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Studienjahr 2011/12, Heft 1, März 2012

GEWITTER Zeitschrift der Fakultätsvertretung GeWi an der Uni Graz

BRINGT

Foto: mathias the dread / photocase.com

BEWEGUNG!

Bewegung im Studium: Deine ÖH

Bewegte Zeiten: #unibrennt versus 68er

Bewegte Bilder: Film-Special zur Diagonale


Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser! Du hältst unsere erste Ausgabe des „GeWitters“ in Händen. Eine Zeitschrift mit so viel Vergangenheit und teils turbulenten Brüchen neu zu gestalten bedarf einer Portion Mut, vielleicht auch Unbekümmertheit. Wir haben es gewagt, was dabei rauskam ist unsere erste Nummer zum Thema „Bewegung.“ Viel Spaß beim Lesen! Falls es etwas gibt, dass ihr schon immer einmal los werden wolltet oder euch denkt, so ein Sch.... Blatt, das kann ich doch viel besser, dann schreibt uns an gewitter@oeh-unigraz.at. NeuzugängerInnen immer willkommen! Mein Nachfolger in der redaktionellen Leitung freut sich über jede Unterstützung. Mir bleibt euch einen entspannten Semesterbeginn und „bewegende Zeiten“ zu wünschen! (für die GeWitter-Redaktion) Evelyn Knappitsch

Impressum Medieninhaberin, Herzausgeberin und Verlegerin: Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Universität Graz, Schubertraße 6a, 8010 Graz Redaktion (alphabetisch): Daniel Hacker, Rabia Janisi, Evelyn Knappitsch, Lukas Lerchner, Paul Schliefsteiner, Klemens Wieringer Layout und Endredaktion: Evelyn Knappitsch Lektorat: Beatrice Maierhofer Druck: Universitätsdruckerei Klampfer Auflage: 5000 Stück

Cover-Foto: mathias the dread / photocase.com


Inhalt

Bewegung

Bewegung im Studium

Bewegte Zeiten

Bewegte Bilder

4 Wir holen dich da raus! Deine StV

7 Stipendien f체r das Forum Alpbach

6 Donnerwetter

8 1968-2009: 12 Wie erz채hlt Film Unterschiede und eine Geschichte Vergleichbarkeiten

10 Film Special: Diagonale


Foto: view7 / photocase.com


Wir holen dich da raus!! Deine ÖH-VertreterInnen organisieren nicht nur das Institutsfestl, sondern können auch bei handfesten Studienproblemen weiterhelfen. Probier es aus. Wenn du nicht weiter weißt, besuche unsere homepage oder komm gleich vorbei - in die Schubertstraße 6a.

Deine Studienvertretung ist vor Ort für dich da, um dir aus größeren und kleineren Misern zu helfen. GeWitter bietet in jeder Ausgabe Raum für Neues aus den StVen. Diesmal: Aktuelles von der Studienvertretung „Philosophie“ von

Klemens Wieringer Am Institut für Philosophie passiert aktuell gerade wieder einiges. Es freut uns, dass nach längerem Warten die Professur für Theoretische Philosophie nun besetzt wird. Marian David, derzeit University of Notre Dame (USA), hat den Ruf an die Universität Graz angenommen und wird mit 01. Juli 2012 als Univ.Prof. für Theoretische Philosophie

