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SEPTEMBER/10

CHF 8.50

FRAUENFUSSBALL-MAGAZIN

Das Magazin f端r den Schweizer Frauenfussball

News Stories Interviews Spielberichte Analysen

SCHWEIZ IN DER BARRAGE Das Portrait: Stephanie K端bler

Hintergrund Traineranforderungen

Spielberichte Saisonstart 2010/2011


6. Ausgabe / 1. Jahrgang

Editorial Liebe LeserINNen

Impressum Frauenfussball-Magazin c/o BEMS Pictures Seestrasse 291 CH-8706 Feldmeilen www.frauenfussballmagazin.ch

Erscheint 11x jährlich Chefredaktor und Herausgeber: Chris Blattmann Stellv. Chefredaktorin: Tania Lienhard Freischaffende RedaktorInnen: Helen Hürlimann Jasmin Keller Jill Zimmerli Julia Müller Marianne Meier Martin Bieri Peter Ganser Peter Vögeli Ramon Glatz Seraina Degen Stephan Gutknecht Yvonne Weigelt-Schlesinger Druck: Hirschmatt Copy GmbH Hirschmattstrasse 21 6003 Luzern Layout: Chris Blattmann Bilder: BEMS Pictures Medienpartner:

fussball.ch powered by news.ch Titelbild: Am Boden und in der Luft dominierten die Schweizerinnen ihre Gegnerinnen aus Kasachstan Bild: Jasmin Keller

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Es war ein wahres Schützenfest, als die Nationalmannschaft im letzten WMGruppenspiel Kasachstan demütigte. Eines der wichtigsten Spiele aller Zeiten konnte mit einem 8:0 gewonnen werden. Eigentlich hätte man erwarten können, dass die ganze Frauenfussball-Familie unseres Landes nach Fribourg reist und unsere Nati unterstützt. Doch leider weit gefehlt. Die Erkenntnis, dass man die viel beklagte (noch fehlende) Akzeptanz des Frauenfussballs endlich erreichen müsse, scheint bei vielen Spielerinnen zwar da zu sein. Sich gegenseitig zu unterstützen und dabei genau diesen Effekt zu erzielen, das ist aber wohl doch zu viel verlangt. Wir mussten dies selbst erfahren, als sich für unsere Fanreise gerade einmal 10 Personen anmeldeten. Nicht, dass man lieber individuell die Reise nach Fribourg angetreten wäre. Dann wären wohl mehr als nur 1100 Zuschauer im Stadion gewesen. Nein, die Spielerinnen aller Vereine zogen es wahrscheinlich vor, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, als den eigenen Sport voran zu bringen. Daher ein herzliches Dankeschön an all jene, die es bereits begriffen haben und dabei waren, als die Nationalmannschaft Geschichte schrieb! Wir haben aber auch noch andere Baustellen im Frauenfussball beleuchtet. Haben Sie sich die Homepages der NLA-Vereine schon einmal angesehen? Wir haben es für Sie getan. Dies und viel mehr über „unseren“ Sport finden Sie in der neuesten Ausgabe! Viel Spass bei der Lektüre, herzlichst, Ihr Chris Blattmann


I N H A LT

Editorial Impressum Vor 40 Jahren betrogen Von Schweinchen- und Champions League Das Portrait: Stephanie K端bler

Der Verein: FC Bubendorf Footbag? Tina Aeberli! Der Homepage-Check

Die Anforderungen an die Trainer Beachfeeling in der Schweiz 3

2 2 4 Ein Spiel der Superlative

Matchberichte 18

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NLA: Thun - BSC Young Boys 21 NLB: Rapperswil-Jona - Therwil 22 U18: Zuchwil 05 - Grasshoppers 22 23 10 4. Liga: Lotzwil-Herzogenbuchsee 11 12 Die Service-Seiten Die Vereinsseiten 15 Tabellen 24 Buchtipps 26 Aus der KAtakombe - Die Kolumne 27 Abo-Bestellung 27 14 16

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Zurück zu den Wurzeln Der FC Bubendorf hat in seiner 77-jährigen Vereinsgeschichte seit je her Mädchen in Juniorenmannschaften integriert. Einige von ihnen schafften sogar den Sprung in die Nationalliga A. Doch ein Frauenteam gab es trotzdem nie. Bis jetzt.

