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cassverlag Fr端hjahr 2015


cassverlag


cass | Frühjahr 2015

Preisgekrönte Belletristik, Krimibestseller, Neuentdeckungen cass widmet sich seit 15 Jahren der Vermittlung herausragender japanischer Belletristik und Kriminalliteratur. Zu unseren Autoren gehören Choukitsu Kurumatani, Kazuki Kaneshiro und Arimasa Osawa – in Japan große, preisgekrönte Namen, im Deutschen Neuentdeckungen. Mit anderen jungen, im deutschen Sprachraum, zum Teil europaweit noch unbekannten Stimmen (Nanae Aoyama, Ko Machida) wird cass diese Linie fortsetzen. Das literarische Programm vervollständigen moderne Klassiker wie Morio Kita und Osamu Dazai, dessen Gezeichnet in Japan zu den meistgelesenen Werken des 20. Jahrhunderts gehört, daneben Takiji Kobayashis berühmtes Fabrikschiff – der Klassiker der japanischen Arbeiterliteratur. Der Verlag legt Wert auf erstklassige Übersetzung und schöne Ausstattung. Festeinbände brauchen und haben ein Leseband, die Umschläge zieren originäre Holzschnitte und Zeichnungen deutscher und japanischer Künstler. Sorgfalt in Ausstattung und Lektorat gilt auch für die historischen Japanbeschreibungen, den zweiten Schwerpunkt des Programms, und die moderne koreanische Literatur, der sich der Verlag mit dem Erzählband Lauf, Vater, lauf (Ae-ran Kim) im letzten Jahr geöffnet hat.

Leseproben aller Titel und weiterführende Informationen finden Sie unter www.cass-verlag.de


Auszug Ich habe ein schändliches Leben geführt. Was menschlich leben heißt, weiß ich nicht. Ich bin im Nordosten geboren, auf dem Lande, und eine Eisenbahn habe ich zum erstenmal gesehen, als ich schon ziemlich groß war. Ich stieg die Überführung an der Station hinauf und wieder hinunter, ohne dass mir dabei in den Sinn gekommen wäre, dass es sich um eine Konstruktion handelt, die zum Überqueren der Gleise dient, glaubte, dies sei bloß eine Einrichtung, den Bahnhof komplex und vergnüglich, ihn modisch erscheinen zu lassen wie einen ausländischen Spielplatz. Und das glaubte ich ziemlich lange. Die Überführung hinauf- und hinunterzusteigen hielt ich für ein recht weltmännisches Spiel, die geschmackvollste aller Dienstleistungen, die die Eisenbahn bot, so dass ich, als ich später entdeckte, dass es sich nur um eine sehr praktische Treppe handelt, die den Fahrgästen ermöglicht, die Gleise zu überqueren, auf der Stelle jedes Interesse daran verlor. Als Kind glaubte ich auch, dass Untergrundbahnen, wie ich sie in einem Bilderbuch gesehen hatte, nicht aus einer praktischen Notwendigkeit heraus erfunden worden waren, sondern dass es ein lustiges Vergnügen sei und abwechslungsreich, einmal mit Wagen nicht auf, sondern unter der Erde zu fahren. Ich war von Kindesbeinen an kränklich und musste oft das Bett hüten, wo mir das Laken und der Bezug von Kopfkissen und Decke als höchst langweiliger Zierat erschienen; dass es sich dabei um durchaus nützliche Dinge handelt, ging mir erst auf, als ich fast zwanzig war, und ich war enttäuscht und traurig ob der Nüchternheit der Menschen. Auch Hunger habe ich nie gekannt. Damit meine ich nicht, dass ich in einer Familie aufwuchs, die keine materiellen Sorgen hatte, nichts so Einfältiges, nein: Ich hatte einfach keine Ahnung, was für ein Gefühl das ist, »Hunger«. Es mag komisch klingen, aber ich merkte nichts, auch wenn ich nichts im Bauch hatte. Wenn ich aus der Schule kam, aus der Grundschule, aus der Mittelschule, ging’s zu Hause los: Na, du hast bestimmt Hunger, wir kennen das, wenn man aus der Schule kommt, hat man mächtigen Hunger, wie wär’s mit kandierten Bohnen? Oder Sandkuchen? Brot haben wir auch. Mit dem kriecherischen Geist, der mir eigen ist, murmelte ich dann, Mensch, hab ich Hunger, und schob mir eine Handvoll Bohnen in den Mund,

