seine Sperrstunden für Lokale klammert(h), so wollen wir doch nicht sein, oder? Vor allem dann nicht, wenn wir sehen, wie viel sich durch so eine Verordnung in der Praxis wirklich verändert. Denn, obwohl im § 19 unserer ÖH-Uni-Graz-Satzung Folgendes steht: „Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter der ÖH Uni Graz haben dafür Sorge zu tragen, dass geschlechtsneutrale Bezeichnungen in allen Bereichen ihrer Tätigkeiten durchzuführen sind“, ist unser komplettes ÖH-Vorsitzteam männlich, von 15 Referaten an der ÖH Uni Graz werden nur vier von ReferentINNEN geleitet, in sechs Fakultätsvertretungen gibt es nur zwei weiblichE VorsitzendE und ich kann mich nicht daran erinnern, dass es in meiner Studienzeit jemals einE ÖH-VorsitzendE an der Uni Graz gegeben hat. Schön blöd, dabei sollte doch mit dem verordneten Gendern genau das Gegenteil erreicht werden, nämlich dass Frauen auch in der Realität und nicht „nur“ in Worten gleichgestellt sind. Wahrscheinlich wäre es am gescheitesten, auf der ÖH eine Frauenquote einzuführen (so wie auf der Uni), die ist zwar sexistisch, weil sie eine ganze Generation Männer benachteiligt, aber das ist so etwas wie eine Entschädigung dafür, dass es so lange schon eine patriarchalische Gesellschaft gegeben hat/gibt. Schade ist nur, dass die Männer, die durch solche Regelungen benachteiligt werden, oft gerade jene sind, die sich selbst für Gleichberechtigung einsetzen, schließlich wurden viele von ihnen von klein auf so erzogen. Umgekehrt müssen sich Frauen, die einen Job auch ohne Frauenquote bekommen hätten, vorwerfen lassen, dass sie ihn nur aufgrund eben gerade jener erhalten haben. Hmm, wieder schön blöd, die einzige Lösung scheint wohl zu sein, dass wir alle Merkmale, die uns Männer und Frauen unterscheiden, nicht nur wegreden, sondern tatsächlich weggeben. Zuerst einmal müssen wir es abschaffen, dass Frauen Kinder bekommen können. Kinder sollten in Zukunft nur mehr in Reagenzgläsern künstlich erzeugt und daheim vorm PC von Facebook großgezogen werden. Muttertag sollte durch den Mark-Zuckerberg-Tag ersetzt werden (als kleiner Hinweis: Unsere Facebook-Adresse lautet www.facebook.com/gewitterzeitschrift). Männern sollten Penis und Hoden wegoperiert, die entstehenden Körperöffnungen, ebenso wie jene der Frauen, zubetoniert werden. Wenn wir dann alle keine Geschlechtsteile, sondern nur mehr Beton… haben und Frauen dank Hormontherapie die Brüste abgefallen sind, dann wären wir endlich alle gleich. Das würde natürlich auch die Parteienlandschaft in Österreich ordentlich durcheinanderwirbeln – na ja, gut, die SPÖ würde, obwohl es nur mehr Beton… geben würde, als einzige Partei weiterhin (so wie auch bisher in ihrer langen, langen Vergangenheit) mit einem Mann zur BundeskanzlerInnenwahl antreten – nämlich mit einem FayMANN. Homophobe ÖVPlerInnen hätten, weil wir dann alle so unerträglich homogen wären, ständig Angst, sogar vor sich selbst. Die (mittlerweile) Ohneglieder der FPÖ würden sich eine Auszeit aus der Politik nehmen und in diversen Kochkursen erkennen, wie viel Spaß es macht, selbst hinterm Herd zu stehen. Innerhalb der Grünen würde eine neue Bewegung entstehen, die fanatisch darum kämpft, dass jeder Buchstabe, in jedem Wort, in jedem Satz, in allen Farben aller menschlichen Hautteints geschrieben wird, damit sich wirklich, wirklich, wirklich niemand mehr ausgeschlossen fühlt. Die KPÖ würde Freudentänze aufführen, weil alle so schön gleich wären – nach einiger Zeit wäre sie enttäuscht darüber, weil ihr System in der Praxis (wieder einmal) nicht funktioniert hat. Gier und das Böse im Menschen leben nämlich auch nach dem Abschaffen der Geschlechter weiter. Das BZÖ würde … Nein, darüber Witze zu machen, wäre jetzt zu einfach. Liebe LeserInnen, ich will mit diesem Textchen niemanden beleidigen (außer die, die ich beleidigt habe). Ich will damit nur zum Nachdenken anregen, ob es etwas bringt, Gender-WatcherInnen, die wegen jeden vergessenen „Innen“ gleich zu kreischen anfangen, auszuschicken – so würde es doch auch der strikte Sigi mit seiner Ordnungswache machen –, oder ob Sprache sich nicht sowieso von selbst entwickelt. Ich sage nicht, dass gendergerechte Sprache schlecht ist, aber noch viel, viel wichtiger wäre es, die Gesellschaft zu ändern, und ich glaube nicht, dass frau/man das mit von oben „befohlenen“ Sprachregeln schafft – davon können sich die unzähligen Frauen, die in unserer Gesellschaft noch immer benachteiligt werden, auch nichts kaufen. Zum Abschluss möchte ich noch sagen: Auch ich wurde von einer Frau geboren und ebenso wie wir alle habe auch ich sowohl eine männliche als auch eine weibliche Seite in mir. Wir werden uns bemühen, in dieser Ausgabe des GeWitters mehr auf unsere weibliche Seite zu hören und überall dort, wo „beides“ gemeint sein könnte, nur die weibliche Form verwenden (Ausnahme Interviews, Werbung/ Inserate und Comics, Letztere sind Kunst und Kunst muss frei bleiben). Männer können sich dann einfach „eh denken, dass sie auch gemeint sind“. Um dem § 19 der ÖH-Satzung doch gerecht zu werden, nennen wir das Ganze einfach „heftübergreifendes alternierendes Gendern“ (schließlich haben wir ja letztes Mal häufiger die männliche Form verwendet). Vergesst nicht zu lachen, habt euch lieb, schönen Sommer und viel Spaß beim Lesen wünscht Markus(ine)

impressum GeWitter – Zeitschrift der Fakultätsvertretung Geisteswissenschaften an der Karl-Franzens-Universität Graz. Medieninhaberin, Herausgeberin und Verlegerin: Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Universität Graz, Schubertstraße 6a, 8010 Graz Chefredaktion: Markus Schicker, Layout: Christoph Reicht, Lektorat: Mag.a Irene Mihatsch, Coverfoto: Heidi Kofler, Druck: Universitätsdruckerei Klampfer, Auflage: 7.500 Stück MitarbeiterInnen in dieser Ausgabe: Jennifer Brunner, Marcela Dvorakova, Kevin Eberhard, Christoph Grabuschnig, Kornelia Hoffmann, Annina Hubinger, Tanya Kaindlbauer, Heidi Kofler, Jakob Mathauer, Melanie Penz, Johannes Rausch, Daniela Sačerić, Sebastian Scherzer, Astrid Schmölzer, Amila Softić, Sara Sternat, Karin Talaber, Kristian Tisch, Marlies Weixelbaumer, Andreas Zenz, Sandra Zivanovic Genderformen & Political Correctness In unseren Artikeln verzichten wir zugunsten der besseren Lesbarkeit auf geschlechtsspezifische Formulierungen. Bei sämtlichen Anredeformen sind selbstverständlich beide Geschlechter angesprochen.*


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GeWitter 06/12

Inhalt

16–17

4–7 Ehemalige GeWis Was wurde aus ... Pia Hierzegger

4–7

Schnell befragt Ausländische Studierende

20 Jahre Erasmus Reportage zum Jubiläum

8–9

Jakob Mathauer Just another night in Nantes

10–11

Semester in Kuwait Annina Huber und ihre Zeit in der Wüste

12–13

22–23 Kultur erleben Internationale Lange Nacht der Museen

22–23

16–17 Auslandssemester Daniela Sačerić schwärmt von Kroatien

Thema Ferialjob Stolpersteine und Kuriositäten

24–25

Proseminar-Arbeit Schreckgespenst für Studierende

Ferienzeit Reisetypen und Reiselektüre

26–27

Zum Abschluss ESN Prime und Comics

28–29

Kreative GeWis Bühne frei für Elisabeth Donaczi

14–15

18–19 20–21


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GeWitter 05/12

Pia Hierzegger, eine ehemalige GeWi-Studentin, im Interview. Fotos: Reicht (6), KK (2)


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Was wurde aus ... Pia Hierzegger? Im Interview verrät die Schauspielerin und Regisseurin, warum sie doch kein Indianerhäuptling geworden ist. von Tanya Kaindlbauer

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ia ist kein Durchschnittsmensch. Wollte es nie sein. Denn mit ihren Rollen und selbstgeschriebenen Stücken macht sie fast immer gesellschaftspolitische Statements: In „Nacktschnecken“ castet sie zum Beispiel (an der Seite von Michael Ostrowski) Darsteller für einen Porno, in „Contact High“ thematisiert sie Drogen, auf der Bühne lässt sie ebenfalls kein heikles Thema unversucht. Auch ihre neue Politsatire auf Puls 4 will auf den Zahn der Zeit fühlen. Am Tag der zweiten Pilotsendung (17. Mai) trafen wir die Grazerin im Kaffee Weitzer in der Innenstadt. Hier erzählte uns die GAK-Begeisterte, warum sie privat eher ein höflicher Mensch ist, sie froh war, Zeit zum Studieren gehabt zu haben, und warum ihr Auslandssemester in Irland ihr Leben verändert hat. Auf deinem Kurztrip nach Graz und kurz vor deinem Stadionbesuch heute Nachmittag hast du einem Interview zugestimmt und dafür dieses Kaffeehaus vorgeschlagen. Ich finde es hier speziell recht gemütlich, denn es ist noch ein normales Kaffeehaus. Ich trinke gern Kaffee, aber einer am Tag reicht mir schon. Jetzt zum Beispiel kann ich gut bei einer Melange entspannen. Entspannt war anscheinend auch dein Übergang vom Schüler- (BRG

