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einf眉hrung

ACCI贸n EspACIo: RAUm In AKTIon

STRATEgIEn zuR uRBAnEn InTEgRATIOn vOn InfORMELLEn STADTquARTIEREn In cARAcAS, vEnEzuELA



ESPACIO

DIPLOMARBEIT ARCHITEKTUR


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PATRIck EDLIngER

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STRATEgIEn zuR uRBAnEn InTEgRATIOn vOn InfORMELLEn STADTquARTIEREn In cARAcAS, vEnEzuELA



ESPACIO

DIPLOMARBEIT ARCHITEKTUR


DIPLOMARBEIT ARCHITEKTUR

ACCIÓN

ESPACIO

PETARE

Acción Espacio: Raum in Aktion

Strategien zur urbanen Integration von informellen Stadtquartieren in Caracas, Venezuela

ausgeführt zum Zweck der Erlangung des akademischen Grades eines Diplom-Ingenieurs unter der Leitung von Ass.Prof. Dipl.Ing. Dr. Andreas Hofer Institut für Städtebau, Landschaftsarchitektur und Entwerfen, Fachbereich Städtebau eingereicht an der Technischen Universität Wien Fakultät für Architektur und Raumplanung von Patrick Edlinger



email edlinger.p@gmail.com


einführung Im Besonderen danke ich für ... ... Inputs und Zusammenarbeit - Heidi Wurm, Andreas Hofer, Claudia Heinzl, Maria Antonieta Piñeda, Christian Pagitsch, Hubert Klumpner, Alfredo Brillembourg, Silvia Soonets, Isabel Pocaterra, Judith Lehner, Christina Stickler, Leopoldo Tablante, Kenami, Diana Armijos, Ganbat Choisogjamts, ... ... für die Beherbergung und die geduldige Unterstützung - meinen Großeltern Franz und Emma Steininger, meinen Eltern Inge und Franz Edlinger, Sandra, Theresa, Valentina, Oskar und Thomas Brödler, Ernst Körmern und Cäcilia Hort, ...



Motor dieser Arbeit sind diffuse Visionen von einer anderen Welt, einer gerechteren und ausgeglicheren Welt. Ich danke insbesondere denen, die diesen Glauben teilen.


Situation



Der Prozess der rapiden Urbanisierung und Modernisierung hat in Venezuela wie in vielen anderen Ländern des Südens große Disparitäten geschaffen. Die radikale Transformation der Lebensweisen zwingt den Großteil der Bevölkerung, in die großen urbanen Agglomerationen zu siedeln. Das rasante Wachstum der Städte übersteigt urbane Planungs- und Servicekapazitäten, verursacht Engpässe und Ungleichheiten. Viele Einwohner siedeln sich in „irregulären“ Quartieren an, die zumeist ohne jegliche Duldung, Planung und Unterstützung der Behörden entstehen. Die entstandene sozialräumliche Fragmentierung ist mitverantwortlich für eine Reihe von gesellschaftlichen Problemen, die die Städte vor besondere Herausforderungen stellen: Armut, Slums, Kriminalität, Repression, fehlende öffentliche Räume, unterdimensionierte Infrastruktur und Versorgung, strukturelle Diskriminierung. Diese „Mängel“ sind keine vorübergehenden Zustände von eindimensionalen Entwicklungsprozessen, sondern stellen für viele Einwohner lebenslange Realitäten dar. Staat und Stadt hinken ihren Aufgaben nach und scheinen oft nur für einen privilegierten Teil der Bevölkerung zuständig, nur in wenigen Ländern haben die Regierungen mit den Entwicklungen schritthalten können. Aber auch die „Dynamiken“ des Marktes versagen und stellen die Menschen vor die Aufgabe, sich eigenständig der Situation anzupassen. Viele internationale Insitutionen - allen voran UN Habitat - haben in den letzten Jahrzehnten Vorgehensweisen formuliert, um nachhaltig adequaten Wohn- und Lebensraum für die arme Bevölkerung in Städten zu schaffen. Die Orientierung bei der 2. Habitatkonferenz 1996 stellt in den Vordergrund, dass Regierungen mit der direkten und aktiven Bereitstellung von Wohnraum überfordert sind. Die Dimension des Bedarfs erfordert die Beteiligung des privaten Sektors und lokaler Gemeinschaften.


einführung

Ziele



Diese Arbeit analysiert strukturelle Dynamiken, die informelle Quartiere im Stadtgebiet benachteiligen und sucht nach Strategien, wie diese Entwicklungen mit städtebaulichen und architektonischen Mitteln positiv beeinflusst werden können. Die Schaffung von räumlichen Schnittstellen zwischen informellen und formellen Gebieten soll den polarisierenden Prozessen entgegenwirken und so zu einer urbanen Integration und Anbindung führen. Dabei wird eine Grundvoraussetzung für städtische Kommunikation geschaffen. Ein Austausch, der zu einem Abbau der Barrieren von Ungleichheit und Vorurteil führen kann. Öffentlicher und gemeinschaftlicher Raum wird als Katalysator interpretiert, der Zwischenräume und Grenzen neu artikuliert. Andererseits wird durch die identitätsstiftende Wirkung von Prozessen mit Beteiligung der Bevölkerung die Rolle der einzelnen Subjekte und Organisationen neu definiert. Architektur- und Stadtplanung benötigt in diesem Kontext eine ständige Neudefinition ihrer Aufgaben und Methoden, um sich an veränderte Situationen anzupassen zu können. Das Fehlen eines starken Rückhaltes durch eine potente Stadt und deren Institutionen wird durch dynamische und prozesshafte Konzepte ausgeglichen, die ihre Stabilität und Kreativität nur durch eine Vielzahl von Akteuren erhalten und nicht einem subjektiven Planungsdiktat unterliegen. Essenzen gewonnener Erkenntnisse werden in einem Projekt auf ihre Beständigkeit geprüft.


Vorgangsweise Vorbereitungs- und Konzipierungsphase

Der Besuch themenrelevanter Lehrveranstaltungen: u.a. „Ungeplante Stadtentwicklung“ und „Architecture-Construction-Settlement“ bei Andreas Hofer, das Modul „Internationale Regionalentwicklung“ (Internationale Urbanisierung), die Ringvorlesung „Megacities“ des Instituts für Geographie an der Universität Wien, die Ringvorlesung zu Stadtentwicklung des Lateinamerikainstituts Wien. Die intensive Literatur- und Grundlagenrecherche zu verwandten Themenbereichen und Projektbeispielen in den Ländern des Südens verstärkt durch Reiseeindrücke und Entwurfsübungen sensibilisierten mich für das Thema. Im Zuge der konkreten Vorbereitungsarbeiten habe ich mit verschiedenen Personen und Institutionen in Caracas Kontakt aufgenommen um einen möglichst reibungslosen Start und die nicht immer einfache Organisation zu erleichtern.

9 Monatiger Aufenthalt in Caracas

9 Monate verbrachte ich in Caracas. Dabei besuchte ich natürlich auch andere Teile Venezuelas. Durch das Leben, Beobachtung, VorOrt-Recherche, Bekanntschaften und Integration in Projekte und Institutionen konnte ich ein vielfältiges Bild der Stadt und Gesellschaft kennenlernen. Besonders für diese Arbeit beeinflust haben mich:



Die professionalle Mitarbeit beim Projekt Metrocable im Büro Caracas Urban Think Tank der Architekten Alfredo Brillembourg und Hubert Klumpner, die neben der Planungstätigkeit viele Forschungskonzepte zu informellen Siedlungen entwickeln. Sie sind gemeinsam mit Kristin Feiress Mitherausgeber des Buches Informal City. Caracas.


einführung inhalt Eindrücke aus Venezuela

Die Integration in einer Wohnbauinitiative im Stadtteil Petare von Arqui5, einem ambitionierten Büro der Architektinnen Silvia Soonets, María I. Pocaterra und Isabel Pocaterra. Auftraggeber war das venezolanische Umweltministerium. Sie erhielten 2006 den Holcim Award Gold für ihr Projekt in La Vega. Die Teilnahme an einem Entwurfsprojekt an der Universidad Simon Bolívar. In einem 2-stufigen Projekt wurde anfangs ein städtebauliches Konzept, danach ein Entwurf zu einem konkreten Objekt bearbeitet. Zum Austausch stellte ich für die Studenten bei einem kleinen Vortrag die Stadt Wien und die Entwicklungen des sozialen Wohnbaus seit den 20er Jahren kurz dar. Der Besuch des Kurses „Diseño Participativo en Arquitectura y Urbanismo“ am Centro International Miranda von Selma Díaz, Architektin von Hábitat-Cuba, Susana Matta, Professorin an der Universidad de Nordeste de Argentina und Rodolfo Livingston, argentinischer Freigeist, Architekt und Autor zahlreicher Bücher.

In der Endbearbeitung wurden die gesammelten Materialien, Skizzen, Bilder und Ideen aufbereitet, die Theorie fundiert und die Konzepte ausgearbeitet. Begleitend wurde die Arbeit im Rahmen des DiplomandInnenseminars vorgestellt und mit der Betreuung und anderen Studenten diskutiert.

Endbearbeitung




Struktur der ARbeit und Methodik Diese Arbeit gliedert sich im wesentlichen in 3 Abschnitte, die von unterschiedlicher Tiefe sind. Jedes Kapitel steht für sich, damit wird es dem kundigen Leser möglich, Teile zu überspringen. Um Überschneidungen zu vermeiden, habe ich Querverweise wie folgt dargestellt: (siehe auch Kapitel Infrastruktur)..

C

ORT

B

ANALYSE

A

VENEZUELA CARACAS ÖFFENTLICHER RAUM FRAGMENTIERUNG INFRASTRUKTUR BARRIOS UND WOHNEN “GOOD GOVERNANCE”

PROJEKT

ZIELE/PROBLEMSTELLUNG METHODIK/AUFBAU

EINFÜHRUNG/ORT STRATEGIE ACCIÓN ESPACIO PETARE PROJEKT ACCIÓN ESPACIO PETARE



RESUMEE ZUSAMMENFASSUNG


Teil B

Die Analyse orientiert sich an 5 zentralen Aspekten: Öffentlicher Raum, Fragmentierung, Infrastruktur, Barrios & Wohnen und „Good Governance“. Das Konzept des öffentlichen Raumes ist stark im Wandel begriffen aber ein Schlüssel für integrativen Urbanismus, gerade in einer von Unsicherheit geprägten Stadt. Die Fragmentierung der Stadt beschleunigt und manifestiert ungleiche Entwicklungen im Raum. Fehlende oder fehlgeleitete Infrastrukturplanung erzwingen neue Zugänge und die Einbindung ausgesparter Stadtteile. Die schwierige Wohnraumversorgung ist eine zentrale Problematik, die verschiedenenartigen Ansätze demonstrieren dies. „Good governance“ ist als definierte Vorgabe zu nachhaltiger Stadtentwicklung gerade für benachteiligte Gebiete von Bedeutung. Diese Querschnittsthemen ermöglichen es, sich dem Thema auf verschiedene Weisen zu nähern. Der holitistische Ansatz versucht die Relevanz interdisziplinärer Zugänge zu diesem Thema zu demonstrieren und stellt dabei aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr geht es dabei vor allem um ein dokumentiertes „Sich-vertrautmachen“, eine Sensibilisierung für die relevanten Entwicklungen im Kontext der Stadt Caracas. Dabei wurden selektiv nötige Hintergründe aufgearbeitet oder internationale Referenzen und „Manuals“ beigezogen. Die Eindrücke von Aufenthalt und Mitarbeit bei Projekten wurden in die Kapitel miteinbezogen. Sie dienen gemeinsam mit der theoretischen Aufarbeitung einer Erstellung von Vorgaben und Planungsparameter. Komplementär versuchte ich die Bearbeitung mit eigenen Analysen und Projektskizzen zu ergänzen.

Teil C

Der Projektteil stellt anfangs das Planungsgebiet vor, und gliedert sich dann in 2 Abschnitte: Ein strategischer Teil und ein architektonischer Teil. Die beiden Abschnitte stehen in direktem Zusammenhang zueinander und sind parallel entwickelt worden.

einführung

Im Teil A verschafft einen Überblick über Venezuela und Caracas. Daten und Fakten ermöglichen ein schnelle Kenntnis der Rahmenbedingungen. Die historische Entwicklung spielt eine zentrale Rolle zum Verständnis aktueller politischer wie sozioökomischer Entwicklungen und soll die Basis für den örtlichen Kontext in Caracas, Venezuela, sein.



Teil A


Anmerkungen Sofern nicht spezifische geschlechtsbezogene Unterschiede hervorgehoben werden, wird im Folgenden grammatikalisch vom Geschlecht der Akteure abstrahiert. Es wird nicht immer die weibliche Form extra erwähnt. Wird z.B. von „Bewohnern“ gesprochen, so meine ich dass auch „Bewohnerinnen“ eine gleichberechtigte Rolle zukommt. Die institutionelle Situation in Venezuela erschwert oftmals den Zugang zu vertrauenswürdigen oder einheitlichen Quellen, Daten und Fakten. So finden sich in der Literatur und bei offiziellen Angaben oft sich widersprechende oder abweichende Zahlen. Im speziellen betrifft das Statistiken zu Armut, Demokratisierung und Korruption, deren Ergebnisse durch Änderung der Berechnung und Methoden stark veränderte Aussagen treffen können. Die Ursache liegt einerseits in einer fehlenden Einheitlichkeit der statistischen Methoden, andererseits in einer politischen „Färbung“ der Daten zugunsten der Rechtfertigung von jeweiligen Maßnahmen. In dieser Arbeit wurde versucht, in verschiedenartigen Grundlagen einen gemeinsamen Nenner zu finden, der für diese Arbeit ausreichend ist.

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Eigene Darstellung und Bilder werden in den Analysekapiteln mit einem Symbol gekenntzeichnet.


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einf端hrung


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intro Venezuela 13

portrait VENEZUELA


venezuela - daten und fakten Offizieller Name Präsident

Bolivarianische Republik Venezuela Hugo Rafael Chávez Frías seit 1999

Regierungsform Hauptstadt

Präsidialrepublik Caracas

Weitere wichtige Städte

Politische Aufteilung Fläche Einwohner Amtssprache Religionszugehörigkeit Ethnische Herkunft Bevölkerungsdichte Urbanisierungsrate Währung BIP pro Kopf Wachstum des Bruttoinlandsprodukt Anteil des Erdöl Sektorale Zusammensetzung des BIP Informelle Tätigkeit Inflationsrate GINI Index

Maracaibo (~1.250.000 Einwohner) Barquisimeto (~900.000 Einwohner) Valencia (~750.000 Einwohner) Ciudad Guayana (~600.000) 23 Bundesstaaten, 1 Hauptstadtdistrikt Abhängige Gebiete, Zone bei Guayana in Reklamation 916.445 km² 26 Mio (2007) Spanisch Katholiken 96%, Protestanten 2% Spanien, Italien, Portugal, Arabische Länder, Deutschland, Afrika, Indigene 26,7 Einwohner pro km²; Kolumbien 36,8, Österreich 99 96 %, Kolumbien 75%, Österreich 54% Bolívar 7.200 US $ geschätzt (2006) 4030 US $ 2004 10.3%(2006) 30% Landwirtschaft 3.7% Industrie 40.5% Dienstleistung 55.9% (2006) Formell 56% Informell 44% 15,9% (2007) 0,48 (2003); Vergleich Österreich: 0,31 (2002); Kolumbien 0,54 (2005) Der GINI Koeffizient dient zur Darstellung von Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen. Je näher der Wert an 1 ist desto größer ist die

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Ungleichheit.


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Virgin Islands Puerto (U.S./G.B.) Rico (U.S.) Anguilla (G.B.) St. Martin (Fr./Neth.) ST. KITTS AND NEVIS

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Guadeloupe (Fr.)

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DOMINICA Martinique (Fr.)

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ST. LUCIA BARBADOS

Bridgetown ST. VINCENT Saint George’s GRENADA TRINIDAD AND TOBAGO

Port of Spain

Caracas

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2003: www.kartenwelten.de rtographieausschnitt: Maps for Illustrators CD-ROM Vol. 6

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Wenn ich daher alle die Staaten, welche heutzutage in Blüthe stehen, durchnehme und betrachte, so sehe ich, so wahr mir Gott helfe, in ihnen nichts Anderes, als eine Art Verschwörung der Reichen, die unter dem Deckmantel und Vorwande des Staatsinteresses lediglich für ihren eigenen Vortheil sorgen, und sie denken alle möglichen Arten und Weisen und Kniffe aus, wie sie das, was sie mit üblen Künsten zusammen gerafft haben, erstens ohne Furcht es zu verlieren, behalten, sodann wie sie die Arbeit aller Armen um so wenig Entgelt als möglich sich verschaffen mögen, um sie auszunutzen. Diese Anschläge, welche die Reichen im Namen der Gesammtheit, also auch der Armen aufgestellt und durchzuführen beschlossen haben, wurden dann zu Gesetzen erhoben. Aber wenn diese grundschlechten Menschen alle Besitzthümer, die für Alle hingereicht hätten, unter sich getheilt haben – wie weit sind sie dann noch von dem Glückseligkeitszustande des utopischen Staatswesens entfernt ! (Tomás Moro 1518, S. 74–75) 15

Venezuela und die Karibik Eigene Bearbeitung: Kartenwelten.de

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I. Santa Cruz I. S. Cristóbal I. Espa n˜ ola

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KARIBISCHES MEER

TRINIDAD UND TOBAGO MARACAIBO

BARQUISIMETO

MARACAIBO SEE

CARACAS

VALENCIA MARACAY

PUERTO LA CRUZ

CIUDAD GUAYANA MERIDA

SAN FERNANDO DE APURE

KOLUMBIEN

REKLAMIERTE ZONE GUYANA GUYANA

PUERTO AYACUCHO

WICHTIGE STÄDTE CARACAS ~3.0 MIO 1.5 - 2.0 MILLIONEN 1.0 - 1.5 MILLIONEN 0.5 - 1.0 MILLIONEN <0.5 MILLIONEN

BRASILIEN

BRASILIEN

Karte. Die großen Städte Venezuelas

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Grössenvergleich Österreich - Venezuela


intro Diskussionen auf Standard.at

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Venezuelas´ Präsenz und Relevanz auf der internationalen Bühne hat, seit Hugo Chávez 1999 das Präsidentenamt übernahm, zugenommen. Die Diskussion, die durch die Veränderung durch seine Politik und Führerpersönlichkeit ausgelöst wurde, scheint teils ein vielfältiger, grundlegender und teils sehr emotionaler journalistischer Stellvertreterkrieg zu sein: In vielen Ländern und Medien dient die Entwicklung Venezuelas als Projektionsfläche politischer Diskurse um die Linke und die Rechte, um Armut und Reichtum, Sozialmus und Kapitalismus, Herrschaft und Gerechtigkeit in Lateinamerika und den hegemonialen Status der USA und Europa auf dieser sehr ungleichen Welt. Vom Untergang bis zum heilbringenden Szenario läßt sich hier alles finden, Schuldige werden identifiziert, Opfer beklagt. Diese Diskussionen, gefolgt von Demonstrationen, Aktionen und Propaganda prägen auch das reale Venezuela des neuen Jahrtausends mit Meinungs- und Machtkampf. Das Land ist gespalten. Die Fronten zwischen den Befürwortern und den Gegnern sind verhärtet. Ob die soziale Revolution den ersehnten sozialen und demokratischen Ausgleich oder ob „ein weiterer Despot Geschichte schreiben wird“ (Marquez 2001), bleibt abzuwarten. Tatsächlich zeigt z.B. das Konsumverhalten aller Schichten, dass sowohl die Eliten und Reichen des Landes als auch zunehmend ärmere Teile auf ihre Rechnung kommen. Die Annehmlichkeiten kapitalistischer Produkte scheinen auch im Angesicht eines sozialen Wirtschaftens ihren Glanz nicht zu verlieren. Venezuela hat im Laufe seiner bewegten Geschichte vieles erlebt. Im Laufe der letzten hundert Jahre ist es aber vor allem das Erdöl, welches das Land formte, Hoffnungen schürte und Krisen verursachte. Venezuela ist einer der größten Exporteure und Produzenten von Erdöl. Das Auf und Ab des Landes hing und hängt stark von diesem fossilen Rohstoff ab. Auslandsverschuldung ließ Venezuela wie viele andere lateinamerikanischen Länder einen neoliberalen Kurs einschlagen, der den Boden ebnete für die jüngsten politischen Entwicklungen. Venezuela ist ein inhomogenes Land mit großen regionalen Unterschieden. Die großen und nahezu unbesiedelten Naturgebiete der Steppen, des Regenwaldes, des Orinicodeltas stehen im starken Kontrast zur karibischen Küstenlinie im Norden des Landes. Die überaus hohe Urbanisierungsrate von 96% zeigt, dass die Mehrheit der Einwohner in Städten lebt, emigriert aus ländlichen Gebieten, den benachbarten Ländern und Europa. Die multiethnische Gesellschaft lässt die indianischen Wurzeln, spanische Eroberung, Versklavung

Venezuela

Venezuela, eine Annäherung


Geschichte Venezuelas. Ein Graffiti des chilenischen Künstlers Ian Pierce

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Afrikas und den starken Zuzug Europas in den vielen Gesichtern der Venezolaner ablesen. Die vermischten Einflüsse aus den verschiedenen Kulturen lassen sich bis heute nachzeichnen. Letztlich bescherte die Dominanz des Erdöl Venezuela ein besonderes Naheverhältnis zu den USA. Es existiert ein friedliches Nebeneinander aller Ethnien. Dennoch sind sie Ursache so mancher Konflikte und liefern ein historisches Bild von Segregation und Abschottung auf verschiedensten Maßstäben, oft zeichnen räumliche und ethnische Abgrenzungen auch die sozioökonomischen. So gibt es historische Enklaven, indianische Reservate, abgeschlossene Gebiete. Dennoch bildeten sich starke regionale Identitäten heraus und nicht zuletzt ein starkes nationales Bewusstsein, das sich von den Nachbarländern stark abzugrenzen weiß. Der Nationalstaat wird zu keinem Moment in Frage gestellt und schafft so die Grundlage für das Haus, in dem sich alle Unterschiede und Kulturen unterbringen lassen. Kaum ein Venezolaner bezweifelt den Reichtum des Landes, dennoch ist das Land geprägt von Armut - rund 40% der Venezolaner lebt in Armut - und damit oft auch von Gewalt und Kriminalität. Es gibt eine reale Ungleichverteilung der Reichtümer. In öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Universitäten und Gesundheit ist die wohlhabendere Bevölkerung bevorzugt. Wo keine ausreichenden Leistungen durch den Staat erfolgen, ersetzen für Arme unzugängliche private Institutionen die staatliche Fürsorge. Die Armut ist in den ländlichen, agrarischen Teilen besonders stark. Die Konflikte des Besitzes und Raumes potenzieren sich allerdings in großen Städten wie Caracas. Die Rolle der Stadt ist seit kolonialen Zeiten auf die Verwaltung der Exportgüter ausgerichtet. Waren es früher die landwirtschaftlichen Güter, so ist es heute das Erdöl und einzelne Industriegüter. Der Einfluss des Erdöls ist Mitgrund für die starke Migration in die Städte. Die Präsenz des Öls minimiert Agrarwirtschaft, die nicht subventioniert wird, und damit die Möglichkeit, angemessen entlohnt zu werden für landwirtschaftliche Produktion. Die Kaufkraft gewonnen durch das Erdöl macht landwirtschaftliche


intro Venezuela Importe billiger als heimische Produktion. Die Stadt war und ist nach wie vor Zufluchtsort der gescheiterten ländlichen Existenzen. Die heimische Wirtschaft und die Nachhaltigkeit ist aufgrund dieser verzerrenden Bedingungen beschränkt.

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Historischer Überblick Venezuela war bereits, wenn auch dünn, besiedelt als Christoph Columbus bei seiner bereits dritten Atlantikreise 1498 die karibische Küste erreichte. Amerigo Vespucci, der angeblich Venezuela - KleinVenedig - den Namen gab, landete ein Jahr darauf. Als das neue Spanien, Nueva España, anfangs benannt wurde das Land in den folgenden Jahrhunderten zu einer Kolonie des Kaokaoexports - und damit auch des Sklavenhandels. Die Unabhängigkeit - federführend erlangt durch den Nationalheld Simon Bolívar - wurde in den Kriegen erkämpft und 1821 offiziell. Für kurze Zeit war Großkolumbien die Mutternation aller Andenstaaten, um später wieder zu verfallen und den verschiedenen Caudillos und ihren instabilen Regierungen, Platz zu machen. Venezuela war bis ins 20. Jahrhundert bis auf wenige Ausnahmen relativ unbedeutend, kaum entwickelt und analphabet, ländlich und unzugänglich. Europäischen Einflüsse dominierten, in Politik wie Kultur, vor allem in den urbanen Zentren. Der Dornröschenschlaf sollte mit der Entdeckung des Erdöl schlagartig beendet werden. Amerikanische Gesellschaften bohrten schon 1865 nach Öl - um Stück für Stück die Produktion zu erhöhen, die Nachfrage wurde begleitet von einer Suche nach immer weiteren Lagerstätten. In den 30er Jahre wurden bereits beachtliche Mengen gefördert. Die florierende Automobilisierung vor allem der USA verlangte eine zunehmende Ausrichtung der Wirtschaftspolitik auf das neue Exportgut (Siehe auch Grafik Zeitachse). Die Expansion und der Bedarf nach dem schwarzen Gold steigerte stetig die Förderquoten bis in die 70er Jahre, wo er 1970 bei 3.71 Millionen Barrel pro Tag seinen Höchststand erreichte. Bis heute kostet eine Tankfüllung in Venezuela nicht viel mehr als 1 Euro. Damit ist Benzin um vieles billiger


Zeitleiste Venezuela 1500

1600

1700

1800

koloniale zeit

1850

1900

1910

1920

1930

cauDillismo, herrschaftsführer

1498 C. Columbus erreicht Venezuela Simón Bolívar

1870 Guzmán Blanco

1908 Ära J. V. Gómez

24.6.1821 Unabhängigkeit

um 1850 Blüte der Kaokaoexporte

1913 Entdeckung wichtiger Erdölquellen

1920 1 Mio Barrel 1935

1938-1

20

~ 1 Mio Eur


1960

übergang zur Demokratie unD militärDiktatur

1935

1970

1980

2000

1990

“Puntofijismo” zweiParteienabkommen zwischen aD unD coPei

2010

chávez “fünfte rePublik”

intro

1950

Venezuela

1940

1952 Militärjunta unter Diktator Marcos Pérez Jiménez Erste freie Militärputsch Wahlen

23.1.1958 Sturz der Diktatur 23 de enero C. A. Pérez

1958

C. A. Pérez

Präsidenten R. Caldera

R. Caldera 27+28.2.1989 “Caracazo”

Chávez 12.1998 Präsident

4.2. + 11.1992 2 Putschversuche u.a. Chávez

2006 Bestätigung

2002 Putschversuch Generalstreik Neue Verfassung 20.1.2000 und Bestätigung

1960 Mitbegründung OPEC

n

1973 150 Mio Barrel Öl/Jahr

1979

2002 Führung der PDVSA ausgetauscht

1. und 2. Ölkrise

1970 3.71 Mio Barrel/Tag Höchste Förderquote

Ab den 30er Jahren Desarollismo Importsubstituierende Wirtschaftspolitik

1945 2. Weltkrieg

1976 Verstaatlichung der Ölindustrie

Das “saudische” Ab den 80er Jahren Venezuela Neoliberalismus

“Anti-neoliberale und solidarische” Wirtschaftpolitik

28.2.1983 “Schwarzer Freitag” Venezuela zahlungsunfähig 1959 Revolution in Kuba

1976 Sturz von S. Allende

1989 Fall der Berliner Mauer

ropäer immigrieren nach Venezela 1945-1958

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Konzeption und Bearbeitung in Kooperation mit Heidrun Wurm


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Die Entwicklung des Ölpreises (APA Media zit. in Standard.at)

als gekauftes Trinkwasser. Die Amtszeit des Diktators Juan Vicente Gomez markiert den Übergang vom Agrarstaat zum zweitgrößten Erdölproduzenten der Welt. Eine Quote, eine bestimmte Menge der Gewinne an den Staat abzuliefern, wurde den zumeist US-amerikanischen Bohrfirmen vorgeschrieben. Die Ausbeutung und der Export des Öls finanzierte den Staat, ehemalige landwirtschaftliche Produktionsgüter wurden vernachlässigt. Eine gigantische Migrationswelle der Landbevölkerung setzte ein. Das Bestellen des Landes wurde immer weniger rentabel und die Verlockungen der Mehrverdienstes bei der Bearbeitung des Erdöls und den vielen Investitionen in die Stadtgebiete zogen viele der ohnehin verarmten Landbevölkerung an. Die Städte erlebten eine Zeit ungekannten Wachstums. Armut, unsoziale Arbeitsverhältnisse, fehlende Bildungs- und Gesundheitsinfrastruktur und Wohnungsmangel beherrschten die Agenden der folgenden Regierungen. Die Ära Gomez, beendet durch seinen Tod 1935, ließ Gewerkschaften entstehen, mit Schulbildungs- und Sozialprogrammen sollte die verarmte Bevölkerung an den Profiten teilhaben. 1948 veranschlagte man die Hälfte der Einnahmen des Erdöls für den Staat. Nach instabilem demokratischen Intermezzo entgültig beendet durch einen Militärputsch etablierte sich der Diktator Marcos Pérez Jiménez. Die Möglichkeiten, geschaffen durch die zentralistische Verwaltung der Gelder aus dem Erdöl stärkten die Macht, eine Vielzahl von Infrastrukturprojekten, die Venezuela bis heute prägen, wurde begonnen. Im Land wurden Autobahnen, Kraftwerke, Bauten für den sozialen Wohnbau, etc. nach den damaligen modernen und technokratischen Entwicklungszielen errichtet. Der Sturz der Militärherrschaft am 23. Jänner 1958 markiert den Beginn einer Aufteilung der Macht auf 2 Parteien, die AD (Acción Democratica) und die COPEI. Mit dem sog. Fixpunkt-Pakt (Punto Fijo) wurde ein Netzwerk klientilistischer Strukturen erschaffen, das wirkliche Demokratie verhinderte und die Gelder gemäß den Interessen innerhalb des Geflechtes konzentrierte. Die Gründung der OPEC - das Land ist Mitglied der ersten Stunde - bescherte Venezuela zu Zeiten der Ölkrise zwischen 1973 und 1979 gigantische Gewinne. Der Sozialstaat wurde mit den Gewinnen finanziert und erweitert, Schulen, Universitäten wurden unentgeltlich zur Verfügung gestellt, die Löhne gehoben, Industrie und Landwirtschaft umfangreich subventioniert, die Armee aufgerüstet. Der ungeahnter Reichtum des Zeitalters des „saudischen“ Venezuelas, wie diese Periode auch genannt wird, bringt eine enorm kaufkräftige Elite hervor. Neue Reiche fliegen zum


intro Venezuela

Im Jahr 1976 nahmen die Importe um ein Viertel zu und verhalfen so die Luxusartikel zu finanzieren, die nunmehr den venezolanischen Markt zu überschwemmen begannen. Der Fetischismus um diese Güter als Zeichen von Macht reduziert auf das Verhältnis von Wettbewerb und Konsum: Inmitten des Ozeans von Unterentwicklung imitiert eine privilegierte Minderheit den Lebensstil der reichsten und opulentesten Gesellschaften der Erde. (Galeano 1980, S.155) Übersetzung des Autors Der Konsens von Washington Das neoliberale Projekt

„Das Vaterland erwachte ... für jetzt und in Ewigkeit“ „Erinnerungs“-Sujet der Regierung zum Jahrestag des Putschversuches (www.mci.gob.ve) 23

Shoppen nach Miami, wo sie den Beinamen „damedos“ bekommen, „Geben sie mir zwei“, den Kaufwahn bezeichnend. Eine Vorliebe hebt Venezuela zum weltgrößten Abnehmer für schottischen Whiskey, in einem Land, wo traditionell hochqualitativer Rum produziert wird. Caracas wurde für kurze Zeit eine der teuersten Städte der Welt. Das Erdöl wurde weiter zum Zentrum allen wirtschaftlichen Handelns, was Venezuela beim folgenden Verfall des Weltmarktpreises in eine tiefe Krise stürzte, die mit dem schwarzen Freitag 1983 und der drohenden Zahlungsunfähigkeit ihren tragischen Höhepunkt erfuhr. Das veranschlagte Budget mit den umfangreichen Sozialausgaben wurde unfinanzierbar, wer konnte, transferierte sein Geld ins Ausland. Die Auslandsverschuldung erklomm den Rang der zweithöchsten Südamerikas. Venezuela teilte das Schicksal vieler lateinamerikanischer Staaten, die sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls hoch verschuldet hatten. In Folge forderten der IWF (Internationaler Währungsfond) und die Weltbank umfangreiche Programme zur Strukturanpassung, die der Präsident Carlos Andrés Pérez in seiner zweiten Amtszeit ab 1989 in vollem Umfang umzusetzen begann. Staatliche Gesellschaften - Fluggesellschaften, Telekomanbieter, diverse Banken etc. - wurden verkauft, die Preisbindung von Produkten abgeschafft, die Währung Bolívar abgewertet. Staatliche Subventionen für Industrie und Landwirtschaft wurden gedrosselt. All dies verursachte eine beachtliche Preissteigerung der Lebenshaltungskosten. Am 26. Februar 1989 brachten die exorbitant gestiegenen Transportkosten das Fass zum Überlaufen und die verarmten Barriobewohner auf die Barrikaden. Es folgte ein mehrere Tage dauernder Protest in den größeren Städten. Geschäfte wurden geplündert und die Aggression richtete sich vor allem gegen die Gewinner der neoliberalen Programme. Die Regierung verhängte den Ausnahmezustand und ging massiv gegen die Unruhestifter vor, 277 Personen kamen nach offiziellen Angaben ums Leben, andere Quellen geben bis über 1000 an. Der explosive Ausbruch der Proteste und die repressive Reaktion des Regierungsapparates veränderte das Land, vor allem die Beziehung der Benachteiligten und der Privilegierten, die sich seitdem zunehmend mit gegenseitigem Misstrauen beäugten. Vor diesem Hintergrund versuchte eine geheime militärische Splittergruppe am 4. Februar 1992 durch einen Putsch an die Macht zu gelangen. Die Versuch misslang und die bis dahin unbekannten Beteiligten, unter ihnen auch Hugo Chávez wurden ins Gefängnis überführt. Die Bevölkerung sympathisierte großteils mit den Zielsetzungen der Aktion, dargelegt u.a. von einem redegewandten Hugo


Chávez in einem Interview. Hugo Chávez wurde 1994 durch den Präsidenten Caldera amnestiert. Das Movimiento Quinta República (MVR), die Bewegung der fünften Republik, wurde unter der Führerschaft Chávez gegründet und verhalf ihm gemeinsam mit einem Bündel linksgerichteter Parteien im Jahr 1998 mit 56,5% der Stimmen zu einem historischen Wahlsieg.

Motivation und Grundlage

Die neue Verfassung

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Widerstand und Opposition

Das bolivarianische Projekt Die bolivarianische Bewegung - namensgebend ist die Schlüsselfigur der Unabhängigkeit Simon Bolívar - vereint antiimperialistische Haltungen gegenüber den europäischen Kolonialmächten und den USA mit progressiven Sozialvorstellungen und einem Konzept zur Einheit Lateinamerikas (Zelik 2004, S. 9). Deutlich beeinflusst wurde die Debatte durch die strukturellen Analysen der Dependenztheorien und Neomarxisten, die Erklärungsversuche von Armut und Unterentwicklung in der Abhängigkeit und Dominanz der „Multis“ und Neoimperialisten ausmachten (Kritik und Relevanz dazu in Nuscheler 2004, S. 209–219). Alternative Medien, Netzwerke, Stadtteilversammlungen und linksradikale Splittergruppen schaffen seit den 80er Jahren eine „Opposition von unten“ (Zelik 2004, S. 9), mehrheitlich aus Barriobewohnern, marginalisierten Gruppen, Militärs, die eine breite Basis für die bolivarianische Projekt bieten. Als erstes Projekt politischer Erneuerung nach Amtsantritt wird eine neue Verfassung mit breiter Beteiligung von Basisgruppen konzipiert, die mittels Referendum 1999 auch abgesegnet wird, und das Fundament der Veränderungen der neu angetretenen Regierung wird. Bedeutende Erneuerungen verhelfen indigenen und afrikanischen Teilen zu mehr Autonomie, anti-neoliberale Politikkonzepte und solidarische Wirtschaftsvorstellungen werden integriert. Der Staat wird als partizipativer Raum mit dem Volk als handelndes Subjekt (República Bolivariana de Venezuela, 30.12.1999) definiert. Anfangs profilieren sich die neuen Machthaber hauptsächlich außenpolitisch. Erst ab 2001 werden soziale und ökonomische Transformationen eingeleitet. Der Widerstand der sich formierenden Opposition wächst. Erst ab 2002 kommt es zu Massendemonstrationen, die in zwei Versuchen die Regierung zu stürzen kulminieren. Im April 2002 kommt es zu einem Putsch der Opposition, Chávez wird ins Exil gebracht, eine neue Interimsregierung wird unter vermuteter US Unterstützung gebildet. Es folgen intensive Proteste der Befürworter der bolivarianischen Bewegung, das private Fernsehen ignoriert anfangs


intro Venezuela Sozialprogramme, Misiones

Landwirtschaft und Bodenreform Kleinkreditsysteme Endogene Entwicklung 25

die Stimme der Entmachteten. Die internen Spannungen zwingen die Putschregierung zu einem Rückzug. Die Folge dieser turbulenten Tage ist die Intensivierung der Prozesse rund um die sozialistische Transformation. Noch im selben Jahr legte ein Generalstreik, ein zweiter Versuch die Machthaber in die Knie zu zwingen, das Land förmlich lahm. Der wichtigste Industriezweig rund um das Erdöl, die staatliche Ölgesellschaft PDVSA, die die Ölförderung verwaltet, wurde sabotiert, die wichtigsten Handelsketten und Banken wurden geschlossen. Es folgten Engpässe, Erdöl musste für kurze Zeit sogar importiert werden. Die gewaltigen Verluste für den Staat, die lange nachwirkten, ließen die Inflation exorbitant ansteigen und das Wachstum des Landes wurde stark gebremst. Chávez hielt auch dieser Maßnahme stand und tauschte in Folge die sabotierende Belegschaft der PDVSA massiv aus. Nicht zuletzt erkannte man die Macht der staatlichen Ölgesellschaft, die für 30% des Bruttoinlandsproduktes zeichnet und über die Jahre des Punto Fijo einen „Staat im Staate“ bildete. Seitdem kam es aber wieder zu einem starken Aufschwung, nicht zuletzt durch die geschickte Nutzung des steigenden Erdölpreises. Die Rolle der OPEC bestärkte sich im Kontext der Kriege in Afghanistan und Irak wieder, und bescherte Venezuela gigantische Einnahmen durch die Erdölexplotation. Die umfangreichen Sozialprogramme, die initiiert wurden, bezeichnen einen Wandel in der Ausrichtung der Politik und der Verwendung der finanziellen Mittel. Chávez, als Advokat der Entrechteten, startete Bildungsprogramme, kurbelte den Wohnbau an und versuchte seiner Wählerschaft bisher unzugängliche staatliche Fürsorge zukommen zu lassen. Die Sozialausgaben wurden extrem erhöht und neue Strukturen erschaffen, um ehrgeizige Ziele zu erreichen. Die Misiones - staatliche Sozialprogramme, die außerhalb der „normalen“ bürokratischen Strukturen geschaffen wurden, werden auch international gelobt. Die Erfolge entsprechen nicht immer den Ausgaben und den Erwartungen - somit oft auch nicht der medialen Berichterstattung sind aber doch Zeugnis eines starken Willens in eine neue und soziale Richtung. Die Misiones setzen an der untersten und ärmsten Schicht der Bevölkerung an, die das umfangreiche Angebot nutzen, z.B. mehrstufige Erwachsenenbildung (Alphabetisierung, „Hauptschuleabschluss“, etc.), Gesundheitszentren, subventionierte Lebensmittelmärkte, Einrichtungen für Straßenkinder, etc. Der Landwirtschaft soll ehrgeizig durch Förderungen von Kooperativen, an die man Landtitel und Kleinkredite vergibt, ermöglicht werden, auch im kleinen Rahmen wieder Fuß zu fassen. Nicht immer


Demonstration pro Chávez, „das rote Meer“ am 11. April 2007

1. Chavez „aufgeblasen“ 2. Plakat 3. Graffiti 4. Demonstrationszug(Dora Kelle) 5. Informationsblatt (Ministerium)

1. „Merchandising“ bei Demo 2. Gigantisch 3. Logo(Ministerium) 4. Verfassung(Wikipedia) 5. Chavezpuppe

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Die visuelle offensive Präsenz der Politik im öffentlichen Raum und täglichen Leben ist beachtlich. Demonstrationen, Plakate, Veranstaltungen markieren den Raum intensiv. Metro, Straßen sind besonders in Wahlund Abstimmungszeiten überflutet.


intro Venezuela Demonstrationszug der Opposition unter Manuel Rosales, Dezember 2007

Kreditkarten gegen die Armut, Wahlkampf

Aktionismus (Bild oben und rechts D. Kelle)

Polemik und Karikatur in den Medien (Links TalCual, Rechts Rayma.ElUniversal) 27

Widerstand der Opposition


Venezuela hilft Bedürftigen in London (www.mci.gob.ve)

Venezuela International

Strategische Freundschaft mit dem Iran

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Polarisierung der Gesellschaft

friedliche Versuche von Landreformen werden eingeleitet, hauptsächlich werden aber staatliche Besitztümer zur Verfügung gestellt. Privatbesitz wird zwar respektiert, dennoch wird in einzelnen Fällen versucht, das Land bei nicht gemäßer Nutzung zu enteignen. Im Wesentlichen werden aber die wenigen, meist große Güter Besitzenden, auch entschädigt. So wie auch in den Jahrzehnten, wo große Gewinne aus dem Erdöl urbanen Subzentren geschaffen werden. Ein sehr ehrgeiziges, wenn nicht gar utopisches Ziel, in einem Land, in welchem die Städte ihre Urban Primacy nicht zuletzt durch die zentralistische Präsenz der Reichtümer des Öles erhalten haben und Konsum und Produktionsverhalten fast ausschließlich dahingehend ausgerichtet ist. Auf der internationalen Bühne, gegen den Neoliberalismus und gegen seinen vermeintlichen Erzfeind George W. Bush polemisierend, gefällt sich Hugo Chávez, und bringt viel Wind in die weltweite Debatte rund um Vormachtstellung, Neokolonialismus und „Weltgerechtigkeit“. Dennoch ist das Bündnis mit den USA eines der gegenseitigen Notwendigkeit. Die realen wirtschaftlichen Beziehungen im Sinne des Erdölexports haben sich seit dem bolivarianischen Projekt kaum verändert. In zynischen Aktionen, die New Yorker Bronx und das verarmte Massachusetts wurden mit Öl zu Preisen unter den Weltmarktkonditionen beschenkt, später auch London´s Verkehrsbetriebe, will man die reicheren Länder exemplarisch auf ihre eigenen Defizite aufmerksam machen bzw. exemplarisch in der Sozialpolitik intervenieren. Im internationalen Kontext agiert er selbst auch mit dem Bewusstsein und dem Einfluss seiner Macht. Vor allem im lateinamerikanischen Kontext tritt Venezuela zunehmend führend auf, unterstützt seine Alliierten (Bolivien, Kolumbien, Nicaragua), findet Freunde (Kuba, Iran), kauft Staatsanleihen Argentiniens und versucht eine Allianz u.a. mit dem mächtigen Brasilien zu formieren. Im Kontext einer Profilierung des internationalen Images sind auch die Veranstaltung des Weltsozialforums in Caracas oder die Teilnahme an Gegenveranstaltungen zum G8 Gipfel zu werten. In Venezuela führte die Entwicklung seit der Machtübernahme zu einer zunehmenden Polarisierung der Gesellschaft. Der politische Bruch, der durch Venezuela geht, deckt sich weitgehend mit den Klassengrenzen (Zelik 2004, S. 12). Die Kluft scheint schwer überwindbar und jede Handlung der jeweiligen Seite wird mit einem Kanon von Voreingenommenheit und Vorurteilen abgekanzelt. Die politische Opposition wirft Chávez vor, ein diktatorisches, „kommunistisches“ Regime nach dem Vorbild Kubas installieren zu wollen. Viele


intro Venezuela Partizipation und die Rolle des Staates

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Veränderungen bewegen das Land auch in diese Richtung. Dennoch wurde Chávez viele Male im Amt bestätigt, und die Veränderungen folgen allen strengen eigenen formellen demokratischen Regeln. Die in Venezuela besonders geschätzte Presse- und Meinungsfreiheit wird zunehmend und subtil beschränkt, folgt einer gewissen Selbstzensur, ein beliebter privater Fernsehsender wurde durch einen staatlichen ersetzt. Der Meinungskampf ist - ausgetragen und zelebriert vor allem in den Medien - omnipräsent, viele Berichte beider Konfliktparteien verdienen eher das Prädikat Propaganda als seriöse Berichterstattung und verlieren damit ihren journalistischen Wert. Die freie Meinungsäußerung ist damit ein sehr relativer Begriff, zumal sich im venezolanischen Kontext die Frage stellt, inwiefern private Medien und staatliche Sender diese fördern und zulassen. Ohne Zweifel hat eine Welle der Politisierung die bisher wenig in den demokratischen Prozess eingebundene Bevölkerung erreicht und für die staatlichen Angelegenheiten sensibilisiert. Damit ist letztlich auch die beklagte Polarisierung in diesem Kontext zu betrachten. Die Polarisierung des Landes habe es immer schon gegeben, durch die Teilnahme an der Demokratie verlagern sich die Konflikte nun in die politische Landschaft und in die Öffentlichkeit. Volksbefragungen - im Dezember 2007 wurde der Vorschlag Chávez zu Veränderungen der Verfassung von der Bevölkerung abgelehnt - und Wahlen sind gezeichnet von starker Beteiligung. Die Rolle des starken Staates als wesentliches Instrument der sozialen Korrektur und als Mittel zu mehr Wohlstand hat sich eingeprägt. Die Lösung der Probleme wird zumeist dem Staat zugesprochen, der - solange die Mittel aus den Erdölgeschäften fließen - oft auch die finanziellen Mittel bereitzustellen fähig ist. Viele Fehler werden deshalb der Korruption und dem Übermaß an Bürokratie zugesprochen. Die Änderungen in der politischen Struktur des Landes sehen verschiedene Möglichkeiten zu einer Partizipation vor (Siehe Kapitel Good Governance). Dennoch stehen alle Maßnahmen im Licht einer totalen Verneinung eines Teils der Bevölkerung, die weitere Einflußnahme befürchtet.


