Magazin LUST AUF NIEDERÖSTERREICH

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LUST AUF

NIEDERÖSTERREICH Für alle, die was erleben wollen.

Ausgabe 1 | 2019/20

GROSSES

S KREM IAL SPEC

Wein . Wirtshaus . Wow!

Was Kremser Altstadt-Originale so besonders macht | Cider verkosten quer durchs Land | Durch die Wachau mit Autor Michael Horowitz | Ist das Kabarett oder Gemüse? Bei Pepi Hopf


Perlentaucher und Trüffelschweine* *Wir lieben es, gute Magazine zu machen. LUST AUF NIEDERÖSTERREICH ist ein Projekt von FRIEDL UND PARTNER. Wir recherchieren, gestalten, texten und fotografieren für Magazine aller Art. www.friedlundpartner.at

IMPRESSUM Eigentümer & Herausgeber: FRIEDL UND PARTNER GmbH, Nibelungengasse 7, 3430 Tulln, Österreich, office@friedlundpartner.at, Tel: 02272/62726. Konzeption und Leitung: Mag. Pamela Schmatz. Redaktion & Fotografie: Rainer Friedl, Mag. Pamela Schmatz, Grafik & Realisation: Dietmar Schulte, Susanne Auer. Lektorat: Lisbeth Hurch. Kaufmännische Leitung: Wolfgang Kröll. Druck: Druckerei Berger, Horn. Magazine bestellen funktioniert via office@friedlundpartner.at. Die Redaktion freut sich über Tipps unter pamela.schmatz@friedlundpartner.at. Obwohl wir unsere Inhalte sorgfältig recherchieren, sind Fehler nie ganz ausgeschlossen. Wir entschuldigen uns sicherheitshalber vorab dafür, übernehmen keine Haftung und wünschen trotzdem heitere Lektüre. Tulln, im Oktober 2019. Das Titelfoto haben wir in Aris Cantina in Absdorf gemacht (Seite 89). Das Bild auf dieser Seite zeigt die Arbeit ›Frozen‹ von Judith P. Fischer (Seite 102). Die gezeichneten Elemente auf der Seite 123 stammen von Daniel Domaika (Seite 45).


ED I TO R I A L

Graben wir Perlen aus. In Niederösterreich verstecken sich viele Perlen. Nicht alle sind glatt oder gar glänzend. Manche eher erdig wie Erdäpfel aus dem Waldviertel. Einige schroff wie die Steillagen der Wachau. Wieder andere bunt wie das Treiben der Kulturschaffenden im Land. Im Magazin LUST AUF NIEDERÖSTERREICH servieren wir eine Auswahl. Klein, fein und sehr persönlich. Wir schließen damit eine Lücke. Und schicken ein neues Magazin in die Welt, das Kultur und Kulinarik in Niederösterreich verbindet. Ein Magazin, das Geschichten von Menschen erzählt. Denn, seien wir uns ehrlich: Was interessiert uns Menschen mehr? Unsere Rolle sehen wir so: Wir wollen’s entdecken, ausgraben, auf den Punkt bringen. Seele zeigen. Mit Fotos und Worten. Manche Geschichten muss man be-greifen. Deshalb drucken wir sie. Gerade weil wir in einer digitalisierten Welt leben. Unser Magazin eignet sich wunderbar, um damit am Sofa abzutauchen. Oder nach der Lektüre alles stehen und liegen zu lassen und auf Entdeckungsreise zu gehen. Print ist ein gutes Format, um unter die Oberfläche zu schauen. Durch viele Jahre Erfahrung in der Kommunikation wissen wir: Jedes Medium hat seine Stärken. Wir lieben es, sie zu kombinieren. Also psst: Manche Geschichten werden auch auf www.lustaufniederoesterreich.com erscheinen. Viel Freude beim Entdecken. Auf zu neuen Erlebnissen!

Pamela Schmatz Herausgeberin

Rainer Friedl Herausgeber

Wir freuen uns auf Feedback. Darf gern digital sein. pamela.schmatz@friedlundpartner.at 3


Krems 8-45

28 Michael Höpfner in der Landesgalerie

10 Einkaufen bei Altstadt-Originalen in Krems

26 ››Die beste Platte ist immer die nächste.‹‹ Clemens Wenger, 5/8erln in Ehr’n

54 Rainer Friedl über sein ›Meinviertel‹

68 Juliane Fischer auf den Spuren des Ciders.

Bei der Grabenwerkstatt im Spitzer Graben

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Wein 46-73


92 Mike Nährer versucht’s am Ötscher

98 ››Ich glaube nicht, dass wir Heuschrecken bald wie Soletti knabbern.‹‹ Christof Kastner

Wirtshaus 74-99

90 Klassiker im Wirtshaus im Demutsgraben

114 ››Im Krieg gewinnt niemand, das haben viele Leute heutzutage schon vergessen.‹‹ Septicwag

102 Im Atelier der Bildhauerin Judith P. Fischer.

76 Michael Horowitz auf sinnlicher Tour durch die Wachau

108 Beim Kabarettisten und Gärtner Pepi Hopf

Wow 100-122


Die Erstausgabe von LUST AUF NIEDERÖSTERREICH mit spannenden Seiten-Blicken.

MICHAEL HOROWITZ

JULIANE FISCHER

WILLY PUCHNER

JUDITH MEHOFER

Essen wie Gott in Frankreich? Besser wie Horowitz in der Wachau. Der Autor, Journalist und Fotograf hat sich auf eine sinnliche Tour begeben. Als langjähriger Chefredakteur des Kurier freizeit-Magazins sowie des Gourmet-Guides Tafelspitz kennt er die besten Adressen.

... verbringt ihre Zeit gerne im eigenen Weingarten. Als freie Journalistin ist sie unter anderem für das Kurier freizeit-Magazin, Die Presse, Falter, Furche, Schluck und Lebensart unterwegs. Für uns geht sie dem Cider auf den Grund der Flasche.

Mit „Lust auf Fotografie“ zeigen wir euch in jeder Ausgabe eine Foto-Arbeit eines Künstlers mit Bezug zu Niederösterreich. Den Anfang macht der in Mistelbach geborene Fotograf, Illus­ trator und Autor Willy Puchner mit einer Fotografie aus der Serie „Liebe im Alter“.

Judith Mehofer tourt gerne. Oft um die Welt. Manchmal auch am Weingut ihrer Familie in Neudegg, wo sie für die Kommunikation zuständig ist. Die Schönheiten des Wagrams hat sie für uns auch in eine frühmorgendliche Geschichte gepackt.

→ Seite 76

→ Seite 68

→ Seite 122

→ Seite 121

JOSEF SODOMA

GERALD DIEMT

SABINE LIEBHART

DANIEL DOMAIKA

Legendärer Wirt aus Tulln, der nicht müde wird, kulinarisch unterwegs zu sein. Wenn er nicht gerade in Wien im Aend oder bei Mayer & Freunde ist oder in Oberösterreich im Bergergut speist, probiert er mit uns Weine und findet passende Gerichte.

Wo man im Land außergewöhnliche Weine in schönem Ambiente tschechern – sorry: verkosten – kann, hat uns der sympathische Wirt und Weinkenner aus Loiben verraten. Es geht nach Weißenkirchen, Gumpoldskirchen, Tulln und Langenlebarn!

Sabine Liebhart hat schon viele Künstler begleitet. Kein Bühnenwirtshaus und kein Kabarettkeller sind vor ihr sicher. Wolkersdorf, Oberwaltersdorf, Horn: Wir heften uns an die Fersen der Künstlermanagerin im Kulturherbst/-winter 2019/2020.

Mit wenigen Strichen viel sagen. Das kann der Künstler mit den spanischen Wurzeln. Exklusiv für unser Magazin hat er zu Stift und Papier gegriffen. Wer die anderen Seiten von Daniel Domaika entdecken will, besucht ihn im Atelier in Krems/Stein.

→ Seite 52

→ Seite 53

→ Seite 107

→ Seite 45

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Special

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10 DAS A UND O VON KREMS. Einkaufen bei Altstadt-Originalen 16 DIE BOHNE ENTZWIEBELN Unterwegs im Kaffee Campus Krems 18 PRÄDIKAT TOLLER LADEN Rund um die Göglstraße und den Dreifaltigkeitsplatz 21 SÜSS-SAUER AM WEINZIERLBERG bei den Stoibers 22 BROT GUT, ALLES GUT Backen mit Nina Nuhr

26 FÜNF FRAGEN AN EIN ACHTERL Clemens Wenger 28 GRENZGEHEN Michael Höpfner in der Landesgalerie 31 IM SIEBENTEN ZUCKER Kuchenmanufaktur im Poldi Fitzka 32 KREMS IM ADVENT Stadt-Advent in der Dominikanerkirche 34 WOWBAUSCHULE Vinothek der Wein- und Obstbauschule 36 1 JUBILÄUM & 25 PROJEKTE Die IMC FH Krems feiert 38 AUF EIN GLAS IN DEN SÜDEN Il Magazzino in Stein 39 BURGER, BIER, BOWLS im Schmid’s 40 ZIMMER, KUCHL, AUTARKIE 80 Jahre GEDESAG 43 BELETAGE VON KREMS Hair Club mit neuer Adresse 44 REIN.BLICKE Schloss Wasserhof in Gneixendorf 45 SKIZZIERT Daniel Domaika zeichnet exklusiv für LUST AUF NIEDERÖSTERREICH

Krems 9


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KREMS

Eine Geschichte in Kooperation mit dem Stadtmarketing Krems

Das A und O von Krems. Altstadt-Originale. Hier macht Einkaufen doppelt Freude. Willkommen in Krems. Und. In Stein!

Zuerst zum Bäcker, dann auf den Markt. Ein Abstecher zu den tollen Schuhen. Und dann das Schulterscherzel holen für das Sonntagsmenü. Kann man in Krems alles zu Fuß erledigen. Und das im wunderschönen Altstadt-Ambiente. In der Stadt gibt es sie noch, die neuerdings wieder so heiß begehrten Professionisten für alle Lebenslagen. Da bekommt man zum Stück Fleisch auch die passenden Gar-Tipps serviert, unbezahlbar. Und in der Eisenwarenhandlung den entscheidenden Hinweis für die Wahl des Küchenmessers oder des Rasentrimmers. Obwohl vieles nah ist, plant man am besten Zeit ein fürs Schauen und Gustieren. Es gibt so vieles zu entdecken! Sowohl in Krems als auch in Stein. Welche Altstadt dabei die noch schönere ist? Entscheidet selbst.

M A RK TG ESCH I CH T EN

Starten wir mit unserem Altstadtbummel am Pfarrplatz. Da ist freitags und samstags eine Runde über den Wochenmarkt Pflicht. So wie ein Besuch am Stand von Josef Parzer. Kaum hat der Gemüsehändler seine Kistln aufgebaut, scharen sich die Damen rund um seinen Stand. Hie und da auch ein Herr mit Einkaufskorb. Viele davon kennt Josef Parzer schon lange. Kein Wunder, fährt er doch schon seit 33 Jahren zum Markt. Zuerst als Begleiter der Oma: „Die ist noch mit zwei Tischplatten gefahren. Erdäpfel, Kraut, Rüben – das war’s so in etwa“. Heute stapeln sich dutzende Gemüsesorten an seinem Stand. Dazwischen Äpfel, frische Petersilie, ein Strauß Blumen. „Bis auf den Spargel ist alles von mir. An die 90 Gemüsesorten rund ums Jahr.“ → 11

© Stadtmarketing/Werner Leutner


→ Sie alle baut Josef Parzer auf seinem Hof in Rohrendorf an. Regionaler geht’s kaum. Samstags gibt’s ein paar Standln weiter auch die tolle Pasta von Doris Wasserburger. Zwischendurch stärken kann man sich im Woracziczky am Pfarrplatz. Da tischen

Nikolaus Ottenbacher und Andrea Pscheid nicht nur feine Happen, sondern auch skandinavisches Design auf. Auf der anderen Seite des Pfarrplatzes: das schöne Geschäft von Karl Sauer, in dem Damen und Herren edles Tuch und feines Leder finden.

O RI G I N A L E I N D ER CI T Y

Bücher von Herrn Gausterer. Strümpfe bei Frau Hintermeier. Viele Geschäfte in der Kremser Landstraße haben sich zu echten Originalen entwickelt. So wie der Hut- & Wäschesalon von Helga Hintermeier und ihrer Tochter Monika Hof­ stätter. Wie viele Strumpfhosen, Mieder, Kappen und Hüte in zwei kleine Verkaufsräume passen können, weiß man erst, wenn man dort war. Ähnlich dichtes Angebot gibt es in der Bücherei Schmidl. Alfred Gausterer gibt dem kleinen Geschäft seit über 50 Jahren ein Gesicht. Hier findet man die passende Reiseliteratur, egal, ob der nächste Urlaub nach Gramatneusiedl oder Kirgisistan geht. Noch so ein Raumwunder: die Eisenwarenhandlung Neunteufel. In welcher Altstadt kann man vom Rasenmäher über Berkel-Maschinen bis zur Backmatte alles kaufen? Rund 30.000 Produkte lagern in dem Labyrinth aus

Original Krems heißt: Geschäftsleute mit Leib und Seele. So wie in der Buchhandlung Schmidl, Hut- & Wäschemode Marianne und in der Eisenwarenhandlung Neunteufel.

verwinkelten Räumen, Gängen und Kellern, schätzt Junior-Chef Christoph Wölfl. Metalle in anderer Form, mit denen hat Walter Kalteis zu tun. Er beschreibt sein Geschäft als „Feinkostladen. Ich schaue, wo es Schmuckstücke gibt, die meinen Ansprüchen entsprechen. In puncto Schönheit, Qualität und Innovation.“ So kommt es, dass hier eine Auswahl ganz besonderer Schmuck­ stücke liegt. Den Chef findet man zumindest an zwei Plätzen


›› Meine Kunden sind froh, dass es wen gibt, der etwas reparieren kann. ‹‹ Goldschmiedemeister Walter Kalteis

immer wieder: Vorne im Laden, wenn er seine Kunden berät, ihnen die Geschichte hinter dem Stück erzählt, das sie gerade in der Hand halten. Und dann in der Werkstatt beim Reparieren: „Meine Kunden sind froh, dass es da noch wen gibt, der das kann. Meine Werkstatt, die ist wie vor 100 Jahren. Zwei Hände, eine Säge, ein Hammer. Ultraschallgeräte haben wir auch. Aber es wird schöner, wenn man das alles weglässt“.

RU N D U M D I E G Ö G L ST R AS SE

Biegen wir von der Kremser Landstraße ab Richtung Dreifaltigkeitsplatz, geht es Schlag auf Schlag: Zuerst Second Hand stöbern im carla Caritas Shop, dann zu Tom Giese ins Afro Chic, wo es tolle bunte Sitzssäcke und Taschen gibt. Vorbei am Modeladen Soulsista spazieren wir in die Göglstraße, wo sich Besonderes Tür an Tür reiht. Accessoires und Möbel in der Liebelei, ein Lederleitner-Store. Das Kindermodegeschäft Wunschkind und Damenmode bei Piccola Fashion Base. Es lohnt sich, zu schauen und sich beraten zu lassen. Meistens stehen Chef oder Chefin persönlich im Geschäft. Wenn es in Krems eine Ecke gibt, die ein bissl Wien-Neubau ist, dann diese!

Fleischhauer, Bäcker, Konditoreien: In Krems sind Lebensmittel Handarbeit. Schmeckt man.

schen Würsten, Rouladen und Rinderhälften hin- und herhuschen. Wenn wir schon bei den kulinarischen Stars der City sind, dann darf auch „die Lössterrasse“ nicht fehlen. Das ist der Verkaufsschlager des Weinguts der Stadt Krems. Ein solider Grüner Veltliner, der einfach Spaß macht. Das Weingut Stadt Krems ist aber auch mit seinen Lagenweinen äußerst erfolgreich, →

FL EI SCH ES - LUST U N D STA DT-WEI N G U T

Kein Stadtbummel ohne stärkendes Extrawurst-Semmerl. Was in Wien oft schon Mangelware ist, gibt es in Krems noch: Fleischhauer. Zum Beispiel „den Graf“ in der Herzogstraße. Ein Geschäft, in dem die Damen und Herren hinter der Budel flink zwi13


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KREMS

© Stadtmarketing/Werner Leutner

→ hier räumt das Team um Fritz Miesbauer regelmäßig Höchstpunkte ab. Tja, Krems kann man aus vielen Gründen lieben. Definitiv auch deshalb, weil die Stadt ein eigenes Weingut hat.

RU N D U M D EN SI M A N D LB RU N N EN U N D N O CH WEI T ER

In der Unteren Landstraße repariert Albert Popper alles, an dem das eigene Herz hängt: Schuhe, Taschen und Gürtel. Reparieren statt Wegwerfen ist das Motto. Gleich gegenüber gibt es Stücke für die Küche, die sicher ein Leben lang begleiten im WMF-Studioshop Kirschenhofer. Wer weitergeht Richtung Osten und den Kremsfluss überquert, landet bei Anneliese Juriatti in ihrem schönen Schreibwarengeschäft. Unbedingt die tolle Werkstatt besichtigen!

L ECK ERB I S SEN I N ST EI N

Geheimtipp für all jene, die Freude am Schreiben haben: Das Geschäft von Anneliese Juriatti in der Hohensteinstraße.

Wer Stein nicht kennt, der war noch nie in Krems. So ungefähr. Hier wartet Urlaubsfeeling pur. Fühlt sich das Schlendern durch die Steiner Landstraße und die umliegenden Gassen doch irgendwie nach italienischem Mittelalter an. Vielleicht liegt es aber auch an der duftenden Theke von Hans Martinetz, der mit dem Il Magazzino eine Mischung aus Bar und Alimentari-Laden betreibt. Gleich nebenan gibt es bei Martina

wie Loopschals, Beanies und Taschen. Wer auf der Suche nach genau solchen Kleinigkeiten ist, ist bei Kleine Welten richtig. Eine Mischung aus Schreibwarenhandlung, Kindergeschäft und Buchshop. Viel Herzblut steckt hier in der Auswahl der Dinge, die besonders liebevoll arrangiert sind. Dazwischen weht der feine Duft von Akrap-Kaffee. Den vertreibt Christian Akrap, der Partner der Ladenbesitzerin Barbara Juric. Die hat sich wiederum spontan in das Geschäftslokal am Kremser Tor verliebt und beschlossen: „Hier möchte ich einen Laden eröffnen“. Gut so! Beschließen wir unsere Runde im Rad-Shop von Andreas Geyer, wo es nicht nur eine feine Auswahl an Rädern und E-Bikes gibt, sondern auch eine Werkstatt, wenn im Drahtesel einmal der Wurm steckt. So frisch geölt startet man am besten zur nächsten Shopping Tour. Los geht’s! ■

Füllfedern aus Japan, Kinderradios aus Deutschland: Im „Kleine Welten“ beim Kremser Tor findet man viele sehr besondere Dinge.

Wagensonner Mode nach Maß. Dazwischen das eine oder andere schöne Teil von der Stange und Accessoires fürs Zuhause. Die Stoffe im Rohformat findet man in der Stoffgreisslerei von Gerhild Schabasser am Schürerplatz, ein Platz zum Verweilen und Tratschen. Von der Besitzerin gibt’s die passenden Näh-Tipps dazu. Oder man greift gleich zu ihren selbstgenähten Accessoires 15


Die Bohne entzwiebeln Café, Rösterei, Akademie und Museum: Vielschichtig geht’s am Kaffee Campus Krems zu. Ein Mekka für alle, die Kaffee verfallen sind. Es ist 9 Uhr morgens. Hochbetrieb am Kaffee Campus Krems. Jetzt holen sich Studenten ihren Cappuccino to go. Flitzen vorbei an den anderen Gästen, die hier in den Tag starten. Schokokuchen oder Smoothie – Hedonisten kommen hier genauso auf ihre kulinarischen Kosten wie Veganer. Bei warmem Wetter ergattert man am besten einen der Tische beim Eingang und kann von hier aus das fröhliche Treiben beobachten.

VERSCH I ED EN E B L EN DS I N D ER RÖST EREI

Das Café ist eine der vielen Seiten des Kaffee Campus Krems. Ähnlich einer Zwiebel, entpuppen sich bei näherer Betrachtung immer neue spannende Schichten. Zum Beispiel die Rösterei, die an das Café anschließt. Da müsst ihr nur ein paar Schritte weitergehen und stoßt auf die Röstmaschine – und auf Lukas Stölner, der hier zwei Mal pro Woche seine Blends röstet. Von fruchtig bis schokoladig, für Filter oder Espresso – hier findet man für jeden Geschmack und jede Zubereitungsmethode den passenden Kaffee. Mehr als 10 Blends stehen regelmäßig zum Verkauf. Zusätzlich röstet Lukas Stölner Spezialmischungen für die Gastronomie. Denn auch beim Kaffee gilt: Immer mehr Konsumenten schauen auf Qualität und darauf, wo er herkommt. Die Espressomaschinen gleich neben der Rösterei kommen aus dem Archiv von Günter Stölner. Der Kaffee-Ex-

perte hat sich mit dem Kaffee Campus Krems einen Traum erfüllt: nämlich den Kremserinnen und Kremsern alle Aspekte des Produkts näherzubringen. Dazu gehört auch die Zubereitung mittels Siebträgermaschine, die in der Gastronomie weiter unangefochten an der Spitze steht. Im Museum-Teil des Kaffee Campus Krems kann man die rasante Entwicklung der Espressomaschine beobachten. Die nächste spannende Zwiebel-Schicht entpuppt sich einen Stock tiefer. Im schönen Gewölbekeller lässt sich ausgiebig Kaffee verkosten. In KaffeeSprech auch Cuppings genannt. Die Experten dafür sitzen wiederum einen Stock höher:

››Ich wollte einen Platz in Krems schaffen, an dem wir alle Aspekte rund um Kaffee bündeln.‹‹ Günter Stölner, Gründer Kaffee Campus Krems

Nehmen wir die kleine Wendeltreppe hinauf in die MUMAC Academy, die Ausbildungen für private Kaffeeliebhaber und für die Gastronomie bietet. Das Trainer-Team ist renommiert. Hier unterrichten Latte Art-Champion und Cafetier des Jahres Benjamin Graf und die zertifizierten Trainer Martin Höld und Felix Koppensteiner. Von den Profis lernt man nicht nur alles über den Weg der Bohne von der Pflanze bis in die Tasse. Sondern auch vieles für die 16

Praxis – egal, ob man Kaffee zuhause in der Schraubkanne oder professionell hinter der Siebträgermaschine zubereitet.

VO M L AT T E A RT-WO RKSH O P B I S ZU M BA RI STA T R A I N I N G

Rund ums Jahr stehen dutzende Kurse auf dem Programm der MUMAC Academy. Sehr beliebt ist der Latte Art-Workshop. Hier lernt man das kunstvolle Eingießen der Milch, um so schöne Motive wie Herz, Rosetta oder Tulip zu zaubern. Das Modul Latte Art ist auch ein Bestandteil der MUMAC Barista Ausbildung. Diese startete im Herbst 2019 neu und exklusiv an der MUMAC Academy. Einstieg jederzeit möglich. Jedem, der Barista werden will, sei diese praxisnahe Ausbildung ans Herz gelegt.

B I L BAO, M A I L A N D, LO N D O N ... U N D K RE M S!

Besonders stolz macht Gründer Günter Stölner, dass er die MUMAC Academy in seine Heimat holen konnte. Weltweit gibt es sieben Standorte, die meisten davon in den größten Kaffee-Metropolen Europas. Da gehört jetzt auch Krems dazu! Kaffee Campus Krems & MUMAC ACADEMY Dachsberggasse 5, 3500 Krems facebook.com/kaffeecampuskrems/ Kursübersicht auf www.lcdc.at


Man kann ihn im Café genießen oder in den Workshops der MUMAC Academy viel über ihn lernen: Kaffee in all seinen Aspekten am Kaffee Campus Krems. Jede Menge Spaß inklusive!

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PRÄDIKAT TOLLER LADEN Einkauf s -Tipps rund um die Gö glstraße und den Dreifaltigkeitsplatz Wenn sich ein Platz in Krems wie der 7. Bezirk in Wien anfühlt, dann ist es die Gegend rund um die Göglstraße und den Dreifaltigkeitsplatz. Lang lebe „Krems-Neubau“! Hier gibt’s die ganz besondere Mischung an Einkaufsund Genuss-Erlebnissen. Eine Wunderwelt an tollen Dingen aus aller Welt. Einer der besten Plätze in Krems, um Geschenke zu kaufen – für die Lieben und für sich selbst. Wer sich etwas Gutes tun will, nimmt sich Zeit und bummelt durch die Göglstraße. Die hörte früher übrigens auf den charmanten Namen „Saugassl“. Was hier anders ist? Die Geschäftsleute, die einen oft sogar persönlich beraten. Sie kennen ihr Sortiment, wählen genau aus. Eben nicht 08/15. Sondern handverlesene Qualität, sehr oft auch mit dem Prädikat nachhaltig.


WOW-FAKTOR

EUROPEAN CHIC

D ie L ie b elei | woh n r au mge s t a lt u ng , G ög l s t r a ß e 4

P ic c ola Fa sh ion B a s e G ög l s t r a ß e 7

Du bist, was du isst? Besser: wie du wohnst. In der Liebelei bekommt man Möbel und Accessoires, die das eigene Zuhause zu etwas Besonderem machen. Schöne Stücke, die auf Wunsch durchs Leben begleiten. Alexandra und Alexandra helfen übrigens auch bei der Planung. www.dieliebelei.at

Italien, Schweden, Dänemark: Die Lieferungen in die Piccola Fashion Base kommen aus ganz Europa. Hochwertige Mode, mit der frau lange Freude hat. Schuhe, Accessoires und Schmuck gibt’s auch. Eben alles fürs komplette Outfit. Piccola Fashion Base auf

AUGEN- UND OHRENSCHMAUS

LÄSSIGES FÜR KLEINE & GROSSE

Aud io A r t , G ög l s t r a ß e 2

Wu n s ch k i nd , G ög l s t r a ß e 5

Vom Plattenspieler bis zur audiovisuellen Gesamtplanung, das bietet seit mehr als 30 Jahren Audio Art. Heute spannen die Profis den Bogen zwischen analogen und digitalen Technologien. Zum Beispiel mit dem Service, alte Tonträger und Filme zu digitalisieren und Geräte zu reparieren. www.audio-art.at

Der schönste Shop für Kinder ist der Laden von Stella Brunner. Mode von Größe 50 bis 150, nachhaltiges Spielzeug für drinnen & draußen, kleine Geschenke. Hier kann man den Kleinen eine große Freude machen. Schwangerschafts- & Stillmode gibt’s auch! www.wunschkind.co.at


SÜSSIGKEITEN HAUSGEMACHT

HIER ROCKT KREMS

C a fé E l i s a b e t h, G ög l s t r a ß e 3

Soulsista, Dreifaltigkeitsplatz 1

Tiramisù im Glas, Punschkrapferl & Maroni-Torte: Im Café Elisabeth sind alle Süßigkeiten hausgemacht. So wie das Menü, das man Montag bis Freitag hier verputzen kann. Ein guter Platz, um Energie zu tanken. Auch dank Elisabeths Kaffeekreationen der Marke Naber. Cafe Elisabeth auf

Soulsista bietet den perfekten Stilmix für Damen und Herren – von urbaner Streetwear bis zum rockigen Partyoutfit. Der Style ist edgy, aber auch stylisch & urban – eine Kombi aus heimischen und internationalen Brands, die es in Krems so nur bei Soulsista gibt. Soulsista auf

KAPSTADTFEELING A f ro C h ic , Tä g l ic her Ma rk t 4 Hier fühlt sich Krems wie Kapstadt an. Bei Afro Chic findet man Sitzsäcke aus recycelten Kleidungsstücken und Bilderrahmen aus Alt-Holz. Dazwischen viele andere bunte Accessoires junger afrikanischer Designer für das eigene Zuhause. Unikate, die von Hand hergestellt wurden. www.afro-chic.at

MAL KURZ WEG House of Beauty, Dreifaltigkeitplatz 3 Die Welt einfach mal Welt sein lassen und abtauchen: Das geht gut bei Ingrid Edlinger. In ihrem House of Beauty ist man von Kopf bis Fuß auf Verwöhnen eingestellt: Kosmetik, Pediküre, Haarentfernung, klassische Massagen, Body Scan, Vitalstoffcheck oder Cranio Sacrale. Seele, lass uns eine Runde baumeln! www.houseofbeauty.cc


KREMS

Süß-sauer am Weinzierlberg FRAU STOIBERS APFELKUCHEN Der Teig 60 DAG MEHL 40 DAG BUTTER 20 DAG STAUBZUCKER 1 EI + EINE PRISE SALZ Die Fülle 7 ÄPFEL BRÖSEL KRISTALLZUCKER ZIMT + BAUCHGEFÜHL

Bratl-Carpaccio, Apfelkuchen & Sauvignon Blanc. Das alles kann man am Weinzierlberg genießen. Dank der Stoibers!

