La Vita 22

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Free Animal e.V.

Editorial Liebe Leser*innen, die La Vita 22 ist, wie wir finden, eine der besten Ausgaben, sehr unterschiedlich in den Berichten und abwechslungsreich. Bis auf die Katzenhilfe Lanzarote haben wirklich alle Höfe und Projekte zu dieser Ausgabe beigetragen. Was die Katzenhilfe Lanzarote betrifft, wir haben uns seit Februar große Sorgen gemacht, da wir überhaupt nichts von Sigrid gehört oder gelesen haben. Wir haben zigfach versucht, sie auf allen Wegen zu erreichen, ohne Erfolg. Leider hat sie auch nichts zur La Vita 22 beigetragen oder beitragen können, was wir sehr schade finden. Wir haben daher auch keine Spenden mehr weitergeleitet, wir waren nicht sicher, ob sie überhaupt angekommen wären. Gegen Mitte Juni kam dann ein Lebenszeichen auf facebook. Um ehrlich zu sein, wir hätten uns vorher ein Lebenszeichen gewünscht, wenn eben Telefon, das Internet und sonst nichts geht, eine Postkarte wäre mit Sicherheit gegangen. In der Zwischenzeit haben wir die Gelder an Sigrid überwiesen, die für sie eingegangen sind, enttäuscht sind wir von ihrem Verhalten trotzdem. Bestimmt werdet ihr euch über den Bericht von SchaZi wundern; auch wir haben ziemlich kontrovers im Vorstand diskutiert, letztendlich entschieden, ihn zu veröffentlichen. Leider ist es wahr und nicht übertrieben, was Eveline geschrieben hat. Sie hat unverschuldet ihren Hof verloren und verzweifelt Hilfe in der Bewegung gesucht, bei den Stiftun2

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gen, bei größeren Vereinen, einfach überall. Sicherlich auch schwierig, bei so vielen Tieren, die in der Überzahl krank, gehandicapt und schwierig sind. Wir haben versucht, so gut wir als kleiner Verein konnten, zu helfen, leider nur einer von wenigen. Ein Großteil der Tiere konnte so zumindest erst einmal in Pflegestellen untergebracht werden. Für die Ziegen war das nicht möglich. Wir sind immer noch entsetzt über die anscheinend nicht mehr vorhandene Solidarität in der Bewegung. Wenn jedeR, gerade die großen und finanziell gut gestellten Stiftungen und Vereine geholfen hätten, hätte sich vielleicht viel früher eine Gelegenheit ergeben, einen Hof zu finden. Wer hat geholfen? ...lest selbst. Es ist und war keine Wunschlösung, leider die einzige und es ging hier um die Tiere, zumindest einige, die eine Räumung nicht überlebt hätten und wir können die Entscheidung nachvollziehen. Nun, viel Freude beim Durchstöbern der La Vita 22. Wie immer freuen wir uns über Rückmeldungen und Leser*innenbriefe. Danke für eure Unterstützung in all den Jahren, das muss einfach immer wieder gesagt und geschrieben werden. Danke an die Höfe und Projekte, die auch in schweren Zeiten für die Tiere und auch füreinander da sind. Angelika Jones-Singh 1. Vors. Free Animal e.V.


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Amphibien verbringen den Großteil ihres Lebens im Verborgenen. Begegnungen mit ihnen sind selten. Doch wenn wir ihnen begegnen, geben sie uns Einblicke in ihre beeindruckende, kleine Welt. Und darin gibt es allerlei zu entdecken.

Inhalt

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Ferienwohnungen statt Lebenshof: Unserer „Zickenfarm“ wurde gekündigt. Jetzt wird ein Zuhause für 200 Tiere gesucht.

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Griechenland – der Traum vieler Urlauber*innen. Die Realität für Tiere sieht leider ganz anders aus.

Impressum Herausgeber: Free Animal e. V. Postfach 111303 20413 Hamburg freeanimal@gmx.de www.freeanimal.de Redaktion: V.i.S.d.P.: Angelika Jones-Singh, Clarissa Scherzer Fotos: Free Animal e. V. Gestaltung: www.andreas-stratmann.de

Inhalt 4 Editorial

26 Happy Kuh Ananda Jal

4 Free Animal aktiv

28 Refugium für Tiere in Not

6 Die Schweine von Kamerun

30 Tierrechtshof Große Freiheit

9 Elsa & Klara

34 Initiative Lebenstiere: Begegnungen und Denkanstöße

10 Lebenshof Stellichte 12 Lebenshof SchaZi: Ferienwohnungen statt Lebenshof 16 Griechenland: Sommer, Sonne, blaues Meer ...

36 Lebenshof Eldetal 38 Pferdeschutzhof Süthen

19 Lebenshof Hohenwart

40 Tierlebenshof Hunsrück-Mosel

22 Thema: Die Wunderwelt der heimischen Amphibien

42 Protokoll der Mitglieder versammlung 2021

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Was ist in 2022 schon passiert oder wird noch passieren?

Wir haben erfolgreich im Mai und Juni an der Kulturellen Landpartie in Güstritz (Wendland) teilgenommen. Höhepunkt war die letzte Widerstandsparty in Gorleben. Wir hatten einen „Dauerstand“ in Güstritz und einen Infostand in Gorleben. Wir haben viele sehr interessierte Menschen getroffen, gute Gespräche am Stand gehabt und trotz wenig Merchandise ganz gut eingenommen. Weitere Events folgen, der Vegan Summer in Eckernförde und Travemünde und der Vegan Spring in Hannover. Wir freuen uns total darauf, nach 2 Jahren endlich wieder bekannte Gesichter zu sehen und mit Ständen vor Ort zu sein. Vielleicht hat der eine oder die eine Lust vorbei zu schauen oder zu helfen?

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Die veganen Sommerevents im Norden Seit 2013 werden die wunderschönen Feste rund um das Thema veganes und nachhaltiges Leben veranstaltet. Diesmal am 9. und 10. Juli am Strand von Eckernförde und am 20. und 21. August in Travemünde. Bei wohltuender sommerlicher Atmosphäre findest Du allerlei vegane Schlemmereien. Das Programm bietet Dir Einblicke in die Arbeit der Aktivist*innen. Mit Vorträgen zu Ernährung, Umwelt und Tierrecht, kannst Du Dein Wissen über die gesellschaftlich wichtigsten Themen erweitern. Du bekommst Alltagstipps für die vegane Küche, hörst junge live Bands und natürlich findest Du allerlei vegane Schlemmereien. Infos: www.vegansummer.de

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Lebenshöfe & Projekte

Die Schweine von Kamerun Mehr als ein Jahr ist jetzt vergangen, seit wir die drei Schweine – Pebbles, Bam Bam und Sauron – zu uns auf den Hof geholt haben.

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us den anfangs schüchternen und dürren Schweinchen sind jetzt große und starke Schweine mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen geworden, die mittlerweile Fans und Unterstüzer*innen in der ganzen Umgebung gefunden haben. Auch beim Hoffest im Frühling waren die drei Schweine die heimlichen Stars und haben sich von vielen Besucher*innen mit Brot, Früchten und Erdnussflips verwöhnen lassen. Die wenigsten Menschen kennen Schweine aus nächster Nähe (und schon gar nicht freilaufend) und so konnten unsere tierlichen Mitbewohner*innen alle mit ihrer freundlichen und aufgeweckten Art, ihrem sanften Gemüt und ihrer vorsichtige Art in ihren Bann ziehen. Anstatt einen langen Bericht über das letzte Jahr zu verfassen haben wir beschlossen, dass stattdessen an dieser Stelle ein kurzes Interview mit einer jungen Besucherin, die eine besondere Beziehung zu Schweinen entwickelt hat, stehen soll.

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Würdest du dich bitte kurz vorstellen. Ich bin Hava, ich bin neun Jahre alt und komme aus Kamerun.

Das war, als wir sie zusammen gefüttert haben. Was brauchen Schweine – deiner Meinung nach – um glücklich zu sein? Sie brauchen viel Platz, was zu essen und zu trinken, einen großen Stall und eine Wiese und viel Aufmerksamkeit.

Woher kennst du die drei Schweine? Ich kenne sie, weil sie bei uns als erstes gelebt haben und wir sie dann an dich (Volker) weitergegeben haben. Und wie findest du es, dass sie jetzt bei uns auf dem Hof leben? Ich finde das gut, weil sie bei uns nicht so viel Platz hatten. Kannst du denn die drei Schweine voneinander unterscheiden und kennst ihre Namen? Ja, die kenne ich. Und hast du ein Lieblingsschwein? Und wenn ja, warum? Sauron! Weil sie mich am liebsten mag und sie lässt sich am besten kuscheln. Was war das schönste Erlebnis, dass du mit den Schweinen hattest?

„ Die sind einfach total niedlich und toll!“

Was ist für dich der Unterschied zwischen den Schweinen und den anderen Tieren bei uns auf dem Hof (2 Hunde / 3 Katzen)? Die Schweine sind viel größer. Würdest du sagen, dass Schweine oder Hunde schlauer sind? Schweine! Was unterscheidet die drei Schweine von anderen Schweinen woanders? Die Schweine sind einfach nett, lassen sich kuscheln und sind nicht scheu. Und man kann ihnen aus der Hand etwas geben, ohne, dass sie in die Hand beißen.

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Lebenshöfe & Projekte

Würdest du diese Schweine essen? Nein! Und warum nicht? Weil ich die Schweine einfach mag! Was denkst du die über Leute, die gar kein Fleisch essen? Ich glaube, die wollen was für die Tiere tun und sie nicht essen, weil sie Tiere mögen. Und könntest du dir das auch für dich vorstellen? Ja, vielleicht. Was würdest du dir für die Zukunft für die drei Schweine wünschen? Einfach, dass es so bleibt, wie es grade ist, weil sie es gut haben. Findest du, dass alle Tiere so gut leben sollten wie die Schweine? Ja. Eigentlich schon, denn denen geht es ja auch richtig gut.