am Institut für Philosophie tätig sein. Am 13. März wird es wieder im Heinrichhof (Heinrichstraße 8) einen Stammtisch geben. Der PhilosophieStammtisch soll den Rahmen bieten, um sich auch einmal in außeruniversitärer, entspannter Atmosphäre zu unterhalten. Für Philosophiestudierende ist der Stammtisch zusätzlich eine Gelegenheit, um die StV mit Fragen zum Studium zu löchern. Außerdem veranstalten wir zusammen mit dem Fachbereich der Geschichte der Philosophie am 22. Juni 2012 am Institut für Philosophie (Heinrichstraße 26, 5. Stock, UR 09.51) ein Symposium anlässlich des 300. Geburtstags von Jean-Jacques Rousseau. Voraussichtliches Programm sind Vorträge von Udo Thiel und Simone De Angelis (Graz), Gideon Stiening (Mün chen), Heiner F. Klemme (Mainz) und Nenad Miscevic (Maribor). Themen werden unter anderem „Rosseau über das Selbstwertgefühl“, „Kant und Rosseau“ und „The Social Contract as Thought Experiment“ sein. Wenn du mitmachen möchtest, kannst du dich jederzeit bei uns melden. Wir bieten dir die Möglichkeit,

aktiv in der Studierendenvertretung zu werden, bei unseren Projekten mitzuarbeiten oder uns einfach mit deiner Idee zu unterstützen. Melde dich einfach bei uns oder komm zu unseren Stammtischen, wir freuen uns über jede helfende Hand! Mehr Infos findest du auf unserer Website – stv-philosophie.at

WANTED:

Neues Logo für die Fakultätsvertretung Gewi! Schick uns deine kreativen Ideen. Alle Einsendungen werden auf der homepage veröffentlicht. Auf den Gewinner wartet ein Überraschungspreis! Kontakt:

gewi@oehunigraz.at 5


DONNERWETTER von

Paul Schliefsteiner

Foto: Andreas Siegel / photocase.com

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Einmal freie Presse, bitte!

Im Rahmen der ÖH übt sich die nachwachsende akademische Generation in Demokratie, Politik und kritischer Pressearbeit. Und offenbart dabei zum Teil ein bedenkliches Verständnis vom Zusammenwirken dieser Bereiche. Konkret spreche ich diesmal davon, dass wir alle zwei Jahre nicht nur die politische Vertretung neu wählen, sondern indirekt auch die Herausgeber und Chefredakteure der ÖH-Medien. Sie haben richtig gelesen: ich kritisiere, dass die ÖH-Medien politisch beschickt oder zumindest vergeben werden. Und ich tue das in einem ÖH-Medium. Für all jene, die sich der Problematik nicht bewusst sind oder die auf die Argumentation gespannt sind, hier ein paar Punkte: ÖH-Magazine werden automatisch mit dem ÖH-Beitrag abonniert und können (bisher) nicht abbestellt werden. Abgesehen von der Verschwendung an Zeit, Energie, Geld, Ressourcen und der angerichteten Umweltverschmutzung ist es bedenklich, dass ein Vertretungskörper, den nachweislich die meisten nicht gewählt haben, seine Publikationen dem Wähler, der Wählerin ohne zu fragen direkt ins Haus schickt. Ernsthaft: würden Sie gerne zwangsweise ein Magazin zugestellt bekommen, das von den Regierungsparteien herausgegeben wird? Aufgrund der recht kurzen Funktionsperiode und der Abhängigkeit davon, wer gerade den Chefredakteur stellt, gibt es keine einheitliche Blattlinie und meistens nicht einmal eine genaue Idee, um was es gehen soll. Als ich zu studieren anfing, sah das „Gewitter“ aus wie eine umstürzlerische Tageszeitung gedruckt auf Recycling-Klopapier. Später wie ein konservatives Kirchenblatt. Dann bekam es einen schlichten Look und hat nun das neue Layout der „Libelle“ übernommen – die hieß als ich anfing zu studieren übrigens noch „Munition“. Wegen der politischen Besetzung und weil es dann meist ein Hobby der Beauftragten ist, mangelt es häufig - nicht immer - an der Kenntnis von Grundlagen journalistischer Arbeit und damit an Qualität. Man sehe sich nur die Intervalle des Erscheinens mancher Zeitschriften an. Dabei gäbe es genug Studenten und Studentinnen vom Fach, die vielleicht sogar Partei-unabhängig wären. Der überwiegende Teil der Inhalte ist zwar gesellschafts-, aber meist nicht spezifisch universitätsrelevant. Dass angesprochene Themen auch die Hochschulen betreffen, mag stimmen, aber die ÖH-Zeitschriften sollten sich doch auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und Gesellschaftskritik am Rande üben und nicht umgekehrt. Um nicht nur zu jammern hier einige Vorschläge: Die Fraktionen – auch jene, die gerade nicht an der Macht sind - sollten sich auf eine Blattlinie einigen. An dieser Linie muss auch festgehalten werden, wenn die Fraktionen wechseln. Oder sie einigen sich darauf, die ÖH-Magazine bei der nächsten Gelegenheit einzustellen und das Geld dem Sozialbudget zuzuführen. Oder die verehrte Leserschaft beschließt mitzumischen und persönlich, in großer Zahl, bei den offenen Redaktionssitzungen oder in den Büros der Herausgeberinnen und Herausgebern zu erscheinen und eine sinnvolle Gestaltung einzufordern oder selbst mitzugestalten - Zum Donnerwetter nochmal!