DER VEREIN: FC BUBENDORF

Text und Bild: Seraina Degen

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Passend zum Namen der Gemeinde hatte der FC Bubendorf jahrelang keine Mädchen- oder Frauenmannschaft im Verein. Ab dieser Saison ist das anders. Kritiker mögen sagen, dass es in der Region doch schon genug Frauenmannschaften mit durchwegs dünnen Kadern an Spielerinnen gibt. Jedoch ist gerade der FC Bubendorf bekannt für eine lange Tradition in der Ausbildung von Juniorinnen. Auch ohne Damenmannschaft integrierten sich früher stets Mädchen in den Jungenmannschaften und lernten so die Grundlagen des Fussballs. Etliche Spielerinnen schafften in ihrer Karriere schliesslich den Sprung von Bubendorf in die höchste Schweizer Spielklasse NLA. In früheren Jahren gelang dies als einer der ersten Tanja Dürrenberger. Beim FFC Zuchwil kamen unter anderem Nicole Pletscher oder Larissa Ziegler zum Einsatz. Letztere wechselte später zurück zum FC Concordia Basel, wo sie zusammen mit den drei Bubendörferinnen Eva-Luzia Recher, Stefanie Herrmann sowie Ramona Thommen in die NLA aufstieg. Bei den FC Basel Frauen sind heute mit Eva-Luzia Recher und Priska Schaufelbühl immer noch zwei ehemalige Juniorinnen des FC Bubendorf ein fester Bestandteil des Kaders. Dies darf für den FC Bubendorf als grosser Erfolg für ihre Ausbildungsarbeit gewertet werden. Neue Anlage war ausschlaggebend Der Entscheid, in Bubendorf nun endlich eine Frauenmannschaft zu gründen, fiel nicht von heute auf morgen. Der Wunsch war schon lange da, die Kapazitäten durch die veraltete Anlage jedoch nicht vorhanden. Nachdem im vergangenen November endlich die Bewilligung des Kunstrasenfeldes auf dem Tisch lag, begann gleichzeitig auch die Planung zur Gründung einer Frauenmannschaft. Ziel war es, durch Gespräche ehemalige Juniorinnen zur Rückkehr zu bewegen und die Mannschaft mit neuen Spielerinnen zu ergänzen. Larissa Ziegler und Ramona Thommen

(beide FC Basel Frauen NLA) sowie Stephanie Herrmann (SV Sissach Frauen 1. Liga), waren bereit, ihre Karrieren zugunsten der neuen Frauenmannschaft aufzugeben. „Wir haben immer gesagt, dass wir irgendwann nach Bubendorf zurückkehren werden. Denn hier sind wir zuhause und fühlen uns in diesem familiären Umfeld sehr wohl“, sagen alle drei unisono. „Mit diesem Schritt möchten wir dem Verein auch etwas für die Ausbildung zurückgeben, welche wir in den Juniorenzeiten hier genossen haben“, ergänzt Captain Stefanie Herrmann. Herausforderung Für die beiden Trainer Stephan Buess und Raoul Bürgin stellt das Projekt Frauenmannschaft aber auch eine Herausforderung dar. Denn nicht alle der 22 Spielerinnen können Fussball spielen. Zum Teil sind es blutige Anfängerinnen. „Es ist nicht einfach, doch wir versuchen die Trainings so zu gestalten, dass alle davon profitieren können“, erklärt Buess. Das Trainerduo erwartet von seinen gestandenen Fussballerinnen (neben Thommen, Ziegler und Herrmann hat etwa die Hälfte bereits Erfahrung aus einem anderen Verein) denn auch eine gewisse Leaderfunktion. Mit viel Kommunikation auf dem Feld und gegenseitigem Mut zusprechen möchten sie einander helfen und sich stetig verbessern. „Wir wussten, auf was wir uns hier einlassen und können den Neuen viel beibringen“, meint Larissa Ziegler. Aber Ramona Thommen ergänzt ehrlich: „Es liegt auf der Hand, dass es auch schwierige Situationen gibt, wo ich manchmal die Hände verwerfe“. Doch die 22 Spielerinnen sind trotz den fussballerischen Unterschieden bereits jetzt eine verschworene Truppe und haben auf und neben dem Platz eine Menge Spass zusammen. Das Potenzial für höhere Aufgaben ist also vorhanden – und das Ziel auch: „Es ist klar, dass unser Ziel wenn immer möglich Aufstieg heisst, “ erklärt Trainer Buess abschliessend.