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Der Aufenthalt in Venezuela, persönliche Eindrücke Während meines Aufenthalts war die Begegnung mit vielen Menschen, die Recherchen und Beobachtungen geprägt von der politischen Situation. Die Wahlen im Dezember 2006 und die Schließung des privaten Fernsehsenders, die viele Proteste auslösten, umrahmen diesen Eindruck. Der Politik entkommt man auch in alltäglichen Gesprächen nicht und vielfach kommt es zu einem „Gesinnungscheck“, auf den ich anfangs wenig vorbereitet war und dessen Wertung ein Ausländer sicher leichter entgehen kann als die lokale Bevölkerung. Fast jede Aktion in der Stadt und jedes Bauvorhaben unterliegt damit einem Bewertungssystem, oftmals unabhängig von der wirklichen Maßnahme. Eine Art ideologisches Wertesystem lässt die Maßnahmen der jeweils anderen diskreditieren. Diese Missgunst hindert sicherlich eine Vielzahl gut gemeinter und innovativer Projekte. Die Relevanz einer kurzen Analyse der politischen Vorgänge erschien mir in diesem Zusammenhang für diese Arbeit als grundlegend. Die Projekte, an denen ich beteiligt war, standen im Zusammenhang oder aus direktem Auftrag der Regierung. Vor allem das Vorhaben, Barrios mit einem Seilbahnsystem an die Stadt anzubinden - Metrocable (Kapitel Infrastruktur) - entwickelt sich in Caracas zu einem politisch motivierten Vorzeige- und Modellprojekt, ein Projekt von nationalem Interesse.


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Venezuela

intro


32


ort Venezuela 33

portrait Caracas


Die Agglomeration Caracas

Caracas - daten Einwohner Oberbürgermeister

Weitere Bürgermeister

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Fläche

Àrea Metropolitana 3-6 Mio (unterschiedliche Angaben je nach Verwaltungseinheit) Juan Baretto (seit 2004) Freddy Bernal (Municipio Libertador) Leopoldo López (Chacao) Henrique Capriles (Baruta) José Vicente Rangel (Sucre) ~ 2000 km²

Dichte Dichte in den Barrios

~140 EW/ha bis zu 2000 EW/ha

BSP pro Kopf Autos Einwohner pro Auto U-Bahn Linien Baseballclub

3.875,10 $ 849.701 (1991) 4 4 (44 Stationen, 54 Kilometer) Leones de Caracas


intro Caracas 35

Der Blick zum テ」ila


Infrastrukturachsen

Die Stadt Caracas

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Schon der Blick auf den Stadtplan lässt erahnen, wie sehr die Topografie für Caracas charakteristisch ist und die Morphologie bestimmt. Das Tal, in dem sich der Hauptteil der Agglomeration bettet, wird im Norden begrenzt durch das Ávilamassiv. Eine Gebirgskette, die die Stadt vom karibischen Meer trennt. Der Ávila – der Berg ist bei klaren Tagen stets präsent und in Szene gesetzt durch das Hotel Humboldt an dessen Spitze – ist der geografische Referenzpunkt von Caracas. Stets kann die Richtung gen Norden ausmacht werden an den steilen grünen Hänge des Berges. Diese werden als Nationalpark konserviert und bieten damit ein unmittelbar angrenzendes Wander- und Erholungsgebiet, aber auch die Lunge der Stadt. Täglich strömen Fallwinde herab und reinigen die Stadt von Abgasen. Damit wird weitestgehend der Smog in der Stadt verhindert und die eine kühlende Brise bringt auch frische Luft in dicht bebauten Teilen. Das Tal, welches sich in West-Ost Richtung auf gut 25km ausbreitet, in Querrichtung rund 10 km misst, wird rundum begrenzt von kleineren Hügelketten. Die Stadt kann deshalb linear gedacht werden, entlang der Achse des Tals, die von Osten nach Westen gezeichnet werden kann und der die der Fluss, die Autobahnen und die Hauptverkehrsstrassen folgen. Der Fluss Guaire wurde fast durchwegs kanalisiert und zählt eine Unmenge Zuläufer, die meist unterirdisch verlaufen. Bei starken tropischen Regengüssen können diese sehr schnell übertreten und Überschwemmungen und Rutschungen verursachen. Dadurch werden immer wieder Siedlungen unterspült und abgetragen, es kommt


intro Caracas Wachstumsphasen

immer wieder zu katastrophalen Auswirkungen. Erst im Dezember 1999 kam es nördlich des Ávila zu verheerenden Vermurungen, die bis zu 30.000 Menschen das Leben kosteten und Teile der Küstenlinie zerstörten.

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Entwicklung Das rasante Wachstum von Caracas setzte erst mit dem Erdölboom ein und verschaffte der Stadt durch diesen späten aber radikalen Entwicklungsschub ein stark von der Moderne geprägtes Bild. Hochhäuser, Autobahnen, Einkaufskomplexe, aber auch die Suburbanität und die Funktionstrennung finden sich in der Großmaßstäblichkeit des modernen amerikanischen Städtebaus. Riesige Wohnkomplexe, futuristische Bebauungen, gigantische Autobahnanlagen sind Zeugen für den Einfluss des Vertrauens in technokratische und „sozialutopische“ Eingriffe in der Stadt. Die vermeintlich visionäre Lösung der Probleme verschaffte der Stadt herausragende Landmarks und raumgebende Elemente, die teils wie Fremdkörper aus einer Zeit Glaubens in die soziale Funktion des Städtebaus, teils perfekt in das Bild der Automobil-urbanität passen. Die Dynamik des Wachstums und damit die Potenzierung der Schwachstellen des bestehenden Netzwerkes an Infrastruktur lassen sich schnell erkennen. Täglich staut sich eine gewaltige Menge von Autos durch die Stadt. Der öffentliche Verkehr kommt dem Bedarf nicht in gerechter Weise nach, und lässt so den vielen Pendlern keine Chance auf eine Alternative. Eine späte Wende wurde durch die im Vergleich mit anderen Städten sehr spät erbaute U-Bahn eingeleitet.


koloniAlismus

1500

1600

cAuDillismo, herrschAftsführer

1700

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1910

1920

1930

1850-1870 Haussmann “boulevardisiert” Paris 1641 Erdbeben

1933 CIAM

1786+ 1812 Verheerendes Erdbeben Ausbreitung der Stadt Das Wachstum durch Migration verdichtet und degradiert den kolonialen Stadtteil. Die Elite wandert zunehmend in den östlichen Stadtteil, begünstigt durch die zunehmende Mobilität durch das Automobil und die verbesserte Infrastruktur.

(Quelle: Gasparini 1978) 1568 Neugründung Diego de Losada Santiago León de Caracas Das Tal war bereits besiedelt, als es die spanischen Eroberer ihrer Ordnung unterworfen. Francisco Fajardo hatte das Tal bereits kolonisiert, wurde aber von den Einheimischen verjagt. Über die Herkunft des Namen Caracas gibt es unter den Historikern Dispute. So soll der Name den Indianerstamm bezeichnen, der in diesem Tal lebte, außerdem ist der Name Synonym für eine proteinreiche Amaranthpflanze, die in diesem Tal angebaut sein sollte.

1870-1887 Infrastruktur in Ära Guzman Blanco Guzman Blanco, der lange Zeit in Paris verbrachte, importierte die vorherrschenden modernisierenden Ideen, u.a. für die Stadtentwicklung, beeinflußt von den Maßnahmen Haussmanns. Er schuf wichtige Infrastruktur für die Stadt. Eine Eisenbahn zwischen Caracas und La Guiara an der Küste, verschiedene Aquädukte, eine Straßenbahn mit Pferden, die später elektrifiziert wurde. Eisenbahn uns Straßenbahn sind heute nicht in Betrieb.

1577 Erster Plan der Stadt Das Ley del los Indios, 1573 vom spanischen König verordnet, regelte die rasterförmige Besiedlung und die weltliche und kirchliche Zentralität. Das koloniale Raster der cuadras dominierte die Entwicklung bis ins 20.Jh. und ist bis heute gut sichtbar erhalten.

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155.499 6.000 (Quelle: Gasparini 1978)

50.000 35.000

67.735

107.236

Zerstörung Eisenbahnstationen (Quelle: unbekannt)


1940

1950

1960

1970

1980

3 M Charta von Athen

chávez bolivAriAnische rePublik

1990

2000

2010

3.038.343 1967 Erdbeben

Caracas

militärDiktAturen unD “Puntofijismo” Abkommen zwischen AD übergAng zur DemokrAtie unD coPei

intro

3.494.315

Dez 1999 Erdrutsche in Vargas Litoral, Küstenlinie

1938-1970 Infrastruktur Errichtung der wichtigsten Einrichtungen und Transportmittel der Stadt: Autobahnen, Einrichtungen für Bildung, Kultur. Umfangreiche Maßnahmen für staatlichen Wohnungsbau, Entstehung großer informeller Siedlungen

2.514.772

1951 Plan Regulador Der Plan wird im Gegensatz zum Plan Rotival umgesetzt. Theoretisch ausgerichtet nach den modernen Grundsätzen der Charta von Athen wird die Stadt in Funktionszonen aufgeteilt, dem Automobil als Maxime des urbanen und mobilen Lebensstils wird durch den umfangreichen Bau der Autobahnen entsprochen. 1.408.594 1939 Plan Monumental/Rotival Rotival, ein Franzose der in Yale lehrt, zeichnet im Team mit den damaligen venezolanischen “Köpfen” einen Plan für einen Stadtumbau nach französischer Tradition: Breite Boulevards, Diagonalen, Kreisförmige Plätze. Das koloniale Muster sollte durchschnitten und gelockert werden. Von diesem Plan wird lediglich die Hauptachse, die Avenida Bolívar, umgesetzt.

ab 1982 Metro Caracas Die Ost-Westverbindung war die erste der immer weiter gewachsenen U-Bahn von Caracas. Mit der gleichzeitigen Errichtung öffentlicher Plätze, Infrastruktur für den Fußgänger und der Regelung des Verkehrs ist es die wichtigste Veränderung in der Stadt Caracas seit den 80er Jahren. Erst 2006 wurde eine Erweiterung und eine Schnellbahnverbindung an eine Satellitenstadt errichtet (nach Los Teques). Metro ist eine funktionierende übergeordnete Planungseinheit in der Stadt Caracas. Ab 2007 Bauarbeiten zum Pilotprojekt Metrocable (Seilbahnen in Barrios).

699.986 Der Plan Rotival (Instituto de Urbanismo)

Avenida Bolívar

Autobahn Francisco Fajardo

39

326.712


1500

1600

1700

1800

1850

1900

1910

1920

1891 Erste Siedlung außerhalb des kolonialen Erbes 1928 Errichtung des Caracas Country Club Der erste Golfclub von Caracas war einst außerhalb des Stadtgebietes errichtet worden, heute befindet er sich im Viertel Chacaito, dem Geschäftszentrum der Stadt. Der Architekt Olmsted(junior), u.a. verantwortlich für den Central Park in NY, erstellt den Masterplan. Einige der nobelsten Häuser befinden sich bis heute in diesem Areal, mit Beteiligung namhafter Architekten.

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Umbau El Silencio: Villanueva(1960)

El Silencio

Helicoide im Stadtbild

1930


intro 1950

1960

1970

1980

1990

2000

2010

Caracas

1940

1944-1970 Bau der UCV 1944 zeichnete Carlos Raúl Villanueva den ersten Masterplan der öffentlichen Universität Central de Venezuela, der sich im Laufe der Zeit immer wieder verändern sollte. Das Areal von ~200 ha orientiert sich am amerikanischen Campus. Das UNESCO Weltkulturerbe beinhaltet eine Reihe herausragender architektonischer und skulturaler Werke: z.B. Olympiastadion, Aula Magna, überdachte Passagen, Fakultät für Architektur.

1939-1945 Sanierung El Silencio Die Sanierung der Sozialwohnungen ist ein wegweisenden Projekt des Architekten Carlos Raúl Villanueva. War ursprünglich als Verwaltungsbauten und Teil des Plans Rotival gedacht, entschied man sich für Wohnungen und den Anschluß an das kolonialen Erbes. 1952-1957 Werke der Banco Obrero Der staatliche Wohnungsbau errichtete Superblocks in gewalti1957-1959 gem Maßstab nach dem Modell Le Corbusiers. Prägend sind El Helicoide die kleinere Wohnsiedlung El Paraíso und die gigantische 23 de Der Helicoide ist eines der Enero, gebaut für rund 30.000 Personen. Eine eigenständige bemerkenswertesten GeStadt, für die informelle Siedlungen vernichtet wurden. Sie sind bäude innerhalb der Stadt. ein Zeugnis einer sozialen Utopie der 50er, abrupt beendet mit Das Einkaufszentrum in dem Ende der Diktatur. Form einer doppelten Spirale sollte u.a. 360 Lokale, Schauflächen, Büros und einen Heliport erhalten.

El Paraiso (P. Gasparini)

El Silencio (P. Gasparini)

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23 de enero (P. Gasparini)

Centro Simon Bolívar

23 de enero


Die Metro - eröffnet in den 80er Jahren - stellt eine wesentliche Errungenschaft dar und verhilft so gemeinsam mit dem Netzwerk an Bussen der Stadt in manchen Gebieten zu einer bescheidenen Urbanität. Doch ist die Stadt dem Fußgänger zumeist „feindlich“ gesinnt, und die weitläufige Stadt zu Fuß zu erkunden ist abenteuerlich. Der historische Kern ist in seiner Grundstruktur gut erhalten, die Stadt hatte historisch gute Möglichkeiten, sich im Tal auszubreiten. Die Erhaltung des kolonialen Erbes findet heute vor allem an öffentlichen Gebäuden statt, durch die starke Einwohnerdichte und die starke Nutzung sind viele der historischen und modernen Gebäude in schlechtem Zustand. Nicht nur an den vielen steilen Hängen, auch innerhalb des formellen Bebauungsverbundes befinden sich die für Caracas mittlerweise typischen informellen Siedlungen, in Venezuela Barrios genannt. Die größten befinden im westlichen Teil der Stadt und im westlichen Teil in Petare. Geschätzt leben mehr als die Hälfte der Einwohner in den Barrios. Es lassen sich Siedlungen verschiedener Grade von Konsolidierung, Sicherheit, Infrastruktur, Anbindung an die Stadt finden. Die Bebauung an den Hängen schafft eine inhomogene, chaotische, aber an die Unwegsamkeit angepasste Struktur. Die Erschließung erfolgt zumeist durch steile Stichstrassen, ergänzt durch Stiegennetzwerke, die zu den jeweiligen Häusern führen. Die Ranchos, wie die Hütten anfangs genannt werden, werden zunehmend solider, bis sie auch in vertikaler Weise wachsen, oft abenteuerlich auskragend. Durch die Hanglage reicht die improvisierte Fundierung oft nicht aus und es kommt regelmäßig zum Einstürzen, Unterspülen und Abrutschen. Die Gebiete sind meist unvorbereitet ungeeignet für eine Bebauung. Dennoch sind die Barrios die dichtesten Teile der Stadt.

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Schnittskizze Karibik-Àvila-Caracas


intro Caracas 43

Hauptstadt caracas Caracas ist die Hauptstadt Venezuelas und beherbergt nahezu alle politisch-administrativen und wirtschaftlichen Schaltstellen des Landes. Das Globalisation and World Cities (GaWC) Research Network stuft Caracas als „Gamma“ Global City mit dem Sitz wichtiger internationaler Institutionen. Der internationale Flughafen liegt am Meer, mit der Stadt verbunden durch eine Autobahn. Die administrative Einheit der Metropolitanen Zone setzt sich aus Anteilen verschiedener Bundesstaaten (Estado Vargas, Estado Miranda und dem Hauptstadtdistrikt) zusammen, diese sind widerum unterteilt in Municipios oder Parroquias mit eigenen Bürgermeistern. Die Folge ist eine Reihe von Schwierigkeiten in der Verwaltung und Ungleichheiten innerhalb der Stadt, die in der fehlenden Koordination und dem Budgetausgleich ihre offensichtlichsten Gründe haben. Im östlichen Teil von Caracas – dem Hauptstadtdistrikts – befinden sich die wichtigsten öffentlichen Einrichtungen wie Nationalversammlung, Theater, Museen, die Universität usf. während im östlichen Stadtteil private Einrichtungen überwiegen: Große Einkaufstempel, Business-Districts, private Universitäten. Vor allem Chacao und Baruta, zwei Munizipe des Bundesstaates Miranda, gelten als besonders reiche Bezirke und investieren unverhältnismäßig viel in öffentliche Anlagen und Sicherheit, haben ein funktionierendes Gesundheitssystem und bewirtschaften die öffentlichen Räume. Es gibt innerhalb des Stadtgebietes große regionale Unterschiede, es gibt kaum sozialen Ausgleich zwischen den einzelnen Verwaltungseinheiten, auch wenn vor kurzem ein Oberbürgermeisteramt für die gesamte Metropolitane Zone errichtet wurde.


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analyse รถffentlicher raum รถffentlicher raum

ANALYSE


Städtisches Treiben in der Altstadt

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Prolog Öffentlicher Raum, das ist Strasse, vor allem Gehsteig, Platz, Park, Bibliothek, U-Bahn, Bahnhof, Schule, Universität und so weiter. Es ist ein Ort der Begegnung, der offenen Diskurse im Raum, die wichtigste Schnittstelle der Stadt, der Raum für Bewegung und die wichtigste Kommunikationsbasis des Urbanen. Es ist der Rahmen für den Ausdruck von Unzufriedenheit, von Protest. Ort des Feiern und der Trauer. Die Liste der Funktionen des öffentlichen Raumes ist lange, seine umfassende Bedeutung konstituiert das System Stadt. Dieses Kapitel stellt verschiedene öffentliche Räume in Caracas kurz dar, versucht aus dem Kontext ihrer Entstehung und räumlichen Umsetzung Schlüsse über deren Bedeutung zu ziehen. Es wird auf eine Komponente hingewiesen, die für die Bewegung und den öffentlichen Raum in Caracas wesentlich ist: Unsicherheit. Dabei werden Implikationen für das Verhalten, politische Antworten und die Rolle von Macht im Kontext der Unsicherheit öffentlicher Räume dargestellt. Danach werden die „Informalisierung“ des öffentlichen Raumes und ihre Dynamik sowohl für die Stadt als auch für die Planung, anhand von Vorgängen in Caracas, diskutiert. Abschließend wird versucht, Hinweise für eine Planung zu finden, die die Rolle des öffentlichen Raumes als Schnittstelle stärken und Antworten auf festgestellte Probleme liefern will.


Caracas beherbergt eine Reihe herausragend gestalteter Freiräume, die Zeugnis funktionierender Strukturen sind und als Beispiel dienen könnten, wie öffentlicher Plätze und Strassen gestaltet werden könnten. Sie sind wichtige und integrative Bestandteile der Stadt. Derartig gestaltete Projekte sind rar und beschränken sich auf wenige Gebiete, oft werden in Caracas öffentliche Räume repressiv und privatisiert wie Einkaufszentren bewirtschaftet. Der Druck auf die wenigen funktionierenden öffentlichen Räume ist sehr groß. Der Verlust der Qualitäten als Kommunikationspunkt aller sozialen Schichten und Raum diverser Funktionen, die nicht im Privaten angesiedelt sind, hat für die Stadt entscheidende Nachteile. Einerseits ziehen sich bestimmte Gruppen aus dem öffentlichen Raum zurück, bewegen sich lediglich im PKW, in gemeinschaftlichen und privaten Kreisen, da er für sie immer weniger notwendiger wird, andererseits als Angstraum gefährlich wird. Andererseits bewegen fehlende Alternativen viele Gruppen in den öffentlichen Raum, er wird eingenommen, sodass bestimmte Funktionen nicht mehr ausgeführt werden können. Mit den vorgestellten 4 Beispielen werden verschiedene Themen, die den öffentlichen Raum in Caracas charakterisieren angesprochen, dabei wird besonderes Augenmerk auf die integrativen Funktionen gelegt, d.h. die Potentiale als demokratischer Raum zu agieren, und alle Einwohner gleichermaßen einzubinden.

ANALYSE öffentlicher raum

Freiräume in caracas

Die wirklichen symbolischen Orte des sozialen Lebens, der einfachen Kommunikation und des Widerstandes, sind die öffentlichen Räume. (Low 06.12.2006)

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Exkurs: „Qualitätvolle Räume“ Die folgenden Beispiele zeichnen sich jeweils durch besondere Gestaltung, auch Ausdruck der jeweiligen Zeit. Ähnliche Qualitäten in Räumen werden nur mehr selten gewollt, vor allem auf Plätzen wird zunehmend eine Architektur angewandt, die ausschließend agiert, sehr subtil den Raum auf Hauptfunktionen wie Erschließung und Infrastruktur reduziert, überbleibende Teile dem Konsum und der Werbung widmet, keinen Raum für Individualität, Kreativität, Treffpunkt und Freiheit lässt. Es werden keine Sitzmöglichkeiten installiert, und falls, dann „pennersicher“, also gewölbt oder mit starren Armlehnen zwischen Stühlen. Es werden keine Nischen, keine Beobachtungspunkte geschaffen. Es gibt keine Möglichkeit, gesehen zu werden,


BILD: Ein zentraler fußläufiger Durchgang und Station für die Flughafenbusse zwischen 2 Stadtteilen nahe der U-Bahn Station Parque Central. Auch tagsüber für Fußgänger ein Angstraum.

und wenn, ist es unerwünscht. Diese (weltweite) Entwicklung trägt zu einer architektonischen Degradierung der Qualität des öffentlichen Raumes dar. Die Argumente von Sicherheit, fehlender Autorität und fehlendem Budget für eine sinnvolle Bewirtschaftung sind den schwer quantifizierbaren Werten von gesellschaftlicher, architektonischer und räumlicher Qualität unterlegen. Die Reduzierung auf das Notwendigste, technische Überwachung, wenig Möglichkeiten für Aufenthalt und Kommunikation auch die zunehmende Thematisierung, Mediatisierung und der Verkauf an Werbeträger übertragen die integrativen Aufgaben des öffentlichen Raumes auf einzelne Rest­ räume. Probleme potenzieren sich dann auf den wenigen Flächen, diese werden gemieden und liefern neue Argumente für eine weitere Reduktion öffentlicher Aufenthaltsflächen. Es gibt Angst vorm öffentlichen Raum. Es ist weder ein beschützender Ort noch ein beschützter Ort. In einigen Fällen ist er nicht gedacht um Sicherheit zu geben, sondern für bestimmte Funktionen wie fahren oder parken, oder es ist einfach ein Restraum zwischen Gebäuden und Strassen. (Borja 1998)

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Dieser Teufelkreis ist in Caracas stark präsent, die Angst und Scheu vor öffentlichen Orten ist aber sicher nicht unbegründet. Das schmälert aber nicht ihre Bedeutung und integrierende Funktion. Der Verlust öffentlicher Orte vermindert Schnittstellen, die eine soziale Diffusion zwischen verschiedenen Schichten, Meinungen, Ideologien zulässt. In neu geschaffenen „Kanälen“ der Kommunikation wie Internet oder Telekommunikation, die öffentliche Räume erweitern oder – je nach


ANALYSE öffentlicher raum

The trust of a city is formed over time from many, many little public sidewalk contacts. It grows of people stopping by at the bar for a beer, getting advice from the grocer and giving advice to the newsstand man, comparing opinions with other costumers at the bakery and nodding hello to the two boys drinking pop on the stoop, eyeing the girls while waiting to be called for dinner admonishing the children, hearing about a job from the hardware man and borrowing a dollar from the druggist … Most of it is ostensibly utterly trivial but the sum is not trivial at all. The sum of such casual, public contact at a local level … is a feeling for the public identity of people, a web of public respect and trust, and a resource in time of personal or neighbourhood need. The absence of this trust is a disaster to a city street. (Jacobs 1961)

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Interpretation – ersetzen, liegt die Dynamik auf den Raum inhärent: sie sind ortlos. Die Telekommunikation nimmt nicht Bezug auf den Ort, noch weniger auf den Weg. Für den öffentlichen Raum bedeutet dies weniger den Verlust seiner Rolle und Bedeutung, als vor allem den Verlust seiner Akzeptanz und Notwendigkeit. Jan Gehl (2002) argumentiert, dass Freiräume in alten Tagen und weniger entwickelten Ökonomien eine Notwendigkeit waren, heute sind Aktivitäten im öffentlichen Raum freiwillig. Im „Ranking“ europäischer Städte ist der Freiraum als Index für Lebensqualität hoch eingestuft. Dennoch basieren diese Räume oft auf volontären Gebrauch, weniger auf Notwendigkeit, sie sind surplus-value. Weite Teile wohlhabender Bevölkerung ziehen sich aus dem „öffentlichen Leben“ zurück, teils durch die Gefahren, teils durch die fehlende Notwendigkeit. Distanzen werden in privaten Autos überwunden. Man schafft sich seine eigenen Plätze, Einkaufsbummelpassagen, Freizeitangebote: Gated Communities, Malls, Themeparks und in Caracas verstärkt: Clubs nach Herkunft, Golfclubs, Cafés etc. Somit werden kontrollierte Umgebungen, thematisierte Umwelten werden geschaffen. (Siehe auch Kapitel Fragmentierung) Den Rest der öffentlichen Orte haben die „gefährlichen“ Klassen besetzt. Diese Dynamik der Thematisierung und Privatisierung des öffentlichen Raumes wird unter der Betrachtung der ökonomischen Interessen besonders deutlich. Die Qualitäten werden als Ware betrachtet und vermarktet. Das Design des öffentlichen Raumes folgt nunmehr dem Profit: der Wert steigert die Attraktivität der umliegenden Liegenschaften (Low 2006). Da die öffentliche Hand in Caracas wenig Kompetenz aufweist, werden die Anliegen selbst in die Hand genommen. So übernehmen private Investoren die Aufgabe, die ihrerseits


Plaza Francia en Altamira

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den Raum gemäß ihren Vorgaben „reinigen“. Diese „Teilprivatisierung des öffentlichen Raumes“ hat positive und negative Auswirkungen. Einerseits werden bestimmte Regeln „entworfen“, die manche Gruppen generell ausschließen und ein Zielpublikum haben, zumeist gemäß den Geschäftsinteressen, andererseits kommt es dadurch in Teilbereichen zu einer Aufwertung, die auch auf die Umgebung positiv einwirken kann. In Chacao und in Baruta, den vermögendsten Stadtbezirken, wird mit einer sehr umfangreichen Kampagne und Baumaßnahmen die Pflege und Neuerrichtung der öffentlichen Flächen intensiv vorangetrieben. Viele Plätze werden saniert und intensiv gestaltet. So wird die Strasse Francisco de Miranda Stück für Stück weiter saniert und mit Beleuchtung, städtischem Mobiliar und breiten Gehsteigen ausgestattet. Kleine Resträume werden gestaltet und so einer neuen Nutzung zugeführt. In anderen Stadtteilen bleiben die Unternehmungen, die abseits des Verkehrs und Gebäuden anfallenden Flächen zu gestalten und zu sanieren, großteils kümmerlich. Die Folge ist eine Degradierung und die Unmöglichkeit, öffentliche Räume als Begegnungsstätte zu verwenden.


ANALYSE öffentlicher raum

Petare Barrio Mariche

Kulturzentrum „La Estancia“ in einer ehemaligen Hacienda

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Sabana Grande


Die Plaza Bolívar

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Plaza Simon Bolívar Die Plaza ist der historische Kern der Stadt und somit auch der kolonialen Entwicklung. Der Platz wurde nach dem Ley de las Indias, ein Dokument für Hinweise bei der Anlage von Städten in der neuen Welt nach dem Ideal der Renaissance angelegt. Die kirchliche und die weltliche Autorität flankieren den Platz. Es ist die ursprüngliche und metaphorische Mitte der Stadt und Ort der Gründung durch die einstigen Stadtherren. Der Platz ist Zeugnis eines Bewusstsein und einer Planung, dass das öffentliche Leben auch in öffentlichen Räumen passiert. Die politische Funktion wird nach außen transportiert und repräsentiert, die eindimensionale Macht wird durch Zentralität demonstriert. Unabhängig von Regierung und Regierungsart wird der regulierende Disput in den Raum getragen. Die Kontrolle obliegt klar den jeweiligen Mächten. Der Name des Platzes hat wie die Bedeutung im Laufe der Geschichte immer wieder gewechselt, hat er lange Zeit als Marktplatz gedient, später wurden Stierkämpfe veranstaltet und Verbrecher gehängt. Die Statue des Befreiers Simon Bolívar´s in der Mitte des Platzes ist eine Replik einer Statue in Lima, Peru. Sie wurde in Deutschland gefertigt,


ANALYSE öffentlicher raum

Karte von Caracas; In der Mitte der heutige Plaza Bolívar (CaracasVirtual)

erlebte einen Schiffbruch mit, und wurde 1874 schließlich durch den Präsidenten Guzmán Blanco enthüllt (Branch 1996). Der Hauptplatz sollte der Startpunkt für die Stadt sein, […] der Platz sollte rechtwinkelig sein […]. Der Platz sollte nach der Anzahl der Einwohner proportioniert sein, berücksichtigend das Wachstum der [west-]indischen Städte, die, weil sie neu sind und anwachsen werden. […] Von diesem Platz sollen 4 Hauptstrassen beginnen, ausgerichtet nach den 4 Hauptwinden […] rund um den Platz und entlang der 4 Hauptstrassen, sollen Portale sein, weil diese wesentlich geeignet sind für die Kaufleute, die sich dort versammeln. […] Am Platz sollte ein Grundstück an Private vergeben werden, sondern sie sollen für die Kirche, königliche Häuser oder für die Stadt genutzt werden. (La Ley de las Indias, Felipe II. In: Lejeune 2005, S. 19)

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Die Plaza Bolívar, in Venezuela Synonym für die Stadtmitte und das historische Zentrum, ist rechtwinklig und mit allen Elementen öffentlicher Plätze des europäischen Städtebaus ausgestattet: Wege, die nicht nur dem bloßen Durchschreiten dienen, Bänke zum Verweilen, Orte zum Sehen und Gesehen werden, Grün als beruhigendes Element, Schatten, um vor der Sonne geschützt zu sein. Keine Repression durch die Autoritäten bei Beachtung minimaler Regeln. Der Platz wird respektiert und die Ansiedlung von informellen Händlern verhindert. Die Nähe von Regierung und Stadtverwaltung haben eine Reihe von permanenten Demonstranten angezogen, die ihre regierungskonformen Botschaften in Plakaten und Pamphleten anbringen. Temporär werden überdachte Stände eingerichtet für den Eintrag ins Wahlregister oder andere öffentliche Anliegen. Denkmalpflege erhält der Platz durch die Fundapatrimonio, die für die Restaurierung der Baudenkmäler in der Innenstadt zuständig ist.


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Parque del Este

Parque del Oeste


ANALYSE Roberto Burle Marx: Parque del Este, 1961; Photo Haruyoshi Ono (Leenhardt 2005, S. 190)

öffentlicher raum

Los Patios, Modell in bemaltem Holz, Archiv des Architekten John Godfrey Stoddart (Berrizbeitia 2005)

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Parque del Este Der 1961 eröffnete Park wurde vom brasilianischen Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx auf dem ehemaligen Areal einer Hacienda entworfen. Die organische Sprache gliedert den Park in offene, weite Zonen und kleinräumige beschattete Zonen mit Wasserflächen. Die intensive Verwendung der üppigen tropischen Flora und ihre Inszenierung verhelfen dem Park zu einem sehr heterogenen, aber einprägsamen Bild. Der Park im östlichen Stadtteil ist die größte Parkanlage in Caracas, mit viel Freizeitangebot, großen Wiesenflächen, einem Planetarium, einer Tier- und Reptilienschau. Er hat eine Entsprechung im westlichen Stadtteil, den Parque del Oeste. Beide werden intensiv benutzt, temporäre Veranstaltungen und Kurse zu Tanz, Spiel, Bildung finden statt. Familien nutzen die Parks oft an Wochenenden, die Benutzer kommen nicht nur aus angrenzenden Stadtgebieten. Die Bedeutung geht über die lokale hinaus, es gibt eine direkte Anbindung an die UBahn. Die Anlagen sind in einer Zeit entstanden, in der die öffentliche Planung einerseits die Visionen und andererseits die Möglichkeiten hatte, solch große Vorhaben zu realisieren. Das schnelle Wachstum und der rapide Übergang zu einem modernen Öl- und Industriestaat bereiten den Kontext den diesen sehr modernen Park, der wegweisend für viele Parks in Lateinamerika ist. Zusammen mit den Nationalparkgebieten des Ávila bilden die beiden Parks die größten Freiräume, die öffentlich zugängig sind. Aus Vorsichtsmaßnahme werden am Eingang Taschen und Zugänge kontrolliert, trotzdem kann man nicht direkt von Ausschluss bestimmter Gruppen sprechen, wie das bei programmierten Räumen wie Einkaufszentren stattfindet. Die Parks sind nachts geschlossen. Bis ins Jahr 2006 hatte man im Parque del Este Eintritt zu bezahlen, die Regierung unter Chávez beendete dies.


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Analyse der Funktionen und Verkehrsströme, Farbig: Plaza Cubierta. Fundación Villanueva (Villanueva et al. 2000, S. 75)

Die Plaza cubierta IN der Universidad Central Einer der bemerkenswertesten Architekturanlagen in der Stadt Caracas ist zweifelsohne die Universität. Nicht umsonst wurde das Gelände im Jahr 2000 zum UNESCO Weltkulturerbe der Moderne erklärt. Die Plaza cubierta stellt ein Zentrum darin dar, nebst dem großen Auditorium gelegen. Erbaut wurde die Aula Magna mit der Plaza Cubierta 1952-1953. Carlos Rául Villanueva, Architekt der Gesamtanlage hat gemeinsam mit internationalen Künstlern ein Meisterwerk erschaffen. Die Plaza cubierta ist ein Rahmen für verschiedene Tätigkeiten und demonstriert diese Offenheit auch räumlich. Der Zugang ist öffentlich. Lediglich das Universitätsgelände ist gesichert. Als Aufenthaltsort verschiedener Studentengruppen, als Trainingsraum für Salsa, Capoeira, Tango und Kickboxen, als Ort für Vorlesungen, Messen und Präsentationen, als Ort des Treffpunkts und Entspannung ist die Plaza Cubierta ein Ideal für einen integrierenden Raum der es auf besondere Weise schafft, alle möglichen Nutzungen zuzulassen und sie ihn Beziehung zu setzen ohne sie formal trennen zu müssen. Die einfache, offene Überdachung bietet Sonnen- und Regenschutz. Die formale Ästhetik wird unterstrichen durch bewusste Licht- und Schattenspiele. Die akustische und atmosphärische Qualität des Regens wird in Szene gesetzt. Platzierte Kunstwerke bekannter Künstler thematisieren den Raum, wirken aber nicht dominierend oder aufdringlich. Durch einfache Beobachtung des Verhaltens der Menschen an diesem Ort wird die Bedeutung offenbar: Es ist sowohl Treffpunkt als auch Durchzugsraum, ein Raum von überzeugender Qualität und mit integrativen Fähigkeiten.


ANALYSE รถffentlicher raum 57

Grundriss der Plaza Cubierta, Rechts unten die Aula Magna, oben das Rektorat. Farblich angelegter Plan (Villanueva et al. 2000, S. 82)


Die Sabana Grande, vorher: im Oktober 2006...

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Als Bohuneros werden die informellen Händler bezeichnet, die auf der Straße Waren feilbieten.

Die gleiche Szene... später: im April 2007

Der Boulevard Sabana grande Der Trend in den 70er und 80er Jahren, Straßenzüge wieder Fußgängern zu widmen und zu „beruhigen“, also nach langer Zeit der Planung für das Automobil eine Rückbesinnung in prämotorische Zeit zu versuchen, verhalf auch Caracas zusammen mit dem Bau der Metro zur Geburt von 2 Boulevards. Besonnen wurde das europäisch-bürgerliche Konzept des öffentlichen Raumes, das auch in vielen Ländern zu einer Renaissance für Flächen ohne PKW Verkehr führte, wiederentdeckt und implementiert. Zusammen mit dem Bau der U-Bahn reformierte es das Bild des Städtebaus aber sehr deutlich in Caracas. Die Metro Caracas wurde zu einem neuen Akteur in der Bereitstellung von öffentlichem Raum. Das Konzept der Sabana grande ist der autofreie Boulevard, der mit Cafés und Geschäften zum Bummeln anregt. Eine Mall unter freiem Himmel, mit freiem Zugang und mehreren U-Bahnanschlüssen, die Konsumenten bringen. Die Straße ist breit und teilweise von Bäumen gesäumt. Wichtige Institutionen, Kreditinstitute, Spezialgeschäfte haben sich angesiedelt. Der Straßenzug vereinigt zwei potente Geschäftsviertel: Chacaito und Plaza Venezuela. Die Elite eroberte den Raum sehr schnell und die Sabana Grande wurde anfangs zu einem Synonym für rückeroberte Urbanität der Mittelschicht. Im Oktober 2006 war der geräumige Boulevard aber als solcher nicht zu erkennen. Bohuneros, Straßenhändler dominierten den Boulevard vollends und verwandeln die Straße in einen engen longitudinalen Markt. Sie verkaufen in sehr einfach gebauten Ständen Kleidung, CDs und DVDs (meist illegal gebrannt), Kunsthandwerk, Bücher, Schuhe und so weiter. Die Konstruktionen sind nicht dauerhaft. Jeden Morgen wird das Konsumgut von neuem gebracht und die Stabmetallkonstruktionen aufgebaut. Die künstlich verengten Gassen erzeugte eine zähe Masse von Menschen, die sich durch die Marktstände staut. Diese Taktik der Standler schafft nicht Passanten, die nicht einfach nur durchlaufen und ein wenig Bummeln, sondern provoziert Käufer. Un-


ANALYSE Telefondienste

öffentlicher raum

CDs und DVDs am informellen Markt

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termalt wird das Szenario zumeist von lautem Reggaeton, basslastiger Musik mit Rapelementen. Die Transformation schuf aber nicht nur genügend Käufer für billige Ware – die Konkurrenz ist groß, die umliegenden Geschäfte unterlassen es, zu investieren und degradieren Stück für Stück – sondern kreierten in dem Gewusel ein Ambiente förderlich für Diebe und Banden. Die Sabana grande war berüchtigt für Attacken und Trickdiebe. Das Angebot und die Vielzahl der informellen Händler war gewaltig. Meistens sind die Verkäufer nicht die Eigentümer der Stände und Waren, sondern ihrerseits abhängig von informellen Strukturen. Die öffentliche Verwaltung ist mit diesen Phänomenen überfordert und kompromittiert zugleich. Auf der einen Seite ist die Entwicklung Ausdruck der Notwendigkeit für eine „neue“ Ökonomie. Deregulierung, Deindustrialisierung, flüchtiges Kapital, das Ende von Importsubstitution und – in Venezuela – der Ölpreis schafft die Notwendigkeit für viele Haushalte, neue Formen von Einkünften zu suchen, viele finden diese in der informellen Wirtschaft und in informellen Arbeitsverhältnissen. Der frühere Präsident Brasiliens Fernando Enrique Cardoso erklärt die informelle Ökonomie überhaupt als Shock-Absorber der Globalisierung. Auf der anderen Seite stellt die informelle Ökonomie die Ansätze der staatlichen Wohlfahrt auf den Kopf, der Staat verliert die Kontrolle und die Steuereinnahmen. Die Behörden wissen, dass ein Verdrängen das Problem nicht löst, sondern nur verlagert. Die Fragestellung ist keine urbanistische, sondern eine Ökonomische und eine Politische. Die vielen Schritte und Schikanen durch die Behörden für eine Firmengründung auf der einen Seite, die größere Flexibilität und Gewinnspanne auf der anderen Seite lassen für den informellen Sektor sprechen. Die fehlenden Einnahmen und Regulierungsmöglichkeiten für den Staat, prekäre bis unsoziale Arbeitsbedingungen für die Arbeitnehmer widersprechen den Vorteilen. Doch die Reaktion im Dezember 2006 der Behörden war drastisch.


