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Eine Woche per Fahrrad durch Westfalen

Kirchen, Klöster und Kanäle Dieter Hurcks

Radeln

für

Genießer


Radeln für Genießer

Diese Buchreihe ist aus der Idee entstanden, die eigene Freude am Fahrradfahren in herrlichen Landschaften auch anderen zu vermitteln. Ziel soll es sein, den Leser anzuregen, selbst einmal die beschriebenen Straßen und Wege unter die Räder zu nehmen und einen Urlaub völlig anderer Art zu erleben.

Ich gehe davon aus, dass die meisten Leser schon des öfteren Fahrrad gefahren sind, sich aber vielleicht noch nicht auf so lange Strecken getraut haben. Mehrere Tage ohne den Schutz eines Hauses oder des Autos, wo man bei schlechtem Wetter Zuflucht finden kann, zu verbringen, ist nicht jedermanns Sache und schreckt viele potentielle Tourenradler ab. Aber ist es nicht gerade diese Ungewissheit, die den Reiz ausmacht?

„Kirchen, Klöster und Kanäle“ heißt dieses Buch. Denn die geschilderte Radtour führt zum einen durch das streng katholische Herz Westfalens mit den Synonymen Münster und Paderborn, zum anderen durch das nahezu flache Emsland mit seinen zahlreichen Kanälen. Wer kennt nicht den Spruch „Schwarz, Münster, Paderborn“. Beides sind heute lebendige, weltoffene und moderne Städte, in denen sich gut leben lässt. Und das Schöne: Sie sind rundum von einerNatur umgeben, die insbesondere uns Radfahrerjubilieren lässt.

Ich wünsche Ihnen

einen schönen Radelurlaub Dieter Hurcks

Zur Orientierung 1. Vom Deister ins Weserbergland ........... 3

2. Ins Land der Schlösser und Dome ........ 8 3. Bergauf, bergab zum Möhnesee ......... 13

4. Natur pur: Bürener Land & Sauerland . 16 5. Über Soest und Hamm nach Münster 18 6. Stille Pättkes im Münsterland ............... 21

7. Windmühlen und Kanäle ..................... 25

8. Schwarzes und braunes Gold .............. 29

9. Daten zur Tour/ Kartenmaterial ......... 31 Aufder Homepage desAutors mit der InternetAdresse www.radtouren.net gibt esjede Menge Linkszu weiteren Touren undInfos rundum das Radeln.

Bewertung der Unterkünfte: (+ = mies; ++++ = sehr gut; Preis: + = niedrig; ++++ = sehr hoch 2


Vom Deister ins Weserbergland

Naturpur begleitet den Radfahreraufdem Weg vom Deister ins Weserbergland. Dergut hergerichtete, meist asphaltierte Weserradweg ist nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil man insbesondere aufdem oberen Teilstück beim Radeln fast immeraufden Fluss blicken kann. Foto: Weserschiffbei Hameln.

Die vorgesehene Elberadtour von Dresden in die Sächsische Schweiz im August 2002 wurde von der großen Flut unmöglich gemacht. Da der Urlaub nun schon einmal gebucht war, planten wir ad hoc eine Rundfahrt von Niedersachsen nach Niedersachsen quer durch Westfalen inklusive eines Zipfels der Niederlande. Eswaren abwechslungsreiche sieben Tage mitvielen interessanten Begegnungen und Einblicken in die unterschiedlichsten Landschaften.

1. Tag, Sonnabend, 24.8.

Am hoch gelegenen Bahnhofder Deisterstadt Springe beginnt die über 600 Kilometer lange Radtour.

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93 km: Springe − Hameln − Bodenwerder − Holzminden − Höxter − Boffzen. Anreise per Bahn (Großraum-Ticket Region Hannover) nach Springe am Deister, ab Hameln auf dem Weserradweg Übernachtung bei Pension Weike, Stapelgasse 6, 37691 Boffzen, Tel.: 05271 / 59 77; www.boffzen.de/weserblick.htm ; 24 € p. P. im EZ/DZ. Ausstattung: ++++ Preis: ++


Mit Wasserkraft wird die Gierfähre bei Grohnde über den Strom gedrückt. Rastmöglichkeit beim Fährhaus. Kleines Bild: Kernkraftwerk Grohnde; unten: Schloss Kemnade grüßt kurz vor derMünchhausen-Stadt Bodenwerdervom anderen Weserufer.

übrig geblieben und lassen den nahen Herbst erahnen. Doch der Tag ist sommerlich warm, der Fahrtwind kühlt das Gesicht und die Stimmung der Gruppe ist bestens. Bald wird die Rattenfängerstadt Hameln erreicht und damit die Weser. Wir fahren auf dem Weserradweg, der von ADFC-Mitgliedern mehrmals zum beliebtesten Fernradweg Deutschlands erkoren worden ist, stromaufwärts. Aufdergutausgebauten Piste geht es flottvoran entlang des bei HannoverschMünden aus Fulda und Werra entstehendenden Stromes. In Tündern lockt ein Biergarten zurverdienten Frühstückspause. Ein Dampferziehtvorbei, hin und wieder passieren einzelne Radler und auch größere Gruppen den Ort.

Regionale Angebote der öffentlichen Verkehrsbetriebe ermöglichen es nicht nur in der Region Hannover Gruppen, kostengünstig zu reisen. So fuhr unsere fünfköpfige Gruppe zunächst per Nahverkehrsticket für 2 Euro je Nase inklusive Fahrrad von Burgdorf über Hannover nach Springe, der letzten Station des Verkehrsgebietes. Springe, 30.000 Einwohner, ist die Geburtsstadt Heinrich Göbels, des Erfinders der elektrischen Glühlampe. Die Stadt liegt an der sogenannten Deisterpforte am Hang des Mittelgebirges. Die Fahrt nach Hameln ging deshalb recht zügig vonstatten und führte durch eine leicht wellige überwiegend landwirtschaftlich genutze Landschaft. Die Kornfelder sind bis auf ein paar Weizenflächen abgeräumt. Ein Mähdrescher zieht unbeirrt seine Bahnen. Mais, Rüben und Raps sind

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DerWeserradweg ist nahezu perfekt ausgebaut, bietet gastronomisch viele Verlockungen und ebensolche Ausblicke, zum Beispiel das „Café


Springe am Deister

Von 884 bis 1974 Kreisstadt, heute zur Region Hannover gehörig. Springes Entstehung und Wachstum hängen eng mitseinerverkehrsgünstigen Lage an der Deisterpforte zusammen. Hier ist die Grenze zwischen dem Flachland und dem Bergland, in das die Deisterpforte hineinführt. Zudem liegt der Ort genau in der Mitte des Weges zwischen den wirtschaftlichen Schwerpunkten Hannover und Hameln. Diese günstige Lage entfaltete jedoch erst mit dem "Chaussee-Ausbau" der heutigen Bundesstraße 217 im 18. Jahrhundert und mit der Fertigstellung der Eisenbahnlinie Hannover-Altenbeken im Jahre 1872 ihre volleWirksamkeit.

Münchhausens Bodenwerder

Heute wohnen in der Kernstadt Springe etwa 13.000 Einwohner. Info: www.springe-deister.de/

Bodenwerder hat rund 6500 Einwohner, gehörtzum Landkreis Holzminden und liegt in einem der landschaftlich reizvollsten Abschnitte des Oberweserberglandes. Auf einer Weserinsel (Werder) um 1200 gegründet, findetsie sich an markanter Stelle, wo sich die bewaldeten Bergrücken des Mittelgebirges noch einmal dem Fluss nähern, um kurz darauf endgültig zurückzutreten und den Blick nach Norden auf das sich weitende Bett derWeser freizugeben. Der Radweg R 99 begleitet den Strom von Hann. Münden bis nach Bremerhaven. Eine der schönsten Weserpromenaden lädt in Bodenwerder zum Verweilen ein. Sehenswürdigkeiten: Historische Altstadt mit mittelalterlicher und Fachwerkbebauung; Münchhausen-Gutshof mit Münchhausenund Heimatmuseum; Münchhausenbrunnen (Foto) und -Denkmale; romanische Klosterkirche im Ortsteil Kemnade, Natur: Rühler Schweiz, Vogler, Solling Das älteste „LichterfestaufderWeser“ mitdem größten Höhenfeuerwerk Norddeutschlands lockt alljährlich am zweiten Augustwochenende Tausende in die Stadt, und am ersten Wochenende im September wird der Pflastermaler-Wettbewerb ausgetragen. Vielen Menschen ist der "Baron von Münchhausen" als literarische Figur und als Filmheld geläufig, die wenigsten kennen jedoch die historische Person, Hieronymus Karl Friedrich Freiherr von Münchhausen, den Gutsbesitzer in seiner Geburtsstadt Bodenwerder. Der ehemalige Adelshof der Familie ist im wesentlichen erhalten, das Herrenhaus dient heute als Rathaus. Hier und in der Brennerei des Gutes befinden sich das Münchhausen- und das Stadtmuseum. In der über 1000jährigen romanischen Klosterkirche von Bodenwerder-Kemnade ist Münchhausen beigesetzt. Info: www.bodenwerder.de

Hameln

Die Stadt der weltbekannten Rattenfängersage hat rund 60.000 Einwohner und liegt ca. 50 km südwestlich der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover. Die wirtschaftlich und insbesondere touristisch bedeutende Stadt an der Weser bildet das Zentrum des reizvollen Weserberglandes, das sich zu beiden Seiten der Weser vom Ursprung des Flusses in Hannoversch Münden (Zusammenfluss von Fulda und Werra) bis in den Raum Minden erstreckt. Besonders sehenswert sind die historische Altstadt Hamelns mit zahlreichen Gebäuden der Weserrenaissance, die Rattenfängerspiele und das Musical "Rats" vor dem Hochzeitshaus. Die Eisenbahn Hannover-Altenbeken erreichte 1872 Hameln. Neben der traditionellen Mühlenindustrie entsteht 1889 die erste Teppichfabrik. Im Zuge der Gebietsreform wird Hameln 1973 Teil des Landkreises Hameln-Pyrmont. Info: www.hameln.com/info/index.htm

Hameln: Rattenfängerhaus (links) und Hochzeitshaus. Quelle: www.hameln.de

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Ein Bummel durch BodenwerdersAltstadt und entlang der Weserpromenade lohnt sich.