Footbag? Tina Aeberli! Mit 20 Jahren hat Tina Aeberli eigentlich schon alles erreicht, was eine Footbag-Spielerin erreichen kann. Mehrfache Europa-und Weltmeisterin. Nebst dem Sport fängt Tina Aeberli bald mit ihrem Medizin-Studium an. Wir haben die junge Footbag-Spielerin zum Interview getroffen. Von Jill Zimmerli Du bist erst gerade aus San Francisco mit deinem 5. Weltmeistertitel im Gepäck zurück in die Schweiz. Kann man dich überhaupt noch schlagen? Sie versuchen es jedes Jahr wieder. Jedoch habe ich einen grossen Vorsprung auf Sie. Aber: die Konkurrenz schläft sicher nicht. Die Frauen aus Europa, genauer gesagt aus Russland, Dänemark und Polen sind stark. Seit wann und wie bist du eigentlich zum Footbag gekommen? Vor ca. sechseinhalb Jahren hat alles in einem Sportferienlager angefangen. Ich habe mich für zwei Sportarten, Footbag und Fussball entschieden. Im Kurs war ein Profi anwesend und zeigte uns, was wir mit diesem kleinen Ball alles machen können. Da hat es mich gepackt. Wo holst du dir deine Inspiration für die Tricks? Beim Footbag hat man eigentlich nie ausgelernt. Es gibt so viele Tricks, da kann ich immer noch welche dazu lernen. Ich schaue mir aber auch Tricks von anderen Spielern während Turnieren oder in Videos ab.

ge ich einfach meine Kür, bei den Männern muss ich wirklich anstrengen. Bei einem internationeln Turnier habe ich schon einmal den 3. Platz bei den Männern erreicht. Ich habe also gewisse Chancen. Im Frauenfussball können zurzeit nur wenige Spielerinnen von ihrem Können leben. Wie sieht dies bei dir aus? Also bei Footbag ist es allgemein ein wenig kritisch. Es gibt aber keinen grossen Unterschied zwischen Männer und Frauen. Zurzeit kann ich davon leben. Ich trete einfach bei Shows, Workshops, etc. auf. Aber man macht nicht das grosse Geld damit. Auch bei Turnieren macht man meistens eine Nullrunde was das Geld anbelangt. Was sind deine Ziele für die Zukunft? Du hast ja schon alles erreicht? Ich denke eigentlich gar nicht an meine Titel. Und ich kann noch so viel lernen. Mein Ziel ist es Footbag bekannter zu machen, weil die Sportart so interessant und spannend ist.

Wie muss man sich einen Footbag-Wettkampf vorstellen? Bei Turnieren kommen Spieler aus der ganzen Welt zusammen. Die Spiele sind in verschiedene Disziplinen aufgeteilt. Die wichtigste dabei nennt sich Routine. Während zweienhalb Minuten muss man seine Kür zeigen. Die Jury entscheidet dann anhand von verschiedenen Kriterien wieviele Punkte man bekommt. Es kommt aber nicht nur darauf an, wie schwierig die Tricks sind, sondern ob die Kür zu Musik passt und wie viele Male der Footbag vom Fuss fällt.. Du hast ja schon einiges gewonnen. Kannst du nicht einmal gegen Männer antreten, damit du eine neue Herausforderung hast? Ja eigentlich könnte ich gegen die Männer antreten. Bei gewissen Turnieren habe ich dies auch schon getan, bei Weltmeisterschaften noch nicht. Da wollte ich einfach immer bei den Damen gewinnen. Ich überlege mir aber für die nächste WM in beiden Kategorien, Frauen und Open, teilzunehmen. Hast du überhaupt Chancen gegen die Männer? Ja ich merke selber, dass wenn ich gegen die Männer spiele, meine Motivation nochmals steigt. Bei den Frauen zei-