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… dann lasst uns miteinander sprechen. Jetzt, wenn diese Landsleute keine Lösung akzeptieren, weil sie [die informellen Händler] glauben, das sei ihres, gut dann muss man sie von dort entfernen. Mit allem Respekt für die Menschenrechte, aber sie müssen die kollektiven Rechte respektieren. (Chávez Frías 22.01.2007, S. 12) Eigene Übersetzung

Die Flächen der Sabana Grande mussten geräumt werden, damit eine angekündigte Großreinigung stattfinden kann. Die örtliche Polizei vertrieb die Händler, bot ihnen aber zuerst keine neuen Flächen an. Es herrschte wenig Widerstand. Sehr schnell wurde klar, dass die Aktion dauerhaft geplant war und die Händler nicht wieder auf den Boulevard zurückkehren dürften. Die Polizei richtete überdachte Stände zur Überwachung des Boulevards in regelmäßigen Abständen ein, setzte die Maßnahmen radikal durch und kontrollierte „verdächtige Subjekte“ am Eingang zum Boulevard. Nach zögerlichen Verhandlungen seitens der Stadt wurde ein nahegelegenes Areal – sehr schnell und improvisiert aufgebaut – als Ausweichmöglichkeit für die informellen Händler zur Verfügung gestellt. Die Stände wurden einem Formalisierungsprozess unterzogen. Die unklaren Verhältnisse über die Zuteilung, Rechte für einen Stand, – zumeist sind die Verkäufer nicht die Eigentümer – sorgten für Unmut der Händler. Ältere Personen in pensionsfähigem Alter, sollten staatliche Rente beziehen dürfen. Teenager und Minderjährige in die Schule integriert werden. Viele Regeln der Behörden waren lange Zeit nicht klar, und es kam zu einigen Auseinandersetzungen, auch über die Aufteilung und die marginale Lage des Alternativstandortes. Dennoch ist die neue Gran Feria de la Sabana Grande, wie der neue Markt genannt wird, zu Fuß nahe beim Boulevard, die Besucherfrequenz ist allerdings deutlich geringer. Weiters wurde angekündigt: Ein leerstehender, sehr auffälliger Rohbau, ein in Anfang der 90er Jahre geplantes Einkaufszentrum, soll zu einem zentralen Ausweichort umfunktioniert werden. Laut dem Bürgermeisteramt Libertador arbeiteten 2900 informelle Händler in der Sabana Grande, das neue Areal stellt 1280 Stände zur Verfügung. Der Effekt für den Boulevard war enorm. Nicht nur, dass der wieder gewonnene Freiraum auch Platz für Karneval und Feste bietet, vor allem kam es zu einer rapiden Aufwertung der Geschäfte. Innerhalb nur kurzer Zeit wurden sehr viele Geschäftsfassaden überarbeitet oder neu ausgestattet. Damit zeigt sich dass die Geschäfte zum einen wieder starke Umsätze machen, andererseits auch die Sichtbarkeit der Fassade – vorher war durch die Enge kein Blick nach oben möglich – wieder gegeben ist und die Besitzer veranlasst, zu reformieren. Die temporären Polizeistände waren über Monate stark besetzt und die Polizei omnipräsent in einem Gebiet, das berüchtigt für Diebe war. Die Medien verfolgten den Prozess sehr genau. Die Maßnahme wurde mehrheitlich positiv aufgenommen worden, als Rückgewinnung eines verlorenen öffentlichen Raumes. Viele Medien


ANALYSE öffentlicher raum Ausschreibung des Wettbewerbs (El Universal)

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konzentrierten sich aber anfangs auf die vertriebenen Händler, die sich durch den Prozess auch zu organisieren begannen, um mit der Stadt zu verhandeln und Forderungen über die Medien zu verbreiten. Die informellen Händler sind wichtiges Wählerfundament und eine stellvertretende Gruppe der sozial schwächeren Bevölkerung für die Regierungspartei und den Bürgermeister des Stadtteils und eine derartige Behandlung kam deshalb erst nach der bundesweiten Wahl, als Chávez´ Regierungspartei bereits im Amt bestätigt wurde. Die Aktion der Stadt zeigt deutlich, wie wichtig ein Konzept zu einem Alternativstandort und eine Führung der Medien sind. Die anfänglich repressive Maßnahme erforderte spontane Improvisation, die Aktion wurde möglicherweise zu wenig geplant, oder man erwartete wenig Widerstand. Die Erfahrung der Stadt könnte auf andere Orte angewandt werden. Eines wird aber sehr deutlich: Es fehlt leistbarer Raum und ein flexibler legaler Rahmen für ökonomische Handlungen. Verbesserungsprozesse laufen nicht alleine über räumliche Aktionen ab. Es muss begleitend ein fairer Legalisierungsprozess gestartet werden, der ebenso zugänglich sein muss, wie es eine räumliche Lösung wäre. Im Herbst 2007 wurde ein Wettbewerb zur weiteren Wiederherstellung des öffentlichen Raumes und Verbesserung der Qualität des Boulevards gestartet. Teilweise sollen Artesanos, Handwerkskünstler, die Schmuck, Taschen und ähnliches selbst produzieren, am Boulevard Verkaufsrechte bekommen, an Ständen, die in ein Gesamtkonzept integriert sind. Das Beispiel der Aktion zeigt sehr deutlich, das alle Akteure, auch die Bevölkerung und die Medien, sensibilisiert sind. Politischen Dynamiken und die Medien torpedieren Planungen und können die Aktionen beschleunigen, radikalisieren oder vollends paralysieren. Eine Planung in besetztem öffentlichem Raum muss gewährleisten, Vertriebene als Betroffene zu „entschädigen“. Meist positionieren sich informelle Händler aufgrund des lukrativen Standortes. Die geringe Handelsspanne wird damit auch gewinnbringend. Eine simple Repositionierung vermindert die Gewinne erheblich, das Geschäft lohnt sich vielleicht nicht mehr. Es geht also darum, gleichzeitig auch einen attraktiven Standort zu erzeugen. Eine derartige Maßnahme bringt natürlich die formellen Händler auf die Palme, zumal ihre flexiblen Konkurrenten auch noch maximale Zuwendung vom Staat bekommen. Geschäftsleute werden natürlich fordern, die gleichen Spielregeln gelten zu lassen.


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Verbindung im Barrio El Carpintero

Barrios und öffentlicher Raum Die Bedingungen in den Barrios von Caracas stellen besondere Bedingungen und Anforderungen an den öffentlichen Raum. Die Topografie erlaubt wenig motorisierten Verkehr, damit verteilen die schmalen Erschließungswege und –treppen oftmals ausschließlich Fußgänger. Der Charakter der öffentlichen Räume ist weniger urban, als eher dörflich oder halböffentlich. Die Leute kennen sich, grüßen sich, und erkennen Auswärtige. Die verwinkelten Gassen – sehr oft Sackgassen - lassen wenig Fremde eintreten, es gibt ein somit ein sehr informelles System von Orientierung, Zugang und Sicherheit. Es gibt eine funktionierende soziale Kontrolle, ein wichtiges Fundament für die Stabilität der Barrios. Um die dürftige Infrastruktur, Wegenetze, Kindergarten und ähnliches zu schaffen, musste man sich organisieren und hart arbeiten. Gemeinschaft ist notwendig, um staatliche Handlungsdefizite auszugleichen. Der öffentliche Raum ist sehr beschränkt und oft auf den notwendigen Verkehrsraum beschränkt. Die Dynamik aus besetztem Land, Raumknappheit und den Privatinteressen der Anwohner verhindert Flächen für gemeinschaftliche Funktionen. Dafür wird eine übergeordnete Organisation verlangt, die nicht vorhanden ist, oder nicht funktioniert. Trotzdem werden die Strassen, Treppen, Plätzchen oft auch Dächer intensiv genutzt. Kinderspiel, Warenverkauf, Tratsch, Disput, Organisation und Versammlung … die sehr traditionellen Funktionen machen den öffentlichen Raum zum Bindeglied zwischen den Anwohnern. Sie schaffen viele Übergänge – zwischen Stadt, Barrio und unmittelbarer Nachbarschaft, diese sind Produkt quasidörflicher Strukturen und fehlendem staatlichen Eingreifens. Die zunehmende Dichte und gigantische Größe der Barrios bringen aber den Verlust dieser fragilen kleinräumlichen Qualitäten. Die engen Gassen und die vielen Anwohner lassen soziale Kontrolle nicht mehr funktionieren, stattdessen übernehmen neue Akteure die Szenarien. Manchmal nur abends und nächtens. Die labyrinthischen Wege der Barrios eignen sich besonders gut zu Verstecken, geheimen Beobachtungspunkten und Zugangskontrollen (vgl. auch De Souza 2004, S. 27). Diese Geografie ist besonders gut zu verteidigen und zu kontrollieren, was einerseits Eingriffe seitens der Polizei verhindert, andererseits haben auch „gegnerische“ Banden fehlende Ortskenntnis. Gebietsgrenzen sind oftmals Grenzen von Banden, und eine Überschreitung derselben wird von Anwohnern als lebensgefährlich eingestuft. Die Kommunikation und Überwachung funktioniert teilweise durch Handys und Walkie-Talkies, Kinder und Jugendliche, die


ANALYSE Petare-Mariche

öffentlicher raum

Dienste für die örtlichen Drogenbanden leisten. In vielen Teilen hat sich der öffentliche Raum primär zu einem Angstraum entwickelt. Die Folge ist ein totaler Rückzug in privates Umfeld, und die fehlende Akzeptanz für die Erschaffung von öffentlichen Raum in Planung. Die Architektinnen von Arqui5 scheiterten in ihrem Projekt (Projektbeschreibung Kapitel Barrios und Wohnen) teilweise am Widerstand der Bevölkerung, die Plätze und Aufenthaltsräume generell vermeiden wollte. Jeglicher Freiraum, der nicht kontrolliert und dauerhaft genutzt ist, laufe Gefahr von Jugendbanden vereinnahmt zu werden. Die Problematik einer totalen Dichotomie von privat und öffentlich erschwert auch die gut gewollten Zugänge der Planung. Das Wiederherstellen des öffentlichen Raumes erfordert deshalb in erster Linie den Willen der Bevölkerung. Dennoch sind die Hauptprobleme der Unsicherheit gemeinsames Anliegen aller Anwohner und eine breite Sensibilisierung und Organisation kann die Vorzüge gemeinsamen Raumes zu Tage bringen. Die Rolle von Architekten läge damit auch in einer tiefgreifenden Analyse der Räume, und inwieweit die Räume eine unsichere Wirkung fördern. Gleichzeitig gilt es die Potentiale von Interventionen zu visualisieren und die Vorzüge von Alternativen der Situation gegenüber zu stellen. Eine Politik der Stärkung der städtischen Sicherheit sollte auf die Qualifizierung des öffentlichen Raumes hinweisen, dabei die formelle Stadt mit der informellen Stadt artikulieren, die Attribute der Urbanität und der Einrichtungen von Wohlstand in den benachteiligten Zonen eingliedern, versuchen ihre Identität zu definieren und dabei berücksichtigen, dass die Probleme der Unsicherheit und die Gewalt grundsätzlich der Ungleichheit und städtischen Armut zuzuschreiben ist. Und dass es keine Quoten gibt, sie exakt zu messen. (Jáuregui 02.09.2006)

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Jáuregui u.a. Architekt beim Projekt FavelaBairro in Rio de Janeiro und Berater für urbane Sicherheit der UN hat in seinen Schriften verdeutlicht, welch integrale Funktion der öffentliche Raum hat und wie wichtig die sensible Berücksichtigung in Planung und Stadtpolitik ist. Die Moderne mit ihren monofunktionalen Konzepten, ihrer autobezogenen Infrastrukturplanung und die jüngsten Entwicklungen von Informalisierung, Privatisierung in Caracas separieren Gebiete eher als dass sie integrieren. Neue Vorhaben sollten keine Abschottungen sondern neutrale Flächen generieren, die eine Kommunikation ermöglichen. Der klassische bürgerlich-europäische öffentliche Raum sollte anhand der Bedingungen Invasion, Übernahme und Unsicher-


heit neu definiert werden, und Instrumente zu einer sinnvollen, aber nicht ausschließenden Bewirtschaftung beinhalten. Der Versuch, öffentliche Freiräume zu schaffen, ist oft verknüpft mit der Herstellung von Infrastruktur. So sind z.B. die Sabana Grande 1983 durch den Bau der U-Bahn oder die Freiflächen um die Stationen des Metrocable in Medellín, Kolumbien entstanden. Der öffentliche Raum ist sensibel, deshalb muss die Bewirtschaftung und Kontrolle unter der besonderen Berücksichtigung seiner multiplen Funktionen sichergestellt werden. Dort wo die Stadt nicht eingreift, sollten die Bewohner sensibilisieren werden und sich auch selbst organisieren.

Exkurs Favela-Bairro 1993 wurde das in Rio de Janeiro, Brasilien, initiiert. Das Hauptanliegen ist es die Favelas, wie die informellen Quartiere in Brasilien genannt werden, in die bestehenden Stadtstrukturen einzubinden. Dabei werden im Besonderen fünf Ziele verfolgt:

Lektüreskizze Jáuregui zu den 2 Favelas Fubá-Campinho

1. Sanitäre Grundversorgung von akzeptablem Stand 2. Räumliche Neuordnung, Anbindung an das Straßennetz, Bereiche zur gemeinschaftlichen Nutzung 3. Soziale Dienstleistungen zur Verfügung stellen 4. Landbesitz legalisieren, bzw. Nutzungsrechte sicherstellen

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Die besonderen Stärken liegen dabei in der positiven Einstellung zu den Favelas, die die Identität und die Partizipation der Einwohner berücksichtigt und sie als vollberechtigte Bürger der Stadt anerkennt. Die Vernetzung und Versorgung wird begleitet von umfangreichen baulichen und sozialen Vorhaben, die den sozialen Ausschluss und die Isolation in der Stadt verhindern will.


Eine Sinnesempfindung beschreibt den öffentlichen Raum in Caracas besser als jedes Bild: Paranoia, ein subtiles Gefühl der Beklemmung begleitet den Städter zu vielen Zeiten und in viele Gegenden in Caracas. Ein Gefühl, das viele Einwohner teilen und ihre Handlungen determiniert. Die Verhaltensweise der ganzen Stadt ist programmiert durch eine Vorahnung, ein Gespür. Objektiv lassen sich solche Gefühle schwer fassen, auch Unabhängig davon, ob Gefahren nun Realität sind oder nicht. Anfangs dachte ich, dieses Gefühl wäre der Ausdruck der eigenen Unsicherheit vor der fremden Stadt und der Auffälligkeit, die man als „blauäugiger“ Blondschopf – hat. Die objektive Daten sprechen aber eine klare Sprache: eine der höchsten Mordraten der Welt, der Polizei nicht immer zu trauen, abends keinen Fuß auf die Strasse, die politische Situation prekär, gepanzerte Fahrzeuge, usf. Nach einiger Erfahrung, Erzählungen und den Wünschen der Bevölkerung nach zu urteilen, teilen viele Stadtbewohner dieses Gefühl, haben gelernt, es zu „managen“, ihr Verhalten anzupassen: den Intuitionen vertrauen, potentiellen Gefahren aus dem Weg gehen, keine unbekannten Gebiete betreten, sein eigenes Barrio oder Wohngebiet nur zu bestimmten Zeiten verlassen, wenn möglich nicht zu Fuß gehen, sich nur Taxi, Bus oder eigenem Auto von A nach B bewegen.

ANALYSE Crime, violence, insecurity, and fear designate the city. Going to the street means, in Caracas, to face crime, to risk life, to activate a paranoid behavoir, to fear. (Jaimes, Bornberg 2007, S. 18)

öffentlicher raum

paranoider raum

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Sicherheit und realität Einer Umfrage des El Universal zufolge sehen besonders in der Region Caracas 80% der Befragten akuten Handlungsbedarf in der städtischen Sicherheit und eine deutliche Einschränkung ihrer Lebensqualität und ihres Verhaltens durch Kriminalität. Die absolute Mehrheit der Bewohner sieht den stärksten urbanen Handlungsbedarf in Sicherheitsfragen. Und das sowohl in den Barrios als auch in abgeschlossenen Wohnquartieren. Die reale Situation und Konfrontation mit Kriminalität mag bei den verschiedenen Schichten auch different sein, quer durch alle Schichten wird die Unsicherheit beklagt. Den Medien wird eine tragende Rolle in der Produktion der Paranoia zugeschrieben, die durch Bilder und Berichte Vorstellungen visualisieren und somit den Kontext bereiten, indem sie Opfer und Täter zeichnen, Stereotype produzieren. Ob das Gefühl der objektiven Unsicherheit entspricht oder nicht, ist zweitrangig. An den Bildern und Berichten kommt kaum jemand vorbei. Dennoch wissen alle von unangenehmen Vorkommnissen zu berichten und


Das Phänomen der Delinquenz besteht prinzipiell aus 2 Koordinaten: 1. Den effektiven Vorfällen von Verbrechen 2. Der Angst, einer grundlegende Emotion des Menschen, die Bedrohung signalisiert und abhängt von der Möglichkeit, Opfer eines Verbrechens zu werden oder der jeweiligen Umgebung. (Rau 2005, S. 86)

viele haben eigene Erfahrungen gemacht, das Bild von Kriminalität ist also sicher nicht abstrakt oder konstruiert, die Gefahren real. Was zählt ist, dass die Handlungen der urbanen Akteure wesentlich durch Unsicherheitsfaktoren bestimmt sind und somit unmittelbare Wechselwirkungen mit dem öffentlichen Raum und der Bewegung innerhalb seiner Sphäre haben. Eine unsichtbare, wenig objektivierbare Komponente kontrolliert den Raum: Eine Mixtur von Angst und Beklemmung. Die Mobilität und der Aufenthalt in der Stadt ist determiniert durch eine Komponente, die eine sehr persönliche, subjektive Bedeutung hat. Die eigene Erfahrung, die Berichte und Ratschläge aus den Medien, von Verwandten und Freunden lassen die Bewohner von Caracas innerhalb des öffentlichen Raumes vor allem intuitiv bewegen. Davon sind Polizisten oder Mitglieder von Drogenbanden nicht ausgeschlossen, die sich ebenso mit einer Vorsicht durch verschiedene Gebiete bewegen müssen. Angst im öffentlichen Raum provoziert Gewalt und Aggression, sehr raumgreifende Dynamiken, die z.B. veranlassen, die Nähe von „harmlosen“ Passanten zu suchen, um sich im Effekt einer gewissen sozialen Kontrolle sicherer zu fühlen. In bestimmten Barrios verlassen die Frauen nur gemeinsam das Haus, um frühmorgens zur Arbeit zu kommen. In Europa kennen dieses Gefühl, das einen ständig begleitet vielleicht ähnlich nur illegal lebende Ausländer, andauernd auf der Hut vor den behördlichen Organen, da sonst Abschiebung droht, Frauen, die nachts allein durch dunkle Gassen gehen, Orts-unkundige Personen, Kinder, Schwarzfahrer etc. Als Anlehnung dient das Modell panoptische Auge Foucaults, beschrieben anhand der „Heil- oder Haftanstalten“ Benthams, welchen in diesem Sinne auch eine starke Machtrolle zugeschrieben wird. Gesellschaft konditioniert sich in ihrem Tun - von einer unsichtbaren Macht konditioniert - vor allem selbst.

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macht im öffentlichen Raum Die Implikationen für den öffentlichen Raum sind vielfältig. Die staatliche Macht trägt durch Inaktivität, Planungsfehler, Inkompetenz, Deregulierung zu dieser Situation bei und gibt die Kontrolle über ab an neue Akteure. Nicht dass staatliche Kontrolle über den öffentlichen Raum per se positiv wäre, es gibt viele Beispiele wie staatliche Organe Mitverursacher für Unsicherheit sind. Vielmehr sollte es aber staatliche Aufgabe sein, den Rechtsrahmen im ureigensten kollektiven Raum sicherzustellen.


ANALYSE öffentlicher raum

methodik des krieges Räume entweichen der öffentlichen Kontrolle, befinden sich unter der Verwaltung von anderen, auch konkurrierenden Akteuren. Dies verlangt in manchen Bereichen eine Neudefinition von Stadtentwicklung, welche traditionell unter den Prämissen sichergestellter sozialer und öffentlicher Kontrolle agiert. Der Totalitätsanspruch traditioneller Planungsinstrumente lässt sie angesichts der Realität unwirksam werden. Ihre Potentiale sind nicht mehr sichergestellt. Eine Planung, die nicht mit einer Durchsetzung ihrer räumlichen Prinzipien rechnen kann ist, ist unwirksam. Jáuregui, Architekt der FavelaBairro in Rio de Janeiro spricht gar von notwendigen einer Methodik des Krieges (Jáuregui 2004) in Zonen, die „außer Kontrolle“ geraten sind, die zur Anwendung kommen könnte. Viele Städte in der westlichen Welt demonstrieren schon, wie dieser militarisierte öffentliche Raum aussehen kann: totale Überwachung und repressive Maßnahmen erhalten Einzug (siehe dazu Rötzer 2006, S. 85–102). Auf begrenzten Territorien übernehmen organisierte Gruppen die Kontrolle, die ihre Ordnung durchsetzen. Dies geschieht auch temporär. Solche Gruppen sind oftmals nicht in politischer Opposition zum Staat und somit kommt es in gewissen Grade zu Arrangements. Rötzer (2006, S. 115) bezeichnet Städte, die der Zentralmacht entgleiten als failed cities, die sich selbst regieren, durchaus auch mit Gewalt. In manchen Gebieten in Caracas führt das Fehlen von sozialen Diensten und Rechtsordnung zu Unsicherheit und „Übernahme“ des Gewaltmonopols durch andere Gruppen. Die wirtschaftlichen Verbindungen werden von neuen Instanzen kontrolliert. Drogenbanden definieren die Regeln gemäß ihren Interessen. Neuwirth (2006), De Souza (2004, S. 25–31) beschreiben, wie in Rio de Janeiro Drogenbanden den Raum territorialisieren und fragmentieren, aber im Gegenzug der Bevölkerung auch Sicherheit gegenüber einfachen Dieben und Räubern anbieten. Die Bevölkerung schaut im Gegenzug schweigend über die Handlungen der Banden hinweg, es bleibt ihnen auch keine andere Möglichkeit. Natürlich passt sich das Leben in der Siedlung an die Gesetze der Banden an, d.h. Entwicklungen und

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Szenen aus „Secuestro Express“ (Jakubowicz 2006), ein Film über Expressentführungen in Caracas, der viele Debatten über das kriminelle Bild, das er zeichnet, ausgelöst hat.


In Catia sichert die Guardia Nacional, das Militär bestimmte Plätze. Mit Absperrbändern, Waffen wird Präsenz gezeigt

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Mobile Polizeieinheiten stehen auf Plätzen bereit


ANALYSE öffentlicher raum Upgrading Projekte in Caracas … siehe Kapitel Barrios und Wohnen. Beispiele für punkturelle Interventionen.

San Agustin Projekt und weitere Projekte

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städtebauliche Veränderungen geschehen nicht ohne Einwilligung mit den örtlichen Kartellen (vgl. auch Blum 2004). Somit kommt es gewissermaßen zu einer Pattsituation. Die Konsolidierung des Gebietes gerät ins Stocken, da die Banden eine Erweiterung urbaner Services und eine politischen Integration verhindern wollen. So stieß z.B. das FavelaBairro Projekt in Rio de Jainero auf den unmittelbaren Widerstand der örtlichen Drogenbosse. Die Neuanlage des öffentlichen Raumes in manchen Projekten schafft räumlich mehr Klarheit und Übersicht, eine Entwicklung die labyrinthische und versteckte Gänge in ein klarer strukturiertes Netz einbindet. Die Eignung als Unterschlupf und Bastille wird dadurch geschmälert, die Kontrolle durch öffentliche Organe wird erleichtert. Auch in Caracas sind Teile großer Barrios unter der Herrschaft rivalisierender Gruppen. Weder in der Literatur noch in Zeitungsartikel wird aber ein homogenes Arrangement mit der lokalen Bevölkerung beschrieben, vielmehr sind es Rivalitäten zwischen einzelnen Gruppierungen, die den öffentlichen Raum zur Kampfzone degradieren. Es gibt im Vergleich zu Rio de Jainero weniger Erfahrung, da große „Upgrading“ Programme bisher ausblieben und sehr punktuell interveniert wurde. Auch in der Öffentlichkeit wird ein sehr stereotypes Bild von den informellen Vierteln gezeichnet, sodass die regionalen Unterschiede und Entwicklungsstufen sehr oft in einer Berichterstattung nicht berücksichtigt werden. Eingangsstraßen, Zugänge und Wegekreuzungen sind vor allem nachts Schauplätze von territorialen Kämpfen. Das Leid trägt die Nachbarschaft, indem sie temporär und vor allem nachts das Regiment vollends übergibt. Oft fallen Unschuldige Blindgängern und Abprallern zum Opfer. Bei der Planung der Seilbahn für San Agustin (Beschreibung siehe Kapitel Infrastruktur), einem Stadtteil von Caracas, wurde von Auftraggeberseite explizit schusssicheres Material gefordert, um Mitarbeiter wie Fahrgäste nicht zu Zielscheiben werden zu lassen. Die Erfahrung vieler Vorfälle hat den Auftraggeber Metro Caracas in bestimmten U-Bahnstationen Vorsichts- und Umbaumaßnahmen treffen lassen, um Personen nicht willkürlichen Gefahren auszusetzen. Die vorherrschenden Machtdynamiken sind sehr subtil, folgen wenig Regeln und ein Arbeiten in den Barrios bedeutet ein Analysieren, Vortasten oder ein „Arrangieren“ mit den vorherrschenden Machtstrukturen, weniger eine Anwendung eines starren Entwicklungsmodells. Dabei ist es wichtig, die Erfahrung der lokalen Bevölkerung kann stark miteinzubeziehen, da oftmals unsichtbare Machtfaktoren die Entwicklung und Konsolidierung behindern. Der öffentliche Raum ist


Sonderkommando (Peregil 18.03.2008)

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La causa del delito es el mal comportamiento de los individuos y no la consecuencia de condiciones sociales. Der Ursache des Verbrechens ist das schlechte Verhalten der Individuen und nicht die Konsequenz der sozialen Umstände.

zumeist das schwächste urbane Glied in vielen Gebieten. Der Rückzug, die Abstinenz verursacht ein Vakuum, das gefüllt wird, die repressive Präsenz staatlicher Macht und Gewalt trägt zu einer weiteren Radikalisierung bei. Der öffentliche Raum ist somit besonders gefährdet, von neuen Akteuren übernommen zu werden. Die integrative Rolle städtischen öffentlichen Raumes kann deshalb in nur sehr geringem Maß als funktionierend gelten. Die Situation hat dazu geführt, dass an bestimmten Plätzen Militärund spezielles Polizeiaufgebot den Raum strategisch überwacht und durch ihre dominierende Präsenz Sicherheit vermitteln und Kriminalität verhindern will. Die Lösungen sind zumeist temporär gedacht, mit Absperrbändern werden Stützpunkte geschaffen, gewichtiges und bewaffnetes Militärpersonal auf Plastiksesseln postiert. Mobile Polizeieinheiten werden an gut frequentierten Plätzen verortet. Die Maßnahmen spiegeln weniger eine strikte Law-and-Order Politik wieder, als dass sie das Bedürfnis der Bevölkerung nach sichtbarer Kontrolle erfüllen. Wiederum spielt das Gefühl eine Rolle, dass im Falle eine öffentliche Autorität zugegen ist und schlichtend eingreift. Diese Militarisierung öffentlichen Raumes kann sicherlich keine dauerhafte Lösung sein, entspricht aber gewissen urbanen Szenarien. Gerade in Caracas sind die Maßnahmen auch eine politische Antwort: Das Militär hat eine außerordentlich wichtige Stellung in und für die Regierung, und die Sichtbarkeit im unsicheren öffentlichen Raum soll auch die Handlung der Stadtregierung demonstrieren, die diese Maßnahmen unterstützt. Insgesamt wird damit womöglich zuviel Augenmerk auf die Effekte von Kriminalität im urbanen Raum gelegt, die Ursachen werden außer Acht gelassen und nicht „bekämpft“. Mit einem Postieren von Sicherheitspersonal und Militär erreicht man im besten Fall „gesäuberte“ Gebiete, was einer Verlagerung in schlechter gestellte Zonen gleichkommt. Dennoch tragen gesicherte Zonen dazu bei, die Rolle des öffentlichen Raumes bei den Benutzern neu bestärken und seine Qualitäten zu schätzen zu lernen. Die sehr komplexen Wechselbeziehungen von Kriminalität und Armut lassen sich nicht simplifizieren, weder in Schuldigen noch in Maßnahmen. Viele ähnliche Problemstellungen lassen sich immer häufiger auch im europäischen Raum beobachten, wenngleich die Situation nur sehr dürftig verglichen werden kann, gibt es vor allem in den Strategien der Bekämpfung von Kriminalität mehr Import als in der Bekämpfung von Armut einen Austausch der Politik. Das Thema, das so brisant die Diskussion um die Stadtentwicklung beherr-


ANALYSE öffentlicher raum

schen müsste, wie das die Problematik der Barrios insgesamt tut, wird in Caracas von offizieller Seite nur sehr unklar vermittelt, und es entsteht der Eindruck, die Strategie hinter bestimmten Maßnahmen ist völlig unkoordiniert. Der Polizeiapparat ist fragmentiert, jeder Stadtteil hat seine eigene Polizei, zusätzlich gibt es die metropolitane Polizei, die Polizei des jeweiligen Bundesstaates und das Militär, jeweils auch verstrickt mit konkurrierendem politischem Lager. Verbrechen werden nur in seltenen Fällen gelöst. Die Prävention funktioniert nur in bestimmten Zonen, z.B. den reichen Gegenden von Chacao, wo enorme Präsenz mit Ausbildung und Professionalität der Polizei verbunden wurde, die willkürliche Gewalt verhindern sollte und Akzeptanz in der Bevölkerung sucht.

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Zur Aufklärung von Verbrechen wurde für kurze Zeit sogar ein Luftschiff eingesetzt, das von den Behörden am Boden gesteuert wird und die Vorgänge im öffentlichen Raum aus der Vogelperspektive überwachen sollte. (El Universal)


Colectivo (Privates Sammelbussystem)

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Entscheidende Faktoren bei einem Verbrechen (División de Desarrollo Urbano MINVU et al. 2005, S. 15, Bearbeitung und Übersetzung durch den Autor)

Kriminalität – Situationistische Theorie Die Kriminalität ist ein sehr komplexes Phänomen, das sich aus sehr vielen Variablen ergibt. Eine Erklärung, auf der sich die Planungsansätze begründen ist die situationistische Theorie von C. Ray Jeffery (1977). Diese besagt, dass die Umwelt, wenn sie entsprechend gestaltet ist, die Gelegenheiten zu Delikten und die Wahrnehmung der Angst vermindert. Das Umfeld kann einerseits ein Gefühl von Sicherheit oder ein Gefühl der Angst hervorrufen, unabhängig davon, ob es Kriminalität gibt oder nicht. Damit wird der Einwohner zum Experten aufgrund seiner eigenen Wahrnehmung von Sicherheit. Das Verhalten des Straftäters ergibt sich aus der Situation: Er analysiert, ob eine Situation günstig ist oder nicht, ob z.B. das lokale Umfeld einen Raub zulässt und ob das Opfer „zugänglich“ ist, um davon das Risiko und den Aufwand abzuschätzen. Diese Kosten-Nutzen-Rechnung bezieht die unmittelbare lokale Umwelt und die Verwundbarkeit des Opfers mit ein. (Siehe Grafik)


ANALYSE öffentlicher raum

Die folgende Analyse wurde vom Autor im Rahmen eines Vortrages an der Universität Simon Bolívar entwickelt, die die Umgebung von Redoma de Petare (siehe auch Projektteil) modellhaft visualisiert. Der unflexible Zugang von Planung, welche Bewirtschaftung und behördliche Kontrolle nicht einbezieht, wird in Caracas sehr schnell deutlich: Die Abbildung zeigt schematisch, was Planung regelt: Gebäude, Straße, Haltestellen, Übergänge. Darüber hinausgehend auch Beleuchtung und Ausstattung. Der Horizont formeller Planungsinstrumente regelt die primären Funktionen. An der Realität wird aber deutlich, wie wenig die traditionellen Mittel die informellen Kräfte regeln und regeln können. Die geplante Stadt ist bestenfalls der Rahmen für die vielen Tätigkeiten, die den Raum stärker determinieren, als das die Planung tut und vorsieht. Die Wiederherstellung der „Ausgangslage“, also des planlichen Ideals, würde eine „behördliche Totalität“ voraussetzen, also ein repressives Eingreifen von Ordnungshütern, das nicht gegeben ist. Das Spiel der Kräfte erzeugt ein inhomogenes Bild. Die Leistungsfähigkeit, Personen, Waren, Fahrzeuge und all ihre Richtungen und Bedeutungen aufzunehmen kann wesentlich größer sein. Dieses Potential kann aber auch zu durchaus negativen Entwicklungen führen, bestimmte Funktionen verhindern oder Gruppen ausschließen. Der „freie“ Markt des Raumes folgt den Prämissen, also den „Profitinteressen“ all seiner Benutzer. Diese Aneignung des öffentlichen Raumes geht zumeist zu Lasten seiner integrativen und verbindenden Funktion. Das „Lesen“ des Ortes, der nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich effizient funktioniert stellt die klassische Planung in Frage. Und definiert ihre Rolle klarer. Die Schaffung von räumlich-baulichen Elementen zoniert, hierarchisiert, strukturiert den Raum. Die informellen Ebenen passen sich effizient den Rahmenbedingungen an. In diesem Sinne liegt das Potential in den Übergängen, also den Unschärfen der Planung, die Spielraum lässt für ein weiterspinnen und Raum lässt für flexible Nutzungen. Das Bespielen des Raumes ist aber nur sehr gering determinierbar, also sollte es mit Aufgabe der Planung sein, nicht bei der bloßen Gestaltung stehenzubleiben, vielmehr für die Akteure Szenarien zu entwickeln.

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Diskrepanz: Planung und realität


ANALYSE PLANUNG

REALITÄT

BEBAUUNG STRASSE FUSSGÄNGER INFORMELLE HÄNDLER / BOHUNEROS BUSHALTESTELLE

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SIMULATION SZENARIEN


ANALYSE Das Bild zeigt die Grenze zweier Munizipe, die unterschiedlich auf informelle Händler reagieren. Links im Munizip Libertador werden die sie geduldet und rechts werden sie aus dem öffentlichen Raum verbannt. Bei gleicher Planungssituation ergibt sich aus unterschiedlichem Durchgreifen der Behörde und Bewirtschaftung ein völlig anderes Erscheinungsbild.

OFFIZIELLE ORGANE

SCHwÄCHLICH, NACHSICHTIG, BEIHILFE, wENIG ANpASSUNG, ...

EROBERN ZURÜCKEROBERN

öffentlicher raum

(Baby-Collin, Zapata 23.06.2006)

pRIVATE AKTEURE KEINE ALTERNATIVEN, HERAUSFORDERND, ...

KRÄFTE AUF DEN

ÖFFENTLICHEN RAUM

MOTORRÄDER FUSSGÄNGER AUTOS (KINDERwAGEN, LKwS FAHRRAD,

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BOHUNEROS BUSSE HOTDOGSTÄNDE KLEINBUSSE ILLEGALE TELEFON- TAXIS STÄNDE “BAUCHLADEN” OBDACHLOSIGKEIT USw.


Beispiele informellen Treibens

Exemplarische Schnittstellenanalyse

Busunternehmer Private (und kollektive) Busunternehmer warten so lange, bis sich der Bus gefüllt hat, drehen bei Bedarf noch eine Runde, um auch wirklich alle Interessenten aufgesammelt zu haben. Oftmals hilft dem Busfahrer informelles Personal lautstark, das für jeden angeschleppten Trinkgeld kassiert Passagier verdient. Profitmaximierung macht das System sehr leistungsfähig auf gut frequentierten Strecken. Gleichzeitig funktionieren fixe Bushaltestellen oft nicht. Die Konkurrenz unter den Busunternehmen verlagert immer wieder die Haltestellen. Das System folgt nicht immer geplanten Routen und Haltestellen. Je nach Sichtweise kann das vorteilhaft sein, für Ortsfremde ist es unübersichtlich, unverständlich. Sie müssen sich den Weg erfragen. Die kreuz und quer stehenden und wartenden Busse verstopfen den Verkehr. Die öffentliche Hand hat wenig Einfluss auf die Routen, die Preise folgen aber festgeschriebenen Tarifen, um Willkür zu verhindern.

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Informelle Händler Die Händler positionieren sich an den Gehsteigen, vor Geschäften. Sie verhindern einen flüssigen Fußgängerverkehr, in dem bewusst den Raum verengen und die Geschwindigkeit verringern. Oftmals werden Waren direkt aus Pick-ups oder auf der Straße feilgeboten, damit wird der ohnehin stauende Verkehr verlangsamt. Oftmals werden ähnliche Waren, wie in den formellen Läden angeboten, zu allerdings billigeren Preisen. Die Müllentsorgung funktioniert nur sehr spärlich. Die unterschiedlich guten Standorte erzeugen einen Bodenmarkt auf öffentlichem Gut. Die Behörden greifen meistens nicht ein, Arrangements sind die aber die Regel. Die unterschiedlichen Interessen treffen aufeinander, das Treiben ist interessant und vielgestaltig. Bestimmte Grundnahrungsmittel haben einen festgesetzten Preis. Die Versorgungssituation ist aber sehr oft prekär, womit Lebensmittel oft mit Schwarzmarktpreisen gehandelt werden und nur bei informellen Händlern zu bekommen sind. (im Jahr 2007 gab es immer wieder Versorgungsengpässe bei Zucker und Milch)


Was können für Hinweise im Sinne eines Urban Design für die Planung gegeben werden? Wie sieht Prävention auf lokaler Ebene im Kontext informeller Siedlungen aus, gibt es Handlungsspielraum für die städtebaulichen Planung? Die folgende Zusammenstellung basiert auf der Adaption des Autors von 3 Publikationen zu diesem Thema: Banco Mundial LCSFP (Hg.) (2003): Guía didáctica para municipios: Prevención de la delincuecia y la violencia a nivel comunitario en las ciudades de américa latina. Sao Paolo. Dammert, Lucía; Paulsen, Gustavo (Hg.) (2005): Ciudad y seguridad en América Latina. Santiago de Chile: FLACSO Chile. División de Desarrollo Urbano MINVU; Fundación Paz Ciudadana (Hg.) (2005): Espacios urbanos seguros. Santiago de Chile.

ANALYSE öffentlicher raum

Planungsparameter

CPTED – Crime Prevention through Environmental Design Auf dieser Theorie basieren die Prinzipien des CPTED, auf das sich Programme in verschiedensten Ländern beziehen, um eine wirkungsvolle Prävention von Kriminalität zu erzielen. Da die physische Umwelt ein Verbrechen provozieren oder zumindest erleichtern kann, werden im Wesentlichen werden 2 Ziele auf lokaler Ebene angepeilt, die mittels einer entsprechenden Gestaltung öffentlicher Räume präventiv wirken können: Verhinderung von Gelegenheiten für ein Verbrechen Verminderung der Angst Die Ziele für eine Planung Gemäß des CPTED bauen auf den folgenden Prinzipien

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Fördern der natürlichen Überwachung Die soziale Kontrolle (andernorts auch als informelle Kontrolle beschrieben) basiert auf den Prinzip des Sehen-und-Gesehen-Werdens. Eine gutes Sichtverhältnis kann in der Objektplanung berücksichtigt werden: Konkret verstärken eine bessere Beleuchtung, eine Verminderung von hohen Mauern, eine Orientierung von Fenster und Balkon zum öffentlichen Raum, der sog. „menschliche“ Maßstab, usf. die Situation. In vielen Gebieten in Venezuela ist aber eine weitere Abkehr vom öffentlichen Raum zu beobachten und damit eine fehlende soziale Überwachung dieses Raums.


Fördern von Vertrauen und Zusammenhalt unter Nachbarn Wenn zwischen den Nachbarn eine gute Beziehung und gegenseitiges Vertrauen herrscht, fördert dies die Prävention. Als Voraussetzung zu einer funktionierenden Nachbarschaft sind damit kommunikative Aufenthaltsflächen in öffentlichen und halböffentlichen Bereichen zu schaffen. Steigern der Identität durch und die Akzeptanz von öffentlichem Raum Schon durch die Einbeziehung der Nachbarschaft in die Gestaltung ihrer unmittelbaren öffentlichen Räume wird deren Akzeptanz erhöht. Eine Aneignung der Nachbarschaft verändert Strassen, Gässchen, Plätzchen zu einem Treff- und Kommunikationspunkt und schafft Identität. Planen auf kleinerem Maßstab Kleinere Einheiten entwickeln schneller eine gegenseitige natürliche Kontrolle und schnelleren Zusammenhalt. Das gigantische Ausmaß der Wohnsilos des modernen Wohnbaus haben in vielen Ländern gezeigt, dass durch Anonymität die Degradierung und Gewaltbereitschaft zunimmt, da keinerlei Identifikation und wenig Nachbarschaft aufgebaut werden kann. Forcieren der Partizipation Die aktive Rolle der Bewohner in ihrem unmittelbaren Umfeld und die eigene Analyse ihrer lokalen Situation sensibilisiert für die Problematiken. Anforderung für die Planung ist auch hier entsprechender Raum als Treffpunkt und zur Administration gemeinsamer Maßnahmen. Der bloße Fokus auf offizielle Organe in der Vergangenheit hat viele negative Effekte gehabt, und hat selten mit den Ressourcen und dem Wissen der lokalen Bevölkerung agiert. Die Dynamik lokaler und partizipativer Organisationen, ob ziviler oder staatlich initiierter Natur, kann auch negative Folgen haben: Die Bildung eines „Wir und Unser“ fördert die Stigmatisierung des „Anderen“ und schließlich vertieft es die urbane Segregation. Beispiele für parapolizeiliche Maßnahmen wie die vigilancia barrial (vor allem in den USA unter neighbourhood watch bekannt), von den eigenen Nachbarn oder von privaten Firmen ausgeführt, kann die integrativen Fähigkeiten von öffentlichem Raum vermindern und den urbanen Raum weiter fragmentieren.

