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INTERVIEW

Zusammenhang wird die Gefährdungsbeurteilung der Lehrkräfte aktualisiert. Wir bieten mit der Möglichkeit der arbeitsmedizinischen Vorsorge in den Schulen ein niederschwelliges Angebot an. In anderen Bundesländern gibt es Zentren für Lehrergesundheit, an denen die einzelnen Lehrkräfte untersucht und beraten werden können. Aus diesem Grund halte ich es für schwierig, die Daten aus den anderen Bundesländern zum Vergleich heranzuziehen.

zum Erhalt der Erwerbsfähigkeit« (sog. FEE-Programm): Lehrkräfte, die von einer Erkrankung bedroht sind und bereits erste Symptome zeigen, können an einer einwöchigen stationären/ambulanten Rehabilitation in Bad Gottleuba oder Leipzig teilnehmen. In den folgenden drei Monaten werden Sie arbeitsbegleitend einmal in der Woche circa zwei Stunden therapiert. Nach sechs Monaten folgt ein Abschlusstag in der Reha- Einrichtung.

E Was genau passiert bei der Vorsorge-Untersuchung für Lehrer?

E A ls Lehrer muss man aber keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen fürchten, wenn man an so einem Programm teilnimmt…?

Eine arbeitsmedizinische Vorsorge für Lehrerkräfte beinhaltet die Erhebung der Krankheitsgeschichte, einen Sehtest, eine Blutdruckmessung, die Bestimmung der Fettstoffwechselparameter, die Nüchtern-Glukose sowie die Erfassung der psychischen Belastungen. Bei Vorlage des Impfausweises führen wir eine Impf-

Nein, arbeitsrechtliche Konsequenzen drohen nicht. Bei Arbeitsunfähigkeit übernimmt der Hausarzt Diagnostik und Therapie, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist für sechs Wochen durch den Arbeitgeber und im Anschluss durch die Krankenkasse abgesichert. Die Teilnahme an Präventionskursen findet in der Freizeit der Lehrer statt. Bei einer medizinischen Rehabilitation ist der Mitarbeiter ebenfalls rechtlich und finanziell abgesichert. Sollte sich nach langer Erkrankung das Leistungsbild des Lehrers geändert haben, besteht die Möglichkeit, den Arbeitsplatz im Rahmen eines betrieblichen Eingliederungsmanagements anzupassen.

»LEHRKRÄFTE ZEIGEN – MIT WENIGEN AUSNAHMEN – HÄUFIGER GESUNDHEITSFÖRDERLICHE VERHALTENSWEISEN.« beratung durch. Nach Abschluss der Vorsorge verschicken wir einen persönlichen Befundbericht an jede Lehrkraft. Die Teilnahme an einer arbeitsmedizinischen Vorsorge für Lehrkräfte ist bis auf die Vorsorge in G-Förderschulen freiwillig und kann alle drei Jahre wiederholt werden.

E Stichwort Prävention: Wo müssen Lehrer besonders aufpassen, um nicht krank zu werden? Wie bleibt man als Lehrer gesund?

E Was passiert mit der arbeitsmedizinischen Beurteilung? Grundsätzlich unterliegen die Betriebsärzte der ärztlichen Schweigepflicht. Inhalte der Untersuchungen gelangen also weder an den Arbeitgeber noch an den Schulleiter. Während der Untersuchung oder im Befundbericht sprechen wir Präventionsempfehlungen aus oder verweisen an den Haus-/Facharzt. E Wie sieht das in der Praxis aus: Welche Angebote gibt es für Lehrer, wenn sie Hilfe benötigen? Wir beraten die Lehrer bereits zur Untersuchung individuell über Möglichkeiten zur Verbesserung des Gesundheitszustandes. Je nach Bedarf kann das die Empfehlung zur Teilnahme an einem Präventionskurs der Krankenkassen sein, bei auffälligen Befunden raten wir zu einer weiteren Diagnostik beim Hausarzt oder Facharzt. Über die Deutsche Rentenversicherung kann bei entsprechender medizinischer Indikation auch ein Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben oder ein Antrag auf medizinische Rehabilitation durch den Betriebsarzt unterstützt werden. Eine Besonderheit ist das Programm »Frühintervention

Für Lehrer gelten ähnliche Empfehlungen wie für die Allgemeinbevölkerung. Eine gesunde Lebensweise mit ausreichend körperlicher Aktivität gilt als gesundheitsförderlich. Geringe Maßen an Alkohol, Nikotinverzicht und das Einhalten des Normgewichts fördern ebenfalls das gesunde Altern. Neben uns Betriebsärzten bieten die Hausärzte sogenannte Check-up-Untersuchungen ab dem 35. Lebensjahr an, die Teilnahme hieran ist ebenso anzuraten wie die Teilnahme an den entsprechenden KrebsvorsorgeuUntersuchungen. Im Arbeitsalltag bemerken wir, dass einige Lehrer über gehäuftes Auftreten von Kopfschmerzen und Stimmschwierigkeiten klagen. Auf Nachfrage berichten einige Lehrkräfte über eine deutlich zu geringe Flüssigkeitsaufnahme. Es ist ratsam im Lehrerberuf ausreichend zu trinken, da gerade durch das lange Unterrichten vor der Klasse die Schleimhäute leicht austrocknen können. Wesentlich für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz ist der kollegiale Umgang an der Schule. Gute Kommunikation, das Aufstellen und Einhalten klarer, nachvollziehbarer Regeln im Schulalltag, gute Führung durch die Schulleitung und Bewältigung der Probleme im Team tragen zur Arbeitszufriedenheit genauso bei wie der offene Umgang mit Lob und Kritik.

Neben der Blutdruckmessung wird außerdem mit

einem Bluttest die Nüchtern -Glukose ermittelt.

Mit einem speziell für Lehrer angepassten pyscholo gischen Test werden Stressfaktoren abgefragt.

Beim abschließenden Arztgespräch werden die persönlichen Risikofaktoren ausgewertet.

Zeitschrift KLASSE 2/2016  
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