Page 1

:Wer ist eigentlich diese f端mpf?

campusdelicti


Dieser Satz kein Verb. Oder: Party dick wie Torte groß Sonne gut, Regen doof. Weil Regen viel, Stimmung blöd. Wasser Luft Regen dumm! Wenn Sonne da, Sonnenbrand Leute viel. Aber Feuer heiß, Stimmung heißer! Ergebnis: Hannah Schüssel Sprung. Dann Duschen kalt, Bier warm. Oder anders? Ach ja, Party Schlaf wenig. Schlaf ganz weg, wenn Mücke da. Klappe zu, Affe tot. Dann Yoga gut, weil ruhig. Dagegen Zug laut, Kommunikation Ende. Dann Orgas planlos. Kein Plan, Orga-Los. Orgas weg? Nein, sonst Camp tot. Camp aber noch jung, erst fünf. Bald zehn? Ja, wenn Teilnehmer glücklich. Das Kathrin Kino Kopf. Aber Kathrins Hut auf Kopf gut. Dann Bodensee toll! Geburtstagsparty dick wie Torte groß. Essen Leute Schlange? Essen Leute Schlange. Würstchen kalt, trotzdem lecker. Wie Bier!

10/

Mit Bier, Zeitung toll. Zeitung toll, wenn dick. Deshalb Nerven blank und Köpfe leer. USB weg = doof. Wenn Drucker tot, Layout sauer und Zeitung schlecht. Red Bull da, wenn Zeitung fertig. Na toll! Ach ja: Wir verlosen ein Buch! Wer uns bis zum 15. August einen Text schickt, der dieses Editorial entschlüsselt und in eine lesbare Geschichte packt, kann „Journalist werden“ von Gabriele Goderbauer-Marchner gewinnen.


.breV niek ztaS reseiD ßorg etroT eiw kcid ytraP :redO -mitS ,leiv negeR lieW .food negeR ,tug ennoS nneW !mmud negeR tfuL ressaW .dölb gnum reueF rebA .leiv etueL dnarbnennoS ,ad ennoS lessühcS hannaH :sinbegrE !reßieh gnummitS ,ßieh .gnurpS hcA ?sredna redO .mraw reiB ,tlak nehcsuD nnaD -üM nnew ,gew znag falhcS .ginew falhcS ytraP ,aj liew ,tug agoY nnaD .tot effA ,uz eppalK .ad ekc .ednE noitakinummoK ,tual guZ negegaD .gihur sagrO .soL-agrO ,nalP nieK .solnalp sagrO nnaD .tot pmaC tsnos ,nieN ?gew ,aJ ?nhez dlaB .fnüf tsre ,gnuj hcon reba pmaC oniK nirhtaK saD .hcilkcülg remhenlieT nnew -oB nnaD .tug fpoK fua tuH snirhtaK rebA .fpoK .ßorg etroT eiw kcid ytrapsgatstrubeG !llot eesned .egnalhcS etueL nessE ?egnalhcS etueL nessE !reiB eiW .rekcel medztort ,tlak nehctsrüW .kcid nnew ,llot gnutieZ .llot gnutieZ ,reiB tiM = gew BSU .reel efpöK dnu knalb nevreN blahseD gnutieZ dnu reuas tuoyaL ,tot rekcurD nneW .food .thcelhcs !llot aN .gitref gnutieZ nnew ,ad lluB deR muz sib snu reW !hcuB nie nesolrev riW :aj hcA lairotidE seseid red ,tkcihcs txeT nenie tsuguA .51 ,tkcap ethcihcseG erabsel enie ni dnu tlessülhcstne -uabredoG eleirbaG nov “nedrew tsilanruoJ„ nnak .nenniweg renhcraM-re

-2


Inhalt 20/


P

Workshops

Diskussionsrunden

In & Out, Dialekte Regen, Bettgeschichten Workshops Interview & Musikjournalismus Abschlussparty & Mörderspiel Kurzfilme Organizing Glückwunsch

5 Plagen Flirttipps Jahre BSC


WIE STELLST DU DIR DIE MEDIEN DER ZUKUNFT VOR? Nina Dom, 19 Köln, Deutschland Layout-Workshop „Wir kommen aus den Zeiten, wo die Bücher noch mit der Hand geschrieben wurden und arbeiten inzwischen nur noch mit dem Computer. Die Medien werden immer schneller und in Zukunft auch nicht mehr auf Papier gedruckt.“

Sophie Zmijanek, 18 & Julian Roos, 17 München, Deutschland Improworkshop

„Generell wird es weniger Printmedien und mehr Onlinemedien geben. Die Zeitung wird sich einschränken, allerdings wird sie als wichtiges Kulturgut nicht verschwinden. Ebenso wie das Theater und besonders das Improtheater nicht verschwinden werden. Die Kultur kann nicht durchs Kino ersetzt werden. In Zukunft wird es mehr Blogger geben und mehr Leute, die Journalismus nebenbei betreiben.“

Philipp Schmiede, 17 Bayreuth, Deutschland Orga-Team: „Ich denke, dass neue Internetangebote die Zeitung ersetzen werden. Heutzutage druckt die Zeitung die Nachrichten von gestern und deswegen wird sie nur noch zur Ergänzung gelesen. Meine Eltern lesen die Zeitung beispielsweise nur wegen den Todesanzeigen. In der Zukunft wird die Kenntnis einer Nachricht voraus gesetzt. Es wird nur noch Hintergrundmaterial gedruckt, bis sie schließlich ganz vom Onlinejournalismus ersetzt wird.“

Oliver Sebl, 21 Interlaken, Schweiz Cheftechniker (OrgaTeam) „Das Internet wird das einzige Medium sein, da es viel schneller und immer aktuell ist. Ich kann mir vorstellen, dass die zukünftige Zeitung auf das Handy geladen werden kann.Generell werden vermehrt Bilderzeitschriften auftreten, mehr Fotos und weniger Text. Infotaiment ist das Stichwort.

In ein paar Jahren werden nur noch Programme verkauft. Die Medien werden sich auf bestimmte Themen spezialisieren. Sodass die Zeitung nur aus einzelnen Programmen besteht, die unabhängig voneinander runtergeladen werden können.“

Jane Schulz, 19 Münster, Deutschland Musikjournalismus

„Meine Befürchtung ist, dass der Onlinejournalismus den Print verdrängt. Da ich aber aus dem Printbereich komme, hoffe ich, dass die Zeitung nicht verschwindet. Die Medien werden sich in der Zukunft enger verknüpfen, sodass es neue Kombinationen aus verschiedenen Medienformen geben wird. Teilweise gibt es ja auch schon Zeitungen mit angegebenen Internetlinks, die dann noch weitere Fotos, Filme und Foren beinhalten.“

Ann-Katrin Wieland, 21,

Hochdorf, Deutschland

Improworkshop

„Wahrscheinlich entwickeln sich die Medien zurück zum Print, da der Onlinetrend nachlassen wird. Die Jugendlichen werden die Zeitung wieder mehr schätzen lernen. Dabei werden die Regionalnachrichten verstärkt vorkommen und Überregionalangebote werden aufgrund mangelnder Nachfrage verdrängt. Vielleicht gibt es dann ganz neue Medienformen. Schließlich wurde nach der Erfindung des Buchdrucks auch festgestellt, wie wichtig die Lektüre für die Gesellschaft ist.“

Autor  Ann-Kathrin Töpper & Elena Iwanski Layoutor  Christina Mylko Foto Damaris Punz


ANZEIGE

Wer fotografiert mich?

Arbeitstage

+ 2 freie Tage

RUF MICH AN! <3


4x -12


Erst die Arbeit...

16

10 Diskussionsrunden

Kommastelle

Workshops

von pi


Reden mit Autor Ann-Kathrin Töpper

Beine an

Menschen

I

m Moderationsworkshop lernten die Teilnehmer bei Matthias Rohrer erfolgreich moderieren.

Händen und Füssen Layoutor  Jan Dibbern, Tamina Klinger

formation, also der Sachinhalt einer Nachricht, übermittelt. Sondern auch die persönliche Beziehung, die eigene Empfindung und der Appell fließen mit ein. Damit nimmt der Empfänger einer Nachricht 90 Prozent über die so genannte Beziehungsebene wahr. Angeregt diskutieren die Teilnehmer die Auswirkungen des so genannten Eisbergmodells. In jeder Diskussionsrunde sollte es das Ziel des Moderators sein die eigentliche Nachricht, also die restlichen zehn Prozent zu übermitteln und ein gutes Klima zu schaffen.

Wohlfühlen wird hier ganz groß geschrieben. Der ganze Workshop für Moderation richtet sich nach diesem Leitthema: Wohlfühlen ist das Wichtigste. Der Referent Matthias Rohrer (22) verdeutlicht dieses Lebensgefühl seinen zukünftigen Moderatoren mittels seiner Körperhaltung. Die Füße schulterbreit und »wie das Lehrbuch sagt« sollten die Arme auf Brusthöhe gestikulieren. Jeder hat da seine eigene Technik. Wichtig ist nur, dass der Moderator seinem Publikum beim Zuhören ein positives Gefühl gibt. Dabei ist es wichtig, die Aufmerksamkeit des Publikums zu wecken und Um die Atmosphäre noch zu verbes- über die Präsentation hinweg zu halten. sern, werden kurzerhand die Sitzbänke Der Einsatz von Präsentations- und aus dem Workshopzelt nach draußen Visualisierungsmethoden ist deswegen getragen und die weitere Präsentation hilfreich zur besseren Einprägung der findet direkt am Bodensee statt. Alle Informationen. Trotzdem müssen die Teilnehmer sind aufmerksam dabei zukünftigen Moderatoren bei Power und sitzen bequem auf der Bank. Zur Point und anderen visuellen HilfsAbwechslung scheint die Sonne, auch mitteln darauf achten, dass die Art in den Gesichtern. der Medien zum Publikum passt und dass die Räumlichkeit die Umsetzung Zuerst untersuchen die acht Teilneh- ermöglicht. »Schließlich sollten die vimer des Workshops die verschiedenen suellen Hilfsmittel nicht die AufmerkEbenen bei der Kommunikation samkeit von den Informationen lenken« zweier Personen. Schließlich wird sagte Matthias Rohrer, »die Nachricht beim Sprechen nicht nur eine In- muss kurz und knackig sein«.

Foto  Armin Forster

Matthias vermittelt nicht nur die Informationen, sondern lebt die Art einer Präsentation direkt vor und hält sich an seine eigenen Tipps. Neben seiner Arbeit an dem Institut für Jugendkulturforschung als Forschungsassistent und seinem Vorstandssitz bei der Jugendpresse Österreich, studiert er Kultur- und Sozialanthropologie und Soziologie. Dadurch hat der 22Jährige schon viele Erfahrungen im Journalismus besonders im Bereich Moderation und engagiert sich für die Jugend. Das BodenseeCamp besucht er schon zum dritten Mal und auch dieses Jahr werden die zukünftigen Moderatoren die Abschlussveranstaltung sowie die Zaubershow moderieren. Dafür müssen sich die zukünftigen Moderatoren allerdings noch vorbereiten und deswegen winkt Matthias seine Teilnehmer wieder an Land, die die Gelegenheit genutzt haben und unauffällig mit einem Ruderboot geflüchtet sind.