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Gesteigerter Stellenwert des Frauenfussballs schafft auch Probleme Der wachsende Erfolg des Frauenfussballs in der Schweiz macht sich nicht nur in der Breite bemerkbar. Neben der immer grösser werdenden Anzahl lizenzierter Frauen steigt das Niveau der Spitzenfussballerinnen im internationalen Vergleich kontinuierlich. Um diesem Phänomen gerecht zu werden, braucht es eine bessere Ausbildung für Trainer und Trainerinnen. Von Tania Lienhard Die Technische Abteilung des SFV hat erwirkt, dass ab 2010/2011 künftig Trainerinnen und Trainer, die ein NLAFrauenteam betreuen wollen, ein A-Diplom brauchen. Bis anhin war ein Diplom B+ dafür ausreichend. Damit stellt der Fussballverband die Frauenabteilung auf die Stufe, die beim Hand- und Basketballverband bereits etwas länger Realität ist: Für die oberste Liga ist die höchste Trainerausbildung des Verbandes vonnöten. Was danach folgt ist der Instruktor und darauf die UEFA-Pro-Lizenz, welche für die Übernahme eines A-Nationalteams oder eines Super League Vereins gebraucht wird. Nun sollen hier aber nicht die sich auch in ihrer Ausbildung wohl differierenden Sportarten miteinander verglichen werden. Auffallend ist aber, dass die Schere zwischen Männer- und Frauentrainerinnen und Trainer im Fussball bis anhin gross war. Dass jemand, der einem Super League Team vorsteht, über das A-Diplom hinaus eine UEFA-Pro-Lizenz besitzen muss, leuchtet ein. Immerhin wird hier vom Profisport gesprochen, ganz im Gegensatz zu Männerhand- oder Basketball in der Schweiz. Dass aber die Frauentrainerinnen und -Trainer in den anderen Sportarten bisher auf einem verbandsintern höheren Level sein mussten als im Fussball, überrascht. Qualitätssteigerung mit Problemen Sonia Testaguzza, Ressortleiterin Mädchen- und Frauenfussball, weiss um die Bedeutung der Anspruchssteigerung an Frauentrainerinnen- und Trainer: „Hier geht es um die Qualitätsfrage. Mit der Erhöhung der Anforderungen an Trainerinnen und Trainer wird der Stellenwert der NLA unterstrichen. “ Da der Frauenfussball in der Schweiz immer noch Amateurstatus hat, braucht es natürlich viel Leidenschaft, um ein Team zu übernehmen“, berichtet Sonia Testaguzza. Denn das ist arbeitsintensiv und finanziell nur selten wirklich lohnenswert. Die Technische Abteilung beobachtet die Situation im Frauenfussball genau und sie ist deshalb zur Entscheidung gelangt, die A-Diplom-Pflicht einzuführen.. „Wir wollen den Frauenfussball weiterbringen und es war an der Zeit, diesen Schritt zu machen“, so berichtet Sonia Testaguzza. Den Frauenfussball professionalisieren will auch Roger Kutter, der Technische Leiter der Frauenabteilung SC Kriens. Er findet aber problematisch, dass die Forderungen vom Verband an die Trainer ohne entsprechende finanzielle Unterstützung vonstatten gehen. Um das „Label“ zu erfüllen, das an die NLA-Vereine gestellt wird (u.a. Infrastruktur, Trainerausbildung, min-

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destens vier Trainings pro Woche), reichen die vom Verband zugesprochenen 10‘000 Franken Rückvergütung an die Vereine nicht. „Damit können wir nicht einmal einen Trainer bezahlen“, so Kutter. Zwar begrüsst er die höheren Anforderungen an die Trainer, weiss aber auch, dass jemand, der ein A-Diplom besitzt, im Männerfussball viel mehr Geld verdienen kann und die Leidenschaft für den Frauenfussball gross sein muss, damit diese Person eine Frauenequipe übernimmt. Eine weitere Schwierigkeit sieht Kutter darin, dass der Verband die Vereine vor vollendete Tatsachen stellt, indem er ihnen seine Forderungen bekannt gibt, ohne darüber mit den Vereinen debattiert zu haben. „Das Beste wäre es, wenn wir eine Präsidentenkonferenz hätten, die vom SFV organisiert wird. So könnten wir über Verbesserungsvorschläge diskutieren.“ Kutter ist der Überzeugung, dass einige Vereine im nächsten Sommer, wenn die Frist zur Erlangung des A-Diploms der Trainer abgelaufen ist, Probleme haben werden, eine geeignete Person für die Seitenlinie zu finden. Und das nicht nur, weil A-Diplomierte andere Gehaltsvorstellungen haben. „Viele Teams kämpfen schon um die Erfüllung der vier verlangten Trainingseinheiten pro Woche, die alle bezahlt sein müssen“, sagt Kutter. So wäre er froh, wenn zuerst die Grundsatzprobleme gelöst würden, bevor die seiner Meinung nach durchaus sinnvolle Forderung nach A-Diplomierten durchgesetzt würde. Vielleicht zieht der durchaus gute Schritt in die richtige Richtung viele andere nach sich.

