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natürlich Reisen

DAS NEUE MAGAZIN

DAS MAGAZIN

natürlich

Reisen

FÜR ALLE, DIE LUST AUF NACHHALTIGES REISEN HABEN.

Was uns bewegt. In Gedanken

Im grünen Bereich

Im Gespräch

Exotik ist eine Frage der Perspektive

Natürliche Reiseziele weltweit

Hannes Jaenicke über Reisen und Naturschutz

3,90 €

HH Ein Titel der FUNKE MEDIENGRUPPE


WO W E I S E M Ä N N E R E I N S T D I E W Ü S T E Z U M B L Ü H E N B RACH T E N , f i n d e s t D u n o ch h e u t e i h r a n t i k e s Bewässerungssystem – als L e b e n s q u e l l d i ch t e r P a l m e n h a i n e , d i e s i ch h e k t a r w e i t w i e O a s e n d e r R u h e e r s t re ck e n . B l i ck e h i n a uf u n d b e w u n d e re d i e F r ü ch t e d e r A r b e i t j e n e r S i e d l e r, d i e Wa s s e r u n d Wa ch s t u m d o rt h i n g e b r a ch t h a b e n , w o v o r h e r n i ch t s a l s S a n d w a r.

D E I N E AU S S E R G E WÖ H N L I CH E G E S CH I CH T E

Oase von Al Ain, UNESCO Weltkulturerbe #InAbuDhabi

visitabudhabi.ae


WILLKOMMEN // Liebe Reisende, neulich genauso passiert: Ich sitze vor meinem Laptop und möchte einen Flug nach Porto buchen. Für ein verlängertes Wochenende. Ich zweifle. Der Flug: Umweltbelastung. Das Hotel: mehr Energie- und Wasserverbrauch als zuhause. Dennoch buche ich. Nicht der Weisheit letzter Schluss, aber um mein Gewissen zu entlasten, rufe ich die Plattform Atmosfair auf. Hier kann ich meinen CO2-Verbrauch kompensieren: 22 Euro für die 955 Kilogramm CO2, die mein Freizeitflug verursacht. Die Pro-Kopf-Jahresemission in Indien liegt bei 1.600 Kilogramm. „Erneuerbare Energien aus Ernteresten in Indien“ ist das Projekt, für das ich mich dann entscheide. Kritiker sagen: Nur Marketing, Ablasshandel, gar Betrug. Dennoch bleibt es eine von vielen Möglichkeiten, etwas zu tun. Der Tourismus bleibt einfach noch nicht ganz ohne Auswirkungen auf Natur und Mensch. Was für ein Dilemma. Das weiß die Wirtschaft, das weiß die Politik. Und das sollten wir auch wissen. Mehr Wissen bedeutet auch mehr Verantwortung. Aber bedeutet es, dass wir auf das Reisen verzichten müssen? Wir sagen: Nein! Und wir möchten Ihnen mit unserem neuen Magazin natürlich Reisen einige Anregungen geben. Hannes Jaenicke stellt sich in unserem Gespräch genau dieser Frage (Seite 27). Wir beleuchten ab Seite 39 die Auswirkungen des Tourismus‘: Was leistet die Branche in Sachen Umweltschutz schon jetzt – und was noch nicht? Wer sich mit dem Thema Nachhaltigkeit und Tourismus beschäftigt, merkt schnell, dass es auf diese Frage keine einfachen Formeln gibt. Plumpe Verbote helfen genauso wenig, wie Freifahrtscheine für ein immer weiter so.

natürlich Reisen

Ich reise gerne! Ich möchte die Schönheit der Welt entdecken. Ich bin davon überzeugt, dass Reisen die Menschen verbindet und dass wir die Herausforderungen, die es mit sich bringt, meistern können. Eine Urlaubsreise kann sehr viel mehr sein als nur stumpfer Freizeitkonsum. Reisen bedeutet ja auch, neue Kulturen und Weltanschauungen kennen zu lernen und sich zu öffnen. Ja, und sich zu erholen. Durchzuatmen. Aber wie kann sich nun unser Reisen verändern, damit es seine Schönheit selbst und die Schönheit der Landschaften und Kulturen, die wir bereisen, nicht verliert? Es gibt Lösungen: Wir schauen uns die natürlichsten Reiseziele der Welt an (Seite 15) und planen den Familienurlaub „mal anders“ (Seite 35). Wie es sich anfühlt, wenn man Orang-Utans in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten darf, erzählen wir Ihnen auf Seite 8 – viele weitere spannende Themen warten auf Sie.

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IMPRESSUM FUNKE Media Sales NRW GmbH Friedrichstraße 34-38, 45128 Essen Sitz Essen, Registergericht Essen, HRB 8208, Telefon: +49(0)201-804-0, Ein Unternehmen der FUNKE Mediengruppe Geschäftsführer: Michael Braun, Michael Wüller, Dennis Prien und Evangelos Botinos Verantwortlich für Anzeigen und Verlagsbeilagen (V.i.S.d.P.): Evangelos Botinos, Denis Prien Leiter Branchenmanagement Reise: Pascal Brückmann, Telefon: +49(0)201-804-2919 Realisation: FUNKE Sonderprodukte und FUNKE Redaktions Services Redaktion: Achim Faust (V.i.S.d.P.), Mona Contzen, Lea Püchel Gestaltung: Vera Löbbert, Nadine Rosengärtner, Lea Kotnik Illustrationen: Sinja Possekel Art Direktion: Oliver Schäfer Titelbild: iStock Gedruckt auf umweltfreundlichem Papier mit FSC-Zertifizierung. Druck: Prinovis GmbH & Co. KG, Meinholdstraße 2, 01129 Dresden

Alle Antworten haben auch wir noch nicht parat. Die müssen wir entdecken. Unser neues Magazin natürlich Reisen, ist eine Einladung dazu.

Lea Püchel für das Team von

natürlich Reisen

Entdecke die Welt mit anderen Augen! GRÜNE REISEZIELE

EXOTISCHE HEIMAT

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VIETNAM KULINARISCH

ORANG-UTANS HAUTNAH

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Übernachten: Gruß aus dem Bio-Hotel

// Seite 12

Gesund bleiben: Reiseapotheke aus der Natur

// Seite 22

Klartext reden: Was es zu retten gilt

// Seite 27

Reisen mit Kids: Auf das Wie kommt es an

// Seite 35

Suchen & Finden: Mit gutem Gewissen auf Tour

// Seite 36

Was wir wissen müssen: Die Zeichen der Zeit

// Seite 39


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// EINTAUCHEN

„Nimm nur Erinnerungen mit, hinterlasse nichts außer Fußspuren.“ Foto: StockSnap

Chief Seattle (1786–1866) Häuptling der Suquamish und Duwamish


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Nach|hal|tig|keit längere Zeit anhaltende Wirkung (Forstwirtschaft) forstwirtschaftliches Prinzip, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann (Ökologie) Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann Dieses Wort stand 1915 erstmals im Rechtschreibduden.

Quelle: DUDEN


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// NÄHE GENIESSEN

Man muss nur anders gucken EXOTISCH IST, WAS ÜBERRASCHT

Von Jens Dirksen

Was macht heute echte Exotik aus? In Zeiten, in denen die Müllberge der Trekking-Touristen im Himalaya allmählich dem Mount Everest Konkurrenz machen, werden die Regionen der Erde, in denen alles ganz anders ist, immer weniger. Wenn es selbst in Feuerland immer wahrscheinlicher wird, auf Nachbarn oder Arbeitskollegen zu treffen, wird es doch überall wie zu Hause, mit jedem Tag immer mehr. Wer noch unermessliche Eismassen in der Arktis sehen will, muss sich allmählich sogar beeilen. Und seien wir ehrlich: Das Exotische ist gerade an den fernsten Reisezielen dieser Welt immer mehr ausgepolstert mit dem Komfort und den Hygienestandards der westlichen Industrienationen. Das Fremde wird immer weniger fremd, Globalisierung bedeutet eben auch: Ähnlichkeitswachstum, anschwellende Ortskenntnis im globalen Dorf. Am Ende wird man sich fragen müssen, ob es so etwas wie Abenteuer mit Vollkaskoversicherung überhaupt geben kann. Und ob wir auf Reisen wirklich das vollkommen Andere, die radikale Alternative zum Zuhause suchen.

ÜBRIGENS ...

Faulheit siegt

Foto: iStock

Die Vor- und Nachteile einer nachhaltigen Reise wägt kaum jemand gegeneinander ab – viel zu anstrengend. Stattdessen zeigt die Entscheidungsforschung: Wir folgen einfachen Faustregeln und fahren gerne dorthin, wo wir schon zigmal waren (Gewohnheit), oder hören auf den Rat von Freunden (Nachahmung).


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Foto: iStock

Das ist der Moment, in dem wir den Reiz des kleinen Unterschieds entdecken können: Wenn wir uns umschauen in Deutschland, in Mitteleuropa, wenn wir einen Augenblick lang versuchen, die unmittelbare Nähe mit demselben Staunen zu sehen wie all die Touristen aus China, aus Japan, aus den USA, die unser Land und unseren Kontinent bereisen, werden wir feststellen, dass es woanders als weit weg auch sehr schön ist. Wir merken das jedes Mal, wenn wir Besuch haben und anderen unser Land zeigen: Vor lauter Ferntourismus vergessen wir manchmal, dass wir auch vor der Haustüre Sehenswürdigkeiten, Lebenswürdigkeiten, Liebenswürdigkeiten haben. Der Alltag hält uns, weil er Alltag ist, davon ab, so genau hinzusehen, wie wir das sonst nur auf Reisen tun. Reisen heißt vielleicht gar nicht so sehr: weit wegfahren. Sondern: anders gucken.

Foto: StockSnap

„Reisen heißt vielleicht gar nicht so sehr: weit wegfahren. Sondern: anders gucken.“

Foto: iS tock

nap Foto: StockS

Ja, die Menschen, die bei Sonne, Sand und Wellenschlag mit Schönwettergarantie entspannen wollen, werden wohl weiterhin ans Mittelmeer pilgern müssen – für eine mediterrane Nordsee reicht der Klimawandel dann ja doch noch nicht. Aber wem es um atemberaubende, stille Bilderbuch-Landschaften geht, um sehenswerte, heimelige Dörfer oder perfekt restaurierte Altstädte, um Bewegung in abwechslungsreichen Regionen, wer über Flüsse paddeln oder an ihnen entlangradeln möchte, wird feststellen: Unsere Heimat und unsere Nachbarländer sind nicht weniger exotisch, nicht weniger vielfältig als die fernsten Fernen. Die Waldlichtung eines Mittelgebirges bei durchbrechendem Sonnenaufgang, die Flussschleifen von Mosel oder Lahn, eine schillernde Moorlandschaft wie das Hohe Venn – und selbst wer glaubt, das Sauerland, den Hunsrück oder die Pfalz zu kennen, kann hier überrascht werden und sein Wunder erleben, in Himmelblau, in Laubgrasgrün, in herbstlichem Rotbunt. Und immer noch bleiben für die meisten von uns die Städte und Landschaften im Osten zu entdecken, von den Alleen Mecklenburgs bis zu den Tälern des Riesengebirges, von den Saale-Weinbergen bis zu den Dünen von Usedom. Es geht gar nicht so sehr um „Germany first“, sondern um Abenteuer ohne Flurschaden. Um Entdeckungen vor der Haustür. Um die Exotik der schönen Nähe.


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// INDONESIEN ERLEBEN

Jackie EINE DER LETZTEN IHRER ART

Rund 14.000 Orang-Utans gibt es noch auf Sumatra. Wer nur einem von ihnen begegnet, hat die Liebe fürs Leben gefunden. Text und Fotos von Mona Contzen Jackys Hände sind rau und kratzig. Ihre klugen, braunen Augen beobachten aufmerksam die Umgebung, die langen Finger halten einen dünnen Baum sicherheitshalber fest umklammert, während die andere Hand sanft nach den fremden Besuchern greift. Die flüchtige Berührung ist fast ein kleines Wunder: Der Sumatra-Orang-Utan gilt als vom Aussterben bedroht. Jacky ist eine der letzten ihrer Art.

Seit einer Stunde schon stolpern wir über Steine, rutschen matschige Pfade hinunter, kämpfen uns durch unwegsames Dickicht. Die schweißnassen T-Shirts kleben am Rücken. „Jetzt haben wir den Dschungel fast erreicht“, verkündet Sinar Sipayung fröhlich. Kaum vorstellbar, dass dieses Wirrwarr aus Schlingpflanzen, Farnen und Bäumen noch dichter, das Gewimmel aus riesigen Waldameisen und Mücken noch größer werden könnte.

Aber Sinar kennt sich aus: Seit zehn Jahren schon ist er als Guide tagtäglich im Gunung Leuser Nationalpark unterwegs, einem der letzten Rückzugsorte der Orang-Utans auf der indonesischen Insel Sumatra. „Hunde und Katzen mochte ich nie besonders“, erzählt Sinar freimütig. „Aber ich liebe Orang-Utans, sie sind so unglaublich menschlich.“ Da ist zum


9 Sinar Sipayung führt von Bukit Lawang aus in den Gunung Leuser Nationalpark, einer der letzten Rückzugsorte der Orang-Utans.

INFO Die Stiftung PanEco setzt sich für das Überleben der Orang-Utans und den Schutz des Regenwaldes auf Sumatra ein. Ihre Eco-Lodge in Bukit Lawang fördert einen nachhaltigen Tourismus und bietet Orang-Utan-Trekking im Gunung Leuser Nationalpark an. www.ecolodges.id/en, www.paneco.ch

Beispiel der massige Patriarch, der sich behäbig an einen Baumstamm kuschelt, als wäre es sein Wohnzimmersessel – ein respekteinflößendes Männchen, von dem man besser Abstand hält. Oder der Teenager, der betont gelangweilt den Kopf in die Hand stützt und uns trotzdem von seinem Ast mit wachen Augen beobachtet. Der Rowdy, der sich so lange aufspielt, sich groß macht und die Brust rausstreckt, bis die hilflosen Guides ihm ein Stück Melone überlassen. Das süße Kind mit den wirr abstehenden, flauschigen Haaren, das der Mutter eine Banane klaut und sich für diese Frechheit gleich eine fängt. 97 Prozent der Gene von Mensch und Orang-Utan stimmen überein. Jeder Einzelne von ihnen hat eine eigene Persönlichkeit. Doch es sind die Augen, die diese Tiere so unglaublich vertraut erscheinen lassen. Augen, in denen wir uns selbst

sehen. Wenn sich die Blicke treffen, ganz ohne Gitterstäbe, Elektrozäune oder Safari-Jeeps, scheinen sich Mensch und Tier tatsächlich zu verstehen – zumindest für diesen einen kurzen Moment, in großer Ruhe und tiefer Verbundenheit. Sinar führt uns immer weiter in den dichten, feuchten Wald hinein. Wir klettern an Wurzeln senkrechte Abhänge hinunter, ziehen uns schnaufend an Lianen die Berge hinauf. Das Privileg, die OrangUtans aus nächster Nähe betrachten zu dürfen, müssen wir uns hart erarbeiten. Zum Glück ist Sinar ein wahrer Affenflüsterer, spricht gleich mehrere Sprachen fließend – mal klingt es wie ein kehliges Grunzen, mal wie ein schmatzender Kuss, wenn er Orang-Utans, Weißhandgibbons oder Paviane ruft. Früher hat Sinar im Rehabilitationszentrum von Bukit Lawang gearbeitet, das bis zu seiner Schließung 1995 verwaiste oder

als Haustiere gehaltene Orang-Utans aufpäppelte und in den Nationalpark auswilderte. Inzwischen sind die Auffang- und Pflege-, die Auswilderungs- und Forschungsstationen der Schweizer Stiftung PanEco in entlegenere Gebiete abgewandert. Die Orang-Utans, die es nur auf Sumatra und Borneo gibt, brauchen nach wie vor dringend Hilfe: Obwohl sie schon seit mehr als 60 Jahren unter Schutz stehen, landen noch immer Tiere auf dem Schwarzmarkt. Manche von ihnen werden in Kleidchen gezwängt und wie Puppen behandelt, andere sogar als Sexsklaven missbraucht. Und um Platz zu schaffen für ausgedehnte Palmölplantagen, wird der Regenwald im Rekordtempo gerodet. Der Lebensraum der Orang-Utans verbrennt – pro Stunde eine Fläche von 150 Fußballfeldern.