So geht Heuriger in Krems: Willkommen b ei den Stoib ers! Der Heurige der Familie Stoiber liegt mitten in den Weingärten. Vom Lokal und dem schönen Garten aus schaut man direkt in die Rieden am Weinzierlberg – eine der ältesten Lagen von Krems. Das helle Heurigenlokal bietet Platz für zahlreiche Gäste und eine bunte Auswahl an Speisen. Neben den Klassikern gibt es auch Bratl-Carpaccio oder Schafkäse mit Paradeiserragout, sehr gut! Kein Wunder, die Stoibers sind Feinspitze und versuchen, ihre Gäste immer wieder zu überraschen. Der dazugehörige Weinbau ist bewusst kleinstrukturiert, ein reiner Familienbetrieb.

Hannes Stoiber und Tocher Johanna machen klassisch ausgebaute Weine – übrigens auch Sauvignon Blanc, den bekommt man in der Kremser Gegend nicht oft. Was wäre ein Heurigenbesuch ohne süßen Abschluss? Klassiker in der Mehlspeisküche von Frau Stoiber ist der Apfelkuchen (siehe Rezept!), der das Prädiakt „wie bei der Oma“ verdient. Quasi ein Ritterschlag. Wurst, Wein & Zucker. Das Leben kann so schön sein. Ab auf den Weinzierlberg zu den Stoibers! Oberer

Weinzierlberg 22, 3500 Krems an der Donau, www.stoiber-wein.at 21

Alle Zutaten für den Teig zusammenkneten und halbieren. Eine Hälfte ausrollen. Auf das Backblech legen. Äpfel fein schneiden (manche sagen „julienne“ dazu). Mit Brösel, Zimt und Zucker mischen. Füllung auf den ersten Teig. Dann den zweiten darauf. Mit Ei bepinseln und mit der Gabel bemustern. Ab ins Backrohr. Nicht zu heiß. Bis es duftet und der Kuchen karamellbraun ist.

BALSAMICO VOM BERG Balsamico, aber leistbar. Das ist das Konzept von Mayer+Mayer. Die Essigmanufaktur am Weinzierlberg hat sich auf Veltliner- und Zweigelt-Balsamico spezialisiert. Auch in der Bio-Variante. www.veltsam.at


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KREMS

Brot backen kann man in Krems lernen. Zum Beispiel mit Multitalent Nina Nuhr. von Pamela Schmatz

Brot alles

„Butterbrot geht immer“, lacht Nina Nuhr und greift zum Streichmesser. Wenn die jüngste Tochter nach Nachschub verlangt, wird kein Aufschub geduldet. Mit wenigen Handgriffen ist das Brot fertig und Nina Nuhr zufrieden. Ja, es geht ihr beim Backen auch darum, dass ihre Kinder etwas G’scheites auf den Teller bekommen. Als Bäckerin würde sie sich nie bezeichnen, obwohl sie im Thema schon so tief drin ist, dass sie ihr Wissen weitergibt: An der Volkshochschule Krems kann man bei Nina Backkurse belegen. Oder man bucht einen ihrer privaten Kurse zwei Mal im Semester. Für Gruppen und Firmen gibt’s auf Wunsch Spezialtermine. „Viel braucht es nicht, um gutes Brot zu backen“, fin23

det Nina Nuhr. Das Wichtigste ist Zeit. Und der dazugehörige Plan. Bei den wesentlichen Steps sollte man zuhause sein. Zum Beispiel bei der letzten Gare, dem finalen Gehen-Lassen, bevor es heiß wird. Apropos Hitze: Die sollte beim Backen von Beginn an da sein, wenn das Brot in den Ofen kommt. Von Anfang an Vollgas ist die Devise. Ein Tempo, das auch zur sympathischen Rohrendorferin passt, die zwischen Familie, Fachhochschule, HLM/HLW, Volksschule und Volkshochschule pendelt. Dazwischen unterrichtet sie noch Kinderturnen. Ein pädagogisches Multitalent. „Ich bin ein kommunikativer Typ, komme aus der Lehre. Ich unterrichte Betriebswirtschaft genauso gerne wie Brot-Backen. →


→ Ich gebe mein Wissen gerne weiter, umso schöner, wenn dann noch der Funke überspringt. Ein Freund von mir hat mir mal ein Foto aus Naxos geschickt, wo er eines meiner Sauerteig-Rezepte gebacken hat. Das finde ich toll. Ich mag es, Menschen zu animieren, etwas auszuprobieren.“ In Nina Nuhrs Backkursen lernt man deshalb auch Basisrezepte, die man selbst variieren kann. Saaten, Körner und Quellstücke mischt man dann nach Lust und Laune in den eigenen Brotteig. Wichtig bei all dem: das Mehl. Nina Nuhr kauft ihres in der Neumayr-Mühle in Hadersdorf. Ein Familienbetrieb, der verschiedene Weizen-, Dinkel- und Roggenmehle herstellt. Aber auch andere Produkte wie Durum Nudelgrieß, Knuspermüsli oder Dinkel-Backerbsen.

VO LLE G EBO RG EN H EIT M IT T YPE 70 0

Nina Nuhr verwendet für ihre Basisrezepte oft Weizenmehl Type 700. Die Zahl hinter der Type misst übrigens den Mineralstoffgehalt des Mehls. Je höher, desto mehr Mineralstoffe und Schalenanteile und desto dunkler das Mehl. „Ich finde, man sollte Weizen nicht verteufeln. Oft liegt es einfach an der schlechten industriellen Verarbeitung, nicht am Korn selbst. Ich kann sagen: Die Krume profitiert sehr vom Weizen.“ Nina Nuhr bäckt rund drei Mal die Woche. Immer zuhause in der eigenen Küche – außer sie hält ihre Backkurse, die finden in der HLM/HLW in Krems

››Wenn dir ein Freund ein Foto aus Naxos schickt, wo er gerade dein Sauerteig-Brot verspeist, ist das eine schöne Bestätigung.‹‹ oder in der Volksschule Rohrendorf statt. „Wenn der Duft von frischem Brot durch das eigene Haus zieht, das ist Geborgenheit pur. Eine Klammer. Ich kenne niemanden, der das nicht mag. Jedes Mal, wenn ich die Backofentür öffne, fühlt es sich an wie ein kleiner Geburtstag. Auch meine Kinder empfinden das so. Mein Sohn ist zum Beispiel ein sehr temperamentvolles Kind. Zu backen ist eine Möglichkeit, runterzukommen und gemeinsam etwas zu schaffen, woran alle Freude haben.“ Fragt man die ältere Tochter Johanna nach dem Lieblingsbrot, runzelt sie die Stirn: „Die Mama bäckt so viel, dass ich mich da nicht entscheiden kann.“ Bauernbrot, Topfbrot, dazwischen auch mal Baguette – das Rezept dazu gibt’s übrigens auf www.lustaufkrems.com/brot. Aus eigener Erfahrung weiß Nina Nuhr, dass Brot backen gut integrierbar sein muss in den Alltag. Deshalb sind in ihren Kursen auch Über-Nacht-Rezepte dabei. Bis auf ein wenig Planung und gutes Mehl braucht es sonst nicht viel: etwas Sauerteig. Bei manchen Rezepten einen Hauch Bio-Hefe. Auch ohne Küchenmaschine lassen sich viele Brote herstellen, allein Muskelkraft ist gefragt. Wer dem Backfieber verfällt, sollte in einen Backstein aus Schamott investieren. „Der Stein speichert die Hitze 24


KREMS

und hebt das Brot langsamer und schöner als wenn man ohne Stein bäckt.“ Wenn das Brot einmal im Ofen ist, dann kurz mit der Wasserspritze sprühen, um die Luftfeuchtigkeit im Rohr zu erhöhen. Nein, das typische Schüsserl mit Wasser hilft da zu wenig. Während der ersten 10 bis 15 Minuten übt man sich am besten in Geduld. Da sollte die Backofentür nämlich auf jeden Fall zu bleiben. „So bringt man auch mit einem ganz normalen Backofen tolle Ergebnisse zustande. Wer hat schon einen Holzofen in der Küche?“

5 STU N D EN HAN D - A RBEIT

Bucht man bei Nina Nuhr einen Backkurs, ist nix mit Zurücklehnen. In den fünf Stunden lernt man verschiedene Rezepte. Da heißt es auf die Tube drücken und Teig kneten. Die ideale Konsistenz von Brotteig beschreibt die studierte Betriebswirtin als „kräftiger als Kuchenteig und durchaus etwas klebrig“. Wer Sandwich bäckt, für den lautet das Ziel „seidig-samtig-angenehm.“ Es gibt viel auszuprobieren, manchmal auch den Sprung über den eigenen Schatten: „An einen älteren Herrn in meinem Kurs erinnere ich mich noch, der hat nach jedem Arbeitsschritt alle Oberflächen mit dem Lappen saubergemacht, weil seine Gattin ihn so toll ‚erzogen’ hatte, wie er sagte. Im Kurs machen wir aber immer gemeinsam sauber“, schmunzelt sie.

BROT- BLO GS ALS I NSPI R ATI O N

Auch Nina Nuhr ist nach hunderten selbstgebackenen Broten noch immer neugierig. Inspiration holt sie sich vom Linzer Dietmar Kappl, bei dem sie auch selbst schon gelernt hat. Sein Blog homebaking.at ist immer ein heißer Tipp, sagt Nina. Genauso wie www.ploetzblog.de, die Seite des deutschen „Brot-Papstes“ Lutz Geißler. ■ www.ninabackts.at

Adressen für Brot fans BÄCKEREI AUBRUNNER Ein Kremser Original. Manche Rezepte sind schon über 50 Jahre alt, garantiert ohne Backmischung. Auch sehr gutes Kamutbrot und die volle Auswahl an Vollkornprodukten. Ringstraße 67, 3500 Krems www.baeckerei-aubrunner.at BÄCKEREI SCHMIDL Eigentlich Dürnsteiner Hoheitsgebiet, doch auch in Krems gibt es eine Filiale. Star ist das Original Wachauerlaberl, aber hier findet man auch sehr gutes Baguette und Gebäck. Obere Landstr. 8, 3500 Krems www.schmidl-duernstein.at BACKSTUBE SABATHIEL

Gut, fällt nicht unbedingt unter Brot. Aber die süßen Mini-Tartes und Schoko-Törtchen sind einfach so hübsch, dass man über eine neue Begriffsbestimmung nachdenken sollte. Obere Landstr. 1, 3500 Krems facebook.com/baeckerei.sabathiel NEUMAYR-MÜHLE

Gleich bei Krems in Hadersdorf. Mehle, Körner, Flocken und Sauerteig-Pulver fürs Brotbacken zuhause im Mühlenladen. Schillerstraße 8, 3493 Hadersdorf, www.neumayr-muehle.at

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WEEKEND BAKERY IM WORACZICZKY Jede Woche beliefert Kerstin Rytther das Woracziczky am Pfarrplatz mit tollem Brot und Süßigkeiten. Angefangen hat alles mit schwedischen Zimtschnecken, den Kanelbullar. Mittlerweile bäckt die Quereinsteigerin regelmäßig für das Lokal: Jeden Freitag/Samstag kann man hier ihr Brot für zuhause kaufen. Ganz klassisch aus Dinkel oder Weizen. Dann auch mal wieder mit Haferflocken-Brei, Einkorn oder geröstetem Roggen. Fad wird’s nicht, auch in Sachen Süßigkeiten. Da ist das österreichische Zuckergoscherl ja nicht so an Sauerteig gewöhnt. Aber ohne den geht bei Kerstin gar nix. Im Woracziczky hat sie ihre Zimtschnecken dabei, dazu immer wieder einmal einen tollen Streuselkuchen, Gugelhupf oder Babka. Freitag und Samstag, Am Pfarrplatz 3, www.woracziczky-krems.at


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KREMS

Fünf Fragen an ein Achterl Clemens Wenger ist Musiker, Komponist und Mitglied der Formation 5/8erl in Ehr’n. Wir fragen ihn nach seinen Kremser Wurzeln und Platten, die ihn geprägt haben.

Birkenstocksandalen. Es ist noch Sommer und Clemens Wenger kommt mit dem Rad ins WUK in den 9. Bezirk. Hier hat er eine zeitlang Musik gemacht im Studio eines Freundes. Heute arbeitet er im eigenen, gleich über seiner Wohnung in Wien. Du spielst Keyboard und Akkordeon bei den 5/8erln, komponierst für Theater und Oper, bist Gründer der JazzWerkstatt Wien. Woher kommt die Liebe zur Musik? Die hat in Niederösterreich begonnen. Beim Opa in Angern, der zwar kein professioneller Musiker war, aber ungefähr so viel geübt hat wie einer. Da habe ich mir viel abgeschaut. Und: That’s Jazz hatte damals eine eigenes Vereinslokal in Stein mit einem super Flügel. Da konnte ich mich hinverziehen und spielen. Selbst nach dem Fortgehen bin ich dort oft gelandet. Diese Möglichkeit war wichtig, sonst wäre das mit der Musik nix geworden. Kurz vor der Matura hatte ich dann den Rappel, dass ich Musik studieren wollte. Da musste ich dann ziemlich schnell ziemlich viel lernen. Und so hat’s geklappt und ich habe Jazz-Klavier und -Komposition in Wien am Konservatorium studiert. Merkt man deiner Musik an, dass sie niederösterreichische Wurzeln hat? Nein, finde ich nicht. Zum Beispiel mit 5/8erl in Ehr´n machen wir was sehr Eigenständiges. Am Anfang wollte man uns immer den Stempel „Wienerlied“ draufdrücken. Davon haben wir aber nur kleine Elemente drinnen, die wir mit Jazz, Soul

und Blues mischen. Textlich singen wir zwar in Mundart, aber da geht´s um allgemeine Themen, die in der Wachau genau so gelten wie am Bodensee. Du komponierst auch viel für Theater und Oper. 2018 zum Beispiel für „Die Dämonen“ von Dostojewski am Münchner Volkstheater. Wie geht man da heran? Solche Aufträge ziehen sich oft über vier Monate. Die ersten zwei Monate sind ganz einsam, da komponiere ich die Layouts. Dann gibt es einen Monat Proben. Und im letzten Monat wird es wirklich turbulent, da geht es dann um den Feinschliff. Da beginnen sich alle einzumischen. Wobei dieses Chaos dann auch wieder inspirierend ist. Ich mag es, wenn man auch mit anderen Disziplinen arbeitet. Sonst schmort man dauernd im eigenen Saft. Mit den 5/8erln habt ihr schon mehrmals beim Amadeus Austrian Music Award abgeräumt. Welches eurer Alben muss man unbedingt gehört haben? Die beste Platte ist immer die nächste! Und da wird im Frühjahr 2020 wieder eine kommen. Aber wenn man sich uns 8erln annähern will, dann vielleicht mit Yes, we does, da verarbeiten wir ganz verschiedene Zugänge. Mit dem Song Alaba zum Beispiel auch durchaus politischen Stoff. Wir lassen uns schon inspirieren von der Gesellschaft, von der Tagespolitik. Trotzdem muss ein Song auch eine poetische Ebene haben, was manchmal gar nicht so einfach ist… Im August haben wir den Song This is 27

a political message rausgebracht. Wir wollten keinen Song über Ibiza machen. Aber einen darüber, was in der Politik heute alles möglich sein kann. Da sehen wir uns schon in einer Singer/Songwriter-Tradition. Also lieber Konstantin Wecker als Seiler und Speer ... Wer hat dich noch beeinflusst? Wenn du dich für drei Platten entscheiden müsstest, welche wären das? Nur drei? Ich versuche es ... Dann nehme ich Thriller von Michael Jackson. Das ist die Platte aus meiner Schulzeit. Das erste Album von Tracy Chapman mit dem Song „Talkin´ Bout A Revolution“ hat mich schon während meiner Kindheit geprägt. Und Jazz hat mich auch immer begleitet ... deshalb Ella and Basie von Ella Fitzgerald & Count Basie. Also drei sehr unterschiedliche Platten, wenn ich mir das so anschaue. Aber das passt auch. Geht noch eine vierte außer Konkurrenz? Wenn ich nämlich an zeitgenössische Musikerinnen und Musiker aus Niederösterreich denke, kommt man an Mira Lu Kovacs nicht vorbei. Gemeinsam haben wir heuer beim Festival Glatt&Verkehrt in Krems gespielt. Also noch eine Empfehlung ist definitiv Miras erstes Album Play Dead unter dem Namen Schmieds Puls.

Konzerttermin in Krems: 5/8erl in Ehr’n im Kino Im Kesselhaus am 6. 12. 2019 Weitere Termine auf clemenswenger.com und www.5achterl.at


Grenzgehen. Michael Höpfner geht. Durch Tib et, durch Wüsten o der einf ach nach Retz. Foto grafien und Zeichnun gen von seinen We gen sind nun in der Landesgalerie Nie derösterreich zu sehen.

„Es ist ein ziemliches Ding geworden“, sagt Michael Höpfner. Gemeint ist seine Personale in der Landesgalerie Niederösterreich, für die er viele seiner Arbeiten der letzten zwei Jahrzehnte zusammengetragen hat. Fotografien und Zeichnungen, die auf seinen Reisen entstanden sind. Als er zum Beispiel in Nordtibet das Changtang-Plateau zu Fuß querte. Ein Gebiet, das so groß wie Westeuropa, aber kaum besiedelt ist. „Mich hat immer interessiert, wie menschliches Leben noch aussehen kann, abseits der westlichen Hemisphäre. Dabei bin ich auf Nomaden-Kulturen gestoßen, die es heute gar nicht mehr gibt. Die sind mittlerweile ausradiert. Diese Menschen haben nicht mit der Natur gelebt, sondern unter der Natur. Wenn du dich nicht unterwirfst, bist du weg“, sagt der Künstler. Gehen. Das war immer schon sein Ding. „Ich bin im Kamptal aufgewachsen. Das, was ich heute mache, habe ich als Kind schon gemacht. Draußen sein. Beobachten. Nach meinem Studium habe ich dann nach dem Motto ,Mein Atelier ist mein Zelt‘ gelebt. In den Nuller-Jahren war ich jedes Jahr ein halbes Jahr unterwegs“, erzählt Michael Höpfner. Ausgestattet nur mit einem Rucksack, in dem auch noch seine Fotoausrüstung Platz haben musste. Auch deshalb die Entschei28

dung für die Analog-Fotografie, die den Fotografen zu noch mehr Konzentration zwingt. Denn das Filmmaterial ist begrenzt. „Da ist man schnell weg von diesem touristischen Wahn, alles abbilden zu wollen. Man muss sich selbst so beruhigen, dass man die wesentlichen Dinge erfassen kann. Wenn ich den Auslöser drücke, dann oft in sehr intuitiven Momenten der Tiefenfaszination.

››Da liegen nach Tagen des Gehens diese drei Felsbrocken vor dir und plötzlich ist da diese Überzeitlichkeit.‹‹ Das Thema Wüste begleitet ihn schon seit vielen Jahren. Mit 18 ist er das erste Mal los Richtung Nord-Syrien, um dort eine Wüste zu durqueren. „Viele fragen mich, warum suchst du dir ausgerechtet Wüsten aus? So exotisch ist das gar nicht, wenn wir daran denken, dass Wüsten in allen drei großen Religionen eine wesentliche Rolle spielen. Schauen Sie sich Kirchen in Niederösterreich an. →


Michael Höpfner. Durchwander te Kreisläuf e. 19. Oktober 2019 bis 3. Mai 2020

Landesgalerie Niederösterreich  Museumsplatz 1, 3500 Krems an der Donau Di–So, 10–18 Uhr  Mo, wenn Feiertag Kuratorenführung am 31. 1. 2020, 16 Uhr mit Günther Oberhollenzer Kunst, Kaffee & Kipferl 22. 3. 2020, 10.30–12 Uhr Zum Ankommen werden Kaffee und Kipferl gereicht, bevor Besucher/innen sich in kleinem Rahmen mit Michael Höpfner & Direktor Christian Bauer austauschen können, die durch die Ausstellung führen. Anmeldung unter office@kunstmeile.at, T +43 2732 908010

Fotos: Michael Höpfner; Galleria Michela Rizzo, Venedig; Galerie Hubert Winter, Wien; Bildrecht, Wien; Pamela Schmatz


Die Landesgalerie Niederösterreich widmet ihm eine große Personale: Fotograf Michael Höpfner, der in Krems in die Schule ging.

→ In jeder davon kommt eine Wüste vor.“ Man kann nur erahnen, welch’ mentaler und physischer Grenzgang seine Reisen sein müssen. Sieben Wochen am Stück ist er einmal gegangen, ohne einem Menschen zu begegnen. „Wenn du wochenlang mit einem 30-Kilo-Rucksack herumstapfst, durchlebt man diese Momente der tiefen Faszination. Und dann fotografiere ich. Und wenn das Ding gut ist, springt der Funke über auf den Betrachter. Ich habe schon die Erwartung, dass man das Foto dann nicht nur zwei Sekunden anschaut. Ich möchte, dass man sich meine Bilder immer wieder ansehen kann, um etwas Neues darin zu sehen.“ Kein einfaches Unterfangen in einer Zeit, in der für Bildproduktion und Bildkomposition immer weniger Zeit zur Verfügung stehen. „Während meines Studiums in den 90ern lag die Betrachtungsdauer einer Magazinseite noch bei 10 Sekunden. Ich glaube jetzt liegen wir bei zwei Sekunden.“ Heute lebt und arbeitet der geborene Zöbinger in Wien. Das Gehen integriert er auch in

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sein künstlerisches Schaffen vor Ort. Zum Beispiel wenn er beschließt, von seinem Atelier im 15. Bezirk aus drei Tage in eine Richtung stadtauswärts zu gehen bis nach Retz. „Solche Befreiungsversuche funktionieren überraschend gut. Es geht sehr schnell, dass man sich beruhigt und wieder anders zu schauen beginnt. Wenn man aufhört, die Sensation zu suchen.“

Die wahre Sensation liegt im Faden. Nicht nur in eine Richtung, auch Im-KreisGehen hat der Künstler probiert. „Auf Einladung von Deveron Arts in Schottland bin ich einen 50 km langen Kreis auf Straßen und Wegen für zwei Wochen gegangen. Das Spannende ist die Vertrautheit, die auf einmal entsteht. Das macht das Zu-Fuß-Gehen. Und die Bauern, die mich dann irgendwann schon gekannt und mir gewunken haben. Das Thema Zeitlichkeit hat viel mit meinen Arbeiten zu tun. Eine interessante These des Philosophen Gilles Deleuze ist, dass sich Zeitlichkeit aufhebt, wenn wir im Leben immer wieder das Gleiche tun. Und dann die nächste Generation wieder das Gleiche macht, dann gibt es keine Zeit mehr. Ein Ansatz, den man beginnt zu verstehen, wenn man im Kreis geht.“ ■


DER GUGLHUPF Quasi Signature-Dish des Hauses. Es gibt ihn in einer Eierlikör- und einer Marmor-Variante. Beides gut und saftig. Dank der echten Butter im Geheim­ rezept von Julia, der Konditorin. Passt besonders gut zu den Kaffee-Kreationen des Poldi Fitzka. Die Spezialröstung stammt vom Kaffee Campus Krems.

Hingucker in der Landesgalerie NÖ: das Poldi Fitzka samt Kuchen-Manufaktur

IM SIEBENTEN ZUCKER Die Kuchenmanufaktur des Poldi Fitzka

DIE KONDITORIN EMPFIEHLT Die Konditorinnen Julia und Vanessa sorgen im Poldi Fitzka dafür, dass Zuckerfreaks auf ihre Kosten kommen. Zum Beispiel mit dem LandesgalerieWürfel, dem absoluten Muss für Schokoholiker. Das Poldi Fitzka eignet sich besonders gut fürs Frühstück. Mit vielen tollen süßen und pikanten Frühstücksgerichten. Der Tipp von Julia sind die Pofesen: Brioche, Powidl, Mascarpone und Karamell vereinen sich zu einem süßen Erlebnis, das man nicht mehr vergisst.

CAFÉ, RESTAURANT, BAR Das Poldi Fitzka ist ein Chamäleon. Am Vor- und Nachmittag ein gemütliches Café. Zu Mittag ein beliebtes Lunch-Lokal dank der tollen Tagesspezialitäten. Jeweils ein Fleisch- und ein vegetarisches Gericht stehen zur Auswahl. Oder man isst à la Carte, das geht auch am Abend. Da kann man den Tag mit einem Achtel Wein aus der Region perfekt ausklingen lassen.

SÜSSE GESCHENKE Wer etwas Besonderes für die Lieben sucht, packt am besten den Guglhupf ein. Dann bekommt man sogar eine besonders schöne Verpackung drum herum. Alternativ eignen sich die Pralinen aus der Kuchenmanufaktur: Salzkaramell, Marille und Krokant. Je nach Saison. Probieren! 31

POLDI FITZKA GASTWIRTSCHAFT LANDESGALERIE NIEDERÖSTERREICH, MUSEUMSPLATZ, 3500 KREMS/DONAU TEL: 02732 21165, WWW.POLDIFITZKA.AT


In Kooperation mit Krems Tourismus

Die erste Prise Weihnachten holt man sich am besten beim Kremser Stadt-Advent in der stimmungsvollen Dominikanerkirche.