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Erhalten, Pflegen, Programmieren und Bewirtschaften von öffentlichem Raum Das umfasst auch teilweise eine Delegation staatlicher Dienste, also


ANALYSE öffentlicher raum

eine Kooperation öffentlich-privat des öffentlichen Raumes. In vielen Gegenden Caracas hat das Fehlen jeglicher staatlicher Organe den ohnehin knappen öffentlichen Raum mit einer Vielzahl von Funktionen beladen. Oftmals sind aber die integrativen Funktionen dem z.B. Verkehr, Handel also jeweils „potenteren“ raumgreifenderen Gruppen unterlegen. Ein sinnvolles Bewirtschaften umfasst auch eine Thematisierung und Programmierung des Raumes, der bestimmten Zonen auch „exklusive“ Nutzungen zuschreibt, diese dann auch konform der Nutzung gestaltet und so eine gewisse Funktion sichert. Als Beispiel: Kinder können nur in verkehrsberuhigten Gassen spielen d.h. ein Übereinkommen über eine temporäre Sperre der Strasse durch mobile Poller kann sehr viel verändern. Oftmals scheitern solche Vorhaben nicht an den Ressourcen, sondern an den Kompromissen, die die Gemeinschaft zu erzielen hat. Die Vorgangsweise des CTPED erfolgt in 4 Stufen. 1. Diagnose 2. Einfügen Image: Symbole für ein Erarbeiten eines Plans. 3. Ausarbeiten eines Aktionsplans, einer Strategie 4. Anwendung und Durchführung im Gebiet 5. Evaluation und Folgeprojekte EINIGE Interventionen

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Zonen und Hierarchien schaffen Der Druck auf den öffentlichen Raum sollte umgeleitet werden in die Schaffung sinnvoller Zonen in Rücksprache mit den Beteiligten. Die Zonierung sollte nicht die informellen, unsichtbaren Kräfte des Selbst-Regulierens verhindern, sondern schlichtend eingreifen, dort wo es zu räumlichen Konflikten kommt, um so Stück für Stück und mit wenig Mitteln zu dauerhafteren Lösungen zu gelangen. Informelle Händler sollten z.B. für ihren Standort Kupons erhalten und die Aussicht auf eine graduelle Eingliederung. (Geschäftslokal, Legale Sicherstellung) Die Zonen könnten mit Farben am Boden markiert werden. Verkehrs- und Aufenthaltsflächen sind freizuhalten. Die Händler sollten auch in die Müllentsorgung integriert werden, also auch schrittweise organisiert werden. Ein Repertoire von öffentlichen und halböffentlichen Räumen mit Bezug zu Gebäuden, Nutzungen schaffen. Die Schaffung von Räumen, die durch ihre Lage, Bezug und Nutzung klare Definition auch nach außen erhalten und sich nicht von der Umgebung abschotten.


Bei Bedarf können diese auch zu bestimmten Zeiten geschlossen sein. Der Bezug zum Außenraum ist selbst bei Geschäften sehr unüblich. Dennoch wird durch eine Öffnung halböffentlicher Gebäude zur Umgebung der Raum zoniert und durch diese Zugehörigkeit auch die eine gewisse Kontrolle geschaffen. Eine kommerzielle Nutzung sollte aber nur unter gewissen Umständen erlaubt sein, und die freie Zirkulation garantieren (als Beispiel Café). Nachrüsten von Beleuchtung Die Illumination verhindert Angsträume, schafft klar ablesbare räumliche Hierarchien auch bei Dunkelheit und verstärkt das Gefühl gesehen zu werden. Barrierefreiheiten gewährleisten Die Bewegungsräume schwächerer Mitglieder der Gesellschaft sollten überprüft werden. Neue Erschließungsmuster und Planungen auch an älteren, behinderten oder schwächeren Personengruppen orientiert werden. Aufenthaltsflächen schaffen Qualitative Aufenthaltsflächen schaffen, denn sie können auch die natürliche Kontrolle sicherstellen. Entgegen derzeitiger Entwicklungen sollten je nach Möglichkeit auch Mobiliar wie Bänke, Sitzmöglichkeiten, Schattierungen, etc. geschaffen werden. Die Aufenthaltsorte sollten aber gut sichtbar sein und die Umgebung von den Aufenthaltsorten gut einsehbar sein.

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Müllentsorgung organisieren Je nach Umfang der Maßnahme ist die visuelle und gesundheitliche Beeinträchtigung des Mülls nicht zu unterschätzen. Die Schaffung von Orten und dem Mobiliar für die Müllentsorgung muss aber einhergehen mit einer Sensibilisierung und einer Organisation, die aber ohne Unterstützung der Behörden und der Anbindung an regionale Versorgungsnetze kaum funktioniert. Ein informelles System könnte auch mit kreativen Strukturen und Anreizsystemen bestückt werden.


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รถffentlicher raum

ANALYSE


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analyse Fragmentierung Fragmentierung

ANALYSE


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prolog Caracas ist voller Kontraste. Es lassen sich diverse Anhaltspunkte für eine Stadt der Gegensätze finden. Es gibt schicke Wohntürme neben informellen Wohnsiedlungen. Starke sozialräumliche Differenzen, vielfältige Formen der Segregation: Edge Cities und Gated Communities (Condominios cerrados). Abgegrenzt wird nach sozialem Status, Bildung oder Herkunft. Traditionsreiche Country Clubs und Golfplätze mitten in der Stadt sind Zeugen einer historisch gewachsenen feudalen Kultur. Moderne Infrastrukturen separieren Gebiete und zementieren so soziale Unterschiede im städtischen Raum. Kurzum: Die sozialen Konflikte und Ungleichheiten werden im urbanen Raum ausgetragen. Die physische Struktur von Caracas spiegelt diesen räumlichen Kampf um Status, Macht und Symbolik wider. Im folgenden Kapitel werden diese Tendenzen anhand verschiedener Schwerpunkte charakterisiert. Die Themen werfen Schlaglichter auf verschiedene Problematiken, die zum Gesamtphänomen der Fragmentierung in der Stadt in unterschiedlichen Ebenen beitragen: Die Geschichte der Stadtentwicklung in Lateinamerika zeigt die Dauerhaftigkeit der sozialen und räumlichen Konflikte, die gerade in Venezuela durch die reichen Erdölquellen besonders stark ausgeprägt sind. Diverse Modelle beschreiben von der Kolonisation bis zu Deregulierung und Neoliberalismus die Auswirkungen für die Stadt. Die Restruktierung der öffentlichen Dienste, deren Planung und Finanzierung, die zunehmende Kriminalisierung zwang und zwingt viele zur Neudefinition ihres Verhältnisses zu Staat und Gesellschaft. Gemeinsame Anliegen von Sicherheit und funktionierender urbaner Einrichtungen werden nun „gemeinschaftlich“ oder privatisiert gelöst. Staat und Stadt erhalten wenig Vertrauen zur Lösung der Probleme. Wer es sich leisten kann, nimmt die Annehmlichkeiten der privaten Dienste war, seien es Bildung, Wohnen, Sicherheit, Müll etc. Diese strukturelle Abgrenzung verschärft die Segregation. Eine dauerhafte Auswirkung auf das stadträumliche Gefüge ist durch die Regierung unter bis jetzt Chávez nur ansatzweise zu erkennen. So gibt es z.B. neue Ansprüche, die die etablierte Ordnung untergraben: Maßnahmen wie Hausbesetzungen und Enteignungen werden ernsthaft diskutiert und selbst von führenden Politikern als Mittel zu Gerechtigkeit gefordert. Eine besondere Rolle spielt in Caracas die administrative Situation, die einen intermunizipären Ausgleich und eine gemeinsame visionäre Stadtpolitik und -entwicklung kaum zulässt und deshalb eine starke Spaltung innerhalb der Stadt erzeugt. Die östlichen Bezirke


ANALYSE Fragmentierung Die Siedlung Manzanares im Süden von Caracas

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beherbergen die finanzielle und globalwirtschaftliche Seite der Stadt und somit die reichere Bevölkerung. Dort befinden sich die wirtschaftlichen Schaltstellen, die postmodernen Einkaufszentren, Multiplexkinos und privaten Universitäten. Der westliche Teil summiert die meisten öffentlichen Einrichtungen wie Regierungsgebäude, Verwaltung, öffentliche Schulen und Universitäten, Theater, Museen und das historische Zentrum. Die Summe der Einflüsse führt meist zum Schluss, dass für Architekten und Städtebauer wenig Handlungsspielraum sei und der wirkliche Fokus in der politisch-administrativen Neukonstruktion zu finden wäre. Dennoch haben die Planer einen unmittelbaren Einfluss auf die Entschärfung der räumlichen Konflikte. Sie können einerseits durch Aufklärung und Analyse andere Bilder für Medien, Bürger und Politiker liefern, anderseits durch reflektierte Objektplanung Extremsituationen vermeiden und ihren Beitrag zu einem Ideal einer einschließenden Stadt (inclusive city) beitragen. Raum für Visionen ist in diesem Kontext kaum vorhanden und selbst pragmatische Konzepte muten oft sehr unrealistisch an. Die weltweite Konzentration auf „städtebauliche Modelle“ der USA und die Fixierung auf Rentabilität für Investoren und Individualverkehr sollte vielfach auf ihren Beitrag zur Verschlimmerung der Situation hinterfragt werden. Die „Nachhaltigkeit“ und „Umwegrentabilität“ integrativer Konzepte sollte nicht in Hinblick auf kurzfristige Interessen diskutiert werden.


Räumliche Modelle der segregation Caracas ist seit jeher und in unterschiedlichen Maßstäben geprägt von räumlicher Segregation und großer sozialer Ungleichheit. Dennoch haben sich die Auswirkung auf die das physische Stadtbild und ihre räumliche Konfiguration immer wieder verändert. Verschiedene Autoren beschreiben die Veränderung im historischen Verlauf und ihre Physiognomie. (Borsdorf 2003, Ford 1996, Griffin, Ford 1980, Borsdorf 2003, AUTOREN) Signifikant sind die Parallelitäten der Entwicklung auf dem gesamten lateinamerikanischen Kontinent. Der Einfluss Europas und der USA lieferten die jeweiligen städtebaulichen, ökonomischen Visionen und Ausrichtung. Der kurze historische Überblick zeigt einen idealtypischen stadt-geographischen Zugang, natürlich gibt es eine Überlagerung und eine Gleichzeitigkeit der beschriebenen Prozesse. Die Komplexität der Stadt wird durch die Modellierung der Analyse des sozialen Verhaltens gezeigt (Janoschka 2004), ausgehend von den urbanen Modellen der Chicagoer Schule. Die historischen Abschnitte werden im Kapitel Caracas genauer erläutert. Hier werden nur die direkten Auswirkungen auf die Segmentierung des Raumes beschrieben. Historischer Überblick der segregation

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Koloniale Epoche Die königlichen Instruktionen durch die Ley de los Indios für die Gründung der Städte sieht die Platzierung der wichtigsten Funktionen der Stadt um den zentralen Plaza vor (siehe auch Kapitel Öffentlicher Raum). Damit ist eine urbane Kompaktheit geschaffen und der soziale Status drückt sich durch Nähe zum Plaza aus. Die großen kolonialen Händler und Konquistadoren, die Aristokratie, Funktionäre der spanischen Krone gefolgt von den Handwerkern und der Mittelschicht (vgl. Borsdorf 2003). An der Peripherie gruppiert sich die unterste Schicht. Die vorhandenen Reste indigener Kultur sind in Caracas verschwunden oder unsichtbar in die Stadt integriert. In Caracas ist diese präindustrielle Substanz im Gegensatz zu anderen lateinamerikanischen Ländern sehr gut erhalten, unter anderem auch deshalb, weil die kolonialen Reichtümer in Venezuela begrenzt waren und die Stadt erst mit der Ausbeutung des Erdöl eine explosionsartige Entwicklung fand. In einiger Entfernung befinden sich bis heute noch einige der großen kolonialen Haciendas, die alle erst viel später ins Stadtgebiet integriert wurden und sich deutlich von der Hoftypologie des urbanen Zen-


Erste Phase der Urbanisierung – Die Lineare Stadt Die Unabhängigkeit ersetzt auch das strenge koloniale Stadtbild mit den Einflüssen europäischer Städtebaupraxis. Eine erste Migrationswelle bringt diese Neuerungen aus Europa mit. In der Stadt werden u.a. in Anlehnung an den Pariser Klassizismus und die Umstrukturierung mit Boulevards des Baron Haussmann verschiedene Achsen mit Infrastruktur angelegt, die eine Entwicklung entlang dieser Straßen und Eisenbahnzüge vorantreibt. Der Fokus bleibt trotzdem ein stark kolonial geprägter: In dieser Zeit wird z.B. unter Guzman Blanco eine Eisenbahnlinie zum karibischen Hafen von La Guaira gebaut, um landwirtschaftliche Güter für den interkontinentalen Export zu bewegen. Die urbane Elite suchte die Inspiration und Nähe zum europäischen Ausland. Diese neuen Projekte und die ersten industriellen Ansiedlungen wurden installiert, ohne viel an der bisherigen Struktur zu verändern. Es gab wenig Migration ländlicher Bevölkerung in die Stadt. Das konzentrischen sozialen Modell lässt sich durch die Entwicklung an Achsen fortsetzen.

ANALYSE Fragmentierung

trums unterscheiden. Der offene Typus ergibt, rundherum von Kolonnaden gesäumt, eine breite sonnengeschützte Veranda mit Blick auf das Anwesen. Die Arbeiter und Sklaven siedelten sich in einiger Entfernung zur Hacienda oder Quinta an, oft wohnten Bedienstete auch mit den Hausherren unter einem Dach.

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Zweite Phase der Urbanisierung – Die polarisierte Stadt Die größte Veränderung der Stadt Caracas findet ab den 20er Jahren statt. In dieser Zeit beginnt die Zeit des Erdölexports, und damit eine völlige ökonomische Neuorientierung. Die Migration in die Stadt durch die Landbevölkerung und der alten Welt lässt die Stadt förmlich explodieren, innerhalb weniger Jahre verdreifacht sich die Bevölkerung. Das Erdöl ist viel ertragreicher als die Landwirtschaft, die Landarbeiter aber auch die Eliten der ländlichen Gebiete ziehen in die Städte. Die Entwicklung nach innen, die sog. Importsubstituierende Marktwirtschaft, die in den meisten anderen lateinamerikanischen Ländern zum gängigen Vorbild wird, findet in Venezuela durch das Erdöl nur begrenzt statt. Es kommt zu einer deutlichen Polarisierung: Eine neue Elite profitiert sehr deutlich von den Erdölgeschäften. Sie siedelt sich zunehmend an den Stadträndern an und nutzt die Mobilität des privaten Automobils, welches zunehmend zum städtebaulichen Dogma wird. Es entstehen suburbane Viertel. Dabei orientiert man sich an US-amerikanischen Idealen. So werden zum Beispiel sog


Caracas: strukturelle Stadtentwicklung und räumliche Segregation

KOMPAKTE STADT Koloniales Muster

SEKTORALE/LINEARE STADT Primärindustrielle Phase

ABSTRAKTE DARSTELLUNG

LEGENDE

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PERIODE

STÄDTISCHES ZENTRUM DORFZENTRUM INDUSTRIEZONE

INFORMELLE QUARTIERE

MALLS, ENTERTAINMENT CENTER, BUSINESS PARK

1500-1870

1870-1920

STRUKTUR

Zentrum - Peripherie

Linearität, Achse

BEWEGUNG

Esel, Pferd, Mensch

Eisenbahn, Strassenbahn

SYMBOLE

Platz, Kirche, Rathaus

Boulevard, Bahnhof

ARCHITEKTUR

Renaissance, Barock

Klassizismus, Historizismus


ANALYSE

FRAGMENTIERTE STADT Deregulierung, Entstaatlichung

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Fragmentierung

POLARISIERTE STADT Stadtwachstum, Industrialisierung

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MITTEL- UND OBERSCHICHT

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UNTERSCHICHT

GATED COMMUNITIES GOLF CLUBS

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SOZIALBAUTEN

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1920-1970

1970-

Dualit채t, Polarisierung, Zonierung

Fragmentierung, Kleinzentren

Busse, Auto

Auto, Bus, Metro, Telekommunikation

Moderne Bauten, Interurbane Autobahnen, Barrios

Gated Communities, Malls, Business Parks

Moderne

Postmoderne, New Urbanism

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G

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Country clubs nach Venezuela importiert, die ein quasi-ländliches Leben in der Stadt installieren und eine von der Außenwelt abgeschlossene Enklave bilden. Die gewaltigen Kontraste der armen und reichen Stadtteile spiegeln die moderne industrielle Stadt wider, simplifizierend eine Dichotomie der Besitzenden und der Habenichtse und arbeitenden Bevölkerung. Die weniger privilegierten Massen verdichten die vorhandene Baustruktur und errichten marginale Viertel. Um dem Druck der Wohnmisere standzuhalten versucht der Staat einerseits repressiv gegen marginale Wohnviertel vorzugehen, andererseits werden große soziale Wohnbauten und Einrichtungen für Kultur und Bildung errichtet. Räumlichen Struktur kommt es vor allem zu einem zellularen Wachstum in peripheren Gebieten (vgl. Borsdorf 2003). Eine zunehmende Ausbreitung der Barrios und der suburbanen Teile, die unabhängig von urbanen Zentren wachsen.

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Restrukturierung – Die fragmentierte Stadt Die Deregulierung und Privatisierung, die mit der neoliberalen Wende ab den 80er Jahren auch in Venezuela als Antwort auf die Staatsverschuldung Einzug erhielt, brachte eine Reihe von gravierenden Veränderungen in der Dynamik der Städte. Verschiedene staatliche Einrichtungen und Services wurden nun Stück für Stück privatisiert. Es wurden wichtige Funktionen „veräußert“, also vom staatlichen Monopol den freien Marktkräften ausgesetzt, um damit Innovation und Investitionen auszulösen, und das staatliche Budget zu entlasten. Die neuen Paradigmen werden in vielen Ländern angewandt, vor allem dem Beispiel Großbritanniens unter Thatcher und Chiles unter Pinochet folgend. Die Freigabe von Trägern und Institutionen von Energie, Infrastruktur, Bildung, Sicherheit, Gesundheit, Planung und Marktregulierung vermindern die staatlichen Kompetenzen und schaffen neue kompetitive Akteure. Die fehlenden Regulative haben in vielen Ländern zu einer Verschärfung der ohnehin sehr ungleichen sozialen Situation geführt. Viele Güter werden für die ärmere Bevölkerung nicht mehr leistbar. So wurde auch öffentliche Sicherheit zum Marktgut und folglich für viele nicht mehr leistbar (Altvater 2005). Vor allem im urbanen Raum haben diese neuen Akteure zu einem Umbau geführt, mehr gezeichnet von Einzelmaßnahmen als durch Homogenität. Die bisher vereinfacht gesagt polarisierte Stadt wird zunehmend „fragmentiert“, d.h. viele der neuen Elemente und Funktionen separieren mehr als sie verbinden, und das auf viel kleineren Maßstäben. Viele Autoren beschreiben Auswirkungen auf den urba-


ANALYSE Fragmentierung

nen Raum, die Dynamiken folgen fast weltweit ähnlichen Mustern, sind jeweils lokal unterschiedlich stark ausgeprägt. (vgl. Baires, Lungo 2001; Montilla; Altvater 2005; Graham, Marvin 2005; Janoschka 2004; Borsdorf 2003; Fiedler 2004 etc.). Im Wesentlichen lassen sich die Dynamiken zu folgenden Phänomenen zusammenfassen: Von Gated Communities bis zu Edge Cities v.a. für die obere und mittlere Klasse. Die in den Urbanisierungen integrierten Funktionen werden immer vielfältiger, die Flächen immer größer. Teilweise wachsen diese Enklaven bis zu kleinen Städten an. Malls, Shopping Centers und Urban Entertainment Center entstehen im ganzen Stadtgebiet in zunehmender Ausdehnung. Die zunehmende Bedeutung der Mobilität. Verkehrsinfrastruktur wird favorisiert für das individuelle Automobil geschaffen, damit wird die Suburbanisierung vorangetrieben, auch der Produktionseinheiten. Folglich ist die Nähe zu Autobahnabfahrt maßgeblich für die Entwicklung. Die zunehmende Unsicherheit im privaten wie öffentlichen Raum kurbelt die Abschottung an. Stichwort: Fortress cities (Mike Davis)

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Von Gesellschaft zu Gemeinschaft Das Hauptmotiv für die Abschottung von der Öffentlichkeit ist die Unsicherheit. Die modernen städtischen Ideale einer offenen bürgerlichen Gesellschaft finden damit ihr Ende, denn diese Prinzipien von Segregation und Isolation verweigern die freie Bewegung, die anonyme Begegnung mit anderen Personen aus anderen Schichten. Diese undemokratische Entwicklung fördert Konflikte eher und trägt zu einer Verschärfung und Beschleunigung der Segregationsprozesse bei. (vgl. auch Irazábal 2005) Diese Entfremdung und Trennung ausgelöst unter anderem durch fehlende öffentliche Sicherheit erzeugt als Gegensteuerung „Gemeinschaften“, um einerseits Interessen zu teilen, andererseits ein Fremdwerden zu verhindern. Im Sinne von Ferdinand Tönnies sind derzeitige Entwicklungen wie Gated Communities eine Rückkehr zu „Gemeinschaft“ entgegen der modernen und industriellen Konstruktion von „Gesellschaft“. Zu entsprechend „funktionierenden“ Gemeinschaften, die auf ausreichende Gemeinschaftsinfrastruktur oder staatliche Unterstützung zurückgreifen können, zu gehören, ist hauptsächlich eine Frage von Finanzkraft und in weiterer Folge sekundärer Hierarchien wie Bildung, Lebensstil, Herkunft, Familien, Klasse, Mobilität etc. Viele Gemeinschaften und Assoziationen formierten sich aus der notwendigen Sicherheit, und werden um vieles ergänzt, was städtische Services sind.


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Das Schliessen von Strassen. Das Errichten von Mauern. Viele reichere Viertel in Caracas wurden seit den 80er Jahren – vor allem nach dem sog. Caracazo - in konsequenter Weise mit verschiedensten Sicherheitseinrichtungen nachgerüstet. Elektrozäune, Mauern, Stacheldraht, Gitter, Überwachungskameras und Sicherheitspersonal sind prägend für das Stadtbild von Caracas. Das private Sicherheitsgeschäft boomt seit vielen Jahren und ist zu einer absoluten Notwendigkeit in jeder Siedlung geworden. Selbst weniger wohlhabende und informelle Viertel haben ihre Sicherheitsmaßnahmen intensiv aufgestockt. Dort wo die Mittel nicht ausreichen, verfolgen informelle Netzwerke das Geschehen im Viertel. Nachbarschaftsvereine koordinieren die Sicherheitsmaßnahmen. Auch ehemals offene angelegte Siedlungen wurden in den letzten Jahrzehnten zu Zonen, die von der Außenwelt abgeschlossen sind. Dort, wo es möglich war, hat man die Zufahrtsstrassen geschlossen oder den Durchzugsverkehr durch viele Schranken gedrosselt. Das betrifft vor allem die weniger dicht besiedelten Stadtteile, die von der Mittel- und Oberschicht bewohnt werden. Man bewegt sich im individuellen Auto und weist sich im Einfahrtsbereich der Siedlung aus. Oft haben Siedlungen bereits kleine Parks, Gemeinschaftsorte wie Kindergärten, Läden, Versammlungsräume, Sportplätze in ihr Territorium integriert, zu denen Fremde, auch wenn sie unmittelbar in der Nachbarschaft wohnen, kein Zutritt gewährt wird. Damit entstehen große „nachgerüstete“ Gated Communities wie Prados del Este, Terrazas del Club Hípico, Manzanares. Sie sind die Vorbilder für weitere Wohnbauten im erweiterten Stadtgebiet. Neu angelegte Siedlungen beinhalten stets eine Basisinfrastruktur an Gemeinschaftseinrichtungen. Viele Straßensperren und Sicherheitsboxen an öffentlichen Zufahrtstrassen sind allerdings illegal oder informell errichtet worden und die Nachbarschaften versuchen im Nachhinein, eine Legitimation zu bekommen. 1994 wurden bereits 340 private Zufahrtskontrollen eingerichtet, 480 waren es 1997 und es werden laufend mehr (García, Villá 2001). Viele informell eingerichteten Sperren verletzen das geltende konstitutionelle Recht auf freie Bewegung, Sicherheitsleute hätten auch oftmals kein Recht, die Ausweise der Passanten zu kontrollieren, deshalb hat z.B. der Munizip Baruta einen Formalisierungsprozess entworfen: Es muss nachgewiesen werden, dass die Maßnahme von einer Mehrheit der Anwohner befürwortet wird, eine legale Gemeinschaft gegründet wird (z.B. ein Verein), der örtliche Verkehr nicht wesentlich beeinträchtigt wird und die Infrastruktur in die Umgebung


ANALYSE Fragmentierung

städtebaulich gut eingebunden ist. Verschiedene Einrichtungen der Stadt wie Polizei, Verkehrsplanung, Stadtplanung usf. müssten der Maßnahme zustimmen. In Wirklichkeit aber sind die meisten Sperren und Hütten zum Zeitpunkt einer Einreichung bereits errichtet, mündlich „abgecheckt“ oder es wird das geringe Risiko der Intervention der städtischen Behörden einkalkuliert. (vgl. García, Villá 2001) Sehr oft werden einzelne Kontrollhütten um Schlafräume für das Sicherheitspersonal erweitert, somit findet man auch in legalen Siedlungen Phänomene informellen Wachstums auf öffentlichem Grund.

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„Die Nachbarn von La Urbina pflegen die Straßen mit deren Schließung“ Ein Einwohner meint: „Wir ertragen lieber die Verkehrsstaus, die sich jeden Tag bilden werden durch die Sperre der Straße, als dass sie uns töten und entführen“ (El Universal am 15.10.07)


Der Blick aus einem Viertel bei Palo Verde Richtung Petare Norte. Im Vordergrund eine Flachbausiedlung, anschliessend Wohnhochhäuser, dahinter informelle Quartiere.

v

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Bemerkungen zur Administrativen Situation Die administrative Situation in Caracas fördert die ungleiche Entwicklung der Stadtgebiete. Die Kompetenzen in der Stadt sind auf mehrere Bundesstaaten, Munizipe und Parroquias aufgeteilt. Die Einnahmen werden nicht aufgeteilt, sondern bleiben lokal im Gebiet. Es gibt keinen Haushaltsausgleich. Damit kommt es zur sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen von reichen und ärmeren Gegenden in der Stadt. Die Gebiete Chacao und Baruta und El Hatillo zählen zu den reichsten Stadtvierteln und verfügen dabei über gut ausgestattete (kostenlose) Gesundheitsversorgung, Bildungseinrichtungen, Sicherheitsapparate, Müllentsorgung, Bewirtschaftung der öffentlichen Räume und andere öffentliche Services. Anderen Gebieten mangelt es an fast allen dieser Services. Die Schwierigkeit liegt damit auch in den unterschiedlichen Interessen der einzelnen Gebieten und Unmöglichkeit einer gemeinsamen Vision der Stadtentwicklung. Die Asociación Plan Estratégico Caracas versuchte schon seit den 90er Jahren zusätzlich zur munizipalen auch eine metropolitane Administration zu schaffen. Dem Bündnis


ANALYSE Fragmentierung

schlossen sich verschiedenste Einrichtungen und private Organisationen an. Nach einer Abänderung der Verfassung im Jahr 2000 wurde ein Gesetz zur Schaffung der Verwaltungseinheit „Metropolitaner Distrikt“ erlassen. Damit wurde der Grundstein zu einer überregionale Planungseinheit der metropolitanen Region Caracas gelegt. Im Folgenden wurde aber durch die politischen Umbrüche der Graben zwischen den einzelnen Stadtteilen immer größer. Das Oberbürgermeisteramt wurde Juan Barreto von der Partei Chávez zugesprochen. Die Bürgermeister der reicheren Munizipe reagieren auf Vorschläge mit Widerstand. Besondere Schlagzeilen machte der Oberbürgermeister mit der Duldung von Hausbesetzungen und dem Vorschlag, den Country Club, den traditionellen Golfclub inmitten der Stadt, für Sozialwohnbauten zu enteignen. Der Widerstand auch in den eigenen Lagern verhinderte aber das Vorhaben.

Bewohner fordert die Enteignung eines Wohngebäudes

BUNDESSTAAT VARGAS

PETARE

CHACAO

HAUPTSTADTDISTRIKT LIBERTADOR

SUCRE

BARUTA EL HATILLO

METROPOLITANE ZONE CARACAS

BUNDESSTAAT MIRANDA BEZIRK PARROQUIA

GEMEINDE BUNDESSTAAT MUNICIPIO ESTADO

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Überblick über die wichtigsten administrativen Einheiten in Caracas


Ansätze für Planung Aufgaben in diesem Kontext für die Architektur zur Verbesserung der lokalen Bedingungen. Beispiele: Schaffen und Integration von zugänglichem öffentlichem Raum Auf die Schnittstellen zwischen Innerhalb und Ausserhalb achten, den Komplex nicht nur von „innen“ planen 

Advokat für die räumlich schwächeren Gruppen

Hinterfragen von Aufträgen und ihrem Impact

 

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Sozialräumliche Entschädigungsmaßnahmen einfordern oder einplanen Klären und analysieren der Zusammenhänge Soziale oder gemeinschaftliche Kontrolle statt Überwachungskameras und bewaffnetes Sicherheitspersonal Visuelle Abschreckung vermindern, keine Festungen, undifferenzierte Glastempel Zugänge auch für weniger privilegierte komfortabel errichten: Öffentliche Anbindung, Eingänge, etc.

Räume schaffen, die neutral sind. Eingangsbereiche

Identitäten stärken, Ideale umkehren, Symbolik umkehren.

...


ANALYSE Fragmentierung 97

Dienstmädchenzimmer Küche als Schnittstelle

Panoptikum diverser geplanter und ausgeführter (Wohn)projekte, privat finanziert, abgeschlossene Welten, Erschließung stets mit dem eigenen PKW, gemeinschaftliche Infrastruktur. Viele der Wohnungen beinhalten auch die Unterbringung von Dienstmädchen. Unten: Einkaufszentren Diverse Quellen: Homepages der Konstrukteure, Architekten, Skyscrapercity.com, Eigene Aufnahmen.


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analyse infrastruktur INFRASTRUKTUR

ANALYSE


Stadtautobahn Francisco Fajardo

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Prolog, Was ist infrastruktur Der Begriff der Infrastruktur beschreibt unterschiedliche Bereiche städtischer Planung. Grundsätzlich wird von verschiedenen Autoren soziale und technische, oder weiche und harte Infrastruktur unterschieden. Weiters wird in diesem Zusammenhang oft von Urban Services, also städtischen Services gesprochen. Im folgenden wird verstärkt auf die tragende Rolle der Verkehrsplanung eingegangen, weil in Caracas das Automobil lange als Lösung und Ideal städtischer Eingriffe gegolten hat. In Caracas wurden einige utopische Projekte implementiert.


Informelle Quartiere unterscheiden sich von umliegenden integrierten Gebieten sehr oft durch das Fehlen von Infrastruktur. Die mangelhafte Versorgung mit Gütern wie Trinkwasser, Elektrizität, Telekommunikation, ein fehlendes Abwassersystem oder Abfallnetzwerke, ein fehlendes Schul- und Krankensystem, schlechte Verkehrsanbindung stellen die Realität für viele Einwohner dar. Das Infrastrukturdefizit spiegelt die stiefmütterliche Behandlung im städtischen Raum wider, die informelle Quartiere von Stadtverwaltungen über viele Jahrzehnte erfahren haben, vorrangig durch die Marginalisierung in illegale Zonen und der einhergehenden Rechtfertigung durch die Behörden. Deshalb setzen die Ziele internationaler wie lokaler Programme und Projekte gerade in der Verbesserung der Infrastruktur an. Sog. Upgrading Projekte versuchen Zonen, zu verbessern, indem sie vorrangig die Versorgungs- und Verkehrslage aufwerten, um damit eine Integration in die Stadt in Gang zu bringen und städtische Services auch an entlegeneren Orten leistbar zu machen. Die Bereitstellung sozialer Netze und Versorgung ist im Gegensatz zur geplanten Stadt nicht gegeben. Die städtische Planung hat als eine ihrer Kernkompetenz die Planung der Infrastruktur, ihre Hierarchisierung und Distribution. Strassen, Plätze, Schulen, Abwasserkanäle werden eingerichtet, bevor es zu einer Urbanisierung kommt. Es werden die Strukturen geschaffen, an denen sich dann die einzelnen Häuser andocken. In informellen Quartieren läuft diese Entwicklung in umgekehrten Bahnen: Zuerst wird das Gebiet besiedelt, vorrangig wird in die private Behausung investiert, erst später und schritt für schritt wird die grundlegende Infrastruktur geschaffen. Die zähe Konsolidierung eines Gebietes passiert aber nicht linear und folgt homogen gewissen Musters, vielmehr gibt es eine Gleichzeitigkeit verschiedener Stadien. Die unterschiedlichen Entwicklungen spiegeln stark die Situation der Einwohner wider und dem Grad, sich zu organisieren. Die vielen Schwierigkeiten für eine ausreichende Versorgung des Gebietes zu sorgen liegen lassen sich auf 3 Hauptkriterien zusammenfassen:

ANALYSE INFRASTRUKTUR

Infrastruktur und informelle Quartiere

Die Bewohner müssen

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… sich selbst organisieren Die Koordination und Organisation, die die gemeinsame Einrichtung verschiedener Infrastrukturnetze bedarf, erfordert eine starke Bereit-


schaft zum Konsens. Unter den gegebenen Umständen ist es für eine Nachbarschaft sehr schwierig, teure Maßnahmen zu koordinieren. Deshalb werden die teureren und intensiven Infrastrukturmaßnahmen wie die Befestigung von Strassen oder die Errichtung eines Abwasserkanals nicht zustande gebracht. In vielen Gebieten erleichtern Gemeinsamkeiten wie Herkunft, Schicksal, Familie die Bereitschaft, auch in der Gemeinschaft für andere zu investieren. Dennoch gleicht oft eine gewaltige Summe von Einzelmaßnahmen Defizite aus. Die Strom- und Wasserversorgung ist in vielen Quartieren von offiziellen Leitungen illegal abgezweigt. Die oft abenteuerlichen elektrischen Verteiler spiegeln die vielen Einzelmaßnahmen wider. Dennoch ist es die fehlende Koordination und Organisation die die Versorgung mit Basisinfrastruktur oft deutlich teurer macht, als es in den umliegenden Gebieten der Fall ist.

Improvisierte Beleuchtung

… die Maßnahmen selbst finanzieren Die oft prekäre Situation der Einwohner reduziert die Möglichkeit, in wichtige gemeinsame Infrastruktur zu investieren. Die Arbeiten können nur bei einem relativen Wohlstand errichtet werden und beschränken sich sehr oft auf kleinen Veränderungen. Ein gesamtes Netz kann kaum ohne behördliche und fachliche Unterstützung geplant werden. Deshalb geruhen die vielen Einzelmaßnahmen ab einer gewissen Größe zum Kapazitätsproblem, dessen Behebung sehr schwierig und kostspielig ist. Sehr deutlich wird dieses Prinzip bei gemeinsamen Versorgungsleitungen: Falls ein Glied in der Kette die Anlage z.B. der Rohre zu schwach dimensioniert, wird das ganze System darunter leiden und bei zunehmender Größe die Versorgung immer schwieriger werden.

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Die offiziellen Stellen fühlen sich nicht zuständig oder sind kaum involviert Der Staat oder die Stadt reagierten stets zögerlich oder überhaupt nicht. Deshalb haben viele Barrios im Stadtgebiet von Caracas sämtliche Versorgung ohne jegliche offizielle Hilfe erbaut und eingerichtet. Es gab über lange Zeit wenig politisches Interesse an einem Upgrade der informellen Siedlungen. (Zu staatlicher Reaktion siehe auch Kapitel Barrios und Wohnen) Politische Versprechungen enden zumeist nach der Wahl. Die Illegalität ist ein Hauptmotor der Negation der Behörden zu einer Zusammenarbeit oder einer Bereitstellung. Der andere sind die Kosten. Eine Versorgung eines voll besiedelten Gebietes mit Infrastruktur, oft erschwert durch besonders labile Hanglage, ist deutlich teurer, als neues Land zu erschließen. Deshalb gibt es immer


ANALYSE INFRASTRUKTUR

viele Stimmen, die eine Neuanlage oder ein Verlagern der Quartiere fordern. Die Rolle des Staates als Anbieter der öffentlichen Güter hat sich im Zuge der Deregulierung und Liberalisierung weiter verringert. Staatliche Leistungen wie Schulversorgung, Straßenbau, Öffentlicher Verkehr wurden immer weiter privatisiert und die Versorgung wird damit immer profitorientierter. In Venezuela hat wie in vielen anderen Ländern Lateinamerikas die Freigabe an den Markt die Querfinanzierungen und Querförderungen unterbunden, also einen gewissen räumlichen Ausgleich. Die Vorgabe an den Staat, universell alle mit den nötigen Kommoditäten zu versorgen, fand mit der neoliberalen Wende sein Ende. Die Planung und die Versorgung mit Infrastruktur beschränken sich zunehmend auf Teilgebiete, die auch Gewinne versprechen. In Gebiete, die nicht lukrativ sind, wird auch nicht investiert. Der Staat in Venezuela ist aber in vielen Gebieten ohnehin seinen Zielen nicht nachgekommen, hat stets reichere Gebiete bevorzugt oder hat mit einer nicht bedarfsgerechten Einrichtung am Ziel vorbei gearbeitet.

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Private Akteure agieren zögerlich Der Anreiz für Konzerne und private Firmen in Infrastruktur in Barrios zu investieren, ist sehr gering. Die Bevölkerung ist oft nicht genug kaufkräftig. Zusätzlich ergibt sich in marginalen Gebieten mit Infrastruktur eine eindeutige Monopolsituation, die die Investitionen verringert und die Preise deutlich höher ansetzen lässt. In Caracas sind viele Barrios an den Hängen gelegen und diese bedürfen für eine Versorgung großer Investitionen, aber wenig Chance auf Profit abwerfen. Dennoch hat in Caracas im Laufe der letzten Jahre die verbesserte ökonomische Situation der Bewohner der Barrios dazu geführt, dass zunehmend in die informellen Quartiere investiert wird. Das geschieht weniger durch direkte Investition großer Konzerne in umfangreiche Baumaßnahmen sondern der breite Förderung einzelner Akteure und ihren Ideen und Konzepten. Ein System der Mikrofinanzierung befähigt zunehmend private Dienstleister, die Versorgung in ihrem Barrio zu verbessern und damit zu einer Steigerung der Lebensqualität beizutragen. Die Bereitschaft, in innovative Einrichtungen und Personen in den informellen Quartieren zu investieren, steigt mit der finanziellen Kaufkraft und dem Know-how, das ortsansässige mitbringen. Als Beispiel für eine Einzelmaßnahme beschreibt Wurm (2008, S. 46) ein Mietservice für Waschmaschinen. Die Waschmaschinen wer-


den über die verzweigten Stufenanlagen vom Unternehmer zu den Häusern getragen und dort für einen oder mehrere Tag angeschlossen. Einerseits werden kleine Leistungen angeboten, für Haushalte, die sich keine Waschmaschine leisten können, andererseits ersparen sich die Familien den alternativen beschwerlichen Weg in das Tal zum Wäscheservice. Der Unternehmer wird in Form eines Kleinkredits, durch den er eine Reihe von Waschmaschinen finanziert hat, unterstützt. Dies ist ein Beispiel dafür, wie unter schwierigen Bedingungen die Versorgung verbessert werden kann. Diese Einzelmaßnahme demonstriert, wie auch durch Finanzierung und Förderung von außen, die Lebenssituation innerhalb des Barrios verbessert werden kann, und damit auch die Einwohner gefördert werden können. Die zunehmende Sicht des Barriobewohners als Konsumenten wirkt insofern förderlich. Dennoch sind die großen Defizite der Versorgung nicht ohne entsprechende Planung und Finanzierung durch die Behörden zu organisieren. Gesundheit, Bildung und Verkehr benötigen eine umfangreiche Strategie, deren Ziele nicht mit Einzelmaßnahmen zu erreichen sind, die Beteiligung von Professionisten, offiziellen Akteuren und die sinnvolle Einbindung privater Akteure. Nur so kann eine Versorgung auch gewährleistet werden.

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Neuanlage Stadtautobahnen (CaracasVirtual)


ANALYSE INFRASTRUKTUR

Die moderne technokratische Stadtplanung und ihr Vertrauen in Fortschritt und Entwicklung hat wesentlich das Caracas von heute geformt. Der große Wachstumsschub der Stadt geht konform mit der Entwicklung der Modernisierungstheorien, als Antwort auf die gesellschaftlichen Verwerfungen, die Venezuela ab den 20er Jahren angetrieben durch den gewaltigen Erlös durch das Erdöl zu einer gewaltigen Veränderung des Landes führten. Die Repräsentation der Moderne war das Auto und die Autobahn, das Flugzeug und der Flughafen, die geordnete Stadt unterteilt in Zonen, sozialutopische Wohnbauten in serieller Produktion. Parallele Entwicklungen informeller Siedlungen und sozialer Missstände wurden einfach ignoriert oder galten als temporäre Phänomene, die sich einer fortlaufenden Modernisierung geregelten Siedlungen und homogenen Sozialstrukturen fügen sollten. Als konsequente Reaktion wurde Städtebau disziplinär und paternalistisch angewandt, um Gebiete zu reinigen und neu auszurichten. Die Investition in reichere Kerngebiete sollte mittels einem „trickle-down“ – einem „Durchsickern“ auf andere Gebiete - verarmte Peripherie aufwerten. Stadtautobahnen sollten die Stadt ordnen und hierarchisieren, die Stadt sollte Bewegung sein, angetrieben durch das Automobil, angefeuert durch den reichlich vorhandenen Kraftstoff, Benzin (Graham, Marvin 2005, S. 111). Die Stadt Caracas ist Beispiel für den Glauben an das Automobil und eine fehlgerichtete Stadtplanung. Der Euphorie folgte nämlich bald die Realität und das Automobil ist im heutigen Caracas noch immer das dominierende Fortbewegungsmittel und folglich Verursacher von Staus und Verstopfung. Die Folgen der kurzsichtigen Planung werden noch lange auszubaden sein. Die moderne Planung erweist sich als perfekt für die Produktion von Ungleichheit: Stadtautobahnen, die die Nachbarschaften teilen und unüberwindbare Grenzen schaffen. Sie beschneiden, ähnlich wie Robert Moses New York behandelt hat, ganze Gebiete ihrer Kommunikation, trennen gewolltes von ungewolltem. Die Privilegien eines privaten Automobils und der damit gewonnenen Freiheit bevorteilen vor allem die oberen Schichten, und schaffen damit die Grundlage einer Planung, die nur für die Gewinner aus dem Erdölgeschäft taugt. Die Mehrheit der Einwohner wird über Jahrzehnte kein Automobil besitzen, um diese Investitionen angemessen nutzen zu können. Die Stadtautobahnen selektieren, hierarchisieren und favorisieren Gebiete durch die Anordnung der Ausfahrten. Dieses segregierende Transportsys-

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Moderne Stadtplanung


Plan Regulador, 1951 (Urbina 2005, S. 4)

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tem trägt bis heute zur Fragmentierung der Stadt bei, zerschneidet die Stadt in viele Einzelteile und schafft viele nicht nur für Fußgänger unüberwindbare Grenzen. Die monofunktionale Stadtautobahn wird keiner Anforderung nach Integration gerecht, vielmehr ist es nur Mittel zur Beschleunigung einer Suburbanisierung, gerade in Caracas einer zunehmenden Distanzierung der Elite von den Verlierern. Robert Moses, der auch Caracas besucht hat, meint – vielleicht in Anlehnung an Haussmanns Umbau in Paris – „when you operate in an overbuilt metropolis who have to hack your way trough with the meat axe“ –, um dann Autobahnen zu bauen und bestimmte und nur bestimmte Gebiete zu verbinden. Die angrenzenden Gebiete werden keinen Vorteil davon haben. Die Strassen nur für Fahrzeuge, keine Gehsteige, große Distanzen und Leeräume, dazwischen skulpturale Gebäude, abgeschlossene reiche Gebiete so fasst Graham die Gestaltungsmittel der Moderne zusammen (Graham, Marvin 2005, S. 111), die „Vergötterung des Autos“ (Casas 2003, S. 38) und der Geschwindigkeit verschafft einem neuen Dogma Platz, die das alte koloniale Muster und die an Paris orientierte Stadtplanung hinter sich lassen. Das neue Layout der Stadt sollte für das Auto geschaffen werden. In Caracas veranlasste der Boom Architekten zu kühnen Bauwerken für das neue Fahrzeug. Helicoide Das „Auto als Metapher, um [den] Enthusiasmus des Landes auf Basis des technischen Fortschritts zu wecken“. Selbst der Diktator Pérez Jiménez schien im Rausch der neuen Geschwindigkeit zu schwelgen.