Pause“ in Hehlen-Daspe, dessen Namen wir beimWortnehmen.Wirwechseln ein paarWorte mit einer Radelgruppe bekennender ostfriesischer Bauern aus der Gegend von Aurich, die gerade ihre Tische räumt. In Bodenwerder bestaunen wir das Münchhausen-Denkmal, in Rühle wischen wir uns den an diesem schwülwarmen Tag reichlich fließenden Schweiß von der Stirn, und in Holzminden genießen wir in einem Biergarten am Weserufer den Ausblick auf den Fluss.

Bild unten: Glaspumpe vor dem Glasmuseum in Boffzen. Quelle: www.boffzen.de

Nun sind es bis zu unserem Ziel, Boffzen bei Höxter, nur noch wenige Kilometer. Hinter Lüchtrigen laden links des Flusses Kloster und Schloss Corveyzu einer Besichtigung, ehe wir in Höxter die Weserbrücke überqueren und direkt am Ufer bis Boffzen radeln. Das Quartier liegt ruhig am Weserufer − wer das richtige Zimmer erwischt, kann vom Fenster aus auf den Fluss blikken.

Tipp: Glasmuseum Boffzen

In einer 1900 erbauten Fabrikantenvilla wird die Geschichte der örtlichen Glasindustrie dokumentiert. Obwohl der Ort auf eine 500jährige Glasmachertradition zurückblicken kann, beschränkt sich die Boffzener Ausstellung in Ergänzung zu den benachbarten Glasmuseen

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aufdie Darstellung der letzten 150Jahre, dieZeit der Industrialisierung. In Boffzen wurde während dieser Zeit überwiegend Gebrauchsund Haushaltsglas, auch für den gewerblichen und industriellen Bedarf, gefertigt. Neben mundgeblasenem Glas bildet vor allem Pressglas einen Schwerpunkt der Ausstellung. Die Glasherstellung wird durch Geräte, Formen und Modelle aus Boffzener Betrieben veranschaulicht. Die Besucher werden sich innerhalb der erstaunlich breiten Produktpalette an vieles aus dem eigenen Alltag erinnern. Info: www.boffzen.de.


Weserstadt Holzminden:

Die „Stadt der Düfte“ nennt sich Holzminden, weil dort in zwei Unternehmen industriell Duftstoffe hergestellt werden. Ein Puppenund Spielzeugmuseum, die vielen restaurierten Fachwerkhäusern und der idyllische Marktplatz locken zum Besuch. Holzminden ist durch seine Lage an der Deutschen Märchen- und Fachwerkstraße prädestiniert als Ausgangspunkt fürAusflüge und Radwanderungen in das Oberwesertal. Die Kreisstadt hat mit den eingemeindeten Sollingorten Neuhaus, Silberborn und Mühlenberg rund 24.000 Einwohner. Ihr Name ist abgeleitetvon der hier in die Weser mündenden Holzminde, was Waldbach bedeutet. Holzminden wurde um ca. 1200 (Stadtrechtsbestätigung 1245) durch die Grafen von Everstein neben deren Burg an derWeser gegründet. Bis ins 20. Jahrhundertwar es im wesentlichen eine Ackerbürgerstadt mit zahlreichen Handwerkern und einigem Handel. 1831 wurde hier die älteste Baugewerkschule Deutschlands gegründet (heute die Fachhochschule Hildesheim-Holzminden, Fachbereiche Architektur und Bauingenieurwesen). Infolge von Reformen wurde die Stadt 1832 Sitz der Verwaltung des Kreises Holzminden. 1865 erhielt Holzminden Bahnanschluß. Während einst die bodenständige Verarbeitung von Holz und Sollingsandstein eine beträchtliche Rolle spielte, sind es heute verschiedenartige Industrien. Schon 1874 wurde die Geruchs- und Geschmackstoff-Firma Haarmann & Reimer gegründet, in der das künstliche Vanillinaroma erfunden wurde. Dazu kam in der gleichen Branche das Dragoco-Werk. In der Literatur ist Holzminden bekannt durch Wilhelm Raabe (1831 bis 1910), der hier Kindheitsjahre verlebte und dessen Erzählungen teilweise hier spielen. Auf der Bahnhofstraße befindet sich im Haus 31 das Stadtmuseum, das Holzminden und seine Umgebung in seiner Geschichte, in der Eigenart seiner Bevölkerung und in seinem Gewerbeleben vorstellt. Info: www.holzminden.de

Höxters Küsterhaus neben St. Kiliani (Niederlande-Münster-Höxter-Staßfurt), den Weserfernradweg R 99 von HannoverschMünden bis Bremerhaven sowie durch ein gut ausgebautes regionales Netz im Kreis Höxter und im Stadtgebiet entwickelt. 1970 wurde durch den Zusammenschluß der Kernstadt mit den umliegenden Ortschaften des Amtes Höxter-Land und der Gemeinde Bruchhausen die Großgemeinde Höxter mit etwa 35.000 Einwohnern geschaffen. Heute ist Höxter als Kreisstadt des gleichnamigen Kreises und Universitätsstandort ein wichtiges Mittelzentrum der Oberweserregion. Die Entwicklung Höxters ist eng mit der Bedeutung des Westfälischen Hellweges verknüpft, einer Fernhandelsstraße, die das Rhein-Maas-Gebiet mit den Silbergruben in Goslar und Magdeburg verband. 1115 wird erstmalig eine Brücke überliefert, der erste feste Weserübergang überhaupt. Auf dem dazugehörigen Markt wurden Fernhandelswaren verkauft, die über den Hellweg in die Stadtgelangten. Höxters aufstrebende Entwicklung im frühen 12. Jahrhundert, die sich u.a. auch im Neubau der Kilianikirche um 1100 dokumentiert, geht mit einer letzten geistigen Blüte der Reichsabtei Corvey einher. In dieser altehrwürdigen, ehemaligen Benediktinerabtei von 822, gegründetvon den Kaisern Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen, erwartet den Besucher Einmaliges und Unvergeßliches wie das berühmte karolingischeWestwerkderAbteikirche, der Kreuzgang mit Triumphkreuz und Grabstätten der Mönche, der Kaisersaal mit Porträts von 20 deutschen Kaisern. Weitere Highlights: alljährliche Corveyer Musikwochen, Grabstätte des Dichters Hoffmann von Fallersleben, Verfasser des Deutschlandliedes. Info: www.hoexter.de

Kreisstadt Höxter

Die Kreisstadt Höxter mit ihrer historischen Altstadt, zwölf liebevoll gepflegten Dörfern im Flusstal derWeser und in den bewaldeten Hügeln des Weserberglandes ist Zentrum einer beliebten Fremdenverkehrsregion. Zum Höhe- und Kreuzungspunkt für den Fahrradtouristen hat sich Höxter in den letzten 15 Jahren durch die überregionalen Radwege R 1

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Ins Land der Schlösser und Dome

Das Barockschloss Vinsebeck (o.u.u.) bei Steinheim war früherSitz der Herren von Lippe.

2. Tag, Sonntag, 25.8.

88 km: Höxter − Marienmünster − Nieheim − Horn-Bad Meinberg − Kreuzkrug − Schlangen − Bad Lippspringe − Paderborn

Tag 2 stellt einige Anforderungen an uns Radler. Wer nichtvorher ein bisschen geübt hatte, dürfte bei mancher der zahlreichen Steigungen gehörig ins Schwitzen kommen oder gar sein Rad vor Verzweiflung in den Graben werfen. Zum Glückgab es in unserem auf Radfahrer ausgerichteten, vorbildlich geführten Quartier ein kräftigendes Frühstück und zudem reichlich Verpflegung mit auf den Weg.

Radweg R1 bis Externsteine, Römerradweg bis Paderborn

http://www.paderborn.de/touristinfo/touristinfo.htm

Quartier: Meinwerk-Institut, Giersmauer 35, 33098 Paderborn, Tel.: (0 52 51) 2 90 80, Fax.: (0 5251) 29 08 68, meinwerk@t-online.de; www.meinwerk.de; EZ 25 €; DZ 20,90 € DU/WC auf Etage; Ausstattung: ++; Preis: ++

Ab Höxter, das wir nach einer Kurzbesichtigung der Altstadt mit ihren vielen schmucken Fachwerkhäusern gen Westen verlassen, steigt der Weg kontinuierlich. Über Lütmarsen erreichen wir auf dem westfälischen Fernradweg R 1 das „Golddorf“ Ovenhausen. Dieses Dorf war Sieger im Bundeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“.

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Der perfekte RadwegführtdurchWald und Feld. Ein umgestürzter Baum versperrt uns den Weg. Viele durch das nächtliche Gewitter abgerissene Zweige fordern unsere höchste Aufmerksamkeit. Nach einigen Anstiegen öffnetsich der Blick über die weite Hochfläche und zu den Bergzügen des TeutoburgerWaldes. Die Beschilderung ist hervorragend.


des 19. Jahrhunderts wurde der „Original Nieheimer Käse“ in vielen Haushalten hergestellt. Die Käserei Pott, ein kleiner Familienbetrieb, produziert noch heute wöchentlich etwa 700 Kilogramm des kleinen Sauermilchkäses. Vertrieben wird er in der Region und in Delikatessengeschäften in ganz Deutschland.