„Irgendwann wurde die Zauberei zur Sucht!“

»

Hat schon mal jemand deine Gedanken gelesen?« Konzentriert führt Nina Renth ihren neu erlernten Kartentrick vor. Eine andere Teilnehmerin des Zauberseminars übernimmt den Assistentenpart. Sie mischt die Karten, sucht sich eine aus, merkt sich diese Karte und legt sie wieder zurück in den Stapel. Nun ist Nina dran. »Die Karte war rot. War es eine Herz drei?«

Wie dieser Trick genau funktioniert, verrät sie natürlich nicht. Nur, dass sie »es interessant findet, wie man Leute hinters Licht führen kann« und »dass man lernt, andere durch Reden abzulenken«. Bis ein Zauberer einen Trick vorführungsreif beherrscht, muss viel geübt werden. Vor allem darf er nicht gleich verzweifeln, wenn es nach mehreren Versuchen immer noch überhaupt nicht klappt. Aber »in der Gruppe macht das Üben total viel Spaß«, deshalb kommt keiner auf die Idee, aufzugeben. Kaum wird der alte Trick von allen gekonnt,

Wörrlein

fängt Workshopleiter Maik Schindler mit einem neuen an. So steigert sich die Schwierigkeit zunehmend und am Ende der drei Tage sind die Teilnehmer fit für das Aufführen einiger Tricks. Maik Schindler zaubert seit seiner Kindheit. »In meiner Schule gab es mal einen Zauberkünstler, das fand ich ganz lustig. So habe ich mit meinem ersten Kartenset angefangen.« Da er nicht mehr von »dieser Sucht« loskommen konnte, besuchte er einige Zauberseminare in Berlin, um mehr zu lernen und besser zu werden. »Viele Tricks habe ich mir aber auch durch Lesen beigebracht« Mittlerweile benutzt er nicht mehr nur Literatur und Seminare um neue Kunststücke in sein Programm einzubauen. Häufig

Foto  Christoph Bialdyga

Foto  Sebbe Stahlke

Autor  Marina

Layoutor  Jan Dibbern, Tamina Klinger

zeigt er auch selbst entwickelte Zaubertricks, die er dann in seinen Shows dem Publikum vorführt. Bis Maik einen Trick perfekt beherrscht, vergehen zirka zwei Monate mit täglicher Trainingstunde vor dem Spiegel. Erst wenn alles reibungslos funktioniert, ist der Trick bühnenreif. Denn wenn die Zuschauer hinter das Geheimnis kommen, ist die Magie verloren und die ganze Show verdorben. »Ich finde es toll, wenn die Leute im Publikum mit einem Funkeln in den Augen sitzen, so wie es sonst nur Kinder haben.«

+ 5,5

,5


Pimp your Text Digital Storytelling verbindet Bilder, Text und Musik zur multimedialen Geschichte Autor  Ruth Flierl

T

Layoutor  Jan Dibbern, Tamina Klinger

Alexandra räumt mit Vorurteilen und Klischees gegen ihre angebliche PC-Sucht auf, Gregor beschreibt seine Liebe zur Musik und Lukas verschiedene Definitionen von Glück. Vera hat aus ihrer Not ein passendes Thema zu finden eine Tugend gemacht. Sie gibt ihre Schwierigkeiten beim kreativen Ideensammeln und Tipps ihrer Mitmenschen gegen Ideenlosigkeit in ihrer Digital Story wieder. Sobald der Text steht, muss dieser in Bildern festgehalten Der erste Schritt bei der Entwicklung einer digitalen werden. Eigene Fotografien, Zeichnungen oder Vorlagen Geschichte ist die Ideensammlung. aus dem Internet illustrieren die Geschichte. Das Erlaubt ist, was gefällt. Die beiden Workshopleiter Johnny Aussuchen der Bilder kann mühsam sein, da man nicht Rinderer und Conny Ammann legen aber großen Wert auf urheberrechtlich geschützte Fotos zurückgreifen darf. darauf, dass die Geschichten Im Schnitt werden für die Persönlichkeit der acht ein Video 26 Bilder Teilnehmer widerspiegeln benötigt, die dann in und aus ihrem Leben einem Computerprogramm gegriffen sind. »Die zusammengesetzt und Jugendlichen sollen lernen, bearbeitet werden können. Medien kreativ zu nutzen und Der Fantasie sind keine nicht nur passiv aufzusaugen«, Grenzen gesetzt, um die fordert Workshopleiter Wirkung des Textes in Johnny Rinderer. bildlicher Darstellung zu Zusammen mit Conny verstärken. Beim Schreiben Ammann leitet er bereits des Textes sollte deshalb seit einigen Jahren Kurse schon in Bildern gedacht unter dem Motto »reflect werden. »Das Script sollte and act«. Die gleichnamige aber auf keinen Fall ein reines Internetplattform bietet Medieninteressierten die Beschreiben der Bilder sein.«, rät Workshopleiter Johnny. Möglichkeit, ihre Gedankenwelt medial zu reflektieren Der vierte Schritt zum selbst gestalteten Videoclip ist das und kreativ zu gestalten. Die beiden Workshopleiter Aufnehmen des geschriebenen Textes. So bekommt das nutzen unter anderem in der Suchtprävention dieses Video eine persönliche Note, was unter anderem den Reiz Verfahren, um »die Sozial- und Medienkompetenz der des Digital Storytelling ausmacht. Was bei keinem guten jungen Menschen zu fördern und zum Darstellen ihrer Film fehlen darf, ist die Hintergrundmusik. Hier bietet Lebenswelt anzuregen«. In den Kursen der beiden finden sich Instrumentalmusik an, die mit der Sprachaufnahme Jugendliche Zugang zu Medien und lernen ein Thema auf nicht konkurriert. Die richtige Auswahl der Musik mehreren Ebenen zu verarbeiten. In einem Beispielvideo, ist entscheidend, um dem Zuschauer Emotionen zu das in Connys und Johnnys Jugendarbeit entstanden vermitteln. Gregor kann sogar auf Songs seiner eigenen ist, verarbeitet ein junges Mädchen sehr persönlich und Band zurückgreifen, was sein Werk authentisch macht. Er bewegend ihre Drogenvergangenheit und den Weg aus der ist von seiner Workshop-Wahl sehr begeistert, weil er den Sucht. DST-Workshop für eine Kombination aus allen anderen Workshops hält. Ist die passende Idee dann gefunden, müssen die Gedanken Zum Schluss erfolgt die Postproduktion. Dabei werden in strukturierter Form niedergeschrieben werden. Kurz die Bilder und die Sprachaufnahme zusammengelegt und und prägnant sollen die Texte sein, eine klare Aussage bearbeitet. Die fertigen Videos können anschließend in und Botschaft vermitteln. Die Geschichten der Workshop- Internet veröffentlicht werden und ersparen so neugierigen Teilnehmer sind so unterschiedlich wie sie selbst: Mitmenschen das Stöbern in fremden Tagebüchern. agebuch schreiben war gestern- die moderne Form, Gedanken und Gefühle auszudrücken heißt Digital Storytelling (DST). In kurzen Videoclips von zwei bis vier Minuten wird in Bild, Musik und gesprochenem Text eine persönliche Geschichte festgehalten und für andere abrufbar gemacht.

2x30/

Foto  Sebbe Stahlke


Improvisieren ist nicht peinlich

Von mordenden Skifahrern und selbst reinigenden Klobrillen Autor  Julius Lüdtke Layoutor    Jan Dibbern, Tamina Klinger Foto  Christoph Bialdyga

»

Was wollen sie hier? Und wer sind sie eigentlich?« Die emsige Hausfrau guckt verdutzt. Soeben ist ein wildfremder Mann in ihre Wohnung spaziert. Sie droht: »Verlassen sie auf der Stelle mein Haus, oder ich rufe die Polizei!« Doch der Mann hat anderes im Sinn: Er schnappt sich kurzerhand den neben der Tür stehenden Sessel und wandert seelenruhig durch das Wohnzimmer Richtung Ausgang. Dabei bemerkt er: »Wissen sie, dass dieser Sessel 300 Euro wert ist? Er steht mir zu. Meine Großmutter hat ihn vor 100 Jahren gekauft!« die wutentbrannte Hausfrau greift zum Telefon: »Hallo, ich habe hier einen Einbrecher. Er versucht gerade meinen alten Eichensessel zu stehlen!« Kurz darauf trifft ein Polizeibeamter am Tatort ein. Der ungebetene Gast wird aggressiv und setzt sich zur Wehr: »Ich bin bewaffnet!« Er zückt ein Messer und sticht zu, der Polizeibeamte sinkt schreiend zu Boden.

versuchen dabei, eine Situation darzustellen, wie auf einem Gemälde. Reden ist Tabu. »Der Sinn dabei ist es, den Anderen anhand seiner Körpersprache zu verstehen. Manche konzentrieren sich bei ihrem Auftritt nur auf sich selbst, fahren den reinsten Ego-Trip und werden zur Bühnensau. Das funktioniert beim Improtheater nicht. Es entsteht ein Miteinander, und das Schauspielern macht viel mehr Spaß«, so Isabell.

Doch es geht weiter. Die nächste Übung steht an: Es stehen zwei Schauspieler auf der Bühne. Zu einem Thema wird zuerst eine Handlung gespielt. Ein weiterer Ein dramatischer Einbruch mit einem Toten – eigentlich Mitspieler steht mit dem Kopf zur Zeltwand und hält nicht unbedingt eine schöne Geschichte. Doch keine sich die Ohren zu. Ein lauter Handschlag, ausgelöst Angst, wir sind nicht auf einem Horrortrip oder bei einem durch Isabell, hallt durch das Zelt. Die Schauspieler auf Einbruch, sondern im Improtheater. Derartige Szenen der Bühne bleiben wie angewurzelt stehen. Nun muss der sind hier Normalität. Aber Moment, Improtheater? Was nichts ahnende Teilnehmer, der sich bis eben noch die ist denn das? »Ganz einfach. Das ist Theater, bei dem Ohren zugehalten hat, einen der beiden Darsteller ablösen. nichts einstudiert wird. Jede Szene hat ihren eigenen Lauf, So entwickelt sich aus einem gut und einem schlecht wird anders als die zuvor gespielte. Die Akteure sagen gelaunten Marsmenschen eine Liebesgeschichte oder aus einfach das, was ihnen in den Sinn kommt. Die Leute zwei sich mordenden Personen auf dem Friedhof werden lernen dabei vor allem, sich etwas zu trauen – eben auch muntere Skifahrer. Oft sind es derartige Geschichten, die mal was richtig Dummes zu tun!«, soweit der Kommentar den gesamten Workshop in Gelächter ausbrechen lassen. von Workshopleiterin Isabell Thaler. Aber das wichtigste sind die Erfahrungen die die jungen Überwindung kostet es trotzdem, um wie verrückt Künstler mitnehmen. herum zu schreien oder sich plötzlich auf den Boden zu schmeißen. Doch schon bei der ersten Übung beweisen So erzählt die 23-Jährige Julia Freiberger von ihren die Interessierten, dass ihnen nichts peinlich ist: Mit Erfahrungen: »Eigentlich muss man nur eine Art Blockade rotierenden Armen stehen sie im Kreis, stoßen dabei überwinden. Anfänglich gehört eine Menge Mut dazu, seltsam anzuhörende Töne aus. Die Jungimprovisateure aber wenn man es mal geschafft hat, fällt es leicht weiter zu haben eine Menge Spaß dabei. Überall sind glänzende machen. Und wenn man dann noch Dinge wie eine selbst Augen zu sehen, aus allen Ecken des Zeltes schallt reinigende Klobrille erfindet, macht das Ganze richtig Gelächter. Aber niemand von ihnen ist zögerlich, alle Spaß. Sollte es für mich einmal eine Gelegenheit geben, versuchen mit größter Realität die ihnen gestellte Aufgabe bei einem Improtheater mitzuwirken, bin ich sofort dabei«, zu bewältigen. So zum Beispiel, als es darum geht, ein »sich meint Julia, »Auf jeden Fall hat unsere Workshopleiterin selbst bratendes Würstchen« zu verkaufen. Dabei entsteht Isabell ein dickes Lob verdient. Sie hat das wirklich toll auf der Bühne ein ganz individueller Werbespot, in der gemacht!« die Bühnenkünstler versuchen, eben dieses Produkt als besonders toll zu anzupreisen. Auch die nächste Übung hat es in sich. »Bilder bauen« heißt die Aufgabe. Drei Teilnehmer

Tag der Woche: Unglück

.


Der Krebs vom Bodenseecamp Autor Olivia Sado

» x28/10

Layoutor  Jan Dibbern, Tamina Klinger Foto  Jakob Stierhof

Man muss schon ganz schön bescheuert sein, um so etwas zu machen. Man trägt schließlich fremden Menschen seine innersten Gedanken vor«, sind sich alle Teilnehmer einig. Ein Workshop am Bodenseecamp ist Poetry Slam beziehungsweise kreatives Schreiben. Hier will der Workshopleiter Nico Semsrott den Teilnehmern Jannik, Alena, Jolanda, Fabi und Lukas Anleitung, Tipps und Werkzeuge geben um die Kreativität in ihrem Inneren raus zu lassen.

