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30 Am Ende 0417 LE:! Muster HA 22.03.17 15:01 Seite 30

AM ENDE N Text & Bild: Volly Tanner

„Ich habe mein Leben immer in Opposition zu jeglicher Planbarkeit gestellt und die Zukunft, die kann für sich selber sorgen.“ Michael Schweßinger, Schriftsteller und Bäcker

Das letzte Wort hat ... K Das letzte Wort in diesem Monat hat der in Leipzig den Ausgangspunkt seines Weltenlebens habende Schriftsteller und Bäcker Michael Schweßinger. Hier kommt er zur Ruhe, und hier leben seine Freunde. Deshalb macht er sich auch Gedanken, so in seinem neuen Buch „Beim Esel links“ (Edition Subkultur bei Periplaneta) und im Gespräch

Herr Schweßinger, vollenden Sie bitte diesen Satz: An Leipzig hat mich in letzter Zeit besonders aufgeregt, dass... … viele Menschen ständig von Kommunikation und Diskurs reden, obwohl die Meinung des Gesprächspartners nur noch als – im besten Fall – schmückendes Beiwerk betrachtet wird, um sich mit einem Anschein von Offenheit zu umgeben. Was muss sich ändern? Schwierig zu sagen. Ich arbeitete die Jahre über in Irland, Rumänien und Spanien als Bäcker, meistens mit Menschen, die einfach ihrer handwerklichen Arbeit nachgingen und glücklich waren, dass sie über die Runden kamen. Das waren genau genommen alles keine wichtigen Menschen, die mich umgaben, und keiner hatte den Stein der Weisen in der Tasche. Dadurch war eine Diskussion eben ein Gespräch mit offenem Ausgang. Beide waren am Ende reicher. Hier in Leipzig hat man das Gefühl, dass viele sehr stark ideologisch denken. SchwarzWeiß-Denken, das sich nicht aus der Erfahrung der Welt speist, sondern von einem überhöhten Sen-

dungsbewusstsein getragen wird. Neulich beendete ein 20jähriger eine Diskussion mit diesem „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“-Adorno-Zitat. Diese Selbstgewissheit, dass das eigene Richtig auch das Richtig des Anderen sein muss. Etwas mehr Demut würde allen gut tun. Wie würden Sie Leipzig beschreiben, für den, der die Stadt nicht kennt? Als ich 2002 von Bamberg nach Leipzig kam, war Leipzig verglichen mit heute eine uncoole Stadt, in der viele Menschen zusammenkamen, die keine Lust hatten auf eine durchdesignte City, wie man sie vom Westen her kannte. Es war eine Stadt, in der jeder seine Freiheit finden konnte, ohne darum kämpfen zu müssen. Dieser offene Raum spiegelte sich auch in den Köpfen wieder, denn man ließ auch den Anderen ihre Freiheit. Niemand verwendete Begriffe wie „niederschwellig“ oder „Freiraum“ und dennoch war es all das. Das Label „Leipziger Freiheit“ hatte sich noch keiner ausgedacht, aber wir spürten genau das, als wir beispielsweise wie selbstverständlich auf dem Bürgersteig vor unseren

Verlagsräumen den Grill anschmissen. Leipzig ist erwachsen und professioneller geworden, die Räume werden enger, auch in den Köpfen – und diese Zärtlichkeit des Miteinanders ist vielerorts verloren gegangen. Zärtlichkeit lässt sich nicht erkämpfen. Dennoch gibt es nach wie vor sehr angenehme Orte und inspirierende Menschen. Im Vergleich mit anderen Städten dieser Größenordnung ist das auch ein wenig Jammern auf hohem Niveau. Welcher Ort ist Ihnen der liebste in der Stadt? Ich mag naive Orte, die unterschiedliche Menschen zusammenbringen. Irgendwann werden diese Orte meistens von einer Gruppe vereinnahmt und homogen. Gerade finde ich das OAP in der Klingenstraße als einen dieser Orte, an dem man angenehme Menschen trifft. Es erinnert ein wenig an die

Zeit, als man an jeder Ecke solche kulturellen DIY-Läden finden konnte. An welchen Ort in der Stadt würden Sie Besuch von außerhalb indes nie führen? Da gibt es keinen. Alles ist Welt! An den unwahrscheinlichsten Orten kann man erstaunliche Dinge erleben. Welche Pläne und Visionen haben Sie für die Zukunft? Ich habe mein Leben immer in Opposition zu jeglicher Planbarkeit gestellt und die Zukunft, die kann für sich selber sorgen. Versuche an den Orten, an denen dich das Leben führt, anständig zu bleiben, sag’ ich mir immer, und nicht vergessen, dass sich die Welt auch ohne dich weiterdreht! N www.michaelschwessinger.de

 www.leipzig-frizz.de

Tokio Hotel, Konzert

01. April, Haus Auensee, 20 Uhr, 1x2 Tickets N Kennwort: Tokio The Spencer Davis Group, Konzert

04. April, Haus Auensee, 20 Uhr, 1x2 Tickets N Kennwort: The Spencer Caligula, Theater

13. und 21. April, Neues Schauspiel, 20 Uhr, 1x2 Tickets N Kennwort: Caligula

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FRIZZ April 2017

Die große 90er-Party, Konzert

15. April, Haus Auensee, 20 Uhr, 1x2 Tickets N Kennwort: 90er Liquid Sunday, Festival

16. April, Wollspinnerei Altenburg, 1x2 Tickets N Kennwort: Liquid Double Crush Syndrome, Konzert

22. April, Hellraiser 20 Uhr, 1x2 Tickets N Kennwort: Double Crush

Paul Carrack, Konzert

22. April, Haus Auensee, 20 Uhr, 1x2 Tickets N Kennwort: Carrack

Walpurgisnacht-Open Air, Konzert

30. April, Peißnitzinsel Halle, 20 Uhr, 1x2 Tickets N Kennwort: Walpurgis

Marco Tschirpke, Lesung

27. April, Leipziger Funzel, 20 Uhr, 1x2 Tickets N Kennwort: Tschirpke Andrea Bongers, Kabarett

27. April, academixer, 20 Uhr, 2x2 Tickets N Kennwort: Bongers

Die Verlosung findet ausschließlich unter unseren Facebook-Freunden statt. Schreiben Sie uns über unsere FacebookSeite eine Nachricht mit dem Kennwort und ihrem Namen und Vornamen. Die Gewinner werden ebenfalls über Face book benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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