Verfügt über die nötigen Lizenzen: Susanne Gubler, hier noch Trainerin beim FC Zürich Frauen, im Gespräch mit Jessica Berger Bild: Chris Blattmann


Ein Spiel der Superlative A - N AT I O N A L M A N N S C H A F T

Beim letzen Qualifikationsspiel der Schweiz für die WM 2011 in Deutschland gegen Kasachstan gewann die Schweiz 8:0. Matchwinnerin war Ana-Maria Crnogorcevic mit fünf Toren vor 1100 Zuschauerinnen und Zuschauern. Text: Helen Hürlimann Bilder: Jasmin Keller Das Spiel in Freiburg startete bei besten Bedingungen fulminant. Die Schweizerinnen führten bereits nach elf Minuten 3:0. Sie überzeugten durch ihr Kurzpassspiel, das die Kasachinnen nicht zu stören vermochten. Im Heimteam fehlte Ramona Bachmann; die in den USA spielende Stürmerin war gesperrt. Ana-Maria Crnogorcevic schloss die Lücke und schoss Tor um Tor, fünf waren es am Ende. Die 19jährige Crnogorcevic spielt in Hamburg beim HSV. Dank ihrer Leistungen in Fribourg konnte sie sich Trainerin von Siebenthal empfehlen. Crnogorcevic hütet im Nationalteam meistens die Ersatzbank.

Comeback und Tor: Selina Zumbühl‘s Treffer zum 2:0 wird gefeiert

Zurück im Team waren die beiden Zürcherinnen Selina Zumbühl und auch Sandra Betschart spielte nach einer Verletzungspause das erste Mal die ganze Spielzeit.

alleine vor dem Tor auf die Torhüterin schoss. Der Ball prallte aber ab, Dickenmann rechnete offenbar nicht damit. Bei einer klaren Führung ist das auch nicht weiter schlimm, wäre das Spiel ausgeglichener gewesen, wäre das eine verpatzte Torchance, die schmerzt. Der kasachische Trainer sagte nach dem Spiel, dieses Spiel sei für ihn wie eine kalte Dusche gewesen. Im Hinspiel fand sein Team noch den Anschlusstreffer zum drei zu zwei. Als Grund für die hohe Niederlage gab er die beschwerliche Reise und den Zeitunterschied an. In Kasachstan sind 2000 Fussballerinnen lizenziert. Das ist wenig bei einer Einwohnerzahl von über 16 Millionen. Kasachstan gehörte früher zur Sowjetunion. Erst seit 2003 gibt es eine Frauensektion im Fussballverband des jungen Landes. Russinnen spielten unentschieden Während die Schweizerinnen die Kasachinnen deklassierten, spielten in derselben Gruppe Irland gegen Russland unentschieden. Das heisst, die Schweizerinnen führen die Tabelle mit Abstand an. Das nützt aber nichts, sie müssen im September in die Barrage. Dort warten Gegnerinnen aus der oberen Tabellenhälfte des UEFA-Rankings: Schweden, Norwegen, Frankreich oder England könnten den Schweizerinnen Ende August zugelost werden. Zwei Norweger haben das Spiel in Freiburg gefilmt. Der Schweizer Fussballverband hat nicht die Möglichkeit, alle potentiellen Gegnerinnen zu scouten.

Die Schweizerinnen deklassierten die Gäste aus dem Osten. Im Hinspiel vermochten die Kasachinnen jeweils auszugleichen nach den ersten zwei Toren, das gelang ihnen in Freiburg nicht. Die Schweizerinnen spielten stark, das konnten sie aber nur dank der schwachen Leistung der Kasachinnen. Diese vermochten den Ball selten über die Mittellinie zu bringen, im Strafraum der Schweizer Torhüterin Marisa Brunner tauchten sie praktisch gar nicht auf. Wenn, dann mit Schüssen, die Brunner problemlos hielt. Chancen vergeben Für das Heimteam hätte es auch 10:0 heissen können, nicht aus jeder Chance resultierte ein Tor. Captain Lara Dickenmann resignierte, also sie den Ball

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Wurde zur Routine: Der Ball zappelt im kasachischen Tor


Die Startaufstellung der siegreichen Nationalmannschaft: hinten, v.l: Lara Dickenmann, Marisa Brunner, Marina Keller, Caroline Abbé, Sandy Maendly, Ana-Maria Crnogorcevic vorne, v.l: Noémy Beney, Nicole Remund, Sandra Betschart, Selina Zumbühl, Martina Moser