Seebacher) ins Studierendenleben. hab, dass auf einmal alles schnell Warum hast du dich gerade für Ger- gehen muss, es schulischer geworden ist. Es war einfach keine Zeit manistik entschieden? Ich wollte lange schon Schau- da, um wirklich zu diskutieren. Ich spielerin werden und das war am war nie gut in der Schule, mich hat nächsten dran. In die Schauspiel- das immer gestresst, wenn die Lehschule hab ich mich nicht getraut. rer einen gekannt haben. Auf der Ich hatte das erste Mal das Gefühl Uni hat man diesbezüglich weniger gehabt, dass ich machen kann, was Druck. Hier herrscht eher ein Umich will, und wollte nicht schon wie- gang auf gleicher Augenhöhe. Aber der in so ein Schulsystem. Germa- wenn ich mit Leuten rede, die jetzt nistik hat sich dann so ergeben. Ich studieren, hab ich schon das Gefühl, hab ja noch nicht genau gewusst, dass sie sich schwerer tun. Man bewas ich mit dem Studium dann kommt keinen Platz mehr und es ist wirklich machen soll. Hab dann An- unsinnlicher geworden. Ich hatte glistik dazugenommen, obwohl ich noch Zeit, die Dinge zu kapieren. Englisch gar nicht so wirklich gut Ab wann wolltest du dann, dass ankonnte. Aber nicht auf Lehramt. Ich dere für dich spielen? Als Regisseurin hab ich nicht lanbin definitiv keine Lehrerin. Du hattest also keine exotischen ge gearbeitet, das spielte nur kurzfristig eine Rolle. Es wurde mir einBerufswünsche im Kindesalter? Also Prinzessin wollte ich nie fach zu anstrengend. Und ich bin, werden. Eher Indianerhäuptling. meiner Meinung nach, auch nicht Aber mir wurde leider früh klar, so gut darin. dass das als Frau wahrscheinlich Preise hast du aber schon viele gewonnen. Unter anderem 2007 für sehr schwierig werden würde. An dir ist also ein Mann verloren dein Stück „vernetzt Bitte weiterblättern! gegangen? Mich haben Indianer und Fußball halt immer schon mehr interessiert als der typische Mädchenkram. Ich bin zum Beispiel überzeugter GAKFan. Dass ich mir heute ein SturmSpiel anschauen muss, liegt nur an meiner jungen Begleitung. Du hast ja in den Neunzigern studiert. Würdest du heutzutage noch einmal studieren In Irland rauchte wollen? Pia noch. 2004 Ich habe ziemlich lang stuhat sie allerdings diert. Die Studienordnung damit aufgehört. hat sich schon damals öfters geändert, der Bachelor ist aufgetaucht. Dann habe ich meine Diplomarbeit aufgegeben, weil ich das Gefühl gehabt


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GeWitter 06/12 denken“ beim Augsburger Stückewettbewerb. Wie wichtig ist dir generell Anerkennung? Gerade bei diesem Preis habe ich gemerkt, wie wichtig das vor allem anderen Leuten ist. Ein Film, der prämiert ist, ist offensichtlich gleich interessanter. Türen hat es mir auf jeden Fall mehrere geöffnet. Für mich ist das ja eigentlich etwas, das man freiwillig macht. Manche Dinge, die vorher eher wurscht waren, werden danach auf einmal viel wichtiger. Du bist ja in Graz und Österreich keine Unbekannte mehr. Wie steht’s mit einer internationalen Karriere? Das kann man leider nicht planen. Als Schauspielerin ist man sehr abhängig. Als Autorin kann ich zumindest versuchen, in Deutschland gesehen zu werden. Mein Stück „vernetzt denken“ wird jetzt zum Beispiel in einem deutschen Kunstradio als Hörspiel ausgestrahlt. Schaust du deine Filme – abgesehen von der Premiere – oder Stücke, die du inszenierst, auch selbst an? Stücke ja, da eines nie gleich wie das andere ist. Man entwickelt sich immer weiter, drückt hier etwas anders aus, improvisiert dort. Das finde ich sehr spannend und deswegen schaue ich mir Stücke fast jedes Mal an. Filme dafür generell nur bei der Premiere. Und auch dann eher nur die Reaktion des Publikums. Bei „Demokratie – Die Show“ habe ich zum Beispiel 15 Minuten gebraucht, bis ich zuschauen konnte, da meine Figur so eigen ist. Heute Abend läuft ja schon die zweite Pilotsendung von „Demokratie – Die Show“ auf Puls 4. Du spielst da die alles hinterfragende Manu Stangl. Was kann sich der Zuschauer unter dieser Show vorstellen? Wir versuchen, politische Themen von einer Seite anzuschauen, von der sie bis jetzt noch nicht betrachtet worden sind. Versuchen eben, alles zu hinterfragen. Heute heißt das Motto: „Wer spart, verliert.“ Hier sprechen Experten, die sonst

nicht gehört werden. Sie sagen, dass man nicht sparen soll, da das die Wirtschaft erst recht kaputt macht. Aber europäische Regierungen hören nun mal auf die Ratingagenturen. Wer das AAA verliert, der kann einpacken. Die Show ist aber keine Nachrichtensendung. Das könnten wir auch gar nicht, weil Journalisten das besser machen. Wir haben nur einzelne fixe Sendungsblöcke, alles andere ergibt sich. Die Manu will ja alles wissen. Ja, das stimmt! Wenn ich sie spiele, laufe ich nicht Gefahr, etwas zu fragen, das mir blöd vorkommt. Die Figur darf einfach mehr. Ich darf ungehörige Fragen stellen, naive Fragen. Und die Figur kann gut mit

“Wenn ich Manu spiele, laufe ich nie Gefahr, etwas Blödes zu fragen. Die Figur darf einfach mehr.” Pia Hierzegger

dem Michi zusammenarbeiten. Je nach Einschaltquoten entscheidet sich das Fortbestehen der Sendung. Ich bin also schon sehr gespannt. Wie gut funktioniert denn diese Zusammenarbeit mit Michael Ostrowski, die du gerade angesprochen hast, abseits von „Demokratie“? Ihr habt ja oft gemeinsam gespielt. Wir kennen uns schon aus Studentenzeiten. Michael hat damals Anglistik und Französisch studiert. Ein gemeinsamer Professor hat uns dann im Theater vereint. Wir haben also schon damals gemeinsam Theater gemacht. Unter anderem engagiert ihr euch zusammen für die Off-Theatergruppe „Theater im Bahnhof“. Ja, das ist meine künstlerische Heimat. Dort sind Leute, die mir wichtig sind, deren Meinung mir wichtig ist, die den gleichen Theatergeschmack haben. Uns wird nie fad, wir versuchen, uns immer wieder neu zu erfinden. Das geht aber nur, weil wir so viele sind: Wenn man mal mit dem einen nicht kann, kann man auf viele andere auswei-


Seite 7 chen (schmunzelt). Bist du eigentlich noch aufgeregt, wenn du auf die Bühne gehst? Bei „Demokratie“ schon, weil das sehr intensiv ist. Du musst dich auf deine Mitspieler verlassen können, trotzdem hat man viel Verantwortung. Man muss sich gegenseitig gut Bälle zuschießen und gleichzeitig hoffen, dass das Publikum auch mitspielt. Spielst du für die Kamera anders als auf der Bühne? Na ja, „Demokratie“ ist ja ein Zwitter: Man spielt in die Kamera, obwohl es eigentlich fürs Publikum gedacht ist. Das finde ich ein wenig schade. Ansonsten sind es sehr unterschiedliche Arten der Arbeit: Auf der Bühne improvisiere ich gerne, Proben sind ein spannender Prozess. Vor der Kamera fünfzig Mal das Gleiche machen und trotzdem noch frisch aussehen, das ist eine Herausforderung. Bei deinen Rollen schreckst du allerdings vor keiner Herausforderung zurück. Du gehst selten den einfachen Weg und versuchst Kontraste aufzuzeigen, gehst auch oft ins Extreme. Bist du auch privat so? Ich bemühe mich, eine gewisse Geradlinigkeit in mein Handeln einfließen zu lassen und den Leuten zu sagen, wenn etwas nicht passt. Aber das ist gar nicht so leicht. Wenn man ein höflicher Mensch ist, ist man oft sehr geduldig und wehrt sich nicht. Es gibt allerdings Themen, die einen nie loslassen. Politik, Literatur und Fußball werden zum Beispiel immer wichtig sein für mich. Hast du dich in deiner Studienzeit politisch engagiert? Ich war zwar bei allen Demos dabei, habe jedoch keine selber organisiert. Ich habe immer versucht, in dem, was ich kann, politische Statements zu geben: im Theaterbereich. Es gibt, glaube ich, kein Stück, keinen Film von mir, in dem ich mich nicht mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetze. Ich habe aber leider nicht die Zeit, mich laufend darum zu kümmern. Als Schauspielerin, Regisseurin

GeWitter 06/12 und Autorin kommt man klarerweise viel herum. Kannst du das genießen? Auf jeden Fall! Für mich gibt es zwei Arten von Reisen. Bei der ersten reise ich nur mit Büchern und gehe alle Städte ab. Bei der zweiten fahre ich nur zum Schreiben in ein anderes Land, wo ich abschalten kann. Hier muss ich mich nicht aufs Internet oder Handy konzentrieren. Es gibt auch keine Probe, keine Termine. Ich brauche einfach mal Zeit, um abzuschalten. Und das kann ich am besten woanders. Woanders warst du auch während deiner Studienzeit. Heute ist es ja nicht so einfach, ein Auslandssemester ohne Zeitverlust zu absolvieren. War das bei dir auch so? Ich machte damals drei Auslandstrimester - also ein Studienjahr in Irland. Zuerst bin ich mir schon verloren vorgekommen. Auf einmal musste ich alle Entscheidungen selbst treffen, vor allem geschmackliche Entscheidungen. Gefällt mir das? Gefällt mir das nicht? Hat mich aber auf jeden Fall sehr gefordert. Als ich zurückgekommen bin, wusste ich, was ich mit meinem Leben machen will, dass ich bei „Theater im Bahnhof“ arbeiten will. Kompliziert war’s aber schon auch. In der Anglistik haben sie mir die Seminare nicht angerechnet, weil ich dort auf einer Theaterwissenschaft studiert habe. Hier in Österreich musste ich dann auf einen Medienblock umsteigen. Da habe ich mir

Der erste Urlaub nach der Matura und ohne Eltern geht nach Amsterdam.

nur gedacht: Was ist denn das für eine Bürokratie-Scheiße? Eine abschließende Frage hätte ich noch: Bist du eher der Winter- oder der Sommertyp? (lacht) Also mir ist generell kalt. Deswegen mag ich die Wärme lieber. Aber ich finde es super, dass es verschiedene Jahreszeiten gibt. Als ich in Österreich letztes Jahr minus zwanzig Grad erlebt habe, war ich schon beeindruckt. Aber jeden Tag brauche ich das nicht. Wenn ich mich für immer entscheiden müsste, würde ich mich wohl für den Sommer entscheiden.


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20 Jahre Erasmus an Im Mai 2012 feierte die Universität Graz 20 Jahre Erasmus. Grund genug, Bilanz zu ziehen und Ursachen zu suchen, warum es trotz des großen Erfolges weniger Studierende ins Ausland zieht. von Christoph Grabuschnig

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RASMUS, das steht für „European Action Scheme for the Mobility of University Students“. Seit seinem Bestehen im Jahr 1992 haben ca. 6.000 Studierende diese Mobilität genutzt und ein Semester oder ein Jahr im Ausland verbracht. Umso mehr überrascht es, dass immer weniger Studierende sich für klassische Semester-/ Jahresaufenthalte entscheiden. Kurze Aufenthalte wie Praktika oder Sommerschulen erleben zurzeit hingegen einen Boom. Nicht zuletzt deshalb, weil es seit Kurzem einen Praktikumszuschuss gibt. Auch Erasmus-Praktika erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Universität Graz vergab im letzten Studienjahr die meisten Erasmus-Praktikumsplätze von allen österreichischen Universitäten. Was könnten die Gründe für diese Entwicklung sein und welche Maßnahmen sind notwendig, um die Beliebtheit auch längerer Studienaufenthalte wieder zu steigern? Das GeWitter befragte dazu Mag. Karin Schwach (Erasmus) und Mag. Petra Rabitsch (außereuropäische Programme). Beide sind seit vielen Jahren im Büro für Internationale Beziehungen für die Studierendenmobilität zuständig.

Urlaub ist etwas anderes

„Je leichter es wird zu reisen, desto unflexibler scheinen die jungen Leute zu werden“, meint Petra Rabitsch und ergänzt, dass in Europa, so der Tenor, man ja ohnehin überall auch Urlaub machen könne. Dies ist allerdings nicht richtig, da man

Urlaub nicht mit dem alltäglichen Leben in einem anderen Land vergleichen kann. Man lernt nicht nur ein anderes universitäres Umfeld, sondern eine neue Kultur kennen.

