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Dr. Norbert Reithofer

Fotos: © Martin Langhorst; © Siemens AG, Siemens-Pressebild; © Andreas Müller; © Jan Rodomski; © Martin Fengel; © BMW AG; © Jeanne Degraa; © braunphotography.de; © Ruth Kappus

Vorsitzender des Vorstands der BMW AG

Hans-Georg Esch

Georg M. Oswald

Fotograf

Jurist und Schriftsteller

Chancen erkennen, Chancen nutzen! Für mich heißt das, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit den Auslöser zu drücken. Den Augenblick festzuhalten und den Moment einzufangen, ist das Spannende meiner Arbeit. Das Gesehene in Fotografien einzufangen, zu interpretieren, zu dokumentieren und dem Betrachter zugänglich zu machen ist meine Befriedigung. Der visuelle Transfer von Räumen, Stimmungen und Kulturen ist eine Herausforderung, der ich mich gerne stelle. Ich habe das Gefühl, dass ich meine Chancen nutze, um mich dadurch weiterzuentwickeln. Dabei verdanke ich viel meiner Intuition, die mich Chancen auch als solche erkennen lässt.

Chance ist das französische Wort für Glück. Wir Deutsche verwenden es zur Bezeichnung einer günstigen Gelegenheit. Das ist ganz und gar nicht das Gleiche. Günstige Gelegenheiten lassen sich manchmal herbeiführen. Glück nie. Ob sich einem günstige Gelegenheiten bieten, ist eine Sache. Eine ganz andere ist, ob man in der Lage ist, sie zu nützen. Ganz generell glaube ich, dass dies Dinge sind, die unserem Einfluss viel weniger unterliegen, als wir gerne wahr haben wollen.

Unsere Zukunft ist vielfältig. Es gibt kein „entweder – oder“. Unsere Zukunft besteht aus einem „sowohl – als auch“: Verbrennungsmotoren und Elektromobilität, Stahl und Karbon, Premium-Automobile in der Oberklasse und im Kleinwagen-Segment, Etablierte Märkte und Wachstumsregionen, Produktivität und Mitarbeiterorientierung. Wir bilden die gesamte Bandbreite ab. Das ist unser Vorteil im Wettbewerb.

Leander Lichti Schauspieler Mein Film „Solange Du hier bist“ lief auf dem Filmfest in Locarno. Eines Abends traf ich dort den finnischen Regisseur Aki Kaurismäki auf einer der Partys. Da Kaurismäki meinen Film gesehen hatte, wurden wir einander vorgestellt. Mit den Worten „bonne chance“ wurden wir vom Festivaldirektor alleine gelassen. „Viel Glück? Wofür?“ Ich fühlte mich geehrt, wollte in Kaurismäki einen Gleichgesinnten, einen Lehrer oder wenigstens einen Kollegen sehen. Stattdessen stieß meine Ehrfurcht auf großes Desinteresse. Kaurismäki konnte oder wollte weder englisch, französisch noch deutsch sprechen, und ich konnte und wollte alles. Außer Finnisch. Und ich dachte immer wieder an das leise „bonne chance!“ des Direktors. „Viel Glück! Jetzt weiß ich wofür!“ Plötzlich wurde das quälende Schweigen durch ein abwesendes „it was nice meeting you“ gebrochen, und mein Idol verschwand. Immerhin: Aki Kaurismäki hat mich angelogen. Wer kann das schon von sich behaupten? raumbrand 25

Andreas Schweiger

Stefan Hunstein

Koch

Schauspieler und Fotokünstler

Meine Franzi und ich haben vor fünf Jahren die Gelegenheit bekommen, ein Restaurant zu eröffnen. Wir haben die Chance genutzt zu zeigen, was wir mit viel Liebe und Handwerk erreichen können. Wem ist bewusst, wie viel Vertrauen Menschen einem Restaurant vorab schenken? Unsere Gäste wollen keinen Schlauch kaufen, sie wollen mehr als nur einen Kaufartikel. Eine Erfahrung, ein Erlebnis, Sinnlichkeit. Sie nehmen „Lebensmittel“ in sich auf, die wir bewusst für sie auswählen. Wir wollen, dass sie in vollen Zügen genießen, denn Genuss ist einmalig. Ein Koch hat genau diese eine Chance. Wenn er die nicht wahrnimmt, kommt der Gast nie wieder. Die Chance ist vertan! Und ist das Leben nicht viel zu lecker, um vergebenen Chancen hinterher zu trauern?

Als Kunst- und Theaterschaffender lebe ich von der Hoffnung der Veränderbarkeit des Betrachters. Mit jeder Vorstellung, an jedem Abend, mit jeder Ausstellung gibt es hierfür eine neue Chance. Die Menschen haben im Idealfall etwas Ungewöhnliches erlebt und gehen verändert zurück in die Welt und verändern diese. In meiner Arbeit geht es um das Fokussieren von Botschaften, die Darstellung von Zuständen und Missständen und um das Vermitteln politischer Einsichten und poetischer Vorstellungen. Ich nutze vehement die Gelegenheiten dazu. Doch dann überlasse ich die Arbeit ihrer Wirkung und gebe sie frei an das Gegenüber. Das ist eine Chance, und ich nutze sie.

Nachgefragt

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Das Magazin für erlebbare Kommunikation im Raum