EUROPÄISCHES FORUM ALPBACH 2012The Spirit of Alpbach supported by

Lukas Lerchner

Das diesjährige Europäische Forum Alpbach wird unter dem Generalthema „Erwartungen - Die Zukunft der Jugend“ vom 16. August bis zum 1. September 2012 stattfinden. Ursprünglich als einmalige Veranstaltung gedacht, findet das Europäische Forum Alpbach mittlerweile zum 68. Mal statt. Vom 16. August bis zum 1. September 2012 werden auch in diesem Jahr wieder WissenschafterInnen, VerteterInnen aus Wirtschaft und Politik sowie Studierende aus aller Welt in das kleine Tiroler Bergdorf Alpbach anreisen und das Thema „Erwartungen - Die Zukunft der Jugend“ ausführlich diskutieren. Den ersten Teil des Forums bildet traditionell die „Seminarwoche“ mit 16 Halbtagsseminaren quer durch alle Disziplinen, aber durch das Generalthema verbunden. Im zweiten Teil finden dann die Gespräche statt, die sich einzelnen Themenbereichen zwei bis drei Tagen widmen, wie zum Beispiel Technologie, Wirtschaft, Politik, Architektur und Gesundheit. Parallel dazu werden die Alpbacher Sommerschulen abgehalten. Das Angebot des Forums unterscheidet sich vielleicht nicht gleich auf den ersten Blick von jenem ähnlicher Veranstaltungen – wäre da nicht der vielgerühmte „Spirit of Alpbach“. Die einzigartige Atmosphäre des zwanglosen, informellen und gleichzeitig hochkarätigen Austauschs zwischen Vortragenden und Teilnehmenden, Fachleuten und Laien, übt seit dem ersten Forum 1945 eine magische Anziehungskraft aus. Der offene Charakter der Veranstaltung fördert ein Klima der Toleranz gegenüber anderen Meinungen und trägt zur Konsensfindung über staatliche, ideologische und disziplinäre Grenzen hinweg bei. Persönlichkeiten wie Bruno Kreisky, der Physiker Erwin Schrödinger oder der Philosoph Karl Popper haben jahrelang an den Gesprächen in Alpbach teilgenommen. Ein weiteres, für Alpbach einzigartiges Charakteristikum ist die Vielzahl an jungen Studierenden aus aller Welt, welche dem Forum eine unvergleichliche Frische verleihen und stets für neue Impulse sorgen.