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KREMSER STADT-ADVENT MIT KULTURCAFÉ 15. bis 17. November und 22. bis 24. November 2019 Es gibt keinen schöneren Ort, an dem man sich in Krems auf den Advent einstimmen kann: die Dominikanerkirche samt tollem Innenhof. Hier findet heuer zum zweiten Mal der Kremser Stadt-Advent statt, bei dem zahlreiche DesignerInnen und KünstlerInnen ausstellen. Dazwischen gibt’s kulinarische Highlights vom Kaffee Campus Krems, Schauhandwerk und Musikalisches im Kulturcafé: Musikerinnen und Musiker spielen hier live immer zwischen 15 und 17 Uhr. Reinhören, stöbern, plaudern, genießen. Und das alles bei freiem Eintritt! Jeweils Freitag von 15 bis 19 Uhr, Samstag & Sonntag 10 bis 19 Uhr. 32


KREMS

››Der ersten AdventVeranstaltung im Jahr wohnt immer ein Zauber inne.‹‹ Gabriela Hüther, Veranstalterin

Kinderprogramm b eim Kremser Stadt-Advent Hier kommen Groß und Klein auf ihre Kosten. Kinder können Lebkuchen verzieren und mit dem Verein Impulse kreativ werden. Jeweils um 16 Uhr gibt’s eine Kinderlesung, an den Samstagen und Sonntagen Familienführungen durchs museumkrems. Wer danach Frischluft braucht, nimmt am besten den Fiaker. Start der Kutschfahrten ist vor der Dominikanerkirche. Das ganze Programm des 2. Kremser Stadt-Advents findet man auf www.krems.info

Die dunkle Seite der Stadt MIT DEM NACHTWÄCHTER DURCH KREMS ODER STEIN

... noch mehr Krems-Tipps IN DER KREMS TOURISMUS INFO IM DOMINIKANERKLOSTER

Gebeine in der Krypta der Piaristenkirche. Die Geschichte von den „Hübschlerinnen“, die ihre Dienste in der Stadt verrichteten. Oder die vielen Zünfte, die im Mittelalter den Ton angaben: Mit einer Nachtwächter-Führung taucht man tief ein ins historische Krems. Plätze, an denen man vielleicht sonst vorbeihuscht, bekommen eine neue Bedeutung. Die Stadtführerin Christine Emberger wirft sich dafür sogar ins Gewand der mittelalterlichen Nachtwächter.

Sie ist es, die die rund 1,5 Stunden lange Tour mit vielen G’schichtln zum Erlebnis macht. Fixe Termine, zu denen man sich anmelden kann, findet man auf www. krems.info. Die Nachtwächterführung gibt es jetzt übrigens auch für Stein, wo man durch alte Stiftshöfe und entlang der Stadtmauer unterwegs ist. Gruppen können die Führungen auf Wunsch auch individuell buchen. Am besten man fragt in der Krems Tourismus Info nach. 33

Egal, ob für Einheimische oder Gäste: Die Infostelle bündelt viele Angebote rund um die Stadt. Hier gibt’s alle Details zu den eigenen Angeboten wie den Kremser Stadtführungen und dem Stadt-Advent. Wenn man vor Ort ist, sollte man unbedingt noch einen Stock höher schauen: Hier wartet mit der Stadtbücherei & Mediathek die älteste Klosterbibliothek Österreichs! Krems Tourismus Info, Körnermarkt 14, 3500 Krems an der Donau, Tel.: +43 (0) 2732 82676, willkommen@krems-tourismus.at www.krems.info


Ă„pfel kaufen, Wein verkosten: Ein Abstecher in die Vinothek der Wein- und Obstbauschule lohnt sich. 34


KREMS

Eine Geschichte in Kooperation mit

Wowbauschule Äpfel, Traubensaft, Verjus – und natürlich Wein. Die Produkte der Wein- & Obstbauschule Krems gibt’s auch zu kaufen. Eines davon hat eine ganz besondere Geschichte.

Boskop. Die perfekte Apfelsorte für Strudel. Weil sie eben nicht picksüß oder um die halbe Welt gereist ist wie ein Großteil der Supermarktware, sondern säuerlichen Biss hat. Boskop, Gala & Co gibt’s in der Wein- und Obstbauschule in Krems. Eingeweihte wissen: Hier ist ein guter Platz, um sich mit tollem Obst und regionalen Produkten einzudecken. Natürlich auch mit einer breiten Palette an selbst erzeugten Weinen, darunter Sortenvielfalt wie Neuburger, Frühroter Veltliner oder Cabernet Sauvignon. Vieles, das man sonst nicht so einfach findet, kann in der sympathischen Vinothek der Schule verkostet und gekauft werden. So wie der Verjus – ein Saft aus unreifen Trauben, der sich so herrlich zum Abschmecken von Gerichten eignet. Wer mehr schmecken und wissen will, bucht eine Verkostung. Dann nehmen sich die Profis extra viel Zeit. MEHR ALS TRAUBENSAFT Zur Palette zählt auch ein sehr guter Traubensaft, für den die Schülerinnen und Schüler des zweiten Jahrgangs verantwort-

lich sind. Sie sind es auch, die das Produkt mit ihrer Junior Company an den Mann oder an die Frau bringen müssen. Die Ausbildung schließt eben auch Marketing, Verkauf und Vertrieb mit ein. „Das Projekt Junior Company ist sehr erfolgreich. Hier spielen wir alle Ebenen durch. Wir definieren gemeinsam, welche Abteilungen im Unternehmen notwendig sind. Dann können sich Schülerinnen und Schüler um die einzelnen Positionen in ihrer Firma bewerben“, erzählt Mag. Daniela Krottendorfer. Jedes Jahr wird ein anderes Produkt vermarktet. Heuer hat sich der Jahrgang für Rosé-Traubensaft entschieden. „Aus Zweigelt-Trauben, weil sich diese besonders gut für Saft eignen“, sagt Direktor Mag. Dieter Faltl RAIFFEISENBANK KREMS ALS PARTNER DER „JUNIOR COMPANY“ „Die Junior Company ist ein Projekt aus der Region, das wir gerne unterstützen. Wir nützen den Traubensaft heuer als Geschenk zum Weltspartag“, erzählt Claudia Steinkellner, Marketingleiterin der Raiff35

eisenbank Krems. Auch so manches Nachwuchstalent kann sie an der Wein- & Obstbauschule kennenlernen. Denn Marketing ist ein Thema, das bei den Schülerinnen und Schülern gut ankommt. So wie bei Laurenz Müller und Markus Dachauer, die sich beide in der „Marketingabteilung“ der Junior Company beworben haben. Die Kooperation mit der Raiffeisenbank Krems ist ein schöner Erfolg. Nun geht es an die Vermarktung der restlichen Flaschen Traubensaft. Den findet man ab November übrigens auch in der Vinothek der Schule. Da kauft man nicht nur tollen Traubensaft, sondern unterstützt auch ein original Kremser Start-up.

Wein- & Obstbauschule Krems Wienerstraße 101, 3500 Krems/Donau Öffnungszeiten Vinothek: Mo, Mi, Fr: 9 bis 12 Uhr und 14 bis 15 Uhr oder nach Voranmeldung www.wbs-krems.at


Ein Jubiläum und 25 Projekte 25 Jahre und ziemlich laut: Die IMC FH Krems feiert Geburtstag. Auf den Spuren des IMC-Spirits treffen wir auf ein Gartenprojekt, die jüngste HR-Managerin Österreichs und 25 Jubiläums-Projekte.

Eine Geschichte in Kooperation mit der IMC FH Krems 36


KREMS

››In meinem Job brauche ich gute Menschenkenntnis. Die habe ich im Studium mitbekommen.‹‹

und der Tourismuszentrale Südmähren arbeitet die IMC FH Krems am Thema Gartentourismus. In dem Projekt GrünRaum wird untersucht, wie man eben diesen revitalisieren und für den Tourismus nutzen kann. Auf der Projektseite diegaerten.eu findet man den Überblick über Gärten in Niederöstererreich und Südmähren. Perfekt, um den nächsten Ausflug zu planen oder tiefer ins Thema Garten zu tauchen. Schaugärten, Privatgärten, Kunst im Garten: Über 100 Orte gibt es auf der Website zu entdecken.

Wirtschaft Betriebswirtschaft für das Gesundheitswesen, Bachelor Vollzeit oder berufsbegleitend Business Administration, Bachelor Vollzeit

Christina Draxler war die jüngste HR-Managerin Österreichs

Projekt GrünRaum: sehenswerte Gärten entdecken

Seit 25 Jahren wächst die Zahl der Studierenden. Im Oktober 1994 starteten die ersten 45 im Studiengang „Tourism und Leisure Management“. Heute sind es mehr als 3.000 Studierende, die berufsbegleitend oder Vollzeit an der IMC FH Krems studieren. Die Zahl der Studiengänge ist mittlerweile auf 32 gewachsen. Informatics, Gesundheits- und Krankenpflege, Nach­ haltig­keits­management – das Angebot umfasst Studienrichtungen in allen Zukunftsbranchen.

32 berufsbegleitende und Vollzeit-Studiengänge

© Die Gaerten Niederoesterreichs Florian Lierzer

Sie war gerade einmal 23 Jahre als sie die Personal-Verantwortung für mehr als 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernahm. Christina Draxler wechselte direkt von der IMC-Vorlesungsbank in die Chefetage der KASTNER Gruppe in Zwettl. Das Management-Studium hat sie darauf perfekt vorbereitet, sagt die heute 27-Jährige. Es sind Geschichten wie diese, die den Erfolg der Fachhochschule ausmachen.

Zurück zu Christina Draxler. Die Absolventin kommt immer wieder gerne an ihre Fachhochschule: „Wenn ich an das IMC komme, ist das immer ein bisschen wie heimkommen. Wie Familie. Diese persönliche Atmosphäre ist etwas ganz Besonderes“, sagt die Managerin. Heute ist sie es, die am Podium spricht. Zum Beispiel, wenn sie Studierenden ihre Erfahrungen weitergibt. „Beim Vorstellungsgespräch lautet meine erste Frage meistens →

Export-oriented Management, Bachelor Vollzeit Tourism und Leisure Management, Bachelor Vollzeit oder berufsbegleitend Unternehmensführung, Bachelor Vollzeit oder berufsbegleitend International Wine Business, Bachelor Vollzeit International Business and Economic Diplomacy, Master berufsbegleitend Management, Master berufsbegleitend Management von Gesundheitsunternehmen, Master berufsbegleitend Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement, Master berufsbegleitend Marketing, Master Vollzeit (berufl. Tätigkeit möglich)

Digitalisierung & Technik Applied Chemistry, Bachelor Vollzeit Informatics, Bachelor Vollzeit Digital Business Innovation and Transformation, Master berufsbegleitend

Gesundheit Ergotherapie, Bachelor Vollzeit Gesundheits- und Krankenpflege, Bachelor Vollzeit Hebammen, Bachelor Vollzeit Musiktherapie, Bachelor berufsbegleitend, Master berufsbegleitend Physiotherapie, Bachelor Vollzeit Angewandte Gesundheitswissenschaften, Master berufsbegleitend Advanced Nursing Practice, Master berufsbegleitend

GARTENFANS AUFGEPASST Der Tourismus-Studiengang läuft noch immer erfolgreich. Aktuell mit einem besonders spannenden Projekt: Gemeinsam mit dem Verein „Die Gärten Niederösterreichs“, der Niederösterreich Werbung

Life Sciences Medical and Pharmaceutical Biotechnology, Bachelor Vollzeit, Master Vollzeit

Mehr Infos auf www.fh-krems.ac.at 37


→ ‚Wie geht’s?‘ Ich mag es, rasch persönlich zu werden, damit ich herausfinden kann, wie der Bewerber wirklich tickt. Vorbereitete Antworten interessieren mich nicht.“ Wichtige Einsichten wie diese bekommen Studierende immer wieder serviert. Absolventinnen und Absolventen sind dabei mehr als eine gute Informationsquelle, sagt IMC-Geschäftsführerin Mag. Ulrike Prommer: „Die Absolventinnen und Absolventen sind auch erste wichtige Kontakte für unsere Studierenden. Viele sind in Führungspositionen – in der Privatwirtschaft, im öffentlichen Dienst oder in universitären Einrichtungen.“

So kann man sich schon während des Studiums ein berufliches Netzwerk aufbauen. Zum 25. Geburtstag schenkt sich die Fachhochschule übrigens 25 Projekte, die den besonderen Spirit der Fachhochschu-

den. Rund um den neuen Studiengang Applied Chemistry entstand das Projekt „25 reasons to fall in love with chemistry“. Die kurzen Videos überraschen mit Wow-Effekten und machen Lust auf Naturwissenschaft.

le widerspiegeln. Geplant und durchgeführt werden sie von Studierenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ein Charity-Basar ist da genauso dabei wie öffentliche Vorlesungen am Kremser Pfarrplatz, eine #Zerowaste-Challenge oder ein Frühstück mit Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und 25 Studieren-

AUF EIN GLAS IN DEN SÜDEN Il Magazzino, Steiner Landstr. 76 3500 Krems/Stein An dieser Theke pumpert das Herz von Italien-Fans: Sie ist gefüllt mit Lardo, Bresaola, Pecorino und Taleggio. Die Köstlichkeiten genießt man direkt im Laden zu einem Glas Prosecco. Oder man packt die Schätze ein für das Festmahl zuhause. Im Il Magazzino gibt es viele Lebensmittel für die original italienische Küche – vom Pastamehl bis zum Olivenöl. Am besten man schnappt sich noch eines der schönen Kochbücher für die Extraportion Inspiration. www.il-magazzino.com 38

NUMMER 1 BEI DEN STUDIERENDEN Die Kremser Hochschule erzielt bei nationalen und internationalen Bewertungen immer wieder Spitzenergebnisse. Bei der Studierenden-Zufriedenheit belegt die IMC FH Krems Platz 1. International, professionell, modern – das sind die Attribute, die Studierende mit ihr verbinden. Die Fachhochschule ist aber auch ein bedeutender Arbeitgeber mit rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Auch hier gilt: Daumen hoch. Das Wirtschaftsmagazin Trend reiht die IMC FH Krems unter die Top 30 Arbeitgeber des Landes. Geschätzt werden besonders das Weiterbildungsangebot und das Gesundheitsprogramm. Beruf und Familie lassen sich hier besonders gut vereinbaren. Die IMC FH Krems zeigt’s vor. Seit 25 Jahren. ■


Zwei, die sich für ihre Gäste immer wieder Neues ausdenken: Geschäftsführerin Daniela Winter und Küchenchef Nikolaus Lackner.

BURGER: VON BEEF BIS QUINOA. Burger geht einfach immer: Im Schmid’s gibt’s ab 11 Uhr durchgehend warme Küche bis 22 Uhr. Der Klassiker ist der Cheeseburger. Das Schmid’s ist aber auch perfekt geeignet, um Neues auszuprobieren. Zum Beispiel den Schmid’s Chili con Quinoa, für den Küchenchef Nikolaus einen veganen Patty aus Jackfruit und Quinoa zaubert.

ALLER GUTEN DINGE ... sind drei: Burger, Bier und Bowls im Schmid’s

HOLY BOWLY! Vom Pastrami-Sandwich bis zum Mango-Avocado-Salad: Im Schmid’s sind kulinarische Entdeckungen inklusive. Auch Bowls findet man in acht Varianten auf der Karte, die meisten davon vegan. Frisch, cremig, chrunchy: Jede davon ist eine runde Mischung aus unterschiedlichen Texturen, Vitaminen und Geschmacksrichtungen. 39

GESCHENKE FÜR BIER-FANS Zum Schmid’s gehört auch eine Biergreisslerei mit rund 100 außergewöhnlichen Craft Bieren. Verpacken kann man sie in der Schmid’s Männerhandtasche, die Geschäftsführerin Daniela exklusiv für die Greisslerei baut. Jede davon ein Einzelstück. Wer mag, packt noch einen Gutschein für ein Bierseminar drauf. Termine und Infos auf www.schmids.at

SCHMID’S, SCHMIDGASSE 8, 3500 KREMS/DONAU, MONTAG BIS SAMSTAG AB 11 UHR TEL: 02732/21164, WWW.SCHMIDS.AT


Energieautarkes und leistbares Wohnen: Vorstandsdirektor Otmar Amon und Prokuristin Mag. Barbara Kiener schauen zum 80-Jahr-Jubiläum der GEDESAG gemeinsam in die Zukunft.

Zimmer, Kuchl, Autarkie. Seit 80 Jahren prägt die GEDESAG die „Wohnlandschaft“ Niederösterreich. Was ihre Projekte auszeichnet, wie wir in Zukunft wohnen und warum zwei Bäume manchmal wichtiger sind als ein Parkplatz. Eine Geschichte in Kooperation mit der GEDESAG 40


KREMS

Es ist Montag, 9 Uhr früh. Im Büro der GEDESAG herrscht bereits munteres Treiben. Menschen auf der Suche nach ihrer Traumwohnung. Oder einfach nach einem leistbaren Platz zum Leben. Die Bedürfnisse sind unterschiedlich. Deshalb realisiert die GEDESAG Projekte verschiedenster Art, um für alle ein leistbares Angebot zu haben. Und das seit mittlerweile 80 Jahren! Das Jubiläumsjahr 2019 ist eine gute Gelegenheit, um in die Zukunft des Wohnens zu schauen. Denn mit ihren rund 12.640 Wohneinheiten in 110 Gemeinden prägt die GEDESAG die „Wohnlandschaft“ Niederösterreich entscheidend mit. Wir treffen Vorstandsdirektor Otmar Amon und Prokuristin Mag. Barbara Kiener auf ein Gespräch über den hohen Anspruch, leistbaren und gleichzeitig guten Wohnraum zu schaffen. Was zeichnet ein Projekt der GEDESAG aus? Auch im Vergleich zu privaten Bauträgern. Otmar Amon: Wir realisieren unterschiedliche Projekte, damit für alle Einkommensschichten und Altersstufen ein Angebot dabei ist. Der Anspruch ist immer, dass man sich in einer GEDESAGWohnung richtig wohlfühlt. Wir wollen, dass die Bewohnerinnen und Bewohner stolz sind auf ihre Anlage und zu ihren Nachbarn sagen: Schau, da wohne ich! Barbara Kiener: Wir sind ein gemeinnütziger Bauträger. Gewerbliche Wirtschaftsunternehmen wollen natürlich durch Gewinn-Maximierung ihren Eigentümern nützen. Bei uns Gemeinnützigen steht an erster Stelle der Nutzen der Gemeinschaft. Diese Priorität ist sogar im Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz gesetzlich geregelt. Wir dürfen zum Beispiel gar kein Einkaufszentrum bauen. Wichtig ist, dass unsere Finanzierungsbeiträge für alle gut leistbar sind. Bei Junges Wohnen schauen wir zum Beispiel, dass die Eigenkapitalleistung maximal 4.000 Euro beträgt. Die ist beim Selbstständig-Werden oft eine große Hürde. Und das ist ein Betrag, den sich auch viele Junge leisten können.

dann nach einer größeren Wohnung. Damit wird die Startwohnung wieder frei für einen anderen jungen Menschen und wir versuchen etwas Passendes für die junge Familie zu finden. Das zeichnet die GEDESAG aus: Wir begleiten die Menschen durch alle Lebensphasen.

››Opa, Mutter, Enkerl – mich freut es, wenn wir alle Generationen versorgen können.‹‹ Wie sieht das Angebot für spätere Lebensphasen aus? Barbara Kiener: Wir haben bereits an die 400 Plätze Betreutes Wohnen geschaffen, Tendenz steigend. Ein Projekt, auf das ich besonders stolz bin, ist „Mank I A-D“. Es handelt sich um eine der ersten Wohnformen für Betreutes Wohnen der GEDESAG und überhaupt das erste betreute Projekt mit direkter Anbindung an ein Landes­ pflegeheim. Das war eine Herausforderung, diesen unterirdischen Gang zu realiseren, das können Sie mir glauben. Die Bewohnerinnen und Bewohner haben eine eigene Wohnung mit Küche. Für alle gibt es großzügige Gemeinschaftsräume. Das finde ich besonders wichtig, denn die Gefahr der Vereinsamung ist sonst groß. Das Personal des angrenzenden Pflegeheims betreut die Bewohner mit, das ist in der Grundbetreuung dabei. Diese kann man noch individuell erweitern: vom Wäscheservice bis zur Haustierbetreuung ist alles möglich. Das muss man aber dann gesondert zahlen. →

Stichwort Junges Wohnen. Was zeichnet diese Schiene aus? Otmar Amon: Das sind meistens Zwei-Zimmer-Wohnungen mit rund 55 Quadratmetern. Ideal für die erste eigene Wohnung. Viele nützen sie so lange bis der Kinderwunsch kommt und fragen uns 41

Zukunft: Projekte! Rund 70 Millionen Euro Bauvolumen nimmt die „Gemeinnützige DonauEnnstaler Siedlungs Aktiengesellschaft“ (GEDESAG) pro Jahr in die Hand. Aktuell sind 20 Projekte in Bau & Fertigstellung sowie 40 Projekte in Planung. Hier ein paar Beispiele, mehr auf www.gedesag.at

Weinzierl V, Krems an der Donau 22 Wohnungen in Miete mit Kaufoption baut die GEDESAG in Weinzierl. Auch Eigentum möglich. Furth XI Hier entstehen 12 Reihenhäuser und 12 Wohnungen in Eigentum – inklusive Photovoltaik-/Solaranlage und kontrollierter Wohnraumlüftung. Stratzing III A+B 10 Reihenhäuser in Eigentum und 24 Wohnungen in Miete mit Kaufoption ergänzen das Angebot in Stratzing. Neu bei der Kaufoption der GEDESAG ist, dass bereis nach 5 Jahren gekauft werden kann.


→ Herr Direktor Amon, Sie begleiten die GEDESAG schon viele Jahre. Gibt’s ein persönliches Lieblingsprojekt? Otmar Amon: Gibt es! Die Wohnhausanlage Sonnenhof, die wir 2001 errichtet haben. Da haben wir 208 m² thermische Solaranlage und 203m² Photovoltaikanlage integriert, was zu dieser Zeit wirklich Pionierarbeit war. Die Bewohnerinnen und Bewohner dieser Anlage bekommen übrigens bei der Betriebskostenabrechnung von der EVN noch etwas zurück, weil die Anlage so viel Strom erzeugt! Ich sehe das auch als unsere Aufgabe als GEDESAG, Geld in die Hand zu nehmen und solche innovativen Projekte anzustoßen. Energie-Autarkie ist für mich eines der großen Themen in Zukunft. Am liebsten würde ich nur mehr Anlagen bauen, die sich komplett selbst versorgen. Und da heißt das Motto: Lieber einen Parkplatz weniger und zwei Bäume mehr. Die Begrünung von Anlagen

ist zu einem wichtigen Thema geworden. Mit Greenovate haben wir da aktuell auch ein Forschungsprojekt mit der Donau-Universität Krems laufen, bei dem es um Fassadenbegrünung geht. Aber auch kleine Dinge wie Blumentröge, die am Balkon fix installiert werden, machen einen Unterschied. Und wenn wir dann wieder an das große Ganze denken, macht es Sinn, die Planung von Wohnhausanlagen gemeinsam mit dem öffentlichen Verkehr zu planen. Wir merken, dass zum Beispiel Angebote an der Franz-Josefs-Bahn besonders attraktiv sind. Was nicht heißt, dass wir in Zukunft nur mehr in Ballungszentren bauen. Unsere Aufgabe ist es auch, in Martinsberg, Kleinzell oder Weißenkirchen zu bauen, die generell von Abwanderung betroffen sind. Wie wird Wohnen in Zukunft aussehen? Barbara Kiener: Es wird besondere Wohnformen geben und geben müssen, da sich die Bevölkerung verändert – hier spreche ich von Betreutes Wohnen oder Junges Wohnen. Aber ich sehe es auch als unsere Aufgabe, die Wohnungslosigkeit zu bekämpfen. Hier bekommen wir immer wieder schwere Schicksale mit, wo Menschen unverschuldet in sehr schwierige Situationen hineinschlittern. Da sind wir als gemeinnütziger Bauträger gefragt, Lösungen anzubieten und zu helfen. Damit auch Kinder eine Zukuft haben, die nicht auf die Butterseite gefallen sind.

››Wenn wer einzieht, dauert’s maximal zwei Monate. Dann kenne ich ihn oder sie beim Namen.‹‹ Tanja Wiener ist die gute Seele der Anlage „Weinzierl 113-115“ mit 86 Wohneinheiten. Stiegenhäuser wischen, Laub kehren, Glühlampen tauschen, immer einen guten Tipp parat haben – der Job ist vielseitig. Und Tanja Wiener immer da für „ihre“ Bewohnerinnen und Bewohner. Fast alle kennt sie persönlich. „Beim Einzug helfe ich schon auch einmal, den Kasten einen Stock höher zu tragen.“

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››Ich finde es toll, ab nun die meisten Wege zu Fuß oder mit dem Rad erledigen zu können.‹‹ Doris Denk wohnt im neuen Objekt „Kasernstraße“ in Krems, das im Mai 2019 übergeben wurde. Die Anlage ist ein Musterbeispiel für innerstädtische Verdichtung und für ein breit gefächertes Wohnangebot.

Otmar Amon: Menschen werden dort wohnen, wo sie es sich leisten können. Im Speckgürtel rund um größere Ballungszentren laufen uns Grundstückspreise davon. Da sind wir als GEDESAG besonders gefordert, trotzdem leistbaren Wohnraum zu schaffen. Auch das Thema flexibles Wohnen wird uns in Zukunft noch mehr beschäftigen Da starten wir nun ein Projekt in St. Andrä-Wördern für Lehrlinge und Studierende: Hier kombinieren wir erstmals drei Wohneinheiten. Küche und Bad werden von allen gemeinsam benutzt. So wollen wir, zusammen mit der Gemeinde, junge Leute an den Ort binden. Ein Modell, mit dem wir noch sehr erfolgreich sind, ist die Miete mit Kaufoption. Neu ist, dass man die Wohnung nun schon nach 5 Jahren kaufen kann, wenn man das will. Barbara Kiener: Ja, genau. Und dabei bieten wir auch Finanzierungsmöglichkeiten. Die kann man gleich mit übernehmen – muss aber nicht. Der Servicegedanke ist uns sehr wichtig. Wir wollen, dass es unsere Bewohnerinnen und Bewohner so einfach wie möglich haben. Möbel packen und los geht’s. ■


K R E M S - S PECI A L

DIE BELETAGE VON KREMS Hair Club, Obere Landstraße 15/4 3500 Krems/Donau Es ist Zeit für Rückzug, dachte Carmen Brunner. Nach mehreren Jahren im Gassenlokal in der quirligen Göglstraße zog es sie mit ihrem Hair Club an einen neuen Platz. Geworden ist es ein großzügiger Salon in der Kremser Landstraße. Ein privater Ort in der Beletage, an dem man es sich gut gehen lassen kann. Zu endecken gibt es abseits des schönen FischgrätParketts vieles: Damenmode von Amateur, Schmuck von Klein Gräfin, Haarpflege von Less is more. Ach ja: Die Haare schneiden kann man sich hier auch lassen. www.hairclub.cc 43


Rein. Blicke.

Du siehst, du siehst, was du sonst nicht siehst. Im Magazin LUST AUF NIEDERÖSTERREICH Orte, die du nicht so einfach zu Gesicht bekommst. Diesmal: Schloss Wasserhof in Krems/Gneixendorf. Das Schloss strahlt seit kurzer Zeit wieder in sattem Gelb.

Der Architekt Ernst Linsberger hat das Schloss 2017 renovieren und um zeitgenössische Details erweitern lassen, wie die Beton-Treppe in den Park. Im Schlosspark steht der Speicher. Diesen will der Hausherr in Zukunft für Kulturschaffende öffnen, eine Art Arsenale daraus machen. Ein Ort mit Bezug zu Kultur ist Schloss Wasserhof übrigens schon lange: 1826 arbeitete Beethoven hier an seinem letzten Werk, dem Opus 135 in F-Dur.

