FREILICH Ausgabe No 5

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POLITIK

Die endlose Geschichte Nach 18 Monaten ist er endlich da: Der Historikerbericht der FPÖ, in der 30-Seiten-Vorabversion zum 1000-seitigen Gesamtdokument. Nur: Bei den linken Kritikern der Partei will keine rechte Begeisterung ausbrechen. Genauso wenig wie in der FPÖ. Ein Umstand, der auch mit der Dynamik seines Zustandekommens zusammenhängt. VON: NORBERT HERBERT

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er Februar 2018 ist ein kalter und sonnenarmer Monat in der Alpenrepublik. Auf das politische Klima im Land hat der meteorologische Befund aber keine Auswirkung – seit Wochen geht es heiß her. Die FPÖ befindet sich in der Defensive, getrieben von Vorwürfen, allzu knapp am rechten Rand anzustoßen. In der Hitze des Gefechtes entscheidet sie sich, die Parteigeschichte nach möglichen „braunen Flecken“ abzusuchen. Aber alles der Reihe nach … Denn lange vor Ablauf der frischen Regierungen üblicherweise zugestandenen 100 Tage Schonfrist sägen bereits erste Akteure an den Stühlen der frisch im Amt befindlichen Freiheitlichen. Die patriotische Wende mit Schwarz-Blau soll ruhig im Keim ersticken, bevor sie die althergebrachte Hegemonie im Land verändern kann. Und so setzen jene an, deren Akteure bei jeder Gelegenheit mit der Keule des „antifaschistischen“ Narrativs zuschlagen. Zu den Aktanten des „Widerstandes“ gehören nicht nur viele Journalisten in etablierten Medien, sondern auch ein Netzwerk an Rechercheuren – manche grün finanziert, weswegen da nach der Abwahl eine Lücke besteht – bis hin zu Facebookseiten ohne Impressum. Manche der Handelnden bevorzugen es, in der Anonymität zu bleiben; ihre Freundschaften reichen aber sicher bis in die Mitte des linken Establishments, das sich von rechts herausgefordert sieht.

Einen ersten Vorgeschmack auf das Kampagnenmenü bekam der Souverän bereits im Jänner kredenzt – eine Äußerung von Innenminister Kickl, Asylwerber „an einem Ort konzentrieren“ zu wollen, wird in die Nähe zur historischen Lagerhaft eines totalitären Regimes gerückt. Es ist eine bewährte Taktik in Österreich, mit dem Maximalvorwurf des vermeintlichen „brauen Miefs“ unliebsame Themen, Personen und Parteien aus der öffentlichen Geltung bringen zu wollen.

Ein Liederbuch kommt selten allein Kaum verwunderlich also, dass ein ähnlicher Anwurf von der Journalistin Nina Horaczek – für den prononciert linken „Falter“ tätig – die Initialzündung für die Titelblätter der nächsten Wochen gab. Besonders dankbar gestaltete sich dessen Auftreten im korporierten Milieu – stießen sich die Kritiker doch von Anfang an an der Tatsache, dass 20 von 50 FP-Abgeordnete mit Vergangenheit in Schüler- und Studentenverbindungen auf blauem Ticket ins Hohe Haus einzogen. Wenige Tage vor der Landtagswahl in Niederösterreich – die FPÖ konnte mit einem Achtungserfolg rechnen – tauchte „plötzlich“ ein Liederbuch der pennalen Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt FR E I L I CH