obwohl ich nicht die geringste Ahnung hatte, was das sein könnte: Hunger. Natürlich esse auch ich alles mögliche, kann mich aber kaum erinnern, jemals gegessen zu haben, weil ich Hunger gehabt hätte. Ich esse das, was als ausgefallen gilt. Ich esse das, was als luxuriös gilt. Ich esse meistens auch das – selbst wenn ich mich überwinden muss – was mir an fremden Tischen vorgesetzt wird. Das Schlimmste in meiner Kindheit waren mithin die Mahlzeiten daheim. In unserer über zehnköpfigen Familie auf dem Land wurden die Esstischchen, jeder hatte sein eigenes, in zwei Reihen einander gegenüber aufgestellt, wobei mir als Kleinstem natürlich ein Platz ganz am Ende der Reihe zukam; das Esszimmer war düster, und wenn wir zehn oder zwölf beim Mittagessen beispielsweise dahockten und jeder stumm für sich sein Essen aß, überlief mich jedesmal eine Gänsehaut. Da wir eine bodenständige Landfamilie waren, stets also mehr oder weniger das Gleiche aufgetragen wurde und ausgefallene oder luxuriöse Gerichte nicht zu erwarten waren, bekam ich am Ende regelrecht Angst vor den Mahlzeiten. Warum, dachte ich manchmal sogar, auf meinem Platz am Ende der Reihe in dem düsteren Zimmer, gleichsam vor Kälte zitternd, einen winzigen Bissen zum Munde führend, schluckend, warum müssen denn die Menschen dreimal täglich essen, dreimal, und alle mit so feierlicher Miene, warum muss die Familie sich dreimal, dreimal täglich zu festgesetzten Zeiten in dem düsteren Zimmer versammeln, die Tischchen korrekt ausrichten und, Hunger oder nicht, schweigend ihr Essen kauen, gesenkten Blickes, vielleicht ist es eine Art Ritual, um die Geister der Toten zu besänftigen, die im Hause spuken. Wer nicht isst, stirbt! Der Satz klang mir stets als bloß widerwärtige Drohung in den Ohren. Gleichwohl versetzte mich sein Aberglaube (den ich noch heute irgendwie für Aberglauben zu halten nicht umhin kann) immer in Angst und Schrecken. Der Mensch stirbt, wenn er nicht isst, deshalb – denn essen muss er – arbeitet er: Worte, die dunkler, die enigmatischer und von gleicher Bedrohlichkeit gewesen wären, gab es für mich nicht. Und anscheinend weiß ich, um es kurz zu machen, immer noch nicht, was es heißt, sich als Mensch zu gerieren.


cass | Roman

Osamu Dazai

Gezeichnet Aus dem Japanischen von Jürgen Stalph

Zum Buch Ein Schriftsteller entschließt sich, drei Notizhefte, die ihm zugespielt worden sind, zu veröffentlichen. Es sind die hinterlassenen Aufzeichnungen eines genialen jungen Mannes, eines Comiczeichners, der schonungslos von seinem verpfuschten Leben berichtet: Frauen, Trunksucht, Drogen, Irrsinn – tatsächlich in vielem das Leben des Autors Osamu Dazai. Die packenden Skizzen einer conditio inhumana haben seit Erscheinen des Buches 1948 Generationen japanischer Leser fasziniert. Dazai selbst ist ein Idol.

S Eines der meistgelesenen japanischen Bücher des zwanzigsten Jahrhunderts.