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© Konrad Stania

KREMS

Wir haben den Künstler Daniel Domaika gefragt, was Niederösterreich für ihn ausmacht. Unten seine Antwort. Und eine Skizze, die uns so gut gefallen hat, dass wir sie nicht vorenthalten wollen.

Sein tiefes Interesse an Farben, Formen, Design und Imaginaton macht Daniel Domaika zu einem vielseitigen Künstler mit ganzheitlichem Ansatz. „Kunst ist alles, was man ganz uneingeschränkt sehen kann, wie ein Kind“, sagt er. Ein Besuch in Daniels Atelier in Stein ist immer ein Erlebnis. www.danieldomaika.com

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Wein 46


48 GO WEST! Die Grabenwerkstatt im Spitzer Graben macht alles ziemlich anders. 52 DREI ZU DREI Wir kombinieren Weine und Gerichte mit dem Wirt Josef Sodoma. 53 TRINK-FEST Weinlokale, in denen es sich schön trinken lässt 54 MEINVIERTEL Rainer Friedl unterwegs im Weinviertel 60 KAMPTAL HIGHLIGHTS Die Vinothek im Ursinhaus in Langenlois 61 FOURTASTIC! Wein, der Spaß macht: Frauenzimmerwein 62 BIS DER BLEND BLENDEND WIRD Weinprofi Ferdinand Mayr über den Geschmack der Österreicher und Parallelen zur Musik 68 SIDRA. CYDER. ZIDER. Juliane Fischer geht Cider auf den Grund der Flasche in allen vier Vierteln

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Wachau, aber schräg. Michael Linke und Franz Hofbauer machen im Spitzer Graben Wein, geprägt von der Biodynamie und ihrer Zeit in Neuseeland.

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WEIN

Im äußersten Zipfel der Wachau machen ein Pfälzer und ein Trandorfer alles ziemlich anders. Willkommen in der Grabenwerkstatt. von Pamela Schmatz

Die beste Entscheidung ihres Lebens? Über Nacht abzuhauen. Zwei Flugtickets nach Australien buchen und los. Richtung Abenteuer und zu Weingütern, die alles anders machen, als es Michael Linke und Franz Hofbauer je gelernt haben. Die Monate in Australien und Neuseeland liegen schon ein paar Jahre zurück. Sie sind einige der Mosaiksteine, die den Erfolg der Grabenwerkstatt ausmachen. Das Weingut im Spitzer Graben ist für Wachauer Verhältnisse ein wahrlich junges Ding. Gegründet haben es Michael Linke und Franz Hofbauer 2014. In Trandorf, dem westlichsten Zipfel des Weinbaugebiets Wachau. Hier ist alles ein bisschen anders. Schroffer. Kühler. Das Waldviertel unmittelbar spürbar. „Der Jauerling bringt uns den G’schmack. Selbst an Hochsommertagen fallen die Temperaturen in der Nacht extrem ab. Das ist die Basis für spannende Weine“, erklärt Michael Linke, Herr des Kellers und waschechter Pfälzer. Das Thema Riesling sozusagen in die Wiege gelegt, kam er durch ein Praktikum bei der Domäne Wachau in die Gegend. „Da war der Franz mein Chef. Jetzt ist es umgekehrt. Oder?“, grinst der Pfälzer. Die beiden verstehen sich gut, das ist schnell klar. Und sie sind erfolgreich. Der Keller, in dem die beiden ihre Weine machen, platzt aus

allen Nähten. Der Neubau ist schon in Planung. „Momentan arbeiten wir noch in meinem Elternhaus. Dort, wo jetzt unsere Weine lagern, war früher der Erdäpfelkeller von der Oma. Gemeinsam mit Michael haben wir ihn so adaptiert, dass hier an die 7.000 Liter auf 12 Quadratmeter passen. Tja, der Michael ist halt ein bissl ein Monk, der hat sich lang damit beschäftigt, wie wir die Fässer schlichten können“, lacht Franz Hofbauer. „Deutsche Gründlichkeit“, kontert der Pfälzer.

Verwuchert und verwachsen, die Steinmauern eingebrochen. So sah der erste Weingarten aus, den sich die beiden 2014 vornahmen. „Zu dem sind wir dank dem Sepp Högl gekommen. Der hat damals gesagt: Da hab ich was für euch. Auch sonst hat uns der Sepp immer unterstützt“, erzählt Franz Hofbauer. Mittlerweile bewirtschaftet die Grabenwerkstatt eine Fläche von rund 3 Hektar im Spitzer Graben. Tendenz steigend. „Wir wollen in allen Top-Lagen im Spitzer Graben Wein machen: →

Los geht es mit den Regionsweinen Wachauwerk und Grabenwerk. Lagen-Veltliner gibt’s von der Brandstatt, Lagen-Riesling vom Trenning, Bruck und Kalkofen. 49


→ Brandstatt, Trenning, Bruck, Schön und Kalkofen. In unserer eigenen Stilistik. Vom Boden geprägt, auf dem er wächst, und komplex. Wir wollen weg vom fruchtbetonten Veltliner. Dieses Bonbonartige, mit dem können wir gar nicht. Es muss stoffig, würzig und trinkig sein!“, so die beiden.

I D EEN - I M P O RT AUS N EUSEEL A N D

Stark geprägt hat die beiden die gemeinsam Zeit in Australien und Neuseeland. „Die wichtigste Station war am Weingut Pyramid Valley Vineyards. Das ist einer der großen Namen in Sachen biodynamischer Weinbau. Die machen alles einfach genau andersrum, als wir es gelernt hatten. Extrem viel Handwerk. Wir haben zum Beispiel eine Woche nur Beeren mit der Hand gerebelt. Viele Freiwillige kommen ans Weingut, es läuft alles extrem familiär ab“, erzählt Franz Hofbauer. „Für mich war in Neuseeland klar: Entweder ich gehe nachher zurück in die Pfalz – oder ich starte gemeinsam mit Franz etwas völlig Neues im Spitzer Graben. Der Franz stammt ja von dort“, sagt Michael. Wie die Entscheidung fiel, ist bekannt. Die Weine der Grabenwerkstatt sind mittlerweile sogar

Der Trenning. Grenzberg Richtung Waldviertel. Eine der Lagen, die die Grabenwerkstatt im Spitzer Graben bewirtschaftet.

vergriffen. So eine hohe Nachfrage besteht nach der anderen Wachau. Auch dank diverser Naturweinprofis, die die Grabenwerkstatt von Beginn an in höchsten Tönen lobten. „Am Anfang ging alles einfach über Mundpropaganda, zum Beispiel über Andreas Essl von nulldosage, einer Plattform für Naturweine aus Österreich, Italien und Slowenien. Plötzlich waren wir im TIAN in Wien in der Weinbegleitung, auf

››Bonbonartig geht gar nicht. Es muss stoffig, würzig und trinkig sein.‹‹ Franz Hofbauer

der VIEVINUM haben wir Kontakte in die USA geknüpft. Uns ist es wichtig, breit aufgestellt zu sein. Wir produzieren ja nur Mini-Mengen im Vergleich zu großen Weingütern“.

AU F T U CH FÜ H LU N G M I T D ER TA N K FÜ L LU N G

Wesentlich für die Resultate ist der besondere Umgang mit den Trauben im Keller: Ganztraubenpressung – Spontanvergärung – keine Filtration, sind da die Schlagworte. Und die besondere Begleitung des Kellermeisters Michael. „Jeden Tank musst du wie ein Kind begleiten beim Gärverlauf. Take your shirt off and give the tank a hug – das war das Motto bei Pyramid Valley Vineyards. Jeder Tank entwickelt sich anders, da gibt es Hitzepole an manchen Stellen. Andere haben wir wieder mit Heizstrahlern bearbeitet. Ich sag immer: jedem Tank seine Freiheit“, so Michael. Übrigens ein glühender Roland-Kaiser-Fan. Es kann also durchaus sein, dass Schlagermusik aus dem Keller der Grabenwerkstatt dröhnt. „Ich heiß’ ja nicht umsonst Schlager-Michl aus der Pfalz“. Hätten wir also auch eine kommerzielle Rundung gefunden in der sonst so kantigen Grabenwerkstatt aus dem Spitzer Graben. ■

GRABENWERKSTATT, Brandstatt 8, 3622 Trandorf, www.grabenwerkstatt.at Weingut Högl, Viessling 31, Spitz an der Donau, www.weingut-hoegl.at Pyramid Valley Vineyards, New Zealand www.pyramidvalley.co.nz 50


››Take off your shirt and give the tank a hug. Die Weine muss man während der Gärung begleiten.‹‹ Michael Linke

„Weine ohne Tabus“. Die Rohwerk-Linie sprengt Grenzen. Dafür kommen Neuburger und St. Laurent ins Holzfass.

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Drei zu drei

Wir verkosten drei Weine und malen uns Gerichte dazu aus. Oder ist es umgekehrt? Die LUST AUF NIEDERÖSTERREICH-Herausgeber Rainer Friedl und Pamela Schmatz kombinieren mit dem Wirt Josef Sodoma. Diesmal Weine vom Weingut Stadt Krems.

Krautfleisch Grüner Veltliner 2018 Ried Weinzierlberg, Kremstal DAC, 12,5% Das ist seiner, sagt der Sodoma. Die Testgruppe ist sich einig: Das ist ein Veltliner, der einfach Spaß macht und überall gut dazupasst. Mit seinem Frucht-Säure-Spiel ein unkomplizierter Allrounder. Josef Sodoma würde ihn zum Beispiel zum Szegediner Krautfleisch servieren, das in seinem Gasthaus zur Sonne gerade auf der Karte steht. Es gibt Weine, die man überall gut dazutrinken kann. Der Weinzierlberg ist einer davon.

Grüner Veltliner 2018 Ried Wachtberg, Kremstal DAC 1. ÖTW, 13,5% Da sind wir nun schon ein Stückerl weiter nach dem Krautfleisch, sprich eine Klasse drüber mit diesem Grünen Veltliner. Strapazieren wir das Wort Speisebegleiter. Oder wie Josef Sodoma es ausdrücken würde: „Vom Weinzierlberg trink’ ich eine ganze Flasche. Vom Wachtberg gerne ein Glas zu einem schönen Essen.“ Der elegante Wein passt gut zu gekochtem Rindfleisch, finden wir. Nehmen wir’s genau: Am besten ein Schulterscherzl von der Kälbin mit gelben Fisolen, Rösti, Schnittlauchsauce und Apfelkren.

Goldbrasse

Riesling 2018 Ried Schreck, Kremstal DAC, 13,5% Wow, was für ein Riesling. Kribbelt auf der Zunge mit straffem Zug. Jetzt schon stoffig, in ein paar Jahren sicher noch großartigerer Stoff. Ob er sich in unserem Lager so lange hält? Unwahrscheinlich, wenn es dazu auch noch eine Goldbrasse im Ganzen gibt. Die kommt beim Sodoma natürlich aus Wildfang. Eleganz zu Eleganz. Das ist etwas Besonderes.

Schulterscherzl 52

Mit dem Gutscheincode: LustAufWSK gibt’s 10% Rabatt auf den Grünen Veltliner Weinzierlberg 2018 im Onlineshop auf www.weingutstadtkrems.at Weingut Stadt Krems, Stadtgraben 11, 3500 Krems/Donau


WEIN

Trink-Fest Lokale zum Wein-Feiern

Gasthaus zur Sonne

Halten Sie beim Besuch Ausschau nach Josef Sodoma himself und fragen Sie, was ihm kürzlich über die Leber gelaufen ist. Also weintechnisch. Wahrscheinlich ist er gerade zurück von einer Reise mit ein paar außergewöhnlichen Flaschen im Gepäck. Bahnhofstraße 9, 3430 Tulln, Tel: 02272 64616

Gastwirtschaft Floh

Wenn wir schon in der Gegend sind, dann weiter zum Floh nach Langenlebarn. Wer seinen Besuch Flasche für Flasche planen will, schaut vorab in die riesige digitale Weinkarte: derfloh.at/weindatenbank Tullner Straße 1, 3425 Langenlebarn

3er Haus

Hier knacken die Holz-Tische in der tollen Wirtshausstube und die Korken von Zierfandler, Rotgipfler & Co. Kein Wunder, das 3er Haus befindet sich in einem der ältesten und schönsten Häuser in Gumpoldskirchen. 2352 Gumpoldskirchen, Schrannenplatz 3, www.3erhaus.at

Sp annungsb ogerl Mitten im ersten der vielen verwinkelten Räume des Bogerls thronte einst eine rosa Badewanne. Lorenz Trautsamwieser machte aus dem verlassenen Installateur-Geschäft in Weißenkirchen eine flauschige Weinbar. Rosa sind nun höchstens die Elefanten zu späterer Stunde. Im Bogerl schauen die Einheimischen Fußball und die Touristen in den Reiseführer. Alle gemeinsam schmökern in der umfassenden elektronischen Weinkarte mit rund 200 Positionen. Die hat auch den Vorteil, dass man ganz unbemerkt die nächste Runde bestellen kann per Finger-Tip. Abwechslung ist die Devise. Ein Grüner Veltliner Federspiel und ein Riesling Federspiel aus der Wachau sind immer offen, ein deutscher Riesling zum Vergleich. „Auch für Weinkenner soll immer etwas Spannendes dabei sein, das man glasweise bestellen kann“, sagt Lorenz Trautsamwieser. Eigentlich hat der junge Mann ja Spanisch und Geografie studiert. Dann fiel ihm familiär das tolle Haus mitten in Weißenkirchen in den Schoß. Wer hier trinkt, sollte in noch möglichst nüchternem Zustand um eine Hausführung bitten. Dann landet man im alten Weinkeller, wo früher heimlich katholische Messen gefeiert wurden, während die Protestanten in der Ortskirche das Sagen hatten. Oder man steigt mit dem Hausherren die verwinkelte Wendeltreppe hinauf in die Hauskapelle aus dem 16. Jahrhundert. Trittsicher ist die gemütliche Terrasse, auf der es sich bei warmen Temperaturen bestens aushalten lässt. Die hat außerdem den Vorteil, dass man auf dem Weg dorthin beim Weinkühlschrank vorbeikommt. „Meine Stammgäste suchen sich da selbst ihr Flascherl aus“, erzählt Lorenz. Alle anderen verlassen sich am besten auf die Empfehlungen des Chefs. Das Bogerl, Kremser Straße 18, 3610 Weißenkirchen, www.dasbogerl.at 53

kuratiert von Gerald Diemt Wenn man Wirte sucht, die eine außergewöhnliche Weinkarte haben, fragt man am besten einen Wirt mit einer außergewöhnlichen Weinkarte. Gerald Diemt ist seit 2009 Gastgeber in der Wachauer Stube in Loiben, Weinsammler und -trinker. Seine Gäste überrascht er mit mehr als 120 Positionen auf der Weinkarte. Seine Freunde schon mal mit der spontanen Aktion, eine Flasche Bordeaux für eine Weinverkostung extra mit dem Taxi anzukarren. Sie sehen, der Herr nimmt das Thema ernst. Wir haben ihn um seine Tipps gebeten, wo es sich in Niederösterreich gut trinken lässt. www.wachauerstube.at


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Lange Zeit lag es im Dornröschenschlaf. Der resche Brünnerstrassler diente bestenfalls als Schankwein in den Wiener Wirtshäusern, während draußen auf der Straße die uniformierten „Mistelbacher“ auf Streife gingen. Mittlerweile hat sich das Weinviertel emanzipiert. Komm mit auf einen Ausflug in Kellergassen, Haubenlokale und dorthin, wo der Polt seine Fälle löste. Der Franz wird uns dabei begleiten. von Rainer Friedl

Meinviertel

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Es kann nicht nur am Wein liegen. Es hat sicher was mit den Menschen zu tun, dass es mich immer wieder ins Weinviertel zieht. Da wär einmal der Franz. Ein Freund aus alten Tagen, der schon mehrere Leben hinter sich hat. Als ich ihn kennenlernte, hatte er gerade die Gendarmerieschule absolviert. Ja, damals hieß das noch so. Da gab’s nur in Wien, in den Landeshauptstädten und in den Statutarstädten die Polizei. Und überall sonst die Gendarmerie. In Wien nannte der Volksmund die Polizisten auch „Mistelbacher“ – das rührte daher, dass sich bei einer Rekrutierungsaktion seinerzeit besonders viele Weinviertler bei der Wiener Polizei beworben hatten. Franz war Gendarm. Zuerst in der Nähe von Wien. Die vielen skurrilen Geschichten, die er uns aus seinem beruflichen Alltag erzählte, ließen – Zenker und Patzak mögen mir verzeihen – den Kottan blass aussehen. Ja, natürlich übertreibt er gerne, aber selbst wenn nur die Hälfte stimmt ... Mit seinem Schmäh hätte der Franz auch im Kabarett eine Chance gehabt. Aber er hatte schon immer eine ziemliche Affinität zur landwirtschaftlich nutzbaren Tierhaltung gehabt. Ganz früh mal hatte er die Idee, eine Schar Laufenten gegen Gebühr an Kleingartenbesitzer zu verleihen, die der Schneckenplage nicht Herr wurden. Das hat nicht wirklich funktioniert, die Viecher machten sich selbständig und waSie arbeiten biologisch-organisch. Nach dem Leitsatz: immer etwas besser werden. Der Edi und die Elisabeth Himmelbauer.

ren verschollen. Angeblich wurden sie dann zur Fahndung ausgeschrieben ... Gendarmerie und so ... Irgendwie ist er dann im Weinviertel gelandet. Und träumte weiter von vielen Tieren. Und seine Ex träumte von einem feinen Landgasthaus. Sie haben’s miteinander versucht und sind gewaltig auf die Nase gefallen. In jeglicher Hinsicht. Du musst wissen, dass der Franz mit seinem Schmäh ein echtes Kommunikationstalent ist. Als nebenberuflicher Lokalreporter lernt er beim Recherchieren und Fotografieren für die Zeitung jede Menge Leute kennen. So auch den Alfred Komarek, der mit der Figur des Simon Polt das Pulkautal schlagartig interessant machte. Und so wurde der Franz als Land-Gendarm zum fachlichen Berater für den Autor. So steht’s im Buch. Heute ist er in Pension, lebt auf ei56

nem renovierten Bauernhof und kümmert sich um seine Tiere. Hühner, Enten, Hasen und seit kurzem auch Tauben. Weil man die auch essen kann, nur ist das etwas aus der Mode gekommen. Der Alt-Landeshauptmann hat vor kurzem mit dem Radl bei ihm vorbeigeschaut, um den Taubenschlag zu besichtigen. Eröffnet hat er ihn nicht, den Skulpturengarten im Ort schon. Der Alt-Landehauptmann ist ja im Weinviertel geboren. Peter Turrini hat sich erst spät hier niedergelassen. Zwei, die von ihrer politischen Ausrichtung gegensätzlicher nicht sein könnten und trotzdem eine persönliche Beziehung aufgebaut haben. Davon und von vielen Lebensstationen, Kontroversen und Erinnerungen erzählen sie bei gemeinsamen Gesprächen, die der ehemalige Chefredakteuer des „profil“, Herbert Lackner, moderiert und aufgezeichnet hat. Her-


WEIN

ausgekommen ist das Buch „Pröll & Turrini. Zwei Lebenswege. Eine Debatte“ (Ueberreuter). Und da sagt Peter Turrini übers Weinviertel: „Für mich ist die Möglichkeit zur Versöhnung, zum gegenseitigen Verständnis ganz wichtig geworden und die Voraussetzung dafür ist die hiesige Kellerkultur. Das hat mich einen Teil meiner Leber gekostet, denn am Anfang hab ich jede Kellereinladung angenommen und mir die Lebensgeschichten der Menschen angehört…“ Die Kellereinladungen haben’s tatsächlich in sich. Im Himmelbauer-Keller in Untermarkersdorf hab ich an einem Abend gleich zwei Bürgermeister kennengelernt. Und den Bruder vom Himmelbauer, der ist quasi zertifizierter Polt-Führer. Zeigt einem also auf einer geführten Tour die wichtigsten Original-Schauplätze der Polt-Krimis. Plus viele G’schichten aus den Tiefen der Keller. Zu kosten gibt’s sicher auch was. Und der Himmelbauer-Keller ist natürlich Fixstation, obwohl er im Polt ja Höllenbauer heißt. 53 Stufen geht’s runter in den „dunklen Himmel unter der Erde“, wie Komarek seinen Simon sagen lässt. An den Tagen der offenen Kellertür kann man oben im Presshaus wunderbar versumpfen. Und ich sag dir, auch vom Bio-Wein kann man einen ordentlichen Rausch kriegen.

knappen Stunde sind wir dann dort gelandet, wo’s im Pulkautal immer endet. In der Kellergasse. Kellertrift heißt das hier, um

Roseldorf. Das ist gleich neben Braunsdorf. genau zu sein. Und derer gibt es mehrere. Alberndorf, Untermarkersdorf und Hadres, das waren die drei, die wir geschafft haben bis zum Abend. Wir hatten ja einen Chauffeur engagiert… eh schon wissen. Genauer gesagt eine Chauffeurin aus dem Hause Himmelbauer. Und gut war’s, denn ab elf am Vormittag haben wir dort viele Freunde und Bekannte vom Franz getroffen. Auf die Frage „Was trinkts’n?“ sagst du nur ein ein-

ziges Mal „Ein Wasser“. Diese Blicke hältst du nicht lange aus ... Glaub mir, im Laufe so eines Tages hörst du so viele Geschichten, die lassen sich gar nicht unterbringen in ein paar Zeilen. „Zua­ gschütt’ wird nix“ hat der Vater vom Johann Seidl dekretiert – und jetzt hat sein Sohn gleich drei Kellerröhren, die er eigentlich nicht braucht. Der „Seidl am Dach“ ist einer jener wenigen Winzer, die in der Kellergasse auch noch wirklich Wein machen. Andere haben sich irgendwo eine Halle aufgestellt oder überhaupt aufgehört. Oder der Pepi – Ex-Kollege vom Franz bei der Gendarmerie – auch der hat einen Riesen-Keller. Und unendlich viele Geschichten auf Lager – genauso wie die Spritzer, die er dir ständig nachschenkt. Geschichten darüber, wie er an die litauischen Autokennzeichen gekommen ist. Über den Rauchfangkehrer, der sich in der vollen Arbeitsmontur in ein fremdes Ehebett legt, über die Hochzeitswiese, darüber, warum das Wasser in →

Peter Turrini schätzt die völlige Abgeschiedenheit hier an der tschechischen Grenze als „Geschenk für meine Schreiberei“.

››Am Anfang hab’ ich jede Kellereinladung angenommen.‹‹ Peter Turrini

Daheim ist der Franz in Roseldorf. Das ist gleich neben Braunsdorf, wenn du das kennst. Ich hab ihn heuer im Sommer gebeten, mir mal „sein“ Weinviertel zu zeigen. Insider und so. Er hat sich wirklich bemüht. Hat mich sogar zur Keltensiedlung am Sandberg gelotst. Also Hügel ja, Siedlung nicht wirklich. Ein paar Schautafeln und ein sogenanntes „Durchblickpanorama“. Der hat mir dabei gefehlt, der Durchblick. Aber der Ziehbrunnen mit Getränken für durstige Wanderer und Radler, der kann was. Gute Idee. Na ja, was soll ich sagen: Nach einer 57


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→ Alberndorf bergauf rinnt ... Mit dem Wasser hat er’s überhaupt: Neben seinem Keller gibt’s einen Zauberbrunnen. Da rinnt das Wasser nur, wenn der Pepi danebensteht und eine Handbewegung macht. Wie’s funktioniert? Der Pepi zeigt’s dir sicher, wenn du vorbeikommst. In Hadres drüben in Kellergasse sind wir wieder auf den Bruder vom Himmelbauer gestoßen. Diesmal beim TrockensteinMauern. Ökologisch wertvoll, lassen wir uns aufklären. Dafür haben sie einen Kurs gemacht, er und der Manfred. Der Manfred baut aber auch auf Neugier und Phantasie der Menschen. Neben seinem Keller hat er ein besonderes Platzl gestaltet. Da ist zum Beispiel auf einer Tafel die Geschichte des Riesen vom Buchberg zu lesen. In die Kellerwand hat er gemeißelt: „Gute Nacht, schöne Welt! Ich geh ins Pulkautal.“ Und auf einem Schild wird er gar aktionistisch: „Rettet die Knackwurst“. Leider sind wir bei meinen Interpretationsversuchen unterbrochen worden – der Bürgermeister kam mit einer Jaus’n für die Arbeiter vorbei. Knackwurst. Und Bier.

››Wer nicht polarisiert, wird nicht kritisiert.‹‹ Manfred Buchinger

Hunger musst du keinen leiden im Weinviertel. Der Franz hat jede Menge Tipps auf

Der Franz wollte schon immer viele Tiere haben. Jetzt hat er’s geschafft.

Lager. Zum Beispiel Manfred Buchingers „Zur alten Schule“ in Riedenthal, gleich bei Wolkersdorf. Buchinger war ja einer der ersten Koch-Stars hierzulande, hat in vielen Ländern der Welt gearbeitet und wurde auch als „Andy Warhol der österreichischen Küche“ bezeichnet. Vor rund zwanzig Jahren hatte er genug vom Trubel und ging aufs Land. In der alten Schule geht’s entspannter zu. Vom schnellen Hackler-Menü bis zu zehn Gängen. „Entspannt kochen“ heißt auch das neue Kochbuch, das er mit Eva Rossmann veröffentlicht hat (Pichler) und in dem die beiden ihre Lieblingsrezepte aus Österreich verraten. Seit 33 Jahren jedes Jahr zumindest eine Haube – Manfred Buchinger kocht sie alle ein. Wenn der Franz kocht, dann kommen Fleisch und Gemüse sehr oft vom eigenen

Hof. Die Forellen kauft er, aber geräuchert werden sie selbst. Nach den Tauben hat er jetzt schon wieder neue Pläne. Aber das wird noch nicht verraten, weil seine Frau noch nichts davon wissen soll. Jana kommt aus Znaim und ist ein Beispiel dafür, dass die ehemals unüberwindliche Grenze weg

Hintaus 8. Was für eine Adresse. ist. Na ja, im Kopf vieler Älterer hier wahrscheinlich noch nicht. Auch von „drüber der Grenz“ stammt Zuzana, die in Schöngrabern einen Flohmarkt betreibt. Susis Trödelmarkt. Kleiner Tipp nur nebenbei, wenn du vorbeikommst. Die Adresse hat was: Hintaus 8. Vielleicht sollt’ ich mit dem Franz zusammen ein Buch schreiben. Geschichten gibt’s genug. Und auch jede Menge interessante Menschen. Irgendwie wird das Weinviertel immer mehr mein Viertel. Nächste Woche fahr ich wieder rauf. ■ Weingut Himmelbauer, 2061 Untermarkersdorf 56 www.weingut-himmelbauer.at Buchingers Gasthaus zur alten Schule Wolkersdorfer Strasse 6 2122 Riedenthal, www.buchingers.at

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In Kooperation mit Weinstraße Kamptal

Kamptal-Highlights

Hauptschlag-Ader Das Ursin Haus in Langenlois ist das Herz der Region Kamptal. Hier fließen alle Infos zusammen: Wer in Langenlois übernachten will, bekommt die passenden Zimmertipps. Plus Empfehlungen für einen Ausflug oder Tickets fürs Konzert. Das alles bei einer oder mehreren Kostproben: Hier lagern rund 300 verschiedene Produkte von 57 Betrieben aus dem Kamptal. Neben den Weinen auch Delikatessen wie Marmeladen, Chutneys und Pesti. Klar, dass man alle zu Ab-Hof-Preisen mitnehmen kann. Rund 250 Rot- & Weißweine können vor Ort in aller Ruhe verkostet werden. Am besten man kommt am Samstag, Sonntag oder Feiertag. Dann steht nämlich eine Winzerin oder ein Winzer zusätzlich hinter der Budel. Eine gute Möglichkeit, um mehr über den Wein zu erfahren, den man gerade im Glas hat, oder den einen oder anderen Insider-Tipp abzustauben. Das Ursin Haus ist nicht nur für Touristen spannend, sondern auch ein Shoppingtipp für Einheimische. Geballte Weinauswahl nebst guter Beratung – ein Highlight im Zuge jedes Wochenend-Einkaufs. Das Lokal „Café & Wein“ versorgt zwischendurch mit Energie. Man weiß ja nie, wie lange man verkosten muss. Schatz, ich bin dann mal Wein kaufen ... Ursin Haus | Vinothek & Tourismusservice, Kamptalstraße 3, 3550 Langenlois, täglich von 10 bis 18 Uhr, www.ursinhaus.at

Spriz z- Mit tel Barbara Öhlzelt produziert seit 2007 in ihrem Weingut in Zöbing Verjus, einen Saft aus unreifen Trauben. Dieser ist eine tolle Alternative zu Essig in der Küche. Nicht ganz so sauer und damit der Extra-Kick Frische im Gericht. Mit Soda aufgespritzt, wird Verjus zum Erfrischungsgetränk. Gemeinsam mit Prosecco zum Aperitif. Verjus gibt es zum Beispiel im Ursin Haus oder unter www.verjus.at

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PREMIERE: HAUPTSTADTWEIN AUS FRAUENHAND „Die St. Pölterin“ ist eine fruchtige Premiere: Der animierende Landeshauptstadtwein für das Jahr 2019 stammt zum ersten Mal aus Frauenhand. Als Motiv fürs Etikett haben sich die Frauenzimmerwein-Winzerinnen übrigens für Paula Preradović ent­schieden. Die Verfasserin der Bundeshymne ist in St. Pölten in die Schule gegangen.