Zwei Drittel der Plätze frei

Was besonders verwundert: An der Geisteswissenschaftlichen Fakultät, hier vor allem bei den Translationswissenschaften, sind die Bewerbungen stark rückläufig. Zwei Drittel aller Plätze sind beispielsweise bei Erasmus noch frei. Diese Einstellung überrascht vor allem bei den Sprachstudierenden: Gerade im Ausland könnten sie über einen längeren Zeitraum ihre Sprachkenntnisse in der jeweiligen Studienrichtung verbessern und auch nach ihrem Aufenthalt in ihrem Studium enorm davon profitieren.

Es liegt auch am System

„Das Bachelor-/Mastersystem erschwert es den Studierenden, ins Ausland zu gehen“, so Karin Schwach. „Die Studienzeit ist einfach kürzer und die Studierenden müssen deshalb auch schon früher überlegen und planen. Oft kommen sie dann erst zu spät auf die Idee, ins Ausland zu gehen, und benötigen dann keine Lehrveranstaltungen mehr.“ Sinnvoll sei es in einem solchen Fall, sich die freien Wahlfächer für das Ausland aufzusparen. „Es lohnt sich auch herauszufinden, wer die/der zuständige Curricula-Kommissionsvorsitzende ist. Diese/r kann einen auch beraten, bei welchen Fächern es sinnvoll wäre, sie für ein geplantes Auslandsse-

Den Schritt ins Ausland wagen immer weniger Studierende. Das soll sich ändern. Foto: Deborah Siebenhofer


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der Universität Graz mester aufzusparen.“ Rabitsch ergänzt, dass auch die Herabsetzung des Maximalalters für den Bezug der Familienbeihilfe mit ein Grund für finanzielle Engpässe der Studierenden ist. Auch die Unsicherheit, ob es Studiengebühren geben wird oder nicht, sei ein Faktor für die mangelnde Bereitschaft der Studentinnen, ins Ausland zu gehen. Denn, so Schwach, viele Studierende wissen einfach nicht, dass sie während ihrer Zeit im Ausland von den Studiengebühren befreit sind.

Stichwort “Aufklärung”

„Wichtig ist auch die Akzeptanz bei den Lehrenden“, bemerkt Rabitsch. „Wenn die Lehrenden die Programme bewerben und sich für einen Aufenthalt im Ausland starkmachen, dann kommen die Studierenden auch eher auf den Geschmack.“ Besonderes Augenmerk sollte auch auf die richtige Aufklärung der Studierenden über die zahlreichen Möglichkeiten, während ihres Studiums ins Ausland zu gehen, gelegt werden. Viele glauben, sie hätten ohnehin keine Chance, einen Platz zu bekommen. „Ein Irrtum“, so Rabitsch. Vor allem bei Erasmus seien es im Jahr maximal 20 Studierende, die keinen Platz bekommen würden. Das ist in Fächern wie der Anglistik häufiger der Fall, da es in Großbritannien weniger Semesterplätze gibt. Viele dieser Studentinnen wollen aber auch an eine bestimmte Uni. Sollten sie dort keinen Platz bekommen, kommt für sie ein Auslandssemester nicht mehr infrage. Den Studierenden mangelt es hier oft an Flexibilität.

Bereut hat es noch niemand

Die beiden Verantwortlichen wundert dies, ist es doch gerade in Zeiten wie diesen besonders wichtig, im Lebenslauf Auslandserfahrung,

vor allem während der Jobsuche, vorzuweisen. „Man muss ganz einfach ins kalte Wasser springen und es riskieren“, so Rabitsch, die ergänzt, dass sie in acht Jahren ihrer Tätigkeit noch nie jemanden dabei hatte, der meinte, er habe es bereut, sich überredet haben zu lassen, an einen Ort zu gehen, der nicht seine erste Wahl war. Deshalb sollten die Studierenden auch die Möglichkeit nutzen, mehrere Wunschstudienplätze anzugeben und sich nicht durch eine Absage abschrecken lassen. Abschließend sei angemerkt: So flexibel wie im Rahmen eines Studiums kommt man im Leben nie mehr ins Ausland. Je älter man wird, desto schwieriger wird es einfach, sich dafür Zeit zu nehmen. Es ist also ein Sprung ins kalte Wasser, der sich wirklich lohnt.

Restplätze sichern

Alle Informationen zu den Auslandsprogrammen findest du auf der Homepage des BIB: http://www.uni-graz.at/bib Aktuell werden die Erasmusrestplätze für das Sommersemester 2013 ausgeschrieben, für die man sich noch bis Ende Juni bewerben kann! Frau Mag. Schwach steht allen Interessierten mit Informationen zur Verfügung. Für außereuropäische Programme, zum Beispiel in den USA, sind ebenfalls noch Plätze frei. Interessierte Studierende sollen sich bis spätestens Ende Juni bei Frau Mag. Rabitsch melden.

Blitzstatistik Top-5-Studienorte: -

USA Deutschland Spanien Italien Frankreich


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GeWitter 05/12

Just another night in Nantes Jakob Mathauer verbrachte im WS 2010/2011 ein Auslandssemester in Nantes, einer Stadt im Westen Frankreichs, mit über 282.000 Einwohnern. von Jakob Mathauer Erasmus. Ich muss zugeben, ich träumte schon von einem Auslandsaufenthalt, da hieß das Austauschprogramm noch Commenius (BHS). Da sich dieser aber nie verwirklichen ließ, stand mein Entschluss schon zu Beginn meines Studiums fest. Ich möchte ins Ausland. Andere Menschen, Gewohnheiten, Landschaften, Universitäten und Städte sehen. Außerdem ist ein Auslandsaufenthalt schon im Studienplan des Romanistik-Bachelors verpflichtend, mir blieb also sozusagen keine Wahl. Wie wahrscheinlich viele Studierende hatte auch ich diverse Vorurteile ob des gewaltig scheinenden administrativen Aufwands, welcher mit der Anmeldung für einen ErasmusPlatz einhergeht. Dies hielt mich offen gestanden auch von einer Bewerbung zu dieser Zeit ab. Es sollte aber anders

Château des ducs de Bretagne (Schloss Nantes). Fotos: KK

kommen. Eine Freundin machte mich auf das Restplatzangebot aufmerksam und ich beschloss, ohne mir große Hoffnungen zu machen, nachzufragen, ob es denn Mitte März nicht schon zu spät wäre, sich um einen Studienaufenthalt in Nantes/Frankreich zu bewerben. An dieser Stelle muss ich dem Büro für Internationale Beziehungen der Uni Graz ein Lob aussprechen. Trotz verspäteter Anmeldung lief das Prozedere unkompliziert ab und alle Verantwortlichen, mit denen ich zu tun hatte, waren ausgesprochen hilfsbereit und freundlich. Viele E-Mails, Anrechnungsvorabbestätigungen und Formulare später war es dann so weit: Alles schien unter Dach und Fach und ich begann, mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass nun auch ich eines der berühmtberüchtigten ErasmusSemester antreten

zur person Jakob Mathauer Romanistik/PhilosophieStudent; Erasmus-Aufenthalt: Wintersemester 2010/11, Nantes/Frankreich

würde. Anfang September ging es los. Die Zugtickets fest umklammert und den großen Reiserucksack geschultert, wartete ich gespannt an Bahnhöfen und in Zügen auf die Ankunft in Nantes. Dort sollte mich ein Couchsurfer, mit dem ich zuvor in Kontakt getreten war, abholen. Schon als die sympathische Stimme im Zug Nantes als Endbahnhof ankündigte, erhöhte sich mein Pulsschlag. Ich glaube, dieses Gefühl am besten mit den Worten „zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ beschreiben zu können. Ein Gefühl, welches mich die ganze Zeit über in Nantes begleiten sollte. Mein Couchsurfer stellte mich gleich seiner ganzen WG vor, ich konnte erste Bekanntschaften schließen und fühlte mich sofort gut aufgenommen. Die Tage bis zu Einschreibung an der Uni vergingen wie im Flug. Ich machte mich also auf, um die bürokratischen Mühlen in Gang zu setzen und mein Zimmer im Studentinnenwohnheim zu beziehen. Die Uni in Nantes hatte sichtlich Erfahrung mit internationalen Studierenden und geizte nicht mit Informationsveranstaltungen. Dort ergab sich die Möglichkeit, abseits der For-


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GeWitter 06/12

mulare, Versicherungen und Bestätigungen ersten Kontakt zu anderen Erasmus-Studierenden herzustellen. Hier begriff ich zum ersten Mal, wie sich das Phänomen „Erasmus-Clique“ erklären lässt. Niemand kennt jemanden, alle sitzen im selben Boot, das verbindet und führt dazu, dass Erasmus-Studierende scheinbar nur in Gruppen auftreten. Einen anstrengenden Vormittag später konnte ich mein 9 m² großes Zimmer, welches mein Zuhause für die nächsten Monate bilden sollte, beziehen. Obwohl ich anfangs von der Idee, in einem Wohnheim zu wohnen, wenig begeistert war, lernte ich die Vorteile schnell kennen und lieben. In Frankreich wohnen praktisch alle Studierenden in Wohnheimen. Es entsteht also eine bunte Mischung aller Kulturen und Ethnien.

Sprachkurs zum Einstieg

Von den ersten Eindrücken überwältigt, machte ich mich daran, meine Kurse für das Semester zu wählen. Einige hatte ich schon aufgrund der Anrechenbarkeit in Graz fixiert, einige wählte ich noch zusätzlich aus Interesse. Bevor die Uni aber starten konnte, mussten alle ErasmusStudierenden einen zweiwöchigen Sprachkurs absolvieren. Es entstanden weitere Freundinnenschaften und die ersten Erasmus-Partys wurden gefeiert. Alles war wunderbar. Mein Französisch verbesserte sich stetig, die Uni konnte also starten.

Nach einem anfänglichen Schock („Mon dieu, je n’y arriverai jamais!“) stellte sich, nicht zuletzt ob der vielen hilfsbereiten Professorinnen, langsam Wohlbefinden und Zuversicht unter den Erasmus-Studentinnen im Hörsaal ein. Das französische Unisystem nimmt sich sehr elitär wahr, worin ich auch den Grund für seine „Verschultheit“ sehe. In jedem Fach gibt es einen fixen Stundenplan für jedes Semester, es herrschen größtmögliche Uniformität und Kontrolle. Langsam, aber sicher fühlte ich mich immer mehr französisch. Ich hatte größte Freude an den alltäglichen Dingen. Die marchés aux puces am Wochenende, frisches baguette zum Frühstück, fromage blanc statt Joghurt, la bise als standardisierte Begrüßung, französische Supermärkte, Fernsehsender und Zeitungen, kurz: Ich fühlte mich sauwohl. Allerdings bemerkte ich mit der Zeit, dass Erasmus-Studierende keine guten Französisch-Lehrerinnen sind. Um weiterzukommen, beschloss ich, mir einen französischen Freundinnenkreis zu suchen, was sich anfangs allerdings als schwierig herausstellte. Hartnäckigkeit ist hier oberstes Gebot und schlussendlich schaffte ich den Sprung in das Wohnzimmer einer französischen WG. Wir tranken Wein, rauchten ziemlich viele Zigaretten und schimpften über Sarkozy. Die Eindrücke und Erfahrungen, die ich aus diesen Begegnungen mitnahm, begleiten mich noch immer.