Osamu Dazai

Gezeichnet Roman 155 Seiten / Klappenbroschur Format 14 x 21 cm ISBN 978­3­944751­03­0 Euro 12,95

Neu­ erschei nung

Erscheint im März 2015

Auch als E-Book erhältlich

Osamu Dazai (1909–1948) zählt zu den bedeutendsten japanischen Schriftstellern. Gezeichnet (Originaltitel Ningen shikkaku; wörtlich »Als Mensch disqualifiziert«) ist sein Hauptwerk. Im Juni 1948, noch vor Erscheinen des Buches, setzte Dazai gemeinsam mit einer Geliebten seinem Leben ein Ende.


cass | Roman

Yi­seol Kim

Willkommen Aus dem Koreanischen von Ki­Hyang Lee

Yi­seol Kim

Willkommen Roman ca. 176 Seiten / geb. mit Leseband Format 14 x 22 cm ISBN 978­3­944751­04­7 Euro 17,80

Zum Buch Die vom sozialen Elend ihrer Familie schwer gebeutelte Yun-yeong wähnt den Traum von bescheidenen, aber gesicherten Verhältnissen schon ganz nah, als sie einen jungen Mann heiratet, der einmal Beamter werden will. Yun-yeong wird bald darauf schwanger und muss sich, da ihr Mann erst noch die Beamtenprüfung abzulegen hat, nach der Geburt ihrer Tochter eine Arbeit suchen, um die Familie über Wasser zu halten. Bald findet sie sich als Bedienung in einem ländlichen Restaurant wieder, dessen Besitzer seinen Gästen in einem Nebengebäude »private Räume« zur Verfügung stellt. Yun-yeong beißt die Zähne zusammen und will als kärglich entlohnte Kellnerin durchhalten, bis ihr Mann soweit ist. Doch der kommt mit seinen Studien nicht voran, so dass das Provisorium die einzige dürftige Einnahmequelle der Familie bleibt. Als ihre in Not geratene Schwester dringend um einen größeren Geldbetrag bittet, beschließt Yun-yeong, es wie andere zu machen, die in Wangs Restaurant bedienen: Sie übernimmt auch Dienst in den »privaten Räumen« …

Erscheint im März 2015

Yi-seol Kim wurde 1975 in Yesan in Südkorea geboren. Ihr schriftstellerisches Debüt gab sie 2006 mit der Kurzgeschichte »13 Jahre alt«, die in einer Seouler Zeitung erschien. Es folgten weitere Veröffentlichungen und Auszeichnungen renommierter Stiftungen, darunter 2012 der Hwang Sun­Won Preis für Willkommen. Kims Geschichten kreisen um die dunklen Seiten der Gesellschaft und deren Bodensatz: Gescheiterte Menschen. Dabei bedient sie sich einer unaufgeregten, aber schonungslos realitätsnahen Sprache.


