Page 36

Realisierte Bauten von Asymptote sind u.a. der Hydra Pier Pavillon im nordholländischen Haarlemmermeer von 2002 (Abb. rechts), das World Business Center im südkoreanischen Busan (3. Abb. v.l.) und mehrere Flagshipstores für Carlos Miele und Alessi in New York City (Abb. links).

von Jan Esche

raumbrand: Asymptote Architecture – warum haben Sie Ihr Büro so genannt? Hani Rashid: Als wir unser Büro in Mailand eröffneten, suchten wir nach einem international verwendbaren Namen, der unserer Philosophie entsprach. In der Mathematik ist eine Asymptote eine hyperbolische Kurve, die sich einer Geraden unendlich annähert, ohne sie je zu berühren. Diese Vorstellung einer nie endenden Art der Annäherung gleicht der Sehnsucht – philosophisch kann man sagen, dass dieser unendliche Versuch der Verschmelzung eigentlich der Inbegriff allen Verlangens, aller Wünsche ist. Dieser Begriff, mit seinen mathematischen Wurzeln, seiner philosophischen Bedeutung und der in vieler Hinsicht auch architektonischen Formalität, schien uns seinerzeit perfekt geeignet, unsere geplante Herangehensweise zu beschreiben. Seit der Gründung hat das Studio zahlreiche Veränderungen durchlaufen und trotzdem machte der Name während unserer Entwicklung jederzeit Sinn – für ein von einem Mann und einer Frau geführtes Büro, für eine Herangehensweise, die die Grenzen des real und virtuell Möglichen auslotet und aktuell für ein Studio, das sehr betont an der Schnittmenge von Theorie und Praxis, Bildphantasie und baulicher Umsetzung arbeitet. raumbrand: Sie waren schon weltberühmt, bevor Sie auch nur Ihr erstes Gebäude fertig gestellt hatten. Wie ist das möglich? Rashid: Wir leben in hypermedialisierten Zeiten; viel von dem, was in der gegenwär-

36 Asymptote Architecture

tigen Kultur als „berühmt“ gilt, erreicht uns fast unweigerlich durch irgendeine Art von Massenmedium. Zu Beginn unserer Arbeit machten wir vor allem mit unseren architektonischen Bildern auf uns aufmerksam. Mit unseren Optigraph-Installationen entwickelten wir hypothetische „Maschinen“, Bildarchitekturen zur Transformation von Städten und Orten. Die Idee hinter diesen Experimenten lässt sich bis zu Künstlern wie Piranesi ins Zeitalter der Aufklärung zurückverfolgen, hat aber auch Wurzeln bei avantgardistischen Architekturgruppierungen wie Archigram, Archizoom usw. Die Sache wurde für uns spannend, als wir – unbewusst – auf der Welle zum Internetzeitalter in eine bis dato unvorstellbare Zukunft der Medien­wucherung ritten, in der Bilder sich wie niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte vermehren können. Weil unsere Arbeiten medienkulturell und bildästhetisch erstklassig waren, wurden unsere Ideen, Konzepte, Gebäudedesigns und Masterpläne postwendend mit atemberaubender Geschwindigkeit in den zunehmend für jedermann zugänglichen öffentlichen Raum aufgesogen. Intuitiv haben wir das wohl verstanden und arbeiteten damals frenetisch an der Entwicklung von Ideen und Entwürfen für Architektur und Stadtplanung, ohne dabei jemals innezuhalten oder uns Gedanken darüber zu machen, ob man diese Ideen und Pläne bauen und wirklich umsetzen könnte. Wir waren zwar schon begierig darauf, zu bauen, konnten uns aber gut finanzieren, ohne überhaupt jemals in diese Endphase raumbrand 25

raumbrand 25  

Das Magazin für erlebbare Kommunikation im Raum

Advertisement