Page 14

Groupon: Deine Stadt zum halben Preis Spare täglich bis zu 70 Prozent in München, ­Tokio, Paris – bei Sport & Freizeit, Kino & Theater, Beauty & Wellness, Restaurants & Bars. In 40 Ländern der Welt fahnden seit zwei Jahren Rabattjäger über das Internetportal Groupon nach Schnäppchen und lernen dabei auch den Friseur um die Ecke sowie den kleinen Italiener zwei Straßen weiter kennen. Groupon ist Win-Win. Der Verbraucher spart, das werbende Unternehmen zieht Kunden, Groupon lebt von der Provision und macht mit 4.000 Mitarbeitern eine Milliarde Dollar Umsatz.

stimmt schließlich darüber ab, welche Designs es tatsächlich aufs T-Shirt schaffen. Die T-Shirts werden dann in begrenzter Stückzahl produziert und über den Threadless-Online-Shop vertrieben. Vorteil für die Crowdsourcing-Company: Keine Ladenhüter, null Marktforschungs- und Innovationskosten, die Neukundenakquise erfolgt obendrein kostenfrei per Schneeballsystem. Jeder Nutzer, der einen Designvorschlag eingereicht hat, wird seine Freunde und Bekannten auf die Webpage lotsen, damit sie für seine Innovation stimmen. Jeder Threadless-Nutzer, dessen T-Shirt prämiert und produziert wird, bekommt als Urheber 2000 Dollar plus einen Gutschein von Threadless im Wert von 500 Dollar. Wird das Design noch einmal neu aufgelegt, gibt es wieder 500 Dollar. Ruhm und Ehre, zu den Threadless-Design-Prämierten zu gehören, ist aber für viele die eigentliche Motivation mitzumachen. Für junge Designer hat es sich bereits als Karriere förderlich erwiesen, Erfolge bei Threadless vorweisen zu können, auch in der nicht virtuellen Designwelt sind Wettbewerbssiege bereits zur Währung an sich avanciert.

Citizensourcing sorgt für mehr Waffengleichheit zwischen Staat, Wirtschaft und Bürgern Doch nicht nur Unternehmen können per Crowdsourcing gemeinsam mit ihren Kunden Innovationen ohne viele Streuverluste hervorbringen. Interaktive Wertschöpfung macht auch den Staat schlanker. Britische Bürger können seit geraumer Zeit auf der Website von FixMyStreet, selbständig Schlaglöcher und defekte Infra­struktur (via Foto) melden und die Straßenmeistereien auf den Plan rufen. Dafür musste lediglich das offizielle Kartenmate-

Jetzt! Chance: Mobile Medizintechnik „Viele Kliniken und Arztpraxen in Entwicklungsländern, in China, Indien, Brasilien, aber auch in Deutschland sind knapp bei Kasse. Schon deshalb ist der Markt für mobile volldigitale Röntgenapparate riesig, weil sie nur einen Bruchteil von dem kosten, was für Großanlagen anfällt. Unsere Chance als absoluter Spezialist in der Medizintechnik gegenüber den Allroundern wie Siemens oder General Electric ist Innovation. Wir sind Technologieführer bei mobilen Durchleuchtungsgeräten.“ Klaus Hörndler, Geschäftsführer des Röntgen­ apparatherstellers Ziehm Imaging in Nürnberg

14 Schwerpunkt Chancen

rial des englischen Straßennetzes ins Netz gestellt werden. Pro Woche gehen heute auf www.fixmystreet.com 1000 Schadensmeldungen ein. Die Stadt Melbourne in Australien entschied sich sogar, übers Internet diejenigen an der Planung und Gestaltung des öffentlichen Raumes zu beteiligen, die selber in Melbourne leben und arbeiten. Nach verheerenden Waldbränden stellte die Stadt die Pläne zur Neugestaltung ins Netz. Die Bürger konnten ihre Kommentare abgeben, die Pläne aber auch selbst bearbeiten. Auch die Stadt New Orleans organisierte einen Urban-Planning-Prozess nach dem Tropensturm Katharina. Fazit: Durch Citiziensourcing werden öffentliche Entscheidungsprozesse nicht nur transparenter, sie sorgen auch für mehr Waffengleichheit zwischen Staat, Wirtschaft und Bürgern.

Wer unfair spielt, hat schneller ausgespielt Doch Vorsicht! Wer die Chancen von Crowdsourcing für sich nutzen will, sollte fair bleiben. – Bei jemandem Chancen zu haben, bedeutet, aufgrund von Sympathie mit Entgegenkommen rechnen zu können. Umgekehrt heißt das: Seine Chancen verwirkt, wer Sympathien durch unfaire Methoden verspielt. In der digitalen Ökonomie werden Falschspieler schnell entlarvt und an den Pranger gestellt. Julia Leendertse arbeitet als freie Wirtschaftsjournalistin in Köln. Sie schreibt regelmäßig für Wirtschaftswoche und Handelsblatt.

Chance: Open Innovation „Open Innovation-Plattformen sind nicht nur nützlich für die Entwicklung von Produkten. Sie könnten uns auch dabei helfen, Lösungen für das Problem der Erderwärmung und Energieknappheit zu finden“. Dr. Radhakrishna Ammanamanchi, Mitglied der Geschäftsführung des Shriram Institute for In­ dustrial Research im indischen Bangalore und ei­ ner der erfolgreichstens Problemlöser der Open Innovation-Plattform InnoCentive

Chance: Preisbewusste Kunden „Harte Nutzen- und Kostenvorteile werden auf lange Zeit bedeutsam bleiben. Das birgt auch Chancen. Strategische Antworten darauf können erweiterte Garantien oder Probezeiten, großzügige Rücktrittsklauseln, erfolgsabhängige Be-

zahlung, Tauschgeschäfte, neue Servicemodelle, Vertiefung der Wertschöpfungskette sein.“ Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Simon, Gründer der Un­ ternehmensberatung Simon Kucher & Partners in Bonn sowie Autor des Buches „Die Wirtschafts­ trends der Zukunft“, Campus, 2011

Chance: Gesundheitsbewußte Chinesen „Gerade die chinesische Oberschicht ist sehr gesundheitsbewusst. In China gibt es aber keine privaten Häuslebauer. Grund und Boden gehören dem Staat. Der Markt für Luxusvillen liegt in der Hand von rund 100 Immobilienentwicklern. Bei jedem neuen Wohngebiet entstehen Musterhäuser. Die sind unsere Chance, die Marke Klafs durch das direkte Produkterlebnis in China bekannt zu machen.“ Stefan Schöllhammer, Geschäftsführer des Saunenund Spa-Herstellers Klafs in Schwäbisch Hall raumbrand 25

raumbrand 25  

Das Magazin für erlebbare Kommunikation im Raum

Advertisement