Punkte geben. Dann gewinnt der Frust rauslassen. mit den meisten Punkten. Es ist Hier im Bodenseecamp wollen sie ein Lyrikwettbewerb, bei dem alles genau das verbessern und ausüben. Dafür machen sie vor allem vorgelesen werden kann. Man kann nicht eingrenzen über was Schreibübungen, die sie aber noch am meisten geschrieben wird, da das ausbauen können. bei jeder Person und bei jeder Aufgabe Eine davon ist zum Beispiel, dass anders ist. Viele Texte sind sehr ernst, er ihnen fünf Vorgaben für einen Text macht, in dem die drei Wörter aber es gibt auch lustige. Warum Poetry Slam so interessant ist, »Hase«, »Bodensee« und »Schimmel« erklärt Nico: »Das besondere an Poetry drin vorkommen müssen. Außerdem Slam ist, dass es nicht langweilig ist müssen sie im Präsens schreiben und und das Publikum sofort auf die der Text muss mit einer Katastrophe Texte reagieren kann. Die Zuschauer enden. leben, feiern und weinen mit. Die Der Ablauf ist schnell erklärt: »Man Poetry Slam wird meist von jungen Schreiber erhalten außerdem direkt darf den Stift auf keinen Fall weglegen, Leuten gemacht. Dabei schreiben sie ein Feedback.« aber man kann viel durchstreichen eigene Texte für so genannte »Slams«. Die meisten machen Slams zum und verbessern.« Die Teilnehmer Bei diesen werden sie dann vorgetragen Ausdruck ihrer Gefühle und weil sie schreiben alles, vom Gedicht bis zum und bewertet. Das geschieht entweder einfach gern schreiben. Sie wollen einfachen Text. Ein Thema überlegen? durch den Applaus des Publikums mal etwas anderes ausprobieren und Eher selten. Meist kommen die oder durch eine Jury. Es gibt immer neue Ideen entwickeln. Sie können besten Ideen einfach so, die nur ungefähr fünf Jurymitglieder die alle ihre Gedanken, Gefühle, sowohl darauf warten, aufgeschrieben zu mit Punktekarten fünf bis zehn gute als auch schlechte, und ihren werden. »Ich frage meistens Freunde


nach einem Thema, zu dem ich Nico Schreibblockaden lösen sie meistens, erklärt eine Methode um Ideen zu indem sie einfach mal abschalten. finden: Die Assoziationskette. Bei Zum Beispiel durch Schlaf, Alkohol dieser Übung nehmen die Schreiber oder Spaß. das erste Wort, das ihnen einfällt als Einmal sollen sich die Teilnehmer ihr Mittelpunkt. Damit bilden sie eine eigenes Spiegelbild vorstellen und 20 Kette von anderen Wörtern, die ihnen Minuten aufschreiben was ihnen dazu als nächstes einfallen. Beispielsweise einfällt. von Glück zu Liebe, Geld und Sie haben viel Spaß daran und das Familie. Von Liebe zu Geborgenheit merkt man auch. Hier wird viel und Partnerschaft. gelacht, vor allem über die kreativen Im Workshop selber wird den und witzigen Gespräche. Und wenn Teilnehmern viel Freiheit gegeben, um sie nicht gerade über Michael Jacksons für sich zu schreiben. So entsteht eine Tod, Heidi Klum in Germany´s Next sehr stille und lockere Atmosphäre. Topmodel oder Verona Feldbuschs Der Workshop fand größtenteils am piepsige Stimme diskutieren, dann See statt. Erstens, weil Poetry Slam entsteht so etwas: sich mit Improtheater ein Zelt teilt, aber auch weil der See ihnen viele kreative Einfälle liefert. Der K Die meiste Zeit wird für Gespräche von rebs Jann verwendet. In denen geht es oft um ik die Texte, Schreibblockaden, oder Es w ar e inm Da l wann und wie sie auf Ideen kommen. al a Der g ein Ma im ferne Diese entstehen oft im Bus, beim saß u n La nn a Wob n Zeitungslesen, aber vor allem in ei er nd aß u n einem d n gan Und d S tran l as z der Nacht, in Träumen oder vor s Beka o ist es n die Zeit zum Spa d verg m er icht ß dem Einschlafen. Alles was ihnen a Dies w ärge einen So underl ß dann einfällt, schreiben sie sich ich Er w nnen rte u a n auf, zum Beispiel in ein Notizbuch, wie d r rot un ser Män stich d nlei n seh Auch ie Feuer heulte, oder sie merken es sich einfach. w r Mit e Frauen ehr w i Und nem Kre urden i hm e bs ge wen n er i Ist k h nich t man n Graus lar, nich t ges dass verg ta to isst er n icht rben ist us meh r di e Ze it

x3


Die Zukunft ist online

Dominik Mai (21) studiert Sozialwissenschaften und schreibt nebenbei als freier Journalist unter anderem bei der Augsburger Allgemeinen. Mittlerweile ist er hauptsächlich im Onlinebereich tätig.

W 2

-9

Thomas Rex (50) arbeitet im Studio Franken des Bayerischen Rundfunk und ist für die Magazinsendung Frankenschau zuständig. Nachdem er als Nachrichtenredakteur tätig war, studierte er Politik- und Kommunikationswissenschaft und arbeitete nebenbei als freier Reporter für den Bayerischen Rundfunk.

ie informieren wir uns 2020? Darüber disktutiert unter anderen auch Thomas Rex, der behauptet, dass die Nachrichten hauptsächlich im Onlinejournalismus vertreten sein werden. Da dieser immer aktuell und direkt abrufbar ist. Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird sich eine enge Kombination aus Fernsehen und Computer entwickeln. Zur Zeit liefert der Bayerische Rundfunk auch das Angebot Handy TV, allerdings ist die Nachfrage nicht sehr hoch und daher ist eine Bedeutung in der Zukunft unwahrscheinlich. Der Printjournalismus wird weiterhin zurückgehen, sowie auch die Nutzung des Fernsehers als Informationsquelle. Daher ist der Onlinejournalismus die Zukunft, das behauptet auch Stefan Burgdörfer: „Der Konsum verlagert sich bestimmt nicht in die Zeitung zurück, sondern ins Internet“. Trotzdem ist sich Dominik Mai sicher, dass der Printjournalismus nicht aussterben wird. „Wir werden uns sicherlich im Internet informieren, aber Zeitung wird einen neuen Stellwert erhalten. Klar werden die Auflagen zurückgehen, aber der Qualitätsjournalismus mit seiner zeitaufwändigen Recherche funktioniert nur im Printjournalismus.“ Die neuen Medienformen wie Blogs und Twitter müssen von beiden Seiten betrachtet werden. Einerseits können sie den Journalisten helfen, andererseits sind ihre Inhalte nicht zwingend von Profis verfasst und müssen deshalb kritisch behandelt werden. An dieser Stelle bringt der Moderator Florian Fischer ein Zitat aus der Sendung die Simpsons ein: „Ha-ha, your medium is dying!“ Darauf antwortet der angesprochene Printjournalist: „NELSON, there is being right and there is being nice.“ Thomas Rex verdeutlicht daraufhin die Verdienstchancen in den verschiedenen Medienbereichen. Allerdings „sollten die jungen Journalisten ihr Berufsziel nicht nach der Bezahlung, sondern nach der Neigung abstecken.“ Im freien Printjournalismus ist es wichtig, für mehrere Zeitungen zu schreiben, um seinen Lebensunterhalt sichern zu können. „Nur mit dem nötigen Idealismus ist das noch möglich, da die meisten Journalisten nicht mehr fest eingestellt werden“, merkt Stefan Burgdörfer

Stefan Burgdörfer (26) ist Referent in der Journalistenakademie der Konrad-Adenauer-Stiftung. Er hat Politik, Geschichte und Publizistik in Berlin und Washington studiert. Zurzeit gibt er Schüler- und Studentenseminare hauptsächlich im Bereich Medienethik und Medienrecht.

an. Allgemein ist der Printjournalismus ein guter Einstieg, doch sind die Verdienstmöglichkeiten nicht zufriedenstellend. Im Onlinejournalismus werden zunehmend Journalisten fest eingestellt. Das ist die Zukunft für Konsument sowie auch für den Produzenten. „Als Onlinejournalist bist du mehr Manager. Mit Schreiben hat das wenig zu tun, da das Internetangebot gefüllt werden muss“, erklärt Dominik Mai. Die Artikel werden von der Printredaktion und von Nachrichtenagenturen geliefert. Dabei bleibt kaum Zeit, um die Nachrichten zu recherieren, denn die Artikel müssen möglichst schnell ins Internet. Jedes Onlinemagazin versucht, die Nachricht als erstes zu veröffentlichen, daher ist der Zeitdruck sehr hoch. „Momentan bringt der Onlinejournalismus allerdings noch keinen Erlös“, stellt Stefan Burgdörfer fest. Viele Zeitungen sind auch online vertreten, aber die Konsumenten akzeptieren keine Kosten für dieses Angebot. Da der Onlinejournalismus als unser Zukunftsmedium keine kritische Recherche mehr durchführen kann, stellt sich die Frage, ob damit nicht der klassische Journalismus zerstört wird. „Der Onlinejournalismus befindet sich schließlich noch in der Umbruchphase“ erklärt Dominik Mai, „und die Konsumenten werden zunehmend die Qualität der Nachrichten erwarten. Die Qualität und auch die Ethik werden sich im Onlinejournalismus durchsetzen.“ Die journalistischen Ausbildung lehrt vielseitige Tätigkeiten aus allen Medienbereichen, sodass die jungen Journalisten mit viel Erfahrung den zukünftigen Medienbedarf decken können. Stefan Burgdörfer erzählt, dass in der AxelSpringer-Akademie jedem Volontär ein Laptop zur Verfügung gestellt wird, mit der Aufforderung: „Werde eins mit dem Laptop“. Besonders der Umgang mit Crossmedia ist in der Zukunft für jeden Journalisten unerlässlich, da nur noch dadurch die Aktualität gewährleistet werden kann. Autor  Ann-Kathrin Töpper Layoutor  Matthias Koslowski Foto  Lisa Roderer


Julius Lüdtke: Wie kommen wir dazu, sie hier am Bodenseecamp begrüßen zu dürfen? Thomas Rex: Ich bin hier auf Einladung meiner Tochter Hannah Rex, die Mitowrganisatorin des BodenseeCamps ist. Welche berufliche Position haben sie beim bayerischen Rundfunk? Ich bin Redaktionsleiter in der Redaktion „Frankenschau und Sonderprojekte“ im Bildungsfernsehen. Wir produzieren sonntägliche Magazinsendungen, unter anderem auch im Ausland. Ich war zum Beispiel gerade in Ruanda und habe dort einen Film über Menschenrechte gedreht - demnächst geht es nach Russland. Wir machen auch Unterhaltung, so zum Beispiel „Fastnacht“, eine der erfolgreichsten Sendungen im bayerischen Fernsehen. Ich moderiere und stehe vor der Kamera. Ich durfte schon viele hundert Sendungen produzieren, ich mache das wirklich gerne. Ich darf viele Interviews mit Prominenten machen, am Freitag hatte ich ein Gespräch mit dem Würzburger Bischof. Das viele Moderieren bringt mich dazu, sicherer zu werden, ich habe nie das Gefühl dass mir nichts mehr einfällt. Selbst wenn ich das Gefühl habe, ich weiß nichts mehr, fällt mir trotzdem etwas ein. Das bringt die Routine mit sich. Wie sieht bei ihnen der Arbeitsalltag aus? Eigentlich habe ich einen Bürojob, ich koordiniere Menschen. Aber wenn ein attraktiver Auslandsaufenthalt ansteht, versuche ich, diesen selbst zu erledigen. In der Regel ist das einmal im Jahr der Fall. Ich bin dann für etwa 14 Tage im Ausland, das ist aber meist zufällig. Ich gehe auch ins Ausland, damit ich meinen Mitarbeitern zeigen kann, dass ich meinen Job beherrsche, und nicht nur in meinem Büro hocke und kritisiere.

als freie Mitarbeiter in einer Redaktion oder beim Lokalfunk an und lernt dadurch Leute kennen. Ich habe mit kleinen Sachen angefangen und es ging immer ein Stück weiter. Klar hatte ich auch Glück, war zu den richtigen Momenten am richtigen Ort und habe mich nicht ganz dumm gestellt. Welche Chancen räumen sie einem 16-Jährigen Schüler ein, der ein Praktikum bei einer Fernsehredaktion machen möchte? Wir beim bayerischen Rundfunk vergeben Praktika nur an Leute die ihr Vordiplom erhalten haben. Ein 16-jähriger Schüler hat daher bei uns rein gar keine Chancen auf ein Praktikum. Mein Tipp noch mal: Über kleine Zeitungen und lokale Hörfunkstationen journalistische Erfahrungen sammeln. Dann studieren, Biologie oder Germanistik, völlig egal was, irgendwann Bewerbungen schreiben und Kontakte nutzen. Das heißt also, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen ist die Quintessenz im Journalismus? Es ist quasi das Handwerkszeug eines Journalisten, denn nur so kommt man in diesem Job weiter. Man muss einfach nett sein, darf keine Angst vor Menschen haben. Dann kommt irgendwann die große Chance. Wie beurteilen sie die Zukunft der Medienlandschaft? Ich rate allen jungen Leuten zumindest einen Fuß rein zu bekommen. Wer sich heute dafür entscheidet in den Medien zu arbeiten wird auch in 20-30 Jahren einen Job finden. Wie dieser dann aussieht weiß niemand von uns. Der Onlinebereich hat Zukunft, aber wie er sich verändert, kann ebenfalls nicht gesagt werden. Dennoch halte ich diesen Berufszweig für zukunftsträchtig.