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// REPORTAGE INDONESIEN ERLEBEN

Durch die Zerstörung der Natur – seit Mitte des letzten Jahrhunderts hat Sumatra 80 Prozent seines Regenwaldes verloren – ging die Orang-Utan-Population in den vergangenen 100 Jahren um 95 Prozent zurück. Auf der Insel gibt es heute nur noch etwa 14.000 Tiere, die Population der Borneo-OrangUtans wird immerhin noch auf 54.000 geschätzt. Jacky ist ein Opfer der Menschen. Sinar kennt sie noch von früher. „Sie hat immer geweint, wenn ich sie in den Dschungel gebracht habe und sie nicht tragen wollte“, erzählt er schmunzelnd. Bei den täglichen Ausflügen vom Orang-Utan-Zentrum in den Urwald hat Sinar ihr das Klettern, die Nahrungssuche, den Nestbau beigebracht. Er war Jackys Lehrer, Freund, letztlich ihr Befreier.

Foto: Esther Miche

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Als wir Jacky nach Stunden und einem halben Dutzend ihrer Artgenossen im Regenwald treffen, ist das verliebte Grinsen längst in unseren Gesichtern festgetackert. Die Zikaden zirpen, der Fluss rauscht, die Zeit scheint stillzustehen. Der kleine Waldmensch, so die wörtliche Übersetzung von Orang-Utan, wirft noch einen letzten Blick zurück über die Schulter, dann schwingt sich Jacky wieder hinauf in die Baumkronen, ganz gemächlich, fast wie in Zeitlupe. Noch lange fängt ihr orange-braunes Fell die Sonnenstrahlen ein und leuchtet durch das Dickicht.

NATÜRLICH REISEN BEDEUTET FÜR MICH, ... ... möglichst umweltschonend zu reisen. Das heißt lange Flugreisen nur dann in Kauf zu nehmen, wenn ein klarer Grund dafür besteht – etwa eine konkrete, sinnstiftende Aufgabe wie das Voranbringen meiner Projekte zum Schutz des Regenwalds und der Orang-Utans in Sumatra. Regina Frey, Gründerin der Stiftung PanEco


RUBRIK //

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// ÜBERNACHTEN

GRUSS AUS D

EM

BIO-HOT EL Von Sandra Malt

Das Bio-Fleisch kommt von der eigenen Weide, die Badesalze werden aus selbstgepflückten Kräutern hergestellt, Holz, Glas und Stein bestimmen die Architektur – naturnahe Wellnesstempel und Bio-Hotels haben so einiges zu bieten.

de www.hotel-falkenhof.

Der Falkenhof in Bayern Das Bio-Vitalhotel in Bad Füssing bietet für Veganer eine umfangreiche Küche, doch auch Nicht-Veganer werden glücklich mit Bio-Fleisch und -Fisch. Es gibt eine Therme mit Blick ins Grüne, ein 1200 Quadratmeter großes Spa sowie Entspannungsprogramme mit Yoga, Shiatsu und Ohrkerzenbehandlungen. Zum Relaxen lädt der ThermalwasserPanoramapool auf dem Dach.

www.aqualuxhotel.com

Das Aqualux am Gardasee Das Aqualux in Bardolino ist das einzige Öko-Hotel am Gardasee. Eine Photovoltaik-Anlage, Sonnenkollektoren und eine Wärmepumpe versorgen das Haus. Holz, Glas und Stein bestimmen die moderne Architektur. In den Restaurants finden ausschließlich regionale Produkte und viele biologische Zutaten Verwendung. Die Poollandschaft wird nur mit Thermalwasser gespeist.

www.pennhof.com

Der Pennhof in Südtirol Auf fast 800 Metern, mit Blick auf die Berge, liegt der Pennhof bei Brixen. Die Wildkräuter kommen aus dem eigenen Garten, Chefkoch Elmar verarbeitet in der Bio-Küche ausschließlich frische Zutaten von Landwirten in der Nähe. Nach dem Essen: Entspannung in der Bio-Sauna und dem Natur-Holzpool. Die hellen Zimmer sind mit viel Holz und Naturstein ausgestattet.

os.com www.massalagr Das Mas Salagros nahe Barcelona Das Fünf-Sterne-Haus, eine halbe Stunde von Barcelona entfernt, ist das erste Öko-Ressort Spaniens. Hier kann man den Alltag dank Bio-Restaurant, eigenem Hof mit Tieren, riesigem Naturgebiet und römischen Thermalbädern gut einmal vergessen. Der Landwirtschaftsbetrieb Granja Salagros produziert saisonale Produkte, mit denen das Hotelrestaurant beliefert wird.

www.grafenast.at

Das Natur- & Kulturhotel Grafenast in Tirol Ein Hotel in den Bergen, ganz ohne Fernseher oder Radio: Die Zimmer mit den schönen Lärchenholzböden sind erdstrahlenund elektrosmogfrei. Im Bio-Restaurant gibt’s regionale Spezialitäten. Angeboten werden Barfuß-Workshops und Achtsamkeitsretreats. In der Bauweise traditioneller Jurten finden Gäste außergewöhnliche Ruheräume und Saunen mitten in der Natur.

www.mattlihues.bio

Das Mattlihüs im Allgäu In der Pension werden Bioprodukte aus der Region verwendet, die Zimmer und Suiten des Neubaus sind aus Vollholz gebaut. Der Wellnessbereich ist abgeschirmt von Elektrosmog und Erdstrahlung, Spa-Höhepunkte sind heilenergetische Massagen und Packungen aus Zirbe und Honig. Krönender Abschluss: der Blick vom Ruheraum auf das Bergpanorama und die Kräuterwiesen.


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WAS IST EIN BIO-HOTEL? Nachhaltiges Wirtschaften und die Verwendung regionaler Produkte zeichnen Bio-Hotels aus. Dazu gehören Kooperationen mit Bio-Bauern ebenso wie die Beachtung umweltverträglicher Abfall- und Energiekreisläufe. Der Verein „Bio Hotels“ bündelt als größter Zusammenschluss ökologischer Hotels fast 100 Häuser in sechs europäischen Ländern.

www.forsthofalm.com

Foto: Bio-Hotel Grafenast

www.biohotels.info Die Forsthofalm im Salzburger Land Die Forsthofalm auf 1050 Metern ist das erste Vollholzhotel im Salzburger Land. Das große Spa auf dem Dach lädt mit beheizbarem Pool, Kaminlounge und Rundumblick über die Berge zum Energie tanken. Bio-Saunen, Naturbadeteich und Massagen stehen zur Verfügung. Cremes, Badesalze und Öle werden aus selbstgepflückten Kräutern von heimischen Wiesen hergestellt.

Mecklenburg-Vorpommern

Das Schönste am Herbst Zeit für Kurzurlaub zwischen Ostsee und Seenplatte 1 Nacht im DZ ab

Foto: TMV/Bleyer

59 €

auf-nach-mv.de Gefördert durch: Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE)

Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e. V. · Konrad-Zuse-Straße 2 · 18057 Rostock fon +49 381 40 30-500 · info@auf-nach-mv.de · www.auf-nach-mv.de


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Ruhe und Stille im

Bäderland Bayerische Rhön Immer wieder holen einen im Leben Momente ein, an denen man sich nach Entschleunigung sehnt. Das Urlaubsland Bayern bietet viele Möglichkeiten, um Kraft zu tanken – so zum Beispiel im Bäderland Bayerische Rhön. Zwei Hauptdarsteller sind hier zu Hause: der Mensch und die Natur. Ihre Belange in Einklang zu bringen, das ist das Ziel eines Biosphärenreservats, wie es die Rhön ist. Die für die Region so charakteristischen offenen Fernen sind entstanden, weil die Rhöner Bauern die hochgelegenen Plateaus als Weiden für ihre Tiere nutzten. Für Rhön-Besucher heißt das, ihre Blicke über die weiten Panoramen schweifen lassen und die Rhönschafe auf ihren Weiden beobachten zu können. Ein Tipp zum Entschleunigen ist der Kreuzberg. Vom Gipfel des Kreuzberges eröffnet sich der Rundblick weit in das fränkische Land und in die Weite der Rhön. Oder Sie entdecken die bayerische Rhön bei Nacht im Sternenpark unter einem prachtvollen Sternenhimmel. Wer sich entspannen und verwöhnen lassen möchte, tut das am Besten in einem der fünf Heilbäder. Bad Brückenau Wer im fränkischen Bad Brückenau im pompösen Schlosspark-Resort im Staatsbad, in direkter Nachbarschaft zur Kernzone des Biosphärenreservats Rhön, eincheckt, findet leicht in drei Schritten zurück zur Leichtigkeit. Philosophische Impulse, spirituelle Augenblicke, zarte Momente – für diese Urlaubstage sind Extra-Angebote und authentische Begegnungen in königli-

chem Ambiente garantiert. Zur stilvollen Übernachtung laden komfortable Häuser, ergänzt um vielversprechende Inklusiv-Leistungen der Gastkarte, ein.

len Jahren bekannt. Die FrankenTherme mit dem angeschlossenen Saunadorf, im fränkischen Fachwerkstil errichtet, lädt zum Entspannen und Kuren ein.

Bad Bocklet Ayurveda ist das 5000 Jahre alte Wissen Indiens vom gesunden, erfüllten Leben. In Bad Bocklet – im eleganten 4****-Hotel Kunzmann’s, im Kurhaus der Caritas oder auch nur ambulant – wecken zwei indische Ärzte, die gut Deutsch sprechen, und fünf liebenswerte indische Therapeuten Ihre Lebensgeister wieder und geben Ihnen Ihre Kraft und Lebensfreude zurück. Eine herrliche Ayurveda-Auszeit!

Bad Neustadt Ein Spaziergang durch die Saaleaue, im Kurpark, den geologischen Lehrpfad entlang oder um die Stadtmauer. Ein Ausflug auf die historische Salzburg. Ein Blick von der Luitpoldhöhe. Als Teil des Biosphärenreservats ist der Bahnhof Bad Neustadt das Tor zur Rhön für Wanderer und Radfahrer. Für Kulturinteressierte bietet die neue Stadthalle Vielfalt und Emotionen ein Zuhause.

Bad Kissingen Scheinbar wie von selbst erfrischt Bad Kissingen die Sinne und lenkt das Bewusstsein ins Hier und Jetzt. Für entspannten Hörgenuss sorgt das ganze Jahr über die Kurmusik sowie das hochkarätige Konzertprogramm. In den Parks und den historischen Bauwerken findet man Ruhe und Ausgleich. Natürliches Heilwasser, ausgeschenkt mit individueller Beratung, entfaltet hier seine Kraft. So lässt uns Bad Kissingen Achtsamkeit entwickeln für die eigenen Bedürfnisse. Bad Königshofen Im 1. Natur-Heilwasser-See Deutschlands der FrankenTherme in Bad Königshofen baden die Gäste von April bis Oktober in einem 30°C warmen Wasser, so wie es die Mineralquelle aus der Tiefe der Erde liefert. Die Wirkung des Mineralheilwassers ist bei Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie der Haut seit vie-

Es gibt viele Möglichkeiten. Also tauchen Sie ein in die Ruhe der Bayerischen Rhön. Mehr Informationen finden Sie unter www.baederland-bayerische-rhoen.de

INFO Die Marke stade zeiten ist ein Garant für pure Erholung inmitten bayerischer Naturschönheiten. Lassen Sie den Alltag hinter sich und tauchen Sie ein in die Ruhe. An abgelegenen Orten und Unterkünften oder bei spirituellen Auszeiten und schöpferischen Tätigkeiten können Sie Stille leben und fühlen. www.bayern.by/stade-zeiten


ANKOMMEN //

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RÜN G E I E

Entscheidung Von Lea Püchel

Ein weltweites Ranking von nachhaltigen Ländern oder Regionen gibt es nicht. Dennoch haben es einige Destinationen geschafft, natürlichen Tourismus breiter zu verankern.

Foto: iStock

Im Sommer baden, im Winter Ski fahren – der Bleder See und die Julischen Alpen in Slowenien sind ein Traumziel für Familien.


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// ANKOMMEN

Aufs Watt hören: Tief einatmen. Der Wind weht kräftig. Das Rascheln des Strandhafers auf den Dünen wird vom Rauschen der Wellen übertönt. Nach dem Strandspaziergang verweilt man vor dem Kamin mit einer Kanne Ostfriesentee. Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per Pferdebus geht die Reise danach weiter. Die ostfriesische Insel Juist ist nämlich eine Klimainsel. Wohl bedacht. Juist, die zweite Insel von links in der ostfriesischen Inselkette, ist schon immer den Naturgewalten ausgesetzt gewesen. Sturmfluten seien häufiger geworden, sagt Thomas Vodde vom Tourismusmarketing. Künstliche Dünen mussten zwar schon angelegt werden, doch die Gemeinde beschloss mehr Verantwortung zu übernehmen und erklärte sich 2010 zur Klimainsel. 2030 möchte sie klimaneutral sein. In von der Gemeinde kostenfrei zur Verfügung gestellten Energieberatungen lernen Gaststätten und Tourismusbetriebe, wie ihr individueller CO2-Fußabdruck aussieht. Bei einem Energiespartag im Juister Rathaus wurden Schwachstellen behoben. Einmal in der

ÜBRIGENS ...

Sanfter Tourismus geht auch in der Ferne

Foto: iStock

Nachhaltigkeit berücksichtigt nicht nur ökologische, sondern auch soziale und wirtschaftliche Aspekte. Fernreisen sind für Urlauber also nicht per se tabu – vorausgesetzt die Reisekasse kommt den Menschen vor Ort zugute. So können Touristen letztlich auch helfen, die Natur intakt zu halten.

Juist Woche ist Veggie-Tag. Urkunde, Aufkleber und Logo sorgen bei allen, die bei den Aktionen mitmachen, für eine öffentlichkeitswirksame Wahrnehmung. Und für einen Wettbewerbsvorteil – vor allem bei den Zweiturlauben, sagt Thomas Vodde. Denn Reisende würden vor allem beim Zweit- oder Dritturlaub mit gutem Gewissen dem Alltag entfliehen wollen, schon der erste Urlaub hat ja das Klima belastet. Die Stadtgröße entscheidet? Juists Umsetzungen sind ehrlich und hängen die Messlatte in der Branche höher. So wurde die Insel auch von TourCert, einem Zertifizierungssystem für nachhaltigen Tourismus, ausgezeichnet. Bei näherem Hinsehen wird aber klar: Juist ist mit circa 1.600 Einwohnern und bis zu 10.000 Gästen in der Hochsaison immer noch überschaubar. Eine größere Stadt hat es da schon schwerer, die Bevölkerung individuell zu mobilisieren und vom nachhaltigen Tourismus zu überzeugen. Umso erfreulicher ist es, dass Celle es versucht.


