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Mitarbeiter zurückgreifen – ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber denen, die sich in Krisenzeiten zu schnell von ihren Mitarbeitern trennen. Niermann: Augenscheinlich haben Sie alles richtig gemacht. Haben Sie Ihren Weg stets strategisch geplant? Kathrein: Wir denken schon strategisch, schauen uns die Märkte und unsere Kunden ganz genau an. Ich kenne alle meine Großkunden, das heißt deren leitende Mitarbeiter, persönlich. Bei aller Vernetzung über moderne Kommunikationsmittel müssen Sie persönlich aufschlagen, denn der Mensch zählt hier, und, ganz wichtig, Geschäfte basieren auch auf Vertrauen. Ob Sie es glauben oder nicht, wir machen noch Geschäfte per Handschlag, vor allem im Ausland. Niermann: Ist das möglich, weil Sie ein eigentümergeführtes mittelständisches Unternehmen sind? Kathrein: Ja, im Gegensatz zu einem börsennotierten Konzern muss ich mich nur gegenüber meinen Banken absichern. Wir hatten auch nie eine Banken- oder Finanzkrise, da wir unsere Gewinne thesauriert haben, sprich, nie etwas entnommen haben. Kurz am Rande, vor 23 Jahren habe ich meine ei-

„Bei aller Vernetzung über moderne Kommunikationsmittel müssen Sie persönlich aufschlagen, denn der Mensch zählt hier und, ganz wichtig, Geschäfte basieren auch auf Vertrauen.“ Prof. Dr. Anton Kathrein

gene Bank gegründet, weil ich mich so über die Banken geärgert habe. Allerdings habe ich die Vollbanklizenz vor vier Jahren zurückgegeben, da ich erkannt habe, dass für mittelständische Banken kein Platz mehr da ist. Niermann: Was haben Sie mit den Gewinnen gemacht? Kathrein: Reinvestiert, nicht in Immobilien oder in andere vermeintlich lukrative Anlagen, sondern in die eigene Firma. Das Geld mit den größten Zinsen bringt die eigene Firma, denn von dem Geschäft verstehen wir etwas. Strategisch gesehen haben wir keinen Gemischtwarenladen aufgebaut, sondern sind immer bei unserem Kerngeschäft geblieben. Niermann: Ihr Wachstum ist unter anderem auf Firmenübernahmen zurückzu­ führen. Gab es Übernahmeentscheidungen, die sich später als existenzgefährdendes Risiko entpuppten? Kathrein: Im Jahre 2009 habe ich den AutoAntennenbereich von Blaupunkt ganz ohne Banken übernommen. Wie Sie sehen, eine klare strategische Entscheidung zur Stärkung des Kerngeschäfts. Bei anderen Akquisitionen habe ich stets eine Firewall eingezogen. Ich habe zwar das ein oder andere Mal Geld verloren, doch meine Firewall hat gehalten, sodass es nie zu einer Existenz­ gefährdung kam. In meiner Übernahmephilosophie gebe ich den übernommenen Firmen keine Bürgschaften oder Patronatserklärung, sondern eine Anschubfinanzierung. Dann müssen die Jungs selber laufen – können aber das verdiente Geld auch reinvestieren. Niermann: Als „Hidden Champion“ im Weltmarkt ist Globalisierung für Sie kein Fremdwort. Ist Globalisierung eher eine Chance, ein Segen oder ein Risiko, ein Fluch? Kathrein: Ganz klar eine Riesenchance, ohne Globalisierung würde es unsere Firmengruppe so nicht geben. Seit 1972 haben wir weltweit 61 Tochterunternehmen gegründet. Wir sind auf allen Weltmärkten vertreten, man muss draußen beim Markt sein, die Philosophie erkennen, die Mentalität verstehen, erst dann kann ich neue Märkte entdecken und erfolgreich Marktanteile gewinnen. Peter Niermann ist Professor an der Fachhochschule für angewandtes Management und Unternehmensberater (Schwerpunkt in den Bereichen strategische Unternehmensführung, Managementtechniken, Projektmanagement und Baumanagement).

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