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JAHRESRÜCKBLICK 2020 / 2021


BRIEF VON KAI DIEKMANN & RUTH UR

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NEUE PARTNERSCHAFTEN

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FREUNDESKREIS PROGRAMM 2020 / 2021

MARTIN SCHOELLER BEHIND THE SCENES EHRUNG GERECHTER UNTER DEN VÖLKERN GEMEINSAME ERKLÄRUNG FLOATING CONCERT ZEIT MAGAZIN DEUTSCHLANDKARTE VORTRAG ZUM EICHMANN-PROZESS ZUKUNFT DURCH ERINNERUNG

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BESUCHE

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DAS TEAM

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VEREINSFÖRDERUNG

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DANK

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Kai Diekmann und Ruth Ur

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Foto: Antje Jungmann


LIEBE FREUNDE VON YAD VASHEM, unsere Aufgabe als Deutscher Freundeskreis ist das Wachhalten der Erinnerung an den Holocaust und die Förderung der Völkerverständigung in Zusammenarbeit mit Yad Vashem. Wir tun dies auf dreierlei Weise: 1. durch die Unterstützung von Yad Vashem, 2. indem wir den Mitgliedern des Freundeskreises Zugang zu der Forschung und den Ressourcen Yad Vashems verschaffen und 3. indem wir Bildungs- und Gedenkprogramme hier in Deutschland organisieren. Der vorliegende Jahresbericht gibt einen Einblick in die Veranstaltungen und Projekte des vergangenen Jahres. Zu den Höhepunkten gehören: die SURVIVORS-Ausstellung, die unglaubliche 40.000 Besucher erreichte; die Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung zwischen der Universität zu Köln und Yad Vashem; unsere Arbeit mit führenden deutschen Unternehmen zur Übernahme der IHRA-Definition gegen Antisemitismus; unsere Gedenkveranstaltung zum 76. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz und die Gedenkveranstaltung am 26. Januar 2021 sowie unsere neue Podcast-Serie „Zukunft durch Erinnerung“ mit Tanit Koch. Wir möchten Ihnen – unseren Mitgliedern – für Ihren großzügigen Beitrag und Ihre Unterstützung von Yad Vashem danken. Dank Ihnen konnten wir trotz der Umstände in den vergangenen Monaten fast 100 neue Einzelmitglieder sowie neue Firmenmitglieder gewinnen. Nächstes Jahr feiern wir unser 25-jähriges Bestehen und freuen uns darauf, mit Ihnen gemeinsam neue Projekte, Formate und Veranstaltungen zu realisieren.

Die Verantwortung der deutschen Regierung und Zivilgesellschaft, ein fortwährendes und sinnvolles Gedenken an den Holocaust zu unterstützen, ist wichtiger als je zuvor. Der zunehmende, zum Teil aggressiv hervortretende Antisemitismus in Deutschland, aber auch in anderen Ländern, erfüllt uns mit großer Sorge. Das zeigt, wie wichtig es ist, die Botschaft des Holocaust nicht zu vergessen, sie von Generation zu Generation, von Schule zu Schule, von Mensch zu Mensch weiterzutragen und wach zu halten, um Zeugnis abzulegen – insbesonders, wenn die Überlebenden nicht mehr unter uns weilen. Es ist unsere Aufgabe, weiterhin neue Wege zu finden, diese Geschichte im allgemeinen Bewusstsein zu halten. Danke, dass Sie uns dabei unterstützen.

Ihr Kai Diekmann Vorsitzender Freundeskreis Yad Vashem e.V.