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Alles schien so anders und doch so vertraut, denn im Endeffekt spielt es keine Rolle, in welchem Wohnzimmer man über wen schimpft.

Anrechenbarkeit

Die Anerkennung von Leistungen aus dem Ausland ist eine komplexe Sache. Es gilt, sich die Kurse vorab als anrechenbar bestätigen zu lassen, dann sollte alles glatt laufen. Ich ließ mir Kurse in Philosophie und Romanistik anrechnen. Erstere wurden innerhalb von zwei Monaten anerkannt, letztere anzurechnen dauerte ein gutes Jahr. An dieser Stelle darf man sich nicht entmutigen lassen, die Mühlen der Bürokratie mahlen eben langsam. Schweren Herzens packte ich meine Sachen, um Ende Jänner abzureisen und meinen Erasmus-Aufenthalt zu beschließen. Die Menschen, die ich kennenlernte, die Freundinnenschaften, die ich schloss, die Erfahrungen, die ich sammelte, und die Bereicherung, die dieser Aufenthalt für mein Leben bedeutete, möchte ich niemals missen. Die Bestätigung, ein zuvor angsteinflößendes Projekt zu einem positiven Abschluss gebracht zu haben, ist Balsam für die Seele und gibt mir immer noch viel Kraft. Ich kann an dieser Stelle nur allen ans Herz legen, die Koffer zu packen und für eine Zeit, finanziert von der EU, zu neuen Ufern aufzubrechen. Abgesehen davon macht es sich ganz gut im Lebenslauf.

Seit en ahr 10 J ien! in Wt neu Jetz raz in G


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GeWitter 06/12

Die Wüste von Kuwait Annina Huber studiert Transkulturelle Kommunikation (Spanisch und Arabisch) und absolvierte ein Praktikum in Kuwait. von Annina Hubinger

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Annina Hubinger auf Erkundungstour bei den Pyramiden von Gizeh. Fotos: Hubinger

m Zuge dieses Studiums ist ein einmonatiges Pflichtpraktikum vorgesehen, um die erworbenen Sprach- und Kulturkenntnisse anzuwenden. Ich habe mich entschlossen, dieses Praktikum an der österreichischen Botschaft in Kuwait zu absolvieren. Damit ein Sprach- und Praktikumsaufenthalt auch wirklich sinnvoll ist, habe ich mich dafür entschieden, mein Praktikum auf drei Monate auszuweiten. Die arabische Halbinsel, die Wiege der arabischen Sprache, zu besuchen und in einem der Golfstaaten ein Praktikum zu absolvieren, war für mich bereits seit Jahren ein Thema und dank einer Kollegin aus einem höheren Semester, die mir ganz begeistert von ihrem Praktikum an der österreichischen Botschaft in Amman erzählte, habe ich mich bei einigen österreichischen Auslandsvertretungen beworben. Aus Kuwait kam sofort die Zusage und im März 2011 ging es los. Kuwait war ursprünglich nicht mein Wunschziel, aber durch die Unruhen in Syrien und zum Teil auch in Jordanien wollte ich mein Praktikum in einem „stabileren und sicheren“ Umfeld absolvieren. Die letzte Woche vor meiner Abreise habe ich mich dann näher mit Kuwait beschäftigt, schließlich kommt


Seite 13 dieses Land nicht ständig in unseren Medien vor. Charakterisieren lässt sich Kuwait mit folgenden Schlagwörtern: reich, modern und streng islamisch. Nach anfänglicher Skepsis meiner Eltern, ob denn eine Frau alleine in so ein Land fahren sollte, und der Beruhigung meinerseits, haben sie mich unterstützt.

Da ist doch nur Wüste

Die Reaktionen in meinem Umfeld waren ganz unterschiedlich und gingen von „Kuwait, wo ist denn das?“ über „Was kann man denn in Kuwait machen? Da ist doch nur Wüste und Erdöl und kein arabisches Flair mehr erhalten“ bis „Warum gehst du während des Semesters weg?“. Es gab aber auch ganz positive Rückmeldungen, im Besonderen von meinen Eltern, die mir durch ihre finanzielle Unterstützung diesen Auslandsaufenthalt und das unbezahlte Praktikum auch ermöglicht haben. Ich war die erste Praktikantin an der österreichischen Botschaft in Kuwait und meine Kolleginnen waren sehr bemüht, mir den Einstieg möglichst leicht zu gestalten. An dieser Stelle sei allen nochmals gedankt für ihre Unterstützung. Als Praktikantin wurde ich zwar nicht entlohnt, aber mir wurde ein Zimmer zur Verfügung gestellt, was auch nicht selbstAlltäglicher verständlich ist. Durch die öster- Anblick in der Wüste Kuwaits. reichische Botschaft hatte ich des Weiteren die Möglichkeit, viele einflussreiche kuwaitische Persönlichkeiten sowie Diplomatinnen anderer Staaten kennenzulernen. Die österreichische Botschaft zählt zu den kleineren im Vergleich zu Botschaften anderer EU-Staaten, die in Kuwait vertreten sind. Von dort aus werden auch Bahrain und Katar mitbetreut, denn in diesen beiden Ländern gibt es keine österreichi-

GeWitter 06/12 schen Vertretungsbehörden. Öster- Sprachlich enttäuschend reichische Staatsbürgerinnen, die Besonders faszinierend fand ich das sich in diesen Ländern aufhalten internationale Arbeitsumfeld und und Auskünfte, Dokumente und den Austausch mit Kolleginnen aus Ähnliches benötigen, müssen diese der ganzen Welt. Im Bezug auf den Angelegenheiten über die Vertre- Spracherwerb hat mich der Aufenttungsbehörde in Kuwait erledigen. halt eher enttäuscht, da ich in meiMeine Aufgaben bestanden im We- nem Alltag meist mit Deutsch und/ sentlichen darin, Berichte zu schrei- oder Englisch konfrontiert war. ben (über politische Entwicklungen Sehr schnell habe ich festgestellt, in der Region, wie etwa über die dass ich mich trotz meiner eineinRevolution in Bahrain), die Ausei- halbjährigen Sprachausbildung nandersetzung mit der lokalen und in Hocharabisch in der Alltagsinternationalen Presse, Pressespie- kommunikation auf meine Enggel vorzubereiten und dergleichen. lischkenntnisse aus der Schule Des Weiteren bestand eine verlassen musste. Meine der mir aufgetragenen Freizeit verbrachte ich Tätigkeiten darin, fast ausschließlich meine Kolleginnen mit meinen Kollein der Visa-Abginnen und deren teilung beim ParBekannten, daher teienverkehr zu waren wir häufig unterstützen. Mai, eine internatioJuni, Juli sind die nale Gruppe und Hauptreisemonate um die VerstänSchlafendes der Kuwaiterinnen, digung zu vereinKind am Tahrirplatz. die sehr gerne in Österfachen und uns das reich Urlaub machen, und Dolmetschen zu erspasomit konnte ich mich schon ren, kam wieder die englische einarbeiten, bevor der Ansturm ein- Sprache zum Einsatz. setzte. Da es in Kuwait nur wenige MögNebenbei durfte ich meine Kolle- lichkeiten gibt, etwas zu unternehginnen zu zahlreichen kulturellen men, nutzte ich Kuwait als AusVeranstaltungen, Meetings und gangsbasis und reiste jeweils für ein anderen Feierlichkeiten paar Tage in den Oman, in die Verbegleiten. Das Prakti- einigten Arabischen Emirate und kum an der österrei- nach Ägypten und lernte auf diese chischen Botschaft Weise neue Länder kennen. hat mir große Freude bereitet Und weiter geht‘s und ich konnte Mein Auslandsaufenthalt hat mich meine Fremd- sehr bereichert. Ich habe viele tolle sprachenkennt- Erfahrungen gesammelt, viele nette nisse (Englisch, Leute kennengelernt und ich würde Arabisch und Spa- jederzeit wieder ein Praktikum in nisch) optimal einset- diesem Bereich machen. Da mich in zen. Meine Kolleginnen den Sommerferien immer die große und Vorgesetzen haben sich Reiselust packt, werde ich diesen sehr bemüht, mir alle Facetten der Sommer drei Monate in Palästina Tätigkeiten in einer diplomatischen verbringen und dort in einem AlVertretung nahezubringen. Für ten- und Pflegeheim als Volontärin meine berufliche Zukunft könn- mitarbeiten, um auf diese Weise te ich mir vorstellen, für das Bun- wieder ein Stück der arabischen desaußenministerium an einer der Welt kennenzulernen und meine zahlreichen Botschaften oder Aus- Sprach- und Kulturkompetenzen landsvertretungen zu arbeiten. zu erweitern.


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Schnell befragt: Studieren in Graz Velida, Olga, Yulia und Jeffrey - vier Studierende aus dem Ausland erzählen von ihrer Heimat, dem Studium in Graz und ihrer Zukunft. von Marlies Weixelbaumer und Sandra Zivanovic Velida (20), Bosnien Wie würdest du dein Heimatland in drei Worten beschreiben? Gastfreundlich, schöne Natur, gutes Essen. Was studierst du hier? Anglistik und Amerikanistik mit BKS als gebundenes Wahlfach. Warum hast du Graz gewählt? Weil meine Cousine hier studiert und ich ins Ausland wollte, ich habe vor, das ganze Studium über hierzubleiben. Wie ist die Studiensituation in deinem Land? Die Studiensituation ist etwas anders, es gibt Aufnahmeprüfungen für die einzelnen Studien und Studiengebühren, deren Höhe abhängig vom Studienerfolg ist. Wie stehen eigentlich die JobchanVelida mag das Essen in Graz nicht.

cen für dein Studium in deinem Heimatland? Die Jobaussichten hängen vom jeweiligen Studium ab, generell gibt es aber schlechte Jobchancen, es gibt zu wenige Arbeitsplätze und die Arbeitslosigkeit ist bei jungen Leuten sehr hoch. Ich weiß nicht genau, wie die Nachfrage für mein Studium wäre. Was gefällt dir bis jetzt in Graz und was nicht? Die Leute sind freundlich, ich mag die Architektur in Graz, nur das Essen finde ich nicht so gut. Gibt es genügend Ansprechpersonen, an die du dich bei Problemen oder Fragen wenden kannst? Ja, ich habe eine Cousine, die hier lebt, an die ich mich wenden kann, ansonsten gibt es bis jetzt keine Probleme. Wurdest du in Graz aufgrund deiner Herkunft schon einmal diskriminiert? Nein, ich habe bis jetzt keine Diskriminierungen erlebt.

Olga (28), Yulia (34), Russland Warum habt ihr euch entschieden, in Graz zu studieren? Yulia: Ich hatte das Studium Anglistik und Germanistik auf Lehramt in Russland abgeschlossen und dort auch schon als Lehrerin gearbeitet. Da in Österreich aber nur mein Anglistikstudium anerkannt wird, habe ich keinen akademi-

schen Grad mehr und studiere jetzt im vierten Semester Slawistik. Olga: Ich hatte ein Studium in St. Petersburg abgeschlossen, dann einen Österreicher geheiratet, und da mein Abschluss ebenfalls nicht vollständig anerkannt wird, studiere ich im dritten Semester Slawistik und Russisch/Englisch auf Lehramt. Hast du schon bestimmte Berufsvorstellungen? Yulia: Eventuell in einer Firma arbeiten, die mit Russland kooperiert, oder auch im Bereich Journalismus. Wie ist die Studiensituation in eurem Land? Yulia: Meiner Meinung nach ist es in Russland leichter, ein Stipendium zu bekommen. Olga: Ich habe an einer staatlichen Universität studiert und musste Olga und Yulia bleiben Graz treu.