Die Schweizerinnen geben aber nicht Forfait. Mit dem in den letzten Spielen gegen Iralnd, Russland und Kasachstan gewonnen Selbstvertrauen ist alles möglich, sagte Trainerin von Siebenthal nach dem Spiel. Sie wollte sich nicht in die Karten schauen lassen, wen sie am liebsten hätte in der Barrage, sie nehme was komme: „Mit dem ersten Rang in der Tabelle haben wir ein Teilziel erreicht.“ Komplizierte Qualifikation Falls die Schweizerinnen sich nicht direkt qualifizieren können, bleibt ihnen nach der Barrage noch eine Chance. Die vier Verliererinnen spielen in zwei weiteren Barrage- Hinund Rückspielen gegeneinander. Die Siegerin darf mit der drittplatzierten aus der Concacef, also der Nord- und Mittelamerika-Zone um den letzten WM-Platz kämpfen. Da gehören klingende Namen wie Costa-Rica, Guatemala und Trinidad & Tabago dazu. Die Concacef ermittlelt ihre WM-Teilnehmerinnen an einem Turnier Anfang November. Bis dann spielen die Europäerinnen ihre Barrages. «

Freiburg - 1200 Zuschauer SR Westrum-Pedersen (No). -Tore: 4. Crnogorcevic (Hamburger SV) 1:0. 7. Zumbühl (Zürich) 2:0. 11. Moser (VfL Wolfsburg) 3:0. 27. Crnogorcevic 4:0. 44. Crnogorcevic 5:0. 56. Moser 6:0. 57. Crnogorcevic 7:0. 76. Crnogorcevic 8:0. Schweiz: Brunner (SC Freiburg); Marina Keller (UD Levante), Abbé (Yverdon)/46. Stein (SC Freiburg), Betschart (Zürich); Moser (VfL Wolfsburg)/71. Lara Keller (Kriens), Beney (Saarbrücken), Maendly (Young Boys)/63. Mehmeti (Young Boys), Zumbühl (Zürich); Dickenmann (Olympique Lyonnais); Crnogorcevic (Hamburger SV). (si/pg)

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MEISTERSCHAFT THUN - YB 0:6 Von Martin Bieri

Für den FC Thun hat die neue Saison zu früh begonnen. Erst wurde der Verein vom Wechsel Jennifer Oehrlis zu Basel überrascht, dann verletzte sich Stephanie Kaderli an der U20 WM: Plötzlich standen die Oberländerinnen ohne Goalie da. Bis zum ersten Spiel beim Meister in Zürich konnte kein Ersatz verpflichtet werden und weil die Torhüterin der U18 bei Worb Femina mit einem 1. LigaPass registriert und darum in der NLA nicht spielberechtigt ist, musste mit Martina Frey eine Feldspielerin gegen den FCZ ins Tor. Thun verlor 12:0. Umso erleichterter war Patrick Knuchel, der Trainer der Thunerinnen, als am Morgen des zweiten Spieltags die Lizenz für Tania Marbach, bisher bei Yverdon Feminin Ersatz, eintraf: „Yverdon ist uns sehr entgegengekommen. Das war wirklich sportlich von ihnen“, sagt Knuchel. Trotzdem sieht er YB vor dem Spiel als Favoriten. Rolf Kirchhofer, Coach der Stadtbernerinnen, pflichtet ihm bei: „Es ist uns egal, wer bei Thun im Tor steht, wir wollen so oder so gewinnen.“ Der Gefahr, dass seine Leute den Gegner nach dem eigenen guten - Sieg gegen GC - und dem schlechten Start der Thunerinnen unterschätzen, will er mit einem Appell an die Ehre begegnen: „Es ist immerhin ein Derby“. Von einer besondern Rivalität ist auf dem Feld wenig zu sehen. Viel hingegen von der erwarteten Dominanz von YB. Schon nach zwei Minuten bringt Sandy Maendly ihre Farben nach einer Unachtsamkeit der Thunerinnen in Führung - als hätte nicht nur die Saison, sondern auch dieses Spiel für die Oberländerinnen zu früh begonnen. Die Stadtbernerinnen hingegen treten engagiert auf und zei-