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Zwischen Schloss und Lüneburger Heide erstrahlt der Fachwerkglanz der Altstadt. Einige der ältesten Häuser Niedersachsens stehen hier. Celle ist eine Stadt, in der die Lokale vorne Gärten und hinten grüne Höfe haben. Celle ist naturnah. Der Heidschnuckenweg ist der Wandertraum des Nordens und verbindet auf 223 Kilometern die Stadt mit Hamburg. Deswegen hört man Celles Tourismusbüro sagen: „Die kulturelle Identität, Regionalität, die Landschaft und Natur sind unsere wichtigsten Ressourcen.“ Konkret heißt dies, dass die Celler Badelandschaft Strom und Wärme ressourcenschonend nutzt, ein eigenes Blockheizkraftwerk versorgt sie mit Energie. Das Tourismusbüro in Celle veränderte betriebsinterne Strukturen, man wisse um die Vorbildfunktion, erklärt Khai Nhon Behre, Projektleiter Nachhaltigkeit der Stadt. Das bedeutet zum Beispiel: Öffentlicher Nahverkehr statt Pkw für die Mitarbeiter, Nutzung von Ökostrom, Mehrweggeschirr und verrottbarem Material bei Veranstaltungen. Lokale Produkte werden gefördert. All das führte, genauso wie auf Juist, zur TourCert-Zertifizierung.

Foto: iStock

Im Juni 2017 schaffte es Celle als einzige Stadt dann auch im Bundeswettbewerb Nachhaltige Tourismusdestinationen 2016/17 unter die fünf Finalisten. Es waren insbesondere der Fokus auf die regionale Küche und die Fähigkeit, das Thema Nachhaltigkeit strategisch voranzubringen, was die Jury an Celle überzeugte, erklärt Dirk Dunkelberg vom Deutschen Tourismusverband (DTV). Nachhaltigkeit in einer Region zu etablieren funktioniere dann sehr gut, wenn man ein Team bilde und dadurch eine Dynamik entstehe. „Das ist in Celle gelungen“, ergänzt er.

Charme und Haltung: Celle.

Jeder Anfang ist schwer Celle hatte Glück, dass sich so viele Leistungsträger aus Hotellerie und Gastronomie gefunden haben, die interessiert waren, sanften Tourismus weiter voranzutreiben. Doch dahinter steckt auch Arbeit. Die Sensibilisierung der Gäste, der Betriebe und Leistungsträger hält noch an. Zeit und Geld seien große Hemmschwellen bei der Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie, stellt Dunkelberg fest. In so manchen Gegenden weiß man aber gar nicht, wie viel man schon in diesem Bereich tut. Gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium entwickelte der deutsche Tourismusverband einen Praxisleitfaden, von dessen 1400 weltweiten Kriterien 40 nationale als Orientierung dienen. Die Nordeifel ist vor allem beim Schutz von Natur und Umwelt weit vorne.

„Nah dran. Weit weg.“ Die Nordeifel Sie liegt vor der Haustür der großen Städte am Rhein und ist Heimat des einzigen nordrhein-westfälischen Nationalparks sowie der Naturparks Rheinland und Nordeifel. Ausgedehnte Wälder, herrliche Blicke und eine wunderschöne Mittelgebirgslandschaft entspannen. Die Nordeifel ist mit ihrem Nationalpark Eifel also naturgegeben nah dran am Thema. Das macht es einfach, Nachhaltigkeit in den Vordergrund zu stellen? Nicht unbedingt. Patrick Schmidder, stellvertretender Geschäftsführer der Nordeifel Tourismus GmbH, erklärt, dass Interessenkonflikte dem sanften Tourismus entgegenstehen. Auch stellt jeder Urlaub alleine durch Anreise und Übernachtung eine Beeinträchtigung der Umwelt dar – der Energie- und Wasserverbrauch im Urlaub übersteigt den der eigenen vier Wände deutlich.

Foto: iStock

Die frühere Residenzstadt mit Charme und Haltung: Celle

Die Eifel ist Heimat des einzigen NRW-Nationalparks.

Dennoch: Die Eifeler Tourismusbehörde tut einiges dafür, dass den Gästen ein klimafreundlicher Aufenthalt so einfach wie möglich gemacht wird. „Es geht im Wesentlichen darum, ein Impulsgeber in die Region hinein zu sein, alle zu aktivieren und zu beteiligen“, erklärt Patrick Schmidder, der sich nur über den Mangel an engagiertem Nachwuchs Sorgen macht. Momentan dürfen sich 37 Unterkunfts- und Gastronomiebetriebe in der Nordeifel Nationalparkgastgeber nennen. Sie müssen für diese Auszeichnung regionale Produkte verwenden, ökologische Umweltkriterien einhalten und die GästeCard aushändigen, mit der Touristen den öffentlichen Nahverkehr kostenlos nutzen können. Eine weitere Idee: Für das Eifel-Trekking wurden Naturlagerplätze geschaffen. Das sind einfache Holzplateaus mit Komposttoiletten. Wanderer erhalten Tourenvorschläge und eine genaue Wegbeschreibung zu den Orten, an denen sie übernachten können. Das angeleitete Wandern macht es einfacher, sich für einen solchen Urlaub auf eigene Faust zu entscheiden. Beschilderung und Wegqualität lassen hier auch Fahrradfahrer gern in die Pedale treten. Zusätzlich zahlt das Projekt „Eifel barrierefrei“ mit Führungen in Gebärdensprache, Natur-Erlebnisräumen mit Blinden-Leitsystem und vielem mehr auf das Nachhaltigkeitskonto ein. Denn Tourismus ist auch dann nachhaltig, wenn er inklusiv für alle ist. Die Verantwortlichen schaffen durch ihre kreativen Angebote auch hier eine naturnahe wirtschaftliche Entwicklung. Orientierung im Dschungel der Unmöglichkeiten Ganz klar: Nachhaltiger Tourismus in Deutschland ist nicht mehr beispiellos. „Vor allem in letzter Zeit ist eine relativ große Dynamik entstanden“, betont Petra Thomas, Geschäftsführerin vom Forum Anders Reisen. Seit diesem Jahr hat die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) Nachhaltigkeit ausdrücklich auf ihrer Internetseite als offiziellen Bestandteil und Markenkern in den deutschen Tourismus eingegliedert. Das Bewusstsein für die Natur im Land ist nicht zuletzt durch eine politische Auseinandersetzung weiter verbreitet als in anderen Regionen der Welt: Der Begriff Klima steht auf der Agenda. Norwegen ist sogar einen Schritt weiter – und hat die Natur schon im Slogan. Und es gibt noch ein Zugpferd in Europa: Slowenien wurde 2016 von der Non-Profit Organisation Green Destinations zur weltweit ersten grünen Destination gekürt. 96 Prozent der Nachhaltigkeitskriterien erfüllte das Land.


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// ANKOMMEN

Janez Drnovšek, von 2002 bis 2007 Staatspräsident von Slowenien, ist Veganer. Mit Begeisterung sprach sich der Politiker öffentlich für ein soziales Gewissen aus. Mit Begeisterung scheint auch der Rest des Landes ökologisch und nachhaltig zu sein. Als drittwaldreichster Staat Europas mit vielen Seen, Flüssen und einer herausragenden Bergwelt hat man schließlich einiges zu schützen.

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Slowenien geht den Schutz seines kulturellen Erbes und seiner Naturschätze strategisch und umfassend an. „Wir haben uns bewusst gegen Massentourismus entschieden“, sagt Majda Rozina Dolenc, Direktorin des Slowenischen Fremdenverkehrsamts. Es ist vor allem die Ausrichtung der Stadt- und Landplanung sowie der Mobilität, die herausragt. Llubljana ist Sloweniens berühmtestes Beispiel: Auf vielen Straßen dürfen keine Autos fahren. Die slowenische Kapitale wurde 2016 zu Europas grünster Stadt gewählt. Ein Nationalprogramm, Slovenia Green, zertifiziert weitere Regionen. Grüne Energie und Abwasserbehandlung sind ein Muss. Zusätzlich bewahrt jede Gegend das, was sie einzigartig macht. Das kann die Kultur, aber auch die Landschaft sein. Oder beides. Eben solche Merkmale, die auch dafür sorgen, dass Urlauber positive Erinnerungen an ihre Reise haben und sich wohlfühlen.

Ein Land, in dem Präsidenten Veganer sind:

Slowenien


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„Norway. Powered by Nature“ ist das Credo in Norwegen. Und das sei mehr als ein Slogan, betont Bente Holm von Innovation Norway: „Wenn es unvermeidlich ist, dass man sich über kurz oder lang mit Nachhaltigkeit beschäftigt – dann kann man es ja auch sofort machen.“ Neben der Ökologie ist besonders die Volljahresbeschäftigung im Tourismus ein Ziel Norwegens. Und dann gibt es noch das Grasbüschel. Kein echtes. Sondern eine relativ einfache Grafik. Alle Regionen und Tourismus-Unternehmen in Norwegen können dieses Symbol bekommen – aber nur dann, wenn ihre Umweltmaßnahmen noch weiter gehen, als es das norwegische Gesetz verlangt. Im Ort Røros zum Beispiel, einem ehemaligen Bergwerksdorf, sind die meisten Dächer begrünt, man setzt auf lokale Einkaufkultur, und Abfall wird für die Energiegewinnung benutzt. Insgesamt 18 Gegenden im Land haben schon ihr Grasbüschel bekommen, acht weitere sollen bis Ende 2017 folgen – die See fehlt allerdings noch.

Massentourismus und wirtschaftliche Zwänge Zukünftig wird es ein Problem geben. Norwegen wird zunehmend ein Reiseland, nicht nur für Kreuzfahrer. Die Anzahl der Übernachtungen ausländischer Gäste stieg 2016 gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent. Aus Deutschland waren es sogar 16 Prozent mehr Gäste. Doch Massentourismus ist zumeist nicht nachhaltig. Norwegen hat für den Umgang mit den steigenden Besucherzahlen noch kein Patentrezept gefunden, möchte die Tourismusbranche aber im öffentlichen Nahverkehr unterstützen und Urlauber auch in kleinere Städte – eben weg von den Massen – locken. Gleichzeitig erwägt man fünf bekannte Fjorde für Kreuzfahrtschiffe zu sperren, die nicht den neuesten Umweltanforderungen entsprechen. Das ist allerdings noch nicht durchgesetzt. Politische, soziale und wirtschaftliche Zwänge erschweren aber vor allem außerhalb von Europa das Vorankommen des sanften Tourismus. Dennoch, Ausnahmen gibt es. Allen voran Costa Rica, das Musterland des Öko-Tourismus. Und auch in Indien sind nennenswerte Bewegungen im Gange.

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Ein Grasbüschel als Orientierung: Norwegen

Norwegen wird zum Reiseland, da könnte es mit der Ruhe bald vorbei sein.

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Von 80 Prozent Rodung zu 50 Prozent Aufbau: Costa Rica Tropische Wälder, karibisch anmutende Küsten, eine unglaubliche Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Das lieben Reisende an Costa Rica. In den 70er und 80er Jahren war das alles in Gefahr. Fast 80 Prozent des Regenwaldes wurden für die Landwirtschaft gerodet, ein Verlust, der das Land fast um sein touristisches Potenzial brachte. Initiativen Einzelner lösten ein Umdenken aus. Es bedurfte vieler Investitionen, dazu war das Einschreiten von Organisationen wie dem National Biodiversity Institute notwendig und ein jahrhundertelang geführter Kampf der ländlichen Gemeinden um ihre Identität und ihren Lebensraum. Heute stehen 25,6 Prozent der Landesfläche unter Schutz. Die Abholzung ist zwar nicht völlig gestoppt, so werden zum Beispiel für den Export von Ananas weitere Anbauflächen ge-

schaffen, doch der Tourismus hat jetzt die wirtschaftliche Kraft diesem Vorgehen entgegenzuwirken. Costa Rica wählt dabei ein TourismusModell, das auf Nachhaltigkeit basiert – egal ob beim ländlichen Öko- und Abenteuer- oder beim Wellness- und Gesundheitstourismus. Sowohl den Urlaubern als auch den Anbietern helfen landesweite Auszeichnungssysteme: Das Blue Flag Ecology Program evaluiert Strände anhand ihres ökologischen Zustands. Unterkünfte können sich für das Label Eco-Hotel bewerben, AllInclusive Hotels werden dagegen nicht mehr gefördert. Und bis 2020 möchte das Land komplett CO2-neutral sein. Nicht zuletzt ist der Naturschutz in der Verfassung Costa Ricas festgeschrieben, betont Rainer Stoll, Geschäftsführer von Travel to Nature, einem Reiseunternehmen, das Entdecker- und Familienreisen mit sozialem und ökologischem Anspruch in Costa Rica anbietet. „Die Costa Ricaner selbst glauben an Nachhaltigkeit und haben letztendlich nichts anderes außer ihrem grünen Gold.“

ÜBRIGENS ...

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Es gibt zu viele Schnäppchen Die Vermutung, dass nachhaltiges Reisen allgemein teurer ist, hält Petra Thomas, Geschäftsführerin im Forum Anders Reisen, für ein Vorurteil, das dem Überangebot an Reiseschnäppchen geschuldet sei. Ihr Argument: Durch nachhaltiges Reisen entstehen viele Einsparungen – beispielsweise wenn Handtücher länger genutzt und Zimmer seltener geputzt werden –, die an den Reisenden weitergegeben werden.


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Indien kann so wunderschön sein – das riesige Land mit weit über einer Milliarde Menschen kämpft aber auch mit großen Problemen.

Neues von der Basis: Indien

Indien. Das sind 29 Bundesstaaten und weit über eine Milliarde Einwohner. Die Natur und die Menschen, so vielfältig. Hochgebirge, tropische Regenwälder und brüllende Stadtlandschaften. Es ist das Land des Yoga, der Farbenpracht und der besonnenen vegetarischen Küche. Indien ist aber auch enorme Umweltverschmutzung und Massentourismus. Dennoch: Lokale, nachhaltige Tourismusinitiativen in Indien gibt es. Sie trotzen den durch extreme Armut und Korruption gegebenen Schwierigkeiten. Deswegen dürfen auf dem Subkontinent nicht dieselben Maßstäbe angelegt werden wie in Deutschland oder Norwegen. Es gilt vielmehr, kleine Basisinitiativen, sogenannte Graswurzelbewegungen (engl. grassroots), aus der Bevölkerung anzuerkennen, die unter schwierigen Bedingungen arbeiten und im eigenen Land oft auf Unverständnis stoßen. Ein wenig Orientierung bietet die Organisation Travel Responsibly – völlig unabhängig von den offiziellen Tourismusbehörden. Sie stellt im Internet verschiedene Homestays und Eco-Resorts vor. Exkursionen, die Teilnahme an lokalen Aktivitäten für Touristen, aber auch die Fortbildung von einheimischen Reiseanbietern stehen hier im Fokus. Nur durch eine solche Art von sanftem Tourismus hätten Länder wie Indien die Chance, eine ausgewogene Entwicklung zu erreichen, betont Arya Vibhu von Travel Responsibly. Reisen ist eine Chance Nachdem Donald Trump entschieden hatte, aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszusteigen, sendete Arnold Schwarzenegger dem Präsidenten eine Videobotschaft. In der sagte er sinngemäß: „Wie alle großen Veränderungen in der Geschichte, beginnt auch unsere saubere Zukunft mit einer Graswurzelbewegung.“ Soll heißen: Wir müssen es selber machen. Das gilt auch für den Tourismus. Es gibt Regionen und Initiativen, Hotels und Veranstalter, die eine Alternative zum herkömmlichen Reisen bieten. Ihnen allen ist eines gemein: Sie haben erkannt, dass es Tourismus ohne Natur und Kultur nicht geben kann.


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Foto: Stanglwirt Alexander Heil

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Nachhaltiger Begriffe wie Bio und Nachhaltigkeit liegen im Trend. Für Familie Hauser vom 5-Sterne Bio- und Wellnessresort Stanglwirt ist der verantwortungsbewusste Umgang mit der Umwelt und den zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht erst seit es zum guten Ton gehört eine Herzensangelegenheit. „Bio“-Hotel heißt der Stanglwirt seit 1980 – lange, bevor es die heute bekannten Bio-Siegel gab. Balthasar Hauser hat das Bio-Hotel aus Überzeugung mit natürlichen Materialien aus der Region gebaut. 1980 wurde das erste Biomasse-Kraftwerk in der Hotellerie überhaupt installiert.