Marienmünster

Marienmünster ist eine der kleinsten Städte im Bundesland Nordrhein-Westfalen, und das macht sie so sympatisch. Der größte Ort im Stadtgebiet hat weniger als 1600 Einwohner und der kleinste gerade mal 60. Nicht weit vom Zentrum liegt die Abteikirche Marienmünster, eine frühere Benediktinerabtei aus dem Jahre 1128 mit prächtigen Barockaltären, reich geschnitztem Chorgestühl und der berühmten Johann-Patroklus-Möller Orgel. Info: www.marienmuenster.de

www.nieheim.de

Bad Lippspringe

Am Südrand des TeutoburgerWaldes und des Eggegebirges gelegen, grenzt Bad Lippspringe direkt an die trockene Heidelandschaft der Senne mit ihren sandigen Böden. Das Quellgebiet der Lippe gab der Stadt ihren Namen. Unmittelbar an der Burgruine „springt die Lippe“, nimmt ihren Lauf und mündet 255 Kilometer weiter in den Rhein. „Odinsauge“ wird dertiefblaue Quellteich im Volksmund genannt. Die Sage will wissen, dass der allmächtige germanische Göttervater Odin sein Auge herausriss und in die trockene Sennelandschaft warf, um sie so mit Feuchtigkeit und blühendem Leben zu segnen. Dass zum Quellwasser der Lippe noch Heilwasser hinzukommen würde, konnten die alten Germanen sicherlich nichtahnen. Die vermutlich zu Anfang des 14. Jahrhunderts erbaute Burg wurde 1312 urkundlich zum ersten Mal erwähnt. Besitzer der Burgwar bisAnfang des 19. Jahrhunderts das Paderborner Domkapitel. Im Laufe der Jahrhunderte ist die

Käsestadt Nieheim

Sehenswert in der ehemaligen Ackerbürgerstadt mit über 750-jähriger Stadtgeschichte ist der historische Ortskern mit dem ansprechenden Ensemble aus Pfarrkirche (Ende 13. Jh.), Rathaus im Stil der Weserrenaissance (1610), Ratskrug (1712) und den „Kümpen“, mächtigen runden Stadtbrunnen. Seit einigen Jahren beschreitet die liebenswerte, 7.600 Einwohner zählende Stadt neue Wege, um durch ganzheitlichen Tourismus die Stadtentwicklung voranzutreiben.Käse, Holz und Kunst kristallisierten sich als die Nieheimer Kernkompetenzen heraus. Zu dem in jährlichem Wechsel jeweils am 1. Septemberwochenende stattfindenden Deutschen Käsemarkt und den Nieheimer Holztagen strömten bisher jeweils mehrere 10.000 Besucher in die mittelalterliche Kleinstadt mit dem unverwechselbaren Ambiente. Rund 80 Käseproduzenten und Winzer aus Deutschland und dem europäischen Ausland präsentierten etwa im Jahre 2002 ihre Produkte. Der Markt ist vor allem für jene eine Plattform, die dieses Naturprodukt noch in handwerklicher Fertigung herstellen. Der traditionsreiche Nieheimer Käse ist klein, rund, schmeckt angenehm würzig und hat eine lange Tradition in Nieheim. Bereits Anfang

Die Burg in Bag Lippspringe steht direkt neben der Lippequelle.

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Burg mehrfach zerstört worden. Heute dienen der Burginnenhof und Burgvorplatz als Rahmen für vielfältige kulturelle Veranstaltungen. Auch der Burgkeller wird im Rahmen zahlreicherVeranstaltungen genutzt.

an der karolingischen Kaiserpfalz gleich neben dem Dom. An diesem Ort hielt Karl der Große 777 die erste fränkische Reichsversammlung auf sächsischem Boden ab. Im Untergeschoss befindet sich das Museum in der Kaiserpfalz, das Grabungsfunde aus der Geschichte der Stadt Paderborn und der Umgebung zeigt. Der imposante Dom ist im wesentlichen ein Werk des 13. Jahrhunderts. Er präsentiert sich als dreischiffige Hallenkirche mit zwei Querhäusern und mächtigem romanischen Turm. An- und Umbauten in späterer Zeit, vor allem die Barockisierung im 17. Jahrhundert, haben den Gesamteindruck des Domes nicht entscheidend verändert. Der gewaltige Westturm aus dem 11. Jahrhundert ist 92 Meter hoch. In der Krypta - mit 32Metern Länge eine der größten in Deutschland - werden die Gebeine des Heiligen Liborius, des Patrons der Stadt und des Bistums, aufbewahrt. Von der Krypta aus gelangt man in die Bischofsgruft. Eines der Wahrzeichen Paderborns, das berühmte DreiHasen-Fenster aus dem 16. Jahrhundert, befindetsich im Kreuzgang des Domes ("Der Hasen und der Löffel drei, und doch hat jeder Hase zwei"). Das Paderborner Rathaus mitseiner prächtigen dreigiebligen Fassade entstand 1613 bis 1620 und gilt als Paradebeispiel derWeserrenaissance. Im ersten Obergeschoss befindet sich der große Ratssaal, Arbeitssitz des Stadtparlaments und Stätte offizieller Empfänge und Feierlichkeiten, im Erdgeschoss das Standesamt. Der Ratskeller im Untergeschoss ist Restaurant und beliebter Treffpunkt für Bürger und Gäste der Stadt. Info: www.paderborn.de

Hiersprudelt die Liborius-Quelle.

Von der Natur reich bedacht, sprudeln in Bad Lippspringe gleich drei mineralhaltige Quellen aus dem Boden hervor. Ihre wertvollen Inhaltstoffe (fluoridhaltiges Calcium-Sulfat-Hydrogencarbonat-Wasser) lindern und heilen insbesondere Magen- und Darmerkrankungen und wirken entzündungshemmend auf die Schleimhäute. Während dieArminiusquelle (20,5 Grad C) und die Liboriusquelle (15,9 Grad C) ausschließlich für Trinkkuren genutzt werden, lassen sich mit dem wohligen 27,8 Grad C temperierten Quellwasser der Martinusquelle hervorragend die verschiedenen Bewegungsbäder und sogar die Schwimmbäder speisen. Das Senne-Informationszentrum zeigt dem Besucher, welche geheimnisvollen Zusammenhänge und Überraschungen die Natur auf dem nahen Truppenübungsplatz bereithält. Info: www.bad-lippspringe.de

Paderborn

Paderborn hat fast 140.000 Einwohner und liegt am Übergang zwischen dem Norddeutschen Tiefland und den deutschen Mittelgebirgen. Eine Vielzahl von Bächen sammelt das Wasser am Fuß der Paderborner Hochfläche und leitet es in die Flüsse Pader und Lippe. Unterhalb des mächtigen Domes liegt das idyllische Paderquellgebiet. Paderborn ist reich an Sehenswürdigkeiten. Allein in der Innenstadt sind über 20 historische Gebäude zu finden. Ihren Rundgang durch das alte Paderborn sollten Sie dort beginnen, wo die Geschichte der Stadt ihren Ursprung hat:

Im „Heinz Nixdorf MuseumsForum“ gibt es fundierte Einblicke in die Welt der Informationstechnik. Info: www.hnf.de

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40 km sind absolviert und wir erreichen Vinsebeck mit seinem faszinierenden Wasserschloss. Ein Brautpaar nutzt den architektonischen Reiz für die Erinnerungen an hoffentlich unvergessliche Augenblicke. Nach der Pause im örtlichen Biergarten beginnt der Kampf gegen den inneren Schweinehund. Einige mächtige Anstiege hinter Leopoldstal wollen unsere Kondition testen. Doch gut trainiert, kommen wir recht gut voran. An der Silbermühle wundern wir uns, warum eine Gruppe von nicht des Deutschen mächtigen Menschen kanisterweise das Wasser aus einer Quelle abzapfen und auf einem Anhänger verstauen. Nochmal geht es steil bergauf, und bald erblikken wir ein von Sagen und vielfältigen Deutungen umranktes Naturdenkmal erster Güte: die Externsteine. Klar, dass an diesem Sonntag hier ein reger Touristenrummel herrscht. Natürlich klettern fastalle unserer Gruppe trotz der 54 km, die in den Beinen zu spüren sind, auf diese bizarren Felsen, wie wir sie ähnlich auch in der sächsischen Schweiz erlebt hätten. Eintritt: 1,50 Euro. Danach liegt auf der nun zu folgenden Römerroute, die von Xanten nach Detmold führt, der 446 m hohe Barnacken vor uns, der nur durch hartnäckiges und langes Schieben zu bewältigen ist. Die anschließende Abfahrt unter dem kühlen Dach der Bäume führt über eine Schot-

Steile Stufen zu einer schönen Rundumsicht: die bizarren Steilfelsen der Externsteine. terpiste zum „fürstlichen Forsthaus“ Kreuzkrug, das als Tor zur Senne gilt. http://www.roemerroute.de/

Nun geht es zügig bergab über Schlangen entlang der alten Bundesstraße 1 nach Bad Lippspringe. Der Kurpark mit der Lippequelle ist unser Ziel. Klar, dass wir auch das „Heilwasser“ einiger Quellen probieren, es schmeckt zwischen scheußlich und gut, soll aber in jedem Falle der Gesundheit dienlich sein. Deshalb füllen einige die Trinkflaschen damit auf. So erreichen wir ohne Durstzu leiden die katholische Hochburg Paderborn mit ihrem mächtigen romanischen Dom und den Paderquellen, in der Geschichte und Moderne inzwischen eine gelungene Symbiose eingegangen sind. Vorher besuchen wir noch das Landesgartenschaugelände am Schloss Neuhaus, radeln durch die Paderaue mit dem künstlich angelegten See, vorbei am HeinzNixdorf-Forum, einem interessanten Computermuseum, und erreichen über den Grüngürtel das Paderquellgebiet. Ein abendlicher Stadtbummel beweist allen, die Paderborn nicht kannten, dass es sich lohnt, hier auch mal mehr als nur einen Tag zu verbringen.

Das ehemalige Forsthaus Kreuzkrug beherbergt heute eine Restaurantgaststätte mit Biergarten.

