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Der Total Liberation Day 2017 soll zeigen, dass Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt universale Herrschaftsinstrumente sind und alle Bereiche des Lebens und der Gesellschaft treffen. Diskriminierung oder Ausbeutung einer Gruppe steht nicht für sich allein, sondern alle Formen und Ausprägungen bedingen und verstärken einander, auch wenn es auf den ersten Blick nicht sichtbar ist. Es ist unser Anliegen dies sichtbar zu machen, zu zeigen, dass Rassismus und Sexismus nicht ohne Speziesismus auskommen, dass Menschen mit Behinderungen, Minderjährige und nichtmenschliche Tiere durch die gleichen Zuschreibungen entmündigt werden, dass geflüchtete Menschen außerhalb binäre Geschlechtlichkeit besonders stark von Repression betroffen sind u.v.m. Beim Total Liberation Day wird auf die Zusammenhänge der einzelnen Befreiungsbewegungen aufmerksam gemacht umso das Gesamtbild zu schärfen und den gemeinsamen Kampf zu unterstreichen. Total Liberation Day ist ein Event auf privater Basis ohne kommerziellen Gedanken.


Editorial Liebe LeserInnen, als ich das erste Layout der La Vita 12 gesehen habe, dachte ich: Wow! Irgendwie wird sie immer besser. Wir schicken Text als Bleiwüste und Bilder zur Auswahl, daraus entsteht dann ein wirklich gelungener Rundbrief. Dafür ein großes Danke an vego-design in Dresden, ohne Andreas wäre dies nicht möglich. Die La Vita 12 ist ein Rückblick auf die letzten vier Monate, was so auf den Höfen und bei den Projekten passiert ist, traurige und schöne Nachrichten. Neue Hofbewohner_innen haben ein Zuhause gefunden, andere sind über die Regenbogenbrücke gegangen. Leben und Tod sind immer ganz nah beieinander auf den Höfen. Oft fragen wir uns, wie Menschen, die sich so einer Aufgabe widmen, das alles aushalten, woher sie immer wieder die Kraft finden, weiterzumachen. Wir haben sie gefragt, die Antwort: „Wir können uns kein anderes Leben vorstellen. Das Leben mit und für die Tiere, die Liebe, die sie zurückgeben, das Beobachten, wie schwer traumatisierte Lebewesen langsam Vertrauen in die Menschen zurückgewinnen und ihr „neues“ Leben anfangen entschädigt für alles.“ Diese Einstellung verdient unser aller Respekt, denn diese Menschen verzichten auf Urlaub, viele Annehmlichkeiten, Wochenendausflüge und vieles mehr; einen Feierabend kennen sie kaum. Umso trauriger, und nun zu den schlechten, bzw. ganz miesen Nachrichten, das diese Menschen und auch Free Animal e.V. innerhalb der Bewegung von Straßenfesten in Dortmund und Hamburg, deren Hauptveranstalter Ariwa ist, ausgeschlossen und mit mehr als fadenscheinigen Gründen ausgegrenzt werden. Wenn andere Organisationen, wie die tierbefreier e.V. OG Düsseldorf, sich solidarisch erklären, werden sie bestraft und dürfen auch nicht mehr kommen. Repression innerhalb der Tierrechtsbewegung! Das kann und darf nicht sein. Es ist an der Zeit, sich konstruktiv im Sinne unseres Zieles, auseinanderzusetzen, Konkurrenzdenken, Bestrafungsaktionen und Repression haben in der Bewegung nichts zu suchen und wir können nur hoffen, dass Ariwa sich dieser Auseinandersetzung stellt. „Die Taube als Ursprung der Liebe“, wieder ein sehr informativer Leitartikel von Farina Graßmann mit Hintergründen über die Stadttauben, diese wunderbaren Lebewesen, die heute gehasst, gequält, gejagt werden und vor lauter Hunger menschlichen Abfall essen müssen. Erfreulich ist, dass sich trotz hoher Bußgelder Menschen und Vereine wie die Hamburger Stadttauben oder Stadttauben Bochum darüber hinwegsetzen und diesen Tieren helfen. Ein herzliches Willkommen bei Free Animal e.V. für unsere neue 2. Vors. Clarissa Scherzer vom Tierrechtsverein Themis/Lebenshof Große Freiheit. Wir freuen uns sehr, dass sie uns neben dem Hof noch unterstützt und durch hoffentlich noch mehr Stände im Norden des Landes unsere und die Arbeit der Lebenshöfe an die Menschen bringen kann. Wir würden uns freuen, wenn sich hier und da Menschen finden, die dabei mithelfen wollen und uns an den Ständen unterstützen möchten oder eventuell eigene machen wollen. Interessante Lesestunden Free Animal e.V. Angelika Jones-Singh 1. Vorsitzende

Inhalt 3 Editorial 4 Tierrechtshof Große Freiheit 7 Katzenhilfe Lanzarote 8 Die Taube als Ursprung der Liebe 14 Lebenskühe: Miss Sophie 17 Happy Kuh: Ananda Jal 18 Tierlebenshof Hunsrück-Mosel 20 Lebenshof Stellichte 24 Vegane Ernährung auf dem Lebenshof Stellichte 26 Refugium für Tiere in Not 30 Pferdeschutzhof Süthen 33 Kafkas und Elsa 34 Endstation Hoffnung 38 Free Animal unterwegs 40 VSD in Dortmund: Solidarität ein Fremdwort 42 Nachruf: Rudi 43 Protokoll der Mitgliederversammlung

Impressum Herausgeber: Free Animal e. V. Postfach 111303 20413 Hamburg freeanimal@gmx.de www.freeanimal.de Redaktion: V.i.S.d.P.: Angelika Jones-Singh Farina Graßmann, Clarissa Scherzer Fotos: Free Animal e. V. Gestaltung: www.andreas-stratmann.de


Lebenshöfe & Projekte

Freiheit – und Karotten für alle! Aktuelles vom Tierrechtshof Große Freiheit und Themis Tierrechtsverein e.V.

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La Vita

Free-Animal-Rundbrief August 2017


Lebenshöfe & Projekte

I

n den letzten Monaten hat sich auf unserem Tierrechtshof Große Freiheit und bezüglich unseres Vereins einiges getan. Nachdem wir uns in den ersten Jahren nach unserem Umzug hauptsächlich auf die Hofarbeit konzentrierten, haben wir nun wieder Zeit, uns nach außen hin zu präsentieren. Im Juli hatten wir unseren ersten Infotisch in Leer. Wir waren gut vorbereitet und bekamen tatkräftige Unterstützung von Veganer_innen, die wir kürzlich über einen Stammtisch kennen gelernt haben. Neben Flyern, Zeitschriften, Aufklebern, Taschen und Broschüren gab es veganes Essen. Das Wetter war gut. Die Ostfries_innen waren jedoch zurückhaltend. Nur wenige kamen direkt an unseren Infotisch. Es gab kaum Diskussionen. Viele beäugten uns aus sicherer Entfernung. Frustrierend. Andererseits auch ermutigend, da wir innerhalb kurzer Zeit Kontakte zu Veganer_innen aufbauen konnten. Treffpunkt ist der vegane Laden Veggiemaid in Oldenburg. Hier tauschen wir uns aus und können zukünftige Aktionen planen. Für uns ein echter Lichtblick, bedenkt man unsere Lage vor Ort: Unser direkter Nachbar ist Schlachter. Zwei Häuser weiter werden im Garten über dreißig Ferkel gemästet. Jeden Tag hören wir ihr Quieken und ihre Schreie. Davor waren es Kälber für die Mast. Die Schreie der Mütter, denen ihre Kinder gestohlen wurden, hallen noch in unseren Ohren. Dann die Jäger, die regelmäßig an unseren Weiden vorbei Richtung Wald fahren, um Füchse und Rehe zu ermorden. Doch zurück zum Positiven: Wir haben Nachwuchs. Ein Küken, das nach dem Schlüpfen halb tot im Stall lag. Wir nahmen es auf. Zunächst lebte Küki bei uns im Haus, dann zog es ins Gewächshaus. Mittlerweile ist Küki ordentlich gewachsen und möchte allem Anschein nach ein Hahn werden. Wenn es groß genug ist, wird es zu den anderen Hühnern ziehen. Dann kam Nicolaus zu uns, ein ca. zwei Wochen junges Katzenbaby. Es wurde ohne Mama und Geschwister aufgefunden. Unsere Straßenhündin Lissy adoptierte Nicolaus kurzerhand. Sie ist eine tolle Mama. Sie säugt (ohne Milch), putzt und behütet ihr Baby. Sie sind unzertrennlich. Nicht nur für Nicolaus ist das ein großes Glück. So viel Wärme und Geborgenheit wie Lissy können wir ihm nicht geben. Auch Cookie kam zu uns; ein junges Kaninchen, das bereits durch mehrere Hände ging. Leider kann Cookie nicht mit anderen Kaninchen zu-

Daisy

Vegan in Oldenburg: Das Veggiemaid

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Lebenshöfe & Projekte

Ebbi

Cooki

sammen leben, da es Träger eines Virus ist, der nervöse Störungen verursacht. Ein Symptom ist die Schräghaltung des Kopfes. Cookie geht es trotz allem gut. Unsere Hühner aus der Januarrettung von RDH haben sich sehr gut entwickelt. Die braunen Hühner sind kräftig und eigensinnig geworden. Allen voran Frau Lotte, die an den ersten Tagen nach ihrer Rettung keine Nahrung zu sich nehmen wollte und still in einer Ecke saß. Den Ziegen, Ponys und dem Esel Max geht es gut. Die Ziegen sind nach wie vor tagsüber gerne außerhalb der Weide. Wenn die Nachbarweiden gedüngt werden, was zwei bis drei Mal im Jahr passiert, schätzen sie ihre eigene Weide jedoch sehr und bleiben für einige Wochen innerhalb des Zauns. Das Fohlen Frippe bekam im Frühjahr seine erste Ekzemerdecke. Mama Daisy hat ihm das Sommerekzem leider vererbt. Allerdings mag er sie nicht. Wir mussten die Decke schon mehrfach und großflächig nähen. Zwischendurch läuft Frippe auch ohne Decke. Dann bekommt er morgens und abends eine spezielle Ekzemersalbe. Ansonsten sind alle Hofbewohner_innen gesund und genießen den Sommer. Wir sind gespannt, was die nächsten Monate bezüglich Aktionen und Veranstaltungen bringen werden.

