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INTERVIEW

EnerKíte – Flugwindkraftanlagen Im Interview mit Alexander Bormann Geschäftsführer EnerKite

Wie ist die Idee zu Enerkite entstanden? Energie hat mich schon als Kind fasziniert. Damals wünschte ich, Kernenergie könnte die Sorgen der Menschheit ein für allemal lösen. Mein Mentor und Doktorvater an der TU Berlin ist bereits in den 1980ern von der Kernenergie zu Windkraftanlagen konvertiert. Mich störte als junger Ingenieur, dass das, was gut für Mensch und Umwelt sein soll, doch relativ teuer und ressourcenfressend ist, subventioniert werden muss und nicht besonders schön aussieht. Auf der Suche nach der wohl günstigsten Art Strom zu produzieren kam sehr schnell die Idee, in große Höhen vorzudringen. Zuerst verfolgte ich Konzepte mit Luftschifftechnik, die sich jedoch als kostspielig, wartungsintensiv und schwer beherrschbar herausstellten. Als einer der ersten Kiter mit seinem Board über eine alte Landebahn in der Lausitz segelte, war die Idee geboren. Die Kräfte, die er mit einem kleinen Segel vom Himmel holte, waren nicht nur stark, sondern einfach zum Boden zu holen. Ich recherchierte kurz und stieß dabei auf ein Patent aus

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Anders als bei klassischen Windenergieanlagen wird der Strom am Boden erzeugt. den 1980er Jahren. Die Idee war also nicht ganz neu. Auf einer A4-Seite konnte ich die Möglichkeiten rechnerisch überschlagen und kam zu dem Schluss, dass allein die Kitefläche einer Seite Papier ausreichte, um den Strombedarf eines Menschen zu decken. Bei einem der erfahrensten Kite-Konstrukteure, Christian Gebhardt, stieß ich auf Skepsis. Er konnte sich das Ganze kaum vorstellen. Wie soll das mit der Steuerung funktionieren? Hier setzte dann unser erstes Projekt an. Ein führendes Industrieunternehmen erklärte sich bereit, die Entwicklung des ersten autonomen Drachensystems für Werbezwecke zu sponsern. Nach dem diese

Hürde mit einem Expertenteam – den späteren Gründern der EnerKíte – 2008 im Ansatz gemeistert war, ging es um die Frage der technischen Umsetzung für die Stromerzeugung. Hunderte von Ideen und Möglichkeiten wurden hinsichtlich der Praktikabilität und minimaler Stromgenstehungskosten geprüft und abgewogen. So entstand schließlich das heutige Konzept, welches nun technologisch gereift und erprobt ist und die wohl günstigste Art der Stromerzeugung darstellt. Können Sie uns kurz erklären, wie Enerkite genau funktioniert? EnerKites arbeiten in zwei Phasen. In der Arbeitsphase fliegt der Flügel bei maximaler Seilkraft quer zum Wind. Das Seil wird herausgelassen und treibt eine Generatorwinde an. Der Strom geht zum Verbraucher und ein Teil in die Pufferbatterie. In der Rückhohlphase gleitet der Flügel schnellstmöglich zum Ausgangspunkt zurück. Die Verbraucher werden aus der Batterie gespeist. Anders als bei klassischen Win-

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