ANALYSE Einsteigen und Aussteigen in der UBahn mit Bodenmarkierung (www.mterocaracas.com.-ve)

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Diese Beschreibung aus dem Jahr 1960 trifft die Faszination und die Absurdität sehr genau, die den Diktator erfasst haben musste. Und damit auch das Land. Im Plan Regulador, der ab 1951 fast vollständig umgesetzt wurde, wird die zeitgemäße Ansicht einer autogerechten Stand in Caracas deutlich: Autobahnen bündeln den übergeordneten Verkehr. Die Hauptachsen von Caracas werden mit Autobahnen ausgestattet. Erst in den 80er Jahren kommt es zu einem deutlichen Umdenken in der Stadtentwicklung. Mit dem Bau der U-Bahn wird ein neuer Akteur im Stadtgebiet tätig und bringt erstmals Alternativen zum Autoverkehr. Gleichzeitig mit dem Bau der U-Bahnen erfolgt eine Wiederherstellung und Neuschaffung von öffentlichen Räumen (z.B. Sabana Grande siehe Kapitel Öffentlicher Raum). Änderungen in der Infrastrukturtechnologie hinterlassen zumeist auch deutliche Spuren in der urbanen Form. Die erste U-Bahn - parallel zum Tal und der Autobahn verlaufend - wird stetig erweitert und Metro Caracas ist sich seiner vielschichtigen Bedeutung der Schaffung von Urbanität bewußt, und versucht mit der Öffnung neuer Streckenabschnitte das Umfeld positiv zu beeinflussen, ausgerichtet auf Fußgänger. Komplementär wurde ein Bussystem, MetroBus entwickelt, das stets von den Stationen das U-Bahn Netz erweitert. In den letzten Jahren machen zunehmend Vorhaben auf sich aufmerksam, die auch versuchen, die Barrios in das städtische Netz miteinzubinden. Besondere Aufmerksamkeit erhält das Projekt Metrocable, bei eine Seilbahn in die Hügel installiert wird. Caracas hat bereits eine Seilbahn, diese führt als Touristen- und Freizeitattraktion auf den Hausberg Ávila.

INFRASTRUKTUR

On straight stretches of new road built by his government, Pérez Jiménez watched the speedometer needle of the Mercedes-Benz tremble around 160 kilometers (100 m.p.h.). He flashed by goats, banana plantations, royal palms and startled girls in magenta dresses; he hurried dustily on through villages where school children lined the streets for shrill vivas, through towns that tried to attract official attention to their rustic needs with crude banners impossible to read at high speed (TIME 08.02.1960).


Nach dem Vorbild des Transmilenio von Bogota soll auch ein Schnellbussystem entwickelt werden. (El Universal 7.2.2007) MetroBus

Schnellbahnerweiterung Die Regierung Chávez versucht, verstärkt in die Schieneninfrastruktur zu investieren. Komplementär zu den U-Bahn und deren peripheren Stationen startend, sollen sie vor allem den Pendlerverkehr entlasten, der jeden Morgen und Abend die Einfahrtsstrassen nach Caracas verstopft. Es gibt Projekte im Bau nach Guitare, La Guaira und eine bereits fertiggestellte Linie nach Los Teques, die später auch mit überregionalen Bahnlinien verbunden werden sollten.

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Die geplante Bahnlinie Caracas-Guatire (El Universal 9.3.2007)


ANALYSE

Projekt Metrocable

Die Grafik zeigt die Streckenerweiterung der Metro Caracas und die Implementierung der Seilbahnen. (www.metrocaracas.com.ve)

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Der projektierte Teilabschnitt liegt zwischen der U-Bahn Station Parque Central und San Agustin. Die geplanten Stationen dazwischen sind Hornos de Cal, La Ceiba und El Manguito. Der Streckenabschnitt überwindet eine Höhe von 150 Metern und ist ca. 1,4 km lang.

INFRASTRUKTUR

Das Vorhaben, eine Seilbahn zur Anbindung der an den Hügeln gelegenen informellen Siedlungen zu bauen und so in das städtische Verkehrsnetz zu integrieren, hat einen erprobten Vorläufer in der kolumbianischen Stadt Medellín. Seit Oktober 2006 gibt es auch in Caracas offizielle Bestrebungen, dieses System anzuwenden. Das System wird von Metro Caracas implementiert. Als erste Teilstrecke ist der Betrieb im Gebiet von San Agustin projektiert. Anhand der Erfahrungen an diesem kurzen Teilabschnitt sollen später auch andere Gebiete eine Seilbahn erhalten, die wesentlich längere Strecken und schwierigere Rahmenbedingungen haben.


Weiter geplante Ausbaustufen der Metrocable Caracas. (El Universal, 22.11.2006)

Metrocable bei Urban Think Tank Das Büro Caracas Urban Think Tank wurde mit der Vorentwurfsplanung der Stationen und deren Einbindung in die lokale Topographie beauftragt. Die folgenden Grafiken stellen Auszüge des Auftrages im Rahmen meiner Mitarbeit im Team Metrocable dar.

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Streckenverlauf gestreckt dargestellt mit Höhenvergleich angrenzender Gebäude.


ANALYSE INFRASTRUKTUR Station La Ceiba

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Grundrisse und Ansichten der Station und Einbindung in die Umgebung. In die Station wird ein Multifunktionskomplex, der Sporteinrichtungen, einen Kindergarten, ParkmÜglichkeiten und Geschäfte integriert.


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analyse barrios und wohnen barrios und wohnen

ANALYSE


Abbildung: Das Barrio Julian Blanco im Stadtteil Petare Norte

Artikel 82 der Verfassung der Bolivarianischen Republik Venezuela.

Jeder Mensch hat das Recht auf eine angemessene, sichere, behagliche, hygienische Wohnstätte mit Grundausstattung Dieses Recht schließt einen „Habitat“ familiärer, nachbarschaftlicher und gemeinschaftlicher Beziehungen mit ein. Die progressive Erfüllung dieses Rechts ist die gemeinsame Verpflichtung der Bürgerinnen und Bürger und des Staates in all seinen Bereichen. Der Staat soll den Familien Priorität geben und die Mittel sichern, damit diese, vor allem diejenigen mit wenig Einkommen, Zugang zu Sozialpolitik und Kredit für die Konstruktion, den Kauf oder die Erweiterung einer Wohnstätte haben.

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Constitución de la República Bolivariana de Venezuela (30.12.1999). In: Gaceta Oficial, Nr. 36860


ANALYSE barrios und wohnen Der große Unterschied im Umgang mit dem Raum seitens der Erbauer in den Favelas und den Architekten liegt in der Zeitlichkeit, denn behausen und wohnen sind vollkommen verschiedene raum-zeitliche Prozesse: Als würden die Architekten die Zeit verräumlichen und die Erbauer in den Favelas den Raum verzeitlichen. (Berenstein Jacques 2004, S. 64) 115

Prolog Die venezolanische Verfassung sieht seit 1999 umfassende „Wohnrechte“ für die Bürger in Anlehnung an die Menschenrechte und Pflichten für den Staatsapparat vor. Die Aufgabe, allen entsprechende Wohnungen anzubieten, scheint angesichts der realen Situation eine schwierige Angelegenheit. In Venezuela müssten, um einem Defizit von 1,7 Millionen Wohnungen zu begegnen, 200.000 Wohneinheiten im Jahr bis 2024 gebaut werden (TalCual, 1.07.2007, CISOR 2007). Rund die Hälfte der Einwohner von Caracas lebt in sog. Barrios, wie die informellen Stadtteile in Venezuela bezeichnet werden. Das Wohnen im Selbstbau auf fremden Grund ist auch Reaktion auf das Versagen öffentlicher und privatwirtschaftlicher Dienste und Bereitstellung von adäquaten Wohnungen und Wohnformen. Informelle Siedlungen reflektieren die sozioökomischen und kulturellen Bedürfnisse unterer und mittlerer Bevölkerungsschichten besser als die von Regierung und Professionisten bevorzugte offizielle Form der Entwicklung (Payne, Majale 2004, S. 11). Informelles Wohnen lässt sich durchaus als angepasste Wohnform bezeichnen. Die Reaktion von Staat und Gesellschaft auf die Entwicklung der Selbstbausiedlungen wechselte im Lauf der Jahrzehnte über Ausgrenzung, Ignoranz und Repression bis zu Akzeptanz, Integration bis hin zu Förderung. Auch die Werthaltung „Krebsgeschwür“ oder „Kloake“ der Stadt (Trigo 2004) hat sich verändert. Die Besiedlung der Hänge, die für formelle Entwicklung ungeeignet oder unwirtschaftlich waren, macht die Barrios in Caracas im Gegensatz zu anderen Millionenstädten am südamerikanischen Kontinent im Stadtbild präsent. Die Erschließung mit Strassen und die Befestigung der Hänge für Bauten sind kostspielig und zeitaufwändig. Hangrutschungen, Muren und Erdbeben stellen permanente Gefahren dar, die vor allem die steilen Hänge betreffen. Illegale Besiedlungen finden damit nicht nur auf fremdem Grund statt, allzu oft auch auf völlig ungeeignetem Gelände oder in Schutzzonen. Dieses Kapitel gibt einen kurzen Einblick in den Kontext informeller Siedlungen, der die Tragweite über architektonische Produktion hinaus verdeutlicht. Das Kapitel orientiert sich und erweitert inhaltlich die Zusammenfassungen durch Pacione 2005 Housing the Third World Urban Poor in Urban Geography und Modes of housing provision in developing countries Keivani, Werna 2001. Die Situation und Wohnbaupolitik Venezuelas wird in kurzen Worten beschrieben, schließlich werden durchgeführte Projekte und eigene Ansätze vorgestellt.


Begriffsklärungen, Definitionen Die Definitionen und Begriffe unterscheiden sich in den Bezeichnungen zum Teil erheblich. Für diese Arbeit sei die folgende Kategorisierung ausreichend: Informelle Wohnsiedlungen entstanden fast immer:

Durch informelle Netzwerke, private (formelle wie informelle) Kleinfirmen und im Selbstbau. Sie sind zumeist deutlich unter dem Standard der „Mittelklasse“.

Keivani(2001) unterscheidet zwischen Squatter settlements, Informal land subdivisions und Informal low income rental housing. Andernorts werden die Begriffe anders klassifiziert und verdeutlichen auch so die unscharfen Übergänge, die in der jeweiligen Siedlung genauerer Betrachtung bedürfen (vgl. u.a. Ribbeck et al. 2002, S. 66–79) 3 Begriffe werden im Folgenden präzisiert:

bAuEN

wohNbAu

bEwohNEN

Nd ioN

KoNvENtioNELL

Grafik Wohnbau (Drakakis-Smith 1981 zitiert und adaptiert in Keivani, Werna 2001)

INTRO

Ohne Institutionen des formellen Wohnbaus (Bauindustrie, Staatliche Organe) und/oder außerhalb der geltenden Rechte oder Bauvorschriften.

mEthodE

öffENtLich

PrivAt

iNKoNvENtiELL

hYbrid

bESEtZEN (SQuAttEr)

im bEStANd (SLum)

Barrios Der spanische Begriff „Barrio“ bedeutet: Stadtviertel oder Stadtteil. In Venezuela hat sich der Begriff aber als Synonym für ungeplante informellen Siedlungen etabliert und entspricht so den Begriffen Favela in Brasilien, Colonias populares in Mexiko oder den Bidonvilles in Nordafrika.

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Die Barrios sind Wohnviertel von progressiver Entwicklung, gebaut durch Eindringen auf fremdem Grund und ohne Plan oder […] einem „Projekt“, das alle Notwendigkeiten einer regulären Besiedelung in gleicher Stadt und Epoche abdeckt (Baldó Ayala, Villanueva Brandt 1998).


ANALYSE barrios und wohnen

Squatter Besetzen und/oder Bebauen des Landes ohne Erlaubnis und gegen geltende Vorschriften. Das geschieht entweder auf privatem oder staatlichem Grund. Den staatlichen Autoritäten obliegt die Macht, bei Bedarf zu intervenieren oder das Gebiet mit urbaner Infrastruktur und Services zu versorgen. Dieses Verhältnis erzeugt eine Unsicherheit. Die in dieser Arbeit bezeichneten informellen Siedlungen sind mit im weitesten Sinn mit Squatters ident. Wobei deutlich darauf hinzuweisen ist, dass das Rechts- und Eigentumsverhältnis immer im Detail betrachtet werden muss, d.h. es gibt viele Zwischenstufen zwischen informellen und formellen Wohnverhältnissen. Slums Als Slums werden in der Literatur Wohnungen und Häuser bezeichnet, die durch verschiedene Prozesse Substandard geworden sind, also durch eine Vernachlässigung, Verfall durch Alterung, Teilung in sehr kleine Wohneinheiten etc. bestehender Wohnungen, generelle Degradierung. Die Bezeichnung „Slum“ fasst in anderen Quellen allerdings die Summe aller schlechten Wohnverhältnisse zusammen: Der UN Habitat Bericht „The Challenge of Slums“ beschreibt Slums mit den folgenden Eigenschaften(Payne, Majale 2004, S. 11):

Mangel an Grundversorgung (generelle Services wie Wasser, Strom, Abwasser, etc.) Substandard Wohnungen, Illegale oder inadäquate Gebäudestrukturen

Überfüllung oder hohe Dichte

Ungesunde Lebensbedingungen und gefährliche Lagen

Unsichere Besitzverhältnisse; Irreguläre oder informell entstandene Siedlungen Armut und soziale Ausgrenzung

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Die Ursachen und Vorteile des informellen Wohnbaus Der private und der staatliche Wohnbau haben es in Caracas nicht geschafft, die Bevölkerung mit ausreichend Wohnraum zu versorgen. Die Nachfrage überragt das Angebot haushoch, so begnügt sich auch die Mittelschicht mit relativ schlecht ausgestatten Wohnungen. Es gibt es eine Reihe von durchaus rationalen Gründen, warum die Bewohner auch im Falle von Angeboten informell errichtete bevorzugen: 

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Das staatliche und private Wohnungsangebot ist zu teuer. Staatliche Programme – ob Massenwohnbau oder auch Low-CostHousing Programme –sind nicht leistbar für Wohnungssuchende ärmerer Haushalte. Ungeeignete oder unflexible Finanzierungsprogramme eröffnen den Zugang zumeist einer Mittelschicht. Das staatliche und private Wohnungsangebot ist inflexibel und starr. Es gibt kein Konzept des Wachstums, wenig Ausbaumöglichkeiten bei Wachstum der Familie. Lebensweisen aus ländlichen Gegenden fördern oft die urbane Agrikultur. In Caracas finden sich viele Beispiele zur Haltung von Hühnern, Anbau von Gemüse etc. Die Lage des billigeren oder geförderten Wohnangebotes ist zumeist an den äußersten Rändern der Stadt, damit entstehen erhöhte Transportkosten und erhöhter Zeitbedarf, um zur Arbeit zu gelangen. Arbeitsangebot gibt es aber eher in den zentrischen Bereichen der Stadt. Der informelle Wohnbau bietet die Möglichkeit, wenig vorfinanzieren zu müssen und somit die Konsolidierung und Erweiterung dem Puls der persönlichen ökonomischen Entwicklung anzupassen. Das Haus kann zu Beginn eine Hütte sein und wächst mit der Familie und deren Einkünften. Bei einem Fehlen formeller Kreditsysteme – keine Hypotheken, keine Förderungen – können keine großen baulichen Maßnahmen getätigt werden. Die Existenz eines informellen Wohnungsmarktes. Ein Mieten und Verkaufen auch illegal errichteter Wohnungen, Grundstücken oder Häuser ist üblich, dennoch werden deutliche Abhängigkeitsverhältnisse geschaffen. Das Interesse an illegaler Besiedlung von Grundstücken wird oft von den eigentlichen Eigentümern goutiert, die ihrerseits an dessen Benutzung und


Es gibt auch ökonomische Interessen, schwierige Lagen zu besiedeln, die an sich nicht für ein Wohngebiet geeignet oder gewidmet wären. In dieser Immobilienentwicklung der etwas anderen Art unternehmen Grundeigentümer nichts, oder fördern verdeckt die Besiedlung und erhoffen sich so z.B. eine lukrative Parzellierung oder Aufwertung des Gebietes durch Umwidmung.

ANALYSE barrios und wohnen

eventuell durch die spätere Entschädigung durch den Staat profitieren. Somit werden Abhängigkeitsverhältnisse und Strukturen außerhalb rechtlicher Kontrolle geschaffen, die sehr oft den komplexen administrativen Hintergrund informeller Besiedlung darstellen.(vgl. Zellhuber 2006, S. 30)

Soziale Netzwerke erweitern die Selbsthilfe und schaffen Identität. Oft stammen Nachbarn aus demselben Landesteil. Die Verwandtschaft und Freundschaftsnetze aus der Heimat stellen oft die erste Unterbringung neu in die Stadt immigrierter Personen dar, bis eine geeignete Unterkunft in der unmittelbaren Umgebung gefunden ist. Eine schrittweise Absicherung der Wohnverhältnisse bei neu Zugereisten und jungen Familien: Zuerst Zimmer teilen, dann mieten, dann Besitz.

Reaktionen

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Internationale Organisationen Es würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, auch auf internationale Institutionen und Bemühungen einzugehen, die sich diesem Thema durch Policy-Making, Finanzierung, Austausch, Beratung, Beobachtung oder Information widmen. Im speziellen seien die holistischen Strategien der Habitat Agenda genannt, formuliert in der zweiten Habitat Konferenz (Habitat II) in Istanbul, die eine Reorientierung der Vorgehensweise bedeuteten: So wurde den Regierungen nahe gelegt, Wohnungsdefiziten nicht allein durch den Bau von Wohnungen zu begegnen, denn der Umfang wäre von solchem Maßstab, dass man die Partizipation und die Kraft der lokalen Akteure und des privaten Sektors einbinden sollte (vgl. Payne, Majale 2004, S. 15). Diese Politik wird als „Enabling“ bezeichnet, also das „Ermöglichen“ durch Verbesserung gesetzlicher Rahmen, Beteiligung (siehe auch Kapitel Governance).


Die Barrios sind ein urbane Tatsache. Sie kamen, um zu bleiben. (Posani et al. 20.07.2006)

Keine Reaktion

EVICTION/Zwangsräumung

STAATLICHER SOZIALER WOHNBAU

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AIDED SELF-HELP SELBSTHILFE MIT UNTERSTÜTZUNG

Kurze Typologie der reaktionen Die Reaktion des Staates und internationaler Organisationen hat sich immer wieder verändert, entwickelte sich aber schrittweise von Feindschaft und Unterdrückung zu positiveren Einstellung der Toleranz und Förderung, des Enabling oder Empowering. Im folgenden werden in beinah chronologischer Reihung internationale Handlungsschemas öffentlicher Einrichtungen beschrieben. Die Aufstellung erfolgt nach (Keivani, Werna 2001) und (Pacione 2005). Hoffnung, dass die Migranten wieder aus der Stadt in ihre ursprüngliche Heimat oder aufs Land zurückkehren; Ursache und Begründung auch administrative Ineffizienz; Weil Tabuthema, aufgrund der Befürchtungen starker politischer Beteiligung; Inflexibilität der Behörden, da das Schema Planen-Service-Bauen-Besiedeln nicht funktioniert Bis heute finden in vielen Städten Umsiedlungen aus verschiedensten Ursachen statt. Die Betroffenen verlieren oft ihren Job und das fragile soziale Netzwerk der Siedlungen wird zerstört. Im Zuge von Stadtverschönerungen, aus Anlass von z.B. Großveranstaltungen; als politische Maßnahme den „Krebs“ auszurotten, die vermeintliche Ursache von Kriminalität und Unsicherheit zu beseitigen oder aus vermeintlich hygienischen Gründen; Neuentwicklung eines Gebietes für profitablere Zwecke Bis in die 80er Jahre wurden im großen Maßstab Wohnbauten errichtet. Den Schemas der Moderne folgend, stellen sie fast immer inflexible, monofunktionale Bauten dar. Der Wohnbau für Arme kostete aber stets zuviel oder es wurden Baracken errichtet, die jeglicher Qualität entbehrten und selbst zu Problemquartieren wurden. Die Teuerung öffnete den Zugang aber zumeist der Mittelschicht und staatlichen Mitarbeitern, die selbst darin wohnten und subventionierte Einheiten selbst als Eintrittskarte in das attraktivere Segment des privaten Wohnbaus betrachteten. Beispiele in Caracas: 23 de Enero Nicht nur die zunehmend prekäre budgetäre Situation und Verschuldung, auch die Prämisse, dass die Einwohner selbst ihre Situation verbessern und dies auch sehr Effizient tun, ermöglichte eine Reihe von innovativen Ansätzen ab den 70er Jahren. Die geförderte Selbsthilfe (aided self-help) wurde durch die Politik der Weltbank und UN-Habitat stark gefördert und damit sehr unterschiedliche Erfolge erzielt. Starken Einfluss hatten dabei die Theorien des Architekten John Turner, der auf das Entwicklungspotential der informellen Siedlungen aufmerksam machte (u.a. Turner 1978)


ANALYSE barrios und wohnen

Die verschiedenen Vorzeichen und die Relativität in politischen Maßstäben seien aber durch die folgende Kritik von links verdeutlicht: Further encouraging low-income communities to address their problems through self help while high-income areas expect government to provide services and facilities at a high standard is regarded as discriminatory and exploitative. (Pacione 2006, S. 543)

Upgrading

Site and Service

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Dieses und andere Dilemma heizen die Diskussion um Produktion, Abhängigkeit und Schuld der wohnbaupolitischen Maßnahmen und Miseren immer wieder an. Deshalb ist zu beachten, dass der jeweilige Kontext und die Fürsprache der Bewohner und nicht die ideologische Ausrichtung die Maßnahmen rechtfertigen sollte. Als Upgrading wird die nachträgliche Installation von grundlegender Infrastruktur bezeichnet. Die Maßnahmen beinhalten zumeist auch die Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung, um eine Nachhaltigkeit durch Ausbildung, Interesse und nachfolgende Wartung der Anlagen zu erzielen. Es wird also vorwiegend die Infrastruktur installiert, weniger direkt Wohnbauten errichtet. Weiters wird begleitend technische Assistenz angeboten, um die Häuser und Freiräume zu verbessern. Die Maßnahmen zielen direkt auf eine gesteuerte Konsolidierung und Integration in das Stadtgebiet hin. Allerdings setzt das nicht nur die Bereitschaft aller Beteiligten voraus, sondern erfordert eine Bevölkerung, die solche Maßnahmen will, und vor allem zur Verfügung stehende Mittel, denn ein Upgrading – also ein urbanes Nachrüsten – ist eine sehr teure Investition, die genügend politische Unterstützung oder Interesse durch profitorientierte Konzerne voraussetzt. Bei Site and Service Projekten stellt der Staat die Grundstücke zur Verfügung, die bereits parzelliert und nur teilweise erschlossen sind. Je nach Grad der Ausstattung werden die Häuser im Selbstbau oder als Basiskern erbaut, die dann von den Bewohnern eigenständig erweitert werden. Der Verwaltungsaufwand für den Staat, NGOs oder private Institutionen ist sehr hoch. Für eine erfolgreiche Entwicklung muss das Grundstück in zumutbarer Entfernung zur Stadt liegen. Sehr oft sind die vielen Faktoren nicht erfüllt oder es kommt zu einer Überteuerung der Maßnahme und das Zielpublikum wird nicht erreicht. Die Maßnahme ahmt Vorgänge illegaler Besiedlung nach, erreicht aber ohne Fördermittel selten deren Effizienz. In den letzten Jahrzehnten und unter den neoliberalen Vorzeichen wurde der individuelle Unternehmergeist und die geringen staatli-


chen Kosten der informellen Siedlungen als Potential neu definiert und erkannt. Für Wirtschaft und Staat liegt die große Attraktivität der Informalität in der Selbsthaftung. […] Keine Versicherung, kein Sozialsystem muss für den (bei) Verlust aufkommen. Der Gesellschaft erwächst kein Schaden aus dem Versagen des Einzelnen und auch der materielle Verlust wird nicht vergesellschaftet. (Jachnow 2003, S. 91) Zusätzlich werden die unteren Schichten zunehmend auch von der Wirtschaft als Konsumenten entdeckt. Die Effizienz informeller Entwicklungen wird zunehmend anerkannt und die Unterstützung und Eingliederung informeller Handlungsweisen als gangbare Alternative diskutiert. In manchen Ländern hat die Debatte auch zu einem völligen Rückzug des Staates aus dem Wohnbau geführt. Die Weltbank vertritt die Ansicht, der Markt sei besser fähig Wohnraum zu schaffen, eine staatliche Intervention hindere lediglich das Potential privater Akteure und verzerre den Wettbewerb. In vielen Ländern kam es durch Liberalisierung aber zu erhöhten Wohnpreisen und verschloss den Armen weiter den Zugang zu adäquatem Wohnraum. Der Staat hat aber in vielen westlichen Ländern eine tragende Rolle in der Bereitstellung von Wohnungen. In Wien oder Stockholm interveniert der Staat im Wohnungsmarkt, verzerrt so die Preise und verhindert so für Unterschichten unleistbare Mieten. Statt eines Rückzugs des Staates empfehlen mittlerweile viele Autoren den Verwaltungen, statt auf eine bestimmte Vorgangsweise zu setzen, eine Pluralität der Maßnahmen zu pflegen (siehe auch Keivani, Werna 2001 oder Gilbert 2007).

Vereinfacht: Staatlich gesteuerte „normale“ Besiedlung.

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PLANEN

Service

bauen

bewohnen


Es gibt eine Reihe von Faktoren, die dafür verantwortlich sind, damit es zu einer Konsolidierung kommt. Der politische Wille für eine dauerhafte Integration in die Stadt hat sich über viele Umwege in vielen Ländern durchgesetzt. Einige der Bedingungen haben sich weltweit als funktionierende „enabling strategies“ durchgesetzt, die es bewusst zu fördern gilt, damit die Konsolidierung, Entwicklung und Integration eines Areals beschleunigt wird. In dieser Arbeit werden in verschiedenen Ansätzen solche Strategien skizziert, dabei wird auf die folgenden nicht näher eingegangen.

ANALYSE Few politicians regretted that site and service projects were thin on the ground. Who wanted to inaugurate a project that looked like an open field with lights? (Gilbert 2007)

barrios und wohnen

Integration und Konsolidierung

Zugang zu Krediten und sicheres Einkommen Die Möglichkeiten günstige Kredite und Hypotheken zu bekommen, sind im informellen Wohnumfeld rar. Da Wohnbau sehr teuer ist und jeder Investitionsschritt erspart werden muss, erfolgen Verbesserungen nur sehr langsam. EinzigiInformelle Sparvereine und andere informelle Netze bieten die Möglichkeit Geld zu akkumulieren. Inflation und Unsicherheit sprechen gegen langfristige Geldanlagen. Kredite sind sehr oft nur mit Wucherzinsen und kurzfristig zu borgen Zu einem formellen Banksystem haben die Bewohner von informellen Siedlungen keinen Zugang, weil sie keine Sicherheiten anbieten können und zumeist keine formellen Arbeitsverhältnisse haben mit Nachweis auf regelmäßigem Einkommen. Die institutionelle Stärkung zur Versorgung mit Krediten auf der einen Seite auf der anderen Seite funktionierende staatliche Subventionensstrukturen, die Anreize schaffen, sind Säulen einer integrativen Entwicklung. Zugang zu billigen Konstruktionsmaterial Die schwierige Lage im Stadtgebiet und der erschwerte Zugang schaffen oft Monopole der Versorgung mit Baumaterial und viele Zwischenhändler. Die erhöhten Kosten verlangsamen den Konsolidierungsprozess.

SERVICE und integration

Vereinfacht: Informelle Besiedlung

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bauen und bewohnen


Besitzsicherheit Ein wirklicher, frei veräußerlicher Besitztitel wird in den wenigsten Fällen ausgestellt. Eine legale Anerkennung des Status quo oder eine langfristige Duldung durch die Autoritäten sind zumeist schon Anreiz, in den Bestand zu investieren und langfristigere Verbesserungen zu versuchen. In vielen Ländern ist der prolongierte Zustand der Unsicherheit Ausdruck dafür, dass sich Autoritäten weigern, Abhängigkeitsverhältnisse aufzugeben. Auch aus anderen Gründen ist die Vergabe von Landtitel zunehmend Thema: Die Aktivierung von Kapital durch die Erhöhung der Kreditwürdigkeit (de Soto, Jörimann 1992). A John Turner for the 1990s, de Soto asserts that Third World cities are not so much starved of investment and jobs as suffering an artificial shortage of property rights. By waving the magic wand of land-titling, de Soto claims, his Institute for Liberty and Democracy could conjure vast pools of capital out of the slums themselves. The poor, he argues, are actually rich, but they are unable to access their wealth or turn into liquid capital because they do not possess formal deeds or property titles. (Davis 2006, S. 80)

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So würden mit wenig Kosten innerhalb kurzer Zeit große Potentiale geschaffen. Teile des geschaffenen Kapitals würde Kleinunternehmern der Siedlungen Kreditwürdigkeit bieten, die ihrerseits die Versorgung und somit die Situation in der Siedlung verbessern. Diese Strategie hat zu einem deutlichen Paradigmenwechsel in der Debatte der Politik informeller Siedlungen geführt. Die Weltbank hat diesen umfassenderen Begriff von Selbsthilfe übernommen und weltweit propagiert. Ironischerweise hat die Vergabe von Landtitel sowohl bei liberalen wie linkem Lager Anhänger gefunden, als sei ein Allheilmittel gefunden. Die relative Einfachheit der Methode Landtitel, in Realität meist staatliches Land, mit einem Stück Papier zu übertragen verspricht großen sozialen Gewinn. Die Vergabe der von staatlichem Land und die Aktivierung kommt auch den Regierungen zugute, die mit einer Regulierung Stabilität, Stimmen und Steuern auf einen Schlag bekommen (Davis 2006, S. 81). Die Strategie passt aber ebenso zu neoliberalen Modellen deregulierter und entmachteter Staaten, in der eine ungeschützte, flexible Ökonomie sich selbst reguliert und so alle Ungerechtigkeiten ausgleicht. Die Vergabe von Landtitel sei eine notwendige, aber ungenügende Maßnahme für nachhaltige städtische Siedlungen (Payne, Majale 2004, S. 54). Einigen Haushalten Landtitel zu vergeben verstärke die existierenden Verzerrungen am städtischen Immobilienmarkt (Payne,


ANALYSE barrios und wohnen 125

Majale 2004, S. 54) und beschleunige so die sozialen Unterschiede. Das Haus wird zur Immobilie, zum Konsumgut und veräußerlich, marktwirtschaftliche Prozesse der Bewertung werden wirksam. Damit kann es zur Verdrängung der eigentlichen Bewohner kommen, die z.B. die anfallenden Steuern nicht mehr bezahlen können. Der Reiz „geschenktes“ Terrain auch wieder gleich wieder zu Geld zu machen ist beinahe unwiderstehlich, vor allem bei Familien, die sowieso in prekären Bedingungen leben (Trigo 2004, S. 34). Ein Großteil der Bewohner lebt in ungeregelten Mietverhältnissen, sie werden bei einer Vergabe nicht berücksichtigt. Die Ermittlung der Beziehungen und Verhältnisse der Mieter und Besitzer bei hoher Dichte stellt viele Herausforderungen an ein effizientes System von Landvergabe. Payne (2004, S. 54) erweitert deshalb die Forderung nach legalen Optionen für Sicherheiten für die Bewohner bis wirklich Landtitel übergeben werden können. Besitzsicherheit sei hochkomplex in städtischen Gebieten, und kann weder einfach als legal und illegal, noch als formell oder informell bezeichnet werden. Meist sind einige Aspekte des Hauses legal, andere dagegen nicht. Souza (2002, S. 8) argumentiert außerdem, dass Haushalte in Siedlungen, die als illegal bezeichnet werden, vielmehr ein Gespür für Sicherheit ihres Grundstückes haben, auch in Abwesenheit offizieller Titel. Weiters fordert Souza alternative Besitztitel, zumal volle individuelle Besitzrechte inadäquat sind. Viele Argumente sprechen damit gegen eine vereinfachende „Flüssigmachung“ oder Aktivierung des Kapitals. Die Landspekulation wird in den Diskussionen der Weltbank oftmals ausgespart, die die Situation für die ärmere Bevölkerung so verschärft.


Von FUNDACOMUN/CAMEBA zu CTU in Venezuela Auch in Venezuela sind ab den 90er Jahren umfassende Programme zur Landtitelvergabe angelaufen. Die Weltbank unterstützte diverse Projekte, die eine Vergabe an die Bewohner vorsah (Worldbank 28.09.1998 und Worldbank 1997). Begleitend sollten die Siedlungen deutlich aufgewertet werden. Dabei wurden Organisationen gegründet und Architekturwettbewerbe zu einem Barrio Upgrading initiiert, die bestimmte Zonen gemäß des „Plans zur Rehabilitierung der Barrios“ (Baldó Ayala, Villanueva Brandt 1998) förderten. Einige dieser Projekte gelangten zur Ausführung. Am Ende des Kapitels wird ein Projekt, das von der Architektengruppe Arqui5 durchgeführt wurde, vorgestellt. Die Grundstücke die zur Vergabe gelangten waren dabei stets in staatlichen Besitz, private Eigentumsverhältnisse wurden nicht angetastet. Dabei spricht der Bericht zum Vorhaben der Weltbank eine deutliche Sprache: This Project has two potentially controversial elements: 1. Land titling implies the redistribution of wealth away from the State and from presumably wealthier segments of the private sector. It is thus open to opposition on the part of affected parties. For this reason, the Project chose to work with barrios located on public lands. In addition, because decision making power lies with the State, the awarding of land titles can be used as political currency. To avoid differential treatment, the Project requires agreement on the part of all agencies that titles will be awarded to all barrio dwellers. 2. Local co-management of Project design and implementation implies power sharing. Few agencies and local administrations are willing to do so. Others often believe that lowincome co mmunities do not have and cannot quickly develop the capacity to adequately manage planning processes and ultimately funds. On the other hand, the task at hand is so daunting that agencies and local administrations recognize that they cannot undertake it without some degree of power sharing.

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Diese beiden Punkte wurden auch zu einem wesentlichen Kriterium für die Aufgabe des Programms nach der politischen Wende unter Chávez. Die Programme wurden teilweise „ausgetrocknet“, dabei die Zahlungen und Beziehungen zur Weltbank unter Vorgabe politischer Gründe eingestellt, die Führungen der Institutionen wurden ausgetauscht und die geplant dezentralen Organisationen durch neue Instrumentarien ersetzt. Die Cómites de la Tierra Urbana (Komitees für städtisches Land) übernahmen die Forderungen nach Vergabe der Landtitel an die Bewoh-


ANALYSE barrios und wohnen 127

ner (vgl. auch Jácome 2007). Die ersten groß angelegten Übergaben wurden dabei teils für politische Propaganda der neuen Regierung unter Chávez instrumentalisiert. Dabei sind die umfangreichen Forderungen nach einer Verbesserung der Gesamtinfrastruktur und der städtischen Services oft auf der Strecke – besser auf dem Papier - geblieben. Rund 100.000 Landtitel wurden vergeben. Die CTUs wurden als eigenständige, partizipative Organisationen gegründet, die sich ab dem Jahr 2007 in die sog. Consejos Comunales eingliederten (Beschreibung im Kapitel Good Governance) Zu bemerken ist, dass die Nachbarschaft stets die Vorkaufsrechte bei den Landtiteln behält, somit es nicht zu einer einfachen Marktgängigkeit der Besitztümer kommt. Dabei wird das Benutzungsrecht in den Vordergrund gestellt und das gemeinsame Besitztum dem individuellen bevorzugt. [Die Barrios] bedeuten aus dem Blickwinkel des Städtebaus eine „irreguläre“ Situation(CTU 2006, S. 3–4). Um dieser Schieflage zu begegnen, also auch die realen Errungenschaften informeller Siedlungstätigkeit zu demonstrieren haben sich die CTUs auch landesweit organisiert und intensiv Konzepte und Forderungen an Institutionen erarbeitet, die von der kollektiven Erfahrung profitieren.


Situation in Venezuela Die Lösung der Wohnungsmisere in Venezuela ist nach wie vor eine der größten Aufgaben des Landes, die das Land noch Jahrzehnte beschäftigen wird. Die Ineffizienz des Staates wie des Marktes ein sinnvolles Wohnungsangebot zu produzieren, zwingt private Haushalte, vor allem der unteren Schichten, die Alternative im Angebot informeller Strategien zu suchen. Der informelle Wohnungsbau als Möglichkeit war in vielerlei Hinsicht überlegen, den Großteil der Bevölkerung aufzunehmen.

METROPOLITANE ZONE AUSSEN METROPOLITANE ZONE INNEN BARRIOS

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Barrios, informellen Siedlungen in Caracas (Daten: Instituto de Urbanismo, Facultad de Arquitectura FAU; UCV)

Die Kammer der Ingenieure und Architekten schätzt, dass in Venezuela rund 1,7 Mio Wohnungen fehlen. Zusätzlich brauchen rund 1,2 Mio Wohnungen Verbesserungen. Bis zum Jahr 2024 müssten so ca. 200.000 Wohnungen geschaffen werden, um diesen Anforderungen zu entsprechen (El Universal, 01.07.2007). Die Zahlen offizieller Wohnungsproduktion der letzten Jahre schwanken gemäß der Konjunktur, sind also weniger Produkt staatlicher Politik. Vielmehr wurde zwar das Budget für den Wohnbau deutlich erhöht, dabei stagniert die Produktion aber deutlich (CISOR 2007). Lt. offiziellen Quellen war für


ANALYSE barrios und wohnen Der Blick von Petare Norte in das Tal von Caracas

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2007 der Bau weit über 100.000 Wohnungen vorgesehen, lediglich 44% davon wurden tatsächlich gebaut (Armas 15.01.2007, Armas 05.03.2008). Mehr als 60% der Einwohner leben in prekären Verhältnissen (CTU 2006, S. 2), in Caracas lebt rund die Hälfte in informellen Siedlungen. Im Stadtraum von Caracas kommt es immer weniger zu neuen Landnahmen und Besiedlungen, stattdessen werden die bestehenden Siedlungen immer weiter verdichtet. Damit steigen die Anforderungen an die bestehenden Viertel: Es kommt zu einem vertikalen Wachstum und die wenigen Restflächen werden okkupiert. Dies verringert die Chance, Einrichtungen und Erschließungen zu integrieren. Das Spektrum der Qualität der Häuser und Wohnungen in informellen Quartieren ist in Caracas sehr unterschiedlich. Somit ist eine Gleichsetzung „Barrio ist gleich Armutsquartier“ nicht unbedingt zulässig. Einzelne Häuser sind sehr gut ausgestattet, zumeist aber nur in Einrichtung, Elektrogeräten, es mangelt vor allem an baulicher Qualität und Anbindung an städtische Services und Infrastruktur. Somit wird der Wirkungsraum der privaten Haushalte deutlich, auch wenn relativer Wohlstand erreicht ist, kann weitere Konsolidierung nur über öffentliche Träger, professionelle Planer oder intensive Zusammenarbeit mit ebenso gut gestellten Nachbarn erfolgen. Es fehlt eine technische Unterstützung bei der Konzeption und Statik, die für weitere Ausbauschritte absolut notwendig ist und z.B. unterspülte Häuser sichern sollte.


Anmerkungen zur Wohnbaupolitik Während meines Aufenthalts habe ich versucht, die staatliche Wohnungspolitik und die Implikationen für die Zukunft zu beobachten. Dabei ist es nicht ganz einfach, die vielen Maßnahmen entsprechend ihres Outputs zu bewerten, und ich will es hier auch nur sehr kurz und qualitativ unternehmen. So gibt es zwar Fördermodelle und Kreditzuschüsse, der Zugang zu offiziellen Geldern ist aber selektiv und nicht transparent. In der Reihe Aceras y Brocales der Zeitung Últimas noticias beschreiben führende Architekten die Zustände rund um das Ministerium als „mysteriös“, die Zahlen als unrichtig oder frei erfunden. Dabei liegt stets die Vermutung nahe, viele der offiziellen Zahlen und veröffentlichten Projekte verschleiern in einer propagandistischen und intransparenten Weise die Realität. Der Pomp mit dem neue Projekte mit immer größeren Maßstäben angekündigt werden lässt deren Scheitern oftmals bereits erahnen. Konstruktive und innovative Projekte weichen der medialen Berichterstattung mit Fassaden und glückliche Menschen. Die Mision Vivienda, ein Regierungsprogramm zur massiven Bereitstellung von Wohnraum, hat ihre Ziele deutlich verfehlt. Langfristige Programme zur Verbesserung der Barrios wurden nicht durch effektivere ersetzt. Die Mision Villanueva, die u.a. großmaßstäblich ein neues monofunktionales Wohngebiet im Randgebiet von Caracas (El Mariche) vorsieht, ist ein Beispiel dafür, dass die quantitative Erfüllung politischer Versprechungen im Vordergrund steht. Die neueren Projekte werden ausschließlich in produzierten Einheiten gemessen. Dass dabei vorrangig in neue Siedlungen investiert wird, liegt in der Natur der Sache: Eine Verbesserung oder sinnvolle Verdichtung bestehender Siedlungen verspricht weniger Einheiten bei entsprechendem Mehraufwand. Einzelne herausragende Projekte wie die Siedlung El Sol del Àvila des Architekten José Miguel Menéndez, das im Folgenden kurz vorgestellt wird, haben ein erhöhtes Budget und sind nur begrenzt zur Vervielfältigung geeignet.