Lissy und Nicolaus

Max

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Lotte

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Vielen Dank an alle, die uns in unserer Arbeit unterstützen! Wir wünschen einen entspannten Restsommer. Grüße vom Tierrechtshof Große Freiheit. Clarissa Scherzer Manuela Scherzer-Brosch tierrechtshof_grossefreiheit@hotmail.com


H

Katzenhilfe Lanzarote

allo liebe Freund_innen, wie leider jedes Jahr, werden wir auch im Moment wieder voll geschüttet mit Katzenbabys. Dabei werden die Babys immer jünger, die uns erreichen. Es ist nun schon ein paar Mal vorgekommen, dass diese Kleinen gerade geboren worden sein müssen, als man sie ihren Müttern wegnahm. Die Chance, dass diese Babys überleben werden, ist leider sehr gering. Und die Mütter leiden nun unter der vielen Milch, was zu Schmerzen und Entzündungen führt. Und niemand kümmert sich! Wir haben nun überlegt, uns einen Inkubator anzuschaffen. Bis jetzt arbeiten wir mit Wärmedecken und Rotlichtlampen. Aber trotz allem wird es immer ein Glücksspiel sein, solch kleine Wesen groß zu kriegen. Und leider hat man nicht immer eine andere Katzenmama da, die die Winzlinge mitversorgen könnte. 

Immer wieder stellt man uns Kätzchen vor die Tür, ohne auf sich aufmerksam zu machen. So standen zuletzt vier Neugeborene in einem Karton vor der Tür, in der Sonne! Leider   war ich nicht zu Hause und als ich die Babys fand, waren zwei schon tot. Die anderen beiden sind noch in derselben Stunde gestorben. Das macht wütend. Im Moment kümmern wir uns um 25 Babys. Sie sind soweit stabil und werden wohl alle überleben. Aber auch für sie müssen wir dann wieder geeigenete Familien suchen, was leider immer schwieriger wird.  Deshalb gibt es eigentlich nichts Wichtigeres als Katzen kastrieren zu lassen! Nur so kann man viel Elend verhindern. Wir fangen auch immer wieder Katzen ein und lassen sie kastrieren. Lieben Dank an Free Animal, dass sie uns dabei unterstützen.  Viele Grüße Sigrid 

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Free-Animal-Rundbrief März 2017


Die Taube als Ursprung der Liebe

Wenn die Tauben nicht gewesen wären, hätte die personifizierte Liebe wohl nie das Licht der Welt entdeckt. Zumindest wenn es nach der von Hyginus verfassten Genealogiae geht. In der Genealogiae tragen Fische ein Ei ans Ufer, wo es von Tauben ausgebrütet wird. Aus dem Ei entsteigt Aphrodite, die griechische Göttin der Liebe und Schönheit. Von da an wird sie in der griechischen Mythologie in Begleitung von Tauben dargestellt. Die griechische Mythologie bildet den Anfang einer bis heute andauernden Beziehung zwischen Mensch und Taube.

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iele Jahrhunderte später – im Jahr 1949 - wurde die Taube zum Symbol der Friedensbewegung. Seitdem die Taubenbilder des spanischen Malers Pablo Picasso die Plakate des Pariser Weltfriedenskongresses zierten, erlangte die ‚Friedenstaube’ weltweite Anerkennung. Ironischerweise wurden Tauben zeitgleich im Krieg genutzt. Ihr Orientierungssinn verdammte sie dazu, als Boten über die Fronten hinweg zu fliegen. Als „selbstreproduzierende Kleinflugkörper auf biologischer Basis mit festprogrammierter automatischer Rückkehr aus beliebigen Richtungen“1 wurden die Tauben vom Schweizer Militär bezeichnet. Die Bezeichnung bringt die ganze Instrumentalisierung zum Vorschein. Im Jahr 1995 wurden die Tauben im Zuge einer Armeereform ‚abgeschafft’ – eine Entscheidung, die von der Schweizer Taubenzüchterlobby nicht hingenommen wurde. Die Beteiligung der Tauben-

züchter am militärischen Programm solle nicht umsonst gewesen sein. So einigte man sich auf eine „zweckmäßig private Lösung“ – die Tauben wurden vom militärischen zum wissenschaftlichen Objekt und dienten zukünftig dem „gegenseitigen Wissensaustausch“ zwischen Brieftaubenzüchtern und Forschern.

Die Folgen der Brieftaubenzucht Die Zucht von Tauben zur ‚sportlichen’ Nutzung fand ihren Anfang in Deutschland im Jahr 1834. Gefördert durch den Auftrag des Preußischen Kriegsministeriums „die Brieftaubenzucht in Preußen für das Militärwesen nutzbar zu machen“2 wuchs der 1883 gegründete „Verband Deutscher BrieftaubenliebhaberVereine“. Rund 200.000 Tauben standen 1916 in Deutschland in fahrbaren Taubenschlägen bereit, um im Ersten Weltkrieg militärisch genutzt zu werden.

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Die Taube als Ursprung der Liebe

Noch heute werden Brieftauben gezüchtet. Das oberste Ziel heißt Leistung. Hunderte Kilometer müssen die Tauben fliegen und werden dabei an die Grenzen ihres körperlichen Wohlbefindens gebracht – und darüber hinaus. Während der Wettkämpfe, in denen Tauben auf eine bis zu 1.000 km lange Reise geschickt werden, verirren sich immer wieder Tauben oder sind zu erschöpft, um weiterzufliegen. An dieser Stelle beginnt die Arbeit von Vereinen, die sich für verletzte, erschöpfte oder flugunfähige Tauben einsetzen. Der Verein Stadttauben Bochum e.V. hat mir exemplarisch einen Einblick in die Arbeit mit Stadttauben gewährt. Die Aufgaben reichen von der Versorgung verletzter oder flugunfähiger Tauben, über die Säuberung von Taubenschlägen und den Austausch von Eiern, bis zur Informierung der Bevölkerung. Von den durchschnittlich 8 hilfsbedürftigen Tauben,

die jede Woche zu den Stadttauben Bochum e.V. gebracht werden, sind 3-4 Tauben aus Brieftaubenzuchten. Die Taubenzüchter zeigen selten Interesse daran, verletzte Tauben wieder bei sich aufzunehmen – zu hoch sind die Kosten, zu gering die Leistung. Brieftauben, die sich auf ihrem Weg verirren, finden häufig als ‚Stadttauben’ ein neues Zuhause im urbanen Raum. Die Stadttauben stammen von der in Eurasien und Afrika lebenden Felsentaube ab. Während jahrhundertelanger Domestizierung, Züchtung und Verwilderung hat sich die Taube über die gesamte Welt verbreitet – mit Ausnahme der Arktis und Antarktis.

Das Erbe der Zucht Anders als die Felsentaube brütet die Stadttaube nicht zwei Mal, sondern bis zu acht Mal im Jahr –

Tauben auf den Lebenshöfen Auf den Lebenshöfen trifft man nicht nur Kühe, Hühner und Schweine, sondern manchmal auch Tauben. So auch auf dem Lebenshof „Tierschutzgemeinschaft Stellichte e.V.“ Im Laufe der Jahre fanden hier immer wieder verletzte oder entkräftete Tauben Hilfe. „Das sind Tauben, die aus der Stadt kamen, verletzt oder körperlich beeinträchtigt sind, oder solche, die als ‚Sport’tauben missbraucht wurden und völlig entkräftet irgendwo saßen und sich haben einfangen lassen“, berichtet Manuela vom Lebenshof.


Die Taube als Ursprung der Liebe

das Erbe ihrer Zucht. Das, was hier so beiläufig als ‚Erbe’ bezeichnet wird, ist für die Taube andauernder Stress. Der angezüchtete Brutzwang verschwindet niemals – weder bei schlechten Witterungsbedingungen, noch bei einem Mangel an Brutplätzen und Nahrung. Das häufig angeführte ‚Argument’ von Taubengegnern, dass die Fütterung von Tauben zu Bestandsexplosionen führe, lässt sich damit ins Land der Mythen verabschieden. Ein Fütterungsverbot bewirkt somit weder einen Rückgang der Population, noch eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Stadttauben.

Die Folgen eines Fütterungsverbots Tauben haben einen sehr hohen Energie- und somit Nahrungsbedarf. Dieser gründet sich neben dem angesprochenen ‚Brutzwang’ in ihrer hohen Körpertemperatur von etwa 42° C. Sorgen wir als Menschen dafür, dass sich das Nahrungsangebot für Tauben verkleinert, folgt daraus nicht, dass weniger gebrütet wird. Die Fähigkeit dies zu beeinflussen wurde der Taube weggezüchtet. Die Folge einer Verknappung des Nahrungsangebots ist vielmehr, dass Tauben auf immer schlechtere Nahrungsquellen zurückgreifen (müssen). Diese machen sie oft krank. Zudem füttern viele Menschen die Tauben mit Brot – unwissend, dass sie darauf mit Unverträglichkeit reagieren. Was die Wenigsten wissen: Taubenkot ist bei gesunden Tauben trocken und nicht störender als der Kot von anderen Vögeln auch. Erst bei falscher Ernährung bekommen die Tauben Durchfall, der an den Gebäudefassaden oder Autos kleben bleibt. Unabhängig von der Konsistenz verursacht Taubenkot übrigens keine Schäden an der Gebäudesubstanz - im Gegensatz zu den Schadstoffen in der Luft. Angesichts des Platzmangels, der in den überzüchteten Populationen herrscht, lassen sich die Tauben zur Brut an schier unmöglichen Plätzen in der Stadt nieder. Deswegen sind sich die Stadttauben Bochum e.V. sicher: „Nur Füttern ist keine Lösung“. Gleichzeitig soll im Rahmen des ‚Augsburger Modells’ für Taubenschläge gesorgt werden. Die Betreuung der Taubenschläge ermöglicht neben der Versorgung mit gesunder Nahrung auch eine medizinische Versorgung und eine Kontrolle des Taubenbestands.