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Fällt dir etwas ein, was du noch über die Schweine sagen möchtest? Die sind einfach total niedlich und toll! Vielen Dank für deine Zeit ! Wir freuen uns auf weitere schöne Jahre und werden gerne wieder berichten. Die Kameruner


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ir hatten uns in den letzten zwei Jahren aufgrund der Coronasituation und den nicht absehbaren Risiken sehr eingeschränkt was Kontakte betrifft, da wir die Menschen in unserem direkten Umfeld nicht gefährden wollten. Dadurch konnten wir einige Dinge nicht umsetzen. Es hat uns schon etwas ausgebremst. So wie in den Jahren davor, konnten wir nicht aktiv sein. Aktuell suchen wir immer noch nach handwerklich begabten Personen, um ein paar Ideen für unsere Tiere umsetzen zu können. Dies hatten wir auch schon auf ganz regulären Wegen versucht, doch das, was wir bauen möchten, fällt nicht in den Bereich der üblichen Arbeiten, was alles etwas verkompliziert und limitiert. Daher gestaltet es sich weiterhin etwas schwierig. Wir versuchen es aber weiter. Falls jemand einen Tipp hat oder eine Person mit handwerklichen Fähigkeiten weiß, freuen wir uns in jedem Fall über entsprechende Hinweise. Dennoch sind wir tatsächlich sehr froh, dass es soweit allen gut geht. Unsere Schweinedamen genießen das schöne Wetter und wir erfreuen uns daran dann wiederum sehr. Inzwischen sind die Grundstücke auch im grünen Gewand erschlossen, so dass wir unsere Schweinedamen nicht immer sofort darin sehen können. Die Beiden stehen aktuell morgens immer früher auf und streiten sich dann lautstark, bis wir rauskommen und mit Leckereinen „schlichten“. Daneben haben wir unsere Wildvogelhilfe, die uns zeitweise sehr intensiv beansprucht. Wir bekamen auch in diesem Jahr schon wieder zahlreiche Katzenopfer (eines hiervon ist auf dem Foto zu sehen – wurde uns heute gebracht). Vielen der Tiere ist leider nicht mehr zu helfen. Es ist nicht selten ein langer, qualvoller Tod, den Wildtiere durch Katzenangriffe sterben, da der Speichel der Katzen für Vögel sehr gefährlich ist und ohne eine medizinische Behandlung meist tödlich

Unsere Schweinedamen genießen das schöne Wetter und wir erfreuen uns daran dann wiederum sehr. endet. Wer das Glück hatte und Wildvögel einmal persönlich erleben durfte, weiß, wie viel Individualität und Charisma in jedem einzelnen der gefiederten Tiere steckt. Auch wenn es für manche eine Umstellung bedeutet, würde es sehr vielen Wildtieren einen qualvollen Tod ersparen, wenn Hauskatzen zumindest zeitweise nicht frei laufen gelassen werden. Zeitlich sind wir aktuell wieder am Limit unserer Möglichkeiten, auch wenn der Grund ein erfreulicher ist: es gibt noch einmal „menschlichen“ Nachwuchs. Es gibt also weiterhin genug zu tun. Gruß Markus

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Lebenshöfe & Projekte

Neuigkeiten vom

Lebenshof Stellichte Pat*innen gesucht

• Sweety die kleine getigerte, liebe und jungwilde Katze, die einem keine Ruhe beim Arbeiten lässt und die sich am liebsten den ganzen Tag auf dem Arm herumgetragen lassen würde. Sie ist ein knappes Jahr und würde sich über Pat*innen freuen.

• Calina (siehe rechte Seite) eine hübsche, arabisch anmutende DR Stute. Sie ist 2009 im Mai geboren und mit 7 Monaten zu uns gekommen. Sie hat einen starken bis manchmal schwierigen Charakter und ist zur Zeit unser jüngstes Pferd am Hof (s. rechts).

• Camara Wir konnten auch ihre Mutter Camara retten, die als Zuchtstute missbraucht wurde. Ein paar Monate, nachdem Calina zu uns gekommen war, bekamen wir einen Anruf, dass wir sie nun haben könnten. Wir wollten sie wieder mit ihrer Tochter zusammenführen. Sechs Fohlen hat sie bis dahin in ihrem Leben schon bekommen, und alle wurden ihr entrissen und verkauft. Wenigstens eine Tochter sollte wieder mit ihr zusammen leben dürfen. Auch sie hat noch keine Pat*innen.

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ir hoffen, diese LaVita findet alle Leser*innen wohlauf. Es ist gerade eine schwierige Zeit, die aber auch viele Möglichkeiten bietet. Bedingt durch diese Zeit, mussten wir uns von einigen Spender*innen verabschieden, da sie nicht mehr die Möglichkeiten hatten, spenden zu können. Aber wir bekommen nach wie vor Gemüsereste vom Supermarkt, und es reicht, dass wir uns über Wasser halten. Große Auslagen oder dringend notwendige Renovierungen sind allerdings nicht drin. Uns geht es aber gut und den meisten Tieren auch. Die Ziege Gwynna war jetzt ein paar Tage krank, doch sie ist inzwischen anscheinend wieder fit und isst wieder. Auch bei den Schafen gab es zwei kranke Mädels. Joy und Schafi haben plötzlich total abgebaut und sind krass abgemagert. Ich musste sie vier Wochen lang separieren, um sie wieder aufzubauen. Aber auch die beiden sind auf dem Weg, wieder fit und gut genährt zu sein. Wir mussten uns von der Kaninchendame Willi verabschieden, die gerade mal nicht ganz ein Jahr hier war. Nun ist unser kleiner Nanook wieder solo, und wir müssen Ausschau nach passender Gesellschaft halten. Die Stute Calina hatte eine Zeit mit Hufrehe Probleme. Wir hoffen, dass dies eine einmalige Angelegenheit war und sie dieses Jahr gut durch die Weidesaison kommt. Zur Zeit sieht es sehr gut aus. Dazu gekommen sind noch eine verletzte Taube, und als Gesamtpaket

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noch eine Sittichdame mit Tumor und ein Nymphensittichpaar. Eigentlich wollte ich nur die verletzte Taube abholen, aber dann waren da noch die anderen drei, die zwar versorgt wurden, aber deren Haltungsumstände nicht so optimal waren, so dass ich sie kurzerhand mitnahm, als mir der Halter sagte, dass sie weg könnten. Das Bauamt war inzwischen da, und der Bauantrag wurde erst einmal geteilt, so dass der Bereich, wo die meisten Tiere untergebracht sind, endlich fertig und genehmigt wird. Wenn die LaVita rauskommt, haben wir hoffentlich schon alles durch. Unglücklicherweise hat Emma, unser kleiner Iseki-Trecker, einen Achsbruch gehabt und nachdem die erste Reparatur nicht gehalten hat, mussten wir den Trecker jetzt zu einer anderen Werkstatt bringen. Die Reparatur wird an die 1.500 Euro kosten. Auch der Hofbus hat Zipperlein gehabt und es steht noch eine weitere Reparatur an, wo die Kosten noch nicht abzusehen sind, aber sehr wahrscheinlich auch in dem gleichen Bereich oder noch höher liegen. Ansonsten genießen Mensch und Tier am Hof das schöne Wetter und die üppige Natur. Wem es nicht so gut ging, kann nun aufatmen und Kraft tanken. Wir wünschen allen eine gute Zeit, Gesundheit, einen wachen Geist und alles Gute! Die Stellichter • www.facebook.com/ Tierschutzgemeinschaft


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„Unsere Zickenfarm“

Lebenshof SchaZi

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enn wir an die letzten Monate zurück denken, können wir nur weinen und spüren die Verzweiflung in jeder Zelle unseres Körpers.

Alles begann mit einer Mitteilung, dass wir unseren Hof verlassen müssen. Erst für uns überhaupt nicht verständlich und nachvollziehbar, da wir ja mit dem ehemaligen Eigentümer eine klare Vereinbarung getroffen hatten. Der bis 2016 leerstehende Hof war völlig runter gekommen und sanierungsbedürftig. Die Eigentümer sind bereits lange in ihrem neu gebauten Haus im Dorf.

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Die Kinder hatten kein Interesse an der Landwirtschaft, und so bekamen wir die Chance, den Hof zu übernehmen. Wir vereinbarten eine Rentenzahlung für den alten Eigentümer und eine Ablösesumme, die er für den Hof noch bekommen sollte. Da uns der Verkauf der Immobilie versprochen wurde, fingen wir an, die Stallungen und das Haus aufwendig zu sanieren und ein kleines Paradies für die Tiere zu schaffen. Und nun kam der Schock! Einer seiner Söhne hatte sich den Hof zwischenzeitlich zu eigen gemacht und möchte uns nun vom Hof haben, um dort Ferienwohnungen zu bauen.


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Und nun kam der Schock! Einer seiner Söhne hatte sich den Hof zu eigen gemacht und möchte uns nun vom Hof haben, um dort Ferienwohnungen zu bauen.

