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pert eM Hru

konzerte

foruM fĂœr alte Musik

oper auf deM klosterHof

giuseppe Verdi i loMBardi alla priMa crociata

prograMM 2011

presenting partner

Hauptsponsoren


Wir danken unseren Sponsoren Die grosszügige Unterstützung unserer Sponsoren hat es uns ­ermöglicht, die 6. St.Galler Festspiele zu realisieren. Grosser Dank gilt allen, insbesondere den Hauptsponsoren sowie dem Kanton und der Stadt St.Gallen, für ihr nachhaltiges Engagement.

presenting partner

Hauptsponsoren

co-sponsoren OSTSCHWEIZER STIFTUNG FÜR MUSIK UND THEATER

Steinegg-Stiftung

Metrohm-Stiftung

Bertold-Suhner-Stiftung

Hans und Wilma Stutz-Stiftung

MEDIENPARTNER

festspielpartner

sachsponsoren

Katholische Kirchgemeinde, Katholischer Konfessionsteil,


FESTSPIELKALENDER kloSTerbezirk und SPIELstÄttEN

Datum

Was

So, 19.06.2011

Einführung zu den 6. St.Galler Festspielen, Matinee

Fr, 24.06.2011

I Lombardi alla prima crociata, Premiere

Sa, 25.06.2011

I Lombardi alla prima crociata

So, 26.06.2011

Festgottesdienst

Orgel im Morgenland, Orgelmusik aus und über den Orient,

Willibald Guggenmos, Orgel

Di, 28.06.2011

I Lombardi alla prima crociata

Mi, 29.06.2011

Do, 30.06.2011

… A Violino senza Basso accompagnato: Werke für Violine solo Tanz – Pert Em Hru Fenster zur Zeit: Präludien und Fugen von Johann Sebastian Bach

und Dmitri Schostakowitsch

Tanz – Pert Em Hru

Fr, 01.07.2011

Jordi Savall – Orient und Okzident

I Lombardi alla prima crociata

Sa, 02.07.2011

I Lombardi alla prima crociata

Mo, 04.07.2011

Di, 05.07.2011

O felice morire: Florenz um 1600 – Ensemble Phoenix München

Mi, 06.07.2011

I Lombardi alla prima crociata

Do, 07.07.2011

Festkonzert – Lobgesang: Felix Mendelssohn Bartholdy,

Sinfonie Nr. 2 B-Dur op. 52

Fr, 08.07.2011

I Lombardi alla prima crociata

Tanz – Pert Em Hru

Einlass: 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn.


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SPIELSTÄTTEN DER ST.GALLER FESTSPIELE 4

1

Bühne Klosterhof Kathedrale 3 3 St.Laurenzen SPIELSTÄTTEN DER ST.GALLER FESTSPIELE 4 Schutzengelkapelle 1

T

2

Bühne Klosterhof Kathedrale 3 St.Laurenzen SPIELSTÄTTEN DER ST.GALLER FESTSPIELE 4 Schutzengelkapelle

Eine vielfältige Gastronomie stimmt ab 18.30 Uhr auf das bevorstehende Programm ein.

1 2

1 2 3 4

Bühne Klosterhof Kathedrale St.Laurenzen Schutzengelkapelle

Eine vielfältige Gastronomie stimmt ab /Theater 18.30 Uhr auf Tonhalle das bevorstehende Programm ein.

Wo

Wann

Pfalzkeller

11:00 Uhr

Klosterhof/Theater

1

20:30 Uhr

Klosterhof/Theater

1

20:30 Uhr

Kathedrale

2

11:00 Uhr

Kathedrale

2

17.00 Uhr

Klosterhof/Theater

1

20:30 Uhr

Schutzengelkapelle

4

19.00 Uhr

Kathedrale

2

21:00 Uhr

St.Laurenzen

3

19.00 Uhr

Kathedrale

2

21:00 Uhr

St.Laurenzen

3

19:00 Uhr

Klosterhof/Theater

1

20:30 Uhr

Klosterhof/Theater

1

20:30 Uhr

Kathedrale

2

21:00 Uhr

St.Laurenzen

3

19:00 Uhr

Klosterhof/Theater

1

20:30 Uhr

Kathedrale

2

20:00 Uhr

Klosterhof/Theater

1

20:30 Uhr

T

VIP

Ticketverkauf und Information Bereich für Ihre Events

Eine vielfältige G nomie stimmt ab 18.30 Uhr auf da stehende Program T

VIP

Ticketverkau und Informa Bereich für


SPONSOREN

Giuseppe Verdis Oper «I Lombardi alla prima crociata» wurde 1843 mit grossem Erfolg in der Mailänder Scala uraufgeführt und trat danach einen beispiellosen Siegeszug durch die führenden Opernhäuser Europas an. Heute gehört das packende Drama um Rache, Liebe und Vergebung zu den eher selten gespielten Werken des Komponisten. Umso verdienstvoller ist es, dass die St.Galler Festspiele ihr Publikum mit dieser Oper überraschen, die so hervorragend in die einzigartige Atmosphäre des Klosterhofes passt. Bei der Gründung der St.Galler Festspiele vor sechs Jahren war nicht abzusehen, ob das Wagnis von Erfolg gekrönt sein würde. Inzwischen haben sich die St.Galler Festspiele mit ihrem Programm etabliert. Immer mehr Kulturinteressierte schätzen die Möglichkeit, während zwei Wochen im Sommer ausgezeichnete Darbietungen in den Bereichen Oper, Tanz und klassische Musik zu geniessen. Die Credit Suisse unterstützt über ihr Kultursponsoring herausragende Institutionen in den Bereichen klassische Musik, Jazz und Kunst und das mit langfristiger Perspektive. Als Gründungssponsor freuen wir uns über die gelungene Etablierung der St.Galler Festspiele und sind gespannt auf ihre weitere Entwicklung. In diesem Sinne wünschen wir allen Gästen des Festivals unvergessliche Momente an den St.Galler Festspielen.

Arthur Bänziger Credit Suisse, Leiter Private Banking der Region Ostschweiz

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SPONSOREN

Es geht um Liebe, Glaube und Politik – Musik und Tanz spannen einen Bogen zwischen Orient und Okzident. Themen und Schauplätze sind also an Aktualität kaum zu überbieten. Und Sie sind mittendrin. Geniessen Sie ihn – den St.Galler Festsommer.

Erich Walser Präsident des Verwaltungsrates der Helvetia

Die regionale Verankerung der Migros Ostschweiz, die Unterstützung von kulturellen und sozialen Projekten und auch die Ermöglichung des Zugangs unsere Kunden und Mitarbeitenden zu speziellen kulturellen Anlässen sind Themen, die uns wichtig sind. Judith Bösch Leiterin Public Relations/Kulturprozent Migros Ostschweiz

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GRUSSWORTE

«Mit der neu gestalteten südlichen Altstadt konnte die jetzt schon einmalige und wunderschöne Ambiance der St. Galler Festspiele noch weiter dazu gewinnen. Das Verlassen des prachtvollen Festspielgeländes vor der Kathedrale und das anschliessende Flanieren über neu ausgestaltete Plätze und Gassen lassen die schönen Melodien und Eindrücke besonders eindrücklich nachklingen. Es ist ein wahrer Genuss.» Thomas Scheitlin Stadtpräsident St.Gallen

«Ich bin immer wieder beeindruckt vom grossen Engagement aller Mitwirkenden bei unseren St.Galler Festspielen. Ob Direktion, künstlerische Fachhkräfte auf der Bühne und im Orchester oder die technischen und logistischen Spezialisten, alle sind sie mit Leib und Seele dabei, wenn die Festspiele eröffnet werden. Und dieses Gefühl der gemeinsamen Lust an der grossen Arbeit macht St.Gallen eben aus. Man freut sich an einer gelungenen Premiere bereits auf das nächste Mal!»

lic. phil. Kathrin Hilber Regierungsrätin Kanton St.Gallen

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GRUSSWORTE

Die St.Galler Festspiele sind eine einmalige Chance, das Kulturschaffen von Konzert und Theater St.Gallen um eine faszinierende Facette zu bereichern und die verschiedenen Sparten in spezielles Rampenlicht zu stellen. Mit einem hochkarätigen Programm in einem klarem Konzept hoffen wir, eine noch breitere Bevölkerungsschicht anzusprechen und Lust zu wecken, auch das vielfältige Programm der kommenden Saison 2011/2012 in unseren Stammhäusern Theater, Tonhalle und Lokremise zu besuchen. Wir freuen uns auf Sie!

Dr. Urs Rüegsegger

Verwaltungsratspräsident Konzert und Theater St.Gallen

Seien Sie herzlich Willkommen zu den 6. St.Galler Festspielen! Die Politik, unsere Sponsoren und die Freunde der St.Galler Festspiele haben den Willen ausgedrückt, die Geschichte der Festspiele weiter zu schreiben, in dem Sie uns ideell und materiell unterstützen. Dafür gilt Ihnen unser herzlicher Dank. Sie, werte Festspielbesucher, wollen wir mit der glutvollen Musik Giuseppe Verdis, der spirituellen Verbindung von Musik und Tanz in der Kathedrale und unserem hochkarätigen Konzertprogramm begeistern! Dies möglich machen die Mitwirkenden auf und hinter der Bühne, denen unsere volle Anerkennung gilt. Ihnen, wünschen wir inspirierende Augenblicke bei den 6. St.Galler Festspielen.

Werner Signer

Geschäftsführender Direktor von Konzert und Theater St.Gallen

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6. ST.GALLER FESTSPIELE

I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA Das Publikum in der Mailänder Scala hat 1843 die Uraufführung von Verdis Oper begeistert aufgenommen. «I Lombardi alla prima crociata», Verdis grosser Erfolg unmittelbar nach «Nabucco», ist seine einzige Oper, deren literarische Vorlage auf eine italienische Quelle zurückgeht. Pagano lebt als Einsiedler in Palästina, um für den Mord an seinem Vater zu sühnen. Sein Bruder Arvino führt die Lombarden beim Ersten Kreuzzug an, auf den ihn seine Tochter Giselda begleitet. Das Schicksal will es, dass sie sich in Oronte, dem Sohn des Fürsten von Antiochia verliebt. Die beiden fliehen, nachdem die Kreuzritter ein Blutbad angerichtet haben. Oronte erliegt der schweren Verwundung im Augenblick seiner Taufe und hinterlässt eine verzweifelte Giselda. Im Angesicht des eroberten Jerusalems versöhnen sich die verfeindeten Brüder.

In Kooperation mit

Freitag, 24. Juni 2011 Samstag, 25. Juni 2011 Dienstag, 28. Juni 2011 Freitag, 1. Juli 2011 Samstag, 2. Juli 2011 Mittwoch, 6. Juli 2011 Freitag, 8. Juli 2011 Beginn um 20.30 Uhr auf dem Klosterhof (bei schlechter Witterung im Theater) Wettertelefon: 071 242 06 05


I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA

I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA Oper in vier Akten von Giuseppe Verdi (1813 – 1901) Libretto von Temistocle Solera nach dem gleichnamigen Versepos von Tommaso Grossi Uraufführung am 11. Februar 1843 im Teatro alla Scala, Mailand

OPENAIR-PRODUKTION AUF DEM KLOSTERHOF IN ITALIENISCHER SPRACHE

Musikalische Leitung Inszenierung Bühne Kostüme Licht Ton Choreinstudierung Dramaturgie Oronte Giselda Pagano Arvino Pirro Viclinda Acciano Sofia Prior der Stadt Mailand

Antonino Fogliani Guy Montavon Hank Irwin Kittel Uta Meenen Guido Petzold Frank Sattler Michael Vogel Susanne Schemschies Maxim Aksenov / Gabriele Mangione Katia Pellegrino / Elena Belakova Tigran Martirossian / Vazgen Ghazaryan Derek Taylor Tijl Faveyts Gergana Geleva Wade Kernot Fiqerete Ymeraj Marc Haag Sinfonieorchester St.Gallen Theater- und Opernchor des Theaters St.Gallen Theaterchor Winterthur (Einstudierung: Matthias Heep) Prager Philharmonischer Chor (Einstudierung: Jakub Zicha) Statisterie des Theaters St.Gallen

Produktionsleitung Regieassistenz Regieassistenz/Abendspielleitung Atelierleitung Bühnenbildassistenz Kostümassistenz Studienleitung Korrepetition Inspizienz Leitung Statisterie Premiere Dauer Aufführungsrechte

Peter H. Keller Patrick Bialdyga Peter Warthmann Peter Nolle Norman Heinrich Clarissa Freiberg Stéphane Fromageot Roberto Forno, Michał Miszkiel Heiko Micheler, Florian Rexer Inge Lörincz 24. Juni 2011 2 Stunden, 40 Minuten (eine Pause) G. RICORDI & CO. Bühnen- und Musikverlag GmbH, München Änderungen vorbehalten.

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I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA

DIE HANDLUNG

VORGESCHICHTE Pagano und sein Bruder Arvino sind Rivalen um die Gunst von Viclinda. Arvino kann ihr Herz erobern, daher versucht Pagano an ihrem Hochzeitstag den Bruder zu ermorden. Der Mordanschlag misslingt und Pagano wird in die Verbannung geschickt. Arvino und Viclinda führen ein ruhiges Leben und ihr Glück wird durch die Geburt ihrer Tochter Giselda gekrönt. Arvino wird zum Anführer der lombardischen Kreuzfahrer durch den Papst ernannt.

ERSTER AKT: DIE RACHE Mailand – Pagano kehrt aus dem Exil zurück und bittet seinen Bruder um Vergebung, die ihm auch gewährt wird. Sowohl Arvino als auch Viclinda sind misstrauisch. Viclinda bittet gemeinsam mit ihrer Tochter um göttlichen Beistand. Pagano vertraut Arvinos Knappen Pirro an, dass er Viclinda nie vergessen hat und vergewissert sich der Unterstützung von Pirro und seiner Schergen bei der Ermordung von Arvino. Dem erneuten Mordversuch fällt nicht Arvino zum Opfer, sondern sein Vater Folco. Arvino will den Mord rächen, doch Giselda stellt sich schützend vor ihren Onkel. Erneut geht Pagano in die Verbannung.

ZWEITER AKT: DER MANN IN DER HÖHLE Antiochia – Das lombardische Kreuzfahrerheer steht vor den Toren der Stadt. Der Fürst von Antiochia Acciano erfleht Allahs Hilfe, um den Kreuzfahrern Einhalt zu gebieten. Giselda hat ihren Vater auf dem Kreuzzug begleitet und wurde von Accianos Gefolgsleuten entführt. Sie wird nun in seinem Palast, gut bewacht im Harem gefangen gehalten. Oronte, der Sohn Accianos, und Giselda lieben einander. Für Giselda will Oronte wie schon seine Mutter Sofia zum Christentum übertreten. – Pagano lebt als Eremit in einer Höhle und erwartet sehnlichst die Kreuzfahrer, um im Kampf mit ihnen seine Schuld zu sühnen. Er geniesst den Ruf eines Heiligen. Pirro, der inzwischen zum Islam konvertiert ist, sucht Trost beim Eremiten. Er er-

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I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA

kennt Pagano nicht und dieser rät ihm, als Busse den Kreuzfahrern bei der Eroberung von Antiochia zu helfen. Arvino sucht ebenfalls den Rat des Eremiten und auch er erkennt seinen Bruder nicht. Dieser versichert ihm, dass er nicht nur seine Tochter bald wohlbehalten wiedersehen, sondern auch die Stadt Antiochia erobern wird. – Giselda klagt im Harem über ihr Schicksal und bittet in einem Gebet ihre verstorbene Mutter um Hilfe. Nach der blutigen Eroberung der Stadt erfährt Giselda, dass die Kreuzfahrer Oronte und Acciano getötet haben. Nun möchte Arvino seine Tochter endlich in die Arme schliessen. Doch Giselda wendet sich mit Grauen ab und klagt den Vater an. Arvino will seine Tochter für diese Gotteslästerung töten, doch er wird im letzten Augenblick davon abgehalten.

DRITTER AKT: DIE BEKEHRUNG Vor Jerusalem – Die trauernde Giselda steht im Heerlager ihres Vaters dem totgeglaubten und als Lombarde verkleideten Oronte unerwartet gegenüber. Sie beschliessen zu fliehen. Als Arvino von den Ereignissen unterrichtet wird, verflucht er seine Tochter und schwört erbittert Rache. Er erfährt auch, dass sein Bruder Pagano im Lager gesehen wurde. Arvino befiehlt seine Verfolgung und prophezeit seinen Tod. In der Höhle des Eremiten pflegt Giselda den tödlich verwundeten Oronte, der vom Eremiten getauft wird. Oronte stirbt in den Armen von Giselda im Augenblick seiner Taufe.

VIERTER AKT: DAS HEILIGE GRAB Oronte erscheint Giselda im Traum, tröstet sie und erzählt ihr von der Quelle Siloam. Die Lombarden erinnern sich erschöpft und halb verdurstend der Schönheit ihrer Heimat. Das Wasser der Quelle stärkt das Heer und die Eroberung Jerusalems gelingt. Im Kampf wird der Eremit tödlich verletzt. Er gibt sich als Pagano zu erkennen, Arvino vergibt ihm auf Bitten seiner Tochter Giselda und so kann Pagano in Frieden sterben.

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I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA

I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA Verdis frühe Choroper

Giuseppe Verdi (1813 – 1901) wird oft ausschliesslich mit den späteren Werken seiner künstlerischen Reife gleichgesetzt. Doch betrachtet man Verdis gesamtes Opernschaffen, so wird deutlich, dass über die Hälfte seiner Kompositionen zu den romantischen Opern zu zählen sind. Er selbst bezeichnet diese intensive Schaffensperiode als «Galeerenjahre», in denen er nicht nur handwerklich an Erfahrung gewann, sondern sich auch eine finanzielle Grundlage schuf, die ihn unabhängig von Opernaufträgen agieren liess. Sein endgültiger internationaler Durchbruch gelang ihm mit den Opern Rigoletto, Il trovatore und La traviata. Indem er gesellschaftliche Aussenseiter in den Mittelpunkt rückte, setzte er einen Meilenstein für die Auswahl der Opernstoffe. Verdi nahm auch stets grossen Einfluss an der Konzeption und Ausführung der Libretti.

ZWEI PATRIOTEN Zu Beginn seiner Karriere arbeitete er mit Temistocle Solera (1815 – 1878) zusammen, der ebenfalls von patriotischer Gesinnung war wie Verdi selbst. Gemeinsam gelang ihnen die Erfolgsoper Nabucco und nur elf Monate danach am 11. Februar 1843 die umjubelte Premiere von I Lombardi alla prima crociata an der Mailänder Scala. Über die Entstehung gibt es so gut wie keine Informationen, da weder Verdis Verhandlungen mit Bartolomeo Merelli, dem Impresario der Mailänder Scala, noch eine Korrespondenz mit seinem Librettisten Temistocle Solera überliefert sind. I Lombardi alla prima crociata ist Verdis einzige Oper, deren literarische Vorlage auf eine italienische Quelle zurückgeht. Soleras Vorlage war das gleichnamige Versepos von Tommaso Grossi (1790 – 1853), das um 1826 veröffentlicht wurde und in Italien einem breiten Publikum bekannt war. Grossi begründete damit seinen Ruf als einer der bedeutendsten italienischen Schriftsteller seiner Zeit und schuf ein Historiengemälde mit patriotischem Hintergrund, das einer Mischung aus geschichtlicher Wahrheit und literarischer Phantasie entsprang. Das Libretto gestaltet sich aufgrund der Zeitsprünge von zwanzig Jahren, der geographischen Distanz der Schauplätze und der episodisch auftauchenden Nebenfiguren wie Viclinda, Sofia oder Pirro als relativ kompliziert, dennoch bleibt der patriotische Grundtenor erhalten. Auch wenn die Handlung sehr weit in die Vergangenheit reicht, waren die Parallelen zur politischen Situation Oberitaliens offensichtlich. Der bewusst epischen Erzählweise dient der Erste Kreuzzug im Jahr 1099 als Rahmenhandlung der beiden Haupthandlungsstränge um Pagano, den Vatermörder auf der einen und die Liebesbeziehung von Giselda und Oronte auf der anderen Seite.

