Adam, Eva und Ich - Programmheft

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ADAM, EVA & ICH

Biographien intersexueller Menschen

VON UND MIT: Frl. Wunder AG. Julia Gerasch, Vanja Kadow, Verena Lobert, Vanessa Lutz, Sandrao Mendig, Jessika-Katharina Möller-Langmaack, Malte Pfeiffer, Carmen Grünwald-Waack KOSTÜM & BÜHNE: Swana Gutke PRODUKTIONSLEITUNG: Zwei Eulen (Maike Tödter) PRODUKTIONSASSISTENZ: Karu Grunwald. GEFÖRDERT VON: Stiftung Niedersachsen, Fonds Darstellende Künste, Stadt Hannover, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur und die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz. IN KOOPERATION MIT: Landesverband intersexuelle Menschen Hamburg, Landesverband intersexuelle Menschen Niedersachsen und Bremen, Intersexuelle Menschen e.V. Bundesverband, Goldbekhaus Hamburg, Theater im Pavillon Hannover, Missy Magazine.


„Schluss mit Geheimniskrämerei, geschlechtszuweisenden Zwangsoperationen, Lügen und Schubladendenken!“ (Sandrao)

ADAM, EVA & ICH Wie würde dein Leben aussehen, wenn du zwischen den Geschlechtern geboren worden wärst? In einer Welt, in der deine Identität ein Aufbegehren ist, gegen das, was selbstverständlich scheint – oder ein gut gehütetes Geheimnis ist. Gemeinsam mit intersexuellen Expert*innen lädt die Frl. Wunder AG zu einem biographischen Theaterabend zwischen Umkleidekabinen und Sammeldusche. Am Beckenrand sitzend und in Bademäntel gehüllt berichten die Performer*innen über ihre Erfahrungen mit Ärzten, Geschlechtszuweisung und Hormonen. Sie erzählen über Identitätskrisen, Lebenslust und Anders-Sein, reinszenieren Kindheitserinnerungen und reden Klartext mit denen, die nie zuhören wollten. „Adam, Eva & Ich“ ist ein Abend zwischen LecturePerformance und Theater, der die Frage aufwirft, wie unsere Gesellschaft mit denen umgeht, die nicht ins Raster passen. Gemeinsam gehen wir auf Tauchgang, suchen nach Antworten im Raum des Dazwischen und lassen die Norm unter der Dusche von unseren Körpern abperlen.


FRL. WUNDER AG ist seit 2006 Deckname für eine siebenköpfige künstlerische Arbeitsgemeinschaft. Die AG experimentiert mit Formen künstlerischen Arbeitens innerhalb und außerhalb tradierter, ästhetischer und sozialer Theaterstrukturen und vermittelt Theater als ein Medium dieser Zeit. Ausgangspunkt der Arbeitsweise sind neugierige Recherchen und Reisen in fremde Milieus, Städte und Länder, zu fast vergessenen biographischen Spuren, Wissenschaftler*innen und Expert*innen des Alltags. Diese künstlerische (Feld-)Forschung transformiert die Frl. Wunder AG in theatrale Aktionen, Bilder und Dramaturgien und erschafft so partizipative Theater-Performances zu gesellschaftlich relevanten Themen. Seit 2010 erhält die Gruppe Konzeptionsförderung des Landes Niedersachsen.

Frl. Wunder AG ... Ausbrecher aus einem Universum, das Hoch- und Popkultur, Kulturvermittlung und Unterhaltung trennt.“ der freitag Was haben die Boatpeople des 21. Jahrhunderts mit der Migrationsgeschichte der eigenen Familie zu tun? Was der Mann von heute mit einem Tomatenwurf von 1968? In ihren künstlerischen Arbeiten geht die Fräulein Wunder AG auf Entdeckungsreise, sie verbindet scheinbar disparate Stoffe in multimedialen, performativen Ereignissen und verknüpft Recherchematerial zu fragmentarischen Erzählungen.“ Theater der Zeit

„Realität kann weh tun, doller schmerzt nur die Intoleranz gegenüber natürlichen Dingen.“ (Jessi)


VANJA: Über Intersexualität wird meist geschwiegen. Aber wir sprechen. Wir erzählen aus unserem Alltag und erheben unsere Stimmen gegen das Märchen es gäbe nur Männer und Frauen. Dieses Theaterprojekt heißt für mich, als Inter*/ Zwitter/Herm dem Schweigen und der Scham zu trotzen und selbstbewusst zu sagen: WIR SIND DA. Und das werde ich auf der Bühne oder im Gericht solange wiederholen, bis alle es verstanden haben.


INTERSEXUELLE MENSCHEN e.V. Der Verein Intersexuelle Menschen e.V. ist in allen Bereichen für die Verbesserung der Situation intersexueller Menschen aktiv. 2004 von 12 Mitgliedern gegründet, hat der Verein heute 160 Mitglieder, in den angeschlossenen Selbsthilfegruppen werden mehr als 500 Personen begleitet. In den Aktivitäten von Intersexuelle Menschen e.V. geht es um die Sichtbarmachung von intersexuellen Menschen in der Öffentlichkeit, die Teilhabe am Leben in dieser Gesellschaft, eine adäquate medizinische Behandlung und nicht zuletzt um rechtliche Fragen wie die Legalität von geschlechtsherstellenden Operationen, das Vorkommen im Personenstandsrecht und die damit verbundene Gleichstellung aller Geschlechter im Grundgesetz sowie Fragen der Versorgung, Entschädigung, Ehe und Schwerbehindertenrecht. Hier steht Intersexuelle Menschen e.V. mit der Politik auf Bundes- und Landesebene in Kontakt um entsprechende Ziele zu erreichen. Um eine adäquate medizinische Behandlung zu realisieren, ist Intersexuelle Menschen e.V. ständig mit Vertretern der Medizin im Dialog, damit Belange intersexueller Menschen Einzug in die Leitlinien der Medizin finden. Der Verein. startete 2014 mit einer Ausbildung von Peerberater*innen um das Beratungsangebot für intersexuelle Menschen auszubauen. Kontakt zum Verein: www.im-ev.de Kontakt zu den angeschlossenen Selbsthilfegruppen: info@xy-frauen.de info@shg.intersexuelle-menschen.net info.eltern@xy-frauen.de info.eltern@shg.intersexuelle-menschen.net


