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Wissenschaftler aus Bangalore in Indien, erkannte darin eine Chance, sich und einigen seiner Landsleuten zu einem ordentlichen Einkommen zu verhelfen. Ammanamanchi ist einer der emsigsten Problemlöser, wenn es gilt, Lösungen für biochemische oder chemische Pro­ bleme über Innovationsplattformen zu finden. Gerade im Fachgebiet Chemie löste der Inder zahlreiche Aufgaben, indem er Teams von Dutzenden Experten koordinierte, die mit ihm gemeinsam Lösungen für die veröffentlichten offenen Fragen fanden. Frank Piller von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen sieht deshalb bereits einen Paradigmenwechsel in der Innovationskultur anbrechen. „Open-Source-Wissenschaft hat ähnlich hohes Potenzial, Erfolgsgeschichte zu schreiben, wie die Entwicklung der Open-Source-Software Linux,“ urteilt der Innovationsforscher. „Deutsche gehören sogar zu den aktivsten Nutzern unserer Innovationsbörse“, bestätigt Innocentive-Chef Dwayne Spradlin. Anfang 2010 eröffnete das 32-köpfige Unternehmen seine erste Niederlassung außerhalb der USA in München. Auch die Münchner Innovationsplattform Hyve brachte für den Schmuckhersteller Swarovski einen Wettbewerb für Uhren- und Schmuckdesign ins Netz. In wenigen Wochen bildete sich um die Aufgabenstellung herum eine Designer-Community mit 1600 Menschen aus aller Welt, die mehr als 2000 Vorschläge einreichten. Die von Kunden am besten bewerteten Uhren-Entwürfe wurden um-

Marktchance: Augmented Reality Was möglich ist, wenn virtuelle und reale Welt sich dank Augmented Reality (AR) vermischen, macht der Sportschuhhersteller Adidas vor: Die Adidas-Sneakers „Superstar“ oder „Samba“ dienen ihren Trägern als Eintrittskarte in eine virtuelle Welt: In die Webcam gehalten, liest der Computer auf der Schuhzunge einen Code – und schaltet das 3D-Internetspiel „The Adidas Neighbourhood“ frei. Realisiert hat das die Münchner Firma Metaio, einer der Pioniere auf dem Feld der erweiterten Realität. Dank AR können Smartphone-Besitzer auch real fotografierte Räume schon mal virtuell einrichten. Ganz weit sind Forscher des Fraunhofer Instituts: Sie haben eine Brille entwickelt, die Joggern passend zum Gelände auf Augenblinzeln Motivationsmusik einspielt. Wer gerade einen Hügel raufrennt, kann dies zu Kate Bush’s Song

12 Schwerpunkt Chancen

Marktchance: Gesundheit Die Tuningbranche hat ein neues Feld für sich entdeckt: Rollatoren. Die meist schweren und optisch grenzwertigen Gehhilfen verwandeln Hersteller wie Bischoff & Bischoff in Karlsbad bei Stuttgart mit Hupen, Led-Leuchten oder Schirmhaltern in Geriatrieflitzer. Die aufgemotzten Rollatoren können auch schon mal ein Navi haben oder in einer Ultraleicht-Version Rentner auf die Rolle locken. Mit rund 260 Milliarden Euro Umsatz ist der Gesundheitsmarkt die größte Wirtschaftsbranche in Deutschland. Stark wachsend ist vor allem der Markt mit individuellen Gesundheitsleistungen wie freiverkäufliche Arzneimittel, Bio-Lebensmittel, Functional Food und Wellness. Dass sich nicht nur im Gehen, sondern auch bei der Büroarbeit an der Gesundheit Geld verdienen lässt, beweist der Büromöbelhersteller Steelcase. Er entwickelte eine Walk’n’Work-Station. Der Büroarbeiter hat seinen Computermonitor in einem Laufband in-

tegriert, um im Gehen mit maximal 3,2 km/h kreativ zu werken.

Marktchance: Elektronik von der Rolle Schalter, Siliziumchips oder Lämpchen auf Leiterplatten aufzulöten, ist „out“. „In“ ist es, Elek­ troden, Schaltkreise oder Leuchtstoffe auf Plastikfolien, die Bruchteile eines Millimeters dünn sind, aufzudrucken. Auf herkömmlichen Druckmaschinen entstehen so Elektronikfolien von der Rolle, aus denen sich Wegwerfprodukte wie Konzertkarten oder medizinische Teststreifen kostengünstig herstellen lassen. Elektronikfolien ermöglichen aber auch neue Produkte wie tapetenartige Folienlampen, Plastikbildschirme zum Einrollen oder transparente Solarzellen, die auf die Glasfassaden aufgeklebt werden. Und essbar soll die Elektronik auch schon bald sein: Forscher werkeln an Schaltkreisen aus BetaCarotin oder Glucose, die auf Früchte gedruckt den Reifegrad verraten. Marktforscher IDTechEx prognostiziert den Markt für Elektronik von der Rolle auf 55 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr 2020, zehn Jahre später, 2030, sollen es schon 300 Milliarden Dollar Umsatz sein. raumbrand 25

Foto: © S. 10 / S. 12: Nadav Neuhaus / laif; S. 13 o. Nicolas Reynard / laif; S. 13 u. Siering / imago; S. 15 Sven Simon / imago

Tu ’s!

„Running up the Hill“ tun. Marktforscher Gartner schätzt, dass der Markt rund um AR bis 2015 rund 1,5 Milliarden Dollar schwer sein wird.

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