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Unser Quartier in einem ordentlich geführten katholischen Weiterbildungsinstitut liegt zentral nahe des die Stadt umgebenden Walls. Gutes Preisleistungsverhältnis.


Reliefsoll die Kreuzabnahme darstellen, es gibt aber auch die Meinung es würde sich um ein Einweihungsbild der Templer handeln.

Seit der New Age-Bewegung und dem Esoterik-Boom trifft sich auch heute wieder eine bunte Mischung aus Esoteriker, Hexen, Druiden, keltischen Glaubensgemeinschaften, aber auch Neofaschisten bei den Externsteinen, um die Sonnenwende zu feiern. Gerade hier wird gefeiert, da die Externsteine angeblich eine germanisch-naturreligiöse Stern-Sonnenwarte und ein Kult-Kraftplatz sein sollen. Germanischen Götter, wie Wotan und Freya werden verehrt. Die Präsenz gerade der nationalsozialistischen Gruppen lässt diese Feier in einem schlechten Licht erscheinen. Darüber, dass der Inhalt neuheidnischer Lehren oft auf völkisch-rassistischen Ideologien der Jahrhundertwende und den Nationalsozialismus zurückgeht, müssen sich auch Anhänger, die kein rechtes Gedankengutverbreiten wollen, bewusst sein. Quelle: www.paranormal.de/erde/extern.html

Vieldeutig: das Kreuzabnahmerelief

Weitere interessante Informationen finden Sie, wenn Sie z.B. in einer Suchmaschine wie www.google.de das Suchwort „Externsteine“ eingeben. Auch zu den anderen in diesem Buch genannten Orten finden Sie leicht über Suchmaschinen weitere Informationen.

Die Externsteine

Dreizehn Sandsteinfelsen ragen teilweise bis zu 40 Meter hoch in den Himmel: die Externsteine. Einige von ihnen können bestiegen werden und belohnen mit einer hervorragenden Aussicht. An den Felsen befinden sich mit dem Kreuzabnahmerelief, der Höhenkammer oder dem Felsengrab verschiedene Spuren menschlicher Bearbeitung. Sie haben zu unterschiedlichen Deutungen über die Externsteine beigetragen. Um die Felsen herum wurde ein attraktives Naturschutzgebietangelegt, daszu erholsamenWanderungen in mythenreicher Landschaft einlädt. Quelle: www.horn-bad-meinberg.de/attraktionen/externsteine.html Nach neuesten Erkenntnissen sollen die Externsteine eine vorchristliche Kultstätte mit einem Alter von mehreren 100.000 Jahren sein. Nachdem sie germanisches Heiligtum waren, wurden sie im Mittelalterzum Wallfahrtsort. Einer Inschrift nach wurde die Grotte im westlichen Felsen Anfang des 12. Jh. als christliche Kapelle vom Bischofvon Paderborn geweiht.

Kunsthistorisch bedeutsam ist die links vom Eingang in den Felsen eingehauen Reliefdarstellung, wobei es sich um Deutschlands ältestes erhaltenes Steinbild handeln soll. Das

Einst christliche Kultstätte − heute markanter Treffpunkt in einerbeliebten Ausflugsregion

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Paderborn hat eine Menge zu bieten, z.B. die prächtigen Fachwerkhäuser an der Pader oder das Adam-und-Eva-Haus (links). Rechts: Auf der Kaiserroute geht es weiter RichtungSauerland.

Bergauf , bergab zum Möhnesee 3. Tag, Montag, 26.8. 83 km: Büren − Rüthen − Belecke − Körbecke Kaiserradweg bis zur Möhnetalsperre Quartier: Koslowski, Meisenstr. 4 in Körbecke, 02924-7350; 20 Euro pro Person Ausstattung: ++++; Preis: ++

Der Morgen beginnt mit einem Anstieg auf die Paderborner Hochfläche. Diesmal folgen wir der Kaiserroute, die Aachen mit Paderborn verbindet, über Wewer, Borchen und Alfen nach Niederntudorf. Das Gelände ist stark wellig und erfordert ordentliche Beinarbeit. Ein paar Kilometer weiter lockt die im 12. Jahrhundert als Höhenburg über der Alme errichtete Wewelsburg zu einer Besichtigung. Die Nazis wollten die Burg einst zum Zentrum eines städtebaulichen Konzeptes machen. Heute verbringen hier Jugendliche Ferien oder Bildungsfreizeiten. Auch das Kreisheimatmuseum des Kreises Paderborn ist hier untergebracht.

In Ahden, einem Dorf des Bürener Landes, lädt ein Bäcker zur Pause mit Kaffee und Kirschkuchen ein. Gut so, eine Kräftigung war auch dringend nötig, denn nach einigen Kilometern entlang des idyllischen Flüsschens Alme und dem Besuch der ehemaligen Kreisstadt Büren mit dem imposanten Schloss steht uns ein weiterer

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Die Wewelsburg im gleichnamigen Bürener Ortsteil ist heute Museum des Landkreises Paderborn undJugendherberge.


Kleine Dörferbegleiten den Radweg durchs waldreiche und bergige Bürener Land. Nier laufen Almeradweg und Kaiser-Route parallel.

heftiger Anstieg bevor. Unterwegs halten wir beim ehemaligen, Mitte des 13. Jahrhunderts gegründeten Zisterzienserinnenkloster Holthausen. Kein Mensch hatte eine Ahnung, dass diese Gegend so viel Kultur zu bieten hat. Ab dem Dorf Siddinghausen geht es hinauf auf den Kamm des Arnsberger Waldes, wo wir erst einmal eineVerschnaufpause benötigen. Doch nun können wir uns auf eine rasante Abfahrt entlang der Möhne vorbei an Rüthen nach Belecke freuen.

Jahren hatte und man heute lieber den ruhesuchenden Urlauber zu Gast hat. Mit dem Touristentrubel verzichten die meisten anscheinend gerne auf ein paar zusätzliche Einnahmen. Der Campingplatz ist allerdings gut besucht, und auch die Wassersportschule Herbst scheint zu florieren. Der Möhnesee mit seinen von vielen weißen Segeln gesetzten Tupfern ist ein Geheimtipp für alle, die Entspannung suchen.

Auf einer wunderbaren Piste radeln wir meist von Bäumen beschattet Richtung Möhnesee, dem zweitgrößten Stausee des Sauerlandes. Über eine der ältesten Steinbrücken Deutschlands erreichen wir das Südufer und wechseln bei Körbecke wieder auf das Nordufer, um zu unserem perfekt eingerichteten Privatquartier zu gelangen.

Der kleine Rundgang am Abend führt uns zunächst zum nach unserem Geschmack reichlich teuren Italiener „Venezia“ in der Ortsmitte, anschließend zu den am Ufer gelegenen Seeterrassen, dessen gesprächiger Wirt Franz-Josef Herbst uns freundlich bedient, obwohl eigentlich schon geschlossen ist. So erfahren wir aus erster Hand, dass der Möhnesee seine große Zeit als Touristenmagnet in den 50er bis 70er

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Das Zisterzienserinnenkloster Holthausen.


aus Holz erbaut hatten. Diese Burg stand bis ins 18. Jahrhundert. Nach dem 2. Weltkrieg wurde dort das Mauritiusgymnasium mit einem Jungeninternat von den Jesuiten eingerichtet. Das Gymnasium ist damit Namensträger des letzten Edelherren Moritz (lateinisch Mauritius) von Büren. In den 70er Jahren übernahm eine Stiftung die Leitung der Schule. Quelle: www.bueren.de

Die Wewelsburg

Wewelsburg, ein Ortsteil von Büren, wird von der gleichnamigen mächtigen Burg überragt. Die Geschichte der Wewelsburg reicht bis in das Jahr 1123 zurück. Das gleichnamige Dorf entstand im 14. Jahrhundert im Schatten der Burg. Im Dritten Reich war die Wewelsburg Kultstätte der SS, in Niederhagen war ein KZ eingerichtet. Heute ist die Wewelsburg das Wahrzeichen des Kreises Paderborn und Standortdes Historischen Museums des Hochstiftes Paderborn.

Baudenkmal Wewelsburg: keine Burg ohne Verlies

Belecke

Büren und Co.

Als „Juwel des Sauerlandes“ bezeichnen die westfälischen Denkmalschützer die Belecker Altstadt. Nach dem verheerenden Stadtbrand von 1805 wurde der vernichtete Teil Beleckes nach Anweisung der damaligen hessischen Regierung mit breiten Straßen angelegt, die sich rechtwinklig kreuzen. Die schmucken Fachwerkhäuser sind einheitlich mit der Querdeele zum Hof und mit der Giebelseite zur Straße hin gebaut worden. Heute steht ein Großteil der schmucken und liebevoll restaurierten Fachwerkbauten unter Denkmalschutz. Schon 938 wurde eine Burg Belecke „Castellum Baduliki“ von drei namhaften Geschichtsschreibern genannt: der Nonne Roswitha von Gandersheim, dem Mönch Widukind von Corvey und dem Erzbischof Adalbert von Magdeburg. Die Gründung der Stadt Belecke mit60 Hausstätten erfolgte in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts auf dem „Propsteiberge“, der zum Besitz des Klosters gehörte. Beim letzten großen Stadtbrand im Jahre 1805 brannten 58 Häuser (2/3 derStadt) ab. Bisweit in das vorige Jahrhundert war Belecke ein Akkerbürgerstädtchen geblieben mit einem geringen Anteil an Handwerk und Handel, obwohl es Mitglied der Hanse war. Mit dem Bau fester Straßen und der Eisenbahnlinien war Belecke zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt geworden. Seit 1975 ist Belecke Ortsteil der StadtWarstein. Quelle: www.belecke.de

Bei Büren, wo Alme und Afte zusammenfließen, beginnt das Sauerland. Die über 800 Jahre alte Stadt mit heute 23.000 Einwohnern ist eine Gründung der Edelherren von Büren, die unweiteines Schnittpunkteswichtiger Handel- und Heerstraßen um 1150 eine Burg errichteten. Dieser Burg lagerten die Edelherren durch Umsiedlung aus dem nahen Umfeld (z.B. aus dem Dorf Büren, erstmals 1015 urkundlich erwähnt) eine städtische Siedlung vor, die mit Zustimmung des Paderborner Bischofs 1195 mit Stadtrechten ausgestattet wurde. Von 1816 bis 1974 war Büren Sitz des gleichnamigen Kreises.