NLA gen Ansätze des kultivierten, schnellen Fussballs, den man seit Monaten von ihnen kennt. Erst ab der 30. Minute, und nachdem Veronica Maglia nach schöner Vorarbeit von Lia Wälti das 2:0 erzielt hat, zieht sich YB etwas zurück, was den Gastgeberinnen ermöglicht, die andere Platzhälfte zu erkunden. Zählbares resultiert bis zur Halbzeit daraus aber nicht. Kurz nach der Pause wechselt Rolf Kirchhofer seinen Angriff aus und bringt Annina Spahr und die Ex-Thunerin Sarina Schenkel. Besonders Spahrs Schnelligkeit macht Thuns Abwehr sofort Probleme, so dass sich Andrea Michel in der 50. Minute nur noch mit einer Notbremse zu helfen weiss und dafür des Feldes verwiesen wird. In dieser Situation verzichtet Patrick Knuchel seinerseits auf einen Sturm und lässt bloss noch verteidigen. Das geht, trotz etlicher Chancen für den Gegner, erstaunlich lange gut. Erst, als langsam der Vorwurf keimt, YB mache zu wenig aus seiner Überlegenheit, fallen die Tore: Zwischen der 67. und der 75. Minute erhöhen zweimal Spahr, Maendly und Emmenegger auf 0:6. Die jungen Thunerinnen, im Durchschnitt keine 20 Jahre alt, verlieren viele Bälle schnell und lassen den Technikerinnen von YB Freiheiten. Weil die Gelbschwarzen aber nicht jeden Angriff konzentriert beenden, bleibt es bis zum Ende der Partie beim halben Dutzend. Immerhin hat sich das Thuner Goalieproblem gelöst. Tania Marbach zeigt, dem Resultat zum Trotz, dass sie eine talentierte Torhüterin ist. Ihr Gegenüber, Janine Chamot, kann sich an diesem Abend nicht auszeichnen. Sie verbringt mehr Zeit ausserhalb ihres Strafraums als innerhalb. Ein Bild aus besseren Zeiten: Thun, damals noch Rot/Schwarz Thun, wird Cupsieger 2009 Bild: Chris Blattmann

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FC Lotzwil/Madiswil – FC Herzogenbuchsee 0:5 Aller Anfang ist schwer

4. Liga

Text und Bild: Seraina Degen Die Frauenabteilung beim FC Lotzwil/Madiswil ist in jeglicher Hinsicht noch jung. Die Spielerinnen des Teams sind im Durchschnitt gerade einmal siebzehn Jahre alt und für das Team ist es die erste Saison im Aktivfussball überhaupt. Das erste Heimspiel der Saison gegen den Lokalrivalen FC Herzogenbuchsee war also zugleich eine Premiere in der 84-jährigen Vereinsgeschichte: zum ersten Mal spielte eine Frauenmannschaft auf dem Kirchenfeld in Lotzwil. Die Gäste gingen als klare Favoriten ins Spiel, haben sie doch fussballerisch mehr Erfahrung vorzuweisen. Denn die Frauenbewegung hat in Herzogenbuchsee bereits im Jahre 2007 begonnen und Trainerassistent Markus Rüfenacht konnte an diesem Nachmittag auf ein eingespieltes Team zählen. Da hatte sein Gegenüber Walter Ryser mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: „Wir hatten keine wirkliche Vorbereitung. Viele Spielerinnen kamen direkt aus den Ferien zum Spiel“, erklärte er die schwierige Situation. Dass lediglich zwei seiner Spielerinnen fussballerische Erfahrung haben, war eigentlich fast schon Nebensache. So waren es die Gäste, die von Beginn weg das Spieldiktat übernahmen und den Lotzwilerinnen meist einen Schritt voraus waren. Diese machten ihre Unerfahrenheit mit einem grossen Willen und viel Kampfgeist wett. Der Torrei-

gen seitens von Herzogenbuchsee wurde zwar bereits in der 8. Minute eröffnet. Bis zur Pause hiess es 3:0 für die Gäste, doch hätte das Score eigentlich noch höher ausfallen müssen. Einerseits tat sich Herzogenbuchsee trotz der spielerischen Überlegenheit schwer. Sie warteten oft zu lange mit dem Abspiel, so dass eine Lotzwilerin erfolgreich dazwischen gehen konnte. Oder aber die starke, erst 14-jährige Torhüterin Fabienne Elsasser machte die Chancen gekonnt zunichte. „Unser Goalie trägt die Mannschaft“, sagt denn auch Ryser. In der zweiten Halbzeit liess die Kondition schliesslich auf beiden Seiten etwas nach. Herzogenbuchsee gelangen noch zwei schöne Tore zum deutlichen Endstand von 5:0. Der Derbysieg war verdient für die Gäste. „Eigentlich ein akzeptables Resultat für uns“, zeigte sich Ryser aufgrund der vielen Defizite seines Teams zufrieden. In Lotzwil bleibt trotzdem noch viel zu tun, das weiss auch der Trainer: „Wir nehmen nun Spiel für Spiel und hoffen, irgendwann mal ein positives Resultat erzielen zu können.“