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Dank der eigenen Kaiserquelle und einer innovativen Wärmepumpenanlage ist der 12.000 qm große Wellness- und SPA-Bereich energieautark. Die biozertifizierte Landwirtschaft ist seit jeher ein fester Bestandteil und wird unter ökologischen Aspekten betrieben. 2017 ist der Stanglwirt eine richtungsweisende Partnerschaft mit dem WWF eingegangen, um gemeinsam den ökologischen Fußabdruck weiter zu reduzieren und in Bereichen wie Lebensmittelverschwendung, Müllvermeidung oder Energiesparen noch besser zu werden. Kurz: Um sich gemeinsam für die Umwelt einzusetzen.

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natürlich Reisen

// ZAHLEN ZUM STAUNEN

20 Milliarden Euro ...

5 bekannte Fjorde ...

Norwegen erwägt, 5 bekannte Fjorde für Kreuzfahrtschiffe zu sperren, die nicht den neuesten Umweltanforderungen entsprechen. So soll der Schadstoffausstoß verringert werden.

Die Anreise macht in der Regel über 90 Prozent der Umweltbelastung einer Urlaubsreise aus. Dabei beeinflusst die Wahl des Verkehrsmittels natürlich die Menge der produzierten Treibhausgase.

Den größten Wirtschaftsfaktor am australischen Great Barrier Reef stellt der Tourismus mit 20 Milliarden Euro dar. Doch der ist in Gefahr: Seit Jahren leidet das Riff an einer gravierenden Korallenbleiche.

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uns helfen, Zahlen sollen en. er zu versteh die Welt bess können sie In jedem Fall n, in Staunen Augen öffne er einfach versetzen od unterhalten.

Über 90 Prozent ...

Fotos: iStock

Bei einem Flug von Frankfurt nach Kapstadt entstehen etwa 6250 kg CO2 pro Person. Zum Vergleich: Wer mit seinem Auto ca. 12.000 Kilometer im Jahr fährt, ist nur für 2000 kg CO2Emissionen verantwortlich. Das klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen liegt laut Atmosfair bei 2300 kg.

6250 kg ...


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2 Prozent . der Fläche ..

In der Hochsaison tummeln sich auf den thailändischen Phi-Phi-Inseln 5000 Touristen täglich. Damit sich die Natur erholen kann, sollte die Maya Bay, Drehort von „The Beach“, gesperrt werden. Jetzt wurde die Schließung des Strandes verschoben – auf unbestimmte Zeit.

Bis zum Jahr 2020 sollen 2 Prozent der Fläche in Deutschland zur Wildnis werden, weitgehend ohne menschlichen Einfluss – derzeit sind es 0,6 Prozent.

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5000 Tourist

Bei Klima-Kompensationsagenturen wie Myclimate oder Atmosfair können Reisende für die durch ihren Flug verursachten CO2-Emissionen zahlen – mit dem Geld werden Umweltprojekte unterstützt. Für einen Flug von Frankfurt nach Bangkok werden zum Beispiel knapp 150 Euro fällig. Solche Kompensationen macht nicht mal 1 Prozent der Urlauber.

.

140 Labels ..

1 Prozent ...

Weltweit existieren etwa 140 Siegel für nachhaltigen Tourismus. Nur welchem Label ist zu trauen? Einen guten Überblick gibt der „Wegweiser durch den Labeldschungel“.

Bis 2000 Kilometer ...

Je weiter weg man reist, desto länger sollte man am Zielort bleiben. Die Faustregel: unter 700 Kilometer kein Flugzeug nutzen, bis 2000 Kilometer mindestens acht Tage Aufenthalt, ab 2000 Kilometer mindestens 15 Tage.


26 ADVERTORIAL

Costa Rica

Ganzjährig authentische Erlebnisse

Auch im Internationalen Jahr des nachhaltigen Tourismus 2017 der Welttourismusorganisation präsentiert sich Costa Rica in seiner ganzen Vielfalt. Das Land zählt zu den beliebtesten Naturreisezielen der Welt und gilt als Vorreiter im nachhaltigen Ökotourismus. Dieser ermöglicht authentische Naturerlebnisse und persönliche Einblicke in die Kultur – und leistet gleichzeitig einen Beitrag zum Umweltschutz und Wohlbefinden der Bevölkerung. Mit dem im Jahre 1996 eingeführte „CST“Zertifizierungsprogramm für Nachhaltigkeit trägt Costa Rica zur Förderung und Umsetzung des nachhaltigen Tourismuskonzeptes bei. Touristische Unternehmen werden kategorisiert und

Der Artenreichtum des kleinen Landes ist legendär und zählt zu den größten der Erde: Mit 51.100 Quadratkilometern ist Costa Rica nur etwas größer als die Schweiz und bedeckt gerade mal 0,03 Prozent der Erdoberfläche, birgt aber fünf Prozent der gesamten Flora und Fauna des Planeten. Über ein Viertel des Landes steht unter Naturschutz und Costa Rica trumpft mit einer exotischen Tierwelt auf: Affen, Faultiere, Frösche, über 900 Vogelarten sowie Säugetierspezies wie Wale, aber auch Reptilienarten lassen die Herzen aller Naturliebhaber höher schlagen. Es gibt viele Gründe dafür, dass Costa Rica das perfekte Reiseziel für Aktivurlauber, Naturliebhaber, Abenteurer, Sonnenanbeter und Kulturinteressierte ist. Traumhafte Strände, Erlebnisluxus, der authentische Austausch mit den Einheimischen sowie einzigartige Erlebnisse in der Natur machen das Land einzigartig.

Foto: Costa Rica Tourism Board

zertifiziert, hierzu gehören auch Unterkünfte jeglicher Art: Dem Ökotourismus verschriebenen kleine Boutique-Hotels, familiär geführte Öko- Lodges, einfache Cabañas, aber auch internationale Hotelketten und 5-Sterne Resorts und Wellnessoasen, die meisten in spektakulärer Umgebung, mit Blick auf Vulkane, Flüssen, direkt im Urwald oder am Meer. Jüngst wurde der Präsident Costa Ricas, Luis Guillermo Solís Rivera, von der Welttourismusorganisation zum „Ehrenbotschafter“ des Internationalen Jahres des nachhaltigen Tourismus 2017 ernannt.

Foto: Instituto Costarricense de Turismo

Rauchende Vulkane, dichte Urwälder, traumhafte Tropenstrände und exotische Tiere – Costa Rica lockt mit großer Vielfalt auf kleinster Fläche! Das Land zwischen den zwei Weltmeeren beeindruckt mit einzigartigen Naturerlebnissen, dem authentischen Austausch mit fremden Kulturen und einer unglaublichen Artenvielfalt in Flora und Fauna. Den Alltag hinter sich lassen und unvergessliche Momente, Entspannung, Abenteuer und Natur genießen – was gibt es Wertvolleres? Ob individuell, in einer Gruppe oder mit dem Mietwagen – Costa Rica ist ganzjährig ein ideales Urlaubsziel mit einer perfekten Kombination aus authentischen Erlebnissen, kulturellen Begegnungen und Traditionen, Entspannung inmitten der Natur und einzigartigen Unterkünften für jedes Budget.

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KLARTEXT REDEN //

natürlich Reisen

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WAS ES ZU RETTEN GILT

Foto:xC.xH ardtx/xF ut

Schauspieler und Dokumentarfilmer Hannes Jaenicke im Gespräch

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Reisen sensibilisiert für die Schönheit und Schutzbedürftigkeit unseres Planeten – und belastet ihn doch gleichzeitig sehr. Ein Dilemma.

Von Achim Faust Herr Jaenicke, Sie sind viel unterwegs in der Welt im Auftrag des Tier- und Naturschutzes. Wo und wie machen Sie denn Urlaub? Nachhaltig oder lassen Sie da auch mal „Fünfe gerade sein“?

Foto: iStock

Um ehrlich zu sein – ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal im Urlaub war. Urlaub, das ist für mich eigentlich eher die Gelegenheit, mal nicht reisen zu müssen, sondern zu Hause sein zu können. Ich teile mich ja, wie Sie vielleicht wissen, zwischen Deutschland und den USA auf. In den USA schreibe und recherchiere ich, wohne in einer kleinen Hippie-Gemeinde am Strand und ich habe es nicht weit und bin mit meinem Surfbrett auf dem Wasser. Das ist mein Traumurlaub. Zuhause sein, schreiben, lesen, Dokus und Filme gucken und surfen gehen.

Sie gehen also nicht „all in“? Um Gottes Willen. Wenn ich verreise, buche ich genau das nicht. ‚All Inclusive’ geht fast immer auf Kosten der lokalen Bevölkerung und der Umwelt. Auch Kreuzfahrten kämen für mich nicht in Frage, nachweislich eine riesige Umweltsauerei. Dass ich beruflich viel fliegen muss, ist schlimm genug. Ich muss aber auch dazu sagen, dass mich mein Beruf als Schauspieler und Dokumentarfilmer luxuriöserweise oft an Orte führt, wo andere Menschen Urlaub machen. Insofern habe ich für Reise- und Abenteuerlustige wie mich riesiges Glück mit meinem Beruf. Ihre Dokumentationen sollen zwar dazu dienen, die Menschen für Naturund Tierschutz zu sensibilisieren, Sie reisen dafür aber mit dem Flieger rund um die Welt. Nicht gerade umweltfreundlich. Das haut mir die konservative Presse immer wieder um die Ohren. Gegenfrage: Wie komme ich mit meinem vierköpfigen Team an so entlegene Orte wie die Arktis oder die afrikanische Savanne? Mit dem ganzen Equipment, das man braucht? Jedenfalls nicht mit dem Fahrrad. Wenn die Leute, die mir das vorwerfen, mir eine alternative Transportmöglichkeit nennen, bin ich sofort dabei. Es ist eine grundsätzliche Entscheidung: Ist es das wert? Ich denke auf jeden Fall ja. Und wir kompensieren den CO2-Ausstoß wie es jeder Vielflieger tun sollte.


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// KLARTEXT REDEN

ZUR PERSON

Foto: obs/ZDF/Markus Strobel

Hannes Jaenicke ist deutschamerikanischer Schauspieler, Autor und Dokumentarfilmer. Sein neues Buch heißt „Wer der Herde folgt sieht nur Ärsche“. In Zusammenarbeit mit dem ZDF dreht er seit 2006 Dokumentationen für die Reihe „Im Einsatz für …“ über das bedrohte Leben gefährdeter Tierarten wie Orang-Utans, Eisbären, Elefanten und Haie. Zuletzt war Hannes Jaenicke im Einsatz für Nashörner in Afrika und Asien unterwegs, die Folge wird voraussichtlich am 12. Dezember 2017 ausgestrahlt.

„Wir schützen nur das, was wir lieben.“ „Man muss es gesehen haben.“ Das sagte mir einmal ein Biologe in einem Gespräch über die Antarktis. Es ging um die Frage, ob wir nicht durch unsere Reisen erst recht schädigen, was doch eigentlich so schutzbedürftig ist. Menschen seien aber nur bereit zu schützen, was sie kennengelernt haben. Noch so ein Dilemma. Ich bin auch davon überzeugt, dass wir nur schützen, was wir lieben. Und wir können nur das lieben, was wir kennen. Nun kann sich nicht jeder leisten, in die Antarktis zu reisen. Das wäre katastrophal für unsere UmweltBilanz. Aber jeder hat die Chance, sich diese fernen Traumziele anzuschauen. Es gibt fantastische Filme, Dokus, Bildbände. Ich halte es für ganz wichtig, dass man den Menschen zeigt, was es zu retten gilt.

Sehen Sie Ihre Dokumentationen auch als eine Art „Fernrohr“ für alle, die es nicht in die Antarktis, in die Wildnis Afrikas oder an andere traumhafte Ecken der Erde schaffen? Wir drehen ja nicht grundsätzlich an traumhaften Flecken. Wir haben Berggorillas im Ost-Kongo gefilmt, das war damals eine schlimme Bürgerkriegsregion. Wir haben Wochen im kahlgerodeten Kalimantan auf Borneo verbracht, auf illegalen Tier- und Tierproduktmärkten in asiatischen Großstädten. Aber klar: Manche der Umweltschweinereien, vor allem die Wilderei, finden genau dort statt – an traumhaften Orten. Wir haben Eisbären in der Arktis gefilmt, Elefanten, Nashörner oder Löwen in Südafrika, Tansania, Kenia, wo auch immer. Das sind großartige Reiseziele. Und die Filme sind hoffentlich ein Fenster für die Zuschauer. Haben Sie denn das Gefühl, die Filme bewegen etwas? Das kann man sogar bemessen, beispielsweise an der Großzügigkeit

deutscher TV-Zuschauer wenn es um Spenden für die Umweltprojekte geht, die wir in unseren Filmen vorstellen. Oder wenn Kaufhäuser und Lebensmittelkonzerne nach unserer Hai-Dokumentation Produkte aus dem Sortiment nehmen oder ihren gesamten Fisch-Einkauf überprüfen. Das motiviert, weiterzumachen. Aber warum haben Sie überhaupt angefangen? Das liegt wahrscheinlich an der Untätigkeit der Politik, der kompletten Untätigkeit der Industrie und den entsprechend sehr limitierten Möglichkeiten als Konsument. Man kann warten, bis sich Dinge verändern, aber das ist zu bequem und dauert vor allem zu lang.

„Man kann warten, bis sich Dinge verändern, aber das ist zu bequem.“


29 Ich bin seit meiner Jugend bei Greenpeace und irgendwann lag es einfach auf der Hand zu sagen: Mann, jetzt arbeitest Du schon beim Fernsehen, da kannst Du vielleicht mehr machen als nur Unterhaltung. Ich habe nichts gegen Unterhaltung, im Gegenteil. Es gibt Filme, die sollen unterhalten. Und es gibt Filme, die können vielleicht etwas bewegen. Sie waren zuletzt für eine Dokumentation über die vom Aussterben bedrohten Breitmaulnashörner unterwegs. In Südafrika wird Jagd auf die Tiere gemacht, weil sie in Asien als medizinisches Wundermittel oder Statussymbol gelten. Warum sollen wir uns eigentlich in Deutschland den Film anschauen? Erster Punkt: Es gibt immer noch deutsche Großwildjäger, die nach Afrika fahren, um ein Nashorn zu schießen. Ein zweiter Punkt: Im Zirkus Krone wird bis heute ein großer Nashornbulle namens Tsavo durch die Manege getrieben. Und Punkt drei: Wie gehen wir denn mit unseren Tieren um? Wir essen Fische aus gruseligen Fischfarmen, weil sie so proteinreich sind. Wir pferchen Millionen von Schweinen, Rindern oder Hühnern in Massentierhaltungen. Bei

uns heißen die Tiere einfach nur anders. Hier stirbt das Rebhuhn aus, der Feldhase oder sogar der Spatz. Kaum läuft ein Bär über eine bayerische Wiese, gibt die Politik ihn zum Abschuss frei. Wir in Deutschland sind keinen Deut besser. Die Filme sind vor allem dazu da, mal darüber nachzudenken, wie wir mit unserer Natur umgehen. Ich bin optimistisch und sage: Die Welt ist noch zu retten. Die Frage ist: Trotz des Tourismus‘, weil das Reisen eben auch für große Umweltverschmutzung verantwortlich ist? Oder gerade wegen des Tourismus, weil er Menschen zusammenbringt, die vielleicht voneinander lernen können? Ich hoffe letzteres. Einer meiner Lieblingssprüche ist ‚Reisen erweitert den Horizont’. Es gibt ja zwei Arten von Tourismus: Es gibt den Massentourismus, der einzig darauf aus ist, Geld zu machen. Der erweitert definitiv nicht den Horizont. Und es gibt klugen und nachhaltigen Tourismus. Und genau der muss gefördert werden. Wir müssen weg von diesem Billigtourismus. Alles muss immer billig sein, der Urlaub ist ja nur ein Beispiel. Unsere Nahrungsmittel und Kleidung sind weitere.