Wohin nun mit über 200 Tieren? Tiere meist mit Handicap und hohen Pflegeaufwand. Tiere, die ihre gewohnte Umgebung brauchen, ihre Tierärzt*innen, Kliniken und Pfleger*innen. Natürlich machten wir uns sofort auf die Suche, um einen geeigneten neuen Ort zu finden. Wir haben alles nur Erdenkliche getan: Anzeigen, Zeitungsartikel, Presse, Fernsehen. Wir sind wochenlang von Dorf zu Dorf gefahren, haben nach leeren Höfen oder Stallungen gesucht, haben dort gefragt. Wir haben gut 500 E-Mails geschrieben, telefoniert, gebeten und gebettelt. Selbst unser Landrat verfasste an alle Bürgermeister und landwirtschaftliche Institutionen eine Rundmail, mit der Bitte, uns einen Hof oder Stall zur Verfügung zu stellen. Doch unsere Suche ist bis heute erfolglos geblieben. Scheinbar gibt es nichts zu pachten oder zu kaufen. Viele hätten Platz, wollen aber nicht helfen, auch nicht vorübergehend! Dazu kommt die Schwierigkeit, dass die Tiere nur schwer getrennt werden können und auch nicht in kleinen Zweieroder Dreier-Gruppen an Privatpersonen verteilt werden dürfen. Unsere Tiere besitzen einen besonderen Status, der bestimmte Voraussetzungen erfüllen muss. Dann ein kleiner Lichtblick. Aiderbichl würde ca. 30 Schafe von uns vorübergehend aufnehmen. Aber nur gesunde! Die anderen würden zurück bleiben. Aber auch das scheiterte, da die Schafe keine Ohrenmarken mehr tragen müssen und so schnell keine zu bekommen waren. So fingen wir an, an viele verschiedene Vereine, Organisationen und Stiftungen heran zu treten und

um Hilfe zu bitten. Wir suchten nach Möglichkeiten, die Tiere wenigstens vorübergehend unter zu bringen; doch auch hier immer nur Absagen. Immer mehr Verzweiflung und Angst machte sich breit, und wir fingen bereits wirklich an, darüber nach zu denken, ob es nicht besser ist, die Tiere einschläfern zu lassen, als brutal vom Hof räumen zu lassen. Doch der Gedanke daran brach uns das Herz. Sollte es wirklich niemanden geben, der uns helfen würde? Was möglich war, haben wir auf Pensionsplätzen untergebracht. Die meisten Rinder, die Pferde und Ponys und die Katzen. Seit Dezember bezahlen wir Unsummen an Pensionsgebühren, was uns langsam an den Ruin bringt, denn die Kosten für den Hof, die Mitarbeiter*innen und die verbleibenden gut 200 Tiere laufen ebenfalls weiter.

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Lebenshöfe & Projekte

nur noch der Gedanke, wohin mit unseren Tieren. Wie können wir sie retten? Nebenher muss aber der normale Tagesbetrieb weiter laufen. Die Tiere sind unruhig und merken, dass etwas nicht stimmt. Und auch wenn ich versuche, sie zu beruhigen, spüren sie meine Angst und meine Verzweiflung. Sie kommen, um mich zu trösten, sind bei mir in dieser ausweglosen Situation. Geben mir Trost und auch Kraft, die ich einst vielleicht ihnen gegeben habe, als wir uns das erste Mal sahen. Aufgeben? Nein, unmöglich. Wenn uns in Tierschutzkreisen nicht geholfen werden möchte, dann müssen wir einfach andere Wege gehen. Die Räumung ist bereits beantragt, die Gerichtsvollzieherin hat uns schon kontaktiert. Es sind wenige, kleine Vereine und eine Handvoll tierliebe Menschen, die wirklich auch in diesen schweren Tagen bei uns sind und helfen, wo sie können. Dafür sind wir so unendlich dankbar. Niemals hätte ich mir auch nur annähernd vorstellen können, dass man unter Tierschutzkolleg*innen so im Stich gelassen wird! So habe ich doch selber über 30 Jahre so gut wie jedem geholfen, wenn er zu uns kam und Hilfe brauchte. Wir haben oft Unmögliches möglich gemacht, nur um noch ein weiteres Tier retten zu können. Und jetzt?? Alles vergessen?? Am schlimmsten waren die Menschen, die uns Hilfe angeboten haben und als wir sie dann wollten/brauchten, uns einfach hängen ließen. Ob das nun die Stiftung aus Berlin war, die uns finanziell helfen wollte und dann mit einer Mail ihre Hilfe absagte, da die Gelder für die Flüchtlingshilfe in der Ukraine gebraucht werden, Pflegeplätze aus unserem eigenen Paten*innenkreis, die lieber Tiere aus der Ukraine aufnehmen wollten, als unsere. Vereine, die Kapazitäten zugesagt haben und uns dann mit einem „ ach.. lieber nicht...“ hängen ließen. Ich glaube, niemand kann sich nur annähernd vorstellen, wie wir uns gefühlt haben. Solche Angst, Hoffnungslosigkeit, Ohnmächtigkeit und absolute Verzweiflung, würde ich nicht mal unserem ärgsten Feind wünschen. Die Verantwortung für über 200 Tiere und keinen Platz, um sie unterzubringen. Kein Schlafen, kein Essen mehr… 24 Stunden

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Die Monate, die wir gebeten, gebettelt und gesucht haben, ohne Erfolg. Nochmals viele Anrufe bei Vereinen und Organisationen, und obwohl wir ihnen unsere fatale Situation noch einmal geschildert haben, bekamen wir nur Absagen. Weinend stand ich in meinem Büro und konnte es eigentlich nicht fassen, dass es wirklich fast jedem egal war, was aus unseren Tieren wird. Und da las ich ihn wieder, den Spruch, der eine ganze Wand in meinem Büro schmückt: DAMIT DAS MÖGLICHE ENTSTEHT MUSS IMMER WIEDER DAS UNMÖGLICHE VERSUCHT WERDEN Na ja, was hatten wir noch zu verlieren? Ich nahm allen Mut zusammen, setzte mich ans Telefon und rief einen der “Skandalbauern “ an, dem wir damals geholfen hatten, Tiere übernommen und behandelt haben, und bat um ein Gespräch. Ich schilderte ihm meine ausweglose Situation und wie wichtig mir die Tiere sind. Das ich nicht mehr weiter weiß und uns niemand helfen möchte. „Wie kann ich euch helfen?“, war seine Frage, nichts Anderes. Meine Antwort: „Die Tiere brauchen einen Stall nur vorübergehend.“ Und dann kam eine Antwort, die ich niemals auch nur zu erträumen wagte: „Gut, wenn es nur vorübergehend ist, dann räumen wir eine unserer Betriebsstätten frei, verteilen die Tiere auf unsere anderen Betriebe, und du kannst deine Tiere so lange bei uns am Hof


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unterbringen, bis du was Neues gefunden hast. Du hast uns damals geholfen, jetzt helfen wir dir.“ Im ersten Moment wusste ich gar nicht, was ich sagen sollte. Ich war so überrascht und glücklich zugleich und das bei dieser Wirtschaftslage. So viel Stolz und Ehrgefühl, dieser Zusammenhalt hat mich wirklich berührt. Das ausgerechnet dieser Landwirt uns mal die Existenz retten würde, damit hätte ich im Traum nicht gerechnet. Schon damals gab es aus „Tierschutzkreisen“ Anfeindungen, Beschimpfungen und Unverständnis, dass ich einen anderen Weg gewählt habe, nach diesem Skandal, um mit diesen Landwirten zu kommunizieren. Mein Weg war immer der Friedliche. Ich wollte die Gründe verstehen und selbst erleben, warum es zu solchen Missständen kommen konnte. Ich wollte nie einfach nur verurteilen. Ich wollte aktiv mithelfen und zeigen, wie es auch anders gehen kann. Denn jeder hat eine neue Chance verdient, jeden Tag neu anzufangen, neu zu lernen und neu zu verstehen. Auch wir machen Fehler, aber keiner hinterfragt sie, und es ist doch so einfach, den ganzen Tag am PC zu sitzen und zu schauen, wen man heute mal wieder durch den Dreck ziehen kann. Vielleicht weil ihm/ihr langweilig ist, vielleicht weil er/sie keine Aufgabe hat. Und auch jetzt bin ich mir sicher, dass Einige schon beim Lesen wieder aufschreien, wie kann sie nur! Ohne zu überlegen, werden sie wieder Postings und Aufrufe starten, ohne darüber nachzudenken, ob dieser eine Landwirt mit seiner Entscheidung, uns zu helfen, vielleicht in dieser Zeit mehr gelernt und verstanden hat, als wir alle zusammen. Und auch er wird sich blöde Sprüche und Anfeindungen gefallen lassen müssen aus seinen Kreisen. Und trotzdem wird er helfen, wofür wir ihm von Herzen dankbar sind. Nun heißt es, einen Laufstall für Milchkühe umzugestalten für Ziegen. Keine leichte Aufgabe, aber wir werden es meistern, so wie wir es die letzten 30 Jahre gemacht haben. Woher wir das Geld nehmen, wissen wir noch nicht. Doch auch da wird sich eine Lösung finden. Sicher ist eins: Aufgeben ist keine Option !!!! Eveline Tierschutzverein SchaZi

Die Verantwortung für über 200 Tiere und keinen Platz, um sie unterzubringen. Ich glaube, niemand kann sich vorstellen, wie wir uns gefühlt haben. Solche Angst, Hoffnungslosigkeit, Ohnmächtigkeit und absolute Verzweiflung ...

Hilfe gesucht! Wer helfen möchte, egal wie, kann sich gerne melden: www.zickenfarm.de Tel: 0160 3330364

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Griechenland – Sommer, Sonne, blaues Meer . . .

Der Traum vieler Urlauber*innen! Die ( Tierschutz-) Realität sieht leider ganz anders aus.

Bitte

… helft den Fellnasen, denn ohne Hilfe sind sie verloren! Spendenkonto: AT71 2070 6045 0089 8343 Herz für griechische Pfoten, Petra Stefan Paypal: herzfuergriechischepfoten@gmx.at

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Ausland

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an verlässt in Igoumenitsa oder Patras die Fähre und schon sieht man am Hafengelände die ersten Hunde, welche um Futter betteln. Weiterfahrt zum eigentlichen Ziel, überfahrene und tote Tiere am Straßenrand, verlassene Tankstellen, wo Hündinnen mit ihren abgemagerten Welpen leben. Keine Ahnung, wo sie überhaupt etwas zum ,mehr oder weniger, Überleben finden. Immer wieder Hunde in den Bergen oder auf den Straßen, die einsam und alleine unterwegs sind und man weiß genau, dass sie sterben werden. Entweder vor Hunger oder sie werden überfahren, denn fast niemand bremst in Griechenland für einen Hund.