Zum Glück der Tauben findet angelehnt an das ‚Augsburger Modell’ langsam ein tierfreundlicher Umgang mit den Tauben Einzug in die Städte. (K)eine Pille für die Taube Um die Fortpflanzungsrate der Stadttauben in einer Weise zu regulieren, die sowohl für die Taubenpopulation als auch für das Individuum gesund ist, kamen in der Vergangenheit verschiedene Methoden zur Anwendung. Ein Fütterungsverbot ist sowohl moralisch falsch als auch ungeeignet, um die Fortpflanzungrate zu verringern. Ähnlich verhält es sich mit dem Töten oder Fangen von Tauben. Der Leipziger Biologe Dr. Günther Vater beschreibt die biologische Unwirksamkeit dieser Methode: „Populationsverluste (…) werden mit der Gegenwirkung höherer Fruchtbarkeit und Vermehrung so beantwortet, dass der Ausgangszustand bald wiederhergestellt ist.“3

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Um die Taubenpopulation langfristig niedrig zu halten, kommt das Gespräch immer wieder auf die hormonelle Verhütung in Form einer ‚Taubenpille’. Was in der Theorie einfach klingt, hat in der Praxis kaum Erfolgschancen. Die Wirkung ist lediglich von begrenzter Dauer und die Dosierung ein unlösbares Problem. Bei den Mahlzeiten setzen sich stärkere Tauben durch und laufen Gefahr zu viel der ‚Taubenpille’ zu essen oder sich schlimmstenfalls zu vergiften. Für schwächere Tauben bleibt dann nicht genug übrig und die Verhütung verliert ihre Wirkung. Darüber hinaus können eine Belastung der Gewässer mit Hormonen und negative Auswirkungen auf Beutegreifer nicht ausgeschlossen werden. Bei den Stadttauben Bochum e.V. hat sich der Austausch der Taubeneier durch Gipseier bewährt. Dadurch wird die Taubenpopulation allmählich verkleinert und die Voraussetzung geschaffen, für das Wohlergehen jeder Taube sorgen zu können.

Mahlzeit! Um Tauben eine gesunde Mahlzeit bereitzustellen, braucht es nicht viel:

• Mais … enthält viele Kohlenhydrate und ist somit Energielieferant für die Aufrechterhaltung der hohen Körpertemperatur.

• Weizen … ist leicht verdaulicht und beinhaltet lebenswichtige Aminosäuren.

• Erbsen … bieten den Tauben reichlich Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe.

• Sonnenblumenkerne (geschält) … verfügen über einen hohen Anteil an Fett, Eiweiß, Mineralstoffen und Aminosäuren. Wie so oft, gilt auch hier die Regel: Die Mischung macht’s! Eine einseitige Ernährung führt – wie bei uns Menschen – häufig zu Mangelerscheinungen. Mais, Weizen, Erbsen und Sonnenblumenkerne bieten gemeinsam die Inhaltsstoffe, die eine Taube im Rahmen einer gesunden Ernährung braucht.

Die Zukunft der Stadttauben Obwohl die Menschen die Existenz der Stadttauben selbst verursacht haben, werden sie heute als ungewollte Gäste wahrgenommen. Mit allen Mitteln versucht man sie aus ihrem einzigen Lebensraum – der Stadt – zu vertreiben. Zum Glück der Tauben findet angelehnt an das ‚Augsburger Modell’ langsam ein tierfreundlicher Umgang mit den Tauben Einzug in die Städte. Die Stadttauben Bochum e.V. leisten dafür einen wichtigen Beitrag. Auf meine Frage an die ehrenamtlichen Helfer, was sie motiviert, sich für die Tauben einzusetzen, kam die Antwort: „Es ist mein Beitrag zum Frieden zwischen Natur, Tier und Mensch. Schließlich steht die Taube für Frieden und Hoffnung.“

Bei den Stadttauben Bochum e.V. ist jede helfende Hand willkommen. Wer Informationen oder den Kontakt sucht, wird hier fündig: www.stadttauben-bochum.de info@stadttauben-bochum.de

www.welt.de/print-welt/article650105/Schweizer-Armee-mustert-ihreBrieftauben-aus.html Bauer, Felix, in: Die Welt, 06.07.1996. www. web.brieftaube.de/verband/taubensport-geschichte.html www.tierrechte.de/themen/stadttauben/verheerendes-urteil

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M

iss Sophie hebt den Kopf. Sie atmet ganz tief ein. Alle neuen Gerüche und jedes neue Geräusch saugt sie förmlich in sich auf. 16 Jahre kannte sie nur den immer gleichen Ablauf. Sie stand angekettet in einem dunklen Stall voller Mist. Die letzten zwei Jahre verbrachte sie dort zudem völlig allein.

Miss Sophie hatte Glück. Eine engagierte Amtstierärztin setzte sich für sie ein. Sie war nicht nur angekettet sondern isoliert. Noch immer ist die ganzjährige Anbindehaltung bei Rindern erlaubt. Die wirtschaftlichen Interessen der Landwirte genießen eine höhere Priorität als die Bedürfnisse der jeweiligen Tiere. Deutschlandweit fristet jede vierte „Milchkuh“ ein Leben an der Kette. Das sind rund eine Million Tiere. Miss Sophie war eine von ihnen. Ihr war es all die Jahre kaum möglich, sich zu kratzen, geschweige denn ihren Bewegungsdrang auszuleben oder ein soziales Miteinander zu genießen. Einen Gesetzesentwurf, in dem die Anbindehaltung mit einer Frist von zwölf Jahren verboten werden sollte, hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft wieder gekippt. Miss Sophie hatte Glück. Eine engagierte Amtstierärztin setzte sich für sie ein. Sie war nicht nur angekettet sondern isoliert. Zudem wäre es bei den Gegebenheiten vor Ort problemlos möglich gewesen, sie frei im Stall laufen zu lassen. Es gab weder wirtschaftliche noch andere Gründe, die diese Form der Haltung bei dieser Kuh vor dem Gesetz hätten rechtfertigen können. 16 Jahre lebte sie dort. Das sind rund 140.000 Stunden.

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Die Klauen bei der Ankunft von Miss Sophie


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Miss Sophie stand tief im Mist und war in einem erbärmlichen Zustand. Sie war von Parasiten geplagt, hatte Geschwüre, viel zu lange Klauen und offene Stellen. An der Wand, neben der sie stand, hatte sie sich bis auf die Haut blutig geschürft. Der Juckreiz durch die Parasiten muss fürchterlich gewesen sein. Doch der Landwirt ließ sich auf keinerlei Gesprächsangebote ein. Das Veterinäramt entschied sich für eine Beschlagnahmung der Kuh. Normalerweise wäre sie daraufhin direkt zum Schlachter gebracht worden, ohne auch nur einmal in ihrem Leben eine Weide gesehen zu haben. Doch die Amtstierärztin nahm mehr Aufwand in Kauf. Sie kontaktierte uns, um dieser Kuh noch ein schönes Leben zu ermöglichen.

Wie kann es möglich sein, ein Tier so viele Jahre anzuketten und zu vernachlässigen. Vier Wochen dauerte es, bis wir alle Parasiten los waren.

Patenschaft Wer sich für eine Patenschaft interessiert oder die Geschichten rund um unsere Lebenskühe mitverfolgen möchte, bekommt in der La Vita sowie auf der Webseite www.lebenskuehe.de und der gleichnamigen Facebookseite immer aktuelle Informationen.

Anfang Juni zog sie bei uns ein. Noch am gleiche Tag bekam sie eine Pediküre durch den Klauenpfleger. Dann ging sie die ersten Schritte Richtung Freiheit. Sie hob den Kopf, sah sich um und staunte. Sie schien völlig fassungslos darüber, was es alles zu sehen gibt. Jahrelang hatte sie nur gegen eine Wand gucken müssen. Nun hatte sie einen eigenen Stall mit Auslauf. In kleinen Portionen nahm sie die neuen Eindrücke auf. Dann ging sie in den Stall, um all das zu verabeiten. Sie genoss jede Streicheleinheit und jeden Bürstenstrich. Auch bei uns machte sich immer wieder aufs Neue Fassungslosigkeit breit. Wie kann es möglich sein, ein Tier so viele Jahre anzuketten und zu vernachlässigen. Vier Wochen dauerte es, bis wir alle Parasiten los waren.

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Dann war es endlich soweit! Miss Sophies großer Tag war da! Endlich können wir ihr das geben, was wir ihr von ganzem Herzen gewünscht haben und was jedes Lebewesen verdient. Ein selbstbestimmtes Leben in einer Herde draußen auf der Weide. Miss Sophie setzte ihre Füße auf den Wiesenboden und schaute sich um. Unsere Kälber Nelson, Noelle und Eefje sprangen aufgeregt um sie herum. Dann war die Kuhdame nicht mehr zu halten. Sie lief los! Quer über die Weide lief sie. Dann verharrte sie, sog die Luft ein und schaute sich um. Bäume, Sträucher, Gras und Kälber unter freiem Himmel – so viel gab es zu entdecken! Immer wieder näherte sie sich neugierig

Videos Wer sich ein Bild über den schlechten Zustand von MIss Sophie und ihre neues Leben machen möchte, findet auf der YouTube-Seite der Initiative Lebenskühe mehere Videos: http://bit.ly/2xkMETV

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unseren Kleinen, stupste sie an und schreckte auf, wenn sie lossprangen. Neugierig beobachte sie, wie die Anderen an den grünen Halmen rupften. Das probierte sie auch. Erst einen Bissen. Dann zwei. Dann eilte sie zum Baum inmitten der Weide und rieb sich einmal ausgiebig an der rauhen Rinde. 16 Jahre konnte sie sich nicht von ihrer kurzen Kette wegbewegen. Nun beginnt sie alles auszukosten, was so ein würdiges Kuhleben zu bieten hat. Wir freuen uns so sehr mit ihr! Miss Sophie hat jetzt das Glück, all das zu erleben, was so vielen Anderen in den Nutzbetrieben für immer verwehrt bleibt. Wir danken „Free Animal e. V.“ für ihren unermüdlichen Einsatz und die Übernahme einer Patenschaft für die Kuhdame. Patenschaften ermöglichen uns, die Versorgungskosten unserer Schützlinge zu schultern, um ihnen ein Leben in Würde bieten zu können. Wer sich für eine Patenschaft interessiert oder die Geschichten rund um unsere Lebenskühe mitverfolgen möchte, bekommt in der La Vita sowie auf der Webseite www.lebenskuehe.de und der gleichnamigen Facebookseite immer aktuelle Informationen.