Neu­ erschei nung

Auszug Herr Wang, mein Chef, vergrub seine Nase zwischen meinen Schenkeln und schnüffelte. Draußen krachte in einem fort Schnee von den Bäumen. Wie eine dicke Decke hatte sich der Dauerschnee über die Landschaft gelegt. Der Frühling stand schon vor der Tür, aber nach diesem erneuten Kälteeinbruch wollte es einfach nicht warm werden. Deshalb waren heute auch kaum Gäste da gewesen. Die zwei älteren Mitarbeiterinnen hatte der Chef schon eher nach Hause geschickt, und nun wälzte er sich seit dem frühen Abend auf mir herum. Es hatte nicht den Anschein, als wollte er in nächster Zeit nach Hause gehen. Es roch nach reifem Kimchi, das Serviertischchen vom Abendessen stand noch vor der Tür. Plötzlich hörte man draußen ein Motorrad. »Papa, komm mal kurz raus!« Es war Tae-min. »Dieser Nichtsnutz von einem Sohn weiß doch ganz genau, dass ich mich gerade mit einer Frau vergnüge!« Nackt, wie er war, schlüpfte der Chef in die Hose und stürzte aus dem Zimmer. Durch den Spalt der offenen Tür sah ich Tae-min; unsere Blicke trafen sich. Auch ich war nackt, kein Stückchen Stoff bedeckte meine Haut. Die Tür knallte zu. War es windig draußen? Ich suchte nach meinem zerknüllten Slip und zog ihn an. Vor dem dunklen Fenster krachte etwas Weißes zu Boden. Es war eine Ladung Schnee vom Dach. Ich hatte gute Lust, mich damit vollzustopfen, aber würde das meinen Durst stillen? Halbnackt öffnete ich das Fenster. Die Luft war so eisig, dass ich das Gefühl hatte, es zerrisse meine Haut. Mein Körper schien zu gefrieren. Schnell schob ich das Fenster wieder zu. Während er mich nach Hause fuhr, rauchte Herr Wang eine Zigarette nach der anderen. »Hören Sie auf zu rauchen.« Herr Wang öffnete das Fenster. Das brachte natürlich überhaupt nichts. Der penetrante Geruch blieb. Das ganze Auto stank nach Zigaretten. »Hattest du nicht eine Tochter?« »Ja.«

»Sind alle so wie meiner? Leck mich am Arsch.« »Wieso?« »Weil der denkt, dass ich das Geld scheiße. Warte nur ab, bis dein Kind in dem Alter ist.« »Die Kinder können nichts dafür.« Plötzlich hatte ich einen Kloß im Hals. Es war tatsächlich schon drei Monate her, dass ich meine Tochter zum letzten Mal gesehen hatte. Jetzt nach Mitternacht war die Landstraße fast leer. Auf Wiedersehen! Im Licht der Scheinwerfer tauchte für einen Moment das Ortsschild auf, das die Stadt vom Landkreis trennt. Jeden Morgen und Abend überschritt ich diese unsichtbare Grenze, und jedes Mal erinnerte mich das Schild an jenen Morgen, an dem ich zum ersten Mal zur Arbeit in Wangs Restaurant gefahren war.

Kims unerbittliche Prosa ist ein scharfes Riechsalz, das die Leserschaft aus dem bunten Traumland der großen Illusion vom allseitigen Wohlstand und Glück ins Hier und Jetzt zurückholt. A. Stanislawski, litprom S Ergreifend!


Auszug Feuerwerksspiele am Strand In der Nacht blies ein starker Wind. Es war so windig, dass man den Drang verspürte, Fragen zu stellen, egal welche. Denn wenn man keine stellte, hatte man zu befürchten, dass einem jemand mit einer äußerst schwierigen zuvorkam – so windig war die Nacht. Ich saß auf dem Plumpsklo, mir lief nur so der kalte Schweiß. Es war stockdunkel, unter meinen Füßen pfiff der Wind. Ein Wind von Isobaren, die so dicht standen wie die Stirnfalten einer erschöpften Frau. Die Leute sagten, der Wind käme vom Nordpazifik. Nur mit Mühe hielt ich mich über dem dunklen Viereck auf den Beinen. Meine Füße steckten in neuen Schuhen, die ich vor Kurzem von meinem Vater zum Geburtstag bekommen hatte. Es waren Turnschuhe mit halb durchsichtigen Sohlen, die beim Auftreten jedes Mal hell aufleuchteten. Im Dunkel des Toilettenhäuschens, dessen Glühbirne ausgebrannt war, war das grüne Leuchten die einzige Lichtquelle. Um meine Turnschuhe scharten sich Insekten. Huiiiiii, pfiff der Wind. Der Nordpazifik persönlich schien unter meinem Hintern vorbeizuziehen, und vor Kälte kniff ich die Backen zusammen. So hockte ich dort und ließ mir das Mittagessen mit meinem Vater durch den Kopf gehen. Ich hatte mit meinem Vater in einem Lokal gegessen, in einem bescheidenen Haus. Das Ladenschild war ein bloßes Holzbrett mit der Aufschrift Kugelfisch gewesen. Mein Vater hatte die ganze Zeit erzählt, wie berühmt der Laden sei, doch wir waren die einzigen Gäste. Eine Frau mit einer Dauerwellenhaube um den Kopf brachte aus der Küche einen Topf an unseren Tisch. Mein Vater löste die Meerrettichpaste im Sojasaucenschälchen auf. Wortlos saßen wir uns gegenüber und lauschten dem kochenden Wasser. Der in der Familie übliche schroffe Ton wirkte merkwürdig beruhigend, und als wollte uns das die Brühe zur Genüge nahebringen, kochte sie, so gut sie konnte. Mein Vater krempelte sich die Ärmel hoch und griff nach der Suppenkelle. Er wendete den Fisch, schöpfte die nach oben steigenden Stücke für mich heraus und sagte: »Das ist was Teures. Lang zu.« Ohne ein Wort miteinander zu wechseln, nagten wir schwitzend am Kugelfisch, bis wir den Topf leer gelöffelt hatten. Ein Nachmittag, an dem die schlichte Konzentration auf das Essen zusammen mit den umher-