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Bilder von „Sol del Ávila“ Fotos: Ivan Ordóñez


ANALYSE barrios und wohnen Die Erweiterung und Einbettung am Rand der Stadt

Die einzelnen Wohnzellen bestehen aus Grundmodulen der Abmessungen 1.65 x 2.70 und 2.70 x 4.00 Meter. Das Modul wird vom Planer an den Bedarf der Familie angepasst, die Ausbaumöglichkeiten vertikal und horizontal sind begrenzt. 3D Grafiken: Taller Caracas, Instituto de Urbanismo de la Alcaldia Mayor

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EL SOL DEL Ávila Das Vorzeigeprojekt „El Sol del Ávila“ grenzt direkt an den Nationalpark. Ein Teil eines Barrios und der Baracken wurde geschleift und die Bewohner temporär in Container und Ausweichwohnungen einquartiert. Das Projekt wurde durch den Taller Caracas, die Planungsabteilung des Oberbürgermeisters vertreten durch den Architekten José Miguel Menéndez, geplant und dient nun als Modellprojekt für weitere, großmaßstäbliche Vorhaben in anderen Gebieten. Die Wohnungsiedlung besteht aus modulartigen Wohnungen im Verbund, viele davon als Duplex mit halböffentlichen Vorzonen und öffentlichen Einrichtungen. Die Primärkonstruktion besteht - auch um eine erhöhte Erdbebensicherheit zu erzielen - aus Stahlträgern, die mit Ziegelmauerwerk ausgefacht werden. Für den Stahlbau werden spezielle Kenntnisse benötigt, deshalb ist eine Ausführung nur durch fachkundige Firmen möglich. Ein Bau oder Weiterbau in der selben Konstruktionsweise ist damit nur begrenzt möglich. Diese Einschränkung hindert eine spätere Anpassung an veränderte Wohnverhältnisse in Fortsetzung der Konstruktionsweise. Die Wohnungen ahmen den Maßstab, den Verbund und den ruralen Charakter der Barrios nach, dabei sind sie professionell gefertigt und eine Einbeziehung in Planung und Ausführung der Bewohner ist nur bedingt möglich. Es stellt sich damit die Frage, ob sich diese Wohnform zur Vervielfältigung und zu einer Lösung der Frage von Barrios eignet. Im Detail sind es außer den planerischen Fragen vor allem die staatlichen Finanzierungsmodelle, die den Erfolg des Projektes verhindern könnten. Im Unterschied zu den traditionellen informellen


Strategien gibt es keinen - den finanziellen Situationen der Bewohner - angepassten Rhythmus des Baufortschritts. Die Schwierigkeiten bei der Erweiterung erschweren zudem die Idee des wachsenden Hauses. Die erhöhten Kosten des Baus lassen ein Giesskannensystem erwarten, bei dem stets nur lokale Modellprojekte initiiert werden. Dabei gibt es aber keine angepassten flächendeckenden Kredit- und Fördermodelle, die auch den Selbstbau unterstützen und damit die kreativen und baulichen Kapazitäten der Bewohner miteinkalkulieren. Dennoch soll nicht unerwähnt bleiben, wie erfreut die Bewohner mich durch die Anlage führten und rundum zufrieden einer besseren Zukunft nach vielen Monaten in Notquartieren entgegenblicken.

Ausbaupläne für die Region El Valle, das Model „El Sol del Ávila“ soll im großen Maßstab und mit öffentlichen Einrichtungen angewandt werden. Dabei führt die Stadt die Bauarbeiten selbst durch. (Grafik: Alcaldia Mayor Caracas)

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El Sol del Àvila Grafik: Taller Caracas für die Zeitung El Nacional (2007)


ANALYSE barrios und wohnen 133

Das Barrio La Vega Foto(Holcim Foundation)


ARQUI5: San rafael unido

Der Vorschlag für die Gestaltung der Strassenseite mit öffentlichen Zonen, Grünzonen und Einrichtungen (Arqui5)

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Nach einem Architekturwettbewerb für ein „Upgrading“ Projekt 1999, das u.a. aus Mitteln der Weltbank finanziert werden sollte, gingen die Architektinnen Arqui5 als Gewinner für die Zone San Rafael hervor. Insgesamt sollten 11 Zonen neu ausgestattet werden: d.h. Infrastruktur geschaffen, das öffentliche Wegesystem verbessert werden, usf. Nur ein kleiner Teil der Projekte wurde tatsächlich umgesetzt, und selbst dies nur sehr zaghaft. Deshalb sei das Projekt, das mit einem internationalen Preis ausgezeichnet wurde, kurz vorgestellt. Arqui5 hat sich sehr intensiv für das Projekt eingesetzt, konnte trotzdem nur einen kleinen Teil des ursprünglichen Konzeptes ausführen. Das Konzept sah eine Verbindung mit den angrenzenden Gebieten vor, mittels gemeinsamer Erschliessungen. Öffentliche Einrichtungen


ANALYSE barrios und wohnen Vorher/Nachher (Arqui5, und Holcim Foundation)

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sollten installiert werden, gut dimensionierte Wohngebäude sollten als Ausweichquartiere fungieren. Der steile Anschluss an die Strasse sollte mit Mauern und Stufen zu einem öffentlichen Raum als Eingangsszenario umfunktioniert werden. Dabei wurde versucht, möglichst wenige der bestehenden Strukturen zu zerstören. Bei den Interviews mit der Architektin Silvia Soonets erläuterte sie mir das Projekt und einige der Schwierigkeiten, die bei der Ausführung und Bewohnerforen zutage getreten sind: Die Bewohner wollen keinen öffentlicher Raum, er ist gefährlich. Vor allem an Randzonen, sog. „Todeszonen“, zu benachbarten Barrios werden Verbindungen abgelehnt. Das Übertreten der Grenzen kann für die Bewohner des Barrios tödlich enden, aufgrund der Rivalitäten zwischen den einzelnen Banden. Diese Hürden zu überwinden und die Qualität der Räume zu zeigen, war eine besondere Herausforderung für die Architektinnen. Die Finanzierung sollte zum Teil und unter bestimmten Bedingungen von der Weltbank, zum anderen Teil von staatlicher Stelle übernommen werden. Dabei verursachten bei den Institutionen übliche Machtrochaden deutliche Verzögerungen und Kompetenzprobleme bei der Finanzierung. Firmen, die bereits beauftragt waren, konnten so oft erst nach Monaten oder sogar Jahren mit einer Bezahlung rechnen, die Preise des Angebots waren somit hinfällig und es kam somit zu einigen Wechseln der Betriebe und mehreren Baustopps. Die Ausführung sah eine Beteiligung und Anstellung der lokalen Arbeitskräfte aus der Siedlung vor. Die Firmen mussten die Anwohner einstellen, um die Aufträge zu erhalten. Dieser integrative Ansatz wurde den ausführenden Betrieben zur Last und erregte später Un-


mut: Die Anwohner versuchten nun, das Projekt nach Möglichkeit zu verzögern, in dem sie u.a. sehr langsam arbeiteten. Der Genuss einer fixen Anstellung und Bezahlung ist ein Luxus, den niemand schnell verlieren will. Diebstahl und Sabotageaktionen sind die ausführenden Firmen zusätzlich ausgesetzt. Für die Architektinnen zusätzlich von Belang war, dass sich die Bewohner mit den Arbeitenden arrangierten, d.h. es kam zu teilweise gravierenden Änderungen. So adaptierten und beanspruchten manche Bewohner den öffentlichen Raum nun für private Zwecke. Dennoch sind einige der Stufenanlagen und Ansatzweise ein kulturelles Zentrum ausgeführt worden. Grosse Vorhaben wie die Verbindung mit anderen Barrios oder eine Wohnanlage sind nicht geglückt. Die lange Bauzeit mit vielen Unterbrechungen erschwerten die kontinuierliche Beziehung zu den Bewohnervertretern und erhärteten oft die Beziehungen zu öffentlichen Trägern.

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Links oben: Die Architektinnen Isabel Pocaterra und Silvia Soonets Arqui5 Rest: Eindrücke von San Rafael Unido (Arqui5 und Holcim Foundation)


ANALYSE barrios und wohnen 137

Projekt an der Universidad Simon Bolívar Im folgenden werden einige Projektansätze dargestellt, die im Rahmen eines Kurses an der Universidad Simon Bolívar entstanden sind. Die Architekten Tomas Cervilla und Isabel Pocaterra leiteten das Entwurfsprogramm, in dem in 2 Stufen zuerst ein städtebaulicher Entwurf in Gruppen ausgearbeitet wurde, danach ein Gebäudekomplex detaillierter bearbeitet wurde.


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analyse good (Urban) Governance GOOD (URBAN) GOVERNANCE

ANALYSE


Nachbarschaftsversammlung in Petare für das Barrio Carpintero

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Prolog Die Basis für die Integration informeller Siedlungen ist der Einfluss in urbane Entscheidungsprozesse. Sowohl in der politischen Meinungsund Strategiebildung als auch in der realen Verteilung von Ressourcen gibt und gab es viele Benachteiligungen für die Siedler. Da wenig Anspruch und Motivation der Elite auf wirkliche Integration der informellen Stadtteile in die Netzwerke der Stadt besteht, setzte sich auch die Stadtplanung wenig mit diesem Thema auseinander. Architekten und Stadtplaner bildeten so mehrheitlich die Advokaten der jeweils herrschenden Elite, deren Interessen und Kapital. Planende, die sich dafür einsetzen, diesen separierenden Kräften entgegenzuwirken, haben oft andere Auftraggeber, die außerhalb der Strukturen einer Stadtregierung agieren. Basisorganisationen, NGOs und Stadtteilräte stellen möglicherweise alternative Auftraggeber dar, da sie versuchen, öffentliche Handlungsdefizite auszugleichen. Lokale Organisationen in informellen Quartieren verspüren wenig Rückenwind, weder vom Staat noch vom Markt, sondern werden oft angetrieben von fehlenden Bedürfnissen, die gegenseitig kommuniziert und mehr oder weniger erfolgreich erfüllt werden. Je marginaler, desto geringer ist die Chance auf Unterstützung durch den Staat. Einen „freien“, Nachfragen erfüllender Markt zu leistbaren Konditionen gibt es nicht. Die Legitimation von Planungsvorhaben, die Transparenz, die Berücksichtigung von Machtfragen und die Einbindung der lokalen Bewohner wird gerade in heiklen Fragen international diskutiert, eine „Demokratisierung“ der Planung und eine transparente Verteilung der Ressourcen käme den Benachteiligten zugute.


ANALYSE GOOD (URBAN) GOVERNANCE

Dieses Kapitel der Analyse setzt sich deshalb mit der Beziehung zur Macht und der Rolle des Planers allgemein auseinander. Es kann bei einer Planung im Kontext informeller Siedlungen hilfreich sein, die örtlichen Verhaltensmuster der Akteure und deren Machtverhältnisse zumindest in Grundzügen zu verstehen und gängige beschreibende Modelle zu kennen. In diesem Zusammenhang werden die Begriffe Governance, Partizipation, Empowerment und Kommunikative Planungsansätze in Ansätzen erklärt, die in der aktuellen Diskussion und Literatur in der Stadtentwicklung eine wesentliche Rolle spielen. Danach werden kurz weitere planungstheoretische Zugänge und ihre Evolution beschrieben, die als Hintergrund für Projekte relevant sind, um diese zu positionieren und zu legitimieren. Die Regierung Venezuelas greift derzeit verschiedene Trends auf und schafft neue politische Strukturen. Die Reformen sind tiefgreifend, auf der einen Seite erstarkt der Staat, schafft neue Regulative und unterstützt die Armen, andererseits bedient er sich der gewinnbringenden Ressourcen, zentriert seine Macht und schafft eine neue Elite. Die Veränderung schafft auch für die Stadtentwicklung neue Akteure, die Effizienz und Bürgernähe vermitteln wollen. Sogenannte Consejos comunales (Gemeinschaftliche Räte) sollen die gewachsenen Strukturen in formelle Kleinregierungen gießen und somit eine neue Politikstruktur von der Basis aus entstehen lassen.

Planungsrelevante grundlagen zu Macht und Gesellschaft

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Das rapide Wachstum von Städten wie Caracas hatte zur Folge, dass die Fähigkeit von Regierungen, diese zu managen, nicht Schritt halten kann und konnte. Der steigenden Notwendigkeit für geplantes und leistbares Land, Wohnen und Services wurde nicht entsprochen, weder durch direkte Bereitstellung noch durch Anreize im privaten Sektor (Payne, Majale 2004, S. 10). Die negativen Auswirkungen (Sozialwesen, Umwelt, Infrastruktur, Politik) verspürten vor allem die Armen, die darauf angewiesen waren, eigene Lösungen zu finden. Die Bevölkerung in den informellen Quartieren sah sich im Lauf der Geschichte mit einem Wechselbad aus Repression, Negation und politischem Missbrauch konfrontiert (siehe auch Kapitel Barrios und Wohnen). Die fehlende Zuwendung führte zu Misstrauen und wenig Akzeptanz gegenüber der jeweiligen Regierung. Trotzdem haben die Bewohner informeller Siedlungen stets versucht, in die städtischen Machtstrukturen einzugreifen und ihre missliche Lage zu verbessern, z.B. durch Gründung sozialer Bewegungen oder durch Klientelismus. Es wurde vermehrt die Zivilgesellschaft gestärkt, um die Schwäche des Staates auszugleichen und sich im Spannungsfeld zwischen Markt und Staat zu behaupten zu können (Pacione 2005, S. 588). Der


schwache Staat und die fehlende Kontrolle des Administrationsapparates, die Korruption und Schikanen im Verkehr mit Behörden, verstärken die Strukturen der Ungleichheit (Pacione 2005, S. 589). Die „Strukturanpassungsprogramme“ des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in den 80 und 90er Jahren verhießen eine weitere Verschiebung von Machtstrukturen aus den Bereichen des Staates in die freie Wirtschaft und beschleunigten so die separierenden Prozesse des schwachen und wenig regulativen Staates und lenkten die Orientierung auf politisch wie monetär profitablere Bereiche, also Infrastrukturen in reichere Stadtquartiere, kein staatlicher Wohnungsbau, beschränkter öffentlicher Raum (Pacione 2005, S. 596). Auf das Defizit reagierte die Zivilgesellschaft mit einer zunehmenden Selbstorganisation und einer Redemokratisierung der Basis, die im Wesentlichen die Verbesserung der Lebensbedingungen anvisierte, weniger die Infragestellung von politischen Dogmas. Die Stärkung der Zivilgesellschaft ist – aus unterschiedlichen Gründen – oft verlangte Antwort und Folge von Deregulierung und Entstaatlichung. Die Rolle des Staates als soziales Korrektiv ist in der Krise. Macht hat heute nicht im Staat sein Zentrum. In diesem Zusammenhang wird Macht von verschiedenen Akteuren ausgeübt, zivilen Organisationen, staatlichen Institutionen, Konzernen, privaten Interessen etc. Dennoch wird dem Staat das größte Potential eines Korrektivs sozialer Ungleichheiten zugeschrieben. Governance Governance ist die Bezeichnung eines umfassenderen Begriffs des Regierens, der alle Akteure und Prozesse mit berücksichtigt und so diese sich verschiebende Grenze zwischen Staat und Zivilgesellschaft beschreibt. (vgl. Irazábal 2005, S. 43)

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The concept of “governance” is not new. It is as old as human civilization. Simply put “governance” means: the process of decision-making and the process by which decisions are implemented (or not implemented). […] An analysis of governance focuses on the formal and informal actors involved in decisionmaking and implementing the decisions made and the formal and informal structures that have been set in place to arrive at and implement the decision. […] Government is one of the actors in governance, […] other actors may include influential land lords, associations of peasant farmers, cooperatives, NGOs, research institutes, religious leaders, finance institutions politi-


Empowerment Das Ziel, mehr Autonomie und Selbstbestimmung zu erhalten, also mit Kompetenz und Mut zu erfolgreicher Selbsthilfe zu kommen, wird in der Entwicklungsdebatte mit Empowerment beschrieben. Das Ideal einer Beziehung zwischen unterschiedlichen Akteuren, im speziellen zwischen benachteiligten Gruppen und den Machthabenden ist es, erstere zu bestärken, Rechte einzufordern, in die Zivilgesellschaft zu integrieren. In diesem Sinne bedeutet Empowerment vielfach die Stärkung und Integration in die Zivilgemeinschaft. Allerdings basiert dies auf der Macht, dem Potential und den Ressourcen, die einer Gruppe zur Verfügung stehen. Friedmann (1992) teilt diese in 8 Kategorien. Ohne Zugang zumindest in einigen der folgenden Bereiche lebende Haushalte werden als in absoluter Armut lebende Haushalte klassifiziert und somit als nicht fähig, ihr Umfeld – also auch ihr politisches - zu verbessern oder zu verändern. Sie können also nicht ohne fremde Hilfe aus der Armut entkommen.

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4.

5.

ANALYSE

Defensible Life Space. Sicherer Lebensraum Also der unmittelbare Haushalt, wo gegessen, geschlafen wird und wo persönliche Gegenstände sicher aufbewahrt werden können. Surplus Time. Verfügbare Zeit Zeit, die über die für notwendige Basiserhaltung hinausgeht. Also außer Arbeitszeit, Fahrtzeiten, Zeit für Besorgung von Essen, Wasser, wichtigste Haushaltsaktivitäten, etc. Knowledge and skills. Wissen und Fertigkeit Voraussetzung, dass zumindest Teile armer Haushalte auch Ausbildung erhalten können, dabei auch die zeitlichen Ressourcen und den Willen haben, um hierin zu investieren. Appropriate information. Angepasste Information z.B. relevante Informationen für Arbeit, öffentliche Services, Krankenversicherung, Hausbau Social organisation. Soziale Organisation 143

1.

Squatters must assert themselves in a world that wants do deny their legitimacy and, in most extreme cases, deny them the right to exist altogether. To challenge this, squatters will have to mobilize and organize. They will have to learn how to engage the political system, how to strategize, how to take risks, and how to assess which risks to take. They will have to tap the strength they already have but don’t yet see in themselves. (Neuwirth 2006)

GOOD (URBAN) GOVERNANCE

cal parties, the military etc. […] The situation in urban areas is much more complex. […] All actors other than government and the military are grouped together as part of the “civil society.” In some countries in addition to the civil society, organized crime syndicates also influence decision-making, particularly in urban areas and at the national level. (UNESCAP)


6.

7.

8.

144

Die Grafik nach Friedmann (1992) zeigt die Zusammenhänge zwischen den Machtstrukturen in der Gesellschaft und ihrer zur Verfügung stehenden Mittel.

Formelle und informelle Organisationen, die zugänglich sind: Sparvereine, Kirchliche Vereine, CBOs (Community Based Organisations). Sind auch Basis für Information, gegenseitige Hilfe und kollektive Aktion. Social networks. Soziale Netzwerke Im Prinzip der Gegenseitigkeit agierende Netzwerke mit Freunden, Familien, Nachbarn und Gleichgesinnten. Instruments of work and production. Ressourcen für Arbeit und Produktion Die zur Verfügung stehenden Materialien und Werkzeuge z.B. aus informeller Produktion oder dem Haushalt. Financial resources. Finanzielle Ressourcen Ressourcen aus dem Einkommen oder formellen wie informellen Kleinkreditarrangements.


Klientelismus und klientelistisch geprägte Organisationen Im Austausch gegen meist politischen Support unterstützt der „Patron“ den Klienten in seinen Forderungen. Das Verhältnis ist ein sehr ungleiches, zumal der „Patron“ zumeist mehr Macht, mehr Geld und einen höheren Status hat. Klientelismus hat eine lange Tradition in vielen Gesellschaften der sogenannten dritten Welt und lebt vor allem in benachteiligten Gebieten fort. Es ist eine Politik der Gunst und des Wohlwollens. Oft wird argumentiert, dass bei diesen Verhältnis der ungleiche Status aufrechterhalten wird (Pacione 2005, S. 591–592). Die Lokalpolitiker versprechen beispielsweise infrastrukturelle Leistungen oder die Legalisierung des Viertels und erwarten im Gegenzug von den Bewohnervereinigungen deren politische Unterstützung bei Wahlen (Zellhuber 2006, S. 98). Das gezielte Hinauszögern bestimmter Leistungen zur Aufrechterhaltung des Abhängigkeitsverhältnisses gehört wie das Ernten der Früchte nach Vollendung eines Projektes zur Strategie der Lokalpolitiker (Zellhuber 2006, S. 98). Noch deutlicher wird die Relevanz dieser oft auch im Hintergrund agierender Akteure. Blum (2004) und Neuwirth (2006) beschreiben zum Beispiel wie in Brasilien die Drogenbanden die Planung und Entwicklung beeinflussen und sich auch Planer mit ihnen arrangieren müssen. Gerade dort, wo Drogenbanden bestimmte städtische Einrichtungen ersetzen, wird deutlich, wie sehr diese interessiert sind, dass sich informelle Quartiere nicht in das städtische Netz fügen.

ANALYSE On the basis of their situation in the urban structure, the squatters tend to organize themselves at the community level. Their organisation does not imply, by itself, any kind of involvement in a process of social change. […] Futhermore, the state´s attitude towards squatter settlemends predetermines most of their characteristics. Thus the connection between squatters and the political process is a very close one. (Castells 1983, S. 190)

GOOD (URBAN) GOVERNANCE

Beziehungen und Organisationen Um Interessen einzubringen und Defizite auszugleichen, organisieren sich die Bewohner und versuchen entweder direkt oder über einen Patron oder Gönner – meist ein Lokalpolitiker oder eine einflussreiche Person – in den stadtpolitischen Prozess einzugreifen. Basisorganisationen entstehen u.a. weil benachteiligte Gebiete von einer Partizipation im formellen politischen Entscheidungsprozess und der staatlichen Wohlfahrt ausgeschlossen werden und dies zur Selbsthilfe antreibt. Pacione (2005) unterscheidet 3 Typen relevanter politischer Aktionsformen. Die Übergänge sind fließend, aber für eine Analyse der Akteure ist es unumgänglich, auch Profile zeichnen zu können. Bei einer Planung wird es sehr hilfreich sein, Sprachrohre und Machtverhältnisse zu erkennen.

145

Soziale Stadtteilorganisationen Basisorganisationen, CBOs (Community Based Organisations) oder Grasswurzelbewegungen (Grassroot Movements) Die Vielfalt von Interessensgruppen ist groß. Sie spielen als wich-


tige Akteure für die Stadtentwicklung und die Integration eine wesentliche Rolle. Sie bauen Infrastrukturnetze auf, basierend auf den Prinzipien der Kooperation, der Selbsthilfe, der Vernetzung. In vielen Bereichen sind Basisorganisationen auch durchaus pragmatisch ausgerichtete funktionierende lokale Institutionen. In der Literatur wird darauf hingewiesen, dass ihre Problemlösungskapazität und die Zielsetzung einer Veränderung der politischen und gesellschaftlichen Lage oft deutlich überschätzt wird und wurde. Ihre Haupterrungenschaften liegen in der direkten Qualitätssteigerung der unmittelbaren lokalen Orte (Zellhuber 2006, S. 99; Schuurman, Naerssen 1989). Aber gerade deshalb stellen sie einen wichtigen Akteur und Partner in der Planung der Verbesserung lokaler Infrastruktur und ihrer Akzeptanz dar. Der direkte Zugang zur Bevölkerung und die Bereitschaft zur Mitsprache sind die Basis für Kommunikation und Planung mit einer Gemeinde. Im Spektrum dieser Gruppe liegen auch Interessensgruppen für Sport, Kinder, Nachbarschaftshilfe, Sparvereine, kirchliche Organisationen. Zum großen Teil sind sie nicht profitorientiert. NGOs (Non-Governmental-Organisations, Nicht-RegierungsOrganisationen und bestimmte politische Gruppierungen NGOs - national oder international agierend - unterstützen zumeist

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Die Grafik nach Friedmann {Friedmann 1992 #48 /yearonly} zeigt die Zusammenhänge zwischen den Machtstrukturen in der Gesellschaft und ihrer zur Verfügung stehenden Mittel.


Good Urban Governance und Partizipation Über die Idee von Partizipation und Good Governance besteht ein breiter Konsens und wurde so in den 2 Jahrzehnten zu einem zentralen Thema in der Debatte der nachhaltigen Entwicklungs- und Stadtpolitik (Irazábal 2005, S. 42). NGOs, die Weltbank, die UN und andere internationale Geberorganisationen definierten Good Governance. Die Kriterien dienen auch zur Bewertung und Evaluierung für Förderungen von internationalen Projekten in Entwicklungs- und Industrieländern. Das Attribut „good“ löst aber natürlich eine Debatte aus, die unterschiedliche Zugänge, Methoden und Erfahrungen zur Beschreibung und Anwendung bringt. Werte und Machtstrukturen werden verschieden interpretiert und führen natürlich zu verschiedenen Handlungsvorschlägen (UN Habitat 2002). Im Kern geht es aber darum, dass auch marginalisierte Teile der Stadtbevölkerung in die Entscheidungsprozesse miteingebunden werden. Eine Stadt soll einschließend, nicht ausschließend regiert werden. Das Konzept der Inclusive City und der Good Governance soll auf den jeweiligen Kontext übertragen werden können (UN Habitat 2002, S. 15). Dieses Konzept der Teilhabe von Macht und Entscheidung für potentiell schwächere Mitglieder beinhaltet eine Reihe von Strategien, die gerade für die Planung von Brisanz sind und ihren Prozess wesentlich beeinflussen.

ANALYSE GOOD (URBAN) GOVERNANCE

die Errichtung von Basisorganisationen. Sie bilden oft die lokalen Interessensgruppen aus, sammeln Informationen und vernetzen Personen und Organisationen. Viele betreiben selbst eine Vielzahl von Projekten und Maßnahmen in informellen Quartieren. Sie betreiben politischen Druck und Arbeiten sehr oft als Advokaten der benachteiligten Bevölkerung und bringen so viele Themen auf die formelle politische Agenda, die sonst ausgeklammert blieben.

Good governance has 8 major characteristics. It is participatory, consensus oriented, accountable, transparent, responsive, effective and efficient, equitable and inclusive and follows the rule of law. It assures that corruption is minimized, the views of minorities are taken into account and that the voices of the most vulnerable in society are heard in decision-making. It is also responsive to the present and future needs of society. [...] Good governance is an ideal which is difficult to achieve in its totality. (UNESCAP)

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Planen für weniger privilegierte Personen, Stadtteile wie Länder hat immer den Beigeschmack der verzerrten Machtverhältnisse zwischen


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It is the redistribution of power that enables the have-not citizens, presently excluded from the political and economic processes, to be deliberately included in the future. It is the strategy by which the have-nots join in determining how information is shared, goals and policies are set, tax resources are allocated, programs are operated, and benefits like contracts and patronage are parcelled out. In short, it is the means by which they can induce significant social reform which enables them to share in the benefits of the affluent society. (Arnstein 1969)

Planer und „Beplantem“. Um diese Schieflage auszugleichen stützt man sich auch in der Stadtplanung seit vielen Jahren auf partizipative Ansätze. Bürger sollen in die Entscheidungsprozesse miteingebunden werden, um damit die Legitimierung, Akzeptanz und Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen zu garantieren (Cabane 2007, S. 38). Die Mündigkeit und das Selbstvertrauen soll damit gestärkt werden, damit auch die Kompetenz der Bürger und Organisationen, aktiv in der Gesellschaft zu agieren (Empowerment und Community Building). Partizipation fördert die individuelle und soziale Verantwortung, und fügt ein Gefühl von Identität und Aneignung hinzu (Irazábal 2005, S. 48). Partizipation wird als gegenseitiger Lernprozess gesehen, der auch die Planer für die Anliegen und Zugänge schult. In manchen Fällen erhofft man sich auch durch Beteiligung der Betroffenen eine Effizienzsteigerung durch die lokalen Akteure, die Verantwortung übernehmen und oft viel Zeit und Eigenmittel einbringen (Zellhuber 2006, S. 127). Besonders dort, wo wenig staatliche Hilfe zu erwarten ist, wird auf Partizipation hingewiesen. Dennoch ist zu sagen: Staatliche Handlungsdefizite mit Selbsthilfe und Eigenmitteln der lokalen Bevölkerung auszugleichen ist sicherlich ein beschwerlicher Weg, und oft . Es gibt aber auch Positionen, die gegen eine zu starke Partizipation sprechen: So wird argumentiert, dass gegensätzliche Interessen und viele Unstimmigkeiten nicht über Partizipation alleine gelöst werden können. Besonders „schwache“ oder arme Teilnehmer werden möglicherweise ausgeschlossen oder es wird ihnen gegenüber feindlich argumentiert. Oftmals beteiligen sich die wirklich Betroffenen wenig, aktiv sind diejenigen die Bildung und Ressourcen mitbringen. Der Fokus läge zumeist in den unmittelbaren Bereichen des Gebietes, daher könnten regionale Interessen gehindert werden. Der Prozess der Partizipation könne für alle Beteiligten schnell frustrierend sein, da er Ressourcen und Zeit braucht, bis er Resultate ergibt (u.a. Selle 1996, Selle 2005). Und noch schlimmer: werden oft die Machtverhältnisse nicht verändert, also keine signifikanten Resultate erzielt und die Entscheidungsprozesse nicht anders als sonst gefällt. Oftmals werden reale Machtverhältnisse ungenügend analysiert und der Handlungsspielraum bleibt ein sehr geringer. Es gibt in der Literatur eine sehr aktive Debatte über die Partizipation und ihre reale Macht, die weit über „Planung“ hinausgehen, und die Relevanz und Nähe zu politischen Debatten über Demokratie bestätigen.


ANALYSE 1

Postwurfsendung Informationsveranstaltung Öffentliche Einsichtnahme etc.

KONSULTATION Öffentliche Diskussionsveranstaltung

2

Befragung BürgerInnenversammlung Stellungnahmen etc.

INFORMATION Arbeitsgruppe

3

Runder Tisch Planungszelle Umweltmediation etc.

Beteiligungsprozesse (Arbter et al. 2005, bearbeitet)

GOOD (URBAN) GOVERNANCE

MITBESTIMMUNG Aushang

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Arnsteins Stufenmodell der Partizipation Arnstein (1969) beschreibt 8 Stufen der Beteiligung einer Bevölkerung in die politischen Entscheidungsprozesse. Bis heute bleibt diese Einteilung mit Einschränkungen aktuell. Die meisten der Regierungen in Lateinamerika fallen in den Bereich der Nicht-Partizipation. Choguill (1996) hat das Stufenmodell von Arnstein weiterentwickelt, da er behauptet, dass sich das Modell für die Bewertung im Kontext der developing countries weniger eignet. Interessant ist, dass Choguill (1996) Empowerment und Selfmanagement als höchste bzw. niedrigste Stufe ansetzt. Es wird argumentiert, dass Gemeinschaften (community wird hier und im folgenden Text mit Gemeinschaft übersetzt) nicht nur den Aufbau und den Upgrade der Infrastruktur und Häuser mittels Selbsthilfe, sondern auch Entscheidungen in der politischen Arena zu bewirken haben, also auf 2 Ebenen arbeiten (1996, S. 2). Sie wollen also nicht nur Teilhabe an den politischen Entscheidungsprozessen, sondern auch direkte Verbesserung ihres Lebensumfeldes. Viele Regierungen sehen es nicht gern, wenn die Bürger sich zu aktiv formieren, denn es könnten zu viele neue Forderungen gestellt werden und Macht- und Korruptionsbeziehungen angekreidet werden. Das mehrschichtige Konzept von Choguill ist sehr interessant, weil es nicht allein die aktive Beteiligung der Bevölkerung (bottom-up vs. top-down) beschreibt, sondern auch die effektive Zuwendung der Regierung zu informellen Siedlungen berücksichtigt. Die Politik gegenüber den informellen Siedlungen ist verschiedenen Trends ausgesetzt und oftmals nur über eine Regierungsperiode wirksam. Ein neuer Bürgermeister kann eine völlige Veränderung der Situation darstellen. Eine Haltung, die zwischen Unterstützung, Manipulation, Vernachlässigung und Ablehnung wechselt, kann sehr demobilisierend wirken und das Potential, Verbesserungen zu schaffen, gravierend beeinflussen (Choguill 1996). Erfolgreiche Programme sind langfristig angelegt und nicht der jeweiligen politischen Konjunktur unterlegen. Viele Projekte werden aber politisch missbraucht, und laufen so Gefahr, bei einer politischen Trendwende keine Unterstützung mehr zu bekommen.


Ein Stufenmodell für community participation nach Choguill (1996). Eigene Kommentare und Beispiele hinzugefügt.

1.

Empowerment (Ermächtigung) Die Gemeinschaft initiiert und hat die Kontrolle über das Projekt und die Programme. Mögliche Unterstützung von außen durch NGOs oder Gemeindeorgane. Als Beispiel wird Jardim Celeste in Sao Paolo, Brasil beschrieben: Das Projekt ist ein Wohnbauprojekt bei dem 1400 Objekte gebaut wurden. Das Projekt wurde mehrheitlich durch staatliche Gelder finanziert, und eine Technische Assistenz bereitgestellt. Durchgeführt wurde das Projekt aber von einer lokalen Volksinitiative und der katholischen Kirche. Der Prozess setzt ein Loslassen staatlicher Autorität und Vertrauen in lokale Akteure wesentlich voraus.

Empowerment

150

2.

3.

Conciliation (Besänftigung, Beschwichtigung) Von der Regierung wird eine Entwicklungsstrategie entworfen und von der lokalen Bevölkerung ausgeführt. Die Gemeinschaft wird möglicherweise an bestimmten Zeitpunkten der Implementierung befragt, aber üblicherweise gezwungen, die Sichtweise der Planungseinheit zu akzeptieren. Sie hat also wenig Möglichkeiten, in den Prozess einzugreifen und ihn zu beeinflussen. Als Beispiel führt Choguill den Masterplan zur Verbesserung der Umweltsituation der Stadt Curitiba an. Der Ansatz wird auch von Irazabal (2005) als top-down Ansatz klassifiziert. Die Planungselite setzte in Curitiba ihre Überzeugung erfolgreich um, und der Plan hat bis heute einen sehr guten Ruf.

Partnership

Partnership (Partnerschaft) Außen stehende Planern und Mitgliedern der Gemeinschaft teilen Planung, Entscheidungen und die jeweilige Einbindung der Bevölkerung. Als typische Vorgangsweise wird beschrieben, das die Gemeinschaft die Projekte absegnet, Arbeitskraft stellt, in den Betrieb und die Wartung der Anlagen eingewiesen wird. Nach der Fertigstellung ist die Gemeinschaft allein verantwortlich.

4.

Conciliation

Dissimulation

Dissimulation (Verheimlichung) Ab dieser Stufe wird die Bevölkerung marginaler Stadtteile durch Regierungen zunehmend allein gelassen. Die Politik wird also eher ausschließend als einschließend. Es wird eine technische Planungseinheit erschaffen, komplementär dazu ist die Bevölkerung nur beratend involviert. Die Bevölkerung wird abgehalten, die Vorgangsweise abzusegnen, ohne ihren Input vollinhaltlich zu integrieren. Der Prozess entspricht mehr einer Erziehung denn einer Partizipation. Oftmals wird die Unterstützung der Bevölkerung in bestimmte Bahnen umgeleitet, die Beteiligung der Bevölkerung soll damit lediglich den formulierten demokratischen Zielen gerecht werden.


ANALYSE Diplomacy

6.

Informing

Informing (Information) Informieren bedeutet ein top-down, unidirektionales Fließen von Information über die Rechte und Verantwortungen. Es gibt keine Möglichkeit einer Intervention, Feedback oder Verhandlung. Projekte scheitern mitunter am fehlenden Interesse der Bevölkerung und der mäßigen Anpassung an die lokale Situation. Die Planung wird von technokratischen Einheiten, externen Beratern oder regierungsinternen Planern vorgenommen. Die Gemeinschaft wird wenig eingeschult und für die Projekte sensibilisiert, erkennt den Sinn nicht und deshalb kommt es auch sehr schnell zu einer Verwahrlosung nach der Fertigstellung.

7.

Conspiracy (Konspiration, Verschwörung) Keine Partizipation ist angedacht oder erlaubt. Die Regierung hat kein Interesse, der armen Bevölkerung zu helfen, ihnen Alternativen anzubieten. Die Gemeinschaften sind vor allem ein Dorn im Auge. In bestimmten Fällen verkleiden die Maßnahmen auch den Nutzen für andere Interessensgruppen. Von Law and Order Politik gegenüber bestimmten Gruppen bis zur Räumung informeller Siedlungen gibt es in der Geschichte eine Vielzahl von Beispielen, die bis heute die Vorgangsweise von Regierungen prägen. Bei einer Vielzahl von Projekten ist sehr deutlich die Dominanz von Fremdinteressen sichtbar und umgesetzt.

Conspiracy

8.

GOOD (URBAN) GOVERNANCE

Diplomacy (Diplomatie) Genauso wie Stufe 4 ist die Diplomatie eine Form der Manipulation. Die Regierung erwartet – aus fehlendem Interesse und Geld oder aus Inkompetenz –, dass die Gemeinschaft selbst die notwendigen Verbesserungen vornimmt, oft mit der beinah heroischen Assistenz einer außenstehenden Organisation. Falls sich Projekte gut entwickeln, kann sich die Taktik der Regierung ändern, um sich die Erfolge auf die Fahnen zu heften. Es werden öffentliche Hearings veranstaltet. Es gibt aber keine Sicherheit, dass Anmerkungen der Bevölkerung miteinbezogen werden und die Projekte überhaupt umgesetzt werden. Es gibt viele Beispiele des Engagements ausländischer NGOs, die dann je nach Erfolgsgrad auch von der örtlichen Regierung übernommen werden. Anfangs werden die Einsätze selten mitunterstützt. Die Bevölkerung sieht sich aber auch hier mit einer sehr klaren Machtsituation konfrontiert.

Self management

Self-Management (Selbstverwaltung) Die Regierung hilft den Betroffenen nicht, sondern diese versuchen sich selbst zu helfen, indem sie ohne Unterstützung Verbesserungen planen und Netzwerke aufbauen. Manchmal werden diese von außen unterstützt durch die Hilfe von NGOs. Die Netzwerke und sozialen Organisationen ersetzen das totale Fehlen und die Nichtbeachtung einer Regierung mit sehr unterschiedlichem Erfolg. Die Gemeinschaft erzeugt oft ein Netz sozialer Infrastruktur, welches fehlende Einrichtungen selbst betreibt.

151

5.


Comités de la Tierra Urbana bei der SELVIP Konferenz in Buenos Aires

152

Beim Planen geht es – abstrakt formuliert – meist darum, irgendetwas an einer als nachteilig empfundenen Sachlage durch überlegtes Handeln zu verbessern. (Schönwandt 2002, S. 8)

Die Evolution der Planungsparadigmen und die Integration der betroffenen Architektur stellt die Frage von Macht selten und gerät so nur allzu oft zu einer Dienstleistung, die Gestaltinteressen in den Vordergrund stellt, und hat damit mit Visionen wenig zu tun. Sie verliert dadurch die Fähigkeit, an die Wurzel von Problemen vorzustoßen und gesellschaftliche Fragen zu stellen und - noch weniger - zu beantworten. Diese apolitische Haltung macht Raum für Opportunismus und Trend. Gerade im Zusammenhang mit der Planung für schwächere Gruppen der Gesellschaft ist die Rolle des Architekten immer wieder neu zu hinterfragen. Deshalb greife ich in diesem Kapitel dieses Thema anhand der Charakteristika von allgemeinen Planungsmodellen kurz auf. Die Theorie zur öffentlichen Planung hat seit den 60 Jahren versucht, der Bedeutung nach mehr Partizipation Rechnung zu tragen. Gleichzeitig haben sich das Selbstverständnis und die Rahmenbedingungen von öffentlicher Planung deutlich verändert. Diese vielen gegensätz-


ANALYSE GOOD (URBAN) GOVERNANCE

lichen Zugänge haben einen Paradigmenwechsel in der Kultur der Planung im öffentlichen Interesse erzeugt und das Selbstverständnis von Planung deutlich hinterfragt. Architekten wurden von den Diskussionen stark zurückgenommen und haben sich zunehmend depolitisiert. Strukturanpassungsprogramme haben Kernbereiche des Staates anderen - nicht mehr durch Einfluss der Regierung planbaren - Mechanismen freigegeben. Einerseits wurden damit viele Kernbereiche der Politik entzogen, meistens privatisiert, damit manches beschleunigt, verbessert oder entbürokratisiert, manches unsozial, unzugänglich, willkürlich gestaltet oder ruiniert. Anderseits muss die lokale Politik eher Rechenschaft ablegen für die getätigten Maßnahmen, und hat damit eine streitbarere Planungskultur erzeugt. In Südamerika ist der Einfluss durch Privatisierung, Deregulierung und Globalisierung besonders stark. Das Scheitern der importsubstituierenden Modelle und die Schuldenkrise machten den Weg frei für den Neoliberalismus. Die sozialen Unterschiede sind krasser geworden. Der Staat, die wichtigsten Säule, die einen gewissen Ausgleich vollziehen könnten, hat ihren Einfluss eingebüßt, ist schwächer geworden, und damit muss auch die Rolle der öffentlichen Planung als geringer eingeschätzt als noch vor etwa 30 Jahren. Die Zivilgesellschaft, deren Potential besonders groß eingeschätzt wird, hat nur beschränkten Zugriff und beschränkte Ressourcen. Non-deterministic approaches, incrementalism, local dialogue and communication all seem fine as long as they involve a certain group of urban elements concerning equally strong interest groups. According to some, parks, public space, community facilities even cultural buildings might be successfully implemented according to these principles. Very different though, the realization of a new underground rail line or the implementation of a new airport, for example, emphasizes the limitations of any ‘unplanned’ approach. (Philipp Rode 2006, S. 10)

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Verschiedene Planungsmodelle haben die Diskussion in den letzten 40 Jahren beherrscht (Schönwandt 2002, S. 13). Die Möglichkeiten der Definition und Einteilung ist beinahe unbegrenzt. Die Modelle beinhalten verschiedene Grade von Partizipation und definieren die Rolle des Planers sehr unterschiedlich. Sie dienen als universale Modelle, d.h. werden nicht explizit nur der Architektur oder Stadtentwicklung zugehörig beschrieben. Die unterschiedlichen Modelle werden nach ihrer chronologischen Entstehung beschrieben, und sind bis heute alle gleichzeitig in Verwendung. Schönwandt (2002)


beschreibt in seiner Zusammenfassung 7 Planungsmodelle, die Aufschluss geben, und gerade für Architekten, die in der Stadtplanung tätig sind, kritische Ansatzpunkte beinhalten: 1. Das rationale Planungsmodell 2. Das Modell der Advokatenplanung 3. Das neomarxistische Planungsmodell 4. Das Modell der sozial gerechten Planung 5. Das Modell des sozialen Lernens und des kommunikativen Handelns 6. Das radikale Planungsmodell 7. Das liberale Planungsmodell Im Folgenden werde ich 4 davon beschreiben, orientiere mich dabei an Schönwandt. Zu jedem Modell gehören natürlich eine Reihe von Methoden, Arbeitsstilen und Fähigkeiten. Das rationale Planungsmodell Ist der Ausgangspunkt für die meisten anderen Planungsmodelle. Der Planer analysiert die Situation, legt die Ziele fest, entwirft mögliche Handlungen und beurteilt diese nach möglichen Konsequenzen, um sich schließlich nach „rationalen“ Kriterien für die beste Handlung zu entscheiden. Von 1945 bis etwa 1970 war das rationale Planungsmodell so dominant, dass westliche Planungsmethodik mit

ANALYSE DER SITUATION

FESTLEGEN DER ZIELE

ENTWURF der HANDLUNGEN

VERGLEICHENDE BEURTEILUNG der KONSEQUENZEN

154

dem rationalen Planungsmodell gleichgesetzt wurde. In Architektur und Städtebau ist dieses Modell besonders präsent, und wurde – kaum kritisch reflektiert – umgesetzt (die städtebauliche Planung der Moderne, die Umsetzung der Charta von Athen etc.) Der Planer – Fachmann, Experte (ergo Universalgenie) – absorbiert das öffentliche Interesse und plant. Öffentlichkeit wird auf eine undifferenzierte, homogene Gruppe projiziert. Soziale, ethnische oder geschlechtliche Unterschiede werden als unbedeutend oder als in der Normierung und Standardisierung inhärent angesehen. Die kritische Auseinandersetzung mit dem „Gott-Vater-Modell“ (Selle 1996, S. 38) und die Ernüchterung der Grenzen der rationalen Planung


ANALYSE GOOD (URBAN) GOVERNANCE

kam Anfang der siebziger Jahre. Begriffe wie objektiv, rational, optimal oder Expertenwissen werden als auf Werten und gesellschaftlichen Normen basierende Konstrukte entlarvt. Also zu positivistisch, ahistorisch, technikgläubig, antidemokratisch und apolitisch lautet der Tenor der Kritik am Planungsmodell. Das Modell akzeptiere den politischen status quo, ja unterstütze das politische Establishment und erhalte damit die Werte der Ober- und Mittelschicht. Dennoch besitzt dieses Modell in seinem Ablauf die unbestrittene Stärke, auch wenn es die Rolle des Planers in den Vordergrund stellt. In wesentlichen Zügen ist die traditionelle Methode in der individuellen Architektur bis heute starker Vertreter eines rationalen Planungsmodells. Als Reaktion auf die Krise und in Verruf gekommene rationale Planung emanzipierte sich auch eine sehr interessante Konzeption: Das „muddling through“, quasi das Durchwursteln. Es folgt zwar den Routinen rationaler Planung, fokussiert aber den Prozess, der einer ständigen Neudefinition und Neuausrichtung bedarf, also einer ständigen Aktion des Planers, um auf unvorhersehbare Situationen reagieren zu können.