Happy Kuh Ananda Jal Am 8.7. war es endlich soweit und die „Herde der Großen“ konnte auf ihre Sommerweide. Da wir zum Umtrieb immer Hilfe brauchen, die meistens nur am Wochenende kann und wir die vergangenen Wochenenden auf vielen Märkten und Messen unterwegs waren, war der Umtrieb etwas später als sonst. Aber es war wieder mal ein tolles Erlebnis. Alles ging gut und die Tiere sind nach nur wenigen

Minuten auf der knapp 2 km entfernten Weide angekommen, wo sie nun bis Mitte/Ende Oktober bleiben werden, je nach Wetter. Wenn es trocken ist länger, wenn es feucht ist geht es früher zur Winterweide zurück. Auch der Patenochse von Free Animal hat sich beim Umtrieb gut benommen und ist brav den Weg durch den Wald gerannt. Das ist ja nicht immer so, denn der liebe Herr Ananda

Jal, kann ja locker mal so über den Weidezaun springen und hat dann auch schon Mal einen Abstecher zur Herde der Mamas gemacht. Das hat immer für etwas Chaos gesorgt; aber wie gesagt diesmal ging alles super.   Danke an alle, die für Ananda Jal spenden und uns helfen ihm ein gutes Leben zu schenken.  Happy Kuh Juli 2017

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Tierlebenshof

Hunsrück-Mosel

Lenny

Anton, ein neuer Mitbewohner auf dem Tierlebenshof

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iebe PatInnen, nun sind wir mittendrin im Sommer, die Menschen freuen sich über Ferien, Urlaub und Sommerhitze. Für die Tiere ist das Wetter teilweise sehr belastend: Kühe und Pferde stehen bei großer Wärme im Stall, da sie nicht nur unter der Hitze leiden, sondern auch von Fliegen und Bremsen belästigt werden. Für die Schweine ist heißes Wetter immer schwierig, gerade die älteren Schweine Betty und Katie haben dann mit Kreislaufbeschwerden zu kämpfen. Die Gänse und Enten haben viele Bäume und Sträucher in ihrem Auslauf, so dass sich immer ein schattiges Plätzchen findet. Den Teich meiden sie allerdings im Hochsommer, wahrscheinlich heizt sich das Wasser zu sehr auf …

Für Picasso haben wir einen Hufbeschlagsstand bauen lassen. Wir bedanken uns an dieser Stelle nochmals bei Free Animal e.V., die 500 € zu den Kosten beigetragen haben. Picasso hat als junges Pferd wahrscheinlich nicht gelernt, die Füße zu heben. Sobald wir versuchten, ein

Jule 18

In der letzten Ausgabe haben wir davon berichtet, dass Jule ihren 3. Schlaganfall erlitten hat. Glücklicherweise hat sie sich wieder erholt, mitunter ist sie ein bisschen verwirrt und nervös. Laut Tierarzt sind das Langzeitfolgen und werden wohl auch nicht mehr weggehen. Auch Lenny ist trotz seiner 17 Jahre noch recht fit. Wir waren so froh, dass die Geschwulst am Po (wir berichteten ebenfalls in der letzten Ausgabe) wieder zugeheilt ist. Das Laufen fällt Lenny schwer, sehen und hören tut er nicht mehr viel, aber seine Nase funktioniert noch bestens. Er ist sofort dabei, wenn es etwas zu essen gibt. Leider gibt es auch traurige Nachrichten: am 24.05.2017 mussten wir Balou im Alter von ca. 13-14 Jahren gehen lassen. Tags zuvor war er noch munter und lief herum. Nachmittags fiel er um und kam nicht mehr selbstständig auf die Beine. Wir haben ihm geholfen und ihn in sein Körbchen gebracht. Balou hat noch einmal getrunken und fiel in eine Art Dämmerschlaf, aus dem er auch am nächsten Morgen nicht mehr erwachte. Die Tierärztin kam zu uns und meinte, dass Balou in einem Vorkoma sei und nicht mehr wach werden würde. Schweren Herzens mussten wir ihn einschläfern lassen. Balou lebte seit über 10 Jahren auf dem Tierlebenshof und hat eine große Lücke hinterlassen.

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Lebenshöfe & Projekte

Bein anzuheben, hat er getreten. Bei seinem Gewicht und seiner Kraft ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen. Unserem Huforthopäden war es nicht zuzumuten, die Hufe zu bearbeiten. Also musste ein Beschlagsstand her. Diese gibt es allerdings nicht einfach so zu kaufen. Wir fuhren 250 km weit zu einem Hufschmied für Kaltblüter, haben seinen Stand abgemessen und fotografiert. Eine Schlosserei in Traben-Trarbach baute nach diesen Angaben einen super tollen Stand. Picasso übt nun eifrig jeden Tag. Ohne Probleme geht er in den Stand, so als würde er das kennen. Die Vorderhufe gibt er – natürlich mit Leckerlis als Belohnung – schon ganz gut, hinten will es noch nicht so richtig klappen. Da Picasso aber ein sehr kluges und vor allen Dingen sehr verfressenes Pferd ist, sind wir guter Hoffnung, dass wir auch das mit Hilfe von vielen Leckerlis bald hinbekommen. Am 17.06.2017 zog Hund Anton auf dem Tierlebenshof ein. Wie oft habe ich schon gesagt, dass wir keine weiteren Tiere mehr aufnehmen, aber nun gut … Anton kommt aus Zenica/Bosnien. Seine Geschichte ist mehr als traurig: Anfang 2012 wurden in einem Dorf in Bosnien sämtliche Hunde von Jägern erschossen. Anton und ein weiterer Welpe überlebten, wurden von Tierschützer_innen in die damals noch sichere Stadt Zenica gebracht und aufgepäppelt. Anton lebte seitdem auf den Straßen von Zenica. Eine Gruppe von Tierschützer_innen kümmert sich dort um die Straßenhunde, versorgt sie mit Futter und lässt sie bei Bedarf tierärztlich behandeln. Seit letztem Jahr ist ein neuer Bürgermeister im Amt. Dieser ließ ein großes Shelter bauen, Straßenhunde wurden eingefangen und eingesperrt. Tierschützer_innen haben zu diesem Shelter keinen Zutritt. Andere Hunde ließ er aufs Land fahren, wo bereits Jäger darauf warteten, die Hunde zu erschießen. Wir beschlossen also, noch einen Hund von dort zu retten. Wenn wir auch leider nicht allen helfen können, so ist es doch wieder ein Leben. Anton ist ein lieber und problemloser Hund. Er verträgt sich mit allen anderen Hunden und ist jedem Menschen gegenüber freundlich. Es kommt uns schon so vor, als wenn er ewig auf dem Tierlebenshof wäre.

Picasso im neuen Hufbeschlagsstand

Tagtäglich werden wir mit endlosem Leid, schockierenden Bildern und Berichten konfrontiert. Es ist kaum auszuhalten, dass wir nicht jedem Tier helfen können und unsere Arbeit hier nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Solche Gedanken sind mehr als belastend. Wie gerne würden wir eine Zeit erleben, in der Lebenshöfe der Vergangenheit angehören, weil jedem Tier auf der Welt das Recht auf unversehrtes Leben zugestanden wird. Eine Vision? Bis zur nächsten La Vita wünschen wir Euch von Herzen eine gute Zeit! Ruth Wirtz und alle Hofbewohner_innen

Balou Free-Animal-Rundbrief August 2017

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eschafft! Nach großer Zitterpartie haben wir unsere Heu- und Stroh-Ernte in guter Qualität einfahren können. Für diesen Winter haben wir für alle Großtiere gesorgt, bis auf die alten Stuten, die brauchen extra Heu in Presslingform. Es ist in den letzten Jahren zunehmend schwerer geworden, das Heu trocken zu bekommen, da das Wetter einfach zu unbeständig ist. Und so schaut man täglich den Agrar-Wetterbericht für die nächsten zwei Wochen, in der Hoffnung, drei am besten vier Tage am Stück Wärme und Sonnenstrahlen zu haben. Schlimm ist dabei, dass diese Wetterberichte sich teilweise stündlich verändern und man einfach zum Heu machen dann noch viel Glück und ein gutes Bauchgefühl mit einplanen muss. Aber, dieses Jahr ist es wieder geglückt! Viele Steine purzeln vom Herzen auf den Boden nieder, eine Sorge weniger. An dieser Stelle auch noch eine Anmerkung zum Thema vegane Ernährung von Tieren auf Lebenshöfen. Manches mal gibt es böse Kommentare oder Bemerkungen, weil wir, die Menschen, welche die geretteten Tiere täglich bis an ihr Lebensende versorgen, nicht alle Tiere vegan ernähren. Abgesehen von dem Faktor, dass es nicht bei jedem Tier (besonders manche Katzen) möglich ist, sei auch noch mal betont, dass auch die sogenannten vegetarischen Tiere auch nicht 100 % ethisch und vegan ernährt werden können. Es ist also ein Trugschluss, wenn man zum Beispiel nur Pferde, Wiederkäuer oder andere vegetarischen Tiere aufnehmen würde, in dem Glauben, dann 100 % ethisch sein zu können. Es gibt keine 100 % ethische Tierhaltung, weil jede „Tier-Haltung“ an sich schon den Fehler in sich beherbergt. Wenn wir zum Beispiel nur das Heu und Stroh nehmen: Für jeden Heuballen sterben in der Herstellung schon Hunderte von Insekten, wie Heuschrecken, Käfer, Hummeln und so weiter, außerdem kommt

es auch vor, dass man beim Mähen ein Rehkitz, eine Schlange erwischt, oder einen Frosch, eine Kröte und Mäuse oder Maulwürfe. Dieses könnte man weitestgehend nur dann vermeiden, indem man jede Arbeit zur Heu-/Strohgewinnung mit der Hand machen würde, was wiederum nach sich ziehen würde, dass viele, viele Menschen an den Tagen, die geeignet sind (wettermäßig), auch parat stehen und mit Forken und Harken mit auf die Wiese oder das Feld kommen müssten. Oder anstatt des Mähers, der mit dem Trecker betrieben und gezogen wird, eben die Schnitter mit Sensen, so wie es vielleicht noch vor 100 oder 150 Jahren gewesen ist. Und selbst hier, mit einer Sense, geschehen schreckliche Unfälle. Wer also behauptet, wenn er nur vegetarische Tiere versorgt oder auf seinem Hof beherbergt, sei 100 % vegan und ethisch, der ist sehr kurzsichtig und lügt sich selbst etwas in die Tasche. Unser Rezept ist daher: Mehr als das, was uns Menschen möglich ist und schon erst recht als Tierschutzhofbetreiber_innen meist mit begrenzten Mitteln, kann ich nicht tun. Ich kann nur versuchen, so wenig Schaden wie möglich anzurichten, und dann habe ich schon viel geschafft. Wirklich ethisch ist man meiner Meinung nach erst in dem Augenblick, da man seinen Körper verlassen hat, denn als Mensch kann ich niemals 100 % vegan sein, ich kann mich lediglich bemühen und das Bestmögliche tun. Aber, die nächste Sorge wartet schon. Der Hofbus muss diesen Monat im August mal wieder zum TÜV. Und da er schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, ist auch hier Bangen angesagt, weil wir nicht wissen, was für Kosten da wieder auf uns zukommen. Einen neuen/gebrauchten in jüngerer Qualität anzuschaffen, fehlen die Mittel, obwohl es natürlich wehtut, wenn man in das treue alte Stück noch Hunderte von Euros investieren muss,

