Page 9

08-10 Gesellschaft 0610 HA

21.05.2010

17:49 Uhr

Seite 9

Welche sind das?

Halle Messe in den Außenbezirken der Stadt der Gesamtentwicklung abträglich sein können. Zudem fehlt es noch immer an günstigen Möglichkeiten mit dem PKW ins Zentrum zu gelangen.

Wie kommt man auf die Zahlen in solch einer Erhebung?

Was folgt daraus? Anders als bei uns fahren die Leute aus dem Umland dort in die Städte rein und kaufen ein. Dies auch deshalb, weil die Zugänglichkeit fürs Umland gegeben ist. Halle hingegen hat sich heute fast so abgeschottet wie früher durch die Stadtmauern. Ich sage mal ganz despektierlich: Das Umland von Halle fängt schon am Rennbahnkreuz bzw. am Riebeckplatz an, dort, wo auch gleich der Zugang zur S-Bahn nach Leipzig ist. Wenn ich dort wohne, ist es im Prinzip egal, ob ich mit der S-Bahn nach Leipzig fahre oder zum Markt laufe. Das zeigt auf, dass Halle wesentlich kleiner ist, als man sich das normalerweise vorstellt, was vor allem an der fehlenden Erschließung bzw. Einbeziehung des Umlandes und seiner Kaufkraft liegt. Umland fängt eben nicht erst an der Stadtgrenze an, das ist nur bei der administrativen Grenze so der Fall.

Die kommen vom Amt für Statistik, man arbeitet mit dem Bruttoinlandsprodukt und dem verfügbaren Einkommen und greift natürlich auch auf die statistischen Landesämter zurück. Diese Zahlen kann sich auch jeder im Prinzip aus den Datenbanken im Internet ziehen. Welche Fehler sind gemacht worden, dass Halle so schlecht dasteht? Ich finde, Halle steht nicht schlecht da. Man muss sehen, wo die Relationen sind. Vielleicht könnte Halle noch günstiger dastehen, wenn man stärker auf das Umland zugehen und die Stärken des Umlands in die Stadt reinholen würde. Es gibt viele Fehlentscheidungen, die schon vor der Wende getroffen wurden, unter denen leidet die Stadt immer noch. Logischerweise! Aber auch, was danach gemacht wurde, ist nicht ganz und gar fehlerfrei. Da hat man nicht daran gedacht, dass viele Ansiedlungen von Firmen, von Verwaltungen, aber auch von Wissenschaftseinrichtungen oder der

Sie haben geschrieben, „Die Stadtregion bedürfe einer gewissen Pflege durch den Staat, um Ihre regionalen Wachstumsmotoren erhalten oder stärken zu können!“ Was sind die Motoren und wie sollte die Pflege aussehen? Allgemeine Motoren in der Marktwirtschaft sind zunächst einmal die privaten Firmen, die müssen gestärkt werden. Aufgrund von Fehlentscheidungen, die man

„Halle ist eine Medienstadt, wenn auch nur eine kleine. Aber wenn ich zum Beispiel auf dem Hauptbahnhof ankomme, finde ich kaum Hinweise darauf.“

nicht ohne Weiteres wieder wettmachen kann, sind einige Unternehmen zusammengebrochen, so dass wir hier in Halle in manchen Bereichen schwach positioniert sind. Das werden wir auch nicht von heute auf morgen verändern können, man muss also schauen. Und da macht die Stadt auch einiges, z.B. auf neue Technologien und Branchen setzen.

Stichwort Medienbranche. Ich weiß nicht, ob die Medienbranche allein das Richtige oder Wirksame ist, aber es ist ein enorm wichtiger Ansatz, um in der Stadt neue Impulse zu setzen. Die wenigen wirklich überregional agierenden Firmen bringen bisher allerdings nicht die Massenbeschäftigung, und dies wird auch mittelfristig kaum der Fall sein. Gleichwohl tut sich in der Medienszene viel. Um diese Entwicklung noch weiter zu fördern, müsste die Medienbranche im Stadtbild stärker sichtbar sein, so dass man sieht: Halle ist eine Medienstadt, wenn auch nur eine kleine. Wenn ich zum Beispiel auf dem Hauptbahnhof ankomme, finde ich kaum Hinweise auf die Medienstadt oder die Universitätsstadt. Was kann man für Halle tun? Die Erreichbarkeit verbessern und Attraktivität für die Bewohner aus dem Umfeld steigern. Vieles kann man besser zusammenhalten. Man muss dafür sorgen, dass die Menschen in die Stadt reinkommen und hier ihr Geld ausgeben. Wenn monatelang diskutiert wird, um zu entscheiden, ob der Markt zur Steigerung seiner Anziehungskraft mit Rollrasen begrünt wird, dies aber erst geschieht, wenn die Saison schon fast gelaufen ist, wirft dies natürlich kein gutes Licht auf die Stadt. Oder wenn ich Baustellen einrichte, die wiederum dazu beitragen, dass alle Leute sagen „Nur nicht nach Halle fahren!“, das ist natürlich auch nicht der Entwicklung förderlich. Die Stadt muss fürs Umfeld attraktiv sein. Wenn ich z. B. sehe, dass einige Parkhäuser häufig geschlossen sind, dann ist das ungünstig für die Erreichbarkeit der Stadt und für die weitere Entwicklung.

Juni 2010 FRIZZ

9

Frizz 0610 HA  

Frizz 0610 HA

Frizz 0610 HA  

Frizz 0610 HA

Advertisement