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Die Advokatenplanung Mitte der sechziger Jahre wurde in Reaktion auf die technokratischen und top-down gesteuerten Planungen die Advokatenplanung entwickelt. Der Planer ist der Advokat, der Anwalt der Schwächeren und hilft beim Durchsetzen der Interessen gegenüber den Stärkeren. Anstelle eines Masterplans verlangte die Advokatenplanung die Erstellung mehrerer Pläne, in die Fragen des Vorteils und Nachteils für die Betroffenen in den Vordergrund traten. Der Erfolg der Advokatenplanung wird aufgrund der gleichbleibenden Machtverhältnisse und des Selbstverständnisses der Planer als ernüchternd klassifiziert, dennoch hat sie einen Paradigmenwechsel eingeleitet, der zu einer Vielzahl von neuen Ansätzen führte. Eine Folge war das weitere Hinterfragen der Machtverhältnisse und der strukturellen Beziehungen zwischen Planung und Gesellschaft. Die Auffassung, der Planer sei nicht mehr als ein Handlanger des Kapitals und seine Vorstellungen der eigenen politischen Möglichkeiten eher naiv führte aber zu wenig Möglichkeit einer Neudefinition der Aufgabenfelder. Diese Auffassung wird auch als das neomarxistische beschrieben. Den Weg innerhalb der Institutionen gehen und somit mit progressiven und gleichgesinnten Politikern paktieren, also die Interessen innerhalb der politischen Arena zu bündeln wird als sozial gerechtes Planungsmodell beschrieben.


Planung wird als ein interaktiver und iterativer Erarbeitungsprozess verstanden, der in Wechselwirkung zwischen Projekt und Konzeptentwicklung stattfindet. So können Lernprozesse und Korrekturen ablaufen sowie neue Erkenntnisse einfliessen. Damit ist Planung gefordert, sich als offener Prozess zu vestehen, der flexibel auf neue Inhalte eingeht und ergebnisoffen ist. (Sinning 2003, S. 79)

Das Modell des sozialen Lernens und des kommunikativen Handelns Aus der Beobachtung, dass Planung eine interaktive, also kommunikative Tätigkeit ist, bildete sich ab den siebziger Jahren eine Denkrichtung der Planung als kommunikative Praxis. Es geht darum, Themen gemeinsam zu erarbeiten, in einem Dialog gemeinsam zu lernen und die Aufmerksamkeit zu schärfen. Der Ansatz stützt sich größtenteils auf die kritische Theorie von Habermas, nach welcher wissenschaftliche Methodik nicht einfach „Wahrheit“ produziert. Wissenschaft deshalb ist vielmehr ein Werkzeug, das zur Manipulation eingesetzt werden kann. Daher basiert der Wahrheitsanspruch auch nicht auf Universalität, sondern ist ein pragmatisches Konzept: Wahr ist das, was die Teilnehmer einer unverzerrten Kommunikation – einer sog. Idealen Sprechsituation – als wahr akzeptieren. Es ist also die Macht des besseren Arguments, die als Prozess einer Entscheidungsfindung relevant ist. Dieses Konzept bietet viele Freiheiten für Planer, weil er nicht dazu nötigt wert-neutral zu sein. Es ist ein dynamisches Konzept von Wissen und mindert nicht den Wert von Erfahrung gegenüber Expertenwissen. Außerdem werden demokratische Aspekte in der Planung gestärkt. D.h. die Bewohner werden von den Planern nicht mehr analysiert, sondern aktiv in die Planung miteinbezogen. Das Konzept der „idealen Sprechsituation“ wird von vielen Seiten kritisiert, weil es in der Realität nicht vorkommt. So gäbe es keinen machtfreien Diskurs, jedenfalls nicht in der Planung. Aus diesem Grund ist vor allem das Thema der Macht in den Vordergrund gerückt, weil Macht auch eine produktive und konstruktive Größe ist: Zu einer zentralen Frage wird deshalb, wie Macht ausgeübt wird und weniger wer Macht hat und warum.

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Das liberale Planungsmodell Das Modell geht davon aus, dass Planung nur dann eingreifen sollte, wenn die Mechanismen des freien Marktes versagen und Planung einer Haltung des Sich-selbst-Überlassens klar überlegen wäre. Nicht unrichtig wird oft von übertriebener, unübersichtlicher Planungsund Regelungswut und „Deregulierung“ proklamiert. Das Konzept des freien Marktes impliziert aber eine Reihe von Schwierigkeiten: Die Freiheit ist begrenzt, der Markt funktioniert nach bestimmten Regeln. Der Markt ist nur für diejenigen frei, welche die Zugangsvoraussetzungen erfüllen (finanzielle Mittel, Kenntnisse, Zeit …) Das liberale Konzept propagiert zwar „Freiheit“, ignoriert aber Konzepte wie „Gleichheit“.


ANALYSE GOOD (URBAN) GOVERNANCE 157

Gegenüberstellung der konventionellen Regierensform und Governance bzw. Bürgerbeteiligungsmodellen (Irazábal 2005, S. 55)


Situation in Venezuela: Die Formalisierung und Formierung der Zivilgesellschaft Venezuela hat in einen eigenen Weg eingeschlagen. Ich will hier in diesem Abschnitt Venezuela gemäß der theoretischen Einführung abgrenzen und Eckpunkte über die örtlichen Bedingungen für Planen in und für informelle Siedlungen beschreiben. Die Wahl des Präsidenten Chávez im Jahr 1998 stellt für das Land einen fundamentalen Bruch dar. Seit dieser Zeit gab es eine ganze Reihe von Änderungen, die das Verhältnis von Staat, Markt und Zivilgesellschaft neu definieren. Sukzessive wird die Gesellschaft gemäß neuer sehr oft unklar definierter Normen neu konstituiert. Der proklamierte Aufbau des Sozialismus des 21. Jahrhunderts beinhaltet einerseits Elemente einer partizipativen Demokratie, andererseits eine wesentliche Stärkung des Einflusses des Staates in viele Lebensbereiche, eine Regulierung und teilweise Verstaatlichung bestimmter Schlüsselmärkte. Chávez wurde mehrheitlich mit den Stimmen der armen Unterschicht gewählt, und mittlerweile viele Male bestätigt. Er hat es geschafft, die unterprivilegierten Schichten zu mobilisieren, ihnen ein politisches Bewusstsein zu vermitteln und ihre Kraft der Wählerstimme einzusetzen. Der Widerspruch seiner persönlichen Machtstellung und der proklamierten partizipativen Demokratie wird zwar erkannt, aber von vielen Anhängern nicht als problematisch gewertet (Diesen Eindruck hatte ich nach vielen Gesprächen mit „Chavistas“). Wie in Kapitel Venezuela beschrieben besteht aber eine tiefe Kluft zwischen den Anhängern Chávez und seinen Opponenten. Viele neue Taten des Phänomens Chávez, wie die vielen Kredite, die an Kooperativen vergeben wurden, die Beihilfe zur Mitbestimmung und die Misionen, tragen zu einer Partizipation im Treffen von Entscheidungen und der Empfindung der Aneignung der städtischen Arbeiter, Landarbeiter und der Bewohner der Barrios bei, und passen sich in ein in die Einstellung „von unten“ (Ellner 2006, S. 90, Eigene Übersetzung)

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Soziale Bewegungen haben insgesamt 642 Vorschläge an die Versammlung zur Erstellung einer neuen Verfassung eingebracht und liefern damit ein herausragendes Beispiel für Partizipation im politischen Prozess. Mehr als die Hälfte der Vorschläge wurden in die Verfassung von 1999 eingearbeitet (Garcia-Guadilla 2003). Es wurden Erfahrungen der Zivilgesellschaft, der sozialen Organisationen in die Verfassung integriert (vgl. auch Jácome 2007).


ANALYSE GOOD (URBAN) GOVERNANCE 159

Mit Ende der Diktatur 1958 und bis in die 80er Jahre entstand eine Vielzahl von zivilen Organisationen in unterschiedlichen Konsolidierungsgraden und Ausrichtungen. Das staatliche Handlungsdefizit wird durch zivile Akteure und Organisationen gemildert. Aber erst Ende der 80er Jahre kommt es zu einer vermehrten Protestbewegung und Radikalisierung ziviler Organisationen aufgrund der steigenden Kosten für Wasser, Fahrtkosten und Probleme in der Infrastruktur. Diese Entwicklung gipfelt 1989 im sog. „Caracazo”. Seit dem es eine zunehmende Politisierung der sozialen Organisationen kommt, die auch den Boden für den derzeitigen Präsidenten ebnet. (vgl. auch Herdin 2005, S. 103–104; Jácome 2007, S. 207–208) Die Zivilgesellschaft zählt im Jahr 1998 mehr als 25.000 Organisationen. Das spiegelt einerseits eine Vernachlässigung und Defizite des Staates wider, andererseits eine lebhafte Entwicklung ziviler und sozialer Netze. Mit der Regierung unter Chávez gibt es bedeutende Veränderungen, die vor allem die Trennlinien zwischen Staat, Zivilgesellschaft und Markt betreffen. Nach Jácome (2007) zwingt die Neudefinition der Rolle von Zivilgesellschaft gemäß dem bolivarianischen Sozialismus die Organisationen zu Reaktionen. Die fundamentale Polarisierung führte zum Übernehmen einer kritischen Haltung, die oftmals mit einer fehlenden Unterstützung bestraft wurden. Zum Beispiel erkannte man Organisationen, die von bestimmten ausländischen Organisationen mitfinanziert wurden, die Unabhängigkeit ab und kappte folglich die staatliche Zuwendung. (Dies betrifft eine Menge von Organisationen im sozialen Bereich, Menschenrechte, Wahlrecht, Bürgerrechte) Andererseits veranlasste der Prozess viele Organisationen die Pläne und Programme der Regierung anzunehmen und durchzuführen. Nebenbei gab es natürlich eine Vielzahl von Neugründungen und eine Neuorientierung vieler Organisationen, um dem Verdacht der Opposition zu entgehen und damit eine Konzentration auf möglichst politikfreie soziale Bereiche. Insgesamt entwickelte sich unter Chávez eine deutliche und gewollte Integration der Bevölkerung, vor allem eine Einbeziehung der marginalisierten Teile der Bevölkerung. Das politische Bewusstsein geht weit über das Erkennen der Wählerstimme hinaus. Die Kosten durch die Polarisierung der Gesellschaft und die Ideologisierung der Partizipation wiegen aber schwer. So widersetzen sich wichtige und vor allem oppositionelle Teile den partizipativen Organisationen (wie die Consejos comunales), weil sie als stark ideologisiert gelten und aus diesem Grund relativ unrepräsentativ sind. (vgl. auch Jácome 2007; La Participación de los Goles en los Consejos Comunales, 2006)


160

Weiters hat die partizipative Demokratie in Venezuela durch den Prozess der Formalisierung und Einbindung der Zivilgesellschaft teilweise Parallelstrukturen zu Regierungen erschaffen, die einerseits auf die finanzielle Unterstützung des Staates angewiesen ist, andererseits sofort beginnen, selbst Züge einer repräsentativen Demokratie zu bekommen. Dies führt zu Kooptation und Intervention. Durch die lose Organisationen und relative Formfreiheit sind diese Prozesse aber sehr schwer zu evaluieren, da es kaum Kontrollmechanismen gibt. (vgl. Jácome 2007, S. 246–247) Ein Fundament der partizipativen Demokratie Venezuelas sind die kommunalen Räte (sog. Consejos comunales, Zelik, Pickert 12.01.2007 nennt sie Kommunale Räte). Die Bewohner werden in lokalen Initiativen zusammengefasst und in soziale Organisationen eingebunden. Sie werden im nächsten Kapitel näher behandelt. Die Idee der Partizipation des unmittelbaren lokalen Raums wird aber auch weiter gesponnen für größere Einheiten. Für die munizipalen Planungen wird eine weitere Einheit installiert, um die Partizipation in den Gemeinden zu formalisieren. Basierend auf den Consejos Comunales finden ihre Sprecher Gehör in den lokalen Räten für öffentliche Planung (Consejo local de Planificación Pública) (vgl. (Brito 2006), in denen auch die Bürgermeister und der öffentliche Verwaltungsapparat der municipios (Munizipe, Verwaltungseinheiten) integriert sind. Damit wird das Ziel verfolgt, den Bürger aktiv in die öffentliche Planung einzubinden. In krassem Gegensatz zum Konzept der partizipativen Demokratie, das den Consejos Comunales zugrunde liegt, steht aber die zunehmende Zentralisierung und Bündelung der Macht des Präsidenten, der seine Befugnisse ständig ausweitet. (Siehe Kapitel Venezuela) Dies erschwert die Bewertung der Partizipation zusätzlich und lässt vermuten, dass durch den Aufbau ideologisierter quasiziviler Organisationen auch eine Destabilisierung der Zivilgesellschaft einhergeht. In der letzten Abstimmung (im Dezember 2007) wurde der Vorschlag abgelehnt, die Verfassung zu reformieren und die Möglichkeiten der kommunalen Räte auszuweiten. Es wird weiter zu beobachten sein, was die Venezolaner mit der gewonnenen Demokratisierung von unten anfangen, ob und wie sie lauernden Gefahren begegnen.


ANALYSE GOOD (URBAN) GOVERNANCE

Consejos comunales in Venezuela: Als Fundamente lokaler Entwicklung gedacht Die Umwälzungen haben auch großen Einfluss auf das Planungsumfeld. Als ein wichtiges Standbein einer „endogenen Entwicklung“ werden basisdemokratische Räte von Stadtteilen angestrebt, sog. Consejos comunales. Diese stellen selbstverwaltete Mikroregierungseinheiten auf sehr kleinen Territorien dar. Sie sollen somit schrittweise Basisorganisationen ersetzen und formalisieren, und damit auch den Zugang zu staatlicher Finanzierung sichern. Die Consejos Comunales sind vielversprechende aber auch von vielen Seiten kritisierte neue Akteure, die wesentlich zu einer Schnittstelle zwischen informellen und formellen Stadtteilen beitragen könnten. Wenn der Aufbau, per Gesetz, der kommunalen Räte ein historischer Schritt in der Definition in Richtung Sozialismus war, ein weiterer Schritt wäre die Integration der kommunalen Räte in die gesamte Verwaltung und Politik der Städte. (Rodríguez 2007), Eigene Übersetzung

161

Die kommunalen Räte, wie sie übersetzt heißen würden, sollen die Macht des Volkes darstellen. Von ihnen sollen die notwendigen Veränderungen der venezolanischen Gesellschaft ausgehen (vgl. Rengifo 2007). Sie sind „Instanzen der Partizipation, Artikulation und Integration diverser gemeinschaftlicher Organisationen, die es dem organisierten Volk erlauben, direkt die öffentlichen Politik zu leiten und Projekte durchzuführen, die den Bedürfnisse und dem Streben der Gemeinschaften nach der Konstruktion einer Gesellschaft von Gleichheit und sozialen Gerechtigkeit entsprechen.“ (Artikel 2 der Verfassung von Venezuela, Eigene Übersetzung) Laut Chávez sind sie „die Seele, die Nerven, die Knochen, das Fleisch und die Essenz der bolivarianischen Demokratie, der echten und revolutionären“. Sie entstanden aus der Erfahrung von Vorläufern und Organisationen wie Bolivarische Zirkel, CTUs (Comité de la Tierra Urbana – Ausschuss für urbanes Land. Siehe Kapitel Barrios und Wohnen), Komitees zur Gesundheit, Barrio Adentro usw.


Consejos comunales bestehen aus: 1.

Einheit für Finanzielles, verwaltet die Ressourcen der sog Kommunalen Bank, besteht aus 5 Mitgliedern

2.

Einheit für soziale Prüfung, überwacht das Prozedere v.a. zur Vermeidung von Korruption, besteht aus 5 Mitgliedern

3.

Die ausführenden Einheiten, bestehend aus den Sprechern der Komitees, die sich verschiedenen Aufgaben in der Gemeinde widmen. Typische Formationen für Komitees und „Arbeitstische“ sind: Ökonomie des Volkes (Unter „economia popular“ werden die Kooperativen, Mikrounternehmer, Volksküchen, Mikromärkte und informell tätige zusammengefasst.), Wohnen, Bildung, Sport, Kultur, Information, Gesundheit, Sicherheit, Infrastruktur und Landverteilung.

162

Unter Kooptation versteht man das Einbinden und die politische Enteignung von Organisationen der Zivilgesellschaft durch staatliche Institutionen und staatstragende Parteien zur Machtsicherung gegen potentiell oppositionelle Kräfte (Grohmann, 1995, S. 60 cit. in Zellhuber 2006)

Die Räte sollen direkten Zugang zu finanziellen Ressourcen haben. Die organisierten Bewohner formulieren Projekte, die ihren Bedürfnissen entsprechen, über diese wird dann abgestimmt und dann dem Consejo local de Planificación Pública vorgestellt. Dieser stellt dann die Mittel bereit. Falls nicht, können die Projekte auch über eigens eingerichteten nationalen Fond für kommunale Räte gespeist werden. Bisher wurden über 26.000 kommunale Räte eingerichtet (Ingham 15.08.2007) Oft werden diejenigen Personen an die Spitze der Räte gesetzt, die den besten Zugang zu Ministerium und öffentlicher Verwaltung haben bzw. die Räte eben von diesen unter Druck gesetzt, da sonst keine Mittel fließen. Es kommt zu einer sog. Kooptation, sie werden von oben kontrolliert und nicht mehr Unabhängig (vgl. Jácome 2007, S. 246; Teodoro Petkoff im Interview 20.10.2007). Bürgermeister, Kommunalpolitiker versuchen durch ihnen nahestehende Aktivisten ihren Einfluss zu retten (Stalin Pérez Borges im Interview 29.05.2007). Die kommunalen Räte sammeln noch Erfahrung mit der Administration von Infrastrukturprojekten, doch wird eine Menge von Projekten in Barrios initiiert. Gerade bei größeren Infrastrukturprojekten ist eine transparente Durchführung und ein effizientes Projekt- und Finanzmanagement wichtig. Die fehlende Professionalität ist Ziel einer verstärkten Kampagne zur Ausbildung der lokalen Räte. Die gesetzlich geforderte forcierte Vergabe, die bevorzugt an Kooperativen Aufträge vergibt, lässt teilweise vermuten, dass Verzögerung und sehr undurchsichtige Prozesse laufen, die die Entwicklung durchaus behindern könnten. Kommunale Räte stellen zunehmend Auftraggeber oder Kooperationspartner für Architekten, Ingeneure und Stadtplaner im städtischen


ANALYSE GOOD (URBAN) GOVERNANCE

Umfeld dar. Die Planer sind mÜglicherweise wenig vorbereitet auf sehr basisdemokratische, mit wenigen Mitteln ausgestattete Organe. (Die Universidad Bolivariana versucht deshalb auch die Architekten verstärkt in diesen Prozessen auszubilden)

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Der Stadtteil La Vega mit Blick auf San Rafael


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Haus im Barrio San Agustin (Foto: Thiresh Govender)


ANALYSE GOOD (URBAN) GOVERNANCE

Metrocable Die Planung und die Ausführung des Projektes Metrocable oblag einer großen Ingenieursfirma, die auch die Aufträge für die Erweiterung der Metro erhalten hatte. Zusammen mit dem Auftraggeber Metro Caracas wurde ein Konzept zur Erschließung des Barrio San Agustin erarbeitet, dass unter ziemlichen Zeitdruck und unter nationalem Interesse als Modellprojekt stattfinden sollte. Das Projekt ist im April 2008 noch immer im laufen und sprengt damit den ersten ursprünglich gesetzten zeitlichen Rahmen. Die Bevölkerung und die Öffentlichkeit sind nur sehr wenig über die Planungsvorgänge informiert, der Spatenstich wurde zwar mit medialer Aufmerksamkeit durchgeführt, aber die teilweise von Umsiedlung betroffenen Anwohner nicht über die konkreten bevorstehenden Maßnahmen aufgeklärt. Bei einer Sichtung des Gebietes und einem Treffen mit dem lokalen Consejo comunal des Büros Urban Think Tank wurde deshalb die Besorgnis über das Bauvorhaben bekundet. Es waren keinerlei Informationen über die genaue Lage der Stationen, über Alternativwohnungen oder Entschädigungen ausgegeben worden, was die Bevölkerung zu Nervosität und einer Androhung von Streiks veranlasste. Eine angemessene Reaktion, berücksichtigt man, dass es ihre Existenz betrifft und eine Umsiedlung auch eine völlige Veränderung des Lebensumfeldes bedeuten würde. Den Wünschen der Bewohner nach Einrichtungen für Sport, Bildung, Kindergarten wurde nur sehr wenig entsprochen und es bleibt damit auch zu befürchten, dass das Projekt Metrocable nur dürftig die lokale Infrastruktur abseits von Verkehr verbessern wird.

165

Planungsvorgänge in Venezuela Bei den Projekten, an denen ich beteiligt war, kann von sehr ambivalenten Vorgängen der Partizipation der Bevölkerung gesprochen werden. Die Projekte wurden zwar der betroffenen Bevölkerung vorgestellt und diskutiert, aber dabei wesentliche Punkte unkonkret behandelt, und so die Betroffenen im Dunkel gelassen. In kurzen Worten will ich die Situationen schildern und Konfliktpunkte besprechen.


166


strategie Acción espacio petare 167

strategie „acción espacio“ „aktion raum“


168

Problem und Lösung

Das Ziel der folgenden Abschnitte ist es, städtebauliche und architektonische Lösungsansätze für die bereits analysierten komplexen Problemstellungen zu finden. Die Arbeit geht von der Behauptung aus, dass Architektur Impulsgeber für Dynamiken sein kann, Prozesse leiten, Visionen und Realitäten vermitteln, Bilder und damit auch Alternativen produzieren kann. Vielfach handelt es sich dabei noch um unerforschte Wege, deren Richtungen definiert und formuliert werden müssen. Die Ursachen der urbanen Probleme reichen weit über den Bereich der „Gestaltung“ von Stadt hinaus, verunsichern und lähmen gleichzeitig. Dadurch verhindern sie den Blick auf Potentiale und verklären positive Aspekte: Die Potentiale der Summe aller Einzelhandlungen, die Kunst auf Situationen und Schwierigkeiten zu reagieren, gesteuert durch eine Reihe von Einzelentscheidungen und nicht durch eine geplante Leitung „von oben“, drücken sich im Machwerk des „Informellen“ aus. Dies sind Aspekte, die sich nicht nur auf das Planen, Bauen und Lösen von Problemen beziehen, sondern vielmehr eine lebendige Kultur, Lebensraum und soziale Umwelt erschließen. Diese Dynamiken sind umfassend und als werdender Architekt staunt und lernt man in erster Linie. In anderen Worten: Die Möglichkeiten für Architekten sind beschränkt. Es gibt keine rationale und „optimale“ Lösung für Probleme, oft ist die Lösung im Kern ein neues Problem. Die systemische und komplexe Herausforderung braucht aber nicht die Lethargie, sondern eine interdisziplinäre Herangehensweise. Dabei werden die Grenzen von Disziplinen und Kompetenzen bewusst überschritten, um Berührungspunkte für eine Zusammenarbeit zu finden.

Zugang

Im Fazit der einzelne Analyseteile werden Defizite und Ansatzpunkte für eine Planung im Stadtraum Caracas erläutert. Um die verschiedenen Konfliktpunkte räumlich zu erfassen und konkrete Maßnahmen für Gegensteuerung vorschlagen zu können, habe ich als Projektgebiet eine Zone im östlichen Stadtgebiet von Carcacas ausgewählt. Zu Beginn der Projektarbeit steht das Erstellen einer Strategie, welche die besonderen Charakteristika informeller Stadtquartiere berücksichtigt. Basierend auf diesen Überlegungen werden diese Ansätze in einem Projekt verräumlicht.


strategie 1.

Leitbilderstellung und Identitätsbildung

2.

Handlungsanleitungen für dezentrale Aktivität

3.

Partizipation und Öffentlichkeitsarbeit

4.

Bildung notweniger Institutionen für Durchführung und Koordinierung

Teil 1: Strategisch

Acción espacio petare

Die Acción „Espacio Petare“ (übersetzt Aktie/Aktion Raum Petare) ist eine Strategie zur Bildung von notwendigem Raum. Die Strategie ursprünglich stammt der Begriff aus dem Militärischen - zeichnet den Weg zum Ziel. Dabei wird unter den gegebenen Umständen und bei begrenzten Ressourcen geplant, Widerstände gilt es zu überwinden und Alternativen einzukalkulieren. Die Strategie in dieser Arbeit skizziert einen dynamischen städtebaulichen Masterplan. Eine städtebauliche Planung setzt Macht und Ressourcen voraus. Die Strategie plant entsprechend den wachsenden Ressourcen und Möglichkeiten in Phasen und Intensitäten. Die Maßnahmen sollen nicht nur städtebauliche beinhalten, sondern ebenso künstlerische, identitätsstiftende, einmalige wie temporäre Vorschläge umfassen. Die bauliche Struktur des Gebietes ist großteils vorhanden und Adaptationen bzw. Interventionen werden, an einem Leitbild orientiert vorgeschlagen. Die Strategie summiert außer der räumlichen Planung auch die folgenden Maßnahmen:

der Maßnahmen 5.

Errichtung der zentralen Anlaufstelle der Acción Espacio Petare

Strategie

projekt

Eine vollständige Ausarbeitung dieser einzelnen Punkte würde aber den Rahmen dieser Arbeit sprengen und wird deshalb nur ansatzweise in diese Arbeit aufgenommen.

Teil 2: Architektonisch

169

Der zweite Projektteil beinhaltet die stadtgestalterische Detaillierung und architektonische Ausformulierung eines Teilgebietes innerhalb der urbanen Achse Petare-Palo Verde. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Gestaltung der Schnittstelle, die sich entlang einer Achse zu den dahinter liegenden informellen Stadtgebieten befindet. Dabei vermittelt ein Gebäudekomplex, in Form eines multifunktionellen Zentrums, öffentliche Räume. In diesem Rahmen wird die soziale Infrastruktur des Gebietes mit verschiedenen Funktionen ergänzt, neue Verbindungen geschaffen und eine Zentrale für die Aktion „Raum für Petare“ geschaffen.


PROJEKTGEBIET PETARE/PALO VERDE

Das Projektgebiet liegt im östlichen Teil von Caracas im Bundesstaat Miranda. Zwischen 2 sehr großen dichten Barrios durchzieht die Hauptachse der Stadt das Gebiet und verknüpft dahinter liegende Urbanisierungen.

Auswahl des Projektgebietes

170

Das Architekturbüro Arqui5.com gewann 2006 beim Holcim Award. Bronce für ihr Projekt in Caracas - San Rafael Unido.(Siehe Kapitel Barrios) Das Archiitektinnenteam besteht aus Isabel Pocaterra, María I. Pocaterra und Silvia Soonets.

Nach einigen Kerngebieten im Stadtraum wählte ich konkret dieses Gebiet aus, weil es zusätzlich zur thematischen Eignung die Möglichkeit bot, sich mit anderen auszutauschen und aktiv vor Ort in Prozessen beteiligt zu sein. Bei den Interviews zu ihren Projekten erklärten sich die Architektinnen von Arqui5 bereit, mir alle relevanten Unterlagen zur Verfügung zu stellen und mich für eine Zeitspanne in die Arbeiten vor Ort zu integrieren. Arqui5 wurde beauftragt, im Grossraum Petare mögliche Standorte für Wohnbebauungen vorzuschlagen. Eine Wohnsiedlungen davon wurde in der Achse zwischen Petare und Palo-Verde vorgeschlagen. Die Architektinnen haben mich auch an die Universidad Simon Bolívar integriert, um mit den Studenten Meinungen und Ideen auszutauschen.


strategie

Der Stadtteil Petare liegt im Osten von Caracas, am Ende des Tals, in das die Stadt eingebettet ist. Er gehört verwaltungstechnisch zum Bundesstaat Miranda und zum Munizip Sucre. 75% der informellen Siedlungen des Bundesstaates Miranda befinden sind in Petare.

Die rapide Ausdehnung von Caracas hat Petare vollständig in das Stadtgebiet integriert. Es ist heute einer der bevölkerungsreichsten Stadtteile aufgrund der rapiden Ausbreitung der informellen Siedlungen in den östlichen Hügeln. Die sehr unterschiedlichen Schätzungen über die Größe der Barrios von Petare gehen bis über 1 Million Einwohner. Zweifelsohne ist es eines der größten zusammenhängenden informellen Ausdehnungen in Südamerika. Die Barrios von Petare sind in Caracas oftmals ein Synonym für Kriminalität, Armut und Chaos. In vielerlei Hinsicht entspricht das gezeichnete Bild der Realität, dennoch ist es beispielhaftes Gebiet, wie ohne staatliche Zuwendung eine riesige Stadt in der Stadt funktionieren kann, dabei ihre eigenen Gesetzte erschafft und in diesem Sinne außerordentlich gut funktioniert. Die Ohnmacht aller Beteiligten ob der schlechten Bausubstanz auf rutschigen Hügeln ist offenkundig.

Koloniales Zentrum Petare

Übersicht des kolonialen Stadtzentrum Petares (Instituto del Patrimonio Cultural 2003)

Das Image von Petare

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Die Benennung der karibischen Ureinwohner durch die Zusammensetzung der Wörter Peta (Gesicht) und –re (Ort oder Fluss) drückt die Lage der ursprünglichen Besiedlung aus. An einem kleinen Hügel umringt von dem Fluss Guaire und den heute kanalisierten Bächen Caurimare und El Oro wurde am 17. Februar 1621 das Dorf Dulce Nombre de Jesús de Petare gegründet (Instituto del Patrimonio Cultural 2003). Die unter diesem Namen vereinigten Ansiedlungen zollten Tribut in Form von Arbeit für die Konvertierung und Einführung in das Christentum gemäß des Ley de Indias. Das historische Zentrum von Petare ist bis heute erhalten und wird teilweise gepflegt und restauriert. Einige Monumente sind als Nationale Denkmale eingetragen. Die von dem heftigen Treiben der Redoma de Petare abgeschnittene Lage auf dem Hügel erzeugt einen sehr ruhigen Ort, an dem verschiedene kleine Institutionen wie das Bürgermeisteramt, die Fundación Bigott oder die Galería Tito Salas beherbergt sind. Auch die Umgestaltung des Plaza Bolívar schafft einen Freiraum, der in einer Stadt wie Caracas schon beinahe ausgestorben ist.

Acción espacio petare

der STadtteil Petare


Die Umgebung von Petare mit den U-Bahn Stationen

Regionale Bedeutung Petare Zentralität und Verkehr

Der Stadtkern rund um die U-Bahn Petare ist ein überregionaler Verteilungsknoten für die umliegenden Schlafstädte und Versorgungseinheiten. Fast der ganze öffentliche überregionale Verkehr wird hier an das U-Bahnnetz angeschlossen. Vorstädte und Schlafstädte wie Guarenas, Guatire oder Santa Lucia beherbergen hauptsächlich Pendler nach Caracas. Jeden Tag zu den Stosszeiten sind die Stadtein- bzw. –ausfahrten von einer riesigen Schlange von Pendlern verstopft. Eine Ausfahrt von Caracas zu den Stoßzeiten kann so Stunden benötigen. Obendrein gelten, vor allem abends die Staus als gefährlich zumal sich Motorradbanden auf den Diebstahl aus in Stau stehender Autos spezialisiert haben.

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„Zwei Typen, jeder auf einer Seite, näherten sich simultan an die Fenster. Wie jemand, der um eine Adresse gebeten wird, baten sie ihn um Brieftasche, Ringe, Ketten und Handys. Fast freundlicherweise. Ohne Pistolen zu zeigen. Wie soll man einen Überfall anzeigen, in dem nicht einmal Waffen im Spiel waren?“ Hektor Torres (2006) beschreibt die Redoma de Petare


strategie Acción espacio petare Luftbild Petare (Google Earth 2007)

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Eine geplante Abhilfe wird der Schnellbahnausbau von Parque del Este nach Guatire (siehe auch Analyse Infrastruktur) liefern. Das Gebiet rund um die Redoma de Petare und die Autobahn Francisco Fajardo ist ein Hauptverkehrsknotenpunkt in Caracas. Das öffentliche Metrobussystem, ist nur für die formellen Siedlungen ausgebaut. Die Linien der für die kurvigen Strassen der Barrios viel zu großen und sperrigen Metrobusse bedienen lediglich bestimmte formale Siedlungen. Dies sehr ineffizient – die Flotte kann einen regelmäßigen Betrieb nicht gewährleisten - und in einem sehr unregelmäßigen Takt. An der Linienführung lässt sich gut erkennen, wie die Barrios von einer öffentlichen Busversorgung ausgespart sind. Der Bau der Metrocable als Ergänzung zu U-Bahn und Schnellbahn liegt noch in weiter Ferne. Das Pilotprojekt im Stadtteil San Agustin ist noch nicht fertiggestellt. Langfristig soll auch durch den Bau der Bahnlinien der Pendlerverkehr eingedämmt werden.


174

Zonierung

Städtebaulich, wirtschaftlich, finanziell und kulturell unterscheiden sich die Zonen sehr stark. Dadurch kommt es zu einem Nebeneinander sehr unterschiedlicher Gebiete und zu einer gegenseitigen Abschottung.

StraĂ&#x;ennetz

Barrieren stellen im besonderen die Autobahnen dar. Sehr deutlich sieht man, dass die Erschliessung der Barrios entweder auf Sackgassen oder auf Serpentinenwegen basiert. Daran anschliessend folgen Stufenanlagen. Ein wenig hierarchisiertes Netz stellt das historische Zentrum dar.


strategie Acción espacio petare Unterirdischer und oberirdischer Wasserverlauf im Gebiet. Bei starkem Regen treten die unterirdischen an die Oberfläche wegen fehlender Entwässerung und Drainage. Dadurch kommt es zur Unterspülung von Häusern, Wegen und Treppen.

TreppenWegenetz

Die Zugänge in die Barrios erfolgt durch ein Netz von Wegen und Treppen. Die Topografie ist für das Gebiet entscheidender Faktor. Sehr deutlich sieht man, dass sich die normale Urbanisierung fast immer auf die flachen und wenig geneigten Zonen erstreckt.

175

Wasserverlauf


FLOTTE M

AVEnidA FRAnciScO dE MiRAndA RichTUng wESTEn

kOLOniALES pETARE - cALLE VARgAS

SpiTAL pEREz

cALLE MAdELEinE

pLAzA SUcRE ALcALdiA

pALO VERdE

pALO VERdE

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176

wAhLwERBUng

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UnTER dEM „ELEVAdO“

RichTUng pALO VERdE

pETARE nORTE


strategie Acción espacio petare

“ELEVAdO”

cALLE MiRAndA

AV. FRAnciScO dE MiRAndA

177

METROBUS

EingAng BARRiO jOSE FELix RiVAS

BAUARBEiTEn UnTER „ELEVAdO“ wAhLwERBUng

fotoeindrückepETARE


178


strategie Acción espacio petare 179

Ausgewählte Schnitte zeigen die Topographie des Gebietes. Manche Einwohner müssen erst 150 Höhenmeter und mehr erklettern, um ihr Haus zu erreichen.


AuTOBAHn fRAnciscO fAJARDO HAUPTvERBINdUNG wEST-oST. dIE RÄUME UNTERHALB dER AUToBAHN SINd IN dIESEM BEREICH GENUTZT U.A. FüR KULTUR- UNd SPoRTZwECKE. dIE AUToBAHN TRENNT IM wESENTLICHEN GEBIETE AB. dIE AUSFAHRTEN SINd LEdIGLICH FüR dEN FoRMELLEN TEIL. d.H. PETARE INFoRMELL IST NICHT ANGESCHLoSSEN UNd dER Iv MUSS dURCH dEN FoRMELLEN TEIL.

MARKT unD sAMBiL PETARE NAHE dER METRoSTATIoN wURdE voR KURZEM EIN EINKAUFSZENTRUM ERRICHTET NACH dEM voRBILd ERFoLGREICHER KoNZEPTE IN ANdEREN STAdTTEILEN (SAMBIL CHACAo). wEITERS wURdE vERSUCHT dEM PRoBLEM dER INFoRMELLEN MARKTSTÄNdE MIT EINEM MARKTGEBÄUdE ZU BEGEGNEN.

METRO sTATiOn PETARE üBERREGIoNAL wICHTIGER KNoTENPUNKT FüR dEN ÖFFENTLICHEN vERKEHR IN CARACAS. 2 AUSGÄNGE. UMGEBEN voN EINER vIELZAHL voN BUSSTELLPLÄTZEN, TAxISTÄNdEN, INFoRMELLEN HÄNdLERN. dURCH dIE RÄUMUNG dER INFoRMELLEN HÄNdLER IST dER FUSSGÄNGERvERKEHR vERBESSERT woRdEN UNd dER PLATZ AUCH AUFENTHALTSoRT. dER ÖFFENTLICHE RAUM wIRd voN vERKEHR UNd HANdEL doMINIERT. v.A. INTENSIv IN dEN MoRGEN UNd ABENdSTUNdEN. HIER wIRd dEUTLICH wIE SEHR ÖFFENTLICHE PLÄTZE MANGELwARE SINd UNd wIE STARK UNd SCHNELL SIE EINGENoMMEN wERdEN. PLAzA sucRE. HISToRISCHER KERN PLATZ (IN RENovIERUNG) UMGEBEN voN dER ALCALdIA (RATHAUS) UNd dER KIRCHE dULCE NoMBRE dE JESúS dE PETARE. dAS HISToRISCHE ZENTRUM IST EIN RUHEPoL IN dER GEHETZTEN UMGEBUNG UNd BEHERBERGT EINIGE KULTURINITIATIvEN. (FUNdACIoN BIGoTT, GALERIA TITo SALAS)

180

RíO GuAiRE FLUSS dER dURCH CARACAS FLIESST. HAUPTRICHTUNG voN oST NACH wEST. ALLE BÄCHE UNd dER GRoSSTEIL dER ABwÄSSSER GEHEN dIREKT IN dEN FLUSS. SCHwELLT SEHR SCHNELL BEI REGENFÄLLEN AN. dER FLUSS wIRd AUCH IN NAHER ZUKUNFT wENIG ATTRAKTIvITÄT BIETEN, dA dIE vERSCHMUTZUNG UNd dER GERUCH KEINE EINBINdUNG ALS wERTvoLLER FREIRAUM ZULÄSST.

HAciEnDA EL TOBOsO BIS 1993 RESIdENZ dES MALERS TITo SALAS ES wIRd vERSUCHT ES ALS MUSEUM UNd KULTURINITIATIvE wIEdERHERZUSTELLEN. LEIdER SINd dIE GRüNBEREICHE SowIE dIE HACIENdA NICHT ÖFFENTLICH ZUGÄNGLICH TRoTZ ZENTRALER LAGE. REDOMA DE PETARE unD „ELEVADO“ STARK GENUTZTER ÖFFENTLICHER PLATZ; BUSHALTESTELLE UNd wICHTIGER vERKEHRSKNoTENPUNKT; HANdELSPLATZ FüR INFoRMELLE UNd FoRMELLE HÄNdLER dER ELEvAdo IST ALS SCHNELLvERBINdUNG ZUR üBERBRüCKUNG dER PRoBLEMZoNE REdoMA GEdACHT UNd SoLL IN ERSTER LINIE dIE KoNTINUITÄT dER AvENIdA dE MIRANdA GARANTIEREN


strategie

METRO sTATiOn PALO VERDE ENdSTATIoN dER U-BAHN HAUPTLINIE. BUSSTATIoNEN, TAxISTANd, MARKTPLATZ. vERSAMMLUNGSPLATZ FüR PoLITISCHE KUNdGEBUNGEN. dIE STRASSE IN dAS BARRIo IST dER EINZIGE ZUBRINGER EIN GRoSSTEIL dES BARRIo JoSE FELIx RIvAS. BEGRüNTER PLATZ MIT vIELEN SITZMAUERN, INFoRMELLER UNd FoRMELLER MARKTPLATZ, ALLE NoTwENdIGEN SERvICES wERdEN FEILGEBoTEN. dIE MTRoSTATIoN IST AUCH EINE wICHTIGE SCHNITTSTELLE FüR dIE REICHEREN FoRMELLEN GEBIETE voN PALo vERdE.