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6 1 Big Mary | 2 Schneeweisschen | 3 Ghost 4 Leo | 5 Lotta | 6 Heuernte

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die man eigentlich schon als Anzahlung für einen jüngeren Wagen gebrauchen könnte. Tja und eine unserer Hauptsorgen, die uns schon seit letztem Jahr verfolgt, ist die mit dem Bauamt. Hier ist noch nicht das letzte Wort gesprochen, und der Besuch des Amtes steht noch aus. Aber wenn sie wahr machen, was sie angekündigt haben, ohne dass wir eine adäquate Lösung finden, dann müssen wir unsere sämtlichen Lagerzelte abbauen. Dann stehen unsere schöne Ernte sowie die ganzen landwirtschaftlichen Geräte im Regen, abgesehen davon, dass wir dann auch keine Pferdekoppel mehr hätten, weil wir die Geräte dort abstellen müssten. Wir strecken in alle Richtungen die Fühler aus, welche Möglichkeiten wir haben oder ob es nicht doch ein Schlupfloch gibt, das uns mit einem landwirtschaftlichen Betrieb gleichstellt. Denn landwirtschaftliche Betriebe haben Sonderrechte. Es ist leider traurige Wahrheit, dass man als Betrieb, der ausbeutet und Tiere mästet und zusammenpfercht und Ländereien mit Chemie kaputtmacht, Gebäude aufstellen darf, wo sonst keine stehen dürfen. Aber wie in unserem Fall, ist es nicht erlaubt, und wenn wir keine Gesetzeslücke oder eine Ausweichmöglichkeit finden, dann stehen wir echt sehr schlecht da und es gibt keinerlei Gnade vom Amt aus. Aber nun noch ein paar erfreuliche Dinge: Dadurch, dass wir von den tierbefreiern über Free Animal monatlich eine gewisse Menge veganes Hunde- und Katzenfutter gespendet bekommen (siehe Seite 24), können wir zumindest einen Teil des Monats die Tiere vegan und vegetarisch ernähren. Von den Hunden wird es sehr gut angenommen, und auch die Katzen mögen besonders das Trockenfutter gern. Beim Nassfutter gibt es nur wenige Sorten, welche gut angenommen werden. Vielleicht schaffen wir es ja auch irgendwann einmal, so viel kaufen zu können, dass wir nur noch vegan, mindestens vegetarisch füttern können. Zur Zeit ist das leider nicht machbar, da wir auf Futterspenden angewiesen sind und die sind nicht immer vegan. Zwei Katzen sind zur Gemeinschaft gekommen. Die Besitzerin, die sie auf einem Bauernhof hat laufen lassen, hatte sie sich auch munter vermehren lassen, so dass am Ende fast zwanzig Katzen dort herumliefen. Nachbarn kümmerten sich um sie und darum, dass sie kastriert wurden. Da aber

nicht alle Katzen dort bleiben dürfen, weil es dem Bauern zu viele sind, wurden einige vermittelt, unter anderem zwei zu uns, da es scheue Tiere sind, die sich nicht mal eben in ein „normales“ Leben eingliedern ließen. Einer von ihnen ist inzwischen nicht mehr scheu, denn er war wahrscheinlich ein ausgesetztes Tier, das sich zu den anderen gesellt hatte und von daher Menschen gewohnt war. Die Kaninchendame Big Mary musste eine NotOP über sich ergehen lassen, da ihre Gebärmutter kurz vor dem Platzen stand. Aber sie hat es entgegen der Prognose der Tierärztin, gut überstanden. Das war ein dicker Batzen Geld auf einmal, über 600,- Euro. Momentan ist gerade die Kaninchendame Schneeweißchen erkrankt. Wobei es bei ihr auch das Alter sein könnte, denn sie ist wenigstens 10, wahrscheinlich aber schon 11 Jahre, was für die meisten Kaninchen ein gutes und hohes Alter ist. Und hatten wir im letzten Jahr eine kleine Schafsüberraschung in Form der kleinen Joy, die als blinder Passagier mit ihrer Mutter zu uns kam, so haben wir auch dieses Jahr noch einen unerwarteten kleinen Schafszuwachs bekommen. Er sollte getötet werden, weil seine Mutter ihn nicht angenommen hat, sein Geschwister hatte man bereits getötet, und so kam er winzig, mit eineinhalb Wochen und schlappen Ohren zu uns. Zuerst wohnte er mit bei uns im Haus, weil er noch so klein war, und nach ein paar Monaten zog er dann zu den anderen Schafen. Inzwischen ist er ein gesunder, lieber, fast halbjähriger Teenager geworden und versteht sich mit den anderen gut. Und zu schlechter Letzt noch dies: In der ersten Jahreshälfte sind gleich zwei Ziegen gestorben: Ghost, eine der älteren aus dem geschlossenen Tierpark in Lübeck und Lotta, eine alte Dame, die auch hier seit vielen Jahren am Hof gelebt hat. Ghost muss aber auch schon sehr alt gewesen sein. Sie bekam hinten Lähmungserscheinungen und konnte sich nicht mehr fortbewegen. Wir pflegten sie dann noch ein paar Wochen intensiv, solange sie eben noch Lebensfreude zeigte. Am Ende ging es dann ziemlich schnell, und sie verstarb friedlich in der Nacht. Damit beende ich den Bericht vom Hof für dieses Mal und wünsche allen Spender_innen und Leser_innen eine gute Zeit! Manuela Tietsch

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„Es hat uns schon immer gestört.“ Die Arbeit auf den Lebenshöfen ist ein Balanceakt zwischen einer idealen Welt, in der Tiere frei von Ausbeutung leben, und der Realität, die jeden Tag die Grenzen des Machbaren verdeutlicht. In meinem Gespräch mit Manuela vom Lebenshof „Tierschutzgemeinschaft Stellichte e.V.“ wird die Bedeutung des Themas Ernährung für den Hofalltag deutlich. Manuela blickt auf 40 Jahre zurück, in denen sie sich als Vegetarierin und später Veganerin mit der Frage beschäftigt, wie man Tiere, für die man die Verantwortung trägt, ernähren soll. „Es hat uns schon immer gestört“, beschreibt sie ihre Haltung gegenüber der fleischhaltigen Ernährung. Auf dem Lebenshof trifft die Verantwortung für die Hoftiere mit der Verantwortung zusammen, die jeder Mensch mit der Wahl seiner Nahrung trifft. Um beide Aspekte in Einklang zu bringen, ist die vegane Tiernahrung mittlerweile ein fester Bestandteil des Hoflebens. Damit die Möglichkeiten der veganen Ernährung von Hoftieren ausgeschöpft werden können, bilden die gänzlich dafür verwendeten Spenden von „die tierbefreier e.V.“ eine wichtige Basis. An Möglichkeiten mangelt es nämlich nicht. Die Stellichte-Hunde lassen sich die veganen Spenden bereits schmecken. Das stimmt Manuela optimistisch: „Sicher würden wir noch mehr

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vegane Tiernahrung füttern, wenn wir mehr davon hätten.“ Dass die bestehenden Möglichkeiten Grenzen besitzen, wird im Alltag allerdings schmerzlich deutlich. Denn nicht alle Tiere akzeptieren die Umstellung von Fleisch auf Pflanzen. Bei den Katzen gibt es zwar einige, die das vegane Trockenfutter mögen, allerdings gestaltet sich bei anderen die Nahrungsumstellung schwierig. Manuela legt viel Wert darauf, ihrer Verantwortung auf dem Hof gerecht zu werden. Deswegen sagt sie mir bestimmt, dass sie „kein Tier hungern lassen würde, bis es dann endlich vegetarisch oder vegan isst, wenn es das eigentlich nicht will“. Dass eine vegane Ernährung nicht ‚artgerecht’ sei, weißt Manuela allerdings entschieden zurück: „Es gibt außer Mäusen und vielleicht  kleinen Nagern und anderen Kleintieren, gar keine artgerechte Ernährung für Katzen. Denn es ist für eine Katze genauso wenig ‚normal’ eine zerstückelte Kuh zu essen wie veganes Essen.“ Dennoch ist sich Manuela sicher, dass es mit Feingefühl möglich ist, noch mehr fleischhaltige Nahrung durch vegane zu ersetzen. Denn das vegane Tierfutter, das von den „die tierbefreier e.V.“-Spenden gekauft werden konnte, wurde von dem Großteil der Tiere mit Appetit angenommen. Farina Graßmann


Free Animal Soli-Poster Erhältlich unter www.roter-shop.de


Refugium fĂźr Tiere in Not

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allo ihr lieben Freundinnen und Freunde der Tiere, von unserem kleinen Lebenshof in Castrop-Rauxel möchte ich heute über das herausragende Ereignis in diesem Sommer berichten. Am 25. Juni hat das „Refugium“ sein 10-jähriges Bestehen gefeiert. War das ein Fest! Einfach bombastisch, irre, fulminant. Natürlich haben wir im Vorfeld viel Werbung gemacht, Riesenbanner an zwei zentralen Verkehrspunkten der Stadt aufgehängt, zusätzlich Straßenbeschilderung im näheren Umfeld, neue Flyer entworfen, gedruckt und unter die Leute gebracht und einiges mehr. Auch die Presse hat mitgezogen, hat die richtigen Berichte zum richtigen Zeitpunkt gebracht. Bereits seit Anfang März liefen unsere Planungen und die ersten konkreten Vorbereitungen, denn wir wollten es diesmal ja „ganz groß“ machen. Wir wollten es uns auch etwas kosten lassen und haben gesagt: „Wenn es unterm Strich auf plus minus Null raus läuft, ist es o.k.“ Und dann, am Ende, war doch noch ein kleiner Überschuss da, weil zwei Gäste eine etwas größere Spende übergeben hatten.