Als Brancheneinsteiger interessieren wir uns natürlich wie sie mit ihrer beruflichen Karriere angefangen haben. Ich habe angefangen, indem ich sehr viel gelesen habe. Mir war schon in der Schule klar, dass ich Journalist werden möchte. Ich habe in meiner Freizeit auch viel fotografiert. Außerdem habe ich mich nach dem Abitur bei diversen Zeitungen beworben, auch beim WDR. Ich bekam damals nur Absagen. Dann habe ich zunächst Politik und Publizistik studiert und mich bei meiner Kreiszeitung beworben, als ein Volontariat frei wurde. Ich habe mich mit dem Chefredakteur über mein Deutschabitur unterhalten, und nach einer halben Stunde gingen wir zum Verlagsleiter, der dann sagte: „Na, wenn der Chefredakteur sie will, dann nehmen wir sie halt.“ So kam ich zur Zeitung. Es gilt einfach, Glück zu haben und Leute kennen zu lernen. Mein Tipp: fangt

Studieren!EinVöllig egal, was. Interview mit Thomas Rex Autor  Julius Lüdtke Layoutor  Matthias Koslowski

8

/5


4x x3,6 -12

Wohnzelte


...dann das VergnĂźgen

22

In & Out, Dialekte

von pi

Regen, Bettgeschichten

26

Kommastelle

20

Kurzfilme

x4-1

24

Workshops Interview & Musikjournalismus

Abschlussparty & MĂśrderspiel

32


Für fünf Minuten in eine andere Welt

Ein Kurzfilmabend mit buntem Programm

2

-5

„Wollt ihr Salzstangen kaufen?“, fragt ein Junge. In dem Versammlungsraum führen die BodenseeCamp-Teilnehmer rege Gespräche. Lachen dringt vom Nachbartisch herüber. Alle sind gespannt auf den ersten Kurzfilm, den sie in wenigen Minuten sehen werden. Die meisten der rund 20 gezeigten Kurzfilme sind von Studenten gedreht worden und dauern nicht länger als eine halbe Stunde. Wegen des Regens kann die Kinonacht nicht unter freiem Himmel stattfinden. Die Stimmung ist dennoch ungetrübt. Als das Licht ausgeht, starren 150 Augenpaare gebannt auf die Leinwand. Dastaben „Der Wachmann und das kleine Mädchen“ - der Titel eines Kurzfilms von der Hochschule für Fernsehaen und Film München. Der Film handelt von einem Wachmann, der in einer Gemäldegalerie aarbeitet. Er entdeckt einen roten Luftballon und ist wie gebannt davon, da dieser scheinbar von selbst durch die Luft schwebt. Dann entdeckt er das Mädchen, dem der Luftballon gehört. Die beiden setzen sich auf eine Bank und betrachten die Kunstwerke. Da merkt der Wachmann, wie er selbst im Geschehen der Bilder steckt und eine Reise durch die Kunstwerke macht. Nach einer Weile kehrt er wieder in die Realität zurück und lässt den Luftballon fliegen. Die Reise des Wachmanns in die Welt der Gemälde wird durch Computeranimation gezeigt.

Ein anderer Film heißt „Alptraum“ und ist von den SWISS FILMS. Die Zuschauer können ein Bergpanorama mit den Schweizer Alpen sehen. Ein älterer Mann schaut Fußball im Fernsehen. Es läuft das Finale der Europa-Meisterschaft mit der Schweiz. Kurz vor Spielende fällt mit einem Knall der Sender aus. Auf einmal entdeckt der Mann den Fußball auf seiner Satellitenschüssel und nimmt ihn heraus. In dem Moment, als er den Ball wegschießt, funktioniert die Fernsehübertragung wieder. Da hört er den Sportreporter rufen: „Die Schweiz ist Europameister“. Der Film, der ungefähr ein Jahr vor der Europameisterschaft gedreht wurde, könnte somit die Wünsche der Schweiz bezüglich ihres Fußballerfolgs dargestellt haben. Rassel- und Trommelklänge verstärken die gespannte Atmosphäre des Filmes. Für Ekel im Publikum sorgt ein Werbeclip von der Fachhochschule Vorarlberg, in dem einige Menschen Popel verspeisen. Die angewiderte Reaktion der Campteilnehmer schlägt schnell in Gelächter um, als in großen Buchstaben auf der Leinwand steht: „Der neue Nasenspray von Lockstoff – Schmeckt entscheidend besser“.


Autor  Michelle Mossier Layoutor  Matthias Koslowski & Mai-Quynh Ma Foto  Jakob Stierhof

Von der Hochschule für Fernsehen und Film München gibt es noch einen Schwarz-WeißKurzfilm mit dem Titel „Mena“. Es geht um die 15-jährige adoptierte Schwarzafrikanerin Mena, die auf eine Party gehen möchte, auf der nur Afrikaner sind. Ihr bayerischer Vater begleitet sie, was für sie zu Beginn eine unangenehme Situation darstellt. Mit der Zeit werden ihr Vater und sie jedoch lockerer und gut von den anderen Feiernden aufgenommen. In dem Film gibt es einige Frequenzen mit Wackelkamera und Zeitlupe. Die Tanzszenen werden von afrikanischer Musik untermalt. Im nächsten Animationsfilm namens „Signalis“ wird ein Tier eingeblendet, das in seinem Tagesablauf immer wieder Schalter umlegt und in seiner Wohnung von einer Etage in die nächste rennt. Bei den meisten der Zuschauer dauert es eine Weile, bis sie den Grund für das merkwürdige Verhalten diese Lebewesens erkennen: Es wohnt in einer Ampel und ist für den

( Wechsel der drei Ampelfarben verantwortlich. Der Film endet überraschend mit einem Unfall, sodass das Wesen aus seinem „Fenster“, dem zerbrochenen Ampelglas schaut. Er ist einer der Gewinnerfilme von den Schweizer Jugendfilmtagen 2009. Insgesamt ist der Kurzfilmabend bei den meisten BodenseeCamp-Teilnehmern gut angekommen. Maxim Golem aus dem deutschen Lemberg findet „Der Wachmann und das kleine Mädchen“ „am genialsten“. Lisa Schatz, die aus Regensburg in Deutschland kommt, hat der Kurzfilmabend vom letzten Jahr besser gefallen, „weil die Filme lustiger und auch kreativer waren.“ Rahel Zoebeli und Simone Hubacher aus dem schweizer Bern fanden von den hier aufgeführten Filmen „Signalis“ am besten, wegen der „guten Idee“ und der aufwändigen Umsetzung.

3x +2)


Flipflops: Ein absolutes MUSS!

Volleyball: Sport tut gut!

Ob nun groß oder klein, bunt oder einfach nur schwarz, hier sind Flipflops eindeutig die meist getragenen Schuhe. Zu recht! Sie sind bequem, schön und besonders einfach zum Einpacken.

Dieses Motto gilt auch hier. Mit viel Spaß und Einsatz stürzen sich die vielen Medienmacher auf den Sand. Von mancher Stirn tropft es, ob nun Schweiß oder Regen...

Autor  Elena Iwanski Layoutor  Denise Ludwig Foto  Anna Haikind, Julia Fritz, Jakob Stierhof,   Raphael Hünerfauth

Kapuzenpullover Nicht nur schön, sondern auch noch richtig bequem und wärmend. Garantiert gemütliche Abende am Lagerfeuer. Besonders gefragt sind die dunkelblauen Bodenseecamppullis.

Nachtbaden: Eine Abkühlung im Dunkeln. Verboten – aber am Bodenseecamp sehr angesagt. Fragt sich, ob es nun wirklich besser ist, als es sich im Schlafsack gemütlich zu machen. Probieren geht über studieren! Zu wissen, wer ein Mörder ist! Und diesen anklagen! Kostet viel Aufmerksamkeit aber kann das eine oder andere Leben retten. Zudem macht es einen Mordsspaß, solange keine Spielverderber unter uns sind...

Schnarchende Zeltgenossen

Lange Essensschlangen

Halten genügend Zeltbewohner vom Schlafen ab. Augenringe und schlechte Laune brauchen wir nicht, also Ohren zu halten oder sich einen neuen Schlafplatz suchen!

Dutzende, knurrende Mägen warten in einer langen Schlange sehnlichst auf ihr Essen. Was es wohl heute gibt? Hoffentlich lohnt sich das Warten! Dennoch, ein absolutes OUT.

Um vier Uhr in der Gegend herumtrödeln: Mitten in der Nacht die ganze Nachbarschaft wecken und über fremde Heringe stolpern, ist nicht erwünscht. Also abends lieber mal ein Bierchen weniger trinken. Regen Alles nass und überall Schlamm. Nicht gerade Idealwetter zum Campen. Schade, aber so schnell lassen wir uns nicht unterkriegen! Gummistiefel und Regenjacken auspacken und ab nach draußen. „Regen macht ja bekanntlich schön!“, Wie man in der Schweiz sagt.

Nur im Zelt faulenzen: Weshalb denn? Das schlechte Wetter ist keine Ausrede und rum sitzen können wir auch zu Hause. Auch bei Wind und Regen ist hier immer was los. Nichts wie raus!


Nix sprechen Hochdeutsch »Ich spreche Hochdeutsch, das ist am BodenseeCamp wohl der grösste Dialekt«, bemerkt eine deutsche Teilnehmerin genervt, als sie von mir danach gefragt wird, ob sie einen besonderen Dialekt spreche. Mit ihrer Aussage trifft sie den Nagel auf den Kopf, denn die unterschiedlichen Dialekte machen die Verständigung oft genug zu

einem interessanten Ratespiel, das schlussendlich den Beteiligten immer wieder ein Schmunzeln auf den Mund zaubert. Schriftsprache und Bühnendeutsch, wie Hochdeutsch in der Schweiz auch genannt wird, ist zwar für alle Teilnehmenden gut verständlich, doch gesprochen wird es nur vereinzelt ohne Spuren eines Dialektes.

… Läckerli (Basel) … Bredle (Schwäbisch) … Guetzli (Zürich) … Güätsi (Bern) … Gutzl (Odenwälderisch)

ürnberg) … Baazi (N n) ie … Batsal (W ürich/Basel) i (Z … Bütschg chwäbisch) /S z in (L z u …B

… Stepf erle … Stiege (Nürnberg) (Wien) … Stäge (Zürich) … Stuig (Schwäb isch) … Stiäg (Linz) … Stiäge (Oberlän de … Trebb e (Odenw r Voradelberg) älderisch )

l) (Base ä l z n ü … br ä (Zürich) eich) rr sl i … b hen (Öste isch) lberg) e b c s d ä i a w p r … (Sch änder Vo uche ) rl e s … (Obe älderisch ä z n w u … br ln (Olden be … ra

… Zuck er … Täfi l (Österreich) (Basel) … Zück er … Zältl le (Voralberg) i (Züric h) … Täfe li (Bern ) … Guz (Oberlä nde … Zück erle/ Gu r Voradelberg) zle … Gutz l (Olden (Schwäbisch) wä … oder ganz ein lderisch) fach Bo nbon

Autor Cornelia Vontobel Layoutor  Alexandra Diepolder Fotos  Julia Fritz


Autor  Giulia Marti Layoutor  Denise Ludwig Foto  Julia Fritz

Nur Wasser in der Lust 4x +4 ust zu Beginn des fünften Bodenseecamps öffnet der Himmel seine Schleusen. Es ist das erste Mal, dass die Teilnehmer am Bodenseecamp mit Regen begrüßt werden, verrät uns Anita Kupper, Mitglied des Organisationsteams. Kleinbusse fahren die, meist durchnässten Teilnehmer mit ihrem Gepäck vom Bahnhof zum Zeltplatz. Die Neuankömmlinge werden unter dem immer wieder einsetzenden Regen zum Check-In Zelt geschickt. Diejenigen, die daran gedacht haben, ihre Regenschirme und -jacken einzupacken, schätzen sich glücklich. Ungeachtet des Regens werden fleißig Zelte aufgestellt, Koffer rumgetragen und ein paar Mutige spielen sogar Volleyball. Der Sand ist nass, die Kleider und Spieler auch, trotzdem wird gelacht und weitergespielt. Der Regen sorgt für unzählige Pfützen und reichlich Matsch auf dem Zeltplatz. Vorhandene Gummistiefel erweisen sich als sehr praktisch, entgegen allen Erwartungen laufen die meisten jedoch dem Regen und dem kühlen Wind trotzend, barfuß und in kurzen Hosen herum.

Lebhafte Geräusche dringen aus dem Barzelt, es platzt fast aus allen Nähten, denn jeder sucht Schutz vor dem Regen. Solche, die sich schon eingerichtet haben, lümmeln in den Sofas, unterhalten sich und einige genehmigen sich ihr erstes Bierchen. Es sind immer wieder Stimmen zu hören, die über die Nässe schimpfen, doch lang nicht alle stören sich am Regen: „ Ich liebe Regen! Prasseln auf dem Zeltdach ist doch schön.“, findet Fabienne Kinzelmann, Crewmitglied Anina Peter meint mit einem Schmunzeln: „Schlammcatchen ist cool.“ Als es an das Abendessen geht, lässt der Regen nach und es tröpfelt nur noch ganz leicht. Daraufhin strömen aus allen Zelten das Volk zur Essensausgabe - Reisen macht eben hungrig! Die Leute drängen mit ihren vollen Tellern ins Trockene und das Essenszelt ist rappelvoll. Draußen speisen sogar vereinzelt Leute an den tropfnassen Bierbänken.

Im späteren Verlauf des Abends geht es dann noch einmal richtig los: Sintflutartig fällt das Wasser vom Himmel, mit der Dunkelheit und vereinzelnten Nebelschwaden herrscht fast schon Weltuntergangsstimmung. Dicke, schwere Regentropfen prasseln auf das Zeltdach und das laute Trommeln erschwert die Kommunikation, besonders als dann noch tiefes Donnergrollen dazu kommt. Trockenen Fußes irgendwo hinzukommen ist schlicht unmöglich und niemand verlässt freiwillig sein trockenes Plätzchen. So plötzlich wie es angefangen hat ist das Naturschauspiel auch schon wieder vorbei. Die Pfützen haben sich stellenweise zu kleinen Seen vergrössert und von den Bäumen tropft es. Der Regen kann aber der Stimmung im Camp nichts anhaben, noch zu später Stunde wird geplaudert, gelacht und gescherzt.