DIE NEUDEFINITION DES GESCHLECHTS „Betrachtet man die Genetik, verschwimmt die Grenze zwischen den Geschlechtern noch mehr. Wissenschaftler haben viele der Gene identifiziert, die an den Hauptformen von DSD beteiligt sind und auf subtile Weise die Anatomie und Physiologie des Einzelnen beeinflussen. Neue Techniken der DNA-Sequenzierung und Zellbiologie machten deutlich, dass fast jeder von uns zu einem gewissen Grad aus verschiedenen Zellen besteht, gleichsam wie ein Patchwork. Dabei haben manche unserer Zellen ein Geschlecht, das zum Rest des Körpers eigentlich nicht passt. Auch das Verhalten einer Zelle scheint über komplexe molekulare Systeme von seinem Geschlecht beeinflusst zu werden. „Es gibt eine wesentlich größere Vielfalt der Geschlechter als nur das der Männer und das der Frauen; und es gibt sicherlich Betroffene, die sich in unserem binären System nicht ausreichend definiert sehen“, sagt John Achermann, der zu den Themen Geschlechtsentwicklung und Endokrinologie am University College London‘s Institute of Child Health forscht.“

> Die Bandbreite der Geschlechter Ein typischer Mann hat ein X- und ein YChromosom (XY), eine typische Frau hat zwei X-Chromosomen (XX). Auf Grund genetischer Variationen oder zufälliger Ereignisse in der Entwicklung passen manche Mitmenschen nicht genau in diese Kategorien. So stimmen bei Menschen mit Besonderheiten und Störungen der Geschlechtsentwicklung (DSD für „disorders of sexual development“) die Geschlechtschromosomen nicht mit der Anatomie der Geschlechtsteile überein. >> Quelle: Spektrum der Wissenschaft; Quelle: Ainsworth, C.: Sex redefined. In: Nature 518, S. 288-291, 2015 http://www.spektrum.de/news/die-neudefinition-desgeschlechts/1335086 << Quelle: Claire Ainsworth: Die Neudefinition des Geschlechts. Auf Spektrum.de, 05.03.2015, www.spektrum. de/news/die-neudefinition-des-geschlechts/1335086, mit frdl. Gennehmigung der Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH, Heidelberg



VANESSA: Als mir gesagt wurde, jetzt bist du eine Frau, 채nderte sich alles: nicht mehr nackt spielen, nicht mehr mit Jungs alleine sein, schmerzhafte Wachsenthaarungen und monatliche Blutungen. Weiblichkeit war eine Strafe. Ich musste erst rebellieren, kochen und n채hen verweigern, furzen lernen, haarige Beine spazieren f체hren und mich mit Unkeuschheit besudeln. Jetzt spiele ich wieder nackt. Geschlecht sollte nicht weniger und nicht mehr als eine lustvolle Performance sein.


„HAN“, „HON“ oder „HEN“? Für Aufsehen sorgte im letzten Jahr die Einführung eines dritten Personalpronomens in Schweden ebenso wie die des dritten, unbestimmten Eintrags ins deutsche Geburtenregister. Der Gedanke, dass die strikte Aufteilung der Menschen in zwei Geschlechter nicht der biologischen, gefühlten und sozialen Realität entspricht, ist jedoch nicht neu. Ein historisches Beispiel sind die Two Spirits, die es in verschiedenen Stämmen der indigenen Völker Amerikas gab. Zu ihnen gehörten Menschen, die sich dem bei ihrer Geburt festgestellten Geschlecht entgegengesetzt verhielten. Da sie so beide Geschlechter in sich vereinten, wurden sie als Menschen mit besonderen Kräften verehrt. Oft waren sie Heiler oder Kämpferinnen. Allerdings wurde ihnen auch ihre Sexualität vorgegeben. Sie sollten eine Partnerschaft mit einer Person führen, deren Geschlecht dem entsprach, dass auch bei ihrer Geburt festgestellt wurde. Durch die Unterdrückung und Ausrottung der indigenen Völker ist dieses Geschlechterverständnis allerdings verschwunden.