„Müssen wir alle immer auf die Malediven?“ Doch auch Menschen, die weniger verdienen, haben sich ihre Ferien in der Sonne verdient. Natürlich. Nachhaltiger Urlaub muss bezahlbar sein. Nur müssen wir alle immer auf die Malediven? Seychellen? Karibischen Inseln? Die Welt kennenlernen ist das eine, aber wieviel Urlaub brauche ich tatsächlich an exotischen Orten? Oder kann man nicht auch näher der Heimat eine tolle Zeit verbringen? Ich denke, das geht sogar in der Heimat, auf jeden Fall in Europa. Ich habe vor kurzem ein Wochenende mit meiner besseren Hälfte an einem bayerischen Bergsee verbracht. Es war herrlich. Aber wie gesagt: Das betrifft auch andere Bereiche. Ich glaube nicht, dass ich an Weihnachten Erdbeeren aus Südafrika essen muss. Wie viele Klamotten brauche ich wirklich? Es sind immer dieselben Fragen, und wenn man sich diese Fragen ehrlich stellt, kommt man zu ehrlichen, einfachen Antworten.

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anlage liegt das Strandidyll Heringsdorf, nur ein paar

Ruhe: Das Bergresort Werfenweng und der idyllische

Schritte vom kilometerlangen feinen Sandstrand der

Ort sind Pioniere für umweltschonenden Tourismus

Insel Usedom entfernt. Ein großzügiges Hotel mit ein-

im Salzburger Land. Mit sanfter Mobilität lässt sich

drucksvoller Architektur, das sich mit Terrassen und Bal-

das weite sonnige Alpental mit seinen sacht abfallen-

kons der Natur öffnet. Die Strandpromenade lädt zum

den Wie­sen und herausfordernden Gipfeln erkunden.

Spaziergang ein, der beheizte Außenpool garantiert

Mit seiner klaren Architektur fügt sich das Bergresort

Badefreuden zu jeder Jahreszeit. Der Küchenchef setzt

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Entdeckungen auf die sanfte Tour

Um urige Wälder, Berg- und Inselwelten zu entdecken braucht es keine Weltreise. Denn unsere Heimat steckt voller Schönheiten und Naturerlebnissen, die nicht schon jeder kennt. Von den 11 Travel Charme Hotels & Resorts aus lassen sich Naturparadiese auf sanfte Tour erschließen. Der Alpenfjord: Direkt am Ufer des kristallklaren Achensees thront das Fürstenhaus Am Achensee, ringsum die Tiroler Alpen mit Gipfeln bis zu 2.500 Metern. Im Herbst ein farben­prächtiges Paradies für Wanderer und Berggeher, im Winter lässt sich das größte zusam­ menhängende Naturschutzgebiet Europas mit Schneeschuhen und Skiern entdecken. Die schönste Sackgasse: Das österreichische Kleinwalsertal, nur durch eine Stichstraße von Deutschland aus zu erreichen, strahlt Ruhe aus und bietet ein grandioses Alpenpanorama mit 2.000er-Gipfeln. Rund um das Travel Charme Ifen Hotel eröffnen 185 km Wanderwege stets neue atemberaubende Perspektiven, im Winter lockt grenzenloses Skivergnügen. Sanfte Entdeckung: Vom Bergresort Werfenweng mit Muskel- oder E-Power die Schönheiten im Salzburger Land umweltschonend entdecken. Im Winter auch per Skier oder mit dem Pferdeschlitten. Auf Märchen-Spur: Von Märchen und Sagen durchzogen ist der Harz ebenso wie von Wanderwegen. Ob man die Schnarcherklippen bei Schierke oder die Teufelsmauer bei Blankenburg entdecken will, das Gothische Haus in Wernigerode ist der ideale Ausgangsort.

Der Urwald: So wild wie der Weststrand auf Fischland/Darß ist kaum ein anderer Ostsee­strand, gleich nebenan der urwüchsige Nationalpark Vorpommersche Boddenland­schaft. Dort garantiert das Hotel Bernstein Prerow Entdeckungen auf Schritt und Tritt. Die Radler-Insel: Usedom steht für Strand, Sonne – aber noch viel mehr. Auf 150 km Radwegen können die versteckten Schönheiten der Insel entdeckt werden. Im Strandhotel Bansin und Strandidyll Heringsdorf strecken Radler entspannt die Beine aus. Das Küsten-Wunder: Weite Sandstrände, steile Kreidefelsen, traumhafte Hochufer – Rügen hat viele Gesichter. Bei Wanderungen durch dichte Buchenwälder und entlang der Küsten lernt man sie am besten kennen. Und genießt den Urlaub im Kurhaus Binz, im Hotel Nordperd & Villen in Göhren oder dem Kurhaus Sellin direkt an der Seebrücke. Aktiv-Paradies: Wandern oder segeln, Golf spielen oder radeln: Kühlungsborn an der Ost­see­küste hat Küste und Hügel, vor allem aber viele Aktivangebote. Im Ostseehotel Küh­lungsborn kann man sie ausprobieren. Wellness-Oasen: Tiroler Steinöl, Rügener Heilkreide – die PURIA Spas in den Travel Charme Hotels & Resorts sorgen mit den Kräften der Natur für Entspannung und Erholung.

JUBILÄUMSBONUS Ihr 25jähriges Jubiläum feiern die Travel Charme Hotels & Resorts 2018 zusammen mit ihren Gästen: Bei frühzeitiger Buchung bis zum 31. 01. 2018 winken exklusive 25 Prozent Preisvorteil (limitierte Kontingente) auf Übernachtung und Frühstück. Mehr Infos über attraktive Angebote und die Hotels unter www.travelcharme.com


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natürlich Reisen

// ALLEIN LOSZIEHEN

ALLES ANDERE IST

URLAUB Von Thomas Mader

Was bewirkt eine Reise allein? Und wie fühlt sie sich an? Es geht darum, sich verändern zu lassen – Erfahrungen von unterwegs.

„Mexiko-Stadt, aus der Luft besehen eine mit exotischen Bausteinen bestückte Platine, durchstoßen von den Kegeln der Vulkane wie von den Buchsen eines Plastikgehäuses. Und ich in dieser silbernen Maschine, die als Speerspitze einer Abgaslanze durch den Himmel stößt – wie unwahrscheinlich.“ Ich habe noch einmal in meinem alten Tagebuch nachgeschaut, und dies waren vor 20 Jahren die ersten Sätze, die ich aufschrieb, als ich nach einem Stopp in Mexiko in Guatemala gelandet war, als ich mich durch die warme, feuchte Wand der Schuhputzer und Bauernfänger hindurchgekämpft und mit meinem Volkshochschul-Spanisch den bunt-gestreiften Bus gefunden hatte, der mich in die alte Kolonialstadt Antigua bringen würde. Ich war gerade zwanzig und hatte meiner Freundin „Es muss sein“ gesagt, um ein Jahr allein durch Lateinamerika zu reisen. Es musste sein (und wir sind zusammen geblieben). Aber warum eigentlich? Was bewirkt eine Reise allein? Wie fühlt sie sich an?

Foto: iStock

Wie man aus meinem Tagebucheintrag herauslesen mag, versetzte mich die Reise in eine besondere Stimmung. Man mag sie romantisch nennen, so wie die Entscheidung für diese Reise. Ich hatte gerade „Unterwegs“ von Jack Kerouac gelesen und in Frankreich eine „echte“ Reisende kennengelernt, eine Kanadierin, die mir von Griechenland, der Türkei und Marokko berichtete. Ein Gedanke setzte sich in mir fest: Abenteuer ist möglich. Jeder kann es tun. Man muss es nur tun. Aber ich wollte auch eine Welt kennenlernen, die anders ist, weil unsere nicht alles sein kann. Nach dem Relativitätsprinzip kann man nicht feststellen, wie schnell und wohin sich das eigene System bewegt, wenn man keinen äußeren Bezugs-


33 punkt hat. Einfacher gesagt: Man muss ausbrechen, um den Käfig zu sehen. Und vielleicht liest man auch dieses Bestreben um Distanz heraus aus den ersten Sätzen. Dem einen Reisenden mag es um Sturm und Drang gehen, der anderen um Eat, Pray, Love. Aber immer hat das Reisen diesen Effekt: Es ermöglicht mehr Nähe, wenn man sich auf neue Freunde einlässt, und es schafft mehr Raumzeit, wenn man seine Umgebung beobachtet – oder sich selbst.  Allein reisen bringt dich mit dir selbst zusammen. Es konfrontiert dich mit dir selbst. Und es hört nicht auf. Die meisten Reisen unternehme ich schon lange mit meiner Partnerin, aber hin und wieder sind mal ein, zwei Wochen alleine drin, bevor sie nachkommt. Und jedes Mal ist es eine Überwindung. Aber jedes Mal werde ich mit Veränderungen belohnt, mit neuen Freunden, Ideen und Fragen an mein eigenes Leben. In Südamerika habe ich gelernt, auf andere Menschen zuzugehen. Allein zu sein, wird schnell anstrengend. Über

Marokko hatte ich einige Jahre später viel Schlechtes gehört: Schlepper, Abzocker, Machos. Tatsächlich war ich in der labyrinthischen Altstadt von Fez gerade einem sehr aufdringlichen Möchtegern-Führer entwischt, als ich mich in einen Hinterhof verlief und ein Seemann mich zum Tee einlud. Ich hatte sehr viele solcher kleinen Begegnungen in Marokko, und jede schärfte mir erneut ein, dass man in der Situation urteilen soll und nicht vorher. In einem Schlafsaal in Tasmanien lernte ich Ivo aus Hamburg kennen. Wir sind mit seinem Jeep getourt, haben Schach gespielt und philosophieren auch zwölf Jahre später noch bei australischem Wein. Zu zweit hätten Andrea und ich uns ein Doppelzimmer genommen. Reisen ist auch furchtbar anstrengend: Immer wieder Hotels suchen, immer wieder neue Städte, dieselben Verabschiedungen. „Glück ist der Wunsch nach Wiederholung“, hat Milan Kundera mal geschrieben. Und damit sagt er keineswegs, dass die Wiederholung als solche tatsächlich Glück wäre. Eher gibt uns der Autor von „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ einen Hinweis,

DAMIT ALLE VOM TOURISMUS PROFITIEREN GEMEINSAM FÜR STARKE URLAUBSDESTINATIONEN Die TUI Care Foundation unterstützt Projekte, die jungen Menschen neue Zukunftsperspektiven eröffnen, Natur und Umwelt schützen und die nachhaltige Entwicklung touristischer Zielorte fördern. Gemeinsam mit Urlaubern setzt die Stiftung auf das Potenzial des Tourismus als Motor für gesellschaftliche Entwicklung, Bildung und Wohlstand. www.tuicarefoundation.com

wie wir Glück erkennen können – wenn wir den Wunsch nach Wiederholung verspüren. Und dass wir ein Problem bekommen, wenn wir Routine rundweg ablehnen. Denn irgendwann wird es auch normal, neue Orte zu erkunden, neue Menschen kennenzulernen, allein hinauszugehen. Reisen als Flucht – das funktioniert nicht.

„Glück ist der Wunsch nach Wiederholung“ Aber vielleicht können wir unterwegs besser lernen, für Zufälle offen zu sein, spontaner auf Menschen zu reagieren, die Konzentration und Ruhe aufzubringen für, ja, Weltbetrachtungen. Denn Heimat ist dort, wo deine Rollen definiert sind. Und unterwegs spielst du keine Rolle. Du kannst Neues proben. Denn egal, ob allein, zu zweit oder mit vielen: Reisen bedeutet, sich verändern zu lassen. Alles andere ist Urlaub.


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// ENTSPANNT LESEN

Lieblingslektüre „Das Karma, meine Familie und ich“ von Stephanie Schönberger Sich auf den Kopf stellen und schon geht es einem besser? Diese Yoga-Übung alleine reicht nicht aus, um Ruhe im Leben zu finden – so erfuhr es Stephanie Schönberger. Nachdenklich-ermutigend und auch ein wenig selbstironisch nimmt sie die Leser mit auf den Weg, das alte Yoga-Wissen Indiens kennenzulernen, damit Ruhe ins Leben einkehrt. → 269 Seiten, 14,95 Euro

„Noch besser leben ohne Plastik“ von Anneliese Bunk & Nadine Schubert

„Die Zukunft“ von Al Gore Die Zukunft zu beschreiben ist wohl eine Mammutaufgabe. Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore meistert diese Herausforderung hervorragend. In sechs Kapiteln widmet sich Gore verschiedenen Aspekten aus Wirtschaft, Politik, Ökologie und Gesellschaft, um die Welt im Wandel zu charakterisieren. Für ihn sind das die Kräfte, die am meisten unsere Zukunft beeinflussen werden. Am Ende weiß der Leser besser zu verstehen und zu interpretieren. Fast schon ein wenig poetisch, lohnt sich diese Lektüre für den politisch interessierten Leser. → 624 Seiten, 16,99 Euro

Dass zu viel Plastik benutzt wird, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Aber wie genau ein plastikfreier Alltag aussehen könnte, ist schwer vorstellbar. Die Autorinnen Anneliese Bunk und Nadine Schubert helfen hier ein bisschen nach. Von alltagstauglichen Tipps bis hin zu Rezepten wird man durch diese Lektüre unterhalten und informiert. Ein schlauer Ratgeber, der zeigt, wie man auch ohne viel Aufwand mit weniger Plastik im Leben auskommen kann. → 112 Seiten, 13 Euro

FÜNF SCHMÖKER FÜR ALLE BÜCHERWÜRMER

„FAIRreisen – Das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen“ von Frank Herrmann Wie finde ich umweltfreundliche Hotels, Flüge, Kreuzfahrten? Wie kompensiere ich Klimagase, die meine Reise verursacht? Welche Tourismussiegel sind seriös? Frank Herrmann beantwortet Fragen wie diese und zeigt, dass man nicht nur auf Balkonien bleiben muss.  28 Seiten, 19,95 Euro →3

„Einfach Leben – Der Guide für einen minimalistischen Lebensstil“ von Lina Jachmann Autorin Lina Jachmann folgt den Spuren des Minimalismus und zeigt, wie inspirierende Persönlichkeiten diesen Lebensstil umsetzen. Über 200 Bilder helfen bei der Vorstellung, wie eine minimalistische Wohnung aussieht oder wie man minimalistisch einkauft, und dabei seinem Stil treu bleibt. Auch Rezepte und Tipps zu Reisen, Fitnessprogrammen und Zero Waste erheitern bei der Lektüre. → 240 Seiten, 24,95 Euro


REISEN MIT KIDS //

AUF DAS

natürlich Reisen

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Wie KOMMT ES AN

Nachhaltiger Urlaub – das funktioniert auch mit Kind und Kegel. Denn der Nachwuchs hat auch in der abenteuerlichen Heimat großen Spaß, wenn man die richtigen Ideen hat. Von Achim Faust

Urlaub auf dem Bio-Bauernhof Kühe melken, Schweine füttern oder den Stall ausmisten – Ferien auf dem Bauernhof bieten Familien aus der Großstadt eine gute Zeit fernab vom Alltag, aber wahrscheinlich doch ganz in der (räumlichen) Nähe. Für den Nachwuchs ist das Eintauchen in eine ganz andere Welt inmitten von Natur und Natürlichkeit eine ziemlich aufregende Sache, die Eltern dürften die ungewohnte Zweisamkeit sehr genießen, während die Kids den Hof bewirtschaften. Aber Achtung: Urlaub auf dem Bauernhof ist nicht gleichzusetzen mit Urlaub auf dem Bio-Bauernhof. Denn wirklich nachhaltig wird es erst hier – wo die Hühner frei herumspazieren und die Marmelade zum Frühstück nicht nur selbstgemacht, sondern auch das Produkt aus selbst angebautem Obst ist. Und wenn schon nichts vom Hof auf den Teller kommt, so stammen Fleisch oder andere Lebensmittel zumindest aus der Region. Das verkürzt Transportwege und ist – genau: gut für die Umwelt. Wer also seinen Urlaub auf einem Bauernhof plant, sollte auf entsprechende Siegel (deutsches Bio-Siegel) oder Zertifizierungen achten. Urlaub auf dem Wasser Die Zeit anhalten, entspannen – auch das ist sanftes Reisen. Eine wunderbare Form dafür ist der Urlaub auf

dem Hausboot, ein Spaß für die ganze Familie. Einmal Kapitän sein, für Boote bis 15 PS bedarf es dazu noch nicht einmal eines Führerscheins. Nun mag man zu Recht einräumen, dass ein mit Verbrennungsmotor ausgestattetes Vehikel der Nachhaltigkeit nicht gerade dient, doch dem Vergleich zur Flugreise hin zum Sonnenstrand hält dieser Urlaub stand, dem Spaßfaktor sowieso. Und: Fahrtgebiete wie die Niederlande, Frankreich und vor allem Deutschland (beispielsweise die Mecklenburgische Seenplatte) sind per Zug erreichbar. Die Kajüte immer wieder auffüllen kann man – eine gute Planung vorausgesetzt – mit regionalen Produkten vor Ort.