Ihre Ruth Ur Geschäftsführerin Freundeskreis Yad Vashem e.V. Direktorin für die deutschsprachigen Länder und die Schweiz, Yad Vashem

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NEUE PARTNERSCHAFTEN FÜR YAD VASHEM VERLÄNGERUNG DES 10-JÄHRIGEN VERTRAGS FÜR YAD VASHEM JUNI 2020

Am 10. Juni 2020 haben Bundesaußenminister Heiko Maas und der israelische Außenminister Gabi Ashkenazi gemeinsam im Außenministerium in Jerusalem ein Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel unterzeichnet. Dieses Abkommen verlängert das bereits zehn Jahre andauernde Engagement für die Erhaltung und Stärkung der Erinnerung an den Holocaust durch Unterstützung der Archivierungs- und Bildungsaktivitäten von Yad Vashem. Die Erneuerung beginnt 2022 und bleibt bis 2031 in Kraft. Neben Heiko Maas und Gabi Ashkenazi haben die deutsche Botschafterin in Israel, Dr. Susanne Wasum-Rainer, der israelische Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff und der Vorsitzende von Yad Vashem, Avner Shalev, an der Veranstaltung teilgenommen.

v.l. Deutsche Botschafterin in Israel Dr. Susanne Wasum-Rainer, Außenminister Heiko Maas, Yad Vashem Vorsitzender Avner Shalev, israelischer Außenminister Gabi Ashkenazi und israelischer Botschafter in Deutschland Jeremy Issacharoff © Israel Ministry of Foreign Affairs

„Der Staat Israel und das jüdische Volk schätzen Ihr persönliches Engagement und das Engagement der deutschen Regierung, die Erinnerung an den Holocaust zu bewahren. Die Vereinbarung, die wir gerade unterzeichnet haben, macht genau dies. Die Unterstützung von Yad Vashem wird die weitere Forschung und Bildungsaktivitäten erleichtern, und ich danke Ihnen dafür.“ Gabi Ashkenazi, israelischer Außenminister

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DEUTSCHE REGIERUNG FÖRDERT NEUEN YAD VASHEM HERITAGE CAMPUS NOVEMBER 2020

Am 26. November 2020 haben Avner Shalev, Vorsitzender von Yad Vashem, und Dr. Susanne Wasum-Rainer, deutsche Botschafterin in Israel, eine Vereinbarung unterzeichnet, dass die Bundesrepublik Deutschland die Errichtung des neuen Hauses der Sammlungen unterstützen wird. Der Bau ist einer der wichtigsten Projekte Yad Vashems der letzten Jahre. Das Haus der Sammlungen wird vier unterirdische Stockwerke umfassen, in denen sich Yad Vashems unvergleichliche Sammlungen von Archivmaterial, Artefakten und Kunstwerken, Konservierungslabors sowie eine Besuchergalerie befinden werden, in der unvergleichlich wertvolle Gegenstände ausgestellt werden. Gemeinsam mit Deutsche Bahn, Deutsche Bank, Borussia Dortmund, Volkswagen AG und Daimler AG konnte der Freundeskreis Yad Vashem Deutschland e.V. ein Drittel der Baukosten finanzieren.

Deutsche Botschafterin in Israel Dr. Susanne Wasum-Rainer und Yad Vashem Vorsitzender Avner Shalev © Israel Ministry of Foreign Affairs

„Die persönlichen Gegenstände, die Yad Vashem seit seiner Gründung erhalten und gesammelt hat, sind von unschätzbarem Wert. Sie erzählen die Geschichte von Überlebenden und von Opfern der Shoah. Es ist von größter Bedeutung, diese Erinnerungen zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie werden uns und künftigen Generationen helfen, die Geschichte zu verstehen und der Opfer zu gedenken. Never again!” Dr. Susanne Wasum-Rainer, deutsche Botschafterin in Israel

NEUE KOOPERATION YAD VASHEM UND UNIVERSITÄT ZU KÖLN

NOVEMBER 2020

Die Kooperation mit Bildungseinrichtungen ist eines der wichtigsten Ziele Yad Vashems; deshalb sind wir besonders glücklich über die Zusammenarbeit mit der Universität zu Köln. Im November 2020 hat der Freundeskreis Yad Vashem Deutschland gemeinsam mit der Universität zu Köln das Lehr-Lern-Projekt „school is open“ ins Leben gerufen. „school is open“ bietet im Rahmen der bildungswissenschaftlichen Anteile der Lehramtsausbildung unterschiedliche Formate zur Arbeit gegen Antisemitismus an. Das Abkommen wird die Holocaust-Bildung durch Aktivitäten für angehende Lehrerinnen und Lehrer in Yad Vashem und an der Universität stärken.