VIER WEINBAUGEBIETE UND EINE IDEE Vier Winzerinnen studieren miteinander und beschließen, gemeinsame Sache zu machen. Jede davon stammt aus einem anderen Weinbaugebiet. Für Frauenzimmer Weiß verschneiden Viktoria Preiß aus dem Traisental und Sabrina Veigel aus der Wachau ihre Weine zu einer runden WeißweinCuvée. Für Frauenzimmer Rot tun das Michaela Riedmüller aus Carnuntum und Victoria Kugler aus dem Gebiet Neusiedlersee-Hügelland. In der prickelnden Variante landen sogar Trauben aus vier Weinbaugebieten im Schaumwein.

FOURTASTIC! Die vier Winzerinnen von Frauenzimmer wein finden: Wein muss Sp aß machen.

FRISCH, FRUCHTIG, SPASS! „Die St. Pöltnerin“ ist eine Cuvée, die die Handschrift aller vier Winzerinnen trägt. Funkelndes Hellgelb, Aromen nach weißem Pfirsich und Orangenzesten, unterlegt mit feiner Kräuterwürze. Ein Weißer, der einfach Spaß macht und trotzdem Finesse hat. Eine Stilistik, die Michaela, Sabrina, Victoria und Viktoria bei allen ihren Weinen verfolgen. Mehr zu Frauenzimmerwein auf FRAUENZIMMERWEIN.AT

ZU DEN WEINGÜTERN Victoria Kugler: www.kuglerwein.at Viktoria Preiß: www.kulturpreiss.at Michaela Riedmüller: michaelariedmuellerwein.at

TASTING MENU Je eine Flasche Frauenzimmer Weiß 2018 und Rot 2017 sowie den Hauptstadtwein „Die St. Pöltnerin“ gibt es im Onlineshop als Probierpaket um € 29,90 (exkl. Versand). FRAUENZIMMERWEIN.AT/SHOP 61


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WEIN

Bis der Blend blendend wird Hofer sei ihm einfach so passiert. Zum Start als Weinhändler fiel ihm ein Deal mit dem Diskonter in den Schoß. Ebenso außergewöhnlich ist der späte Entschluss, Winzer zu werden und im Kremstal einen Weinkeller zu bauen. Ach ja: Lektor an der Weinakademie ist der gelernte Musiklehrer auch noch. Ferdinand Mayr macht in einem Leben, was andere in drei nicht. Zeit für ein Gespräch über den Wein-Geschmack der Österreicher, Parallelen zur Musik und warum er den aktuellen Fetisch rund um die Lage nicht teilt. von Pamela Schmatz

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Vieles ist noch improvisiert, hier im neuen Weinkeller von Ferdinand Mayr am Hiesberg in Senftenberg. Der Weinexperte hat hier 2018 einen neuen Keller hin- und ein Haus draufgestellt, in dem er seit wenigen Monaten auch wohnt. Unten macht er Wein und lagert einen Teil seiner Sammlung. Oben lädt er internationale Partner zur Verkostung. Jetzt sind wir dran!

wo ich stehe. Das Verkosten vernachlässigen leider viele meiner Winzerkollegen. Die sind technisch super drauf, nehmen sich aber keine Zeit, um wirklich zu probieren. Mit dieser großen Erfahrung als Verkoster: Was macht Qualität aus? Wann ist ein Wein gut? Qualität kann man gut über Länge definieren. Wie lange ist ein Wein, sprich wie konzentriert. Das habe ich auch mehrmals getestet bei der Sommelierausbildung in Innsbruck, wo ich mehrere Jahre als Lektor in den Sommelierkursen tätig war. Da habe ich einen Wein genommen und ihn in verschiedenen Abstu-

Herr Mayr, Sie haben Konzertakkordeon studiert. Warum unterrichten Sie nicht nach wie vor Musik? Ja, das war wirklich ein Risiko, die Lehrverpflichtung aufzugeben. Ich hatte eine unkündbare Anstellung. Aber ich wollte es wissen mit der Weinakademie. Zusätzlich habe ich Österreich vorgestellt bei internationalen Sommeliers. Das war finanziell sehr mühsam und deshalb fing ich nebenbei mit dem Weinverkauf an. Ein Freund hatte mir gesagt, komm doch mit nach Spanien. Und über diesen Umweg bin ich zufällig zu Hofer gekommen zu einer Verkostung. Da haben wir 50 Grüne Veltliner und 50 Zweigelt verkostet – und ich sollte meine Meinung dazu sagen. Tja, und plötzlich hatte ich einen Deal mit 70.000 Flaschen. So ein Start macht natürlich Lust, weiter Wein zu verkaufen.

››Länger geht immer.‹‹ fungen mit Wasser gemischt. Den Wein, den alle am besten bewertet haben, war der pure Wein – also der konzentrierteste. Weine mit Länge zu machen, das reizt mich auch in meiner Rolle als Winzer. Länger geht immer.

Selbst Wein zu machen ist für Sie aber auch schon länger ein Thema … Ja, das begleitet mich schon lange. Ich habe ja auch Gesang studiert und bei einem Kirchenchor-Ausflug damals 1990 habe ich den Franz Proidl aus Senftenberg getroffen. Ich schätze diesen Winzer sehr, weil er so viel Wert aufs Verkosten legt. Das kann ich generell allen Winzerinnen und Winzern empfehlen: Verkostet so viel es geht, auch international! Aber zurück zu Franz Proidl. Irgendwann hat er mir dann 0,2 Ar Weingarten gegeben, damit ich damit arbeiten kann. In der Lage Pellingen in Senftenberg, alles Grüner Veltliner. Wissen Sie, das sind Lagen, da müssen Sie an die 15 Euro pro Flasche verlangen, sonst zahlt sich die ganze Arbeit nicht aus. Da ist viel Handarbeit gefragt. Im Laufe der Zeit habe ich mich dann auf 3 Hektar hochgearbeitet.

Was geht sonst immer? Was trinken der Österreicher und die Österreicherin gerne? Die greifen zu mittelgewichtigen, fruchtigen Weinen. Das gilt für 80 Prozent der Konsumenten. Wenn viele Kollegen also davon sprechen, dass sie unbedingt würzig-pfeffrige Weine machen wollen, dann sage ich: Das trifft nicht den Geschmack der Masse. Die will es fruchtig. Und bei den Roten bloß nicht zu viele Gerbstoffe, bei der Säure muss man auch aufpassen. Zu welchen Weinen greife ich am besten im Supermarkt? Schauen Sie, grauslichen Wein werden Sie im Regal nicht finden. Denn alles, was hier steht, wurde von Profis verkostet. Für den Supermarkt aber gilt: Bei den Weißweinen lieber zu jüngeren greifen. Hier stehen in der Regel leichte bis mittelgewichtige Weine, die frisch besser zu trinken sind. Das wird im Laufe der Zeit nicht besser.

Ihr Ruf als großartiger Verkoster eilt Ihnen voraus, wenn man Kollegen an der Weinakademie fragt. Wie viele Weine verkosten Sie so im Schnitt? 30 bis 40 Weine pro Woche werden es sein. Kosten ist essentiell, ich muss ja wissen, wo ich stehe. Da interessiert mich dann auch der internationale Vergleich.

Auch Sie produzieren Weine für den Lebensmitteleinzelhandel. Wie gehen Sie da persönlich ran? Ich bin ein Fan von Cuvées. Gerade durch meine Praxis sehe ich: Oft dauert es lange bis ein Blend wirklich blendend wird. Aktuell dreht sich alles so um die Lagen. Große, erste, allerbeste Lage … Mir geht das furchtbar auf die Nerven. Gerade Bordeaux zeigt uns, dass die besten Weine Verschnitte sind. Und wenn ich nur 10 Prozent von einer Lage in eine andere hineinkriege, die mir mehr Säure gibt – dann wird das →

Und was trinkt Ferdinand Mayr, wenn er sich am Abend eine Flasche aufmacht? Gerne Riesling, von dem kaufe ich alles. Besonders deutscher Riesling hat es mir angetan. Da finde ich Sabine Mosbacher aus der Pfalz toll. Aber auch die Mosel-Rieslinge in ihrer Eleganz beeindrucken mich. Den „Prälat“ vom Weingut Schmitges in Erden kaufe ich seit 20 Jahren. Für mich ist so wichtig zu wissen, 64


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LINKS OBEN: Ferdinand Mayrs eigene Weine RECHTS UNTEN: Erst ein kleiner Teil seiner internationalen Weinsammlung ist im neuen Keller in Senftenberg angekommen.

BIOGRAFISCHES ZU FERDINAND MAYR Musikstudium am Brucknerkonservatorium Linz 1990 bis 2002 Lehrtätigkeit als Musikschullehrer 1994 Österreichs bester Weinkenner 1997 Graduierung zum Weinakademiker an der Weinakademie Österreich 2008 und 2018 gewählt zum „Lektor des Jahres“ an der Weinakademie Österreich Seit 2009: Produktion österreichischer Weine unter eigenem Namen Seit 2018: Vinifizierung im eigenen Weinkeller in Senftenberg, Kremstal 66


WEIN

→ ein besserer Wein. Aber das Lagen-Konzept verkauft sich natürlich gut. Ja, das Ganze ist eine gute Verkaufsstrategie … Sie widersprechen dem aktuellen Trend „Boden ist alles“? Schauen Sie, ich kann aus einem Weingarten mindestens vier verschiedene Weine machen. Es gibt so viele Entscheidungen, die der Winzer trifft, die das Ergebnis massiv beeinflussen. Die Qualität des Weins entsteht durch die Idee des Winzers im Kopf. Und genau hier ist auch die Parallele zur Musik. Wenn man Qualität machen will, muss man sich Mühe geben, das Beste rauszuholen. Auch das gilt für beides.

››Wein entsteht durch die Idee des Winzers im Kopf.‹‹ große Freude – und kommt auch gut bei unseren internationalen Vertriebspartnern an. Wenn man die fragt, was sie mit Österreich verbinden, dann ist das Wein und Musik. Und genau diese zwei Seelen pochen auch in meiner Brust. Abschlussfrage: Lassen Sie sich darauf ein, einen Wein aus der Region zu empfehlen? Da gibt es so viele. Und wenn ich den einen empfehle, dann gibt es noch 10 andere, die es auch wert wären. Aber sagen wir so, der Gelbe Traminer vom Weingut Franz Proidl ist deshalb etwas Besonderes, weil diese Sorte fürs Kremstal so untypisch ist. Übrigens der perfekte Begleiter zu einer Gänseleber. ■

Sie haben 10 Jahre lang kein Instrument berührt. Ja, aber jetzt wieder. Gemeinsam mit meinem Freund Walter Burian – ehemaliger Direktor des Josef-Haydn Konservatoriums und Geiger – spiele ich klassische Wiener Heurigenmusik. Ich am Akkordeon und Elisabeth Jahrmann als Sopranistin. Das macht mir

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© Luzia Puiu

WEIN

Cider Sidra Cyder Zider Cidre Darunter versteht man fruchtig leichten und prickelnden Genuss, gewonnen aus Äpfeln oder Birnen. In ganz Niederösterreich verstreut gibt es dieses erfrischende Getränk – durch lange Mosttradition oder neu eingeführt. Wir wurden in jedem Viertel fündig. Und haben beim Floh in Langenlebarn verkostet. von Juliane Fischer

Viele kennen ihn aus angelsächsischen Ländern als Alternative zum Bier – dann aber oft limonadig und picksüß: Cider. Hierzulande nutzen diesem Getränk von der einen Seite der Craft-Bier-Hype und der Trend des natürlichen Schaumweins, Pet Nat genannt, und von der anderen Seite der Qualitätsschub, der dem Most eine Art Renaissance verleiht. In den vergangenen Jahren taucht Cider verdächtig häufig auf. Und zwar nicht nur in Pubs, die sich auf eine große Bierauswahl aus kleinen Brauereien fokussieren, sondern gelegentlich als Aperitif, im gut sortierten Lebensmitteleinzelhandel 69

und in Szenebars. In manchen Restaurants greifen Sommeliers zum Cider als Speisenbegleiter und lockern mit dem erfrischenden Sprudeln im Menü zwischen den Gängen auf.

AU F D ER WEL L E D ER M OST- REN A I S SA N CE

In Österreich wird meist dem vergorenen Saft aus Birnen oder Äpfel, also Most, durch den Zusatz von Saft eine Restsüße verliehen. Die Kohlensäure ist entweder zugesetzt oder entsteht durch das Fertiggären in der Flasche. Die gesetzlichen →


→ Bestimmungen für Österreich legt die Obstweinverordnung fest. Demnach ist „Zider“ ein Getränk aus einem Gemenge von Fruchtsaft mit Obstwein derselben Obstartgruppe, das bis zu fünf Prozent Alkohol und einen Kohlensäureüberdruck von höchstens zweieinhalb bar bei 20 Grad Celsius aufweist, liest man da.

DER ROHSTOFF IST DAS UM UND AUF

Um Cider zu machen, muss man viel Zeit und Energie investieren, heißt es im Vorwort von ,The New Cider Maker’s Handbook‘. Das bestätigt der Produzent Lorenz Lindner. Er ist Obstbauer und hat die Qualitätskontrolle des Rohstoffes selbst in der Hand. Verkauft er doch hauptsächlich Tafelobst, neben Äpfeln auch Birnen, Marillen, Pfirsiche und Dirndln. Vor drei Jahren hatte er dieselbe Idee wie seine Eltern in den 1980ern: Cider. Die Äpfel dafür kommen ausschließlich aus seinem eigenen Anbau im Traisental. Mehr als 20 verschiedene Apfelsorten gedeihen bei ihm am Hof. Die Ernte beginnt im September und endet Anfang November. Weiter westlich sieht die Sache etwas anders aus. Bei den Haselbergers rund um Sankt Valentin bestimmen Streuobstwiesen das Landschaftsbild. So viele, so große und so alte Mostbirnbäume sind weltweit einzigartig. Der Mostbirnbaum kann mit seiner Herzwurzel die Wasserspeicher in den tiefgründigen schweren Lehmböden gut aufschließen. Staunässe ist für ihn kein Problem. In der K. u. K. Monarchie gab es nirgendwo so viele Obstbäume wie im Bezirk Amstetten. Das Mostobst schmeckt herb, ist aber gut zur Verarbeitung – Schnaps, Essig, vor allem aber zu Most und eben Cider. Peter Haselberger produziert aus seinen Landl-, Pichl-, Speck- und Dorschbirnen verschiedene Chargen Most und überlegt sich dann, welche Mischung sich gut für den Cider eignet. Im „Apfelfrizzante“ mit 7,8 Prozent Alkohol finden sich alte Sorten wie: Grafensteiner, Bohnapfel, Erbach­ hofer, Brünnerling. Vorher lebte der Hof von Schweinezucht und -mast und Ackerland. Most hat der Großvater immer gemacht, die Mama Liköre, der Papa Edelbrand und Säfte. Es wär schon, wenn es mit dem Most auch weitergeht, dachte sich dann der Sohn. 2014 startete er seine ersten Versuche, dann eine Mostsommelierausbildung. Der Stieglbirnenmost schaffte einen Preis auf der Wieselburger Messe. Die Motivation hielt an. Auch durch die Tradition im Rücken.

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damit die Grundlage der heutigen Mostkultur geschaffen hat. Obstbäume wurden per Dekret ausgepflanzt. Doch die Karriere des Getränks war durchwachsen. Zuerst erlebte der Most einen Boom und sorgte dafür, dass die Bauern massive Höfe in die Landschaft stellten. „Das Haus wurde 1862 gebaut, ein großer Vierkanter. Früher hat man einen Haufen Geld mit der Mostproduktion verdient“, erzählt Haselberger. Es sei ein kräftigendes Getränk für die Arbeiter gewesen und so ist die Kultur entstanden. Dann, nach dem Zweiten Weltkrieg, wendete sich das Blatt. Mit dem Bier in der Nachkriegszeit ist der Most verschwunden. Er war als saures Getränk verpönt. Freilich, die Qualität war auch nicht die beste. Allein im Bezirk Amstetten wurde der Bestand durch Rodung, aber auch durch Krankheiten von einer halben Million auf knapp unter 200.000 Bäume reduziert. Kein Zweifel, der Most hatte ein Imageproblem. Innovationen mussten her. Seit der Jahrtausendwende tut sich einiges. „Wir haben was Gutes und das wächst bei uns vor der Haustüre“, sagt der Bauer. Er berichtet vom wachsenden Interesse, „und der Austausch is voi sche für die Gegend.“ Sein Ziel: Jedes Bauernheisl an guaten Most. Er selbst möchte zukünftig, „nicht zu wuchtige Cider, sondern weniger süße“ machen. Einerseits weil der Trend auf trockeneren Cider deutet, andererseits weil er sich dann besser als eine Art Einstiegsdroge für Most eignet.

››Die wilden Hefen sind nicht so flott.‹‹ Lorenz Lindner

G EH O PF T ER CI D ER

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M OST T R A D I T I O N

Apropos Tradition: Es war Maria Theresia, die das Mostviertel in einen Obstgarten verwandelt und 70

Vorreiter in der Region sind die Mostbarone, erkennbar an den rot-schwarzen Trachtenanzügen sowie dem großen Hut mit einer weißen Feder. Ein eingeschworener Haufen leidenschaftlicher, stolzer Produzenten. Sie sind mit der Region tief verwurzelt, aber leben auch die Leichtigkeit, Klarheit, Lebensfreude, die Most als leichtes, süffiges Getränk ausmachen soll. Einer der Markenbotschafter ist Toni Distelberger. Auf einer Exkursion in Nordamerika hat er sich Ideen geholt und seinen Cider mit Hopfen aromatisiert. Damit bringt er eine leicht herbe Note und Körper hinein. Der gehopfte Cider erinnert extrem an Honig, →


Cider verkosten in der Gastwirtschaft Floh: Journalistin Juliane Fischer. Unten mit Sommelier Benjamin Neiber und LUST AUF NIEDERÖSTERREICHHerausgeberin Pamela Schmatz.

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Wenn wir heute Cider verkosten, hat das auch mit Maria Theresia zu tun.

Auch der Floh hat einen Cider auf der Karte. Sommelier Benjamin Neiber empfiehlt ihn zum Beispiel zu kräftigen Gemßsegerichten wie dunkel gerÜstetem Kraut.

Sie hat das Mostviertel per Dekret in einen Obstgarten verwandelt. 72


WEIN

→ Eistee und Holunder, Essig und Kamille, floral, erfrischend, fast ein bisschen rauchig. Auch in den anderen drei Vierteln des Landes findet man Cider. Auch das Schneebergland ist eine Streuobst-Region mit langer Tradition in der Obstverarbeitung und Mostherstellung. Im Industrieviertel macht man bei Mohr-Sederl bereits seit 12 Jahren Birnen und Apfel „Cyder“. „Der Cyder ist eine Abrundung unseres Sortiments. Wir sehen ihn als die modernste Art, Most zu trinken“, finden die Mohr-Sederls. Den Most gewinnen sie aus Breaburn-Äpfeln. Wie Haselberger setzen sie auf Reinzuchthefe, temperatur-kontrollierte Gärung des Mostes, Filtrieren und Schwefelgabe, Cuvéetieren von Most und Saft und mit Kohlensäure ab in die Flasche. Die Verkosterrunde assoziiert zarte Blütenaromen nach Veilchen sowie einen Hauch Brausepulver.

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WALDVIERTLER APFELPERLE

Wir wandern in das nordwestliche Viertel, zum Ciderhof in Groß Gerungs. „In unserer Region gibt es viele Apfelbäume. Oft werden die Äpfel aber gar nicht mehr genutzt. Unsere Apfelperle zeigt wie kostbar diese Ressourcen eigentlich sind“, sagt Ronald Kienast. 2013 lernten er und seine Frau französischen Cidre in der Normandie kennen und lieben. In Österreich fällt das Getränk unter die Bezeichnung Perlwein, auf Grund des höheren Drucks und Alkoholgehalts. „Die erste Flasche französischen Cidre, die wir bei einem Bauern entlang der Route du Cidre gekauft hatten, war ein Augenöffner!“ Die Quereinsteiger vertieften sich in Bücher, Kurse, Gespräche und Aufenthalte bei französischen Cidre-Herstellern. Ihr Betrieb ist noch jung: In der letzten Saison hat der Ciderhof in etwa 2000 Liter hergestellt. „Davor haben wir fünf Jahre lang kleinere Mengen produziert, um Erfahrung zu sammeln und unser Getränk zu entwickeln und zu verfeinern.“ Es kommt eine Mischung aus verschiedenen Sorten, darunter alte Mostsorten wie zum Beispiel Bohnapfel und Schafnasen zum Einsatz. Nach dem Pressen landet der Saft in Edelstahltanks, wird vorgeklärt und geschönt. „Übrigens ist unser Getränk vegan, da wir für die Klärung keine Gelatine sondern Erbsenprotein verwenden“, fügt Kienast hinzu. Bei der goldenen Farbe wird nicht nachgebessert – sie ist, wie sie ist. Dann wird Hefe zugesetzt. Mit Schwefel sind wir sehr sparsam, da der Most in der Flasche noch weiter gären soll. Bei dieser Nachgärung in der Flasche entsteht die natürliche Kohlensäure, die allerdings recht zart ist. Die Apfelperle duftet teigig nach Gugelhupf, rohen Eiern und

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Butterkeks. Und natürlich nach Apfel. „Wir sind Vegetarier und trinken unsere Apfelperle gerne zu Reis- und Nudelgerichten. Am liebsten zu Kartoffel-Brokkoli-Gratin. Durch seine Ausgewogenheit an Restsüße und Säure lässt er sich auch mit deftigen Speisen kombinieren und stellt einen interessanten Kontrast zu würzigen Speisen dar“, meint das Paar.

EINMAL OHNE ALLES

Und welches Viertel fehlt jetzt noch? Leo Mahrer werkt in Sierndorf im Bezirk Korneuburg. „Pur“ schimmert es auf der edel designten Flasche. Was sie enthält, überrascht dann recht rustikal und roh. Ziegenstall, Quargel, abgestandene Molke, Heidelbeere und Propolis kommen der Verkosterrunde in den Sinn. Das ist definitiv der komplexeste Vertreter am Tisch.Woher kommen die animalischen Noten? „Durch die Mischung aus alten Sorten“, meint der Hersteller. Und durch seine frankophile Orientierung. Leo Mahrer hat früher bei Do&Co gearbeitet und ist vor fünf Jahren mit seinem Bruder gemeinsam im Betrieb eingestiegen. Von den rund 21 Hektar Obstbau sind drei Hektar Birnen. Sie stehen auf alte Sorten, zum Beispiel den Roten Jungfernapfel, der typisch für das Weinviertel ist, beziehungsweise einst war. Aktuell ist der Jahrgang 2017 im Verkauf. Der 2018er gärt noch, in der Flasche wohlgemerkt. Im Februar wird er dann degorgiert, also geöffnet, sodass der größte Druck weicht und mit ihm das Hefe-Depot. Durchschnittlich kommen sie auf jährlich 6000 Flaschen. Je nach Jahrgang kaufen die beiden eine kleinere Menge Äpfel zu. Die beiden Biobauern Mahrer und Lindner verarbeiten recht ähnlich: Biologisch, ohne Zusätze und naturtrüb. Das Obst wird gemaischt und gepresst, dann gärt es im Stahltank. Sie verzichten auf Enzyme, Bentonitschönung, Schwefel und auf Reinzuchthefe. Letzteres bedeutet, dass der Cider spontan vergoren ist, also nur mit den wilden Hefen, die am Obst vorhanden sind und bei der Gärung entstehen. „Es gibt weniger Zucker zu verwandelt, drum geht es ein bisschen rascher als beim Wein, aber bei mir dauert die Gärung trotzdem zwei, drei Wochen. Die wilden Hefen sind nicht so flott“, erklärt Lindner. Im Ergebnis unterstreicht die cremige Textur die Fruchtdominanz. Zimt, getrocknete Apfelschale, ja sogar Banane schmeckt man heraus. Würzige Sorten wie Rubinette, Elstar und Ladina unterscheiden ihn von den klassischen Most­obst-Cidern. Damit das Getränk auch ungeschwefelt stabil bleibt, füllt er es ungefiltert, mit der natürlichen Hefe, in die Flasche. Und dann zu uns ins Glas, Prost! ■


76 ES LEBE DIE SINNLICHKEIT Auf Tour durch die Wachau mit Michael Horowitz 82 GLORREICHE SIEBEN Dinge, die man am Wagram tun sollte 84 WAS ES GENAU IST? LASSEN WIR ES OFFEN. Das ›Gartl am Tisch‹ von Maria Harm 88 KRAUSES GLÜCK. RUNDES STÜCK. Zeit für Schwammerl 89 KANTINEN-PARTY Toll essen in Aris Cantina in Absdorf 90 DREIER, KLASSISCH. Mit Mohnnudel-Rezept vom Wirtshaus im Demutsgraben 91 KULINARISCHES QUARTETT Vier Wirtshäuser mit Anspruch 92 VERSUCH DAS FELD Mike Nährer kocht bei den ›Mostviertler Feldversuchen‹ 98 EIN LEBEN FÜR LEBENSMITTEL Der Unternehmer Christof Kastner im Interview

Wirtsh  74


 aus

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Glückseligkeit in der Wachau. Mit einem mächtigen Strom als Gastgeber. In einem Paradies für Hedonisten. von Michael Horowitz

FOTOS: Angelika Horowitz, Pamela Schmatz, Rainer Friedl, Weingut Jamek

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© Ela Angerer

W I RTS H AUS

Es lebe die

Es war keine leichte Aufgabe für das Vorarlberger Architekten-Brüderpaar Bernhard und Stefan Marte: An einem der vielen Kreisverkehre Niederösterreichs – man glaubt gar nicht, dass immer noch neue dazukommen können – sollte die neue Landesgalerie als Zentrum der Kunstmeile Krems mit dem Forum Frohner, der Kunsthalle und dem Karikaturmuseum entstehen. Es wurde ein spektakulärer, zur Donau gedrehter, gekippter Würfel. Nebenan wirkt die Eternit-Dachdeckerei & Bauspenglerei, als ob sie vor dem mutigen Museumskubus mit schrägen Wänden – die das Hängen der Bilder nicht ganz einfach machen – in die Knie gehen würde. Wer nach dem Besuch der 3.000 m² Ausstellungsfläche auf fünf Ebenen und dem einzigartigen Blick bis zum zwischen Himmel und Erde triumphal thronende Benediktinerstift Göttweig Durst und Hunger spürt, hat ein Paradies vor der Tür.