INFO Wer auf weite Strecken zum Urlaubsort verzichtet und auf öffentliche Verkehrsmittel setzt, schont die Umwelt und kommt entspannt an. Ein Tipp: DHL oder Deutsche Bahn bieten einen Gepäckservice an, der die Koffer bis ins Urlaubsdomizil bringt.

Wandern (mit dem Esel) Deutschland und Europa bieten eine Vielzahl von wunderbar abwechslungsreichen Landschaften, die Kind und Kegel erwandern können. Mit ein wenig Planung sind sogar mehrtägige Touren samt Nachwuchs möglich. Wem dies zu viel ist, der sucht sich eine (nachhaltige) Unterkunft und kehrt am Abend immer wieder dorthin zurück. Bestenfalls steht das Erlebnis im Vordergrund: Dazu gehört vielleicht eine spontane Schatzsuche oder die Eltern sorgen mit anderen Aufgaben, die es zu lösen gilt, für Abwechslung. Ein Lagerfeuer riecht mehr nach Abenteuer und großer weiter Welt als der schnöde Restaurantbesuch. Beliebt sind auch Wanderungen mit Eseln, die treuen Begleiter nehmen einem sogar das Gepäck ab und sorgen für Spaß beim Nachwuchs. Und auch hier gilt: Der Zielort ist in der Regel bequem mit dem Zug zu erreichen, die Umwelt freut sich.

Foto: StockSnap

Die Welt mit den Augen der Kinder sehen, eine romantische Vorstellung. Gleichwohl: Geht es um den Urlaub, schießen Eltern – in gutem Glauben versteht sich – oftmals über das Ziel hinaus. Was will man dem eigenen Nachwuchs nicht alles bieten, ihm sprichwörtlich die Welt zu Füßen legen. Dabei kommt es bei den Kids seltener auf das „Wo“ an, vielmehr auf das „Wie“. Dass die geografische Nähe allein schon dazu taugt, umweltbewusster zu urlauben, versteht sich von selbst. Und auch in der Heimat lassen sich der Spaß am gemeinsamen Erleben und Nachhaltigkeit wunderbar miteinander in Einklang bringen. Einige Ideen:


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// SUCHEN & FINDEN

MIT GUTEM GEWISSEN

AUF TOUR

Von Pascal Brückmann, Achim Faust und Oliver Kauer-Berk

Foto: iStock

Immer mehr Reiseanbieter haben die Nachhaltigkeit für sich entdeckt. Wer meint es wirklich ernst? Portale und Anbieter, mit denen Reiselustige mit einem guten Gefühl auf Tour gehen können.

Buchungsportale, die mit nachhaltigen Reiseangeboten werben, gibt es inzwischen immer häufiger. Leider befinden sich darunter zunehmend Marketingplattformen, die in erster Linie ihr Geld mit der Vermarktung mehr oder weniger sinnvoller Siegel verdienen. Oftmals sind die Portale auf Masse aus, dann ist Vorsicht angesagt. Gleiches gilt bei Anbietern, die aggressiv mit Google-Anzeigen für ihre „nachhaltigen“ Reisen werben. Angenehm überschaubar und mit einem glaubhaften Ansatz versehen erscheint dagegen das Angebot von Goodtravel.de. Die ausgewählten Unterkünfte (aktuell gerade einmal 136 an der Zahl) sind tatsächlich noch handverlesen, darunter übrigens auch viele Ferienhäuser. „Wir haben keinen Anspruch auf Größe oder Vollständigkeit, wir wollen auch nur sehr begrenzt wachsen“, erklärt Gründerin Franziska Diallo das Konzept. Auf die Vergabe eines Siegels wird bewusst verzichtet, dafür gibt es klare Auswahlkriterien bei der Suche nach der natürlichen Unterkunft. Neben dem Umweltschutz wird geprüft, wie es um die Architektur, das Speiseangebot, das soziale Miteinander sowie Zusatzangebote zum Thema „Well-Being“ bestellt ist. Fazit: ein sympathisches und inspirierendes Angebot für Individualisten. Die beste Übersicht nachhaltiger Reiseofferten bietet das Forum Anders

Reisen e. V. (forumandersreisen.de). Darin haben sich mehr als 100 kleine und mittelständische Veranstalter zusammengeschlossen, die Reisen möglichst umweltfreundlich und sozialverträglich gestalten. Alle unterliegen einem Kriterienkatalog, seine Einhaltung wird überprüft. Die Internetseite dient als Gemeinschaftsportal, alle Angebote werden nach Reisearten und -zielen sortiert aufgeführt. Gründlich über das Thema informiert Fair unterwegs (fairunterwegs.org). Dahinter verbirgt sich ein Arbeitskreis aus Basel. Da unabhängig, nicht gewinnorientiert und ohne direkte Buchungsmöglichkeit, sind die Orientierungshilfe zu den vielen Siegeln im Tourismus und die Hinweise, worauf beim Buchen wirklich zu achten ist, sehr vertrauenswürdig. Die beste Ökobilanz einer Reise bringt der Verzicht auf den Flug. Genau das ist Vorbedingung beim Bund Naturschutz (bund-reisen.de). Für die geführten Wanderreisen, Tierbeobachtungen und auch Trips mit integriertem Freiwilligendienst – beispielsweise Dünen schützen auf der Insel Juist – wird mit der Bahn kooperiert. Etliche Anbieter vermitteln ökologisch und sozial korrekte Unterkünfte. Renatour (renatour.de) beispielsweise unterstützt den Naturkosthandel und bietet Ziele mit Bio-Verpflegung: Bauernhöfe,

restaurierte Landhäuser, familiengeführte Pensionen, Bio-Hotels. Der Trägerverein von Viabono (viabono.de) fördert sanften Tourismus in Deutschland und hat umweltorientiere Reiseziele zwischen Ostsee und Allgäu gebündelt, darunter Bauernhöfe und Campingplätze. Das Geschäft von morgen sichern Tourismus – und an die Umwelt denken. Dieses Thema ist immer weniger nur eines für Nischen- und Spezialanbieter. Denn von einem sanften Tourismus profitiert längst nicht nur die Umwelt, auch die Reiseveranstalter selbst sichern sich so das Geschäft von morgen. Wer seinen Gästen die Welt in ihrer Ursprünglichkeit und Schönheit zeigen – und daran verdienen (!) – möchte, ist auf eine intakte Natur angewiesen. Beispiel Wikinger Reisen (wikinger-reisen.de): Die Hagener sind Europas größter Anbieter von Wanderreisen, das Unternehmen hat darüber hinaus auch Trekking-Touren und Radreisen im Programm. Wikinger setzt daher nicht nur, aber eben auch und vor allem auf ökologischen Tourismus. Der Veranstalter wurde beispielsweise zum wiederholten Male mit dem CSR-Siegel ausgezeichnet – um dieses Siegel zu bekommen, müssen Unternehmen soziale und ökologische Anforderungen in ihrem Kerngeschäft erfüllen, ihre strategische Ausrichtung in diesem Sinne verankern. Wikinger hat darüber hinaus 20 Prozent der


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Unternehmensanteile in die Georg-Kraus-Stiftung (Vater des Unternehmensgründers Hans Georg) eingebracht, die vor allem Bildungsprojekte in der so genannten Dritten Welt fördert. Zudem besteht eine Kooperation mit dem WWF (World Wide Fund für Nature) Deutschland. Es geht immer ein bisschen besser, es geht immer ein bisschen mehr. Doch die gute Nachricht ist schon jetzt, dass das gesellschaftliche Interesse an einem umweltbewussten Urlaub erwacht und somit auch die großen Player am Markt dieses Thema mehr und mehr für sich entdecken. Online-Riese Booking.com beispielsweise, nach eigenen Angaben die weltgrößte Buchungsplattform für Unterkünfte aller Art, hatte in diesem Jahr eine Studie zu nachhaltigem Tourismus veröffentlicht. Pepijn Rijvers, Chief Marketing Officer bei Booking.com, stellte fest: „Für Reisende sind Ort und Ausstattung der Unterkunft ausschlaggebend für einen perfekten Urlaub. An uns liegt es zudem, ihnen auch nachhaltiges Reisen zu ermöglichen.“ Man suche ständig nach Möglichkeiten, die Nachhaltigkeitsbestrebungen der Unterkunftspartner zu ermitteln, „um diese an die Besucher unserer Webseite weiterzugeben“. Die Richtung ist klar: Nachhaltigkeit ist mittlerweile Teil der strategischen Überlegungen auch der großen Reiseveranstalter, die konkrete Umsetzung wird bestimmt folgen.

ÜBRIGENS ... Anspruch und Wirklichkeit liegen oft weit auseinander Nachhaltigkeit ist in den Köpfen der Menschen angekommen, die Diskrepanz zwischen Willigen und Tätigen ist aber noch immer enorm groß. Laut einer Studie der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen ist rund einem Drittel der Deutschen die ökologische Verträglichkeit ihres Urlaubs wichtig, 38 Prozent wollen sozialverträglich verreisen und 42 Prozent wünschen sich, dass sich Reiseveranstalter für Nachhaltigkeit einsetzen - doch nur ein Bruchteil bucht auch entsprechend.

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// KOFFER PACKEN

Wertvolle Gefährten Wie ein Fisch im Wasser Das Wiener Label „Margaret and Hermione“ hat 2015 seine erste nachhaltige Bademoden-Kollektion heraus gebracht. Die Bikinis und Badeanzüge des jungen Designerduos werden aus weggeworfenen oder verlorenen Fischernetzen hergestellt, die herrenlos im Meer herumtreiben.

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Mit diesen Reisebegleitern wird der Urlaub noch schöner.

Wasser frei! Mit dem SteriPEN Pure+ Wasserentkeimer reinigen Abenteurer mittels UV-Licht einen halben Liter Wasser in 48 Sekunden.

Schmierige Angelegenheit Etwas teurer, dafür ohne schädliche Stoffe wie chemische UV-Filter: Das Lavera-Sonnenspray ist eine mineralische Sonnencreme.

Ohne Schnickschnack „Godiva“ oder „Lullaby“ heißen die ShampooSeifen von Lush. Verpackungsfrei und natürlich, für verschiedene Haartypen.

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Von der Flasche zur Tasche Der „Melbourne 90“ von Vaude ist aus recyceltem Material gefertigt und kann als Reisetasche oder Trolley benutzt werden.

Natürlich frisch Die Deo-Roll-Ons von Weleda bieten 24-h-Schutz ohne Aluminium. Frische dank ätherischer Öle: Granatapfel, Citrus oder Men.

Klarer Durchblick Für seine Sonnenbrillen nutzt das Label Kerbholz Verschnittreste aus Holzproduktionen, die Lieferanten werden kontrolliert.

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→ 6,95 Euro in Drogeriemärkten

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Für Freifüßler

Lebenselexier

Auf die Zähne, fertig, los!

„I‘m walking on sunshine …“ Mit den Flip-Flops „Alloy Grey Souls“ ist ein wohltuender Auftritt auf Naturkautschuk garantiert.

Edelstahl-Trinkflaschen von Klean Kanteen sind nicht nur umweltfreundlich. Ohne Chemikalien trinkt es sich auch gesünder.

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WAS WIR WISSEN MÜSSEN //

natürlich Reisen

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Die Zeichen DER ZEIT

Der Tourismus ist maßgeblich verantwortlich für Treibhausgasemissionen. Nun will er dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen. Von Lothar Petzold Die Fahrt ins Blaue ging zumeist ins Grüne, wenn die Deutschen in den 50er und 60er Jahren Urlaub machten. Mit dem Fahrrad, der Bahn oder, wenn sie denn die Abenteuerlust packte, mit dem zumeist PS-schwachbrüstigen Auto über die Alpen nach Italien. Und bei oftmals lediglich zwölf Tagen Jahresurlaub, wobei der Samstag als Urlaubstag noch eingerechnet wurde, ging‘s auch noch zeitlich knapp zu. Von Energieeffizienz oder Klimabelastung war da noch nicht die Rede.

Fotos: iStock

Im vergangenen Jahr sind die Deutschen knapp 1,67 Milliarden Tage privat gereist – jeder Deutsche war damit durchschnittlich 20 Tage unterwegs, wie der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BWT) ermittelt hat. Das hat durchaus Auswirkungen auf die Umwelt: Je nach Berechnungsmethode wird der Tourismus weltweit für vier bis acht Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich gemacht.

Eine Lösung bietet das nachhaltige, das sanfte Reisen, das mittlerweile immer mehr Befürworter findet. Schließlich gibt das im Dezember 2015 in Paris beschlossene Klimaschutzabkommen der Weltgemeinschaft ein gemeinsames, verbindliches Ziel, den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten und eine Begrenzung von 1,5 Grad anzustreben. Ziel der deutschen Klimapolitik ist es, in 2020 die Emission von Treibhausgasen um mindestens 40 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu senken, bis zum Jahr 2030 um mindestens 55 Prozent und bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent. Doch schon der Vorsatz für 2020 ist nach aktuellen Zahlen des Umweltbundesamtes noch in weiter Ferne: Erreicht ist bisher nur rund ein Drittel der angestrebten 40 Prozent. Deshalb sind neben der Politik privatwirtschaftliche Initiativen gefragt – auch die Tourismuswirtschaft will und muss einen Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele leisten.