Acción espacio petare

sOziALWOHnunGEn - cOnAVi ENdE dER 70ER JAHRE wURdE dIESE woHNANLAGE ANGELEGT. ~5 STÖCKIGE HÄUSER. TEILwEISE ABGESCHoTTET. EIN wICHTIGER EINGANG IN dAS BARRIo JoSE FELIx RIvAS GEHT ABER dURCH dIE woHNANLAGE. IN dER woHNANLAGE IST EIN HAUPTMüLLSAMMELPLATZ FüR dAS dAHINTERLIEGENdE BARRIo INTEGRIERT. dER GESAMTEINdRUCK IST ZIEMLICH vERwAHRLoST. dER ZUGANG IST voN dEN JEwEILIGEN BANdEN üBERwACHT. dIE ÖFFENTLICHEN RÄUME SINd REINE ANGSTRÄUME: dUNKEL, dRECKIG UNd vEREINNAHMT. KINdER KoNTRoLLIEREN dIE EINGÄNGE.

PALO VERDE vERSCHIEdENARTIGE woHNGEBIETE: vERTIKALE GATEd CoMMUNITIES, CLUBARTIGE woHNGEBIETE MIT EIGENER ERSCHLIESSUNG. EINE wICHTIGE vERBINdUNGSTRASSE NACH SANTA LUCIA BRINGT PENdLER AUS dEN ÖSTLICHEN GEBIETEN NACH CARACAS ES GIBT EINEN STARKEN KoNTRAST ZwISCHEN dEN BARRIoS UNd dEN NAHELIEGENdEN woHNGEBIETEN.

TREPPEn in DiE BARRiOs dIE UNTERdIMENSIoNIERTEN TREPPEN SINd ZUMEIST dIE EINZIGE ZUGANGSMÖGLICHKEIT FüR dIE BEwoHNER. IN dEN dEN MoRGEN UNd ABENdSTUNdEN BILdEN SICH Tw. SCHLANGEN UM dIE TREPPEN ZUR U-BAHNSTATIoN HERABSTEIGEN ZU KÖNNEN. TEILwEISE wERdEN TREPPEN AUCH voN dEN ANGRENZENdEN BEwoHNERN AUS SICHERHEITSGRüNdEN ZEITwEISE vERSPERRT UNd So dIE ANBINdUNG wEITER ERSCHwERT. HIER IST dRINGENd EIN vERBESSERTER ÖFFENTLICHER vERKEHR GEFoRdERT. dIE TREPPEN SINd NICHT BREIT GENUG.

181

AVEniDA fRAnciscO DE MiRAnDA dIE HAUPTvERBINdUNG ZwISCHEN PALo vERdE UNd PETARE. NUR TEILwEISE GEHSTEIG, KEIN PARKSTREIFEN FüR AUToS. REPARATURwERKSTÄTTEN FüR AUToS, LACKIEREREIEN, KLEINE BAUSToFFLÄdEN. dIE BÖSCHUNG ZUM BARRIo EL CERRITo IST SEHR STEIL SoLL ABER MIT woHNGEBÄUdEN BEBAUT wERdEN. ES FEHLT AUCH HIER AN KoMModITÄTEN FüR dEN FUSSGÄNGER, BUSSTREIFEN, ETC. EIGENTLICH KÖNNTE SICH BEI dIESER ZENTRALITÄT UNd URBANITÄT EIN wICHTIGER BoULEvARd ZwISCHEN PALo vERdE UNd PETARE ENTwICKELN. wICHTIGE EINKAUFSMÖGLICHKEITEN KÖNNTEN SICH HIER ANSIEdELN.


Familiengröße

Altersverteilung 30

25

25 20 Prozent

Prozent

20 15 10

15 10

5

5

0

0 Unter 10

11 bis 20

21 bis 30

31 bis 40

41 bis 50

51 bis 60

61 bis 70

71 bis Über 90 80

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

Personen

Alter "Weiche" Infrastruktur, (Öffentliche) Einrichtungen

Harte Infrastruktur

25 30 25 Prozent

15 10 5

20 15 10 5

0

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20

EXKURS: DATEN des Barrio El Cerrito in Petare Umfragen und Versammlungen

182

Besonders deutliche Mängel und Probleme

Für die Bearbeitung eines Planungsauftrags wurden verschiedene Umfragen und Sitzungen mit den Bewohnern durchgeführt. Die Integration der Anwohner in die Projekte im öffentlichen Raum verhilft zu Akzeptanz der Projekte und zu einer bedarfsgerechten Planung. In einer späteren Phase konnte ich an einigen Versammlungen mit den Bewohnern teilnehmen. Die Daten entstammen aus einem Bericht zur Analyse des Gebietes durch die Architektinnen Arqui5 gemeinsam mit einer Gruppe von Soziologen (Arqui5, FUDEP 2006) und werden hier kurz wiedergegeben. Das untersuchte Gebiet hat eine Größe von rund 19 ha. Dabei wurden rund 900 Haushalte befragt. Einige Einwohner wohnen bereits bis zu 50 Jahre in diesem Gebiet. Das Gebiet war früher Teil einer Hacienda, an der u.a. Zuckerrohr und Kaffee angebaut wurden. Die explosionsartige Urbanisierung durch die Migration hat das Viertel völlig verändert, von dem ursprünglichen Bild ist kaum etwas erhalten geblieben. Als die größten sozialen Probleme werden die Drogen- und Alkoholabhängigkeit, die Unsicherheit und Delinquenz, die Armut und die fehlenden Werte für eine Gemeinschaft identifiziert. Die Einwohner sehen die größten infrastrukturellen Mängel im Gebiet in der Kanalisation, dem Wegesystem, der Oberflächenentwässerung, und den allerorts fehlenden Einrichtungen. Besonders deutlich werden Einrichtungen für Sport, Gesundheit, Bildung vermisst. Multifunktionelle Sportzentren werden verlangt, da


strategie Acción espacio petare Verschiedene Visionen der Einwohner aller Altersschichten

Einkommensverhältnisse

Organisationen Stakeholder

183

sie einen hohen Grad von Flexibilität in der Nutzung erlauben. Weiters gibt es keine Präsenz von Polizei. “Viel Grün und Bäume … Saubere Strassen ohne Löcher … Sicherheit um alleine auf der Strasse gehen und vor allem um die Kinder alleine auf die Strasse lassen können … Mit Spitälern … Perfekt ausgeleuchtete Straßen … Einrichtungen, die funktionieren … Eine harmonische Gemeinschaft in Frieden, Liebe und Freude, bei der alle auch ihrer Pflichten und Rechte bewusst sind … Keine Bruchbuden mehr, Polizeieinheiten … Parks, Kultureinrichtungen … den Zauber eines Clubs.“ Die Mehrheit der Bewohner (58%) besitzt kein fixes Einkommen und keine fixe Stelle. Ein Großteil verdient weit weniger als erforderlich, um eine Familie ausreichend zu versorgen. Nur 16% der Befragten verdient mehr als der venezolanische Warenkorb als Grundversorgung angibt. Das Barrio verfügt über eine Reihe von Nachbarschaftsorganisationen (Asociaciones de vecinos, Asociaciones civiles), kirchliche und sportliche Vereinigungen. Besonders die in den letzten Jahren forcierten Komitees für Gesundheit und urbanes Land (Comité de Salud y Tierra) finden viel Beteiligung. Die Integration der Komitees in einen Gemeinschaftsrat ist auch in diesem Barrio durchgeführt worden (Consejos comunales siehe Analyse Good Governance)


Gemeinsames Interesse

AcciĂłn Espacio

184

Defizite in den Üffentlichen Belangen verlangen gemeinsames Handeln. Das gemeinsame Interesse wird in Form von Beteiligung ausgesprochen. Die Teilnahme und Teilhabe soll nicht auf ein bestimmtes Gebiet oder eine bestimmte Gruppe beschränkt werden.


Das Ziel der „Acción Espacio Petare“, der „Aktion Raum“ ist die Bildung von Räumen physischer und sozialer Natur. Acción bedeutet zu Deutsch einerseits Aktion, andererseits Aktie. Das gemeinsame Anliegen von mehr Raum für gemeinschaftliche und individuelle Zwecke wird zum Ausdruck gebracht. In Anlehnung an eine gemeinnützige Aktiengesellschaft wird der Beteiligte direkter Förderer des gemeinsamen öffentlichen Raumes. Durch Mitarbeit oder Erwerb der „Aktie Raum“ wird das unmittelbare Lebensumfeld verbessert.

„Zulässiger Raum“ dient der Bildung, Gesundheit, Kultur, Sport. Er fördert die Sicherheit, Kommunikation und die Identität.

strategie

1

Acción espacio petare

Funktion + Motivation

ACCIÓN

ESPACIO

PETARE

Ein „Logo“ für die Aktion Raum Petare. Gemeinsames steht im Vordergrund.

185

Das Teilhaben am Raum (shareholding space) und die Teilnahme an der Bildung von Raum begleitet alle Maßnahmen. Dadurch wird die Identifikation mit den Räumen verstärkt und die Bedeutung von öffentlichen Einrichtungen unterstrichen. Der Wille etwas zu verändern soll zum Anspruch auf mehr öffentliche Einrichtungen werden.


PROJEKTE BETRoFFENE FACHPLANER

BÜRGERMEisTER

ARCHITEKTEN

MuniziPALE REGiERunG

AufsicHTsRAT

cOnsEJO cOMunAL

cOnsEJO cOMunAL

PLAnunG VORsTAnD

Acción EsPAciO

cOnsEJO cOMunAL

GEMEinnÜTziGE AKTiEnGEsELLscHAfT

CoNsEjo ComuNAL

unTERnEHMEn

BEVöLKERunG

Beispielhafte Struktur, je nach verhandelter Teilnahmemöglichkeit können sich offizielle Organe/Institutionen und Konzerne beteiligen. Die Bevölkerung soll die Mehrheitseigentümer bleiben, um die Mitspracheregelungen nicht zu verzerren.

186

Im Ideal kann die Beteiligung in Form von Finanzierungsbausteinen (Aktien) oder Mitarbeit (geförderte Aktien) passieren. Im Gegenzug „verbessert“ die Acción Espacio satzungsgebunden das Umfeld und bietet so öffentlichen Raum an.

Die Wertung und Berücksichtigung der einzelnen Beziehungen und Schnittstellen verlangen eine intensivere Stake- und Shareholderanalyse. (Betroffene und Beteiligte)

Finanzierung oder Arbeitskraft

Acción Espacio

TEILHABER RECHT UND ANSPRuch auf rAUM für BILDUNG, KULTUR, Gesundheit und Sport


§ 3 Gemeinnützigkeit 1. Die Gesellschaft verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke i.S. des Abschnitts „steuerbegünstigte Zwecke“ der AO. 2. Die Gesellschaft ist selbstlos tätig. Sie verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke. 3. Die Mittel der Gesellschaft dürfen nur für die satzungsmäßigen Zwecke verwendet werden. Es darf keine Person, insbesondere Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates sowie Aktionäre durch Ausgaben, die dem Zweck der Gesellschaft fremd sind, oder durch unverhältnismäßig hohe Vergütungen begünstigt werden. Die Gesellschafter dürfen keine Gewinnanteile und in ihrer Eigenschaft als Gesellschafter auch keine sonstigen Zuwendungen aus Mitteln der Körperschaft erhalten. (Schaubühne Lindenfels gAG 03.05.2007)

strategie Acción espacio petare

AKTION RAUM für petare ZIVILGESELLSCHAFT

Die offene Struktur positioniert die Acción Espacio Petare an der Schnittstelle zwischen Staat, Zivilgesellschaft und Markt, da sie Beteiligungen und Zuschüsse zulässt, und öffentliche Aufgaben erfüllt.

187

Modellsatzung für Gemeinnützigkeit am Beispiel der Schaubühne Lichtenfels in Leipzig

MARKT

Die Acción Espacio Petare soll gemäß diesem Vorschlag als gemeinnützige Aktiengemeinschaft organisiert sein. In ihrer Satzung fixiert sie ihr Ziel als die Bildung von Raum für Kultur, Bildung, Gesundheit und Sport für alle. Das Ziel ist nicht die monetäre Gewinnerwirtschaftung, sondern die Verbesserung des sozio-kulturellen Umfeldes in Petare. Die „Dividende“ heißt Kultur, Bildung, Gesundheit und Sport. Die Teilhaber oder Gesellschafter integrieren sich in der Hauptversammlung, bestimmen den Aufsichtsrat und den Vorstand. Die Nutzer haben die Möglichkeit, in die Entscheidungen miteinbezogen zu werden, und - im Falle - auch den Vorstand neu zu besetzen. Je nach Wachstum der Acción Espacio Petare kann die Beteiligung der Gesellschafter intensiviert werden. Aktiv sollte die Beteiligung im Kreislauf der Strategie sein (Diagnose - Planung - Intervention Programmierung). Im Falle eines Betriebes oder bei wachsender Professionalisierung sollte die Programmierung in intensiver Beteiligung passieren. Der Vorstand soll eine professionelle Führung und Planung garantieren.

2

STAAT

Organisation + Beteiligung


ESpAciOS RÄUME

SOciAL SOziALE

TRÀFicO púBLicO öFFEnTLichER VERkEhR

cAMinOS Y EScALERAS FUSSWEgSYSTEM

SEgURidAd SichERhEiT

AgUA, LUz, TELEFOnO, ETc. WASSER, STROM, TELEFOn, ETc.

dEpORTE SpORT

cULTURA kULTUR

EdUcAción BiLdUng

SALUd gESUndhEiT

ESpAciO pRiVAdO pRiVATER RAUM

ESpAciO cOMUnAL/RESTRingidO gEMEinSchAFTLichER/BEgREnzTER RAUM

ESpAciO púBLicO öFFEnTLichER RAUM

¿qUién pROdUcE LOS ESpAciOS? WER pROdUziERT diE RÄUME?

TécnicO TEchniSchE

cOnSEJOS cOMUnALES kOMMUnALE RÄTE MUnicipiO LOkALREgiERUng, gEMEindE ESTAdO, MiniSTERiOS BUndESSTAAT, MiniSTERiEn EMpRESAS, cOOpERATiVAS LOcALES LOkALE UnTERnEhMER Und kOOpERATiVEn cORpORAciónES, EMpRESAS gRAndES kOnzERnE, gROSSE UnTERnEhMEn

pUBLicO öFFEnTLich

Acción MÀS ESpAciO pARA pETARE AkTiOn MEhR RAUM FÜR pETARE

MERcAdO MARkT

ORgAnizAciónES dE VEcinOS nAchBARSchAFTSORgAniSATiOnEn

pRiVAdO/ciViL pRVAT/ziViL

hOgARES pRiVAdOS pRiVATE hAUShALTE

188

Analyse der Produktion von physischem Raum. Die Defizite von Seiten „Öffentlich“ könnten durch die Potentiale der Aktion vermindert werden. Ähnliche Konstellationen könnten Aufgaben der technischen Infrastruktur erfüllen, wie in vielen Ländern vor allem bei lukrativen Zweigen der Fall ist.


strategie

3

Acción espacio petare

FINANZIERUNG Der Gemeinnutz und die Aktiengesellschaft widersprechen sich nicht, sondern sind realkapitalistisches Experiment und Kapitalismuskritik zugleich. (Schaubühne Lindenfels gAG 03.05.2007)

“AKTIonäRE”

“AKTIonäRE”

ÖFFEnTLICH

EIgEn FInAnzIERUng FREmD FInAnzIERUng

PRIVAT (z.B. KonzERnE)

“AKTIonäRE”

Schematische Darstellung zur Finanzierung der Acción Espacio Petare. Die Fremdfinanzierung kann in Form von Beteiligung oder Zuschüssen erfolgen.

ACCIÒn ESPACIo 10 HORAS UNA

ACCIÓN ESPACIO PRojEKTE

PETARE UNA CONTRIBUCIÓN A LA CREACIÓN DE ESPACIO DEDICADO A CULTURA, EDUCACIÓN, SALUD Y DEPORTE. EIN BEITRAG ZUR SCHAFFUNG VON RAUM FÜR KULTUR, BILDUNG, GESUNDHEIT UND SPORT

Der verbriefte Anteil an der Acción Espacio. Der Gegenwert kann von Arbeitsstunden könnte auch durch staatliche Förderungen oder Sponsoring abgegolten werden.

189

Das Konzept versucht eine unabhängige Organisationsstruktur ohne direkter Abhängigkeit von staatlicher Seite. Die in Deregulierung und Entstaatlichung „populäre“ Kooperationsform von Public-Private-Partnerships könnten so um die Komponente Community ergänzt werden. Je nach Mehrheitsverhältnissen z.B. Community-Public-Partnership,. Community-Private-Partnerships. Im Wissen um den „schwachen Staat“ bieten sich Alternativen an, regionale Infrastrukturen mit Beteiligung zu schaffen, gleichzeitig werden Schnittstellen zu einer Finanzierung von außen geschaffen. Gerade in Venezuela in seiner Suche nach Alternativen zu privaten Eigentumsformen könnte eine gemeinnützige Aktiengesellschaft eine geeignete Form von kollektiven Eigentum sein, der dem Gemeinwohl zugute kommt.


öffentlich

halböffentlich/ gemeinschaftlich privat

bildung kultur gesundheit sport und freizeit

temporär permanent

Räume

Die Strategie Acción Espacio Petare soll Steine ins Rollen bringen. Die Aktion versteht sich als langfristig angelegter Prozess zur Verbesserung der Versorgung mit Räumen für Bildung, Kultur, Gesundheit und Sport anzubieten und zu erweitern. Durch Interventionen unterschiedlicher Intensität werden Wachstumsprozesse angeregt, die Beteiligung durch die Einwohner und die Teilhaber angeregt. Die Versorgung kann im Idealfall deutlich verbessert werden. Die ersten Interventionen werden gezielt an den Schnittstellen zwischen der formellen Stadt und Verkehrknoten angelegt. Damit wird versucht mit dem integrativen Potential der öffentlichen Räume Kommunikationspunkte zwischen verschiedenen Stadtteilen herzustellen. Die Acción Espacio Petare ist damit eine offene Strategie, die ihr Angebot nicht einem speziellen Publikum reserviert, oder anbietet. Die Tätigkeiten werden in Kreisläufen organisiert. Diagnose - Plan - Intervention - Programmierung folgen in unterschiedlichen Intensitäten. Je größer die finanziellen Potentiale der Organisation sind, desto breiter angelegte Projekte kann sie finanzieren.

PROGRAMMIERUNG

190

“DIAGNOSE”

INTERVENTION

PLAN


INTERVENTION

strategie

4

Acci贸n espacio petare

PROZESS + Intensit盲t

WACHSTUM

191

WACHSTUM


Intensität ACCIÓN

ESPACIO

Beschreibung

“Akupunktur”, kleinräumige Projekte Beleuchtung, Signage, Beschriftung, Orientierung, Hausnummerierungen, Verbesserung des städtischen Mobilars, künstlerische Installationen, Verbesserung von Sicherheitsmaßnahmen, Begrünungsaktionen, Veränderung der Parkraumsituation, Installation einfacher Infrastruktur (Tagesmutter, Lernkreise, etc.), temporäre Veranstaltungen, kleine Sportereignisse, Kultur- und Infoveranstaltungen, Versammlungen Integration von kleinen Räumen; Plätzchen, Resträumen, bestehenden Räume

Koordination Finanzierung

Sofortige Durchführung möglich, geringer Planungs und Koordinationsaufwand, Ideen und Konzeptfindung im Laufe des Prozesses und parallel. Starke kreative Einbindung aller Beteiligten. Finanzierung einfach und unkompliziert. Selbstfinanzierung

Architektenrolle

Professionelle Einbindung durch Architekten wenig im klassischen Sinn; eher Impulsprojekte, Moderation, Koordinierung, Veranstaltung; Künstlerische Leitung

Acción Espacio und Beteiligte

Acción Espacio (Planungsteam und Sozialarbeiter) mit lokalen Interessengruppen, ansässigen interessierten Personen (Jugendliche, Kinder, Sportbegeisterte, Pensionisten, ...) Je nach Projekt Mitarbeit lokaler Institutionen (Polizei, Alcaldia, Sozialinstitutionen)

INTENSITÄT 3 GROSSPROJEKT

INTENSITÄT 2 PROJEKTINTERVENTION

INTENSITÄT 1 “AKUPUNKTUR”

PETARE

KOSTEN

INNOVATIONANSPRUCH DAUER

PLANUNGSZEIT

Intensität 1

BETEILIGUNG BEI DER PLANUNG BETEILIGUNG BEI DER AUSFÜHRUNG OUTPUT/AUFWAND IDENTITÄTSBILDUNG SCHWIERIGKEITEN IN DER UMSETZUNG

192

BÜROKRATISCHER AUFWAND


Intensität 3

Koordinierung und Umsetzung von v.a. baulichen Projekten (Gebäude, Öffentlicher Raum, Infrastruktur) Umgestaltung von Plätzen, Transformation von bestehenden Gebäuden, Neuanlage von Gebäuden, Leichte Änderung von Verkehrsführungen. Beispiel: Zentrale der Acción Espacio (Projektteil Architektur) Die Programmierung und Bespielung der enstehenden Räume sei eine Kernkompetenz der Acción Espacio.

Koordinierung und Umsetzung von umfangreichen Projekten Verkehr- und Infrastrukturanlagen, Umfangreiche Verbesserung der baulichen Struktur, Veränderung der Verkehrsführung, Errichtung von Wohnanlagen im Projektgebiet. Kernfunktion ist die Sicherstellung und Berücksichtigung der Räume gemäß den Prinzipien der Acción Espacio.

Planungs- und Zeitaufwand erherblich größer, Finanzierung benötigt ev. zusätzliche Mittel (Fremdfinanzierung durch staatliche oder private Gelder)

Finanziert durch Staat oder Großkonzerne. Mischfinanzierungen möglich, Beteiligung durch die Acción Espacio soll nicht primär in der Finanzierung der Bauleistung liegen, sondern in der Anpassung, Koordinierung und Programmierung der Räume für Kultur, Bildung, Gesundheit und Sport

Klarer Planungsauftrag, Moderation, Beteiligung für lokale Bedürfnisse, Rücksprache mit den Betroffenen über Entschädigungen

Acción Espacio erstellt in Koordination mit den Beteiligten das Anforderungsprofil größerer Vorhaben in Bezug auf Kultur, Bildung, Sport, Gesundheit und im weiteren Sinne öffentlichen Raum. Örtliche Behörden für das Projekt verantwortlich, Acción Espacio ist einerseits Kompetenzträger, andererseits wird die Bespielung und Programmierung der zur Verfügung gestellten Räume organisiert. Acción Espacio, Planungsverantwortliche von MetroCaracas, Stadt usw. Acción Espacio erstellt vor allem das Anforderungsprofil

Beteiligung mehrerer Fachplaner vonnöten, Koordination mit örtlichen Behörden Acción Espacio mit projektverantwortlichen Architeken und Planern (Planungsteam erstellt gemeinsam mit Bevölkerung Anforderungen)

strategie Acción espacio petare

Intensität 2

5

193

INTENSITÄTEN


Ziele

1

Rückgewinnung von

2

neubelegung von nicht

3 4

verlorenen Räumen

genutzten Räumen

Einbindung von vorhandenen rÄumen

neuerrichtung von rÄumen

194

Die Einteilung in 4 Hauptmaßnahmen der Aktion Raum für Petare. Jede Massnahme wird begleitet von der Diagnose gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung.


beschreibung

Spanisch

Ein Versuch, verloren gegangene Räume wieder neu zu bespielen. Okkupierte, privatisierte und missverwendete Räume werden Stück für Stück wieder öffentlich zugänglich gemacht oder einer sinngemäßen Nutzung überführt.

recuperación de espacio perdido

Ungenutzte, eventuell auch private Räume werden in das Programm mitaufgenommen und integriert. Eine Neubelegung bedarf auch eventueller Veränderungen in der baulichen Konfiguration.

ocupación de espacio sin uso

Bestehende Institutionen und Einrichtungen werden vernetzt und integriert. Der Zugang und die Information soll für alle gesichert werden. Das Programm wird eventuell erweitert, Synergien werden überprüft.

integración de espacios existentes

Schaffung von korregierenden Interventionen, Neubauten mit bestimmten Funktionen. Als Hauptmaßnahme die Schaffung der Zentrale von Acción Espacio. Weiters die Erweiterung und Vernetzung des öffentlichen Raumes.

creación y levantamiento de espacio

strategie

6

Acción espacio petare

ZIELE

195

Die Maßnahmen können sich überschneiden.


diagnose - BESTAND

1 2 3

196

4

 Rückgewinnung

Erkennen „verlorener“ Räume. Das Gebiet wird auf potentiell wiederherstellbare Räume untersucht. Dies betrifft v.a. öffentliche Räume. Mögliche Ursachen werden beschrieben und dokumentiert. Einfache Gegenstrategien werden erörtert. Die Zuständigkeit für Überwachung und Bewirtschaftung eruiert und ev. neu definiert.

 neubelegung Ungenutzte Räume werden gesucht, katalogisiert und auf mögliche Nutzungen mit den Betreibern oder Eigentümern abgeklärt. Eventuelle einfache Umbaumaßnahmen werden konzipiert. V.a. „brach“ gefallene Resträume sollen integriert werden. Räume, die temporär genutzt werden können, „Mehrfachbelegung“

 integration Das örtliche Angebot verschiedenster Nutzungen gemäß den Anforderungen der Aktion Raum wird gemeinsam überprüft, katalogisiert und aufbereitet. Die unterschiedlichen Betreiber werden integriert und befragt, inwiefern sie ihr Programm erweitern können, um eventuellen Defiziten zu begegnen. Vernetzung und Synergie.

 NEUSCHAFFUNG Der Zustand der öffentlichen Freiräume wird untersucht und an akuten Punkten werden direkte einfache Verbesserungen vorgeschlagen. Dazu werden die Freiräume mit den Anwohnern bewertet und auf Defizite untersucht. Eventuelle Neuplanungen werden mit den zuständigen städtischen Planungsinsitutionen abgeklärt. Die Suche des Standorts für die Zentrale der Aktion Raum für Petare. Mögliche Standorte sollen bewertet werden. Das Defizit und der Bedarf soll schrittweise und in Koordination mit den Betroffenen abgeklärt werden. Infrastrukturmaßnahmen sollen begleitet werden. Die Integration von Räumen gemäß den Anforderungen der Aktion Raum für Petare sollen so z.B. beim Bau von Metrocablestationen und deren Umgebung gewährleistet werden.


einige beispiele

erste kriterien

Privatisierung: Überbordend Parkplätze, zu hoher Druck durch informelle Händler, Übernahme (auch temporär, nachts) durch Kriminelle oder Banden, Fehlen sozialer oder staatlicher Kontrolle Degradierung: Fehlendes oder zerstörtes Stadtmobilar, Vermüllung bestimm-

Nutzung und Nachnutzung

Ursache der Alternativnutzung

Zuständigkeit, Bewirtschaftung

Urbane Restflächen wie Böschungen, Brückenräume, Nischen, zu wenig zonierte Flächen, vorhandene Freiräume, Höfe, Parkgaragen Strassen, die zu bestimmten Zeiten geschlossen werden können. Räume die (auch temporär) zur Verfügung stehen: Schulen, Kindergärten, Räume von privaten Inititativen, Kinos, Sanitorien ...

Eigentumsverhältnisse

Bespielung/Belegung

Zugang und Bedigungen

Örtliche Initiativen z.B. Fundación Bigott, Kirchliche Organisationen, Sportclubs, Institut Tito Salas, Private Initiativen und Räume: Freie Teile von Einkaufszentren, Netzwerke von z.B. Tagesmüttern, Lerngruppen, Sparinitativen Raumbedarf für institutionelle Org. (z.B. Kleinkreditbank)

Institutionen/Organisationen

Vernetzungsmöglichkeiten

Information; Bestand/Möglich

Kleine Plätze, Freiräume und Grünflächen innerhalb von Barrios. Die Zentrale schafft eine Vielzahl der proklamierten Räume und soll die „Schaltstelle“, Anlaufstelle und Informationspunkt der Programmierung der Räume der Umgebung sein. Öffentliche Freiräume: Spiel für Kinder und Kleinkinder, Treffpunkte für Jugendliche und Alte Personen, Möblierung und Begrünung, Schulräumlichkeiten für Ausbildung von Erwachsenen wie Kindern: Werkstätten, Schulklassen, Computerräume, Schulungsräume; Treffpunkte für Gemeinschaften: Versammlungsräume, Konzert und Theaterräume; Sporthallen und -plätze, nach Möglichkeit mehrfach genutzt; Medizinische Einrichtungen und Arztpraxen; Gewerbliche Ausweichflächen schaffen

Zonierung

Beleuchtung

Inventar

Barrierefreiheit

Leitsysteme/Signage

Symbol/Identität

Grünbereiche

Aussenraumbezug

strategie Acción espacio petare

7

197

DIAGNOSE


ACCIÓN ESPACIO

198

INTENSITÄTEN PHASEN


strategie

8

Acción espacio petare

LEITBILD

199

Das städtebauliche Leitbild verdeutlich das potentielle Wachstum von der urbanen Achse Petare-Palo Verde in die umliegenden Gebiete. Die Summe der Eingriffe, konzipiert in Intensitäten und Phasen, verbessert insgesamt die Versorgungslage und die Zugänglichkeit. Das jeweilige Einflussgebiet der Aktion geht über die Gebietsgrenzen hinaus.


200

Die Aufwertung der urbanen Achse bindet die umliegenden Gebiete mittels der Üffentlichen Räume an die formelle Struktur. Wo lokal vorhandene Entwicklungspotentiale sind, werden Räume erweitert oder errichtet.


201

Acci贸n espacio petare

strategie

9


202


203

projekt architektur strategischer teil

projekt


Gebietsschwerpunkt

204

Als Schwerpunktstandort wurde ein Gebiet zwischen den beiden UBahnstationen Petare und Palo-Verde ausgew채hlt. Es liegt zwischen den beiden grossen informellen Quartieren von Petare. Das Projekt ist am Standort als Schnittstelle zwischen der urbanen Achse und den informellen Gebieten gedacht. .


Für die Acción Espacio Petare (Aktion Raum für Petare) soll ein zentrales Gebäude und eine Anlaufstelle geschaffen werden. Dabei sind folgende Punkte zu erfüllen bzw. kommen folgende Vorgaben zu tragen:

projekt

Das Anbieten von Räumen für Einrichtungen, die den angrenzenden Orten dienen und als soziale Infrastruktur die Situation der Umgebung verbessern. Die Integration des öffentlichen Raumes als Schnittstelle zwischen einer urbanen, formellen Achse und dem Hauptzugang zu einem Barrio Bestehende fußläufige Verbindungen sollen verbessert werden, d.h. die Sicherheit, Einsehbarkeit, Lichtverhältnisse, „natürliche Überwachung“ Bezug des öffentlichen Raumes zu Einrichtungen und Gebäuden zur Verhinderung der Verwahrlosung bzw einer eindeutigen Thematisierung

Flexibilität in der Nutzung

Bau in Abschnitten, modulartige Bauweise

PETARE

Es soll ein deutliches und markantes Zeichen gesetzt werden, eine deutliche Unterscheidung zur umgebenden Bebauung gesetzt werden. Wahl des besten Standortes

205

ACCIÓN

ESPACIO

Acción Espacio Petare

Aufgabenstellung


206


207

FOTOANALYSE STRASSE

Acci贸n Espacio Petare

projekt


NISCHE EINGANG AUFGANG

GESCHÄFT AUTOZUBEHÖR

STEHCAFE COMERCIO

GESCHÄFT AUTOZUBEHÖR GESCHÄFT REINIGUNGSMITTEL

BRÜCKE ÜBERBAU

WERKSTÄTTE AUTOZUBEHÖR

MAUER TEILWEISE GRÜN GESCHÄFT AUTOZUBEHÖR STRASSE WERKSTÄTTE AUTOZUBEHÖR AUFGANG BARRIO

HALLE BAUSTOFFE

208

WOHNEN KONSOLIDIERTE HÄUSER


projekt Acción Espacio Petare

STAATLICHER SOZIALER WOHNBAU

LAGERRÄUMLICHKEITEN MAUER ALS ABGRENZUNG WERKSTÄTTE AUTOZUBEHÖR HOFZUFAHRT

WERKSTÄTTE AUTO, HOF

RESTAURANT CHINESISCH

WERKSTÄTTE MOTORRAD

AUFGANG BARRIO STAATLICHER SOZIALER WOHNBAU

STEHCAFE BACKWAREN, SNACKS

AUFGANG BARRIO

HALBPRIVATER ZUGANG WOHNEN KONSOLIDIERTE HÄUSER

FUNKTIONen an der STRASSE

209

STEILE BÖSCHUNG


Standortanalyse

PETARE NORDEN

SOZIALE WOHNBAUTEN AUS DEN 80er JAHREN

6 4

5

1

4

2

3

ACHSE PETARE-PALO VERDE

7 8

210

PETARE SÜDEN


projekt

KERNGEBIET für ACCIÓN ESPACIO

2

BAU- und LAGERHALLE

3

HANGBEFESTIGUNG

4

EXPANSIONSGEBIET

Standort für das zentrale Gebäude. Derzeit Autowerkstätten mit Höfen für Reparatur. Entwicklung Richtung Norden. Erschliessung für die nördlichen Barrios verknüpft mit der Erschliessung des Gebäudes. Alternativstandort. Zusammenhängendes Grundstück. Kernfunktion Bau- und Lagerhalle. Als solche ev. erant wichtig für die informelle Bautätigkeit.

Acción Espacio Petare

1

Hangbefestigung bzw. Begrünung. Verbesserung des Aufgangs zum Barrio.

Im Zuge der strategischen Erweiterung des GebiEntschädigungszahlungen oder Alternativstandorte. Geschäfte sollten der Versorgung des Barrios dienlich sein,, Funktion als KFZ Fachhändler fraglich. Das Gebiet liegt sehr zentral an der Strasse und kann geschäftsmäßig gut entwickelt werden.

5

HANGBEFESTIGUNG

6

NUTZUNG des STANDORTES unter BRÜCKE

7

VERBESSERUNG DER GRÜNFLÄCHE

8

SOZIALER WOHNBAU NEU

Verbesserung maroden Hangbefestigung, Sicherung mittels Stufen, Aufenthalt. Polizeieinheit denkbar.

211

Geplanter Wohnbau für die Verbesserung der Wohnsitutation in Petare an prekärer Hanglage. Durch die hohe Dichte wenig Räumlichkeiten für gemeinschaftliche Aktivitäten, Geschäftslokale etc. Die Erschliessung erfolgt im oberen Teil von oben, im unteren Teil von unten.


Öffnung und Schließung von Räumen, Terrassierte Ebenen Differenzierte Ausgestaltung/Benutzung

Bestehender Korridor als zentrale Verbindung zwischen der Strasse und dem Barrio José Felix Rivas. Höfe und Zwischenbereich nicht zugänglich.

Zielgebiet. Aufweitung des Korridors durch schrittweises Wachsen in den Bestand und Schaffen von Sichtachsen, Raumabschluß für die informelle Entwicklung im Westteil.

Implementierung Abschnitt 1, Aufweitung des Strassenraumes an der urbanen Achse. Räumliche Abgrenzung zu den Werkstätten.

212

Implementierung Abschnitt 2, Wachstum in terrassierten Ebenen. Flankierend Gebäude mit Funktionseinheiten.


projekt Acción Espacio Petare

Entwurfsabsichten

Zugänge von der Strasse, Auflösung des Durchzugsverkehrs.

Restrukturierung 213

Korridor


BEZEICHNUNG PRIMÄRFUNKTION ZENTRALE UND VERWALTUNG ACCIÓN ESPACIO

BESCHREIBUNG EIGENSCHAFTEN RAUMPROGRAMM(IERUNG) Freies Büro, Permanente Beratung und Ausstellung, Verkauf der Aktien, Verwaltung und Programm der Räume,

Grosser Kulturraum für Versammlungen KULTUR- UND VERSAMMLUNGSRÄUME

Aussenbereich(Tribüne), AusschankLagerräumlichkeiten, Kleinere Räumlichkeiten.

GESUNDHEIT

Räume zur Vermietung an Allgemeinund Fachärzte, Gemeinschaftspraxis mit Wartebereich. Unterschiedliche Räumlichkeiten. 2 Erschließungen (Medizinisches Personal, Patienten),

MULTIFUNKTIONSRÄUME WERKSTÄTTEN LEHRRÄUME

Multifunktionelle Räumlichkeiten mit unterschiedlichen Standards (Technische Infrastruktur), teilbar und erweiterbar. Breite Vorzone für Erschließung und Aufenthalt

KINDER AUFENTHALTSRÄUME TAGESMUTTERBETREUUNG KINDERGARTEN SPIELFLÄCHEN

Integrierte Erschließung der dahinterliegenden Barrios, Abtrennung der Sportbereiche durch hohe Zäune,

STIEGENHAUS SANITÄRRÄUME LAGERRAUM ÖFFENTLICHER RAUM SPORTPLATZ

Erschliessungszonen für die jeweiligen Funktionen, Sanitärbereiche (+Barrierefrei), nachträgliche Installation durch Lift vorsehen -

214

Integrierte Erschließung der dahinter liegenden Barrios, Abtrennung der Sportbereiche durch hohe Zäune,


MUSIKRÄUME

PROGRAMMIERUNG DURCH ACCIÒN ESPACIO

VERSAMMLUNGSRÄUME KLEINBIBLIOTHEK UND INTERNETRÄUME TANZRAUM RÄUME IN DER UMGEBUNG

projekt

EIGENSCHAFTEN

Acción Espacio Petare

RAUMGRUPPE 1

USW. WERKBANK, WASSERANSCHLUSS ZUSATZLAGER COMPUTER TAFEL, PRÄSENTATIONSMATERIAL

TRENNWAND, REGALSYSTEM TRENNWÄNDE TRENNWÄNDE

RAUMGRUPPE 2

ANAMNÄSERÄUME/GEMEINSAM ARZTHELFERRÄUMLICHKEITEN

“LABORATORIUM”

215

VERMIETUNG

LAGERRAUM, ZUSATZRÄUME


216

+0.00/1.80


217

Acci贸n Espacio Petare

projekt


Lage im Gebiet

218

Ansicht von Osten

+3.60/+5.60


219

Acci贸n Espacio Petare

projekt


BASIS MODULSYSTEM

GRUNDMODUl Das Variables Grundmodul kann Horizontal und Vertikal erweiterert werden; STÜTZENRASTER 6m x 6m; BETON 40/40, UNTERZUG 40/60 bzw. 40/40 An das Grundmodul werden versorgungseinheiten angeschlossen, die technische Infrastruktur wird dann horizontal verteilt.

KONFIGURATION Verschiedene Raumgrössen, Kommunikation zwischen den Räumen möglich.

Horizontale Erschliessung Vorzone, Kommunikationszone Anbau Stahlkonstruktion mit Stahlgitter aLS Boden

VERTIKALE MODULERWEITERUNG

220

+7.20


221

Acci贸n Espacio Petare

projekt


Ansicht von S端den

Ansicht von Norden

Ansicht Dachterrasse

Montage Strassenseite

222

+10.80


223

Acci贸n Espacio Petare

projekt


Ansicht Sitzstufen

Ansicht Sportplatz

Veranstaltungsraum

224

+14.20


225

Acci贸n Espacio Petare

projekt


226


227

Acci贸n Espacio Petare

SCHNITT B

SCHNITT A

projekt


228


229

Acci贸n Espacio Petare

projekt


230


231

Acci贸n Espacio Petare

projekt


MODULE Fenster und Türen

Das Modulsystem Fenster und Türen erlaubt eine unterschiedliche Anpassung und Konfiguration gemäss der erforderlichen Situation. Die Strukturen können mit: verglasten, opaken oder transluzenten Flächen gefüllt werden. Zu öffnen oder nicht zu öffnen. Mit Louvern, Lamellen, Gitter, Jalousien.

232

Ansicht von Osten


R

ST

LÜFTUNGSKLAPPEN HAUSTECHNIKKANAL

IN NE

NE

N SO

QUERLÜFTUNG

VORZONE AUFENTHALTSBEREICH

Glass Lamellen Offen

Glass Lamellen Geschlossen

SCHATTIERUNG ODER METALLNETZ

Klimatische Anforderungen Die genaue klimatische Situation der Stadt Caracas wird in diesem Rahmen nicht erläutert. Das tropische Klima ist in Caracas durch seine Höhenlage (~1000 Höhenmeter), nähe zum Meer und durch die unmittelbare Nähe des Avilamassivs mit seinen Luftströmungen besonders mild. Dennoch wurden in diesem Projekt verschiedene Prinzipien des Bauens in tropischen Lagen berücksichtigt, um eine Installation von Klimaanlagen durch passive Prinzipien zu verhindern. Querlüftung Luftstrom in Querrichtung, parallel zum Talstrom, verhindert den Stau der Luft und tropische Feuchtigkeit, „Luftpolster“ Zwischen Decke und Abgehängter Decke kleiner Luftpolster, der die heiße Luft aufnimmt und mit dem Luftstrom abtransportiert. Verhinderung direkter Bestrahlung(von Glasflächen etc.) viele Zonen mit Beschattungselementen, doppelte Haut.

233

BRÜSTUNG SCHATTIERUNG

projekt

G

N LU AH

Acción Espacio Petare

PRINZIPSCHNITT GRUNDMODUL


Alternativstandort (Halle) Die Intention des Entwurfs sieht vor, Alternativstandorte zu berücksichtigen. Im Laufe des Entwurfsprozesses wurde anfangs dieser Standort favorisiert und entwickelt. Auf diesem Standort kann die Erweiterung stattfinden und das südlich liegende Barrio in das Konzept integriert werden. Vorteil mögliche Akquisition eines großen zusammenhängenden Grundstücks Nachteil Zerstörung der vorhandenen Bauhalle.

4

7 8

Standort

Zugang Erdgeschoss, Platzgestaltung

234

Hauptgeschoss Platzgestaltung mit Zone für Veranstaltungen Überdachte Sportplatz mit Umkleiden, Werkstätten, Versammlungsräume


projekt Acción Espacio Petare Baukörperstudien

Ansicht Strassenseite

235

Regelgeschoss 2 Stiegenhäuser mit optionalem Lifteinbau zur Anbindung des Barrios. Arzt Gemeinschaftspraxen, mit Trennung Patient/Personal SaniWC Anlage, Flexible Räumlichkeiten


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anhang


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literatur


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PATRIck EDLIngER

ESPACIO


Acción Espacio: Raum in Aktion  

Strategien zur urbanen Integration von informellen Stadtquartieren in Caracas, Venezuela Master Thesis, Patrick Edlinger TU Vienna

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