Ein sinnliches Weltkulturerbe. Unberührte Natur in Harmonie mit einer der schönsten Kulturlandschaften der Welt. 36 Kilometer für Feinschmecker mit feinem Gaumen und gelebtem Hedonismus: Die Wachau. Kultur hat hier auch viel mit Sinnlichkeit, Genuss und Gastfreundschaft zu tun. Eine einzigartige Landschaft mit einzigartigem Wein auf steilen Terrassen, der in einem speziellen Mikroklima ganz besondere Aromen entwickelt. Im Sommer streicht abends der frische Wind aus Böhmen über die Weinhänge. Dann können die Wachauer gut schlafen und sich die Riesling- und Grüner Veltliner-Trauben von der Hitze des Tages erholen. Die Zeiten des vollmundigen „Dürnsteiner Katzensprung“ als Begleiter von Saumaisen und Schlachtplatten und des „Refosko-Dessertwein“ danach zu Cremeschnitten sind längst vorbei. Man zelebrierte Wirtschaftswunder. → 77


→ In einer Zeit, als die meisten Winzer zwischen Grinzing und Gumpoldskirchen noch Säcke voller Zucker in ihre Fässer schütteten, um bukettreiche Weine zu erzielen, revolutionierte ein Herr aus der Wachau den Weinbau. Als auch hier für manch andere Winzer nur der Alkoholgehalt und die Menge des meist in Doppler abgefüllten Weins entscheidend waren, begann Josef Jamek in Joching kompromisslos naturbelassene Weine zu keltern. Weine, die nicht aufgebessert sind. Weine mit feiner Säurestruktur. Weine, die Körper und Kraft nur aus der Reife der Trauben beziehen. Als Steinfeder, Federspiel oder Smaragd klassifiziert. Heute, mehr als ein halbes Jahrhundert später, spürt man im Jochinger Weingut Jamek noch immer die Aura des vor acht Jahren verstorbenen Pioniers der Wachauer Winzer. Manchmal glaubt man, der hagere Herr aus einer anderen Zeit,

der an Jaques Tati oder Karl Valentin erinnert, biegt um die Ecke. Von einem Kontrollgang durch seine Weingärten. Eines Tages wurde er zum Schuldirektor zitiert: Ob er wisse, dass seine Tochter Eva jeden Samstag von einem Herren mit grauem Bürstenhaarschnitt in einen granitgrauen Mercedes 280 abgeholt würde. „Von mir selbst“, sagte Josef Jamek knapp, „sie muss Samstag im Betrieb mithelfen.“ Weiterhin gibt es kaum Sinnlicheres, als hier in Joching einzukehren. Mit Edeltraud Jameks Klassikern wie Hechtnockerl, hausgeräuchertes Forellenfilet oder, wer es deftiger mag, Grammelschmarren oder gebratene Blutwurst. Als Abschluss Marillenknödel oder Topfenhaluschka. Dazu Riesling mit Blick auf die „Ried Klaus“-Terrassen. Die Donau ist zum Greifen nah. Der mächtige Strom gefällt sich in der Rolle des Gastgebers. Das kann dann nur ein unvergesslicher, fast magischer Abend werden …

››Wer – wie ich ein Leben lang – auf der Suche nach knusprigem Schweinsbraten aus dem Rohr und nicht Sous Videgegart ist, hat zwei Möglichkeiten.‹‹

Einer, der den Weinbau in der Wachau geprägt hat: Josef Jamek. 78

Das Gasthaus Schwarz in Nöhagen, ein paar Kilometer oberhalb von Weißenkirchen, ist ein Wallfahrtsort für Liebhaber klassischer, unverfälschter Küche. Ein Dorfwirtshaus zum Wohlfühlen, nach dem


Zwei Original Wachauerlaberl vom Schmidl. LINKS OBEN: Der Schweinsbraten vom Schwarz, echt aus dem Ofen. LINKS: Selig nach dessen Verzehr: Schauspieler Heinz Marecek und Autor Michael Horowitz.

guten alten Schlag. Als alltägliche Institution. Wenn geheiratet, getauft oder gestorben wird, kehrt man hier ein. So wie man in die Kirche geht, geht man auch ins Wirtshaus daneben. Mit einer Küche, die Glücksgefühle en Suite vermittelt. Sonntagmittag, verlässlich um dreiviertel zwölf, ist es soweit: Da kommt er aus dem Holzofen. Der Schweinsbraten. Knusprig, saftig und süchtig machend – begleitet von Erdäpfelknödeln und Speckkrautsalat. Mit meinem Freund Heinz Marecek pilgere ich alle ein, zwei Jahre hierher. Voller Heißhunger und mit dem Josef Weinheber-Credo Wenn nicht das bissel Essen wär im Kopf. Heinz ist von meiner Schweinsbraten-Sucht nicht anzustecken. Nach einer Leberknödelsuppe wählt er als Vorspeise zur gerösteten Kalbsleber eine kleine Portion Kalbsniere. Er mag halt Innereien ... Das Zwiebel / Pfeffer / Majoran-Safterl tunkt Heinz dann selig mit einem Wachauer

Wahrzeichen auf: Mit einem Laberl, das auf der Unterseite ein eingebackenes S als Zeichen für das „Original Wachauerlaberl“ der Bäckerei Schmidl in Dürnstein trägt. Auch ein Gebäck kann mit Weltkulturerbe zu tun haben: Erfinder des Laberls ist der Urgroßvater der heutigen Schmidl-Chefin. Als dessen Bruder, ein Lehrer bei den Wiener Sängerknaben, von seiner Konzertreise aus Frankreich zurückkehrte, schwärmte er vom französischen Baguette. „So etwas musst du machen, außen knusprig, innen saftig“, schwärmte er. Der Bruder ließ sich inspirieren und kreierte seine Interpretation des Baguettes – das Wachauer Laberl. Das Rezept ist seit fast 110 Jahren streng geheim: Viereinhalb Stunden Teigführung braucht es, bis der Teig fertig ist. Damit die Laberln ihre typische aufgerissene Oberfläche erhalten, werden sie einzeln über ein Holzbrett geschliffen. Viel Aufwand in 79

Resch & Frisch-Zeiten, in denen viele Wirte ihr Gebäck schnell-schnell auftauen. Das zweite Schweinsbraten-Eldorado – längst kein Geheimtipp mehr – findet man auf der südlichen Seite der Donau: Pulker´s Heuriger in Rührsdorf mit der vielversprechenden Adresse Kellergasse 1. Das knusprige Bratl des Bernd Pulker lockt nicht nur jede Woche den Ringstraßen-Rechtsanwalt aus Wien hierher.

Als Dessert genießt der beleibte Advokat nach dem Schweinsbraten ein, zwei Bratlfett’n-Brote ... Und wenn er sich selig mit dem Taxi zum Zug nach Krems bringen lässt, er hat ja →


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W I RTS H AUS

→ nicht nur den Wachauer Hauswein, sondern auch große Jahrgänge aus dem Bordeaux und dem Burgund gekostet, baumelt in seiner Hand ein Sackerl mit einem Pulker-Souvenir: Ein Becher voller Bratlfett´n – für morgen, zum Frühstück. Ein kulinarischer Fixpunkt in der Wachau ist eine ehemalige Backhendlstation. „Mit dem Zug fuhr man damals zum Hendlbauern nach Spitz“, erinnert sich Lisl Wagner-Bacher, „und brachte die Hühner mit dem Leiterwagerl zurück nach Mautern.“ Ihr Vater Hans, der blinde Wirt aus der Wachau, gründete die kleine Jausenstation mit Tanzboden. Wo sich bald auch Filmstars wie Hans Moser und Peter Alexander, die in der Wachau drehten, vergnügten.

Moden und Trends an seinen Gästen auszuprobieren. Jedenfalls werden die Gedanken an den Schweinsbraten beim Pulker oder Schwarz, an Riesling vom Jamek und saftig-knusprige Wachauerlaberln aus Dürnstein, oder an gebackenes Kaviar-Ei in Mautern, zu einem fast erotischen Vorspiel. In einer der sinnlichsten Landschaften der Welt – einem glückseligmachenden Paradies für hedonistische Kulturliebhaber oder kulturaffine Hedonisten. ■ Wer ans andere Ufer will, zum Beispiel zum Pulker nach Rührsdorf, kommt mit der Fähre.

Die Lisl kochte Heil-

butt und Hummer, aber auch Klassiker wie Bries und Butterschnitzel. Lisl Wagner-Bacher, die frühere Serviertochter im elterlichen Gasthof, hatte vor genau 40 Jahren den Familienbetrieb übernommen und war schon sehr früh – als Autodidaktin – eine der Wegbereiterinnen für die österreichische Version der Nouvelle Cuisine. Die Lisl kochte Heilbutt und Hummer, aber auch Klassiker wie Bries und Butterschnitzerl, Kutteln, Kalbskopf und Krautsuppe mit Grammeltascherln und als süße Sünde natürlich Marillenknödel: „Hier isst man wie Gott in der Wachau“ meinte Christoph Wagner. Der Gastrosoph wusste, wovon er sprach, von Artischocke mit Meeresfrüchten, Steinbutt mit Steinpilzen, Fasanenbrüstchen mit Maroni Ravioli oder einfach Powidltascherln. Vor fast zehn Jahren hat die vor mehr als 35 Jahren zur ersten Köchin des Jahres gewählte Wagner-Bacher das Kommando an ihren Schwiegersohn Thomas Dorfer übergeben. Der barock-schwülstige Landhausstil des Lokals hat sich leicht verändert, aber die Speisen sind fast gleich geblieben: Bei Dorfer dominieren weiterhin regionale Produkte, harmonisieren aber mit exotischen Aromen, mit immer neuen, kreativen Ideen, mit Einflüssen der weiten kulinarischen Welt. Ohne übertriebene

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Glorreiche Sieben Dinge, die man am Wagram tun sollte

Eintauchen ins Gesamtkunstwerk

GUT OBERSTOCKSTALL Wer nicht nur gut essen und trinken, sondern auch schön schlafen will, ist im Gut Oberstockstall richtig. Die Gästezimmer sind neu gestaltet mit vielen besonderen Einzelstücken. Die Bilder an der Wand stammen von Marion Reisinger, Schwester der Hausherrin Birgit Salomon. www.gut-oberstockstall.at

In die Galerie gehen in Kirchberg GALERIE AUGENBLICK Im alten Bezirksgericht stolpert man mitten in Kirchberg immer wieder über spannendes Programm: von 8. November bis 8. Dezember 2019 zum Beispiel über eine Ausstellung & Interventionen rund um das Thema Alchemie und Verwandlung. Passt gut zu Kirchberg, das früher als Hochburg der Alchemie galt. www.kunst-kultur-kirchberg.at

Indianderbanane, Maibeeren und rotfleischige Pfirsiche naschen. Je nach Jahreszeit sind im Alchemistenpark in Kirchberg am Wagram die Früchte reif. Der frei zugängliche Naschgarten ist täglich geöffnet, der Kinderspielplatz auch.

Fermentier tes essen ODER GEMÜSE FRISCH VOM FELD

Unweit des Alchemistenparks in Kirchberg liegt das Gemüsefeld, auf dem Rudi Hoheneder rund 100 verschiedene Sorten anbaut. Für die frechen Früchtchen kann man eine Patenschaft übernehmen und sich so übers Jahr weg mit tollem Grünzeug versorgen. Wie das funktioniert, steht auf www.fermentarium.at. Da gibt es auch alle Infos zu den fermentierten Produkten, die Greti Mayer aus Rudis Gemüse macht. Ihr Topinambur im Glas hat es immerhin schon zu Ulli Jell geschafft, die ihn in ihrem Gasthaus Jell in Krems zum Schafkäse serviert. 82


W I RTS H AUS

››Am Wagram stimmt das Maß.‹‹ Wolfgang Giegler, Kulturmanager & Kurator Galerie Augenblick

Roten Veltlinter trinken Wer noch nie Roten Veltliner getrunken hat, war noch nie am Wagram. Früher war die Gegend voll davon, bevor der Grüne Veltliner den Siegeszug antrat. Nun kommt der Rote wieder zurück. Achtung: Der ist trotzdem weiß. Wem nun der Kopf brummt von dem ganzen Farbenspiel, folge einfach diesem Tipp: Einen sehr guten Roten Veltliner gibt es am Weingut Mehofer in Neudegg. Mit dem Roten Veltliner Wadenthal 2017 hat man ein echtes Kaliber im Glas. Ist nicht umsonst die Lieblingslage der Familie Mehofer. Verkost-Termine und Infos unter www.mehofer.at

Im Landgasthof einkehren DER MANN IN KÖNIGSBRUNN

Etwas Neues probieren

Solide. Im Landgasthaus Mann in Königsbrunn kehrt man unter der Woche am besten auf ein Menü ein. Das ist nämlich sehr gut und immer wieder mit Überraschungen gespickt. Wirtshausklassiker wie gebackenes Hirn werden als Vorspeise serviert, auf Anfrage rösten die Manns auch Nierndl und Leber. Wichtig ist ihnen der saisonale Dreh, so hatten beim Besuch im Sommer Eierschwammerl Saison, die flugs in ein g’schmackiges Gröstl verwandelt wurden. Der Wildkräutersalat kam mit Schafkäse daher, das Kind freut sich über Burger. Im Herbst kommt Reh-

schnitzel in Kürbiskruste auf die Karte oder ein saftiges Wildschweinragout. Auch die regional geprägte Weinkarte kann sich sehen lassen mit ihren allein 18 Roten Veltlinern. Fritz, Fritsch, Nimmervoll, Diwald, Leth – viele große Namen finden sich darin. Am besten man nimmt in der Stube Platz, da kann man das Treiben von Einheimischen und Gästen gut beobachten. Wenn’s warm ist, sitzt man im Hof und wenn’s lang dauert, schläft man in einem der Gästezimmer. Mit Frühstück oder Halbpension buchbar. www.mann.co.at 83

JOSEFS HIMMELREICH Das Zirbensalz am Tisch stammt aus der Salzburger Heimat der Gastgeberin. Während sich Jasmin Wieland um die Gäste kümmert, tüftelt „ihr Josef“ am Menü. Josef Kellner kocht es in vier, fünf oder sechs Gängen. Dazu am besten den Roten Veltliner Mordthal 2017 von Josef Fritz. Der Winzer hat sich mit dem 300 Jahre alten Ausgedingehof in Zaußenberg den Traum vom eigenen kleinen Restaurant erfüllt. Im Hof wachsen Gemüse, Obst und Kräuter, die in der Küche nebenan verarbeitet werden. Nachhaltige Kreisläufe sind beiden Josefs wichtig, dem Koch und dem Winzer. www.gutehrlichessen.at


Was es genau ist?

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Lassen wir es offen. Das Gartl mit der schönsten Aussicht des Kremstals gehört zu Maria Harm. Früher Französisch-Lehrerin, jetzt Wirtin (k)eines Gasthauses. von Pamela Schmatz

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Maria Harm kocht, was ihr Gemüse-Gartl hergibt. Und das auf sehr schönem Niveau mit französischem Einschlag.

››Es ist alles ein bissl wilder.‹‹

beet gerade reif ist, wird die Speisekarte zusammengestellt. Es kann schon sein, dass Samstag Mittag das Menü für Samstag Abend noch nicht steht. Spontan eben. Genauso wie ihr Mann Andreas seine Weine vergärt. Aber dazu später.

KOHLRABI MIT AUSSICHT

Besonders toll ist, dass man als Gast denselben Blick wie Maria Harms Gemüse hat. Das Gasthaus samt Beet liegt nämlich in Krustetten. Da bekommt man die volle Weite des Kremstals serviert: Stift Göttweig strahlt vom nächsten Hügel herunter, da glitzert die Donau in der Ferne und man spürt die Stadt von der Weite. Die tolle Aussicht ist nur einer von vielen Gründen, bei Maria Harm einzukehren. Wild geht es auch am Teller zu. Hier zaubert die Chefin Gerichte auf den Tisch, die in ihrer Buntheit und Dichte kaum zu übertreffen sind. Vieles davon schmeckt nach Marias Kindheit – also vielleicht auch ein bisschen nach unserer eigenen. Sie schmeckt nach kräftiger Paradeissauce mit einem Schuss Sauerrahm. Und der muss hochwertig sein! Sie schmeckt im Sommer nach frischen Fisolen, die ihre Oma damals schon mit Zitronenschale so spannend gewürzt hat. „Die Leidenschaft für den Garten und fürs Kochen habe ich von meinen Großeltern. Der Opa hatte

Maria Harm spricht diesen Satz mit großer Gelassenheit aus. Sie hat Platz genommen auf der gemütlichen Holzbank in ihrem Gasthaus, das sie „Gartl am Tisch“ getauft hat. Normalerweise sitzt sie nicht auf diesem Platz. Sondern ist in der Küche und macht Pesto, bäckt Flammkuchen oder mischt feine Salatkompositionen ab. „Mir ist es wichtiger, dass das Pesto am Punkt ist. Da kann’s schon sein, dass nicht immer alle Fenster perfekt geputzt sind“, lacht die Wirtin. Das Wilde, das bezieht sich in ihrem Wirtshaus nicht nur auf die bunte Mischung an Möbelstücken im Gastraum, sondern auch auf den Küchenstil. „Ich koch’ aus dem Bauch – und aus meinem Gartl – heraus.“ Je nachdem, was in ihrem wilden Gemüse86


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früher eine Gärtnerei, in der auch viel Gemüse angebaut wurde. Die Oma hat das dann alles verkocht, schon damals auf sehr moderne Weise“, erzählt Maria Harm. Bevor sie und ihr Mann Andreas das Wirtshaus aufgesperrt haben, war sie Französisch-Lehrerin. So ganz hat der Beruf aber nicht zu ihr gepasst. Das Frankophile ist geblieben. Deshalb finden sich auf der Speisekarte auch viele Gerichte mit französischem Einschlag. Die Tarte flambée ist ein Fixstarter, gerne verwendet Maria auch viel Käse. „Aber nicht so konservativ, wie das in Österreich oft gemacht wird.“ Der Schlenker von der Französisch-Lehrerin zur Wirtin kam nicht von ungefähr. Rund zehn Jahre hat Maria Harm immer wieder beim Bio-Heurigen ihres Schwagers David Harm mitgearbeitet. Irgendwann haben ihr Mann Andreas und sie dann die Entscheidung getroffen: Wir kaufen das Gasthaus im Ort und machen etwas Neues daraus. Was genau? „Es ist ein Ort zum Verweilen mit gutem Wein und gutem Essen. Was es ganz genau ist? Lassen wir’s offen. Wir wollen uns nicht auf einen Begriff festlegen. Wir sind kein klassisches Wirtshaus, auch kein Café. Und das passt auch so. Besonders amüsant fand ich es übrigens als einmal eine betagte Dame anrief, um bei uns einen Tisch in der neuen Konditorei zu reservieren. Ich habe ihr dann erklärt, dass wir wahrscheinlich etwas anderes sind – sie ist trotzdem gekommen.“ Essen bei Maria Harm ist Slow Food im besten Sinne. Es dauert einfach ein bissl bis die Gerichte fertig sind. Denn prinzipiell schupfen Maria und Andreas Harm das

Lokal zu zweit. Sie in der Küche, er im Service. „Mir ist es lieber, dass die Leute ein bissl warten. Dadurch, dass unser Lokal sehr klein ist, kommen sie ins Gespräch. So treffen Menschen aufeinander, die sonst nicht zusammenkommen würden: die Alteing’sessenen mit ganz Jungen, die Wiener mit den Kremsern.“

DEMETER-WEIN VON ANDREAS HARM

In jedem Fall verbindend wirkt der Wein. Und auch der ist außergewöhnlich. Andreas Harm hat sich jahrelang wissenschaftlich mit Wein beschäftigt, bevor er es vor ein paar Jahren genau wissen wollte. Da haben die Harms beschlossen, sich besondere Lagen im Kremstal zu suchen, um sie nach Demeter-Kriterien zu bewirtschaften. Viele Stöcke aus den Lagen am Kremser Wachtberg oder im Alauntal sind mehr als 80 Jahre alt. Noch älter nur der Weinkeller in Stein, in dem sie spontan vergären und lagern dürfen. So entstehen sehr eigenständige Weine, die jedes Jahr anders sind. Darunter auch ein maischevergorener Wein, der mit dem Namen NICHT HARMLOS daherkommt. Spannend. Sehr harm-onisch.

Gartl am Tisch. Maria und Andreas Harm 3508 Krustetten, Grundgasse 51, www.harmwein.at geöffnet Donnerstag bis Sonntag ab 16 Uhr Reservierung empfohlen.

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Rundes Stück Krauses Glück Wer die Krause Glucke findet, darf sich wohl einen Glückspilz nennen. Den Badeschwamm unter den Speisepilzen findet man heute nur mehr selten auf den Speisekarten des Landes. Allzu oft regiert hier der allzu glatte Champignon, obwohl das nördliche Waldviertel und der westliche Wienerwald als gute Gluckengebiete gelten. Die Krause Glucke stammt aus einer wahrlich ehrenwerten Familie: Wer kann schon behaupten, dass er zu den Gluckenverwandten zählt? Bloß nicht waschen – was für viele Verwandte gilt, ist bei der Krausen Glucke nicht immer zielführend. Um sie zu reinigen, sollte man sie kurz kopfüber in kochenedes Wasser tauchen. Dadurch wird die Glucke elastisch und Schmutz kann besser entfernt werden. Wobei andere Köche darauf schwören, bloß kein Wasser ranzulassen. Mehrere Möglichkeiten gibt’s auch bei der Zubereitung: Die Krause Glucke kann gebacken auf Schnitzel machen, gekocht & mariniert oder zu Sauce verarbeitet werden. Wir hatten unseren Glucken-Glücks-Moment im Wirtshaus im Demutsgraben in Pariser Panier zu Sauce Tartare. www.demutsgraben.at

Er wächst wie wild in Büscheln auf Kaffesud, ganz ohne Dünger. Der dickfleischige Austernseitling ist damit der 365er unter den Schwammerln. Noch dazu schmeckt er gut. Gebraten mit Ei: eine Freude. Ähnlich den Austernseitlingen, sprießen auch deren Züchter aus dem Boden. Was Hut und Stiel in Wien vorgezeigt haben, funktiert auch in Niederösterreichs bestens. Zum Beispiel bei Langenloiser Pilzkultur, die in einem ehemaligen Weinkeller mitten in der Stadt Seitlinge züchten. Diese können nach Vorbestellung abgeholt oder auf den Märkten in Langenlois, Krems und Tulln erstanden werden. Getrocknete Austernseitlinge und Aufstrich gibt’s auch! www.lalopiku.at

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KANTINENPARTY A r i s C a nt i na , Abs dor f

Gut, es gibt charmantere Orte als den zwischen Bahnhof und Fußballplatz in Absdorf. Umso größer ist die Überraschung, wenn man das kleine Lokal betritt. Hier tummelt sich eine illustre Gästeschar. Essen und Getränkeauswahl sind auch wirklich gut. Die frisch-fruchtige Saiblings-Ceviche kommt mit Mango und Koriander daher. Dazu ein Glas Cava. Später dann den tollen Roten Veltliner von Josef Fritsch, wir sind ja schließlich am Wagram! Auch wenn sich der hier ein bisschen wie Mexiko anfühlt. Aracely Martinez de Mantler sei dank. Ihre Schwägerin Doris Mantler und sie kochen hier moderne Gerichte mit mexikanischem Einschlag. Im Sommer betreut Aris Cantina übrigens die Kantine des Absorfer Freibads mit. Von der Terrasse aus sieht man direkt auf Minigolf und Schwimmbecken. Eine Mischung, die Spaß macht. So wie die heißen Churros, die man in Schokosauce tunkt. www.ariscantina.com 89


Dreier, klassisch. Und ein ErdäpfelExkurs. Und ein Rezept für Mohnnudeln.

Wir genießen im Wirtshaus im Demutsgraben in Niederstrahlbach 36, Zwettl.

Kurz vor oder nach Zwettl liegt es, je nachdem von welcher Seite man sich dem ›Wirtshaus im Demutsgraben‹ nähert. Es ist, wie es ist: eines der besten Wirtshäuser des Waldviertels. Weil hier Klassiker perfekt auf den Teller kommen – man betrachte die drei Gänge rechts. Weil nicht nur die Wirtshausstube schön ist, sondern auch der Neben- und Neben-neben-Raum. Und weil man gezwungen ist, sich ganz aufs Essen zu konzentrieren: Das Handy schweigt hier. Kein Netz. Die Familie Huber führt das Wirtshaus und ist für ihre Knödel berühmt. Nicht nur die Waldviertler, man bekommt die runden Geschmacksbomben auch mit Grammeln, Blutwurst oder Zillertaler Graukäse gefüllt. Als Gradmesser für die Klasse eines Wirthauses kann jene der servierten Erdäpfel herangezogen werden. Wenn die richtig nach etwas schmecken, dann kann es kein schlechter Ort sein. Im Fall des Demutsgrabens sind die Erdäpfel sogar ein echter Hit, stammen sie doch von den eigenen Feldern der Hubers, bewirtschaftet von der Familie Kurz aus Niederstrahlbach. Der Grund, warum Waldviertler Erdäpfel besonders g’schmackig sind, ist das raue Klima, verrät uns die Wirtin. Fürs Lagern gilt: Grüne Flecken und Austreibungen sind schlecht, dann hatten die Dinger zu viel Licht. Dunkel ist die Devise, am besten so rabenschwarz wie die Mohnnudeln hier auf den Teller

kommen. Dafür greift Monika Huber-Riedler zur mehligen Sorte ›Agria‹. Die verwendet sie auch für die Knödel, während beim Salat oder als Beilage ›Ditta‹ angesagt sind. Will man nun Original Waldviertler Mohnnudeln machen, nimmt man 1 Kilo mehlige Erdäpfel und kocht sie in Salzwasser weich. Abseihen und kurz abkühlen lassen. Danach schält man die Erdäpfel und drückt sie durch die Presse. Gemeinsam mit 300g Mehl, 80g Butter, zwei Eiern und einer Prise Salz knetet man sie zu einem Teig, den man zu daumendicken Rollen formt. Davon schneidet man 2-3 Zentimeter dicke Stücke ab und wuzelt sie zu Nudeln. Wuzel-Nudeln. Die kommen dann ins leicht wallende Wasser für fünf bis zehn Minuten, bis sie eben oben schwimmen. Wer einen Dampfgarer hat, kann die Nudeln auch darin kochen. Danach geht es ab in die Pfanne. Mit reichlich geschmolzener Butter, 400g gemahlenem Waldviertler Graumohn und 50g Kristallzucker. Man schwenkt die Nudeln darin und serviert sie mit einer kräftigen Portion Staubzucker. Je nach Jahreszeit kommen die Mohnnudeln im Demutsgraben entweder mit Beeren oder Zwetschkenröster und Apfeleis auf den Tisch. Und wahlweise wird die Sache noch mit einem guten Schuss Rum so richtig rund gemacht. 90


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Essen auf Haubenniveau. Dort, wo man es nicht vermuten würde. Mitten in Neuhofen an der Ybbs kocht Theresia Palmetshofer in ihrem Gasthaus zur Palme. Nach einigen Jahren bei Konstantin Filippou in Wien zog es die Wirtstocher in die Heimat. Seitdem mischt sie die kräftig auf mit außergewöhnlichen Gerichten und einer spannenden Weinkarte. www.gasthaus-zur-palme.at

Kaum ein anderes Wirtshaus in St. Pölten versprüht solches Flair wie das Vinzenz Pauli. Hier spürt man die Patina eines Lokals, das viele Geschichten erzählen kann. Der Name stammt übrigens vom Wirten, der das Lokal zu dem gemacht hat, was es heute ist. Die jungen Betreiber haben’s mit sehr viel Gespür wiederbelebt. Tolle Weinkarte! www.vinzenzpauli.at

Kulinarisches

Vier Wirtshäuser mit Anspruch. Eine sehr persönliche Auswahl.