Heute noch existiert in einigen Kulturen eine dritte Geschlechtsoption. Die Hijras (in Indien, Pakistan und Bangladesch) gelten weder als Mann noch als Frau. Biologisch gesehen sind sie oft männlich und nur selten intersexuell oder weiblich. Sie kleiden sich oft weiblich und benutzen entsprechende sprachliche Bezeichnungen. Auch wenn die Hijras rechtlich anerkannt als drittes Geschlecht existieren, werden sie im Alltag diskriminiert. Gezwungenermaßen leben sie meist in marginalisierten Gruppen und haben wenig Möglichkeiten ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Oft bleibt ihnen nur das Auftreten bei spirituellen Festen, wie das Tanzen und Segnen auf Hochzeiten oder die Prostitution. Andere kulturelle Beispiele einer dritten Option sind die Xanith auf der arabischen Halbinsel, die thailändischen Katoys, die Bissu in Indonesien oder die Fa’afafine in Polynesien. Oft sind mit diesen Begriffen Menschen gemeint, die trans*, inter* und/ oder homosexuell sind. Nur wenige Gesellschaften oder Religionen unterscheiden zwischen ihnen. >>


>> Das Judentum hingegen, kennt sechs Geschlechter: neben Cis-Männern und Cis-Frauen gibt es Androgynos (intersexuell), Ay’lonit (intersexuell: weibliches zugewiesenes Geschlecht aber männliche Pubertät), Saris (Trans*-Frau oder intersexuell: männliches zugewiesenes Geschlecht aber weibliche Pubertät) und Tumtum (unbekanntes oder nicht erkennbares Geschlecht). Auch auf der rechtlichen Ebene wurde mittlerweile in sechs Staaten ein dritter Geschlechtseintrag eingeführt: Australien, Neuseeland, Indien, Pakistan, Nepal, und Bangladesch. In England ist es zudem, ähnlich wie in Schweden, möglich eine geschlechtsneutrale Anrede zu wählen. Für den Ausweis kann anstelle Mr. oder Ms. Mx. beantragt werden. Quellen: www.dancingtoeaglespiritsociety.org/twospirit.php www.bpb.de/apuz/135448/geschlechtsidentitaet-undmenschenrechte-im-internationalen-kontext?p=all https://geschlechtsneutral.wordpress.com/informationen/geschlecht-in-anderen-kulturen

männlich, weiblich, inter* ? Rechts-Streit um die Anerkennung eines dritten Geschlechtseintrags Nicht männlich, nicht weiblich, sondern inter/divers möchte Vanja in ihrer Geburtsurkunde und auf allen Dokumenten als Geschlechtseintrag haben. Vanja ist damit die zweite Person, die versucht dieses Recht zu erwirken. Der erste Versuch vor über 10 Jahren wurde vom Gericht abgelehnt. Sollte Vanja Erfolg haben, könnte das eine gravierende Veränderung unseres Rechtsystems zur Folge haben. Am 28. Juli 2014 beantragte Vanja beim Standesamt Gehrden den eigenen Geburtseintrag in „inter/divers“ ändern zu lassen. Nachdem der Antrag vom Standesamt abgelehnt wurde, klagte Vanja dagegen beim Amtsgericht Hannover. Das Amtsgericht lehnte den Antrag ab, sowie später auch das Oberlandesgericht (OLG) Celle. Mittlerweile liegt der Fall beim Bundesgerichtshof (BGH). Als Begründung bezog sich das OLG Celle auf die jetzige Rechtsituation: >>


>> Es muss einen Eintrag als ‚männlich‘ oder ‚weiblich‘ geben [§ 21 Abs. 3 Nr. 1 Personenstandsgesetz (PStG)], alternativ dazu kann die Eintragung des Geschlechts weggelassen werden (§ 22 Abs. 3 PStG). Laut der Begründung des OLG Celle ermöglicht diese Regelung nicht nur das Offenlassen des Eintrags bei Neugeborenen, sondern auch eine spätere Streichung des Eintrags ‚männlich‘ oder ‚weiblich‘. Eine Eintragung als ‚inter‘ und/oder ‚divers‘ sei dagegen nach der aktuellen Gesetzeslage nicht möglich, dies schließt die Verwaltungsvorschrift zum PStG aus. Das OLG schrieb: „die Nichtbezeichnung des ‘unbestimmten’ Geschlechts im Personenstandsrecht […] [ist] verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden.“ Bemerkenswert an dem Beschluss ist, dass er Rechtsklarheit über die Möglichkeit schafft, den bestehenden Eintrag als ‚männlich‘ oder ‚weiblich‘ zu streichen. Zu bemängeln bleibt aber, dass sich das OLG Celle mit seiner Begründung an einer Verwaltungsvorschrift zum PStG orientiert. Verwaltungsvorschriften sind keine Gesetze, nur Behörden aber nicht Gerichte sind an die Vorschriften gebun-

den. Zudem gewährleistet § 22 Abs. 3 PStG in seiner momentanen Fassung (insb. aufgrund der Verwaltungsvorschrift) keine Anerkennung der selbstempfundenen Identität, sondern bezieht sich auf die körperliche Verfasstheit einer Person. Besonders kritikwürdig ist die Annahme des OLG, dass eine Leerstelle, also das Fehlen des Eintrags zur Geschlechtsidentität, als Erfüllung des grundgesetzlichen Anspruchs auf Anerkennung der eigenen geschlechtlichen Identität ausreicht. Die Angabe über die Geschlechtsidentität ‚fehlt‘ jedoch bei Vanja – und zahlreichen anderen Betroffen – nicht. Sie können sich über die eigene Geschlechtsidentität äußern, Es kann keine Differenzierung der geschlechtlichen Identität in eintragungsfähig und nicht-eintragungsfähig geben. Eine solche Differenzierung verstößt gegen Art. 3 Abs. 1, 3 GG („Niemand darf wegen seines Geschlechts [...] benachteiligt oder bevorzugt werden.“). Sollte nun auch der Bundesgerichtshof den Antrag ablehnen, wird Vanja vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

Mehr dazu: www.dritte-option.de


JULIA: Ich arbeite als Förderschullehrerin an einer Grundschule. Seit 2010 besuche ich die Treffen der Selbsthilfegruppe XY-Frauen und Intersexuelle Menschen e.V. und bin sehr dankbar für die Zuwendung und die vielen guten Kontakte, die ich dort knüpfen konnte. Für mich stellt das Theaterprojekt eine gute Möglichkeit dar, etwas zurückzugeben, mich selbst in der Öffentlichkeitsarbeit einzubringen und dabei mal wieder ein bisschen Bühnenluft zu schnuppern.