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I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA

Das Publikum feierte stürmisch die Besetzung an der Mailänder Scala und sicher war auch der aktuelle politische Bezug zur habsburgischen Fremdherrschaft eine wichtige Komponente für den Erfolg. Zum ersten Mal musste sich eine Oper Verdis der Zensur stellen. Der Erzbischof von Mailand erhob vor der Premiere den Vorwurf der Blasphemie, da religiöse Handlungen wie eine Taufe auf der Bühne zu sehen seien. Der Polizeidirektor Torresani forderte nur eine geringe Änderung im Libretto und reagierte mit folgenden Worten auf die Einwände des Klerus: «Ich werde mich nie dazu hergeben, einem so vielversprechenden, jungen Künstler die Flügel zu beschneiden. Führen Sie Ihre Oper auf; ich übernehme die Verantwortung.» Verdi traf mit seinem Werk den Geist und die revolutionäre Stimmung der Zeit.

VOLK, HELD, GLAUBE, LIEBE UND TOD Die Auseinandersetzung mit seinem Frühwerk veranschaulicht die Bedeutung der italienischen Romantik als Grundlage für Verdis Schaffen. Vier zentrale Themen beherrschten die geistige Welt der italienischen Romantik: «Volk», «Held», «Glaube», «Liebe und Tod». Diese Themen entwickelten sich aus dem Weltbild sowie den politischen Umständen und finden sich mehr oder weniger akzentuiert auch in Verdis Werk. Sobald sich Verdi von der Romantik entfernte, traten «Volk» und «Held» in den Hintergrund. Was blieb, war die «Liebe» und der «Tod», verflochten mit dem «Glauben». Sie waren immer ein Teil seiner Konzeption und wurden zu einem romantischen Erbe beim späten Verdi. In I Lombardi alla prima crociata wird die Verflechtung mit der romantischen Literatur Italiens deutlich und die vier grossen Themen sowie die grosse Liebesszene wurden stilecht umgesetzt. Nur die Liebe gilt dem Helden Oronte als Erfüllung seines Lebens und sie wird durch starke Überhöhung zur religiösen Aufgabe der Geliebten Giselda, die dadurch seine Seele rettet. Die beiden erleben und erleiden ihre Liebe im Spannungsfeld der politischen Ereignisse, die es verhindern, dass sie ihre Liebe tatsächlich leben können. Selbst in der Sterbeszene überwindet die Liebe den Tod und die Liebenden können darüber hinaus miteinander in Kontakt treten. Der Glaube ist folglich ideologischer Überbau und Basis. Der gemeinsame Glaube stellt Oronte und Giselda eine ewige Vereinigung im Jenseits, also eine Zuwendung zu einer positiven Utopie in Aussicht. Der Held hat Vorbildcharakter und repräsentiert das Individuum, selten ist er unverwundbar, sehr oft ist er Märtyrer und durch eine religiöse Überhöhung wie bei Pagano erhält er eine göttliche Legitimation. Verdis Verknüpfung von Volk und Chor brachte ihm den Ruf eines «papà dè’ cori» ein. Die Aufwertung des Chores fusste in der italienischen romantischen Schule, die sich um die Rückbesinnung auf den griechischen Tragödienchor bemühte. Das

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I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA links: Teatro alla Scala in Mailand rechts: Giuseppe Verdi, Mitte des 19. Jahrhunderts

Volk stand im Mittelpunkt der zeitgenössischen italienischen Dichtung und durch den aufkeimenden Nationalismus erhielt es eine starke emotionale Komponente als kalkulierte Momente der Identifikation. Der Chor in Verdis Oper ist immer präsent und kommentiert die Handlung, was allerdings nur beim frühen Verdi so ist. Später übernimmt der Chor mehr die Handlungsführung. Verdi verfolgt bei der Verwendung des Chores ein ästhetisches Programm sowie die Darstellung der erhabenen Momente eines geeinten Volkes.

VIVA VERDI Für Verdi waren bei seiner Stoffauswahl die unbedingte Bühnenwirksamkeit, die drastischen Situationen und fesselnden Charaktere unabdingbar. Drei wichtige Kriterien, die Verdi auf leidenschaftliche Art miteinander verband und umzusetzen verstand. Die stärkste Wirkung bezieht Verdis Musik bei I Lombardi alla prima crociata aus der Vielfalt und Eindringlichkeit der zahlreichen melodischen Einfälle. Diese Emotionalität blieb auch nach 168 Jahren erhalten. Seine Musik, die sich langsam vom Belcanto zu lösen begann, fasziniert in ihrem einzigartigen Charakter und getreu des aufflammenden italienischen Volksbewusstseins von damals lautet die Losung «Viva Verdi!» Susanne Schemschies

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I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA

I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA von Temistocle Solera nach dem gleichnamigen Versepos von Tommaso Grossi

Erster Akt

Bürger

Chor

Die Rache

Viclinda war ein edles Mädchen,

In seinen entsetzten und einge-

hübsch und duftend durch den

sunkenen Augen spiegelt sich noch

Chor der Bürger

Atem der Liebe; die reichsten und

immer der wilde Sturm seiner Seele.

Oh edles Beispiel! – Habt ihr gese-

stattlichsten jungen Männer sehn-

Obwohl möglich, ist es doch unge-

hen? Aufrichtige Freude zeigt sich

ten sich danach und brannten dar-

wöhnlich, dass sich die Wildheit

auf jedermanns Gesicht. – Aber in

auf, sie ihre Braut zu nennen. Aber

eines Wolfes in das friedvolle Tem-

Paganos aufgeregten Augen wurde

Viclindas unschuldige Seele fand

perament eines Lammes verwandelt.

die Spur eines langen Schreckens

Gefallen an Arvino und ihn nahm

deutlich. In seinen furchtbaren und

sie zum Gatten. Pagano, verachtet,

Pagano

finsteren Blick spiegelt sich noch

schwor in seinem tobenden Her-

Hier an diesem heiligen, geweihten

immer der wilde Sturm seiner Seele;

zen, furchtbare Rache dafür zu

Ort, dem Zeugen meines Verbre-

obwohl möglich, ist es doch unge-

üben. Eines Tages (zu eben dieser

chens, erflehe ich, demütig und mit

wöhnlich, dass sich die Wildheit ei-

dunklen Stunde) ging das glück-

zerknirschtem Herzen, Verzeihung

nes Wolfes in das friedvolle Tempe-

liche Paar in die Kirche, als plötz-

von der Welt und von Gott.

rament eines Lammes verwandelt.

lich dieser verruchte Mann seinen Bruder von allen Seiten nieder-

Arvino

Chor der Frauen

schlug; fortan, verdammt dazu,

Komm!… Lass deines Bruders

Warum, in dieser dunklen Stunde,

allein umherzuirren, ging er zu den

Umarmung das Siegel auf deine

dringen aus der Kirche festliche

heiligen Stätten, um dort zu beten.

Verzeihung drücken.

Klänge? Sagt uns, was geht vor?

Viele Jahre lang bereut er so sein Verbrechen; jetzt erlaubt man ihm,

Prioren der Stadt

nach Hause zurückzukehren.

Lang lebe Arvino! O edles Herz!

hung der besänftigte Himmel dem

Frauen

Giselda, Viclinda

gemeinen Verbrecher; der ver-

Dort sind sie nun! Seht ihr?

Friede! Friede!

bannte Pagano hat sich hier selber

Auf allen Gesichtern leuchtet die

zu demütigen, um zu den Freun-

Freude des Herzens.

Bürger An diesem Tage gewährt Verzei-

den der heimatlichen Erde wieder zurückkehren zu dürfen.

Pagano (oh meine Schande!)

Bürger Aber in Paganos aufgeregten

Giselda

Frauen

Augen erscheint die Spur eines

Ein Schauder ergreift dich! Vater,

Sagt uns! Sagt uns, welches fatale

langen Schreckens.

was ist das? Deine Stirn ist gefärbt

Geschick ihn jemals von den Ufern

von Blässe. Mein Herz ist erfüllt

seines Heimatlandes fortgetrieben

von einer unermesslichen Freude,

hat?

aber du, willst du diese nicht mit mir teilen?

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I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA

Arvino

Arvino

Pagano

(Meine ganze Seele war auf meinen

Ich übernehme die schwere Aufga-

Jungfrauen!… der Himmel ist nun

Lippen, aber plötzlich ergriff ein

be, gerne vergiesse ich dafür mein

euren Gebeten verschlossen. Es ist

eisiger, heftiger Schmerz mein Herz;

Blut; oh, mein Bruder! Lasst uns

nicht weniger sicher, in dieser

in diesen Blicken verbirgt sich Wut,

einander fest an die Brust drücken;

Nacht der schicksalhaften Rache,

ganz bestimmt; ein furchtbarer

Lass Himmel und Erde unsere

dass die Klinge von meinem Dolch

Verdacht erwacht in mir.)

Schwüre hören.

zustossen wird! O Pirro, doch diese

Pagano

Alle

Verbrechen geboren! Die Liebe

Pirro, höre! Der Himmel selber wird

Möge Verleumdung und Schande

konnte sie heiligen oder zum Bösen

sie nicht vor meiner Wut schützen!

auf das Haupt desjenigen fallen,

hinwenden.

Verrückte! Sie haben dieses mein

der gottlos sein heiliges Verspre-

Herz durchbohrt, und sie hoffen

chen bricht; möge ihm keine ein-

Chor der Nonnen

auf Frieden von mir?

zige Stunde des Friedens mehr

Bring der Menschheit den

vergönnt sein, wenn er das Licht

Frieden…

meine Seele wurde nicht für das

Giselda, Viclinda

des Tages mit Blut färbt.

Mein Herz ist voll von einer

Pagano

unermesslichen Freude, aber du,

Arvino, Pagano

Unglückselige! Glaubtest du, dass

willst du sie nicht mir teilen?

Genug! Es soll nicht die Rede sein

ich dich vergessen konnte, du auf

vom Hass zwischen uns! Lasst uns

dem Gipfel des Glücks, ich in den

Pirro

unsere Schwerter ziehen, um unse-

Tiefen des Schmerzes? Wie der

Mein Herr, dein kleinstes Zeichen

re Brüderschaft zu befestigen; wer-

italienische Vulkan seine Nahrung

ist ein Befehl für mich. Du hast

fen wir uns, verbunden, wie Löwen

aus dem Wasser zieht, so vermehre

hundert Helfer für deine Wut; in

auf die schändlichen Banner, die

ich, weit weg von dir, die Kraft

der Dunkelheit der Nacht werden

der Himmel verdammt.

meiner Liebe!

wir zu dir kommen wie Geister. Chor der Nonnen

Pirro

Chor

Zu dir, in dieser furchtbaren Stunde

Viele zuverlässige Männer sind hier

Sie haben sich umarmt! Möge die-

des Unglücks und der Ruhe,

versteckt, bereit, deinen Befehlen

se Umarmung nicht sein wie jene,

erhebt sich ein frommes Gebet aus

zu gehorchen.

mit der Judas unseren Herrn verra-

dem Kloster, das du gesegnet hast:

ten hat! Oh, das plötzliche Schwei-

den gläubigen Jungfrauen öffne

Pagano

gen meines Herzens lässt nicht auf

den Himmel in ihren Träumen.

Lass mich sie sehen… Auf jeder

echten Frieden schliessen.

Durch das Dunkel der Nacht bringe

Seite verbreiten sie Feuer. Die Auf-

der Menschheit den Frieden: ver-

gabe ist voller Gefahren! Arvino hat

Ein Prior

eitle verräterische Anschläge, be-

viele Gefolgsleute; ein grosser Preis

Nun vernehmet den Willen der

schäme den gottlosen Sterblichen;

erwartet denjenigen, der mir gute

Bürger! Alle, vom Ruf Peters ent-

und der neue Tag wird widerhallen

Dienste leistet.

flammt ernennen dich, oh edler

viel freudiger von unseren Gesän-

Arvino, zum Anführer der lombar-

gen.

dischen Kreuzfahrer.

Chor der Mörder Keine Gefahr soll unser Herz angreifen mit feiger Furcht; es gibt keine dunkle Nacht ohne das Risiko eines aufblitzendes Dolches;

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I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA

leise und sicheren Schrittes treten

Arvino

weiss ich sehr gut mein Gesicht zu

wir ein in jede Tür und jedes Ge-

Liebe Frau, kehre nun zurück in

wechseln. Eilen wir hin!

bäude; inmitten von Schreien und

diese Wohnung, aber gehe nicht

Wehklagen, furchtlos und schwei-

zu Bett.

Viclinda Ruchloser! Oh, mein Gatte!

gend, freuen wir uns daran, die Seelen von anderen mit einem

Giselda

einzigen Schlag ins Paradies zu

O Himmel… welche Gefahr droht?

Pagano Du rufst ihn bei der Spitze meines

schicken! Dann, unsere Dolche durchnässt von Blut, setzen wir

Arvino

uns hin zum Bankett!

Mein Vater ist mit dir. Ich glaubte,

Dolches… Schweige und folge mir!

ich hörte den Lärm von vielen

Viclinda

Chor der Nonnen

Schritten! Es könnte auch eine Ein-

Ich möchte lieber zu deinen

Vereitle verräterische Anschläge…

bildung meines erregten Geistes

Füssen sterben!

sein. Geh, meine Gattin! Pagano

Pagano O Hoffnung der Rache, du erleuch-

Giselda

Und wer ist da, um dich in diesen

test schon mein Gesicht; seit so

Dich, heilige Jungfrau, flehe ich an!

Räumen zu retten? Niemand soll

vielen Jahren habe ich nicht gehört

Heilige Maria! Möge der Herr, der

dich fortan von mir trennen, auf

eine andre Stimme als die deinige,

in dir ruht, deine Brust mit Gnade

deine Schreie und traurigen Klagen

die mir teuer ist; eines Tages werde

erfüllen. Geheiligt sei deine gött-

kann allein der Scherge antworten;

ich mit Blut gekauft haben diesen

liche Frucht, o Gesegnete unter

du hast niemand hier, der dich

Zauber von Schönheit, ah, nun

den Frauen! Heilige Jungfrau, Mut-

hört…

endlich wirst du mir gehören, und

ter Gottes, erhebe ein Gebet für

ein anderer wird sein Blut ver-

uns arme Sünder, auf dass er gnä-

Arvino

giessen.

dig auf uns blicke, wenn der letzte

Ich höre sie…

Tag uns droht! Pagano

Pirro, Chor der Mörder Ah, sprich, du brauchst nur zu

Pirro

O mein Erstaunen! Jedoch ist

befehlen, und wir wissen, wie wir

Komm’! Arvino hat sich schon

mein Schwert von Blut getränkt!

dir zu dienen haben.

zurückgezogen in sein Quartier…

Wer vergoss es?

ein Diener sagte es mir. Giselda, Viclinda

Viclinda Ich fühle noch immer mein Herz

Pagano

heftig zittern… Nein… im Gesicht

Oh Freude! Lösche aus das un-

des Schändlichen erschien ein

glückselige Licht… Das Licht der

Alle, Pagano

Schatten von Ärger, nicht von

Flammen soll schon sehr bald

Entsetzen! Scheussliches Monst-

Reue. Komm, Giselda! In solcher

erleuchten den Triumph meiner

rum der Hölle, will die Erde dich

Gefahr wollen wir dem Herrn ein

Rache. Warte!

(mich) nicht verschlingen? Hat der Ewige keinen Blitz, um dich (mich)

Gelübde ablegen. Wir schwören,

18

Dein Vater!

wenn er bedeckt deinen Vater,

Pirro

zu Asche zu verbrennen? Allein

meinen Gatten, mit seinem heiligen

Aber die Schergen haben schon

dein (mein) Name lässt den Him-

Mantel, wir schwören, dass wir,

Feuer gelegt! Welchen Schwerter-

mel erschaudern!

nackt die Füsse, im Gebet pilgern

lärm höre ich! Lasst uns daran

werden, zum Heiligen Grab!

teilnehmen; in dem wilden Spiel


19


I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA

Arvino

Gesandte

Sofia

Vatermörder! Du sollst durchbohrt

Furchtlose! Wie konnten es

(O möge Gott erleuchten den Geist

vom Schwert auf deines Vaters Leib

diese Barbaren wagen, ihr heimat-

meines Sohnes!)

sterben.

liches Land zu verlassen! Durch

Giselda

Mohammeds Donnerschläge

Oronte

werden wir sie vernichtet sehen!

Könnte ich doch meine Freude träufeln in ihr teures Herz! Ich woll-

Ah, füge nicht dem Verbrechen ein weiteres Verbrechen an! Erspare

Acciano

te, dass die Erregung meiner glück-

uns eine weitere Schreckensszene.

Stark und grausam, frohlocken sie

lichen Liebe so viele Harmonien

bei Schändung und Raub; überall

lebendig werden lassen im Univer-

Pagano

hinterlassen sie eine Fährte von

sum, wie es Planeten hat. Ah!

Was? Du zögerst? Du wagst es

Verwüstung und Ruin.

Mit ihr in den Himmel zu gehen und mich dorthin zu erheben, wo-

nicht? Siehe… ich selber werde mir die Wunde zufügen.

Alle

hin kein Sterblicher gelangen kann.

Steige herab, schrecklicher Allah, Chor

um die Falschen zu bestrafen!

Sofia

Elender! Lass das Leben, ja, das

Nun, da unsere Gefilde bedroht

Oh! Aber bedenke, du kannst sie

Leben wird eine schlimmere Qual

sind durch Europas Donnerschlä-

nicht zu der Deinigen machen,

für dich sein als der Tod.

ge, fliege für uns auf den Stürmen,

wenn du nicht zuerst dich selber

kämpfe für uns in den leuchtenden

niederwirfst vor dem Gott ihrer Väter.

Alle, Pagano

Blitzen, und wir werden spüren,

Geh! Auf deine (meine) Stirn brennt

wie deine Tapferkeit in unsere See-

Oronte

der Ewige das verhängnisvolle

le strömt. Wir schwören es! Du wirst

Ich fühle es wie du.

Kainsmal ein; Mehr als die Flam-

sehen wie wir uns alle erheben wie

men und die Schlangen der Hölle

ein Mann, die Rivalität beseite las-

Sofia

wird Entsetzen dein (mein) Fleisch

sen und dann aufflackern in einer

Oh meine Freude!

verzehren! Geh! Obwohl du (ich)

einzigen Wut; welches Entkommen

an hübschen Blumen vorbeigehst

wird es da geben für die Falschen,

Oronte

(vorbeigehe), in Grotten, durch

wenn du unsere Herzen ent-

Oh meine Mutter! Schon oftmals

Wälder, über Berge, wird dein

flammst? Wir schwören es, wir

habe ich gefühlt in meinem Herzen,

(mein) Kopf immer blutig sein,

schwören es.

dass der einzig wahre Gott derjeni-

ein Dämon wird allzeit auf deinem (meinem) Rücken sein!

ge von diesem Engel der Liebe sein Oronte

muss. Wie konnte der Himmel so

O meine Mutter, was tut sie?

einen reinen Engel schaffen, und

Zweiter Akt Der Mann in der Höhle

nicht von ihren Augen den Schleier Sofia

der Wahrheit wegziehen? Komm,

Sie seufzt, weint und ruft ihre

führe mich zu ihr, erleuchte meine

Gesandte

Lieben an; und doch liebt dich die

Sinne; komm, auf dass die Wahr-

Dann ist es wahr?

Unglückliche.

heit meinen misstrauenden Geist

Acciano

Oronte

Ich sah das Glänzen ihrer schänd-

Es gibt keinen glücklicheren

Sofia

lichen Schwerter!

Sterblichen auf der Erde als mich!

Mein Sohn, ein Engel flösst dir zu

und mein Herz beruhige.

deinem Heil die Liebe ein!