Ich schleiche mich in solchen Situationen immer mit meiner gefüllten Serviette davon, um hinter einer Ecke die Hunde zu füttern. Die Restaurantbesitzer wollen nicht, dass die Hunde gefüttert werden.

Tagesordnung in den Städten und Urlaubsorten: Man sitzt auf der Terrasse einer Taverne und isst, draußen auf dem Gehsteig sitzen Hunde, die dir bis in den Magen schauen. Es ist so traurig, sodass ich eigentlich gar nicht mehr aus dem Haus gehen möchte. Ich schleiche mich in solchen Situationen immer mit meiner gefüllten Serviette davon, um hinter

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Ausland

Wenn man als Urlauber um Beihilfe bei örtlichen Tierschutzorganisationen nachfragt, bekommt man in 90 % immer Absagen. Es gibt Hilfe, aber nicht von offiziellen Vereinen und Tierheimen, sondern von privaten, lokalen Tierschützer*innen. Das sind Menschen, die meistens selber fast nichts haben, aber nicht die Augen verschließen und unter widrigsten Umständen versuchen zu helfen. Diese Menschen werden in ihren Wohnorten belächelt, gehasst und oft gemieden, denn es wird nicht gern gesehen, dass man diesen armen Kreaturen hilft.

Ein Herz für griechische Pfoten Die Facebook-Gruppe „Herz für griechische Pfoten“ möchte speziell privaten Tierschützer*innen in Griechenland helfen. Es besteht u. a. die Möglichkeit • einen Hund zu adoptieren • Futterpat*in für Streuner zu werden • oder mit einer Spende Kastrationen und Operationen zu ermöglichen.

Ein Tierleben ist nichts wert in Griechenland, sodass die Leute nicht mal anhalten wenn sie ein Tier angefahren haben, nein, man lässt es liegen. Diese Tierschützer*innen, die ihr ganzes Leben dem Tierschutz widmen, muss man einfach unterstützen! Denn die Tiere haben nur sie!

INFOS UNTER facebook.com

Für solche bewundernswerten Menschen haben wir unsere Facebookgruppe „Herz für griechische Pfoten“ gegründet.

Herz für Griechische Pfoten

einer Ecke die Hunde zu füttern (meistens nehme ich schon von Zuhause Trockenfutter mit). Die Restaurantbesitzer wollen nicht, dass die Hunde gefüttert werden. Griechische Kinder vertreiben die hungrigen Hunde mit Tritten, die Eltern sehen zu. Alte Leute, die am Stock gehen, schmeißen den Hunden diesen nach, um Hunde zu vertreiben, die niemanden etwas tun. Ihr einziges „Vergehen“ ist, dass sie auf der Welt sind. Offensichtlich sehr kranke Hunde – keiner hilft, im Gegenteil, man wendet sich angeekelt ab und schmeißt ihnen irgendetwas nach.

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So eine Person ist meine Freundin Kiki (s. La Vita 21), die in Glyfa/Fthiotida lebt. Vom Leben nicht verwöhnt, alleinstehend, ihr Mann verunglückte, als ihr Sohn noch ein Baby war. Sie bekommt eine minimale Witwenrente. Sie hält sich mit schlecht bezahlten Jobs über Wasser, die teilweise mit 3,00 Euro pro Stunde bezahlt werden. Sie betreut ihre Eltern, ihr Vater verstarb vor wenigen Wochen nach schwerer Krankheit. Nun betreut sie auch noch die Schafe ihres Vaters, verbringt täglich Stunden auf der Straße, um Streuner zu füttern. Sehr oft findet sie verletzte Tiere am Straßenrand, die sie zum Tierarzt bringt, um sie dann letztlich erlösen zu lassen.

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Immer wieder versuchen wir auf diesem Weg Futterpat*innen für die Streuner zu finden, Spenden für Kastrationen und Operationen etc. zu akquirieren. Ständig betteln wir, es wird immer schwieriger, weil auch das Leben für alle fortwährend teurer wird. Wir weigern uns trotzdem aufzugeben, denn ohne unsere Hilfe und die Arbeit der örtlichen Tierschützer*innen, würden viele der Fellnasen nicht mehr leben. Dieses ist ein Bild des ach so schönen Griechenlands. Wenn man die Augen öffnet, sieht man Tierleid ohne Ende.


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22x Alle Ausgaben online unter

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`™t Free-Animal-Rundbrief Dezember 2021

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Lebenshöfe & Projekte

Lebenshof Hohenwart e.V.

Kommen und Gehen

Ein Lebenshof ist nicht nur für die Tiere ein Ort wo sie zur Ruhe kommen können.

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Lebenshöfe & Projekte

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iele ehrenamtliche Helfer*innen kommen regelmäßig, um das Leben der Tiere zu unterstützen, sei es mit Leckereien, Streicheleinheiten oder körperlicher Hilfe wie Ausmisten, Zäunen usw. Wir und die Tiere sind dafür sehr dankbar. Sie bekommen hier auch unsere Emotionen mit, mal sind wir selbst glücklich, mal traurig, wenn ein Tier krank ist oder seine letzte Reise angetreten hat. Seit dem letzten Bericht in der La Vita hat sich viel getan. Elisa ist ganz friedlich eingeschlafen und Amelie hat ebenso ihr kleines Köfferchen gepackt und hat sich auf die letzte Reise begeben. Es ist ein Kommen und Gehen, das Gehen bedeutet Abschied nehmen, was nicht immer leicht ist. Wir haben viele Tiere mit Handicap, die eine intensive Betreuung brauchen, man weiss, dass diese Tiere oft nicht alt werden, doch ist es jedes Mal wieder der Abschiedsschmerz. Doch es gibt auch das Kommen. Wir konnten aus einer Beschlagnahmung fünf Rinder übernehmen, darunter Nusspli mit ihrem Kalb Nepomuk und Simone eine Kuh, die kurz vor der Kalbung steht; und durch einen unglücklichen Zufall haben wir Nachwuchs bei den Schafen. Ein Bock hat seine letzte Chance genutzt und einige Auen gedeckt. Selbstverständlich dürfen diese Lämmer bei uns bleiben. Dann war da noch der nächtliche Besuch in unserem Hahnenhaus, 6 Hähne sind spurlos verschwunden. Die Voliere und das Gartenhaus unbeschädigt, kein Blut, keine toten Hähne, wie es nach einem tierischen Angriff gewesen wäre. Nein, sie wurden uns entwendet! Suchaktionen und ein Bericht in der Zeitung brachten leider nichts. Wer macht so etwas? Wir haben dafür leider keine Worte. Der größte Teil der Rinder ist schon auf den Sommerweiden, da ist im Stall die Arbeit etwas weniger, jedoch beginnt in einigen Tagen die Heuernte. Nichts desto trotz müssen wir ca. 300 Quaderballen Heu und ca. 450 Strohballen zukaufen. Hier wären wir um jede Hilfe dankbar. Danke Petra und Werner vom Lebenshof Hohenwart e. V.

FOLGEN: • www.instagram.com/lebenshofhohenwart_ • www.facebook.com/Lebenshof.Hohenwart


Die Wunderwelt der heimischen Amphibien

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Wunderwelt der heimischen

Amphibien Text und Fotos: Farina Graßmann

Amphibien verbringen den Großteil ihres Lebens im Verborgenen. Begegnungen mit ihnen sind vielerorts selten. Doch mit etwas Glück entdeckt man eine von ihnen unter Laub versteckt im Garten oder beim Spaziergang im Wald. Im Frühling ändert sich die versteckte Lebensweise allerdings schlagartig.

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Die Wunderwelt der heimischen Amphibien

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Die Wunderwelt der heimischen Amphibien

Ich habe Einblicke in ihre kleine Welt bekommen. Wie einzigartig die bei uns lebenden Arten sind und zu welchen Meisterleistungen sie in der Lage sind, hat mich tief beeindruckt.

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ie Erdkröte ist eine unserer Arten, die zu den Explosivlaichern gehören. Als hätten sie sich verabredet verlassen diese gleichzeitig ihre Verstecke, in denen sie gut geschützt den Winter verbracht haben. Oft sind es regnerische, milde Abende, an denen sie aufbrechen und sich auf den Weg zu den Gewässern begeben. Diese massenhafte Wanderung gehört zu den Naturschauspielen, die Menschen oft das erste Mal auf die Amphibien aufmerksam machen. Das Ziel der Erdkröten ist dabei oftmals der Ort, an dem sie selbst herangewachsen sind. Bis sie zum ersten Mal an ihr Geburtsgewässer zurückkehren, können jedoch mehrere Jahre ins Land gehen. Dennoch scheinen sie den Weg dorthin genau zu kennen. Vielfältige Fähigkeiten wie der Geruchssinn und der Gehörsinn helfen den Kröten dabei, ans Ziel zu gelangen. Während die Erdkröten nur mit einem leisen Piepsen auf sich aufmerksam machen, warten einige ihrer Verwandten mit einem lautstarken Konzert auf. Das Quaken, Blubbern und Glucksen hilft ihnen bei der Partnersuche.