Das Jesuitenkolleg (Foto) steht dort, wo um 1150 die Edelherren von Büren ihre erste Burg

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Natur pur im B端rener Land

und im Sauerland

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Hansestadt Soest

Soest hat 50.000 Einwohner und liegt an der Peripherie des Ruhrgebietes und nahe an den Erholungsgebieten Möhnesee und Sauerland. Die unverwechselbare Turmsilhouette von Soest weist schon von weitem den Weg in eine tausendjährige Stadt mit einem inneren Kern, der von baumbestandenen Wällen umgeben ist. Immer neue Ausblicke aufTürme und Tore der „jungen Stadt in alten Mauern“ und Einblicke in lauschige Gässchen und hinter Grünsandsteinmauern in versteckte Gärten sind von dort bei einem Spaziergang möglich. Zahlreiche historische Soester Gaststätten, die über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind, laden Sie ein zum gemütlichen Verweilen. Schließlich steht hierauch das älteste Gasthaus Westfalens, das Pilgrim-Haus aus dem Jahr 1304. Bekannt ist Soests Herbst-Highlight, die Allerheiligenkirmes, die ihren besonderen Reiz aus der malerischen Altstadtkulisse bezieht und Jahr für Jahr rund eine Million Besucher anlockt. Quelle: www.soest.de

Eine der ältesten Steinbrücken Deutschlands: die Kanzelbrücke im Ortsteil Wamel.

Möhnesee

Die Gemeinde Möhnesee zählt rund 10.700 Einwohner, ist 1969 aus dem Amt Körbecke entstanden, liegt im Süden des Kreises Soest und stellt die Verbindung über den Arnsberger Wald zum Sauerland dar. Die einzelnen Ortsteile wurden nicht nur durch die Zuordnung zum Herzogtum Westfalen und Kurfürstentum Köln geschichtlich miteinander verbunden, sondern später auch zum Kirchspiel und Amt Körbecke zusammengefasst. Fast alle Ortsteile sind ca. 1.000 Jahre alt. Das Gebiet der Gemeinde wird durch den Möhnesee geprägt, der sich von Ost nach West mitten durch die Gemeinde erstreckt. Der Möhnesee wurde 1913 fertiggestellt und ist mitseinen135 Mio. cbm Stauinhalteinerder größten Seen Nordrhein-Westfalens. Derzentrale Ort am See und in der Gemeinde ist Körbecke. Hier stand bis zur kriegsbedingten Zerstörung im Jahre 1945 die größte Steinbrücke Europas. Diese Brücke ist in den 60er Jahren durch eine Fußgängerbrücke ersetzt worden. Die Pfarrkirche in diesem Ortsteil ist zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstanden. Nur der Turm stammt aus der ersten christlichen Zeit. Im Westen liegt der Ortsteil Günne. Hier wird derMöhnesee durch eine gewaltige Sperrmauer, die 40 m hoch und 650 m lang ist, abgeschlossen. Im II. Weltkrieg wurde die Stauanlage zerstört. Sie konnte jedoch noch im Jahre 1943 wieder hergestellt werden. Für alle, die ein paar Tage bleiben, empfiehlt sich die Internetseite www.moehnesee.de/ radfahren.htm. Hier werden fünf Radtouren rund um den See beschrieben. Quelle: www.moehnesee.de

Hamm

Hamm liegt an der Lippe, hat rund 190.000 Einwohner und bildet das Torzum Ruhrgebiet. Die Stadt besitzt zwar keine spektakulären Sehenswürdigkeiten, aber immerhin sind hier mehr als 500 denkmalwürdige Objekte vorhanden. Einer der größten Hindu-Tempel Europas, die Hammer Wassertürme oder die Schlösser im Umland könnten Ziele einer Radtour sein. Sehenswert: das Gustav-Lübcke-Museum mit seinen über hundert Jahre alten Sammlungen und ständigen Ausstellungen „Kunst des 20. Jahrhunderts“ sowie der 1847 eröffnete Bahnhof, heute wichtiger Eisenbahnknotenpunkt.

Das im neobarocken Stil erbaute Bahnhofsgebäude, dessen denkmalgerechte Modernisierung bereits abgeschlossen ist, zählt zu den schönsten des Landes. Quelle: www.hamm.de

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4. Tag, Dienstag, 27.8.

98 km: Soest − Hamm − Drensteinfurt − Albersloh − Münster OT http://www.muenster.de/tourismus/ Haus Niemann, Horstmarer Landweg 126, 48161 Münster (Gievenbeck), Tel. 02 51/ 8 28 28; DZ 70 € = 35 € p.P.; 3er-Zimmer 80 € = 26,70 € p.P. Ausstattung: ++; Preis: +++++

Nach einem ausgezeichneten und reichhaltigen Frühstück in Körbecke fahren wir hinaus in die nebelverhangene Landschaft des Haarstrangs. Dieser Mittelgebirgszug liegt zwischen Möhnesee und der Domstadt Soest, so dass es gleich am frühen Morgen bergauf geht. Um so schneller finden wir uns bald im gut 10 km entfernten Soest wieder. Die kleine Stadtrundfahrt führt durch enge, verwinkelte und oft malerische Gassen mit vielen gut restaurierten, geraniengeschmückten Fachwerkhäusern. Die gotische Wiesenkirche − offiziell heißt sie Maria zur Wiese − erinnert mit ihren zwei Türmen ein bisschen an den Kölner Dom, ist allerdings einige Nummern kleiner. Von der Teichsmühle hat man einen schönen Blickaufden Patrokli-Dom, dessen Spitze immer noch nebelumwabert ist − sehr zum Ärger des Fotografen.

Schmückt das über 400 Jahre alte Haus: Der Wilde Mann in voller Pracht.

Zeit vergehe hier langsamer als andernorts. Verkehrsschilder haben Patina angesetzt. In Welver genießen wir das zweite Frühstück.

Vor Rhynern, das vielen sicherlich durch die Autobahnraststätte an der A 2 ein Begriff ist, verfranzen wir uns im Raum Südtündern ein bisschen, finden aber mit Hilfe freundlicherWestfalen bald wieder den richtigen Weg. Nach der Überquerung derAutobahn erreichen wirgegen Mittag dasverkehrsreiche und laute Hamm. Kein Wegweiser führt uns in die Stadtmitte. Dort angekommen, fragen wir nach den örtlichen SeEines derältesten FachwerkhäuserSoests beherbergt die Gaststätte „Im Wilden Mann“.

Tipp: Auf der Internetseite www.allerheiligenkirmes-soest.de findet man ausführliche Informationen zur größten Kirmes Europas, der im November statfindenden Allerheiligenkirmes, sowie zur „heimlichen Hauptstadt Westfalens“ und ihren Sehenswürdigkeiten.

Am Bahnhofvorbei radeln wir nun ohne die Hilfe wegweisender Radwegeschilder auf kleinen, kaum befahrenen Straßen durch die Soester Börde. Bisweilen bekommt man das Gefühl, die

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Die Teichsmühle − ein Idyll mitten in derStadt.


Nun folgen wir derfür das Münsterland üblichen nahezu perfekten Beschilderung. Wirwollen auf dem schnellsten Weg ins Zentrum, denn am Abend sind noch ein paar Stunden für eine Münster-Rundfahrt vorgesehen. Hinter Rinkerode führt der Weg an einer Eisenbahnlinie entlang. In flotter Fahrt geht es anschließend neben derverkehrsreichen Hammer Straße zum Ludgeriplatz. Letzte Pause am Aasee, wo der Kiosk seine Preise mit der Euroumstellung wie die meisten Gastronomiebetriebe großzügig „angepasst“ hat. Vom Quartier im Ortsteil Gievenbeck fahren wir dann doch per Bus in dieAltstadt, da unaufhörliches Donnern nichts Gutes verheißt. Doch es bleibt trocken. So bummeln wir durch das Studentenviertel und besuchen Münsters "gute Stube", den Prinzipalmarkt mit der steil aufragenden Lambertikirche, an deren Türmen einst in eisernen Käfigen die Widertäufer aufgehängtworden sind.

Alte Verkehrsschilder zwischen Soest und Hamm: In der Börde scheint die Uhren langsamerzu gehen. henswürdigkeiten. „Wenn wir die bloß man hätten“, seufzt die Kellnerin. Immerhin: Der schmucke Bahnhof kann sich durchaus sehen lassen.

Ein gutes Stück verläuft der Radweg genau zwischen Lippe und Datteln-Hamm-Kanal. Bald erreichen wir den Abzweig auf den in Nord-SüdRichtung verlaufenden R 40, der uns - zunächst direkt neben der verkehrsreichen Hauptstraße bis fast nach Münster begleiten wird. Unterwegs bittet ein alter Förderturm um einen Fototermin. Er bekommt seinen Willen. Nach 70 km statten wir in Drensteinfurt der Bäckerei Becker einen Besuch ab. Pflaumenkuchen mit Sahne liefert die Energie für die letzten Kilometer.

Flaches Land, weiter Himmel: Industriedenkmal nördlich von Hamm.

Industrielandschaft: Zwischen Datteln-HammKanal und Lippe verläuft der Radweg, der uns aus Hamm heraus Richtung Drensteinfurt begleitet.