Dein Voll-Stipendium für das Europäische Forum Alpbach 2012: alle Informationen unter www.clubalpbachsteiermark.at bzw. www.alpbach.org Bewerbungsschluss: 20. April 2012

Festival des österreichischen Films Graz, 20.–25. März 2012

Programminfo & Tickets ab 14. März im Festivalzentrum Kunsthaus Graz, im Café Promenade, unter www.diagonale.at und der Infoline 0316 - 822 81 822, ab 21. März in den Festivalkinos / www.diagonale.at

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Foto: Daniel Weber http://unibrennt.at

1968 – 2009: Unterschiede und Vergleic von

Daniel Hacker

Während des Protestes der Studierenden, der am 20.10. 2009 in Wien an der Aula der Akademie der Bildenden Künste stattfand und sich wie ein Lauffeuer durch ganz Österreich verbreitete, kam immer wieder der Vergleich mit dem „Revolutionsjahr“ 1968 auf. An dieser Stelle muss man, wenn auch in kurzer Form, anmerken, dass die 68er-Bewegung nicht nur von Student_innen getragen wurde, sondern ebenfalls von Jungarbeiter_innen und Lehrlingen. Während vor dem 2. Weltkrieg das Gros der Student_innenschaft rechte politische Weltanschauungen in sich trug, sollte sich diese Tatsache danach ändern. Ein möglicher Grund für diese Veränderung wäre der Anstieg der Student_innenanzahl. Am Ende des 2. Weltkrieges hatte es über 100.000 Studierende gegeben, im

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Jahr 1960 war die Anzahl doppelt so groß. Unmittelbare Konsequenz daraus waren die unvermeidlichen Spannungen zwischen den Student_innenmassen und den Institutionen, die weder physisch, noch organisatorisch oder intellektuell auf diesen Ansturm vorbereitet waren. Im Jahr 1968 wurde zunächst eine Hochschulreform gefordert, und an diesem Beispiel zeigt sich ein Zusammenhang zwischen 1968 und 2009. Denn die Besetzungen forderten einen freien Zugang zu allen universitären Studien, eine Verbesserung der Studienbedingungen, eine Demokratisierung der Universitäten und eine Reorganisation des Universitätssystems. Was die Hierarchisierung der Bewegungen von 1968 und 2009 betrifft, muss man doch von einem fundamentalen Unterschied

sprechen. Sowohl in Deutschland (Rudi Dutschke, Hans- Jürgen Krahl) als auch in Frankreich (Daniel CohnBendit, Alain Geismar, Jaques Sauvageot) gab es einen starken Hang nach Führungspersönlichkeiten, was dadurch erklärt werden kann, dass die 68er- Generation stark durch die autoritäre, restaurative, postfaschistische Nachkriegsgeneration geprägt war. Obwohl Dutschke den antiautoritären Ansatz sehr konsequent verkörperte, schaffte er es nicht, dass die Bewegung ihn nicht als ihren Kopf ansah. Aufgrund dieser Erkenntnis entschloss er sich, einen Lehr- und Forschungsaufenthalt in Lateinamerika und in den Vereinigten Staaten von Amerika zu machen. Diese Idee wurde aber nie in die Tat umgesetzt, weil er bei einem Attentat am Gründonnerstag im Jahr 1968


Foto: http://projects.brg-schoren.ac.at

Alles nur bunter oder doch Tag und Nacht..?

chbarkeiten

lebensgefährlich verletzt wurde. Die Bewegung von 2009 war sehr stark von basisdemokratischen Elementen bestimmt, was in langwierige Auseinandersetzungen mündete, aber wirkliche Demokratie ist sehr zeitintensiv. Es konnte aus selbstkritischer Sicht nicht verhindert werden, dass sich bestimmte Hierarchien gebildet haben, weil die Intensität des Engagements nicht bei jeder Besetzer_in gleichmäßig vorhanden war. Ein erheblicher Unterschied zu 2009 war, dass die weltpolitische Lage eine völlig konträre war. Im 20. Jahrhundert herrschte bis zur Implosion der Sowjetunion der Kalte Krieg mit den USA, der oft durch Stellvertreterkriege in einen „heißen“ mündete. Ein gutes Beispiel dafür wäre der Vietnamkrieg, der von 1965 bis 1975 dauerte. Die 68er-Bewegung