„Die Universität zu Köln legt großen Wert auf Forschung, die Demokratie fördert und Verschwörungsphantasien, Antisemitismus und Hass aufdeckt. Leider wurden auch an der Universität zu Köln im Nationalsozialismus menschenverachtende Verbrechen begangen. Wir setzen uns dafür ein, sie aufzuklären und derer zu gedenken, die verfolgt und ermordet wurden. Mit Yad Vashem haben wir nun einen starken Partner, mit dem wir eine inklusive und demokratische Zukunft gestalten können.“ ­A xel Freimuth, Rektor der Universität zu Köln

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PROGRAMM

v.l. Fotograf Martin Schoeller, Holocaust-Überlebender Naftali Fürst und Bundeskanzlerin Angela Merkel © copyright Jochen Tack / Stiftung Zollverein

SURVIVORSAUSSTELLUNG VON STAR-FOTOGRAF MARTIN SCHOELLER BIS SEPTEMBER 2020

© Freundeskreis Yad Vashem e.V.

Die vom Freundeskreis Yad Vashem e.V. initiierte Ausstellung SURVIVORS. Faces of Life after the Holocaust mit Fotos von Holocaust-Überlebenden des renommierten Fotografen Martin Schoeller im Zeche Zollverein, wurde bis September 2020 verlängert. Seit der Eröffnung am 21. Januar 2020 im Beisein von Bundeskanzlerin Merkel haben rund 40.000 Besucher die Ausstellung live gesehen. Um dieses wichtige Projekt gegen das Vergessen fortzuführen und das Thema insbesondere für die junge Generation interessant zu machen, haben Martin Schoeller und Anke Degenhard, eine der Kuratorinnen der Ausstellung, einen Virtual-Reality-Rundgang durch die Ausstellung realisiert. Die 40-minütige Tour wird von Schoeller selbst als Guide begleitet und beinhaltet Statements von Zeitzeugen sowie weitere Film- und Infobeiträge. Sie kann über VR-Brillen, auf Smartphones oder Tablets abgespielt werden. Auf dem Youtube-Kanal von Yad Vashem haben Sie die Möglichkeit, die Ausstellung virtuell zu besuchen.

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BEHIND THE SCENES AT YAD VASHEM OKTOBER 2020

Die Online-Vortragsreihe bot eine einzigartige Gelegenheit, mit einer Reihe von Experten aus Yad Vashem über die Herausforderungen und Möglichkeiten ihrer Arbeit zu diskutieren. Die Zuschauer konnten die vielseitigen Tätigkeitsbereiche der Holocaust-Gedenkstätte in einem intimeren Rahmen kennenlernen. In den insgesamt sechs Zoom-Sessions, die jeweils von einer bekannten Persönlichkeit aus unserem Freundeskreis moderiert wurden, gaben Yad Vashems Experten exklusive Einblicke in die Geschichte und Zukunft der Gedenkstätte (Shaya Ben Yehuda mit Sabine Sasse), in die Diplomatie (Yossi Gevir mit Botschafterin Michaela Küchler), das Archiv (Dr. Haim Gertner mit Kai Diekmann), die Presseabteilung (Iris Rosenberg mit Stephan-Andreas Casdorff), die Yad Vashem International School for Holocaust Studies Schule (Dr. Eyal Kaminka mit Sylvia Löhrmann) und die Kunstsammlung (Eliad Moreh-Rosenberg mit Benita von Maltzahn).