DIE ANGST DES SPORTS

„Ohne Zweifel trifft es zu, dass sich in der Welt des Sports manches Problem unserer Gesellschaft widerspiegelt [...]“ 1966 Einführung verpflichtender Geschlechtstests an Frauen bei den Leichtathletik-Europameisterschaften: Frauen müssen ihren Körper und ihre Genitalien abtasten lassen. Nur Frauen mit einer ersichtlichen Vagina erhielten ihre Zulassung. 1967 Das Olympische Komitee reagiert auf Proteste und führt neue Tests ein: Ein Abstrich an der Wangeninnenseite zur Geschlechtschoromosen-Bestimmung. Nur Sportlerinnen mit zwei XX-Chromosomen erhalten eine Zulassung. Sieben Fälle von intersexuellen Sportler*innen werden bekannt. 1996 Zu den Olympischen Spielen wird an 3600 Athlet*innen der Gentest durchgeführt. 7 Sportler*innen werden disqualifiziert, da sie trotz weiblichem Erscheinungsbild über XY-Chromosomen verfügten. 1999 Erneut wird ein Teststopp verlangt. Die IAAF (International Association of Athletics Federations) behält sich Einzelfallprüfung vor. 2006 Der 800-Meter-Läuferin Soundarajan wird nachträglich und öffentlich ihre Silbermedaille aberkannt. Sie unternimmt daraufhin einen Selbstmordversuch. 2008 Wegen der öffentlichen Diffamierung bezüglich ihrer Intersexualität unterbricht die Tennisspieler*in Sarah Gronert ihre Karriere. 2011 Die IAAF beschließt, dass das Geschlecht allein anhand des Testosteronspiegels bestimmt werden kann. Sportler*innen mit natürlich hohen Werten können an Wettkämpfen nur teilnehmen, wenn sie ihre Werte medikamentös oder operativ senken. 2015 Der internationale Sportgerichtshof erklärt das Verfahren aufgrund der Klage einer Sportlerin für ungültig. Der IAAF bleiben zwei Jahre um relevante neue wissenschaftliche Beweise zu präsentieren. Sollte das nicht gelingen, wird die Regelung aufgehoben.


„Ich hatte die Wahl zwischen fliegen und fallen. Mein Körper wählte. Als ich auf dem Wasser aufkam bekam ich Kiemen. Dann fühlte ich es an meinen Beinen (...) wie meine Füße sich querstellten und in eine Schwanzflosse ausliefen. Hatte ich noch ein Geschlecht? (...) Ich bin ein Junge und ein Mädchen, die miteinander knutschen.“ (Peter Verhelst, De Kleurenvanger)



Auszüge aus DER Stellungnahme des DEUTSCHEN Ethikrates zuM THEMA Intersexualität Deutscher Ethikrat (Hrsg.) (2012) Intersexualität. Stellungnahme. Berlin. www.ethikrat.org/dateien/pdf/ stellungnahme-intersexualitaet.pdf. Im Originaltext sind Fußnoten und Verweise enthalten, die hier nicht abgedruckt werden.

>> ZUM THEMA RECHT<< 8. Intersexuelle Menschen im Recht // 8.1 Historischer Überblick// 8.1.1. Die rechtliche Regelung des Geschlechts Die Haltung zur Intersexualität ist seit alter Zeit ambivalent. Einerseits konnte man nach der griechischen Mythologie in den Hermaphroditen göttliche Züge sehen, weil in einer Gestalt Eigenschaften der Götter Hermes und Aphrodite verkörpert waren. Andererseits wurden sie vielfach als widernatürliche Erscheinung angesehen und getötet. [...] Nach dem Bayerischen Codex von 1756 wurden sie dem Geschlecht zugeordnet, das bei ihnen „nach Rath und Meinung deren Verständigen“ (also von Medizinern) vordringt, oder sollten es selbst wählen

(wenn die Mediziner nicht weiter wussten), aber dann nicht mehr davon abweichen. Nach dem Preußischen Allgemeinen Landrecht von 1794 hatten zunächst die Eltern das Wahlrecht. Der betroffene Mensch konnte sein Geschlecht jedoch mit dem 18. Lebensjahr ändern. [...] Sofern Rechte eines Dritten von dem Geschlecht eines vermeintlichen Zwitters abhängig waren, entschied allerdings ein Sachverständiger, und zwar auch gegen die Wahl des Zwitters oder seiner Eltern. Nach dem Sächsischen BGB von 1865 schließlich wurden Zwitter dem vorherrschenden Geschlecht „beigezählt“. Der Selbstbestimmung der betroffenen Person wurde somit im Laufe der Zeit unterschiedliches Gewicht beigemessen. 8.1.2 Rechte von intersexuellen Menschen [...] In anderen Kulturen richten sich die Rechte teilweise nach der Geschlechtswahl, sodass ein Mädchen bei den igbo in Nigeria in der Rolle eines Jungen auch erben und Land besitzen kann. Eine ähnliche Regelung findet sich im Kosovo, wo Frauen die männliche Rolle im Haushalt übernehmen und teilweise eine männliche Geschlechtsidentität ausbil-