schwirrenden Staubkörnern leuchtete. Erst als mein Vater sich das Gesicht mit dem Feuchttuch abgewischt hatte, ergriff er das Wort. »Also, im Kugelfisch …«, er fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, »… steckt ein lebensgefährliches Gift.« »…« »Ein furchterregendes Gift, das selbst bei Hitze und Sonnenlicht seine Wirkung nicht verliert. Beim Kugelfischessen kann man, wenn es schnell geht, innerhalb von wenigen Sekunden, oder, wenn es länger dauert, innerhalb eines Tages sterben.« Ich saugte am Strohhalm im Trinkjoghurt, der uns als Nachtisch serviert worden war, und sah meinen Vater mit großen Augen an. »Und weiter?« Er sagte: »Du darfst heute Nacht nicht schlafen. Wenn du schläfst, stirbst du.« Einen Augenblick lang herrschte Stille. »Was?« »Sonst stirbst du.« Entgeistert starrte ich meinen Vater an. »Und was ist mit dir?« »Erwachsenen kann das Gift nichts anhaben.« In zusammengekauerter Haltung blickte ich auf den Trinkjoghurt, der vor meinem Vater auf dem Tisch stand. Mein Vater bestellte sich einen Kaffee. »Warum hast du es mich dann essen lassen?« Er grübelte ein bisschen, bevor er die Antwort gab: »Damit du … erwachsen wirst. Auch ich habe das gegessen, als ich klein war, und habe überlebt.« »Wirklich?« »Und ob.« Er fügte hinzu: »Der Onkel vom Nachbarsjungen Joongu … ist gestorben, nachdem er das gegessen hatte.« Ich hatte gehört, Joongus Onkel sei bei einem Unfall ums Leben gekommen; dass der Unfall ein Kugelfisch war, hatte ich nicht gewusst. Ich fragte ernst: »Vater, was soll ich jetzt tun?« Er erwiderte: »Heute Nacht darfst du nicht schlafen. Wenn du schläfst, stirbst du.«


cass | Erzählungen

Ae­ran Kim

Lauf, Vater, lauf Aus dem Koreanischen von Inwon Park

Ae­ran Kim

Lauf, Vater, lauf Erzählungen 224 Seiten | Klappenbroschur 2014 Format 14 x 21 cm Euro 16,00 ISBN 978­3­944751­02­3