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Einige der einst preisgünstigen Kneipen im Kuhviertel sind inzwischen unstudentisch teuer geworden und zu Touristenattraktionen mutiert. Nichtweitentfernt, finden wir einen Italiener mit dem musikalischen Namen „Rigoletto“, der ein akzeptables Preisleistungsverhältnis bietet. Ein bisschen Schauen lohntalso, man muss nichtjeden Wucherpreis akzeptieren.


Studentenstadt Münster

Rund 60.000 Studenten prägen das Stadtbild Münsters. Viele von ihnen fahren Rad. Die Stadt besitzt daher ein hervorragendes Radwegenetz und am Bahnhof das größte Fahrradparkhaus Deutschlands. Die durch die katholische Kirche geprägte Bischofsstadt liegtzudem mitten in einem Radelparadies: dem Münsterland. Wasserschlösser wie Rüschhaus, Hülshoff, Vischering oder Nordkirchen sind beliebte Radlerziele. Die meistens sehr gut ausgeschilderten Radwege sind häufig naturnahe „Pättkes“ und führen durch idyllische Gegenden.

Beliebtes Fotomotiv: Radlergruppe vor dem münsterschen Schloss.

liegt bundesweit in der Spitzengruppe. Der Baedeker weiß, dass das wirtschaftliche Zentrum des Münsterlandes wegen seinervielen Adelshöfe, Bürgerhäuser und Kirchen als das „niederdeutsche Rom“ bezeichnet wird. Gegründet worden ist das Bistum Münster gegen Ende des 8. Jahrhunderts von Karl dem Großen, im 12. Jh. erhielt Münster Stadtrechte und trat im 13. Jh. der Hanse bei. Während der Reformationswirren regierten in den Jahren 1534 und 1535 die radikal die Einheit von Kirche und Saat ablehnenden Wiedertäufer die Stadt. Zur Strafe wurden sie in noch heute sichtbaren Käfigen am Turm der Lambertikirche aufgehängt. Diese befindet sich am Eingang zum Prinzipalmarkt, der „guten Stube Münsters“, wo auch das Rathaus steht.

MünstersAasee mit Kunstobjekten.

Münster hat rund 260.000 Einwohner und ist geprägt durch die zahlreichen Behörden wie Regierungspräsidium, Oberverwaltungsgericht und viele andere. So istMünster nicht nur eine Studenten-, sondern auch eine Beamtenstadt, was zu ganz unterschiedlichen Einkaufsszenarien in Hinblick auf den Geldbeutel der Kundschaftzählt−von sündhaftteuer auf dem Prinzipalmarkt bis erschwinglich in den Studentenvierteln. Die Gaststättendichte in dieser Stadt

Münsters gute Stube: der Prinzipalmarkt.

Kuhgasse: Studentenkneipen en masse.

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Sehenswert: der Dom St. Paul mit seiner astronomischen Uhr von 1542, der Friedenssaal im Rathaus, in dem 1648 der Westfälische Friede geschlossen wurde. Auf jeden Fall lohnend ist der Erwerb eines Stadtführers und der Aufenthalt für mehrere Tage, denn Münster kann man nicht an einem Tag kennen lernen. Mehr Infos unter www.muenster.de


Stille „Pättkes“ im Münsterland

Solch phantatische Ein- undAusblicke finden sich imMünsterlandhäufig. Pättkes nennt man hierdie kleinen, naturnahnen Wege durch WaldundFeld, aufdenen das Radeln Spaß macht, auch wenn die Unterlage gelegentlich einmal nicht ausAsphalt ist.

Nach einem ziemlich einfallslosen Fühstück mit aufgebackenen Gummibrötchen, zu süßer Marmelade und müllerzeugenden, abgepackten Kleinstportionen machen wir uns auf den Weg zu den Wasserburgen und Schlössern des Münsterlandes. Stationen sind Rüschhaus und Schloss Hülshoff, wo die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff lebte und arbeitete. Auf heimeligen Wegen und verschwiegenen „Pättkes“ radeln wir − wieder auf dem von Ost nach West führenden Westfalenradweg R 1 − bei herrlichem Spätsommerwetter kreuz und quer durch Feld und Wald. Ein Abstecher ins Zentrum von Havixbeck lohnt allein wegen des schmackhaften Kuchens in der Stadtbäckerei.

5. Tag, Mittwoch, 28.8.

82 km : Havixbeck− Darfeld − Coesfeld −Ahaus

Quartier: Eduard Rüsenberg, Schlesienstr. 1, 48683 Ahaus OTWüllen,Tel. (0 25 61) 8 19 33; p. P. im 3er-Zimmer 21 €, im DZ 23 € (DU/WC auf der Etage), 29 € mit Dusche im Zimmer; Ausstattung: +; Preis: +++

Der R 1 ist in den Jahren 1984 bis 1988 (Eröffnung) beschildertworden. Manche Schildersind inzwischen verblasst und kaum mehr oder gar nicht als solche zu erkennen, was die Orientierung bisweilen erschwert oder gar unmöglich macht.

Auffrischung erwünscht: Der Fernradweg R 1 ist oft schwerzu finden.

In Aulendorfverweilen wir−fast30 km derTage-

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100 Schlösser per Rad

Empfehlenswert für alle, die mehrere Tage das Münsterland durchradeln wollen, ist der Radwanderführer „100-Schlösser-Route“ von der Bielefelder Verlagsanstalt (ISBN 3-87073-051-X für 9,95 Euro). Hier sind viele Schlösser beschrieben − einschließlich der teilweise recht unterschiedlichen Besichtigungszeiten.

Wer ein Quartier sucht, rufe die Zentrale Buchnungsnummer 0800 / 9 39 29 19 an.

Oben: Der kleine, aber sympathische Ort Havixbeck liegt am Rande der Baumberge. Aufdem Marktplatz lädt nicht nur die Stadtbäckerei zum Verweilen ein.

Rechts: Haus Havixbeck ist wie viele Schlösser in Privatbesitz und kann daher nur aus der Ferne bewundert werden.

Unten: Die 1889 erbaute Marienkapelle bei Aulendorf ist eine neugotische Saalkirche.

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Noch ein Idyll: Schloss Darfeld gehört zu den schönsten Anlagen im Münsterland. Unten: Kunst aufdem Kirchplatz in Coesfeld.

setappe sind geschafft − kurz bei einer neugotischen Saalkirche, der 1889 aus Sandstein erbauten Marienkapelle. Im gleichen Ort gibt es auch eine Blaudruckerei. Solche Kleinode liegen im Münsterland oft direkt am Wege, so auch das imposante Wasserschloss Darfeld, das leider nicht besichtigt werden kann. Bald knurrt der Magen, doch in Osterwick hat mittags alles geschlossen. „Das ist hier so üblich“, klärt uns ein älterer Herr auf und empfiehlt einen Abstecher nach Coesfeld. Der lohnt sich nicht nur wegen des preiswerten und schmackhaften Mittagsmals beim Italiener „Sole mio“ direkt neben der Kirche am Marktplatz, sondern auch wegen des sehenswerten Stadtkerns. Unterwegs treffen wir in Almsick ein aus Strohrollen kreiertes Brautpaar und kurz vor dem Ziel eine Windmühle.

Gut gestärkt nehmen wir die letzten Kilometer Richtung Ahaus in Angriff, wo wir im Ortsteil Wüllen, das sich mit der Figur „Klein Köln“ als Karnevalshochburg ausweist, ein Quartier gebucht haben. Die dort häufig übernachtenden Monteure scheinen sich allerdings nicht immer die Füße gründlich genug gewaschen zu habe. Ansonsten klingt derAbend nach dem Essen im örtlichen Restaurant auf der Gartenterrasse gemütlich aus.

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dreht. Um die Wirtschaftlichkeit bei geringem Wind zu erhöhen, wurde sie um 1928 von unten her an einen Motor angeschlossen. Nach ihrer Restaurierung istsiewiedervoll funktionstüchtig. Die Stadt Ahaus selbst blickt auf eine über 900jährige Geschichte zurück. Im Schatten des ersten Herrensitzes, dem Haus an der Aa, hatten sich die ersten Bürgerangesiedelt und eine Stadt gegründet. Zahlreiche archäologische Überreste aus der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Vergangenheit wurden im Zuge von Notgrabungen bei Baumaßnahmen in den letzten Jahrzehnten geborgen. Nach ihrer Restaurierung werden sie nun im „torhausmuseum schloss ahaus“ ausgestellt. Darüber hinaus haben sich aber auch viele Zeitzeugnisse aus dem Schloss und dem Schlossgarten erhalten, die in der Ausstellung die fürstbischöfliche Herrschaft, die bis zur Säkularisation im Jahre 1803 währte, dokumentieren. Unterlagen und verschiedene Gegenstände zeugen von der industriellen Vergangenheit der Stadt. Das Leben in Ahaus und die Geschicke seiner Bewohnerzu erläutern istdas Anliegen des „torhausmuseums schloss ahaus“. In wechselnden Ausstellungen tritt die Geschichte des Ortes dem Besucher vor Augen − Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmelzen zu einer Einheit. Quelle: www.ahaus.de

Die Lambertikirche in Coesfeld.

Coesfeld

Am zentralen Platz Coesfelds mit der alles überragenden Lambertikirche befindet sich an der Ostseite das Rathaus. Es wurde 1955 vollendet. Über dem Eingang istdas Stadtwappen, der Ochsenkopf, angebracht. Die Lambertikirche wurde mehrfach umgebaut. Aus der ehemaligen romanischen Kirche hatsich eine gotische Hallenkirche entwickelt. Der städtebaulich wirkungsvolle barocke Turm, erbaut durch Gottfried Laurenz Pictorius (1686-1703), zeigt Einflüsse des holländischen Klassizismus. Hinter dem Hochaltar befindet sich das Coesfelder Kreuz. Das moderne Kunstwerk von Jürgen Goertz trägt den Titel Konferenz der Elemente und bildet den interessanten und sicherlich kontrovers diskutierten Mittelpunkt des Platzes. Quelle: www.coesfeld.de

Ahaus

Am Weg nach Wüllen schaut die Quantwicker Mühle aus einem riesigen Maisfeld. Die imJahre 1835 errichtete Achteckmühle zeigt die bekannte holländische Bauart: Der achteckige Unterbau steht fest. Nur die Kappe einschließlich Achse, dem großen Kammrad und dem Flügelkranzwurde aufeinem Rollkranz und mit Hilfe des Drehwerks jeweils in den Wind ge-

Die QuantwickerMühle in Ahaus-Wüllen.