20


I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA

Eremit

leiten mich nun, um zu deinen

dem starren Blick deines Kriegers,

Alles ist noch ruhig! Oh wann,

Füssen demütig zu bitten!

mein altes Schwert, oh mein Helm.

des und des Wasserfalls sich mit

Eremit

Arvino

dem Lärm des Krieges verbinden?

Erhebe dich und hoffe!

Bist du der Mann der Höhle?

mit Tränen gefüllt, nicht die Banner

Pirro

Eremit

der Kreuzfahrer von den Gipfeln

Die Stadtmauern von Antiochia

Ich? Ich bin es… was verlangst du

des Berges glänzen sehen? Können

sind mir anvertraut.

von mir?

vom entsetzlichen Verbrechen

Eremit

Arvino

reinwaschen, indem sie die gottlose

Was für ein Lärm?

Deine Gebete! Ah, du allein kannst

wann werden der Klang des Win-

Oh, werden diese Augen, immer

meine Hände denn niemals sich

für mich den ewigen Zorn besänfti-

Bande der Moslems zerreissen? Alles ist noch ruhig! Oh Torheit! Wer

Pirro

bin ich, dass ein Hoffen des Frie-

Es sind die Kreuzfahrer verstreut

dens in meiner Seele lächeln sollte?

über die Ebene.

gen! Eremit Oh! Weisst du, wen du anrufst?

Gott allein ist gerecht; mögen Schmerz und Wehklagen von ihm

Eremit

gesegnet sein!

Himmel, was höre ich? Sprichst du

Arivno

Aber wenn ein schreckliches Getö-

die Wahrheit? Komm, dir soll durch

Alle sprechen von dir; alle in dieser

se verkündet, dass Gott es will,

mich vergeben werden!

Gegend berichten, dass Gott sich

wenn ich das Kreuz leuchten sehe

Gott, grosser Gott der Unglück-

deinem Glauben offenbart! Höre!

wie eine neue Sonne, wird vor

lichen, deine Gnade ist grenzenlos.

Eine Bande von Moslems hat mir

jugendlicher Wildheit mein ganzes

Nun! Für deine Schuld opfere dem

meine Tochter geraubt; vergeblich

Herz brennen, und meine starre

Himmel die verruchte Stadt!

versuchte ich, sie zu verfolgen, aber die Horde war verschwunden.

rechte Hand wird das Schwert ergreifen; dann wird meine Seele

Pirro

wieder im Himmel erlöst werden.

Heiliger Mann, ich schwöre dir,

Eremit

Aber wer kommt? Seine Kleidung

dass ich selber, ich selber in dieser

Sage mir,… hast du viele und

verrät ihn als Moslem. Ich werde

Nacht meinem Volk öffnen werde

starke Leute?

mich zurückziehen.

einen Eingang durch die verfluchten Mauern!

Arvino Ja.

Pirro Oh bleibe, höre aus Mitleid einen

Eremit

unglücklichen Mann! Die Kunde

Aber der Lärm wird stärker und

Eremit

von deiner geheiligten Tugend ist

kommt näher… Himmel!…

Du sollst deine geliebte Tochter

schon sehr weit gedrungen! Sage

Lombarden!

wiedersehen.

ich auf der Erde erlangen kann! Ich

Pirro

Arvino

bin Pirro und ich war ein Lombar-

Ja, Lombarden!

Du siehst dort ganz Europa

mir, oh sage mir, welches Verzeihen

versammelt, fügsam den

de: ich lieh meine Hand einem Vater-Mörder; als ich hierher floh, fei-

Eremit

ge, entsagte ich da meinem

Gehe! Die Höhle soll dir eine sichere

Glauben. Furcht und Schmerz

Zuflucht sein. Oh, leuchte wieder

Befehlen Godefroys!

21


I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA

Eremit

im Prinzen das Feuer von ruchloser

den Feind hierher geführt!

Oh Freude!… Die Nacht weicht

Liebe, werden schon bald den Tod

Mein Gatte und mein Sohn fielen,

schon… Folgt mir, o lombardische

der Ihrigen erleben, das unrühm-

mir zu Füssen.

Brüder; in dieser Nacht sollt ihr

liche Banner in den Dreck getreten.

eure Zelte aufschlagen, ich schwö-

Lasst uns gehen, lasst uns gehen,

Giselda

re es, in der grossen Stadt!

vielleicht möchte sie ein Gebet

Ah, was sagst du da?

sprechen, die schöne Fremde. Sofia

Arvino Verehrungswürdiger Mann, du, der

Giselda

Oh, ich sah das wütende,

du uns zum Ruhm rufst, deine

Oh Mutter, vom Himmel hilf mir in

wilde Tier das sie tötete!

Begeisterung feuert uns schon an!

meinem Elend. Erlöse mein Herz, dessen Friede dahingegangen ist.

Giselda

Alle

Warum hast du mich verlassen?

Mein Vater! Er selber!

Lächerlicher Allah! Auf dein Haupt

Eine unheilige Liebe verstärkt mei-

mag die angekündigte Last des

nen Schmerz. Oh gewähre mir dei-

Eremit

Zorns nun niederfallen; lass das

ne Hilfe. Wenn mein Gebet, dass

Hier ist sie, mein Herr; ich habe

heilige Wort überall widerhallen,

du zu mir zurückkehrst, nichtig ist,

mein Versprechen gehalten.

wie es das Ende deiner Tage

so lass mein Gebet bewirken, dass

verkündet.

ich mich zu dir erhebe. Ich sehe

Arvino

die Bürde von Schreckenstagen

Meine Giselda!… Kehre zurück in

Arvino, Eremit, dann Chor

mich erdrücken wie ein dunkles

die Arme deines Vater!

Schon leuchtet das Kreuz in den

Schreckgespenst. Giselda

Lüften mit einem blutigen und schrecklichen Licht; die barbarische

Chor der Frauen

Bande ist in die Flucht geschlagen,

Wer wird uns retten? Sofia

der stolze Ungläubige floh. Giselda Chor der Frauen

Oh Schmerz!

Welche Schreie, welche Schreie? Giselda

Die liebenswürdige Fremde, welche die Herzen bezaubert! Kommt, lasst

Frauen

Nein, nein! Es ist nicht Gottes ge-

uns um sie tanzen. Warum sind ih-

Ah, lasst uns fliehen!

rechter Wille, die Erde mit menschlichem Blut zu tränken; es ist ver-

re Augen immer mit Tränen gefüllt, wenn alle Freuden dieses Ortes die

Kreuzfahrer

ächtliche Torheit, nicht frommes

ihrigen sind? Sie allein regiert in

Tötet sie, tötet sie!

Fühlen, die durch das Gold der Moslems geweckt wird! Das waren

Orontes Herz… die schöne Fremde! Warum hast du den Palast

Frauen

nicht Worte des Himmels, nein,

deiner Väter verlassen? Fehlten dir

Wer wird uns vor dem Zorn der

Gott will es nicht, nein, nein, Gott

vielleicht Liebhaber nach deinem

Barbaren retten, wenn der Prophet

will es nicht!

Geschmack? Schaut nur diese hüb-

seine Gläubigen verlassen hat? Arvino und Kreuzfahrer

schen Augen, die der neue Glanz des Ostens sind. Wir sind die

Giselda

demütigsten deiner Dienerinnen…

Die Kreuzfahrer!

Was höre ich! Sofia und der Eremit

welchen Dienst wünscht die schö-

22

Welches Blut!

ne Fremde? Oh Törichte! Oh Stolze!

Sofia

Diese Augen, die entfacht haben

Oh Giselda, widerlicher Verrat hat

Ah, Elende!


I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA

Giselda

Arvino

Giselda

Welches schwarze Band von den

Unvorsichtige, sie hat ihren

Wohin gehe ich, allein? Ich konnte

Augen hat mir die göttliche Macht

Verstand verloren.

nicht atmen in meines Vaters Zelt! Ich brauche Luft, freie Luft; alles

fortgerissen! Die Besiegten erheben sich, und furchtbare Rache liegt im

Dritter Akt

hier ist verlassen… Lieder sind

Schatten des zukünftigen Zeitalters

Die Bekehrung

verstummt… nur mein Geist steigt nicht zum Himmel auf… Ah, mein

verborgen! Niemanden wird es vergönnt sein, seinen Geist dort aufzu-

Pilger

Geist fasst keinen Gedanken,

geben, wo er einstmals zu atmen

Jerusalem!… Jerusalem!…

der nicht von der Liebe wäre!

begann! Der gottlose Massenmord

Die grosse, die verheissene Stadt!

von menschlichen Körpern war

Oh zu Recht vergossenes Blut…

Oronte

schon immer beleidigend für den

Die Girlanden Gottes sind bereitet!

Giselda!

Gott der Menschheit. Frauen

Giselda

Arvino

Oh, an diesen Stellen, die zu sehen

Oh Himmel! Träum’ ich?

Gotteslästerung! Frevel!

uns vergönnt ist und zu benetzen mit unseren Tränen, mögen unsere

Oronte

Giselda

Seelen in ihrer letzten Schicksals-

Ah, nein! Du bist in Orontes Armen!

Schon sehe ich eure Köpfe hängen

stunde fliegen in den Schoss

als Spielball der Winde; ich sehe,

Gottes!

Giselda Ist es ein Traum! …Ah!

wie sich Fluten von Barbaren erhe-

Ich netze deine Stirn mit Tränen!

ben, um die irregeleiteten Völker

Männer

von Europa zu unterdrücken! Denn

Dort, unter den felsigen Höhen

es waren niemals Gottes Worte an

haben die Bösen gebunden das

Oronte

die Menschen, diese Fluten von

Lamm der Gnade; hier fielen die

Oh Giselda! Dann hast du mich

Blut zu vergiessen. Nein, Gott will

gierigen Wölfe auf den Boden, als

nicht vergessen?

es nicht, nein Gott will es nicht.

er sagte: «Ich bin es». Auf diesem

Er kam zur Erde, um Frieden zu

Hügel weinte der Nazarener für die

Giselda

verkünden!

unglückselige Stadt; und dort ist

Oh weh! Wie hab ich deinen Tod

der Berg, wo der elenden Mensch-

beweint!

Eremit

heit die Erlösung zuteil wurde! Oronte

Ah, schweige, Unvorsichtige! Alle

Ich wurde nur auf den Boden

Arvino

Ah, an diesen Stellen, die zu sehen

geworfen durch ein feindliches

Möge dein Tod die unanständigen

uns vergönnt ist und zu benetzen

Schwert; die Hoffnung, dich einmal

Worte deiner Lippen auslöschen.

mit unseren Tränen, mögen unsere

wiederzusehen, machte mich zum

Seelen in ihrer letzten Schicksals-

Feigling. Ich floh… Ich zog von

Giselda

stunde fliegen in den Schoss Got-

Land zu Land, wechselte meine

Stosse zu!

tes! Oh Berge, oh Ebenen, oh Täler,

Kleider, folgte meinem Wunsch,

ewig geheiligt dem menschlichen

dich einmal wiederzusehen, und

Sofia, Eremit und Chor

Gedenken! Seht, der lebende Gott

dann zu sterben.

Was tust du? Der Schmerz dieses

kommt, der schreckliche Krieger!

unglücklichen Mädchens ist so

Jerusalem!… Jerusalem!…

gross, dass, ihr seht es, sie ihren

Giselda Oh, du wirst nicht sterben!

Verstand verloren hat.

23


24


I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA

Oronte

Oronte

Kreuzfahrer

Ich habe alles verloren! Freunde,

Oh Freud! Nun trotze ich allem

Zu den Waffen!

Heimat, Eltern, den Thron,

Unglück und Kummer auf der

das Leben mit dir!

Erde! Komm!… Ich bin bei dir!

Giselda

Giselda

Nein! Ich will dir folgen!

Oh ja, du bist Heimat,

Giselda

Ich will mit dir fliehen!

Leben und Himmel für mich!

Die Schreie kamen aus dem Lager

Oronte

Oronte

Du? Was höre ich?

Ah, in dir finde ich einen grösseren

Oronte Was höre ich?

der Lombarden…Ich fürchte mich

Giselda

um dich!

Preis als das Königreich, das ich

Kreuzfahrer

verloren habe!

Zu den Waffen!

Ich will deinem Schicksal folgen. Giselda

Giselda, Oronte

Oronte

O schöne Zelte Lombarden, diese

Ah, komm! Der Tod allein soll unse-

Unglückliche! Das ist ein schreck-

Unglückliche sagt euch Lebewohl!

re Seelen trennen, weder Himmel

licher Schwur: Mein Pfad ist ver-

Ein Lüftchen wie von meinem hei-

noch Erde kann mich losreissen

flucht, ich ziehe über Klippen und

matlichen Himmel atmete ich durch

von dir.

durch Wälder wie ein umherirren-

euch. Ah! Ein göttlicheres Ent-

des wildes Tier, ein Spielball den

zücken nimmt mich von euch fort

Kreuzfahrer

Winden und Stürmen, suche ich

in Tränen! Mutter verzeih’mir! Eine

Zu den Waffen, zu den Waffen,

oftmals Schutz in einer Höhle, ei-

Seele erlöst eine so starke Liebe.

zu den Waffen!

du den Sand der endlosen Einöde

Oronte

Arvino

haben, als dein Liebeslied das

Du fliehst, Unglückliche,

Was habe ich gesehen? Wut und

Heulen der Hyäne. Ich, allein ich

verzichtest auf die Liebe der

Terror haben mich auf einmal wie

werde gesegnet werden in der

Deinen zugunsten meiner Liebe!

Blei am Boden festgehalten! Aber

nem Loch! Als Hochzeitsbett wirst

Leidenschaft meines Herzens! Giselda

der Mann der Höhle warf sich auf Giselda

die Flüchtenden, als sie, auf einem

Verzeih’mir!

arabischen Pferd, fortgetragen wur-

Oh eile! In jedem Augenblick droht grosse Gefahr!

den! Im Handumdrehen schwanOronte

den mir alle aus den Augen.

Für dich, lombardische Jungfrau,

O Feige!… Ruchlose!… Geboren

Oronte

gebe ich auch alles auf. Wir werden

nur, um mein Haus zu entehren!

Hast du es wohl überlegt?

mit einer einzigen Stimme weh-

Wärest du doch in deiner Wiege

klagen, wir werden ein einziges

gestorben, frevlerisches Mädchen!

Giselda

Herz haben! Demselben Gott,

Quelle meines Unglücks! Oh, dass

Ein liebendes Herz hört auf keinen

den du verehrst, werden auch

ich dich niemals gezeugt hätte!

anderen Ratschlag!

meine Gebete gelten!

Welche Neuigkeiten?

Giselda

Kreuzritter

Mutter, verzeih’mir! Eine Seele

Mehr als einer hat Pagano beob-

erlöst eine so starke Liebe.

achtet, wie er zwischen den Zelten des Kreuzfahrerlagers umhergeschlichen ist.

25


I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA

Arvino

Oronte

Giselda

Bei Gott!…

Vergeblich, vergeblich hast du

Ah, jetzt ist unsere Liebe nicht län-

solches Mitleid mit mir.

ger eine Sünde vor dem Himmel! Lebe! Ah, Lebe!

Kreuzritter Wer leitet ihn auf dem heiligen

Giselda

Pfad? Wen will der ekelhafte Mör-

Gott meiner Väter, erhöre mich

Oronte

der verraten? Siehst du nicht, die

nun! Du hast meine Mutter von mir

Eine neue Kraft erfüllt plötzlich

Hand des Himmels, beleidigt durch

genommen und bewahrest mich

meine pochende Brust! Welche

euren verruchten Bruder, in vielen

von den Tagen der Verzweiflung…

Wollust spüre ich von Ader zu Ader

unserer Fehlschläge? Lasst unbän-

Diese Liebe ist der einzige Trost für

fliessen! Ich kann nicht mehr…

dige Rache den Schurken verfol-

meine Tränen… Und du nimmst

helft’ mir… Ich kann dich kaum

gen, dem Zorn von uns allen kann

sie mir fort… du Grausamer!

sehen!

er nicht entkommen! Eremit

Giselda

Arvino

Wer klagt Gott an? Diese Liebe ist

Oh sterbe nicht!… Warte auf mich,

Ja! Ich kann den Irrtum des Him-

eine Sünde!

Oh meine verlorene Hoffnung! Wir haben in Trübsal zusammengelebt,

mels, ihn nicht zu bestrafen, korrigieren; mein Schwert schlägt schon

Giselda

zu, es durchbohrt schon das Herz

Welche Worte sind das,

des Schuftes. Ah! Der Verbrecher

die mir so ins Herz stechen?

lass uns auch zusammen sterben. Eremit Lass die letzte Schicksalsstunde die

stirbt schon, ich zermahle ihn unter meinem Fuss! Wär’er in der Hölle

Oronte

Gedanken zu Gott wenden; lass

versteckt, er könnte nicht länger mir

Wer bist du?

das Herz nur von göttlichen und heiligen Antreiben bewegt werden.

entkommen. Eremit Giselda

Ich bin einer, der dir neue Liebe

Oronte

Ruhe dich hier aus. Weh mir!

bringen kann, wenn du dich zu

Komm näher!… Oh neuer Zauber!

Was für eine Wunde haben dir

unserem Glauben bekehrst.

Benetze mich mit deinen Tränen… Im Himmel erwarte ich dich… Be-

diese Grausamen zugefügt? Giselda Oronte

eile dich… du öffnest ihn für mich.

Gott inspiriert ihn!! Giselda

Giselda! Ich sterbe! Oronte

Kannst du eine Frau, die dich so

Giselda

Ah, ja, oh Giselda, ist deine Aufga-

liebt, den Klagen überlassen? War-

Ah, welch' grausamen Lohn gibst

be vollendet! Oftmals habe ich es

um versperren mir die Engel den

du mir für mein Vertrauen…

mir gewünscht… Mann Gottes,

Himmel, der für dich geöffnet ist?

komm näher zu mir. Eremit

Oronte Eremit

Wenn hier auf der Erde der Liebe

Erhebe dich! Du flehst den Himmel

nur Schmerzen bereitet wurden,

Giselda

nicht vergebens an; er entfaltet von

hofft!… Eines Tages, unter den

Still! Still! Du wirst dich erholen…

dir seine Glorie. Möge das heilige

Engeln, wird sie mit Freuden

Meine Kleider haben schon ge-

Wasser des Jordan für dich die

belohnt werden.

schlossen deine grausame Wunde.

Quelle des Lebens sein!

Ich sterbe!

26


I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA

Vierter Akt

nen Händen leuchten! Oh, Krieger

Arvino

Das heilige Grab

des Kreuzes, auf, beeilt euch, die

Hört mich nun an, Lombarden!

heiligen Lorbeeren zu erlangen! Der

Nachdem ihr euren Durst gelöscht

Chor der himmlischen Geister

Fluss fliesst, um eure Gedanken

habt, werdet ihr sicherlich nicht die

Geliebte Jungfrau, blicke mit freu-

und eure erschöpften Glieder wie-

letzten sein, die noch einmal die

digem Antlitz, denn durch dich ist

deraufleben zu lassen.

zurückgelassenen Mauern erstei-

eine erlöste Seele ins Paradies ge-

gen! Lasst die Ungläubigen uns da-

langt; komm, auf dass dein gerech-

Kreuzfahrer und Pilger

bei nicht zuvorkommen… Hört!…

ter Anteil dir gegeben werde.

O Herr, du hast uns gerufen mit

die schallenden Trompeten von

Komm, komm, komm…

heiligem Versprechen fort von unse-

Bouillon verkünden es laut! Heute

rem heimatlichen Dach; wir haben

soll das Heilige Land uns gehören!

Giselda

uns beeilt auf die Bitten des heili-

Oh! Ich sehe die Höhle glänzen von

gen Mannes hin, wir freuten uns

Chor

himmlischen Erscheinungen: Ah,

auf dem rauen Weg. Aber die Kräfte

Ja! Krieg! Krieg!

ja! Beeile dich, Morgenröte des

deiner tapferen und wackeren Die-

ewigen Tages, schnell aufzusteigen.

ner sind gebeugt und gedemütigt.