Von der Projektkoordinatorin Kathrin Es werden Decken gegen die Kälte Vogt wird jedoch die bloße Existenz verteilt, diese finden großen Anklang von Regen geleugnet: „Regen gibt es und erlösen schlotternde und frienicht – nur Wasser in der Luft. Im rende Personen von ihrem Leiden. Camp regnet es nicht – niemals!“


Alte Gegenstände erzählen Geschichten. So auch die Feldbetten, in denen die BodenseeCamper Nacht für Nacht verbringen.

Abgesehen von Gebrauchsspuren wie abgeblättertem Lack und löchrigen Matratzen sind unsere Betten von Zeichnungen, Sprüchen und Aufklebern unserer Vorgänger geprägt. Immerhin kann der Zeltplatz auf eine langjährige Geschichte zurückblicken. Das genaue Alter der Betten ist allerdings unbekannt. Der älteste Spruch, »Ich war hier« von einem gewissen Arnold stammt aus dem Jahre 1983! Demnach haben die Betten mindestens ein stolzes viertel Jahrhundert auf dem Buckel, oder viel mehr auf dem Rost!

2

Autor Nadine Heck & Johanna Göhrig Layoutor  Alexandra Diepolder Fotos  Christoph Bialdyga

ressante Überbleibsel aus der Vergangenheit entdecken: Besonders die gezeichneten Bilder sind sehenswert. Die ausgebleichten Exemplare gleichen fast Höhlenmalereien. Von ulkigen Gesichtern in allen Variationen und dem mehr oder weniger gelungenem Versuch die Simpsons-Familie darzustellen, ist fast alles dabei. Auch Aufkleber sind wohl sehr beliebte Artikel in Sachen Betten-Dekoration: Man findet sie in allen Formen, Farben und Größen und fast überall. Ob mit politischem Hintergrund oder mit aufgedruckten Verhütungsmitteln, der Anblick der Stickerraritäten würde wohl das Herz eines jeden AufkleberDoch abseits des Dauer- fans höher schlagen lassen. brenners »Ich war hier« mit Name des Verfassers und Neue Betten? Wäre doch langDatum kann man an den weilig, denn die Betten haben Betten einige andere inte- Charakter und zählen schon fast zu den Antiquitäten. Retro ist ja bekanntlich in. Hoffentlich werden sie noch das 50. Jubiläum des BodenseeCamps miterleben. Denn schließlich erzählen sie von Geschichten aus längst vergangener Zeit und versüßen die ein oder andere schlaflose Nacht. Also zückt eure Taschenlampen und geht auf Erkundungstour.


Der Gurkenkünstler Autor  Léa Burger Layoutor  Thanawan Phakdeenok Foto Armin Forster

Vom Tellerwäscher zum Azubi, der jugendfreundliche Gemüsevariationen kocht: Sven Ladwein verköstigte uns am Bodenseecamp und liess sich auch in hektischen Situationen nicht aus der Ruhe bringen.

Es ist kurz vor Essenszeit, 18.10 Uhr, die Bäuche der jungen Medienfreaks knurren lauter und lauter. Immer mehr drängen sich um das Essenszelt, warten ungeduldig. In der Küche ein ähnliches Gewusel. Da noch eine Prise Salz, da ein Tropfen, aber nur ein Tropfen, Öl. Dazwischen ein Ruhepol: Der Koch mit der weissen Schirmmütze. Er ist in seine Arbeit vertieft, schlängelt sich um die Herdplatten, schwimmt um die Felsen der Hitze. Ein See von Sicherheit und Achtsamkeit. Die Hände fliegen. Das Buffet füllt sich. Zwei Stunden später sieht das Zelt aus wie ein verschütteter Fruchtsalat. Gelbe und grüne Kleckse, blaue Punkte und Saftpfützen. Es wurde geschlemmt, der Hunger gestillt. Alle sind zufrieden. Besonders der Gurkensalat hat geschmeckt. Kompliment! Überhaupt: Das Essen sei viel besser als erwartet, sagen viele.

keine normalen Arbeitszeiten. Nachts arbeiten liegt ihm nicht. Und was ist seine Passion? „Durchs Kochen machst du viele Leute mit teilweise wenig Aufwand glücklich. Das ist das geile daran.“ Umso schöner, dass sein Beruf auch eins seiner Hobbies ist. Das gäbe es heute ja eher selten. Hier auf dem Camp kocht er keine extravaganten Sachen. Die jungen Leute kennen ja nur noch Pizzabestellservice, Dönerbuden und McDoof. Da sei es gut, „wenn die hier mal was Richtiges essen“. Der Menuplan wird mit der Chefin vom Camp zusammengestellt: einfache aber herzhafte Gerichte.

Die Sonne geht langsam unter, die Mücken werden aufdringlicher, die Menschen verteilen sich auf dem Gelände. Bald wird Sven nach Hause fahren, nach Singen, seine Freundin treffen und faulenzen. Und fernsehen? Ja, vielleicht. Die Fernseh-Nachrichten Und da kommt der Meister, Sven der und die Bild-Zeitung seien seine beKoch, Halbkoch um genauer zu sein. vorzugten Medien. Die seien wichtig, Er hat die Lehre abgebrochen. Mit um über die Welt informiert zu sein. zarten 15 Jahren. Nun tritt er erstaun- Und über den Sport. „Ich bin ein absolich vital und ausgelassen aus der frisch luter Fussballfan.“ So schmücken wähgeputzten Küche. Nach zehn oder rend der EM- und WM-Zeit Knöpfe zwölf harten Arbeitsstunden. Seit Mai mit den Deutschlandfarben seine ist er hier auf dem Gewerkschaftscamp, Kochweste, sogar seine etwas längeren wieder ein Azubi, nach 20 Jahren Le- Haare am Hinterkopf, versteckt unter ben als Tellerwäscher, Hilfskoch, ja der Mütze, färbt er dann schwarz, rot, sogar als Pizzabäcker. Auch auf dem golden. Bau war er, aber die Arbeit hier ist viel Am Morgen darauf, die Sonne wärmt besser, er habe immer ein Dach über bereits die Haut, steht er wieder in der dem Kopf und warme Füsse. Ob er Küche, bereit für den kommenden ArLust hätte, einmal ein eigenes Restaubeitstag, bereit für unsere gefrässigen rant zu führen? Nein, sagt er, das sei Mäuler. ein viel zu grosser Stress und man hätte


Sonnengruss im

Morgentau

Milena Wirnsberger Autor Thanawan Phakdeenok Layoutor Lisa Roderer FOTO

Mit Humor und Geduld tauchte Ottmar Schlüssel mit uns in die Welt des Yogas ein.

„Wenn ich mich hier so umsehe, merke ich, ich bin alt geworden.“ Mit diesem Satz lernten wir am ersten Tag bei der offiziellen Begrüssung den grauhaarigen schmächtigen Ottmar Schlüssel kennen, den Mann, der am Bodenseecamp 2009 zum ersten Mal einen Yogakurs anbot. Mit seiner ruhigen Art zeigte er den Interessierten Übungen, wie zum Beispiel den Sonnengruss oder die Gorillaatmung. Um viertel nach Acht in der Früh ging es los, auf der Wiese gleich beim See, das Gras noch feucht, die Teilnehmer müde und verschlafen von einer kurzen Nacht. Kein Problem für Ottmar Schlüssel..In einem Kreis stehend waren die Interessierten begeistert dabei und nach einer dreiviertel Stunde auch tatsächlich schon viel munterer,

wieder erklärt, ist Yoga nicht nur körperliche Betätigung, es ist auch eine Form der täglichen Meditation. „Das Verständnis des Yogas hat mein Weltbild sehr geprägt, denn es ist wie ein Model, es beinhaltet viel - körperlich, seelisch, geistig, meditativ“, sagt Ottmar Schlüssel. Durch das Yoga kämen viele Leute in eine gelassene Stimmung und versuchten vermehrt die Dinge selbst in die Hand zunehmen, meint er öfter beobachtet zu haben. „Sie bekommen eine bessere Einstellung zu Körper und Geist.“

1974 besuchte Ottmar Schlüssel zum ersten Mal einen Yogakurs, der ihn sehr beeindruckte. Mittlerweile unterrichtet der bald 60-Jährige selbst den körper- und seelenbefreienden „Sport“. Doch Yoga nimmt in seinem Leben nur einen Teilbereich ein, in einer Schule ist Schlüssel als Heiltherapeut und Rückentrainer tätig. Er hat auch eine Ausbildung zum Körpertherapeut und Lehrer gemacht. Wie er immer Diese und weitere Beiträge aus dem Porträt- und Interview-Workshop findest du in den nächsten Tagen auf www.bodenseecamp.info und auf www.tink.ch


»Hauptsächlich lebe ich im ICE« Autor  Cynthia Spangenberg Layoutor  Thanawan Phakdeenok Foto Sebbe Stahlke

Nico Semsrott, Poetry-Slam-Profi, erzählt von seiner Arbeit, von Zugfahrten durch ganz Deutschland, von Kreativarbeit und seinem Workshop.

Er ist groß, blond, und er lehnt sich entspannt auf einem der Sessel im ziemlich unordentlichen Info-Zelt zurück. Das Diktiergerät neben sich akzeptiert er problemlos. Kein Wunder, denn in seinem Beruf muss er ständig reden, und das vor Publikum: Nico Semsrott macht Poetry Slam.

ganz frei, „ich gebe ihnen nur Werkzeug mit.“ Und welche Rolle spielt da Poetry Slam? „Wir tragen unsere Texte einander vor, das ist alles.“ Also kein Wettkampf mit Publikum.

Poetry heißt – sauber aus dem Englischen übersetzt – Dichtung. Richtig gedichtet wird aber weder in Nicos Workshop, noch bei seiner Arbeit. Möglich wäre es schon, denn im GrunPoetry Slam bedeutet, eigene Texte zu de ist alles möglich, von Comedy bis schreiben, kreativ zu sein und danach hin zu Kurzgeschichten. Echte Lyrik auf Bühnen zu stehen und besagte gab es aber nur in den Anfangszeiten Texte vorzutragen. Aber nicht nur eindes Poetry Slam. fach so. Es geht um einen Wettbewerb zwischen mehreren Slam Poeten und Heute gilt: Hauptsache, auf der Büham Ende gewinnt der, der bei den Zu- ne kommt es an. „Man muss seinen Text rüberbringen können“, sagt Nico. schauern am besten ankommt. Eine ausführliche Vorbereitung auf Nico tourt für seine Auftritte durch einen Auftritt,,wie bei einem Theaterganz Deutschland. „Hauptsächlich spieler, der seinen Text auswendig lernt, lebe ich im ICE“, sagt er lakonisch, sei nicht zwingend nötig. Man könne „sonst in Hamburg.“ Trotzdem reicht auch einfach auf die Bühne gehen, Poetry Slam nur so zum Überleben, ohne seinen Vortrag auch nur einmal gibt Nico zu: „Für mich ist es mehr geübt zu haben. Nico jedenfalls weiß, eine Übergangsphase, danach möchte warum er Poetry Slam macht: „Man ich als Kabarettist arbeiten“, erklärt er. bekommt ein direktes Feedback vom Man merkt ihm seine Erfahrung Publikum, man merkt, ob ein Text gut durchaus an. Er lässt sich intervie- ankommt oder nicht“, sagt er, ein bisswen, als könnte er alles aus dem Ärmel chen nachdrücklicher als sonst, „und schütteln, fast wirkt er gelangweilt in man kann einfach so neue Sachen ausseiner Gelassenheit, auf jeden Fall rou- probieren.“ tiniert. Es scheint Nico wirklich zu gefallen Hier im Bodenseecamp leitet er – wie in seinem Beruf: Fragt man ihn, was letztes Jahr auch – den Workshop er tun würde, wenn morgen die Welt „Kreatives Schreiben/Poetry Slam“. Der unterginge, hat er keine besonderen Schwerpunkt liegt dabei auf dem Kre- Wünsche. „Einfach das, was ich sonst ativen Schreiben. Die Kursteilnehmer auch mache. Ich bin zufrieden.“ Was lernen Methoden, um ihre Ideen um- auch sonst? Schließlich macht er tägzusetzen. Bei den Ideen selbst sind sie lich etwas Besonderes.


Drei Länder – Drei Meinungen AutorJulia Halbauer LayoutorThanawan Phakdeenok FOTO Armin Forster, Sebbe Stahlke

Drei junge Menschen aus verschiedenen Nationen reden über ihre Erfahrungen mit Facebook, MySpace und Co, und ihre Meinungen dazu.