JESSI: Es gefällt mir, aus mir heraus jemand anderen zu spielen, mich in anderen Charakteren auszuprobieren. Bei „Adam, Eva und Ich“ bin ich ungewohnt mehr selbst. Mit der Nähe zu meinem Lebensinhalt zu spielen wird andere verletzen, wenn sie sich meiner Existenz verschließen. Doch wer sich gegebenen Dingen verschließt, denkt nicht weit genug, verletzt damit nicht nur sich selbst. [Vier ist die Basis, weniger eins ist der Anfang, die Mitte ist im Doppel umgeben durch die Basis und den Anfang.]


den. Auch die kwolu-aatmwol in Neuguinea wählen häufig eine männliche Rolle, um in den Genuss der Privilegierung des männlichen Geschlechts zu kommen. Mit dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches verschwanden sämtliche Regelungen zu Intersexuellen aus der deutschen Rechtsordnung. In den Motiven zum BGB wurde die Existenz von Zwittern verneint; vielmehr wurden sie als geschlechtlich missgebildete Frauen und Männer bezeichnet. [...] Für den Fall, dass es einmal wegen fehlenden Überwiegens von Geschlechtsmerkmalen nicht möglich war, das Geschlecht zu bestimmen, sah der BGB-Entwurf vor, dass solche Normen, die an das Geschlecht anknüpfen, nicht anwendbar seien. Die endgültige Fassung des Gesetzes enthielt hierzu freilich keine Regelung.

liegt, wenn Menschen, die sich aufgrund ihrer körperlichen Konstitution weder dem Geschlecht weiblich noch männlich zuordnen können, rechtlich gezwungen werden, sich im Personenstandsregister einer dieser Kategorien zuzuordnen. 1. Es sollte geregelt werden, dass bei Personen, deren Geschlecht nicht eindeutig feststellbar ist, neben der Eintragung als „weiblich“ oder „männlich“ auch „anderes“ gewählt werden kann. Zusätzlich sollte geregelt werden, dass kein Eintrag erfolgen muss, bis die betroffene Person sich selbst entschieden hat. Der Gesetzgeber sollte ein Höchstalter der betroffenen Person festlegen, bis zu dem sie sich zu entscheiden hat.

9.2 Zum Personenstandsrecht

2. Es sollte über die bestehende Möglichkeit der Änderung eines Eintrags nach § 47 Abs. 2 PStG hinaus geregelt werden, dass die Betroffenen eine Änderung des Eintrags verlangen können, wenn sich die bisherige Eintragung als unrichtig herausgestellt hat.

Der Deutsche Ethikrat ist der Auffassung, dass ein nicht zu rechtfertigender Eingriff in das Persönlichkeitsrecht und das Recht auf Gleichbehandlung vor-

3. Die Möglichkeit, das Geschlecht im Personenstandsregister als „anderes“ einzutragen, führt zu der Notwendigkeit, auch die Möglichkeit für eine Beziehung

>> EMPFEHLUNGEN<<


zu eröffnen, die staatlich anerkannt und rechtlich geregelt von Verantwortung und Verlässlichkeit geprägt ist. Nach geltendem Recht kann die Ehe nur zwischen Frau und Mann und eine eingetragene Lebenspartnerschaft nur zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern mit weiblicher oder männlicher Einordnung begründet werden. Der Deutsche Ethikrat schlägt mit überwiegender Mehrheit vor, Menschen mit dem Geschlechtseintrag „anderes“ die eingetragene Lebenspartnerschaft zu ermöglichen. Ein Teil des Ethikrates schlägt vor, ihnen darüber hinaus auch die Möglichkeit der Eheschließung zu eröffnen. [...] >> Resultierend aus der oben zitierten Stellungnahme des Ethikrats wurde zum 1.11.2013 das Personenstandsgesetz geändert. Hinzugefügt wurde der § 22 (3) PStG: „Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstandsfall ohne eine solche Angabe in das Geburtenregister einzutragen.“ Das heißt, das Kästchen mit der Geschlechtsangabe muss nicht angekreuzt werden, sondern darf leer bleiben - was

das in der Folge rechtlich bedeuted, ist jedoch noch ungeklärt. Ob die Änderung des Personsenstandsgesetzes in dieser Form tatsächlich eine Verbesserung darstellt wird von Betroffenen kontrovers diskutiert. << (mehr dazu auf dritte-option.de) >>ZUM THEMA MEDIZIN<< 5.3 Medizinische Therapie bei DSD [...] In der aktuellen Leitlinie der Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin zu „Störungen der Geschlechtsentwicklung“ 027/022 vom 12. Mai 2011 werden – wie auch in den älteren Leitlinien – Operationen immer noch als richtige Behandlung von DSD angesehen; allerdings wird gegenüber den früheren Leitlinien mehr Zurückhaltung gegenüber eingreifenden Therapien im Kindesalter empfohlen. Darüber hinaus plädiert die Leitlinie dafür, die Eltern durch ein interdisziplinäres Team umfassend aufzuklären und ein entsprechendes interdisziplinäres Therapiekonzept zu erstellen. [...] Nach dem 12. Lebensmonat bis zur Adoleszenz wird bei fehlenden medizinischen Komplikationen von Ope-


MALTE: Nur die Menschen, die mir wirklich nahe stehen, wussten Bescheid. Wer mein Leben oder zumindest mein Bett teilte, dem konnte ich das ja schlecht verheimlichen. Aber wahrscheinlich h채tte ich sogar das getan - h채tte ich gekonnt. Inzwischen bin ich entspannter geworden, das Geheimnis ist weniger geh체tet. Aber erst mit diesem Abend wird die Kontrolle 체ber das Wissen aus der Hand gegeben. Und ich frage mich: Woher kam diese Angst davor?