Julius von Jan © Dr. Richard von Jan

Dr. Richard von Jan und Botschafter Jeremy Issacharoff © Botschaft des Staates Israel © Botschaft des Staates Israel

EHRUNG ALS GERECHTER UNTER DEN V ­ ÖLKERN: JULIUS VON JAN OKTOBER 2020

Am 13. Oktober fand in der Botschaft des Staates Israel eine Feierstunde zu Ehren von Pfarrer Julius von Jan (1897 – 1964) statt. Von Jan wurde von Yad Vashem posthum mit dem Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet. In der Feierstunde überreichte der Botschafter des Staates Israel in Deutschland, S. E. Jeremy Issacharoff, die Yad Vashem-Ehrenurkunde und die Medaille an den Sohn des Geehrten, Dr. Richard von Jan. Ruth Ur, Geschäftsführerin des Freundeskreises, repräsentierte Yad Vashem bei dieser coronabedingt auf wenige Teilnehmer begrenzten Veranstaltung. Julius von Jan hielt am 16. November 1938, eine Woche nach der „Pogromnacht“, eine Predigt in der St. Martinskirche in Oberlenningen, in der er das Niederbrennen der Synagogen, das Rauben des Eigentums deutscher Juden und deren Verschleppung in KZs auf das Schärfste verurteilte. Daraufhin wurde er von SA-Männern brutal zusammengeschlagen und verhaftet. Im Mai 1940 wurde er auf Bewährung entlassen und an die Ostfront geschickt. Nach der Kapitulation Deutschlands geriet er kurz in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Im September 1945 kehrte Julius von Jan mit seiner Familie zurück ins Pfarrhaus nach Oberlenningen. Julius von Jan starb am 21. September 1964 im Alter von 67 Jahren.

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GEDENKVERANSTALTUNG UND GEMEINSAME ERKLÄRUNG GEGEN ANTISEMITISMUS

JANUAR 2021

„Unternehmerisches Engagement im Kampf gegen Antisemitismus und Extremismus ist wichtiger als jemals zuvor. Deshalb freut es uns besonders, dass der BVB, Daimler, die Deutsche Bahn, die Deutsche Bank und Volkswagen die Definition von Antisemitismus der IHRA übernehmen und damit gemeinsam sichtbar Haltung zeigen im Kampf gegen Antisemitismus und jede Form von Diskriminierung. Das ist ein wichtiges und deutliches Zeichen für Deutschland und die ganze Welt.“

v.l. Frank Miram (Deutsche Bahn), Benita von Maltzahn (Volkswagen), Eckart von Klaeden (Daimler), Dr. Anna Herrhausen (Deutsche Bank) und Daniel Lörcher (Borussia Dortmund) © Volker Emersleben / Deutsche Bahn

Kai Diekmann, Vorstandsvorsitzender, Freundeskreis Yad Vashem e.V.

Rede von Dr. Josef Schuster, Vorsitzender des Zentralrats der Juden, im Rahmen der Gedenkveranstaltung

Trailer zur Gedenkveranstaltung am 26. Januar 2021

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Sängerin Ruth Rosenfeld Foto: Ruth Ur

Digitale Gedenkveranstaltung mit den Geschäftsführern und Vorstandsmitgliedern der fünf Unternehmen am 26. Januar 2021 © Deutsche Bahn


„In diesen Unternehmen arbeiten Menschen aus aller Welt, aus allen Schichten, Kulturen und Religionen. Wenn wir etwas verändern wollen, sind dies die richtigen Orte, um damit zu beginnen.“ Ruth Ur, Geschäftsführerin, Freundeskreis Yad Vashem e.V.