Zum ersten Mal haben wir nicht nur den Hofraum genutzt, sondern auch die anschließende kleine Wiese. Hier haben sich die von uns eingeladenen Organisationen präsentiert. Auch unser traditioneller Trödelstand, der hauptsächlich Selbstgemachtes anbietet, wie feine Marmeladen, Fruchtlikör und Handarbeiten war hier aufgebaut und einiges mehr. Natürlich gab es auch eine Tombola, mit einem Frühstückskorb voller veganer Spezialitäten als Hauptgewinn. Das Highlight bei unseren Speisenangeboten war Jays Live-Cooking mit Burgern, Wraps, Currywurst und Pommes aus Süßkartoffeln. Unsere reich beladene Kuchentheke war sehr schnell von unseren Gästen leergegessen. Von der reich verzierten Geburtstagstorte wollte fast jeder ein Stück abbekommen. Trotz der Fülle war es einfach viel zu wenig. Der Eisstand wurde von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen gut besucht. Selbstverständlich waren alle unsere Angebote ohne Tierleid hergestellt. Und alles hat „irre lecker“ geschmeckt, so die Rückmeldung unserer Gäste.

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Whitina verstarb drei Wochen vor dem Jubiläum

Für die Kinder hatten wir diesmal ein umfangreiches Programm, mit Schminken, Luftballonclown und Basteln von Insektenhotels. Auch unser Eselspaziergang um 14.00 Uhr ist bei Veranstaltungen wie dieser fest etabliert und lockt viele Besucher mit Kindern an. Für Stimmung sorgten zwei Musikanten: Rosi, die Drehorgelspielerin, die auch Moritaten zum Besten gab, und Benny, der, auf der Hundehütte sitzend, Gitarre spielte.

Ein Wermutstropfen gab dem Fest aber einen etwas bitteren, traurigen Geschmack: Unsere große weiße Hündin Whitina, die durch Misshandlung behindert war, durfte diesen Tag nicht miterleben, da sie sich drei Wochen vorher von dieser Welt verabschiedet hat. Aber für sie wäre diese Veranstaltung sicher eher Stress als Vergnügen gewesen, da sie zeitlebens fremden Menschen gegenüber reserviert und ängstlich blieb. Ich hoffe, dass sie am Ende ihres Lebens noch Frieden machen konnte mit dieser Welt und ihren Menschen. Whitina, ich grüße dich und danke dir, dass du bei uns warst! Auch euch, ihr wertvollen Unterstützerinnen und Unterstützer, grüße ich und bedanke mich bei euch von ganzem Herzen, denn ohne eure finanzielle Hilfe könnten wir bei Weitem nicht so viel zum Wohle der Tiere schaffen. Viele liebe Grüße aus Castrop-Rauxel von Elke und dem gesamten Refugium

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Lebenshรถfe & Projekte

Pferdeschutzhof

Jimmy verstarb im Alter von 36 Jahren


Lebenshöfe & Projekte

Süthen L iebe PatInnen, nun ist es gerade Hochsommer, zum Glück meist nicht so heiß. Trotzdem sind, sobald es trocken ist, viele Bremsen und Mücken unterwegs und nerven die anderen Tiere mit ihren Bissen. Nur Ludwig und Eberhard sind da sehr cool. Ich vermute, die Insekten können durch ihre dicke Haut nicht so gut stechen. Überhaupt genießen die Beiden den Sommer sehr. Sie liegen im Gras, mal in der Sonne, mal im Schatten, und wenn es sehr heiß ist, gehen sie baden; wehe, wenn es regnet, dann sind die Beiden blitzschnell in ihrer Hütte. Zur Zeit hat die solidarische Landwirtschaft im Nachbardorf, wo auch ich mein Gemüse und Obst beziehe, viel Gemüse und Salate extra, wovon Ludwig und Eberhard profitieren, sie finden das sehr lecker.

Leider ging es Jimmy (ca. 36 Jahre) Anfang Juni plötzlich schlecht. Er lag dauernd. Der Tierarzt stellte fest, dass sein Herz nur noch rauschte, die Herzklappen schlossen nicht mehr richtig. Er versuchte, Jimmys Zustand zu stabilisieren, befürchtete aber, das Jimmy sich bald von uns verabschieden würde, da sich sein Zustand auch nicht verbesserte. Mir fiel dann noch eine homöopathische Hochpotenz ein, die ich ihm gab, und etwa eine Viertelstunde später stand er wieder und war auch wieder munterer. Er ging hoch auf die große Wiese und genoss den schönen Sommerabend in der Sonne. Ich blieb lange bei ihm, er genoss meine Reiki-Behandlung. Am nächsten Morgen kam er mit seinen beiden Freundinnen Dahlia und Lore runter zum Stall, und alle drei zahnlosen Oldies aßen ihren Frühstücksbrei, Jimmys Appetit war zwar nicht groß, aber immerhin hat er gegessen. Allerdings gefiel er mir energetisch nicht, und er war auch unruhig. Sein Herz klang wesentlich besser als am Vortag, seine Temperatur war normal. Ich beobachtete Jimmy, während ich die anderen Tiere versorgte, er ging wieder an seinen Brei. Plötzlich sah ich ihn dann neben seinem Bottich liegen; er atmete nicht mehr, zuckte noch zwei Mal und war tot. Ich hatte damit nicht gerechnet, der Schock und die Trauer waren groß.

Lunas Nieren sind mit Tumoren befallen

Ludwig und Eberhard Free-Animal-Rundbrief August 2017

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Ich bin aber auch froh, dass er nach seinem elenden Leben als Reitschulpferd noch acht glückliche Jahre in Freiheit leben konnte. Trotz seines Alters war er bis zum Schluss fit.

Ich vermisse Jimmy, den kleinen Anarcho, wahnsinnig. Ich bin aber auch froh, dass er nach seinem elenden Leben als Reitschulpferd noch acht glückliche Jahre in Freiheit leben konnte. Trotz seines Alters war er bis zum Schluss fit. Große Sorgen macht mir zur Zeit die Katze Luna. Ihre Nieren sind von Tumoren befallen und arbeiten deswegen nicht sehr gut. Zur Zeit ist sie täglich am Tropf und bekommt verschiedene Medikamente (homöopathische, Vit. B12 und Cortison). Den Tropf lässt sie immer unglaublich geduldig

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und ruhig über sich ergehen. Sie hat wieder Appetit bekommen, läuft munter draußen rum, klettert auf die Rundballen oder sitzt im Stallgebälk. Ich kann nur hoffen, dass sie noch lange bei uns bleibt und eine schöne Zeit haben wird. Genießen wir sie … Liebe Grüße von Schutzhof in Süthen Mellie


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Keine guten Nachrichten von Kafkas und Elsa

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ls wir uns dazu entschlossen auch Schweinen ein Leben zu ermöglichen, hätte ich bei aller Skepsis nicht erwartet, dass es so kompliziert und mit solch wenig positivem Feedback verlaufen würde. Sicherlich machen unsere Schweinedamen all das wieder wett und es steht für mich nicht in Frage, ob es all das wert ist – doch es überrascht mich immer wieder, wie wenig Unterstützung, schlimmer noch, wie viel Gegenwehr es bei Nachbarn und Behörden hervorruft. Viel unnötiger Ärger wurde immer wieder produziert. Da wäre schon ein nettes Wort eine angenehme Abwechslung gewesen. Nun gut. Aktuell sind wir damit beschäftigt, uns darauf vorzubereiten, dass die Bauarbeiten auf dem angrenzenden Nachbargrundstück mit jedem Tag beginnen können. Neben der Befürchtung, dass unsere Tiere auf wenig Gegenliebe stoßen werden, was die ersten Begegnungen der neuen Besitzer mehr als vermuten lassen, plagt uns die Angst, dass unser kleines Schweinemädchen Elsa völlig panisch und dauergestresst auf die vielen Fremden reagiert. Daher hatten wir auch bereits Kontakt zu Tierkliniken aufgenommen, um uns bezüglich eines leichten Beruhigungsmittels für die besonders stressigen Situationen zu erkundigen. Doch man riet uns, wie vorher erwartet, von jeglichen Mitteln ab und empfahl uns eine Gewöhnung der Tiere an den Stress: wir sollten also viele Leute einladen, damit Elsa die Angst verliert. Das haben wir auch versucht – das Problem ist, dass Elsa da nicht ängstlich reagiert - sie unterscheidet völlig zwischen Personen und ist nur dann nicht mehr zu beruhigen, wenn jemand in der Nähe ist, der ihr offensichtlich nicht wohlgesonnen ist. So gestaltet sich die „Stresstherapie“ also eher mässig. Aber da wir sie weder abgeben (was sie auch nicht verkraften würde mit ihrer Vorgeschichte) noch monatelanger Dauerangst aussetzen wollen, bereiten wir gerade alles so gut wie möglich vor. Weitere Einzäunungen, weitere Sicherheitsvorkehrungen, Sichtschutze, etc. Mehr Zeit und mehr Geld, sowie helfende Hände hierfür, wären sicherlich hilfreich. Aber es nutzt ja alles nichts. Wir tun was wir können. Finanziell und arbeitstechnisch ist

Elsa lebt beim Sänger der Punkband „Kafkas“. Die Band unterstüzt seit vielen jahren Free Animal und die Tierrechtsbewegung.

alles wesentlich aufwendiger und intensiver als gedacht und es scheint, als könne man für so etwas fast nicht genug Geld und Zeit haben. Falls jemand Interesse an einer Patenschaft für Elsa hat, sie und wir würden uns über jegliche Hilfe sehr freuen. Bitte drückt die Daumen, dass alles halbwegs ruhig und entspannt verläuftt. Abschließend möchte ich noch was Erfreuliches schreiben. Wir konnten in den letzten Wochen zwei Mauersegler aufpäppeln und in die Freiheit lassen – den beiden wünschen wir ein langes, schönes Leben in Freiheit! Markus und Elsa