rationen und insbesondere der vaginalen Dilatation abgeraten. Wegen der dürftigen Kenntnisse über das Tumorrisiko wird nur bei Gonadendysgenesie und weiblicher Zuordnung die frühzeitige Entfernung der fehlentwickelten Gonaden empfohlen. Bei anderen Syndromen (CAIS, PAIS, Blockade der Androgensynthese bei weiblicher Zuordnung) soll lediglich eine Kontrollbiopsie durchgeführt und möglichst die Entscheidungsreife des Kindes abgewartet werden. Dennoch wird die Besonderheit der Geschlechtsentwicklung als psychosozialer Notfall angesehen. 6. Lebenswirklichkeit und Lebensqualität // 6.9 Fazit Insgesamt ist festzuhalten, dass, abgesehen von Personen mit AGS, die Lebenssituation der DSD-Betroffenen trotz einer sich möglicherweise andeutenden Verbesserung der Lage immer noch in starkem Maße durch Leiderfahrungen, Missachtung seitens der Medizin, mangelnde Sensibilität des gesellschaftlichen Umfeldes, administrative und bürokratische Hemmnisse und verbreitete gesellschaftliche Unkenntnis der Lebenswirklichkeit

von DSD-Betroffenen gekennzeichnet ist. AGS-Betroffene schildern ihre soziale Situation allgemein als weniger belastet. Nach den Ergebnissen aller Studien dürften die Anforderungen an die informierte Einwilligung in einen chirurgischen Eingriff jedenfalls in früherer Zeit oft nicht eingehalten worden sein. Dies gilt erst recht aus dem Blickwinkel der heute geltenden Maßstäbe. Aus Sicht der Betroffenen ist das Erfordernis einer umfassenden Information, Beratung und Beteiligung auch heute in vielen Fällen noch nicht ausreichend erfüllt. [...] Ein Teil der DSD-Betroffenen spricht sich für ein Verbot von Operationen im Kindesalter aus, wenn kein medizinischer Notfall vorliegt. Eine kleine Gruppe der Befragten lehnt Operationen bei DSD grundsätzlich ab. 7.2 Die Anerkennung medizinisch verursachten Leidens [...] lange Zeit [dominierte] auch in der Medizin die Vorstellung, dass das Ziel der Behandlung intersexueller Menschen und solcher mit hormonell bedingten Besonderheiten der Geschlechtsorgane ihre „Normalisierung“, sprich ihre Anpas-


sung an eines der beiden Geschlechter, sein müsse [...]“. Man argumentierte, dass es für die Entwicklung eines klaren psychischen Geschlechts für ein Kind besser sei, Betroffene über die Art der vorliegenden Variationen und den Umfang der als notwendig erachteten Korrekturen im Unklaren zu lassen. [...] Die Betroffenen oder – im Falle einer noch nicht vorhandenen Verständnis- oder Entscheidungsfähigkeit – die Eltern wurden teilweise gar nicht oder nicht im erforderlichen Umfang informiert und aufgeklärt und in korrekter Weise um Einwilligung ersucht oder die Eingriffe wurden ihnen sogar sehr nachdrücklich nahegelegt. Dies hat bei den behandelten Personen in vielen Fällen zu erheblichen physischen und psychischen Problemen geführt und teilweise großes Leiden verursacht. Zahlreiche betroffene Menschen, die in ihrer Kindheit einem „normalisierenden“ Eingriff unterzogen wurden, empfanden ihn später als verstümmelnd und hätten ihm als Erwachsene nie zugestimmt. [...] Vielen Ärzten und Eltern ist mittlerweile bewusst, dass chirurgische Eingriffe im Bereich der Geschlechtsorgane traumatisierend sein können.

„Geschlecht als Abakus. Die Linien sind Kategorien wie Körper, gefühlte Identität oder Name. Die Kugeln sind deine Identität. Verschiebe sie und bastel deine eigene Zick-ZackLinie.“ (Karu) „Frauen sind auch nur Männer. Männer sind auch nur Frauen.“ (Julia) „Wir können nicht sagen: Intersexualität muss so oder so behandelt werden, das kommt auf so viele verschiedene Faktoren an, die wahrscheinlich niemand wirklich überblicken und einschätzen kann.“ (Malte) „Wir brauchen mehr Geschlechter-Unordnungen.“ (Vanessa)


SANDRAO: Ich bin ein intergeschlechtlicher Mensch und durch meine eigene Lebensgeschichte weiß ich, wie grausam es für ein Kind ist, sich „falsch“ zu fühlen. Es ist mir ein großes Anliegen, dass Kinder und Eltern korrekt aufgeklärt werden und keine ungewollten Zwangsoperationen mehr durchgeführt werden. Ich nutze das Theaterstück für mich als eine eigene Therapie und finde, es ist eine sehr schöne Art, um dieses Thema in die Öffentlichkeit zu tragen.


KARU: Ich begleite das Projekt als Produktionsassistent*. Als freiberuflicher Theaterpädagoge* hat mich mein Interesse an biographischem Theater und nicht binären Geschlechtervorstellungen zum Projekt geführt. Ich bin die Kommunikationsschnittstelle für alle Beteiligte und unterstütze den Probenverlauf und die Öffentlichkeitsarbeit. SWANA: Erfahrungen spürbar machen: What you see is not always what you expect. Fragen stellen, sich selbst und anderen. Get in touch. Gemeinsame und eigene ästhetische und poetische Übersetzungen für Räume und eines jeden individuelle Hülle schaffen. Feel the contact. Theater erscheint mir um soviel wirklicher als die Realität. MAIKE: Ich bin für die Produktionsleitung zuständig - Fördergeldanträge, Abwicklung und Abrechnung. Das ist sicherlich der von der künstlerischen Arbeit am weitesten entfernte Arbeitsbereich. Was in meinem Leben jedoch korrespondiert, ist der Glaube, dass es so viele Geschlechteridentitäten wie Menschen gibt. Und ich vermute, mein Weltbild wird sich auch mit dieser Produktion, wie schon so oft, wieder verändern und erweitern.


