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Achtung! Die „Isierungen“ gehen um. Globalisierung und Digitalisierung stellen zurzeit die Geschäftsmodelle auf den Kopf. Wer seine Chance nutzen will, muss jetzt die Gelegenheit beim Schopfe packen, das Eisen schmieden, solange es heiß ist – im Berufsleben wie im Privaten. Chance bezeichnet eine günstige Gelegenheit, aber auch die Aussicht, bei jemandem, in etwas durch Sympathie Erfolg zu haben. In der Statistik ist das Wort ein Synonym für die Wahrscheinlichkeit, mit der ein günstiges Ereignis eintritt. raumbrand zieht Bilanz.

von Julia Leendertse

Klassisch klingt das so: „BayWa sieht neue Chancen in Energiewende – Dividende wird erhöht.“ Der Agrarhändler BayWa sieht im Zuge der Kursänderung der Bundesregierung hin zur erneuerbaren Energie und weg von der Atomenergie auch Chancen für das eigene Geschäft. Erneuerbare Energien würden weiter an Bedeutung gewinnen, so BayWa-Vorstandsvorsitzender Klaus Josef Lutz. In der Unternehmenssparte erneuerbare Energien soll im Gesamtjahr ein Betriebsgewinn (Ebit) von 25 Millionen Euro erzielt werden, so Lutz. Damit wird die Sparte überdurchschnittlich wachsen. Gute Wachstumsaussichten sieht der BayWa-CEO auch bei Getreide, welches in Zukunft auch für Autos als Energiequelle interessanter werden könnte. Die Aktionäre stimmten zudem einer Erhöhung der Dividende um 25 Prozent auf 0,50 Euro je Aktie zu, wie die BayWa weiter mitteilte. Es geht auch anders: Man nehme drei Berliner Jungs mit Informatikstudium, das Internet und ein paar Investoren. Heraus kommt eine Geschäftsidee, die Supermarktkunden intelligenter macht als sie jemals zuvor waren. Barcoo heißt die Software, die die Firmengründer Benjamin Thym, Martin Scheerer und Tobias Bräuer kostenlos Verbrauchern zur Verfügung stellen. Via Handy können sie damit den Barcode von Produkten vor Ort im Supermarkt scannen und vor dem Kauf unabhängige Verbraucherinformationen einholen. Wie viel Strom frisst mein neuer Computer wirklich? Wie steht es um die Ökobilanz des Trinkjoghurts? Gibt es den vielleicht woanders billiger? Und was würde eine Lebensmittel-Ampel über das Produkt sagen, wenn es die denn endlich gäbe? Ein Blick auf das Handy genügt.

Die Weisheit der Massen nutzen Die Antworten von Barcoo basieren auf Informationen von Greenpeace, WWF und der Verbraucherzentrale Hamburg. Und sie basieren auf dem Wissen von mittlerweile drei Millionen Barcoo-Nutzern, die in ihrer Freiraumbrand 25

zeit Sonderangebote eintippen oder den Fettgehalt von Chips oder Käse nach Barcoo-Kritierien in ein Ampelsystem einordnen. Damit nutzt Barcoo – wie viele andere der neuen Internetfirmen auch – die Weisheit der Masse. Die Idee: Jeder erledigt in seiner Freizeit in ein paar Minuten unentgeltlich klitzekleine Aufgaben. Aus den klitzekleinen Erledigungen wird ein großes Ganzes, von dem am Ende alle profitieren.

Die Wertschöpfung wird interaktiv Hoch lebe die neue digitale Wirtschaft. Sie macht die Wertschöpfung interaktiv. Doch die bange Frage der analogen Arbeiter und Unternehmen lautet: Wenn alle kostenlos arbeiten, wer wird dann morgen noch Geld verdienen können? Die Antwort lautet: Im Prinzip jeder. Aber eben nur anders. Barcoo etwa beschäftigt zwölf Mitarbeiter. Manchen Werbeagenturen jedoch flößt die Barcoo-Geschäftsidee Angst ein. Wird man uns auch morgen noch brauchen, wenn Coca-Cola, Nestlé oder Bahlsen schon über Barcoo bei der Kaufentscheidung selbst, punktgenau Werbung schalten können? Die Barcoo-Gründer kontern so: Wir wollen doch nur ein Stück vom Werbekuchen abhaben. Unser Geschäftsmodell ist eine Innovation, die weitere Innovationen nach sich ziehen wird. Kein Verbraucher hat sich vor der Barcoo-Ära jemals zuvor so viele Informationen zu Produkten aus dem Internet gezogen wie heute.

Co-Innovation ist im Kommen Fazit: Mag sein, dass einige alt hergebrachte Geschäftsmodelle über die Wupper gehen. Aber die Chancen, dass andere Geschäftsmodelle entstehen und ihren Erfindern und deren Mitarbeitern ein Auskommen ermöglichen, standen noch nie so wie gut heute. Start-ups und Technologiekonzerne beispielsweise erhalten durch Innovationsplattformen fast für lau Zugang zu Genies. Aber auch die smarten Problemlöser können über Co-Innovation à la Crowdsourcing persönlich Kapital aus der neuen Art zu forschen schlagen. Über Innovationsplattformen wie Innocentive, Ninesigma und Fellowforce schreiben Unternehmen aus Pharmazie, Chemie oder Informationstechnologie sowie Telekommunikation Wettbewerbe im Internet aus und lassen Forscher, Studenten und Hochschullehrer in aller Welt Probleme lösen. Für die besten Einreichungen winken Preisgelder in Höhe von bis zu 100.000 Dollar. Radhakrishna Ammanamanchi etwa, ein Schwerpunkt Chancen

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Das Magazin für erlebbare Kommunikation im Raum

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