Alle

Oronte… Oh, bist du bei den

Ach! Lass deine treuen Streiter,

Krieg! Krieg! Ergreift die Schwerter,

Engeln? Warum sprichst du nicht

oh Christus, nicht nur zum Gespött

lasst uns eilen und Stellungen

zu mir?

der Welt werden! Oh frische Winde,

bilden; lasst unsere Donnerschläge

die über die lieblichen Bächlein

auf ihre Truppen fallen, nicht ein

Oronte

der lombardischen Ebenen blasen!

Mann soll uns entkommen.

Durch dich, Giselda, bin ich im

Ewige Quelle! Kristalline Seen!

Himmel gesegnet! Mein Gebet,

Oh Weingärten, vergoldet von den

Arvino, Eremit, dann der Chor

angenommen von Gott, steigt

Strahlen der Sonne! Ein unglück-

Schon glänzen unsere heiligen

schon auf zu seinem Thron.

liches und grausames Geschenk ist

Banner wie Kometen von Blut

Geh’ verkünde es laut deinem

die Erinnerung, die ihr uns so klar

und Terror.

Volke, dass Hoffnung es stärken

vor Augen führt, und der Sand ei-

solle: die Quelle von Siloam wird

nes trockenen Bodens ist rauer und

Arvino, Eremit, dann alle

frisches Wasser bringen.

brennender für unsere Lippen!…

Schon erkennt uns der Sieg seine

Himmlische Geister

Giselda, Arvino, Eremit

Komme, auf dass dein gerechter

Nach Siloam! Nach Siloam!

Krone zu auf den Fittichen des

Anteil dir gegeben werde… Giselda

Windes! Arvino

Chor

Das ist mein Zelt… Hier, armer

Was sind das für Stimmen?

Mann, kannst du deine Glieder

Welches Wunder!… Oh, das Para-

ausruhen… Aber du sprichst ja

dies hat sich jetzt in eine dunkle

Giselda

Höhle verwandelt! Es war ein

Der Himmel hat erhört die Gebetete

Traum. Aber welche plötzliche Stär-

der Bedrückten! Jedermann steht

Giselda

ke ist das in meinem Herzen? Es

rund um das Wasser, das aus

Schrecklicher Anblick! Er ist überall

war kein Traum! Es war kein Traum!

Siloam heraussprudelt.

verwundet… Er war der erste,

In den Tiefen meiner Seele klingt

der jauchzend die Mauern erstieg.

immer noch diese geliebte Stimme

Chor

nach: Immer noch sehe ich den

Oh Freude! Oh Freude!

Palmzweig der Gesegneten in sei-

nicht?

Eremit Hinweg von mir… Wer seid ihr?

27


I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA

Arvino

Pagano

Alle

Schau’! Erinnere dich! Du bist nahe

Oh mein Bruder!

Wir preisen dich, grosser Gott des Sieges, wir preisen dich, unbesieg-

bei Arvino. Arvino

barer Herr! Du bist die Erlösung,

Eremit

Du hast gewonnen,

der Führer und der Ruhm der

Arvino? Welcher Name! Oh schwei-

du hast gewonnen!

Tapferen, die dir das Herz öffnen.

Blut! Oh Hölle, öffne dich zu mei-

Giselda, Arvino

Deutsche Übersetzung:

nen Füssen! Es ist des Vaters Blut!

Auch der Mensch wird dich

Phonogram International

ge!… Sei still! Denn das ist Arvinos

freisprechen. Arvino Was sagst du da?

Pagano Oh Glückseligkeit! Jetzt lass die

Giselda

Stadt meinem Blick gewährt sein.

Beruhige dich, sei ruhig! Siehe, du bist bei uns… nahe bei der Un-

Chor

glücklichen, die du gerettet hast.

Wir preisen dich, grosser Gott des Sieges, wir preisen dich, unbesieg-

Eremit

barer Herr! Du bist die Erlösung,

Welche Stimme!… Oh wer erleuch-

der Führer und der Ruhm der

tet meinen Verstand und öffnet

Tapferen, die dir das Herz öffnen!

mein Herz? Du bist, du bist… der Engel des Verzeihens!

Pagano Oh Gott! Mit welcher Zufriedenheit

Arvino

erlaubst du es nun dem Mörder,

Sprich… Wer bist du?

zu sterben! In seinem letzten Augenblick erinnerst du dich an den

Eremit

Mann, den die Welt mit Schrecken

Ich bin Pagano!

strafte!

Giselda, Arvino

Giselda

Himmel! Was hör ich?

Gehe hin in Friede! Du wirst sehen

Pagano

meine Mutter bei dem Herrn; sage

meinen gesegneten Verlobten und Ein kurzer Augenblick des Lebens

ihnen, den glorreichen Tag schneller

ist alles, was mir geblieben ist…

nahen zu lassen, an dem meine

Oh mein Bruder! Meine Seele muss

Seele bei ihnen sein wird für alle

vor Gott erscheinen! Meine Strafe

Zeit.

ist nun gesühnt. Verfluche mich nicht!

Arvino Oh Pagano! Möge der Herr so seine

28

Giselda

gnadenvollen Blick auf meine

Vater, du siehst ihn sterben mit

Sünden lenken, wie dir in deinen

Gottes Gnade; seine Schuld hat

letzten Augenblicken, dein Bruder

ihm der Himmel vergeben.

in seinem Herzen verzeiht.


D O M S TUFEN -F ES TS PIE LE IN

E RFURT

WOLFGANG AMADEUS MOZART

DIE ZAUBERFLÖTE 20. AUGUST – 4. SEPTEMBER 2011

DOMSTUFEN-FESTSPIELE 2007: Cavalleria rusticana

Infos & Tickets unter www.theater-erfurt.de und 0361 – 22 33 155

2011


BIOGRAFIEN

BIOGRAFIEN [01] Antonino Fogliani, Musikalische Leitung, gilt aufgrund seiner bemerkenswerten Sensibilität als einer der wichtigsten italienischen Dirigenten seiner Generation. Er studierte Klavier am Konservatorium Bologna und Dirigieren an der Academia Chigiana Siena bei Ennio Morricone und Gianluigi Gelmetti. Seinen ersten wichtigen Erfolg als Dirigent hatte er beim Rossini Opera Festival Pesaro 2001 mit Il viaggio a Reims. Seither gilt er als Spezialist für die italienische Oper der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er dirigierte u. a. am Teatro dell’Opera in Roma, am Teatro San Carlo in Neapel, an der Scala in Mailand, an der Houston Grand Opera, an der Opéra Comique in Paris. Er gastiert in Spanien, Frankreich, Deutschland, Chile, Russland und in den Vereinigten Staaten. In St.Gallen brillierte er bereits bei Verdis Giovanna d’Arco und 2010 bei Il diluvio universale. www.antoninofogliani.it

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[02] Guy Montavon, Inszenierung Seit August 2002 ist Guy Montavon Generalintendant des Theaters Erfurt und künstlerischer Leiter der Domstufen-Festspiele. Er studierte nach seinem Diplom als Fagottist an der Hamburger Hochschule für Musik und darstellende Kunst in der Klasse von Götz Friedrich Musiktheaterregie. Nach dem Studienabschluss inszenierte er an der Hamburgischen Staatsoper, in Livorno, Bremerhaven, Pisa, Lyon, St.Gallen, Montpellier und Saarbrücken. Von 1992 bis 1995 war er als Oberspielleiter und stellvertretender Operndirektor an der Oper Bonn und ab 1996 als Intendant und Geschäftsführer der Stadttheater Giessen GmbH engagiert. Guy Montavon ist Jury-Mitglied namhafter Gesangswettbewerbe sowie Vorsitzender des Internationalen Hans Gabor Belvedere Gesangswettbewerbs in Wien und Mitglied des Direktoriums der Jeunesses Musicales Deutschland. Regelmässig lehrt er an den Universitäten Tokio und Montreal. www.guy-montavon.eu

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[03] Hank Irwin Kittel, Bühne Nach einem Studium an der Kunstakademie Karlsruhe, die er als Meisterschüler verliess, begann er seine Laufbahn als Maler und Installationskünstler und zeigte seine Werke erfolgreich im In- und Ausland. 1989 zog es ihn nach Berlin, wo er erstmals als Bühnen- und Kostümbildner arbeitete. Bald führten ihn Aufträge für die Oper, das Schauspiel und den Tanz an die Theater in Leipzig, Nürnberg, Dortmund sowie Braunschweig und er erweiterte sein Arbeitsspektrum um Ausstellungsgestaltungen und eine Dozentur für Kunstbetrachtung an der Werbeakademie in Dortmund. 2001 engagierte ihn Guy Montavon als Ausstattungsleiter ans Stadttheater Giessen. Gemeinsam mit ihm wechselte er 2002 in derselben Funktion ans Theater Erfurt. Neben dieser Tätigkeit ist er als Gast tätig für das Schauspielhaus Düsseldorf, das Staatstheater Darmstadt, das Max-Reinhardt-Seminar Wien, das Teatro di Sao Carlos in Lissabon und für die Nationaltheater in Riga und Bratislava. www.theater-erfurt.de

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[04] Uta Meenen, Kostüme Nach der Ausbildung in Hannover zur Schneidergesellin und diplomierten Modedesignerin arbeitete Uta Meenen von 1996 bis 1999 als Kostümbildassistentin am Düsseldorfer Schauspielhaus. Seit 2000 entwirft sie Kostümbilder für renommierte Opern- und Schauspielhäuser, unter anderem für das Düsseldorfer Schauspielhaus, das Schauspielhaus Bochum, die Bühnen Köln, das Deutsche Theater Berlin, das Schauspielhaus Hamburg, das Volkstheater Wien, das Schauspielhaus Graz, das Theater Erfurt und das Musiktheater im Revier. Mit Regisseuren wie Anna Badora, Patrick Schlösser und Peter Hailer verbindet sie eine langjährige Zusammenarbeit. Am Theater Basel entstanden 2007 L’Italiana in Algeri (Regie: Patrick Schlösser), 2009 Im Himmel Vorusse und 2010 My Fair Lady (Regie: Tom Ryser). Neben ihrer Tätigkeit als Kostümbildnerin entwirft sie Paramente. www.uta-meenen.de

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BIOGRAFIEN

[05] Guido Petzold, Licht Nach langjähriger Assistenz bei Manfred Voss zeichnete Guido Petzold für die Lichtgestaltung zahlreicher Opern-, Ballett- und Schauspielproduktionen verantwortlich. Er arbeitete mit namhaften Regisseuren zusammen wie Robert Carsen, Günter Krämer, Helmut Lohner, Jürgen Rose, Jochen Ulrich, Giancarlo del Monaco, Kurt Horres, Michael Rehberg, David Alden und Johannes Schaaf. Engagements führten ihn nach Japan ans Nissai Theater und ans Bunka Kaikan in Tokio, sowie an die grossen Opernhäuser im deutschsprachigen Raum (Köln, Düsseldorf, Dresden, Wien). Arbeiten von ihm waren zudem im La Fenice in Venedig, am Teatro Comunale in Florenz sowie bei renommierten Festivals wie den Wiener Festwochen oder dem Kaundu Arts Festival in Taiwan zu sehen. www.guidopetzold.com

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[06] Maxim Aksenov, Oronte, schloss 2005 das Staatliche Konservatorium in Kazan unter Professor Sungatullin ab und war bereits in der Saison 2000/2001 als Solist an der Oper in Novosibirsk tätig. Seit 2005 ist er am Mariinsky Theater in St. Petersburg engagiert. Als Mitglied der Opernkompanie tourte er durch die USA, Zypern, Japan, Südkorea und die Schweiz. Er gastierte u.a. an der Staatsoper Wien, Deutschen Oper am Rhein, am Theater Basel, am Theater Regio in Turin, in Kanada und in den Niederlanden. Zu seinem Repertoire zählen u.a. Don Jose (Carmen), Cavaradossi (Tosca), Alfredo (La traviata), Ismaele (Nabucco), Grigory (Boris Godunov), Lensky (Eugen Onegin) und Prinz (Rusalka). 06

[07] Gabriele Mangione, Oronte, wurde in Soleto (LE) geboren und erhielt sein Gesangsdiplom am Konservatorium von Perugia. Während seines Studiums nahm er an mehreren Meisterkursen, unter anderem mit Mietta Sighele, Renata Scotto, Veriano Lucchetti und Simone Alaimo teil. 2007 war er in Spoleto am Teatro Sperimentale in La traviata und Il trovatore zu sehen. Er debütierte 2007 in La bohème und war 2008 Mitglied an der Opernschule am Theater in Bologna. Dort stand er als Bruno in I puritani, als Prunier in La rondine, als Goro in Madama Butterfly und als Rodolfo in La bohème auf der Bühne. Zu seinem Opernrepertoire zählen auch Salome, Idomeneo und Carmen. Zukünftige Projekte führen ihn nach Teramo (Nabucco) und Tokio (I puritani und Carmen). [08] Katia Pellegrino, Giselda, ist in Galatone Lecce geboren, sie studierte Geige und Gesang am Konservatorium in Venedig, sowie Gesang an der Akademie in Mantova. Ihr Operndebüt gab sie als Musetta (La bohème), gefolgt von Titelpartien in La traviata und Norma. In rascher Folge debütierte sie in Opern wie Il trovatore und Turandot (Rom), Luisa Miller (Brescia und Palermo), La forza del destino (Lima), Madama Butterfly (Brescia), Otello und André Chénier (Sassari). Eine rege internationale Konzerttätigkeit führte sie u.a. nach Mailand, Prag und Tokio. Sie gastiert auf zahlreichen renommierten Bühnen wie u.a. in Lissabon, Modena, Neapel (Il trovatore), Parma und Catania (Norma), Palermo (Luisa Miller), Zagreb und Tokyo (Norma), Cardiff (La traviata, Il trovatore), Florenz (I Lombardi alla prima crociata) und bei den Bregenzer Festspielen (Il trovatore). www.katiapellegrino.it

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[09] Elena Belakova, Giselda, studierte Chorleitung, Gesang und Schauspiel in St. Petersburg. Sie setzte ihre Gesangsausbildung an den Musikhochschulen in Nürnberg und in Frankfurt/Main fort. Sie erhielt 1999 ein Stipendium des Deutschen Bühnenvereins, Landesverband Bayern. Zudem nahm sie an verschiedenen Meisterkursen u.a. bei Edita Gruberova teil. Unter den gesungenen Opernpartien sind Elisabetta (Roberto Devereux), La Contessa (Le nozze di Figaro), Pamina (Die Zauberflöte) und Konstanze (Die Entführung aus dem Serail), Mavra (Mavra), Eurydike (Orpheus und Eurydike), Anna (Die lustigen Weiber von Windsor), Giselda (I Lombardi alla prima crociata). Sie war Solistin des Jungen Ensembles der Bayerischen Staatsoper und war 2009 an der Staatsoper Unter den Linden Berlin engagiert.

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BIOGRAFIEN

[10] Tigran Martirossian, Pagano, geborener Armenier, wurde während seines Studiums ins Ensemble der Neuen Oper Moskau und des Bolschoi Theaters engagiert. Der achtfache Preisträger internationaler Wettbewerbe sang an den bedeutendsten Häusern Europas und der USA: u.a. Metropolitan Opera, Salzburger Festspiele, Wiener Staatsoper, Teatro Real Madrid, Opéra Bastille Paris, Mailänder Scala. Zentrale Bass-Partien wie Fiesco (Simon Boccanegra), Dulcamara (L’elisir d’amore), Dossifej (Chowanschtschina), Figaro (Le nozze di figaro), Selim (Il turco in Italia), Banco (Macbeth), Sulpice (La fille du régiment) interpretiert der Basso cantante u.a. auch an der Hamburgischen Staatsoper. Weitere Rollen 2011/2012 sind Philippe II (Don Carlo) und Méphistophélès (Faust von Gounod). www.martirossian.com

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[11] Vazgen Ghazaryan, Pagano, wurde in Yerevan, Armenien geboren. Er studierte dort am Staatlichen Konservatorium Gesang und Schlagzeug. Er war als Solist an der Staatsoper Armenien und im Opernstudio des Staatlichen Konservatoriums engagiert. Zu seinem Repertoire gehören u.a Sarastro (Die Zauberflöte), Bertran (Iolantha), Zaccaria (Nabucco), Ramfis (Aida) und Sam (Un ballo in maschera). Seit Beginn der Spielzeit 2007/08 ist er Ensemblemitglied am Theater Erfurt. Dort sang er u.a. Basilio (Il barbiere di Siviglia), Colline (La bohème), Sagrestano (Tosca), Banco (Macbeth) und die Titelrolle in Mefistofele. 2009 gastierte er als Wassermann (Rusalka) in St. Petersburg. Im November 2010 war er als Hunding (Die Walküre) unter der Leitung von Kent Nagano in Moskau zu hören, und er gewann beim Gian Battista Viotti Int. Musikwettbewerb 2010 den Preis für die beste Bassstimme. www.theater-erfurt.de

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[12] Derek Taylor, Arvino, stammt aus Los Angeles und erhielt seine Gesangsausbildung an der Academy of Vocal Arts. Sein Repertoire beinhaltet Pinkerton (Madama Butterfly), Ruggero (La Rondine), Michele (Saint of Bleecker Street), Edgardo (Lucia di Lammermoor), Alfredo (La traviata), Antonio (The Tempest), Tamino (Die Zauberflöte) sowie die Titelrollen in Les Contes d’Hoffmann und Faust. Die Partie des Rodolfo (La bohème) sang er mit grossem Erfolg in über zehn Produktionen in Amerika. Gastengagements führten ihn an die Opernhäuser von Boston, St.Louis, Baltimore, Los Angeles, Santa Fe und Hawaii. Seit 2008/09 ist Derek Taylor festes Ensemblemitglied in St.Gallen, wo er zuletzt u.a. als Pinkerton (Madama Butterfly), Alfred (Die Fledermaus) und Chavalier Des Grieux (Manon) zu erleben war. [13] Tijl Faveyts, Pirro Der belgische Bass studierte am Konservatorium in Brüssel und an der Universität für Musik in Wien. Mehrmals ausgezeichnet bei internationalen Gesangswettbewerben gab er 2004 mit der Rolle des Sarastro (Die Zauberflöte) sein Operndebüt an der Oper in Toronto. Seit 2005 ist er Ensemblemitglied am Theater St.Gallen und war hier zuletzt als Doktor (Wozzeck) und Frank (Die Fledermaus) zu erleben. Gastengagements führten ihn als Alter Hebräer (Samson et Dalila) und Collatinus (Rape of Lucretia) an die Flämische Oper, zu den Wiener Festwochen (Die Zauberflöte, Jakob Lenz, Wozzeck), zum Festival d’Aix-en-Provence als Sarastro (Die Zauberflöte), ans Theater La Monnaie in Brüssel (La forza del destino), an die niederländischen Oper (Fanciulla del west) und an die Staatsoper Stuttgart (Don Giovanni). www.faveyts.info

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BIOGRAFIEN

[14] Gergana Geleva, Viclinda, wurde in Sofia geboren und schloss ihr Hochschulstudium als Sopranistin an der Hochschule für Musik «Pancho Vladigerof» in Sofia mit Auszeichnung ab. Ihr erstes Festengagement trat sie am Theater Heidelberg an, dort war sie u.a. Leonora in La forza del destino, Cio Cio San in Madama Butterfly oder Amelia in Un ballo in maschera zu sehen. Sowohl das deutsche Fach wie Agathe in Der Freischütz, Elisabeth in Tannhäuser als auch die Mozartrollen in Don Giovanni, Idomeneo oder Così fan tutte gehören zu ihrem Repertoire, das sie am Theater St.Gallen u. a. mit Puccinis Tosca und Verdis Ernani erweitern konnte. Gastspiel- und Konzertaufgaben führten sie nach Spanien, Österreich, Bulgarien und in die Türkei. www.gergana-geleva.de