Mike Nährer weiß, wie man Fleisch zerlegt. Muss er auch. Denn die Jäger bringen, was ihnen vor die Flinte läuft. Ein Grund, warum man im Gasthaus Nährer in Rassing viele Wild-Gerichte essen kann. Alles wird verkocht. Zum Beispiel in Form eines Beuschels, quasi Signature-Dish, und mit dem weichen Wachtelei obendrauf eine Wucht. Empfehlung: Unbedingt das Überraschungsmenü bestellen! www.gasthaus-naehrer.at

Eine bodenständige Haube. Dafür steht das Landgasthaus Böhm in Weinzierl am Flachberg. Es kann gut sein, dass Michael Böhm im einen Moment Jakobsmuscheln brät und gleich danach gebackenes Schweinskotelett macht. Dazwischen Ei mit Trüffelöl. Alles außer gewöhnlich. So wie die Wirtshausstube, in der eine alte Musicbox trällert. www.landgasthausboehm.at 91


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Versuch

Wer sich weiterentwickeln will, muss manchmal was riskieren. Bei den ›Mostviertler Feldversuchen‹ landet Fisch-Rogen im Smoker, Heu in der Polenta und Latsche neben der Leber. Eine Fotostrecke vom Versuch am Ötscher, wo Mike Nährer sieben Gänge kochte.

das Feld von Pamela Schmatz

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Von Kopf bis Fuß auf Brennesseln eingestellt, auch die Samen werden hier gegessen. Getrunken ›Der Bernstein‹ 2013, ein maischevergorener Grüner Veltliner von Matthias Altmann. Gehängt: der geräucherte Fischrogen, der später die Pasta toppte. 94


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Smoky: Der Eigenbau begrüßt die Gäste. Pro Gang durften zwei von ihnen in der Küche helfen. Hier wird gerade das Heu ins Wasser gelassen, um die Polenta zu aromatisieren. Gewusst, dass in einem Haufen Heu rund 60 verschiedene Pflanzen stecken?

›Mostviertler Feldversuche‹ ist eine Veranstaltungsreihe mit wechselnden Köchen, Schwerpunkten und Locations. Zum Beispiel mit Mike Nährer aus Rassing, Theresia Palmetshofer aus Neuhofen an der Ybbs, Stefan Hueber aus St. Georgen/Leys oder mit dem Schlosswirt Andreas Plappert. Termine für 2020 auf www.feldversuche.at

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Ein Geheimtipp vom Salami-Fan: Pitina, eine traditionelle Wurst aus dem Friaul.

Street Food in Singapur: Inspiration holt sich Christof Kastner auf Reisen.

@Stephan Huger

Lebensmittel sind sein Geschäft: Christof Kastner über die Zukunft der Nahversorgung, gute Wirtshäuser und warum er auf die einsame Insel Salami und Emmentaler mitnehmen würde.

EIN LEBEN FÜR LEBENSMITTEL

Fotos von Christof Kastner Instagram: @christofkastner

Sie sind Partner von mehr als 160 Nah& Frisch-Kaufleuten. Wie werden wir am Land in Zukunft einkaufen? Ich finde, der englische Begriff One-StopShop trifft es gut. Man wird im Kaufhaus auch die Post aufgeben und Kleidung für die Reinigung abgeben, Lotto spielen, Tabak kaufen. Vielleicht einen Geschenkskorb für die nächste Feier bestellen. Und manchmal eben auch gleich auf ein Essen bleiben. Wir arbeiten gerade daran, diese gastronomische Ebene auszubauen. Da reden wir nicht von einer Kaffeemaschine und einem Stehtisch in einer Ecke. Sondern von einem 98

wirklich guten Angebot, beim Nahversorger zu essen. Das war ja früher auch so: Der Wirt hatte oft eine Greißlerei dabei. Und genau da geht die Reise am Land wieder hin: ein Zentrum im Ort zu schaffen, an dem man einkaufen und miteinander essen kann. Ein multifunktionaler Nahversorger. Die Ein-Personen-Haushalte werden weiter steigen. Da geht es auch darum, dass man Gesellschaft hat beim Essen. Das Kaufhaus ist ein Ort der Kommunikation, wo die Leute zusammenkommen. Und dieser Aspekt wird an Bedeutung gewinnen, besonders in ländlichen Gebieten.


Eine Geschichte in Kooperation mit KASTNER

Zu KASTNER gehört auch der Online-Store myproduct.at. Was ist das Besondere daran? Hier können Endkonsumenten mehr als 8.000 heimische Produkte einfach online bestellen. Viele wünschen sich heute einen Bezug zu den Menschen, die ihre Lebensmittel herstellen – schaffen es aber nicht jede Woche auf den Bauernmarkt. Wir machen es ihnen einfach – auf myproduct.at gibt’s ausgewählte Lebensmittel, Kosmetik und Geschenke plus die Informationen, wo sie herkommen. Übrigens auch von Startups in Niederösterreich!

Die müssen das leben. Mich ärgert nichts mehr als wenn man ein Wirtshaus betritt und links liegen gelassen wird. Da bekomme ich die Krise. Der Wirt ist das Herz des Hauses, der darf sich nicht in der Küche verstecken. Das gilt übrigens auch für Restaurants. Schauen Sie sich zum Beispiel das Schwarze Kameel in Wien an. Da ist der Maître die Seele des Hauses: Den Herrn Gensbichler mit seinem Kaiser-Franz-JosefBart kennt jeder. Der hat einen Schmäh – und der spricht die Gäste bewusst an.

KASTNER handelt mit Tausenden verschiedenen Lebensmitteln. Was kann Herr Kastner, wo und wie essen Sie Sie noch überraschen? persönlich gern? Sendungen wie Kitchen ImAlso über den Schweinspossible schaue ich mir unbraten und die Waldglaublich gerne an. Hier viertler Knödel meiner komme ich drauf: Hoppla, da ››Ich glaube nicht, Tante geht eigentlich gibt es noch etwas, das ich nichts. Nach ihrem Renicht kenne. Und auch auf dass wir zept wird übrigens im Reisen ist kein Supermarkt Heuschrecken Wirtshaus im Demutsvor mir sicher. In Shanghai bald wie Soletti graben bei Zwettl noch habe ich zum Beispiel ein Geknabbern werden.‹‹ schäft voller getrockneter tieimmer gekocht. Hin und wieder mag ich Ausflüge rischer Produkte entdeckt. Christof Kastner in die High-End-GastroEin Geruch, der für uns Eunomie. Ich bewundere, ropäer sehr gewöhnungsbewie Köche die Grunddürftig ist. Aber auch da muss produkte so verändern, dass völlig neue Ge- man neugierig sein. Tierisches Protein ist schmackserlebnisse und Texturen entste- sicher eines der großen Zukunftsthemen ... hen. Da freue ich mich auf das Met in Venedig als nächste Station. Solche Erleb- Also haben Sie auch Ameisen im Sortiment? nisse sind aber dann schon die Ausnahme. Ja, und Heimchen und noch so manches Und wenn Sie mich fragen, was ich auf der Krabbeltierchen. Aber das ist bei uns wirkeinsamen Insel essen würde, wenn es sonst lich nur etwas für Freaks. Ich denke, Ameigar nichts gäbe, dann: ungarische oder ita- sen & Co werden nicht so schnell Einzug in lienische Salami und Emmentaler. Da kann die europäischen Esskulturen haben. Wir mir alles andere gestohlen bleiben. werden nicht Heuschrecken wie Soletti knabbern. Ein Thema aber wird sein, welche Was ist für Sie ein gutes Wirtshaus? Alternativen es zu verarbeitetem tierischen Eigentlich ist es nicht schwer. Dass das Es- Protein aus Rind- oder Schweinefleisch gesen passt, ist die Voraussetzung. Ob ein ben kann. Hier kann ich mir durchaus vorWirtshaus dann wirklich gut funktioniert, stellen, dass das mit Insekten und Würmern hängt von dem Wirten oder der Wirtin ab. funktionieren kann.

Die KASTNER Gruppe KASTNER ist ein selbstständiges, mittelständisches Familienunternehmen, das sich vom kleinen, 1828 gegründeten, Landkaufhaus zum modernen Lebensmittelgroßhändler mit Sitz in Zwettl entwickelt hat. Christof Kastner führt das Unternehmen in fünfter Generation. Die KASTNER Gruppe beschäftigt derzeit 900 Mitarbeiter an neun Standorten und erwirtschaftete 2018 einen Umsatz von über € 225 Mio. Das Kerngeschäft der KASTNER Gruppe ist der Handel mit frischen, vorwiegend regionalen Lebensmitteln aus Österreich und Gütern des täglichen Bedarfs. KASTNER ist Spezialist für die Nahversorgung im Lebensmitteleinzelhandel, den Convenience-Bereich sowie für Gastronomie und Großverbraucher.

Standort Krems mit Abholmarkt und Gastrodienst

NÖ: KASTNER Abholmärkte in Krems, Zwettl & Amstetten Drei Standorte liegen in Niederösterreich: die Zentrale in Zwettl und die KASTNER Abholmärkte in Krems an der Donau und Amstetten. Gastronominnen und Gastronomen können aus rund 60.000 Artikeln wählen, darunter auch aus dem größten Regional­ sortiment mit über 20.000 Artikeln. www.kastner.at

MYPRODUCT.AT Nahversorgung im Internet Limonade aus St. Pölten, Kamptaler Chutney, Nudeln aus dem Waldviertel: Auf myproduct.at bestellt man einfach & bequem Lebensmittel von Kleinproduzen-

ten aus Österreich, viele davon aus Niederösterreich! Übrigens auch eine sehr große Auswahl an Bio-Weinen, Geschenken und Pflegeprodukten!

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@Stephan Huger

W I RTS H AUS


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102 BOHEMIAN RAPSODY Im Atelier der Bildhauerin Judith P. Fischer 107 BÜHNEN-FEST Mit Künstlermanagerin Sabine Liebhart durch Kabarettkeller und Wirtshausbühnen 108 ›IM IDEALFALL BIN ICH EINFACH DER PEPI‹ Pepi Hopf, erster bio-zertifizierter Kabarettist Österreichs 112 YES, I WILL Martina Gollner züchtet edle Labradore 113 BLACK. WHITE. WOW! Schönes aus Niederösterreich, kurios vermischt 114 A BIZLE ALBERTINA IN NEUDEGG Im ›Knochenwald‹ des Vorarlberger Künstlers Septicwag 121 MORGENRITUALE Judith Mehofer über das frühmorgendliche Treiben am Wagram 122 LUST AUF FOTOGRAFIE Willy Puchner mit ›Liebe im Alter‹

Wow! 101


FOTOS

Rainer Friedl TEXT

Pamela Schmatz

Bohemian Rapsody In Niederösterreich kann man schöne Dinge verbinden. Das mag die Künstlerin Judith P. Fischer. Und das Gelb der Rapsfelder, in das sie ihre Objekte taucht.

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Chaotisch? Das gemeine Künstlerbild wirft man am besten gleich über Bord. Judith P. Fischer beschreibt sich selbst als organisiert und hartnäckig. Muss man als Bildhauerin auch sein, sagt sie. Denn eine Skulptur, die entsteht nicht auf einen Klick.

ist immer das, mit dem ich gerade arbeite“, sagt sie. Manchmal sind die Materialien Papier und Bleistift. Denn die Künstlerin zeichnet auch. Meistens dann, wenn sie in ihrer Wiener Wohnung ist. Ein Stück Wunderland, in dem man sich wie Alice

Kalt oder warm, spitz oder weich? Die Objekte erzeugen eine unbändige Lust, sie anzugreifen. Oder mit ein paar Strichen. An ihren dreidimensionalen Objekten und Installationen arbeitet sie oft monatelang. Kalt oder warm, spitz oder weich? Wie fühlt sich das bloß an der Fingerkuppe an. Die Objekte erzeugen eine unbändige Lust, sie zu anzugreifen. Ein Unbedingt-Draufkommen-Wollen, woraus sie bestehen. Des Pudels Kern. Ist er aus Stahl oder aus Silikon? Judith P. Fischer arbeitet mit beiden Materialien gerne. „Das Lieblingsmaterial

fühlt. Gefüllt mit vielen ihrer Objekte, Zeichnungen und Fotografien. So arrangiert, dass der Bauch spürt, dass es richtig ist. Und der Kopf beginnt Fragen zu blubbern. Immer wieder: die Farbe Gelb. Rapsgelb. „In meinen Arbeiten findet sich eigentlich kaum Bezug zu Niederösterreich. Bis auf das Rapsgelb. Das kommt wohl von den vielen Rapsfeldern, die mag ich besonders gerne“. Rund um das Familienwohnhaus

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in Enzersdorf an der Fischa tauchen die Felder immer wieder auf. Dort, wo sie an ihren großen Objekten arbeitet. Weil hier Platz ist. Und das Leben am Land ein idealer Kontrast zur Stadt. „In Niederösterreich kann man schöne Dinge gut verbinden. Wie einen Besuch im Museum mit gutem Essen.“ Was sie Freunden empfehlen würde, die zu Besuch nach Niederösterreich kommen? „Auf jeden Fall Krems. Dann ein Konzert in Grafenegg. Das ist generell ein wunderbarer Kraftort. Wenn man sich einen Liegestuhl ausleiht und damit in den Park legt, da fühlt man sich gleich wie ein besserer Mensch.“

I M OSTEN VI EL N EU ES.

Der Karner. Die Martin-Luther-Kirche, gestaltet vom Coop Himmelb(l)au Architekten Wolf Dieter Prix. Und das Wirtshaus „Zum goldenen Anker“ von Michaela Gansterer. Danach ein Konzert der Hainburger Haydngesellschaft in der KULTURFABRIK. Das sind Judith P. Fischers Empfehlungen für Hainburg. Aber auch beim Jungwirt in Göttlesbrunn und bei Frau Wildholz in Bruck an der Leitha trifft man


Judith P. Fischer, in Linz geboren und aufgewachsen in Hainburg/Donau, studierte Bildhauerei an der Universität für angewandte Kunst bei Wander Bertoni. Ihre Werke befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen, wie z.B. Artothek des Bundes BKA/Wien, Museum Niederösterreich, Kunstsammlung des Landes Oberösterreich, Bibliothèque Nationale de Paris/Frankreich und im öffentlichen Raum in Österreich. Bis 30. 11. 2019: Ausstellung ALLE ZEIT DER WELT (Kunstsalon) gemeinsam mit Antonia Rieder und Maria Ruprecht, Bildungshaus, Schloss Puchberg, 4600 Wels, judith-p-fischer.info

sie immer wieder. Klar ist: Judith P. Fischer kennt Niederösterreich gut. Quasi Westentasche. Seit gut zehn Jahren kuratiert sie Ausstellungen quer durch Niederösterreich und darüber hinaus. „Im Waldviertel lernt man zu schauen. Da werden Dinge entschleunigt – und man selbst wird gezwungen, genau zu hinzusehen. Zum Beispiel

››Im Waldviertel lernt man schauen. Da ist man gezwungen, genau hinzusehen.‹‹ auf die Schwünge in der Landschaft“. Schwungvoll geschwungen sind auch viele ihrer Objekte. Oft eine Kombination unterschiedlicher Materialen. „Wenn ich Holz und Stahl in Gelb streiche, dann ist beides Gelb – fühlt sich aber trotzdem ganz unterschiedlich an.“ Die Haptik, immer ein großes Thema in ihren Arbeiten. Vieles ist nicht so wie es scheint. Wie die Pölster aus Beton und Kunststoff, die trotzdem so luftig leicht daherkommen. Oder die spitz-stacheligen Kugelobjekte, die sich als ganz elastisch entpuppen. Judith P. Fischer denkt das

Material schon bei der Idee mit. Das bringt die Erfahrung, sagt sie. Die gibt sie auch ihren Studierenden weiter. Die Künstlerin unterrichtet an der Angewandten. Fleißig sollte man sein, wenn man bei ihr studieren will, lächelt sie. Die hohe Latte, die legt sie auch für sich selbst auf. Drei bis vier kuratierte Ausstellungen pro Jahr, bildhauerische Arbeiten in ihrem Atelier in Enzerdorf. Dazwischen zeichnen und unterrichten. Das funktioniert dann, wenn man organisiert ist. „Viele Menschen er105

warten von Künstlern das starke Chaos. Da muss ich sie enttäuschen“, so Judith P. Fischer. Ein gutes kulinarisches Erlebnis füllt leere Speicher wieder auf. „Ich esse einfach gerne gut! Und schön. Zuletzt übrigens im Looshaus in Payerbach an der Rax. Ich liebe das Looshaus“. Auch in der eigenen Küche trifft man Judith P. Fischer. Hier tüftelt sie an Texturen. Geschmäckern. „Mein Rezept für Vitello Tonnato habe ich über die Jahre weg verfeinert. Das ist jetzt wirklich gut.“ REZEPT →


→ REZEPT

Lust auf Kalbsnuss

OBEN: Judith

P. Fischers Foto-Arbeit „Mahlzeit“

UNTEN: Judith P. Fischers Rezept für Vitello tonnato

Kalbsnuss (1,5 kg für ca. 8 Personen) in Butter an allen Seiten anbraten, Salz und etwas Öl (ohne Eigengeschmack), Schale einer ungespritzten Zitrone, 2–3 Tassen guten Weißwein hinzufügen. Nun füge ich (was nicht im Rezept steht und daher auch nicht original italienisch ist) Wurzelwerk hinzu: 1 Karotte, 1 Scheibe Sellerie, 1 Petersilwurzel, 1 gelbe Rübe, eine Jungzwiebel (alles geputzt und im Ganzen). Alle Zutaten im Topf geschlossen zirka eine Stunde bei 180 Grad (Ober- und Unterhitze) im Backrohr dünsten. Um festzustellen, ob das Fleisch gut durch ist, mit einer langen Nadel hineinstechen, der austretende Saft sollte klar sein. Der Saft wird zart braun, damit gelegentlich das Fleisch übergießen. Völlig kalt werden lassen und dann in dünne Scheiben schneiden.

1–2 Kaffeelöffel Zitronensaft, weißen Pfeffer aus der Mühle, 1 Teelöffel Kapernsaft, einige Löffel Bratensaft (mit Gefühl, das heißt löffelweise untermischen) und einige Löffel vom Gemüsebrei hinzufügen. Dazu gebe ich noch ca. 1–2 Löffel Joghurt. Gleich schmeckt das Ganze viel frischer. Die Sauce sollte nicht rinnen, sondern sich geschmeidig (also so schön verlaufend) über das Fleisch gießen lassen. Das Fleisch wird nun fächerförmig (Ich lege hier immer sehr schöne Muster auf eine sehr große Platte) aufgelegt, Sauce drüber gießen, so dass das Fleisch nur teilweise bedeckt ist. Mit Kapern und Sardellenringen und Zitronenscheiben garnieren. Zu diesem kalten Gericht, das sich sowohl als Vorspeise als auch als festlicher Hauptgang gut eignet, passt Weißbrot ebenso wie Schwarzbrot, das man auch leicht toasten kann. Der Kontrast von knusprig und weich bildet eine Symphonie an Harmonie. Das Gericht ist wunderbar, dazu kredenzt man den Weißwein, der vom Kochen übriggeblieben ist. Daher gleich einen guten verwenden. Das Rezept VITELLO TONNATO findet man in guten Kochbüchern, die Tipps, wie das Rezept etwas leichter wird, möge man meiner Rezeptur entnehmen. Gutes Gelingen! J.P.F.

Thunfischsauce: Nun püriere ich das Wurzelwerk, ohne Zwiebel. Schon dieser Gemüsebrei schmeckt hervorragend. Die Mayonnaise rühre ich von Hand: 1 Dotter, 1 Messerspitze Salz, 1 Kaffeelöffel Dijon-Senf (den originalen) und peu à peu das Öl (Maiskeimöl ist mir am liebsten) hinzugeben, löffelweise, bis die Mayonnaise dick ist. Ca. 1 Tasse dieser guten Mayonnaise, ca. 30 dag Thunfisch (der helle aus dem Glas ist besser als der dunkle aus der Dose),

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WOW

Bühnen-Fest

Bühne Mayer im Mautwirtshaus in Mödling Das altehrwürdige Wirtshaus liegt direkt in der Fußgängerzone und ist das älteste Gasthaus in Familienbesitz in Mödling. Die engagierte Besitzerin Edda MayerWelley betreibt im Keller auch einen kleinen Saal: die Bühne Mayer. Hier finden regelmäßig sehr feine Musik- und Kabarettveranstaltungen statt. www.bühnemayer.at

babü Bühnenwirtshaus in Wolkersdorf Hautnah. So erlebt man die Künstlerinnen und Künstler im Eiskeller des Bühnenwirtshauses in Wolkersdorf, der trotz des Namens äußerst gemütlich ist. Auf der Bühne stehen regelmäßig Musik und Kabarett an: Jazz, Blues, Pop, dazwischen Weltmusik und Lesungen. Am ersten Dienstag im Monat auch die babü Jam Session, die gibt es schon seit 2006! Kulinarisch versorgt wird man von der Wirtin des Stadtwirtshauses Konstanze Grossauer. www.babue.com Der babü-Betreiber Johannes Schwarzenberger veranstaltet übrigens jeden Herbst auch das goshart festival. Da werden an mehreren Tagen Dialektmusik und kreative Sprache abgefeiert. fest-goshart.at

Kultur im Tonkeller in Horn Der 2017 gegründete Kulturverein KiT bespielt seitdem den stimmungsvollen Tonkeller im Kunsthaus Horn. Mike Supancic, Christoph & Lollo oder das Quintett ALMA, das auf alten Instrumenten Stimmung für die stille Zeit verbreitet –

© Maria Frodl

Locations mit Programm

das Programm im Kulturherbst/-winter 2019 kann sich sehen lassen. Das gilt auch für das gemütliche Restaurant AUSKLANG einen Stock höher, in dem man sich vor der Vorstellung gut stärken kann. Reservierung empfohlen! www.kulturimtonkeller.at www.ausklang-in-horn.at

Bettfedernfabrik Oberwaltersdorf Die Bettfedernfabrik bietet mit ihren Herbstserien „All inclusive Kabarett“ und „All inclusive Musik“ eine Kombi aus Abendessen & Vorstellung. Ein Eintritt ins Museum der Bettfedernfabrik ist da auch inkludiert. bettfedernfabrik-oberwaltersdorf.com

Bühne im Hof in St. Pölten

Silvestertipp

Die Programmgestaltung wurde komplett neu aufgestellt und in Zyklen unterteilt. Die decken wunderbar das Kulturschaffen in Österreich ab. Die Bühne im Hof ist zurecht eine Institution in St. Pölten! www.buehneimhof.at/de/zyklen

Kunstwerkstatt und Danubium in Tulln Die Kunstwerkstatt ist ein Ort, an dem man von Heavy Metal bis zu Modern Jazz immer wieder was zu hören kriegt. Und das seit 1988! Interdisziplinäre Theaterprojekte, Tagtool Workshops, Kabarett und Ausstellungen gibt’s auch. Jedes Jahr auch einen sehr besonderen ARTvent. www.kunstwerkstatt.at Ebenfalls in Tulln City: das Danubium, das abwechslungsreiches Programm für jeden Geschmack macht. www.tullnkultur.at

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Die große Gala mit Jimmy Schlager (oben) und Pepi Hopf in Mistelbach. Im silvesterwürdigen Ambiente des Stadtsaals mit Sekt und Brötchen. 31.12. 2019, 20 Uhr

kuratiert von Sabine Liebhart Sabine Liebhart ist seit vielen Jahren im Showgeschäft. Seit 1999 managt sie Künstlerinnen und Künstler von ihrem Büro in Tulln aus. Klar, dass sie das Kulturland Niederösterreich kennt wie ihre Westentasche. Kein Kabarettkeller und keine Bühnenwirtshausbühne sind vor ihr sicher. Man kann sich getrost an ihre Fersen heften in dieser abwechslungsreichen Kultursaison 2019/20! www.clementa.at


››Im Idealfall bin ich der Pepi‹‹

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WOW

Auf der Kleinkunstbühne Wuchteln am laufenden Band. In den Bio-Kisterln saisonale Produkte vom Acker. Da wie dort beste Qualität. Pepi Hopf ist Österreichs erster bio-zertifizierter Kabarettist. von Rainer Friedl

Wisst’s ihr, wo der Arsch der Welt ist? Wenn ihr nach Haringsee kommt’s, dann seid’s schon vorbei. So beschreibt er auf der Kabarettbühne, wo er daheim ist. Die Haringseer sind ihm deswegen nicht bös, hofft er. Aber wer könnt ihm schon bös sein. Dem Hopf, dem Pepi. Fußball gespielt hat er seit Kindertagen. Damals in Simmering, wo er geboren wurde. „Der große Techniker war ich nie. Ich hab’ genau einen Haken beherrscht. Das hat gereicht bis zur Gebietsliga. Dafür war ich sehr schnell.“ Schnell ist er auch auf der Bühne, wenn er zum Schluss seines Programms die Leute auffordert, ihm Begriffe zuzurufen. Und daraus dann spontan einen Rap macht. Oder eher einen Blues. Mit Mundharmonika und gewaltigem Improvisationstalent. Gelernt hat er Friedhofsgärtner, dann war er bei einer Firma für Bühnenbeleuchtung. Seine damalige Chefin hat ihn bei ei-

nem Kleinkunstwettbewerb angemeldet. Redest eh den ganzen Tag so viel Blödsinn daher, hat sie gesagt. Und ab da ging’s los. Mit der „Langen Nacht des Kabaretts“ wurde dann der Spaß zum Beruf. Also zu einem von zweien, um genau zu sein. Zwischen Fuchsenbigl und Haringsee liegen seine Felder. Zwei Hektar Gemüse. Bio. Also Bio-Gärtner, weil Bauer ist er keiner. „Für einen Bauern bin ich viel zu positiv“. Mit diesem Spruch ärgert er auch die örtlichen Landwirte. Manche haben ihn akzeptiert, manche verstehen immer noch nicht, was er da eigentlich macht und wie man damit überleben kann. Der Bio-Gedanke hat sich noch nicht wirklich durchgesetzt im Marchfeld. Sagt der Pepi. Mental ausgetrickst hat er sich selbst, beschreibt er sein Doppelleben. Wenn’s im Kabarett mal nicht so laufen sollte, bleibt ja immer noch das Gemüse. Und wenn eine Arbeit am Feld so wirklich „superzach“ ist, 109

Unkraut scheren zum Beispiel, dann kann er sich immer sagen: „Ich müsste es ja nicht machen“. Und ganz allein ist er ja nicht: Geschäftspartner David kümmert sich auch ums Organisatorische. Die beiden liefern ein paar hundert Biokisterl an rund 20 Abholstellen im Raum Wien. Mittwoch und Donnerstag wird eingeschlichtet, Freitag geliefert. Bestellt wird übers Internet. Auf facebook (BiogemüseHopf) findet man jede Woche die aktuelle Zusammenstellung. Paradeiser, Paprika, Karotten, Gurken, Kürbis, Kartoffel – was immer die Saison und die Felder hergeben. Die Äpfel kommen von einem Freund. Individuelle Wünsche werden erfüllt, das Kisterl gibt’s auch im Abo. Zur Direktabholung in Haringsee kommen viele aus Wien heraus aufs Land. Der Hopf ist 2003 herausgezogen. Das Leben am Land lässt sich leichter verstehen als in der Stadt. Wegen der überschaubaren →


→ Strukturen. Es ist schon wichtig, dass man sich kennt, man muss sich ja nicht mögen. Wobei das im Grätzel in Simmering ja auch so war. Da ist er auch selten über die Bezirksgrenzen hinausgekommen. So viel Unterschied ist gar nicht zwischen den Marchfeldern und den Wienern. Statt „einhazn“ sagen sie halt „ehazn“. Und näher an der Grenze ist man da halt. Dass diese keine eiserne mehr ist, haben vor allem die Älteren hier noch nicht wirklich mitbekommen. „Ume fahren“ hat noch immer etwas Seltsames. Obwohl das mit dem Radl über die sogenannte Brücke der Freiheit über die March ganz einfach ist. Die hätte ja gemäß einer Abstimmung in der Slowakei eigentlich „Chuck Norris Brücke“ heißen sollen, erzählt der Pepi. Aber das ist eine andere Geschichte. Geschichten kennt er viele, der Pepi. Und davon leben auch seine Programme.