Fotos: Zivanovic


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Studiengebühren zahlen. Habt ihr vor, in Graz zu bleiben? Yulia: Da mein Kind hier sein soziales Umfeld und die österreichische Staatsbürgerschaft hat, werde ich vermutlich hier bleiben. Olga: Ja, weil ich verheiratet bin und mein Mann kein Russisch spricht, werde ich auch hierbleiben. Gab es anfangs Probleme beim Einstieg in den Uni-Alltag? Yulia: Ich habe lange gebraucht, um mich hier einzuleben, und die Anrechnungsprozedur hat sich aufgrund bürokratischer Hürden über ein Jahr hingezogen. Olga: Bei mir hat die Anrechnung meines Studiums neun Monate lang gedauert. Es war mir nicht verständlich, warum in Graz ein anderes Sprachniveau fürs Studium vorausgesetzt wurde als z. B.

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in Klagenfurt oder Wien. In Graz braucht man C1 und in Klagenfurt oder Wien braucht man nur B2. Wurdet ihr aufgrund eurer Herkunft schon einmal diskriminiert? Yulia und Olga: Wir fühlen uns insofern diskriminiert, als dass unsere gleichwertigen Studien hier nicht anerkannt werden. Auch glauben wir, dass hier die Jobchancen für Menschen aus dem Ausland teilweise geringer sind.

Jeffrey, (30), Kentucky, USA Warum hast du Graz gewählt? Ich kam primär zum Arbeiten, da ich in den USA schon verschiedene Sprachen und Psychologie studiert hatte, wollte ich, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern, ein Praktikum im pädagogischen Bereich machen. Da eine Bekannte auch hier unterrichtete und Österreich im Vergleich zu Frankreich, Deutschland und Spanien die besten Arbeitszeiten, die beste Bezahlung und die meisten freien Stellen hatte, entschied ich mich, nach Österreich zu kommen. Was studierst du hier? Dolmetschen mit Spanisch und Englisch, weil ich diese Sprachen am besten kann. Neben dem Studium unterrichte und übersetze ich, gelegentlich arbeite ich auch mit behinderten Kindern. Wie ist die Studiensituation in deinem Land? In Amerika ist das Studieren viel

teurer, es wird als ein Privileg betrachtet und nicht als ein Recht. Dafür ist die Betreuung besser, man bekommt mehr Unterstützung und Beratung. Daher bin ich im Allgemeinen mit dem amerikanischen System zufriedener. In Österreich liegt der Vorteil darin, dass theoretisch fast jeder studieren kann. Gab es anfangs Probleme beim Einstieg in den Uni-Alltag? Es war sehr kompliziert, sich anfangs zurechtzufinden, da das ganze System hier ein anderes ist. Vor allem die Anrechnungsprozesse stellten eine Hürde dar. Hast du vor, in Graz zu bleiben? Das kann ich noch nicht genau sagen, ursprünglich wollte ich nur ein Jahr bleiben, doch nun bin ich schon seit sechs Jahren hier – aber nicht wegen der Liebe. (lacht) Seit sechs Jahren in Graz: Jeffrey.


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Auslandssemester? Was für ´ne Frage! Die gebürtige Kroatin Daniela Sačerić lebt seit 22 Jahren in Graz. Nun absolvierte sie ein Auslandssemester in ihrer anderen Heimat. von Daniela Sačerić

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as? Das Semester ist schon um? Neiiiiin! Oder doch ja – die Realität lässt grüßen. Vor drei Monaten bin ich von meinem „Auslandssemester“ in Zagreb, Kroatien, nach Graz zurückgekommen. Jetzt denkt ihr euch vielleicht: „Kroatien? Das ist doch eh so nah? Was für ein Auslandssemester bitte?“ Die geografische Nähe steht, aber das Lebensgefühl und die Mentalität in Mitteleuropa und Südosteuropa gehen verschiedene Wege, wie ich feststellen durfte. Kann ich eigentlich Auslandssemester sagen, wenn ich gebürtige Kroatin bin? Aber ich lebe doch seit meinem zweiten Lebensjahr in Graz – also war ich vielleicht doch in meinem „ausländischen Heimatland“? Egal, wie auch immer, es war ein bisschen bekannt, aber doch unglaublich neu, und vor allem – anders. Einzigartig anders. Der Weg dorthin war jedoch nicht einfach, da mir eine unumgehbare Sache in unserem Leben im Weg stand – die Bürokratie – und zugleich auch meine Staatsbürgerinnenschaft. Deshalb wurde ich zuerst von der für die Nominierungen zuständigen Kommission abgewiesen, obwohl ich bereits seit 22 Jahren in Graz lebe – also ging es um eine rein formale Sache, wie mir

auch meine Koordinatorin erklärte. Alles andere – meine Qualifikationen, mein bisheriger Lebensverlauf, mein Studium – sprach dafür, dass ich in die Hauptstadt Kroatiens gehe, um meine Sprachkenntnisse zu perfektionieren und die Kultur für längere Zeit hautnah zu erleben. Das Glück stand schlussendlich auf meiner Seite. Da ein Platz bis zum letzten Bewerbungstag frei blieb, bekam ich ihn zugewiesen und

Hauptstraße Ilica.

wurde nominiert. Ein Gefühl unendlicher Freude und unglaublich großer Dankbarkeit an meine Koordinatorin überkam mich, das ich bis heute nicht in Worte fassen kann.

zur person Daniela Sačerić Alter: 23 Jahre (geboren am 05.12.1988); Studium: Master Übersetzen Englisch und B/K/S (Deutsch als Muttersprache); Zeitraum des Aufenthalts: 28.09.2011– 20.02.2012 (WS 2011/12)

Von Herzen Danke! Ich bekam die einzigartige Möglichkeit, in meiner Geburtsstadt, die ich bis dahin nur zwei Mal für einen Tag besucht hatte, zu leben. So richtig mit allem drum und dran! Es war für mich eine „neue alte Stadt“ – eigentlich bedeutete es für mich „back to the roots“. Obwohl ich dort genau niemanden kannte. Und genau das war die tolle Herausforderung! Ich wohnte das erste Mal in meinem Leben im Studierendenheim – den kroatischen Standards entsprechend – und der erste Schreckensmoment verwandelte sich in den schönsten Abschnitt meines Studentinnenlebens. Das kleine Zimmer wurde von einer jüngeren polnischen Studentin belebt und wir zwei waren ein Herz und eine Seele. Jeden Tag lernte ich Studierende aus ganz Kroatien kennen, was mir die Vielfalt der unterschiedlichen kroatischen Dialekte vor Augen führte. Noch stärker im Vordergrund standen die Austauschstudierenden aus aller Welt. Egal ob Argentinien, Venezuela, Polen, Kanada, Japan, Bulgarien oder die Niederlande – sie alle brachten durch ihre Lebens-


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geschichte etwas Individuelles mit, das mich sehr bereicherte.

Anderes Land, andere Sitten

Neben all den neuen, interessanten Freundinnenschaften sollte die Uni auch nicht zu kurz kommen, was teilweise aufgrund meines vollen Stundenplanes und der vielen Freizeitaktivitäten manchmal stressig wurde. Der Grund dafür ist, dass man die Zeit, die man im Ausland verbringt und von der man weiß, dass es sich um ein Semester handelt, so intensiv wie keine andere lebt. Man möchte einfach jede Sekunde ausnützen! Auf den ersten Blick erschienen mir der Studienplan und der Ablauf „kompliziert“ – im Grunde waren sie anders und deshalb gewöhnungsbedürftig. Flexibilität war erforderlich, da ich im Vorhinein wenig oder andere Information bekommen hatte als vor Ort. Anderes Land, andere Sitten. Nachdem ich mich von Tag zu Tag von neuen Informationen berieseln ließ, wurden auch die Kurse posi-

tiv gemeistert und am Ende war ich stolze Besitzerin des „Indeks“ – des kroatischen „Notenbuches“, in welches die Kurse und Noten händisch geschrieben und vom Dekan bestätigt werden. Zagreb hatte mit einer tollen Kulturszene, von verlockenden Festivals über kulturelle Events bis hin zu mitreißenden Konzerten, alles zu bieten. Der erste Monat war jedoch genauso von täglichen „Schockerlebnissen“ und Erkenntnissen der dortigen Lebenssituation geprägt, über welche ich mir bei Weitem nicht bewusst war. Müsste ich für die Hauptstadt Kroatiens einen Titel aussuchen, würde ich mich wohl für „Zwischen I-Phones und Plastikflaschen im Kulturzentrum Kroatiens“ entscheiden. Einerseits stechen einem täglich tolle Handys in der Straßenbahn ins Auge, andererseits sieht man mindestens zwei Mal täglich, wie junge und alte Menschen in den Mülltonnen um Wohngegenden nach Plastikflaschen suchen, um sich ein paar Kuna (oder Cent) zum

Marysia, Kristina, Anna, ich und die Fahne ... Fotos: Sačerić

Überleben zu erkämpfen. Die Kluft zwischen Reich und Arm ist groß. Dennoch schlürfen Hunderte Einwohnerinnen Zagrebs – darunter stechen die Zagreber Fashionistas besonders heraus – stundenlang an ihrem Kaffee an der sogenannten „špica“ – einem Kaffeehäusermeer im Zentrum. Also kann es schon mal passieren, dass man einen Nachmittag von einem Kaffee zum anderen schlendert und dazwischen mal in einer der leckeren Konditoreien hängen bleibt oder sich in einem Kleingeschäft mit der aufgeschlossenen Verkäuferin in ein Gespräch über Gott und die Welt vertieft oder sich doch über den unhöflichen Busfahrer aufregt. Auf jeden Fall war der Weg, um das Lebensgefühl mitzuerleben, jede Hürde wert. Eine einzigartige Erfahrung, aus der tolle Freundinnenschaften gewachsen sind und die ich nie vergessen werde. Also packt eure sieben Sachen ein und werdet um eine Erfahrung reicher – AUF GEHT’S!


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Flucht vorm (Ab)Druck der PS-Arbeit Diesmal nicht! Ich sage dem Schreckgespenst “Proseminar-Arbeit” den Kampf an – vom Fluch des letzten Abdrucks. von Kristian Tisch Der 31. Juli ist absolute Deadline. Und ich hab das Gefühl, dass ich es nicht schaffe. Immerhin war es doch im letzten Wintersemester … Damals, im letzten Wintersemester, hatte ich ein Proseminar. Und bis Ende Juli sollte ich die Arbeit abgeben. Allerspätestens.

Jetzt, mitten im späten Frühling, fällt es mir ein: Da war doch noch was …

Es ist ja nicht so, dass ich nichts getan hätte, seit dem Wintersemester, der letzten Eiszeit. Und damals hab ich mir fest vorgenommen: In den Semesterferien schreib ich die PS-Arbeit. Diesmal wollte ich nicht einer der Letzten sein, der um Termin-Aufschub bittet, die Arbeit irgendwann so recht und schlecht macht und dann doch

nicht abgibt. Diesmal nicht! Jetzt ist es heiß draußen, die richtige Eis-Zeit hat längst begonnen und ich entscheide mich für VanilleMango. Studierende sind anscheinend lernresistent. Jedes Semester machen wir die gleiche Erfahrung: Wir sitzen in Pro- oder anderen Seminaren, halten Referate und sollten dann Arbeiten schreiben. Aber nicht in letzter Minute, sondern im Vollbesitz unserer geistigen Kräfte. Nicht im Kaffee-Rausch des letzten Abdrucks.