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Doch in vielen Landstrichen droht das Konzert der Amphibien zu verstummen. Auch das massenhafte Auftauchen während der Wanderung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Zahl zurückgeht. Viele Arten, die früher die Wanderungen durch Wald und Wiesen begleiteten, begegnen wir heute nur noch mit Glück. Von den 20 in Deutschland natürlich heimischen Amphibienarten geht der Bestand laut der Roten Liste bei 17 Arten langfristig zurück. Es ist ein stilles Sterben. Durch die versteckte Lebensweise verschwinden die Amphibien vielerorts unbemerkt. Auch vor meiner Haustüre schwindet die Zahl der Frösche, Kröten und Molche. Zeuge des Rückgangs sind die Zahlen, die wir am Amphibienzaun, der die Tiere auf ihrer Wanderung schützt, sammeln. Eine Erfahrung, die die Freude über die geretteten Tiere ein stückweit trübt. Zu erleben, wie groß die Herausforderungen sind, vor denen unsere heimischen Amphibien stehen, hat mich dazu bewegt, ihnen mein nächstes Buch zu widmen. Die Arbeit an meinem Buch “Wunderwelt heimische Amphibien” war für mich eine bewegende Zeit. Ich habe Einblicke in ihre kleine Welt bekommen. Wie einzigartig die bei uns lebenden Arten sind und zu welchen Meisterleistungen sie in der Lage sind, hat mich tief beeindruckt. Gleichzeitig musste ich auch miterleben, wie viele Tiere verschwanden.


Die Wunderwelt der heimischen Amphibien

Buchtipp! Meine Reise in die Welt der Amphibien hat mich in die verschiedensten Ecken Deutschlands geführt. Dort bin ich nicht nur den bei uns heimischen Arten begegnet, sondern auch Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, sie zu schützen. Die Gespräche mit ihnen haben mir nicht nur unschätzbares Wissen für das Buch mit auf den Weg gegeben, sondern sie haben mir auch Hoffnung gemacht. Hoffnung, dass wir alle einen Unterschied machen können - jeden Tag. Die Möglichkeiten, Amphibien zu helfen, sind so vielfältig wie die Amphibienarten selbst. Eine davon ist der Schutz auf ihrer Wanderung. Der Weg zu ihren Fortpflanzungsgewässern ist oftmals von Straßen zerschnitten. Der Straßenverkehr stellt eine der größten Gefahren dar, denen die Tiere gegenüberstehen. Denn sie überqueren dieses Hindernis nur langsam und haben keine Möglichkeit, vor heranbrausenden Fahrzeugen zu flüchten. Um die Amphibien auf ihrer Wanderung zu schützen, werden deswegen jedes Jahr Tausende Schutzzäune aufgebaut. Neben den Zäunen, die alljährlich auf- und abgebaut werden, gibt es auch dauerhafte Schutzeinrichtungen. Unter der Straße herführende Amphibienleitanlagen ermöglichen den Tieren das ganze Jahr über die sichere Überwindung und das, ohne dass es Menschen braucht, die sie von einer Straßenseite auf die andere bringen. Aber nicht nur auf dem Weg zwischen ihren Lebensräumen brauchen die Amphibien Schutz. Nicht weniger wichtig ist es, dass die Tiere überhaupt geeignete Lebensräume finden - seien es Gewässer, Wiesen, Wälder oder Gehölzstreifen zwischen Feldern. Diese zu schützen und neue zu schaffen ist eine weitere Möglichkeit, den Amphibien zu helfen. Neben diesen Lebensräumen in der Landschaft suchen Amphibien auch unsere Gärten auf. Die amphibienfreundliche Gartengestaltung ermöglicht, dass sie hier ein Zuhause finden. Ein Bestandteil davon ist natürlich der Gartenteich. Was die Größe und die Gestaltung angeht, ist im Grunde genommen für jeden Garten etwas Passendes dabei. Denn Amphibien sind weit weniger anspruchsvoll, als man zunächst meinen könn-

Die Wunderwelt der heimischen Amphibien Alle 20 Arten im Porträt • Amphibienschutz • amphibienfreundlicher Garten 176 Seiten 16 cm × 22,5 cm Hardcover ISBN 978-3-89566-419-9 • Bestellbar unter: www.farinas-fotokunst.de/shop

te, und besiedeln sogar kleinste Gewässer. Beachtet man ein paar Grundregeln, kann das Gewässer zum artenreichen Paradies und zum spannenden Erlebnisraum werden. Doch für die Amphibien sind nicht nur geeignete Gewässer notwendig, in denen sie sich fortpflanzen, sich verstecken oder sogar überwintern können. Genauso wichtig ist es, dass sie in der Umgebung des Gewässers Plätze finden, die ihnen zum Beispiel in trockenen Zeiten ausreichend Feuchtigkeit bieten. Dabei haben die unterschiedlichen Arten auch verschiedene Ansprüche an ihre Verstecke. Während die Geburtshelferkröte mit Vorliebe Natursteinmauern und -haufen bezieht, hält sich der Feuersalamander gerne unter Totholz auf. Und wenn die Amphibien noch ein reichhaltiges Nahrungsangebot in Form von Insekten, Würmern, Spinnen und Schnecken finden, stehen die Aussichten gut, dass sie sich dauerhaft als Nachbarn niederlassen. Wo wir den Amphibien begegnen, da geben sie uns Einblicke in ihre beeindruckende, kleine Welt. Und darin gibt es allerlei zu entdecken: Unken mit herzförmigen Augen, Kröten mit Fesselkünsten und Frösche, die ihre Farbe wechseln – all das haben sie zu bieten.

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Spaziergang durch den Wald mit Ananda Jal, der Patenochse von Free Animal 22 Rinder – jedes hat seinen eigenen Charakter – und wir müssen dementsprechend handeln.

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Lebenshöfe & Projekte

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chon Mitte Mai durften Ananda Jal und Balarama zusammen mit ihrer Kuhfamilie früher als geplant auf die grüne Wiese gehen. Dieses Jahr hat Mutter Natur alles früher bereitgestellt. Die Wiesen sind gut gewachsen und die Rinder freuen sich sehr darauf. Davor war es noch ziemlich unruhig. Die Kühe konnten das frische Graß riechen und waren recht aufgeregt. Ananda Jal ist trotz Arthritis schon wieder über den hohen Wildzaun gesprungen. Er wollte sich als Vorkoster anbieten, leider ist er in die falsche Richtung gelaufen und ist im Wald gelandet und hat dort geknabbert. Da haben wir ihn dann beim Frühstück erwischt. Die anderen Ochsen haben seine Abwesenheit gar nicht bemerkt. Wir mussten ihn schnell anlocken und davon überzeugen, auf dem selben Weg wieder zurück zu springen, bevor die anderen merken, dass er verschwunden ist. Kühe sind sehr soziale Wesen und wenn einer von ihnen aus der Herde raus geht, folgen die anderen hinterher. So was wäre eine Katastrophe gewesen. Ich hatte Glück, dass ein ehrenamtlicher Helfer genau zum richtigen Zeitpunkt angekommen ist und mit viel Geduld und extra Leckerlis haben wir Ananda Jal wieder zurück locken können. So ist es: Bei Happy Kuh wird es nie langweilig! 22 Rinder jedes hat seinen eigenen Charakter - und wir müssen dementsprechend handeln. Wenn es Balaram gewesen wäre, wäre es bestimmt nicht so leicht gewesen, da er ziemlich

ängstlich ist. Er wurde die ersten Monate seines Lebens eingesperrt und gemästet, das sind schlechte Erinnerungen, die er noch immer nicht verarbeitet hat. Die Ochsen kommen bald auf die dritte Wiese. Leider haben die Wildschweine viel Schaden angerichtet und wir müssen in den nächsten Tagen einen Wildzaun um die Wiese errichten, um sie vor weiterem Schaden zu schützen. Wir haben einen Teil des Zauns vom Förster geschenkt bekommen, aber 300m Zaun und Befestigungsmaterialien müssen wir noch dazu kaufen. Wir haben viel Zeit und Geld in die Pflege der Wiese investiert, aber leider müssen die Wiesen wieder abgeschleppt und nachgesät werden, um die Schäden zu beseitigen, damit das Gras wieder schön wachsen kann. Wir möchten uns bei Free Animal und allen Menschen bedanken, die anbieten. die Tiere finanziell und tatkräftig zu unterstützen. Die tägliche Versorgung der Kühe nimmt viel Zeit und Kraft in Anspruch. Deswegen organisieren wir verschiedene „Tage der offenen Tür“, an denen wir besucht werden können. Außerdem können wir Gruppenbesuche und verschiedene Arbeitseinsätze planen, um uns und die Kuhfamilie kennenzulernen. Sprecht uns dazu bitte an! Leider ist es uns nicht möglich, Einzelbesuche zu koordinieren. Eure Happy Kuh Familie • www.happykuh.de

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Lebenshöfe & Projekte

Refugium

für Tiere in Not

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allo, ihr lieben Freundinnen und Freunde der Tiere, hier meldet sich das Refugium für Tiere aus Castrop-Rauxel, um euch einen kleinen Einblick in unsere Arbeit zu geben, in das, was gelaufen ist, und was noch laufen soll.

Auch auf einem kleinen Hof fällt im Sommerhalbjahr massenweise Arbeit an, um im Winter gerüstet zu sein. Die erste größere Aktion war Mitte Mai die Schur unserer beiden Wiederkäuer Esmeralda und Barbarella. Sie waren durch die üppige Winterwolle so schwergewichtig, dass sie kaum noch laufen konnten. Zum Glück haben die freundlichen Schafhalter vom letzten Jahr diese Aufgabe wieder übernommen – ohne Entlohnung, einfach als Beitrag für den Tierschutz. Besonders Esmeralda, die Schwarze, hat ein wunderbares Vlies abgelegt. Trotzdem ist es schwierig, Abnehmer für solche Dinge zu finden. Gegen Ende Mai ist ganz unerwartet das weibliche Tier von unserem Laufentenpärchen gestorben, so dass schnellstens eine Nachfolgerin beschafft werden musste, da der Erpel wie von Sinnen suchend durch die Gegend lief. Mein Gärtner, ein sehr tierlieber, naturverbundener Mensch, hat mir dankenswerterweise aus seinem Trupp zwei Mädels überlassen. Leider hat das jüngere lachsfarbene Tier sich bereits bei seiner Ankunft auffällig verhalten, da es viel gesessen hat. Nach drei Tagen war es im Laufen so eingeschränkt, dass es sich nur flügelschlagend auf dem Bauche fortbewegen konnte und ich fürchtete, es einschläfern lassen zu müssen, zumal die Hühner es heftig attackierten und es wohl getötet hätten. Die tierärztliche Untersuchung ergab eine heftige Entzündung in einem Beinchen, die jetzt bereits seit zehn Tagen behandelt wird. Durch das verabreichte Antibiotikum wurde eine deutliche Besserung erzielt, so dass die kleine Gefiederte jetzt wieder mit ihren 28

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Hoffest 2022

Am ersten Wochenende im September steigt unser Hoffest. Wir sind schon kräftig mit Vorbereitungen beschäftigt. Ihr alle seid herzlich eingeladen.