29 Tassen Kaffe in der

Cornelia Vontobel, 18, aus

Kelvyn Marte, 20,

Theresa Bacza, 21,

Zürich, Schweiz

aus Zirl im Tirol, Österreich

aus Berlin, Deutschland

Bist du Mitglied in einem sozialen Netzwerk wie Facebook ?

Nein, ich bin nicht Mitglied. Ich brauche mir keine Freunde über das Internet zu suchen, auch wenn das sonst fast alle machen. Ich benutze MSN und ein paar Foren, in denen man über spezielle Themen diskutieren kann. Das ist alles.

Ja, ich bin in mehreren Netzwerken Mitglied. Am meisten benutze ich Facebook, StudiVZ, Flickr, und MySpace.

Ja, ich bin Mitglied bei Facebook und StudiVZ.

Was sind deiner Meinung nach Vorteile und was Nachteile von sozialen Netzwerken im Internet?

Dass man internationale Vernetzungen hat und so mit Freunden aus anderen Ländern Kontakte pflegen kann, ist ein großer Vorteil. Schlecht finde ich, dass man Fotos, die man eigentlich gelöscht hat, Jahre später immer noch im Internet findet. Ich habe auch gehört, dass Arbeitgeber Angestellte wegen unpassenden Fotos im Internet entlassen.

Ein Vorteil ist auf jeden Fall der schnelle Austausch. Man kann Kontakte zu Menschen halten, zum Beispiel zu Schulkollegen von früher. Nachteile gibt es nicht wirklich. Sicher kann man es auch übertreiben. Das ist wie beim Fernsehen, wenn man den ganzen Tag nichts anderes macht, ist es auch nicht gut.

Ich finde es schön, dass man die Leute so schnell erreichen kann, auch im Ausland, und dass es kostenfrei ist. Was ich auch gut finde, sind Seiten wie MySpace, wo sich Bands und Musiker vorstellen können. Viele Karrieren haben auf diesem Weg begonnen. Andererseits sind diese Seiten auch unpersönlich, man ist mit seinen Freunden nicht im direkten Kontakt, wie beim Telefonieren beispielsweise. Manchmal geht es auch nur darum, wer die meisten „Freunde“ hat.

Glaubst du, dass man süchtig nach Facebook & Co werden kann?

Ja, ich glaube, dass es so etwas wie Internetsucht geben kann. Vor allem die Jugend hält sich viel in virtuellen Welten auf. In Maßen ist das in Ordnung, aber man kann alles übertreiben.

Also so eine richtige Sucht gibt es selten, glaube ich. Ich kenne auch wenige Leute, die ihre Freizeit nur vor dem Computer verbringen.

Wenn es zum Bedürfnis wird, dauernd online zu sein, oder wenn man den Kontakt zu seinen Mitmenschen nur noch übers Internet aufrecht erhält, dann kann es schon sein, dass man süchtig ist.

. Layoutnacht


dass man genau weiß: gleich kommt die Sinn- und Sintflut.

Kulinarisches D onnerwetter

Nichtstun ist auf Dauer nur lustig, wenn man davor so richtig geschuftet hat. Der „Goldenen Regel“- nach Anspannung gönne dir Entspannung bleiben die Bodensee-Camper genauso treu, wie die melodischen Hart-Rocker von System of a Down auf ihrem Album Toxicity. . Was manche BSC-ler sich vielleicht auf dem Mittagsbuffet gewünscht hätten, liefert

die amerikanische Band als kulinarische Köstlichkeit auf dem Plattenteller: Chop Suey. Dieser Song ist mehr als nur eine Bestätigung der Goldenen Regel: Entspannung nach Anspannung.

x(5+1)

Ja, man beginnt irgendwie den musikalischen Schlagabtausch zwischen sanften Melodien und heftigem Bassgewitter zu lieben. Ein Gefühl, als wenn die ersten Sonnenstrahlen nach einem virtuosen „Regentropfen-aufsZelt-Prassel-Konzert“ den verfrorenen Körper wärmen. Und es später wieder zu heiß wird und nach einer Weile wieder zu kalt. Regen und Sonne. E-Gitarren und Streichorchester.

Die auch auf dem Bodensee-Camp oft spürbare Ruhe vor dem Sturm, machen sich System of a Down gerne zu Nutze. Wie ein gekonntes Spiel mit den Gezeiten. Schon der gitarrenlastige Start klingt so verdächtig ruhig und melodisch,

Auto

r  Ja ne

Mit dem leidenschaftlichen Schrei: „Wake up!“, den sich manche verschlafene Campbewohner wohl auch von, in dem Moment, ungeliebten Zeltmitbewohnern anhören mussten, löst sich der sacht klingende Beginn in ein Unwetter auf. Stürmende Gitarrenriffs und Doublebassgewitter ergießen sich auf den Hörer. In diesem Unwetter kann man sowohl eine starke Brise Aggression, als auch Verzweiflung vernehmen. „Trust,in, my, self-rightous suicide“. Sei dir bewusst, dass ich mir in jedem Moment das Leben nehmen könnte, singt Frontmann Serj Tankian. Eine drohende Aussage, die quasi nach Liebe und Zuwendung schreit. Vielleicht sollten System of a Down es mal mit Lagerfeuer versuchen. Und dort statt eigener Songs, die StandardFerienlager-Lieder à la „Wonderwall“ spielen. Die irgendwie jeder mag und doch irgendwie hasst, weil sie einfach so abgenutzt wurden. Aber egal. Bei Feuerwärme, Wein& Songs, die mit leicht lallender Aussprache gesungen werden, könnten sich die Suizidgedanken schnell in rosarote Glücksgefühle verwandeln. Schau doch einfach mal beim Bodensee-Camp 2010 vorbei, lieber Serj Tankian. Aber bitte nur für einen Abend. Denn eigentlich mögen wir dich gerade wegen deiner musikalischen Stimmungsschwankungen.

Schu

lz La yout or  C hri

stina

Mylko

Foto

Luzif

er La

gerfo

yer


Was ist dein Lieblingspartysong?

„Infinity“ von Guru Josh Project.

Welches Geräusch würdest du als BSC ‚09 -Sound beschreiben? Die frohen Stimmen, die überall zu Hören sind!

Bianca 18 Jahre aus Aalen (D)

Bei welchem Lied am Lagerfeuer trällerst du sofort mit? Toll finde ich „Let it be“ von den Beatles :). Welcher Song passt total zum BSC ‚09? Für mich: „Heute hier, morgen dort“ von Reinhard May.

Was sind deine Lieblin gs Hm, das wechselt

bands oder auch So lokünstler? immer wieder, aber momentan sind da s wohl Kings

Kelvyn, 20 Jahre aus Zirl (A )

of Leon, Get Well Soon und dich an ein persönlic hes Erlebnis? Jo sh ua Radin. Von Travis „Closer“ , da muss ich heute immer noch an ein bestimmtes Mädel Welche Musik passt denken. für dich am Besten zum BSC? Und DAS BSC-Ger äusch dieses Jahres? Ganz klar: Lagerfeu erlieder. Na das ist wohl „d er brüllende Löwe“ aus der morgendlic hen YOGA-Stunde :). Welches Lied erinne rt

Tage im

Zu welchem Lied tanz t

du auf jeder Party?

Auf jeden Fall „Gir ls just wanna have für dich das BSC ‚0 fun“. 9 wieder? Wohl am ehesten „L Bei welchem Geräu ike Ice in the Suns sch rennst du davon? hine“. Das Knacken von künstlichen Finger nägeln beim Handb allspielen, das geht echt Mit welcher Musik verbindest du eine pe ga r nicht! rsönliche Erinnerung Rocky Horror Pict und welche genau? ure Show, dazu habe ich früher immer m it meiner Mama geputzt :). Lisa, 21 Jahre Welcher Song spiege lt

aus Würzburg (D)

. anzfläche T ? r n e e d z t f si u a fort ll ruhig bin ich so keinen Fa a f d u , a x o u F d r e leibst “ von Pet m Song b „Stadtaffe ! Bei welche Coldplay Definitiv nd?

a Lieblingsb e in e d t is Was

t ab! hnen? h gar nich ic e ic z e n b n a in k h r ecke hlecht geräusch sc Einzige: Meinen W ss a H in e d t der est du als wohl nich . h ic Was würd in b en Betten Da ig t s o r n e uf d atratzen a M 2009? r d e n d u n o e S z BSC Das knar r dich der fü t is s a W Armin, 23 Jahre aus Freising (D)

.

Monat des Jahres


Layoutor  Mai

-Quynh Ma & An

dere Foto Sebb

e Stahlke

Magische Medienmonster im Mondschein

1 0 /5+2

Die Sonne geht langsam unter und verwandelt den Platz am Bodensee in eine idyllische Landschaft, die Atmosphäre ist friedlich un d angenehm und doch sieht man überall emsige Leute. An der Technik wird noch gearbeitet, Sofas werden vom Barzelt vor die grosse Leinwand getragen, die Texte für die Auftritte werden noch einmal schnell durchgegangen und nach heissbegehrten Decken wird gesucht. Mit einer kurzen Verzögerung beginnt die Präsentation der Workshops mit einem Geburtstagsständchen für das Bodenseecamp, das vor einer zwischen zwei Bäumen gespannten Leinwand vorgetragen wird. Mit viel Witz tragen die Schreiberlinge vom kreativen Schreiben beziehungsweise Poetry Slam ihre vielfältigen Werke vor, aber egal ob jetzt überraschende Begegnungen im Badezimmer, krebsroten Männlein, Monster-Kameras oder enttäuschten Prinzessinnen für Lacher im Publikum sorgen – die spektakuläre Bootsrettung am Nachmittag und die unzählige Danksagungen an den „Helden des Tages“ Julian sind das Hauptthema. Das Team des Improworkshops zieht mit einer singenden Vorstellung und grossen Gesten sofort sämtliche Aufmerksamkeit auf sich. Ohne jegliche Schamgefühle und mit erstaunlicher Flexibilität und Spontaneität verwandeln sich die jungen Medienmacher in Dornhöschen, Wikinger, Experten für Penisbrüche und Totengräber. Für Schmunzeln sorgt der verrückte Professor, der sich mit hartnäckigen Interviewern herumzuschlagen hat, ihre bohrenden Fragen wild gestikulierend beantwortet und die vielfältigen, für die jungen Medienmacher oft erheiternden Vorteile der

genialen Erfindung hervorhebt, wie beispielsweise kein nerviges Umziehen mehr, weil die nie nasswerdende Badehose zugleich Unterwäsche ist. Als Verkaufsschlager dürfte sich auch das wiederverwendbare Baumwollkondom entpuppen, das unerwünschten Schwangerschaften durch zerrissene Kondome vorbeugen sollte. Mit dem Bodensee-Birthdayspecial, auch Bobi genannt, bekommen wir das Werk des Radio-Workshops zu Ohren, das ganz im Zeichen der Party steht. Berichte über unerwünschte Partygeschenke und Kuschelpartys ertönen aus den Lautsprechern, werden hin und wieder durch Musikhits aufgefrischt. Die übrigen Workshops haben ausser Bildern nicht viel als Präsentation zu bieten, was Janosch von Portrait und Interview zu Ende ganz gut auf den Punkt bringt, denn „wir haben nicht wirklich etwas zu präsentieren, wir stehen einfach hier“. Langes Ausharren vor dem Zirkuszelt. Gespannt wird im Kerzenschein gewartet, alle sehen „wie nicht gerade warm“ aus. Dann endlich darf die erste Gruppe in das magische Zelt eintreten. Musik ertönt, die Spannung wird von Sekunde zu Sekunde grösser. Plötzlich geht das Licht aus. Nach wenigen Augenblicken werden drei Gestalten hinter einer dunklen Wand erleuchtet, es wird uns Angst, Schrecken, Schock und Blut versprochen. „Kein einfacher Hokuspokus, kein Simsalabim“, der blanke Horror erwarte uns. Ein relativ sanfter Einstieg mit kleineren Tricks lässt auf eine harmlose, kinderfreundliche Show hoffen. Doch den Kartentricks und schwebenden Gläsern folgen blutigere Momente. Bald teilen wir uns das Zelt

mit wandelnden Toten und fliegenden Körperteilen. Die Magier scheuen keine Berührungen mit dem Publikum, nicht nur in der ersten Reihe finden sie ihre Opfer. So muss Janosch nach kurzer Demonstration eines berühmten Folterinstrumentes um seinen Arm bangen, die Spannung steigt ins Unerträgliche. Doch wie durch ein Wunder bleibt sein Arm unversehrt. Bis zum Schluss kann das Publikum im magischen Bann gehalten werden. Die Genickbrüche lassen das Blut in den Adern erneut gefrieren, bis das Ende der Vorstellung den Zuschauern wieder Leben einhaucht. Bezaubert und verzaubert wird das Zelt durch die Kerzengasse verlassen, der Schreck sitzt immer noch tief in den Gliedern.