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Endstation Hoffnung 34

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allo liebe_r Leser_in, der Frühling verlief in ruhigen Bahnen. Die Meerschweinchen kamen dieses Jahr wetterbedingt etwas später in das Außengehege als sonst. Seit Mitte Mai aalen sie sich in der Sonne und schnüffeln Frischluft. Die Katzen sind seit Monaten auch fast nur draußen, Kater Mio kommt stellenweise für ein paar Stunden ins Haus, Titzia schläft immer irgendwo im Garten und hält sich meist in Rufnähe auf. Selbst die schüchterne, dreifarbige Bounty hat endlich etwas Vertrauen gefasst, allerdings zu einem „Preis“: Sie lässt sich nur dann von mir anfassen, wenn ich am Esstisch sitze und esse und sie auf dem Tisch herum spaziert und ich kurz die Hand nach ihr ausstrecke. Wenn ich nicht esse (und sie folglich niemanden „stören“ kann) oder mich an einem anderen Ort im Haus aufhalte, ist sie nach wie vor scheu und nicht anzufassen. Nach eineinhalb Jahren ist also das Eis zwischen uns doch noch etwas gebrochen. Bounty möchte nicht wirklich raus, sie traut sich nicht, wenn die Tür offen ist und die zwei Mal, als sie es doch gewagt hat, in den Garten zu gehen, endeten damit, dass sie verzweifelte Laute von sich gab, vor Angst nicht wusste, wohin mit sich und schnell wieder dankbar zum Wohnzimmerfenster herein gehuscht kam. Bounty hat in ihrem vorherigen Leben viel entbehren müssen, keine Couch oder weiche Kissen gekannt und auch keine menschliche Zuwendung. Die Kaninchen hören nicht auf, mir gesundheitlich Sorgen zu machen. Nachdem es ein paar Wochen Ruhe gab, stand im Mai eine Behandlung gegen Giardien (Darmparasiten) an. Der kleine schwarze Rammler Samurai kränkelt aktuell bzw. ist sehr dünn geworden, mehrfache Tierarztbesuche samt wiederholter Zahnkontrolle und Röntgen mit Kontrastmittel haben bislang zu keinem Ergebnis geführt. Warum er so beieinander ist, ist leider nach wie vor ein Rätsel. Er hat einen guten Appetit und isst ganz normal. Das nächste Sorgenkind war Maxwell. Der wurde von der Gruppe so schwer angegangen, dass er mehrfach geklammert werden musste, was aber jedes Mal gut verheilt ist. Im Juli hatte er dann einen Abszess an der Seite, der jedoch abgekapselt und gut zu operieren war. Die Naht ist sehr schön verheilt und Ende Juli konnte ich ihm die Fäden ziehen. Er hat täglich eine extra große Portion Löwenzahn zur Genesung bekommen, sein Appetit hat nicht unter der OP gelitten. Als das überstanden war, wurde der braune Ramm-

Maxwell

ler Russel mit dem samtweichen Fell der nächste Kandidat für Tierarztbesuche: Ich entdeckte einen Erbsengroßen Abszess an seinem Mund. Er hatte immer wieder Probleme mit einem feuchten Nasenloch, da es aber nur das rechte war, hatte ich früh den Verdacht, dass die Zähne dahinter stecken - Schnupfen tritt schließlich meist auf beiden Nasenlöchern auf. Um ihm die bestmögliche Behandlung zu Gute kommen zu lassen, bin ich extra in die 45 Minuten entfernte Tierklinik bei Würzburg gefahren, in der Hoffnung, dass die Ärzte dort mehr Erfahrung haben als die Tierärzte bei mir auf dem Land. Abszesse sind immer schlechte Nachrichten und die Prognose meist alles andere als gut. Es wird sich anhand von Röntgenaufnahmen zeigen, ob der Abszess operiert werden kann oder nicht. Maxwells Abszess an der Seite/Haut ist etwas völlig Anderes als ein Kieferabszess. Eiter ist grundsätzlich nicht gut, aber Kieferabszesse sind etwas, das man nicht „brauchen“ kann, weil es meist wenig Hoffnung gibt.

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Meerschweinchen im Gras

Ich bin dankbar dafür, dass die Hunde soweit fit sind. Von Santos wurde vor kurzem ein geriatrisches Profil (Blutbild) erstellt, seine Leber- und Nierenwerte sind nicht ok. Santos pinkelt und trinkt ja schon seit geraumer Zeit auffallend viel, ich versuche seine Entgiftungsorgane durch verschiedene Mittel zu unterstützen, dass jetzt auch noch die Leberwerte nicht ok sind, ist sehr schade. Er hat ein stolzes Alter (13,5 Jahre) und ist ansonsten fit wie ein Turnschuh. Vermutlich

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wird ihm über kurz oder lang die Niere das Leben schwer machen, aber das dauert hoffentlich noch recht lange. Die Meerschweinchen sind fit und fidel. Eine private Angelegenheit, die mir derzeit Sorge bereitet, ist, dass ich im Juli meinen Nebenjob verloren habe, wodurch mir natürlich Geld für Futter, Tierarzt etc. fehlt. Ich habe einen Teilzeitjob im Büro, in dem ich seit neuem mehr Wochenstunden leisten muss (aber nicht


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Santos

Russel

mehr Lohn bekomme), weshalb ich aktuell nicht abschätzen kann, ob ich zeitlich in der Lage sein werde, noch mal, zusätzlich, einen Nebenjob anzunehmen. Finanziell bräuchte ich das Geld so dringend. Vielleicht möchte jemand seine Patenschaft erhöhen oder eine neu abschließen. Es würde mir viel bedeuten.   Einen goldenen, glücklichen Herbst! Raffaela

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Free Animal unterwegs Weitere Stände und Veranstaltungen folgen. Bitte schaut regelmäßig auf unsere facebook-Seite oder unter www.freeanimal.de/Neuigkeiten/Termine!

BAUCHGEFÜHL VOL. 2 – DAS VEGANE SOMMERFEST IN MAGDEBURG am 2. September 2017 in Magdeburg Das veganes Sommerfest „BAUCHGEFÜHL“ findet zum zweiten Mal statt. Wir freuen uns auf einen tollen und informativen Tag zu erleben und Magdeburg den Veganismus und Tierrechte ein Stück näher zu bringen! https://www.facebook.com/events/1267436303293062/

DEMO FÜR TIERRECHTE DÜSSELDORF am 7.Oktober 2017 in Düsseldorf Die Demonstration wird durch die Innenstadt führen. Auf dem Schadowplatz wird es Infostände zum Thema Tierrechte/ Tierbefreiung sowie veganes Essen geben. https://www.facebook.com/tierbefreierDUS/

TOTAL LIBERATION DAY HAMBURG am 14. Oktober 2017 in Hamburg, Centro Sociale, Sternstr. 2 Beim Total Liberation Day sollen die Zusammenhänge der einzelnen Befreiungsbewegungen diskutiert und bewegungsübergreifende Kooperation angeregt werden, um so das Gesamtbild zu schärfen und den gemeinsamen Kampf zu unterstreichen. Geplant sind Vorträge, Workshops, Infoständen, VoKü, Konzert … www.total-liberation-day.de

VEGGIENALE HAMBURG am 21. und 22. Oktober 2017 in Hamburg, Sporthalle Hamburg, Krochmannstraße 55 Am 21. und 22. Oktober 2017 findet bereits zum zweiten Mal die Veggienale in der Hansestadt Hamburg statt. Wir sind erneut mit einem Stand dabei. www.veggienale.de


In Planung ist:

Wir waren dort:

VEGANER WINTERMARKT DRESDEN am 25. November 2017, Chemiefabrik Dresden

DAS ETWAS ANDERE FRÜHLINGSFEST IN ESSEN-KRAY

www.facebook.com/blacktomatocollective

Essen, 1. April 2017

VEGANER WINTERMARKT BREMEN

VEGAN SUMMER ECKERNFÖRDE

am 3. Dezember 2017

15. und 16. Juli 2017

Infos folgen

UNTERSTÜTZUNG FÜR FREE ANIMAL in Leer am 22. Juli 2017

Liberation Zine Das Liberation Zine ist online. In der ersten Ausgabe ist u.a. auch ein Interview von Free Animal zu lesen. Das Liberation Zine enthält Interviews und Berichten aus unterschiedlichen sozialen Bewegungen. Auf www.liberatezine.blogsport.de kann das Zine gelesen werden. Zum ausdrucken und verteilen steht eine PDF-Datei zur Verfügung. Free-Animal-Rundbrief August 2017

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Verein

Ausgrenzung – Bestrafung – Repression

Solidarität ein Fremdwort

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m vergangenen Jahr wurden Hof Butenland und Free Animal vom VSD in Dortmund 2016 durch das Orga-Team ausgegrenzt. Argumentiert wurde mit der teils nicht veganen Ernährung vereinzelter (kranker) Hunde und Katzen auf den Höfen und/oder mit dem angeblichen Platzmangel. Soli-Angebote wie das von Jerôme Eckmeyer, den finanziellen Verlust für die Lebenshöfe auszugleichen und das von Colin Goldner (Great Ape Projekt), den Stand zu teilen, wurden strikt abgelehnt. Damit wurden Vereine und Menschen ausgegrenzt, die wesentlich dazu beigetragen haben, die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung in Deutschland aufzubauen. Free Animal e.V. trägt seit mehr als 20 Jahren wesentlich dazu bei, den „befreiten“ Tieren auf verschiedenen Lebenshöfen und Projekten ein bleibendes Zuhause und ein Leben in weitestgehender Freiheit zu ermöglichen. Wir gründeten einen der ersten Lebenshöfe im Hunsrück und trugen dazu bei, den Lebenshofgedanken in die Bewegung zu tragen, und zwar lange vor dem ersten VSD – von den Butenländern, ihrem Engagement und dessen Wert für die Bewegung ganz zu schweigen. Die Solidaritätswelle war großartig, aber anscheinend nicht im Sinne des Orga-Teams in Dortmund, was der teilweise unschöne Schlagabtausch auf Facebook zeigte. Trotzdem entschieden sich zwei der anwesenden Stände, die tierbefreier Ortsgruppe Düsseldorf und Shirts for a change eine Soli-Ecke für Butenland und Free Animal e.V. einzurichten; es wurde Infomaterial ausgelegt und eine Spendendose aufgestellt.

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Der Soli-Tisch der tierbefreier Düsseldorf vom letzten Jahr – für das VSD-Orga-Team nicht akzeptabel.