opponierte eindeutig gegen den US-Imperialismus und solidarisierte sich mit dem Vietkong, der nationalen Front für die Befreiung Südvietnams unter der Führung des Kommunisten Ho-Chi-Minh. Dieser Vietnamkrieg stieß unter der jüngeren Generation auf massiven Widerstand und verschaffte der 68er Bewegung erhebliches Protestpotential. Kritisch an der 68er-Bewegung muss man festhalten, dass es zu Verherrlichungstendenzen des Maoismus kam, der inGegnerschaft zum Kommunismus sowjetischer Prägung stand. Denn es erscheint schon paradox, dass ausgerechnet eine antiautoritäre Bewegung sich auf ein autoritär sozialistisches System bezieht. An dieser Stelle muss aber angemerkt werden, dass die 68erBewegung sehr heterogen ausgerichtet war, von radikal demokra-

tisch bis orthodox kommunistisch. Was die gesellschaftliche Kritik betrifft, war die 2009er-Bewegung in ihrer Gesamtheit nicht so radikal wie die von 1968. Das hat natürlich auch politische Gründe, weil es im 21. Jahrhundert nur das eine, sprich kapitalistische System mit Universalanspruch gibt. Alternative Weltanschauungen gibt es dennoch, aber nicht als ganzheitliches Gegenkonzept wider dem bürgerlich- kapitalistischen neoliberal gefärbten System. Dennoch war der Protest der Studierenden und Lehrenden ein wichtiger Beitrag, dass Missstände des Bildungssystems öffentlich aufgezeigt wurden und darüber hinaus auch von den politischen Vertreter_innen diskutiert wurde.

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Foto: Diagonale


Filme, Parties, Diskussionen – die 15. Diagonale in Graz

Die Diagonale 2012 (20.–25. März) eröffnet mit SPANIEN, dem Langspielfilmdebüt der jungen Wiener Filmemacherin Anja Salomonowitz. Bildgewaltig verwebt sie darin die Schicksale vierer Suchender und transportiert in der Tradition ihrer Vorgängerfilmen auch einen kritischen, gesellschaftspolitischen Subtext: Mit der Figur Sava beleuchtet Salomonowitz das Thema Migration und reflektiert den aktuellen politischen Wahnsinn, wie sie in einem Interview anmerkt. Um politische Missstände oder zumindest Bereiche mit Diskussionsbedarf dreht sich auch Michael Palms aktuelle Arbeit Low Definition Control. Wohin führt die Technologisierung des Sehens – und letztlich Gesehen-Werdens? Zu den Expert/ innen-Meinungen aus Kriminologie, Medien und Medizin montiert Palm Schwarz-Weiß-Überwachungsaufnahmen. Die Unschuldsvermutung scheint im präventiven Sicherheitsdenken seinen Platz zu verlieren.

Neben diesen und ähnlichen Neuentdeckungen ermöglicht der beliebte Diagonale-Jahresrückblick ein Wiedersehen mit den großen Produktionen des Kinojahres 2011/12, so zum Beispiel mit Igor Hauzenbergers Dokumentarfilm über den Tierschützer/innen-Prozess und die damit einhergehende Diskussion des umstrittenen (Mafia-)Paragrafen 278a. Wer es also zum regulären ersten Durchlauf von Der Prozess nicht in das Kino seines Vertrauens geschafft hat, bekommt noch einmal die Gelegenheit geboten. Abseits der Kinosäle stehen derweilen Diskussionen zu aktuellen (film) politisch relevanten Inhalten sowie Partys im Rahmen der Diagonale Nightline auf dem prall gefüllten Festivalstundenplan der Kinofans. Die Abendschiene bringt heuer u. a. das Film-Livekonzert Fool’s Island Project in die Grazer Postgarage. Weiteres Highlight ist das Konzert der Band Lonely Drifter Karen.