Die Frauen aus Herzogenbuchsee waren den Lotzwilerinnen meist einen Schritt voraus

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Aus der KAtakombe Die monatliche Kolumne von KA Lehmann, exklusiv im Frauenfussball-Magazin Bravo Schweiz! Nein, wir sind nicht an den eigenen Nerven gescheitert und spielten ein auf immer und ewig nervendes Unentschieden gegen Kasachstan. Wir würgten auch nicht in der 93. Minute per Zufall das 1-0 rein. Im Gegenteil: Souverän erspielte sich die Nati einen 8-0 Kantersieg. Woran liegt dies wohl, dass wir so unschweizerisch plötzlich in wichtigen Situationen auch erfolgreich sind? Es liegt wohl kaum daran, dass die Spielerinnen vom Publikum nach vorne gepusht wurden, sozusagen zum Gruppensieg getragen. Eine richtige Fan-Bewegung konnten wir leider nicht auslösen, wie es das Schweizer Volk normalerweise pflegt, wenn eine Schweizer Sportlerin oder ein Schweizer Sportler – oder noch besser ein Schweizer Team - Erfolg hat. Beispiel gefällig? Haben sie OL gekannt, ehe Simone NiggliLuder diesen Sport weltweit so dominierte? Ich begegnete kaum einem Wanderer ohne Karte in der Hand nach ihrem Weltmeistertitel. Man begrüßte sich auf dem Berg nicht mehr mit „Grüezi“ sondern „guet Niggli“. Euphorie und Fan-Sein pur. Ich habe mir die Mühe genommen und zusammengerechnet wie viele Zuschauer zu den WM-Qualifikation Spielen in der Schweiz kamen. Vielen Dank, dass es nicht so viele waren – so konnte ich noch alles im Kopf ausrechnen. Total kamen 5600 Zuschauer zu allen Heimspielen, was einen Schnitt von 1400 pro Spiel macht. Wenn ich bedenke, dass mittlerweile über 23.000 Mädchen und Frauen in der Schweiz Fußball spielen, frage ich mich wo die denn alle sind? Wer, wenn nicht wir, die selber tschutten, sollten denn die Spiele unserer Nati sehen? Es werden sogar Fan-Reisen orga-

nisiert, bei denen man sich nur anmelden muss, eine knappe E-Mail schreiben und pünktlich am richtigen Ort sein. Also wirklich überhaupt nicht zu viel verlangt – und trotzdem kommt die Reise nicht zu Stande, weil zu wenige Anmeldungen eintreffen. Wir sind zu bequem – wir Fußballerinnen sind zu bequem und erkennen nicht, dass wir zuerst unbedingt eine erfolgreiche Nati brauchen, damit der gesamte Frauenfußball wächst. Aber wir warten lieber zu Hause, bis ein MädchenFußball-Team abgemeldet wird, um dann im Nachhinein wieder auszurufen „typisch, für ä Maitli-Mannschaft häts wieder kei Platz“. Dies ist einfach, denn man kann es von zu Hause aus machen – oder via Facebook oder was es sonst noch alles gibt klagen. Unserem Sport nützt klagen aber nichts. Man muss immer noch als Zuschauer physisch anwesend sein, um ein Team nach vorne zu klatschen. Um Fan zu sein! Sowie man auch physisch anwesend sein sollte, wenn man in einem Wettbewerb einen gratis Platz in einem Mädchenfußball-Camp gewinnt. Und nicht einfach ohne ein Wort zu sagen nicht kommen und vielleicht einem anderen Mädchen den Platz wegnehmen, das mit geschnürten Schuhen und Fußballliebe im Herzen dagestanden wäre. Eines müssen wir uns einfach auch mal klar machen: Einfach nur „Freund“ im Internet zu sein oder „I like“ zu drücken bedeutet nicht, Fan zu sein. Eigentlich können wir Schweizer das doch ganz gut, das FanSein. Nur im Frauenfußball müssen wir wohl noch üben. Die Barrage-Spiele sind gleich die beste Gelegenheit dafür! Live und im Stadion und mit „guet Nati“! Bis bald in der KAtakombe Ihre KA Lehmann

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September 2010  

Die September-Ausgabe des Frauenfussball-Magazins

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