Wir hatten gehofft, dass das Thema VSD Dortmund eigentlich damit erledigt sein sollte, zumal auch wir keinen Wert darauf legen in Zukunft Teil einer Veranstaltung zu sein, bei der die Organisator*Innen vergessen, dass sie mit diesem Verhalten nicht Free Animal e.V. schaden, sondern all den LebenshofbewohnerInnen, die ihr Zuhause behalten und in Freiheit leben wollen und auf Unterstützung und Solidarität angewiesen sind. Allerdings war dieses Zeichen der Solidarität für die OrganisatorInnen und den Hauptveranstalter ARIWA offenbar bis heute ein Dorn im Auge. Wie der Stellungnahme von die tierbefreier Düsseldorf zu entnehmen ist, führte die Solidaritätsbekundung aus dem letzten Jahr nun zu einem Ausschluss für dieses Jahr: die tierbefreier Düsseldorf wurden, wie zuvor Free Animal und Hof Butenland im letzten Jahr, ausgeschlossen, Shirts for a change wären ebenfalls ausgeschlossen worden, wenn es sie noch gäbe.

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Wir, als Free Animal, möchten mit dieser Stellungnahme nun unserseits unsere Solidarität mit die tierbefreier e.V. zum Ausdruck bringen. Wir sind fassungslos, traurig und auch wütend. Wer hätte gedacht, dass ein Akt der Solidarität innerhalb der Tierrechts-/ Tierbefreiungsbewegung zu Repressionen führen kann? Ist es vielleicht so, dass politische Vereine zwischen hippen Mixerständen einfach als störend empfunden werden? Gerade die tierbefreier e.V. haben durch das Infozelt bis 2014 versucht, aus dem VSD auch eine politische Veranstaltung zu machen. Mittlerweile scheint der VSD in Dortmund zu einer mehr als einseitigen Infoveranstaltung, einer Konsum-, Ess- und Partymeile zu verkümmern. Dabei wäre es mehr als wichtig, das eigentliche Ziel der Bewegung, die Befreiung von Menschen und allen anderen Tieren in den Vordergrund zu stellen, und eine gesellschaftliche Veränderung voranzubringen.


Alle Ausgaben auch online unter issuu.com/freeanimal

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Ältere Ausgaben erhältlich unter www.freeanimal-shop.de

Eine der sehr wenigen, ernst zu nehmenden politischen Gruppen/ Organisation auszugrenzen, ist vor diesem Hintergrund unglaublich und lässt den VSD in Dortmund noch ärmer erscheinen, als er mittlerweile sowieso schon ist. Liebes VSD Orga-Team, Tierbefreiung/Total Liberation wird nur dann funktionieren, wenn wir auch untereinander fair und solidarisch miteinander umgehen. Eine Weiterentwicklung des Menschen und der Gesellschaft kann es nur über Reibungspunkte gehen. Wir brauchen Konflikte, die inhaltlich, fair, konstruktiv und solidarisch ausgetragen werden, um uns weiterzuentwickeln. Zu einer Weiterentwicklung wird es nicht kommen, wenn Diskussionen durch Gleichschaltung unterdrückt und verhindert werden und wenn Konflikte destruktiv, persönlich egoistisch und nicht inhaltlich ausgetragen werden. Konstruktive Konflikte bringen uns weiter, destruktive Konflikte werfen uns zurück. Diese Auseinandersetzung scheint allerdings bei euch nicht gewollt zu sein; das Statement der tierbefreier e.V. OG Düdo wurde unmittelbar nach dem Posting auf der FB-Seite des VSD Dortmund 2017 gelöscht und jegliche Diskussionen unterbunden. Euer Verhalten – Ausgrenzung, Bestrafung und die damit verbundenen Repressionen – führen eher zu einer Spaltung und langsamer Total Destruction der Bewegung, aber nicht zur Total Liberation aller Lebewesen. In der Bewegung ist kein Platz für beleidigte Egos, selbstgefälliges Machtgehabe, Ausgrenzung von emanzipatorischen Gruppen und unsolidarisches Verhalten. Free Animal e.V.

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Ein wunderbarer Mensch, Freund und Tierrechtler ist gegangen. Rudi war ein Kämpfer, für die Menschen- und Tierrechte, gegen jedes Unrecht, für das Leben und gegen seine Krankheit. Sehr lange hat er ihr getrotzt, letztendlich mit nur 59 Jahren doch verloren und friedlich losgelassen. Rudi war einer der ersten Vegetarier, dann strikter Veganer, die ich vor fast 30 Jahren kennenlernte. Er engagierte sich da bereits für die Rechte der Tiere bei dem Bundesverband der tierbefreier e.V.. Im Mai 2000 übernahm er die Online-Redaktion der tierbefreiung. Im Dezember 2000 bis März 2003 übernahm er dann die Redaktion des Magazins, nachdem der bisherige Chefredakteur sein Amt kurzfristig und endgültig niederlegte. Rudi übernahm sofort den Posten und rettete sozusagen den Fortbestand der TIEBEFREIUNG. Rudi war da, wenn Mensch und Tier in brauchten. Er rief die Online-Seite Tierrechtstermine ins Leben, machte Infostände, war auf Demos und Straßenfesten unterwegs und 2003 trat Herta Huhn in sein Leben. Seine damalige Freundin und große Liebe Karin, die er 2013 dann endlich heiratete päppelten das Huhn aus der Massentierhaltung im Badezimmer mit Rotlichtlampen auf und Herta Huhn konnte schnell mit anderen „befreiten“ Artgenossinnen bei ihnen das Leben in Freiheit genießen. Das war die Gründung des auch von Free Animal unterstützten Projektes „befreite“ Hühner. Krankheitsbedingt lief das Projekt Ende 2015 aus und Rudi widmete sich den vier Samtpfoten, die in der Zwischenzeit eingezogen waren. Gerade Soni und Floh bereiteten ihm in der schweren Zeit noch viel Lebensfreude und ließen ihn die Krankheit oftmals vergessen. Rudi war ein überzeugter Veganer und Tierrechtler, der heute so verbreitete Vegan-Lifestyle und die Hauptsache für die Tiere Fraktion waren nicht sein „Ding“. Er wollte Gerechtigkeit für Mensch und Tier und dafür hat er gekämpft, nicht verbiestert oder verbittert, sondern mit Liebe im Herzen. Mit dieser Liebe, seiner Freundlichkeit und Selbstironie, dem charmanten, wenn auch hin wieder etwas schrägen Humor hat er dagegen gehalten. Rudi, du wirst fehlen und wir werden dich vermissen; aber bestimmt werden wir trotz der momentanen Trauer, irgendwann bei dem Gedanken an dich auch ein Lächeln im Gesicht haben. Wir wünschen dir eine gute Reise wohin auch immer, am besten mit der Sternenflotte durch das Weltall, Magma CDs im Gepäck und bei Landung Herta Huhn in Sicht. Auf Wiedersehen! Free Animal e.V.

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Free-Animal-Rundbrief August 2017


Verein

Protokoll der Mitgliederversammlung von Free Animal e. V. in Oldenburg 22.04.2017 – Beginn 14:15 Uhr TeilnehmerInnen: 29 Teilnahme Vorstand: Angelika Jones-Singh, 1. Vors. Gabriele Kuhlmey, Kassenwartin Zur Mitgliederversammlung wurde form- und fristgerecht mit E-Mail-Rundschreiben vom 11.03.2017 eingeladen. Top 1: Die 1. Vorsitzende begrüßt die Anwesenden. Top 2: Zur Versammlungsleiterin wird einstimmig Manuela Scherzer-Brosch gewählt. Sie nimmt die Wahl an. Die Beschlussfähigkeit bei Anwesenheit von 29 Mitgliedern/Fördermitgliedern (davon 21 mit Vollmacht vertreten) wurde festgestellt. Top 3: Die 1. Vorsitzende liest den Tätigkeitsbericht 2016 vor. Einzelne Punkte werden erläutert. Top 4: Die 1. Vorsitzende liest den Kassenbericht 2016 vor. Top 5: Manuela Scherzer-Brosch stellt den Antrag auf Entlastung des Vorstands. Der Vorstand wird mit 2 Stimmenthaltungen (Vorstand selbst) einstimmig entlastet. Top 6: Da Anke Guido aus persönlichen Gründen als 2. Vorsitzende zurück getreten ist, stellt Clarissa Scherzer vom Lebenshof Große Freiheit sich zu Wahl. Sie wird einstimmig bei Enthaltung 1 Stimme (sie selbst) zur 2. Vorsitzenden gewählt. Clarissa Scherzer nimmt die Wahl an. Top 7:

Der Vorstand berichtet über die Zusammenarbeit mit den Höfen und Projekten. Die Zusammenarbeit mit den unterstützten Höfen und Projekten ist nach wie vor außerordentlich gut. Das 20-jährige Bestehen des Vereins und die Feier auf dem Hof im Hunsrück wurden diskutiert. Nach wie vor unterstützen uns Mitglieder und PatInnen der „1. Stunde“, einige sind mittlerweile verstorben. Die Mitgliederzeitung „La Vita“ erscheint mittlerweile als PDF-/Onlineausgabe. Da aber nicht alle Mitglieder und PatInnen einen PC haben, wurde beschlossen eine geringe Zahl für diese nach wie vor zu drucken und ein paar mit an die Infostände zu nehmen. Maximale Auflage 50 Stück. Von Anderen wurde die Onlineausgabe gerne angenommen.

Top 8: Weitere Vorschläge bzw. Eingaben der Mitglieder wurden nicht gemacht. Top 9: Clarissa Scherzer kündigte an, im Raum Oldenburg und Leer Infostände für den Verein und ihren Lebenshof zu machen. Ende der Sitzung: 15.30 Uhr Oldenburg, 22.4.2017 geschrieben: Gabriele Kuhlmey

Grußwort von Clarissa Scherzer Im April diesen Jahres wurde ich zur 2. Vorsitzenden von Free Animal e.V. gewählt. Als Angelika JonesSingh mich fragte, ob ich die Wahl annehmen möchte, fühlte ich mich geehrt. Ich kenne Angelika und ihren Verein noch aus Hamburger Zeiten. Ich schätze sie und ihre Arbeit sehr. Ich bin seit mehr als zwanzig Jahren

aktive Tierrechtlerin. Zunächst in Hannover, dann in Hamburg. Seit 2011 lebe ich mit meiner Familie in Ostfriesland. Dort gründeten wir unseren Tierrechtsverein Themis e.V. und den Tierrechtshof Große Freiheit. Nun freue mich darauf, Free Animal e.V. zukünftig nach meinen Möglichkeiten unterstützen zu können.

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Lebenshöfe unterstützen! www.free-animal.de

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Free-Animal-Rundbrief August 2017

La Vita 12  

Der brandneue Free Animal Rundbrief