Kumpels lustig auf dem Teich schwimmt, gründelt, taucht, sich putzt und wie selbstverständlich den Weg zwischen Stall und Teich zurücklegt. Aber eine kleine Behinderung ist geblieben, kein Wunder, da die Röntgenaufnahme eine deutliche Schädigung des Knochens aufweist. Wir hoffen trotzdem, dass unsere hübsche Kleine noch eine lange schöne Zeit bei uns haben wird. Die Sommerzeit muss auch immer genutzt werden, um marode Dinge instand zu setzen. Bei einem unserer inzwischen über 30 Jahre alten Ställe droht die Rückwand wegzubrechen, durch die Hanglage und das morsche Fundament aus Bahnschwellen hat sie sich ganz nach außen gebogen. Auf unserem Hundeplatz und in der ehemaligen Wälzgrube der Esel muss der alte Sand entsorgt und neuer aufgeschüttet werden. Schließlich muss die gesamte Außenlichtanlage erneuert werden, was bisher nicht in Angriff genommen werden konnte, da ein Zaunkönig in einer Nische unter dem Stalldach, direkt neben einem Trafo, gebrütet hat. Auch die Grundreinigung der Ställe und die Parasitenbehandlung der Hühner müssen noch durchgeführt werden. Mit herzlichem Dank an alle, die unsere Höfe unterstützen, Elke Balz aus Castrop-Rauxel • www.tierschutzhof-am-schellenberg.de


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Die erste größere Aktion war Mitte Mai die Schur unserer beiden Wiederkäuer Esmeralda und Barbarella. Sie waren durch die üppige Winterwolle so schwergewichtig, dass sie kaum noch laufen konnten.

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Neues vom Tierrechtshof

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Frippe und Max toben

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Katze Isi

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igentlich müsste unser Tierrechtshof kleinere Freiheit heißen. Zumindest in Bezug auf die Katzen und Kater, die bei uns leben. Innerhalb von drei Monaten wurden zwei Kater auf der Straße vor unserem Haus zu Tode gefahren. Der wenige Monate junge Kater Kalle und der erfahrene, fünf Jahre alte Kater Nicki. Eines Abends klingelte der Nachbar von nebenan bei uns. Der Schlachter, der gar nicht mehr weiß, wohin mit dem Geld, das er tagtäglich durch das Morden unzähliger Tiere verdient. In unsere Gegend haben insgesamt drei Schlachtereien geschlossen. Schön wäre, wenn die Stammkundschaft jetzt auf vegan umsteigt, machen sie aber nicht. Stattdessen nehmen sie längere Fahrten in Kauf, um nicht auf Leichenteile auf ihren Tellern verzichten zu müssen. Unser Nachbar klagt, dass er so viel zu tun hat, jetzt, da die anderen Schlachter zu haben. Er kauft schon Maschinen, die er eigentlich nicht braucht, nur, um höhere Abschreibungen zu haben und so mehr Gewinn einbehalten zu können. Dieser Nachbar überbrachte uns also die traurige Nachricht. Eurer Kater liegt da tot auf der Straße. Kurz zuvor kam er mit dem Auto nach Hause. Wir haben den Verdacht, er hat Kalle angefahren. Es gibt keinen Beweis dafür. Wir begruben Kalle im nahe gelegenen Wald. Wenige Wochen später klingelte es wieder abends. Ein junges Pärchen stand mit

Kater Mikesch

In unsere Gegend haben insgesamt drei Schlachtereien geschlossen. Schön wäre, wenn die Stammkundschaft jetzt auf vegan umsteigt, machen sie aber nicht. Stattdessen nehmen sie längere Fahrten in Kauf.

hängenden Köpfen und Tränen in den Augen da. Sie hätten einen schwarzen Kater angefahren. Ob es unserer wäre. Er liegt tot am Straßenrand. Es war Nicki. Wir waren traurig, entsetzt und wütend. Auch ihn beerdigten wir im Wald. Was kann man tun? Mit uns leben noch die Kater Michel und Mikesch, und die Katzen Timmi und Isi. Wie können wir sie schützen? Bis auf Michel, der sich nicht ins Haus traut, behalten wir jetzt Timmi, Isi und Mikesch nachts im Haus. Tagsüber halten sie sich auch viel drinnen auf. Aber vor allem die junge Isi möchte immer wieder raus. Michel genießt nach wie vor die große Freiheit. Er lebt sein Leben komplett draußen. Mikesch, der uns bei unserem Einzug vor 11 Jahren als gestandener Kater zulief, zieht es jetzt im hohen Alter nur gelegentlich nach draußen. Genauso, wie Timmi. Die drei ha-

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Das Winterfell muss runter

Daisy hat das dichteste Winterfell

Max erledigt den Wechsel fast komplett ohne unsere Unterstützung. Wir dürfen ihn am Kopf, Hals und Mähne striegeln. Ein enormer Fortschritt, da er immer noch extrem scheu ist.

über das viele frische Gras, das nun im Frühjahr üppig wächst. Alle drei sind im Fellwechsel. Daisy hat von allen das dichteste Winterfell, sodass wir ihr die Ekzemerdecke regelmäßig zum Striegeln abnehmen müssen. Frippe hat bereits kein Winterfell mehr. Und Max erledigt den Wechsel fast komplett ohne unsere Unterstützung. Wir dürfen ihn am Kopf, Hals und Mähne striegeln. Ein enormer Fortschritt, da er immer noch extrem scheu ist.

ben also nur noch kleinere Freiheiten. So haben sie hoffentlich noch viele Jahre vor sich. Isi, die junge Katze aus dem Tierheim, erweist sich als erfolgreiche Jägerin. Immer wieder kommt sie mit Mäusen oder Vögeln zwischen den Zähnen an die Tür. Wir nehmen ihr die Beute ab, wenn sie noch lebt und setzen sie auf dem Feld wieder aus. Oft sind die Tiere schon tot. Das ist auch so ein Dilemma. Es gibt Halsbänder mit Glocken. Das birgt wiederrum die Gefahr einer Strangulation. Wer keine Katzen oder Kater hat, vermeidet derartige moralische Zwickmühlen. Mit den Ponys Daisy und Frippe und dem Esel Max stellt sich die Problematik nicht. Sie freuen sich

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Die Enten haben eine neue Folie für ihren Teich bekommen. Die alte Folie ist durch die scharfen Eisschollen aus dem letzten Winter löchrig geworden, so dass das Wasser bis auf wenige Zentimeter im Boden versickerte. Im Mai wurde die neue Folie ausgelegt. Jetzt können sie wieder ordentlich schwimmen und tauchen. Allen Tieren geht es soweit sehr gut. Nur bei Kater Mikesch macht sich das Alter bemerkbar. Er schläft tagsüber viel, möchte nur selten nach draußen und ist langsamer unterwegs. Wir hoffen, er hat noch Kraft für ein paar schöne Jahre. Wir hoffen auch, dass der Sommer nicht wieder so trocken wird, wie die letzten Jahre. Schon jetzt wer-


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Max

den immer wieder Brände gemeldet, die durch extreme Hitze entstanden. Vermutlich wird Heu und Stroh wieder teurer. Aus dem letzten Winter haben wir noch einen kleinen Vorrat. Der wird auch irgendwann aufgebraucht sein. Und auch wir werden die überteuerten Preise im Herbst zahlen müssen. Putins Krieg gegen die Ukraine treibt auch uns in die Verzweiflung. Schlimm ist die Ohnmacht, die wir empfinden, wenn wir von Massengräbern, verschleppten Frauen und Kindern, Vergewaltigungen, von toten Soldaten und Soldatinnen hören. Von den Demonstrantinnen und Demonstranten in Rußland, die gegen den Krieg aufstehen, verprügelt und verhaftet werden. Wenn wir davon lesen, dass unzählige Tiere in der Ukraine zurück-

gelassen werden, in den Wohnungen und Stallungen verhungern. Man muss aufpassen, dass man an all der Gewalt und dem Wahnsinn in der Welt nicht zerbricht. Wir sind sehr froh, unsere kleine, große Freiheit hier in Ostfriesland zu haben. Wir bedanken uns bei allen Patinnen und Paten, die das möglich machen. Kommt gut durch den Sommer! Wünschen Clarissa und Manuela und alle Zwei- und Vierbeiner vom Tierrechtshof Große Freiheit.

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Initiative Lebenstiere

Begegnungen und Denkanstöße

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anz lang streckt Lebenskuh Lieschen ihren Hals, damit Besucher Roland ihr das Winterfell heraus bürsten kann. Der Sommer naht und das ist nicht nur daran zu spüren, dass unsere Lebenstiere ihr Winterfell verlieren. Auf den Sommerweiden sprießen Wiesenkräuter und die Tiere machen Luftsprünge bevor sie ihre Nasen ins frische Grün stecken. Besucher Roland steht in einem Berg von Lieschens Locken. Lieschen wirkt entspannt und ihr Besucher trägt ein Lächeln im Gesicht. Der Sommer kann kommen! Während wir unsere Tiere auf den Weiden betrachten, schwingt immer auch Wehmut mit. Wie viele Tiere dürfen nie in ihrem Leben unter freiem Himmel grasen? Aktuell ist Milli bei uns eingezogen. Die elf Jahre alte Kuh stand ihr bisheriges Leben lang in einem dunklen Stall mit ganzjäh-

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Sachlich und fundiert erörterten die Beteiligten ihre Vorstellungen von einer Weiterentwicklung der Landwirtschaft. [...] So kamen wir über das Thema Tierrechte auch zum Klimaund Artenschutz sowie zu den Möglichkeiten auch etwas als Einzelperson verändern zu können, etwa über eine biovegane Lebensweise, Blühwiesen und Konsumverhalten.