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[15] Wade Kernot, Acciano, studierte am Australian Opera Studio in Perth und am National Opera Studio in London. Er wurde an der Solti/Te Kanawa Accademia of Bel Canto aufgenommen und war 2009 Finalist beim BBC Cardiff Singer-Wettbewerb. Er sang die Basspartien in Ariadne auf Naxos, Les Contes d’Hoffmann, Così fan tutte und Die Zauberflöte. Am Hessischen Staatstheater Wiesbaden trat er in Strawinskys Pulcinella auf, für die Southern Opera interpretierte er Zuniga (Carmen) und Ferrando (Il trovatore). Als Figaro (Le nozze di Figaro) war er in einer Produktion der Opera New Zealand zu sehen. Zudem gastierte er an den Musikfestivals von Edinburgh, Linari und Verbier. Seit der Spielzeit 2010/11 ist er Ensemblemitglied in St.Gallen und trat hier zuletzt als Comte Des Grieux (Manon) auf. 15 [16] Fiqerete Ymeraj, Sofia, stammt aus Albanien. Sie studierte Gesang am Konservatorium in Tirana und an der Hochschule für Musik in München. 1994 und 1995 war sie Preisträgerin des Internationalen Gesangswettbewerbs Giuseppe Di Stefano in Sizilien. Die Sopranistin war u. a. bei Produktionen am Prinzregententheater München mit Partien wie Anna in Die lustigen Weibern von Windsor und Siss in Brittens Albert Herring zu hören. Seit der Spielzeit 2001/02 ist sie Mitglied im ˇ Chor des Theaters St.Gallen. Hier sang sie als Solistin Rollen in Opern von Janácek, Strauss, von Schillings, Rossini, Humperdinck und Schostakowitsch. Es folgten Alisa in Lucia di Lammermoor, Ismene in Giovanni Simone Mayrs Medea in Corinto sowie 2010 Asfene in Il diluvio universale bei den St.Galler Festpielen. 16 [17] Marc Haag, Prior der Stadt Mailand, wurde in Schleswig-Holstein geboren. Gesang studierte er an den Musikhochschulen in Frankfurt a. M. und Hamburg bei Karl Markus, William Workman und Gisela Litz. Sein Repertoire umfasst Partien wie Tamino (Die Zauberflöte), Ferrando (Così fan tutte), Dorvil (La scala di seta), Fenton (Falstaff), Kronthal (Der Wildschütz), Eisenstein (Die Fledermaus) und Edwin (Die Csárdásfürstin). In einer Così fan tutte-Produktion des Deutschen Schauspielhauses Hamburg, in der alle Partien von Männern gesungen wurden, interpretierte Marc Haag Fiordiligi. Sein Konzertrepertoire umfasst Stücke von Bach und Händel, die Liederzyklen Schuberts sowie die Tenorsoli in Orffs Carmina Burana und Puccinis Messa di Gloria. Seit der Spielzeit 2010/2011 ist er am Theater St.Gallen engagiert. 17

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APROPOS FESTSPIELE: DIE TAGBLATT MEDIEN ENGAGIEREN SICH ALS MEDIENPARTNER FÜR KULTURELLE ANLÄSSE OB OPER ODER KONZERT THEATER ODER FILM. DESHALB SPIELT DIE KULTUR IM RADIO IN UNSEREN ZEITUNGEN IM FERNSEHEN UND IM INTERNET EINE WICHTIGE ROLLE: SEITE FÜR SEITE BILD FÜR BILD TON FÜR TON UND KLICK FÜR KLICK.

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6. ST.GALLER FESTSPIELE

TANZ – PERT EM HRU «Pert Em Hru» wurde von den beiden Chören Collegium Vocale und Tablater Konzertchor in Auftrag gegeben und 2007 in der Kathedrale St.Gallen uraufgeführt. Das Werk beinhaltet Texte aus dem über 3000 Jahre alten ägyptischen Totenbuch und die dem St.Galler Mönch Notker Balbulus (* um 840; † 912) zugeschriebene Melodie «media vita in morte sumus». Davor kommen zwei weitere Kompositionen Paul Gigers zur Aufführung; «Karma Shadub» sowie «Tropus». Marco Santi hat dazu tänzerische Bewegungsfolgen entwickelt, die auf kreisenden und spiralförmigen Strukturen aufbauen. In der Choreografie, die in Zusammenarbeit mit den Tänzerinnen und Tänzern entstanden ist, bildet das Kreisen eines der Hauptmotive. Dieses lehnt sich am Tanz der Derwische an, die über die Drehungen um die eigene Achse in einen Zustand der Trance oder der Ekstase geraten, um sich auf diese Weise Gott zu nähern. Ähnliche künstlerische Ausdrucksformen finden sich beispielsweise im Wesensmerkmal der unendlichen Fortsetzbarkeit von Mustern, wie sie aus der islamischen Kunst bekannt sind. Das höchste Ziel liegt dabei in der Vereinigung mit dem Göttlichen – oder wie es im ägyptischen Totenbuch heisst: «Mach, dass ich lebe inmitten deines Göttlichen, denn siehe: Ich bin DU».

Mittwoch, 29.Juni 2011 Donnerstag, 30.Juni 2011 Montag, 04.Juli 2011 Beginn um 21.00 Uhr in der Kathedrale


TANZ – PERT EM HRU

PERT EM HRU Choreografie von Marco Santi Musik von Paul Giger Uraufführung der Choreografie

Musikalische Leitung Choreografie Chorleitung Kostüme Lichtgestaltung Dramaturgie Choreografische Assistenz Inspizienz Altus Violine/Violino d’amore Cembalo Gongs, Buk Orgel

Paul Giger Marco Santi in Zusammenarbeit mit der Tanzkompagnie des Theaters St.Gallen Hans Eberhard Marion Steiner Andreas Enzler Serge Honegger Andreas Starr Veronika Geyer David James Paul Giger Marie-Louise Dähler Pudi Lehmann Norbert Schmuck Collegium Vocale St.Gallen Tablater Konzertchor St.Gallen Mit den Mitgliedern der Tanzkompagnie des Theaters St.Gallen Zaida Ballesteros Parejo Jasmin Hauck Hella Immler Andrea María Méndez Torres Emma Skyllbäck Claudia Voigt Cecilia Wretemark Yannick Badier Exequiel Barreras Kristian Breitenbach Sebastian Gibas Robin Rohrmann David Schwindling

Premiere Dauer

29. Juni 2011 1 Stunde, 20 Minuten (keine Pause) Mit grosszügiger Unterstützung von Edith und Hans-Joachim Seifert

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TANZ – PERT EM HRU Paul Giger und Marco Santi bei der Besichtigung der Kathedrale

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TANZ – PERT EM HRU

PERT EM HRU Resonanzen des Alten im Neuen

«Musik ist die irdische Spiegelung geistiger Welten und Wirklichkeiten. Das Programm spricht von den letzten und ersten Dingen; von Geburt, Werden und Vergehen, von Transformation und Metamorphose, vom Sterben und was danach kommen mag». (Paul Giger)

KARMA SHADUB Der Titel stammt aus dem Tibetischen und heisst «Tanzender Stern». Ein erster Entwurf des Werks entstand 1984 zur Geburt von Paul Gigers Sohn Ramòn. Aus dem derwischartigen Kreisen und Drehen der Tänzer und aus der flirrenden Atmosphäre der Musik entwickelt sich der weitere Verlauf der Aufführung.

TROPUS In seiner ursprünglich einstimmigen Melodienfolge «Omnipotens genitor», die Paul Giger in seiner Komposition zitiert, lobpreist der mittelalterliche St.Galler Mönch Tuotilo († 913) seinen Gott. Die religiöse Dichtung des Mittelalters hat in den Tropen eine eigenständige Liedform hervorgebracht, die ein bedeutsames Zeugnis für die schöpferische Kraft und die Sangesfreudigkeit der Jahrhunderte von der Karolingerzeit um 800 bis zum Spätmittelalter ablegt. Unter einem Tropus versteht man eine Einleitung oder einen Einschub zu den feststehenden Texten der kirchlichen Liturgie. Im 16. Jahrhundert wurden die Tropen aus der gottesdienstlichen Feier ausgeschieden, weil sie die ursprünglichen Sprechformeln zu überwuchern drohten. Omnipotens genitor Deus omnium creator eleyson. Allmächtiger Vater, Gott, Schöpfer aller Dinge und Wesen, erbarme Dich. Fons et origo boni pie luxque perennis eleyson. Quelle und Ursprung des Guten, Gütiger, ewiges Licht, erbarme Dich. Salvificet pietas tua nos bone rector eleyson. Deine Fürsorge möge uns retten, guter Lenker, erbarme Dich. Amborum sacrum spiramen nexus amorque eleyson. Heiliger Geist, Verbindung und Liebe des Vaters und des Sohnes, erbarme Dich. Procedens fomes vitae fons purificans nos eleyson. Der Du den Lebensfunken zündest, Quelle, die uns reinwäscht, erbarme Dich.

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TANZ – PERT EM HRU

Purgator culpae veniae largitor optime offensas dele sancto nos munere reple eleyson. Der Du gnädig die Schuld tilgst, Wohltäter, beseitige das Unrecht, erfülle uns mit heiliger Gabe, erbarme Dich. Amborum sacrum spiramen nexus amorque eleyson. Heiliger Geist, aus der Verbindung von Vater und Sohn entstanden, Liebe des Vaters und des Sohnes, erbarme Dich. Christe Dei forma virtus patrisque sophia eleyson. Christus, Sinnbild von Gottes Macht und Grösse, Weisheit des Vaters, erbarme Dich. Purgator culpae veniae largitor optime offensas dele sancto nos munere reple, eleyson. Der Du gnädig die Schuld tilgst, Wohltäter, beseitige das Unrecht, erfülle uns mit heiliger Gabe, erbarme Dich. Omnipotens genitor Deus omnium creator eleyson. Allmächtiger Erzeuger, Gott, Schöpfer aller Dinge und Wesen, erbarme Dich.

PERT EM HRU Die 2007 uraufgeführte Komposition verbindet Texte aus altägyptischer Zeit mit der christlichen Überlieferung. Die lateinischen Gesänge werden vom Chor unter Ausmessung der gewaltigen Klangdistanzen der Kathedrale gesungen, die ägyptischen Totentexte sind der Solostimme anvertraut. Der Titel heisst wörtlich «Vom Heraustreten der Seele ins volle Tageslicht» und entstammt dem ägyptischen Totenbuch. Entstanden sind die Schriften um 1070 v. Chr. und wurden sowohl von hohen Beamten als auch von Königen verwendet. Der Inhalt kreist um das Dasein in den unterweltlichen Regionen und beschäftigt sich vor allem mit der nur dort möglichen Regeneration der Toten. Mit den Sprüchen versucht das Totenbuch mit dem Licht der Sonne, des Tagesbewusstseins, in die tiefsten Schichten menschlicher Existenz hinabzuleuchten. «Wer auf die Sonne schaut, dem erschliesst sich das Wesen der Finsternis» lässt sich ein Doppelvers sinngemäss übersetzen. In der Spannung zwischen der Todverfallenheit alles Irdischen und dem Glauben an ein lichtvolles Danach bewegt sich auch die Komposition von Paul Giger. Musikalisch stellt sie dem Unisono der Gregorianik aufgetürmte Toncluster entgegen. Gegen Ende kommt ein fast naiv liedhafter Gesang hinzu. Und schliesslich erweitert sich der Tonraum um vierteltönige Skalen, deren Grundlage die Naturtonreihe darstellt.

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TANZ – PERT EM HRU

I Media vita in morte sumus Media vita in morte sumus, Domine Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen, Herr Pie Jesu Domine done eis requiem Frommer Herr Jesus, gib ihnen Ruhe II Alt solo I Ausgerottet das Böse in meinem Herzen Hinweggefegt mein Gebrechen, mein Laster Unbetrübt kann ich jetzt die Wege und Bahnen des Jenseits betreten III Glissauno Media Vita Media vita in morte sumus, Domine Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen, Herr IV Alt solo II Das geheime Wissen, ich hab es erlangt! Seht, wie ich schwebe, den Vögeln des Himmels gleich! Jetzt steig ich nieder zur Stirne Ra’s Und segle im Frieden auf dem himmlischen Meere Sitzend im Sonnenboot… V Hinausgang der Seele ins volle Tageslicht Wahrlich ich weiss, die ewige Seele in mir ist ein Gott Mein Leib, ich weiss es, ist Ewigkeit selbst Ich bin das Heute Ich bin das Gestern Ich bin das Morgen Dann, vor den Götterordnungen erglänzt das göttlich’ Aug Seine Herrlichkeit leuchtet wie ehmals Im Anfang, da sie all Götter umfasst: Ra, Tum, Shu, Geb, Nut, Isis, Hathor, Nephtys, Merty, Maat, Anpu, Tamesschetta, Ra’s Seele und Leib. Höret, die Riegel der mächtigen Pforte werden geschoben Überschreiten nun darf ich die heilige Schwelle Denn ich bin eines Gottes lebendige Seele, dessen ungeheurer Leib das Leben verlassen Komm denn mir nahe, o Gott Mach, dass ich lebe inmitten deines Göttlichen Denn siehe: Ich bin DU 42


BIOGRAFIEN

BIOGRAFIEN [01] Paul Giger, Komposition Der aus Herisau stammende und im Appenzell lebende Komponist und Musiker Paul Giger erhielt seinen ersten Violinunterricht im Alter von acht Jahren. 1970/71 reiste er als Strassenmusiker durch Asien, begann danach sein Musikstudium, welches er mit dem Lehr- und Solistendiplom abschloss. Seit 1983 ist er freischaffend tätig, nachdem er ab 1980 für drei Jahre Konzertmeister des Sinfonieorchesters St.Gallen war. Gigers Repertoire umfasst die Violinliteratur vom Barock bis zur Moderne. Er konzertiert vorwiegend mit eigenen Werken. Ein weiterer Schwerpunkt seines Tätigkeitsfeldes bildet die Improvisation. Paul Giger komponiert seit 1992 Chor-, Orchester- und Kammermusik, die in bisher sechs Aufnahmen beim Münchner Label ECM dokumentiert ist. www.paul-giger.ch

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[02] Marco Santi, Choreografie wurde in Turin geboren und erhielt seine Ausbildung an der Ecole de Danse Classique in Monte Carlo und an der Hamburgischen Ballettschule. Als Tänzer und Choreograf wirkte er beim Stuttgarter Ballett und anderen renommierten Kompagnien. 1995 gründete er das Marco Santi Danse Ensemble. Bevor er zur Spielzeit 2009/10 als künstlerischer Leiter der Tanzkompagnie nach St.Gallen berufen wurde, leitete er das Tanztheater in Osnabrück. Regelmässig choreografiert Marco Santi internationale Opernproduktionen und ist zudem als gefragter Gastchoreograf an Theatern tätig wie; Bayerische Staatsoper München, Staatstheater Stuttgart, Cuvilliés Theater München, Deutsche Oper Berlin, Königliches Opernhaus Kopenhagen und Salzburger Festspiele. 02 [03] Collegium Vocale der Kathedrale St.Gallen Das Collegium Vocale wurde 1997 als Kammerchor gegründet. Es ergänzt die anderen vokalen Ensembles der St.Galler DomMusik in ihren vielfältigen liturgischen und konzertanten Einsätzen. In den letzten Jahren standen immer wieder Uraufführungen auf dem Programm, wie das im 2007 entstandene Pert em Hru von Paul Giger oder das Kremser Requiem von Francisco Obieta und Ivo Ledergerber im März 2010. Im gleichen Jahr erschien die erste CD der Reihe «Musik in der Kathedrale St.Gallen Vol. I» unter der musikalischen Leitung von Hans Eberhard, der seit 1996 als Domkapellmeister an der Kathedrale St.Gallen wirkt und für die diesjährigen Festspiele als Chorleiter Paul Gigers anspruchsvolles Werk einstudierte. www.dommusik-sg.ch > Ensembles 03 [04] Tablater Konzertchor St.Gallen Das Ensemble wurde 1971 von Marcel Schmid gegründet und hat sich einen ausgezeichneten Ruf in der Musiklandschaft der Ostschweiz erarbeitet mit Werken des klassischen oratorischen Repertoires, aber auch mit konzeptionellen musikalisch-literarischen Programmen. Seit dem Jahr 2000 leitet der Basler Dirigent Ambros Ott den Chor. Unter seiner Leitung haben die Sängerinnen und Sänger im Jahr 2007 Pert Em Hru von Paul Giger für die Uraufführung in der Kathedrale einstudiert. Zuletzt sang der Chor u.a. Bachs Matthäus-Passion, Bruckners f-moll-Messe, ein weltliches Romantikprogramm Nachts in Waldeseinsamkeit in der Lokremise oder die Vigil op.37 von Sergej Rachmaninow in der kirchenslawischen Originalsprache. www.tablater.ch 04

[05] Tanzkompagnie des Theaters St.Gallen Seit der Spielzeit 2009/10 steht die Tanzkompagnie unter der Leitung von Marco Santi. Die alljährlich sechs bis sieben Produktionen der 14-köpfigen Ensembles umfassen Tanzaufführungen, Performances und spartenübergreifende Projekte. Zu sehen sind die Vorstellungen sowohl auf der grossen Bühne des Theaters St.Gallen, als auch in der Lokremise und an internationalen Gastspielen (zuletzt am internationalen Tanzfestival improd@nce in Turin). An den St.Galler Festspielen vom vergangenen Jahr zeigte die Kompagnie die Uraufführung Sacra. In Produktionen des Theatesr St.Gallen war das Ensemble zuletzt in Marco Santis Inszenierung von Händels Alcina sowie in den Tanzproduktionen, Short Cuts und Reise zum Mittelpunkt der Erde zu erleben. www.theatersg.ch

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6. ST.GALLER FESTSPIELE

KONZERTPROGRAMM Orient und Okzident, Morgenland und Abendland, die Gemengelage von Kulturen und Weltreligionen hält 2011 die Welt in Atem. In Verdis Oper «I Lombardi alla prima crociata» stehen die christlichen Kreuzritter vor Jerusalem, der Auftakt eines bis heute anhaltenden Konflikts kultureller, weltanschaulicher und religiöser Systeme. Doch Konflikt bedeutet auch Begegnung, aus dieser folgt unweigerlich Austausch. Orientalische Waren wurden bald begehrte Luxusartikel in Europa, der Handel blühte, und im Zuge der kulturellen Interaktion fanden die ersten Streichinstrumente ihren Weg nach Europa. Der katalanische Musiker und Forscher Jordi Savall zieht die Überzeugungskraft seines Programmes «Orient und Okzident» aus dieser gemeinsamen Historie, dem befruchtenden Miteinander von westlichen und orientalischen Musikern, Instrumenten und Musikstücken. Die Liebe als emotionaler Kriegszustand war beherrschender Topos der Künste der Spätrenaissance. Als sich in Italien um 1600 der einstimmige Gesang als das Instrument individueller menschlicher Gefühlsregungen entwickelte, dienten diese Dichtungen zum Substrat der neuen Wege des Frühbarock. «O felice morire» entführt in diese faszinierende Welt des Recitar cantando. Orgelmusik aus und über den Orient präsentiert «Orgel im Morgenland» des St.Galler Domorganisten Willibald Guggenmos, Konzertmeister Igor Keller spielt in der Schutzengelkapelle Musik in ihrer reinsten Form, herausragende Werke «a Violino senza Basso accompagnato» des Spätbarock. Andreas Staier und Alexander Melnikov stellen in «Fenster zur Zeit» scheinbar zeitlose Präludien und Fugen von Bach und Schostakowitsch an Cembalo und Flügel gegenüber. «Alles, was Odem hat, lobe den Herrn» – Reformierte oder eben allgemein menschliche Spiritualität und Glaubenskraft sprechen aus Felix Mendelssohn Bartholdys als Sinfonie gezählter sinfonischer Festkantate «Lobgesang» im Festkonzert, Abschluss und Höhepunkt des Konzertprogramms in der Kathedrale St.Gallen unter Leitung von Chefdirigent David Stern.