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Windmühlen und Kanäle

Oft schnurgerade Kanäle durchziehen das Emsland und die Gegend nördlich von Almelo.

und den verbliebenen Fabrikgebäuden kann man die Wucht der Detonation bloß erahnen.

6. Tag, Donnerstag, 29.8.

80 km: Ahaus − Enschede − Denekamp − Nordhorn Quartier: Hotel Nordhorner Hof; Hohenkörbener Weg 9, 48529 Nordhorn, Tel. 0 59 21 / 83 64-0, Fax0 59 21 / 83 64-20; EZ o. DU/WC 25 €, mit DU 29 €; im Dreizimmer 25 €; Ausstattung: +; Preis: +++

Meist auf (unbeschilderten) Radwegen neben wenig befahrenen Straßen radeln wir nun gen Niederlande. Vorbei an Wessum gelangen wir in flotter Fahrt über Alstätte nach Brook und überqueren, ohne es zu merken, die „Staatsgrenze West“. In Holland erwartet uns ein perfekt organisiertes Radwegenetz. Autofahrer lassen uns wie selbstverständlich passieren, die Beschilderung und Wegeführung sind perfekt. Über Wesselerbrink erreichen wir Enschede und legen in der sehenswerten Altstadt eine Kaffeepause ein. Nur für den berühmten Backfisch ist es noch zu früh. Aufdem Marktplatzwird gebaut, im Rotlichtviertel ebenso gebaggert wie auf dem Gelände der hochgegangenen Munitionsfabrik. An den noch stehen gebliebenen zerstörten Wohnhäusern

Oldenzaal lassen wir links liegen und radeln auf

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Ankunft im Radlerparadies Niederlande.


Sehenswert sind das Rijksmuseum, das Naturmuseum und das Jannink-Museum. Weltweit bekannt wurde Enschede jedoch durch eine Katastrophe: Am 13. Mai 2000 explodierte dort eine Feuerwerksfabrik. Dabei wurden 22 Menschen getötet und ein ganzes Wohnviertel dem Erdboden gleichgemacht. Im August 2002 standen noch einige Fabrikgebäude auf dem fast leergeräumten Gelände. Löcher in den Wänden zeugen von derWucht der Detonationen. Bilder davon und schöne Stadtfotos unter www.enschede-stad.nl

Das Rathaus von Enschede.

Enschede

Enschede ist mit etwa 150.000 Einwohnern die größte Stadt im Osten der Niederlande. An allen Ecken wird gebaut. Die Musikstadt ist die Heimatstadt des Orkest van het Oosten und der Nationale Reisopera. Im Musikzentrum ernten Künstler von Weltruf und Amateure gleichermaßen Beifall. Und nichtweitvon hier treten der Kabarettist Herman van Veen oder Het Nationaal Toneel im Twenter Theater auf.

Beschilderung: perfekt. Unten: Kinderstatuen in Denekamp.

Denekamp

Die Stadt gehört zur 2001 gegründeten Gemeinde Dinkelland, die von fast 26.000 Menschen bewohnt wird. Wer das gut ausgebaute Wegenetz bergfrei beradelt, stößt immer wieder auf historisch interessante Orte. Das Landgut Singraven mit seiner prachtvollen Wassermühle oder die Kunststadt des Ostens Ootmarsum mitvielen schönen Fachwerkhäusern und anderen historischen Gebäuden lohnen einen Abstecher.

Deralte Markt in Enschede.

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dem meistens gut ausgeschilderten LF 14 bzw. 14 b zunächst ein Stück neben der Autobahn her und dann über De Lutte und ab Beuningen, wo uns ein Höllenhund begrüßt, auf kleinen Straßen und idyllischen Pfaden entlang der Schlösserroute (Kastelenroute) nach Denekamp (48 km). Die Stadt hat ihren Sonntagsschmuck angelegt und erwartet Festgäste. Das Radwegenetz ist hier ziemlich dicht, so dass man selbst ohne Karte, nur mit dem Kompass ausgestattet, sein Ziel ohne Probleme erreichen dürfte.

Eine stattliche Windmühle erfreut das Auge in Lattrop. Dagegen erleben wir in Breklenkamp eine Enttäuschung: Die ehemalige Jugendherberge Haus Breklenkamp ist heute in Privatbesitz und unzugänglich. So biegen wir ab gen Osten und rollen bald in Nordhorn, unserem Etappenziel, ein. Im wunderschönen Stadtpark lädtein Bier- und Cafégarten zum Verweilen ein. Das teilweise recht altertümliche Hotel Nordhorner Hof ist bald gefunden, und eine Stadtrundfahrt per Fahrrad (!) schließt diesen ereignisreichen Tag ab. Gespeist wird diesmal beim Griechen: im Neu-Athen. 528 km haben wir auf dieser sechstägigen Tour nun zurück gelegt. Und morgen soll es schon wieder nach Hause gehen ...

Solche wohlschmeckenden Pfannekuchen gibt es im holländischen Denekamp.

Die Windmühle von Lattrop bei Denekamp zähltzu den stattlichsten ihrerArt in den Niederlanden.

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wert. Sie sollten es nicht versäumen, sich das kleine Mühlenmuseum einmal näher zu betrachten. Quelle: www.veldhausen.de

Nordhorn

Nordhorn hat 52.000 Einwohner, ist eine selbständige Stadt in Niedersachsen und grenzt direkt an die Niederlande. Als Kreisstadt des Landkreises Grafschaft Bentheim und Mitgliedsgemeinde in der Euregio bildet Nordhorn den wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt des Kreisgebietes und der näheren Region. Erstmals erwähntwurde Nordhorn um dasJahr 1000 als „Northornon“ in den Heberegistern der Werdener Abtei. Graf Bernhard der Erste von Bentheim verlieh Nordhorn 1379 die Stadtrechte. Von einer früheren Blütezeit im 15. Jahrhundert zeugen der Bau der Alten Kirche am Markt, geweiht 1495, heute Wahrzeichen der Stadt, und das Kloster Frenswegen, eine Gründung der Augustinermönche aus dem Jahr 1394. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren Handel, Handwerk und Landwirtschaft die wesentlichenWirtschaftsgrundlagen.Vechte-Schifffahrt und Fuhrwesen bildeten wichtige Erwerbszweige. Ab Nordhorn wurde der Bentheimer Sandstein verschifft, der zum Bau des königlichen Palais in Amsterdam und vieler Kirchen verwandt wurde. 1839 entstand die erste mechanischeWeberei. Nordhorn entwickelte sich zu einem bedeutenden Standort der Textilindustrie und verdankte ihrauch den wirtschaftlichen Aufschwung. Nach dem Rückgang der Textilindustrie sind vor allem die mittelständischen Unternehmen aus den unterschiedlichsten Produktions- und Dienstleistungsbereichen für Nordhorn von Bedeutung. Lohnenswert sind Kanutouren auf der Vechte. Oder das Angebot Boot und Bahn - Wasser und Torf hautnah erleben. Zu einigen Terminen kann man mit Eisenbahn-Pendelfahrten von Nordhorn nach Neuenhaus gelangen. Quelle: www.nordhorn.de

Georgsdorf

Öl und Torf sind in diesem Ort zuhause. 1942 wurde im Osterwalder Bruch der erste Bohrturm errichtet, denn das Reich benötigte Treibstoff. 1943 wurde mit der Bohrung Georgsdorf 1 eine Erdöl-Lagerstätte im Bentheimer Sandstein entdeckt, die sich als eine der größten in Deutschland erweisen sollte. Noch im Jahre 2002 wird hier intensiv Öl gefördert. Bedingt durch die Thermalaktivitäten und die noch in der Lagerstätte vorhandenen Erdölreserven hat das Erdölfeld Georgsdorf noch eine lange Lebensdauer bis weit in das nächste Jahrhundert hinein zu erwarten. DerTorfabbau istdas zweite Standbein derGemeinde Georgsdorf, das riesige Torfwerk Brill kaum zu übersehen. Heute liefert Brill Torferden in ganz Europa aus. Gegründetwurde das Werk 1920 von den Textilkaufleuten August und Arnold Brill, die vom nahen Marktflecken Neuenhaus aus mit einem Brenntorfhandel begonnen hatten. 1922 folgte die Errichtung einer kleinen Ballenfabrikationsanlage in Georgsdorf am Kanal zur Verwertung des beim Brenntorfabbau anfallenden Weißtorfes. Die Geschäfte des Unternehmens wurden von Neuenhaus aus geführt. Für die fast täglichen Fahrten zwischen Neuenhaus und dem Werk in Georgsdorf stand in den ersten Jahren (als erstes Betriebsfahrzeug des Unternehmens) ein Herrenfahrrad zur Verfügung. Wollten August und Arnold Brill gemeinsam nach Georgsdorf fahren, so mussten sie auch gemeinsam dieses Fahrrad benutzen, indem einer von ihnen abwechselnd getreten hat, während sich der andere − auf der Querstange sitzend − bis zu seinem nächsten „Einsatz“ ausruhen konnte. Unübersehbar ist in dieser Gegend ein dichtes Netz von Kanälen, die das Bourtanger Hochmoor durchziehen. Jahrzehnte haben die Gewässer als Schiffahrtswege und Vorfluter gedient. Am längsten istderSüd-Nord-Kanal vom Ems-Vechte-Kanal bis zum Haren-RütenbrockKanal mit 45,6 km. Fast 22 km misst der Ems-Vechte-Kanal, der von der Ems bis zurVechte oberhalb der Stadt Nordhorn und bis zurVechte bei Bookholt unterhalb Nordhorns reicht. Weitere lesenswerte und ausführliche Darstellungen finden sich im Internet unter www.georgsdorf.de.vu/

Windmühle Veldhausen

Die Windmühle Veldhausen, Typ: Gallerieholländer aus Sandsteinquadern, wurde 1789 erbaut. Die Mühle wurde in den Jahren 1986/1987 vollständig renoviert und mit einem voll funktionstüchtigen Mahlwerk versehen. Bei Mahlwind wird von den Hobbymüllern an jedem Sonnabend Korn gemahlen. Öffnungszeiten: April bis September jeweils sonnabends von 14.30 bis 16.30 Uhr Kontaktadresse: Karl Kramer Tel. 05941/8136 Neben der Mühle finden Sie das Müllerhaus und die Hacht. Neben dem Müllerhaus und der Hacht sind auch die Wassermühle Lage und die Windmühle Georgsdorf einen Besuch

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Schwarzes und braunes Gold

Erdöl, das schwarze Gold wird seit 1943 in Georgsdorfgefördert. Noch heute „nicken“ überall die Pumpen. Und das soll auch noch eine geraume Zeit so bleiben auf Deutschlands ertragreichstem Ölfeld.

