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„Nicht nur in chinesischen Hinterhöfen wird gekonnt plagiiert. Auch hierzulande wird kopiert.“

Die chinesischen CopyArtisten hat der Fotograf Michael Wolf im Künstlerdorf Dafen bei ­Shenzhen fotografiert. Gerhard Richters Zwei Kerzen von 1982: € 21,- ; Leonardo Da Vincis Mona Lisa: € 60,-; ein Selbstporträt von Chuck Close: € 300,- (Seite 21) Flag von Jasper Johns: € 36,- (Seite 22) Ein Neo Rauch für € 130,(Seite 24) Die Preise beziehen sich auf den Verkaufspreis für die Gemälde in China.

nen, als er einige Monate davor in Essen um die Ecke gebogen war. Vielleicht hätte er schon stutzen sollen, nachdem der rechtliche Beistand des Fachverbandes für Messen und Ausstellungen FAMAB gewarnt hatte und von blutigen Nasen einiger Kollegen berichtete. Recht haben und Recht bekommen, ist bekanntlich nicht immer deckungsgleich.

Gratwanderung: Ideenschutz und Abstand Im Streit um die Urheberschaft geht WengerWittmann als Verlierer vom Platz. „Unglücklicherweise – und wie wir finden – auch ungerechterweise sind wir zurückgewiesen worden. Dennoch wollen wir“, so Wenger, „alle in dieser Branche dazu animieren, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen – und das nicht nur aus Sicht der Auftragnehmer.“

Engagement und Vertrauen Es wäre zum Lachen, wenn die Sache nicht so ernst wäre. Engagement setzt Zeit, Nerven und vor allem eine finanzielle Vorleistung voraus. Es geht schließlich – auch volkswirtschaftlich betrachtet – um viel Geld. Jeder Euphorie folgen Rückschläge – wie aber die eigene Idee vor dem Plagiat und dem Ideenklau schützen? Den Geschäftspartner sorgfältiger aussuchen? Nutzungsrechte als Teil einer Übereinkunft nach einer Entwurfspräsentation vorab schriftlich zusichern lassen? Sich soweit möglich juristisch absichern? Aber: Wer will schon diesen ganzen administrativen und rechtlichen Kram, wenn es heißt, mit Begeisterung Ideen zu entwickeln und umzusetzen? Leider bieten auch diese Strategien keinen absoluten Schutz. Auch der Ruf nach dem Gesetzgeber ist sinnlos. Selbst wenn die technische Entwicklung der letzten

24 Ideenklau

Alex Wiedemann

Jahrzehnte Veränderungen mit sich bringt, die eine Anpassung bestehender Gesetze und Vorstellungen erfordern und insbesondere im Urheberrecht die Notwendigkeit solcher Veränderungen deutlich ist. Wenn schon die Forderung nach einer Liberalisierung und Modernisierung der bestehenden Urheberrechtsgesetze zu den Gründungsthemen der Piratenbewegung gehört und nach wie vor einen der Kernpunkte des Programms und der Identität der Piraten darstellt. Wo den Menschen die Gier zum Geld treibt oder das Mundwerk zu locker ist, kann eine gute Idee immer einen Weg um einen herum finden. Einen wirksamen Schutz gegen Klone gibt es nicht. Die Rechtslage ist hier zu kompliziert. Etwaige Klagen verschlingen zudem Geld und Zeit. Nicht benutzte Leistung nicht zu zahlen, ist ebenso Usus wie genutzte Leistung zu zahlen. Aber – wie im vorliegenden Fall – anstelle des korrekten Ankaufs eines Entwurfs und anschließender Eigenrealisierung mit einem anderen Partner lieber heimlich – zu Lasten des Ideengebers – Geld sparen zu wollen, stellt einen moralischen Verstoß gegen die Prinzipien des Fair Play dar. Die Agenturen sollten sich aber nicht entmutigen lassen. In jeder Herde gibt es ein paar schwarze Schafe. Die Schlechten dürfen allerdings nicht das ganze System ehrlichen und vertrauensvollen Geschäftsgebarens der Guten in Frage stellen. Und davon gibt es glücklicherweise viele. Deshalb werden immer wieder Ideen geschaffen, die zum einen Raum für Inspirationen zu neuen eigenständigen Ideen geben, aber auch gleichzeitig den Reiz auslösen, kopiert werden zu wollen. Kopiert zu werden ist bekanntlich eine große Ehre. Insbesondere, wenn der redliche Lohn dafür geflossen ist.

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Das Magazin für erlebbare Kommunikation im Raum

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