Alle Infos sowie Online-Tickets unter www.diagonale.at. Das detaillierte Filmprogramm wird am 9. März bekannt gegeben. Der Ticketvorverkauf startet am 14. März. Programminfos und Tickets: 0316 822 81 822. GeWitter verlost in Kooperation mit der Diagonale folgende Preise: 1. Preis: 6er Block für die Diagonale 2012 (max. 2 Tickets pro Vorstellung)// 2. Preis: 1x2 Tickets + 1 Diagonale-Katalog // 3. Preis: 1 ray Filmmagazin Jahresabo //4. Preis: 1 Diagonale-T-Shirt Das alles gibt’s natürlich nicht geschenkt, sondern ist mit einer Gewinnfrage verbunden: Wo eröffnet die Diagonale 2012? Die Antwort bitte bis 15. März 2012 per E-Mail mit dem Betreff „Diagonale 2012“ an „gewitter@oeh.uni-graz. at“ senden. Die Preise werden unter den richtigen Einsendungen verlost. Die Verständigung der Gewinner/innen erfolgt wie immer per E-Mail.

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Wie erzählt Film eine Geschichte? von

Rabia Janisi

Wenn man dem interessierten und aufgeschlossenem Kinobesucher nach einer unterhaltenden Vorstellung Gehör schenkt und mit ihm in einer für Laien üblichen Nachbesprechung filmrelevante Informationen austauscht, dann erstreckt sich der Lauf dieser Debatten meist auf Elemente der Handlung und deren Darstellungsweise. So stellt sich vielleicht die Frage: „Wie wird das Erzählte im Film vermittelt?“ Wir möchten im folgenden Artikel dieselbe aufgreifen und ein wenig darüber reflektieren, ohne jedoch Anspruch auf eine akademisch vollständige Abhandlung zu erheben. Die beigefügten Informationen in Klammer sollen den interessierten Leser jedoch anregen, sich bei Lust und Laune mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Aus der Laienperspektive betrachtet gelangt man möglicherweise zur Erkenntnis, dass ein „filmischer Erzähler“ die Handlung sichtbar ordnet und präsentiert wie zB im Film Der seltsame Fall des Benjamin Button (2008), in dem

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scheinbar die gleichnamige Filmfigur die Handlung wiedergibt. Die Geschichte im Film Fight Club (1999) etwa wird dem Publikum durch einen nicht näher vorgestellten Erzähler nähergebracht. Zusammenfassend handelt es sich bei den beiden Filmen um Texte mit unterschiedlicher Erzählerkonstruktion. Diese Formen filmischen Erzählens sind ein geeigneter Startpunkt der Frage nachzugehen wie ein filmischer Text im Allgemeinen seine Handlung kommuniziert. Wie analysiert man Filme in denen der Erzähler nicht eindeutig zu identifizieren ist? Selbst ein Blick in die Literaturwissenschaft und Filmtheorie wirft mehr Fragen auf, als beantwortet werden können. Zumindest vorerst. David Bordwell oder Richard Branigan, zwei anerkannte Filmwissenschaftler, vertreten gar die These, dass der Erzähler als Vermittler im Film ein unnötiges Konstrukt sei. Filmerzählung vervollständigt sich im Kopf des Zuschauers, der Begriff des ‚Erzählers‘ wird

durch den Folgebegriff der ‚Narration‘ abgelöst, kognitive Mechanismen werden von den Filmemachern genutzt, um das Publikum in den Bann des Filmes zu ziehen und zu involvieren. Narration wird als dynamischer Prozess betrachtet, der durch den filmischen Text initialisiert und delegiert wird. Die kognitive Filmtheorie* untersucht also die Rezeptionsseite eines filmischen Textes, negiert aber die Position eines werksinternen, filmischen Erzählers. Ein Film der sich theoretisch ‚selbst erzählt‘ ist zwar vorstellbar, wenn man aber den Spuren der altgedienten Literaturwissenschafter Franz Stanzel und Gerard Genette folgt, so landet man unweigerlich in einer Sackgasse: Rein logisch, wie in dem empfohlenem Werk von Nicole Mahne ‚Transmediale Erzähltheorie‘ geschrieben steht, stellt für Stanzel und Genette der werkinterne Erzähler die Voraussetzung zur Vermittlung der nar rativen Elemente dar. Eine Handlung, die geschaffen wurde, setzt