7. Tag, Freitag, 30.8.

90 km: Neuenhaus − Georgsdorf − Meppen − Lingen

Der letzte Tagwar nichtvorgeplant. Da dasWetter uns wieder mit reichlich Sonnenschein verwöhnt, beschließen wir die „lange Variante“. So lernen wir auf der Fahrt über Neuenhaus und Veldhausen mit seiner imposanten HolländerMühle viele gut beschattete Radwege entlang von meist schnurgerade das Land durchschneidenden Kanälen kennen und folgen mitden Augen den Bewegungen der dort noch zahlreich vorhandenen nickenden Ölpumpen.

Der Rückenwind treibt uns flottvoran. Mais und Rindviecher im Wechsel sorgen für „Abwechslung“. Vor Georgsdorf sehen wir uns ein stattliches Torfwerk näher an. Ein großer Haufen alter Schienen und stillgelegter Miniloks Baujahr 1962 hat schon lange nicht mehr das Moor aus der Nähe gesehen. Riesige LKWs mit Containern, viele mit niederländischem Kennzeichen, transportieren das braune Gold ab, aus dem früher sogar, wie ein „Muster“ am Wegesrand beweist, ganze Häuser gebaut worden sind.

Eine große Heidefläche links der stramm gen Norden führenden Straße, kurz hinter Twist, steht noch in voller Blüte. Ein paar Kilometer weiter biegen wir rechts ab und radeln durchs Provinzialmoor nach 53 km in Meppens Zentrum hinein. Häufig sind in dieser Gegend und zu dieserJahreszeit Geruchsempfindliche zu bedauern, denn allüberall ziehen die Güllewagen ihre Kreise. Meppen: Die Stadt ist vollgestopft mit Imbiss- und Kirmesbuden. Endlich die Gelegenheit zum Backfischessen!

Ausgemusterte Torfloks in Georgsdorf.

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Ab jetzt herrscht Gegenwind. Wir fahren Richtung Süd den Emsradweg. Die Ems bekommen wir allerdings kaum zu sehen. Stattdessen einen


Reliefzu sehen, welches das Urteil König Salomos darstellt, wohl um die Richterzu mahnen, gleiche Weisheitwie Salomo walten zu lassen. Auch darüber hinaus finden sich am Rathaus verschiedene Details, die Hinweise zur Geschichte derStadtgeben. So erinnert beispielsweise die Kogge auf derTurmspitze an die Zugehörigkeit zur Hanse und eine Marke unter den Arkaden an den Wasserstand während des Hochwassers im Februar 1946. Quelle: www.meppen.de

Lingen

Als Stadt im Grünen ist Lingen, 56.200 Einwohner, ein reizvolles Urlaubsziel für Naturliebhaber. Radfahrern dürfte die idyllische Emslandschaft in direkter Stadtumgebung gefallen. Auch Wassersportler kommen an Ems, Kanal und Seen auf ihre Kosten. Das historische Rathaus am Marktplatz nimmt städtebaulich eine dominierende Stellung ein. Es dokumentiert das städtische Selbstbewusstsein vergangener Jahrhunderte. Das Rathaus wurde 1555 am alten Platz neu errichtet und 1663 umgebaut. An Stelle der heutigen Freitreppe befand sich ursprünglich eine offene Gerichtslaube. Im Giebelfeld ist das Lingener Stadtwappen mit den drei Türmen zu sehen. Aus dem Glockenturm erklingt ein von den Kivelingen gestiftetes Glockenspiel. 2001 konnten umfangreiche Umbau- und Sanierungsarbeiten abgeschlossen werden. Seitdem bietet das Lingener Wahrzeichen feierlichen Anlässen den angemessenen Rahmen. Die LingenerAltstadt hatviele historische Spuren aus den letzten vier Jahrhunderten bewahrt. Die ältesten erhaltenen Bauten wurden nach dem Stadtbrand von 1548 neu errichtet. Zumeist waren es kleine giebelständige Fachwerkhäuser. Später entstanden unter holländischem Einfluss auch interessante Backsteinbauten, die noch heute das Lingener Stadtbild mitbestimmen. Quelle: www.lingen.de

Rathaus Meppen beim Stadtfest.

Meppen

Abseits der Hektik der Großstädte, am westlichen Rand Niedersachsens, nur knapp 20 Kilometer von der niederländischen Grenze entfernt, liegt die alte Festungsstadt Meppen, deren geschichtliche Wurzeln mehr als 1200 Jahre zurückreichen. Seit 1977 istMeppen, 35.000 Einwohner, Kreisstadt des Landkreises Emsland, des zweitgrößten in Deutschland. Die landschaftlich reizvolle Lage am Zusammenfluss von Ems und Hase bietet einen hohen Wohn- und Freizeitwert fürJung und Alt.

Sehenswert ist die Gymnasialkirche, die Krönung des Jesuitenkollegs. Die einschiffige Kirche mit polygonalem Chor und Dachreiter mit abgetreppter Haube wurde 1743 bis 46 gebaut. Im Innern zeigt die Kirche mit ihrer feingliedrigen Stuckdecke ein in Norddeutschland einzigartiges Beispiel einer formal und farbig völlig intakten zeitgenössischen Ausstattung. Die Altäre, vor allem die Seitenaltäre, werden aufAnregung und Entwürfe von Johann Konrad Schlaun zurückgeführt.

Wahrzeichen der Stadt ist das Historische Rathaus, dessen Untergeschoss aus mächtigen Findlingen aus dem Jahr 1408 stammt. 1605 wurde der Bau um zwei weitere Stockwerke erhöht. Um eine größere Grundfläche für das zweite Geschoss zu erhalten, wurde diesesvorgezogen und aufvier Säulen gesetzt, die durch Rundbogen miteinander verbunden sind, so dass eine offene Laube entstand. Über dem mittleren Bogen dieser Gerichtslaube ist ein

Die Radtour endet am Bahnhofin Lingen.

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hoch gelegenen Stausee bei Geeste. Zwar gibt es dort ebenfalls einen Radweg R 1, doch hat dieser mit dem bereits merfach befahrenen Westfalenradweg nichts zu tun. Man hat auf dem Weg nach Lingen die Wahl zwischen dem Emslandradweg, den wirwählten, und dem kürzeren und flussnäheren Hase-Ems-Radweg. Sei's drum.

Daten zur Tour

Gesamtdistanz ca. 618 km

Fahrtkosten je Person: 9,20 Euro − Hinfahrt pro Person 2 Euro mit Regioticket Hannover, Rückfahrt pro Person 7,20 Euro (mit Niedersachsenticket plus Fahrradkarte).

Lingen Zentrum ist an diesem Freitag voller Menschen, doch im Café Lobenberg am Marktplatz sind noch reichlich Tische frei. Der Kirschkuchen mundet vorzüglich. Nun gilt es noch, sich für die dreistündige Zugfahrt über Rheine nach Lehrte mit genügend Proviant einzudekken.

Verwendete Fahrradkarten

ADFC-Karten 1:150.000: Nr. 9 (Emsland/Münsterland), 10 (Teutoburger Wald), 15 (Sauerland/Siegerland) aus dem Kartensatz von Aldi (Stand: 1996, neuere Karten sind empfehlenswert), Komplettsatz nur zeitweise im Angebot DL bei Aldi für zuletzt 9,95 €

Ein unvergesslicher Kurzurlaub, der uns durch die unterschiedlichsten Landschaften geführt hat, geht zuende. 618 km Deutschland: Stadt, Land, Fluss in kompakter Form und die unterschiedlichsten Menschenschläge − vom schlagfertigen und redseligen Westfalen bis zum zugeknöpften Emsländer − haben wir erlebt. Radfahren in Deutschland birgt immer neue Überraschungen.

Radwanderkarte R 1: Hg. Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit dem Kreis Höxter; 1:50.000; Bezug überVerkehrsämter der am Wege liegenden Städte, z.B. Höxter (www.kreis-hoexter.de) 7,57 €

100-Schlösser-Route: 1:75.000, Bielefelder Verlagsanstalt, ISBN 3-87073-051-X, 9,95 €

Radeln SIE doch auch mal los durch unsere schöne Heimat!

Beeindruckendes Gesamtbild: der LingenerMarktplatz mit dem Rathaus.

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Profile for Dieter Hurcks

Westfalenradweg R 1 von Höxter nach Enschede  

Beschreibung einer Radtour von der Weser durch Westfalen und das Münsterland bis nach Holland

Westfalenradweg R 1 von Höxter nach Enschede  

Beschreibung einer Radtour von der Weser durch Westfalen und das Münsterland bis nach Holland

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