Kranzniederlegung bei der Gedenkveranstaltung am Mahnmal Gleis 17 in Berlin-Grunewald © Volker Emersleben / Deutsche Bahn

Am 26. Januar 2021, einen Tag vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, haben die Geschäftsführer und Vorstände von fünf großen deutschen Unternehmen ihre Entscheidung bekannt gegeben, sich gemeinsam gegen Antisemitismus zu positionieren. Die Erklärung, die gemeinsam mit dem Freundeskreis Yad Vashem e.V. abgegeben wurde, basiert auf der Arbeitsdefinition von Antisemitismus der IHRA (International Holocaust Remembrance Alliance) und fand im Rahmen der deutschen Präsidentschaft der IHRA statt. Dies ist die zweite gemeinsame Initiative der Gruppe: Zuletzt hatten sich die fünf Unternehmen 2018 zusammengeschlossen, um die Einrichtung des neuen Shoah ­Heritage Campus in Yad Vashem zu unterstützen. Der Campus befindet sich derzeit im Aufbau.

­ orsitzende des deutschen Freundeskreises, Kai V ­Diekmann, und die Geschäftsführerin Ruth Ur. Über 150 Gäste aus Zivilgesellschaft und Politik, darunter auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beteiligten Unternehmen, nahmen an der digitalen Veranstaltung teil. Dazu gehörte auch die Vorführung eines drei­ minütigen Films, der eine Gedenkveranstaltung am Mahnmal Gleis 17 in Berlin-Grunewald sowie Stimmen von Mitarbeitern der fünf Unternehmen und Ruth Ur zeigt (siehe QR-Code auf S. 8). Wir bedanken uns bei ­Dr. Kristina Eichhorst (Daimler AG) für die Mitarbeit an diesem Film. Ruth Rosenfeld, die in Israel geborene Sängerin und Mitglied des Berliner Schaubühnen-Ensembles, sang zwei Lieder der israelischen Nationalkomponistin Nurit Hirsh.

Aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen fand die Gedenkveranstaltung am 26. Januar 2021 ­ als digitales Event statt, das von der Deutschen Bahn ausgerichtet wurde. Zu den Rednern gehörten die Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder der fünf Unternehmen, Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer, Borussia Dortmund; Richard Lutz, Vorstands­ vorsitzender, Deutsche Bahn AG; Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender, Daimler AG; Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender, Deutsche Bank AG; Gunnar Kilian, Vorstandsmitglied, Volkswagen AG; der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, ­ Dr. Josef Schuster; die derzeitige Vorsitzende der IHRA, Botschafterin Michaela Küchler sowie der

In der Folge des Gedenkevents und der gemeinsamen Erklärung organisierte Yad Vashem gemeinsam mit dem Freundeskreis eine speziell auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der betreffenden Firmen zugeschnittene Online-Lecture in drei Teilen, die sich mit jüdischem Leben heute, dem Holocaust und Antisemitismus beschäftigte. Rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der fünf Firmen haben teilgenommen. Kai Diekmann bezeichnete die Initiative in seiner Ansprache als „vorbildlich“. Inzwischen haben sich weitere deutsche Unternehmen bereit erklärt, die IHRA-Definition zu übernehmen.

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„Gemeinsam stemmen wir uns gegen die zunehmende Verrohung in unserer Gesellschaft, gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus. Das tolerieren wir weder auf dem Fußballplatz noch in unserer Gesellschaft. Nur, wenn wir gemeinsam aus unserer Vergangenheit lernen, können wir unsere Gegenwart und Zukunft positiv gestalten. Hierzu werden wir weiterhin unseren Beitrag leisten.“ © Borussia Dortmund

Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer, Borussia Dortmund

© Deutsche Bank AG

„Weltoffenheit nach innen und nach außen ist eine der wichtigsten Grundlagen, ohne die wir Unternehmen nicht wirklich erfolgreich sein können. Vielfalt in der Belegschaft und in unserem Leben bereichert uns tagtäglich. Rassismus, Ausgrenzung, Hass und Hetze dürfen unser Leben und unsere Unternehmenskultur nicht vergiften. Deswegen setzt Volkswagen seit vielen Jahren auf die Erinnerungs- und Gedenkstättenarbeit seiner Auszubildenden in der Gedenkstätte Auschwitz: 76 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz dürfen wir nicht zulassen, dass Antisemitismus, populistischer Hass und rechtsextreme Gewalt erneut unsere Welt herausfordern.“ Gunnar Kilian, Vorstandsmitglied, Volkswagen AG

