Issuu on Google+

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lieber David Statnik, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, Liebe FUEV-Mitglieder, liebe Fußball-Fans. Von den Karatschei im Osten – bis zu den Nordfriesen im Westen und von den Südtirolern bis zu den Dänen reicht die Palette der Mannschaften, die in den kommenden Tagen an der zweiten Europeada-Meisterschaft in der Lausitz teilnehmen. Die Idee für ein Fußballturnier der Minderheiten ist auch hier – in der Lausitz – entstanden. Nämlich 2006 während unseres erfolgreichen FUEV-Kongresses in Bautzen / Budysin. Die FUEV vertritt mittlerweile 94 Minderheitenorganisationen in über 30 europäischen Ländern und ist somit der größte Dachverband der autochthonen Minderheiten in Europa. Die erste Europeada fand 2008 sehr erfolgreich bei unseren Räteromanischen Freunden in der Schweiz statt. Das Turnier war ein großer Erfolg. Doch ohne übertreiben zu wollen, kann ich bereits jetzt sagen, dass wir bei der zweiten Europeada – organisatorisch, spielerisch und mit Blick auf die Außenwirkung einen großen Schritt weiter sind. Dank gilt hier vor allem auch dem Veranstalter vor Ort, der Domowina. Der Domowina möchte ich von dieser Stelle aus von all unseren 94 Minderheiten und dem FUEV-Präsidium recht herzlich zum 100-jährigen Jubiläum gratulieren. Die Domowina ist eine der wichtigsten Stützen unserer Organisation! Als Präsident der FUEV möchte ich mich auch noch ausdrücklich bei Ihnen, Herr Tillich, bedanken. Durch ihre Unterstützung wurde bereits 2006 Sachsen nach Schleswig-Holstein der zweite Förderer der FUEV aus Deutschland. Wir arbeiten seit 2006 gut und eng mit ihnen zusammen – dafür ein herzliches Dankeschön. Sachsen und Schleswig-Holstein verbindet mehr, als so mancher Beobachter denkt. In beiden Bundesländer spielen die nationalen Minderheiten eine wichtige Rolle. In Kiel – sie haben es vielleicht mitbekommen - sogar mit einer dänischen Minderheitenpartei in der Regierung. Beide Bundesländer – Sachsen und SchleswigHolstein - haben sich vorgenommen, die Minderheiten und die Sprachenvielfalt ihres Landes stärker zu nutzen und zu fördern. In Sachsen spricht man Sorbisch und Deutsch. In Schleswig-Holstein Friesisch, Dänisch, Romanes und Deutsch. Wir werden als FUEV natürlich ein wachsames Auge darauf haben, ob die in Kiel und Dresden verkündeten Pläne zur Sichtbarmachung und Förderung dieser Vielfalt auch umgesetzt werden. Als Anwalt unserer Minderheiten werden wir uns auch ein kritisch Wort erlauben, wenn wir mit einer Politik nicht zufrieden sind – wie zum Beispiel kürzlich bei den Sorben in Brandenburg, deren Förderung reduziert werden sollte. Hier sind wir froh, dass scheinbar eine verträgliche Lösung gefunden wurde. 19 Minderheiten sind in der Lausitz am Start. Der Sport muss und wird hier im Mittelpunkt stehen – und das ist auch gut so. Doch die FUEV ist eine politische 1


Interessenorganisation und wir werden diese Veranstaltung nutzen, um darauf aufmerksam zu machen, dass in Europa vieles im Argen liegt – was die Minderheiten anbelangt. Das reicht von der katastrophalen und unwürdigen Situation der rund 12 Millionen Roma in Europa, über die skandalöse Nichtanerkennung der türkischen Minderheit in Griechenland (beide Minderheiten sind mit Mannschaften hier vertreten) bis hin zur Allgemeinen Frage, was Europa mit seinen Minderheiten eigentlich will? Man sagt, dass jeder 7. Europäer einer Minderheit angehört und das dies rund 100 Millionen Menschen ausmacht. Über 90 Sprachen werden gesprochen. In Sonntagsreden wird diese Vielfalt gelobt – doch in der Realität sieht das - lassen sie mir hier ganz offen sein - anders aus. Die Förderung der Minderheiten in Europa ist bei weitem nicht ausreichend – es gibt keinen Plan, keine Strategie, wie diese Vielfalt der Minderheiten und Sprachen im 21. Jahrhundert gesichert werden soll. Viele Sprachen, so auch das Sorbische, sind akut bedroht. Ich brauche manchmal das etwas polemische Beispiel – dass wenn wir Minderheiten Tierarten wären, es bereits zahlreiche Rettungsaktionen geben würde. Aber wir haben manchmal das Gefühl, auf ziemlich einsamen Posten für unser weiteres Bestehen kämpfen zu müssen. Auch Deutschland nehme ich hier nicht aus – mit der deutschen Minderheit aus Russland, Ungarn und Polen gehen drei der über 20 deutschen Minderheiten in Europa bei diesem Turnier auf den Platz. Hier muss sich die Bundesrepublik Deutschland auch die Frage gefallen lassen, wie man diese vielen deutschen Minderheiten in den kommenden Jahren zu unterstützen gedenkt. Bislang wird von Jahr zu Jahr gekürzt, ohne eine wirkliche Perspektive zu bieten. Doch wir sind nicht her gekommen, nur um zu klagen – wir zeigen mit diesem Turnier deutlich, dass die Minderheiten in Europa mehr sind als Bittsteller und potentielle Störfaktoren. Wir gehören dazu, wollen wahrgenommen werden und mitspielen – nicht nur im Sport auch politisch. Ich wünsche uns allen viel Spaß und viele schöne Spiele und vielleicht auch ein wenig Aufmerksamkeit für die Probleme aber auch das Potential das in den rund 100 Millionen Minderheitenangehörigen in Europa steckt. Danke.

2


Rede - Hans Heinrich Hansen - Eröffnung - Europeada