m

Mord und Totschlag am Bodensee Eine grausame Mordserie überschattet die Atmosphäre des Autor  Johanna Gehrig sonst so friedlichen und wbeschaulichen BodenseeCamps: L ayoutor  Mai-Quynh Ma Zehn gewissenlose Killer sollen auf dem Zeltplatz ihr Un- Foto  XXXXXYYYYY wesen treiben. 38 Teilnehmer sind ihnen bereits bis Samstagabend auf kurioseste Weise zum Opfer gefallen: Sei es durch VerbrenStändig auf der Hut aus Angst der Mordlust eines frisch nen auf dem Scheiterhaufen, oder Aufspießung mit einem gekürten Mörders zum Opfer zu fallen macht jede ZweiBettpfosten, die Mörder kennen scheinbar keine Gnade. samkeit zur Mutprobe. Ein Opfer wurde sogar auf grausamste Weise von Österreichern zu Tode gejodelt, was als besondersschmerzvolle Eine öffentliche Anklage, in der die Lebenden ihre Verdächtigungen äußern soll den Blutbädern ein Ende bereiTodesursache gilt. ten. Obwohl diese Verbrechen meist am helligten Tag und auf dem Gelände des Zeltplatzes geschehen sind, will niemand Die Campleitung ließ alle Teilnehmer am Samstagabend etwas bemerkt haben. Panik macht sich breit, jeder könnte gegen 22:30 Uhr im Party-Zelt versammeln, um endlich der Nächste sein. Niemand weiß, wann die Killer wieder die Schuldigen zu finden. Die Atmosphäre glich der eines Ketzer-Prozesses. Die Lebenden klagten letztendlich fünf zuschlagen. Mordverdächtigte an. Zu den Verdächtigten gehörten Die meisten Teilnehmer vermuten dass die Mörder aus den Christian, Julius, Lisa und Armin. eigenen Reihen stammen. Sie haben scheinbar Spaß daran gefunden haben, dem Leben ihrer Mitteilnehmer ein Wegen seiner österreichischen Herkunft wurde Chrifrühzeitiges Ende zu bereiten. Unter den Tätern scheint stian natürlich gleich des Mordes durch Jodeln bezichtigt. gerade zu ein Wettkampf um die kurioseste Todesursache Durch eine spontane Jodel-Einlage seinerseits, überzeugte er die Lebenden jedoch von seiner Unschuld und konnte entbrannt zu sein. somit freigesprochen werden. Aber keine Sorge, das Team des BodenseeCamps würde natürlich nie zulassen, dass einem Teilnehmer auch nur Julius, der mit der Begründung “der guckt als schon so ein Haar gekrümmt wird. Die Morde sind Teil eines Spiels, bös“ angeklagt wurde, beteuerte seine Unschuld, was das das für noch mehr Spannung, aber auch Spaß auf dem Publikum für wenig glaubwürdig hielt. Camp sorgt. Mittels Applaus-Barometer wurden Julius und Armin als Am ersten Abend wurde an jeden der circa 130Teilnehmer Hauptverdächtige herauskristallisiert. Die Zettelprobe ein Zettel verteilt. Zehn von diesen bildeten einen blut- sollte nun Klarheit über ihre wahre Identität verschaffen. roten Fingerabdruck ab, der seinen Besitzer zum Mörder Tatsächlich erwies sich die Anschuldigung gegenüber Armacht. Diese haben nun die Aufgabe, die anderen Teil- min als berechtigt: nehmer auf möglichst kreative Weise zu töten. Alle ande- 16 Menschen hatte er bereits auf dem Gewissen. Julius ren zogen einen weißen Zettel. allerdings wurde zu Unrecht verdächtigt, sein Zettel war weiß wie seine Weste.Aber die Ungewissheit bleibt: imDer Mörder muss das Opfer alleine in einer ruhigen Mimerhin sind noch neun Mörder auf freiem Fuß... nute abpassen, und ihn durch Zeigen seines Zettels ins Jenseits befördern,Für die Toten gilt natürlich Schweigepflicht über die Identität ihres Mörders. Für die Untoten fängt nun das Rätselraten an: wer ist nun der Mörder?

/5) x3 (5


4x +2

2

-12


f端mpf

37 Gl端ckwunsch

39 Organizing

36 Flirttipps

Kommastelle

Party

von pi

38 5 Plagen

40

x7


Die fünfte Kerze ist angezündet ‘5 Ein großes, rundes Diskozelt, ein DJ-Zelt, ein Barzelt und eine idyllische Sitzecke mit romantischem Grillengezirpe in der Nähe. Das war die Partylocation für Samstagabend. Gleich neben dem Eingang des Partyzeltes werden Bilder von den letzten vier Jahren BodenseeCamp an die Zeltwand projiziert. Am Anfang des Abends sind diese Fotos noch die Hauptattraktion, das ändert sich jedoch schnell.

17x6,4807407

-38x pi

Der offizielle Teil der Veranstaltung fängt mit der Anklage der Mörder des Mörderspiels an. Julius, Christian, Lisa und Armin werden verdächtigt und müssen sich mit einem Satz verteidigen, warum sie auf keinen Fall Mörder sind. Es herrscht eine lustige Atmosphäre, überall wuseln Jungreporter herum, die natürlich alles für ihren jeweiligen Workshop dokumentieren wollen. Abhängig von der Lautstärke des Applauses werden zwei der vermeintlichen Verbrecher ausgesucht, die ihre wahre Identität preisgeben sollen. Sind sie Mörder oder Opfer? Einer der schuldig Gesprochenen entpuppt sich gar nicht als Verbrecher, er ist eines der Opfer. Armin ist jedoch ein richtiger Mörder und hat bereits 16 Menschen auf dem Gewissen. Im Anschluss wird die große Überraschung des Abends hereingetragen. Beim Anblick johlen und klatschen die begeisterten BSCler. Eine dreistöckige Bodenseecamp-Geburtstagstorte steht nun in der Mitte des runden Zeltes. Anstelle von dem sonst für eine Torte üblichen Kuchenteig ist sie aus Karton gebaut und in Alufolie eingewickelt. Als Verzierung sind Gummibärchen in allerlei Farben außen herum gvveklebt. Außerdem gibt es Kekse und Mohrenköpfe auf den einzelnen Etagen. Organisatorin Anita Kupper hatte schon seit langem die Idee und war den ganzen Samstag zusammen mit ihrem Team mit dem Bauen beschäftigt. Natürlich stürzen sich alle auf die Leckereien und schon geht die Mu-

sik an und die Party los. Die meisten der Anwesenden haben ihren Spaß, es herrscht eine tolle Atmosphäre. Bei der Musik sollte für jeden etwas dabei sein. Es werden Lieder aus allen möglichen Richtungen gespielt, aktuelle Hits sowie alte Klassiker. Im Laufe des Abends werden es zwar immer weniger Campteilnehmer auf der Tanzfläche. Aber da die Gewerkschaftsgruppe auch eingeladen ist, herrscht trotzdem noch eine ausgelassene Stimmung. Es scheint vor allem den Spaniern und Italienern großen Spaß zu machen, durch äußerst ausgefallene Tanzeinlagen die anderen zu erheitern. „Es war dieses Jahr eine besonders lockere Atmosphäre. Wahrscheinlich lag es an der Geburtstagstorte, die die Stimmung aufgelockert hat“, so Hannah Rex, eine der Organisatorinnen des Camps „Es haben noch nie so viele getanzt!“ Wer keine Lust mehr auf Tanzen hat, kann es sich am Lagerfeuer gemütlich machen. Hier darf natürlich die Gitarre nicht fehlen. Gesungen wird ebenfalls fleißig, wenn auch oft etwas schief. Während im Partyzelt gegen zwei Uhr die Lichter ausgehen, können die Teilnehmer am Camp hier noch gemütlich den Abend ausklingen lassen.

Autor  Marina Wörrlein Layoutor  klaeren. Foto  Sebbe& Jakob


Weit über 100 junge, motivierte Menschen auf einem Haufen, strahlender Sonnenschein, ein einladendes Beachvolleyballfeld, die scheinbar unendlichen Weiten des Bodensees und zahlreiche und spannende Workshops. Bei so viel Gute-Laune-Potential und Euphorie beginnen auch die Hormone zu brodeln. Womit wir bei DER Sache wären, die jeden Sommerurlaub zu einem aufregenden und unvergesslichen Ereignis machen: Eine Sommerromanze. Nun hast du das Campgelände genauestens erkundet und die Teilnehmer ausgiebig unter die Lupe genommen. Beim morgendlichen Frühstück erblickst du schließlich ganz unerwartet, dir schräg gegenübersitzend, IHN/SIE.

Du hast das Glück als Täter beim Mörderspiel ausgewählt worden zu sein? Wunderbar! Ziehe deinen Schwarm in eine dunkle Ecke und oute dich als Mörder. Todesursache: Zu Tode geküsst.

2

Anmachsprüche sind peinlich und abgedroschen? Muss nicht sein. Die vielen Dialekte auf dem Camp bieten Stoff für neue Sprüche. Wie wäre es beispielsweise auf Schweizer Art mit „Du bisch äs schöns Meiteli.“

3

Glückwunsch! Stufe eins zum Sommerflirt hast du bereits gemeistert. War gar nicht so schwer, oder?

Du bist mit deiner Zeltclique am See. Zuvor hast du natürlich ausgekundschaftet, wann ER/SIE anwesend sein wird. Bitte IHN/SIE, dich mit dem Boot zur Plattform och zu bringen oder schlage eine was nun? Nicht verkleine Tour auf dem See vor. zagen, um Rate Mondschein wäre natürlich fragen! ideal.

Hier findest du, von uns exklusiv zusammen gestellt, die fünf besten und kreativsten Tipps und Tricks zum Liebesglück.

D

Kundschafte seine/ihre Workshops aus, um ihn näher kennen zu lernen. Oft kooperieren Workshops wie Zeitung, Fotografie und Layout. Schnappe dir ihn/sie als deinen Projektpartner!

1

Autor  Nadine Heck & Johanna Gehrig Layoutor  klaeren. Foto  Sebbe

2-15+45+

4

Das Volleyballfeld ist wie geschaffen, um durch deine sportliche Seite zu glänzen. Lade deinen Auserwählten oder deine Auserwählte zu einem kleinen Spielchen ein. Da bekommt das Wort „baggern“ eine ganz andere Bedeutung ...

5

Sommer Sonne Sommerflirt


Jolanda Epprecht, 17, Wald (Schweiz), Poetry Slam »Ich wünsche dem

Bodenseecamp, dass es noch ganz viele gibt.«

Simone Steurer, 17, Kärnten (Österreich), Foto Kreativ »Ich wünsche dem Bodenseecamp, dass es noch fünf Jahre überlebt und dass noch mehr Leute kommen und dass es noch größer wird und dass noch mehr coole

Workshops stattfinden können.«

Julia Heilbauer, 15, Wien (Österreich), Interview-Workshop »Ich wünsche dem Bodenseecamp, dass es nicht so laut

Autor  Olivia Sado & Michelle Mossier Layoutor  Christina Mylko Foto  Jakob Stierhof

ist bei der

Disco

und ich schlafen kann.«

Was wünscht ihr dem Bodenseecamp?

mehr als 55/5x3

Wetter amp, dass das ec se en d o B n em d te Vorstellunge »Ich wünsche gu e el vi r h se bend sehr, .« ass wir heute A d haben werden d n u t tz je ie w t n ib re le b se le un genauso gut und dass wir al sehen werden m 18, Poetry Sla , en k il W chland), ik n Jan isburg (Deuts u D n o v e äh aus der N

Spaß

ich), rlberg (Österre ra o V , 5 1 , er n iben Lukas Wag Kreatives Schre ei seinen Spaß dab er d je s as d , p em Bodenseecam gibt und über»Ich wünsche d e n ei ch morgen no hat und dass es morgen.«

Party

dbach , Bergisch Gla 8 1 , e lk h ta ecamp S Sebastian dem Bodense grafie e to h o sc -F n e ü ss w re h P Ic „ ), en (Deutschland mit motiviert re e it .“ noch viele we en Menschen und engagiert

Jahre


Autor  Nadine Heck Layoutor  Nina Dohm Foto  Damaris Punz

n e t s g i v r e n 5 e i D n e g a l P eCamp

Bodese

Mit dem BodenseeCamp 2009 verbinden wir Sommer, Sonne, tolle Workshops rund um Medien und viele neue interessante Bekanntschaften. Sprich: Alles, was das Herz begehrt. Alles könnte so schön sein, wären da nicht diese kleinen Dinge, die einem den Campaufenthalt vermiesen wollen ... Wir haben für euch die fünf nervigsten Campplagen und deren fachgerechte Bekämpfung zusammengestellt:

39. Seite im

Mäuse: Nicht nur wir erfreuen uns an mitgebrachten Süßigkeiten. Auch Mäuse spüren herumliegendes Essen in Zelten auf und gönnen sich einen ausgiebigen Mitternachtssnack. Um dem entgegenzuwirken gilt: Essen sicher verstauen, um die unerwünschten Gäste fernzuhalten. Mücken: Wer kennt sie nicht? Sie jucken, sie tun weh, sind rot und unansehnlich. Mückenstiche. Vor allem wegen der Nähe zum See sind Stechmücken und andere Plagegeister Dauergäste in unseren Schlafzelten. Um euch vor Stichen zu schützen solltet ihr darauf achten nachts lange Kleidung tragen und – falls vorhanden – zu Mückenspray greifen.