KONZERTPROGRAMM

FESTGOTTESDIENST zu den St.Galler Festspielen

SONNTAG, 26. JUNI 2011, 11.00 UHR, KATHEDRALE Antonín Dvorák (1841 – 1904) Messe D-Dur op. 86 Kyrie: Andante con moto Gloria: Allegro vivo Credo: Allegro moderato Sanctus: Allegro maestoso Benedictus: Lento Agnus Dei: Andante César Franck (1822 – 1890) Panis angelicus Domchor St.Gallen Josef Raschle, Liturgische Leitung Hans Eberhard, Musikalische Leitung Willibald Guggenmos, Orgel Kimberly Brockman, Sopran Debora Imholz, Alt Stefan A. Rankl, Tenor Paulo Medeiros, Bass

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KONZERTPROGRAMM

«ORGEL IM MORGENLAND» Orgelmusik aus und über den Orient

SONNTAG, 26. JUNI 2011, 17.00 UHR, KATHEDRALE Franz Liszt (1811 – 1886) Marsch der Kreuzritter Edwin Henry Lemare (1865 – 1934) Caprice Orientale op. 46 Albert William Ketèlbey (1875 – 1959) In a Persian Market (Intermezzo Scene) Roy Spaulding Stoughton (1884 – 1953) Symphonic Suite «In Persia» The courts of Jamshyd | The garden of Iram | Sàki Ernest Richard Kroeger (1862 – 1934) Scène Orientale d-Moll op. 37/1 Scène Orientale h-Moll op. 37/2 Naji Hakim (*1955) Ouverture Libanaise

Willibald Guggenmos, Orgel

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KONZERTPROGRAMM

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollzog sich in der musikalischen Praxis und im kompositorischen Umgang mit der Orgel ein Wandel, der den Grundstein für eine Erneuerung der Orgelmusik legen sollte. Die Kluft zwischen schulmässiger und liturgischer Gebrauchsmusik einerseits und konzertanter Orgelmusik andererseits trat immer deutlicher zutage, und letztere forderte im Sinne zeitgemässer Kompositionen durchgreifende technische und klangliche Neuerungen im Orgelbau. Vorstellungen von Klangverschmelzung sowie Differenzierung und Ausweitung der dynamischen Möglichkeiten zeigen, wie sich die Orgelmusik zunehmend am Klang des grossen romantischen Orchesters orientierte. Es wurde aber nicht nur mittels neuer Klang-Farbpaletten einem symphonisch-orchestralen Ideal nachgeeifert, sondern überhaupt die Gattungen des Konzertsaals auf die Orgelmusik übertragen. Fantasien entstanden daraus ebenso wie Orgelsinfonien, kleinere Charakterstücke oder aber Transkriptionen bekannter Orchesterwerke und Opernouvertüren. Der berühmte Orgelvirtuose Edwin Henry Lemare beispielsweise übertrug zahlreiche grosse Orchesterwerke wie den Ungarischen Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms oder Richard Wagners Tannhäuser-Vorspiel in eine Orgel-Fassung. Als ein beliebtes Stilmittel schlich sich auch der sogenannte «Orientalismus» in die Orgelmusik ein. Die Vorstellung des Orientalischen, vermischt mit teilweise auch vagen Informationen über fremde Tonsysteme, regte zu verschiedenartigen Kompositionen an, von deren Vielfalt der Konzertabend mit Domorganist Willibald Guggenmos zeugt: Die Transkription eines Kreuzritter-Oratorienchors von Franz Liszt, orientalisch gewürzte, amerikanisch geprägte Orgelromantik des Engländers Edwin Henry Lemare sowie Musik aus der Feder des englischen Organisten und Stummfilmkomponisten Albert William Ketèlbey. Die symphonische Suite In Persia und zwei Scènes Orientales der amerikanischen Komponisten Roy Spaulding Stoughton und Ernest Richard Kroeger versprühen ihr morgenländisches Kolorit, und die Brücke zur Gegenwart schlägt zu guter Letzt der in Libanon geborene französische Komponist, Organist und Pianist Naji Hakim mit der Ouverture Libanaise. Damaris Leimgruber

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KONZERTPROGRAMM

«…A VIOLINO SENZA BASSO ACCOMPAGNATO»

MITTWOCH, 29. JUNI 2011, 19.00 UHR, SCHUTZENGELKAPELLE

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) Sonate Nr. 1 g-Moll BWV 1001 Adagio Fuga (Allegro) Siciliana Presto Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 – 1704) Passacaglia g-Moll aus «Rosenkranzsonaten» Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) Partita Nr. 2 d-Moll BWV 1004 Allemanda Corrente Sarabanda Giga Ciaccona

Igor Keller, Violine

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KONZERTPROGRAMM

Johann Sebastian Bachs Dienstherr in Köthen, der «gnädige und Music so wohl liebende als kennende Fürst» Leopold, der selbst Gambe spielte, scheint offen gewesen zu sein für instrumentalmusikalische Experimente, die weit über die zeitgenössischen Konventionen hinausgingen. Vereinzelte Solo-Sätze für Streichinstrumente waren zwar nicht grundsätzlich neu, aber ein grossangelegtes, mehrteiliges Werk wie die Sei Solo â Violino senza Basso accompagnato (je drei Sonaten und Partiten für Solovioline, 1720) musste Erstaunen erregen. Die Konzeption ohne Generalbass bettet sich durchaus ein in Bachs aktuelles Oeuvre, denn auch in den von Tasteninstrumenten begleiteten Sonaten schreibt er, entgegen dem Usus der Zeit, den ganzen Begleitstimmensatz aus. Damit nimmt er natürlich dem Generalbassspieler die Freiheit, die Begleitung nach seinem Gusto auszuschmücken. Man mag dies deuten als ein Bedürfnis, die Gestaltwerdung des Kunstwerkes nicht anderen zu überlassen. Angesichts der Werke für Solovioline zeigt sich denn auch eine kunstvolle Reduktion auf das Essentielle, und wenn es eine einsame melodische Linie sei. Die Wahl der Gattung Sonate erscheint insofern bemerkenswert, als die Sonatentradition mindestens einen fugierten Satz verlangte; im zweiten Satz der Sonate Nr. 1 g-Moll zeigt sich denn auch, dass Bach es für möglich hielt, auf der Violine in mehreren unabhängigen Stimmen zu spielen. Die Partiten bestehen vorwiegend aus Tanzsätzen, doch auch diese können sich, wie in der berühmten Chaconne am Ende der Partita Nr. 2 d-Moll, zu komplizierten polyphonen Sätzen entwickeln, die an die Grenzen des für das Instrument Möglichen stossen. Heinrich Ignaz Franz Bibers «Rosenkranz- oder Mysteriensonaten» entstanden vermutlich für die Rosenkranzfeiern in der Salzburger Kathedrale. Die einzige Sonate für Violine solo, die als 16. Sonate angefügte Passacaglia, widmete Biber dem seit 1676 eingeführten Schutzengelfest. Zu jeder der Sonaten gehört eine Kupferstichvignette, auf welcher eines der 15 freudenreichen, schmerzensreichen und glorreichen Geheimnisse des Rosenkranzes dargestellt ist. Damit sollte eine durchaus schon bekannte Geschichte noch einmal in Bild und Musik erzählt werden und dabei die Fantasie und persönlichen Gedanken des Zuhörers anregen, gerade so, wie es auch beim Gebet des Rosenkranzes gedacht war. Die Passacaglia zeugt von den ausserordentlichen technischen Fähigkeiten Bibers, der als Geigenvirtuose so berühmt war, dass er sogar Kaiser Leopold mit seiner Violine die Ehre erweisen durfte und von ihm in den Adelsstand erhoben wurde. Damaris Leimgruber

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KONZERTPROGRAMM

«FENSTER ZUR ZEIT» Präludien und Fugen von Johann Sebastian Bach und Dmitri Schostakowitsch

DONNERSTAG, 30. JUNI 2011, 19.00 UHR, ST. LAURENZEN Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) Präludium und Fuge C-Dur, BWV 846 aus: Das Wohltemperierte Klavier I Dmitri Schostakowitsch (1906 – 1975) Präludium und Fuge Nr. 21 B-Dur Präludium und Fuge Nr. 7 A-Dur aus: 24 Präludien und Fugen op. 87 Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) Präludium und Fuge D-Dur, BWV 874 Präludium und Fuge F-Dur, BWV 880 aus: Das Wohltemperierte Klavier II Dmitri Schostakowitsch (1906 – 1975) Präludium und Fuge Nr. 15 Des-Dur Präludium und Fuge Nr. 16 b-Moll aus: 24 Präludien und Fugen op. 87 Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) Präludium und Fuge es-Moll, BWV 853 Präludium und Fuge E-Dur, BWV 878 aus: Das Wohltemperierte Klavier I und II Dmitri Schostakowitsch (1906 – 1975) Präludium und Fuge Nr. 3 G-Dur Präludium und Fuge Nr. 4 e-Moll aus: 24 Präludien und Fugen op. 87 Andreas Staier, Cembalo Alexander Melnikov, Klavier

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KONZERTPROGRAMM

Der Übergang vom mittelalterlichen modalen Tonsystem zu den Dur-Moll-Tonarten erforderte nach und nach eine Veränderung der Instrumenten-Stimmungen. Zunächst stimmte man die Tasteninstrumente je nach Musikstück für diejenigen Tonarten rein, die überhaupt verwendet wurden. Dabei klangen die anderen Tonarten, besonders diejenigen mit vielen Vorzeichen, d.h. mit vielen schwarzen Tasten auf dem Klavier, ziemlich falsch. Zunehmend kam aber die Forderung auf, die Instrumente so zu stimmen, dass in allen Tonarten gleichzeitig «präludiert» werden konnte. Für Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertes Klavier war dies eine Voraussetzung, denn die Präludien und Fugen erstrecken sich über alle 24 Moll- und Durtonarten. Der Titel des ersten Teils, «Zum Nutzen und Gebrauch der Lehr-begierigen Musicalischen Jugend», bringt zur Sprache, was sich auch in den folgenden Jahrhunderten immer wieder bestätigen wird: Es handelt sich um anspruchsvolle, herausfordernde Lehr- und Studienwerke. So beschäftigten sie im 19. Jahrhundert eigentlich eher die Komponisten, Theoretiker und Klavierschüler als das Publikum, und doch festigten sie in fast mythischer Weise Bachs Ruf als «grösster Harmonist aller Zeiten». Im grossen Stil für den Konzertsaal entdeckt wurden sie aber erst in den 1920er-Jahren mit Claudio Arraus Gesamtaufführung in Berlin. Dmitri Schostakowitschs Interesse am Wohltemperierten Klavier setzte nochmals 30 Jahre später am Leipziger Bachfest ein. Unter dem inspirierenden Eindruck der Bachinterpretin Tatjana Nikolajewa ergänzte er, wie er selber erklärte, die Bachschen Zyklen um «einen dritten Teil»: um seine 24 Präludien und Fugen op. 87. Schostakowitschs plötzliche Zuwendung zur Klaviermusik Johann Sebastian Bachs erklärt sich vielleicht aus folgender Passage eines Briefs an Isaak Glikman 1955: «Ausgezeichnete Musik bleibt, ganz gleich, wie man sie spielt, gut. Jedes beliebige Präludium und jede beliebige Fuge kann man in einem beliebigen Tempo spielen, mit beliebigen dynamischen Schattierungen oder ganz ohne sie, es ist gleich, sie bleiben ausgezeichnet. So muss man Musik schreiben, damit nicht eine einzige Kanaille sie verderben kann.» Bachs Klaviermusik repräsentierte für Schostakowitsch nicht nur ein musikalisch-technisches Ideal; aus seiner Sicht zeichnete sich diese zeitlose Kunst aus durch ihre Resistenz gegenüber Vereinnahmung, sei es nun durch Interpreten, durch die Politik oder eine religiöse Konfession. In einer Situation der ständig drohenden Gefahr ideologisch motivierter Kritik scheint Schostakowitsch aus Bachs Musik ein Plädoyer für die Autonomie des Kunstwerks herauszuhören. Damaris Leimgruber

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KONZERTPROGRAMM

«JORDI SAVALL – ORIENT UND OKZIDENT» Musik zwischen Zeiten, Glauben und Hemisphären

FREITAG, 1. JULI 2011, 19.00 UHR, ST. LAURENZEN Alba – anonym, aus der arabisch-andalusischen Tradition Danse de l’Esprit – berberisch Danse du Vent – anonym sephardisch Saltarello – Alfons X. der Weise (1221 – 1284) La Quarte Estampie Royal – Le manuscrit du roi (Paris 13. Jhd.) Nastaran (Naghma instr.) – anonym aus Afghanistan Planctus (Klagegesang) «Pax in nomine Domini» – nach Marcabru (12. Jhd.) Makam ’Uzäl Sakil «Turna» – türkisch, überliefert von D. Cantemir (1673 – 1723) Rotundellus – Alfons X. der Weise (1221 – 1284) La Seconde Estampie Royale – Le manuscrit du roi (Paris 13. Jhd.) Lamento di Tristano – anonym, Italien 14. Jhd. – – – ˘ Rıza Der makam Hüseyni– Sakil-i Aga – türkisch, überliefert von D. Cantemir (1673 – 1723) •

El Rey Nimrod – anonym sephardisch Chahamezrab – anonym persisch Ductia – Alfons X. der Weise (1221 – 1284) Saltarello – anonym, Italien 14. Jhd. Jordi Savall (Spanien), Rebab und Fidel Driss el Maloumi (Marokko), Oud Dimitri Psonis (Griechenland), Santur und Moresca Pedro Estevan (Spanien), Perkussion Mit der Unterstützung der Generalitat de Catalunya, des Institut Ramon Llull und des Kulturprogramms der Europäischen Union

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KONZERTPROGRAMM

Das Projekt Orient-Okzident, das Ende 2001 erstmals Form annahm, bringt die unbewusste Suche nach Verständigung in einem dramatischen, sich zuspitzenden Zivilisationskonflikt zum Ausdruck, der mit Beginn des Afghanistan-Kriegs akut geworden ist. Aus dem solidarischen Gedanken, Erfahrungen mit Musikern anderer Kulturen und Religionen zu teilen, entwickelte sich ein bereichernder Dialog zwischen orientalischen und westlichen Musikern mittels Instrumente und Musikstücke aus dem alten christlichen, jüdischen und moslemischen Hesperien, dem mittelalterlichen Italien sowie aus Marokko, Israel, Persien, Afghanistan und dem ehemaligen Osmanischen Reich. Zeitlich und räumlich voneinander entfernt erscheinende Weisen und Tänze entstanden aus den Liebkosungen des Bogens der Vièle und der Stärke der italienischen Lyra, den Rhythmen und Schlägen des marokkanischen und israelischen Ouds, dem schillernden Zupfen des iranischen Santur und der eindringlichen türkischen Moresca, dem bezaubernden Nêm und dem wirbelnden Rubâb aus Afghanistan, alle vom lebenden und zugleich magischen Puls der nicht wegzudenkenden althergebrachten Perkussionsrhythmen stets getragen und umhüllt. Der Musiker schlechthin war Orpheus – von ihm wurde behauptet, dass er auf seiner Lyra so bezaubernde Weisen zu spielen vermochte, dass ihm wilde Tiere folgten, Bäume und Pflanzen sich zu ihm neigten und die streitbarsten Menschen ganz zahm wurden. Sein Mythos dauerte lange fort und verbreitete sich über die Grenzen des Morgenlandes hinaus. Gerade aus diesem Morgenland kamen auch die ersten Streichinstrumente zu uns. Im Altertum und selbst im Frühmittelalter noch unbekannt, verbreiteten sich sie durch den Austausch mit der arabischen und byzantinischen Kultur auch in Europa. Schon ab dem 10. Jahrhundert gibt es in mozarabischen Schriften spanischer Herkunft sowie in verschiedenen katalanischen Manuskripten wie der Bibel von Santa Maria zu Ripoll Darstellungen von Musikern mit Streichinstrumenten. Das Programm Morgenland-Abendland ist in drei Abschnitte gegliedert, wobei die Stücke in abwechselnder Folge geordnet sind: orientalisch bzw. abendländisch, höfisch bzw. volkstümlich, aus der schriftlichen bzw. mündlichen Überlieferung. Die Anerkennung jeder Kultur unabhängig ihres Prestiges ist Grundlage eines jeden kulturellen Dialogs, und gerade deshalb ist es uns heute wichtiger denn je zu glauben, dass mit der Sprache der Musik dieser Austausch von Gedanken und Gefühlen über Musikstücke und Musiker sehr verschiedenen kulturellen Ursprungs nicht nur möglich, sondern auch notwendig ist. Jordi Savall

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KONZERTPROGRAMM

«O FELICE MORIRE» Florenz um 1600 – Liebeskriege im Recitar cantando

DIENSTAG, 5. JULI 2011, 19.00 UHR, ST. LAURENZEN Giulio Caccini (1551 – 1618) Dalla porta d’oriente Andrea Falconieri (1585 – 1656) Armilla ingrata Girolamo Dalla Casa († 1601) Io canterei d’amor Giulio Caccini (1551 – 1618) Non più guerra Chi mi confort’ ahimè? Michelangelo Rossi (1601 – 1656) Toccata Prima Stefano Landi (1587 – 1639) Se tu mi lasci Giulio Caccini (1551 – 1618) Tu ch’hai le penne Amore Giovanni Girolamo Kapsberger (1580 – 1651) Toccata V Giovanni Puliaschi (um 1570 – 1620) Locar sopra gl’abissi Aurelio Virgiliano (um 1540 – 1600) Ricercata per viola bastarda Giovanni Girolamo Kapsberger (1580 – 1651) Pietà, pietà di chi si more Giulio Caccini (1551 – 1618) Amor ch’attendi Deh chi d’alloro Giovanni Girolamo Kapsberger (1580 – 1651) Canario Claudio Monteverdi (1567 – 1643) Io che nell’otio nacqui e d’otio vissi Ensemble Phoenix München Joel Frederiksen, Bass, Erzlaute und Musikalische Leitung Domen Marincic, Viola da Gamba Reinhild Waldek, Harfe Axel Wolf, Theorbe und Gitarre

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KONZERTPROGRAMM

Giulio Caccini und die Sänger-Komponisten des italienischen Frühbarock sind für mich ein Gegenstand grosser Faszination und eine grosse künstlerische Herausforderung. Mit ihnen habe ich mich in den letzten 20 Jahren intensiv beschäftigt, und sie haben mich zu diesem Programm angeregt. Caccini, aber auch Johannes Kapsberger und Giovanni Puliaschi waren Sänger-Instrumentalisten und Komponisten-Interpreten, die auf revolutionär neue Art Vokalmusik für Bass schrieben und sich selbst auf der Laute begleiteten. Wichtigste Quelle und Leitfaden meiner Bemühungen war das 1602 im Druck erschienene Hauptwerk Caccinis Le nuove musiche (Die neue Musik), seine Sammlung von Solomadrigalen und Arien im monodischen Stil. Diesem Buch ist «Chi mi confort’ ahimè» entnommen, das einst der virtuose Bassist Melchior Palantrotti gesungen hat. Im Italien des Frühbarock hat man die Möglichkeiten der Bassstimme offenbar ganz plötzlich entdeckt, denn die in dieser Zeit entstandenen Stücke haben einen höchst erstaunlichen Tonumfang, der grosse Beweglichkeit und eine gute Kontrolle der Gesangstechnik verlangt. Die Mehrzahl der Stücke aus Le nuove musiche hat einen verhältnismässig kleinen Tonumfang, während die Stücke für Bass regelmässig 2 1/2 Oktaven umfassen, manchmal in einer einzigen Passage (etwa in «Deh chi d’alloro» vom f’ bis zum tiefen D). Caccini nennt diese Stücke in seinem 1614 erschienenen Buch Le nuove musiche e nuova maniera di scriverle (Die neue Musik und die neue Art, sie zu schreiben) «Gesänge für Tenor, der die Basslage mit einschliesst». Leider ist uns diese Praxis heute nicht mehr selbstverständlich, aber glücklicherweise hat sich Caccini entschlossen, sein Werk drucken zu lassen und seine Gedanken und Regeln einer Gesangsmethode schriftlich niederzulegen, sodass nicht nur seine Zeitgenossen, sondern auch wir heute uns an der genauen Beschreibung orientieren können. Es war ein hochgestecktes Ziel, das Caccini verfolgte, und mit ihm die Florentiner Camerata, der er angehörte: den Hörer durch die machtvolle Wirkung des in Musik gesetzten Wortes bewegen – in tiefster Seele. Ich habe mich um Genauigkeit bei den anspruchsvollen Verzierungen dieser Musik bemüht, seien es trillo, gruppo oder esclamazione, ansonsten galt meine Aufmerksamkeit stets dem Text. Worauf konzentriert man sich in erster Linie, wenn man eine Musik spielt, die 400 Jahre alt ist? Mein Ziel ist der unverfälschte Ausdruck. Joel Frederiksen