Zum Buch Ein Vater, der einen Tag vor der Geburt seiner Tochter wortlos davonläuft. Ein anderer, der sein Kind einfach im Vergnügungspark zurücklässt. Ein dritter, der sich nach langer Abwesenheit bei seiner Tochter einnistet, um Tag und Nacht fernzusehen und sie damit um den Schlaf bringt. Ein vierter, der seinem Sohn einen Hüpfstock verspricht, wenn der ihm »seinen Pimmelmann zeigt«. Ein fünfter, der seinen kleinen Sohn zum Kugelfischessen mitnimmt und ihm dann sagt, er müsse nun die ganze Nacht aufbleiben, sonst würde er am Gift des Fisches sterben. Ein sechster, der seinem Sohn nicht nur jedes Talent abspricht, sondern sich für ihn schämt. Ae-ran Kim beschreibt Väter, die grausam sind, mehr noch aber verloren. Verlorener als die Kinder, die sich ohne Groll ihrer Väter (und Mütter und anderer Mitmenschen) annehmen und bei ihrer Suche nach Normalität und natürlich Liebe so viel Phantasie und Zartheit an den Tag legen, dass man ihnen ohne weiteres »ein Schwert und die ganze Welt anvertrauen« würde. Humorvoll und in einer Sprache, die trotz ihrer Schnörkellosigkeit Magie erzeugt.

S Eine Perle der zeitgenössischen Literatur S Ausgezeichnet mit dem französischen Prix de l‘Inaperçu / Étranger 2014

Ae-ran Kim, geboren 1980 in Incheon (Südkorea), Absolventin der Korean National University of Arts, Seoul, veröffentlichte 2002 ihre erste Kurzgeschichte, für die sie ein Literaturstipendium erhielt. Drei Jahre später machte sie mit einem Erzählband Furore: Lauf, Vater, lauf. Für die Titelgeschichte wurde sie, die jüngste Preisträgerin überhaupt, mit dem begehrten Hanguk Ilbo­Literaturpreis ausgezeichnet.


Kazuki Kaneshiro

GO! Roman Aus dem Jap. von Nora Bierich 208 Seiten | geb. mit

Doch eines möchte ich gleich zu Anfang klarstellen: Dies ist eine Liebesgeschichte, und zwar meine. Und mit dieser Liebe haben Kommunismus, Sozialismus, Kapitalismus, Pazifismus, Vegetarismus, Schmalspurästhetizismus oder sonst ein Ismus nichts zu tun. Das nur schon mal vorweg.

Lesebändchen 2011 | Format 14 x 22 cm ISBN 978­3­9809022­5­0 Euro 17,80

»Das rasante, stilsichere, in Japan mit einem renommierten Literaturpreis ausgezeichnete Debüt verhandelt ein heikles Thema so leichthändig und optimistisch, dass es Schullektüre werden sollte.« FAZ

S Leichtfüßig, witzig, charmant.

Kazuki Kaneshiro

Fly, Daddy, Fly Roman Aus dem Jap. von Katja Busson 192 Seiten | geb. mit Lesebändchen 2012 | Format 14 x 22 cm

Ein Mädchen wird so brutal zusammengeschlagen, dass sie stationär behandelt werden muss. Die Sache wird vertuscht. Der Täter, ein junger Nachwuchsboxer, soll ungeschoren davonkommen. Ihr Vater, ein gewöhnlicher Angestellter, unsportlich und nicht mehr der jüngste, will Rache. Der Weg ist ritterlich, aber verrückt: Er fordert den Boxer zum Kampf. Mann gegen Mann.

ISBN 978­3­9809022­7­4 Euro 17,80

Nur wer den Mut hat, aus dem Alltag auszubrechen, kann die Welt verändern!

S Spritzig!

Erwin Knipping

In japanischen Diensten Zwei Jahrzehnte eines preußischen Meteorologen in der ersten Hälfte der Meiji­Zeit (1868–1912) Herausgegeben von Matthias

Im April 1871 bekam ich in Shanghai ein Telegramm, in Edo werde ein dritter deutscher Lehrer gesucht. Ich nahm drei Wochen Urlaub vom Schiff, reiste sofort nach Yokohama und hatte am 1. Mai einen Vertrag mit den japanischen Schulbehörden in der Tasche. Er lautete auf 6 Monate, 200 $ Gehalt monatlich und freie Dienstwohnung. Das waren allgemein die Bedingungen des ersten Vertrages.

