Page 8

08 Konzert 0513 LE:! Muster HA 22.04.13 12:02 Seite 8

KONZERT N Text & Foto:Volly Tanner

„Wir bleiben ruppig“ K Für etwas einzutreten, heißt ja nicht unbedingt alles andere zu verteufeln. Glücklicherweise hat Tarcy Mirinda, die Sängerin von The Heroine Whores, dies schon länger verstanden – und so kommt es am 11.Mai zu einer sehr speziellen Show in Leipzig.Volly Tanner traf die junge Grunge-Piratin im Vorfeld zum Ausquetschen.

Am 11. Mai gibt es die „Grrrl Style Now! Pro-woman, but not anti-men night!“ unter anderem mit Ihrer Band The Heroine Whores im Plaque im Leipziger Westen. Was ist der Grund für – explizit – diese Veranstaltung? Ich und Doro (Veranstalterin) haben das zusammen organisiert. Sie war die Initiatorin, indem sie mich eines Tages anschrieb, ob wir uns nicht mal treffen wollen in einer Bar in Leipzig, sie habe da so eine Idee für eine Veranstaltung. Und seitdem arbeiten wir an der Umsetzung dieser Idee. Der Hauptgrund für diesen speziellen Abend mit diesem speziellen Thema ist, dass Frauen bei Veranstaltungen, sei es in der Musik, der Kunst, Lyrik oder Literatur, meist zu kurz kommen. Das waren unsere persönlichen Erfahrungen, die uns unzufrieden mit der Szene werden ließen. Wir wollten etwas Eigenes auf die Beine stellen und möchten mit dieser Veranstaltung einfach vorrangig künstlerischen Frauen eine Plattform bieten, ihre Werke zu präsentieren. Auf der anderen Seite wollen wir auf keinen Fall Männer ausschließen! Es werden viele Männer an dem Abend, z.B. in der Organisation und in den Bands, mitwirken, und das ist auch gut so! Was wir von Anfang an nicht wollten und immer noch nicht wollen, ist eine männerfeindliche Veranstaltung!

8

FRIZZ Mai 2013

„Der Hauptgrund für diesen speziellen Abend ist, dass Frauen bei Veranstaltungen, sei es Musik, Kunst oder Literatur meist zu kurz kommen.“ Tarcy Mirinda

Wie sind Sie an die Protagonistinnen herangekommen – der Bogen zwischen Frau Sophie Sumburane und Dane Joe (Industrial / Live-Elektronik/Post Punk aus Israel/Berlin) ist ja doch recht weit gespannt?

Im Vorfeld schwirrten mehrere Locations durch die Szenegerüchteküche. Selbst die Schaubühne Lindenfels war im Gespräch. Warum jetzt der kleine Alternativ-Club Plaque?

Die Bands bzw. musikalischen Acts kannte ich schon vorher. Mit I’m a Sloth (Grunge aus Wien) wollten wir schon längst zusammen auftreten – leider hatte es sich nie organisieren lassen – bis jetzt! Dane Joe hat dieses Jahr, zusammen mit ihrem anderen musikalischen Projekt (direkt aus Jerusalem), bereits in Leipzig gespielt. Auf die Suche nach literarischen, lyrischen und künstlerischen Acts für die Veranstaltung habe ich

Ja, es standen einige Locations zur Debatte, wir haben uns nun für das Plaque entschieden, weil es für unser Vorhaben perfekt ist! Wir haben viele Freiheiten, können die Organisation selbst in die Hand nehmen, die Veranstaltung so umsetzen, wie wir das möchten. Inzwischen hat sich ein kleines Organisationsteam aufgebaut, das mir und Doro kräftig unter die Arme greift. Im Plaque herrscht eine großartige Atmosphäre, die sich dann auch auf die Künstler und das Publikum auswirken wird, sofern sie sich darauf einlassen. Auch die Grundsätze, die uns von Anfang an für eine solche Veranstaltung wichtig waren, passen zum Konzept des Plaque: kein Rassismus, kein Faschismus, kein Sexismus, keine Homophobie. Alles in allem passt das Plaque als Location am besten zu uns und der Veranstaltung, die wir geplant haben.

„Kein Rassismus, kein Faschismus, kein Sexismus, keine Homophobie.“ mich online begeben und eine Anfrage gestartet. Es haben sich einige Künstlerinnen bei mir gemeldet, unter denen wir dann folgende drei ausgewählt haben: Sophie Sumburane, Susanne Gläser und Kathrin Schünemann. So setzte sich das Puzzle immer weiter zusammen, bis hin zum Moderator des Abends. Ich finde, es ist eine sehr gute Mischung aus Musik, Literatur, Lyrik und Kunst geworden, und bin selbst sehr gespannt darauf!

The Heroine Whores – also Ihre eigene Band – sind ja auch äußerst fleißig am Grunge-In-Die-Welt-Bringen. Gibt’s neues silbernes Futter? Neue Mitmusikanten? Veränderun-

gen im Sound? Oder bleibt’s krawallig und ruppig mit Martin und Ihnen? Unsere neueste CD ist eine EP, mit sechs Songs drauf. Wir haben sie erst im März diesen Jahres veröffentlicht. Das besondere an ihr ist, dass Ben Berg die Bass-Parts eingespielt hat. Ben lebt in den USA und hatte uns letztes Jahr besucht. Er hat auf unserer Tour einige Auftritte mitgespielt und uns sozusagen basstechnisch unter die Arme gegriffen. Er hat die 90er und den Grunge noch hautnah miterlebt, ist in der Gegend aufgewachsen, aus der auch Kurt Cobain stammt und war z.B. auch mit den Melvins befreundet, bekam Ende der 90er den Melvan geschenkt. Ben ist aber inzwischen wieder zuhause in den USA und arbeitet an neuen musikalischen Projekten. Martin und ich sind somit wieder in unserer Zweier-Formation: Drums, Gitarre & Gesang. Der Sound ist stellenweise etwas anders geworden. Unsere Basis ist Grunge, wir wurden und werden aber auch schon immer von anderen Musikrichtungen mit beeinflusst. Unser Set wird immer mehr eine Mischung aus krawallig ruppigem, dreckigen, noise-angehauchtem, konfusen, teilweise ruhigem Klang, der dann wieder in waghalsiges Geschrei und Gedröhne ausartet. N Grrrl Style Now! Pro-woman, but not anti-men night! 11. Mai; Plaque; Industriestraße 101

Frizz 0513 Leipzig  

Frizz 0513 Leipzig

Frizz 0513 Leipzig  

Frizz 0513 Leipzig

Advertisement