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KONZERTPROGRAMM

«LOBGESANG – FESTKONZERT»

DONNERSTAG, 7. JULI 2011, 20.00 UHR, KATHEDRALE Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847) Sinfonie Nr. 2 B-Dur op. 52 «Lobgesang» 1. Sinfonia Maestoso con moto – Allegro Allegretto un poco agitato Adagio religioso 2. Kantate Sinfonieorchester St.Gallen Theaterchor St.Gallen Prager Philharmonischer Chor David Stern, Leitung Simone Riksman, Sopran Fiqerete Ymeraj, Sopran Anicio Zorzi Giustiniani, Tenor

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KONZERTPROGRAMM

Felix Mendelssohns «Symphonie-Cantate» Lobgesang entstand 1840 zum Anlass des 400. Jubiläums der Buchdruckerkunst für das Gutenbergfest in Leipzig. Im Grunde war sie die erste vom Komponisten anerkannte grosse Sinfonie; er liebte sie über alles, gab sie sogleich zum Druck und liess sie oft und mit grosser Resonanz aufführen. Das Werk besteht aus drei verbundenen Sinfoniesätzen und mehreren Kantatensätzen, die Mendelssohn als «eine Art kleineres Oratorium» bezeichnete. Was immer ihn zu dieser Konzeption bewegt haben mag – vielleicht war es Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie mit ihrer Schillerschen Ode «An die Freude» –, sie beschäftigt sich mit einem zentralen ästhetischen Problem der Romantik: mit der Frage nach der Verbindung von Musik und Sprache. Um 1800 hatte sich das Ansehen der reinen Instrumentalmusik und insbesondere der Sinfonie gegenüber vokalen Gattungen markant erhöht. Kraft ihrer Fähigkeit, dem Unaussprechlichen Ausdruck zu verleihen, erklärte Ernst Theodor Amadeus Hoffmann sie zur «reinen» und höchsten Kunst. Felix Mendelssohn verleiht jedoch seiner Sinfonie bereits wieder konkrete Sprache und stellt damit die Frage, ob das musikalische Kunstwerk nicht auch berechtigt sei zu einer grösseren Bestimmtheit der Darstellung, wie sie etwa Ferdinand Hand in seiner Ästhetik der Tonkunst (1837) forderte. Der Lobgesang vollzieht sein Anliegen, das Lob Gottes, sowohl in rein musikalischem als auch in sprachlichem Ausdruck: «Lobt den Herrn mit Saitenspiel, lobt ihn mit eurem Liede!» Die von Mendelssohn für die Kantate zusammengestellten Bibelstellen insistieren auf der Kraft des Wortes, indem sie das Gebet als geglückte Kommunikation darstellen: «Ich harrete des Herrn, und er neigte sich zu mir. Und hörte mein Flehn.» Die Kantate lobt in Menschenstimmen, und dies in allen ihr zur Verfügung stehenden Kunstformen: in freiem Chor, A-capella- und begleitetem Choral, Sologesang, Duett, Arie und Rezitativ. Sogar in rein instrumentalen Passagen stehen sich diese verschiedenen vokalen Satztypen gegenüber, so im Allegretto un poco agitato, wenn die innige Kantilene im zweiten Teil immer wieder von einem Bläserchoral unterbrochen wird. Der Eingangsteil nähert sich teilweise deutlich einem sinfonischen, absolut-musikalischen Ideal an, und doch sind die Themen meist sprachrhythmisch gedachte Gebilde. Das entpuppt sich spätestens im ersten Chorteil, wenn die Blechbläserfanfare des Sinfoniebeginns textiert wieder erscheint: «Alles, was Odem hat, lobe den Herrn». Damaris Leimgruber

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KONZERTPROGRAMM

FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY Sinfonie Nr. 2 B-Dur op. 52 «Lobgesang»

1. SINFONIE

Allegro moderato

6. TENOR

Er zählet unsre Tränen

Stricke des Todes

2. CHOR – SOPRAN UND

in der Zeit der Not.

hatten uns umfangen,

FRAUENCHOR

Er tröstet die Betrübten

Und Angst der Hölle

Alles, was Odem hat,

mit seinem Wort.

hatte uns getroffen,

lobe den Herrn!

Saget es! Danket ihm

Wir wandelten in Finsternis.

Halleluja, lobe den Herrn!

und rühmet seine Güte!

Er aber spricht: Wache auf!

Saget es! Danket ihm

Wache auf, der du schläfst,

und rühmet seine Güte.

Stehe auf von den Toten,

Lobt den Herrn mit Saitenspiel,

Ich will dich erleuchten!

Lobt ihn mit eurem Liede! Und alles Fleisch lobe seinen

4. CHOR

heiligen Namen.

Sagt es, die ihr erlöset seid

Wir riefen in der Finsternis:

Alles was Odem hat,

Von dem Herrn aus aller Trübsal.

Hüter, ist die Nacht bald hin?

lobe den Herrn!

Er zählet unsere Tränen in der Zeit der Not.

Der Hüter aber sprach: Wenn der Morgen schon kommt,

Lobe den Herrn, meine Seele, Und was in mir ist,

5. DUETT – SOPRAN I UND II, CHOR

So wird es doch Nacht sein;

seinen heiligen Namen!

Ich harrete des Herrn,

Wenn ihr schon fraget,

Und vergiss es nicht,

und er neigte sich zu mir

So werdet ihr doch wiederkommen

was er dir Gutes getan.

Und hörte mein Flehn.

Und wieder fragen:

Wohl dem, der seine Hoffnung

Hüter, ist die Nacht bald hin?

3. REZITATIV UND ARIE – TENOR

setzt auf den Herrn!

Rezitativ

Wohl dem, der seine Hoffnung

SOPRAN

Saget es, die ihr erlöst seid

setzt auf ihn!

Die Nacht ist vergangen!

durch den Herrn,

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Die er aus der Not errettet hat,

7. CHOR

Aus schwerer Trübsal, aus

Die Nacht ist vergangen,

Schmach und Banden,

Der Tag aber herbeigekommen.

Die ihr gefangen im Dunkeln waret,

So lasst uns ablegen

Alle, die er erlöst hat aus der Not.

die Werke der Finsternis

Saget es! Danket ihm und rühmet

Und anlegen die Waffen des Lichts,

seine Güte!

Und ergreifen die Waffen des Lichts.


KONZERTPROGRAMM

8. CHOR

9. DUETT – SOPRAN UND TENOR

10. SCHLUSSCHOR

Choral

Drum sing’ ich mit meinem Liede

Ihr Völker, bringet her dem Herrn

Nun danket alle Gott

Ewig dein Lob, du treuer Gott!

Ehre und Macht!

Mit Herzen, Mund und Händen,

Und danke dir für alles Gute,

Ihr Könige, bringet her dem Herrn

Der sich in aller Not

das du an mir getan!

Ehre und Macht!

Will gnädig zu uns wenden,

Und wandl’ ich in der Nacht

Der Himmel bringe her dem Herrn

Der so viel Gutes tut;

und tiefem Dunkel,

Ehre und Macht!

Von Kindesbeinen an

Und die Feinde umher

Die Erde bringe her dem Herrn

Uns hielt in seiner Hut,

stellen mir nach:

Ehre und Macht!

Und allen wohlgetan.

So rufe ich an den Namen des Herrn,

Alles danke dem Herrn!

Lob, Ehr’ und Preis sei Gott,

Und er errettet mich

Danket dem Herrn

Dem Vater und dem Sohne,

nach seiner Güte.

und rühmt seinen Namen

Und seinem heil’gen Geist

Und wandl’ ich in Nacht,

Und preiset seine Herrlichkeit.

Im höchsten Himmelsthrone.

so ruf ich deinen Namen an,

Lob dem dreieinen Gott,

Ewig, du treuer Gott!

Alles, was Odem hat,

Der Nacht und Dunkel schied

lobe den Herrn,

Von Licht und Morgenrot,

Halleluja, lobe den Herrn!

Ihm danket unser Lied.

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BIOGRAFIEN

BIOGRAFIEN ...A Violino senza Basso accompagnato [01] Igor Keller, Violine, wurde 1973 im Elsass/Frankreich geboren. Er studierte bei Adelina Oprean, Sandor Vegh und an der International Menuhin Music Academy bei Alberto Lysy. Meisterkurse und musikalische Anregungen erhielt er u.a. von Walter Levin, Hatto Beyerle, Michel Strauss, Sigmund Nissel, Yehudi Menuhin und Joseph Silverstein. Von 1997 bis 2005 war Igor Keller 2. Konzertmeister des Orchestre Philharmonique de Strasbourg und arbeitete in Konzertmeister- und Stimmführerfunktion u.a. mit dem Orchestre de la Suisse Romande, der Camerata Bern sowie dem Tonhalle Orchester Zürich zusammen. Als Solist trat er mit dem Orchestre Philharmonique de Strasbourg, dem Nouvel Orchestre de Radio France, dem Sinfonieorchester Basel, dem Württembergischen Kammerorchester und der Camerata Academica Salzburg auf. Neben seiner solistischen und Orchestertätigkeit ist Igor Keller seit 2005 Mitglied des international renommierten Amar Quartetts. Seit 2011 ist Igor Keller 1. Kapellmeister des Sinfonieorchesters St.Gallen.

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Fenster zur Zeit [2] Alexander Melnikov, Klavier, geboren 1973 in Moskau, zeigte schon früh ein herausragendes Talent. Zu den stärksten Einflüssen seiner Jugendzeit gehören die Begegnungen mit Svjatoslav Richter, von dessen Mischung aus grosser Kraft und subtiler Sensibilität er viel gelernt hat. Gleichwohl ist Alexander Melnikov keinesfalls ein typischer Spross der russischen Klavierschule: Bereits mit 18 Jahren begann er, sich intensiv mit der historischen Aufführungspraxis zu beschäftigen; er konzertiert heute gern auf dem Hammerflügel und pflegt einen freundschaftlichen Kontakt zu Andreas Staier, den er sehr bewundert. Doch auch dort lässt sich Melnikov nicht festlegen: Nach einigen Jahren Abstand zur russischen Romantik öffnete ihm die Begegnung mit Mikhail Pletnev wieder die Ohren für die Schönheit dieser Musik. Aufnahmen der Werke von Rachmaninov und Skrjabin beim Label harmonia mundi wurden von der Fachpresse einhellig gelobt, weil sie die Tiefenschichten der Stücke zum Vorschein brachten. Alexander Melnikovs vielfältige künstlerische Interessen und Talente reichen von erfolgreichen Rezitalen in den grossen Konzertsälen der Welt über intensive Kammermusikpflege bis zum Schreiben kluger Booklettexte. Seine Aufnahme der 24 Präludien und Fugen von Schostakowitsch wurde von der Jury des Preises der deutschen Schallplattenkritik in ihre Bestenliste aufgenommen. Trotz des Erfolgs möchte Melnikov ein bescheidener und selbstkritischer Künstler bleiben und seine Fähigkeiten komplett in den Dienst der Sache stellen. (Bayerischer Rundfunk) «Sein Spiel ist immer edel und dennoch von entschiedener Unbedingtheit – die hohe Kunst, vorder- und zugleich hintergründig, feinsinnig und zugleich charaktervoll zu sein.»

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[3] Andreas Staier, Cembalo, 1955 in Göttingen geboren, studierte Klavier und Cembalo in Hannover und Amsterdam und war drei Jahre lang Cembalist des Ensembles Musica Antiqua Köln. 1986 begann er seine Solistenkarriere als Cembalist und Fortepianospieler. Er profilierte sich als einer der einflussreichsten Interpreten seines Fachs, der Komponisten von Haydn bis Schumann intellektuell wie emotional neu beleuchtet, zugleich grosse Literatur jenseits des Repertoires erschliesst und mit kreativen Konzepten überzeugt. Als Kammermusiker arbeitet Staier zusammen mit Künstlern wie Anne Sophie von Otter, Pedro Memelsdorff, Alexej Lubimov, Christine Schornsheim; ein festes Klaviertrio etablierte er mit Daniel Sepec und Roel Dieltiens. Mit dem Tenor Christoph Prégardien verbindet den Pianisten eine langjährige musikalische Partnerschaft, in der CDs mit Liedern von u.a. Schubert, Schumann, Mendelssohn, Beethoven und Brahms entstanden. In Brahms´ Liederzyklus «Die Schöne Magelone» arbeitete Staier zudem mit Senta Berger und Vanessa Redgrave als Sprecherinnen zusammen. Als Solist gibt Andreas Staier regelmässig Konzerte mit Concerto Köln, dem Freiburger Barockorchester, der Akademie für Alte Musik Berlin, dem Orchestre des Champs-Elysées Paris; ebenso gastiert er bei den grossen internationalen Musikfestivals und auf den international renommierten Konzertpodien von Berlin bis Tokyo. Andreas Staier hat rund 50 CD-Einspielungen vorgelegt, die grösstenteils mit internationalen Schallplattenpreisen ausgezeichnet wurden.

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BIOGRAFIEN

Orient und Okzident [4] Jordi Savall, Rebab und Fiedel Der spanische Gambist und Musikwissenschaftler Jordi Savall wurde am 1941 in Igualada, Barcelona geboren. Nach Beendigung seiner musikalischen Studien als Cellist wandte er sich dem Studium der Alten Musik sowie der Viola de Gamba zu. Seine Lehrer waren Wieland Kuijken in Belgien und August Wenzinger an der Schola Cantorum Basiliensis, dessen Nachfolger er 1974 in Basel wurde. Zusammen mit seiner Ehefrau, der Sopranistin Montserrat Figueras, gründete er das Ensemble Hesperion XX (jetzt XXI) und anschliessend die Ensembles La Capella Reial de Catalunya, 1987, und Le Concert des Nations, 1989. Jordi Savall nimmt regelmässig an den wichtigsten Festivals für Alte Musik in Europa, den Vereinigten Staaten, Lateinamerika, im Nahen und Fernen Osten, Australien und Neuseeland teil. 1991 wurde er durch die Mitwirkung an «Tous les Matins du Monde» von Alain Corneau weltberühmt. Der Film erhielt mehrere Auszeichnungen, unter anderem auch für die beste Filmmusik. 1996 gründete er sein eigenes Schallplattenlabel Alia Vox. Zahlreiche Auszeichnungen und Ehrendoktorwürden spiegeln die enormen Verdienste des Gambisten für die Erschliessung und Aufführung des mittelalterlichen Repertoires. 2009 wurde Jordi Savall der Händelpreis der Stadt Halle verliehen. [5] Dimitri Psonis, Santur und Moresca, studierte Musikanalyse, Harmonielehre, Kontrapunkt, byzantinische Musik und die Instrumente der griechischen Volksmusik in seiner Geburtsstadt Athen. Nach seinem Abschlussexamen in den Fächern Schlagwerk und Musikpädagogik in Madrid folgten weitere Studien, darunter zeitgenössische Musik bei Iannis Xenakis. Im Bereich der Alten Musik arbeitete Dimitri Psonis mit Ensembles wie Hespèrion XXI, Le Concert des Nations, Sema, Speculum und dem Orquesta Barroca de Limoges. In den letzten Jahren widmete sich er sich der klassischen osmanischen Musik sowie der griechischen und der türkischen Volksmusik. Dimitri Psonis unterrichtet Schlagwerk und Pädagogik nach Carl Orff und ist ein gefragter Gast bei universitären Tagungen zu orientalischer Musik. [6] Pedro Estevan, Perkussion, studierte in Madrid Schlagzeug und in Aix-en-Provence bei Sylvio Gualda zeitgenössisches Schlagwerk sowie beim Senegalesen Doudou Ndiaye Rose afrikanische Perkussion. Darüber hinaus erlernte er bei Glen Velez die Hand-Drums-Technik. Pedro Estevan war Gründungsmitglied des Orchestra de las Nubes und der Grupo de Percusión de Madrid. Er widmet sich besonders der Alten Musik (u. a. mit Hespèrion XXI, Le Concert des Nations, Speculum), aber auch zeitgenössischen Kompositionen. Als Solist gab er Konzerte mit dem Spanischen Nationalen Kammerorchester und dem Orchester Reina Sofia und trat bei verschiedenen Festivals auf. Die Musik für «Alesio» von I. Garcia May und für «La Gran Sultana» von Cervantes unter der Regie von Adolfo Marsillach stammt aus seiner Feder. Unter zahlreichen CD-Einspielungen hervorzuheben sind seine eigenen Werke «Nocturnos Y Alevosias» und «El Aroma Del Tiempo» und die Paul Winter-CD «Spanish Angel» von 1993. [7] Driss el Maloumi, Oud, wurde 1970 in Agadir in Marokko geboren. Er gilt zurzeit weltweit als einer der führenden Oudspieler seiner Generation. Nach dem Studium der arabischen Literatur in Agadir und der klassischen arabischen und orientalischen Musik wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Im Bereich der Alten wie auch der klassischen orientalischen Musik arbeitet er mit international bekannten Künstlern wie Jordi Savall und seinem Ensemble Hesperion XXI zusammen. Neben der Komposition eigener Werke hat Driss El Maloumi an vielbeachteten Einspielungen wie dem Album «Noches» von Françoise Atlan 1998 und mehreren Alben von Jordi Savall und Montserrat Figueras mitgewirkt.

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BIOGRAFIEN

O felice morire Ensemble Phoenix München wurde 2003 vom Bassisten Joel Frederiksen gegründet. Das aus führenden Musikern und Sängern der internationalen Alte-Musik-Szene bestehende Ensemble bietet eine grosse Bandbreite von Programmen mit Musik der europäischen Renaissance und des Barock, amerikanischer Musik des 19. Jahrhunderts sowie neuen Kompositionen. Der künstlerische Leiter Joel Frederiksen strebt nach innovativen und originellen Programmen, die jedoch immer auf sorgfältigen Forschungen beruhen. Dazu gehört das Musizieren aus Faksimiles und auf historischem Instrumentarium ebenso wie eine Orientierung an den Stimmsystemen der entsprechenden Epochen und Länder. Gleichzeitig geht es den Musikern um eine intensive Kommunikation mit dem Publikum: Die Projekte wirken stets bewegend und suchen – in barocken Worten – die ’Affekte’ der Hörer anzusprechen.

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[8] Joel Frederiksen, Basso profondo, Laute und Leitung, studierte Gesang und Laute in New York und Michigan, wo er auch sein Master’s Degree erwarb. Nach Ende des Studiums begann eine fruchtbare Zusammenarbeit mit den führenden amerikanischen Gruppen auf dem Gebiet der Alten Musik, der Boston Camerata und dem Waverly Consort. Zeitgleich führten ihn Engagements als Opern- und Oratoriensänger vom Vancouver Summer Festival bis zu den Festivals von Hong Kong und Brisbane. Nach seinem erfolgreichen Debut bei den Salzburger Festspielen liess sich Joel Frederiksen in Europa nieder. Seither singt er regelmässig in den bedeutendsten Ensembles für Alte Musik: Huelgas Ensemble, Ensemble Gilles Binchois, Ensemble Unicorn, Musica fiata, und andere. Mit diesen Ensembles sowie als Solist musiziert er mit anerkannten Grössen der Szene wie Stephen Stubbs, Jordi Savall und Paul van Nevel. Seit geraumer Zeit widmet sich Joel Frederiksen intensiv seinem Spezialgebiet, dem selbst auf der Laute begleiteten Gesang. Seine Soloprogramme wurden von Publikum und Presse gleichermassen begeistert aufgenommen, ebenso wie seine erste Solo-CD «Orpheus, I am».