Koch und Aya Puster 224 Seiten | geb. mit Lesebändchen

Detailreicher Einblick in den japanischen Alltag der siebziger und achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts.

2014 | Format 12,8 x 20,4 cm ISBN 978­3­944751­01­6 Euro 28,00

Rudolf Lindau

Reise um Japan – Das Land der aufgehenden Sonne im letzten Jahrzehnt der Tokugawa­ Zeit (1603–1868) Aus dem Frz. von Daniel Stalph Durchgesehen von Annette Hack | Mit einem Nachwort hrsg. von Matthias Koch 368 Seiten | Klappenbroschur

August 1861. Der Preuße Rudolf Lindau (1829–1910), kaufmännisch und konsularisch seit 1859 für die Schweiz in Ostasien tätig, bricht von Shanghai nach Nagasaki auf, um von dort aus an Bord der St. Louis eine »Erkundungs- und Vergnügungsreise um das geheimnisvolle Reich des Mikado und des Taikun zu unternehmen«. Er nimmt an Festen und Feiern teil, geht in Teehäuser und Bordelle, schildert Theatervorführungen, Sumo-Ringkämpfe, den Samurai-Troß eines über Land reisenden Daimio, das Volk der Ainu auf Hokkaido, die Schönheiten der japanischen Landschaft.

2014 | Format 12 x 20 cm ISBN 978­3­944751­00­9 Euro 22,00

Ein Zeitzeugnis ersten Ranges.


Choukitsu Kurumatani

Versuchter Liebestod Roman Aus dem Jap. von Katja Busson 224 Seiten | geb. mit Lesebändchen 2011 | Format 14 x 22 cm ISBN 978­3­9809022­6­7 Euro 22,00

S Ein Buch, das man nicht wieder vergisst.

Morio Kita

In Nacht und Nebel Roman Aus dem Jap. von Otto Putz 176 Seiten | Klappenbroschur 2013 | Format 14 x 21 cm ISBN 978­3­9809022­9­8 Euro 15,95

S Einmalig in der Literaturgeschichte.

Arimasa Osawa

Der Hai von Shinjuku II – Rache auf chinesisch Kriminalroman Aus dem Jap. von Katja Busson 324 Seiten | geb. mit Lesebändchen 2007 | Format 12,5 x 20,5 cm ISBN 978­3­9809022­3­6 Euro 19,80

S Spannung pur!

Takiji Kobayashi

Das Fabrikschiff Roman Deutsch von Alfons Mainka 112 Seiten | Klappenbroschur 2012 | Format 10,7 x 17,7 cm ISBN 978­3­9809022­8­1 Euro 9,80

S Klassiker der japanischen Arbeiterliteratur.

Ikushima, 34, Hochschulabsolvent, gibt seinen Job in einer prestigeträchtigen Werbeagentur in Tokyo auf und landet in Amagasaki, in einem muffigen Zimmer eines heruntergekommenen Hauses, wo er gegen geringen Lohn Grillspieße bestückt. Er macht Bekanntschaft mit Müllpickern, Straßendirnen und Gangstern, außerdem dem unheimlichen Tätowiermeister Hori, der mit seiner schönen Geliebten Ayako im Erdgeschoss des Hauses lebt. Als Ikushima mit Ayako ein Verhältnis beginnt, nimmt das Schicksal seinen Lauf … »Düster und faszinierend, die literarische Erkundung einer privaten Depression und eines gesellschaftlichen Skandals.« Karl-Markus Gauß, Weltempfänger