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„Krisen wecken oft das Beste in Menschen, manchmal aber auch das Schlechteste. Es ist an uns, die Geschichte und ihre Lehren lebendig zu halten. Als Deutsche Bank sehen wir es deshalb auch als unsere Aufgabe an, mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jeden Tag aufs Neue für Vielfalt und Toleranz, Teilhabe und Demokratie einzutreten.“ Dr. Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender, Deutsche Bank AG

© Volkswagen AG


© Deutsche Bahn AG

„Wir sind uns unserer historischen Verantwortung bewusst und setzen uns entschlossen für eine Gesellschaft und eine Zukunft ohne Hass und Extremismus ein. Mit dieser Erklärung bringen wir unsere Solidarität mit denjenigen zum Ausdruck, die mit Antisemitismus konfrontiert sind, und bekennen uns klar zu einem weltoffenen, toleranten und vielfältigen Deutschland, frei von Antisemitismus und Rassismus.“ Dr. Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender, Deutsche Bahn AG

„Antisemitismus und Rassismus haben bei uns keinen Platz. Es ist unsere Verantwortung und Pflicht, auch als Unternehmen klare Kante gegen Hass und Hetze zu zeigen. Wir bei Daimler stellen uns denen entgegen, die unsere offene, tolerante Gesellschaft spalten wollen und Menschen aufgrund ihres Glaubens, Geschlechts, ihrer Hautfarbe, Herkunft oder sexuellen Orientierung diskriminieren. Wir sind fest davon überzeugt: Vielfalt ist ein großer Vorteil.“

© Daimler AG

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender, Daimler AG

Gedenkveranstaltung am 26. Januar 2021 mit den fünf Unternehmen

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FUNDRAISING KONZERT ZUGUNSTEN DES FREUNDESKREISES JANUAR 2021

Anlässlich des 76. Gedenktages der Auschwitz-Befreiung spielten die Klassik-Stars Annika Treutler und Sarah Aristidou zwei exklusive Sonderkonzerte im Rahmen ihres Projekts Respond in Music – live vom Medienschiff ThePioneer One in Berlin. Respond in Music ist ein von der Pianistin Annika Treutler ins Leben gerufenes und von der Dieter Fuchs Stiftung ermöglichtes Projekt. Es ist KomponistInnen gewidmet, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden und setzt sich durch Musik mit Geschichte und gesellschaftlichen Strömungen auseinander. Die Zuschauer konnten das Konzert live per Videostream verfolgen. Während der Veranstaltung gab es einen Spendenaufruf zugunsten des Freundeskreises Yad Vashem e.V. Wir bedanken uns für diese Initiative bei unserem Beiratsmitglied Sabine Sasse.

Annika Treutler und Sarah Aristidou Foto: Anne Hufnagl

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KOOPERATION MIT ZEIT MAGAZIN

JANUAR 2021

In jeder Ausgabe veröffentlicht das wöchentlich erscheinende ZEIT Magazin eine Deutschlandkarte mit höchst unterschiedlichen Perspektiven auf Deutschland. Im Januar 2021 erschien eine Deutschlandkarte zu den Gerechten unter den Völkern, die in mehrmonatiger Zusammenarbeit mit ZEIT Magazin, Yad Vashem und dem Freundeskreis entstanden ist (ZEIT Magazin 4/2021). Sie zeigt die Orte, an denen Menschen lebten, die in Nazideutschland unter Einsatz ihres eigenen Lebens jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern das Leben gerettet haben. Ihnen soll mit dieser Karte für ihre Überzeugung und ihren Mut, Widerstand gegen ein tödliches Regime zu leisten, und ihre Nächstenliebe gedacht werden. Nach der Veröffentlichung gab es großes Interesse und viele Nachfragen.