Heft

Fotografen: Unsere angehenden Fotografen im Camp sind immer auf der Suche nach dem nächsten perfekten Schnappschuss. Haben sie dich als ihr nächstes Motiv auserkoren, ist es schwer ihnen zu entkommen. Aber was tun, wenn man gerade in Omas unförmigem Strickpulli und wuchtigen Gummistiefeln verschlafen beim Frühstück sitzt? Beine in die Hand nehmen oder einfach untertauchen. Sollte eine Flucht nicht mehr möglich sein, empfiehlt es sich, einfach zu lächeln. Ein Foto ist schließlich eine unschätzbare Erinnerung ...

jeden Regen überstehen. Um dich vor der Kälte zu schützen solltest du deshalb zu Sweatshirts greifen. Die Kapuze schirmt dich zusätzlich vom Regen ab. Auch die guten alten Gummistiefel erweisen sich bei der Trockenhaltung der Füße als hilfreich. Züge:

Unmittelbar zwischen Bodensee und Bahnschienen liegt unser schönes Camp. Am Tag donnert jede halbe Stunde – in der Nacht alle anderthalb Stunden - ein Zug rasender Geschwindigkeit vorbei. Unwissende Camper könnten ihn glatt für einen Donner halten. Sollte dich der Zugverkehr beim Einschlafen stören helSchlechtes Wetter: fen dir Ohrenstöpsel. Ansonsten könDer Himmel verdunkelt sich um mit nen wir dir versichern, dass du dich ihm die Gesichter der zuvor freu- mit der Zeit daran gewöhnen wirst. destrahlenden Camper. Ein Regen- Du wirst sehen, am Ende hast du ihn schauer kann einem schnell die Lust lieb gewonnen ... aufs Campen vergehen lassen. Doch mit der richtigen Kleidung kann man

.


Ich bin eine Headline!

x8

S

Viva la

panische Wortfetzen kommen mir zu Ohr, aus dem grossen Konferenzzelt ertönen italienische Streikrufe. Durch die offenen Eingänge können Blicke ins Innere des stickig wirkenden Zeltes erhascht werden. Südländische Männer und Frauen schauen gebannt auf die grosse Leinwand in der Zeltecke. Menschen mit grossen Schriftzügen in den Händen werden sichtbar, es scheint sich um die Filmaufnahme einer Demonstration zu handeln. Dennoch verwirrt der Anblick den aussenstehenden Betrachter. International hab ich mir das Bodenseecamp vorgestellt, aber gleich so multikulturell. Kurz darauf werde ich aufgeklärt, wir teilen uns das DGB-Jugendcamp mit engagierten Gewerkschaftern. Die internationale Konferenz zum Thema „Organizing in Europe“ findet dieses Jahr zeitgleich statt. Unsere Nachbarn, oder sprechen wir lieber von Mitbenutzern des Jugendcamps, sind zum dritten Mal hier. „Vier Motoren“ nennen sie sich, aus vier Ländern wurde die Konferenz damals gegründet, mittlerweile sind es deren fünf: Deutschland, Italien, die Türkei, Spanien und die Schweiz, das erklärt auch die Sprachvielfalt. So bekommt man sich während den Mahlzeiten ab und an zu Gesicht, doch wissen tun wir kaum etwas voneinander. Höchste Zeit uns mit unseren Nachbarn bekannt zu machen, dazu muss man zuerst einen Gesprächspartner finden. Meine Beine tragen mich Richtung Konferenzzelt, dort muss ich etwas ausharren, die Gewerkschafter stecken mitten in der Arbeit. Wiederum etwas türkisch, italienisch und spanisch, ich hoffe auf Deutschsprachige zu treffen. Kurze Zeit später befinde ich mich in einem interessanten Gespräch mit Frank Lütticke, Referent und Organisator.

Organizing - Hilfe zur Selbsthilfe

Was sich nach einer Aktion in einem Drittweltland anhört, ist in Wahrheit eine Strategie, die in den 40er Jahren in den USA entwickelt wurde. Mittels des Community Organizing organisiertwe Saul D. Alinsky ganze Stadtteile, denn mit Hilfe der Bildung von Bürgerräten konnte er dort für bessere Lebensbedingungen sorgen. Mitte der 80er Jahre wurde Alinsky’s Idee dann erstmals für eine Gewerkschaft angewandt. „Justice for janitors“, Gerechtigkeit für Reinigungskräfte, forderte die Dienstleistungsgewerkschaft SEIU. Die angeblich unorganisierbaren Latein- und Afroamerikaner sollten organisiert werden, es funktionierte. Die Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen durch dieses amerikanische System schwappte mit einiger Verzögerung auch nach Europa über. In Deutschland gab es im Jahr 2005 die ersten Pilotprojekte, die bereits gewünschte Erfolge erzielen konnten. Grosses Vorbild ist und bleibt Amerika, der jetzige Präsident Barack Obama wendete Organizing auch bei seinem Wahlkampf an, mit unbestreitbarem Erfolg. Was ist das Ziel des Organizing? Hilfe zur Selbsthilfe lautet das Stichwort. Ein Organizer macht nie etwas, was die Beschäftigten nicht auch selbst für sich machen können. Aufgabe des Organizer ist es laut Frank Lütticke „den Beschäftigten zu zeigen, wie sie sich selbst aus der Scheisse ziehen können“.


manifestación Eigene Medien schaffen

Bilder sagen mehr als tausend Worte

Die Medien stehen auf der Seite der Stärkeren, das sind bekanntlich nicht die Arbeitnehmer. Da die Medien in den seltensten Fällen auf der Seite der Gewerkschaften sind und somit ein schlechtes Bild von ihnen vermitteln, müssen die Gewerkschaften selbst für ein positives Bild sorgen. Eigene Medien müssen geschaffen werden, Medien, die eine unverfälschte Position darstellen. Bisher waren viele der Ansicht, dass Gewerkschaften hauptsächlich mit dem Primärmedium Mensch arbeiten. Denn Gewerkschafter, so denken manche, sind die aufdringlichen Typen, die einen an Bahnhöfen mit Flyern belästigen. Ähnliche Vorstellungen, werden auch von der übrigen Gesellschaft geteilt. Unter Gewerkschaftern stellen sich die Leute gemäss Aussage von Frank Lütticke „alte, dickbäuchige Sekretäre vor, die mit der Trillerpfeife auf der Straße stehen, wenn es Probleme gibt“. Sofort schwirren auch wieder Berichte aus dem Fernsehen in meinem Kopf herum. Wir irren alle, haben ein veraltetes Bild im Kopf, Frank Lütticke klärt mich auf. Es soll ein neues Image entstehen, ein Image der modernen Gewerkschaften, deren stärkstes Instrument die neuen Medien sind, allen voran das Internet.

Doch erst ein Film erzählt die ganze Geschichte Die Flugblätter werden durch Videos, die auf Youtube veröffentlicht werden, ersetzt. „Videos bringen“, so Lütticke, „den Vorteil, dass sie emotionalisieren und in Bild und Ton sprechen“. Das Internet biete viele Möglich keiten, welche die jungen Gewerkschaften zu nutzen wissen. Von Gemeinschaftsplattformen wie MySpace und Youtube, bis hin zur Kurznachricht Twitter. Dort sein, wo die Öffentlichkeit ist, lautet das Erfolgsrezept. Die Bevölkerung wird gebraucht, wenn schon die Medien nicht hinter den Gewerkschaften stehen, soll die Öffentlichkeit als Rückgrat dienen.

Neue Strategien verfolgen Nächstes Jahr muss unser Bodenseecamp leider auf die multikulturellen Mitbewohner verzichten. Die Konferenz soll es dann nicht mehr in dieser Form geben, denn die Gewerkschaften wollen an das europäische Sozialforum andocken, das 2010 in Istanbul stattfindet. Ob sie dort Erfolg mit ihrem amerikanischen Konzept haben werden, wird sich zeigen, dem Wetter hat dieses Jahr die Hilfe zur Selbsthilfe wohl leider nicht sehr zugesagt.

Autor  CORNELIA VONTOBEL Layoutor  MATTHIAS KOSLOWSKI Fotos  ANNA HAIKIND

x8,2


, s ye we ! p m ca


REdaktionsleitung Dominik Mai, Philipp Breu Redaktion Ruth Flierl, Johanna Gehrig, Nadine Heck, Julius Lüdtke, Michelle Mossier, Franziska Reinbold, Olivia Sado, Ann-Kathrin Töpper, Marina Wörrlein, Giulia Marti, Cornelia Vontobel Weitere Autoren Milena Wirnsberger, Léa Burger, Cynthia Spangenberg, Julia Halbauer, Maike Preissing, Katharina Willer, Julia Rziha, Janosch Szabo, Susan Djahangard, Eva Fischerauer, Marina Hetzner, Franziska Heyer, Simone Hubacher, Andrea Immler, Nina Karg, Julia Mende, Anna Rupert, Lea Schallacher, Rahel Zoebeli, Ory Daniel Laserstein, Andreas Weiland   Layoutoren  Jan Dibbern, Alexandra Diepolder, Katharina Dohm, Tamina Klinger, Christian Klaeren, Matthias Koslowski, Denise Ludwig, Mai-Quynh Ma, Christina Mylko, Thanawan Phakdeenok, Johannes Henseler FotoGrafen  Olesja Dutt, Armin Forster, Julia Fritz, Maxim Golembiewski, Anna Haikind, Isabel Hempen, Elisabeth Königstein, Patrick Kunert, Kelvyn Marte, Damaris Punz, Lisa Roderer, Laura Sinnhuber, Christoph Bialdyga, Sebastian Stahlke, Simone Steurer, Jakob Stierhof, Verena Tilg, Sarah Höppner, Felix Mayr, Raphael Hünerfauth

Impressum Campus Delicti V Zeitung zum internationalen BodenseeCamp 2009 vom 24. bis 27. Juli 2009 in Markelfingen Herausgeber Junge Presse Bayern e.V. Kulturzentrum K4 Königstraße 93 D-90402 Nürnberg Junge Medien Schweiz CH-3302 Moosseedorf Jugendpresse Österreich Kirchengasse 27/2 A-1070 Wien Auflage 200 Druck Druck+ Copyland GmbH Untertorstraße 9 78315 Radolfzell V.i.S.d.P. Dominik Mai Altes Kautzengäßchen 6 D-86152 Augsburg

Das BodenseeCamp wird veranstaltet von Junge Medien Schweiz, der Jugendpresse Österreich und der Jungen Presse Bayern. Für die Unterstützung der Veranstaltung bedanken wir uns bei: Journalisten-Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung, den Kantonen Aargau, Thurgau und St. Gallen, der Dietschweiler Stiftung, dem Bayerischen Journalisten-Verband, der DGB Jugend, Reflect and Act!, der Jugendpresse Baden-Württemberg, der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Tink.ch und Infoklick.ch. Partner


10/

Tage im

2

-2

-9

-2

2

1 0

8

(

x3,6 Wohnzelte

x4-1 Arbeitstage

x3

2

/5) x3

-5

+ 2 freie Tage

4x

Kommastelle

-12

(

(5 +2)

2

h

Beine an

4x

von pi

,5

x28/10

Beine an

1 0

2x30/

2x30/

/5+2

Hände + Paarhufer

4x -12

+3

4x 29 Tassen Kaffe in der

-199

+3

.

Tag der Woche: Unglück Beine an

29 Tassen Kaffe in der

Menschen

Layoutnacht

Tag der Woche: Unglück

x3

.

2

+ 5,5

,5

Layoutnacht

(

3x

-199

Beine an

-9

2x30/

von pi

x28/10

Layoutnacht

Beine an

Hände + Paarhufer

x4-1

29 Tassen Kaffe in der

x28/10

3

x28/10

+2)

2

.

3

4x

Hände + Paarhufer

x140

2 x28/10

,5

-199

1/

Jahre BSC

-5

+ 2 freie Tage

+ 5,5

5x6/

3 x28/10

-5

2

+4

Kommastelle

+ 5,5

Arbeitstage

4x

Menschen 2

x4-1

-12

Beine an

20/

Wohnzelte

5x6/

2

.

Menschen

Tag der Woche: Unglück

Arbeitstage

Monat des Jahres

x3,6

x140

-2

+4

.

1/

Tage im

+3

Jahre BSC

Wohnzelte

5x6/

/5

8

x3,6

+2)

4x

4x

von pi

3x

+ 2 freie Tage

3x

20/

/5

8

/5+2

Jahre BSC

5x6/

x(5+1)

Kommastelle

/5

x140

-9

.

Monat des Jahres

20/

1/

4x +4

Bodenseecamp 2009: campus delicti V  

Ergebnis des Layoutworkshops auf dem Bodenseecamp 2009. Jeder Teilnehmer hat eine oder mehrere Seiten gestaltet. Die Campzeitung entstand i...

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you