Eine Nervenheilanstalt im Deutschland der Nazi-Zeit. Zu den Patienten gehört der unter Wahnvorstellungen leidende japanische Pathologe Takashima. Die Sorge um seine Frau, eine deutsche Jüdin, von der er seit seiner Einweisung keine Nachricht mehr hat, treibt ihn immer weiter in die Krankheit. Eines Tages tauchen SS-Ärzte in der Anstalt auf. Die Patienten sollen einer Selektion unterzogen, als »unheilbar« eingestufte »verlegt« werden. Die Krankenhausärzte wissen, dass es um das nationalsozialistische »Euthanasie«-Programm geht. Sie geraten in einen tiefen Gewissenskonflikt. Einige resignieren. Andere versuchen mit allen Mitteln, ihre Patienten vor dem Todesurteil Unheilbar! zu bewahren.

Oberkommissar Samejima, 36, ist Idealist: Korruption, dunkle Machenschaften und Absprachen sind ihm ein Graus. Das kostet ihn die Karriere. Er wird ins härteste Revier Japans abgeschoben, nach Shinjuku, Tokyos berühmt-berüchtigtes Sodom und Gomorrha. Aber Samejima, zu deutsch »Haifischinsel«, führt auch dort seinen Kampf weiter. Sein hartes, kompromissloses Vorgehen bringt ihm bald seinen Spitznamen ein: Der Hai von Shinjuku. Die Observierung einer illegalen Spielhölle führt Samejima auf die Fährte eines taiwanesischen Profikillers. Die Zielperson des Killers, ein Bandenboss aus Taiwan, soll bei Yakuza in Tokyo untergeschlüpft sein. Um ein Blutbad zu verhindern, macht Samejima sich ebenfalls auf die Suche. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Anfang des 20. Jahrhunderts. Das japanische Fabrikschiff Hakkomaru läuft aus ins Ochotskische Meer, zu den reichen Krabbenfanggründen vor der Küste Kamtschatkas. An Bord: über 400 Matrosen, Fischer und jugendliche »Saisonarbeiter«, Leibeigene des Reedereikonzerns. Sie arbeiten bis zur Erschöpfung und werden gehalten wie Vieh. Tag für Tag, Woche für Woche ducken sie sich unter der Knute des brutalen Oberaufsehers Asagawa. Wer nicht spurt, baumelt am Ankerdavit oder wird gebrandmarkt. Nach dem ersten Todesfall schlägt die Ohnmacht der Männer um in Wut. Sie wagen den Aufstand.


Auslieferung GVA Postfach 2021 37010 Göttingen T 05 51 . 48 71 77 F 05 51 . 413 92 bestellung@gva­verlage.de

Leitung Dr. Katja Cassing cassing@cass­verlag.de T 036 43 . 811 86 53

Lieferanschrift Anna­Vandenhoeck­Ring 36 37081 Göttingen

Lektorat Hans Peter Jugl jugl@cass­verlag.de

Vertretung Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Saarland Nicole Grabert grabert@buero­indiebook.de Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen Regina Vogel vogel@buero­indiebook.de Bremen, Hamburg, Niedersachsen, NordrheinWestfalen, Schleswig-Holstein Christiane Krause krause@buero­indiebook.de büro indiebook Bothmerstr. 21 80634 München T 089 . 12 28 47 04 F 089 . 12 28 47 05 www.buero­indiebook.de

Wir unterstützen die Arbeit der Kurt­Wolff­Stiftung zur Förderung einer vielfältigen Verlags­ und Literaturszene

www.cass-verlag.de

Inhalt: Stand November 2014. Irrtümer und Preisänderungen vorbehalten. • Gestaltung: Thomas Puschmann – fruehbeetgrafik.de

cass verlag und verlagsagentur Im Sundern 16 32584 Löhne T/F 057 32 . 91 14 96 www.cass­verlag.de info@cass­verlag.de

CassVorschau Frühjahr 2015  

In der aktuellen Frühjahrsvorschau 2015 finden Sie alle Neuerscheinungen sowie das gesammte Programm des Cass Verlages.

CassVorschau Frühjahr 2015  

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