VORTRAG ZU 60 JAHRE EICHMANN-PROZESS APRIL 2021

Anlässlich des 60. Jahrestages des „Eichmann-Prozesses“ organisierte Yad Vashem in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis einen Online-Vortrag in deutscher Sprache. Dani Uziel, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter in Yad Vashem, sprach vor 40 Zuschauern zum Thema „Bescheidener Beamter oder oberster Henker? Eichmann und die ‚Endlösung‘“ und beantwortete danach in einer lebhaften Diskussion die zahlreichen Fragen der Gäste. Wir bedanken uns herzlich bei Dani Uziel für den spannenden Vortrag. Für das Jahr 2021 sind weitere ähnliche Vorträge geplant.

„ZUKUNFT DURCH ERINNERUNG” – NEUER PODCAST MIT TANIT KOCH AB MAI 2021

Am 8. Mai 2021 starteten wir die Podcast-Reihe „Zukunft durch Erinnerung – Tanit Koch im Gespräch“. Themen des Podcasts sind, wie Erinnerungsarbeit und Gedenken heute aussehen, was sich in Zukunft ändern muss und welche Rolle dabei Holocaust-Gedenkstätten wie Yad Vashem spielen können. Hierzu interviewt Tanit Koch, renommierte Journalistin und Freundeskreis-Mitglied, Freunde, Partner und Wegbegleiter des Freundeskreises. In der Auftaktfolge reflektiert Botschafterin Michaela Küchler die deutsche Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). In Folge 2 spricht Tanit Koch mit Dr. Susanne Kill über die Rolle der Deutschen Reichsbahn im Holocaust und die Aufarbeitung der DB-Konzerngeschichte. Einmal im Monat erscheint eine neue Folge – auf unserer Webseite und auf Spotify.

Podcast „Zukunft durch Erinnerung“

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BÜRO FREUNDESKREIS BESUCHE

v.l. Dr. Andrea Schwermer (Kultusministerkonferenz), Kuratoriumsmitglied Udo Michallik (Kultusministerkonferenz) und Kuratoriumsmitglied Sylvia Löhrmann, Ministerin a.D. (1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland)

Anna Gerits (Bundesministerium der Finanzen) und Ruth Ur am ersten Tag von Chanukkah Rabbiner Jonah Sievers und Ruth Ur

Beiratsmitglied Dr. Melanie Piepenschneider (Konrad-Adenauer-Stiftung) und Dr. Lena Krauss

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Beiratsmitglied Sabine Sasse (ThePioneer) und Ruth Ur


Das Team im Berliner Büro: v.l. Margit Emesz, Ruth Ur und Lukas Geck

DAS TEAM IM BERLINER BÜRO Das Jahr 2020/2021 hat uns vor allem wegen der wechselnden Auflagen und Bestimmungen in Zusammenhang mit der Pandemie herausgefordert. Der Sommer brachte Erleichterung, und wir konnten im August in unseren neuen Räumlichkeiten mit zwei getrennten Office-Bereichen in voller Besetzung und unter den geltenden Abstandsregeln einen gemeinsamen Büroalltag starten. Durch eine Partnerschaft mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin wurden wir von zwei studentischen Mitarbeitern unterstützt: Viktor Tschiskale und Joseph Wilson begleiteten uns nacheinander von Oktober 2020 bis Januar 2021 mit hervorragender Assistenzarbeit. Im Herbst 2020 wurde Anne Lepper von der Yad Vashem International School for Holocaust Studies mit der Durchführung ihrer Bildungsprogramme im deutschsprachigen Raum

beauftragt. Wir arbeiten eng zusammen, um unser Angebot zu erweitern. Anfang März 2021 mussten wir uns leider von unserer Kollegin Lena Krauss verabschieden und möchten uns für die erfolgreiche Mitarbeit herzlich bedanken. Im März und April hat die Bachelor-Anwärterin Maria Lorenzen uns in der Projektarbeit engagiert unterstützt. Wir freuen uns sehr, dass wir Ihnen nun unseren neuen Kollegen Lukas Geck vorstellen dürfen, der unser Team ab Juni 2021 vervollständigt. Lukas Geck hat Politikwissenschaften und Soziologie studiert, war viele Jahre im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig und publiziert u. a. zu Antisemitismus und Rechtsextremismus. Seine Schwerpunkte in unserem Team sind Kommunikation und Eventmanagement.