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riger Anbindehaltung. Das ist noch immer erlaubt. Sie hat tagein tagaus nur immer die gleiche Wand angesehen. Sie weiß nicht, wie frisches Gras schmeckt, Sonnenlicht ist ihr noch unheimlich, Muskulatur ist kaum vorhanden. Sie wird Zeit brauchen, sich an all die Außenreize zu gewöhnen. Wir lassen sie selbst entscheiden, ob und wann sie raus geht oder sich im Stall aufhält. Momentan genießt sie es schon, sich überhaupt frei bewegen zu können. Milli gehört zu den wenigen, die wir aufnehmen konnten. Jede Woche müssen wir jedoch Anfragen für Tiere in Not absagen, damit wir unseren Schützlingen weiterhin gerecht werden können ohne uns zu übernehmen. Trotzdem möchten wir auch die nicht vergessen, die nicht bei uns leben. Doch wie bewegen wir Menschen dazu, nicht nur die Tiere wertzuschät-


Lebenshöfe & Projekte

Lesung mit Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz über Undercover-Recherchen

zen, die einen Namen haben, sondern auch all die anonymen Opfer in der Tierindustrie bei der eigenen Lebensweise zu berücksichtigen? Wir haben uns dazu entschieden, ins Gespräch zu gehen, um über unsere aufgenommenen Tiere hinaus Zusammenhänge herzustellen. So präsentierten wir zum „Tag der Erde“ auch wieder unseren Film „Lebenshöfe – Visionen für eine friedlichere Welt“, wo Lebenshofbetreibende zu Wort kommen. Außerdem luden wir Öko-Agrarmanagerin Anja Bonzheim, vom Förderkreis Biozyklisch Veganer Anbau e. V., Biolandwirt Oswald Henkel von der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft und unsere Lebenshofbetreiberin Marion Diekel von Stoppels Offenem Lebenshof zu einer Podiumsdiskussion auf unseren Biolebenshof Schlitzerland ein. Sachlich und fundiert erörterten die Beteiligten ihre Vorstellungen von einer Weiterentwicklung der Landwirtschaft. Landwirt Oswald Henkel hob die Bedeutung von Weidetieren für Grünland hervor, Anja Bonzheim warf

ein, dass es auch Vorteile habe, wenn Grasflächen wieder zu Wald werden und Marion Diekel führte aus, dass einiges notwendig sei, um Weiden in artenreiche Wiesen umzuwandeln. Nicht als Lebensmittel verwendbare Nebenprodukte vom Gemüseanbau könnten laut Oswald Henkel als Tierfutter genutzt, laut Anja Bonzheim aber durchaus wunderbar statt Tierdung als Düngemittel eingesetzt werden. So kamen wir über das Thema Tierrechte auch zum Klima- und Artenschutz sowie zu den Möglichkeiten auch etwas als Einzelperson verändern zu können, etwa über eine biovegane Lebensweise, Blühwiesen und Konsumverhalten.

alle Fragen der Gäste beantwortete. Ein wichtiger Beitrag ist es sicher auch, dass wir auf den Lebenshöfen, anderen Menschen die Geschichten, Charaktere und Einzelschicksale unserer Tierbotschafter und Tierbotschafterinnen näher bringen und damit Denkanstöße geben können. Wir danken auch Free Animal e. V. für das wertvolle Engagement, das unsere Arbeit ermöglicht und Veränderungsprozesse auf den Weg bringt. Julya Duenzl, Initiative Lebenstiere e. V. • Mehr zu uns und unseren Projekte gibt es auch auf www.lebenskuehe.de

Um Menschen die Vielfalt veganer Lebensmittel zu präsentieren, gab es im Mai auch wieder einen Veganen Brunch auf Stoppels Offenem Lebenshof. Mit dabei war auch Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz, der bei einer Lesung aus seinem Buch „Soko Tierschutz - Wie ich undercover gegen den Wahnsinn der Massentierhaltung kämpfe“ von den Abgründen der Tierausbeutung berichtete und geduldig

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Help!

Damit die anstehenden notwendigen Umbaumaßnahmen und Reparaturen gestemmt werden können, würden wir uns persönlich auch über Unterstützung freuen. Finanzielle Unterstützung, Baumaterialien und auch gerne ein Vor-Ort- Arbeitseinsatz helfen. Kontakt: freeanimal@gmx.de


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Ein liebes Hallo an alle Leser*innen, bei uns im Eldetal sind alle soweit gut durch den Winter gekommen. Verabschieden mussten wir uns leider von unserem alten Eber Elmo, er ist friedlich und, doch für uns überraschend, eingeschlafen. Er war eine Ikone, Familienoberhaupt, Freund, unglaublich freundlich, redegewandt, fair, souverän, von allen Schweinedamen geliebt und von den Jungs respektiert. Wir alle hatten eine schöne Zeit zusammen. Mögen wir uns Wiedersehen. Für alle anderen Eldetaler hat der Frühling und damit die Weidesaison begonnen. Unsere Rinder verbringen diesen Sommer erstmals auf unserer großen Sommerweide. Der Umzugstag war für alle ein aufregendes Erlebnis, sie sind schon lange nicht mehr umgezogen bzw gefahren worden. Das am Ende der kurzen Fahrt eine wunderschöne Wiese auf sie wartet können sie nicht wissen und dementsprechend war die Mitarbeit ihrerseits teilweise sehr bescheiden. Im Spätherbst kommen sie dann wieder zu uns an den Hof zurück. Bis dahin müssen am Hof noch ein paar Veränderungen, Reparaturen und Umbauten vorgenommen werden, damit alle eine entspannte Winterzeit verbringen können. Es wird ein arbeitsreicher Sommer werden, die Böden in den Ausläufen der Rinder müssen befestigt werden, um das Matschproblem im Winter nicht mehr zu haben. Die Ausläufe werden dann noch fest eingezäunt und dabei wird für unsere älteren Rinder und rangniederen Rinder gleich noch ein eigener separierter Bereich geschaffen, damit auch sie die Winterzeit entspannt verbringen können. Unsere Schafe und Lamas verbringen und genießen zusammen mit den sechs „ich-gehe-auf-gar-keinen-Fall-aufden-Hänger-Rindern“ den Sommer bei uns auf der Weide. Die drei Rettungsschafe aus dem letzten Herbst, sind mittlerweile voll in der Herde integriert und es hat sich herausgestellt, dass unter ihren Verwandtenn Haarschafe gewesen sein müssen, sie verlieren nämlich, wie unsere Kameruner, selber ihre Wolle. Seit Mitte Mai bereichern kleine Ziegenkinder unseren Hof. Wir haben sie von einem Milchziegenhof übernommen. Um nutzbare Milch zu erhalten, muss wie bei allen Lebewesen, eine Mutti ein Baby bekommen haben und auch hier sind am Ende die Babys, meist die männlichen, „übrig“. Unsere Kleinen sind alles Jungs und noch ganz klein, ca 6 Wochen alt. Noch sind sie etwas schüchtern und so ganz ohne Mutti sahen sie Anfangs ziemlich verloren aus. Aber langsam kommen sie an und werden munterer.

Unsere Ziegen sind nun erstmal auf der Suche nach Pat*innen, die sie vielleicht unterstützen und begleiten möchten. Aber nicht nur unsere Ziegen, sondern auch unsere Schafe, Lamas, Schweine und Rinder wurden sich über Unterstützung freuen. Viele von Ihnen haben keine Pat*innen. Wir, vom Lebenshof im Eldetal wünschen jedenfalls allen einen wunderschönen Sommer. Vielen lieben Dank Eure Eldetaler

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Valentino

Pferdeschutzhof Süthen Die Ohnmacht gegenüber denen, die in Versuchslaboren und Schlachthöfen ermordet werden, sowie die in Kriegsgebieten elendig krepierenden Mitlebewesen lässt mich oft verzweifeln. Umso wichtiger ist es, dem etwas entgegen zu setzen ... Liebe Unterstützer*innen, oh, wie krank ist diese Welt! Keine 90 Jahre ist es her, dass ein Irrer einen Weltkrieg anzettelte. Menschen führten seine Befehle aus, mordeten, zerstörten, vernichteten Alles und verbreiteten Hass. Nie wieder Krieg, Frieden für Mensch und Tier? Nein, was gerade in der Ukraine und auch anderswo passiert, zeigt deutlich, es ist nur ein schöner Traum. Frieden wünschen sich nicht nur die Menschen, sondern vor allem auch die Tiere. 38

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Die Ohnmacht gegenüber denen, die in Versuchslaboren und Schlachthöfen ermordet werden, sowie die in Kriegsgebieten elendig krepierenden und von Bomben getroffenen Mitlebewesen lässt mich oft verzweifeln. Umso wichtiger ist es, dem etwas entgegen zu setzen, mit unserem Lebensstil und Handeln. Es ist schön, dass ich dank eurer Unterstützung wenigstens einigen dieser Tiere den Horror der Ausbeutung ersparen kann! Den Winter über gab es leider Abschiede. Neben Karlotta‘s fortschreitender Lähmung wuchs ihr im Maul ein nicht operabler Tumor. Eines Morgens zeigte sie mir deutlich: „Ich mag nicht mehr!“ Sie durfte friedlich in meinen Armen einschlafen. Ludwig wurde über den Winter immer müder und schlief immer tiefer. Er kam nur noch kurz zum Essen raus und schlief sonst nur noch, dick im Stroh eingekuschelt. Irgendwann schlief er so fest, dass


Lebenshöfe & Projekte

Ludwig

Karlotta

Rosa

ich ihn immer wecken musste, wenn es Essen gab. Eines Nachts, Anfang Februar, ist er dann für immer eingeschlafen.