Foto: GP-Medienservice P. Janssen

mindestens einen Erzeuger voraus. Unabhängig davon ob es sich dabei um eine Geschichte mit starken Referenzen zum Weltgeschehen handelt oder nicht, einen Roman, ein Gedicht, einen Comic oder um den Gedanken in der Filmlandschaft weiterzuspinnen, einen HollywoodKinofilm, eine Dokumentation oder eine Fernsehshow: irgendeine ordnende Instanz strukturiert das Geschehen und präsentiert dieses in jeweiliger Form im entsprechenden Medium. In diesem Punkt sind sich die meisten Literatur- und Filmwissenschafter einig. Wie aber sollte man sich diesen Mediator vorstellen? Die Konzeption eines ‚Erzählers‘ als werksimmanente, theoretische Entität und gleichzeitig als anthropomorphes Konstrukt hat in der Filmwissenschaft dazu geführt, Ersatzbegriffe und Konzepte einzuführen um die logische Kluft der Narration ohne Erzählinstanz zu überwinden.Tomasulo (1986:46) schlägt den Begriff des

‚supranarrator‘ vor, Black (1986:4) greift die Idee eines ‚camera eyes‘ auf, David Bordwell spricht in dem Zusammenhang von einem invisible observer‘ (1985:9-10), Sarah Kozloff (Stam 2006:98) präferiert den Ausdruck ‚image-maker‘ und Gaudreault wiederum gebraucht den Terminus ‚primary narrator‘ (Stam 2006: 98) All diesen Definitionen gemeinsam ist der Versuch eine theoretische Instanz zu entwickeln, quasi einen textuellen Orchestrator der verschiedensten filmischen Register. Welcher Teil von Film hält also die Fäden in der Hand, in Abwesenheit des Autors? Tom Gunning bietet mit seinem ‚narrator-system‘ eine Möglichkeit an, das Problem der Narration ohne Erzählinstanz elegant zu umgehen. Der narrative Diskurs im Film wird von ihm in drei Ebenen unterteilt, dessen gleichzeitiges Zusammenwirken vereinfacht gesagt das Wesen des filmischen Erzählers ausmachen. Jede dieser Ebenen, ‚pro-filmic‘, ‚enframed image‘ und ‚process of editing‘ genannt, enthält

weitere Elemente, die narrative Infor- mationen weitergeben. So sieht Gunning zB die Schauspieler, das Setting oder die filmische Beleuchtung von Filmen nicht als Rohware, sondern sieht im Selektieren dieser und weiterer Elemente einen Prozess, der die narrativen Absichten offenlegt. Die Auswahl findet also auf allen drei Ebenen statt. Durch die unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten der Elemente unterscheidet sich auch die Art des filmischen Erzähler, vom ‚unsichtbaren‘ Erzähler in klassischen Hollywood-Filmen bis zu den eigentümlichen, idiosynkratischen Filmen eines Godard oder Lynch. Einen Film ohne Erzählinstanz gibt es laut Gunning nicht, es geht nur um die Frage wie sehr die erzählerische Instanz in den Filmen gekennzeichnet ist (cf. Stam 2006:113). *Der kognitiv orientierte Ansatz erlebt momentan eine Phase des Aufschwungs und findet in unterschiedlichsten Gebieten Einzug. So gibt es zB an der Uni Graz Forschungsschwerpunkte sowie angebotene Lehrveranstaltungen die den transmedialen Theorien des Erzählens auf den Grund gehen.

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GeWitter  

Die erste Ausgabe der Zeitschrift der FV GeWi.

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