Die entstehen im Hinterkopf. Wenn er den Kopf frei kriegt, beim Traktorfahren etwa, dann hat das Hirn Zeit, die Programme zu schreiben. Die Ideen sind ja schon da, sagt er. Etwa zwei Monate vor der nächsten Premiere bringt er sie zu Papier. Händisch, auf so Schmierzetteln, denn am Computer geht die Lockerheit verloren. Hör auf mit dem Blödsinn, sagt er zu jedem, der per „Sie“ mit ihm ist. Beim Fußballverein passiert das sowieso nicht. SV Haringsee. Da ist er Obmann. Und Trainer der U15-Burschen. Einer seiner Buben ist auch dabei. Wenn’s die Familie zuließe, würde er jedes Wochenende mindestens zwei Matches anschaun. Eine UEFA-BTrainerausbildung hat er abgeschlossen. Bis vor kurzem hat er ja noch selbst gespielt. In der Reserve. Man hat ihm zwar gesagt, dass das mit einem Kreuzbandriss keine so gute Idee ist, aber das wollte er

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nicht glauben. Jetzt weiß er es. Ich muss auf die Herdplatte draufgreifen, sagt er. Sein neues Programm wird „Sternzeichen: Stur“ heißen.

››Kabarett funktioniert nur, wenn du als Zuseher die Figur irgendwie magst.‹‹ Das wievielte Programm das ist? Keine Ahnung. Was allen gemeinsam ist: Er spricht eine Sprache, die alle verstehen. Manches braucht, weil es sickern muss. Große Breite und trotzdem sehr tief. Das zeichnet ihn wohl aus. Und auch sein Bemühen, alle (über)leben zu lassen. Wen auch immer die Kraft seiner Wuchteln trifft, wer auch immer im Mittelpunkt seiner irrwitzigen Geschichten aus dem Alltag steht – Pepi führt sie nicht vor und lässt sie auch nicht fallen. Damit kann er beim Publikum punkten. Kabarett funktioniert nur, wenn du als Zuseher die Figur irgendwie magst, die da vor dir steht, sagt er. Humor im Fernsehen ist so eine Sache. Der muss für den Pepi von der Handlung getragen sein. Deshalb mag er die Eberhofer-Krimis. Programme von Kollegen schaut er sich nur live an. Vorbilder? Sicher der Resetarits. Seit jeher und immer noch. Lukas kann dir erzählen, dass er einen Parkplatz sucht und du findest das unterhaltsam, sagt der Pepi. Was die beiden sicher verbindet, ist das Schmähführen. Eine hohe Kunst. Ein Wiener Kulturgut, das sie aufs Land getragen haben. Kottan? Super, Weltklasse. Wer ihn am besten gespielt hat? Jeder auf seine Art. Und wer ihn heute spielen könnte? Kokette Gegenfrage: „Außer mir?“ Klaus Eckel zum Beispiel, sagt der Pepi. Das mit dem Schmähführen ist auch nicht überall gleich. Beim Wirtn in Fuch­ senbigl rennt immer der Schmäh. Tischübergreifend. Da geht’s gar nicht, dass sich zwei an einem Tisch alleine unterhalten. In Haringsee ist das ein bissl anders. Vielleicht liegt’s ja an der Innenarchitektur, daran, wie die Tische stehen oder wo die Budel ist. Im Wirtshaus in Haringsee passiert es dem Hopf schon mal, dass die Gespräche verstummen, wenn er reinkommt. Besonders in den letzten Wochen vor der Veran-


staltung „Kabarett in Haringsee“. Da treten jede Menge Kabarett-Kollegen und – innen vom Hopf auf. Musik gibt’s beim Open-Air natürlich auch. An zwei Tagen. Dient neben der Unterhaltung in erster Linie zur Finanzierung des SV Haringsee – der Kreis schließt sich. Der Hopf spielt natürlich auch. Man weiß, dass er jedes Mal lokale G’schichtln einbaut in sein Programm. Und um nicht Gefahr zu laufen, auf der großen Bühne auf die Schaufel genommen zu werden, verstummen halt manche im Wirtshaus, wenn der Pepi auftaucht. Das Lokalkolorit geht aber nicht verloren, irgendwer kommt immer und sagt: Heast I hab was für dich, ich hab da was gehört ... garantiert regional. Regional ist wichtig. Bio auch. Regional und Bio, sagt der Hopf. Wenn’s Bio aus Österreich gibt, dann kauf ich es. Aber g’scheiter ein Salat aus Simmering als ein Bio-Salat aus Spanien. Die Auseinandersetzung über dieses Thema ist ja gerade in der Hopf’schen Gemüse-Zielgruppe ziemlich intensiv. Jungfamilien bis ca. 40, definiert er seine KundInnen. Im Kabarett ist das Publikum älter. Irgendwie erwischt er sie alle. Langsam überschneiden sich die Gruppen – Gemüse-KäuferInnen kommen aus Neugierde auch zu seinen Vorstellungen und Kabarett-KonsumentInnen probieren seine Bio-Produkte. Wie es einem eben so geht, wenn man Österreichs erster Kabarettist mit Bio-Zertifikat ist. Was würde er eigentlich machen, wenn das Gemüse nicht wär? Oldtimer restaurieren. Lastwagen. Er hat ja schon überlegt, ob er sich zum Fünfziger nicht so einen alten 380er Steyr ... is natürlich völlig idiotisch. Wobei ihm das Mechanische voll taugt. Gerade eben hat er bei seinem Kleinbus die Bremsbeläge ausgetauscht. Und eines weiß er: solange er Isolierband, Schraubenzieher und zwei Kabelbinder mit dabei hat, kommt er mit dem Bus sicher irgendwie heim. Heim fährt er fast immer nach der Vorstellung. Sogar von Innsbruck. Ein Polster auf der Rückbank, im Zweifelsfall halt zwei Stunden Schlaf auf einem Parkplatz. Weil sonst der nächste Tag irgendwie verloren ist. Er braucht immer irgendeine Beschäftigung, hat immer mehrere Projekte laufen. Und vor allem: die Kinder. Patchwork ergibt sechs Kinder insgesamt. Zwei gemeinsam mit seiner zweiten Frau. Dass die Buben Leo und Lukas heißen, ist kein Sickerwitz für Kabarett-Insider. Das hat sich so ergeben. Aber trotzdem lustig. Er ist

froh, dass sie auf dem Land aufwachsen. In der Stadt kriegst du vielleicht nicht mit, wenn sie einen Blödsinn machen. Am Land schon. Da hast du es fast schon von irgendwem gehört, bevor es überhaupt passiert.

››Heimat ist dort, wo ich die Depperten auf den ersten Blick erkenne.‹‹ Hopf zitiert Gunkl.

Ein gutes Produkt anbieten können. Das ist ihm in beiden Welten wichtig. Und die sprichwörtliche Erdung bewahrt vor dem Elfenbeinturm. Es schadet nicht, wenn man sieht, wie schwer man sich Geld ver111

dienen muss, sagt er. Auf dem Acker in Haringsee. Da ist der Pepi jetzt endgültig angekommen. Beim Begriff Heimat betont er die starken Wurzeln in Simmering. Und zitiert Kollegen Gunkl: Heimat ist dort, wo ich die Depperten auf den ersten Blick erkenne. Ob er als Kabarettist etwas verändern kann? Wenn die Leute sich zwei Stunden gut unterhalten, da hat er schon was bewirkt. Weil sie zumindest für diese Zeit vergessen haben, dass die Kreditrate fällig ist, der Chef nervt oder dass sie Angst haben um den Job. Politisch verändern kannst relativ wenig. Die, die lachen, haben es eh schon vorher gewusst. Aber vielleicht ist es eine Art Frontbetreuung ... Was ist er jetzt eigentlich? Bio-Gärtner? Kabarettist? „Im Idealfall bin ich einfach der Pepi.“ ■


YES, I WILL. Wood r u sh L abr ador z ucht , Wi n k l bei A ltenwör t h Da hätte selbst die Queen ihre Freude: Martina Gollner züchtet edle Labradore mit dem „will to please“. Die Hunderasse ist besonders kooperativ, deshalb bestens geeignet für die Jagd oder Katastropheneinsätze. Viele Hunde aus Martina Gollners Zucht räumen Preise ab. Ein Grund sind gute Gene: Für das Decken ihrer Hündin fährt die Züchterin mit ihr schon mal 5.000 Kilometer nach Schottland zum preisgekrönten Rüden. Kombiniert mit Martina Gollners erprobtem Erziehungsprogramm wachsen so Champions heran in Winkl bei Altenwörth. www.woodrush.at 112


© Klaus Pichler

Doris Zaiser-Grossauer gestaltet Lampen aus buntem mundgeblasenen Glas. Die Designerin mit den Kamptaler Wurzeln ist mit ihren „Super Strong Lamps“ auch international erfolgreich. www.dorisdarling.at

Porcella ist ein Projekt rund um den Bio-Fleischhauer Roman Schober aus Gars am Kamp. Waldviertler Blondvieh, Turopolje-Schwein: Auf www.porcella.at gibt’s hochwertiges Fleisch aus ökologischer Tierhaltung von Bio-Landwirten aus Niederösterreich. Und das tolle Kochbuch Zeit für Fleisch.

Während Vintage-Teile in manch’ schickem Laden Höchstpreise erzielen, kann man in den carla Shops und Lagern der Caritas Stücke mit Patina sehr günstig erstehen. Und für einen guten Zweck ist es auch noch. www.carla.at

BLACK. WHITE. WOW. Kurios Vermischtes Zum ersten Mal wurde in den Lichtspielen Gföhl 1923 der Projektor angeworfen. Damit sind sie das älteste Kino des Waldviertels. Seit 2017 belebt der Verein Lichtspiele Gföhl den historischen Saal mit Film-Raritäten und Klassikern wie Müllers Büro.

Pastateller von Iris Auer-Möseler. Die Keramikerin aus Sachsendorf am Wagram taucht ihre Teller und Schüsseln stets in reduzierte Farben. Only Einzelstücke! www.iam-keramik.at

www.lichtspiele-gfoehl.at

© David Anselgruber

Feines Leder von Ludwig Reiter und andere erprobte Klassiker gibt es in dem schönen Geschäft von Karl Sauer am Kremser Pfarrplatz. www.karlsauer.at

Die Goldschmiedin Antonia Koch macht nun gemeinsame Sache mit Anna Lederleitner: Die Schmuckkollektion fertigt sie in ihrem Atelier in Schloss Walpersdorf. Schauen, probieren, kaufen geht eben dort, im Lederleitner Store in der Wiener Börse oder auf www.antonia-koch.at 113


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A bizle Albertina in Neudegg Wie der ›Knochenwald‹ des Vorarlberger Künstlers Septicwag jeden Sommer zur Ausstellungsfläche am Wagram wird. FOTOS

Rainer Friedl TEXT

Pamela Schmatz

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››Im Krieg gewinnt niemand, das haben viele Leute heutzutage schon vergessen.‹‹ UNTEN: Septicwag und seine Arbeit „Verlierer“ RECHTS: Eine Arbeit von

Robert Petschinka im Knochenwald 2019

Er ist der Alptraum aller Gabionen-Fetischisten. Für Fans von gärtnerischer Zucht und Ordnung das blanke Entsetzen. Willkommen im Knochenwald von Septicwag. Einem verwunschenen Stück Land in Neudegg am Wagram. Hier hat sich der Vorarlberger Künstler – bürgerlicher Name Jürgen Tschabrunn – niedergelassen. Jeden Sommer bespielt er seinen Garten mit einer Gruppenausstellung. Zuletzt mit 36 Werken von mehr als 29 Künstlerinnen und Künstlern, die meisten davon aus Niederösterreich.

A bizle a Mischmasch. Bloß keine Gartenkunst. Knochenwald. Weil Knochen. Als der Vorarlberger das Stück Land rund um sein Haus kaufen wollte, lachte ihn der Bürgermeister nur an. Oder aus. „Das willst sicher nicht kaufen, hat der nur gesagt. Da ist seit 40 Jahren nix passiert. Aber für mich ist es perfekt“, sagt Septicwag. Immer wieder findet er Tierknochen. Nur ganz behutsam greift er in die Ordnung der Natur ein. Baut einen Weg. Schaufelt einen Platz frei, weil dort ein Kunstwerk gut hinpassen könnte. Könnte, nicht muss. Wo die Künstlerinnen und Künstler ihr Werk genau platzieren, entscheiden sie gemeinsam. Der genaue Beobachter empfiehlt aber. Kennt er seinen Knochenwald doch wie die Westentasche. „Ich suche die Künstlerinnen und Künstler aus, die mitmachen. Das ist dann immer a bizle a Mischmasch. Das, was mir gefällt“, sagt der Vorarlberger. Nur ein Kriterium gibt es: Bloß keine Gartenkunst! Da legt der sonst so strahlende Vorarlberger die Stirn in tiefe Falten. Hübsch-leuchtende Gartenkugeln, vielleicht ein paar adrett glasierte Keramik-Vögel, das ist sein Alptraum. Nach vier Saisonen Knochenwald ist das Konzept verfeinert. „Heuer hat auch der Heinz P. Nitzsche aus Liechtenstein mitgemacht, der hat

schon auf der Biennale in Venedig ausgestellt.“ Und so kann man viel entdecken auf dem 1.500 Quadratmeter großen Grundstück. Vorausgesetzt man hat gutes Schuhwerk an. Septicwag kuratiert nicht nur. Auch eigene Arbeiten stellt er in seinem Garten aus. Objekte und Skulpturen, in denen er Begegnungen und Beobachtungen verarbeitet. „Meine Kunstwerke haben immer eine Geschichte. Ich arbeite gern mit dem Tod, das Thema interessiert mich. Gerade weil wir in unserer Gesellschaft nicht viel darüber sprechen.“ Wie er seine Arbeiten einem Blinden beschreiben würde? „Spitz. Stechend. Unbequem. Man kann meine Sachen lange anschauen. Und vielleicht entpuppen sie sich dann als

etwas anderes. So wie ein Igel. Da kommt es auch drauf an, wie ich auf ihn zugehe, ihn angreife. Der ist nicht immer stachelig.“ Auch Themen aus der Gegend greift er auf. Zum Beispiel die Hofübergabe, eine Arbeit die auch schon in der Galerie Augenblick in Kirchberg am Wagram zu sehen war. „Das beschäftigt viele Winzer vor Ort, wie → 116


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→ kannst du den Hof gut übergeben. Ohne die nächste Generation zu behindern“. Seinen eigenen Hof am Wagram hat er einfach gekauft und ist eingezogen. Viel Kopfschütteln seitens der Eing’sessenen, weil vieles noch so gar nicht fertig ist. Nicht den heutigen Standards von Doppelgarage und Fußbodenheizung entspricht. „Dafür muss ich nicht mein Leben lang einen Kredit abzahlen. Ich mach das hier Stück für Stück. Immer a bizle.“

››Leute, nehmt nicht immer alles als gegeben, probiert was aus.‹‹

Die sprachlichen Wurzeln liegen im Walgau, einem Tal bei Bludenz. Sonst ist Septicwag schon sehr angekommen am Wagram: „A bizle a Natur wollt’ ich haben. Ich hab ja auch in Wien gelebt, die Nähe zur Großstadt ist toll hier am Wagram.“ Und die Menschen? „Die erste Frage war, warum ich denn ein Skelett im Fenster hab. Meine Antwort war: Wenn ich ein Glas Wein bekomm, erzähl’ ich’s dir. Und so kommt man mit den Leuten ins Gespräch. Ich mag

das, wenn man gleich zur Sache kommt. A bizle ernster darf es schon werden. Auch wenn man nicht einer Meinung ist. Das sind die Leut’ gar nicht mehr gewöhnt.“ Was er sich wünschen würde? „Dass die Leut’ nicht alles als gegeben nehmen. Probiert was aus! Nehmt das Glas vor euch und schaut durch. Wie sieht die Welt dann aus? Schauen ist so wichtig.“ Genau das lernt man im Knochenwald. Genau zu schauen. Weil sich erst dann die wahre Schönheit und die Finesse entpuppt, mit der die Kunstwerke platziert sind. Wenn das Sonnenlicht durch die Fotografien scheint oder die freigelegten Baum-Wurzeln die Installation ergänzen. „Irgendwann holt sich die Natur alles zurück. Das ist das Spannende. Die Kunstwerke verändern sich über die Monate hier draußen. Deshalb ist das hier immer ein Dreiklang. Der Künstler, ich als Kurator und die Natur“. Das macht sie also aus. Die „Albertina“ von Neudegg. www.septicwag.com ■

Septicwag in seinem Haus in Neudegg. Jeden Sommer verwandelt er seinen Garten in eine Freiluft-Galerie.

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Special Thanks LUST AUF NIEDERÖSTERREICH bedankt sich bei den vielen Partnern der Erstausgabe. An dieser Stelle besonders bei zwei Vertriebskanälen, wo du das Magazin findest: in den Best-of-Wachau-Betrieben und in allen öffentlichen Bibliotheken in Niederösterreich.

Die blau-gelben Bibliotheken als „öffentliche Wohnzimmer“ Die öffentlichen Bibliotheken in Niederösterreich sind wesentlicher Bestandteil in den Gemeinden und Pfarrgemeinden zur Stärkung des Gemeinwohls. Heutzutage werden Büchereien nicht „nur“ für das Ausleihen von Medien genutzt, vielmehr bilden sie jene Orte, wo sich Menschen jeden Alters und aus allen Teilen der Welt treffen, um miteinander ins Gespräch zu kommen und um unterschiedlichsten Aktivitäten nachzukommen, ob MINT-Workshops, Diskussionsrunden, MakerSpaces oder Lesungen. Neben den Schulen leisten Büchereien in Niederösterreich den größten Anteil der außerschulischen Lese- und Sprachförderung, unterstützen Familien mit einem umfassenden Medienangebot und stärken vor allem das „Lesen zu Hause“ u.a. durch Veranstaltungen und Wettbewerbe. Auf die fortschreitende Digitalisierung reagieren die öffentlichen Bibliotheken in Niederösterreich in vielfältiger Weise. Sie bieten digitale Medien zur Onleihe ebenso wie den Zugang zu speziellen Datenbanken, wie etwa Brockhaus Online durch eine Kooperation mit der NÖ Landesbibliothek. Tauchen Sie ein in die Welt der rund 260 öffentlichen Bibliotheken in Niederösterreich und besuchen Sie uns im ganzen Land oder online auf www.loslesen.at.

Best of Wachau: Das Gütesiegel für authentischen Genuss Unter dem Gütesiegel Best of Wachau haben sich Gastgeber der Wachau zusammengeschlossen: exklusive Hotels, charmante Winzerhöfe, haubengekrönte Restaurants, bodenständige Wirtshäuser, traditionelle Kaffeehäuser. Sie alle bieten ihren Gästen etwas ganz Besonderes. Qualität und Regionalität sind Pflicht. Hier kann man erleben, wie die Wachau – und die Wachauer – wirklich sind. Und man kann’s schmecken: Weil die Betriebe sich dazu bekennen, Produkte aus der Region zu verwenden. Wie wär’s mit einem Klassiker – dem Marillenknödel? Viele Betriebe haben ihr ganz spezielles Hausrezept. Nicht nur kulinarisch anspruchsvoll geht’s bei Best of Wachau zu. Auch beim Übernachten ist man hier gut aufgehoben. Oft sind es Häuser, in denen sich Chef & Chefin noch persönlich um einen kümmern. Da kommt man ins Plaudern und holt sich die besten Tipps für den nächsten Ausflug oder für ein schönes Mitbringsel. www.bestof-wachau.at

Magazin bestellen LUST AUF NIEDERÖSTERREICH kann kostenlos bestellt werden: FRIEDL UND PARTNER, Nibelungengasse 7, 3430 Tulln. office@friedlundpartner.at, Telefon 02272/62726. Falls Versand- oder Lieferkosten anfallen, geben wir Bescheid. Wir liefern solange der Vorrat reicht. Die nächste Ausgabe ist für 2020 geplant.

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WOW

Morgenrituale Da reist man um die Welt, um zu erkennen, dass man am liebsten im heimatlichen Niederösterreich aufgeweckt wird. Diverse Morgenrituale und unzählige Frühstückskombinationen später bestätigt sich nämlich wieder einmal, was ohnehin allerorts bekannt: Das Gute liegt so nah. Die Kirchturmglocke gleich gegenüber zum Beispiel, die täglich zwar etwas früh (5.45 Uhr), dafür immer verlässlich und bei jedem Wetter ein Ding-Dong Guten Morgen schlägt. Seit jeher wird hier aus Muskelkraft geläutet. Richtige Handarbeit ist das noch. Hin und her, auf und ab schwingt Frau Nimmervoll an ihrer Glocke bis in den Kirchturm hinauf und wieder herunter und holt so die Neudegger aus ihren himmlischen Träumen auf den Boden des Alltages zurück. Ungleich verlässlich aber ebenso idyllisch klingt das Krähen der Hähne in den umliegenden Höfen und Gärten. Ihre Künstlernamen sind Gockel, Gert oder Goldie und ihre Fähigkeiten sind wohl auch über die Grenzen Niederösterreichs hinweg bekannt. Unser Hahn heißt übrigens Mr. Gock und auch seine Darbietungen finden – vermutlich abhängig von Jahreszeiten und Stimmung – wann immer dem Herrn genehm, statt. Kikeriki, cocorico, cock-a-doodle-do, kukeliku. Nichts für ungut! Mit dem falschen Fuß sind wir ja alle schon einmal aufgestanden. Ganz passend eigentlich, wenn der Morgenkrimi-im-Kopf so sein mit Spannung erwartetes Ende findet. Und dann ist da noch das Hupen der Bäckersleute am frühen Morgen. Es ist wohl das Schicksal der kleinländlichen Bevölkerung. An

Stelle der Greißler treten wieder die fahrenden Kaufleute und so muss sich tummeln, wer seine eben noch imaginären Frühstücksschwärmereien Wirklichkeit werden lassen möchte. Husch-husch einen Mantel über den Pyjama streifen und die frühmorgendliche Jagd nach frischem Gebäck beginnt. Semmerl oder Topfengolatsche? Spätestens beim Biss ins backfrische Kipferl mit Zuckerglasur schließt man ohnehin wieder die Augen und träumt: Von der schwingenden Glocke und vom bewundernswerten Selbstbewusstsein des Hahns. Selbst der Hupwecker des Backmobils schallt traumhaft nach – denn nichts geht über frischen Frühstückgenuss in bequemer Kleidung. Wer braucht da schon den Brüllaffen über der Hängematte, die Arielle-trällernde Müllabfuhr vor dem Fenster, den Feueralarm im 31. Stock oder die Aschewolke des feuerspeienden Vulkans, um aus dem Schlaf geweckt zu werden? Da oder dort – so oder so. Zum Glück bin ich kein Morgenmuffel.

Judith Mehofer reist durch die ganze Welt. Hier schreibt sie über das Landleben zuhause am Familienweingut am Wagram.

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Lust auf Fotografie

Willy Puchner: Liebe im Alter.

Willy Puchner, geboren in Mistelbach, findet seinen Zugang zur Welt als Fotograf, Illustrator, Autor, Sammler und Reisender. Schon in jungen Jahren begann er, alte Menschen zu fotografieren, vor allem begeisterten ihn alte Liebespaare, Menschen,

die sich erst nach dem 70. Lebensjahr lieben gelernt haben. Vieles was ihn interessiert, ist in seinen Bßchern zu finden. Seine Bilder zeigen das Meer, ferne Länder, Tiere und eine phantastische Welt als Zeichnungen. www.willypuchner.com 122


Fotos mit Seele. Besondere Print-Projekte. Spannende Kommunikation*.

*FRIEDL UND PARTNER Nibelungengasse 7 in Tulln www.friedlundpartner.at

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Waldviertel – ganz mein Geschmack!

94 Geschmackserlebnisse Entdecken.Erleben.Genießen. Im hohen Norden, dem niederösterreichischen Waldviertel, zeigt sich Österreich von seiner geschmackvollsten Seite: Ob Waldviertler Graumohn, Erdäpfel, Karpfen, Kriecherl, Kräuter, Käse und Brot oder erlesene Weine, Biere, Edelbrände und viele weitere Spezialitäten und Raritäten – das Waldviertel gilt heute bei Gourmets als größter Feinkostladen Österreichs. Bestellen Sie jetzt kostenlos Österreichs „geschmack­ vollste“ Freizeitbroschüre: „Waldviertel – ganz mein Geschmack!“ Die 3. Auflage zeigt die ganze Vielfalt der besonderen Waldviertler Geschmackswelt auf einen Blick und deckt auf, wo die berühmten Wald­ viertler Spezialitäten ihre landwirtschaftlichen und historischen Wurzeln haben.

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Koste nlose Brosc hüre anford ern!