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›› FRIZZ FOTOGRAFIE Redaktion: Konstantin Mahlow

ERFOLGSGESCHICHTE Mit einem Budget von gerade mal 500 Euro und improvisierten Übernachtungen auf den Sofas von Bekannten starteten einst die Wiesbadener Fototage als damals einziges Festival seiner Art, heute werden die Fotografen aus Helsinki eingeflogen. FRIZZ hat sich anlässlich der 11. Wiesbadener Fototage mit dem Gründer und Initiator Reinhard Berg über sein Projekt aus Leidenschaft unterhalten. FRIZZ: Die 11.Wiesbadener Fototage sind gerade erst vorüber. Die diesjährigen Schwerpunkte waren zum einen finnische Fotografie und zum anderen Werke von blinden Fotografen. Wie kam es zu dieser Wahl? Reinhard Berg: Wir kannten eine finnische Fotografin, die vor zwei Jahren bei den Fototagen ausgestellt hat. Die haben wir kontaktiert und gefragt, ob sie es hinbekommen würde, genug finnische Fotografen zu organisieren, um bei den diesjährigen Fototagen den Länderschwerpunkt zu bilden. Über ihre Mutter in Helsinki konnte sie dann immerhin zwölf Fotografen aus dem ganzen Land zusammentrommeln. Ihre Werke wurden vor Ort gesammelt und dann mit dem LKW von Helsinki nach Wiesbaden transportiert. Zur sogenannten „blinden“ Fotografie kam ich, als ich einen Film von meinem Freund Frank Amann, „Shot in the Dark“, über blinde Fotografen gesehen habe. Der hat mir den Kontakt zu einem Fotostudio mit blinden Künstlern in Berlin ermöglicht. Den Film haben wir ja auf der „Caligari FilmBühne“ gezeigt, mit denen wir übrigens auch seit Anfang an zusammenarbeiten. Ich glaube, dass Film und Fotografie sehr eng zusammengehören, auch wenn das auf anderen Festivals bisher nicht so gezeigt wird. Bei uns geht es aber weder um dokumentarische noch um journalistische Werke, im Mittelpunkt steht allein die Fotokunst. FRIZZ: 2002 fanden die ersten Wiesbadener Fototage statt. Was war damals der entscheidende Reiz für dich, das Projekt ins Leben zu rufen? Reinhard Berg: Heute würde ich das nicht mehr machen! Damals gab es in Deutschland kein Fotofestival, die „Hertener Fototage“ hatten gerade aufgehört. Ich weiß noch, wie wir in der Kneipe saßen und uns dachten ‚Oh Mann, jetzt ist

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das auch noch weg‘, es gab weder ein Festival noch eine Lobby für Fotografie. Damals habe ich mir gedacht: Wenn ich das nicht mache, macht das keiner. Für mich war das in dem Moment einfach klar. Heute gibt es natürlich viele neue Festivals überall in Deutschland, aber damals waren wir die einzigen. Das macht uns natürlich auch zum ältesten Fotofestival hierzulande, das ist ja schon mal was. Von Anfang an war übrigens mein Partner Frank Deubel dabei, der von uns beiden der Fotokünstler ist. FRIZZ: Seitdem ist viel passiert. Wenn du dir die Entwicklung von den ersten Jahren bis heute ansiehst, wie haben sich die Fototage verändert? Reinhard Berg: Da muss man sich vor allem den Etat ansehen. Beim ersten Mal haben wir vom Kulturamt noch 500 Euro bekommen, heute sind es 65.000. Das ist nicht nur eine Art der Anerkennung. Klar, letztendlich ist das nur ein Betrag, aber der Unterschied liegt darin, dass wir jetzt großzügig Fotografen einladen können und die auch in guten Hotels unterbringen. Früher hat der eine hier bei Freunden gepennt, der andere da…es war einfach kein Geld da, schon gar nicht fürs Hotel. Soweit, dass wir jeden Fotografen ein Ausstellungshonorar ausstellen können, sind wir bei 57 Fotografen noch nicht, aber wir übernehmen den größten Teil aller Kosten. Das höhere Budget nimmt vor allem auch Druck weg. Mit 500 Euro kannst du dir keinen Fehler erlauben, sonst kannst du gleich aufgeben. Jetzt können wir den Fotografen entgegen kommen und einfach großzügiger sein, alles ist entspannter. FRIZZ: Ab 2019 beginnt für die Fototage mit der Eingliederung in eine Foto-Triennale eine neue Phase in der langen Geschichte. Was hat es damit auf sich?

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Stadtmagazin September 2019

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