VEREINSFÖRDERUNG Angesichts der Corona-Pandemie haben wir uns im Oktober 2020 für eine Vereinsförderung bei der Investitionsbank Berlin in Zusammenarbeit mit der Senatskanzlei Berlin beworben. Diese richtete sich an gemeinnützige Vereine, die aufgrund der Pandemie finanziell zurückstecken mussten. Da wir im Jahr 2020 alle geplanten Events und Reisen (Mission, Journalisten Seminare, Live-Events, etc.) absagen mussten, sahen wir uns mit einem nicht erwarteten Einbruch an öffentlicher Aufmerksamkeit und damit auch an Spendengeldern konfrontiert. Umso größer war die Freude, im November eine positive Rückmeldung und damit den Erhalt einer Summe von 16.000 EUR verzeichnen zu können.

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DANKE! Ohne Ihre Unterstützung wäre es uns unmöglich, die Arbeit des Freundeskreises aufrecht zu erhalten. Wir bedanken uns bei all unseren individuellen Mitgliedern, den Firmenmitgliedern und den vielen regelmäßigen Spenderinnen und Spendern. Jede Spende ermöglicht es uns, unsere Aktivitäten zu erweitern und in diesem wichtigen Bereich etwas zu bewirken. Wir freuen uns über jedes neue Mitglied und

sind auf Sie und Ihre Netzwerke angewiesen, um den Freundeskreis zu erweitern. Bitte bringen Sie Ihre Freunde mit ein, damit wir gemeinsam auf eine lebendige und stetig wachsende Präsenz in Deutschland hinarbeiten können. Unsere Arbeit hat gerade erst begonnen, mit der Verpflichtung, sich an die Vergangenheit zu erinnern und eine bessere Zukunft aufzubauen.

WIR DANKEN UNSEREN PARTNERN UND UNTERSTÜTZERN 2020/2021 (AUSWAHL)

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Freundeskreis Yad Vashem e.V. Joachimsthaler Str. 13 10719 Berlin +49 (0) 30 81 82 59 28 info@yad-vashem.de yad-vashem.de Registergericht: Amtsgericht Charlottenburg Registriernummer: VR 30057 B Vorstand: Kai Diekmann, Stephan-Andreas Casdorff, Christopher Freiherr von Oppenheim, Steffen Kampeter, Harry Habermann, Lars Klingbeil, Alexander Graf Lambsdorff, Dr. Peter Tauber, Dr. Haim Gertner, Lars Klingbeil Beirat: Peter Biermann, Stephan Göcken, Tita von Hardenberg, Olaf Lehne, Daniela Ludwig, Melanie Piepenschneider, Sabine Sasse Kuratorium: Jürgen Rüttgers, Sylvia Löhrmann, Otmar Kury, Stephan Holthoff-Pförtner, Walter Smerling, Udo Michallik Geschäftsführung: Ruth Ur Redaktion: Margit Emesz, Lukas Geck, Ruth Ur Grafik: Ta-Trung, Berlin (www.ta-trung.com) Bildmaterial: Auf dem Titel: Gedenkveranstaltung am „Gleis 17“ im Januar 2021, Foto: Volker Emersleben / Deutsche Bahn Innenseiten: © Freundeskreis Yad Vashem e.V. Angaben zu den Fotograf*innen und abweichende CopyrightInformationen finden sich bei den jeweiligen Fotos. Juni 2021


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Freundeskreis Yad Vashem Jahresrückblick 2020/2021  

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