VERENA: Es gibt eine Karriere, die wir alle gemeinsam haben – egal, ob wir sie mögen oder nicht: als Person und als geschlechtliches Wesen erkannt zu werden. Früher oder später müssen wir alle daran arbeiten als solche anerkannt, begehrt und geliebt zu werden. (frei nach Bette Davis in „All about Eve“ 1950) CARMEN: Ich will den Schwindel nutzen, auch den leisen Tönen der Wirklichkeit Gehör zu verschaffen; das Zuhören neu zu lernen. Ich will in Bewegung bleiben, ich will bewegen. Ich will radikale Veränderung zulassen – auf, vor, von und hinter der Bühne. GERNOT: Ich bin Filmemacher im Bereich Dokumentarfilm, Theatervideo und Making Of und zuständig für die mediale Dokumentation des Projektes. Ich suche bewegende Momente, informative Statements und aussagekräftige Szenen. Die Filme zeigen den Probenprozess bis zur Aufführung, portraitieren die Performer*innen und thematisieren Intersexualität aus der Perspektive der beteiligten „Selbstspieler“.


GLOSSAR 17-HSD3-Mangel Ein Intersex-Syndrom, das auf Störungen der Androgenbiosynthese zurückgeführt wird und zu einer verminderten Testosteronbildung führt. Kinder mit 17ß-HSD-Mangel weisen bei der Geburt äußere weibliche Geschlechtsmerkmale auf, das innere Genitale ist männlich. Es sind Hoden und für ein männliches Genitale typische Wolffsche Gänge vorhanden. Die Müllerschen Strukturen, aus denen sich das weibliche Genitale bildet, fehlen hingegen. Bougieren (auch Dilatation) Das Aufdehnen einer Engstelle in einem röhrenartigen Organ des Körpers. Nach Operationen an der Scheide oder für Neubildungen (Neovagina) wird ein Vaginalstent, auch Dilatator oder Bougierstab genannt, verwendet um die Vagina zu dehnen und offen zu halten. Cis-Frau/Cis-Mann: Menschen, die bei der Geburt männlich weiblich zugeordnet werden und sich auch so definieren. CAIS (Complete Androgen Insensitivity Syndrome), Komplette Androgenresistenz. Durch die Blockierung der And-

rogenwirkung kommt ein chromosomal männliches Kind mit weiblichem Genital zur Welt; erst in der Pubertät stellt sich die Zwischengeschlechtlichekeit heraus. DSD „Differences of Sex Development“ oder „Disorders of Sex Development“: Sammelbezeichnung für alle Abweichungen der sexuellen Entwicklung. Endometriose Gynäkologische Erkrankung von der ca. 10% aller Frauen betroffen sind. Herde aus gebärmutterschleimhautähnlichem Gewebe, die, wie die Zellen der Gebärmutter dem Zyklus unterliegen und Blutungen auslösen, treten an anderen Stellen im Körper auf. Das Blut kann nicht abfließen, was Zysten, Verwachsungen und Entzündungen verursachen kann, die zu starken Schmerzen und auch zur Gefährdung anderer Organe führen. Ein hoher Östrogenspiegel lässt die Erkrankung aufflammen. Die Ursachen für die Entstehung der Krankheit sind noch immer wenig erforscht. Geschlecht, / biologisch Körperliches Geschlecht (auch als sex bezeichnet), umfasst das chromosomale, gonadale und hormonale Geschlecht. / chromosomal Das durch die Geschlechtschromo-


somen festgelegte Geschlecht (z.B.: XY, XXX) / gonadal Geschlecht, wie es durch die Beschaffenheit der Keimdrüsen (z.B.: Eierstöcke) zum Ausdruck kommt / hormonal Geschlecht, wie es aufgrund des Hormonstatus zum Ausdruck kommt / -sidentität Beschreibt wie eine Person sich mit ihrem Körper, ihrer hormonellen Ausstattung, ihrem Empfinden und ihrer Biografie geschlechtlich einordnet und darüber ihre sexuelle Identität ausbildet. (auch als psychisches Geschlecht bezeichnet). / sozial Die in den Beziehungen zwischen Menschen wirksame Deutung der anatomischen, genetischen und hormonellen Geschlechtsmerkmale. / -errolle Die in den Beziehungen zwischen Menschen wirksamen, an den Geschlechtsmerkmalen ansetzenden Erwartungen. Gonaden [auch Keimdrüsen] Organe, in denen die Keimzellen (Ei- bzw. Samenzellen) gebildet werden; beim weiblichen Geschlecht: Eierstock; beim männlichen Geschlecht: Hoden. Hermaphroditismus, echter Eine Person mit Hermaphroditismus besitzt Keimdrüsengewebe beider Geschlechter. Dabei