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ˇ ´ Viola da Gamba, wurde in Ljubljana/Slowenien geboren. Er studierte Viola da [09] Domen Marincic, Gamba bei Philippe Pierlot an der Hochschule für Musik in Trossingen, Cembalo bei Carsten Lohff in Nürnberg, und schliesslich Generalbass bei Alberto Rinaldi. 1997 gewann er den 1. Internationalen ˇ ´ spielte mit Ensembles Viola da gamba-Wettbewerb Bach-Abel in Köthen (Anhalt). Domen Marincic wie Ricercar Consort, Stylus Phantasticus, Ars Antiqua Austria und der Gruppe für Alte Musik München. Er tritt regelmässig als Cembalist mit verschiedenen Slowenischen Orchestern auf und ist Mitbegründer von musica cubicularis, einem auf Musik des 17. Jahrhunderts spezialisierten Sloweniˇ ´ unterrichtet seit 2005 Generalbass und Partiturspiel am schen Ensemble. Domen Marincic Musikwissenschaftlichen Departement der Universität Ljubljana.

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[10] Axel Wolf, Theorbe und Gitarre, lebt als einer der profiliertesten Vertreter der Laute und Theorbe am Ufer des Starnberger Sees. Sein Gitarren- und Lautenstudium absolvierte er bei Hans Michael Koch. Nach Meisterkursen bei Nigel North und Hopkinson Smith folgten weitere Studien bei Rolf Lislevand. Regelmässige Reisen führen Axel Wolf an internationale Fetivals. Er konzertiert als Solist oder Continuospieler mit Ensembles wie der Musica Fiata (Köln), Ars Antiqua Austria, dem Freiburger Barockorchester, dem Orchestra of the Age of Enlightenment oder The English Concert London und ist regelmässiger Gast an der Bayerischen Staatsoper in München unter Ivor Bolton, Harry Bicket oder Christopher Moulds. Von 1986 bis 2003 lehrte Axel Wolf an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Er spielte drei Soloalben ein.

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[11] Reinhild Waldek, Harfe, ist als Spezialistin auf dem Gebiet der historischen Harfen international gefragt. Sie absolvierte ihre Studien am Linzer Brucknerkonservatorium sowie bei Walter van Hauwe, Sebastien Marq und Christina Pluhar in Holland. Sowohl mit ihren eigenen Ensembles Vivante und Bella Discordia als auch als festes Mitglied der Ensembles Tasto Solo, Unicorn und Accentus Austria spielt Reinhild Waldek Konzerte in ganz Europa. Als Continuospielerin wird sie regelmässig von Ensembles der Alten Musik-Szene eingeladen. Reinhild Waldek gastiert bei internationalen Festivals für Alte Musik und war an zahlreichen CD-Einspielungen beteiligt. Sie ist als freischaffende Musikerin sowie seit Herbst 2010 als Gastprofessorin für Blockflöte an der Kunstuniversität Graz tätig.

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BIOGRAFIEN

Lobgesang [12] David Stern, Chefdirigent, wurde nach seinen Dirigierstudien an der Yale University und an der Juilliard School of Music in New York Assistent am Théâtre du Châtelet in Paris, wo er seine Ausbildung bei Christoph von Dohnányi, Pierre Boulez und John Eliot Gardiner abschloss. Seine internationale Karriere ist geprägt durch aufregende Programmkonzepte und stilgerechte Interpretationen, auch in Ensembles mit historischer Aufführungspraxis. David Stern dirigierte u.a. das Ensemble Orchestral und Orchestre de Paris, das Gürzenich-Orchester Köln, New Russian Symphony Orchestra, Jerusalem Symphony Orchestra, die Warschauer Philharmoniker, Academy of St.Martin-in-the-Fields, die Camerata Salzburg, Kammerorchester Basel, Orchestre de Chambre de Lausanne, die London Mozart Players und Concerto Köln. Als Operndirigent trat er an der English National Opera, der Opéra de Rouen, Opéra de Lyon, Hong Kong Opera und Israeli Opera ans Pult. Er war Chefdirigent der European Academy of Music in Aix-en-Provence und leitet seit 2003 das von ihm gegründete Ensemble Opera Fuoco. CD-Einspielungen machte er für MDG, Auvidis und Teldec. Seit der Spielzeit 2008/2009 ist David Stern Chefdirigent von Konzert und Theater St.Gallen und Music Director der New Israeli Opera in Tel Aviv.

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[13] Simone Riksman, Sopran Die Niederländische Sopranistin Simone Riksman studierte am Conservatorium in Rotterdam. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss studierte sie weiter bei Margreet Honig und wurde Mitglied der Dutch National Opera Academy von Alexander Oliver. Meisterschülerin war sie bei Carolyn Watkinson, Klesie Kelly, Susanna Eken, Christa Ludwig und Susan McCulloch. Sie war Teilnehmerin der Mozart-Akademie im Sommer 2008 beim Festival in Aix-en-Provence, Frankreich. Im November 2008 erhielt Simone Riksman den Premier Prix d’Opéra und den Prix d’Orchestre beim Concours de Mâcon, Frankreich. Im Jahr 2002 erhielt sie den Young People’s Music Award, was ihr die Möglichkeit gab, in der Carnegie Hall in New York aufzutreten. Ihr Opernrepertoire umfasst u. a. Puck und Helena in The Midsummernight’s Dream, die Zweite Frau in Dido and Aeneas, Cherubino in Le nozze di Figaro und Euridice in Glucks Orfeo ed Euridice. Sie sang Pamina im Rahmen des Resident Artists Programme der Nationalen Reisopera, Niederlande und La Blanche Aline in Les aventures du Roi Pausole von Arthur Honegger. Simone Riksman ist seit der Spielzeit 2009/10 dem Theaters St.Gallen verbunden, wo sie bisher in einer Vielzahl von Aufführungen zu erleben war.

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[14] Fiqerete Ymeraj, Sopran Fiqerete Ymeraj stammt aus Albanien. Sie studierte Gesang am Konservatorium in Tirana und an der Hochschule für Musik in München. 1994 und 1995 war sie Preisträgerin des Internationalen Gesangswettbewerbs Giuseppe Di Stefano in Sizilien. Die Sopranistin war u. a. bei Produktionen am Prinzregententheater München mit Partien wie Anna in Die lustigen Weibern von Windsor und Siss in Brittens Albert Herring zu hören. Seit der Spielzeit 2001/02 ist sie Mitglied im Chor des Theaters St.Gallen. Hier sang sie als Solistin Rollen in Opern von Janácek, Strauss, Schillings, ˇ Rossini, Humperdinck und Schostakowitsch. Es folgten Alisa in Lucia di Lammermoor, Ismene in Mayrs Medea in Corinto sowie 2010 Asfene in Il diluvio universale bei den St.Galler Festpielen.

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[15] Anicio Zorzi Giustiniani, Tenor Der Tenor Anicio Zorzi Giustiniani nahm sein Gesangsstudium am Konservatorium in Florenz auf, nachdem er viele Jahre Geige gespielt hatte. Er debütierte 2001 am Teatro della Pergola in Charpentiers Te Deum. Im November 2007 gewann er den zweiten Preis beim Internationalen Wettbewerb für sakrale Musik in Rom. Im darauf folgenden Juni wurde er als bester Sänger am Gesangswettbewerb Toti Dal Monte in Treviso für seine Interpretation der männlichen Hauptrolle in Haydns La vera costanza ausgezeichnet. Aufnahmen mit Anicio Zorzi Giustiniani sind bei den Labels Deutsche Grammophon, EMI und Harmonia Mundi entstanden von Il conte Policronio (Moneta) und Le disgrazie d’amore (Cesti) sowie von mehreren Opern Georg Friedrich Händels (Ezio, Ariodante, Giove in Argo und Berenice). www.aniciozorzigiustiniani.com

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BIOGRAFIEN

Sinfonieorchester St.Gallen

Rund siebzig Musikerinnen und Musiker aus über zwanzig Ländern der Welt bilden das Sinfonieorchester St.Gallen. Regionale Verantwortung und überregionale Ausstrahlung sind Eckpunkte von Selbstverständnis und Kulturauftrag als das professionelle Orchester der Ostschweiz. Mit seinem vielfältigen Konzertprogramm ist das Sinfonieorchester St.Gallen Residenzorchester des schönsten Konzertsaales der Bodenseeregion, der 1909 im Jugendstil errichteten Tonhalle St.Gallen. Im benachbarten Theater und für die St.Galler Festspiele ist das Orchester Klangkörper einer überwiegenden Mehrzahl aller Vorstellungen im Musiktheater. Auch Kammermusik ist ein selbstverständlicher und unentbehrlicher Bestandteil der Orchesteraktivitäten, einmal im begeisterten Engagement der Musikerinnen und Musiker mit einer eigenen Konzertreihe, zum anderen im vom Orchester veranstalteten international besetzten Meisterzyklus. Als viertes und gleichberechtigt wichtiges Aufgabengebiet hat sich das Orchester, zusammengefasst unter dem Motto jugend@tonhalle, der Gesamtheit seiner Initiativen in der Jugendarbeit verschrieben, zur Förderung von Musikern und Publikum der Zukunft. Gegründet wurde das Sinfonieorchester St.Gallen 1877, doch bereits in den 1850er Jahren hatte eine musikbegeisterte St.Galler Bürgerschaft eine Tradition von Abonnementkonzerten ins Leben gerufen, in deren Verlauf u.a. Franz Liszt und Richard Wagner ihr erstes gemeinsames Konzert als Dirigenten gaben. Anfang des 20. Jahrhunderts waren Geschichte und künstlerische Geschicke des Orchesters eng verbunden mit dem bedeutenden Schweizer Komponisten und Dirigenten Othmar Schoeck, der das Orchester von 1917 bis 1944 leitete und eine neue Klangkultur sowie innovative Programmgestaltung ins Leben rief. Nach ihm waren es so epochale Künstlerpersönlichkeiten wie Carl Schuricht, Paul Kletzky und André Cluytens, die dem Orchester entscheidende Impulse verliehen. Nach Dirigenten wie Kurt Brass, Samuel Friedman und John Neschling lag die künstlerische ˇ Kout, der das Orchester 1996 übernahm und seinen Klang Leitung zwölf Jahre in Händen von Jiri und sein Selbstverständnis massgeblich prägte. Seit Beginn der Saison 2008/2009 steht der amerikanische Dirigent David Stern als Chefdirigent dem Orchester zur Seite. In seinen Tonhallekonzerten widmet sich das Sinfonieorchester St.Gallen leidenschaftlich dem grossen Orchesterrepertoire zwischen spätem 18. und 20. Jahrhundert, Ausflüge in Barock, zeitgenössisches Repertoire und neue Konzertformen werden mit Lust und wachem Interesse unternommen. Über Jahre gross angelegte Zyklen stellen die traditionellen Sinfoniker von Haydn bis Schostakowitsch regelmässig neu zur Diskussion, daneben werden mit Überzeugung Bezüge zu Entdeckenswertem, Ungehörtem hergestellt, Grenzen verwischt, Fragen gestellt, Antworten gesucht. Mit einer Vielzahl von Aktivitäten und Engagement auf unterschiedlichsten Gebieten gestaltet das Sinfonieorchester St.Gallen aktiv seine Zukunft.

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FESTSPIELE 2012

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TECHNISCHE ABTEILUNGEN

TECHNISCHE ABTEILUNGEN Technische Leitung Leitung Kostümabteilung Bühnenmeister Bühnenmeister Nachtabbau Leitung Maske Requisite Leitung Beleuchtung Leitung Ton Videotechnik Werkstätten

Licht-/Tontechnik Tribünen-/Bühnenbau Sicherheitsdienst Weitere

Georges Hanimann, Frank Stoffel Marion Steiner Othmar Egger, Michael Gemüth, Oliver Gommeringer Celso Beti Annette Hummel-Kaim Ronald Porawski, Martina Wagner, Sabrina Zurberg Andreas Enzler Stephan Linde Norbert Wobring Ina Heyde, Barbara Bernhardt, Bianca Pirchl (Gewandmeisterinnen Damen und Herren), Gregor Drechsler (Leitung Malsaal), Otto Dürmüller (Leitung Schreinerei), Ludwig Bischof (Schlosserei), Gallus Ruf (Innendekorateur)

Habegger AG (Zürich), Regensdorf Nüssli (Schweiz) AG, Hüttwilen Verkehrsüberwachung Schweiz, St.Gallen Cateringservice der Migros Ostschweiz Pronto Reinigung, St.Gallen Toi Toi AG, Buchs

BEIRAT DER FESTSPIELE Peter Schönenberger (Vorsitz), Markus Bollhalder, Peter Langenauer, Martin Klöti, Prof. Dr. Jochen Lange, Eva Nietlispach Jaeger, Josef Raschle, René Romanin, Hubert Schlegel, Beatrice Truniger Blaser, Werner Signer

IMPRESSUM 6. St.Galler Festspiele Herausgeber: Genossenschaft Konzert und Theater St.Gallen Direktion: Werner Signer, Peter Heilker, Florian Scheiber Redaktion: Ann Katrin Cooper, Serge Honegger, Damaris Leimgruber, Susanne Schemschies, Florian Scheiber Planungsstand: 17. Juni 2011 Konzept und Gestaltung: freicom ag, St.Gallen Druck: Cavelti Druck und Media, Gossau Auflage: 3000 Preis: CHF 10.– (EUR 7.–) Bildnachweise: Fotos von Toni Suter, T+T Fotografie, Archiv des Theaters St.Gallen. Redaktionelle Texte sind Originalbeiträge für dieses Heft, Nachdruck nur mit Genehmigung der Autoren und der Redaktion. Urheber, die nicht zu erreichen waren, werden zwecks nachträglicher Rechtsabgeltung um Nachricht gebeten.

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FREUNDE DER ST.GALLER FESTSPIELE Wir danken unseren Freunden sehr herzlich für ihre Unterstützung! Als Mitglied der St.Galler Festspiele profitieren Sie von einem Ticket-Vorverkaufsrecht und weiteren Vorteilen. Ausführliche Angaben finden Sie unter www.stgaller-festspiele.ch/freunde. MITGLIEDER IM FESTIVAL CIRCLE Juan und Elisabeth Leuthold · Dr. med. Tamás Németh · Hans-Joachim und Edith Seifert · Heinrich und Gabi Thorbecke · Bühler + Scherler AG · Debrunner Acifer AG · Max Pfister Baubüro AG · Olma Messen St.Gallen · Raiffeisen Schweiz · Remi Finanz- und Verwaltungs AG · Stadler Altenrhein AG · St.Galler Kantonalbank · Transinvest Holding AG MITGLIEDER IM PREMIUM CIRCLE Dr. med. Werner und Ruth Alder · Werner und Katharina Althaus · Hans und Elisabeth AndereggCandrian · Karl und Hildegard Arpagaus · Eugen und Margrit Auer · Esther Bangerter · Dr. Gian J. und Regula Baumann · Hans-Peter und Angy Baumann · Trudi Bereuter · Elisabeth Berger · Peter und Unity Bernhard · Franco Bianchi und Beatrice Werhahn Bianchi · Dr. Wolfgang Birchmeier und Dr. Evelyne Graf Birchmeier · Fredy und Yvonne Brunner · Susanne Brunner · Suzanne Bühler · Ernst und Cornelia Buob · Dieter und Irène Bürgi ·­Margrit Christen · Dr. Werner und Jennifer Deuel · lic. oec. Jean-Claude und Regina Diener · Herbert und Santa Dietsche · Thomas und Karin Dyllick · Irène Eberle · Hanspeter Egli · Hans Jörg Eidenbenz · Niklaus und Cilgia Fäh · Christian und Annelies Fischbacher · Tobias und Yvonne Forster · Dres. Stefan und Barbara Frei · Dr. Christian und Elsi Fretz · Werner E. und Annemarie Frischknecht · Dieter und Elke Fröhlich · Dorly Fröhlich · Robert und Annemiek Furgler · Elisabeth Geiger · Dr. Hanspeter und Silvia Geiser · Paul und Theres Germann · Heinz und Ursula Graf · Dr. Albert und Sylvia Grämiger · Paul und Beatrice Grünenfelder · Josef und Beatrix Hardegger · Dres. med. Andreas und Charlotte Hartmann · Dr. Claus und Josefine Hilsdorf · Thuri Hofmann · Gottlieb F. und Odilia Höpli · Max R. und Maggie Hungerbühler · Eugen und Irène Hutter · Theres Jud · Prof. Dr. Alex und Margrith Keel · Beat und Gabrielle Keiser · Claire Kellenberger · Emil Kellenberger · Peter und Marianne Kleiner · Prof. Dr. Francesco und Norma Kneschaurek · Michèle Koller · Hedy Kreier · Max Kriemler · Hans und Verena Kubat · Markus und Maria Kuster · Prof. Dr. Jochen und Dr. Dagmar Lange · Iris Mangei · Ludwig und Katie Martel · Wolfram und Ruth Martel · Carlos und Fatima Martinez · Dr. Peter und Sonya Mehmann · Robert und Jeannette Meier · Prof. Dr. med. Christa Meyenberger · Astrid H. Moesner-Kjelsberg · Nicole Mösli · Roman Müggler · Dres. med. Georg und Veronika Müller · Arno Munz und Yvonne Stach · Roger und Claudia Nellen · Margareta Niethammer · Dr. iur. Remi-Felix und Esther Notter · Dr. med. Hansjürg und Ursula Nüesch · Dr. iur. Claudia Oesch · Dres. Franz Peter und Edit Oesch · Peter und Yvonne Osterwalder · Dr. med. Ruedi Osterwalder · Dr. Emilio und Anna Pagani · Dr. Jan und Christine Poëll · Theodor Prümm · Dr. Markus und Brigitte Rauh · René und Ursula Reimann · Emöke Rohner · René und Lilo Romanin · Dr. Urs und Anita Rüegsegger · Dr. Adrian Rüesch und Jacqueline Honsell Rüesch · Thomas und Brigitta Scheitlin · Evelyne Scherraus · Rolf und Hilka Schiess · Hanswalter und Heidi Schmid · Peter Schmid · Christina Schmidheiny · Rolf und Reni Schmitter · Dr. med. Christoph und Sybilla Schneider · Jacqueline Schneider · Otto und Sylvia Schoch · Peter und Regula Schorer · Karl Rudolf und Adelheid Schwizer · Prof. Dr. Hans-Jörg und Irene Senn · Horst und Ruth Seyfried · Felix Sigrist und Monika Roth Sigrist · Dres. med. Fritz und Uta Sprenger · Verena Spühl · Dr. Patrick und Nadja Stach · Karl und Bea Stadler · Patrick und Beatrix Stoffel · Albert und Ursula Thomann · Natascha Thurnherr · Dr. Gustav und Adelheid Tobler · Manfred und Agatha Trütsch · Dr. med. Richard und Edith Urscheler · Wolfgang und Karin Vilsmeier · Erich und Edith Walser · Urs und Galina Weber · Dres. Christoph und Marianne Welte · Anton und Heidi Wetzel · Hans und Jeannette Wey · Jules und Rita Wick · Rolf und Marta Zollikofer · Elisabeth Zwicky und Philip Mosimann · AG Cilander · Bank CA St.Gallen · Bischöfliche Kanzlei · City Parking St.Gallen AG · Hotel Walhalla · Klinik Stephanshorn · Radisson Blu Hotel · Rey Metallbau AG · SAK · Sanitas Troesch AG · TW-Stiftung · Typotron AG FIRST CIRCLE First Circle mit rund 190 Mitgliedern



Programmheft St.Galler Festspiele