Michel hatte Ende März einen Hufabzess, der geöffnet werden musste; am nächsten Tag ging es ihm dann zum Glück gut.

Ich vermisse Karlotta und Ludwig beide ganz doll, bin aber auch froh, dass sie hier noch so viele glückliche Jahre hatten.

Rosa bekommt seit Mitte Mai eine individuelle Bachblütenmischung. Ich hoffe, ihr aggressives Verhalten gegenüber Eberhard damit sänftigen zu können, so dass die 3 Schweine dann friedlich zusammenleben können. Bisher sind Rosa und Josie noch durch einen Zaun von Eberhard getrennt.

Anfang März wieherte Valentino plötzlich ganz verzweifelt rufend. Ich eilte zu ihm. Er stand völlig orientierungslos auf der Weide, nahm nichts mehr wahr und konnte seinen Körper nicht mehr koordinieren. Ich habe so was noch nie gesehen; auch der herbei geeilte Tierarzt wusste nicht, was das ist: Nervenstörung im Hirn, epileptischer Anfall, Hirnblutung? Der Tierarzt behandelte die Symptome und nach 2 Stunden normalisierte sich Valentinos Zustand. Ein paar Tage wirkte er noch etwas müde, aber seitdem ist er wieder ganz „der Alte“. Bis heute wissen wir nicht, was da passiert ist; zurück bleibt die Angst, dass es wieder passieren könnte.

Ende Mai sind Sadie (30 J.) und Sarah (19 J.) bei mir eingezogen. Ihre Menschen konnten sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr um sie kümmern. Der Hof war verkauft worden, und die beiden musste dringend dort weg. Ich wäre die letzte Hoffnung, wurde mir gesagt, sonst müssten sie zum Schlachter. Eine lebenslange Patenschaft wurde von ihren Menschen übernommen. Liebe Grüße Mellie und die 4beinige Bande Free-Animal-Rundbrief Juli 2022

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Tierlebenshof

Hunsrück-Mosel Hallo Ihr Lieben, diesmal möchte ich mit den traurigen Nachrichten beginnen: Am 16.03.2022 verstarb Hündin Rubina. Rubina lebte seit Juli 2007 auf dem Tierlebenshof. Sie war ca. 1 Jahr alt, als sie zu uns kam. Mit Rubina verbindet mich eine besondere Geschichte und es fällt mir heute, nach 2 Monaten, noch schwer, dies hier zu schreiben… Am 20.04.2022 verstarb Kaninchen Nunschuk. Sie lebte seit Mai 2014 auf dem Tierlebenshof. Nunschuk ist an Altersschwäche gestorben, sie lag morgens tot im Stall. Sowas ist ein ziemlicher Schock. Ich gehe mit Futter in den Stall, rufe wie immer: „Guten Morgen Mümmels!“ und dann sowas. Aber so ist halt der Lauf der Dinge. Nunschuk hatte ein schönes und erfülltes Kaninchenleben mit ausreichend Platz und mit der Ruhe, die ein Kaninchen braucht. Außer zum regelmäßigen Wiegen und Krallen schneiden, wurde sie nicht bedrängt, sich hochheben oder herumtragen zu lassen. Am 14.03.2022 zogen 15 Hühner, 3 Hähne und 1 Truthahn auf den Hof. Schon immer hatten wir überlegt, ob wir nicht Hühner aufnehmen sollten, dies aber jedes Mal

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wieder verworfen. Ausreichend Platz war nicht vorhanden, ebenfalls nicht die Zeit, sich über die Bedürfnisse einer weiteren Spezies schlau zu machen. Und dann erfuhren wir von einer privaten Hühnerhaltung, die aufgegeben werden musste. Die Hühner wurden nicht versorgt, nachts die Türen nicht verschlossen, so dass einige vom Fuchs oder


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Marder gerissen wurden. Die noch vorhandenen Hühner sollten geschlachtet werden. „Nein“, haben wir gedacht. „Jetzt oder nie! Diese Hühner und das Truthahnpaar sollen weiterleben und zwar richtig richtig gut!“ Da immer weitere Hühner und das Truthahnweibchen vom Fuchs gerissen wurden, zogen sie zuerst für ein paar Tage in einen provisorischen Stall auf dem Tierlebenshof. Einer unserer Helfer baute in rasantem Tempo den früheren Stall von Harald und Waltraud fast komplett neu auf (Harald und Waltraud sind im Herbst in einen anderen Stall umgezogen). Das Dach wurde erneuert, Wände gestellt, Fenster eingesetzt, der Außenbereich rundum mit Draht gegen Fressfeinde gesichert und mit einem Netz bespannt. Mittlerweile hat Truthahn Elvis wieder eine Partnerin, die natürlich Priscilla heißt, und die Gruppe ist sichtlich zufrieden. Hahn Pavarotti sorgt für Ordnung bei seinen Damen und belästigt sie nicht allzu sehr. 2 Hähne mussten wir separieren, da sie den Hühnern ziemlich zugesetzt haben. 2 Hühner mussten sogar tierärztlich versorgt werden. Die beiden Hähne Caruso und Domingo leben nun in einem eigenen Stall direkt neben Harald und Waltraud. Tagsüber besuchen die beiden sehr gerne die Schweine und wir denken, dass sie sich an ein Leben ohne ihre Hühnerschar gewöhnt haben. Die Schafe sind geschoren. Sie sind sehr froh, dass sie ihre dicke Wolle bei den warmen Temperaturen nicht mehr mit sich herumschleppen müssen. Leider hat sich unsere Hoffnung, dass Lotti nur so pummelig ist, weil sie so viel Wolle hat, zerschlagen. Sie ist halt ein rundlicher Typ. Es ist schön zu sehen, dass sich Ludmilla und Hope, die wir von den Tierversuchsgegnern Saar e.V. übernommen haben, so gut in die Herde integriert haben. Die zierliche, verschmuste Hope kann sich sehr gut durchsetzen und verteidigt ihre Futterschüssel sogar gegen Herdenchefin Hanni. Das hat sich bisher noch keins der Schafe getraut. Die Kuhdamen Lisa und Maria sind auf der Weide, erwarten aber auch dort ihre tägliche Ration Möhren. Früher gab es die nur während der Stallzeit, auf der 3,5 ha großen Weide hatten sie genug mit frischem Gras. Aber im Alter werden sie anspruchsvoller. Morgens, wenn ich Wasser auffülle, kommen sie an und möchten ihre Möhren haben. Der Wunsch der Damen ist mir natürlich Befehl! Auch die Pferde verbringen fast den ganzen Tag auf der Weide. Ein kleines bisschen müssen wir die Zeit eingrenzen, da besonders Oskar und Balou zu Koliken neigen, wenn sie zu viel Gras essen. Aber das wird sich legen, sobald der Sommer richtig da ist und das Gras nicht mehr so viel Eiweiß und Fruktan enthält.

Was uns ein bisschen wundert ist die Tatsache, dass die Schweine nicht mehr nach draußen gehen möchten. Bei Betty, Miss Piggeldy und Johanna können wir es noch verstehen. Sie sind schon alt und liegen am liebsten im Stroh. Aber auch Klaus und Renate, die erst 5 Jahre alt sind, weigern sich strikt, auch nur einen Fuß nach draußen zu setzen. Es ist seltsam. Bei Harald und Waltraud ist tagsüber die Tür auf, sie können von ihrem Stall aus direkt auf die Wiese. Aber auch die beiden gehen nicht raus, allerhöchstens wird der Kopf mal aus der Tür gesteckt. So, das wars mal wieder aus Irmenach. Wir wünschen Euch bis zur nächsten La Vita eine gute Zeit! Ruth und alle Hofbewohner

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Free Animal e.V.

PROTOKOLL

Mitgliederversammlung 2022 für 2021 (online) Satzungsgemäß haben wir alle Mitglieder, Pat*innen (Fördermitglieder) und Spender*innen zur Mitgliederversammlung 2022 für das Jahr 2021 per online Abstimmung eingeladen. Die Umfrage, wie die MV stattfinden soll haben wir per Mail am 01.05.2022 verschickt. 40 Mitglieder haben sich zurück gemeldet, 34 sich einstimmig für eine online MV entschieden, 4 Enthaltungen und 2 Mitglieder wären für ein Treffen gewesen. Die Einladung wurde am 17.5.2022 per Post und Mail verschickt, Tätigkeits- und Kassenbericht mit geschickt. Folgende Tagesordnungspunkte standen zur Aussprache bzw. Abstimmung an: Feststellung der Beschlussfähigkeit Tätigkeitsbericht 2021 des Vorstandes Entlastung des Vorstandes Eingaben der Mitglieder

Top 1 Feststellung der Beschlussfähigkeit Die Beschlussfähigkeit bei Teilnahme von 15 Mitgliedern wurde festgestellt.. Top 2 und 3 Tätigkeitsbericht und Kassenbericht Es gab keine Einwendungen oder Rückfragen. Top 4 Der Vorstand wurde laut den Abstimmungsbögen mit 15 Stimmen und 3 Enthaltungen (Vorstand selbst) entlastet. Top 5 Eingaben der Mitglieder Weitere Eingaben wurden von den Mitgliedern/Fördermitgliedern nicht gemacht.

Hamburg, 31.5.2022 geschrieben: 1. Vors.

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La Vita

Free-Animal-Rundbrief Juli 2022



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