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natürlich Reisen

// WAS WIR WISSEN MÜSSEN

Und sie ist bereits auf dem Weg. So hat der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) eine der ersten und größten Branchenkampagnen für Energieeffizienz und Klimaschutz in Deutschland angestoßen, um über Effizienz- und Kosteneinsparpotenziale zu beraten. Mit beachtlichem Erfolg: Bis heute konnten jährlich über 30.000 Tonnen Kohlendioxidemissionen und Kosten in Höhe von 20 Millionen Euro eingespart werden, heißt es im Tourismuspolitischen Bericht der Bundesregierung. Dabei klingt manche Maßnahme eigentlich recht simpel. Beispielsweise die Halogen- und Glühlampen durch LEDs auszutauschen – das hilft Strom zu sparen. Interessant auch der Einsatz von Spar-Duschköpfen. Der Wasserverbrauch sinke von etwa 15 Litern auf sieben Liter pro Minute. Doch nachhaltiger Tourismus geht noch wesentlich weiter. Ein Beispiel: regionale Küche. Jeder Reisende, der in Hotels und Restaurants speziell regionale Produkte nachfragt oder einfordert, kann einen Beitrag zur Umweltverträglichkeit leisten. Denn wenn die Lebensmittel in derselben Region angebaut, hergestellt, verkauft und konsumiert werden, verringern sich die Transportwege und die CO2- Emissionen für Kühlung und Lagerung der Produkte. Ebenfalls relevant: Durch die regionale Lebensmittelproduktion wird die gewohnte Landnutzung beibehalten – das wiederum bringt Umsatz, Arbeit und Gewinn. Eine weitere, wichtige Stellschraube für verträgliches Reisen ist die Wahl des Verkehrsmittels. Deutschland peilt mit seinem „Nationalen Radverkehrsplan 2020“ einen Radverkehrsanteil von 15 Prozent an – halb so viel wie aktuell in den

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Fotos: iStock


41 Niederlanden. Immerhin: Damit auch mehr Urlauber mit Spaß auf den Sattel steigen, förderte der Bund den Erhalt und den Ausbau der Radwege an Bundesstraßen im vergangenen Jahr mit rund 98 Millionen Euro. Im Zeitraum von 1991 bis 2015 wurden mit rund 1,8 Milliarden Euro insgesamt 8.300 Kilometer Radwege an Bundesstraßen gebaut. Der Boom des Radtourismus in Deutschland – laut ADFC-Radreisenanalyse haben 30 Prozent mehr Deutsche (5,2 Mio) in 2016 eine Radreise unternommen als noch 2014 – wäre ohne diese Maßnahmen sicher nicht möglich gewesen. Nachhaltigkeit steht auch bei der Fahrt auf dem Wasser zunehmend im Fokus. Einerseits finden immer mehr Urlauber Spaß an einer Schiffsreise – allein im vergangenen Jahr 2,5 Millionen und die Tendenz ist steigend. Andererseits sind Nord- und Ostsee bereits als Schwefelemissions-Überwachungsgebiete (SECA) ausgewiesen, in denen beispielsweise der zulässige Schwefelgehalt in Schiffskraftstoffen auf 0,1

Prozent begrenzt ist statt auf 3,5 wie bisher in internationalen Gewässern. Kreuzfahrtschiffe können über 5000 Passagiere beherbergen und produzieren entsprechend große Mengen Abwasser, Abfälle und Luftschadstoffe. Vor allem die Verwendung billigen Schweröls, das um ein Vielfaches mehr Schwefel enthält als Straßendiesel, sei „reine Müllverbrennung“ kritisierte noch Anfang des Jahres ein Verkehrsemissionsexperte des Umweltbundesamtes. Doch damit ist bald Schluss: Ab 2020 gelten weltweit strengere Emissionsvorgaben, die für alle Schiffe den Schwefelgehalt auf maximal 0,5 Prozent festlegen. Einige Kreuzfahrtreedereien gehen schon jetzt mit gutem Beispiel voran und arbeiten daran, die Umweltbilanz ihrer Schiffe zu verbessern. Bei Tui Cruises beispielsweise, wo man im Jahr 2019 die emissionsärmste Kreuzfahrtflotte der Welt betreiben will, reichen die Maßnahmen von einem speziellen Lichtkontrollsystem bis hin zu einem Unterbodenschutz, der den Reibungswiderstand des Was-

sers senkt und somit Treibstoff spart. Mülltrennung, -verbrennung und vor allen Dingen -vermeidung stehen auf dem Programm. Zudem hat man die Minibars in den Kabinen abgeschafft. Die Reederei rechnet vor: „Der Verzicht auf Minibars spart täglich 0,33 Tonnen Treibstoff sowie Kühlmittel.“ Noch konsequenter ist der Marktführer Aida Cruises unterwegs. Hier setzt man unter anderem auf die Nutzung von Landstrom und bei den künftigen Schiffsneubauten auf das saubere Flüssiggas (LNG) – eine Revolution, die Kreuzfahrten deutlich sauberer und umweltgerechter machen wird. Letztlich hat der Vorstoß auch den Markt in Bewegung versetzt. So wird nicht nur die Konzernschwester Costa Kreuzfahrten ihre Neubauten mit Flüssiggasantrieben versehen, auch die Wettbewerber Royal Caribbean und MSC Kreuzfahrten ziehen demnächst nach.

die Kosten für mehr Umweltschutz zu lohnen. Beispiel Lufthansa: Die Airline hat aktuell 251 Flugzeuge der neuesten Generation zu einem Listenpreis von rund 40 Milliarden Euro bestellt, die bis zu 25 Prozent weniger Kerosin verbrauchen sollen und erheblich leiser sind. Es handelt sich um das größte Flottenmodernisierungsprogramm in der Geschichte des Konzerns.

„Wir, als Reisekonzern und als Reisende, müssen den Destinationen etwas zurückgeben.“

Und auch in der Luft tut sich etwas. Die Luftfahrtbranche hat sich bereits im Jahr 2008 eine ehrgeizige Selbstverpflichtung auferlegt: Unter anderem sollen die Netto-CO2-Emissionen bis 2050 um 50 Prozent gegenüber 2005 sinken. Doch dafür braucht es enorme Investitionen und technischen Fortschritt. Da die modernen Flugzeuge wesentlich weniger Treibstoff verbrauchen und daher auf lange Sicht wirtschaftlicher sind, scheinen sich

Die Reiseveranstalter orientieren sich ebenfalls in Richtung Nachhaltigkeit – im In- und Ausland. Sören Hartmann, Vorstandschef der DER Touristik, hat eine klare Haltung: „Die Zukunft des Tourismus liegt in der Nachhaltigkeit. Wir als Reisekonzern und als Reisende müssen den Destinationen etwas zurückgeben.“ Neben konkretem Umweltund Tierschutz sind dies dann oftmals auch soziale Maßnahmen. So hat der Reisekonzern (u.a. ITS, Meier’s Weltreisen) bereits über 40 Schulbauprojekte weltweit gefördert, viele weitere Schulen sollen folgen. Ehrgeizige Ziele, lohnende Vorstöße, vor allem aber noch ganz viel Arbeit – der Weg zu einer wirklich durchgängig nachhaltigen Reisebranche ist noch weit. Klar ist: Damit die Umwelt am Ende der Gewinner ist, müssen Politik, Unternehmen und Kunden an einem Strang ziehen.


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natürlich Reisen

// KOCHEN IN VIETNAM

Kochen auf der

Bio-Farm

Das Gemüsedorf Tra Que zeigt Vietnam wie aus dem Bilderbuch. Auf den Tisch kommt nur, was vorher selbst geerntet wurde. Text und Fotos von Mona Contzen


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Tran Quoc Tuan begrüßt mich mit einem erfrischenden Drink aus Basilikum-Samen, Ingwer und Minze, der ein bisschen an diese Bubble Teas erinnert, die eine Weile in Mode waren. Dann geht es, stilecht mit Reisstrohhut und braunem Bauern-Baumwollhemd, hinaus auf die Felder des Kräuterdorfes Tra Que. „Gutes Essen bedeutet Gesundheit. Also ist Essen Medizin“, sagt Tuan und deutet auf die ordentlichen, grünen Reihen, die das Material für seine Kochkurse liefern. Der 40-Jährige betreibt nahe des vietnamesischen Städtchens Hoi An eine der ersten Bio-Farmen des Landes – gemeinsam mit den anderen Bewohnern seines Dorfes.

„Gutes Essen bedeutet Gesundheit. Also ist Essen Medizin.“ In brütender Hitze beugen wir uns über das Vietnamesische Basilikum mit seiner deutlichen Zimtnote, gießen den Wasserspinat und tätscheln winzige Baby-Papayas, die noch ein wenig

Sonne brauchen. Mein Magen knurrt schon, nachdem ich am ersten Blatt geschnuppert habe. Das frische Grün ist die wichtigste Säule der vietnamesischen Küche – und es macht schnell Lust auf mehr.

Drink aus Basilikum-Samen, Ingwer und Minze

Überall im Land kommen frische Kräuter auf den Tisch. Sie werden separat zur Nudelsuppe „Pho“ serviert, flankieren den „Cha La“, den gebratenen Heilbutt, und stecken in den knackigen Sommerrollen, die im Gegensatz zu klassischen Frühlingsrollen unfrittiert gegessen werden. Sie sind es, die

vietnamesischen Speisen trotz chinesischer, japanischer, thailändischer und sogar französischer Einflüsse ihren eigenen Charakter verleihen. „Und je weiter man hinaus aufs Land kommt, desto unverfälschter und traditioneller ist das Essen“, verspricht Tuan. Schon der Weg zum Dorf ist ein Erlebnis. Es scheint fast so, als würden sich die Menschen in Hoi An dem gemächlichen Rhythmus der Natur anpassen. Es gibt hier keine Motorroller-Karawanen wie in Hanoi, keine glitzernden Wolkenkratzer wie in Saigon. Dabei war Hoi An bis Mitte des 19. Jahrhunderts eine wichtige Hafen- und Handelsstadt, die auch heute noch mit bunten Lampions, maßgeschneiderten Seidenkleidern und handgefertigten Lederwaren als wahres Shopping-Paradies daherkommt. Die Einheimischen schützen sich mit Reisstrohhüten vor der Sonne und rollen auf Fahrrädern oder Rikschas an den 200 Jahre alten Handelshäuschen vorbei, die gelb oder blau gestrichen und von Blumen in leuchtenden Farben überwuchert sind. Dann führt die Fahrradtour langsam hinaus aus der Welterbe-Stadt, am Fluss entlang, zwischen grell-grünen Reisfeldern hindurch, an Wasserbüffeln,

Slow Trekking – Reisen mit Zeit

Trekking in Nepal, Safari in Südafrika oder Costa Rica mit dem Fahrrad entdecken: Mit Hauser Exkursionen erkunden Globetrotter in kleinen Gruppen oder ganz individuell Landschaften und Kulturen in über 90 Ländern. Wer träumt nicht vom Trekking in den Fjorden Norwegens. Oder davon, auf Perus legendären Pfaden den Zauber der Inka-Zeit nachzuspüren, im Oman mit dem Kanu über Korallengärten zu gleiten und mit Beduinen die Wüste zu entdecken. Das ist auch für Familien möglich. Geschwindigkeit herausnehmen: Beim „Slow Trekking“ durchstreifen Hauser-

Gäste mindestens drei Tage hintereinander die Natur, auch abseits touristischer Hotspots. Im eigenen Tempo unterwegs: zu Fuß, per Rad, mit dem Kanu oder als Teil einer Kamelkarawane. Das gibt Zeit, wirklich vor Ort anzukommen. Outdoorfans erleben Natur und intensive persönliche Begegnungen wie beim Kochen mit Maya-Frauen oder auf Pirsch mit afrikanischen Rangern. Den besonderen Unterschied machen die deutschsprachigen Reiseleiter, die kenntnisreich und einfühlsam Brücken zwischen den Kulturen schlagen. So begleiten beim „Slow Trekking“ in Kenia Massai die Gruppe und führen sie ein in

Foto: Hauser Exkursionen / Icelandic Mountain Guides

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ihr Leben und ihr Land. Der Fußabdruck der Reisenden bleibt dabei immer möglichst klein, denn Hauser legt großen Wert auf respektvollen Umgang mit Mensch und Natur.

INFO www.hauser-exkursionen.de Persönliche Beratung und Buchung: 089 23 500 60 Termine 2018 ab sofort buchbar


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natürlich Reisen

// KOCHEN IN VIETNAM

Sesam-Pflanzen und Shrimps-Farmen vorbei. Das ist Vietnam wie aus dem Bilderbuch. Tuan will mich heute in die Geheimnisse der vietnamesischen Küche einweihen und lässt mich erst einmal Gewürze stampfen. Wenn ich die Augen schließe, komme ich mir vor wie auf dem Karussell: Exotische Düfte von Fisch-Minze, Asiatischem Wassernabel und Vietnamesischem Koriander mischen sich mit vertrautem Ingwer, Tamarinde und Knoblauch. Zur Vorspeise gibt es „Tam Huu“, erklärt der Bio-Bauer, während er den alten Diesel-Kocher auf der Terrasse anwirft. Deshalb rühre ich jetzt einen flüssigen, weißen Teig aus Reismehl, Kurkuma und Frühlingszwiebeln an. Tuan testet mit seinen Holzstäbchen, ob das Öl schon Blasen wirft, dann kommen Shrimps und Schweinefleisch in die kleine gusseiserne Pfanne. Ich frage mich, warum meine Küchenschubladen eigentlich überquellen vor lauter Suppenkellen, Löffeln und Pfannenwendern. Mein Lehrer hantiert mit den Stäbchen als wären sie die Verlängerung seiner Finger – andere Küchenutensilien sind nirgendwo zu sehen. Während der Pfannkuchenteig langsam fest wird, macht Tuans Tochter am Nachbartisch ihre Hausaufgaben, die Oma spaziert vorbei. Tuan gibt schon einmal das Hühnchen fürs Hauptgericht in einen riesigen Topf, randvoll mit allerlei Kräutern und Blättern. An die ist nichts anderes gekommen als Wasser und Algen, die als

Dünger ausgestreut werden. Am Rand der Felder sorgt die orange blühende Tagetes für eine natürliche Insektenbekämpfung.

„Es geht nur ums Gefühl und um frische Kräuter.“ Papaya-Blüten lindern Husten, heißer Zitronensaft hilft bei Schlafstörungen, Asiatischer Wassernabel hält jung – Tuan wirkt mit seinem Kräuterwissen wie die asiatische Variante meiner Großmutter. Ob das nicht eigentlich Frauensache wäre, will ich wissen. Tuan lacht. „Seit den 90er Jahren, seit es hier Frauenrechte gibt, helfen die Männer in der Küche“, erklärt er. Schon als Kind hat Tuan mit seinen Eltern auf den Feldern gearbeitet, inzwischen kocht er oft für bis zu 15 Familienmitglieder. Alles, was die Dorfbewohner selbst nicht zum Leben brauchen, verkaufen sie an die örtlichen Apotheken oder auf dem Cho Hoi An, dem lokalen Markt. Auch hier brutzeln Frauen in der brütenden Hitze der Garküchen allerlei Leckereien oder dösen friedlich neben ihrem Obst und Gemüse. Noch immer ist vieles fremd, aber einigen Auslagen in den großen Bambuskörben kann ich langsam Geschmäcker zuordnen: Der kartoffelähnlichen Taro zum Beispiel,

Frische Kräuter verleihen der vietnamesischen Küche ihren eigenen Charakter. In Trans Bio-Dorf kommen sie mit nichts anderem in Berührung als mit Wasser und Algen.

den Bananenblüten für himmlisch frische Salate oder der süß-säuerlichen Mangostan-Frucht, die mit ihrem Geschmack irgendwo zwischen Trauben, Ananas, Grapefruit und Pfirsich glatt mein Lieblingsobst werden könnte. Allein vier verschiedene Sorten Reisnudeln sind hier zu haben: Nui, die dünnen weißen, Cau Lau, dicke gelbe Reisnudeln, und Quang, dicke weiße Nudeln mit oder ohne Kurkuma. Der Unterschied? „Same, same, but different“, sagt die Verkäuferin mit einem breiten Grinsen. Auch riesige Zimtstangen, neben grünem Tee einst das hauptsächliche Handelsgut der Region, sind auf dem Markt zu haben. Doch im Dorf Tra Que, dessen Name für diese beiden Waren steht, serviert Tuan zum Nachtisch Ingwertee mit Mungobohnen-Keksen. Und ich will unbedingt das Rezept – für alles, was Tuan und ich gezaubert haben. Rezept? Tuan versteht nicht ganz. „Es geht nur ums Gefühl“, sagt er, „und natürlich um frische Kräuter.“

INFO Verschiedene Tour-Anbieter haben Ausflüge nach Tra Que im Programm. www.tripadvisor.de


METROPOLEN ERKUNDEN //

natürlich Reisen

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Städtetrips ins Grüne Jede Metropole hat ihre Oasen, man muss sie nur finden.