Aber ich spür es, der letzte Abdruck haftet wie ein Fluch auf mir ...

Was steckt hinter dieser Unlust? Es sind ja nur wenige Seiten, zehn, maximal 15. Was mache ich eigentlich die ganze Zeit? Und langsam, während ich die WG putz und vor mich hinsudere, komm ich drauf: Ich weiß nicht, wie ich diese blöde Arbeit anfangen soll.

Wie wäre es, am Ende eines Kurses sicher zu sein, man habe was gelernt?

An der Uni macht man ja viel: Es wird diskutiert, Referate werden gehalten, die Vortragende liest vor, Hausübungen werden abgegeben. Ganz neumodern gibt es auch Telephasen, in denen wir phasenweise telepathische Kräfte entwickeln und erraten, was die Lehrende eigentlich wollte. Wahnsinn, heutzutage auf der Uni, da tut man was! Aber am Ende? Was hab ich eigentlich immer getan – während der Kurse? Na ja, ganz ehrlich? Ich hab Striche gemacht. Für jede Minute, die ich

anwesend war. Für jede einzelne. Es waren viele Striche … Ich kann nichts, bin nichts, weiß nichts … sudere ich vor mich hin.

… ich muss jetzt selbstständig arbeiten.

Bis jetzt hab ich in allen LVs immer der Lehrenden gehorcht. Ich hab das ganze Semester lang zugehört, Hausübungen gemacht, Gruppenarbeiten erledigt, Texte gelesen, ein Referat gehalten. Und dann bin ich plötzlich allein. Und muss selbstständig eine Arbeit verfassen.

Werde selbstständig!

Wie war das noch einmal mit dem Kant? Irgendwas ist der Ausgang des Menschen aus seiner irgendwie Unmündigkeit. Ja, da war mal was … Ja, genau, selbst verschuldet. Also, selbst wenn die Unmündigkeit des Menschen selbst verschuldet ist – was ich aufgrund der österreichischen Lebensart, des Unterrichtswesens, der angewandten Lehrmethoden und des gesamten Universitätssystems ganz einfach widerlegen könnte (aber das ist ein anderes Thema) – selbst wenn es so eine Unmündigkeit gibt: Da gibt es sicher einen Weg raus! Ich möchte weg. Aus diesem Camp der studentischen Hoffnungslosigkeit fliehen!

Die Multi-Alkohol-Methode

Ich laufe! Tatsächlich. Direkt zu einer Studienkollegin. Wir beschließen, uns selbst etwas beizubringen, wenn das schon sonst niemand geschafft hat. Mit der Multi-AlkoholMethode geht das sicher! Grundüberlegung ist, dass man Probleme lösen kann, sobald man


Seite 19 sie als Probleme erkennt. Weil Wahrheit ohnehin relativ ist und alles eine Frage der Perspektive. Hab ich in der Einführung in die Philosophie gelernt und bin echt stolz, dass ich noch weiß, dass ich in dieser LV war! Daher die Aufgabe: unterschiedliche Perspektiven einnehmen! Die Multi-Alkohol-Methode eröffnet die Möglichkeit, unter zweierlei Gesichtspunkten zu perspektivieren: Zum einen ist ein Problem, welches durch Wodka betrachtet wird, anders groß als ein Problem, das mit Wein analysiert wird. Zum anderen ist der zunehmende Grad der Alkoholisierung eine Variante, die Perspektive zu wechseln: von „absolut nüchtern“ über „sehr redselig“ bis zu „geistig g r e n z we r t i g genial“ … Nach einer halben Kiste Bier, einer Flasche Wein, einer Diskussion mit Martini und einer tiefgründigen, jedoch hoffnungslosen Erörterung mit Eristoff (der will einfach kein Deutsch mit mir reden!) bin ich geistig inaktiv.

Hätt ich das früher gewusst ...

Am nächsten Morgen, während ich meinen brummenden Kopf unter die kalte Dusche halte, fällt mir ein, was ich zuletzt gedacht hab: Wenn ich das früher gewusst hätt … Dieser Gedanke ist hart. Vor allem, weil ein nächster folgt: Was, wenn es noch nicht zu spät ist? Die Lehrveranstaltung ist noch nicht so lange her wie mein letzter Haarschnitt, ich könnt doch … Ich hol mir jetzt Hilfe von außen. Schreibe: „Ich brauche Hilfe bei meiner PS-Arbeit. Wann hätten Sie

Zum Davonlaufen! Das Schreckgespenst vieler Studierender ... Grafik: Kofler

Zeit?“ „Leider bin ich derzeit sehr beschäftigt: Kommen Sie bitte nächsten Mittwoch in meine Sprechstunde.“ Ich war wirklich dort und weiß jetzt, dass Betreuerinnen von Arbeiten extrem wenig dafür bekommen. Weder Zeit noch Geld. Und als Studentin bekommt man genauso wenig an Betreuung. Angepasstes WertLeistungs-Verhältnis. Aber einen Literaturtipp habe ich bekommen. Und so lese ich ein Buch darüber, wo der Text entstanden ist, den ich analysieren soll. Spanien. Spanien ist toll, so warm, so lustig, alle sind immer gut drauf! Und weil mir niemand erklären kann, wie man so eine Arbeit eigentlich schreibt, mir aber meine Lehrende das Buch über Spanien so ans Herz gelegt hat, pack ich meine

Koffer und fahr hin. Wenn ich direkt vor Ort Feldforschung betreibe, also den Spuren meines Textes nachgehe, erhalte ich sicherlich den erleuchtenden Funken, schreibe die Arbeit in zwei Nächten, direkt nach Tequila und Tapas. Aus spanischer Perspektive … Und was, wenn …? Bis zur nächsten Eiszeit bin ich sicher wieder da. Dann mach ich das Proseminar noch mal. Hatte ohnehin das Gefühl, das Thema war zu früh für mich. Durch Wiederholung lernt man ja …

PS.

Liebe Leserin, hast du vielleicht eine andere Methode für PS-Arbeiten? Wenn ja, bitte schreibe an kri.tisch@gmx.at!


Elisabeth Donaczi als Fräulein Schneider in „Claus Peymann

kauft sich eine Hose und geht mit mir essen“. Foto: Seitenbühne


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Seitenbühne frei für Elisabeth Donaczi „Kreative GeWis“ – keine treffendere Formulierung lässt sich für Elisabeth Donaczi finden. Mit dem Verein Seitenbühne bietet sie hochwertiges Theater. von Karin Talaber

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er neu gegründete Grazer Verein Seitenbühne hat es sich zur Aufgabe gemacht, selten gespielte Stücke großer Literatinnen aufzuführen. Mit Thomas Bernhards Dramoletten „Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen“ ist ihm der Auftakt dabei wahrlich gelungen. Mit der Wahl ihres ersten Stückes, das 1986 in Bochum uraufgeführt wurde, hat es sich die Gruppe auch nicht ganz einfach gemacht. Denn einerseits wurde Bernhard schon seit drei Jahrzehnten nicht mehr in Graz gespielt und andererseits waren laut Elli Donaczi wirklich gute Argumente vonnöten, um die Aufführungsrechte vom Suhrkamp-Verlag überhaupt zu erhalten. Aber nichts desto weniger haben sich nach der Zusage des Verlags die Wochen mit wenig Schlaf, dafür mit viel Arbeit wirklich bezahlt gemacht: Dem Verein um Elli Donaczi und Nicolas Müller-Lorenz ist ein außerordentlicher Start mit dem Ruf nach mehr geglückt.

Power, die einem fast die Sprache verschlägt

Nach nur wenigen persönlichen Worten mit Elli wird klar, was für eine immense Power in dieser zierlichen Frau steckt. Aufgewachsen in der grünen Obersteiermark, kam sie für das Studium nach Graz. Da ihr Sprache bereits als Kleinkind immer eine Heimat war, entschied

sie sich für das Diplomstudium Anglistik und Amerikanistik an der Karl-Franzens-Universität. Im Jahr 2011 beendete sie dieses mit ihrer Diplomarbeit im Bereich der Englischen Literaturwissenschaften. Neben ihrem derzeitigen Brotberuf als Lektorin in einer Grazer Firma und ihrer Leidenschaft, dem Theater, findet sie nach wie vor Zeit, Stunden auf der Uni zu verbringen, um ihre Dissertation zu verfassen.

„Kleine Bühnen – großes Theater“ – „Natürlich“

Nachdem Donaczi das Ziel des Vereins formuliert, nämlich das Angebot von staatlicher Seite und anderen großen Theatern durch Stücke, die nie oder nur selten gespielt werden, zu ergänzen, wird der Zuhörerin sofort klar, warum es gar kein anderes Stück als dieses von Bernhard hätte werden können. Wird doch in den Dramoletten der Theaterwahnsinn in seiner Zwiespältigkeit karikiert. Die konkreten Personen in der Inszenierung des Vereins stehen für Künstlerinnen im Allgemeinen, die als Persönlichkeiten voller Widersprüche und Ironie in ihrem Handeln auftreten. Dabei ist, wie Elli formuliert, „immer der beißende Humor Bernhards da. Die Frage ist nur, wann lache ich und wann bleibt mir das Lachen im Halse stecken.“ Unterstützt wird die Zuschauerin dabei von Wolfgang Müller-Lorenz, dem langjährigen Grazer Operntenor

und Hauptdarsteller des Stückes, der eine brillante Peymann-Karikatur abgibt. All dies lässt auf viele zukünftige Projekte hoffen, die Elli Donaczi (Fräulein Schneider) mit ihren Kollegen Nicolas Müller-Lorenz (Regie), Wolfgang Müller-Lorenz (Claus Peymann), Siegfried Galler (Thomas Bernhard) und János Mischuretz (Hermann Beil) hoffentlich umsetzen wird.

zum stück “Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen” Das Stück ist eine Zusammenstellung von drei Einaktern, gespielt vom neuen Grazer Verein Seitenbühne (www.seitenbuehne.at) im TTZ. 1. Claus Peymann verlässt Bochum und geht als Burgtheaterdirektor nach Wien Der erste Einakter spielt in Bochum und Wien. Peymann wird als neuer Burgtheaterdirektor nach Wien berufen. Gemeinsam mit Fräulein Schneider bereitet er in seinem Bochumer Büro die Umsiedelung, dargestellt mit absurden Mitteln, vor. Fräulein Schneider packt für Peymann Schauspieler und seine Lieblingsdramaturgen für die Reise in verschiedene Koffer. 2. Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen Der zweite Einakter spielt in Wien. Nachdem sich Peymann gemeinsam mit Thomas Bernhard eine Hose gekauft hat, gehen sie in einem Wiener Restaurant eine Suppe essen. Dabei führen sie Gespräche über ihre unterschiedlichen Ansichten das Theater betreffend und tauschen sich über Österreich aus. 3. Claus Peymann und Hermann Beil auf der Sulzwiese Hermann Beil und Claus Peymann machen einen Ausflug auf die Sulzwiese am Kahlenberg. Dort philosophieren sie bei einer (kalten Schnitzel-)Jause. Beil bejaht dabei beinahe jeden Satz von Peymann mit „Natürlich“.