können die Keimdrüsenanlagen links und rechts verschieden sein, oder auf jeder Seite als Mischgewebe bestehen. Der Chromosomensatz kann sowohl ein männliches oder weibliches chromosomales Geschlecht aufweisen. Häufig wird auch ein abweichender chromosomaler Status festgestellt. Das äußere Erscheinungsbild Betroffener ist variabel und kann sowohl männlich als auch weiblich oder nicht zuordenbar sein. Intersexualität [auch: Zwischengeschlechtlichkeit] Menschen, die sich aufgrund von körperlichen Besonderheiten des Geschlechts nicht eindeutig als männlich oder weiblich einordnen lassen. Pseudohermaphroditismus Veralteter Begriff, der eine Abgrenzung vom „echten H.“ erlauben sollte. Das äußere Geschlecht weicht beim Pseudohermaproditismus vom gonadalen Geschlecht ab. Turner-Syndrom Chromosomenstörung, bei der in jeder Zelle nur ein X-Chromosom vorliegt (kein zweites X bzw. auch kein Y-Chromosom). Vaginalplastik Chirurgischer Eingriff zum Aufbau eines Scheidengangs und der inneren Scheide.


„Die Annahme es gäbe nur Männer und Frauen , ist so absurd , als würde man auf dem Standpunkt verharren, die Erde wäre eine Scheibe.“ (Lucie Veith)

WIR BEDANKEN UNS HERZLICH BEI: Anjo und Dirk Kumst / Lucie Veith / Danis, Ruth, Kerstin, Micha, Stephanie, Anne-Elisabeth, Lisa, Christiane, Armin, Lenus für die gemeinsamen Workshops und Geschichtensammlung / Suse Hartmann und dem Team des Goldbekhaus (Hamburg) / Veronika Alteruthemeyer-Beck / dem Team des Freizeitheim Linden (Hannover) / Mariam Soufi Siavash / Martina Hein und dem FAUST e.V. Team / Anja Schlake für die Badewanne / den vielen weiteren Menschen die unseren Arbeitsprozess begleitet und beeinflusst haben.


IMPRESSUM Frl. Wunder AG www.fraeuleinwunderag.net kontakt@fraeuleinwunderag.net Layout, Satz: Malte Pfeiffer Redaktion: Karu Grunwald, Verena Lobert Quellen: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) (2012): Geschlechtsidentität und Menschenrechte im internationalen Kontext. http://www.bpb.de/apuz/135448/geschlechtsidentitaet-und-menschenrechte-iminternationalen-kontext?p=all (Stand: 10.08.2015) O Deutscher Ethikrat (Hrsg.) (2012) Berlin: Intersexualität Stellungnahme. www.ethikrat.org/dateien/pdf/stellungnahme-intersexualitaet.pdf (Stand: 10.08.2015) O Deutsche Olympische Sportbund (Hrsg.) (2009): Intersexualität und Hochleistungssport. http://www.dosb.de/tr/ leistungssport/spitzensport-news/detail/news/intersexualitaet_und_hochleistungssport/ (Stand: 10.08.2015) O www.dritte-option.de O Internationale Vereinigung intersexueller Menschen (Hrsg.) (2013): PM: Mogelpackung für Inter*: Offener Geschlechtseintrag keine Option. http://www.intersexualite.de/index.php/pm-mogelpackung-fur-inter-offener-geschlechtseintrag-keine-option/ (Stand 10.08.2015) O Laframboise, S.; Anhorn, M. (2008): The way of the two spirited people. http://www.dancingtoeaglespiritsociety.org/twospirit.php (Stand: 10.08.2015) O Le Ker, H. (2009): Intersexualität im Sport: Wettkampf der Geschlechter. http://www.spiegel.de/ wissenschaft/medizin/intersexualitaet-im-sport-wettkampf-der-geschlechter-a-643997.html (Stand: 10.08.2015) O o.N.: Geschlecht in anderen Kulturen. http://geschlechtsneutral.wordpress.com/informationen/geschlecht-inanderen-kulturen/ (Stand 10.08.2015) O Spiegel online (Hrsg.) (2015): Geschlechtsbestimmung im Spitzensport: Dutee Chand darf wieder sprinten. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/geschlechtsbestimmungdutee-chand-darf-wieder-sprinten-a-1045609.html (Stand: 10.08.2015) O o.N: Geschlechtsüberprüfung beim Sport. https://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechtsüberprüfung_beim_Sport#cite_note-warren-2 (Stand:10.08. 2015) O Spektrum der Wissenschaft; Quelle: Ainsworth, C.: Sex redefined. In: Nature 518, S. 288-291, 2015. http://www.spektrum.de/news/die-neudefinition-des-geschlechts/1335086 O Truffer, D. (2008): Diskriminierung intersexueller Sportlerinnen weltweit. http://www.intersexuelle-menschen.net/presse/2008_08_06.php (Stand 10.08.2015) O WeltN24 GmbH (Hrsg.) (2008): Warum Sarah Gronert ihre Karriere unterbricht. http:// www.welt.de/sport/article2253480/Warum-Sarah-Gronert-ihre-Karriere-unterbricht.html (Stand: 10.08.2015) Quellen des Glossars: www.ethikrat.org/dateien/pdf/stellungnahme-intersexualitaet.pdf , S.190-196 O Christiane Völling: Ich war Mann und Frau. Mein Leben als Intersexuelle. Fackelträger 2010, S. 239-240, 245. O Kathrin Zehnder: Zwitter beim Namen nennen: Intersexualität zwischen Pathologie, Selbstbestimmung und leiblicher Erfahrung, transcript Verlag 2014, S. 83/84. O https://de.wikipedia.org/wiki/Bougierung Fotos und Abbildungen Karu Grunwald (Unterwasseraufnahmen) O Gernot Wöltjen (Probenfotos/Körperportraits)