Von Julia Wäschenbach &

Foto: dpa

Mona Contzen

Kopenhagen

Über eine steile Wendeltreppe aus Stahl führt der Weg aufs Dach. Ganz oben erwartet den Besucher eine urbane Gartenoase aus grünen Pflanzen und Kräutern. Ein Gang führt zu einem Treibhaus, aus dem Stimmengewirr dringt. Wo sonst Kräuter und Tomaten wachsen, sitzen Menschen an einem langen Tisch und essen bei Kerzenschein und Naturwein gemeinsam zu Abend. Hoch über dem Kopenhagener Stadtteil Østerbro lassen sie sich die einfachen Gerichte im Restaurant der Dachfarm ØsterGRO schmecken. Weißen Spargel mit Zitronenmayonnaise etwa oder gegrillte Radieschen mit Kerbel. Eines haben die Leckereien gemeinsam: Sie sind vor allem aus ökologischen und regionalen Lebensmitteln. Ökologie ist seit Jahren ein Trend in der dänischen Hauptstadt, der inzwischen alle Bereiche des Lebens erfasst hat – vom Essen über Kleidung bis hin zum Verkehr. Fast zwei von drei Kopenhagenern fahren jeden Tag mit dem Rad

Die Dachfarm ØsterGRO serviert hoch über dem Kopenhagener Stadtteil Østerbro ökologische Gerichte aus regionalen Lebensmitteln.

zur Arbeit. Nicht nur aus Umweltgründen, sondern auch um die Stadt wie die Einheimischen zu erleben, schwingen sich viele Urlauber ebenfalls auf den Fahrradsattel. Auf zwei Rädern geht es vor allem in das bunte, pulsierende Nørrebro. Einst berüchtigt für ihre Schießereien, hat sich die dortige Jaegersborggade inzwischen zu einem Treffpunkt für junge Hipster und umweltbewusste Menschen gemausert. Vor der Öko-Bäckerei Meyers sitzen Mütter mit ihren Kinderwagen in der Sonne, in der Weinbar „Terroiristen“ werden Naturweine ausgeschenkt. Restaurants, Klamottenläden, Eisdielen und Friseursalons: Wer die Straßen in den hippen Stadtteilen Nørrebro und Vesterbro entlang bummelt, kommt an ökologischen Produkten nicht vorbei. Für den Snack zwischendurch lohnt sich ein Abstecher in den „Løs Market“ in der Istedgade, die vom Bahnhof nach Westen führt. Der kleine Supermarkt

kommt ganz ohne Verpackungen aus. Mit gutem Gewissen kann man hier geröstete Haselnüsse und getrocknete Früchte für das Picknick erstehen. Um den Urlaub in Kopenhagen nachhaltig zu gestalten, brauchen Besucher nicht unbedingt einen dicken Geldbeutel. Denn gerade die warmen, langen Sommertage lassen sich in den Parks, auf den Brücken und an den Badestegen der Stadt ganz umsonst genießen. Viele wagen sogar den Sprung in den Hafen, dessen Wasser so sauber ist, dass man darin bedenkenlos schwimmen kann. Aber auch auf dem Wasser können sich die Kopenhagener mit guter Klimabilanz bewegen: Die GoBoats, die gleich neben dem Hafenbad verliehen werden, schippern von Sonnenenergie angetrieben durch die Kanäle. Es geht in sehr gemütlichem Tempo voran – aber das macht nichts. Schließlich ist der Blick auf Kopenhagen vom Wasser aus am schönsten.


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natürlich Reisen

// METROPOLEN ERKUNDEN

Die niedlichen Brückenbögen über den Grachten sind wohl die höchsten Steigungen, die es in Amsterdam zu bewältigen gilt. Nicht umsonst gilt die Metropole als Fahrrad-Hauptstadt Europas: Bis zu eine halbe Million Drahtesel sind tagtäglich auf 400 Kilometer Radwegen in der Stadt unterwegs. An jeder Ecke werden typische Hollandräder verliehen – es versteht sich also von selbst, dass sich Fahrradausflüge besonders gut eignen, um die Stadt mit ihren vielen Parks und Gartenanlagen zu erkunden. Gestärkt in den Tag geht es nach einem Frühstück mit Bio-Joghurt oder hausgemachtem Walnussbrot wie es die „Vlaamsch Broodhuys“, die Flämischen Brothäuser, an vier verschiedenen Orten in der Stadt anbieten. Einfach dem Duft folgen! Grüne Anlaufpunkte für die Radtour zwischen Grachten, Museen und Sehenswürdigkeiten gibt es dann viele, zum Beispiel den schwimmenden Bloemenmarkt an der Singelgracht oder das Tulpenmuseum im Szeneviertel Jordaan. Ein etwas

Foto: iStock

Amsterdam ausgefalleneres Ausflugsziel ist das 150 Hektar große Naturgebiet Lange Bretten – die letzte Stadtwildnis von Amsterdam. Der schlammige „Laarzenpad“ macht schon mit seinem Namen eine klare Ansage: Stiefel-Pfad heißt der schöne Naturweg übersetzt, auf dem man nur mit Gummistiefeln nach Bussarden und Falken, Fröschen und Kröten Ausschau halten sollte.

Das trendige Restaurant baut sein eigenes Gemüse an. Anschließend haben sich die Radler ein leichtes Mittagessen im „Gartine“ verdient, einem kleinen Slow-FoodRestaurant in der Nähe des Rokin. Wer keine Lust hat für ein Sandwich oder einen Salat aus selbst angebauten Produkten auf einen freien Tisch zu warten, zieht einfach weiter zur „Kaaskamer“: Der nette Käseladen mit vielen Bio-Produkten stellt Picknicks nach

Wunsch zusammen. Da bleibt nur die Frage, in welchem der mehr als 30 lauschigen Parks und Gärten der Stadt die Mittagspause wohl am schönsten ist. Am Nachmittag kann man dann auf dem Wasser kräftig in die Pedale treten und auf den idyllischen Grachten mit dem Tretboot fahren. Neugierige gelangen so in alle Ecken und Winkel der Wasserstraßen, die die großen Boote nicht erreichen können. Ebenfalls sehr schön ist eine Elektroboot-Tour. Die kleinen Schaluppen bieten nur Platz für acht bis zwölf Personen und der Kapitän fungiert auch gleich als persönlicher Stadtführer. Nach einer langen Tour durch den Großstadtdschungel kann man den Tag schließlich wunderbar im „De Kas“ ausklingen lassen. Das trendige Restaurant baut im zugehörigen Treibhaus sein eigenes Gemüse an. So rollt es sich dann mit gutem Gewissen ins Hotelbett – natürlich mit Green-Key-Siegel, das bewusst nachhaltige Unterkünfte in Amsterdam auszeichnet.


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Essen

Essen ist grüne Hauptstadt Europas. Manch einer wird sich bei dieser Meldung wohl erst die Augen gerieben haben. Aber Nachhaltigkeit ist eben mehr als nur biologische Vielfalt. Auch der Schutz des natürlichen und kulturellen Erbes ist Teil eines nachhaltigen Tourismus, stellte die Vizepräsidentin des Deutschen Tourismusverbandes, Dr. Heike Döll-König, klar. Und so bemüht sich Essen – in diesem Jahr ganz besonders –, Natur und Kultur in Einklang zu bringen.

Ein zweiter Pluspunkt, der in die Stadt lockt: Shopping. Besonders wenn der Zusatz „Einkaufsstadt“ Besucher schon am Bahnhof begrüßt. In den Fußgängerzonen gibt es längst das T-Shirt für 2,50 Euro – obwohl es aus Bangladesch kommt, ist es billiger als eine Fahrkarte in den nächsten Ort. Eine Exkursion zum Thema „Nachhaltiges Einkaufen“ (21. Oktober) zeigt, welche Auswirkungen unser alltägliches Konsumverhalten auf Mensch und Natur hat – und stellt Alternativen vor, wo und wie bewusster eingekauft werden kann. Die Ausstellung „Essen erntet“ (30. September - 3. Oktober) geht noch einen Schritt weiter und holt gleich den ganzen Bauernhof in die Stadt: Im Grugapark präsentieren Bäcker,

Fischer, Imker, Landwirte und Co. ihre Produkte und Projekte zum Thema Primärproduktion und Naturschutz in Essen. Die Aussteller zeigen ihre tägliche Arbeit, verwöhnen mit allerlei Leckereien und haben natürlich auch ihre Tiere mit dabei. Vier Tage Urlaub auf dem Bauernhof für Stadtkinder, übrigens eingebettet in den Aktionstag „säen, ernten, Essen“ (1. Oktober), der mehrere Orte zum Thema lokale Lebensmittelproduktion durch Fahrradstrecken verbindet.

Vier Tage Urlaub auf dem Bauernhof für Stadtkinder Und wer jetzt noch nicht glaubt, dass an der Kohle- und Stahlstadt etwas „Grünes“ dran ist, dem bleibt nur noch die „Grüne Hauptstadtlinie“. Bei den zweistündigen Rundfahrten (1. und 15. Oktober) wird an konkreten Beispielen gezeigt, warum Essen den Preis zu Recht erhalten hat.

Foto: StockSnap

Bestes Beispiel ist das dichte Radwegenetz der Region, das immer mehr Urlauber und Ausflügler in den Sattel lockt. Über 1200 Kilometer Fahrradwege durchziehen das „radrevier.ruhr“, bestens ausgebaute ehemalige Bahntrassen und landschaftlich schöne Kanaluferwege verbinden viele Indus-

triedenkmäler. Zusätzlich werden im Grüne-Hauptstadt-Jahr verschiedene Touren aufgelegt: Bei einer geführten Radtour durch den Zollverein Park (21. Oktober) erklärt der Guide Interessantes zur Sukzession und Artenvielfalt auf dem Gelände.

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// HAND AUFS HERZ

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Spuren im Sand

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Von Rolf Nöckel

„Wenn du auf Reisen gehst, mein Freund, dann lass nur zwei Dinge im fremden Land zurück: deine Spuren im Sand und dein Lächeln.“ Diesen guten Rat gab mir vor vielen Jahren ein erfahrener Kollege.

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Mit beidem bin ich seitdem verschwenderisch umgegangen. Leere Zahnpastatuben oder kaputte Badelatschen reisten stets mit nach Hause, damit der Sondermüll auf der Ferieninsel nicht verbrannt oder vor den Korallenbänken versenkt wurde. Lächeln kam immer gut. Auch wenn mir nicht immer zum Lächeln zumute war. Wie damals, als mir ein Friseur auf Lombok einen Schnitt verpasste, von dem selbst Campino von den „Toten Hosen“ in seinen wilden Jahren nur hätte träumen können. Oder als ein Polizist in Florida mich auf die Wache mitnahm, weil er mich auf dem Foto im Führerschein nicht erkannte – wahrscheinlich weil ich darauf so ernst dreinschaute.

Foto: StockSnap

Spuren im Sand, sie wurden alle von Wind und Wellen verweht und verschlungen. Und doch sind einige noch da, in meiner Erinnerung. Spuren vom Strandspaziergang ganz allein, der mich fast verzweifeln ließ. Spuren vom Strandspaziergang mit einem Freund, der mir wieder Mut schenkte. Spuren vom Strandspaziergang, bei dem ich mit Blick zurück noch heute weiß: Jemand hat mich getragen.

Die Welt ist nicht abstrakt Von Achim Faust

Die Welt ist klein geworden und sie wird immer winziger. Früher brauchte man für sie immerhin noch ein ganzes Wohnzimmer, in dem sich die Familie abends vor dem Fernseher versammelte, um sich die Nachrichten anzuschauen. Heute passt sie in die Hosentasche – was auch immer passiert, unser Smartphone hält uns auf dem Laufenden. In Echtzeit. Aber ist uns die Welt damit wirklich näher gekommen? Vieles bleibt doch irgendwie weit weg und abstrakt.

Foto: StockSnap

Doch die Welt ist nicht so, nichts verdeutlicht das so sehr wie das Reisen. Wer das Glück hat, unterwegs sein zu können, wird die Welt danach mit anderen Augen sehen, ihren Lauf aufmerksamer verfolgen. Wer Israel und das Westjordanland bereist hat, der hofft umso mehr auf friedlichere Zeiten in einer für so viele Menschen bedeutsamen Region. Man spürt auch zu Hause noch den Pulsschlag der Natur – er wird schneller schlagen, wann immer man Gelegenheit hat, sich zurück ins Ewige Eis oder in die Savannen Afrikas zu träumen. Das pulsierende Leben in den großen Weltmetropolen ist schier endloser Energiequell auch für zu Hause. Hand aufs Herz: Wer versucht vor dem Fernsehgerät nicht die Orte wiederzuentdecken, an denen er schon selbst gewesen ist? Reisen lässt einen staunen, wie schön unsere Erde ist, wie lebendig ihre Städte. Reisen lässt einen verstehen, weil das Reisen Menschen zusammenführt. Reisen ist ein Geschenk, weil Reisen schafft, was das Smartphone nie wird leisten können: einem die Welt wirklich näherzubringen.


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Es geht um die Menschen Von Mona Contzen

Ich will nicht in Trump’scher Manier auf political correctness pfeifen. Aber ich mag mir auch nicht die ganze Welt verbieten lassen. Es ist nicht alles schwarz oder weiß. Nicht die Länder sind böse, einzelne Menschen und Regierungen sind es. Doch wenn wir diese Länder boykottieren, leiden alle darunter. Das kleine Mädchen in Kerala, das im Gespräch mit Ausländern sein Englisch verbessern will. Der Fischer aus Sri Lanka, der Touristen zu sich nach Hause zum Essen einlädt bis er sich endlich den Traum vom eigenen Restaurant erfüllen kann. Der Bauer in Palästina, der nur die Chance bekommt seine Geschichte zu erzählen, wenn Touristen aus Israel für einen Ausflug über die Grenze kommen. Und wer hält mich davon ab, vor Ort Flagge zu zeigen? Ich kann die Sehenswürdigkeiten und Hotels, deren Einnahmen in Myanmar direkt ans Militär fließen, doch meiden. Ich kann auf einer Dachterrasse in Tel Aviv leidenschaftlich über die israelische Siedlungspolitik diskutieren. Und in Indonesien Unterkünfte unterstützen, die sich für den Umweltschutz einsetzen. Wenn niemand das alles täte, dann wäre die Welt sicher ein böserer Ort.

Foto: iStock

Entwicklungsländer und Industrienationen, Diktaturen und Demokratien, Umweltsünder und Öko-Vorbilder. Die Welt ist eingeteilt in Gut und Böse. Für den politisch korrekten Urlaub scheidet die Türkei schon mal aus – keine Meinungsfreiheit. Russland diskriminiert Homosexuelle, Indien Frauen. Und Indonesien holzt den Regenwald im Rekordtempo ab. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Selbst gut entwickelte Staaten haben ihre Leichen im Keller: Australien hält Bootsflüchtlinge auf abgelegenen Inseln gefangen, in Argentinien gibt es Gewalt gegen Indigene.

Das Leben bereichert Von Pascal Brückmann

Es ist angenehm kühl und so ungewöhnlich ruhig, frühmorgens mitten in Teheran. Nur die Vögel sind zu hören. Ich stehe auf der Straße mit meinem Koffer, das Taxi zum Flughafen wartet bereits. Eine zehnköpfige Delegation hat sich ebenfalls versammelt, obwohl die Uhr erst 4:50 zeigt. Sie sind gekommen, um mich zu verabschieden. Es sind Menschen, die ich erst vor wenigen Tagen kennengelernt habe. Sie haben mich wie einen Teil ihrer Familie behandelt und von der ersten Stunde an wie einen jahrelangen Freund. Als wir uns umarmen, bricht es aus mir heraus. Ganz unvermittelt, ganz ohne Ankündigung. Es sind Tränen. Tränen der Dankbarkeit.

Foto: iStock

Die ersten Freudestränen meines bisherigen Lebens. Ich realisiere, wie viel reicher mein Dasein in den vergangenen zehn Tagen geworden ist. So viele Erlebnisse, Entdeckungen, Erfahrungen, Begegnungen und Gespräche. So viel Offenheit, Vertrauen und Freude. All das ist nur möglich geworden, weil ich mich auf die Reise gemacht habe. Glücklich und voller Demut kehre ich zurück in die Heimat.


// AUSKLINGEN LASSEN

Foto: oekom verlag

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