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La nuit européenne des musées Kürzlich nahmen das Kriminalmuseum und das UniGraz@Museum an der Internationalen Langen Nacht der Museen teil. von Melanie Penz

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Fiston Mwanza trug Häfn-Literatur aus der Karlau vor. Fotos: Dvorakova

m Kriminalmuseum wurden Führungen durch das Museum angeboten und als „Special Event“ gab es eine Lesung von Fiston Mwanza (auf Französisch) und Ernst M. Binder (auf Deutsch) aus dem Buch „Nach dem Sturm“ (Graz, Leykam 2010). Das Buch enthält Texte des ehemaligen Grazer Stadtschreibers Fiston Mwanza und von Insassen der Grazer Karlau und der Justizanstalt Garsten (Oberösterreich). Darin wird das Gefängnis als Ort der Sozialisation, des Besinnens, vor allem aber als Geisteszustand vorgestellt – die Insassen erzählen ihre Erlebnisse in Form von Gedichten, Kurzgeschichten und Liedtexten. Mag. Gerhard Theissl unterstützte Fiston, der ursprünglich aus der demokratischen Republik Kongo stammt, bei seinen Recherchen im Gefängnis – dabei spielte der gegenseitige Respekt von Schreibern und Insassen eine wichtige Rolle. Als die Insassen ihre Geschichten im Buch „Nach dem Sturm“ entdeckten, bestärkte sie dies, ihre restliche Haftstrafe abzusitzen. Die Idee stammte von Fiston Mwanza selbst, der bereits in Belgien, Rumänien, Frankreich, Deutschland und Österreich publiziert hat und monatlich für das Grazer Megaphon schrieb.


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Lesungen, Erleuchtungen und Kunst bei der Internationalen Langen Nacht der Mussen.

Kunst und Physik waren im UniGraz@Museum die Schwerpunkte der Internationalen Langen Nacht der Museen. Der Grazer Künstler Arge Kugelstein projizierte nach Sonnenuntergang virtuelle Spiralen, Flechtmuster und Kettenhemden auf Besucherinnen, die sich als Models versuchen wollten. Auch unser Chefredakteur Markus Schicker stellte sich mehr oder weniger freiwillig (zeitgleich lief nämlich das Finale der Champions League) als

Model zur Verfügung. Prof. Dr. Franz Aussenegg, der während seiner Studienzeit einen Transformator und 1964 einen Laser entwickelt hatte, führte interessierte Besucherinnen in die Faszination des TeslaTrafos gekoppelt mit Neonröhren in Form eines Laserschwertes und eines Heiligenscheins ein. Die Sonderausstellung „Was haben Elektrometer mit dem Fliegen zu tun? 100 Jahre Entdeckung der Höhenstrahlung“ zeigte die wichtigsten Messgeräte dieses Forschungs-

Fotos: Dvorakova

bereiches, für den der Steirer Victor Franz Hess unter Einsatz seines Lebens Großes geleistet hat. Er nahm bei Ballonfahrten auf über 5300 Metern empirische Auswertungen vor und lieferte so den Beweis einer Höhenstrahlung. Zusammenfassend kann man sagen, dass viel Sehens- und Hörenswertes geboten wurde – schade nur, dass die Internationale Lange Nacht der Museen bei uns nicht so stark besucht wird wie etwa in Frankreich oder England.

Bibliotheken

Foto und Text: Marcela Dvorakova

Fachbibliothek Geschichte Öffnungszeiten: Vorlesungsfreie Zeiten: Mo–Do 9–17 Uhr; Mo–Fr 9–13 Uhr; Fr 9–15 Uhr Freihand-Präsenzbibliothek – eingeschränkte Entlehnung Wo? Hauptstandort: Heinrichstraße 24/IV Historische; Fachinformatik: Attemsgasse 8/IV; Wissenschaftsgeschichte: Mozartgasse 14/II; Südosteuropäische Geschichte: Mozartgasse 3 Bestände: 126.000 Bände (verteilt) 5 PCs, WLAN Besonderheiten: Die Geschichtsbibliothek ist historisch gewachsen und umgibt in der Heinrichstraße den gesamten vierten Stock und die Hälfte des dritten Stocks. Die Standorte der Bibliothek orientieren sich an der Forschung und sind auf die Institute aufgeteilt. Studierende können Lehrbücher und Semesterhandapparate direkt in der Bibliothek finden. Für die Betreuung sind vier Mitarbeiterinnen zuständig (Franz Fessler, Eva Pessl, Barbara Scharnagl, Christine Scheiber). Leiter: Frank Koren-Wilhelmer


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Labora et ...?! Der Sommer ist im Anmarsch. Am Plan steht wie immer ein Ferialjob. Der Weg zum Ziel ist jedoch nicht immer leicht. von Jennifer Brunner 1.Juli 2012: offizieller Ferienbeginn, 2. Juli 2012: erster Arbeitstag. Das weckt vertraute Gefühle? Kein Wunder. Ein Großteil der Studierenden in Österreich nutzt die „freien“ Sommermonate, um sich dem beliebten Phänomen „Ferialjob“ zu widmen, und stößt dabei auf Merkwürdigkeiten verschiedener Art.

Die Ausgangslage

Das Dilemma beginnt mit der Frage, ob man in diesem Sommer nicht vielleicht doch endlich mal was machen sollte, was zumindest entfernt in irgendeiner Beziehung zum eigenen Studium steht. Viele Studierende wünschen sich, in Unternehmen unterzukommen, in denen sie tatsächlich berufliche Erfahrung für ihren weiteren Lebensweg sammeln können. Denn im Gegensatz zu den Kolleginnen der Fachhochschulen verfügen viele Absolventinnen eines Universitätsstudiums über keinerlei Praxis, die „da draußen“ nützlich wäre, da Praktika nun mal kein integrierter Bestandteil des Studiums sind. Sei der Wille auch stark und die Bemühungen groß, letztlich erkennt die Ferialjob-Anwärterin, dass diese Alternative ohnehin keine ist. Das liegt daran, dass bei 49 Bewerbungen an Institutionen in ganz Österreich, die „geisteswissenschaftliche Arbeit“ leisten, 28 nicht reagieren, 18 bedauern und drei ein unbezahltes Praktikum ab Herbst anbieten. Doch was soll die

Jammerei über prekäre Verhältnisse und Gratisarbeit? Die fidele Arbeitswillige verabschiedet sich von ihrer Illusion und macht weiter. Ohnehin sind Praktika in den Sommermonaten für so manche eher ein Risikofaktor als eine Chance. Immerhin handelt sich ja eigentlich um die Haupterwerbszeit, quasi das Vorräte-Sammeln, um durch den harten Winter zu kommen. Alles gut und schön, würden klassische Ferialjobs („irgendwas hackeln“) auf der Straße liegen. Zwar betonen viele Unternehmen, wie wichtig Urlaubsvertretungen und die helfenden Hände sind, doch zeigt eine uneingeschränkte Suche („ich mache alles“) nach Ferialjobs im Raum Graz die ungeschminkte Wahrheit des AMS-eJob-Rooms: 0 Ergebnisse. Hat man dann anschließend bei der letzten Eingabemöglichkeit „älter als 20“ der LOGOFerialjobbörse verinnerlicht, dass die Konkurrenz ja auch sämtliche Schülerinnen der Oberstufe umfasst, bleibt häufig nur der österreichische Weg: „Freunderlwirtschaft“. Die Weiblichkeit hat zudem einen schweren Stand, da von Chancengleichheit auch in dieser Zone keine Rede sein kann. Traditionellerweise kommen Frauen zu einem Großteil in niedrig bezahlten Berufen unter, wo der Kollektivvertrag regiert, während sich Männern deutlich bessere Möglichkeiten befristeter Arbeitsverhältnisse in leistungsstarken Branchen, wie etwa im Metallgewerbe, eröffnen, samt hohem Grundgehalt, Überstunden und Zulagen. Da aber hier kein offizieller Platz für Schwarzmalerei ist, folgt die Annahme. Unsere Glückliche hat alle Widrigkeiten gemeistert und es bis zu einem Bewerbungsgespräch geschafft.

Hoffen und Bangen

Jedes Vorstellungsgespräch hat seine Tücken, aber ganz besonders heikel liegt die Sache, wenn man sich in einem Metier bewirbt, von dem man nun wirklich gar keine Ahnung hat. An der Suchen-


Seite 25 den ist es nun gelegen, sich eine Überzeugungsstrategie zu überlegen, wobei kaum jene Fähigkeiten eine Rolle spielen, die während des Studiums bereits angeeignet wurden. Wer will schon wissen, wie gut Bewerberin Nr. 14 bei der Literatursuche ist oder ob Wissenslücken bei gängigen Regeln des Zitierens oder geisteswissenschaftlicher Geschichte bestehen. Wer nicht schon mehrmals im selben Betrieb gearbeitet hat, über Staplerschein, HTL-Ab-

Voller Vorfreude auf den Ferialjob. Grafik: Sternat

GeWitter 06/12 schluss oder etwaige andere Zusatzqualifikationen verfügt, wird schnell zu spüren bekommen, dass er sich auch auf diesem Terrain der „harten ehrlichen Arbeit“ ihren Respekt erst verdienen muss. Was hat denn jemand, der größtenteils mit seinem Kopf arbeitet und sich hauptberuflich mit den weltfernsten Details theoretischer Überlegungen beschäftigt, einem Unternehmen anzubieten, das Fließbandarbeiterinnen zum Zusammenkleben von Plastikteilchen sucht? Was nun zählt, sind körperliche Belastbarkeit, Bereitschaft zur Schichtarbeit, handwerkliches Geschick und ein eigener PKW – nicht gerade typische Kennzeichen der Klischee-Geisteswissenschaftlerin. Gelingt es dennoch, sich beim Kennenlernen einigermaßen ins rechte Licht zu rücken, beginnt die Zeit des Wartens. Nach gefühlten 400 mal umsonst E-Posteingang-Checken und leichter Nervosität bei jeder unbekannten Nummer am Handy-Display klappt es häufig trotz allem und die Freude des Erfolgs, dass man sich die Wohnung nächstes Semester doch noch leisten kann, weicht Nervosität und Ernüchterung.

Schöpfen

Durchhalten lautet die Devise. Klarerweise unterscheiden sich Eindrücke und Erfahrungen je nach Job, Arbeitszeit, Kolleginnen, Bezahlung etc. Was allerdings charakteristisch zu sein scheint, ist eine völlige Umkehrung der kleinen, persönlichen Prioritäten und Eigenheiten: Die Wochenenden bedeuten alles, Automatenkaffee wird zum Hauptnahrungsmittel und die endlosen Diskussionen mit der KroneLeserinnenschaft über politisch rechte Ränder und Ausländerinnen-Thematik werden als sinnlos abgehakt. So wird neben der Hilfsarbeiterin-

nen-Tätigkeit, die nach den paar Wochen wirklich einwandfrei von der Hand geht, noch anderes angeboten, für das jeder weltoffene Mensch letztlich dankbar sein muss: ein Rauskommen aus dem abgeschlossenen System Uni, von dem wir nicht allzu selten annehmen, es wäre die „echte“ Welt. Das Aufeinandertreffen unterschiedlichster Charaktere und Meinungen, Hierarchien, Machtspielchen, aber auch Zusammenspiel und Teamwork. Und vielleicht folgt eine Auseinandersetzung mit der Frage, was wäre aus mir geworden, hätte ich einen anderen Weg eingeschlagen.

Reflexion

Nun, was bleibt für ein Gefühl, wenn nach Wochen der Hilfsarbeit (im Idealfall) die Tausender aufs Konto flattern? Ein bisschen Neid kann man sich kaum verkneifen, wenn die Gedanken darum kreisen, dass Putzen, Heben, Kleben, Zusammenlegen, Sortieren und Polieren die ansonsten gewohnt leere Kasse plötzlich so erstaunlich füllen, während die alltägliche studentische Denkarbeit weder Respekt, noch finanzielle Unabhängigkeit oder Zuversicht für die kommenden Jahre bringt. Im September hat uns die Realität schon wieder eingeholt: auf verschobene Prüfungen vorbereiten, Stundenplan zusammenstellen, noch mal alles durchrechnen, aus Angst vor Zuverdienstgrenzen und Beihilfenverlust. Ein paar Monate später geht das Spiel von vorne los und wir funktionieren als kleine Rädchen im großen System. Und kaum jemand kann sich dem entziehen, da der Antrieb für all den Aufwand letztlich immer die eigenen Wünsche und Bedürfnisse sind. Fraglich ist vielmehr: Was tust du, wenn dieses Semester dein letztes ist? Denn trotz all der Klagen und kleinen Krisen sollte man sich vor Augen führen: Noch ist alles verhältnismäßig einfach machbar. Du denkst, die Darstellung ist überspitzt? Recht hast du.


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GeWitter 06/12

Wenn Studierende Ferien machen Eine Typologie der Urlaubsreisen(den): Von der Weltenbummlerin bis zur „PartyExtreme“-Urlauberin. von Astrid Schmölzer

N

ganisiert sich eine einfache Unterkunft (sprich: Hauptsache Dach), den billigsten Flug, den sie bekommen kann – und sie ist gut im Billige-Flüge-Bekommen –, packt ihren Rucksack und geht. Für mindestens drei Wochen, sonst zahlt es sich nicht wirklich aus.

icht alle Studierenden reisen gleich. Die einen mögen lieber im Herbst viel Kultur, besichtigen die großen Städte, genießen ihre Ruhe. Die anderen suchen den Sommer am Strand zum Feiern. Wieder andere finden herkömmlichen Strandurlaub fad, besser sind ausgefallene Länder wie Brasilien, am besten mit Rucksack. Und manche bevorzugen Koffer über Koffer, um auch ja alles dabeizuhaben. Dann der Unterschied, ob es sich um einen WG-, Pärchenoder reinen Mädlsurlaub handelt. Oder ob die Hälfte der Kolleginnen mitkommt …

Typ B: Die OttilieNormalstudentin

Typ A: Die Abenteurerin/Weltenbummlerin

Grafik: Kofler

Auch als „die Wahnsinnige“ bekannt. Trampt mit ihrem übergroßen Rucksack kreuz und quer durch Länder wie Australien, Brasilien, Madagaskar oder die Mongolei. Man findet sie in China, in Ägypten, in Jordanien oder auch in Peru. Sie gibt niemals Ruhe, or-

Mangels Geld wird ohne Reisebüro auf eigene Faust gebucht und dann losgefahren. Sie schläft in einem billigen Appartement an der Adria-Küste, manchmal auch in billigen, kleinen Hotels. Als Variante kennen wir hier auch die abenteuerlustige Ottilie Normalstudentin, die mit Rucksack auf Kulturtour geht. Wenn es mit dem Geld nicht hinhaut, geht sie lieber arbeiten, daheim ist der Urlaub auch nicht schlecht. Sie gönnt sich dann im Herbst vielleicht eine Kulturreise.

Typ C: Die „Urlauber“Studentin

Diese Studentin arbeitet meist sehr hart neben ihrem Studium, ist also auch meist flüssig, nimmt sich im Sommer Urlaub von der Arbeit, packt ihre/n Liebste/n oder beste/n Freund/in ein und ab an den Strand. Sie mag es gediegen und ruhig. Also ein richtiger Strandurlaub ohne viel Party, nur Erholung. Ab und zu ein Gläschen Wein, viel Entspannung und ein gutes Buch am Strand.

Typ D: Die „Party-Extreme“Urlauberin

Sie hat den Sommer im Blut, samt Rhythmus, Power und einer gewissen Trinkfestigkeit. Mit ihren Kolleginnen macht sie die Klubs unsicher, ob jetzt an der Adria oder doch in ihrer Heimatstadt nach dem Besuch im Freibad. Es wird gefeiert, getrunken, getanzt. Im Urlaub kann sie richtig einen draufmachen. Komasäuferin schimpfen sie die einen, doch sie hat eben ihre eigene Mentalität, um sich zu erholen. Ob ihr nun lieber ruhig am Strand die Sonne genießt oder ausgiebig feiert, ob ihr durch den Urwald trampt oder lieber auf der Terrasse in der Sonne liegt – egal, wie euer Sommer werden soll: Ich wünsche euch allen einen schönen, tollen, ereignisreichen, denkwürdigen Urlaub.


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Reiselektüre für den Sommer

Rezension – Reiseführer Istanbul

Für meine letzte Reise, die mich nach Istanbul geführt hat, habe ich mich für den Reiseführer „Istanbul“ von Peter Dahners und Volker Ohl aus der Reihe „DUMONT direkt“ entschieden. DUMONT-Reiseführer sind ja als Kunstreiseführer bekannt – in dieser kurzen Ausführung finden sich einfach gute Reisetipps, Unterkunft- und Essensempfehlungen neben ausführlichen Beschreibungen der wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Ein großes Plus ist der Cityplan zum Herausnehmen, der wirklich die Orientierung erleichtert. Besonders kompakt und gut zusammengefasst findet sich Istanbul in 15 Ausflugsziele unterteilt auf den Seiten wieder. Das Format ist handlich, außerdem ist der Reiseführer auch schön dünn und platzsparend. Einem spannenden Stadturlaub steht nichts mehr im Weg. Astrid Schmölzer

Beppe Severgnini „Überleben in Italien“

Der Autor nimmt uns mit auf eine zehntägige Reise durch sein Heimatland, von Mailand über Rom bis nach Neapel und dann über Sardinien zurück in den Norden. Tat-

sächlich führt er aber nicht von antiken Monumenten zu den schönsten Stränden, sondern durchleuchtet mit viel sprachlichem Witz die Köpfe seiner Mitmenschen. So sind rote Ampeln kein Befehl, sondern „Ausgangspunkt einer Überlegung“, das Fußballstadion wird zum „FKK-Strand der Emotionen“ und die Piazza zum „kollektiven Antidepressivum“. Bei allem Humor schwingen auch etwas Kritik an den (damals) gegenwärtigen Verhältnissen à la Berlusconi bzw. Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ mit.Abgesehen von einigen langatmigen Passagen leichte Sommerlektüre, auch regenwettergeeignet. Wer einen Italienurlaub plant, sollte sich das Buch zulegen, da er dann, wie der Autor dieser Rezension, die Freude hat, das Beschriebene in der Realität zu entdecken. Sebastian Scherzer

„Fernweh – Geschichten und Berichte vom Reisen“

... ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, Romanauszügen und Gedichten berühmter Autoren und Dichter zum Thema Reisen. Darin lassen sich sowohl zur Weltliteratur gehörende Werke wie Goethes „Kennst du das Land“ als auch unbekannte, aber empfehlenswerte

Texte wie Franz Hessels „Die Kunst spazierenzugehen“ finden. Die Bandbreite dieser Reisetexte reicht vom 18. Jh. Schillers über die Wiener Moderne, vertreten durch Freud und Hofmannsthal, bis zum späten 20. Jh. mit Robert Gernhardt. Die Beschäftigung der Dichter mit dem Reisen über mehrere Jahrhunderte hinweg und in verschiedensten Ländern macht diese Auswahl zu einem Buch jenseits von Zeit und Grenzen. Besonders im Sommer lohnt sich ein Blick in „Fernweh“, um sich – obwohl zu Hause – in Gedanken ganz woanders wiederzufinden. Und Fernweh verursachen diese Geschichten und Berichte allemal. Kevin Eberhard

GEWINNSPIEL Das GeWitter verlost jeweils drei Exemplare der Bücher: „Istanbul“, aus der Reihe „DUMONT direkt“; „Überleben in Italien“ von Beppe Severgnini und „Fernweh – Geschichten und Berichte vom Reisen“. Seit wie vielen Jahren nimmt die KF-Uni-Graz am Erasmus-Programm teil? a) 20 Jahren b) 10 Jahren c) 30 Jahren Sendet uns die richtige Antwort bis spätestens 2. Juli 2012 an gewitter@ oehunigraz.at Betreff: GeWinnspiel. (Wir danken den Verlagen für die freundliche Zuverfügungstellung der Verlosungsexemplare.)


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ESN Prime - Studie zum Erasmus-Programm ESN Prime ist eine europaweite Studie rund um das ErasmusProgramm. Wir bringen einen Auszug. von Andreas Zenz

P

RIME – Problems of Recognition In Making Erasmus – ist eine Studie von ESN, dem Erasmus Student Network, welche die europaweiten Probleme in der Anrechnung von Erasmus-Semestern analysierte. Dafür wurden in ganz Europa Austauschstudierende gebeten, einen Fragebogen über ihren ErasmusAufenthalt auszufüllen. 399 österreichische Studierende nahmen an der Umfrage teil. Die wichtigsten Punkte findet ihr hier zusammengefasst: Im Europadurchschnitt erhielten rund 73 % aller Studierenden eine volle Anerkennung ihrer Leistung.

In Österreich fiel der Wert mit 70,68 % knapp unter dem Durchschnitt aus, 3 % erhielten gar keine Anrechnung ihrer Leistung. In Österreich müssen also drei von zehn Studierenden um die Anerkennung ihrer Leistung im Ausland bangen. Das Hauptproblem stellt die Umrechnung der Credits dar, in Österreich mit 17,3 % beinahe doppelt so hoch wie im europäischen Durchschnitt. 11,3 % der österreichischen Studierenden gaben Probleme mit dem Inhalt der Kurse als ausschlaggebend an. Das Vorurteil, dass sich die Studiendauer verlängert, ist laut Umfrage nicht richtig. 78 % der österreichischen Studierenden (77 % im Europadurchschnitt) gaben an, dass sich ihr Studium durch Probleme bei der Anrechnung des Auslandsaufenthalts nicht in die Länge zog. Dennoch gehen 12 % (12,9 % im Europaschnitt) davon aus, dass sie durch das Auslandssemester zu einem späteren Zeitpunkt ihren Abschluss er-

TYPISCH von Kornelia Hoffmann

Comic: Hoffmann

reichen. Auch der finanzielle Aspekt wirkt oft abschreckend. Jedoch erhielten 97,5 % eine Erasmus-Förderung, um über einen Prozentpunkt mehr als im Europadurchschnitt. Mehr als ein Drittel der österreichischen Studierenden erhielten zusätzlich noch eine Förderung. Ein weiterer Punkt ist die Übertragung der Noten. Bei rund 70 % wurden die Leistungen mit zumindest derselben Note belohnt, für über 13 % gab es schlussendlich eine bessere Abschlussnote. Durch ein hohes Misstrauen der Professorinnen aus den Erasmus-Ländern untereinander ist es nicht unüblich, dass die Noten aus dem Austauschsemester auch abgewertet werden. Zusammenfassend merkt man, dass noch Probleme durch ein ErasmusSemester entstehen können, wobei diese einen kleineren Personenkreis betreffen. Jedoch zeigte eine Frage, dass trotz dieser Probleme die Mehrheit nicht auf ihren Auslandsaufenthalt verzichten würde.


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GeWitter Juni 2012  

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